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Zavor

WHFB Wege zur Verdammnis

38 Beiträge in diesem Thema

Seid mir gegrüßt, Freunde des gepflegten Wortes und der Lyrik.

 

Wie die Abstimmung an anderer Stelle ergeben hat, wird die erste meiner beiden unfertigen Geschichten, die ich abzuschließen gedenke, die Erzählung über die "Wege zur Verdammnis" sein.

 

Ich werde mich bemühen, die Geschichte regelmäßig - im Optimalfall wöchentlich - fortzuführen. Natürlich steht es Euch frei, meine Arbeiten zu kommentieren oder auch konstruktiv zu kritisieren.

 

Abschließend bleibt natürlich noch der opligatorische Wunsch, dass Euch die nachfolgenden Zeilen gut unterhalten mögen. Und so es die Chaosgötter wollen, werden auch sie sich mit dem einverstanden zeigen, was meinem Geiste da so entspringt.

 

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Ein eisiger Wind zog über die Häuser und Hütten des Stammes. Die tiefe Nacht hatte schon Einzug gehalten und alle Stammesmitglieder schliefen, um sich für den morgigen Tag auszuruhen. Der kommende Tag sollte als einer der wichtigsten in der Geschichte des Stammes der Walgs Einzug halten. Die Männer bereiteten sich schon lange auf diesen Tag vor, diesen Tag, an dem der verfeindete Stamm der Samniner endlich vernichtet werden sollte.

 

Unter den sich vorbereitenden Kriegern befand sich auch der junge Tholon. Ein Barbar von neunzehn Jahren, der sich als würdig erwies, den Status eines walgischen Kämpfers tragen und die traditionelle Waffe des Stammes, die Zweihandaxt, führen zu dürfen. Er besaß zwar nicht ganz die Statur eines normalen Chaosbarbaren, doch er hatte ein überdurchschnittliches Reaktionsvermögen und ein recht hohes taktisches Verständnis, welches ihm den Respekt des Großteils der anderen Stammesmitglieder einbrachte. Wie alle Krieger des Stammes war auch Tholon inniger Anhänger des ungeteilten Chaos.

 

Pünktlich, als die ersten Sonnenstrahlen schwach das Erwachen des verfinsterten Feuerballs ankündigten, standen die Streitkräfte der Walgs bereit. Jeder einzelne Barbar hielt mit grimmiger Mine seine Waffe. Jeder von ihnen war willens, sein Leben für den jeweils Anderen und für den Sieg über die Feinde zu geben. Das Gesicht eines jeden Stammesmitgliedes zeigte die Art Kampfgeist, den die Walger auszeichnete. Zu seinen Truppen gewandt, auf einem aus bleichen Knochen gebautem Podest stehend blickte Xylas, der Stammeshäuptling, voller Zuversicht in die Augen eines jeden Kämpfers. Jeder, der unter seinem Kommando an diesem Tag, der mit Blut besiegelt werden sollte, stand, war angetreten.

 

Xylas, ein Mann mit wildem grauen Haar, war schon seit zwei Jahrzehnten der Häuptling des Stammes und bis auf ihn selbst und den Stammesschamanen wusste kein Mitglied der Walgs, wie alt Xylas überhaupt war. Sein Oberkörper war bedeckt mit den Narben vieler Kämpfe und ebenso viele Trophäen wie Talismane und Anhänger, erbeutet von den Champions verfeindeter Stämme und Abteilungen der imperialen und kislevitischen Streitkräfte, zierten seinen Hals und ein schneeweißes Fell eines norsischen Winterbären, der von Xylas eigenhändig erschlagen worden war, hing auf seinen Schultern vom Rücken herab. Bis zum heutigen Tage hatte es nur ein Mann gewagt, Xylas als Stammeshäuptling herauszufordern. Jedoch ist von diesem Mann nur wenig übrig geblieben, als dass diese Herausforderung als sehr erwähnenswert erachtet werden konnte. Der walgische Stammeshäuptling war kein Mann vieler Worte. Aber jene, welche er aussprach, hatten großes Gewicht. So auch an diesem Tage:

 

"Heute, tapfere Walger, wird der Tag unseres Stammes sein! Unseren Feind, die abtrünnigen samninischen Anhänger der Schlange, werden wir heute mit unserem blutigen Zorn in den Staub werfen und die Lehre des ungeteilten Chaos über alle Stämme, die hinter dem Gebiet der Samniner liegen, mit eisernem Willen verbreiten!"

 

Aus diesen wohlüberlegten Worten lies sich auch die missionarische Kultur des Stammes heraushören. Natürlich war jede der Gruppen und Gruppierungen, die sich im Land der Norse und der Chaoswüste antreffen lies, bedacht darauf, das Wort ihres Gottes hinauszutragen und gegenüber anderen Stämmen zu verteidigen. Die Walger indes beließen es nicht nur bei der Verteidigung, man konnte sie schon als religiöse Fanatiker anerkennen. Ob dies auf eine starke Prägung früherer Tage zurückzuführen war oder die vergleichsweise geringe Zahl an Männern kompensieren sollte, würde sich wohl nie restlos beantworten lassen.

 

Xylas hatte es wieder einmal geschafft: Seine Krieger jubelten ihm zu und krächzten und gröhlten das Wort 'Khaos' in seiner archaischen, ursprünglichen Bedeutung. Sie hoben ihre Zweihandäxte empor und jubelten ihrem Anführer zu. Sie waren sich sicher: Blut würde heute fließen, Blut, das ihren Sieg besiegeln würde. Der ergraute Häuptling lächelte knapp, aber zufrieden, bevor er von dem Podest sprang und in Richtung des Schlachtfeldes zog, das für den Kampf ausgewählt worden war, seine Krieger dicht hinter sich.

 

Die Walger schritten voller Begeisterung durch die karge Gesteinswüste, über trockenes Geröll und vertrocknete, graue Erde. Natürlich nicht in Reih und Glied wie die imperialen Truppen, sondern in kurios angeordneten Gruppierungen. Manches Mal schien es, dass sich die Barbaren absurderweise aneinander vorbei zu schieben und drängeln gedachten, um ja als Erstes die Gelegenheit zu haben, die Schädel des Feindes zu spalten.

 

Tholon beteiligte sich nicht an den hier und da aufkommenden Gesängen mancher Krieger und schien etwas gedankenverloren inmitten seiner Stammesbrüder dem Häuptling zu folgen. In dem einen oder anderen Moment blickte er auf die Schneideblätter seiner Axt, auf denen an jeder Seite ein Chaosstern eingeritzt worden war, gefärbt mit dem Blut mehrerer Gor, deren Leiber zuvor durch die Waffe zerfetzt wurden. Wie es im Stamm üblich war, wurde die Waffe vom Vater an den Sohn vererbt. Und Tholon stellte mit seiner Zweihandaxt keine Ausnahme dar. Die Bürger des Imperiums stellten die Chaosbarbaren gerne als Wilde, als blutrünstige Irre ohne Kultur dar. Und auf dem Schlachtfeld mochten sie damit wohl recht behalten. Dennoch pflegte jeder Stamm, jede Gruppe ihre - mitunter primitiven - Bräuche.

 

Natürlich verliert man auf einem solchen Marsch jegliches Zeitgefühl. Aber anhand der sich wandelnden Schatten konnte man erahnen, dass sich die Gruppe gut zwei Stunden auf den Beinen befunden hatte. Plötzlich blieb Xylas stehen und seine Männer bremsten ebenfalls ab, was bei manch unvorsichtigem Barbaren dazu führte, auf den Vordermann zu prallen. Unter anderen Umständen hätte so etwas sicherlich eine Prügelei nach sich gezogen, aber nun beließ es der "Geschädigte" dabei, seinen Stammesbruder mit einem bösen Blick zu bedenken. Jeder Einzelne würde bald genug Möglichkeiten haben, seine Kampfkraft unter Beweis zu stellen.

 

Vor ihnen lag ein seichtes Tal, das in der Länge zu beiden Seiten einem ausgetrockneten Flussbett glich. In der Breite jedoch mochte es wohl um die zweihundert Meter reichen. In der Mitte befand sich ein einzelner Baum. Oder das, was man mit einem Baum in Verbindung brachte. Das Holz war knorrig und die Äste waren verdreht und hingen teilweise gen Boden, anstatt sich in die Höhe zu recken, wie man es sonst kannte. Dieses Feld war durch und durch von den Energien des Chaos durchzogen, die für jeden ihrer Anhänger spürbar waren und belebend wirkten. Zumindest glaubte dies jeder der Anwesenden. Selbst die wilden Hunde und Wölfe, die manche der Barbaren mit sich geführten, stellten das Bellen an diesem Ort ein und schienen sich zu beruhigen.

 

Jeder der Krieger blickte sich um, versuchte, etwas in der Ferne zu entdecken. Die Anspannung unter den Walgern wuchs, da sich der Feind immer noch nicht zeigte. Xylas stand ruhig da und ließ seinen Blick durch die Ferne der um sie liegenden Einöde schweifen. Er war erfahren genug, um sich in Geduld zu üben und sich noch einmal in Seelenruhe auf das bevorstehende Gemetzel vorzubereiten. Und er war auch der Erste, dem ein leicht süßlicher Geruch in die Nase stieg, der aus der Ferne zu ihm und seinen Stammesbrüdern herüber wehte.

 

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Super. Endlich gehts los.

Macht echt Spaß zu lesen. Ist ein toller Anfang und am liebsten würde ich jetzt weiterlesen wollen.

Aber es hilft ja nix.. muss ich halt bis nächste Woche warten.^^

Gruß Kejudarn

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Der walgische Häuptling kniff die Augen zusammen und versuchte auszumachen, was für diesen Geruch verantwortlich war. Es dauerte nicht lange, bis sich aus den grauen Schleiern, die die andere Seite des Tals in leichte Schatten hüllte, eine Vielzahl von Gestalten schälte und sich in den Sichtbereich der bereits wartenden Barbaren schob: Schlussendlich war der Feind doch erschienen, um dieses Schlachtfeld mit Blut zu tränken.

 

Auch die Barbaren der Samniner waren stolze Diener des Chaos. Doch statt sich dem großen Ganzen zu verschreiben, stand dieser Stamm unter dem Einfluss des dunklen Prinzen Slaanesh. Nicht nur, dass das filigrane Symbol auf den zerrissenen Bannern prangte, so bevorzugten die Krieger des Stammes filigrane Schwerter und Dolche, um sich in der Schlacht zu erwehren - sofern man bei Erzeugnissen von Chaosbarbaren das Wort filigran verwenden konnte. Auch wirkten die Stammesbrüder weniger muskulös im Vergleich zu den Walgern, dafür jedoch athletischer.

 

Als auch die Mannen, die unter Xylas' Befehl standen, dem Feind gewahr wurden, unterbrachen sie ihre ungewohnte Stille und brachen in lauten Jubel aus. Gröhlend und geifernd reckten sie ihre grobschlächtigen Äxte in die Höhe und warfen dem verhassten Feind Schmähungen entgegen. Doch ein unbändiger Schrei aus den Reihen der Samniner übertönte die walgische Horde: Aus der Masse tat sich ein Oger hervor, an dessen Hals mehrere Ketten angebracht waren, an deren anderen Enden mehrere Männer das Biest unter Kontrolle zu halten versuchten. Doch dieser Oger war kein gewöhnliches Exemplar seiner Rasse. Die Haut war weißlich und die Gliedmaßen wirkten feiner als gewohnt. Auch mochte man eine Reihe mehr oder weniger voluminöser Brüste ausmachen, die wohl nicht dem Gewicht der Kreatur geschuldet waren. Auch waren zwei Tentakel aus den Flanken des Ogers gewachsen, die schon gierig nach vorne wogen. Dieses Biest war eindeutig vom Prinzen des Chaos gesegnet worden. Doch anstatt Furcht zu verspüren, stieg die Vorfreude in den Herzen der Walger, diese verschandelte Kreatur niederzuringen und Slaaneshs Werk zu missachten.

 

Die Diener des ungeteilten Chaos warteten gespannt, wie ihr Häuptling auf diese neue Bedrohung reagieren würde. Und obgleich sie lieber jetzt als später vorstürmen und sich in das Schlachtgetümmel werfen wollten, waren die Walger doch diszipliniert genug, um auf das Kommando ihres Anführers zu warten. Alle Augen richteten sich auf Xylas, der immer noch voller innerer Ruhe auf die Reihen des Feindes blickte. Doch nur wenige Momente später drehte sich der Häuptling zu seinen Mannen um und sprach abermals mit seiner eindringlichen Stimme:

 

"Seht, meine Krieger und Brüder, seht den Feind vor uns, in all seiner Absurdität. Die Schlange war gründlich bei ihren Kindern, doch wird es ihnen nicht helfen, unserem Zorn zu entgehen. Auch, wenn der dunkle Prinz ihnen viele Geschenke gemacht hat, so ist es doch das Chaos als solches, das uns unsere Stärke verleiht und uns heute obsiegen lassen wird!"

 

Seine Axt in die Höhe reißend verstärkte der erfahrende Xylas seine Worte und die Antwort der Walger war ohrenbetäubend, als alle es ihm gleich taten und ebenfalls ihre Zweihandwaffen gen Himmel reckten und ihren Zorn hinaus brüllten. Auch Tholon hatte sich von der Rede seines Häuptlings anstecken lassen und stimmte in den gröhlenden Chor mit ein.

 

Xylas indes senkte seine Waffe im nächsten Augenblick wieder, drehte sich um und schwang mit den Blättern der Axt nach vorne, um das Signal an seine Mannen zu geben, nach vorne zu stürmen. Die Krieger, die dicht hinter ihrem Anführer standen, setzten sich sofort in Bewegung und begannen mit einem Sprint in Richtung des verkrüppelten Baumes, der die Mitte des bevorstehenden Schlachtfeldes bildete. Nach und nach taten es alle Krieger der Walger es ihren Vorderleuten gleich. Auch die wütenden Hunde wurden frei gelassen und stürmten an der Seite der Chaosbarbaren auf den samnischen Feind zu.

 

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Ein leichtes Beben durchzog das Tal, ein Beben, ausgelöst durch die zahlreichen Füße, die die Körper der Kämpfer nach vorne trugen. Allein die Diener der Schlange blieben noch ruhig, warteten ab, stürzten sich wie ihre Gegenüber noch nicht in die Schlacht. Als die ersten Chaoshunde die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, geriet jedoch Bewegung in die samnischen Anhänger des Slaanesh. Jeder der Walger, der sich seiner Feinde gewahr wurde und nicht durch den herannahenden Blutrausch der Schlacht vernebelt war, konnte beobachten, wie sich der mutierte Oger durch die Reihen der menschlichen Krieger nach vorne schob. Er wurde von seinen Bewachern kurz vor die vorderste Reihe geführt. Ruckartig ließen sie die Ketten, die das Monstrum unter Kontrolle hielten, los.

 

Als es realisierte, dass es wieder Herr seiner eigenen Taten war, richtete das Wesen seinen trüben Blick auf die anstürmenden Krieger des Stammes der Walgs. Als es erkannte, dass hier reiche Beute finden würde, um seinen Hunger zu befriedigen, setzte es seinen schwerfälligen Körper in Bewegung. Die beiden Tentakel gierten nun noch mehr nach vorne. Als die vom Dunklen Prinzen gesegnete Kreatur immer mehr Fahrt aufgenommen hatte, verstärkte sich das Beben, das den Boden durchzog, spürbar. Die Samniner genossen diese Regungen der Erde unter ihnen. Die Krieger des ungeteilten Chaos, die den Ansturm anführten und zum Teil ihren Anführer überholt hatten, ließen sich nicht beirren von dem, was da auf sie zukam. Ihre angestachelte Wut in Verbindung mit ihrer Lust auf einen guten Kampf betäubten ihre Sinne.

 

Ein lauter Knall übertönte die Kriegsrufe der Walger, als der Oger mit voller Wucht und unbändiger Kraft in die ersten Chaosbarbaren rammte und etliche von ihnen allein durch den Aufprall zur Seite oder nach hinten warf. Einige der lebenden Geschossen rissen einige ihrer zum Teil dicht gedrängten Kameraden mit zu Boden. Xylas reagierte als bedachter Anführer sofort und brüllte seinen Mannen zu, sich nicht beirren zu lassen und weiter nach vorne zu rücken. Und tatsächlich schickten sich nun auch die Samniner an, am Schlachtgeschehen teilzunehmen. Auch sie stürmten in das Tal, ihre Klingen über ihren Köpfen schwingend.

 

Nur wenige Augenblicke später trafen die verfeindeten Horden aufeinander und es entbrannte das von beiden Seiten herbeigesehnte Kräftemessen. Klingen trafen aufeinander, Stahl wurde von Rüstungsteilen oder einer anderen Waffe abgelenkt oder wurde tief in das Fleisch des Kontrahenten getrieben. Dabei kam den Samninern die Segnungen der Schlange zu Gute. Mit schnell ausgeführten Stößen und einer für Norse ungewöhnlichen Grazilität vermochten sie viele Attacken in kurzer Zeit anzubringen und einige der unerfahrenen Walger schnell zu überwältigen. Im Gegenzug reichte meist nur ein Hieb der schweren Zweihandäxte aus, um die helle Färbung der samnischen Körper mit dunkelrotem Blut zu beflecken.

 

Rechtzeitig erblickte Tholon aus dem Augenwinkel, wie ein weiterer Feind auf ihn zuhielt, zwei Kurzschwerter in Händen. Mit einem Ruck drehte sich der junge Chaosbarbar herum und hievte mit beiden Händen den Schaft seiner Axt nach oben, um die herannahe Attacke abzuwehren. Er lenkte die Arme des Samniners zur Seite, drehte sich mit diesem herum und schwang seine Axt in einer halbkreisförmigen Bewegung. Mit einem Stoß an die Schulter räumte er den Körper seines Gegenübers zur Seite, nachdem Tholon diesem mit dieser gut gezielten Attacke den Kopf vom Hals getrennt hatte. Der Samniner, der sich ihm entgegen gestellt hatte, war scheinbar arrogant genug gewesen, den jungen Krieger zu unterschätzen. Es hatte in mancher Hinsicht schon einen Vorteil, weniger stark zu wirken wie der typische Nordmann. Bei diesem Gedanken huschte ihm ein kurzes Grinsen über das Gesicht, welches jedoch sofort wieder erstarb, als ein tiefen Grollen in seinem Rücken ertönte.

 

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Und noch einen Leser hast du dazu gewonnen, bitte weiter und bitte mehr, wo war noch mal der Abo-Knopf?

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Als sich der junge Chaosbarbar umdrehte, war er in der gleichen Sekunde gezwungen, einen Schritt zur linken Seite zu machen, als einer seiner Stammesbrüder an ihm vorbeiflog und mit einem ungesund klingenden Knacken auf dem Boden aufschlug. Seinen Blick wieder geradeaus richtend, wurde Tholon der Oger gewahr, der unter den Walgern wütete. Zwar hatte er schon die eine oder andere Wunde erlitten, doch die Verletzungen stachelten die Wut der Kreatur nur noch weiter an. Mehrere tote Männer lagen zu den Füßen des Ogers, manche zum Teil grausam entstellt.

 

Von der Kampfkraft unbeeindruckt rang der kampferfahrene Xylas mit seinem großgewachsenen Kontrahenten und vermochte das Wesen zumindest bis zu einem gewissen Grade in Schach zu halten. Wie Tholon in der Hitze des Kampfes erkennen konnte, hing einer der Tentakel, mit dem die monströse Kreatur gesegnet wurde, leblos vom Wanst herunter und schien durch einen gezielten Axthieb zur Hälfte auseinander geschlagen worden zu sein.

 

Der Kampf des Ogers gegen den walgischen Häuptling lud in gewisser Weise zum Innehalten und Zuschauen ein, doch in Mitten einer Schlacht gab es nur für diejenigen eine Pause, die ihr Leben ausgehaucht hatten. Und so drehte sich Tholon wieder um und entdeckte sogleich einen weiteren der Feinde, der von der Wahrhaftigkeit der Kampfkraft eines Walgers überzeugt werden musste. Zu einem Sprint ansetzend, hielt Tholon seine Zweihandaxt nach unten gerichtet, bis er den Samniner erreicht hatte. Im rechten Moment zog er das nach oben zeigende Axtblatt zur linken Seite, um einen diagonalen Schwung durchzuführen. Damit hatte sein Kontrahent in diesem Moment nicht gerechnet. Zwar warf er der herannahenden Waffe beide Klingen, die er in Händen hielt, entgegen, doch die Wucht von Tholons Attacke schleuderte beide Waffenarme zur Seite. Der Samniner strauchelte und fiel für ihn unglücklich über einen im Staub liegenden Leichnam. Der Chaosbarbar landete schmerzhaft auf dem Rücken. Als er im Begriff war, sich wieder aufzurappeln, blickte er in Tholons Gesicht, das keine Emotion offenbarte. Im nächsten Moment erschlafften die Gliedmaßen und aus der Wunde in der Brust sprudelte eine Blutfontäne.

 

Dann schien es, als befände sich Tholon, der immer noch über dem gerade getöteten Feind stand, in einer Art unsichtbarem Rund, in dem der Kampf aufgehört hatte, zu toben. Ihm war es vergönnt, einige Momente um sich zu blicken, da jeder der am Kampf beteiligten Krieger um sein Leben kämpfte. Tholon sah, wie Walger und Samniner gleichermaßen den Attacken ihrer Gegner erlagen, wie die bestialischen Chaoshunde ihrer Beute an die Gurgel gingen und sie zu Boden zerrten oder ihr Leben in einem voll Schmerz erfüllten Winseln aushauchten. Die Erde unter ihnen sog das Blut der Toten auf, als würde sich die Ebene auf diese Weise ernähren.

 

Als er sich dieser Dinge gewahr wurde, entfalteten sich einige Gedankengänge im zuvor durch einen Kampfrausch verhangenen Geiste des jungen Chaosbarbaren. War dieses Blutvergießen es wert, um über die Vorherrschaft der Götter zu streiten? Sollten die Stämme der Barbaren sich nicht lieber zusammenschließen, um gegen einen gemeinsamen Feind zu rücken? Auch, wenn er die Beweggründe seines eigenen Stammes nie in Frage stellen würde, so war Tholon noch nie so fanatisch wie manch seiner Waffenbrüder oder der erfahrenen Männer im Dorfe. Natürlich war auch er ein glühender Anhänger des Chaos und ein williger Diener der dunklen Götter, doch seine Religiosität konnte nicht mit derjenigen, die das Gros der Walger in sich trug, mithalten, was ihm einige Feinde innerhalb des Stammes einbrachte.

 

Plötzlich spürte Tholon instinktiv eine Präsenz, die sich in seinen Rücken gewagt hatte. Doch dieses Mal konnte er nicht mehr rechtzeitig reagieren, als er herumfuhr und versuchte, den vermeintlichen Feind zu attackieren. Als er sich umgedreht hatte, wurde Tholon einer Klingenspitze gewahr, die in seine Richtung sauste.

 

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Gerade noch rechtzeitig drehte sich der junge Walger ein Stück nach rechts. Die Klinge verfehlte den Hals des Chaosbarbaren, dennoch schnitt sie durch den Oberarm. Blut quoll aus der Wunde und ein beißender Schmerz durchzuckte Tholon. Wut stieg in ihm hoch. Wut über den Schmerz, Wut über den Feind, der ihm diese Wunde zugefügt hatte, aber auch Wut über seine eigene Unaufmerksamkeit. Der Samniner, der ihn verwundet hatte, grinste hämisch und gluckste ob des Blutes, das aus dem Oberarm lief. Tholon machte einen Sprung nach hinten, um sich ein wenig von seinem Feind abzusetzen. An etlichen Stellen auf der blassen Haut hatte sich der Samniner das Symbol des Slannesh wohl mit eigener Hand eingeritzt. Die blass rote Färbung an mancher Stelle deutete darauf hin, dass sich die selbst zugefügten Verletzungen irgendwann einmal entzündet hatten. Der Walger hob seine Axt nach oben, um sich seiner Haut zu erwehren und versuchte so gut als möglich den Schmerz zu ignorieren.

 

Mit einem grausam wirkenden Lächeln auf den Lippen wich der Diener des dunklen Prinzen den Attacken seines Kontrahenten aus. Er spürte, dass Tholon einen Teil seiner Konzentration auf die Wunde gerichtet hatte. Immer wieder brachte der Samniner Nadelstiche ähnelnden Attacken an, die den Walger zusätzlich durcheinander bringen sollten.

 

Diese Taktik schien aufzugehen. Tholon spürte plötzlich einen neuen Impuls des Schmerzes, der durch seinen Körper zuckte, als sein Gegenüber einen Dolch an der Flanke des jungen Chaosbarbaren entlang zog. Die Wut, die Körper und Geist durchflutete, schien zu explodieren und setzte sich im Gemüt des Walgers fest. Die Schwünge mit der Zweihandaxt nahmen an Geschwindigkeit zu. Das Lächeln auf den Lippen des Slaanesh-Dieners erstarb augenblicklich. Zwar waren die Schläge des Walgers nicht allzu präzise und von blinder Wut getrieben, doch sie trieben den Samniner weiter zurück und verlangten, dass er sich seiner eigenen Verteidigung zu widmen hatte. Tholon schien dies zu bemerken, denn er packte seine Waffe an den beiden Enden des Schaftes und stieß diese der vollen Breite nach gegen die Brust des Gegners. Dieser taumelte nach hinten. Die Miene trug nun einen Ausdruck der Verängstigung. Doch noch war der Feind auf den Beinen.

 

Der Schleier der Wut lichtete sich etwas vom Gemüt des Walgers und offenbare den Blick auf eine Lücke in der Verteidigung des Samniners. Eine Idee durchzuckte Tholons Geist: Wohl gezielt rammte er seinen Oberschenkel in die Flanke des Feindes und traf mit dem Knie eines der Slaanesh-Symbole. Dem Samniner blieb die Luft für einen Moment lang weg und so ließ dieser seine Waffen ein wenig nach unten sinken. Nun war es Tholon, der grinste, als er ausholte und mit einem sauberen Schlag dem Feind seiner Bewaffnung entledigte. Der Samniner fiel schreiend zu Boden und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die blutigen Stumpen, an denen noch wenige Augenblicke zuvor seine Hände zu sehen waren.

 

Tholon indes blickte voller Abscheu auf seinen Kontrahenten. Doch den schnellen Tod durch seine Waffe wollte er dem Samniner nicht gönnen. So ließ er den wimmernden Mann liegen und suchte sich einen neuen Feind aus, den er bekämpfen könnte.

 

Als die riesige Faust auf den Boden prallte, war für die nahe stehenden Chaosbarbaren ein kleines Beben zu spüren. Der Oger jedoch hatte mit dem Schlag sein Ziel verfehlt, da Xylas rechtzeitig zu Seite gesprungen war. Seine Axt erhoben schlug der Häuptling des walgischen Stammes den zweiten Tentakel zur Seite, ergriff diesen und trennte das untere Ende mit einer weiteren Attacke ab. Grünliches Blut spritzte hervor und der Oger brüllte auf vor Wut und Schmerz.

 

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Da das aktuelle Semester seinem Ende entgegen naht und ich noch das Eine oder Andere für die Universität tun muss, wird die Fortsetzung der Wege zur Verdammnis auf Anfang April verschoben.

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Grüß dich werter Zavor!

Gut wählst du die Worte hier am wärmenden Feuer in dieser Schänke. Deine Geschichte gefällt mir sehr und ich bin erpicht darauf den weiteren verlauf und Wortlaut lesen zu dürfen der eurer guten Feder entspringt.

Hochachtungsvoll *verbeug*

Balduin :ok:

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Da das aktuelle Semester seinem Ende entgegen naht und ich noch das Eine oder Andere für die Universität tun muss, wird die Fortsetzung der Wege zur Verdammnis auf Anfang April verschoben.

Ein kurzer Blick aufs Datum...18.04...

18=Anfang

04=April

Wann gehts denn jetzt endlich weiter *schmoll*

;)

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Ein weiterer Walger wollte seinem Häuptling zur Hilfe eilen, doch der Oger schlug nun wild um sich und erwischte den Chaosbarbar mit solcher Wucht, dass der Leib etliche Meter zur Seite geschleudert wurde. 'Der wird nicht mehr aufstehen', dachte Tholon bei sich, als er dieses Zeugnis schierer Kraft betrachtete. Währenddessen war Xylas der anderen Faust der monströsen Kreatur ausgewichen und konnte deren Zorn weiter anstacheln, indem er das Schneideblatt seiner Axt gegen den Handrücken des Ogers trieb und dort eine weitere Wunde in das Fleisch riss.

 

Tholon indes hatte sich einen weiteren Samniner ausgeguckt, den er nieder zu schlagen suchte. Mit einem Grinsen auf den Lippen warf er den Kopf seiner Waffe gegen die Brust des Feindes. Vollkommen überrascht von dieser Attacke war der Diener des Dunklen Prinzen nicht mehr in der Lage, rechtzeitig eine Verteidigung aufzubauen. Und als der leblose Körper zu Boden sackte, wischte sich Tholon ein paar Blutspritzer aus dem Gesicht.

 

Im nächsten Moment realisierte der junge Barbar, dass ihn sein eigener Kampf näher an den Oger gebracht hatte. Als er mit ansah, wie dieser einen seiner Waffenbrüder in die Luft hob und mit einem unschön klingenden Knacken dessen Rückgrat brach, war sich Tholon mehr als unschlüssig, wie er zu reagieren hatte. Das Verhältnis zwischen den beiden verfeindeten Stämmen schien im Gleichgewicht zu sein, so weit sich das im Herzen der Schlacht erkennen ließ. Wenn jedoch dieser Oger fallen würde, dann könnte dies zumindest einen moralischen Vorteil für die Walger mit sich bringen.

 

Als ein weiterer Chaosbarbar aus dem Pulk, der sich um den Oger herum gebildet hatte, ausbrach, um seinen Häuptling zu unterstützen, schnellte auch Tholon nach vorne, an dem Monster vorbei. Er fragte sich, warum niemand sonst auf die Idee gekommen war, in den Rücken der Kreatur zu gelangen. Als er jedoch den Oger vermeintlich ausgetrickst hatte, schlug ihm ein weiterer Tentakel entgegen, den er nur unter Mühe mit der Zweihandaxt abwehren konnte. Außerdem tobte auch hier der Kampf Mann gegen Mann. Durch den unerwarteten Angriff ins Straucheln gekommen, suchte der junge Chaosbarbar nach Halt auf dem erdigen Untergrund der Ödnis. Da schlug der Tentakel abermals nach Tholon, doch dieses Mal konnte dieser sich unter der Attacke der Mutation wegducken. Dennoch ließ dieses Zeugnis der Kräfte des Chaos dem Walger keine Gelegenheit, selbst einen Angriff zu starten.

 

Sorge beschlich Tholon, dass ihm einer der Samniner in den Rücken geraten könnte, während er sich der peitschenden Attacken des Tentakels erwehrte. Also fasste sich der Chaosbarbar ein Herz und drängte nach vorne, hieb nach der Mutation und konnte sie tatsächlich erwischen. Zwar vermochte er es seinem Häuptling nicht gleich zu tun und den Tentakel abzutrennen, dennoch hatte die Axt eine tiefe Wunde gerissen. Die Reaktion des Ogers ließ nicht lange auf sich warten. Brüllend drehte sich das Monstrum herum, um Einblick auf das zu gelangen, was sich in seinem Rücken abspielte. Tholon versuchte, mit einem Satz nach hinten von der Kreatur wegzukommen, stieß jedoch mit einem Bein an einen Leichnam, über den er stolperte und hinten über fiel. Doch dies verschaffte dem Walger das Glück im Unglück, denn über seinen Kopf hinweg fuhr die Faust des Ogers, die den Barbaren ansonsten zerschmettert hätte wie etliche Krieger vor ihm.

 

Dennoch war das Resultat des Angriffs von Tholon die Ablenkung, die Xylas gebraucht hatte. Mit einem gewaltigen Schwung wirbelte er seine Waffe herum und trieb das Schneideblatt tief in die Flanke des Ogers. Zwei weitere Chaosbarbaren stürmten heran und hieben ihre Zweihandäxte gegen die Brust des Ogers. Die Kreatur begann unter Getöse zu wanken und zu straucheln. Als es zur Seite kippte, wichen alle Kämpfer zurück. Gerade rechtzeitig realisierte Tholon, dass der massive Körper des Ogers in seine Richtung zu stürzen drohte. Er rappelte sich auf und konnte ein paar Schritte, teilweise gestützt mit einer Hand auf dem Boden, machen, um sich in Sicherheit zu bringen, bevor die Gestalt der besiegten Kreatur mit einem dumpfen Donnern auf dem Boden aufschlug. Einige der Walger, die sich in der Nähe befanden, machten ihrer Erleichterung Luft, in dem sie einige mit Freude durchzogene Laute von sich gaben.

 

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Als sich Tholon wieder aufgerappelt hatte, versuchte er sich einen Überblick zu verschaffen, welchen Einfluss der Tod des Ogers auf die Schlacht genommen hatte: Natürlich konnten sich seine Brüder, die zuvor durch das Monstrum gebunden waren, wieder den verfeindeten Kriegern zuwenden, ebenso wie ihr Häuptling. Und natürlich waren sie angestachelt und motiviert, eine solche Kreatur besiegt zu haben. Damit hatten sie bewiesen, dass die Macht von Slaanesh nicht an die des Chaos als solches heranreichte! Leider schienen die Hoffnungen der Walger, dass die Moral der Samniner gebrochen oder zumindest in Mitleidenschaft gezogen ward, sich nicht zu erfüllen, denn die Diener des Prinzen des Chaos wichen nicht zurück, sondern kämpften so verbissen wie bereits zuvor. Tholon seufzte und dachte bei sich, dass sie nun wohl doch all ihre Feinde töten müssten. Sehr bedauerlich, wusste doch jeder um den Plan von Xylas, die besiegten Feinde unter seine Führung einzugliedern.

 

Mit einem Lächeln der Freude und der Befriedigung auf den von Falten gezeichneten Zügen kämpfte sich der Häuptling des walgischen Stammes durch eine kleine Gruppe von Feinden. Trotz seines Alters war er den Anhängern Slaaneshs äußerst ebenbürtig, denn was ihm an Geschwindigkeit mittlerweile fehlte, machte er mit Geschick und Antizipation wieder wett. Auch die fast schon stoisch anmutende Ruhe verhalf ihm in diesem von der Anzahl der Krieger her ungleichen Kampf. Als er einem seiner Kontrahenten den Kopf von den Schultern schlug und er fast aus der gleichen Bewegung heraus einen weiteren den unteren Teil dessen Waffenarms verlustig machte, drängten die übrigen Samniner vor ihm zurück. Die Präsenz des gar übermächtig erscheinenden Mannes beraubte ihnen ihre Konzentration, sodass sie nicht bemerkten, wie sie zwei weiteren Walgern entgegen strebten, die mit ihren Waffen bereits ausholten.

 

Tholon hatte indes gar eine Art Weggefährten inmitten des Schlachtgetümmels gefunden. Einer der Hunde, die bisher den Kampf überlebt hatten, war plötzlich dem jungen Barbaren zur Seite gesprungen und ihm seitdem nicht mehr von derselben gewichen. Dieses eher seltsam anmutende Paar hatte sich mit einiger Sicherheit nicht gesucht, aber doch offenbar gefunden, denn sie ergänzten sich in ihrem Kampf gegen den Feind erstaunlich gut. Einer von beiden lenkte den jeweiligen Kontrahenten ab und der andere vollendete den Todesstoß. Sich innerlich über diese Wendung amüsierend, gelangte Tholon in eine Art Kampfrausch, der jedoch keine blinde Wut hervorbrachte, sondern eine gewisse Art der Freude über das Kämpfen.

 

Als die Sonne sich anschickte, wieder gen Horizont zu sinken, konnten die Walger ihren Sieg feiern. Der Großteil der Samniner lagen erschlagen oder sterbend auf dem kargen Boden, der sich in den vergangenen Stunden so voll Blut gesogen hatte, dass sich das Grau an den meisten Stellen in einen dunklen Braunton verwandelt hatte. Die letzten Überlebenden des Stammes traten nun doch den Rückzug an und flohen vom Schlachtfeld. Für die Walger waren sie nun keine Bedrohung mehr und die Kunde vom Sieg würde den anderen Stammen in der Nähe wohl den angemessenen Respekt einflößen. Wieder einmal ertönte die Stimmen der siegreichen Barbaren über die Weite der Ebene, nun jedoch aus wesentlich weniger Kehlen als noch zuvor. Auch Xylas' Stamm hatte etliche Verluste hinnehmen müssen an diesem Tage. Dennoch war es ein guter Tag in der Geschichte der tapferen Diener des ungeteilten Chaos.

 

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Die Stammesbrüder sammelten sich auf der Mitte des Schlachtfeldes um ihren Anführer. Ihre Anzahl war merklich gesunken und einige derjenigen, die überlebt hatten, waren vom Kampf gezeichnet oder so schwer verletzt, dass sie sich gerade so auf den Beinen halten konnten. Neben Tholon trat ein Barbar, der ihn um zwei Köpfe überragte. Er hatte viele Schnittwunden von den Klingen der Samniner erhalten, doch er stand noch so aufrecht, dass man denken konnte, der Kampf stünde noch vor ihnen. Erst, als sich der Krieger etwas in Tholons Richtung drehte, bemerkte dieser, dass an dem Platz, vor zuvor das rechte Auge war, nun ein Loch klaffte, um das herum die Haut blutrot und verkrustet leicht pulsierte. Tholon bewunderte seinen Stammesbruder für seine Disziplin im Angesicht solch einer Verstümmelung.

 

Als er glaubte, dass all seine Brüder in Reichweite waren, ergriff Xylas das Wort. Um wieder eine erhöhte Position einzunehmen, erklomm der Häuptling den Leichnam des Ogers, um auf dessen Wampe stehend zu seinen Männern zu sprechen:

 

"Meine Brüder! Ihr habt mit der Macht des Chaos auf Eurer Seite tapfer gekämpft und Euch im Namen der Götter Ruhm erworben. Außer vielleicht in den Augen Slaaneshs, dessen auserwählten Dienern Ihr einen ordentlichen Tritt in den Arsch versetzt habt!" Dreckiges Gelächter brandete auf unter den überlebenden Walgern. "Viele unter uns haben am heutigen Tage verehrte Kampfgefährten verloren, geliebte Freunde und Brüder. Dass ihr Tod im Namen des ungeteilten Chaos nicht umsonst war, wissen wir, denn wir sind noch am Leben und der Feind liegt entweder tot im Staub oder ist geflohen. Geflohen vor unserer Macht!" Xylas machte eine kurze Pause, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen und er konnte sehen, wie sich die Walger unter einander ansahen und sich gegenseitig zunickten, um die Richtigkeit zu bestätigen. Der Häuptling grinste unter seinem ergrauten Bart. "Nun jedoch stehen wir vor einer Entscheidung, meine Brüder: Sollen wir diesen Sieg genießen und zurückkehren zu unseren Frauen - oder werden wir uns rächen für den Verlust, den uns die Diener der Schlange zugefügt haben? Sollen wir das Dorf der Samniner aufsuchen, um sie ein für alle Mal zu besiegen? Was sagt Ihr, tapfere Walger?!"

 

Xylas wusste natürlich, dass diese Frage rein rhetorischer Natur war. Und bevor auch nur einer seiner Kämpfer den Mund auftat, um eine Antwort zu geben, wusste er, welche es sein würde. Und so vernahm er die Rufe seiner Mannen, die von Tod, Rachedurst und Auslöschung handelten. Wieder reckten sie all ihre Waffen in die Luft, selbst diejenigen, die eigentlich zu schwach hierfür hätten sein sollen. Nachdem er sich umgesehen hatte, um die Stimmung unter seinen Stammesbrüdern einzufangen, fuhr Xylas fort:

 

"So soll es sein! Kommen wir über sie und zeigen ihnen, dass es falsch war, die Macht des Chaos geringer zu schätzen als die Dienerschaft eines einzelnen Gottes. Doch eines noch, bevor wir losziehen, um zu beenden, was wir begonnen haben..." Der Häuptling blickte zu einigen seiner Krieger, die starke Verletzungen erlitten hatten. "Keiner soll im Folgenden sinnlos sein Leben lassen. Geht heim und verkündet unseren Sieg. Lasst alles vorbereiten für ein Fest, das die Macht des ungeteilten Chaos preisen soll. Und lasst Euch verbinden - das Weibsvolk liebt es, Kriegshelden für ihre Taten zu belohnen."

 

Wieder lachten die Walger auf und Xylas stimmte in das Gelächter ein. Dann sprang er von dem Oger, nahm seine Kriegsaxt und marschierte los. Seine Stammesbrüder machten Platz für ihn und folgten seinem Marsch, während sich einige der Kämpfer vom Tross abspalteten, um langsameren Schrittes ins heimatliche Dorf zurückzukehren. Tholon spürte ein Gefühl der Vorfreude in sich aufsteigen, als er seine Zweihandaxt schulterte und in Richtung Norden aufbrach, der Hund, seiner neuer Gefährte, an seiner Seite.

 

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Das Objekt in seiner Hand funkelte leicht, da die matten Sonnenstrahlen durch das Fenster auf die bronzene Oberfläche fielen. Einige Momente lang betrachtete er es noch mit einem verträumten Blick und geistesabwesender Miene, bevor er die oberste Schublade seines Schreibtisches öffnete und sein Kleinod wieder verstaute. Mit einem leisen Quietschen wurde der Stuhl zurückgeschoben und Heinrich erhob sich. Einen letzten prüfenden Blick warf er auf die Tischoberfläche und stellte zufrieden fest, dass Alles an seinem Platz war, so, wie es sein sollte.

 

Er griff in die Tasche seiner Hose und holte eine Uhr hervor, dessen Verdeck er aufklappte, um herauszufinden, wie viel Zeit ihm wohl noch bleiben würde. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als ihm gewahr wurde, dass er noch über eine Stunde Zeit hatte, bis der Termin stattfinden sollte. Die Uhr wieder zurücksteckend, ging er mit großen Schritten zur Haustür. Bevor er diese öffnete, griff er noch nach seinem leichten Mantel. Schließlich war das Wetter um diese Jahreszeit noch nicht so konstant wie in den nahenden Sommermonaten. Und Heinrich wollte zumindest gewappnet sein - seine neue Weste sollte keinem spontanen Regenguss zum Opfer fallen.

 

Nachdem er sein Haus verlassen hatte, schlug er den Weg zum Marktplatz ein, der gut zwanzig Minuten Gehweg entfernt lag. Er hatte seine Bleibe bewusst etwas außerhalb des Stadtkerns gewählt, da ihm das dortige Treiben zwar gefiel, wenn er es bewusst suchte, aber er so stets einen Rückzugspunkt besaß, wenn ihm dieses oder jenes über den Kopf zu wachsen drohte. Diese Eigenschaft hatte er von seinem Vater vererbt bekommen, genauso wie das Talent eines sehr fähigen Händlers.

 

Auf halbem Wege zum Marktplatz kam Heinrich an einem zweistöckigen Haus vorbei, dessen Fassade darauf schließen ließ, dass es vor langer Zeit bereits erbaut wurde. Zumindest hatten die Wände und das Dach schon unzählige Jahreszeitenwechsel erlebt und überstanden. Man musste annehmen, dass der derzeitige Bewohner keinen Wert auf das Äußere seines Hauses legte und tatsächlich lagen jenem die Menschen der Stadt mehr am Herzen. Heinrich musste grinsen, als das Schild neben der Haustüre las und an den letzten Besuch der Praxis von Doktor Festus zurückdachte. Als er an dem Haus vorübergegangen war, wischte der Kaufmann diese Gedanken jedoch sogleich beiseite und konzentrierte sich wieder auf den bevorstehenden Termin.

 

*

 

Durch die Euphorie des hinter ihnen liegenden Sieges wurde die ebenfalls aus der Schlacht resultierende Erschöpfung unterdrückt. Auch der abermalige Marsch, auf dem die übrigen Walger sich nun befanden, konnte ihnen ihre hervorragende Laune nicht nehmen. Hier und da unterhielten sich manche der Chaosbarbaren und erzählten einander von ihren ruhmreichen Taten gegen die Samniner, deren tote Leiber in der kargen Ebene dem einen oder anderen Aasfresser nun als ein Festmahl dienen sollten.

 

Tholon war eher in sich gekehrt und genoss den Moment der Erholung von dem Schlachtenlärm, den schreienden Verwundeten und dem Blut, das den Boden überflutet hatte und dessen Menge einen unangenehmen Geruch in die Luft getragen hatte. Der junge Walger hielt es für das Beste, in diesem Moment in sich zu gegen und seine Gedanken frei zu bekommen. Denn das Massaker in der Ebene, das gerade hinter ihnen lag, sollte nicht das letzte am heutigen Tage bleiben.

 

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Also beim Anfang des neuen Abschnittes hab ich schon gestutzt, Heinrich?

Jetzt bin ich einfach gespannt, wies weiter geht und freu mich auf "Heinrich"...

Schön, dass es hier (endlich) weitergeht und nochmal danke, für die persönliche Erinnerung...

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Juhuu. Es geht weiter, und es wird immer besser. :)

Nun also auch noch aus einer anderen Perspektive. Klingt spannend und macht Bock aufs weiterlesen.^^

(was den Namen angeht, finde ich ihn sehr wohl passend(zumindestens habe ich nicht gestutzt ;) ), ist ja schließlich die Alte Welt; klingt irgendwie königlich :D)

Gruß Kejundarn

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Die Samniner hatten sich dereinst am Fuße einer kleinen Gebirgskette niedergelassen, die den Anwohnern einen natürlichen Schutz zu geben vermochte. So konnte die Siedlung nur von wenigen Richtungen angegriffen werden und nicht von allen Seiten. Unter normalen Voraussetzungen hätte kein Stamm deswegen einen Angriff gewagt. Doch durch den Aderlass, den die Anhänger des dunklen Prinzen durch den Kampf mit den Walgern erlitten hatten, bot ihnen dieser taktische Vorteil auch keinen sonderlich effektiven Schutz mehr.

 

Die überlebenden Samniner waren zwar weit vor den anrückenden Mannen von Xylas zurückgekehrt, doch ihre geringe Zahl konnte ihnen keine Hoffnung auf einen Sieg schenken. Bereits von weitem sahen Tholon und seine Stammesbrüder, wie hastig Barrikaden errichtet worden waren, um Korridore zwischen den Hütten zu schaffen, durch die die verhassten Feinde hindurch drängen mussten. Der Häuptling der Walger lächelte höhnisch über die kläglichen Versuche und schüttelte leicht mit dem Kopf. Mit aller Seelenruhe schritt er an der Spitze seiner Kämpfer voran auf das vor ihnen liegende Dorf zu. Je näher die Walger kamen, desto mehr lärmende Geräusche vernahmen sie. So sehr die Gebirgskette in ihrem Rücken eine Form des Schutzes darstellte, war sie für die Samniner nun eine Todesfalle, aus der es kein Entkommen geben sollte.

 

Als die Diener des ungeteilten Chaos auf gut zweihundert Meter an das Dorf herangekommen waren, bedeutete Xylas seinen Mannen, zu stoppen und beinahe zeitgleich folgten sie seinem Befehl. Wäre ein Hauptmann der verhassten Imperialen an der Spitze des walgischen Häuptlings gewesen, hätte dieser den Bewohnern wohl möglich Gnade versprochen, wenn diese sich nun ergeben würden. Doch vor ihnen stand ein von vielen Schlachten und dem rauen Klima der Chaoswüste gezeichneter Anhänger des Chaos. Auf Gnade war heute nicht zu hoffen. Und so warteten die Samniner vergeblich auf eine Ansprache, die vom Häuptling der Walger ausgesprochen werden sollte. Stattdessen senkte er mit einem von Vorfreude gezeichneten Grinsen seine Zweihandaxt und deutete mit den Blättern seiner Waffe auf die Häuser der vor ihnen liegenden Siedlung.

 

Die Walger begannen sogleich einer Walze gleich auf die Samniner zuzurollen und stießen allesamt ein wildes Gegröle aus, der ihren Ansturm begleitete. Auch Tholon mobilisierte noch ein weiteres Mal seine ganze Anstrengung und Kraft, um ein letztes Mal an diesem Tag blutige Ernte unter den Feinden seines Stammes zu halten.

 

*

 

Als die typischen Klänge, die von einem Markt ausgingen, an sein Ohr drangen, stiegt in Heinrich eine Art Gefühl der Euphorie auf. Nicht zuletzt die Leidenschaft seines Vaters, Handel zu treiben, hatte sein Bild von dem wilden Treiben, das zwischen den Ständen und Buden stattfand, positiv beeinflusst. Als er um die Ecke bog, fiel sein Blick auf den weiträumigen Platz vor ihm, auf dem bereits seit dem Morgengrauen sich etliche Menschen tummelten, um entweder ihre Waren feil zu bieten oder eben jene zu erstehen. Als Heinrich seinen Weg fortsetze und auf den äußeren Ring der Verkaufsstände zusteuerte, erkannte er bereits von Weitem das ihm eine oder andere bekannte Gesicht.

 

Allerdings war der Termin des heutigen Tages, der mit jeder Minute näher rückte, nicht geschäftlicher Natur. Nein, heute würde der Kaufmann nicht den Wert von Waren bestimmen, Waren einkaufen oder Geschäfte abschließen, die sein durchaus beachtliches, wenn auch nicht übermäßig großes Vermögen mehren sollten. Und so hielt er sich etwas abseits des bunten Treibens. Wieder holte er seine Uhr hervor und warf einen Blick auf die Stellung der Zeiger: Etwas Zeit blieb noch ihm übrig und so setzte Heinrich seine Beobachtungen fort.

 

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Da er sich nicht an vorderster Front befand, konnte Tholon beobachten, wie seine Stammesbrüder über die provisorischen Barrikaden kletterten oder sie teilweise sogar regelrecht durchbrachen, wenn ein besonders kräftiger Chaosbarbar auf ein allzu instabiles Konstrukt getroffen war. Manch einer der Walger erlag den Klingen der Dorfbewohner, als ihre Taktik die erhoffte Wirkung erzielte. Aber diese Verluste waren gering und würden keine Änderung der Situation herbei führen. Tholon glaubte, Verzweiflung in den Gesichtern der Dorfbewohner erkennen zu können. Matt lächelnd dachte er bei sich, dass manch einer der Samniner die Schlange verfluchen würde. Und damit hatten die Zweifler Recht, denn nur das Chaos in seiner Gesamtheit ist die richtige Wahl!

 

Als der junge Krieger an den äußersten Hütten vorbeizog und wie bereits etliche andere Chaosbarbaren sich dem Zentrum des Dorfes näherte, betrachtete er fast schon gemütlichen Schrittes die Spuren des Gemetzels, das seine Stammesbrüder angerichtet hatten: Leichen lagen mit offenen und von Schmerz verzerrten Mündern und Augen auf dem kargen Bogen oder über die Barrikaden gelehnt. Blut war auf dem Holz der Hütten wie auf der Erde gleichermaßen verteilt worden. Und nicht jedes Opfer verfügte mehr über sämtliche Extremitäten. Tholon war sich - wie jeder andere Anhänger des Chaos, der noch genug Verstand besaß - bewusst, warum die Diener der Dunklen Götter bei vielen anderen Völkern gleichermaßen verhasst wie gefürchtet waren. Oder auch respektiert, wie man es sich von den Grünhäuten erzählte. Als er bemerkte, dass sein neuer Gefährte an einem abgetrennten Arm zu kauen und zu reißen begann, musste der junge Chaosbarbar unwillkürlich lächeln. So hat dieser Kampf doch noch jemanden satt gemacht, dachte er bei sich und machte sich bewusst, wie makaber dieser Gedanke doch war.

 

*

 

Mit jeder vorüberziehenden Minute wuchs die Nervosität des Kaufmannes ein kleines Stückchen weiter. Der Zeitpunkt, dem er seit seiner Ankunft auf dem Marktplatz entgegen geblickt hatte, war schon seit mehr als zehn Minuten überschritten. Gedanken schossen in schneller Abfolge durch Heinrichs Kopf: Hatte er sich im Tag geirrt? Nein! Einen derartigen Fauxpas würde ein Mann seines Berufsstandes nicht widerfahren. Wartete er am falschen Ort? Auch das konnte es nicht sein, denn schließlich war dies der einzige Marktplatz in dieser Stadt.

 

So gedankenverloren, wie er gerade war, erschrak sich der junge Mann sodann auch ziemlich, als ihm plötzlich jemand auf die Schulter tippte. Im ersten Moment wollte er den Bettler, den er hinter dieser Aktion vermutete, stark schelten, einen ehrbaren Bürger wie ihn derart zu überrumpeln, doch als ihm gewahr wurde, wer sich da an ihn herangeschlichen hatte, verflog Heinrichs Wut mit einem Schlage: Er blickte in die wie Ebenholz wirkenden braunen Augen, in die er sich bereits bei der ersten Begegnung so unsterblich verliebt hatte. Da ihr der Streich gelungen war, verzog sie ihre Lippen zu einem triumphierenden Lächeln, legte aber zeitgleich den Kopf etwas schräg, als wolle sie damit ihre Unschuld beteuern. "Habe ich Euch etwa erschrocken, mein Lieber?" fragte sie und erwartete keine Antwort auf diese rhetorische Frage. Heinrichs Miene, die eben noch vor Schreck verzogen war, wandelte sich binnen Sekunden in ein mildes Lächeln, dem aber auch die typische Tollpatschigkeit anhaftete, den Verliebte nun einmal an sich hatten. Ganz im Stile seiner Erziehung ergriff er die Hand der Dame und hauchte auf den Handrücken einen Kuss. "Ich habe Eure Ankunft sehnsüchtigst erwartet, liebste Isolde! Obgleich Eure Pünktlichkeit immer noch zu wünschen übrig lässt. Aber dass man auf sie wartet, ist wohl das Privileg einer Dame. Insbesondere, wenn sie so ansehnlich ist, wie Ihr es seid." Nun stieg Verlegenheit in die Wangen der jungen Frau, sodass sie ihren Blick auf den Boden wandte und die freie Hand auf ihre linke Wange legte, um die Schamesröte zu verbergen.

 

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Wow, eine gelungene Vorsetztung! Vor allem dieser Kontrast vom brutalen Gemetztel zum verliebten Kaufmanschnösel gefällt mir! Mach bitte weiter so...

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