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Tarl Martell

AoS [DE] Im Schatten des Blutmondes (Kap. 1-2)

Salü,

Für mich ist AoS ein Neunafang und endlich meine Dunkelelfen mal zu spielen. Außerdem eine neue möglichkeit Geschichten zu schreiben, da ich das alte Setting leider nicht mehr sooo spannend fand.

Kenne mich noch nicht so genau mit dem Hintergrund aus, aber das Infobuch ist zu mir unterwegs. So schreibe ich erst einmal nach Gefühl und nach dem was ich gehört hatte.

Hoff ma sie gefällt euch :)

p.s.: Sie ist etwas länger geworden als geplant und 2tes Kapitel muß ich mal schaun xD

p.p.s.: Nicht wundern, ich schreibe gerne auch mal in meinen fertigen Geschichten rum.

p.p.p..: Habe jetzt den Titel abgeändert.

 

Im Schatten des Blutmondes

Autor: Tarl Martell

 

Kapitel:

  1. Sturmklinge - Post 01

  2. Verrat! - Post 02

 

Dramatis Personae:

 

  • Asray Sturmklinge †“ Schreckenslord der Dunkelaelfen und Anhänger uralter Traditionen.

  • Tuluhr †“ Dunkler Paladin und Anführer der Echsenritter. Asrays rechte Hand.

  • Isyr Dunkelherz †“ Assassine der Dunkelaelfen.

  • Hermes Brandner †“ Fetter Händler und Besitzer der Karawane.

  • Stefan †“ Vorarbeiter und Anführer der Karawanenwachen.

  • Roland Hagenbeck †“ Anführer einer rauen Söldnertruppe.

  • Rosanna †“ Menschliche Konkurbine.

  • Nikodaemus †“ Machthungriger Nekromant.

  • Der Bucklige †“ Nikodaemus treuer Diener und Leibwächter.

  • Alrik Donnerbach †“ Hauptmann einer Söldnertruppe.

 

Die Geschichte:

~~~ Kapitel Eins: Sturmklinge ~~~

 

Die Handelskarawane kam in dem Schlamm des Vortages nur mühsam voran und dies betrübte die gute Laune Kaufmannes Hermes Brandner. Mittlerweile war die Nacht heraufgezogen und ein kühler Wind hatte die Regenfront vertrieben. Da er es eilig hatte, ließ er die Nacht durchmarschieren, um den engen Zeitplan wieder einhalten zu können. Das Portal zur nächsten Welt war nur an wenigen Stunden des Tages geöffnet und er beabsichtigte nicht, hier länger als nötig zu bleiben. Die karge und triste Landschaft, aufgelockert durch unzählige Hügel und Bergmassive brachten ihm nur Depressionen. Das feuchte und kalte Wetter war schlecht für seine Knochen, während ihn ein Schnupfen im Griff hatte. Nein! Er mußte schnellstens weiter und das am besten noch Vorgestern! Hinter ihm kniete eine junge Frau, gekleidet in ein luftiges Seidengewand. Sie bot ihm auf einem silbernen Tablett eine Auswahl delikater Köstlichkeiten an, welche aus den verschiedenen Reichen stammten. Mit spitzen Fingern angelte er sich etwas davon herunter und schob sich die Frucht schmatzend in den Mund. Morgen Mittag würden sie den Handelsposten erreichen, um dort ihre Vorräte auf zu füllen und die Tiere zu versorgen.

Zum Schutze vor Räuberbanden hatte er eine kampferprobte Söldnertruppe angeworben, da er der Meinung war, das seine Wachen nicht ausreichen würden. Dies hatte seinen Vorarbeiter und Anführer seiner eigenen Männer gekrängt. Es gab zwar anschließend eine heftige Diskussion, aber Hermes hatte sich durchgesetzt und so mußte der ehemalige Soldat wohl oder übel klein beigeben, wenn er seine Arbeit behalten wollte. Gelangweilt betrachtete der dicke Kaufmann die vorüber ziehende Landschaft und gähnte ausgiebig.

Hin und wider passierten sie riesige Statuen, welche Sigmar und seine Himmelskrieger darstellten. Jede von ihnen umgab eine Aura des Schutzes und erfüllten jeden Betrachter mit Ehrfurcht. So war es nicht verwunderlich, das sich im laufe der Zeit befestigte Siedlungen in ihren Schatten gebildet hatten. Dort gab es allerdings für einen so tüchtigen Geschäftsmannes seines Kalibers nichts zu verkaufen. Die Bewohner waren froh, wenn sie über die Runden kamen und von den mordenden Horden des Chaos verschont blieben. Er grunzte leise, als seine Lagerstätte leicht zu schaukeln begann und der Elefant nervös trompetete. Seine Laune näherte sich dem Tiefpunkt, also hoffte er das Ziel ihrer Reise in bälde erreichen zu können.

 

Mit einem Stock, an dessen Spitze eine zeigende Hand aus Gold angebracht war, stach er durch einen Vorhang nach draußen und zitierte seinen Vorarbeiter zu sich „Herr?†œ, hörte er es nach wenigen Augenblicken von unten herauf. Die junge Frau nahm einen weiteren Stab, an dem ein kreisrunder Spiegel befestigt war und hielt ihn so, das der Kaufmann den Mann am Boden sehen konnte, ohne sich zu erheben. Hermes grinste, er mochte es, wenn er so von oben herab auf seine Untergebenen herunter sehen konnte. Es hatte etwas königliches und machtvolles an sich „Sagt, Stefan. Wie lange wird es noch dauern, bis wir die Stadt erreichen sollten?†œ. Der kräftige Mann mit der Axt im Gürtel überlegte kurz, ehe er antwortete „Ich schätze mal morgen zur Mittagsstunde erreichen wir den Posten.†œ. Mißmutig grunzte der Händler darüber und lehnte sich in die weichen Kissen zurück. Dann deutete er auf seine Schultern und bewegte diese leicht, somit war die neue Aufgabe für seine Dienerin signalisiert. Er schloß die Augen und genoß die sanfte Massage, während die junge Frau angwidert das Gesicht verzog.

Hermes brummte mürrisch, als er sich die nächsten Stunden inmitten dieser Einöde vorstellte. Er seufzte schließlich entspannt, wenigstens war die Gesellschaft nach seinem Geschmack.

 

Bösartig, blitzende Augen verfolgten die Karawane auf ihrem Zuge über die Ebene und der adlige Dunkelaelf lächelte. Viel Beute war dort unten zu holen und er überschlug den zu erwartenden Erlös aus dem Verkauf der vorbei ziehenden Waren. Dann ertönten Schritte, welche die Anhöhe hinaufstapften und im aufgeweichten Boden schmatzende Geräusche hinterließen. Als sich Asray Sturmklinge umdrehte, erkannte er Tuluhr im Mondlicht. Der dunkle Paladin war seine rechte Hand und Stellertreter. Der kräftige Aelf blieb in einem angemessenen, respektvollen Abstand vor ihm stehen und neigte ehrfurchtgebietend sein Haupt „Ihr habt mich rufen lassen, mein Lord.†œ. Der Angesprochene antwortete nicht sofort, sondern deutete die Steilwand hinab und Tuluhr zögerte einen Augenblick lang, ehe er der Aufforderung folge leistete und näher an die Felskante rückte. Der Schreckenslord war nicht gerade dafür bekannt, das er seine Untergebenen gut behandelte, egal welche Stellung oder Rang derjenige bekleidete. Als er die Karawane ebenfalls erblickte, mußte der Paladin grinsen „In der Tat. Die Beute würde reichhaltig sein und menschliche Sklaven konnte man schon immer gut verkaufen!†œ. Doch Asray schüttelte entschlossen seinen Kopf, das der rote Haarschopf herumwirbelte „Diesmal nicht! Keine Gefangenen!†œ, befahl er mit fester Stimme. Tuluhr wollte etwas erwidern, doch als der Adlige entschlossen eine Hand auf den Knauf eines seiner beiden Kurzschwerter legte, schluckte er die Bemerkung widerwillig herunter „Wie ihr verlangt, mein Lord! Die Streitmacht ist bereits in Position und sie würde auf Euer geheiß hin angreifen.†œ. Sturmklinge nickte und wand sich von dem Aelfen ab, dann marschierte er die Anhöhe herunter und begab sich zu seinen Truppen auf der Ebene. Stumm sahen sie ihn an, als der Schreckenslord die Reihen der Krieger durchschritt und eine Position im Zentrum der Frontlinie einnahm.

Der Paladin sah noch einmal zu den Menschen herunter „Was für eine Verschwendung!†œ, presste er enttäuscht zwischen seinen dünnen Lippen hervor.

 

Stefan schritt die Karawane von vorne bis hinten hin ab, vorbei an Packtieren und Ochsenkarren. Alle waren sie voll beladen mit den Waren aus verschiedenen Reichen und angeheuerte Söldner sollten die reguläre Schutztruppe des arroganten Kaufmannes im Falle eines Überfalles verstärken. Stefan mochte seinen Arbeitgeber nicht besonders! Diese herablassende Art und Weise, wie er mit seinen Angestellten umsprang, als wären sie sein persönlicher Besitz und er könne mit ihnen nach belieben verfahren. Ihm tat vor allem das junge Mädchen leid, welches wie eine Sklavin gehalten wurde und sie ihm zu jeder Zeit gefällig sein mußte. Der einzige Wehrmutstropfen war allerdings die Bezahlung. Der Pfeffersack ließ sich in dieser Hinsicht nicht lumpen und seine Leute brauchten zumindest keinen Hunger leiden. Aber alles hatte seinen Preis! Mit Argwohn und Mißtrauen betrachtete er die Mietklingen, welche gelangweilt die Flanken sicherten. Dem Vorarbeiter waren die Männer und Frauen nicht geheuer, sie machten allesamt einen wilden und rauen Eindruck. Man hätte sie auch mit einer Bande Wegelagerer verwechseln können, aber Hermes hatte nicht auf ihn hören wollen. Die Söldner verlangten für seinen Geschmack zuwenig Sold für diesen Auftrag und das machte ihn stutzig. Der Weg würde durch gefährliches Gelände führen und jederzeit konnte mit einem Angriff durch Chaosanbeter gerechnet werden. Aber der Händler war begeistert gewesen, er hatte Gold gespart und das war für ihn das wichtigste. Stefan hatte seinen Männern schließlich aufgetragen, die Söldner im Auge zu behalten und er selbst kümmerte sich um ihren Anführer: Roland Hagenbeck. Hoffentlich würden sich seine schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigen und sie den Handelsposten ohne Zwischenfälle erreichen.

 

Söldner-Hauptmann Roland Hagenbeck sah dem Vorarbeiter grimmig hinterher. Dieser Kerl beobachtete ihn jetzt schon eine ganze Weile, seitdem sie aufgebrochen waren. Dieser Bauer dachte wohl, das er es nicht mitbekommen würde, aber da war der Vorarbeiter falsch gewickelt. Dennoch machte es ihn nervös. Ahnte er etwas? Nein, das konnte nicht sein. Dazu war alles viel zu gut geplant und organisiert gewesen. Auf seine Söldner konnte sich Hagenbeck verlassen, sie hielten dicht. Es wurde Zeit, er beschloss diese Nacht sein Vorhaben in die Tat um zu setzen. Außerdem war es ja nicht das erste mal, das er einen Auftraggeber hintergangen hatte, um noch mehr Gold ein zu streichen. Es durfte nur niemand Überleben, der später von dem hinterhältigen Überfall berichten konnte. Er grinste, bald konnten sie allesamt in Saus und Braus leben. Zumindest für eine Weile und die junge Dienerin machte er dann zu seiner willigen Sklavin. Das Söldnergeschäft war hart und das Leben zu kurz, um es nicht zur gänze aus zu kosten. Langsam wurde er unruhig und konnte die Warterei nicht mehr länger ertragen. Nein! Sie würde sein werden, ob es ihr gefiel oder nicht! Diese Nacht mußten sie einfach zuschlagen! Roland ging seine Männer ab und gab jedem das vereinbarte Zeichen. Vorsichtig machten sich alle bereit und warteten auf den richtigen Moment. Die Söldner hielten sich immer, soweit möglich, hinter oder neben den regulären Karawanenwachen auf. Ein schneller Hieb in den Rücken war sicherer als ein feindliches Schwert im Bauch! Roland hatte gerade das Ende erreicht, als die Karawane plötzlich stoppte. Er lächelte, wie passend! Dann sollte es jetzt soweit sein.

 

Der Vorarbeiter eilte nach vorne und rief zum Tiermeister hinauf „Warum lasst ihr halten? Was ist los?†œ. Der alte Mann beugte sich ein Stück weit nach vorne und formte mit den Händen einen Trichter vor seinen dürren Lippen „Hört ihr das?.†œ. Stefan sah sich um und lauschte, konnte aber auch nichts vernehmen „Ich höre nichts. Johann.†œ. Der Alte deutete nach Westen „Von dort. Ihr müßt genauer hinhören, etwas nähert sich uns.†œ. Diesmal schloss der Vorarbeiter die Augen und konzentrierte sich: Jetzt konnte er tatsächlich etwas hören: Das Klirren von Metall und entferntes Rufen oder Brüllen „Für wahr, ihr habt recht! Ich werde den Händler davon in Kenntnis setzen.†œ, gab er dem Tiermeister bekannt und dieser nickte. Stefan erstaunte dieser Alte immer wieder, der hatte Ohren wie ein Luchs und die Augen eines Adlers. Wenn er dem Gerede der Männer glauben schenken sollte, so soll seine Mutter eine Aelfe gewesen sein. Er trat neben die Sänfte und schon erschien wieder der Spiegel „Was ist los? Warum halten wir? Zeit ist Gold!†œ, brüllte Hermes Brandner „Herr! Ich befürchte, das wir angegriffen werden. Von Westen her nähert sich anscheinend eine große Zahl unbekannter Angreifer.†œ.

 

Der Kaufmann sah ebenfalls in die Richtung und wollte gerade den Mund zum Sprechen öffnen, als ein halbes Dutzend großer Speere in die Flanke des Elefanten schlugen und das sterbende Tier zu Fall brachten. Die Sänfte verschwand schnell außer Sicht, als der Dickhäuter zu Boden krachte und ein hölzernen Krachen folgte, begleitet von einem schrillen Schrei „Was zum Henker!†œ, sprach Stefan überrascht. Entlang der gesamten Karawane brachen auf einmal wilde Kämpfe aus, als die Söldner seine Männer angriffen. Jetzt sah er seinen Verdacht bestätigt und zog die Axt, anscheinend waren die Söldner mit den Angreifern im Bunde und hatten nur auf den richtigen Moment gewartet! Wütend stürzte er sich in den Kampf und hieb einem der Mietklingen den Kopf von den Schultern. Sie mußten sich beeilen, ehe die Komplizen der Verräter hier eintreffen würden.

 

Die Karawane war gerade noch in Schußweite und die Besatzung der Kriegsmaschine beobachtete zufrieden, wie der Dickhäuter blutüberströmt auf dem Boden liegen blieb. In aller Seelenruhe luden sie die Repetier-Speerschleuder wieder nach und machten sich für die nächste Salve bereit.

Tuluhr war nun ebenfalls von der Anhöhe zurück gekehrt und zu der kleinen Streitmacht gestoßen. Ohne Vorwarnung schlug er seinem Haussklaven den gepanzerten Handschuh in das, ohnehin schon, geschundene Gesicht. Mit wenig Befriedigung vernahm der Paladin das Brechen des Schädelknochens und knurrte enttäuscht. Er hatte alle Wut und Zorn in diesen Schlag gelegt und jetzt fiel der Mensch einfach nur blutüberströmt zu Boden. Aber noch bevor der Körper ins Kippen geriet, ergriff Tuluhr die Zügel aus den zitternden Händen und stieg in den Sattel seiner Kampfechse. Brachhus brüllte seine Wut hinaus und wühlte mit der Schnauze in den Eingeweiden des röchelnden Mannes.

 

Asray Sturmklinge überblickte die kleine Streitmacht von seiner Position heraus und die exakt ausgerichteten Reihen der Speer- und Schwertträger erfüllten sein schwarzes Kriegerherz mit unbändigen Stolz. Dazwischen standen Schützen mit den tödlichen Repetierarmbrüsten und legten volle Magazine in den Federmechanismus ihrer Waffen ein. Hinten, im linken Flügel, sah er die Echsenritter mit flatternden Bannern und Tuluhr im Steigbügel seiner Kampfechse Brachhus aufgerichtet stehen. In einer langgezogenen Geste zog der Schreckenslord schließlich beide Klingen und hob sie über den Kopf. Dann legte sich eine Totenstille wie ein Leichentuch über die Streitmacht, als jeder anwesende Aelf seinen Blick auf ihn gerichtet hielt und auf das Signal zum Angriff wartete. Der Schreckenslord zögerte diesen Moment noch einige Augenblicke weiter hinaus, bis man die Anspannung in der Luft praktisch fühlen konnte. Dann stieß er die Schwerter nach vorne und einhundert Kehlen schrien den Schlachtruf ihres Anführers hinaus:

„Für Malerion und Sturmklinge, auf zu Tod und Verderben!†œ,

dann marschierte er voraus und seine Krieger folgten ihm in ein weiteres Gemetzel.

 

Brüllend sprang die Kampfechse nach vorne und beschleunigte rasch in einen schnellen Trab, da sie das Fleisch der verletzten Menschen und das Blut des sterbenden Elefanten witterte. Hinter sich konnte Tuluhr die übrigen Echsenritter seiner Schwadron hören, als sie sich ebenfalls an dem Geschrei der Armee beteiligten und anschließend stürmten sie mit gesenkten Lanzen vorwärts. Heute würde der Boden Chamons abermals mit dem Blut der Menschen besudelt werden und Malerion würde mit ihnen zufrieden sein!

 

Stefan rang gerade mit einem der Söldner am Boden, nachdem sie beide ihre Waffen im Getümmel verloren hatten. Jetzt hatte die Mietklinge ihn mit sich herunter gerissen und Fausthiebe wurden ausgeteilt. Kopfstöße folgten und zustoßende Kniee suchten den Unterleib des jeweils anderen. Schließlich gewann der Vorarbeiter die Überhand, da er größer und kräftiger war. Schließlich konnte er seine Hände um den Hals des verräterischen Abschaums legen. Röchelnd rang der Söldner nach Luft und seine Gegenwehr wurde langsam immer schwächer, als plötzlich hinter den beiden ein lautstarker Tumult ausbrach.

Knurrende und schnappende Echsen erschienen und stürzten sich auf die kämpfenden Menschen, während ihre Reiter lange Lanzen und scharfe Schwerter in die Leiber ihrer Opfer trieben. An ihrer Standarte baumelten Schädel und andere grausige Trophäen besiegter Feinde, welche die Echsenritter ehemals bezwungen hatten. Es waren nicht viele Aelfen, aber sie reichten aus, um die überraschten Menschen zurück zu treiben und der brutale Angriff trug die Schwadron fast durch die Reihen der Kämpfenden. Einige von diesen verloren die Nerven und versuchten zu flüchten oder legten die Waffen nieder, um sich zu ergeben. Die Ritter machten allerdings jeden erbarmungslos nieder und schlugen eine blutige Bresche in die Kämpfer der Karawane. Das Schlachten begann...

 

Allmählich überwanden die Söldner und Karawanenwachen langsam ihren ersten Schock und vereinten die Kräfte, kämpften zusammen gegen den gemeinsamen Feind. Aber Stefan wußte, waren die Exilanten erst einmal besiegt, so würde das unterbrochene Gefecht mit höchster wahrscheinlickeit wieder aufgnommen werden. Er fand seine Axt wieder und konnte nur noch hoffen, das die Söldner im weiteren Kampfverlauf zu hohe Verluste erlitten und deshalb keine Lust mehr auf eine Fortsetzung der Auseinandersetzung hatten. Seite an Seite trotzten sie jetzt dem ungestühmen Angriff der berittenen Aelfen und trieben sie sogar zurück. Es waren zuwenige von ihnen am Angriff beteiligt gewesen und so kam die Überzahl der Menschen zum tragen. So zogen sie sich erst einmal zurück und formierten sich in einiger Entfernung neu. Im Hintergrund konnte Stefan bereits die Reihen der der nachfolgenden Infanterie erkennen und ihre Kampfschreie hallten über die Ebene „Angriffslinie bilden!†œ, brüllte Stefan und Roland fast gleichzeitig. Augenblicklich formierten sich die Verteidiger neu und erwarteten die kommende Attacke.

 

Wütend beobachtete Sturmklinge den fehlgeschlagenen Angriff der Ritter und wie die Menschen sich neu formierten, statt zu fliehen. Er trieb die Krieger in seiner Nähe weiter vorwärts und schlug einem von ihnen den Kopf von den Schultern, als Motivation für die übrigen, ihren Lord nicht ebenfalls zu enttäuschen! Ein Surren und Pfeifen erklang, als eine weitere Salve der Kriegsmaschine und Armbrüste über sie hinwegfegte und inmitten der Menschen einschlug. Schreie gellten zu ihnen herüber und sie waren wohlklingende Musik in den Ohren der Aelfen. Einer der übergroßen Bolzen hatte sogar einen der Anführer getroffen und nagelte ihn förmlich am Boden fest. Kurz hob sich noch einmal der blutige Arm, als der Sterbende versuchte seinen Kumpanen zu warnen. Doch die Wunde war zu tief gewesen und er starb, noch bevor er sein Vorhaben beenden konnte. Der andere Mensch hatte sich reflexartig zu Boden geworfen und als die Gefahr vorüber war, sprang er schnell wieder auf und schwang seine Axt brüllend über den Kopf.

Dann waren die Aelfen auf Angriffsreichweite herangerückt und stürmten jetzt vorwärts. Asray schwang seine Waffe und stürzte sich ebenfalls in das Getümmel.

 

Stefan mußte bei dem Anblick schlucken, der sich ihm bot. Soviele Aelfen hatte er noch nicht auf einem Haufen gesehen. Ihre Kettenpanzer funkelten im aufziehenden Mondlicht und ihre Gesichter waren starre Masken des Zorns und Hasses. Bisher waren es aber nur kleinere Banden gewesen, kaum mehr als marodierende Plünderer und Räuber, die keine feste heimat hatten. Aber hier hatte sich eine regelrechte Streitmacht versammelt und nur mit Mühe konnten sie sich gegen die disziplinierten Angreifer behaupten „Johann. Sie versuchen die linke Flanke zu umgehen! Johann?†œ. Er drehte sich zu seinem Mitstreiter herum und erschrak bei dessen Anblick: Einer blutigen Schweinehälfte gleich hing der blutige Leib an einem, im Boden steckenden, soliden Speer und rutschte langsam an dessen Schaft hinab. Diesen Augenblick versuchte ein heran stürmender Aelfenkrieger aus zu nutzen und seinem gezielten Speerstoß konnte Stefan im letzten Augenblick noch entgehen und im Gegenzug trennte er dem höhnisch grinsenden Angreifer seinen Waffenarm vom Leibe. Fluchend ging dieser zu Boden und starb endgültig unter den stampfenden Stiefeln der Kämpfenden.

 

So langsam wurde der Schreckenslord ungeduldig, das Gefecht dauerte ihm bereits viel zu lange! Wütend über die Unfähigkeit seines Stellvertreters, die menschenliche Verteidigungslinie auf zu brechen, drängte er weiter vorwärts. Einem der Menschen hieb er beide Beine ab, schreiend stürzte dieser und verschwand außer Sicht. Asray schrie über den Kampfeslärm einige Befehle und fixierte sein nächstes Ziel: Der letzte Anführer der Menschen. Er würde gar nicht mit bekommen, wie ihm geschah, wenn er seinen Kopf von den Schultern trennte.

Klingen blitzten im Mondlicht auf, Blut floß in dunklen Strömen und das Schreien der Sterbenden übertönte sogar noch den Kampfeslärm der Lebenden. Die Fronten erstarrten allmählich, es ging weder vor noch zurück. Die Menschen kämpften mit neuerlicher Kraft und schienen entschlossen, seinen Kriegern zu trotzen. Der Schreckenslord kam nicht umhin, ihnen für diese Leistung ein gewisses Maß an Respekt zu zollen. Aber das alles mußte jetzt ein rasches Ende finden und so arbeitete er sich weiter zum Zentrum des Widerstandes vor.

Der gegnerische Anführer war bereits in Sicht und Asray hob beide Kurzschwerter. Er wirbelte sie im Kreis herum, bis die Bewegungen im Auge des Betrachters verschwammen und nur noch schemenhaft zu erkennen waren. Dann sprang er vor und ließ die Klingen auf den menschlichen Halse herabsausen. Doch just in dem Moment stolperte ihm einer seiner eigenen Krieger in den Weg und er traf ihn, statt des eigentlichen Zieles Das geschah ihm ganz recht!. Mit einem wütenden Knurren auf den Lippen befreite der Aelfenlord die gezackten Schneiden wieder aus dem sterbenden Körper und stieß ihn rüde zur Seite. Mit einer schnellen Bewegung stieß er noch einem anderen, angreifenden Söldner die Schwertspitzen in die Augen und öffnete einem zweiten den Unterleib. Nur noch wenige Schritte trennten Sturmklinge von seinem Ziel!

 

Stefan parierte Hieb auf Hieb und sein Waffenarm schmerzte bereits vor Anstrengung. Jetzt stützte er noch einen verletzten Söldner, ließ ihn jedoch fallen, als der Körper zuckte und schließlich erschlaffte. Das war Wahnsinn! Welcher Kommandant ließ seine Krieger in bestehende Kampfgetümmel schießen? Er sah sich für einen Augenblick um und sah mit Schrecken einen schwer gerüsteten Aelfen auf sich zustürmen. Das silberne, lange Kettenhemd und der elegante Küraß schimmerten rötlich im Mondlicht und ein dunkler Umhang bauschte sich hinter ihm auf. Die wirbelnden Kurzschwerter fällten jeden Angreifer, der es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Für einen Moment war sein Herz von dem Anblick roher Gewalt und tödlicher Eleganz mit Angst erfüllt. Doch dann sah er seine kämpfenden Männer: Ihre Entschlossenheit und der große Mut übertrug sich auf ihn und verdrängte schließlich jegliche Gedanken an Angst. Er packte seine Axt mit entschlossenen, festen Griff und konnte gerade noch einen Schild vom Boden aufheben. Gerade noch rechtzeitig, um eine kraftvolle Schlagserie abblocken zu können. Derart in die Defensive gedrängt, konnte Stefan nur noch parieren, versuchen am Leben zu bleiben und auf sein Glück zu vertrauen. Dann stolperte der Angreifer plötzlich über einen der Toten und kam ins Straucheln. Stefan hieb ihm jetzt seine Schildkante gegen den Brustkorb und brachte ihn so endgültig zu Fall. Fluchend landete der Aelf im Dreck und versuchte sofort wieder auf zu stehen. Jetzt war es an Stefan zu grinsen und er schlug auf seinen Gegner ein und nur mit Mühe konnte er seine Waffen zwischen sich und dem hackenden Axtblatt halten. Der eiskalte Blick des Aelfen ließ Stefan frösteln und jetzt nahm er den Axtstiehl mit beiden Fäusten und schlug wie ein Berserker auf den angeschlagenen Feind ein.

 

Mit einem wütenden Aufschrei versuchte Asray den Menschen zurück zu drängen, doch sein Waffengürtel hatte sich an einem leblosen Körper unter sich verfangen. Panik begann in ihm auf zu steigen und ließ ihn überhastet Handeln, seine Paraden wurden ungenauer und zum Glück fing die Rüstung einen großteil der Hiebe ab. Doch es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es dem Menschen gelingen würde, seine Deckung zu durchdringen und einen tödlichen Treffer zu landen. Dann lächelte er und trat mit aller Kraft gegen die ungepanzerten Schienbeine seines Peinigers und der Getroffene taumelte keuchend zurück. Sofort nutzte Asray die Gelegenheit und riß sich von dem Toten los, dann stand er vor dem feindlichen Anführer.

Jetzt war es an ihm und er drang mit wuchtigen Schlägen seiner Klingen auf den Menschen ein, bis dieser mit dem Rücken gegen einen der verbliebenen Planwagen stieß. Da war es: Sein Ende! Der Kopf würde ihm gehören! Die Kurzschwerter hoben sich zu einem Scherenschlag und der Mond spiegelte sich auf ihren fleckigen Schneiden.

 

Verflucht! Stefan hatte nicht aufgepasst und sich zu sehr auf seine Verteidigung konzentriert, jetzt stand er sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand und vor ihm ragte ein wütender Aelf in prachtvoller Rüstung auf. Dieser hatte seine Waffen zum Schlage gehoben und der Vorarbeiter schloss die Augen. Er betete zu Sigmar um eine hilfreiche Eingebung und bückte sich plötzlich nach unten weg, der kommende Scherenschlag fegte über ihn hinweg und rasierte ihm das Kopfhaar ab. Dann blieb die Attacke tief im Holz des Gefährtes stecken. Er kam wieder hoch und sah den Aelfen, wie er an den Griffen zerrte, um die Klingen wieder frei zu bekommen „Wer zuletzt lacht!†œ, knurrte der Mensch und trat seinem Gegner in die Kniekehlen. Mit einem Grunzen fiel der Aelf auf seine Kniee und starrte Stefan mit zornigen, hasserfüllten Augen an.

Der Vorarbeiter dankte dem Gottkaiser für diese Chance und schlug zu...

 

Gerade als das Axtblatt auf den Schädel seines Feindes herunter fuhr, explodierte Stefans Sichtfeld plötzlich in hunderte Sterne und Funken. Stechende Schmerzen jagten wie Blitze durch seinen Hinterkopf und Dunkelheit senkte sich wie ein schwerer Vorhang über seine Augen. Bewußtlos stürzte er vor Tuluhr zu Boden und blieb dort reglos liegen. Der Paladin stieß den Körper des Menschen noch einmal prüfend mit der Stiefelspitze an und sprach eine Aelfische Beleidigung. Anschließend schob er sein Schwert in die Scheide am Gürtel zurück und sah sich den Schreckenslord an. Er mußte innerlich grinsen und weidete sich an der Schmach seines Anführers. Dieser hätte sich fast von einem Welpen töten lassen und nur ihm, Tuluhr Schwarzherz, hatte Asray Sturmklinge sein Leben zu verdanken! Dieser brachte seine Waffen wieder frei und richtete sich auf, dabei sah er seinen Stellvertreter grimmig an.

Der Paladin wußte, das sich der Schreckenslord jetzt in einer Lebensschuld bei ihm befand und Tuluhr mußte jetzt nur noch bis zur Einlösung am Leben bleiben. In den Diensten eines Edlen wie Sturmklinge zu stehen, war gleich bedeutend mit dem Tanz über einen brodelnden Vulkan. Man wußte nie, wann einem die rettende Brücke unter den Füßen weggerissen wurde. Oftmals verschwanden solche wie er, nur um dann später mit einem Dolch im Rücken wieder aufgefunden zu werden. Das war allerdings immer noch besser, als im Bett gemeuchelt zu werden. Er mußte von nun an vorsichtiger und auf alles vorbereitet sein!

 

Asray war unterdessen wieder im Kampfgetümmel verschwunden und Tuluhr schloss sich ebenfalls dem Gemetzel an. Es würde nicht mehr lange dauern und die Aelfen hatten den Widerstand der Menschen gebrochen, bereits jetzt drängten sie sie immer weiter zusammen. Schließlich streckte das letzte dutzend Überlebender die Waffen und fielen auf ihre Knie. Einige bettelten oder versuchten gar um ihr minderwertiges Leben zu schachern, während wenige der Männer und Frauen mit Stolzer Brust dem Tod ins Auge sahen. Schließlich würden sie vor ihren Gottkaiser treten und dieser hatte dann zu richten. Diesen wenigen gewährte der Schreckenslord einen raschen Tod, den Tod eines Kriegers. Während er die Flehenden langsam zugrunde richten ließ, ihre Schreie solle man angeblich noch heute auf den Ebebenen hören. Dann wurden die eigenen Karren herbeigeholt, um die Beute schnell fort schaffen zu können.

 

Krieger durchsuchten bereits die Wagen des Händlers nach wertvollen Gütern und luden sie um, die Köpfe der getöteten Menschen warf man in einige leere Wasserfässer und verschloss die Deckel wieder. Die Körper der getöteten Aelfen nahm man dagegen mit sich und verwischte sämtliche Spuren ihrer Anwesenheit. Die Kampfechsen frassen sich unterdessen am Kadaver des Elefanten satt und als einer der Ritter die zertrümmerte Sänfte erreichte, ertönte von dort ein spitzer Schrei. Lachend zog dieser eine junge Frau an ihren langen Haaren hinter sich her und warf sie vor seinem Lord in den Matsch „Mein Lord, ein Geschenk für euch!†œ, grinste er triumphierend. Sturmklinge nickte und trat etwas näher heran, während die ehemalige Konkurbine ihr zerrissenes Seidengewand zusammen raffte und sich ohne Scheu vor Asray aufrichtete. In ihren blauen Augen konnte er einen unbändigen Stolz erkennen und lächelte. Dann schritt er noch einmal um sie herum, begutachtete sie wie ein Pferdehändler eine gute Stute abschätzte „Tötet es!†œ, sprach er gering schätzend und wand sich von der jungen Frau ab. Genau in diesem Moment sprang sie vor und ehe einer der Anwesenden reagieren konnte, schlang sie in einer fließenden Bewegung den Mantel des Lords um seinen Hals und zog kräftig zu und nahm den Dolch aus dem Gürtel ihres 'Wärters'. Dabei riß sie sich an den scharfen Kanten der Rüstung die Arme auf „Dann werdet ihr vor mir sterben!†œ, zischte sie mit akzentbehafteten Aelfisch und sah sich um. Keiner der Krieger rührte sich oder machte überhaupt Anstalten sich den beiden zu nähern. Außer ein besonders großes Exemplar! Es trug eine schwere, schwarze Rüstung und machte den ersten Schritt, als die junge Menschenfrau schrie „DU! Bleib wo du bist oder er stirbt!†œ, drohte sie energisch und zertte noch einmal am Überwurf. Der Aelfenfürst kicherte „Du gefällst mir. Du hast Schneid, ich denke ich mache bei dir eine Ausnahme!†œ. Tuluhr wollte dennoch einen Satz nach vorne machen, doch ein energischer Fingerzeig wies ihn sofort wieder auf seinen Platz zurück.

 

Für einen kurzen Moment zeichnete sich Verwunderung in ihren Augen ab und das nutzte der Schreckenslord gnadenlos aus. Mit einer schnellen Handbewegung packte er ihr Handgelenk und wand den Dolch aus ihrem Griff. Dann drehte er sich elegant aus der Umklammerung heraus und die junge Frau hatte jetzt nur noch den leeren Umhang in ihren Händen „Was?†œ. Dann wurde sie von kräftigen Händen gepackt und an den Schultern zu Boden gezwungen „Du mußt noch einiges lernen! Wenn du weiterhin am Leben bleiben willst!†œ, belehrte sie Asray.

Dann schickte ein Tritt die junge Frau in den Matsch und zwei Krieger fesselten sie. Dann brachten sie sie weg, während Tuluhr vor seinen Herrn trat und die Hände zu Fäusten ballte „Ihr habt gesagt: Diesmal keine Gefangenen!†œ, knurrte er mit bebender Stimme. Dann keuchte er, krümmte sich vor Schmerzen, als plötzlich mehrere Treffer mit dem eisernen Knauf eines Dolches den Magen trafen. Ein Tritt in den Unterleib ließ ihn schließlich gänzlich zu Boden sinken und Asrays flüsternde Lippen erschienen neben seinem Ohr „Stellt mein Handeln und meine Autorität nie wieder in Frage, Tuluhr! Oder ich zerquetsche Euch wie einen Käfer unter meinem Stiefelabsatz oder schlage euch den Kopf ab!†œ. Hasserfüllt sahen sich die beiden an und schweigsam stand der Paladin wieder auf. Als er die gaffenden Krieger bemerkte, brüllte er sie an, sie sollten sich zum Abmarsch bereit halten und sie gehorchten auf der Stelle. Tuluhr kehrte zu seiner Kampfechse zurück und nur mühsam gelang es ihm, sich auf den Sattel zu setzen und darin zu bleiben ohne wieder runter zu fallen. Die übrigen Ritter folgten seinem Beispiel und die anderen Dunkelaelfen warteten auf den Befehl zum Abrücken.

Rosanna lag derweil bewußtlos in einem der Planwagen und man hatte sie an einen der Eisenringe, eigentlich für das Festzurren von Waren gedacht, fetsgebunden. Auf Asrays Befehl hin, setzte sich die Kolonne in Bewegung und verließ rasch den Ort des Geschehens.

 

Als der Morgen graute, war von der ehemaligen Karawane nicht mehr viel übrig geblieben. Alles wertvolle wurde mitgenommen und der Rest verbrannt. Aasfresser taten sich bereits an den Toten gütlich, als eine berittene Streife eintraff und sie keinen einzigen Überlebenden vorfanden. Außer einem fetten Mann, der sich als Kaufmann Hermes Brandner zu erkennen gab und zitterte wie Espenlaub. Einen zweiten fand man auf ein gezimmertes Sigmarrad genagelt und er starb beim herunterholen. Der Mann sei sein Vorarbeiter gewesen, wie der Händler angab und dann erzählte er eine Geschichte über einen Exilanten-Überfall. Der anführende Offizier war dem ganzen gegenüber eher skeptisch eingestellt, galten die Exilanten doch als Verbündete der Menschen. Vielmehr glaubte er an einen Angriff von Chaosanhängern und wahrscheinlich hatte der Sturz aus der Sänfte die Sinne und das Gedächtnis des Pfeffersackes durcheinander gebracht. Na, ihm war es schlußendlich egal. Er war nur ein einfacher Soldat und sollten sich andere Autoritäten mit dem Problem befassen! Schließlich begruben sie die Toten und rückten wieder ab.

Hermes hingegen sah noch einmal zurück und beweinte die Verluste, mit einem Schlage war er zum Bettler geworden...

 

Für die Dunkelaelfen hingegen war es ein guter Raubzug gewesen!

bearbeitet von Tarl Martell
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So hier ist wieder das 2. Kapitel:

~~~ Kapitel Zwei: Verrat! ~~~

 

Die Welt drohte an diesem Tage unter zu gehen, als der Gewittersturm über die Blackspire Mountains hereinbrach und sich lautstark austobte. Kalter Regen fiel herab und verwandelte die kleinen Gebirgsbäche in reißende Fluten. Rasch verwandelten sie sich zu reißenden Strömen und ergoßen sich in die Täler, wobei sie alles mit sich nahmen, was sich nicht in Sicherheit bringen konnte. Ohrenbetäubende Donnerschläge rollten über die Landschaft und ließen den Boden erbeben. Grelle Blitze tauchten erhellten das Zwilicht und sprengten uralte Felsformationen mit einem berstenden Knall auseinander.

 

Inmitten dieses Wetterinfernos kämpfte sich eine kleine Menschengruppe durch den Paß und trotzte der Witterung. Vorne weg humpelte ein alter Mann, gekleidet in eine schwere Robe. Er stützte sich auf einen schlichten Holzstab ab und murmelte unverständliche Worte vor sich her. Hinter ihm folgte ein kleiner Troß Bediensteter, welche mit seiner Ausrüstung zu kämpfen hatten und dabei fluchten. Inmitten der Soldaten hatte man ein Dutzend junger Frauen aneinander gefesselt und sie schluchzten aufgrund ihrer ungewißen Zukunft. Etwa zwei Dutzend angeheuerter Kämpfer sorgten für den Schutz auf diesem Marsch und wachsam behielten sie die Umgebung im Auge. Immer wieder hielt der Alte Mann inne und strich sich nuschelnd durch den filzigen Bart. Er sah sich um und der Blick seiner eiskalten Augen ließ jeden frösteln und sich mit unbehagen abwenden. Er schien die Umgebung zu studieren, suchte nach etwas und schließlich setzte er seinen Weg weiter fort. Ein jämmerliches wehklagen begleitete jeden seiner Schritte, als die gefangenen Frauen wieder ihr Klagelied anstimmten.

Nikodaemus lächelte bei diesen Tönen und sie wärmten seine schwarze Seele besser auf, als es ein prasselndes Lagerfeuer jemals vermag. Die Söldner folgten ihrem neuen Auftraggeber ohne sonderlich viele Fragen gestellt zu haben, was für ihr wohlergehen sicher auch gesünder war. Eine fürstliche Entlohnung wurde ihnen versprochen und das war dem Hauptmann genug. Seine Männer hatte er Stillschweigen schwören lassen und so zog die gemischte Truppe durch die Blackspire Mountains ihrem Ziele entgegen.

 

Der kalte Wind zerrte an ihrem Umhang und einige male wäre sie fast abgerutscht, doch Isyr Dunkelherz hatte jedesmal neuen Halt gefunden. Jetzt war sie den Menschen schon über eine Woche lang gefolgt, um zu ergründen welches Ziel ihr Anführer wohl anstrebte.

Natürlich hatte die Assassine damals diesen Auftrag angenommen, so wie man es von ihr auch erwartet hatte. Außerdem war das mal wieder eine Gelegenheit gewesen, um den Intrigen bei Hofe entfliehen zu können. Sie verstand sich zwar als Werkzeug der Mächtigen, hatte aber hingegen keinerlei Sinn für ihr höfisches und heuchlerisches Gehabe auf den Bällen und Festen gehabt. Ihr war ein ehrlicher Kampf lieber, auch wenn ein vergifteter Dolch in den Rücken oftmals die bessere Alternative bot. Sie mußte unwillkürlich über diese widersprüchlichen Gedanken lächeln. Widersprachen sie sich doch zu sehr mit ihrer Profession als meisterhafte Mörderin und den Lehren des Tempels.

Ihrem Auftrage zufolge sollte sie einen menschlichen Zauberer namens Nikodaemus verfolgen und bis zu seinem Ziele verfolgen. Isyr mußte dann herausfinden, was er dort wollte und ihn dann anschließend beseitigen. Als Beweis sollte dem Tempel der Siegelring des Mannes genügen. Anschließend würde sie in die Hauptstadt zurück kehren und auf einen Schreckenslord namens Asray Sturmklinge warten. Dort sollte sie sich ihm anschließen und beobachten. Er galt bei Hofe als Traditioneller und hing den uralten Idealen der Dunkelaelfen aus den nahezu vergessenen Zeiten nach. Sollte es in naher Zukunft zu einer Verschmelzung aller drei Aelfenvölker kommen und Sturmklinge sollte sich dem Verweigern, dann würde Dunkelherz seinem Leben ein langsames und schmerzvolles Ende bereiten. Als Warnung für all jene, die ebenfalls auf denselben Pfaden wandelten und es sich dann zweimal überlegen sollten, ob sie sich der Vereinigung verweigerten. Dann hatten sie nur noch zwei Auswahlen: Anschließen oder Sterben!

Isyr war das egal, sie hielt nichts von der verwirrender Politik und führte immer nur die Aufträge aus, welche man ihr auftrug. So würde es auch diesmal geschehen.

 

Asray Sturmklinge marschierte im vorderen Viertel der Armee. Er sah zum brodelnden Himmel hinauf und wenn er eines hasste, dann waren es diese unberechenbaren Stürme und Unwetter in diesem Gebirge. Aber immer noch besser als die tödlichen Glutstürme des Reiches Aqshy, jenseits der Feuerportale. Sie waren jetzt seit einer guten Woche unterwegs und bis zu ihrem Versteck sollte es nochmal zwei Tage dauern, außer der Sturm würde weiter an Stärke zunehmen. Dann müßten sie in einer der zahlreichen Höhlen und Stollen Sicherheit zu suchen. Seine Krieger hatten sich in lederne Umhänge gehüllt, um wenigstens etwas Schutz vor dem Regen zu haben. Aufmerksam sah er sich um, diese zerklüfteten und mit alten Minenschächten durchsetzten Felswände boten ein ideales Gelände für einen sorgfältig geplanten Hinterhalt. Ab und zu kamen sie an einer kleinen, verlassenen Siedlung vorbei. Anscheinend waren es die ehemaligen Behausungen der Bergleute. Eine kleine Truppe aus Schwarzen Reitern ritt als Kundschafter voraus, um sie vor möglichen Hinterhalten zu warnen.

In diesen Bergen lebten allerlei Kreaturen und bösartiger Monster. Die meisten davon waren gefährlich oder so zahlreich, dass sie einen selbstmörderischen Angriff auf eine Dunkelaelfenstreitmacht durchaus wagen würden. Da sind zum Beispiel die zahllosen Stämme der Grotze, die sich in den aufgegebenen Stollen eingenistet hatten. Diese kleineren Verwandten der Orruks ließen keine Gelegenheit aus, arglose Reisende zu Überfallen. Diese kleinen Scheusale bedeuteten allerdings keine große Gefahr für seine Krieger. Anders sah es da schon mit den fetten Ogors aus, welche in den höher gelegenen Tälern hausten und lebten. Asray war schon einige male gegen sie zu Felde gezogen und die Verluste, auf Aelfischer Seite, waren jedesmal immens hoch gewesen. Jeder Sieg war mit den Leben unzähliger erkauft worden, aber das hatte den Schreckenslord nicht großartig gekümmert. Letztendlich zählte nur das Ergebniss und es interessierte niemanden bei Hofe, wieviele Aelfen dafür gestorben waren.

Dann schweiften seine Gedanken wieder zu der gefangenen Menschenfrau ab. Es hatte einigen Unmut innerhalb der Offiziersränge gegeben, ausgelöst durch den dunklen Paladin Tuluhr, seinem Stellvertreter. Er, Asray Sturmklinge, hatte nach dem erfolgreichen Angriff auf die Karawane seinen eigenen Befehl mißachtet: Keine Gefangenen!

 

Die junge Frau hatte er dennoch verschont und Fesseln lassen. Ihn hatte der Mut des Mädchens beeindruckt, zweifellos aus purer Verzweiflung geboren und so hatte er sein Recht als Anführer in Anspruch genommen. Allerdings hatte ihr Anblick auch uralte Erinnerungen aus den dunkelsten Winkeln seines Bewußtseins an die Oberfläche geholt. Jedesmal wenn er dann daran zurück dachte, verschlechterte sich wieder seine Stimmung.

Seine Tochter war, nach menschlichen Maßstäben, im gleichen Alter gewesen wie sie und ebenso furchtlos. Bis zu jener Nacht, der Todesnacht, ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und von den Tempeln weiterhin am Leben erhalten. Hexenkriegerinnen tobten dann durch die Straßen der Dunkelaelfenstädte und verschleppten jeden, der ihnen in die Hände fiel. Dabei scheuten sie auch nicht davor zurück, in verschlossene Häuser ein zu brechen. Die Bewohner endeten dann normalerweise auf den zahlreichen Opferaltären der Tempel. Manchmal wurden auch junge, sehr schöne, Elfenfrauen entführt und selbst zu einer Hexenkriegerin erzogen. Zu einer Braut Khaines, einem der uralten und fast vergessenen Elfengötter. Dem einstmaligen Gott des Blutes und Mordens. So geschah es auch mit Asrays Frau und Tochter.

 

Während seiner Abwesenheit waren die Hexen in das Herrenhaus der Famillie Sturmklinge eingedrungen und nach einem kurzen Kampf gegen die Leibwächter, hatten sie alle Überlebenden entführt. Außer seiner Schwester, die in einem der schwarzen Türme des Konvents lebte, gab es niemanden mehr. Das war vor ungefähr einhundert Jahren geschehen und mit jedem weiteren Jahr, verblassten die Erinnerungen immer mehr und Asray klammerte sich dann an die kläglichen Reste. Einzig der Rachedurst blieb unverändert am Leben und richtete sich gegen die Tempel. Sollten die Seelen der Priesterinnen Slaanesh als wohlschmeckende Mahlzeit dienen!

Asray schüttelte seinen Kopf, um sich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Ihre Zuflucht war nicht mehr weit entfernt. Als er gerade Tuluhr zu sich befehligen wollte, ertönte ein Horn vor ihnen im Paß. Dann setzte ein lautes, wildes Geschrei ein, welches sogar den Sturm übertönte. Der Schreckenslord sah sich um und entdeckte auf den Kämmen der Steilwände zahlreiche kleine Gestalten „Achtung!†œ, schrie er. Dann erschienen weitere Angreifer und strömten zahllos die Hänge hinab oder quollen aus den dunklen Minen- und Höhleneingängen heraus.

 

„Achtung!†œ, schrie Alrik Donnerbach und sein Breitschwert kreiste über den Kopf, als der Sturm das entfernte Heulen und Schreien zu ihnen trug. Die Söldner reagierten sofort und sicherten die Flanken, ihre Schützen suchten die Felswände nach möglichen Zielen ab und der Mörser wurde abgebockt. Nikodaemus hielt verwundert inne Diese Narren! Warum laßt ihr halten? Hauptmann.†œ, erkundigte er sich mit zorniger Stimme und der Angesprochene kam eilig zu ihm herüber „Mein Herr. Ich befürchte einen Angriff über die Hänge hinweg und aus den Stollen heraus.†œ, dabei deutete er mit seiner Waffe auf die entsprechenden Stellen. Der alte Mann tat diese Erklärung allerdings mit einem Kopfschüttel ab „Weiter. Wir müßen weiter! Das Vorhaben gewährt keinen Aufschub!†œ, drängte er und Alrik ließ widerwillig Marschaufstellung einnehmen „Wie ihr es wünscht!†œ, murrte er.

Trotzdem ließ er die Hänge im Auge behalten und schickte eine kleine Abteilung voraus, um den Weg vor ihnen aus zu Spähen. Er hatte keine Lust, sein Leben in dieser trostlosen Gegend zu beenden, inmitten von Dreck und Felsen. Er wollte, das sein Tod etwas Ruhmreiches war und von dem man sich in den Tavernen noch viele Jahre später erzählte. In einem gewissen Rahmen war es sogar eine Art der Unsterblichkeit! Solange man sich die heldenhafte Geschichte des Hauptmann Alrik Donnerbachs immer wieder erzählte, lebte sein Geist stets weiter. Er lächelte bei diesen Gedanken und seine Laune besserte sich etwas.

 

Dann sah er sich den alten Mann von hinten an, dazwischen befand sich sein bucklige Diener. Die restliche Dienerschaft hatte es vorgezogen, sich dem Troß an zu schließen. Der Alte schein ein merkwürdiger Kautz zu sein. Er hatte seinen Haufen angeheuert, um in diesen Bergen irgend etwas zu suchen. Nur was er zu finden beabsichtigte, das hatte er für sich behalten und eigentlich ging es Alrik auch nichts an. Manchmal war es besser, nicht all zu viele Fragen zu stellen und den Mund zu halten. Er hatte schon von anderen Kompanien gehört, dessen Anführer zu neugierig gewesen waren und dann spurlos verschwanden. Man mußte heut zu Tage in den Reichen vorsichtig sein und aufpassen, von wem man angeheuret wurde. Seitdem die Horden des Chaos ihr Unwesen trieben, fand man sich nur all zu leicht am falschen Ende einer Klinge oder Armbrust wieder.

Für Alrik spielten diese Überlegungen keine Rolle, den er brauchte das Gold des Alten. Sie hatten schon seit Wochen keinen neuen Auftag mehr gehabt und allmählich zeigten sich Auflösungserscheinungen. Die ersten Kämpfer hatten die 'Silberschwerter' bereits verlassen. Deswegen war der Hauptmann über jede Münze froh, die in ihre Soldtruhe gespühlt wurde. Nur die jungen Frauen machten ihm Sorgen: Auf Befehl des Alten führte man sie an einander gefesselt und inmitten seiner Krieger mit, obwohl Alrik sie im Tross für besser augehoben fand. Allerdings schienen sie für seinen Auftraggeber von äußerster Wichtigkeit zu sein und diesbezüglich war mit ihm auch nicht darüber zu diskutieren. Er hoffte nur, das sie keine all zu große Ablenkung für seine Leute darstellten. Sonst müßte er doch noch einmal mit seinem Auftraggeber ein ernstes Wort reden müßen! Er sah ansonsten die Kampfkraft geschwächt.

Was ihn aber absolut nicht behagte, den in der Nähe des Alten fühlte er sich jedesmal unbehaglich.

 

Irys duckte sich instinktiv und sah sich um. Ihre scharfe Sicht konnte die Menschen unter sich klar ausmachen, wie sie eine Verteidigungsstellung einnahmen und sich umsahen. Auch sie hatte das entfernte Geschrei der Grotze gehört, aber gewußt, das die Grünlinge keine unmittelbare Gefahr bedeuteten. Sie hatten bereits eine andere Beute gefunden. Sie kicherte amüsiert über diese Einfälltigkeit der Kurzlebigen und nutzte die Gelegenheit, um einen Bissen zu sich zu nehmen. Sie machte es sich soweit bequem, wie es die Felswand zuließ und wartete erst einmal ab. Was wollten die Menschen nur mit den Frauen in ihrer Mitte? Zweifellos hatte der alte Zauberer ein hohes Interesse an ihnen, sonst ließe er sie nicht so gut bewachen.

Als die Formation sich wieder in Bewegung setzte, leisteten die Frauen keinerlei Gegenwehr, sondern folgten ihrem Aufpasser wie dressierte kleine Hunde. Sie würde erst einmal abwarten, bis es ihr die Zeit schließlich doch noch offenbarte. Für das erste war es besser, die Gefesselten ihrem unbekannten Schicksal zu überlassen. Sollte Irys sie in diesem tödlichen Gebirge befreien, dann würden sie keinen Tag lang überleben.

 

„Flanken sichern! Schützen vor!†œ, brüllte Asray über den Lärm hinweg und zog seine Waffen aus ihren Rückenschlaufen. Kreischende Grotze stürzten einer Lawine gleich den Hang hinunter und schwangen dabei ihre primitiven Waffen. Ein halbes Dutzend Trolle watete durch ein Meer aus grünen Leibern, als die wogenden Wellen an ihnen vorüber schwappten und sich in den Paß ergossen. Die Repetierarmbrüste forderten einen hohen Blutzoll von den Angreifern, als die schwarzen Bolzen ihre Reihen mit jeder weiteren Salve lichteten. Schließlich hatte es die Besatzung der Speerschleuder geschafft, sie auf ihrem Karren auf zu protzen und zu laden.

Zwischen den Grotzen sprangen fleischige Bälle den Aelfen entgegen und geifernde Mäuler präsentierten unzählige Zähne. Die Kriegsmaschine konnte gerade noch eine Salve abfeuern, bevor sich die anbrandende Welle an den Schilden der Aelfen brach und einige der Wichte durch den Schwung ihres Sturmlaufes sogar über die Linie hinweg getragen wurden. Sie landeten dann inmitten der Verteidiger und sprangen kreischend wieder auf ihre kurzen Beine. Zu einem Angriff bekamen sie allerdings keine Gelegenheit mehr, den die Speerträger stachen jeden einzelnen von ihnen ab.

 

Asrays Krieger stemmten sich gegen den Ansturm und schlugen zu, kämpften um ihr Leben. Sie bildeten einen Abwehrkreis und selbst die Schützen stürzten sich mit gezückten Dolchen in den Nahkampf, während die Kriegsmaschiene von ihrer erhöhten Position auf die angreifenden Trolle feuerte und zwei von ihnen zu Fall brachte. Allein die Echsenritter konnten sich einen blutigen Pfad durch die Angreifer mit ihren Schwertern hacken und dabei schrie Tuluhr vor wilder Kampfeswut. Als sein Trupp sich schließlich aus der Umklammerung gelöst hatte, formierten sie sich in einiger Entfernung neu. Die Klinge des Paladins hatte dabei eine blutige Ernte eingefahren und seine Ritter waren nicht minder untätig gewesen. Einige seiner Männer griffen bereits nach den Lanzen und sahen ihn erwartungsvoll an. Das Banner flatterte stolz im Wind und der Hornbläßer setzte sein Instrument an die Lippen, bereit das Signal zur Attacke zu geben. Doch der dunkle Paladin hob seine Faust und sie hielten sofort inne „Wartet!†œ.

 

Diesmal waren es die Dunkelaelfen, die mit dem Rücken zur Wand oder besser mit den Planwagen und Karren hinter sich kämpften. Ihr Schreckenslord brüllte Befehle und befand sich ebenfalls an vorderster Front. Die Zahl der Grünlinge schien unendlich und ihre Schoßtiere tobten wie Dervische in den Reihen der Verteidiger. Für jeden getöteten Grotz, nahmen zwei weitere den Platz seines Vorgängers ein und zu ihrem Glück waren diese kleinen Scheusale keine guten Kämpfer gewesen. Auf der linken Flanke brach gerade einer der beiden letzten Trolle durch die Linie der Aelfen und schwang seine mächtigen Fäuste gegen die Speerschleuder und ihrer Besatzung. Diese zogen gezackte Klingen, da das Ungetüm für einen Schnellschuß bereits zu nahe heran gekommen war. Aber gegen die Stärke des Monsters hatten sie nicht den Hauch einer Chance gehabt. Der erste wurde durch einen Fausthieb fortgeschleudert und verschwand schreiend in der tobenden Horde, dem zweiten biß das Ungeheuer einfach den Kopf ab und schluckte ihn herunter. Asray fluchte und löste sich aus der Linie, um sich der neuen Gefahr zu stellen. Er stürmte auf die Bestie zu und landete einige saubere Treffer.

Der Bergtroll unterbrach grollend sein blutiges Mahl und nahm das Opfer seiner letzten Attacke bei den Beinen und schwang es wie eine Keule über seinem Kopf. Der Schreckenslord konnte gerade noch ausweichen, als die improvisierte Waffe auf ihn zuraste und der Leib des Toten blutspritzend auf den steinigen Boden aufschlug.

Einige der Ochsen und Pferde hatten vor einer handvoll Squigs gescheut, welche sie geifernd angriffen und die Kutscher konnten ihre panische Flucht nicht verhindern. So stürmten die Tiere in die kämpfende Menge hinein und trampelten Freund wie Feind in Grund und Boden. Leider konnten die Löcher von den Dunkeaelfen nicht schnell genug geschlossen werden und so wurde ihre Streitmacht gespalten. Die Grünlinge hatten diese Situation sofort zu ihrem Vorteil ausgenutzt und die Preschen erweitert. Es sah jetzt sehr schlecht für die Aelfen aus, wo waren die Ritter?

 

Doch Asray mußte sich erst einmal darum kümmern, selbst am Leben zu bleiben. Er wich weiteren Schlägen des Trolles aus und versuchte schwerere Verwundungen an zu bringen. Leider schlossen sich die kleineren Wunden wieder schnell genug, als die regenerative Fähigkeit des Trollfleisches zum tragen kam.

Sturmklinge fluchte und atmete erschöpft, den nächsten Hieb konnte er zwar kommen sehen, aber sich nur halb aus der Schlagrichtung drehen. Dadurch streifte ihn der geschwungene Angriff und schleuderte dadurch den Adligen benommen zu Boden. Siegessicher grinste das Ungeheuer und trat über den Aelf, um ihm den Todesstoß zu versetzen. Doch dann bebte und zuckte der massige Körper, als ihn etwas mehrfach in den Rücken traf und den Brustkorb nach vorne wölbte. Dann stießen die widerhaken besetzten Spitzen der schweren Bolzengeschosse durch die zähe Lederhaut. Die Wucht der Einschläge trieb den sterbenden Troll taumelnd nach vorne und mit einem letzten Seufzer kippte er schließlich nach vorne. Asray rollte sich zur Seite und sprang auf die Füße, um nicht von dem schweren Leib getroffen zu werden.

Verwundert sah er dann zu dem Karren der Kriegsmaschine hinüber und erkannte die junge Menschenfrau am Feuerhebel. Zum Glück hatte die ehemalige Besatzung ihr Gerät noch einmal laden können, bevor sie ein überaus brutaler Tod ereilte. Die beiden sahen sich einige Augenblicke an, ehe die Schlacht wieder seine Aufmerksamkeit verlangte. In der Nähe entstand ein blutiger Tumult, als es den Grotzen schließlich gelungen war, den Schildwall der hoch gewachsenen Krieger auf zu brechen. Das Resultat war ein grauenhaftes Blutbad, als die kleinen Grünlinge in die ungeschützten Flanken stachen und schlugen. Einer nach dem anderen vielen sie ihren grob geschmiedeten Messern, Äxten und Schwerten zum Opfer. Der Boden war glitschig vom vergossenen Blute und die Lebenden stolperten über die Körper der Toten. Asray kämpfte verbissen, doch die Übermacht war erdrückend und bald bestand seine Hundertschaft nur noch aus einer Handvoll Überlebender, die schnell dahinschmolz. Doch erfüllte ihre grimme Entschlossenheit den Schreckenslord mit Stolz. Keiner der Krieger streckte die Waffen und kämpfte stattdessen bis zum letzten Atemzug weiter „Kämpft! Kämpft bis zum ruhmreichen Tode!†œ, feuerte er sie an. Doch dann jagte plötzlich ein glühender Schmerz durch seinen Körper, er hustete und röchelte. Die Welt drehte sich vor seinen Augen und dann sackte der Aelf wieder auf ein Knie herab und konnte gerade noch einem hämisch grinsenden Grotz mit blutiger Waffe den Kopf vom Rumpfe trennen. Dann legte sich ein roter Schleier über sein Sichtfeld und er verlor das Bewußtsein, noch ehe er im Dreck landete.

Das letzte was Asray noch hörte, war das Siegesgebrüll der kleinen Scheusale. Dann schlossen sich Sturmklinges Augen endgültig und er versank in ewiger Dunkelheit.

 

Tuluhr hatte in aller Seelenruhe mit angesehen, wie die Dunkelaelfenstreitmacht förmlich abgeschlachtet wurde und zufrieden lehnte er sich im Sattel seiner Kampfechse zurück. Brachhus war etwas unruhig, da er das vergossene Blut roch. Einige der Ritter sahen sich unschlüssig an, aber niemand wagte es, das Wort zu erheben „Wir kehren in die Bloodholes zurück!†œ. Leider muß ich die Kunde über den Tod unserer ruhmreichen und tapferen Anführerin in unsere Zuflucht tragen und das Kommando übernehmen! Bis ein neuer Lord erwählt wurde!, dachte er bei sich. Er sah die anderen Aelfen seiner Truppe an und sie senkten allesamt das Haupt, um ihm Respekt und Anerkennung zu zollen. Dann trieb er Brachhus seine Sporen in die Flanken und in einem gemächlichen Trab verließen sie den Schauplatz des Geschehens. Der dunkle Paladin lächelte und kicherte boshaft Endlich!

 

Der Sturm schien endlich an Kraft zu verlieren und die Wolkendecke riß an mehreren Stellen auf. Das goldene Licht der Abenddämmerung Chamons wich allmählich einer tiefen Schwärze der aufziehenden Nacht. Funkelnde Sterne glitzerten über ihnen und langsam kehrte wieder die Still über die Blackspire Mountains zurück. Die Söldner atmeten erleichtert aus und Alrik hatte seinem Auftraggeber das Zugeständnis einer Ruhepause abringen können. In flachen Kuhlen wurden Feuer entfacht, an denen sich die Männer und Frauen aufwärmen konnten. Einige von ihnen holten kleine Kessel hervor und kochten einen dicken Haferschleim. Der Troß bildete eine kleine Wagenburg um den Lagerplatz herum und Wachen wurden eingeteilt. Die Frauen hatte man in einem der sechs Planwagen untergebracht und mit Ketten gesichert. Nikodaemus hatte sich in einen der anderen Gefährte zurück gezogen, um sich seinen Studien zu widmen. Dort wollte er auch die nächsten Schritte zu planen, wenn siebald ihr Ziel erreichen würden.

 

Der Söldner gähnte und hielt sich nur noch mit seinem Speer aufrecht. Das Unwetter und der Gewaltmarsch hatten ihr übriges dazu beigetragen, das die Männer am Ende ihrer Kräfte waren. Alrik war froh, das der Angriff nicht ihnen gegolten hatte. In seinem Zelt vertrieben einige Kerzen etwas von der Kälte und der Hauptmann machte sich Notizen in sein Tagebuch. Schließlich sollte sein Leben für die Nachwelt erhalten bleiben und für sich selber, falls es Schwierigkeiten mit einem Auftragsgeber geben sollte. Nur noch eine leichte Brise zupfte an der Zeltplane und ließ flache Wellen über den Stoff tanzen. Langsam wurde er ebenfalls von der Müdigkeit übermannt und schloss das kleine Büchlein, legte es in den Rucksack zurück. Er hoffte, bald wieder in die Zivilisation zurück zu kehren und einen weniger kalten Auftrag zu finden. Immerhin waren sie bisher von Kämpfen verschont geblieben, was ihn etwas verwunderte. Galten die Blackspire Mountains doch als eine der Brutstätten des Bösen. Er bemitleidete die armen Teufel, die jetzt dort draußen im Dreck verbluteten oder im Suppentopf landeten. Schließlich schüttelte er die Gedanken weg und drehte sich auf den Rücken. Dann glitt er langsam in einen unruhigen Schlaf hinüber.

 

 

 

bearbeitet von Tarl Martell
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