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Nakago

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  1. Kapitel XX "Aha und was nun genau?", frage ich Inquisitorin Calypso, die mir gegenüber in ihrer schicken Rüstung sitzt und wieder mal an meinem Thronverdammt teuren Amasec nippt. Endlich kommen wir zum Punkt. "Drogenschmuggel!", erwidert sie. "Drogenschmuggel?", frage ich entgeistert nach. Das hätte ich jetzt wahrlich nicht erwartet. "Ist hier ein Echo?" Sie lächelt und nimmt einen weiteren kleinen Schluck, bevor sie fortfährt. "Und zwar ganz besondere Drogen, nämlich menschliche Gehirne." "Was in aller Welt konsumiert menschliche Gehirne als Droge?", frage ich vollständig irritiert. Es gibt zwar eine natürliche Droge, die im Gehirn produziert wird, aber die kann man billig synthetisch produzieren. Niemand bei klarem Verstand würde Menschen töten, um Endorphin zu ernten. "Der wandelnde Wurm! So nennen die Kinder der Lehre diese äußerst obskure Xenosrasse, weil so aus einer Masse von Würmern besteht, die Gliedmaßen und Organe bilden. Wir vom Ordo Xenos benutzen die Bezeichnung Slaugth. Die Slaugth sind in ihrer Motivation recht einzigartig. Die meisten Xenos wollen die menschliche Rasse versklaven, vernichten oder fressen. Aber die Slaugth giert es nach menschlichen Gehirnen wie einen Drogensüchtigen nach Obscura oder was sie auch immer für eine Droge sie konsumieren mögen." "Soll das heißen, kosmische Drogendealer wollten unsere Familien dazu zwingen, ihnen beim Schmuggel von menschlichen Gehirnen zu helfen?", frage ich ungläubig. Würde da keine Inquisitorin vom Ordo Xenos mir gegenüber sitzen, würde sich sie auslachen und für verrückt erklären. "Vereinfacht ausgedrückt, ja." "Warum züchten sie keine Menschen für ihre Drogen?", hinterfrage ich die Theorie. "Das ist uns nicht wirklich bekannt. Es sind Xenos, deren Denkweise sich grundlegend von der unseren unterscheidet. Es gibt im Ordo Xenos das Paradigma, dass je mehr unterschiedliche Dinge ein Mensch erlebt hat, desto anregender ist es für den Slaugth dessen Gehirn zu konsumieren. Es sind also nicht irgendwelche Botenstoffe, was einen Slaugth anregt, sondern das lesen von interessanten Erinnerungen. Ein in Gefangenschaft aufgewachsener Mensch hat wohl einfach nicht die notwendigen Erfahrungen, um sein Gehirn das zu geben, was diese Würmer brauchen, um davon High zu werden. Ich nehme an, dass sie früher wohl ihre Gehirne von den Bewohnern der Untermakropole geerntet haben. Aber da diese nun überaus stark von den gutsituierten Adligen und vermögenden Händler bejagt werden, haben die Slaugth ihr traditionelles Erntegebiet verloren. Es kann gut sein, dass ein Teil der Erpressung darin bestanden hätte, diese Jagden zu verbieten. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen können sie wieder ungestört ernten und ihre Fracht problemlos verschicken." "Warum sind sie dann von ihrem Plan abgewichen, uns gefangen zu nehmen?", hinterfrage ich ihre Theorie. "Wahrscheinlich sollte Crestus Cascandor für eine reibungslose Übergabe sorgen. Nachdem das nicht stattgefunden hat, dürfte sich der Verantwortliche umentschieden haben. Von Anfang an wurde als Sekundärer Plan du als Schuldiger aufgebaut, um das Haus Conari als Sündenbock zu präsentieren." "Warum das Haus Conari?", frage ich nach. "Zum einen, weil dies einen lang anhaltenden Krieg der Häuser ausgelöst hätte. Das Haus Conari verfügt über starke militärische Ressourcen und hätte sich zu wehren gewusst. In dem daraus folgenden Chaos wären viele Gehirne gefahrlos zum ernten gewesen und der Schmuggel wäre durchaus einfach von Hand gegangen. Zum anderen aufgrund eines Ereignisses, wo die Slaugth vor ein paar Jahren versucht haben, mit deinem Haus ins Geschäft zu kommen. Aber dein dafür zuständiger Verwandter war schlau genug, umgehend den Ordo Xenos zu informieren. Dadurch gelang es mir ein Netzwerk aus menschlichen Agenten zu zerschlagen und eines dieser Xenos zu vernichten. Nichts riecht schöner als dreifach gesegnetes Promethium am Morgen." "Aha. Waren diese komischen Dinger Slaugth? Also diese vier Kreaturen?" "Nein, dass waren kleine künstliche Erntemaschinen. Diese "Harvester" sind aus Biomasse gezüchtete Kreaturen, die mit mechatronischen Elementen verstärkt sind. Es gibt davon noch eine große schwebende Version, aber in den engen Tunneln der Makropole sind die Kleinen sinnvoller einzusetzen. Die kleinen "Harvester" sind relativ gesehen eher harmlos und lösen sich nach ihrer Ausschaltung auf. Auch wenn sie natürlich in der Lage sind, mit einem bewaffneten Gegner fertig zu werden." "Deswegen das große Maul", sinniere ich und nehme einen großen Schluck Amasec, um mit dem brennen im Rachen meine dunklen Erinnerungen zu vertreiben. "Mit den Mäulern öffnen sie die Schädeldecke, saugen das Gehirn ein und verpacken es quasi in einen Beutel aus schnell aushärtenden Schleim. Das verlangsamt die Verwesung. Sind genug Gehirne zusammen, kehren diese Harvester zu ihrem Nest zurück und scheiden ihre Beute aus." "Das ist kein Thema, bei der man auf einer Cocktailparty punkten könnte", merke ich an. "Nein, wahrlich nicht. Noch Fragen?" "Warum hat York oder Crestus versucht, mich in ein Duell zu zwingen? Hätte ihm nicht klar sein müssen, dass sein Schwindel schon aufgeflogen ist?" "Ich denke, York oder sein Hintermann haben letztendlich versucht, eine Fehde zwischen dem Haus Cascandor und Haus Conari herbei zu führen, nachdem alles andere schief gelaufen ist. Hätte ja auch beinahe geklappt, da du ja freundlicherweise dem jugendlichen Überschwang Vorschub geleistet hast", wirft mir die Inquisitorin vor. Hat sie nicht ganz unrecht. "Oberst York kennt mich besser als dachte", merke ich durchaus zerknirscht an. "Warum habt Ihr das Duell in der Arena der Gerechtigkeit nicht verhindert?" "Taten haben Konsequenzen. Aber Dank deiner äußerst einfallsreichen Konkubine ist es dir ja gelungen, den Herzensbrecher aus dem Spiel zu nehmen. Und wolltest du nicht sowieso irgendwann in Zukunft als Schiedsmann vor Gericht agieren? Ich hatte da vollstes Vertrauen in deine Fähigkeiten", erzählt sie mir süffisant und mir ist klar, dass sie jedes Gespräch und jeden Akt belauscht hat. Dieser Umstand macht mich durchaus wütend. Aber ich bin auch wütend auf mich, da ich es nie in Erwägung gezogen habe, dass die Inquisition mich verwanzt haben könnte. Ich denke aber auch, dass dieses Duell dazu diente, dem Haus Cascandor die Möglichkeit zur legalen Rache zu geben. Ein Leben für ein Leben. Das es nun zwei zu null steht, war wohl so nicht vorgesehen. "Werdet Ihr etwas gegen das Haus Cascandor wegen verbotener Tech vorgehen?" "Das ist nicht mehr vonnöten", verkündet mir die Inquisitorin. "Lasst mich raten, in wenigen Tagen wird der Rückzug von Alphonsus dem Herzensbrecher als Schiedsmann verkündet?" "Der Preis dafür, dass sich Crestus Cascandor in eine Intrige hat einspannen lassen, welche unmittelbar mit Xenos zu tun hat. Sollte es je ruchbar werden, dass sich das Haus Cascandor von Xenos vor einen Karren hat spannen lassen, würde das deutlich ihre Position in der Güldenhand schwächen. Auch werden sie in Zukunft ihre Schiedsmänner vor jedem Kampf von einem geweihten Kleriker des Adeptus Mechanicus untersuchen lassen müssen." "Irgendwie keimt in mir der Verdacht, dass ich auch einen Preis bezahlen muss, um den Status Quo zu erhalten", merke ich an, da mir böses schwant. "Es wäre nicht klug für dich, mein lieber Junge, länger als nötig hier in Tarsus zu verweilen. Deine fortwährende Anwesenheit auf Scintilla wäre eine Provokation für die Cascandors und wie du ja nur zu gut weißt, sind sie sehr schlechte Verlierer. Auch wenn es ein von mir vermitteltes Stillhalteabkommen gibt, wird das den einen oder anderen Cascandor nicht abschrecken, trotzdem über mehrere Strohmänner hinweg irgend einen Todeskult anzuwerben. Und an Thronen mangelt es diesem Haus nun wahrlich nicht. Es ist durchaus möglich, dass schon im Vorfeld diesbezüglich Kontrakte geschlossen wurden, um deine mögliche Flucht zu vereiteln. Eine ausgedehnte Vendetta zwischen zwei so mächtigen Häusern liegt nicht im Interesse von Gouverneur Hax oder dem Imperium. Nach diesem Gespräch wird dir dein Vater ein Kommando sehr weit weg von hier antragen, welches du mit Freuden annehmen wirst." "Mir dünkt, dieser Punkt wird mir nicht gefallen. Wohin werde ich verbannt?" "Sehe es als Chance, dich zu bewähren und nicht als Strafe." "Ist Lady Augusta eine von Euren Leuten?", frage ich weiter. "Wenn es so wäre, würde ich das wohl kaum verraten", bleibt Inquisitorin Calypso vage. Eine andere Antwort hätte mich auch überrascht. Trotzdem habe ich irgend eine verräterische Reaktion erhofft. Aber dazu spielt die Inquisitorin dieses Spiel viel zu gut. "Werden mir die Slaugth nachstellen?" "Schwer zu sagen. Aber ich schätze, die werden das Thema abhaken und einen neuen Ansatzpunkt suchen, Scintilla zu destabilisieren." "Woher kommen diese Xenos?" "Wir wissen recht wenig über die Slaugth. Ihre Technologie ist sehr fortgeschritten und ihre Raumschiffe scheinen lange Distanzen problemlos überwinden zu können, ohne dabei den Warpraum benutzen zu müssen. Bis jetzt wurde noch keine Welt ihnen zugeordnet. Es gibt Vermutungen, dass sie in den weiter entfernten Halosternen ihre Welten haben." "Nun gut, an welchen abgelegenen Ort wird mein Vater mich schicken?" "Ich will Taurion nicht die Überraschung verderben." Entweder kennt die Inquisitorin meinen Vater wirklich gut oder sie will mir mit ihrer Formulierung zeigen, wie wenig sie von meiner Familie hält. Ich tippe aufs erstere. Könnte durchaus sein, dass mein Vater damals den Agenten der Slaugth der Inquisition auf dem Silbertablett serviert hat. "Wurden die Mutanten, die uns bei der großen Jagd angegriffen haben, von einem Slaugth angeführt?" "Davon gehe ich aus." "Ist es Euch gelungen, ihn zu vernichten?" "Er ist meinen Suchtrupps entkommen. Nach meinen Erkenntnissen hat er sich während des fünften Angriffes abgesetzt und hatte mehrere Tage Zeit das Areal zu verlassen. Mit so einem großen Vorsprung kann man ein so flexibles Wesen wie ein Slaugth in einem so weitläufigen Suchgebiet nicht mehr aufspüren." "Warum hat er so ungeschickt agiert?" "Auch wenn Slaugth uns eine vollkommen fremdartige Spezies ist, so können wir doch extrapolieren. Leute, die für ein Drogenkartell die Drecksarbeit erledigen, sind nicht unbedingt die hellsten Leuchten am Firmament. Auch sind sie oft selbst Konsumenten. Wahrscheinlich hat er von seiner eigenen Ware vorgekostet und hat zugedröhnt die Sache in den Sand gesetzt. Diese Kreaturen verfügen über schreckliche Waffen, die bei einem Volltreffer ihr Ziel vollkommen zersetzen können. Auch sind sie durch ihre Struktur sehr schwer zu töten. Hätte er persönlich in den Kampf eingegriffen, hätte dies die Auslöschung aller Kadetten bedeuten können. Aber das hat er zu euer allem Glück nicht getan." "Ich denke, damit sind wohl all meine Fragen beantwortet." "Nun gut, ich hoffe, wir sehen uns nie wieder unter solchen Umständen. Der Imperator beschützt!" Mit diesen Worten macht sie einen Aquila vor ihrer Brust. "Der Imperator beschützt!" Ich vollführe die gleiche Geste. Sie steht auf, trinkt ihr Glas leer und geht. "Ich finde selbst hinaus." Nachdenklich schaue ich ihr hinter her, sacke dann in mich zusammen und schlage die Hände vors Gesicht. Für einen Moment verliere ich mich in mir selbst. Dann amte ich tief durch und fahre mir mit beiden Händen durch das Haar nach hinten. Das war jetzt ein seltsames Gespräch. Wobei ich keine Ahnung habe, wie wohl sonst ein Gespräch mit einer Großinquisitorin abläuft. Ich lebe noch und das kann sicherlich nicht jeder von sich behaupten, der mit Calypso gesprochen hat. Ihre Geschichte von einem drogensüchtigen Xenos klingt plausibel und beantwortet eigentlich alle Fragen. Mal sehen, wohin mein Vater mich "verbannen" wird. Auf alle Fälle habe ich da schon so eine Idee. Ende Nakagos wirre Gedanken Die Slaugth kommen im Dark Heresy Rollenspiel vor und sind wie beschrieben kanonisch. Für mich sind sie eine sehr interessante Rasse, da sie vollkommen aus dem üblichen Schema der Xenos von 40K fällt, die entweder aus populären Rassen aus dem Fantasy Bereich oder aus einschlägig bekannten Filmen abgekupfert wurden. Es gab zwar im Film Dark Angel auch eine Alienrasse, die menschliches Endorphin geerntet hat, aber sonst kommt meines Wissen der Aufhänger Menschen als Drogen zu verwenden nirgendwo mehr vor. Damit wäre dieser Band fertig gestellt. Ich hoffe, du lieber Leser hatte soviel Spaß beim lesen wie ich beim schreiben. Ob es einen zweiten Band geben wird, mal sehen. Die Zahlen sprechen momentan leider eher gegen eine Fortsetzung. Wer möchte, darf durchaus ein kleines Review am Ende hinterlassen. Oder auch nur ein Like. Freue mich über beides.
  2. Yup, die Krankheit ist nun endgültig überstanden. Ab heute keine Qurantäne mehr. Happy! Kapitel XIX Im Laufe des Nachmittags gesellen sich mein Bruder Novus und meine Schwester Zethania zu uns. Beide sind voll des Lobes über meinen Kampf. Aber uns ist allen klar, dass meine Unschuld durch ein Gottesurteil nur bedeutet, dass das Haus Cascandor nun andere Mittel zum Einsatz bringen wird. In dem festungsartigen Anwesen des Hauses Conari bin ich zwar nach menschlichem ermessen in Sicherheit, aber ich habe nicht vor, den Rest meines Lebens in diesen luxuriösen Mauern zu verbringen. Auch steht noch die Expedition in die Tiefen der Makropole Scintilla zum Ort des Gefechtes an. Zethania, nie für einen Vorwand verlegen, Mutanten zu töten, befürwortet lautstark diesen Plan, während Novus den Mahner gibt. Schließlich könnte dieser Zug vom Haus Cascandor durchaus vorhergesehen werden und es ist im Bereich des Möglichen, dass sich schon Attentäter dort befinden. Wie wir ja wissen, eignet sich dieser Ort hervorragend für einen Hinterhalt. "Ich bin nicht sicher, ob eine Exkursion zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch irgend eine Erkenntnis zu Tage fördern wird. Wir müssen davon ausgehen, dass wahrscheinlich das Adeptus Arbites oder gar die Inquisition dort eingehende Untersuchungen vorgenommen haben. Was immer dort vielleicht an Hinweisen zu finden war, dürfte inzwischen weg sein", wirft mein Lebenswart Caine berechtigter weise ein. In dem Moment höre ich einen Tumult vor meinem geräumigen Arbeitszimmer und dann wird die Tür aufgestoßen. Nicht nur ich springe alarmiert auf und taste nach dem Griff meines Schwertes. Cussak kommt mehr oder weniger herein gestürmt. "Entschuldigt die Störung, Meister Flavion, aber...", beginnt mein Leibwächter sich zu erklären, macht aber schnell einer folgenden Gestalt in einer weißen Rüstung platz. Die Zeit friert ein, als ich die Säule der Inquisition sehe, welche die in einer barock verzierten Servorüstung gehüllte Gestalt um den Hals trägt. Es handelt sich ganz klar um eine Frau, mit kurzen lockigen Haaren. Ihr Gesicht ist gebräunt, ihre dunklen Augen fixieren mich und ihr roter Mund verzieht sich zu einem spöttischen Lächeln. "Niemand erwartet die Inquisition", begrüßt sie uns und fährt fort. "Falls mich ich noch vorstellen muss, Großinquisitorin Calypso vom Ordo Xenos." Es ist zum ersten mal, dass ich einer leibhaftigen Inquisitorin gegenüberstehe und ich muss gestehen, dass mich das durchaus etwas beunruhigt. Hinter ihr steht nur noch Braddok, mein anderer Leibwächter, der äußerst unglücklich aussieht. Offensichtlich hat sich die Großinquisitorin von ihnen nicht aufhalten lassen. Wahrscheinlich ist sie es nicht gewohnt in einem Empfangszimmer zu warten. Die restlichen Anwesenden vermitteln mir durch Haltung und mühsam gewahrtem Gesichtsausdruck den Eindruck, dass sie wie ich auch ganz weit weg währen. Besonders Zethania wirkt angespannt und macht einen überfordernden Eindruck. Ich straffe mich und bewege mich so, dass sie keinen direkten Angriff mehr führen kann, falls das hier eskaliert. Eine leibhaftige Inquisitorin anzugreifen ist etwas, mit dem auch jemand unseres Standes nicht mehr davon kommt. "Schau an, schau an. Wenn das mal nicht der Held der Stunde ist. Flavion Conari, der Mann, der die Makropole erbeben lässt. Du bist wirklich so groß, wie man es sich erzählt", wendet sich die Inquisitorin schon beinahe Kumpelhaft an mich. Mir liegt ein dämlicher Spruch auf den Lippen, kann mich aber beherrschen. Nach ihrem Zitat zu urteilen, hat sie wohl mindestens eines dieser sich von mir nicht autorisierten Heftchen zu Gesicht bekommen. "Wir hatten noch nicht das Vergnügen", erwidere ich und hauche ihr galant einen Kuss auf den dargebotenen Handrücken und versuche dabei, mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Schließlich ist es keine gute Nachricht, dass mir hier eine leibhaftige Inquisitorin gegenüber steht. "Das war wirklich überfällig, dass wir uns mal persönlich treffen. Leider war ich in den letzten Tagen zu beschäftigt gewesen, mich persönlich um diese für alle Beteiligten höchst unerquicklichen Ereignisse zu kümmern. Aber nun konnte ich endlich etwas Zeit frei schaufeln, um mich mit dir zu treffen", erzählt mir die Inquisitorin in einem Plauderton, als würde sie über das Wetter philosophieren. "Nun, der Imperator hat sein Urteil über meinen Fall gesprochen." "Nur was den Teil des etwas missglückten Duells betrifft. Was das betreten der verbotenen Zone und die dort vorgefallenen Ereignisse anbelangt...", stellt die Frau richtig, die wie Mitte Dreißig aussieht, aber in Wahrheit wahrscheinlich ein vielfaches älter sein dürfte. Meines Wissens spukt sie im Dunstkreis von Gouverneur Hax schon seit dessen Ernennung herum und das war vor weit über hundert Jahren. Die Kunstpause füllt den Raum mit einer schier greifbaren Spannung. "Darüber sollten wir uns am besten unter vier Augen unterhalten. Wenn der Rest hier so freundlich wäre, uns zu entschuldigen?" Das war keine Frage, sondern ein Befehl, diesen Raum unverzüglich zu verlassen. Eine Aufforderung, die zu gerne hier alle folgen leisten möchten. "Aber sicher doch, brauchst du noch etwas?", fragt Caine und macht mit der Hand ein subtiles Zeichen, was mich fragt, ob er gewisse Gegenmaßnahmen einleiten soll. Mit einer entsprechenden Geste verneine ich dies. "Ich denke, ich komme hier ganz gut allein zu recht", verkünde ich mit mehr Zuversicht in der Stimme, als ich wirklich habe. Niemand redet gerne mit Leuten, die einen kurzer Hand auf einen Autoscheiterhaufen verfrachten können. Wobei ich mich frage, was sie wirklich hier und jetzt von mir will. Wenn sie mir böses wollte, wäre sie nicht alleine hier. Wahrscheinlich hätte man mich einfach zum Tricorn, der aus drei gigantischen Türmen bestehende Festung der Inquisition in Scintilla zitiert, um mich dort zu arrestieren. Oder wäre mit entsprechenden Truppen hier aufgetaucht, um mich verhaften zu lassen. "Bis später, Flavion!", verabschiedet sich Lady Augusta und knickst vor der Inquisitorin, die sie interessiert zu mustern scheint. Zethania wirkt für einen Moment hin und her gerissen. Für einen Moment befürchte ich schon, dass sie was dummes tut, verabschiedet sich dann aber mit einem knappen Knicks. Novus hat kein Problem damit, sich sofort zu verdrücken. Caine schließt die Tür hinter sich und ich bin mit dieser äußerst unkonventionellen Frau allein. Diese schaut sich aufmerksam im Raum um und geht an meinen Bücherregalen entlang, um wohl deren Inhalt in Augenschein zu nehmen. Ein Verhalten, dass sie mit Lady Augusta gemein hat. Sie nimmt eines der Bücher heraus und schlägt es auf. Wenn mich nicht alles täuscht ist das die Tactica Imperiales Band IX. Mit einem lächeln steckt sie es kurz darauf zurück ins Regal, nachdem sie etwas darin geblättert hat. "Was muss eine Dame von Welt tun, um hier etwas anständiges zu trinken bekommen?", fragt sie mich, als sie an mein Cabinet mit alkoholischen Getränken vorbei kommt. "Entschuldigt meine Manieren, ich bin immer noch ein ganz klein wenig etwas von Eurem Besuch überrascht", erwidere ich. "Einen doppelten Red Star Prime und zwar den mit den vier Sternen. Und bitte begehe keine Häresie, den guten Amasec mit Eis zu verwässern", bestellt sie kurzerhand meinen teuersten Amasec. Die Frau kennt sich aus. "Aber gerne doch!" Mit der notwendigen Eile bereite ich einen Drink für sie vor und schenke mir auch gleich einen Doppelten ein. Schätze mal, den kann ich jetzt wirklich brauchen. Inzwischen hat sie die Inspektion meines Arbeitszimmers wohl beendet und lässt sich einfach auf eines der massiven Sofas plumpsen, was dieses mit einem unwilligen knirschen quittiert, da die Frau durch ihre schwere Servorüstung doch die Tragfähigkeit des Möbelstücks bis an dessen Belastbarkeit beansprucht. In einem Tiefziehhalfter trägt sie griffbereit eine schlanke Pistole, die ich nicht einzuordnen vermag. Dieses Baumuster könnte durchaus von außerhalb des Imperiums stammen. Ich serviere ihr den Drink, halte mich an meinem fest und setze mich ihr gegenüber. "Über was wollt Ihr nun genau mit mir sprechen?", beginne ich das Gespräch, nachdem sie kurz das Aroma des Amasec geschnuppert hat und einen kleinen Schluck nimmt. Genüsslich scheint sie den edlen Tropfen auf ihrer Zunge vergehen zu lassen. Die Flasche war schließlich teuer genug. Aber ich denke nicht, dass sie nur hier ist, um von mir thronverdammt teuren Amasec zu schnorren. "Bevor ich es vergesse, könnte ich kurz deinen Siegelring haben?", fragt sie mich nun und ich starre sie perplex für einen Moment an, bevor ich meinen Blick auf den Ring richte. Als ich vom Magistrat in Gewahrsam genommen wurde, war auch der Ring mitsamt aller meiner Besitztümer konfisziert worden. Selbstverständlich hatte ich den mit allem anderen zurück bekommen. Mein Gehirn arbeitet und kommt zu dem Schluss, dass sich darin wohl ein sehr effiziente und noch viel kleinere Abhörvorrichtung befinden muss. Durchaus verärgert ziehe ich den Ring ab und übergebe ihn ihr, da ich nie in Erwägung gezogen habe, dass man mich eventuell verwanzt hat. Derweil überlege ich, ob ich irgend etwas gesagt habe, was man mir anlasten könnte. Und da ich im Bordell sehr offen gesprochen habe, kann dass durchaus sein. Die Inquisitorin nimmt den Ring mit einem lächeln an sich und holt aus einer Gürteltasche ein kleines Kästchen heraus, in dem sie kurz den Ring legt und den Deckel schließt. Auf einem kleinen Display erscheinen ein paar Zeichen, die ich nicht zu deuten mag, dann gibt sie mir den Ring zurück. Offensichtlich scheint das technische Ding bar jedes Reinheitssiegels die Wanze entfernt zu haben. Ich bin nicht mal sicher, ob das Gerät aus menschlicher Produktion stammt. "Diese Abhörvorrichtung ist sehr teuer und mit Thronen nicht zu bezahlen. Eure neue Kurtisane hat eine äußerst interessante Verhörmethode. Sie hat mehr interessante Details zu Tage gefördert als wir während unseres kleinen Verhörs." "Ihr wart die kleinere Inquisitionsgardistin, nicht wahr?" "Seid so nett und erzählt das nicht weiter", meint sie lächelnd, aber ich kann ihrem Tonfall entnehmen, dass ich gut daran täte, besser ihrem unmissverständlichen Befehl zu befolgen. "Wenn Ihr es nicht verratet, ich werde unser kleines Geheimnis wie meinen Augapfel behüten", erwidere ich etwas hochgestochen. "Dann sind wir uns ja einig. Nun, interessanterweise hat sich inzwischen heraus gestellt, dass diese Zone, wo ihr Jungs so emsig Krieg gespielt habt, gar nicht so verboten war, wie allgemein angenommen", beginnt Calypso nun das eigentliche Gespräch. "Aha und wie das?", frage ich etwas perplex über diese unerwartete Enthüllung. "Nun, diese Zone ist zwar vor nicht ganz zwei Jahren als verbotene Zone deklariert worden, aber der Vorgang an sich war nicht korrekt, da es schlicht weg keine Anweisung der zuständigen übergeordneten Dienststelle gab. Auch haben inzwischen alle daran beteiligten Bürokraten die ungesunde Angewohnheit entwickelt, äußerst obskuren Unfällen zum Opfer zu fallen, sich scheinbar in Luft aufzulösen oder ganz spontan Suizid zu begehen. So ist keiner mehr am Leben, um noch Licht ins Dunkel zu bringen." "Aha und was bedeutet das nun konkret? Das jemand schon vor zwei Jahren vor hatte, dort uns eine Falle zu stellen?" "Darüber können wir nur spekulieren. Aber alles spricht dafür, dass diese Aktion von sehr langer Hand vorbereitet wurde." "Und vom wem?", frage ich nun äußerst neugierig. "Da muss ich etwas ausholen. Was sind die Gemeinsamkeiten aller Kadetten, wobei das Haus Cascandor mal außen vor ist, da es teilweise aus dem Schema fällt." Ich lehne mich zurück und betrachte die Oberfläche des Amasescs im Kristallglas mit meinem Familienwappen, was auf dem Grund durchschimmert. "Wir waren alles Angehörige von Familien der ersten und zweiten Welle des Angevin Kreuzzuges", beginne ich mit der offensichtlichsten Gemeinsamkeit. "Das wäre der erste Punkt. Und weiter?" Ich erinnere mich an meine Rede am alten Bahnhof, dass wir einst alle im Meritechkrieg kämpften. Das sage ich ihr dann auch. "Zweiter Punkt und nun zum entscheidenden, womit wir auch das Haus Cascandor involvieren können." "Da muss ich passen", erwidere ich nach kurzem Überlegen. "Alle Häuser haben direkt oder indirekt mit der Raumfahrt zu tun. Sei es, weil sie eng mit der Flotte verbunden sind, selbst über Schiffe verfügen oder direkt am Warenumschlag beteiligt sind." "Will jemand den Warenverkehr kontrollieren?", frage ich etwas perplex. "Nicht direkt alle Waren, aber eine ganz bestimmte Art von Konsumgut. Aber dazu muss ich etwas ausholen. Was ist in den letzten Jahren in Scintilla groß in Mode gekommen?" "Die Jagd auf Muties?" "Wie ich sehe, bist du doch schlauer als du aussiehst. Und was ist die Folge davon?" "Das es weniger Muties gibt?", vermute ich einfach mal das offensichtliche, was mir auch als erstes in den Sinn kommt. "Zum einen ja. Und schwer bewaffnete Jagdgesellschaften, die meist hartgesottene Veteranen in ihren Reihen haben. Sie haben nicht nur eine vergleichsweise hohe Feuerkraft, sondern auch das Wissen, wie man das einsetzt. Was nun kommt, wird diese Wände nie verlassen, verstehen wir uns?" "Soll ich einen Schweigegelübte ablegen?", frage ich halb im Scherz. "So was in der Art. Sollte ich jemals zugetragen bekommen, dass du diese Informationen weiter gegeben hast, wird mein nächster Besuch nicht so freundlich sein. Verstehen wir uns diesbezüglich?" "Ich schwöre beim goldenen Thron zu Terra, dass ich zu keiner lebenden Seele ein Wort über das nun folgende verraten werde", schwöre ich mit dem notwendigen ernst in der Stimme. Auch wenn sie es nicht ausspricht, ist mir klar, dass sie mir mit dem Tode droht. "Gut!" "Aber wenn es so heikel ist, warum teilt Ihr überhaupt das Wissen mit mir?" "Ich halte dich für einen äußerst faszinierenden jungen Mann. Du hast deine Fehler, Arroganz und Stolz. Und die äußerst gefährliche Tendenz, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, dessen Folgen für sehr viele Menschen unabsehbar sind. Aber auch Tugenden, die heutzutage selten in unserem Stand geworden sind. Mut, Tapferkeit, Entschlossenheit, Führungsstärke, Empathie und Charisma. Dazu die notwendige Härte, unangenehme Dinge auch zu Ende zu bringen. Du bist der Stoff, aus dem große Anführer sind. Aus dir kann noch was werden, wenn du endlich lernst, erst zu denken und dann erst die Leute tot zu schlagen, wenn du die notwendigen Informationen extrahiert hast. Ich hatte die Hoffnung, dass Crestus uns zu York führen würde, aber leider hast du diesen kranken Wicht erschlagen, bevor er sein Schicksal erfüllen konnte." "Dann hat Crestus die Karte von Oberst York? Er war der Hintermann?", frage ich nach, obwohl das nicht wirklich eine Überraschung ist, da er ja auf meiner persönlichen Liste ganz oben stand. Das die Inquisitorin so viel von mir hält, überrascht mich doch. Allerdings hat sich auch gut meine Schwächen erkannt. Hatte ja mich auch lange genug abgehört. "Nein, eher ein Mittelsmann. Und nein, er befindet sich nicht in unseren Kerkern und ich muss gestehen, ich kann nur schätzen, wo er sich befindet. Aber letztendlich gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist er schon längst tot, zu Leichensuppe verarbeitet und zu Kot geworden. Oder er befindet sich nicht mehr auf Scintilla. Sei´s drum, er ist außerhalb meiner Reichweite." "Nun gut, was ist nun das große Geheimnis?" "Ich will, dass du die Zusammenhänge verstehst und keine Aktionen unternimmst, die noch weiterreichende Folgen haben können, wie einen weiteren Erben wie Crestus Cascandor totzuschlagen. Anfangs sah das ganze Dilemma nach einer Aktion dummer Jungen aus, die sich eine Karte über ein scheinbar verbotenes Gebiet besorgt haben, um sich einen kleinen Vorteil bei ihrer Abschlussprüfung zu ergaunern. Nicht der erste Vorfall dieser Art und sicherlich auch nicht der Letzte. Jemand mit den notwendigen Thronen und Kontakten deklariert einen Bereich zur verbotenen Zone und hat sein eigenes exklusives Jagdrevier. Aber dann ist da einiges eskaliert. Eine Sprengfalle, Mutanten mit Ausschussware aus Stahlstadt, ein regelrechter Hinterhalt wie aus dem Lehrbuch. Ein etwas abrupter Wechsel in der Befehlskette und ein mustergültiges ausbrechen aus der Umklammerung. Vier äußerst seltsam anmutende Verfolger und deren knappe Abwehr. Dann ein glorreiches Gefecht gegen fünf Wellen. Aber nicht genug, ein Duell in einem Bordell, blutige Rache für ein gar nicht so keusches Habmädchen. Das ist der Stoff, aus dem urbane Legenden bestehen und unsterbliche Helden geboren werden...", fasste die Inquisitorin und nimmt sich einen Keks aus der Dose von Colette. Für einen kurzen Moment betrachtet sie das grinsende Gesicht auf dem Keks sinnierend, bevor sie den Blick auf mich richtet. "Aber weiter im Text. Wie gesagt, dass Ganze ist doch äußerst komplex. Am Anfang hatte ich dich kleinen Racker in Verdacht. Der fünfte Sohn und das Nesthäkchen im Stall des mächtigen Hauses Conari. Immer muss sich der arme Kleine beweisen, muss besser sein, als jeder ältere Bruder vor ihm, um etwas Aufmerksamkeit von seinen Eltern und dem Familienrat zu erhaschen. Gar nicht so einfach, nicht wahr?" Sie schaut mich kurz lächelnd an und fährt fort, ohne auf eine Antwort auf ihre rhetorische Frage zu warten. "Da wäre so ein Feuerzauber doch genau das Richtige, um es mal wirklich krachen zu lassen. Vor vier Wochen kannte dich außerhalb deiner Familie vielleicht ein paar hundert Leute, jetzt sind es Milliarden. Seht her, hier bin ich und schaut mal, was für tolle Sachen ich doch gemacht habe. So Toll wie das für dich gelaufen ist, mein lieber Flavion Conari, kann einem schon der Verdacht kommen, dass du da etwas ganz klein wenig nachgeholfen hast. Du hast die notwendige Intelligenz, eine üppige Apanage, ein kleines aber feines Netzwerk aus nahen Verwandten, treuen Vasallen und findigen Dienern. Dazu die notwendigen Kontakte nach Stahlstadt, fasst schon zu durchsichtig. Aber da waren diese vier komischen Dinger, nicht von dieser Welt. Jeder der sie bekämpft haben will, beschreibt sie etwas anders, aber keiner hat je etwas vergleichbares gesehen. Und das, mein lieber Flavion, zeigt mir doch auf, dass da mehr dahinter steckt als der Geltungsbedürfnis eines nach Aufmerksam heischenden jüngsten Sohn aus gutem Hause. Es ist zwar praktisch, dass diese Dinger sich danach in Luft aufgelöst haben, aber die Zeugenaussagen waren letztendlich doch Glaubwürdig. Abgesprochene Zeugenaussagen sehen nun mal anders aus." "Und was ist nun Ihre Theorie über diese Ereignisse?", frage ich einfach mal frech, da die gute Frau bis jetzt nur hat verlauten lassen, dass es wohl nicht ich war, der das ganze eingefädelt hat. "Bei einem Verbrechen fragt ein Ermittler immer nach dem Motiv. Jedenfalls wenn sich nicht sofort ein unmittelbarer Schuldigen finden lässt. Meist stehen Opfer und Täter sich sehr Nahe. Motiv, Gelegenheit und Mittel überführen die meisten Schuldigen recht schnell. Aber hier ist es doch weit aus komplexer. Hier frage ich mich, wer profitiert den von diesen Ereignissen und was war wohl eigentlich geplant? Wir haben da zum einen Crestus Cascandor, ein grausam verzogener Erbe eines recht einflussreichen Hauses, dass es geschafft hat, trotz ihrer niedrigen Herkunft eine wichtige Schlüsselposition innerhalb der Güldenhand einzunehmen. Eine Position, die für viele anderen mächtige Familien ein Dorn im Auge ist. Durch ihren schier unbesiegbaren Schiedsmann sind sie in der Lage, jede Rechtsstreitigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ihren Gunsten aus der Welt zu schaffen. Und da haben wir das Haus Conari, alt, angesehen und sehr mächtig. Eines der weit verzweigten Häuser, zweifelsohne aus der ersten Phase des Angevin Kreuzzuges und durch geschickte Heiratspolitik quasi mit jedem anderen wichtigen Haus verwandt. Durch ihre Konzentratriegelproduktion besitzen sie eine ziemlich einflussreiche Stellung. Ausbleibende Lieferungen von Riegeln hätte mit großer Sicherheit gewalttätige Ausschreitungen bis hin zu einem ausgewachsenen Aufstand zur Folge. Beide Häuser sind schon früher zusammen gerasselt und es sind offene Rechnungen geblieben. Mit etwas Geschick ist es ein leichtes, hier eine Vendetta hochkochen zu lassen, die einen ausgewachsenen Krieg zwischen zwei sehr mächtigen Häuser auslösen kann. Beide Häuser haben die Befähigung viele mächtige Verbündete um sich zu scharen und die Mittel, einen sehr langen Konflikt auszutragen. Und dieser Krieg hat das Potential nicht nur Scintilla zu destabilisieren, sondern sogar den ganzen Sektor. Krieg, Hungersnöte und Aufstände wäre die Folge." "Das ganze sollte nur dazu dienen, um einen Krieg vom Zaun zu brechen?", frage ich perplex. "In der zweiten Phase ja. Ursprünglich denke ich, war wohl eher geplant, alle Kadetten gefangen zu nehmen. Ein Faustpfand, um gewisse Dinge anzuleiern." "Aha und was nun genau?", frage ich neugierig. Nakagos wirre Gedanken Und nun kommen wir zur Auflösung. Vor sehr langer Zeit gab es im öffentlich rechtlichen eine Detektivserie. Die Auflösung kam dann immer am Schluss, wenn alle Beteiligten, bzw. Verdächtigen sich in einem Raum befanden. Der Detektiv saß dann in einem bequemen Sessel und hat dann das Verbrechen und Auflösung erklärt. Das ist praktisch als Hommage daran zu verstehen. Vielen Dank für das Like.
  3. Yup, die Geschichte ist zu Ende. Leider habe ich es nicht auf PDF.
  4. Kapitel XVIII Ich schaue angespannt durch die Fingerdicken kugelsicheren Seitenscheiben der schwarz roten Limousine nach draußen auf die reich mit Stuck verzierten Fassaden der städtischen und imperialen Verwaltungsgebäude von Tarsus, der zweitgrößten Makropole von Scintilla. Alles wirkt wie aus einem Guss und äußerst streng. Totenschädel, verhüllte Engel mit flammenden Schwertern und die Säulen des Administratums sind omnipräsent. Gepanzerte Wachen im Grün des Magistrats sind allgegenwärtig. Über der Straße hängende Leuchtgloben sorgen für ausreichende Beleuchtung. Drei gepanzerte Vierachser fahren unser Wagenkolonne voraus, alle drei Limousinen befindet sich ein weiterer Radpanzer mit einem schwerbewaffnetten Trupp der Hauswache in der Kolonne und vier weiteren folgen uns. Die von einem Elektromotor angetriebenen Radpanzer des Types "Faustkämpfer" sind mit einer Autokanone im Turm bewaffnet, die über ein Co-axiales schweres und ein leichtes Maschinengewehr verfügt. Alle sind in meinen Hausfarben Rot und Schwarz gehalten. Der schwarze Rabe befindet sich einem roten Kreis. Meine Familie, Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten, Neffen, Nichten, Cousins, Cousinen und entferntere Verwandte bis zum sechsten Grad befinden sich in den geräumigen Limousinen. Keiner will sich dieses Spektakel entgehen lassen. "Gibt es was Neues?", frage ich Kleist, der inzwischen aus Scintilla angereist ist. Seinen Arm trägt er immer noch in einer Schlinge und ich kann sehen, dass ihm die Wunde schmerzen bereitet. "Die Situation hat sich in den zwei Minuten nicht wesentlich geändert", erwidert mein Vasall etwas gereizt, da ich ihn das schon mehrmals gefragt habe. "Der Plan wird aufgehen, davon bin ich überzeugt", versucht Caine mich zu beruhigen. "Eine Bestätigung, welcher Schiedsmann des Hauses Cascandor antreten wird, wäre eine Erleichterung", erwidere ich und versuche gar nicht erst meine Nervosität vor meinen engsten Vertrauten zu verstecken. "Alles wird gut!" Augusta de la Frey legt fürsorglich ihren Arm um mich und ich weiß diese Geste durchaus zu schätzen. "Unser Plan ist gut, die Ausführung war tadellos. In Anbetracht der Umstände werden die Cascandor nicht ihren besten Schwertkämpfer in Gefahr bringen, so lange sie noch brauchbare Alternativen haben. Sie halten dich für einen unbeherrschten Schnösel, der nur mit seinem Schwanz denkt. Das ist unser Trumpf!" Ich weiß, dass alles getan wurde, um diesen Eindruck nach draußen zu transportieren und das war ja auch nicht so schwer. Schließlich gibt es ein gutes Dutzend Romane über meine amourösen Abenteuer. Laut Zethania kennt jeder Bewohner von Sibellus inzwischen meinen Namen. Es hat großen Eindruck hinterlassen, dass ein Adliger einen anderen wegen eines Habmädchens erschlägt. Aber das ist ehrlich gesagt nicht die Art von Ruhm den ich wollte. Aber das ist nun nicht mehr zu ändern. "Na, dann dein Wort ins Imperators Ohr." "Falls es dich beruhigt, ich habe all meine Throne auf deinen Sieg gesetzt", muntert Augusta mich weiter auf. "Das habe ich auch, Flavion", haut Caine in die gleiche Kerbe. "Wer nicht?", meint Kleist grinsend. "Freut mich, dass ihr alle so von mir überzeugt seid", verkünde ich scheinbar leicht hin, aber ich denke, meine Rührung kann ich nicht wirklich verbergen. Natürlich habe ich auch so ziemlich alles von meinem mir frei zur Verfügung stehenden Vermögen auf Sieg gesetzt. Wenn ich verlieren sollte, brauche ich keine Throne mehr. "Falls du verlieren solltest, trete ich dir in den Hintern", scherzt Kleist und wir müssen beide über diesen doch dämlichen Witz lachen. Jetzt muss ich nur noch siegen. "Es ist soweit, Flavion", meint Augusta zerwurstelt mir meine Frisur. Dann holt sie ihr Schminkset raus und zieht den schon aufgemalten Schatten unter meinen Augen nach. Wir haben in den letzten Tagen den Anschein erweckt, dass mich die ganze Sache fertig macht, habe erlesene Alkoholika in großen Mengen angefordert um meine Sorgen zu ertränken und meine Dienerschaft hat das Gerücht verbreitet, dass ich die Tage damit verbringe, zu saufen und zu vögeln. Deswegen bin ich auch unrasiert und mein Hemd hätte schon vor zwei Tagen gewaschen gehört. Dazu reibt Augusta meine offen liegende Haut mit Amasec ein, dass es so riecht, als würde ich Alkohol ausdünsten. Ich werfe mir einige Pfefferminz ein, als würde ich versuchen, meine Fahne zu kaschieren. Diese Scharade sollte dazu dienen, meinen Gegner zu täuschen, egal, gegen wen ich antreten sollte. Selbst die anderen Schiedsmänner des Hauses Cascandor sind starke Gegner und ich muss mit jedem Trick arbeiten. Schließlich erreichen wir das Gerichtsgebäude und fahren in den Westeingang in die dahinter liegende Garage. Auch hier überall schwer bewaffnete Gardisten des Magistrats. Man könnte meinen, sie erwarten Ärger. Meine Limousine trennt sich nun von den anderen, da wir einen anderen Eingang zugewiesen bekommen. Den für die Schiedsleute oder Angeklagten. Es gab auch die Wette, dass ich gar nicht antreten würde. Cussak hält mir die Tür auf und ich steige betont unsicher aus. Schwankend bleibe ich einen Moment stehen, als würde die Welt sich um mich kreisen und bräuchte einen Augenblick um mich zu sammeln. Ausweisen brauche ich mich nicht, jeder scheint zu wissen, wer ich bin. Würde mich nicht wundern, wenn diese Schundheftchen auch in Tarsus grassieren würden. Zwei verhüllte Engel mit flammenden Schweren flankieren als steinerne Säulen für die Ewigkeit verharrend die gewaltige Tür aus gebürstetem Adamantium, deren Flügel vor mir aufschwingen. Dahinter ein Gang in die Katakomben unter der Arena. Nun bin ich quasi in der Öffentlichkeit und mit unsicheren Schritten schreite ich meinem Gefolge voraus. Ich muss mich zusammenreißen, um mich auf meinen schwankenden Gang zu konzentrieren. Wenn man von Klein auf darauf trainiert wurde, immer so auszutreten, als könnte einem rein gar nichts anhaben, ist es schwer, dieses Muster selbst für einige Minuten abzulegen. Ganz rein zufällig ist hier vergleichsweise recht viel los. Schätze mal, viele der berobten Angestellten wollen einen letzten Blick auf den jungen Schnösel werfen, der es gewagt hat, den Erben einer der mächtigsten Familien von Scintilla, wenn nicht gar vom ganzen Calixis Sektor, zu erschlagen. Und der ein oder andere könnte durchaus ein Informant des Hauses Cascandor sein. Schließlich hat auch meine Familie hier den einen oder anderen Beamten in der Tasche. Korruption auf allen Ebenen ist leider ein durchaus lästiges Thema in Tarsus und viele Beamten haben tiefe Taschen, die sich mit Thronen füllen lassen. Ein Beamter führt uns durch ein wahres Labyrinth von Gängen, bis wir einen Raum erreichen, in dem der Angeklagte sich auf seinen Kampf vorbereiten kann. Caine hilft mir aus meinem schweren gepanzerten Mantel, ebenso aus der Weste aus Aramid. Während des Duells ist keinerlei Panzerung erlaubt, aber auf dem Weg dorthin war durchaus ein Angriff durch Attentäter oder gar Haustruppen des Hauses Cascandor nicht ausgeschlossen. "In knapp achtzehn Minuten beginnt die Verhandlung, haltet Euch entsprechend bereit", weißt der Beamte in seiner grauen Robe mit dem auf seiner Brust aufgestickten Amtssiegel des Gerichtes mich an. "Kann es kaum erwarten", erwidere ich etwas unsicher meine Worte lallend. Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu viel des Guten. Einen angeheiterten zu mimen, der versucht seinen Zustand zu verbergen ist nicht so einfach wie sich das so am Anfang angehört hat. Schauspiel dieser Art hat nun wirklich nicht zu dem Unterrichtsstoff gehört, den ich vermittelt bekommen habe. "Und was Neues von den Cascandors?", frage ich Kleist, nachdem wir allein in dem äußerst spartanisch eingerichtet Raum sind. Nur ein offenes Regal, ein Kleiderständer und zwei schlichte Holzbänke sind hier zu sehen. "Ihre Fahrzeugkolonne ist gesichtet und dürfe in etwa zehn Minuten hier sein", erwidert Kleist, nachdem er kurz in sein Comgerät gelauscht hat. "Die machen es spannend", stelle ich das Offensichtliche fest, nur um überhaupt etwas sinnvolles zu sagen. Durchaus Nervös tigere ich im Raum auf und ab. Mein Hand umspielt den Griff von "Rabenklaue", einem Energieschwert, dass sich seit vielen Jahrhunderten in Besitz meiner Familie befindet. Dieses Art von Schwert hat einst der Begründer unserer Dynastie als Seitenwaffe benutzt. Einst gab es zwölf Exemplare davon, aber im Laufe der Jahrtausende wurden fünf zerstört oder sind verloren gegangen. Vater hat mir dieses vor ein paar Tagen nach dem gewonnenen Duell gegen Novus überreicht. "Du wirst es brauchen", hatte mein Vater gemeint. Nicht gerade viele Worte in Anbetracht, dass dieses Wagnis mich töten konnte. Aber dies war ja mein Wille und nun muss ich mit den Konsequenzen leben. Sollte unser Plan nicht aufgehen, würde ich in weniger als einer Viertelstunde gegen Alphonsus Cascandor antreten müssen, gegen den ich realistisch kaum eine Chance haben dürfte. Die anderen vier Schiedsmänner des Hauses waren alle nicht schlecht, wenn auch nicht so legendär wie ihr Topkämpfer. Aber keiner würde ein leichter Gegner sein. Der Beste aus der zweiten Reihe hatte fast schon fünfzig Kämpfe absolviert, der unerfahrenste hatte im letzten Monat sein erstes Dutzend voll gemacht. Ich habe mir in den letzten Tagen ihre Kämpfe angesehen, ihre stärken und schwächen analysiert und für jeden einzelnen eine Gegenstrategie ausgearbeitet und diese entsprechend trainiert. Das Filmmaterial war sehr aufschlussreich gewesen. Allerdings war es durchaus möglich, dass sie einen anderen Kämpfer ins Feld führen würden. Crestus Vater war in seiner Jugend eine Zeitlang Schiedsmann seines Hauses gewesen und hatte auch gut zwei Dutzend erfolgreiche Duelle hinter sich gebracht. Wenn unsere List aufgehen sollte, dass es Beweise für illegale Mechatroniken im Körper von Adolphus Cascandor gab, könnte das Haus Cascandor sich veranlasst fühlen, stattdessen Crestus Vater in die Arena zu schicken. Direkte Rache war durchaus möglich und wurde oft genutzt. Auch seine Kämpfe habe ich mir angesehen und eingehend analysiert. Der Mann neigt durchaus zu Jähzorn. Der Apfel ist nicht weit vom Stamm gefallen, auch wenn Crestus natürlich in seiner ganz eigenen Liga gespielt hat. "Die Kolonne der Cascandors ist angekommen", meldet Kleist schließlich und fährt dann fort: "Fünf Kämpfer steigen aus." "Ist Adolphus dabei?", frage ich mit belegter Stimme. "Die Kämpfer tragen Kapuzenmäntel. Aber keiner der Männer trägt das Schwert Herzenbrecher im Gehänge", verkündet mein Gefolgsmann mit einem viel zu lautem Tonfall und man kann hören, wie ihm ein Stein vom Herzen fällt. So wie wohl jedem im Raum Anwesenden. "Dann also weiter mit dem Plan", meine Lady Augusta und streift nun ebenfalls ihren Mantel ab. Darunter trägt sie einen schwarzen Body, der an den entsprechenden Stellen aus durchsichtiger Spitze besteht. Das Muster, welches gerade so ausreichend die intimen Stellen bedeckt, besteht aus Aquilas, die sich an den Flügelspitzen berühren. Das sieht schon ziemlich sexy aus. "Es ist nun soweit!", verkündet der Gerichtsdiener und deutet mir an, zu folgen. Nun gut. Ich nicke kurz meinen Leuten zu und folge dann dem Beamten. Nur Lady Augusta de la Fries begleitet mich als meine "Sekundantin", was natürlich auch als Affront zu verstehen ist. Nur jemand, der vollkommen betrunken ist, würde so etwas durchziehen und ich hoffe, dass dies helfen wird, meine kleine List die notwendige Glaubwürdigkeit zu verleiehen. Ich betrete das Rund der Arena durch den Üblichen Eingang. Hinter mir schließt sich das hölzerne Tor, an dem Alphonsus so gerne seine Opfer nagelt. Ich bin der erste, der erscheint und trete schwankend in den für den Angeklagten vorgesehenen roten Kreis. Die Arena hat eine hundertundacht Schritt hohes Kuppeldach, getragen von zwölf Säulen, vor der jeder eine Figur aus der imperialen Religion oder der Geschichte des Calixissektor steht. Unten sind die Logen für die großen Familien. Das Haus Cascandor hat trotz seiner Wichtigkeit für den Handel und den Geschäftssektor keine eigene Loge. Aber die Güldenhand verfügt über eine, aber die ist schon recht weit oben. Die meiner Familie ist deutlich weiter unten und unterstreicht, wie alt und wichtig meine Familie ist, auch wenn wir sicherlich nicht den Einfluss wie die Cascandors haben. Es fällt mir schwer, die Scharade weiter aufrecht zu halten, aber das gehört zu der Strategie und ich erkenne durchaus deren Vorteile. Langatmig wird über Lautsprecher von einem alten Mann mit einer immer gleich bleibenden Tonlage meine Anklage verlesen. "Bekennt sich der Angeklagte für schuldig?", fragt mich der vorsitzende Richter in seiner vorgesetzten Loge, die mit Symbolen der Rechtsprechung überladen ist. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen. "Nicht, Schuldig, Euer, Ehren!", lalle ich und schwanke etwas hin und her, als hätte ich Mühe mich auf den Beinen zu halten. "Dann wird Eure Schuld im Kampf bewiesen werden! Das Haus Cascandor möge seinen Kämpfer schicken!", donnert der Richter. Ein weiteres Tor wird geöffnet und in das Rund schreitet Crestus Vater, Aurelius, erster Erbe des Hauses Cascandor. Offensichtlich ist er erst kürzlich verjüngt worden und sieht eher wie der etwas ältere Bruder von Crestus aus. Sein Gang ist federnd und er strahlt eine gewisse Dynamik aus. Er ist sicherlich nicht so kampfstark wie sein "Bruder" Alphonsus, trotzdem darf ich ihn nicht unterschätzen. Der Mann hat mehr als vier Dutzend Duelle auf Leben und Tod ausgefochten, die Hälfte hier in diesem Rund. Er trägt die Uniform seiner Hauses, auch wenn er meines Wissens momentan kein militärisches Amt innerhalb des Hauses ausübt. Trotzdem ist er körperlich in Höchstform. Ein Chor aus Kindern fängt nun an den Katechismus des Zweikampfes zu singen und zwei Priester des Adeptus Ministorum segnen uns, da dies ja ein Kampf ist, der durch den Imperator entschieden wird. Meiner Rolle treu bleibend, schwanke ich und tu so, als ob ich immer noch betrunken bin. "Zieht eure Waffen!" Lady Augusta präsentiert mir Rabenklaue in kniender Position und ich ziehe das Schwert. Während sie sich augenblicklich zurück zieht, umzucken nun blaue Blitze die Klinge des Schwertes. "Aufstellung!" Ich schwanke zu der roten Linie und kann das missbilligende Raunen im Publikum hören. "Begrüßung!" Wir stehen uns gegenüber und ich kippe bei der vorgeschriebenen Begrüßung beinahe um. Dabei zerbeiße ich eine Kapsel die ich unter der Zunge getragen habe und schlucke den Inhalt herunter. Ich hoffe nur, diese Kampfdroge wirkt so schnell, wie man es mir gesagt hat. In diesem Kampf werde ich jeden Vorteil brauchen, den ich nur irgendwie bekommen kann. Momentan merke ich noch nichts. "Ihr seid eine Schande! Ich werde mir Zeit lassen und Euch regelrecht zerlegen, Conari! Ihr werdet leiden, für das, was ihr meinem Sohn angetan habt!" Seine Stimme bebt vor Hass auf mich. "Wie? Willst du mich Scheiße fressen lassen wie deine Frau?", frage ich lallend und Aurelius Cascandor zuckt wie unter dem Treffer mit einer Neuralpeitsche zusammen. Nun kann ich spüren, wie sich die Welt um mich herum verlangsamt. Schätze mal, die Kampfdroge beginnt zu wirken. Ich habe sie vorher nicht ausprobiert, da der Wirkstoff zum einen recht schnell süchtig macht und den Körper auch sehr beansprucht. Schließlich werden alle Reserven meines Körpers mobilisiert. "Möge der Imperator nun sein Urteil fällen. Beginnt!" Aurelius explodiert regelrecht, als er auf mich zuspringt. Offensichtlich habe ich ihn wirklich wütend gemacht, was auch der Zweck dieser Übung ist. Seinen mörderischen Hieb von Oben nach Unten kann ich gerade so trotz meiner gedopten Reflexe ausweichen und ziehe mich nun schnell zurück. Sofort setzt mein Gegner nach, mit einem Hieb schräg von links unten nach rechts oben. Wieder weiche ich einen Haken nach links schlagend geschwind zurück. Trotz meiner hochwertigen Kampfdroge ist mein Gegner noch schneller als ich. Nun versuche ich nicht mehr den betrunkenen zu mimen, da die Zeit der Scharade endgültig vorbei ist. "Bleibt gefälligst stehen!", brüllt mich Aurelius an und setzt weiter mit weit ausholenden Hieben nach. Trotzdem finde ich momentan nicht die Lücke für einen Gegenangriff. "Schlagt halt schneller zu", antworte ich ihm und zwinge ihn zu folgen. Bis jetzt ist er im Vor und legt ein mörderisches Tempo vor. Schätze mal, dass er ebenfalls einige hochwertige Kampfdrogen intus hat. Oder wie sein Bruder über hochwertige kybernetische Implantate verfügt. Vielleicht auch ein Mix von beidem, da ich nicht davon ausgehe, dass seine Verbesserungen von einem Hereteck stammen. Meine Droge wirkt inzwischen immer besser und so langsam ist es Zeit, den Spieß umzudrehen. Ich weiche einem weiteren Hieb mit einem seitlichen Schritt aus, er holt aus und ich weiche schnell noch einen Schritt zurück und was ihn überhastet folgen lässt. Damit hat er für einen ganz kurzen Moment seinen sicheren Stand verloren. Balance ist im Kampf mit Schwertern mit das wichtigste. Atmung und Balance ist das erste, was ich von Caine vermittelt bekommen habe, so wie wohl auch jeder andere adlige Sprössling von seinem Fechtlehrer. Nur wer seinen Balance kontrollieren kann, der kann das Schwert beherrschen. Und ich nutze diese kurze Unachtsamkeit natürlich gnadenlos aus. Während er nun etwas überhastet schlägt, nutze ich diese erste Lücke in dem ich ins Indes gehe und zusteche. Sein Hieb zischt haarscharf vorbei und mein Stich bohrt sich schon beinahe langsam in ihn hinein. Jedenfalls kommt es mir so vor. Selbst sein durchtrainierter und sicherlich modifizierter Körper kann der von Energie umtosten Klinge meines Schwertes nichts entgegensetzen. Ein Stich durch den Mund in sein Kleinhirn und die Sache ist unspektakulär erledigt. Für einen Moment ist sein Körper im tödlichen Schock erstarrt, dann fällt er wie eine Marionette, deren Fäden gekappt wurden, in sich zusammen. Obwohl es mir wie eine Ewigkeit vorkam, hat der Kampf keine zehn Sekunden gedauert, als Aurelius Cascandor tot zu Boden geht. Ich fühle mehr Erleichterung als Triumph, als ich realisiere, dass ich gewonnen habe. Das war jetzt ein knappes Gefecht gewesen. Sofort weiche ich von der Leiche zurück und warte, bis der Tod meines Kontrahenten von einem Arzt festgestellt wurde. Nun hebe ich als Zeichen des Sieges mein Schwert. "Der Imperator hat in seiner unendlichen Weisheit entschieden! Die Klage ist abgewiesen!", meldet der Richter und damit ist es offiziell. Diese Episode ist damit ausgestanden und ein unendlich schwerer Brocken fällt mir vom Herzen. Ich lebe noch und nur darauf kommt es für mich momentan an. Um mich herum brandet nun der Applaus aus, als auch die Dümmsten im Publikum realisieren, dass meine Betrunkenheit nur gespielt war, um meinen Gegner zu einem ungestümen Verhalten zu verleiten und mich zu unterschätzen. Offensichtlich ist mir das ziemlich gut gelungen. Hätte mich mein Kontrahent ernster genommen, wäre er nicht so ungestüm vorgegangen. Ich blicke zu der Loge meiner Familie. Leider bin ich zu weit weg, um die genauen Emotionen meiner Eltern wahrzunehmen, aber sie applaudieren mir und ich kann mir gut vorstellen, dass sie sehr erleichtert sein dürften. Als Sieger verlasse ich nun die Arena. Das tosen des Publikums aus "Zeugen" wird leiser, ich höre überdeutlich die trippelnden Schritte von Lady Augusta, die rechts seitlich einen Meter hinter mir geht, wie es ihrem Stand entspricht. Noch immer wirkt die Kampfdroge und lässt die Welt um mich herum in einer Klarheit erkennen, die mich schon beinahe überreizt. "Gut gemacht, Flavion!", meint Caine und legt mir zuerst die Hand auf die Schulter, bevor er mich stürmisch umarmt. So viel Gefühl kenne ich von ihm gar nicht, fühle mich aber so sehr geborgen und geliebt. "Klasse Leistung, Flavion!" Kleist umarmt mich auch und klopft mir mit der gesunden Hand auf den Rücken, als hätte ich mich verschluckt. Lady Augusta gibt uns den notwendigen Raum, um unsere Gefühle zu bändigen. "Puh!", meine ich und dieses mal ist mein Schwanken nicht gespielt, als ich mich auf die Bank fallen lasse. Für einen Moment dreht sich alles um mich herum. Wahrscheinlich ein Zeichen von der Kampfdroge. "Schluck das, Flavion", meint Lady Augusta und reicht mir ein Döschen, mit nur einer Pille drin. "Ein starkes Gegenmittel und sollte verhindern, dass du von dem Zeug abhängig wirst." "Normalerweise ist das mein Spruch", erwidere ich zu Lady Augusta augenzwinkernd, tu aber, was sie vorschlägt, während sie pflichtschuldig über meinen nicht wirklich guten Witz lächelt. Die Kampfdroge ist auch von ihr und ich schätze mal, sie weiß, was gut für mich ist. Jedenfalls hoffe ich das. Aber mich jetzt zu vergiften würde absolut keinen Sinn machen. "Wir sollten augenblicklich eine Neuformierung im Rückwärtigen Raum ins Auge fassen", unterbricht Caine meine Gedanken und ich nicke ihm zu. "Die Cascandors sind nicht nur als schlechte Gewinner bekannt, sondern als schlechte Verlierer wirklich berüchtigt." Allerdings erweisen sich Caines Befürchtungen als nicht stichhaltig, denn wir erreichen nach zwei Stunden fahrt unser Anwesen bar jeden Zwischenfalls. "Juhu! Meister Flavion ist wieder da!", freut sich Colette lautstark und hüpft gar übermütig um mich herum. "Ich habe ganz doll beim Imperator für Euren Sieg gebetet! Und ich habe Siegeskekse gebacken! Müsst Ihr probieren!" Mit diesen Worten drückt sie mir bestimmend eine Keksdose in die Hand. So forsch kenne ich die Kleine gar nicht. Der Inhalt besteht aus flachen Cookies mit einem grinsenden Gesicht. Überraschend gut schmecken die Kekse. "Das hast du fein gemacht, Colette! Deine Kekse schmecken hervorragend", lobe ich meine kleine Küchenmagd und tätschle ihren Rotschopf. Sie wird nun knallrot im Gesicht und rennt vor mir weg. Mein Lob war wohl zu viel für sie. "Da nun meine Unschuld erwiesen ist, wird das Haus Cascandor versuchen, dich auf andere Weise auf höchst unerquickliche Art aus dem Diesseits zu schaffen", spricht Caine das nächste Problem an. "Tja, werde ich einen Vorkoster brauchen?", frage ich halb im Scherz, halb im Ernst. "Deine Bediensteten stehen dir zwar Treu zur Seite, aber sie könnten alle Lebensmittel die angeliefert werden, mit irgend einer Schweinerei vergiften. Wir sollten uns über unsere nächsten Schritte klar werden", verkündet mein Lebenswart. "Was haben Vater und du im Sinne?", frage ich weiter, da ich davon ausgehe, dass da schon einiges im Hintergrund beschlossen wurde, ohne mich mit Details zu belästigen. Normalerweise wäre ich über so ein Vorgehen eher unglücklich, aber die letzten Tage war ich Froh, mich auf das vorstehende Duell fokussieren zu können. "Nun, momentan sieht es nach einer Konfrontation mit dem Hause Cascandor aus. Der nächste Zug liegt bei ihnen, damit es nicht heißt, dass Haus Conari hätte den Krieg begonnen." "Wäre es für das Haus Cascandor nicht von Vorteil, erst einmal still zu halten?", wirft Lady Augusta ein. "Das wäre es in der Tat. Aber wir müssen davon ausgehen, dass sie es nun mit einem Attentat versuchen werden. Immerhin hat Flavion nicht nur ihre Nummer drei erschlagen, sondern nun auch ihre Nummer zwei. Sobald die Erbfolge neu geregelt ist, wird ein Gegenschlag erfolgen. Bis es aber soweit ist, sollten wir unsere Optionen durchgehen." Wir sind nun in meiner Bibliothek und machen es uns auf der Sitzgarnitur gemütlich. Nakagos wirre Gedanken Ich habe mich dafür entschieden, dass Duell recht schnell zu beenden. Flavion hat seinen Kontrahenten wütend gemacht und das ist eine Strategie, die entweder recht schnell oder gar nicht wirkt. Meine Covid Erkrankung dürfte überwunden sein. Wirklich auf der Höhe bin ich auch nach einer Woche nicht wirklich. Es war zum Glück ein milder Verlauf, vergleichbar mit einer schweren Grippe. Auch wenn die Impfung leider nicht vor Infektion geschützt hat, so hat sie wohl doch für einen milden Verlauf gesorgt. Allein die Tatsache, dass geimpfte normalerweise einen milden Verlauf haben, hat etwas sehr beruhigendes gehabt. Man hat so deutlich weniger Angst vor einem schweren Verlauf auf einer Intensivstation zu einem Zeitpunkt, wo alles voll ist. Kann nur empfehlen, sich impfen zu lassen. Symptome sind inzwischen abgeklungen, bin aber noch eine Woche in Quarantäne. Vielen herzlichen Dank für die lieben Genesungswünsche. Ihr seid die Besten!
  5. Kapitel XVII "Ich stimme unserem Vater zu, dieser Plan beinhaltet unkalkulierbare Risiken", merkt Zethania an, nachdem ich ihr unsere Strategie erläutert habe. Meine Schwester wirkt in ihrem dunklen Kampfanzug mit Ausrüstungsweste etwas deplatziert im großen Salon meiner Unterkunft, wo wir uns auf bequemen Sofas räkelnd gegenüber sitzen. Selbst hier trägt sie ein halbes Waffenarsenal aus etwa einem Dutzend Wurfmessern, einem Überlebensmesser, einer Neuralpeitsche, einer Puritanter Maschinenpistole und einem schlanken Monoschwert von den Drehbänken in ihrem Wehrgehänge. Das ist das Arsenal, was sie in "friedlicher" Umgebung trägt, wenn sie nicht auf Jagd ist. "Das ist momentan wohl meine beste Option", erwidere ich. "Mag sein, Flavipups. Du bist inzwischen übrigens richtig berühmt in Sibellus." "Klar, so was passiert, wenn man die erfolgreichste Jagd anführt und den Erben eines wichtigen Hauses tötet", wiegle ich bescheiden ab. "Nein, nicht deswegen, sondern wegen dem hier", mit diesen Worten wirft sie mir ein kleines Heftchen zu. Solche Heftchen sind die "Bücher" der unteren Bildungsschicht, also Leute, die mehr als nur die vier Jahre Pflichtschola hinter sich haben und auch die Muse, so etwas in ihrer knappen Freizeit zu lesen. So ein Heft ist etwas großformatiger als ein normales Buch, hat aber nur Vierundsechzig Seiten und in der Mitte oftmals ein kleines Poster, dass man sich an die Wand hängen kann. Meist sind das reißerische Abenteuergeschichte von schneidigen Soldaten oder leidenden Heiligen. Gewürzt mit einer großen Prise Gewalt und Erotik. Sie werden auf billigem Papier gedruckt und meist nach dem Lesen zum abwischen des Hinterns benutzt. Hier ist auf dem Bild ein gut gebauter junger Mann mit bloßer Brust zu sehen, der voller Trauer auf eine recht dürftig bekleidete Frau starrt, die offensichtlich tot ist, aber mit ihren reizen selbst in diesem Zustand nicht geizt. "Blutige Rache!", steht in großen roten Lettern über der Szene. "Aha?", meine ich dazu und schlage es auf. Auch wenn der Kerl auf dem Titelbild keine wirkliche Ähnlichkeit mit mir hat, geht es um mich, jedenfalls wird mein Name gleich schon im ersten Satz genannt und ist sogar richtig geschrieben, was ich als großen Pluspunkt ansehe. "Um was geht es da?", frage ich meine große Schwester, da sie wohl dieses Machwerk schon gelesen haben dürfte. "Um deine unsterbliche Liebe zu einer Hure namens Theodora, die Mutter deines Bastards, brutal vor deinen Augen zu Tode gefoltert und deine blutige Rache an Crestus Cascandor", fasst sie den Inhalt zusammen. "Ich habe definitiv kein Kind mit Theodora und sie wurde in meiner Abwesenheit getötet", stelle ich richtig und überfliege blätternd ein paar Passagen. Am Anfang gibt es wohl mehrere deftige Sexszenen, wo es richtig zur Sache geht. Dann werden detailliert die Folterungen an Theodora beschrieben, die in Bezug auf das herausschlagen ihrer Zähne und dem totschlagen mit der Stahlrute sogar ein Hauch von Wahrheit enthalten, wobei einiges ziemlich frei erfunden sein dürfte. Hoffe ich zumindest. Die Geschichte endet dann mit unserem "Duell". Nur lasse ich mir in dem Heftchen viel mehr Zeit, da ich Crestus kastriere, blende und regelrecht ausweide. "Tja und das ist nur eines von vielen", mit diesen Worten fördert sie noch fünf weitere Heftchen zu Tage, alle in anderer Aufmachung, aber ähnlichem Inhalt. Die Büchlein werden nun auch von Lady Augusta und Caine angesehen. "Mit seiner mächtigen Lanze tauchte er in ihren feuchten Brunnen und genoss ihre Enge... Mit geschickten Fingern reizte er ihre Sonne und brachte sie zum erstrahlen... Als sie kam, war es, als würde die Makropole erbeben...", zitiert Caine ein paar herausragende Stellen bodenlos schlechter Poesie. "Thronverdammt!", entfährt es mir, als ich schaue, was so ein Heft kostet. "Immerhin ist die Darstellung von deinen Liebeskünsten recht positiv", merkt Lady Augusta an, die sie köstlich auf meine Kosten zu amüsieren scheint. Sie kann gut lachen, denn sie wird gar nicht erwähnt. "Überlege doch mal, was diese Schmierfinken an mir verdienen. Und davon sehe ich keinen einzigen Thron!" Mein Stimme transportiert meine Aufgebrachtheit gut wieder. "Man könnte meinen, du hättest keine anderen Probleme", merkt Caine an. "Doch habe ich. Aber die stellen das ganze Geschehen komplett falsch dar. Ich werde auf mein Aussehen und mein Genital reduziert. Da steht nichts von meinen Erfolgen bei der großen Jagd drin. Auch nicht, wie es mir gelungen ist, zwei der Vasallen allein durch die Dummheit von Crestus selbst zu neutralisieren. Kleist kommt entweder gar nicht vor oder stirbt im Kampf von zwei gegen fünf, was so nie stattgefunden hat", verteidige ich mich durchaus aufgebracht. "Ich habe bis jetzt nur wilde Gerüchte gehört, was du da in dieser "Goldenen Hülse" angestellt hast. Was ist da eigentlich nun genau passiert?", fragt mich nun Zethania, die mich erwartungsvoll anschaut. Ich hole aus, erkläre ihr grob, was während der Großen Jagd passiert ist und wie das dann zu dem Duell geführt hat. "Also hast du eine Vendetta vom Zaun gebrochen, weil Crestus deine Lieblingshure umgebracht hat, zu einem Zeitpunkt wo du schon einen Vertrag mit dieser hübschen Kurtisane unterschrieben hattest?", hakt meine Schwester am Ende meiner Erzählung nach. "Crestus hat einen unschuldigen Menschen nur deswegen umgebracht, um mich in ein Duell nach seinen Bedingungen zu treiben. Aber ich habe den Spieß soweit umgedreht, dass ich ihn dann dazu gebracht habe, mich zu fordern, so dass er keinen Schiedsmann vorschicken konnte. Auch habe vorher zwei seiner Vasallen neutralisiert, weil ich damit gerechnet habe, dass die Situation auf höchst unerquickliche weise eskalieren wird." "Das war sicherlich geschickt eingefädelt, Flavipups, aber was hast du dir dabei nur gedacht? Wäre es nicht klüger gewesen, diesen Haufen Groxdung nach der Karte und dem ganzen darum herum zu befragen, als du ihm am Boden hattest?", fragt nun Zethania und schaut mich mit ihren dunkelbraunen Augen anklagend an. "Ehrlich gesagt war ich in dem Moment etwas zu sehr aufgebracht, um eine strategisch kluge Entscheidung zu treffen", rechtfertige ich mich. "Ich verstehe es nur zu gut, wenn der Blutrausch einen übermannt. Wenn man endlich seine Beute da hat, wo man es haben will und es dann bluten lässt. Aber es ist beklagenswert, dass du diese goldene Gelegenheit hast verstreichen lassen. Selbst wenn du das Duell gegen den Schiedsmann der Cascandor gewinnst, werden die garantiert keine Ruhe geben. Was wollen wir unternehmen?" "Es wäre Vorteilhaft, die Hintergründe von Crestus Taten aufzuklären. Aber ich muss gestehen, momentan fehlen mir die Ideen, wo wir ansetzen könnten. Crestus ist tot, Oberst York ist nicht auffindbar und an die Entscheidungsträger des Hauses Cascandor kommen wir nicht heran, falls die überhaupt darin involviert waren", fasst Caine die momentane Situation zusammen. "Irgend eine Ahnung, wo man diesen Oberst York auftreiben könnte?", fragt mich nun meine Schwester. "Er war zwar mein Jahrgangslehrer und hat mich teilweise im Elite Lehrgang persönlich unterrichtet, aber ich habe nie ein Wort außerhalb des Unterrichtes mit ihm gewechselt. Allgemein ist bekannt, dass er lange Zeit in einem Imperialen Regiment diente und aufgrund seiner praktischen Erfahrungen an der St. Drusus Militärakademie angestellt wurde. Es gab natürlich einige Gerüchte, weil Oberst York ja Crestus alles durchgehen ließ. Der allgemeine Tenor war, dass das Haus Cascandor irgend etwas gegen ihn in der Hand haben musste, um ihn so stark unter Druck zu setzen, dass er Crestus auf die Schule brachte und ihn danach nicht heraus warf. Mit was er nun genau erpresst wurde, war Anlass zu wilden Spekulationen. Das ging von harmloseren Dingen wie profane Spielschulden bis hin zu esoterischen und schlimmen Sachen wie Ritualmorden. Wobei es wohl den Tatsachen entspricht, dass York ein Spieler ist", fasse ich das wenige zusammen, was ich über meinen Lehrer weiß. "Nach meinen Informationen sucht nicht nur der Magistrat nach Oberst York, sondern auch viele aufgebrachte Eltern, deren Kinder bei der Jagd verwundet oder gar umgekommen sind. Entweder hat schon irgend eine Greifertruppe diesen York aufgespürt oder er befindet sich schon längst nicht mehr in Scintilla", mischt sich Lady Augusta ein. "Vielleicht bringt es ja, den Ort des Kampfes in Augenschein zu nehmen. Möglicherweise ergibt sich ja anhand der Überreste ein Hinweis auf die realen Hintergründe des Hinterhaltes", schlägt meine ältere Schwester vor. "Der Tatort liegt in einer verbotenen Zone und ich habe nicht vor, deswegen noch mal Ärger zu bekommen", wiegle ich ab. Es hat mir wirklich gereicht, mehrmals deswegen vom Adeptus Arbites und der Inquisition verhört zu werden. "Du vergisst, ich bin Angehörige der Scintilla Ranger und die dürfen durchaus in Ausführung ihrer Mission eine verbotene Zone betreten." "Nun gut, könnte vielleicht wirklich was bringen, da mal nachzusehen", lenke ich ein und mir wird mein Bruder Novus angekündigt. "Vater schickt mich", eröffnet Novus mir anstelle eine Begrüßung und fährt sofort fort. "Wir treten in der Trainingsarena gegeneinander an. Besiegst du mich, gibt Vater eurem Plan grünes Licht. Verlierst du, geht es für dich direkt nach Wandererhafen ohne weitere Diskussion." Das war jetzt ziemlich direkt, was gar nicht zu Novus passt. Ich kann ihm ansehen, dass er sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, mir diese Nachricht überbringen zu müssen. "Hört sich fair an", erwidere ich. Wenn ich hier und jetzt nicht in der Lage bin, Novus zu besiegen, brauche ich mir keine Chancen ausrechnen, gegen einen der anderen Schiedsmänner von Cascandor zu bestehen. "Gut, dann lass uns sofort aufbrechen." Mit meinem Gefolge im Schlepptau geht es in die Katakomben der hauseigenen Arena. Hier werden hausinterne Duelle, Schaukämpfe und Gladiatorenspiele ausgetragen. Diener helfen mir in einen hautengen Trainingsanzug und bringen Rezeptoren an meine Stirn an. Damit werden Signale direkt in mein Schmerzzentrum übertragen. Sensoren im Anzug messen die Aufprallenergie einer stumpfen Trainingswaffe und ermittelt die schwere der Verletzung. Ein in der Realität verstümmelnder Schlag hat hier eine Lähmung der Gliedmaße zur Folge. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Simulation Lebensecht ist. Das hat den Vorteil, dass man schnell merkt, wo die eigenen Grenzen liegen und hält den Schwund von minderbegabten Familienmitglieder durch idiotische Duelle in Grenzen. Das Rund der Hausarena fasst knapp dreihundert Zuschauer auf gepolsterten Rängen. In der Loge des Familienoberhauptes sitzen meine Eltern, umgeben von ihrem jeweiligen Gefolge. Respektvoll grüße ich in ihre Richtung. Die restlichen Ränge sind leer. "Ich werde dich nicht schonen, Flavion", kündet mein drei Jahre älterer Bruder an. "Ich erwarte nichts anderes, Novus, als das du alles gibst. So wie ich auch!" Damit wäre das geklärt. Wir führen eine Begrüßung aus, dann gehen wir in Grundposition etwa zwei Meter voneinander entfernt. Oft haben wir zusammen trainiert, haben voneinander gelernt. Wobei ich durch den Altersunterschied bis heute nie habe das Wasser reichen können und ich mehr von ihm als umgekehrt profitiert habe. Aber nun sind wir beide ausgewachsen, wenn auch er natürlich der erfahrenere Fechter ist. Er ist mir drei Jahre und fünf Kämpfe auf Leben und Tod voraus. Das Duell mit Crestus zähle ich da mal nicht mit. Mein Bruder lässt nichts anbrennen und geht sofort in die Offensive, um so gleich ins Vor zu gelangen. Genau so schnell gehe ich zurück und lasse seinen Schlaghagel verpuffen. Ich breche nach links aus und zwinge ihn so mir weiter zu folgen. Mein Bruder ist schnell, gewandt und stark. Aber das bin ich auch. Seine Attacken laufen ins Leere und ich bringen ihn durch schnelle Richtungswechsel aus dem Konzept. Nun gehe ich in die Offensive und gelange schnell ins Vor. In den letzten Jahren haben wir nicht mehr zusammen trainiert. Zuerst die Schule für höhere Gentleman uns getrennt, dann die Akademie. Dort hatten wir andere Lehrer und ich schätze mal, ich habe die Sache ernster genommen als er. Als Jüngster hat man immer die höchsten Messlatten zu reißen und ich denke, mir ist es gelungen, mich immer gegenüber meinen älteren Brüdern zumindest ebenbürtig zu erweisen. Bevor die Lücke überhaupt da ist, weiß ich schon, dass sie sich auftun wird und stoße zu. Ich treffe ihn an der Seite und schwäche so meinen Bruder, als schmerzhafte Stromstöße an dieser Stelle durch seinen Körper schießen. Aber er ist noch nicht besiegt und legt sich wirklich ins Zeug. Mir ist bewusst, dass die Augen unserer Eltern ganz besonders auf mir liegen und ich denke, beide hoffen innig, dass ich unterliege. Mein Bruder kämpft mit ganzer Kraft und ich denke, er versucht mir damit das Leben zu retten. Nach weiterem Abtasten findet nun mein erfahrener Bruder eine Lücke und trifft. Der Schmerz schießt meinen Oberarm die Schulter hoch. Sofort setzt er nach, aber ich kann nun ebenfalls durch eine Riposte einen Treffer landen. Der tat weh, mein Bruder taumelt zurück und ich falle nicht auf seine Finte herein. Das hat er schon früher gern gemacht, Schwäche zeigen um seinen Gegner zum überstürzten nachsetzen zu verleiten. Diesen Fehler begehe ich nicht und gebe ihm die Möglichkeit, für einen Moment dann zurück kommen. Lasse seinen Angriff verpuffen und setze einen schnellen oberflächlichen Treffer. Nun setze ich nach, setze weiterer Treffer und lasse ihn taumeln. Dieses mal ist es nicht gespielt und lande den "Todesstoß". Novus geht von schmerzhaften Krämpfen geschüttelt zu Boden. "Gewinner Flavion Conari!", meldet die Anzeigetafel, nachdem der Maschinengeist zu dem Schluss gekommen ist, dass ich Novus tödlich getroffen habe. Ich blicke hoch in die Loge, wo meine Eltern und ihr Gefolge platz genommen haben. Die Miene meiner Mutter ist steinern, die meines Vaters unergründlich. Damit ist es entschieden, ich bleibe und kämpfe. Jetzt muss nur noch das Täuschungsmanöver klappen, sonst habe ich gerade meinen Tod gewonnen. Nakagos wirre Gedanken So, damit haben wir noch drei Kapitel vor uns. Seit Samstag bin ich trotz vollständiger Impfung mit Covid 19 erkrankt und wenn ich nächste Woche nichts poste, dann bin ich entweder tot oder auf der Intensivstation. Aber wenigstens kann ich mir jetzt die dritte Boosterimpfung im Januar sparen. Yeah! Vielen Dank für das Like!
  6. Kapitel XVI "Ich hoffe, du hattest inzwischen einen klaren Moment und hast die Aussichtslosigkeit deiner Situation realisiert?", fragt mich Vater anstelle einer Begrüßung, als ich in Begleitung meines Gefolges in seinem Büro auftauche. Links und rechts seines Thrones stehen je zwei schwer gepanzerte Servitoren mit gefährlich aussehenden Waffen, die zwar mit reichlich barocken Zierrat überladen wirken, aber nichts desto trotz absolut tödlich sind. Auf vier Balkonen haben sich je zwei Leibwächter positioniert. Das ist das übliche Sicherheitsprotokoll, wenn es sich nicht um engste Familienangehörige handelt. Da Lady Augusta in der Tat eine vollkommen unbekannte Größe ist, dürften die Sicherheitsmaßnahmen gerechtfertigt sein. "Wir haben nun eine Möglichkeit gefunden, diese unerquickliche Situation in Form meines sicheren Todes vor Gericht abzuwenden", erkläre ich und bleibe vor dem Schreibtisch stehen. Zu meiner rechten steht Caine und zur linken befindet sich Lady Augusta, in einem raffiniert geschnittenen weißen Kleid. Meine Haushälterin hat geholfen, Lady Augusta in Rekordzeit anzuziehen und mir wird klar, dass ich wohl für sie eine eigene Zofe anfordern sollte. Mein Vater runzelt bei ihrem Anblick demonstrativ die Stirn. Ich bin nicht sicher, ob er das fragend macht oder so seine Verärgerung ausdrückt. Vielleicht beides. "Lady Augusta de la Frey, freischaffende Kurtisane und momentan unter Vertrag bei eurem Sohn, Lord-Vorsitzender Conari", stellt Caine sie vor und die junge Frau vollführt voller Anmut einen tiefen Knicks. "Welch erfreulicher Anblick, der Geschmack meines Sohnes was Schönheit anbelangt ist deutlich ausgeprägter als sein Realitätssinn. Also mein Sohn, lass mich an deiner unendlichen Weisheit teilhaben, wie gedenkst du deinem sicheren Tod zu entkommen?" Ich hasse es, wenn mein Vater allein schon durch seine Wortwahl mir klar macht, dass er mich für einen jungen Idioten hält. "Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Alphonsus Cascandor mich besiegen wird, egal was ich mache. Also liegt die Lösung des Problems darin, ihn aus der Gleichung zu nehmen. Die anderen Schiedsmänner sind nicht annähernd so stark, also durchaus von mir besiegbar", behaupte ich einfach mal frech auf die Expertise meiner Gefolgsleute vertrauend. "Aha!" Mein Vater dehnt dieses Wort und macht mir klar, dass er mich noch immer nicht für voll nimmt. "Und wie willst du das anstellen, dass Alphonsus Cascandor in etwas über fünf Tagen einen akuten Anfall von Terminschwierigkeiten hat?" "Nun, wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Alphonsus Cascandor hochgradig illegale Implantate eingebaut hat." "Das," es folgt eine künstliche Pause, in deren Stille deutlich das summen der Aggregate der Servitoren zu hören ist, bevor mein Vater fortfährt. "Ist nun wahrlich nichts Neues. Dieses Gerücht gibt es schon lange und ich kann dir versichern, dass diesbezüglich schon einiges unternommen wurde, auch von meiner Seite. Weder die Inquisition noch das Mechanicus war bis jetzt bereit, irgend etwas ohne konkrete Beweise zu unternehmen und wenn du keine unumstößlichen Fakten hast, wird sich daran nichts ändern. Netter Versuch, Sohn, aber darauf sind schon andere gekommen und das Resultat davon war, dass ihre Streiter alle tot sind", erklärt mir mein Vater in einem Tonfall, als würde er geduldig einem kleinen Kind etwas erklären wollen, was es eigentlich schon wissen sollte. Ein Tonfall, den er oft gegenüber mir anschlägt. "Der Plan basiert nicht auf die Annahme, dass die Inquisition oder das Mechanicus wirklich etwas gegen Alphonsus Cascandor unternehmen, sondern, dass wir diesen Anschein glaubwürdig erwecken", erklärt Caine im neutralen Tonfall unaufgeregt, wohl erkennend, dass meine Worte immer nur in den Wind gesprochen sind. "Also erschaffen wir eine Illusion als ob?", hakt mein Vater nach und zum ersten mal scheint er diesen Vorschlag halbwegs ernst zu nehmen. "In der Tat! Wir lassen Gerüchte streuen, dass es dem Haus Conari gelungen ist, unwiderlegbare Beweise für eine illegale Aufrüstung zu finden aufgrund der Tatsache, dass Crestus Cascandor vor seinem Tod versucht hat, diese Information als Gegenleistung für eine Verschonung seines Lebens anzubieten", führt Caine weiter aus. "Gut und weiter?" Nun wirkt mein Familienoberhaupt wirklich interessiert. Ich bin Froh, dass Caine das Reden übernimmt. "Um dem Gerücht mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, schlage ich vor, dass Ihr die Festung der Inquisition aufsucht. Da Großinquisitorin Calypso den Fall Eures Sohnes oder besser gesagt, die Vorfälle um die Große Jagd bearbeitet, könntet Ihr sie einfach fragen, wie weit die Untersuchungen fortgeschritten sind. Von außen wird es aussehen, dass Ihr Beweise überbringt." "Nicht schlecht und was dann?" "Wir werden über Strohmänner Talente in Stahlstadt anwerben, diese in Rüstungen stecken, welche äußerlich den der Gardisten der Inquisition ähneln. Die positionieren wir in auffällig unauffälligen Fahrzeugen an strategischen Punkten um das Areal des Gerichts. Das Haus Cascandor muss dann annehmen, dass die Verhaftung ihres obersten Schiedsmannes unmittelbar bevorsteht und einen ihrer anderen Kämpfer in die Arena schicken", erklärt Caine die letzte Phase des Planes. Mein Vater lehnt sich zurück und faltet die Hände zusammen. Für einen Moment sieht er uns abwechselnd an. "Ich erkenne das Potential dieses Planes. Aber auch die Gefahr, dass die Oberen des Hauses Cascandor sich nicht blenden lassen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Güldenhand durchaus Agenten in der Festung der Inquisition hat", bringt mein Vater durchaus einen berechtigten Einwand. "Ein gewisses Restrisiko bleibt immer, Vater", versuche ich seine bedenken zu zerstreuen. "Und ich bin bereit, dieses Risiko zu tragen." "Schön und gut, aber die restlichen Schiedsmänner sind auch nicht ohne. Letztendlich hast du keine wirkliche Duellerfahrung. Diesen Idioten Crestus tot zu schlagen, zwei Turniere gegen Kadetten zu gewinnen und vier Duelle zum ersten Blut mit Schuljungen machen dich nicht zum alles überragenden Kämpfer", legt mein Familienoberhaupt seine Bedenken dar. Es erfreut mich, dass er sich gemerkt hat, was ich alles schon erreicht habe. Auch wenn das jetzt zugegebenermaßen recht unbedeutend und nichtig wirkt. "Euer Sohn ist trotz seiner Jugend ein guter Schwertkämpfer", macht Caine für mich Reklame. "Wer hat sich diesen Plan ausgedacht? Das ist weder der Stil meines Sohnes und das ist auch nicht deine Handschrift, Caine. Also nehme ich mal an, dass ist ihrem hübschen Köpfchen entsprungen, Lady Augusta de la Frey?" Sein Blick ruht nun auf meiner Kurtisane. Und ich muss gestehen, ich kann diesen nicht vollkommen deuten. "Ich habe geholfen, diesen Plan zu entwickeln, Lord-Vorsitzender Conari", gibt Augusta mit einem weiteren formvollendeten Knicks zu. "Für eine kleine unbekannte Kurtisane aus Malfi ist es ein weiter Weg bis hier her", wirft mein Vater ein und mir wird klar, dass er schon vorher im Bilde gewesen war, wer die junge Frau an meiner Seite ist. "Helft mir bitte auf die Sprünge, ist das ausarbeiten solcher Pläne inzwischen ein Aufgabengebiet einer Kurtisane. Nennt mich Konservativ und vielleicht nicht mehr auf den neusten Stand der aktuellen Mode, aber normalerweise kümmern sich Kurtisanen doch eigentlich um andere Aufgaben, für die sie bezahlt werden." Mein Vater betont leicht den letzten Halbsatz. "Ich bin eine Frau durchaus mit Talenten die sich auch außerhalb eines Bettes erstrecken, Lord-Vorsitzender Conari", rechtfertigt sich Augusta mehr oder weniger nichtssagend. Wieder wird mir bewusst, dass ich so gut wie nichts über sie weiß. Und ich kann gewisse Schwingungen zwischen ihr und meinem Vater wahrnehmen, die ich nicht richtig einzuordnen weiß. "Sie hat mir beim Duell mit Crestus das Leben gerettet, als sie mich vor einer Digitalwaffe gewarnt hat. Es macht keinen Sinn, dass sie mich in eine Falle locken will, wo sie mir doch das Leben gerettet hat", versuche ich gewisse aufkeimende Verdachtsmomente im Keim zu ersticken. "In der Tat ist es unwahrscheinlich, dass das Haus Cascandor seinen Erben opfert, um eine Agentin in den innersten Kreis meines Hauses zu platzieren. Aber auf der anderen Seite war Crestus ein Idiot und vielleicht hat er so noch einen letzten Zweck erfüllt." Offensichtlich konnte ich meinen Vater nicht überzeugen. "Trotz der Warnung hätte der Strahl mich beinahe erwischt und Kleist hat die Konsequenzen tragen müssen. Dieses Szenario erscheint mir doch etwas arg weit hergeholt zu sein, Vater", wiegle ich ab. "Paranoia heißt nicht, dass man nicht verfolgt wird. Unser Haus hat sehr viele Feinde und viele würden von unserem Untergang profitieren. Vergiss diesen Fakt niemals mein Sohn. Aber ja, dieses Szenario ist doch eher untypisch für das Haus Cascandor. Zwar ist Euer Plan gut ausgeklügelt, allerdings auch sehr Risikoreich. Ich bin nicht sicher, ob dies für dich, mein Sohn und das Haus Conari die beste Option ist. Momentan halte ich die Alternative einer Neuorientierung jenseits des Schlundes für meinen Sohn für die bessere Möglichkeit." Diese Worte richtet er nun direkt an Caine. "Aber wäre Flavion in der Koronusweite wirklich sicher, Lord-Vorsitzender? Die Imperiale Rechtsprechung reicht zwar nicht jenseits des Schlundes, aber Kopfgeldjäger oder Attentäter einen Todeskultes wird das nicht aufhalten. Und es gibt viele Kopfgeldjäger in der Weite, die genau jene jagen, die versucht haben, dem System ein Schnippchen zu schlagen. Jeder neue rekrutierte Soldat oder Matrose für die "Audacia" kann ein Attentäter oder Kopfgeldjäger sein. Euer Sohn auf dem Leichten Kreuzer in Sicherheit zu wägen erscheint mir daher eher Wunschdenken zu sein, Lord-Vorsitzender", erwidert mein Lebenswart bedächtig. Mein Vater schaut ihn kurz an, schließt dann die Augen und scheint abzuwägen. "Ich erkenne die Stärken in deiner Argumentation, mein lieber Caine. Gut, nehmen wir an, die Täuschung gelingt, Flavion besiegt den zum Ersatz bestimmten Schiedsmann und schlägt damit die Anklage nieder. Aber was dann? Die Fehde ist nun schon wieder hoch gekocht und ich kenne den Lord-Vorsitzenden der Hauses Cascandor nur zu gut. Flavion wird danach in ständiger Gefahr sein, einem Attentat zum Opfer zu fallen." Damit spricht mein Vater durchaus einen noch offenen Punkt an. "Darüber werden wir uns dann Gedanken machen, wenn Flavion die Arena lebend verlassen hat, Lord-Vorsitzender", erwidert mein Lebenswart, da es dafür noch keine Strategie gibt. "Ich werde mir die Sache durch den Kopf gehen lassen. Ihr könnt nun gehen", entlässt uns mein Vater aus der Audienz. Das war jetzt zwar kein Nein, aber auch kein Ja. Ich denke, er wird diese Angelegenheit mit seinen engsten Beratern durchsprechen und dann eine endgültige Entscheidung treffen. "Mein Vater hat einen interessanten Punkt angesprochen, was wird nach meinem Sieg passieren?", frage ich Caine, als wir mit dem Fahrstuhl wieder nach unten in das offizielle Emfpangszimmer fahren. Dieses mal habe ich nicht die Treppe der Bittsteller und Sünder mit ihren 108 Stufen nehmen müssen. "Wir werden diese Vendetta wohl ausfechten müssen. Die Güldenhand wird uns das Leben so schwer wie möglich machen, so lange das Haus Cascandor eine solch dominierende Stellung innehält. Wahrscheinlich wird es Angriffe geben und sie werden versuchen, dich zu töten, in dem sie Attentäter schicken werden. Du hast deren Nummer drei erschlagen, den ältesten Sohn des Erben", stellt Caine unaufgeregt fest. "Es war in einem Duell. So was passiert, wenn man ein Haufen Groxdung in die freie Wildbahn entlässt", versuche ich die Sache klein zu reden. "Damit hast du zweifelsohne recht, aber das macht es leider auch nicht besser", antwortet Caine. Die Fahrstuhltüren aus gebürstetem Stahl gehen auf und im nächsten Moment werde ich beinahe unmgeworfen. "Flavipups! Was machst du auch für Sachen!" Mit diesen Worten springt mich regelrecht meine Schwester Zethania an. Für eine Frau ist sie hochgewachsen, also nur knapp einen halben Kopf kleiner als ich und nur wenig leichter. Mit ihren muskulösen Armen drückt sie mich so stark, dass ich keine Luft mehr bekomme. Sie trägt eine maßgeschneiderte Vollkörperrüstung aus Aramid und einen leichten Brustpanzer aus hochwertigem Plaststahl unter einer Ausrüstungsweste. "Zeta! Ich krieg keine Luft mehr!", keuche ich und die junge dunkelhaarige Frau entlässt mich aus ihrem Schraubstock, was sie Umarmung nennt. "Flavipups?", fragt mich Augusta von der Seite und ich habe sie noch nie so lachen gesehen wie jetzt. "Lange Geschichte", erwidere ich, da dieser Spitzname nicht wirklich schmeichelhaft ist und schon längst nicht mehr Zeitgemäß. Aber Vater ist leider nicht der einzige Familienangehörige, der in mir immer noch ein Kleinkind sieht. "Da hast du dir aber mächtig Ärger eingehandelt, kleiner Bruder!", meint sie nun und lässt mich endlich aus der Fahrstuhlkabine entkommen. "Ja, aber ich möchte das nicht hier bereden." "Du hast einen Plan?", meint sie und ihre besorge Miene hellt sich etwas auf. Nakagos wirre Gedanken Nun taucht auch Falvions große Psycho Schwester auf. Vielen Dank für die Likes.
  7. Es ist in der Tat sehr schwer, so einen Komplex halbwegs nachvollziehbar zu beschreiben. Kapitel XV "Das hoffe ich doch sehr", erwidert meine Kurtisane mit einem verführerischen glitzern in den Augen. "Tja, Zeit ins Bett zu gehen", meine ich, stehe auf und schnappe mir Lady Augusta, in dem sich kurzerhand über die Schulter werfe. Diese quittiert meine Handlung mit einem lauten Quietschen, aber ich denke, sie hat nicht wirklich etwas dagegen. So trage ich sie nach oben in mein geräumiges Schlafgemach und werfe sie auf mein breites Bett. "Du weißt gar nicht, Flavion, wie sehr ich mich auf diesen Moment schon den ganzen Tag gefreut habe." Mit diesen Worten beginnt sie die Knöpfe ihres Kostüms zu öffnen. Ich schlüpfe aus meiner Hausjacke und Hemd, bevor ich mir mein Unterhemd über den Kopf ziehe. Als Mann habe ich da deutlich weniger Mühe als Augusta, die immer noch mit ihrer Bluse beschäftigt ist. Ich beuge mich über sie und wir küssen uns. Nach wie vor schmeckt sie gut und wir erforschen wieder gegenseitig unsere Mundhöhlen. Eine Hand hat sie in meinem Nacken, mit der anderen streichelt sie meine Brust. Schließlich hören wir auf uns zu küssen und entblättern uns vollständig. "Dein Körper ist eine wahre Pracht!", spreche ich laut aus, was ich denke. Ihre Haut ist schier Makellos in der Farbe von Milch. Trainiert, aber immer noch Feminin. Der Hintern knackig, die Brüste griffig, genau so wie ich es mag. "Und du bist von der Größe her durchaus beeindruckend, mein lieber Flavion", schmeichelt meine Kurtisane mir. Dabei lässt sie es gekonnt offen, um welche Größe es ihr geht. Auf alle Fälle hat sie ihre Hände schon an meine "Pracht" gelegt und zeigt mir, dass sie ziemlich gut wichsen kann. Da hat sie den Dreh buchstäblich raus. Ich streichele zuerst ihren Oberkörper, spiele etwas mit ihren Brüsten und prüfe dann mit zwei Fingern, ob ihr Brunnen schon gewässert ist. Was er ist, da ich ohne großen Widerstand mit meinen Fingern in sie hinein stoßen kann. Ich rutsche etwas zurück und beuge mich nun herunter zu ihrem Schritt. Während ich sie fleißig fingere, beginne ich ihre kleine Erbse mit meiner Zunge zu necken. Aufgrund dieser Position kann sie mich nicht mehr reizen, sondern wuschelt nun durch meine Haare. Schnell bringe ich sie auf Touren, da ich ja inzwischen schon weiß, auf welche Art sie gefingert werden möchte. Eigentlich ist sie ja da, um mich zu befriedigen, aber Asa hat mich gelehrt, dass geben genau so viel Spaß machen kann wie nehmen. Der Gedanke an meine ermordete Lieblingshure macht mich für einen kurzen Moment traurig, aber ihr Mord ist gerächt und das fühlt sich trotz aller nun auf mich herabstürzenden Konsequenzen immer noch richtig an. Letztendlich zählt nur das jetzt, was gestern war und morgen sein wird, sollte jetzt keine Rolle spielen und mir gelingt es, dass vollkommen auszublenden. Ich sauge an ihrem kleinen Knubbelchen und stupse sie gleichzeitig mit meiner Zungespitze an. Dazu noch meine Finger, die sie in der richtigen Geschwindigkeit ficken, dass lässt ihre Wolke bersten und auf mich prasselt gleich der erste Regenschauer herab. Mit offenen Mund fange ich ihren Liebesfluss auf. Nachdem sie ihre abgeregnet hat, komme ich hoch und lasse den Saft aus meinem Mund auf sie herab fließen. Das gefällt ihr, da sich mich dabei anlächelt, als ich das Sekret wie Massageöl auf ihren Körper verteile. "Ich möchte deinen großen harten Schwanz in mir spüren!", spornt sie mich an und ich denke, es ist Zeit, meinen Penis ins Himmelreich zu stecken. Nachdem ich etwas hoch gerutscht bin, fädele ich mich ein und bin drin. Sie schlingt ihre Beine um mich und ich beginne die Kurtisane nun zu stoßen. Zuerst langsam, mit bedächtigen Hüben, beginne ich sie kontrolliert zu penetrieren. Wir haben Zeit und ich will es langsam angehen lassen. Lady Augusta schließt genussvoll die Augen, während ich sie vögele. Nun beginne ich das Tempo zu steigern, ebenso die Kraft hinter meinen Stößen. Ihr Atem geht schneller, ihr Mund ist halb offen und sie beginnt leise zu stöhnen. Ihre Wangen sind gerötet, ihre Brustwarzen hart und sie stößt einen leisen Schrei aus, als sie ein weiteres mal kommt. Dieses mal gibt es keinen Sturzbach dazu, aber ich kann spüren, wie sich alles in ihr zusammen zieht. "Das war schön, Flavion. Jetzt lass mich mal meine Throne verdienen!" Noch während ich in ihr bin, dreht sie mich auf den Rücken und sitzt nun über mir. Sie grinst mich an und dann beginnt sie meinen tief in ihr sitzenden Penis mit den Muskeln ihrer Vagina zu massieren. Ich hatte schon einige hochklassige Dienstleisterinnen, aber keine hatte diese Technik drauf. Also entspanne ich mich und genieße die Show. Diese Art von Massage ist durchaus anregend, auch wenn sie mich zur Inaktivität verdammt. Das ist wie ein Handjob und Blowjob mit der Muschi. Kurz bevor ich komme, hört Augusta damit auf, beugt sich zu mir herunter und küsst mich. Unsere Lippen öffnen sich und unsere Zungen umschmeicheln einander. Nachdem wir uns mehrere Minuten liebkost haben, richtet sie sich wieder auf, umfasst mit ihren Händen meine Schultern, hakt sich mit ihren Füßen auf meinen Oberschenkeln ein und beginnt nun ihr Becken zu bewegen. Leichte Hübe, die mich nur wenig reizen, was sicherlich auch Absicht ist, um meinen Höhepunkt weiter heraus zu zögern. Da mir diese Spielart durchaus zusagt, genieße ich die Show und lasse Lady Augusta für ihre Throne arbeiten, wie sie so schön formuliert hat. Immerhin kostet diese Kurtisane ein kleines Vermögen, auch wenn sie jede einzelne Münze wert ist. Langsam steigert sie nun Tempo und Geschwindigkeit. Es klatscht, wenn ihr Becken herunterfährt, da sie nun deutlich kraft in ihre Hübe legt. Ich streichle ihre Oberschenkel, spüre, wie ihre trainierten Muskeln unter ihrer zarten Haut arbeiten. Meine Hände streicheln höher, umfassen ihre Lenden und sie beugt sich nun nach hinten, während ich sie so etwas bei ihrer "Arbeit" unterstützte. Ihre Hände ruhen nun auf meinen Unterschenkeln und ich spüre ihr Gewicht. Mein Penis flutscht in ihrer engen Scheide hoch und runter. Die Reibung steigert sich ins unerträgliche, da sie immer mehr Tempo aufnimmt. Ihre Brüste wippen dabei auf und ab. Dann kommt sie, presst ihr Becken herunter und ihr Liebesfluss spritzt auf meinen Bauch. Während sich ihre Muskeln konzentrisch zusammen ziehen, komme auch ich, pumpe mein Sperma in sie. "Das war schön", meint sie und beugt sich zu mir herunter. Ein weiteres mal treffen sich unsere Lippen. "Ja und das können wir nun jeden Tag machen", erwidere ich und füge ihn Gedanken hinzu: "Bis zu meinem Tod in sieben Tagen." "Sei unbesorgt mein lieber Flavion, wir werden eine Lösung finden", erwidert sie, als ob sie meine Gedanken lesen könnte. Dann küsst sie mich weiter und ich schließe die Augen. Als ich meine Augen öffne, behauptet der Chrono neben meinem Bett, ich hätte sechzehn Stunden geschlafen. Statt meiner Kurtisane sehe ich neben mir nur Leere. Da wo sie gelegen hat, ist es kalt, also muss sie schon vor Stunden aufgestanden sein. Ich hatte eigentlich gehofft, dass sie mich weckt, in dem sie meinen Schwanz mit dem Mund verwöhnt und wir damit weiter machen, wo wir gestern aufgehört haben. Trotz des langen Schlafes fühle ich mich immer noch nicht auf der Höhe meiner Kraft. Die letzten Tage haben an meinen Kräften und auch an den Nerven gezehrt. Zuerst die Große Jagd und die anhaltenden Gefechte um Leben und Tod. Das lösen vom Gegner und der Marsch mit den Verwundeten durch die Dunkelheit uralter Gänge. Anschließend die unendlich langen Verhöre und die Ungewissheit, was man einem eigentlich genau vorwirft. Asas Tod und das Duell. Und nun die Folgen davon. Einen kurzen Moment überlege ich, ob ich Hilfe brauche, schleppe mich dann aber ins Bad und nehme eine Dusche. Anschließend schlüpfe ich in einen Hausmantel und bequeme gefütterte Hausschuhe. Meine liebreizende Konkubine finde ich in meinem großen Studierzimmer im dritten Stock mit meinem Lebenswart bei einer Partie Königsmord. Da mehrere Stapel mit Thronen neben dem Spielbrett stehen, scheinen sie um Geld zu spielen. Nach der Verteilung scheint mein Lebenswart die Nase vorne zu haben. "Wie ich sehe, amüsiert ihr zwei euch schon prächtig", merke ich an und bemühe mich, nur einen Hauch vorwurfsvoll zu klingen. Sofort steht Lady Augusta auch nur in einem bequemen Morgenmantel gehüllt und schwebt Barfuß auf mich zu. "Guten Morgen, mein Großer", begrüßt sie mich, legt ihre Hand in meinem Nacken und drückt mich leicht zu ihr hin. Unsere Lippen begrüßen sich und ich kann ihr nicht mehr Länge böse sein, dass mich nicht auf ganz besondere weiße geweckt hat. "Ich hoffe, du hast ausschlafen können", merkt Caine an, dass ganze aus dem Sessel heraus beobachtend. "Der Schlaf war sicher nötig, aber so haben wir wertvolle Zeit verloren", erwidere ich, mich doch etwas widerstrebend von meiner neuen Kurtisane lösend. "Wir waren so frei die Analyse fertig zu stellen", verkündet nun Caine und Lady Augusta fügt hinzu: "In der Tat, dein Lebenswart ist ein Mann mit einem wachen Geist." "Schön, dass ihr zwei euch so prächtig versteht. Und wie lautet die Strategie?", frage ich neugierig. "Lass uns zuerst Frühstücken", meint Caine und in dem Moment knurrt wie aufs Stichwort mein Magen. "Nun, ich bin sicher, ihr könnt mir das darlegen, während ich esse", erwidere ich und begebe mich mit meinem Gefolge zum Frühstücksraum, der neben dem formellen Speisesaal liegt. Da Caine und Augusta offensichtlich schon ohne mich gefrühstückt haben, wird nur für mich aufgetischt. Ich nippe an der Tasse mit frisch aufgebrühten Kaf und schaue sie erwartungsvoll an. "Nun, wir sind nach eingehender Sichtung des Materials und der Einschätzung deines Könnens zu dem Schluss gekommen, dass es keine einzige Strategie gibt, Alphonsus Cascandor mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als ein Prozent zu schlagen", erklärt mein Lebenswart in einem Tonfall, als würde er mir erklären, mein Leibkoch hätte es nicht geschafft, dass Mittagessen pünktlich zu generieren und ich müsste mich noch fünf Minuten gedulden. "Ein ganzes Prozent? Hört sich doch gut an", erwidere ich scherzhaft, obwohl selbst mir es fällt, in dieser Situation noch einen Witz zu reißen, über den auch niemand lacht. "Da dies kein annehmbarer Zustand ist, sind wir zu dem Schluss gekommen, die Situation durch Alternativen zu entschärfen", übernimmt nun Lady Augusta das reden. "Wollt ihr mich nun auch ernsthaft dazu überreden, mich wie ein Feigling vor den Konsequenzen meiner Tat zu drücken und in die Koronusweite zu meinem Onkel zu fliehen?" Ich merke, wie meine Stimme etwas schwankt und ein Gedanke sich manifestiert, dass dies durchaus eine akzeptable Möglichkeit ist, meinen sicheren Tod zu entkommen. Zwar kann ich damit meine Ambitionen begraben, legal Lord-Kapitän der "Audacia" zu werden, aber wenigstens bleibe ich am Leben. "Nein, dass wollen wir nicht, Flavion. Aber wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass du mit unseren zur Verfügung stehenden Mitteln nicht in der Lage bist, einen Kämpfer wie Alphonsus Cascandor zu schlagen. Aber das Haus Cascandor hat fünf Schiedsmänner und die anderen vier könntest du nach unserer Analyse durchaus mit deinen Fähigkeiten besiegen. Auch das wird nicht leicht werden, aber ich traue dir zu, siegreich zu bleiben", erklärt mir Caine unaufgeregt und meine Kurtisane nickt dazu. "Gut und wie stellen wir es an, dass Alphonsus Cascandor einen akuten Anfall von Terminschwierigkeiten hat und ich gegen einen der anderen Schiedsmänner antrete?", frage ich nach. Ich bin ehrlich mir selbst gegenüber um zu erkennen, dass ich wirklich so gut wie keine Chance gegen den besten Schiedsmann des Hauses Cascandor habe. Manche Dinge kann man einfach nicht wegreden oder relativieren. "Dazu werden wir auf die Hilfe des Hauses Conari zurückgreifen müssen", erklärt Caine nicht wirklich das was nötig ist. "Im Klartext, wir müssen meinen Vater von einem Plan überzeugen, der hoffentlich schon Spruchreif ist?", hake ich nach. "In der Tat, so ist es", gibt mir mein Lebenswart recht, ohne jetzt näher zu erläutern, wie er dieses kleine Wunder vollbringen will. "Und wie der Zufall so will, wir haben in knapp einer Stunde einen Termin bei ihm." "Wie praktisch, dann sollte ich mich wohl entsprechend ankleiden lassen", meine ich dazu. "Ich würde dir vorher noch gerne dein neues Küchenmädchen vorstellen und ich fände es ratsam, dem Kind klar zu machen, dass sie nicht wirklich als Strafe hier ist", mahnt Caine an. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass meine kleine List das Mädchen in Angst und Schrecken versetzt hat. Und schließlich wollte ich ihr ja nur etwas gutes tun. "Nun gut, Caine, dass ist sicherlich eine gute Idee", gebe ich mein Einverständnis dazu. Natürlich könnte ich das auch Caine überlassen, aber ich denke, dass es besser ist, dass Colette eine Erklärung aus meinem Mund hört. Caine betätigt eine Glocke und wenige Augenblicke später führt meine etwas mollige Haushälterin Rosetta das Kind an der Hand hinein. Das rothaarige Mädchen trägt nun eine dunkelgraue Uniform eines Küchenmädchens mit weißer Schürze, Strümpfen und Häubchen. Alles ist neu und sauber. Dazu noch schwarze Lackschuhe, in denen sie etwas ungelenk geht, als würden sie nicht richtig passen. Ihr Rotschopf sind nun ordentlich frisiert, etwas zurecht geschnitten und mit einem Zopf gebändigt. Rosetta lässt sie nun los und das Mädchen schaut kurz etwas panisch zu ihr hoch, beruhigt sich, als meine Haushälterin ihr freundlich zunickt und zuzwinkert. Dann geht ein Ruck durch das Kind und sie macht einen etwas unbeholfenen Knicks. "Ah, meine kleine Colette. Ich muss mich für die kleine List von Gestern entschuldigen. Ich wollte dir keine Angst machen, sondern dich aus dieser misslichen Lage befreien, in die wir uns beide gebracht haben. Du bist nun ein Küchenmädchen und wenn du fleißig bist und viel lernst, wirst du eines Tages meine Köchin sein." Das Mädchen schaut mich mit ihren großen grünen Augen an. Im ersten Moment denke ich, dass sie mir nicht folgen konnte, dann geht auf ihrem Gesicht quasi die Sonne auf, so breit lächelt sie nun. "Danke, Meister Flavion. Ich wollte Euch nicht Nass machen, Entschuldigung!", meint sie nun und weiß nicht, was sie mit ihren Händen und Armen machen soll, da sie nun etwas hin und her schlenkert. "Schon vergessen, kleine Colette. Passen die Schuhe nicht?", frage ich sie, da sie darin nicht gerade steht, sondern ihre Füße höchst absonderlich anwinkelt. "Doch, Meister Flavion, aber ich hatte noch nie Schuhe an. Und auch noch nie ganz neue Kleidung, die so schön ist", erwidert das Mädchen und streicht schon beinahe zärtlich über ihre Schürze. "Aha. Ich bin sicher, dein Lehrmeister vermisst dich schon", meine ich zu der kleinen Colette, die nun wieder von Rosetta an der Hand genommen wird. Das Mädchen macht noch einmal einen tiefen Knicks und schon beinahe hüpfend verlässt sie den Raum. "Damit wäre das wohl nun geklärt", meine ich zu Caine, der mir zufrieden zunickt. "Behandelst du alle deine Dienstboten so nachsichtig?", fragt Lady Augusta mich. "Nein, aber ich sehe keinen Vorteil darin, dieses kleine Mädchen wegen etwas bestrafen zu lassen, was ich mitverschuldet habe", erkläre ich. "Steht es denn nicht geschrieben, dass eine hingebungsvolle Dienerin die Peitsche liebend lernt, da Schmerz sie zu einer besseren Dienerin macht?", fragt mich Lady Augusta scheinbar leichthin, aber ihre Haltung straft ihrer beiläufigen Stimmlage lügen. "Ich habe meinen Schützling nicht zu einem Tyrannen erzogen, sondern zu einem Mann, der Gnade als Stärke begreift", erklärt Caine und ich kann deutlich sehen, wie stolz dieser Mann auf mich ist. Ich wünschte, ich könnte das auch von meinem biologischen Vater behaupten. Nakagos wirre Gedanken Und weiter geht es. Vielen Dank für das Like.
  8. Mal sehen, ob du recht behälst.... Kapitel XIV Aus der Grundstellung heraus greife ich meine Kurtisane mit dem hölzernen Trainingsschwert an. Da sie deutlich kleiner ist als ich, setze ich nur tiefe Techniken ein, damit sie mich nicht unterlaufen kann. Schnell wird mir klar, dass sie auch praktisch was kann. Ihre Paraden sind präzise und wirken mühelos. Augusta lässt mich etwas arbeiten, bevor sie dann versucht ins Vor zu gelangen. Sie setzt einen mittleren Hieb im Indes und so gelingt es ihr tatsächlich ins Vor zu kommen. Aber ich kann sie gut kontern und gewinne schließlich die Initiative zurück. Da ich mit weniger Schwung mehr Kraft als sie entwickeln kann, treibe ich sie bis ans Ende des Balken und setze dann meinen Treffer. Dabei achte ich darauf, sie nur oberflächlich zu berühren, da ich ihr nicht weh tun will. "Du bist wirklich nicht schlecht!", lobt mich Augusta und salutiert. Ich gewinne Abstand zu ihr und erwidere den Salut, in dem ich den Griff meines Schwertes senkrecht vor mein Gesicht halte. "Du bist sehr stark und trotzdem dabei noch überaus schnell. Du antizipierst, dass ist gut. Man merkt, dass deine Fechtmeister dich gut zu lehren wussten. Saubere Schläge ohne unnütze Schaueffekte. Ich würde mal sagen, die Lage ist nicht vollkommen Hoffnungslos." "Deine Worte wärmen mir mein Herz, liebste Augusta", erwidere ich zwischen Sarkasmus und aufrichtiger Freude über ihre Worte schwankend. Für eine Kurtisane ist sie in Dingen bewandert, die ich nicht so passend für ihr Berufsbild empfinde. Ihre Analyse ist durchaus zutreffend, was die Frage für mich aufwirft, warum sie so gut fechten und auch analysieren kann. Und mir ist klar, dass ein Gefecht auf ebenen Boden durchaus anderes hätte verlaufen können. Die junge Frau ist kleiner und agiler als ich. Durch schnelle Manöver hätte sie mich durchaus überflügeln können, was auf einem linearen Balken physikalisch eben unmöglich ist. Deswegen beflügelt mich dieser Erfolg nicht wirklich. "Ich meine es nur gut, mein lieber Flavion." In dem Moment unterbricht Caine unser Gespräch, in dem er dezent hustet. "Das Abendessen ist im kleinen Saal angerichtet. Ich war so frei, ein weiteres Gedeck aufzulegen", meldet mein Lebenswart. Normalerweise wäre das nicht seine Aufgabe, aber wahrscheinlich wollte meine Haushälterin Rosetta einen möglichen Coitus nicht unterbrechen. "Sehr zuvorkommend, Caine", erwidere ich und Lady Augusta springt elegant vom Balken, um sich wieder etwas gesitteter anzuziehen. Was natürlich bedauerlich ist, da ihr Anblick durchaus anregend ist. Ich muss gestehen, inzwischen habe ich einen ziemlichen Hunger. Es war ein langer Tag und die Zeitumstellung wird mir noch mehrere Tagen in den Knochen liegen. Das Abendessen besteht aus bescheidenen fünf Gängen und wie üblich nimmt Caine am gegenüberliegenden Ende der Tafel platz, um mit mir zu dinieren. Eine Tradition, da dies eigentlich bei den meisten Adligen wahrscheinlich nicht der Fall sein dürfte, dass der Lebenswart mit seinem Schützling am gleichen Tisch sitzt. Früher saß auch meine Gouvernante ebenso wie meine Vasallen immer mit am Tisch, wie eine kleine Familie. Auch Lady Augusta blickt zuerst etwas irritiert, als sie zu meiner rechten platz nimmt. "Und wie geht es mit der Analyse deines Kontrahenten voran?", fragt mich Caine, nachdem die Suppe serviert wurde. "Durchaus entmutigend, wie ich zu meiner Schande nun eingestehen muss", erwidere ich äußerst verhaltenen. "Darf ich anmerken, dass es noch eine durchaus akzeptable Alternative zum kämpfen gibt?" Sein Tonfall ist so neutral wie möglich, aber ich vermag durchaus seine Beunruhigung und ehrliche Sorge heraushören. "Natürlich, aber du kennst mich ja wie kaum ein anderer." Erwidere ich mit mehr Optimismus in der Stimme, als ich wirklich hege. "In der Tat. Aber ich will mir nicht vorwerfen, diese Möglichkeit nicht noch einmal ausdrücklich erwähnt zu haben, bevor es dafür endgültig zu spät ist." "Ich bin neu auf diesem Planeten und mit den juristischen Feinheiten dieser Makropole nicht zur Gänze vertraut. Aber wäre ein Einspruch nicht im Rahmen der Möglichkeiten? Immerhin war dies ein legales Duell und ich war Zeugin dieser Auseinandersetzung", fragt Lady Augusta, nachdem sie ihre kleine Schüssel Suppe ausgelöffelt hat. Schon wird auch der nächste Gang aufgetischt. Ihre Aussage macht mir klar, dass sie wirklich der Schatten im vierten Stockwerk war, den ich wahrgenommen habe. "Auf Scintilla hält man relativ wenig von juristischen Spiegelfechtereien, wie es sicherlich auf Malfi und anderen zivilisierten Welten gang und gäbe sein mögen. Hier werden juristische Auseinandersetzungen von Adligen im Normalfall mit dem Schwert ausgetragen. Bei Bagatellen reicht manchmal eine Berührung, das erste Blut oder ähnliches. Dadurch das nun das Haus Cascandor über den mit Abstand besten Kämpfer verfügt, hat sich daraus ein äußerst unerquicklicher Wettbewerbsvorteil entwickelt, was zu äußerst dreisten Bereicherungen des Hauses Cascandor innerhalb der Güldenhand geführt hat. Eine Zeugenaussage, dazu noch von einer Person, die mit der beschuldigten Person in einem Vertragsverhältnis steht, würde wohl auch vor einem normalen Gericht in Zweifel gezogen werden", fasst Caine die regionalen juristischen Gepflogenheiten gekonnt zusammen. "Außerdem ist es nun mal Fakt, dass Flavion wirklich Crestus Cascandor tot geschlagen hat." "Warum ist noch kein Haus militärisch gegen dieses infame Haus Cascandor vorgegangen, wenn sich solche Missstände einbürgern?", fragt Lady Augusta zwischen zwei Happen der Groxzunge, garniert mit subterristischen frittierten Knollenfrüchten. Eine gängige Delikatesse. Mein Koch hat sich mal wieder selbst übertroffen. "Das Haus Cascandor ist fest mit der Güldenhand verwoben und kein Haus allein kann es sich leisten, gegen diese Gilde Krieg zu führen", erkläre ich, nachdem ich mein Filet auf meiner Zunge habe zergehen lassen. "Und ein Bündnis der großen Häuser?", bohrt die Adlige weiter. "Das scheiterte bisher an kleingeistigen Streitereien der mächtigen Häuser untereinander. Auch würde das oder die Häuser, welches das Haus Cascandor beseitigt, quasi dessen Stellung beerben, was wiederum zu massiven Gegenmaßnahmen anderer Häuser führen würde", erklärt Caine mit ruhiger Stimme die momentane politische Situation. "Ich sehe schon, keiner gönnt dem anderen etwas und niemand will das Risiko tragen, entweder alleine dazustehen oder am Ende der Feind aller zu sein, die sich dann eventuell doch zu einem temporären Bündnis aufraffen könnten. Derweil würde der Handel an der Börse stillstehen, was wiederum massive Reaktionen aller Schichten nach sich ziehen würde", erläutert Lady Augusta ihre korrekte Schlussfolgerung. "Sie haben das momentane Dilemma dieser Problematik präzise zusammen gefasst, Lady Augusta", lässt sich mein Lebenswart zu einem Lob herab, was diese mit einem huldvollen lächeln quittiert. Ich mag, wie sie lächelt. "Also ist definitiv nicht damit zu rechnen, dass sich in den nächsten sieben Tagen eine Koalition aller wichtigen Adelshäuser bildet, um das Haus Cascandor aus der Gleichung zu nehmen?", hakt Lady Augusta nach. "Damit ist nach momentanem Stand nicht zu rechnen, auch wenn ich weiß, dass werte Familienoberhaupt Taurion Conari auf allen Kanälen versucht, eine solche Lösung herbei zu führen", erklärt Caine. "Aha? Davon hat mein Vater mir gegenüber gar nichts erwähnt", bemerke ich etwas pikiert. "Ich wusste gar nicht, dass du das Vergnügen hattest, mit Vater zu sprechen." "Die Unterhaltung mit deinem Vater war definitiv kein Vergnügen. Er war äußerst ungehalten über dein eigensinniges Benehmen, auch wenn er deine herausragenden Leistungen auf der St. Drusus Akademie durchaus zu würdigen weiß", erzählt Caine. Wahrscheinlich hat er nach mir mit meinem Vater gesprochen. "Na, wenigstens etwas", meine ich und schon wird der nächste Gang serviert. "Ich meine gehört zu haben, dass die Häuser Conari und Cascandor schon einmal vor einem heißen Krieg standen? Was ist an diesen Gerüchten dran?", hakt Augusta nach, während noch serviert wird. Das ist zwar kein Geheimnis, zeigt mir aber, dass sich diese Kurtisane wirklich gut informiert hat. "Vor etwas über dreißig Jahren begann das Haus Cascandor rapide an Macht innerhalb der Güldenhand zu gewinnen. Traditionell ist es allen großen Häusern verboten, sich in der Güldenhand zu organisieren und es war immer die relative Machtlosigkeit der kleinen Häuser, welche einen fairen und reibungslosen Börsenhandel in Tarsus gewährt hat. Gideon Conari, der Großvater von Flavion und der damalige Lord-Vorsitzende begann eine Allianz der großen Häuser zu schmieden, um gemeinsam gegen das Haus Cascandor vorzugehen, bevor diese die Güldenhand komplett dominiert. Auf einer geheimen Konferenz sollte das Bündnis besiegelt werden. Neben zwölf der wichtigsten Familien war auch die Inquisition und ein Vertreter des Gouverneurs involviert. Ebenso einige ausgewählte kleine Häuser, welchen den Platz des Hauses Cascandor hätten einnehmen sollen, um die Güldenhand von Innen heraus zu reformieren. Auf dem Weg zur Konferenz ereilte die Limousine von Gideon Conari ein ominöser Unfall, bei der der Lord-Vorsitzende verstarb", erzählt Caine. Das mein Großvater durch einen Verkehrsunfall gestorben ist, wusste ich. Aber nicht, dass dies auf dem Weg zu einer Konferenz stattfand, welche die Vernichtung des Hauses Cascandor besiegeln sollte. "Ich schätze, dass Haus Cascandor landete sehr weit oben auf der Liste der Verdächtigen?", fragt Lady Augusta. "In der Tat, ganz oben. Aber es gab nie einen ausreichenden Beweis, welche eine Anklageschrift erlaubt hätte. Ohne die Führung von Gideon Conari zerbrach das Bündnis, bevor es überhaupt geschmiedet werden konnte, da auch einige andere Befürworter eine ungesunde Tendenz zeigten, vorzeitig zu versterben. Der Nutznießer dieser Vorfälle liegt also klar auf der Hand." "Deswegen dann die Vendetta zwischen unseren Häusern?", hake ich nach. Ich wusste zwar, dass es eine kalte Vendetta gegeben hat, aber nie, warum eigentlich genau. Mein Haus hat eben sehr viele Feinde und bei den meisten weiß ich gar nicht, warum es diese Fehde überhaupt gibt. Manchmal liegen diese Ereignisse nicht nur hunderte von Jahren, sondern manchmal sogar über zweitausend Jahre zurück. "Genau, vorher war das Haus Cascandor einfach zu unbedeutend", erklärt mir Caine. "Noch eine kleine Frage in die Runde, ist es im Vorfeld festgelegt, welche Schiedsmänner antreten?", fragt sie nun. "Nein, jedes Haus stellt einen und erst mit dem betreten der Arena wird ersichtlich, wer der ausführende Schiedsmann ist. Beide Parteien wissen nicht, wer der gegnerische Schiedsmann letztendlich ist. Manche Häuser schicken immer alle fünf und wählen erst im letzten Moment. Das soll die Fairness gewährleisten", erkläre ich meiner Kurtisane. "Dann ist es also gar nicht festgelegt, dass Alphonsus Cascandor gegen dich antritt?", hakt sie nach. "Nein, aber ich gehe fest davon aus, dass sie ihren Besten schicken werden, um mich auf alle Fälle zu töten", erkläre ich und das Essen schmeckt auf einmal viel weniger gut. Der letzte Gang wird nun aufgefahren, ein feines Dessert aus Früchten, Eis und heißer Soße. "Hast du eigentlich von Crestus noch erfahren, von wem er die Karte hatte?", wechselt meine Kurtisane beiläufig das Thema. "Nicht wirklich, aber ich denke, von jemanden, dem er vertraut hat. Als ich ihn damit konfrontiert habe, ist er nicht darauf eingegangen. Aber ich denke, er hat realisiert, dass die Vertrauensperson ihn hereingelegt hat. Entweder Oberst York oder sein Großvater", fasse ich meine Gedanken zusammen und stelle eine Gegenfrage: "Warst du das, die mich vor der Digitalwaffe gewarnt hat?" "Ja, dass war ich", gibt sie zu. "Danke für die Warnung, sonst hätte Crestus mich voll erwischt", bedanke ich mich bei meiner Lebensretterin. "Gern geschehen", erwidert die junge Kurtisane mit einem Augenaufschlag. "Wie konntest du das vom vierten Stockwerk aus sehen?", frage ich mal nach. "Ich hatte ein Opernglas dabei und ich habe solche Waffen schon im Einsatz gesehen. Das drehen des Steins zum scharf machen ist sehr charakteristisch, ebenso das ausrichten. Daher wusste ich, dass Crestus mit einem Ring auf dich schießen wollte", erklärt sie mir. In dem Moment werde ich meinem Leibkoch Lungini gewahr, der etwas verstört wirkt. Normalerweise sehe ich ihn nur, wenn er mit mir den monatlichen Speiseplan durchgeht und auf meine Wünsche eingeht. "Was kann ich für dich tun?", frage ich, da ich erkennen kann, dass der glatzköpfige Mann nicht weiß, ob mich nun stören kann oder nicht, da er nervös seine abgesetzte makellos weiße Mütze in seinen Händen knetet. "Meister Flavion, ich muss gestehen, dass ich über Eure Handlung äußerst irritiert bin, mir ein kleines Mädchen als Strafe als Küchenhilfe zur Seite zu stellen...", beginnt er etwas ungelenk sein Anliegen vorzutragen. "Ach, Colette. Nein, die Kleine ist ganz und gar nicht als Strafe gedacht. Du hattest ja erwähnt, dass du gerne einen Gehilfen hättest und ich konnte eine äußerst unangenehme Situation dadurch entschärfen, dass ich das Kind in mein Gefolge aufnahm. Sei versichert, dass mir deine Speisen nach wir vor vorzüglich munden. Das Essen heute war ein außergewöhnlicher Hochgenuss. Meinte Gratulation zu diesem Meisterwerk, werter Lungini", erkläre ich meine Handlung, auch wenn ich das nicht müsste. "Danke, Meister Flavion, für dieses Lob. Nun gut, aber ich dachte da eher an einen Burschen von etwa zehn bis zwölf und nicht an ein spindeldürres Putzmädchen von sechs, dass es noch nicht mal zu den Küchenmädchen geschafft hat", wagt Lungini meine Entscheidung in Zweifel zu ziehen. Manch Adliger würde nun zur Peitsche greifen oder zumindest den Zuchtmeister informieren, da im Gegensatz gängiger Klischees die wenigstens Adligen ihre Bedientesten selbst peitschten, da dies doch viel Anstrengung erforderte, ein Schlaginstrument zu führen. Aber so bin ich nicht, auch wenn seine Widerworte mich durchaus etwas verstimmen. "Ich vertraue vollends auf dein Einfühlungsvermögen, deinem umfangreichen Wissen und deiner unendlichen Geduld, dem armen Mädchen das notwendige Rüstzeug zu verschaffen, in zwölf Jahren zu einer formidablen Köchin heran zu wachsen. Und denk immer an die Worte des großen Reformators Sebastian Thors: Es gibt keine schlechten Schüler, sondern nur schlechte Lehrer. Ich bin vom Erfolg deiner Bemühungen vollkommen überzeugt und da du nun der Ausbilder der kleinen Colette bist, wird natürlich dein Einkommen entsprechend angehoben. Wäre das alles, werter Lungini?" Eigentlich bräuchte ich ihm kein höheres Entgelt bezahlen, aber ein kleiner finanzieller Anreiz dürfte ihm helfen, sich mit dieser Situation anzufreunden. "Wie Ihr wünscht, Meister Flavion", meint Lungini einlenkend die Zeichen der Zeit erkennend, macht einen Diener und verlässt den Raum. Einen wirklich glücklichen Eindruck hat er nicht gerade gemacht. Aber er wirkte auch nicht mehr ganz so verärgert wie am Anfang. "Was es mit der kleinen Colette auf sich hat, wollte ich auch noch nachhaken", schneidet nun auch Caine das Thema an. "Auf dem Weg zu meinem Vater hatte ich mit der Kleinen einen Zusammenstoß, in dem sie mir etwas Putzwasser auf meine Hose gekippt hat, was bei meinen Brüdern danach für rege Amüsiertheit sorgte. Für diesen Fauxpas wäre sie normalerweise hart bestraft worden. Aber da dies zum Teil auch meine Schuld war, da ich nicht auf den Weg geachtet habe, sah ich mich dazu veranlasst, diese Situation dahin gehend zu entschärfen, dass ich sie Lungini zuteilen ließ. Immerhin hat er ja mal erwähnt, dass er so langsam gerne seinen Nachfolger ausbilden würde. Vielleicht nicht die Beste aller Möglichkeiten, aber in dem Moment fiel mir keine bessere Lösung ein", erkläre ich meinem Lebenswart, was ich auch nicht müsste, aber ich denke, es Schadet nicht, wenn er die Hintergründe meiner Entscheidungsfindung kennt. "Ich kann das Dilemma durchaus nachvollziehen. Dann werde ich ihr eine entsprechende Uniform besorgen und ihr den Schlafplatz des Küchenmädchens geben", erwidert Caine neutral und damit ist die Sache geklärt. "Benötigst du heute noch etwas?" "Du kannst dich ruhig zur Ruhe begeben, ich werde ebenfalls zu Bett gehen. Aber ich denke, es wird noch etwas Zeit in an Anspruch nehmen, bis ich zum schlafen komme", meine ich breit in Richtung Lady Augusta grinsend. "Das hoffe ich doch sehr", erwidert meine Kurtisane mit einem verführerischen glitzern in den Augen. Nakagos wirre Gedanken Das vorherige und dieses waren zuerst ein Block, war dann aber zu lange. Wieder etwas Hintergrundinformationen. Vielen Dank für die Likes.
  9. Ah, OK. Und Windows... Unkraut vergeht eben nicht. Kapitel XIII Aber letztendlich ist es eigentlich egal, was Augusta ist, da sie mir immerhin helfen will und nicht versucht, es mir wie alle anderen auszureden. Ich konzentriere mich nun lieber darauf Material zu sichten und weitere Tabellen zu finden. Ein Leitsatz der Tactica Imperialis lautet: Kenne deinen Feind, denn nur wenn du ihn und dich kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Letztendlich ist das Journal noch die beste Quelle, da das meiste mehr oder weniger Propagandawerk ist. Bei einigen Publikationen bin ich mir ziemlich sicher, dass die Autoren bewusst das Haus Cascandor verherrlichen. Aber wirklich übertreiben müssen sie bei den Kampfkünsten des besten Schiedsmannes dieses Planeten nicht. "Gut, schauen wir uns mal ein paar Kämpfe an, fangen wir doch mal mit dem fünften Kampf an", sagt sie an. So wie sie sich hier gibt, scheint Augusta es gewohnt zu sein, zu führen. "Warum Kampf fünf?", frage ich einfach mal nach, um zu sehen, nach welchen Gesichtspunkten sie vorgeht. "Der ist interessant, weil der über drei Minuten gedauert hat", erklärt sie mir mit einem herzlichen lächeln auf den Lippen. Da muss ich sie einfach mal küssen. Unsere Lippen treffen sich und unsere Zungen umzüngeln einander. Meine rechte Hand wandert in Richtung ihres Dekolletees. Wir schmusen etwas, dann löst sie sich von mir, bevor es richtig heiß wird. "Kampf fünf, wenn du so lieb wärst?", beharrt sie auf ihrer Forderung und schiebt leicht, aber doch bestimmt meine Hand zur Seite. "Natürlich, meine Liebe", meine ich und kämpfe mich durch mehrere Menüs, bis ich mit einer Litanei auf den Lippen die entsprechende Datei aufrufe. Ich schlage auch gleich das Journal auf und überfliege die Hintergrundinformationen. Sein Gegner galt damals noch als der Beste Kämpfer von Scintilla, der Schiedsmann des Hauses Gaius, mit dem Namen Cornelius Vanderbelt. Dreißig Jahre jung, Elf Jahre Erfahrung, Neunundvierzig Siege vor Gericht, Vasall des Hauses mit jährlich fünf Apanagen bis zum Lebensende bei freier Logis im Stammhaus. Ein sicherlich angemessenes Gehalt für so einen geschätzten Vasallen. Hier ist er noch siegesgewiss, vollkommen überzeugt den jungen aufstrebenden Schiedsmann der Cascador in die Schranken zu weisen. Der Güldenhand, bzw. dem entsprechenden Sacharbeitern aus dem Hause Cascandor wurde die absichtliche Verschleppung eines Termingeschäftes vorgeworfen und es ging um eine Milliardensumme als Schadensersatz. Beide Kontrahenten nehmen Aufstellung und Alphonsus explodiert regelrecht aus dem Stand heraus. Der Angriff erfolgt so unglaublich schnell, dass ich kaum mit den Augen folgen kann. Der Schiedsmann pariert gerade so noch und ist jetzt schon im sogenannten "Nach". Die Schwertkampfkunst kennt drei Zeitabläufe, das Vor, wenn man die Initiative hat, das Indes, wenn man gleichzeitig mit dem Gegner handelt und das Nach, was genau das bedeutet. Man reagiert nur noch und der Gegner diktiert den Ablauf des Kampfes. Der Schwertmeister gelingt es die Stählerne Wand zu errichten, sprich seine Paraden sind unüberwindlich. Vanderbelt ist erfahren, versucht durch Distanz etwas Zeit zu gewinnen. Seine Bewegungen sind sicher, knapp und akkurat. Man sieht ihm an, dass der Vasall genau weiß, was er da tut. Keine überflüssigen Bewegungen, alles bleibt im Fluss. Allerdings gelingt es ihm nicht, aus dem Nach auszubrechen, da der Gegner an ihm dran bleibt, egal was er auch versucht. Mit schnellen Kreuzschritten versucht er seitlich auszubrechen, aber Alphonsus bleibt an ihm dran. Nach zwei Minuten sieht man deutlich, wie schwer es Cornelius nun fällt, das unglaublich schnelle Tempo durchzuhalten. Die Selbstsicherheit von Vanderbelt bekommt sichtbar Risse, Schweiß läuft ihn in Strömen von der Stirn und sein Hemd ist Klatschnass. Dann kommt Alphonsus zum ersten mal durch, verwundet ihn am linken Arm. Und dann geht es recht schnell. Cornelius geht tödlich getroffen zu Boden und Alphonsus rammt ihm das Schwert "Herzbrecher" eben durch sein Herz. Einer der wenigen Gegner, den er nicht an die Tür genagelt hat. "Der legt ja ein ganz schönes Tempo vor", merkt Augusta an. "Kein Mensch sollte so schnell sein", merke ich an, nachdem ich mich frei geräuspert habe. "Sind Kampfdrogen, Kybernetics und Bionics im Schiedsgericht erlaubt?", fragt Augusta mich. "Leider ja." "Schlecht, dann schauen wir uns mal Kampf Nummer siebzehn an", meint sie nun. "Das ist der Kampf mit meinem Onkel", merke ich an. "Ich weiß", meint sie dazu nur. Nun gut, ich rufe diesen Kampf auf. Es tut weh, dass mit ansehen zu müssen und so langsam wird mir klar, wie schmerzhaft das für meinen Vater sein muss, dass ich nun gegen den "Herzensbrecher" antreten soll. Der Kampf läuft wieder nach dem gleichen Muster ab. Onkel Thomas wird sofort ins Nach gedrängt. Er kontert mit der Stahlmauer und nach knapp anderthalb Minuten ist er tot. Auch wenn es ihm nach sechsundsechzig Sekunden gelingt seinem Gegner einen oberflächlichen Schnitt zu verpassen, weil mein Onkel eine etwas größere Reichweite hat. Dann geht es schnell bergab mit ihm und wird nur noch die letzten fünfzehn Sekunden zum Tor getrieben wurde. Wieder ein Stich durch das Herz, an die Tür genagelt wie ein Insekt auf einem Schaubrett. Das ist nicht schön anzusehen und ich stelle mir vor, wie es ist, wenn man einen Schwert durch das Herz gerammt bekommt. Auf alle Fälle geht es schnell. Aber irgend was sagt mir, dass dieses Monster sich Zeit bei mir lassen wird, weil es was persönliches ist, da ich seinen Neffen buchstäblich totgeschlagen habe. "Sei ein Schatz und zeig mir mal Kampf Vierundvierzig", meint Lady Augusta in einem vorschlagenden Tonfall nun und die Horrorshow geht weiter. So langsam verlässt mich durchaus der Mut und beginne mir ernsthaft zu überlegen, ob eine Flucht auf unser Freihändlerschiff in die Koronusweite nicht doch eine akzeptable Alternative für mich ist. Augusta schaut sich das ganze äußerst ungerührt an. Hier und da tippt sie etwas, sonst ist sie ganz auf den Schirm fokussiert. Wir schauen uns zwanzig Kämpfe an, die alle nach dem gleichen Muster ablaufen. Dann sehen wir uns drei Kämpfe an, die komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Zwar sterben die Kontrahenten alle durch einen Stich ins Herz, aber Alphonsus lässt sie vorher ziemlich leiden. Diese "Kämpfe" gehen recht lang, da er sich Zeit lässt und seine "Opfer" regelrecht abschlachtet. Sie buchstäblich ausweidet und damit demonstriert, wie sehr er es liebt, seine Kontrahenten zu vernichten. "Die drei haben den Herzensbrecher ziemlich wütend gemacht. Leider kann man nicht hören, was sie vorher zueinander sagen", fasst Augusta das Geschehen trocken zusammen. "In der Tat, dass ist äußerst bedauerlich. Es ist bestimmt eine Erfolgs versprechende Strategie ihn so wütend zu machen, dass er mich vorher in Stücke schneidet und nicht einfach an die Tür nagelt", meine ich durchaus sarkastisch. Ich könnte noch nicht mal darüber lachen, wenn es nicht ich wäre, um den es hier geht. "Nur wenn du deinen Gegner wirklich in allen Facetten begreifst, wirst du ihn besiegen können", meint sie weise ein Zitat aus den Anmerkungen des Macharius bringend. Band IV der kommentierten Version der Tactica Imperialis, wenn mich nicht alles täuscht. "Momentan begreife ich nur, dass sich die Sache etwas zu optimistisch gesehen habe", seufze ich, da mich nun die Realität eingeholt hat. Die Kämpfe, die ich mit meinen Brüdern angesehen habe, waren zwar ähnlich, aber gegenüber meinen Geschwistern konnte ich wohl meine Fehleinschätzung nicht einfach so zugeben. "So schnell schon entmutigt? Der schneidige Anführer der erfolgreichen Jagd ist jetzt schon gebrochen?", stichelt sie in meine Richtung. "Ist es nicht die Aufgabe einer Kurtisane ihren Gönner aufzumuntern? Was du von dir gibt, ist nicht wirklich aufbauend", beschwere ich mich. "Was ist dir lieber, Flavion. Soll ich dich anlügen und sagen, dass schaffst du schon, weil du jung und knackig bist? Oder willst du lieber die Wahrheit hören, dass Alphonsus zu besiegen ein wirklich harter Akt werden wird, der alles von der abverlangen wird?" "Ich schätze die Wahrheit, frage mich aber, ob du den notwendigen Sachverstand in diesen Dingen hast", beantworte ich ihre Frage. "Sagen wir es so, ich bin eine erwachsene Frau mit nützlichen Talenten, die schon einiges erlebt hat." Ihre Stimme ist ruhig und Augusta wirkt auch nicht verärgert, dass ich ihre Qualifikation anzweifle. Wahrscheinlich hat sie damit durchaus gerechnet. "Gut, was hast du bis jetzt herausgefunden, was mir hilft, am Leben zu bleiben? Momentan bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich so richtig im Schlamassel sitze", gebe ich nun ehrlich zu. "Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber ich kann dir jetzt schon sagen, Alphonsus Cascandor ist schneller, als ein Mensch sein dürfte." "Dir dürfte doch sicherlich klar sein, dass er hochwertige kybernetische und bionische Implantate besitzt, die das bewerkstelligen dürfte. Auch kann er sich die besten Kampfdrogen leisten, die es auf dem Markt gibt." "Diese Tatsachen sind mir durchaus bewusst. Und ich kann auch sagen, dass es solche Implantate in den entsprechenden Tempeln in dieser Form nicht zu kaufen gibt. Äußerlich sieht man nichts und bei diesen massiven Effekten ist das schon äußerst verdächtig. Kampfdrogen haben die Tendenz im laufe der Zeit stark an Effektivität einzubüßen. Man kann zwar eine sich entwickelnde Resistenz mit immer stärken Dosen kompensieren, aber nicht fünfundzwanzig Jahre lang. Wenn ich mir so seine Biographie anschaue, denke ich, dieser Alphonsus wurde gezielt für diese Aufgabe in einem Labor heran gezüchtet. Schon früh hat jemand ihm mitwachsende bionische Implantate von höchster Güte eingepflanzt. Diese Stärke in Verbindung mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit lässt keinen anderen Schluss zu. Vor sechzehn Jahren ist er ein halbes Jahr von der Bildfläche verschwunden, während drei andere Schiedsmänner wichtige Kämpfe für das Haus Cascandor verloren. Ich denke, er hatte einen Herzinfarkt, weil selbst sein natürliches Herz mit dieser gewaltigen Belastung nicht länger klar kam. Wer auch immer hat ihm bestimmt ein künstliches Hochleistungsherz verpasst. Wenn man sich die Kämpfe danach ansieht, tötet er seine Gegner sofort nach dem er eine Wunde erlitten hat. Das kommt meiner Ansicht daher, dass er während dem Hochfahrens des künstlichen Herzens einen Blutverdünner dazu geben muss, um einen Hirnschlag zu vermeiden. Seit seinem Dreiunddreißigsten Lebensjahr hängt sein Mundwinkel auf der linken Seite nach unten. Das ist für mich ein Indiz für einen leichten Schlaganfall", erklärt mir sie sachlich und ich glaube ihr das auch. "Woher weißt du soviel über Kybernetik?", stelle ich die Frage, die mir auf der Zunge brennt. "Meine Familie hält Anteile an einem Tempel, der Kybernetik und Bioniks herstellt. Ich habe meine Apanage früher dadurch aufgebessert, in dem ich Werbung in meinem Bekanntenkreis für gewisse Implantate gemacht habe. Konnte ich einen Vertrag abschließen, bekam ich ein paar Throne extra auf meine Apanage. Deswegen habe ich ein fundiertes Wissen darüber, was möglich ist und was nicht. Und das, was wir hier sehen, ist definitiv nicht mit Ware aus einem offiziellen Tempel des Mechanicus möglich." "Deutest du damit an, dass diese Implantate von einem abtrünnigen Techpriester, also einem Heretec stammen?" "Würde durchaus Sinn ergeben." "Wenn wir das dann noch beweisen können, verpetzen wir Alphonsus Cascandor an das Adeptus Mechanicus oder an die Inquisition", schlage ich zwischen Sarkasmus und Ernst schwankend. Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Aber wir wissen Beide, dass ein so mächtiges Adelshaus wie das der Cascandor über dem Gesetz steht. Ganz abgesehen davon, dass es auch gut möglich ist, dass diese Modifikatoren der Spezifikation des Omnissiah entsprechen. Nur weil eine Kurtisane behauptet, diese Bionics und Kybernetik die Alphonsus eingebaut hat, dass sehe ich durchaus als Fakt an, wären aus der Quelle eines Heretecs, heißt das noch lange nicht, dass die Cascandors durch gute Beziehungen legal an diese Implantate gekommen sind. Manche Häuser haben eben sehr gute Kontakte zu den entsprechenden Tempel, andere weniger. Das Haus Conari steht solchen Modifikationen eher ablehnend gegenüber, andere haben keine Scheu, sich alles mögliche einzubauen. "Kein Grund Sarkastisch zu werden, ich versuche nur zu helfen, Flavion", rechtfertigt sich Augusta. "Dafür bin ich dir auch ehrlich dankbar", erwidere ich bar jeder Ironie. "Aber mir war schon bewusst, dass eine solche Geschwindigkeit nicht natürlich ist. Gut, jetzt weiß ich, er hat ein künstliches Herz, bionisch verstärkte Muskeln und einen Drogenspender implantiert. Gibt es dafür Gegenmaßnahmen?" "Künstliche Herzen sind normalerweise genau aus diesem Grund komplett gegen drahtlose Übertragungen abgesichert. Ich würde sagen, er steuert ihn über eine interne GIE, ebenso den Drogenspender, der Wahrscheinlich irgendwo unter seiner Gürtellinie angebracht ist." "Wäre es hilfreich, wenn ich ihm in den Hintern trete?", frage ich scherzhaft und Augusta lacht auf. "Wir sammeln erst Informationen, aber wenn wir ein Gesamtbild haben, finden wir gemeinsam auch eine Lösung", versucht mir Augusta ihre Methode zu vermitteln und mir etwas Mut zu machen. Sie kommt wieder etwas näher, ergreift die Initiative, in dem sie ihren Arm um meine Schulter legt und küsst mich kurz. Das hat durchaus etwas tröstend rührendes an sich. "Gut, irgend eine Idee, warum Alphonsus seine Gegner an die Tür nagelt, wenn er die Möglichkeit dazu hat?", wechsele ich das Thema, nachdem wir uns gelöst haben. "Das ist eine gute Frage. Die Tür ist gegenüber der Richterloge, darunter ist eine Statue des Imperators. Links und rechts neben der Tür stehen Statuen von Golgota Angevion und Drusus. Das ganze hat schon fast etwas von einem Blutopfer, dass er so dem Imperator bringt, ohne dass die zwei Gründer des Sektors etwas davon mitbekommen." "Das Haus Cascandor ist relativ neu und deswegen bei den alten Familien gering angesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass er damit seine Verachtung der alten Häuser zur Schau stellt", bringe ich mal mein Fachwissen mit ein. "Durchaus möglich, dass ist eine durchaus schlüssige Erklärung. Was ist dir sonst noch aufgefallen?" "Er kämpft linear. Ob das nun damit zu tun hat, dass er seine Gegner bevorzugt in Richtung Tür treibt oder weil er es so gewohnt ist, kann ich nicht sagen." "Der berühmte Balken, entweder man hasst ihn oder liebt ihn", merkt Augusta an. "Ich habe ihn gehasst. Einmal bin ich so unglücklich drauf gefallen, dass ich den restlichen Tag mit einer Eispackung im Schritt im Bett lag. Das hat vielleicht mal Weh getan. Meine Vasallen Kleist und Mikael kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu Sorgen." "Ja, so zu stürzen tut verdammt weh, auch einem Mädchen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Und bei Mädchen ist der Balken immer schmaler, das tut dann richtig weh", erzählt sie mir mal was von sich, ohne das ich nach bohren muss. "Mein Balken steht noch unten im großen Saal. Zeig mal, ob du es noch drauf hast", vordere ich sie auf. "Klar, sehen wir mal, was du so drauf hast", foppt sie mich. Unten im großen Saal steht an der Wand der lange Balken. Sorgfältig poliert und die vielen Macken, die er in den Jahrhunderten Dienst abbekommen hat, sind nicht alle überschliffen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Generationen von Kindern meines Hauses hier ihre Lektion über Balance bekommen haben, aber unten sind Initialen und Jahreszahlen eingeschnitzt und die älteste ist über siebenhundert Jahre alt. Der Saal, eigentlich es eine Halle, wird von drei gewaltigen Kronleuchtern erhellt, die mit fortschrittlichen elektrischen Leuchgloben bestückt sind. Die ganzen Fenster meines Wohnbereiches zeigen auf diesen Bereich. Primär habe ich ihn immer als Traingsraum benutzt. Hier habe ich das Fechten, den Waffenlosen Nahkampf in drei Stilen und das Pistolenschießen erlernt. An einer Wand hängen unzählige Trainingsschwerter, alle sehen aus, als wären sie gerade eben gesäubert worden. Schließlich habe ich ein Mädchen, dass den ganzen Tag nichts anderes tut, als hier für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Augusta schaut sich um und schält sich dann aus ihre Kleidung, bis sie Barfuß in dunklen Leggins und einem Spagetti Top da steht. Darin sieht die Kurtianse ziemlich Sexy aus. Mit einem roten Haarband bändigt die junge Frau ihre Mähne. Sie nimmt ein zweihändiges kurzes Krummschwert aus schwarzen Holz an sich. Mehrmals schlägt sie Probehalber damit zu. Dann wirbelt sie das Trainingsschwert locker von einer Hand in die andere, bevor sie mehrmals auf und abhüpft, wahrscheinlich um ihre Muskeln zu lockern. Das Hüpfen ihrer Brüste hat einen deutlichen Schauwert, den ich zu genießen weiß. "Dann schauen wir mal, ob ich die Balkenkata noch drauf habe", meint sie und springt mit einem kurzen Anlauf gewandt auf den Balken. Mühelos hält sie nach der Landung die Balance. "Ich hab mit vier angefangen, ernsthaft mit einem hölzernen Schwert zu trainieren und mein Lebenswart Caine war mein erster Fechtmeister. Mit Sechs habe ich dann zum Geburtstag mein erstes scharf geschliffenes Schwert bekommen und hatte dann einen extra Fechtlehrer. Wann hast du angefangen, zu trainieren?", frage ich sie mal aus. "Ich mit Sechs. Eine für mich damals uralte Fechtlehrerin von dreißig Jahren war unsere Meisterin. Sie sah immer aus, als hätte sie gerade eine Ladung bitteren Sperma schlucken müssen", erzählt sie mir lächelnd und beginnt dann auf dem Balken zu wirbeln. Da sie "unsere" sagt, heißt, dass sie nicht allein trainiert hat. Ich muss gestehen, was sie da abliefert, ist überaus beeindruckend. Sie wirbelt, schlägt Rad, macht einen Salto und das alles mit einem Schwert in der Hand auf einem schmalen Balken. Und dabei sieht sie nicht nur gut aus, sondern das ganze wirkt fast schwerelos, als würde sie diese Kata noch jeden Tag üben. Die Frau kann in der Beziehung wirklich was. "Ta da", meint sie durchaus zufrieden grinsend ihre Arme nach Beifall heischend nach oben ausstreckend, als sie die Kata beendet, bevor sie sich meinen Applaus huldvoll entgegennehmend vor mir verbeugt. "Das war Thronverdammt gut!", zolle ich ihrer Leistung ehrlichen Respekt. Als nehme ich mein übliches Trainingsschwert aus Holz und springe auf den Balken. Mit meine ersten Erinnerungen sind auf diesem Gerät. Damals hat mich Caine noch trainiert. Ich sehe Caine, wie er mir streng, aber wohlwollend zusieht, meine Haltung hier und da leicht mit einem zärtlichen stupsen seines Stockes korrigiert und mir zeigt, wie es Richtig geht. Meine damaligen Vasallen Kleist und Mikael schauen mir zu, ebenso die dunkelhaarige Frau in ihrem zugeknöpften dunkelroten Kleid mit dem Namen Samaria, die damals für mich einfach nur Mama war. Ihr Blick voller Stolz, Liebe und Zuneigung. Das ist einer der Momente, wo mir schmerzlich bewusst wird, wie ich meine Gouvernante vermisse. Wenn ich ehrlich bin, wird sie in meinem Herzen immer meine wahre Mama sein, die mir die notwendige emotionale Wärme gegeben hat. Die neben meinem Bett saß, wenn ich einen Albtraum hatte und mich dann geduldig in den Schlaf sang. Die mich getröstet hatte, wenn ich mich verletzt oder einen Fehlschlag hatte. Die neben mir saß und mir geduldig das schreiben beibrachte. Nakagos wirre Gedanken Das ist ein eher ruhiges Kapitel mit ein paar Informationshäppchen. Anfangs war das Kapitel deutelich länger, hab es dann aber geteilt, weil es einfach zu lang wurde. Vielen Dank für das Like.
  10. Castle Heterodyne? Sagt mir jetzt gar nix. Kapitel XII "Autsch, dass hat jetzt bestimmt weh getan!", kommentiert mein drei Jahre älterer Bruder Novus den Ausgang von Duell 177. Auf dem Televid in meinem großen Studienzimmer ist zu sehen, wie Alphonsus Cascandor einem armen Tropf aus dem Haus Horne sein Schwert durch das Herz rammt. Der Kampf hat ganze siebzehn Sekunden gedauert. Davon war der oberster Schiedsmann von Cascandor fünfzehn Sekunden lang damit beschäftigt, seinen Kontrahenten quer durch die Arena auf die Tür zu treiben, wo er ihn nun mit "Herzensbrecher" festnagelt, in dem er das Schwert durch das Herz des bedauernswerten Mannes treibt. Für ein paar Sekunden zuckt der Körper im Todeskampf noch wie ein mit einer Nadel aufgespießter Käfer, dann erschlafft der Leichnam. "Je mehr ich von diesen Kämpfen anschaue, desto mehr schlechte Befürchtungen habe ich über den Ausgang", merkt Gallus an. Zwei meiner Brüder schauen sich mit mir die gesammelten Werke unserer Familie über Alphonsus Cascandor an. Auf einem Wägelchen von unsere Hausbibliothek sind alle Medien ordentlich aufgereiht, was wir zu diesem Thema haben. Bücher, Journale, Zeitungen und Speicherkristalle. "Macht mir doch nur Mut!", rufe ich theatralisch aus. "Vielleicht solltest du dir das mit dem Exil in der Koronusweite noch einmal überlegen", mahnt Gallus an. "Dienst auf einem leichten Kreuzer wäre vielleicht nicht das schlechteste, was dir passieren könnte", haut Novus in die gleiche Kerbe. "Würdet ihr an meiner Stelle den Rückzug antreten?", frage ich meine beiden Brüder. Quintus hat sich nicht blicken lassen, ist angeblich damit beschäftigt, den Schlamassel aufzuräumen, den ich angerichtet habe. "Ehrlich gesagt würde ich an deiner Stelle ernsthaft über diese Alternative nachdenken", erwidert Novus und ich denke, er meint es wirklich ehrlich. "Du lässt keine Frau oder Kinder hier zurück. Du hat ein Offizierspatent von der angesehensten Militärakademie des Calixis Sektors, du würdest sofort einen Zug Marineinfanterie kommandieren, in einem Jahr als Hauptmann eine Kompanie und in fünf als Major eine Abteilung. Onkel Ravion ist zwar jetzt nicht gerade mein Lieblingsonkel, aber er wäre sicherlich froh, einen fähigen Neffen an seiner Seite zu haben", versucht Gallus mir die Sache schmackhafter zu machen. "Es muss ja auch nicht unbedingt für immer sein. In ein paar Jahren könnten andere Umstände dafür Sorgen, dass die Anklage fallen gelassen wird und du zurück kehren kannst", argumentiert Novus weiter. "Und die Audacia ist nicht Moruf, wo nie etwas passiert." Moruf ist eine Agrarwelt, dessen gesamte nördliche Hemissphäre im Besitz meiner Familie ist. Die erste Erwerbung meines Vorfahren. Eine Agrarwelt, wo man tausend Klicks weit laufen konnte, ohne eine einzige Wildblume zu sehen, weil alles bewirtschaffbare Land von gewaltigen Feldern bedeckt ist. Das System befindet sich am Ende einer Route, die nach Scintilla führt und es gab das geflügelte Sprichwort: So aufregend wie die Nachrichten von Moruf. Weil es eben keine aufregenden Nachrichten von dieser Welt gab. Exzentrische Verwandte und solche, die über Gebühr unangenehm aufgefallen waren, fanden sich recht schnell auf einem unwichtigen Posten auf dieser Welt wieder. Unter anderem verwaltete meine exzentrische Tante Megera dort eine Insel im nördlichen Meer, wo sie mit ihren wahnsinnigen Ideen niemanden sonst auf dumme Gedanken bringen konnte. "Seid ihr hier, um mir zu helfen, oder mich in eine Richtung zu treiben, die unseren Eltern genehm ist?", beschwere ich mich über die mangelnde Unterstützung. "Beides. Wir haben jetzt zwölf Kämpfe angesehen und ich kann keine Schwachstelle erkennen", meint Novus. "Ich habe schon fünf Duelle auf Leben und Tod als Schiedsmann unserer Familie vor Gericht bestritten und ich weiß, ich würde genau so schnell sterben wie der arme Kerl da. Ich weiß, dass du ein guter Fechter bist, vielleicht sogar etwas besser als ich, aber das hier ist mehr als eine Nummer zu groß für dich, wie für Gallus und auch für jeden anderen unserer Schiedsmänner." "Vielleicht ist es an der Zeit der Realität ins Auge zu blicken, kleiner Bruder. Du hast die Wahl zwischen einem Thronverdammt sicheren Tod in der Arena und einer Karriere als Offizier auf einem Freihändlerschiff unserer Familie in der Koronusweite." Die Stimme von Gallus hat etwas beschwörendes an sich. "Ich bin unschuldig! Ich habe keinen Mord begangen, da wir uns duelliert haben! Und ich werde das vor Gericht beweisen!", erwidere ich leicht aufgebracht. Ich kann sehen, wie die beiden sich bezeichnend anschauen. Ohne das meine Brüder es aussprechen weiß ich, dass sie mich für Größenwahnsinnig halten und mir keine Chance geben, den Kampf zu überleben. "Unser Cousin Oliviero hätte vielleicht inzwischen das Potential entwickelt, Alphonsus zu töten. Dumm nur, dass er seinen 700 Groxstarken Herausforderer zu Schrott gefahren hat", merkt Gallus an. "Wie gut das Quintus nicht hier ist. Allein die Erwähnung des Namen Oliviero lässt ihn in die Luft gehen. Deswegen hat er heute noch schlechtere Laune gehabt als sonst", gibt Novus seinen Senf dazu. "Was hat den Cousin Oliviero wieder angestellt?", frage ich durchaus neugierig und mir kommt ein Themawechsel gerade durchaus gelegen, da ich mich momentan etwas von der für äußerst deprimierenden Realität ablenken will. Was Crestus für das Haus Cascandor in Sachen Schwarzes Schaf war, ist Cousin Oliviero das meines Hauses. Er ist der jüngste Sohn des Zwillingsbruders meines Vaters, wenige Wochen nach dessen Niederlage in der Arena geboren. Schon früh wurde mein Cousin auf eine Kariere als Schiedsmann eingestimmt. Es kann durchaus sein, dass mein Vater seinen Neffen als Rächer aufbauen wollte. Aber vielleicht ist das zu weit hergeholt, da niemand damals hat ahnen können, dass Alphonsus fünfundzwanzig Jahre lang die Gerichtsarena dominieren würde. Ich kenne ihn gut, hatte mehrmals exklusive Fechtstunden bei ihm, was in meinem Haus damals für jeden Spross als absolute Belohnung galt. Oliviero war nicht nur ein überaus fähiger Fechter, sondern damals die Art Mensch, mit der man gerne zusammen war. Locker drauf, nie um einen coolen Spruch verlegen und durchaus in der Lage, äußert trockene Lektionen interessant zu gestalten. Es gab eine Zeit, da war er mein absolutes Vorbild und versuchte mich sogar wie er zu kleiden, was bei einem Zwanzigjährigen Fesch aussieht, sieht bei einem Dreizehnjährigen nur lächerlich aus. Meine Gouvernante schimpfte mich wegen meines Kleidungsstils mehr als einmal aus und änderte auch genau so oft meine Garderobe nach ihren Vorstellungen. Damals war mir das zuwider, aber inzwischen bin ich ihr dankbar, da sie durch ihre Intervention verhindert hat, dass ich mich vor aller Welt lächerlich machte. Die Damenwelt lag Oliviero zu Füßen. Schneidig, amüsant, gebildet, schlagfertig, reich, trainiert, einfühlsam und Thronverdammt gutaussehend. Die Art Mann für die jede Dame von Welt für ein amouröses Abenteuer zu haben war. Er löste dadurch einige Verwicklungen und Duelle aus. Aber das war alles im akzeptablen Rahmen unseres Standes. Alles änderte sich vor etwas mehr als zwei Jahren, als er einen schrecklichen Unfall mit seinem Selbstfahrer hatte. Die meisten Adligen haben einen Chauffeur oder Leibwächter, der ihr Fahrzeug steuert. Aber manche Adlige haben die Faszination des Selbstfahrens entdeckt und einige Manufakturen bieten wohlhabenden Kunden schnelle, leistungsstarke Fahrzeuge an, die absurd Übermotorisiert sind. So ein Fahrzeug steuerte Oliviero, als er seinen schrecklichen Unfall erlitt. Mit halsbrecherischer Geschwindigkeit raste mein Cousin nach durchzechter Nacht durch das morgendliche Tarsus, kurz bevor die Schola begann. Kleine Kinder überquerten in großer Zahl eine Straße, die von Lotsen abgesperrt war. Im Suff umfuhr Oliviero die wartende Kolonne und bahnte sich mit unverminderter Geschwindigkeit durch die Schulkinder. Eines soll weit über hundert Meter geschleudert sein, eines landete im dritten Stock und ein weiteres wurde vier Klicks weiter geschleift, bis Oliviero in einen Vierachser krachte. Spötter bezeichnen den Herausforderer als Crashkäfig mit Motor auf vier breiten Rädern. Jedes andere Fahrzeug hätte es bei einem Aufprall bei einer solchen Geschwindigkeit einfach zerrissen. Trotzdem wurde Oliviero sehr schwer verletzt. Die zersplittert Glasscheibe zerschnitt sein Gesicht und ein Splitter drang in sein linkes Auge ein und blendete ihn. Dazu erlitt er ein massives Schädeltrauma und mehr als ein Dutzend Knochenbrüche. Es dauerte ein Jahr, bis er halbwegs wieder hergestellt war. Trotz mehrerer Operationen konnte nichts die mechatronische Gesichtsprothese kaschieren. Auch war sein linkes Auge ein offensichtlicher kybernetischen Ersatz. Auch konnte er nur noch sehr langsam und stockend sprechen, obwohl er auch dafür einen kybernetischen Ersatz implantiert bekam. Mit seinem strahlenden Äußeren war es vorbei und damit auch mit dem Erfolg bei den Damen. Er konnte bald wieder fechten und nahm seinen Dienst als Schiedsmann auf. Bei seinem ersten Duell auf das erste Blut tötete er bei einer Gerichtsverhandlung wegen einer Bagatelle einen alten Schiedsmann des Hauses Machenko, dann einen des Hauses Horne und so ging es weiter. Nach zehn solcher Fouls wurde er dann Lebenslang vom Schiedsgericht gesperrt. Seitdem ging es immer weiter Bergab mit ihm. "Oliviero ist einem Zimmermädchen unakzeptabel zu Nahe gekommen", erzählt Gallus und schüttelt missmutig den Kopf. "Das ist ja nichts neues", meine ich dazu, da es im Haus allgemein bekannt ist, dass er sein weibliches Personal für seine sexuellen Bedürfnisse benutzt. "Zum einen hat das Zimmermädchen nicht zu seinem Haushalt sondern dem von Quintus gehört, zweitens ist die Kleine erst Vierzehn und drittens war das wohl eine ziemlich brutale Vergewaltigung. Es ist fraglich, ob sie durchkommt", erklärt mir Novus durchaus aufgebracht. "Beim Goldenen Thron! Das ist wirklich Thronverdammt übel! Kein Wunder, dass Quintus so sauertöpfisch aus der Wäsche schaut", meine ich dazu. "Ist es sicher, dass es Oliviero war?" "Er hat selbst den Medicus mit den Worten verständigt: Ich glaube, ich hab da was kaputt gemacht!" Ich kann Novus ansehen, dass ihm das ganze ziemlich Nahe geht. "Und was gedenkt Vater nun zu tun?", bohre ich weiter. "Quintus wäre dafür, Oliviero in die Grünen Gemächer zu verbannen, da unleugbar sein Hirnschaden immer deutlicher zu Tage tritt. Aber Vater ist ja dafür bekannt, dass er sehr nachsichtig zu den Kindern seines Zwillings ist...", erklärt Gallus. "Lass mich raten, Vater schickt unseren Cousin stattdessen nach Moruf?" "In der Tat, kleiner Bruder, in der Tat!" Ich kann Novus ansehen, dass er ebenfalls die Grünen Gemächer favorisiert hätte. "Wenn ich die Herren kurz unterbrechen dürfte, Lady Augusta ist gerade angekommen und wartet im kleinen Saloon", unterbricht Caine unsere "Sitzung" gerade im richtigen Moment. "Ich werde sie umgehend begrüßen. Ich denke, wir sind hier fertig", meine ich zu meinen Brüdern, die nicht hier sind, um mich zu unterstützen, sondern, um mir klar zu machen, dass ich in der Arena sterben werde. Und das schlimmste ist, dass sie mit dieser Einschätzung richtig liegen könnten. "Nun gut, sehen wir uns deine kleine Neuerwerbung mal an", meint Gallus vom Themawechsel nicht enttäuscht. "Ein Jammer, dass sie in einer Woche einen neuen Gönner suchen muss", nervt Novus weiter. Ich weiß, dass beide es eigentlich gut mir meinen, aber etwas mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten wäre vielleicht die größere Hilfe. Wobei eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf meint, dass sie durchaus mit ihrer Einschätzung recht haben könnten. Momentan habe ich wirklich keine Ahnung, wie ich diese schier unbesiegbare Kampfmaschine erledigen soll. Auf einem Zettel habe ich mir schon fleißig Notizen gemacht, aber ich werde selbst nicht mehr schlau daraus. Vielleicht ist es auch schon zu spät, um klar zu denken. Ich war den ganzen Tag unterwegs und die Zeitverschiebung hat mir noch nie gut getan. "Das ist nicht lustig, Novus", meine ich und gebe ihm einen Knuff auf den Oberarm. "Au, nicht schlagen!" Theatralisch reibt er die Stelle, wo ich ihn geknufft habe. Wir gehen nach unten in den kleinen Salon, wo meine etwas füllige Haushälterin Rosetta gerade Lady Augusta einen frischen Kaf serviert. Meine Mätresse hat ganz rote Wangen und ein rotes Näschen wegen der für sie sicherlich ungewohnten Kälte da draußen. "Willkommen in meiner bescheidenen Unterkunft, Augusta", begrüße ich sie und hauche einen Kuss auf ihren wohlriechenden Wangen. "So bescheiden ist die gar nicht", meint sie lächelnd. "Und wer sind deine gutaussehenden Begleiter?" "Darf ich vorstellen, mein Bruder Gallus, General unserer Haustruppen." Gallus kommt nach vorne und haucht einen Kuss auf ihren Handrücken. "Angenehm", meint sie huldvoll lächelnd einen Knicks ausführend. "Und das ist mein Bruder Novus, einer der fünf Schiedsmänner meiner Familie", stelle ich meinen anderen Bruder vor, der ebenfalls galant einen Handkuss haucht. "Ebenfalls angenehm." "Meine Brüder waren gerade dabei zu gehen", meine ich zu ihnen, als sie immer noch auf meine Konkubine glotzen. Ich kann ihnen ansehen, dass sie sich überlegen, sie darauf anzusprechen, was sie zu tun gedenkt, wenn ich in einer Woche tot bin. "Einen vergnüglichen Abend noch", wünscht mir Gallus mit einem breiten Grinsen im Gesicht, dass mehr als nur anzüglich ist. "Meine Empfehlung", meint Novus und verbeugt sich noch einmal galant. Ich sehe mich genötigt, die beiden nach draußen zu eskortieren, bevor es peinlich wird. "Da hast du aber eine wirklich süße Kurtisane an Land gezogen", merkt Novus an. "Die ist garantiert jeden Thron wert!", meint auch Gallus. "Das ist sie sicherlich und nun ab mit euch!" Endlich habe ich sie raus komplimentiert und zeige nun Lady Augusta ihr persönliches Zimmer. Es liegt zwar im Gesindeflügel, gehört aber zu den größten Gesindezimmern und hat meiner Gouvernante gehört, von denen noch einige Dinge hier herum stehen. Auch hat es einen direkten Zugang über mein Ankleidezimmer zu meinem Schlafzimmer. "Wohnt hier noch jemand?", fragt Augusta deswegen nicht zu unrecht. "Hier wohnte bis vor zwei Jahren meine Gouvernante Samaria. Sie ist leider verstorben und da ich sehr an ihr hing, habe ich es nicht über das Herz gebracht, alle ihre Dinge zu entfernen. Ich hoffe, es stört dich nicht allzu sehr, dass hier noch ein paar Erinnerungsstücke an sie herumstehen." "Du hast sie sehr geliebt", merkt Augusta an und dirigiert einen der Hausdiener, wo er ihren schweren Schrankkoffer hinstellen soll. Sonst hat ist nur noch eine schwarze Handtasche, eine Reisetasche und eine Umhängetasche dabei. Für eine Frau also sehr leichtes Gepäck. Auch hat sie keine eigene Zofe mitgebracht, von dem ich eigentlich ausgegangen bin. "Ja, dass habe ich", bestätige und huste einen Klos aus dem Hals. "Ist schon in Ordnung", meint sie mitfühlend und legt mir tröstend eine Hand auf die Schulter. Ich schätze diese kleine Geste durchaus. Dann schaut sich das Bad an, dass aus einer Badewanne, Nasszelle, Toilette und Waschbecken besteht. Dann den begehbaren Wandschrank, der bis auf ein paar Dinge ausgeräumt ist. "Das ist Nett hier." "Schön, dass es dir gefällt. Willst du erst auspacken?" "Nein, dass mache ich später. Ich habe gehört, du hast ein ernstes Problem am Hals." Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. "Schlechte Nachrichten verbreiten sich offensichtlich schnell", merke ich dazu an. "In der Tat. Die Verhandlung ist in sieben Tagen. Schon eine Strategie entwickelt, Alphonsus Cascandor zu besiegen?", fragt die junge Kurtisane mich und ich bin überrascht, dass sie so gut informiert ist. "Ich bin noch am sichten des Materials", erwidere ich etwas lahm, straffe mich dann und fahre erklärend fort: "Wenn ich alle notwendigen Informationen habe, werde ich meinen Gegner analysieren und dann eine hoffentlich erfolgreiche Strategie entwickeln. Dann werde ich alles mobilisieren und organisieren was dafür notwendig ist, um Alphonsus Cascandor zu besiegen." "Zeigst du mir, was du schon hast?", fragt sie mit einem so lieblichen Lächeln, dass ich nicht Nein sage. Also führe ich sie in mein großes Studierzimmer. Sie nimmt ihre Umhängetasche mit. Interessiert lässt sie ihren Blick durch den Raum schweifen, dessen Glanzstück sicherlich der gewaltige zwei Meter Breite Televid Schirm mit seiner wuchtigen Multimediaeinheit ist, an der mehrere Reinheitssiegel für gute Laune beim Maschinengeist sorgen. Vor dem Fenster zum großen Saal steht mein Schreibtisch mit meinem Cogitator. An den Wänden ziehen sich Regale bis zur Decke mit meinen Büchern. Ich kann sehen, wie sie einige der Titel ließt. Besonders die Bücher, von denen man ansieht, dass ich sie gelesen habe, da ich viele mit herausstehenden Zeichen markiert habe, um schnell etwas nachschlagen zu können. "Bis jetzt habe ich das", meine ich und zeige ihr meinen Zettel mit Notizen. "Aha? Kannst du mir erklären, was diese kryptischen Zeichen bedeuten?" Unentschlossen dreht sie den Zettel mehrmals hin und her, weil nicht klar ersichtlich zu sein scheint, wo oben und unten ist. "Na ja, wie gesagt, ich bin noch am sichten", erwidere ich ziemlich lahm, da bis jetzt noch nicht wirklich etwas handfestes heraus gekommen ist. "Mhmhm", meint die Kurtisane dazu nur. "Gibt es in diesen Werken oder Speichersteinen eine Aufschlüsselung der Kämpfe?" Sie zieht eines der Hochglanzjournale heraus und blättert durch die Abbildungen von Alphonsus Cascandor, der dort in knapp sitzender Hose und offenem Hemd posiert, wo man gut seinen gut modellierten Oberkörper sehen kann. Wobei ich denke, in einem Modellkontest hätte ich vielleicht eher eine Chance ihn zu besiegen als im Schwertkampf. Dies ist eher ein Propagandawerk für weibliche Verehrerinnen, was eigentlich nicht wirklich irgend etwas aufschlussreiches bietet. Sie schient zum gleichen Schluss zu gelangen und stellt es wieder zurück. "Kann schon sein...", meine ich dazu, da ich keine Ahnung habe. "Gut, wie wäre es damit, ich durchsuche die Speicherkristalle nach verwertbaren Tabellen, du die gedruckten Medien?", fragt sie mich und zieht aus ihrer Umhängetasche einen sehr stabil und doch sehr kompakt wirkenden Cogitator hervor. Das Gehäuse ist aus gebürstetem Adamantium und beginnt sofort hochzufahren, als sie es aufklappt. Das Gerät ist auch Innen so gut wie nicht verziert. Die Lüfter sind recht laut und damit sehr Leistungsfähig. Das Symbol für Windows 40 000 Ultra erscheint, damit hat sie eines der teuersten Betriebssysteme überhaupt auf ihrem Cogitator. "Meine Stimme ist mein Schlüssel. Gamma Ito Delta Alpha Zwo Drei Zero. Der Imperator beschützt!", sagt sie in eine Öffnung am Bildschirmrand und haucht hinein. Mit Spracherkennung, Code und ihrem Atem ist ihr Cogitator ziemlich gut geschützt. Nun ploppt die Bedienoberfläche auf und sie legt den ersten Speicherstein hinein. "Hast du nicht Angst den Maschinengeist zu verärgern, so ganz ohne Rituale des Hochfahrens?", frage ich sie etwas perplex über ihr rüdes Verhalten gegenüber dem Cogitator, der bar jeden Reinheitssiegels ist. "Dieser ganz liebe Maschinengeist mag mich einfach", erklärt sie schelmisch grinsend das Gehäuse zärtlich streichelnd und schon wischt sie sich durch die Dateien hindurch. Ich besinne mich darauf, dass ich ja die Bücher, Journale und Zeitschriften nach brauchbaren Aufschlüsselungen der einzelnen Kämpfe durchforsten soll. Das meiste dürften Propagandawerke sein. Aber es gibt ein dickes Journal, welches die hundert ersten Kämpfe analysiert, geschrieben von einem Meister der Schwertkampfkunst mit dem Namen Alantos Bligh. Das Papier wie die Aufmachung ist äußerst einfach gehalten, aber es bildet auf einer Doppelseite jedes Duell detailliert ab. Angefangen von der Streitsache, die vor Gericht ausgetragen wurde und eine Biographie der Gegner. Als ob die Hand des Imperators mich leiten wollte, habe ich den Kampf Nummer siebzehn aufgeschlagen, Thomas Conari, der Zwillingsbruder meines Vaters, einst General der Haustruppen und oberster Schiedsmann des Hauses. Neununddreißig Duelle hatte er damals schon gewonnen gehabt. Dreiundvierzig Jahre alt, so alt wie Alphonsus heute. Ein Bild von ihm ist zu sehen, in seiner schnieken Generalsuniform in Rot Schwarz. Optimistisch lächelt er in die Kamera, in der Hand hält er Rabenklaue, dass Schwert, dass einst der Große Flavion Conari höchst selbst führte. Immerhin hat er Zweiundneunzig Sekunden überlebt. Einen Schnitt konnte er seinem Kontrahenten zufügen. Ein anderes Bild zeigt sie während des Kampfes, dass dritte und letztes wie er aufgespießt an der Tür lehnt. Stehend verendet wie die meisten Kontrahenten. "Was gefunden?", fragt Augusta neugierig ins Journal schauend. "Das ist der jüngere Zwillingsbruder meines Vaters", meine ich erklärend. Ihr Blick huscht über die Seite. "Das Journal könnte nützlich sein", meint sie dazu lakonisch und legt einen neuen Speicherstein ein. Mich macht das ganz fuchsig, dass sie dazu keine dafür vorgeschriebene Litanei singt. Jeder den ich kenne macht das, um den Maschinengeist nicht zu verärgern. Wobei manchmal auch eine inbrünstige Litanei nichts an der garstigen Laune eines Maschinengeistes zu verändern mag. "Ah, schau an, hier haben wir ja was!", meint sie schon fast fröhlich. "Eine detaillierte Auflistung bis Kampf 180. Damit können wir schon mal was anfangen." Sie scrollt so rasant durch die Daten, dass ich kaum was erkennen kann. Offensichtlich kann sie ziemlich schnell lesen. "Das ist äußerst praktisch und macht meine Liste obsolet", meine ich durchaus erfreut, da ich keine Zeit mehr darauf aufwenden muss, aus meinem eigenen Geschreibsel schlau zu werden. "Anhand dieser tabellarischen Liste können wir gewisse Anomalien herausfiltern. Welche Kämpfe waren besonders lang, wo war er besonders grausam und wo war er wegen was mal in Bedrängnis. Anhand dieser Daten können wir diesen Alphonsus analysieren und ihn verstehen. Wenn wir wissen, wie er tickt, können wir einen Gegenstrategie entwickeln", erklärt sie mir ihren Ansatzpunkt. "Hast du so was schon mal gemacht?", frage ich sie etwas misstrauisch, da dies nicht unbedingt das Aufgabenfeld einer Kurtisane abdeckt. Oder sie analysiert auf diese Weise ihre potentiellen Gönner. Ich frage mich, ob es in ihrem hochwertigen Cogitator irgendwo eine Datei und Listen mit unter anderem meinem Namen gibt. Nach einer Sekunde des Nachdenkens komme ich zum Schluss, dass es so sein muss. Ich hoffe nur, dass ich die Nummer Eins in der Kategorie: gutaussehend, vermögend und amüsant bin und nicht in: leicht auszunehmen, berechenbar und total blöd. "Sozusagen", bleibt sie äußerst vage. Mein Blick wandert von dem Hochleistungscogitator und ihr hin und her. Sie trägt den gleichen hochwertigen Schmuck wie vor ein paar Tagen im Bordell und ich denke, der ist Echt. Der Schmuck und der Cogitator dürften einiges Wert sein. Der Erlös dürfte reichen, um sich ein Zimmer in einer gehobenen Pension mit Vollpension zu leisten und zwar für eine verdammt lange Zeit. Die Not an Throne an sich haben sie definitiv nicht zur Kurtisane werden lassen. Sie hat ihren Cogitator im Griff und kommt mit den Anwendungsprogrammen in einer Geschwindigkeit klar, die mich schwindeln lässt. Wieder wird mir klar, dass ich recht wenig über Augusta weiß. Wer ist sie? Oder besser gesagt, was ist sie? Ich habe keine Ahnung, aber eines ist mir inzwischen klar, eine Adlige die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat ist sie definitiv nicht. Nakagos wirre Gedanken Wieder ein etwas längeres Kapitel, wo Flavion etwas orientierungslos versucht, der Situation Herr zu werden. Fand leider keinen Ansatzpunkt, es sinnvoll zu teilen. Vielen Dank für die Likes!
  11. Kapitel XI Endlich wird mir eine neue Hose vorbeigebracht und ich ziehe mich kurz um. "Wünscht mir Glück", wende ich mich an meine Brüder und will zum Fahrstuhl gehen. "Viel Glück! Nicht das dies dir nutzen würde. Vater besteht übrigens darauf, dass du die Treppe der tausend Bußen nimmst", merkt mein ältester Bruder Quintus an. "Das war jetzt ein schlechter Scherz, oder?", frage ich nach, da ich mir nicht vorstellen kann, wie ein Bittsteller behandelt zu werden. "Nein, Flavion, dass ist bitterer Ernst und ich denke, die Treppe zu nehmen, dient dazu, dir das klar zu machen", erklärt Quintus im normalen Tonfall. Keine Spur von Häme ist da raus zu hören, aber auch kein Mitgefühl. "Na dann, wir sehen uns", verabschiede ich mich zu meinen Brüdern und nehme schicksalsergeben die Tür zur Treppe. Natürlich könnte ich den "Wunsch" meines Vaters einfach ignorieren, aber ich schätze mal, ich habe ihn schon genug verärgert. Satte einhundertacht Stufen erwarten mich. Keine gleicht der anderen in Höhe und Länge. Die Wände des Aufganges sind von wuchtigen Gemälden aus der imperialen Geschichte geschmückt. Oder besser gesagt, von den Legenden. Da fliegt schon mal ein blonder Engel mit blau leuchtender Rüstung vom Himmel und mäht ganze Armeen von Renegaten mit ihrem flammenden Schwert nieder. Andere sind real, wie der Imperator, welcher die Schlange Horus mit seinem flammenden Speer aufspießt. Letztendlich geht es in den meisten Gemälden um Allegorien. Ich komme mir vor wie ein kleiner Scholajunge, der zum Zuchtmeister muss, weil er frecherweise Mädchen an den Haaren gezogen hat. Schließlich stehe ich vor der Tür und betrete den Vorraum, der eher die Ausmaße einer Turnhalle hat. Hier arbeiten emsig einige Buchhalter an Cogitatoren, Lexikanuseinheiten sind teilweise direkt mit Speicherbänken verbunden. Die Luft wirkt wie elektrisch aufgeladen und auch etwas überhitzt für meinen Geschmack. Ständig ist ein klacken vom Anschlagen von Tasten zu hören, ebenso ein ständiges Gemurmel, weil einige Angestellte mit Außenstellen telefonieren. Eine junge dunkelhaarige Schuldmagd mit Rundungen an den richtigen Stellen fährt mit einem Servicewägelchen durch die Reihen und reicht den Angestellten frisch aufgebrühten Kaf oder durchaus lecker aussehende Snacks. Hinter einem Podest steht einer der direkten Vasallen meines Vaters, ein breitschulteriger Mann in den Mitte Sechzigern in einem Anzug, der eher im Schnitt einer Uniform gleicht. "Ah, der junge Sünder hat sich endlich hier her bequemt. Dein Vater erwartet dich schon sehnsüchtig." Sein Tonfall hat durchaus etwas verärgertes an sich. Als würde er mit einem Lausbuben schimpfen, den er beim ausspähen der Mädchenumkleide erwischt hat. Ich könnte jetzt einen auf dicke Hose machen und ihn an seinen Vasallenstand erinnern, erachte dies aber als eher Kontraproduktiv. "Kann ich mir vorstellen", meine ich kurz angebunden und gehe auf die gegenüberliegende Tür zu, die eher ein massives Panzerschott ist. Auf dem Weg dahin stibitze ich mir noch einen Snack vom Servicewägelchen, was die durchaus attraktive Schuldmagd mit einem süßen lächeln quittiert. Links und rechts stehen wie Stauten je vier Gardisten aus der persönlichen Leibwache meines Vaters, welche ihre reich verzierten Bolter, Melter, Plasmawerfer oder leichtes Maschinengewehr zum Gruß präsentieren. Ich grüße sie respektvoll zurück. Fast lautlos gleitet das Schott auf und ich betrete einen kurzen Gang. Ein weiteres Schott öffnet sich erst, als sich das hintere geschlossen hat. Dieser Gang ist eine Todesfalle, welche jederzeit mit wirklich effektiven Giftgas geflutet werden kann. Nun betrete ich das Arbeitszimmer meines Vaters. Ein gewaltiges gotisches Buntglasfester ragt hinter dem wuchtigen Schreibtisch meines Vaters bis zur zwanzig Schritt hohen Decke hoch. Dies zeigt wieder den Gründer unseres Hauses mit gezogenen Schwert, auf das er sich wie der imperiale Engel stützt. Die anderen Wände sind voll mit Bücherregalen, welche die Familiengeschichte beinhalten. Und wo akribisch vermerkt ist, wer welche Apanage bekommt. Mein Vater hockt auf einem massiven Thron hinter seinem wuchtigen Schreibtisch, der auf einem massiven Podest steht und schaut äußerst missmutig zu mir herab. Links und rechts stehen Bildschirme auf dem Schreibtisch und ich kann das reflektierende flackern von ihnen im Gesicht meines Vaters sehen. Ja, er ist wirklich sauer. "Schön, dass du es hast einrichten können, hier zu erscheinen", begrüßt mich mein Vater in einem betont ruhigen Tonfall. "Womit kann ich dienen?", frage ich ihn einfach mal frei heraus. "Erleuchte mich!" Vater macht eine ausholende Geste nach oben, als wäre er ein Schauspieler in einem Drama, der um den Beistand des Imperators fleht. "Ich kann nicht ganz folgen?", frage, ich da ich nicht weiß, auf welchen Punkt er nun genau anspielt. "Genau das ist dein Problem, mein lieber Sohn. Was war meine oberste Order, als du in die St. Drusus Akademie eingetreten bist?" Sein Tonfall hat etwas lauerndes. "Keine Vendetta anfangen oder hochkochen lassen?", antworte ich verhalten. "Wie ich sehe, funktioniert wenigsten der Teil deines Gehirns noch rudimentär, welches für das Langzeitgedächtnis zuständig ist. Und darf ich fragen, warum du diese simple Anweisung ignoriert hast?" Seine Tonfall ist ziemlich schneidend, schon beinahe ätzend. "Crestus Cascandor hat es darauf angelegt und es ist durchaus etwas komplexer als es den Anschein hat", verteidige ich mich etwas lahm. "Mag sein, aber du hättest nur zur Tür hinaus gehen müssen, nicht wahr?" Offensichtlich hat einer seiner Emissäre oder Vasallen schon mit Kleist geredet. Oder mit Zeugen des Vorfalls. "So einfach war das nicht", stelle ich klar. "Einen Schritt nach dem anderen, dass hattest du, wenn mich mein durchaus noch funktionierendes Langzeitgedächtnis nicht täuscht, schon mit zwei Jahren ziemlich gut drauf. Tür auf, Flavion durch, Tür zu. Kein Duell, keine Vendetta, alle haben einen guten Tag. Also erleuchte mich, was war daran nun nicht so einfach?" Die Stimme meines Vater ist schneidend und ich denke, wir sind bei der Dreizehn angelangt, was den Grad seines Zornes anbelangt. "Crestus hat es provoziert, weil er mich wegen gewissen Dingen bei der Großen Jagd loswerden musste." Ich selbst finde meine Entschuldigung ziemlich lahm, besonders da ich mich nicht gerade eloquent wiederhole. "Dein ganze bisherige Existenz habe ich dich auf ein Leben an den Adelshöfen vorbereiten lassen. Provoziert zu werden ist da etwas ganz normales. Also mein Sohn, warum hast du eine Vendetta mit dem Haus Cascandor vom Zaun gebrochen. Von denen du wusstest, wie sehr sie die Güldenhand kontrollieren und damit einige nicht ganz so unwichtigen Einnahmequellen dieses Hauses, von dem übrigens auch deine überaus üppige Apanage bezahlt wird." Besonders die Worte "deine" und "Apanage" betont mein Vater mit ungewöhnlicher Schärfe. "Crestus hat eine Grenze überschritten und ich musste reagieren", rechtfertige ich mein handeln ein weiteres mal und komme mir vor wie eine Schallplatte mit einem Knacks. "Ah, der junge Crestus hat eine Grenze überschritten. Welche denn bitte schön, wenn ich fragen dürfte, mein lieber Sohn." "In der "Goldenen Dose" gab es eine Dienstleisterin, die mir sehr zugetan war. Die ich sehr schätzte und die ihre neun Geschwister materiell unterstützte. Diese hat er nur aus dem Grund brutal gefoltert und heimtückisch ermordet, um mich in ein Duell zu zwingen, um mich so zum schweigen zu bringen, dass er diese verdammte Karte von der Verbotenen Zone selbst besorgt hat und nicht ich. Diesen Frevel konnte ich ihn nicht durchgehen lassen." "So so, diesen Frevel, irgend ein vollkommen unwichtiges Habmädchen totzuschlagen, konntest du dem designierten Erben des Hauses Cascandor nicht durchgehen lassen. Ich wusste ja schon immer, dass du zu Größenwahn neigst, aber ich hätte nie gedacht, dass du es darauf anlegst, deine Schwester Zethania in Sachen Exzentrik zu überflügeln. Genau genommen hast du wohl auch gerade deine Tante Megera übertroffen und die ist wirklich verrückt mit ihren vollkommen abstrusen Ideen über Menschenrechte und Demokratie! Wenn du noch so weiter machst, erreichst du noch deinen Cousin Oliviero und der hat als stichhaltige Ausrede immerhin noch eine massive Kopfverletzung." Die Stimme meines Vaters ist deutlich lauter geworden. Besonders die Worte "Menschenrechte" und "Demokratie" speit er förmlich aus. Das er von einem "Habmädchen" spricht, zeigt, dass mein Vater schon einiges aus anderen Quellen von den Ereignissen in der Goldenen Dose erfahren haben muss. Wahrscheinlich hat mein Lebenswart schon einen Bericht verfasst oder gar mit meinem Vater direkt gesprochen. "Wie schon gesagt, Vater, es ist durchaus etwas komplizierter", versuche ich mich zu rechtfertigen und setze ihm grob von dem Hinterhalt, in die uns diese verdammte Karte geführt hat, den daraus folgenden Kämpfen und was danach gekommen ist, ins Bild. Auch erwähne ich ausdrücklich, dass Kleist versucht hat, mich von dem ganzen Schlamassel abzuschirmen, was nicht geklappt hat. "Deswegen hat Crestus mich in ein Duell zwingen wollen und ich habe ihn dazu gebracht, dass er mich fordert. Ebenso habe ich im Vorfeld schon zwei von Crestus Vasallen von ihm selbst neutralisieren lassen. Also hat Crestus dann seine zwei verbliebenen Vasallen vorgeschickt, die Kleist und ich dann ausgeschaltet haben. Das anschließende Duell war sicherlich aufgrund seines Verhalten nicht konform, aber letztendlich war das alles noch im Rahmen des Gesetzes. Crestus hat mich gefordert, dann gefoult, Kleist wurde schwer verletzt und ich habe den Erben des Hauses Cascandor dafür tot geschlagen." "Das war taktisch klug, aber strategisch gesehen war das die reine Katastrophe. Was hast du dir dabei nur gedacht? Du hast den Mistkerl doch neutralisiert und am Boden. Aber anstatt ihn zu fragen, woher er die thronverdammte Karte und wer ihn zu dieser Intrige angestiftet hat, schlägst du ihn einfach nur tot. Beim goldenen Thron von Terra, mein Sohn! Warum hast du diesen Groxdung nicht einfach verhört, bis er dir alle offenen Fragen beantwortet hat?", fragt nun mein Vater und schaut mich anklagend an. "In dem Moment wollte ich ihn nur noch vernichten. An das habe ich gar nicht gedacht, dass war wohl ein Fehler", gebe ich zu, da ich von rechtschaffenen Zorn erfüllt gewisse Aspekte durchaus vernachlässigt habe. "Ein Fehler mit großen Folgen für und alle und nicht nur für dich! Ich habe so viel mehr von dir erwartet und dann so was." Seine Stimme ist nun eher traurig und ich fühle mich durchaus von seinen Worten getroffen. "Eventuell habe ich die Konsequenzen meiner Tat etwas unterschätzt", lenke ich durchaus zerknirscht ein. "Ah, eventuell hast du das, ja, eventuell hast du das wirklich", mein Vater seufzt tief, fährt sich durch die Haare und hebt dann ein offiziell wirkendes Dokument hoch. "Eine Vorladung für eine Gerichtsverhandlung, dich betreffend." "Aha, und was wirft man mir vor?", frage ich perplex. "Lass mich mal kurz nachsehen", dabei schaut mein Vater mich zuerst prüfend an und mustert dann die Vorladung, als gebe etwas äußerst wichtiges dort zu entdecken. Ich denke, er hält mich für einen kompletten Idioten. "Ah, da steht es ja. Es geht da um so eine nichtige Kleinigkeit. Die behaupten doch tatsächlich vollkommen unverfroren, dass du ganz infam den zweiten Erben des Hauses Cascandor tot geschlagen hast. Wie kommen die nur auf eine solche Absurdität?" Ich hasse es wirklich, wenn mein Vater so mit Sarkasmus um sich wirft. Ich komme mir vor, als wäre ich Sieben und nicht schon fast neunzehn Jahre jung. "Das war ein Duell, wenn auch sicherlich ein chaotisches, da Crestus mir zuerst seine Vasallen, so weit noch möglich, auf den Hals gehetzt hat. Dann hat er eine Digitalwaffe auf mich abgefeuert, die Kleist beinahe getötet hätte. Also habe ich ihn entwaffnet und anschließend mit dem Korb meines Breitschwertes tot geschlagen. Das war die von mir bestimmte Waffe, auch wenn ich sie wohl etwas ganz klein wenig zweckentfremdet habe." "Ich sehe schon, ein Duell, dass wird sich ja dann klären lassen, wer Recht hat und wer nicht. Und zwar vor Gericht!" Die letzten Worte sind ziemlich leise und so langsam realisiere ich, was das Haus Cascandor hier versucht. "Ich trete gegen Alphonsus den Herzensbrecher als deren Schiedsmann an", stelle ich fest. Genau das, was ich eigentlich hatte vermeiden wollen. "Wie ich sehe, ist mein jüngster Sohn noch nicht gänzlich verblödet. Genau, du bist des Mordes angeklagt und ein Gottesurteil durch ein Duell wird entscheiden, ob du schuldig bist oder nicht. Und Mord an einen Adligen wird auch bei einem Adligen mit dem Tod oder im besten Fall, mit dem Eintritt in ein Strafbataillon geahndet. Es spielt also keine Rolle, ob ich einen unserer Schiedsmänner opfere, am Ende bist du früher oder später tot!" Den letzten Satz schreit man Vater heraus und hämmert mit der geballten Faust auf den Tisch. "Selbstverständlich werde ich selbst kämpfen", stelle ich gleich mal klar, dass ich keinen Schiedsmann brauche. "Gratulation zu deinem Tod, du thronverdammter Narr!", schimpft nun das Oberhaupt meiner Familie und zum ersten mal sehe ich ihn nun ohne seine Maske. Er wirkt müde, resigniert und traurig. Sieht so aus, als hätte er mich schon abgeschrieben. "Ich habe den Rekord bei der Großen Jagd gebrochen und in beiden Jahrgängen das Fechtturnier der St. Drusus Akademie gewonnen. Auch habe ich schon vier andere Ehrenhändel siegreich überstanden. Noch ist nichts verloren", wiegle ich mit mehr Optimismus in der Stimme ab als ich wirklich habe. Mein Vater fährt sich wieder durch die Haare und schüttelt dann den Kopf. "Da gratuliere ich dir, dass du in der Lage bist, ein paar ungezogenen Jungs etwas Manieren beizubringen und Muties im großen Stil abzuschlachten. Alphonsus Cascandor gilt nicht nur als der Beste Schwertkämpfer von Scintilla, sondern des ganzen Calixis Sektor. Seit gut fünfundzwanzig Jahren ist er ungeschlagen. Er hat vor Gericht 187 Duelle auf Leben und Tod absolviert. Daneben heißt es, er hätte so etwa zwei bis dreihundert weitere Ehrenhändel für sein Haus außergerichtlich geklärt und damit meine ich nicht die zum ersten Blut oder Aufgabe." Mein Vater stockt, nimmt einen Schluck Amasec aus einem geschliffenen Kristalglas mit dem Raben als Wappen und fährt dann mit müder Stimme fort. "Ich habe einen Bruder, einen Neffen und einen Cousin gegen ihn verloren. Dazu noch zwei wirklich fähige Schiedsmänner, jeder davon galt ihm seinerzeit als Ebenbürtig. Sie sind alle tot, alle! Und jeder einzelne von ihnen war ein sehr erfahrener Schwertkämpfer mit mindestens fünf Jahren Duellerfahrung vor Gericht. Ich habe einen imperialen Todeskult angeworben, um Alphonsus zu töten. Und sie sind ebenfalls gescheitert! Und jetzt willst du mir erzählen, du hättest eine Chance? Du dummer Junge! Was glaubst du, wer du bist. Der Auserwählte? Der eine unter einer Milliarde? Eine Romanfigur, welche die Schwachstelle entdeckt, die alle Deppen bisher übersehen haben? Thronverdammt! Ich hätte dich für klüger gehalten, Flavion. Für so viel klüger!" Er schüttelt den Kopf und fährt sich ein weiteres mal durch das Haar. Ich kann ihm jetzt durchaus ansehen, wie Nahe ihm das alles geht. "Ich war auch mal jung, ich war auch mal dumm und ich habe auch einen Haufen Groxdung produziert. Menschen machen Fehler. Menschen haben Schwächen. Deine sind Stolz, eine überzogene Loyalität zu denen, die du meinst beschützen zu müssen und deine offensichtliche Unfähigkeit, die Folgen deiner Taten abzuschätzen. Dazu noch die Arroganz der Jugend zu glauben, all das auch überleben zu können. So ist bist du eben. Du bist mein Sohn. Und ich liebe dich, auch wenn du offensichtlich ein vollkommener Narr bist. Was soll ich sagen, Flavion. Wenn du vor Gericht antrittst, bist du tot! Da brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. In zwei Tagen geht ein Transfer nach Wandererhafen. Von dort nimmst du eine Passage durch den Schlund, triffst dich auf Bruch mit deinem Onkel Ravion und dienst unter ihm als Offizier auf der "Audacia". Hinter dem Schlund hört der Arm der Imperialen Rechtsprechung auf und du bist in Sicherheit. Verabschiede dich von der Familie, dann bringt dich einer unser Guncutter zum Schiff", erklärt mir mein Vater nun in einem ruhigen Tonfall, der mir zeigt, dass das Strafgewitter nun vorbei ist. "Nein!", erwidere ich mit fester Stimme. Das ist nicht mein Weg. Ich will zwar eines Tages genau diese Route nehmen, aber als designierter Lordkapitän der "Audacia". Wenn ich jetzt gehe, werde ich niemals das Kommando übernehmen können, außer durch Meuterei. "Nein, was?", fragt mich mein Vater perplex. "Diesen Weg werde ich nicht gehen, Vater. Ich werde nicht fliehen, denn ich habe Crestus vollkommen legal getötet. Auch wenn ich mich wiederhole, er hat mich vor Zeugen gefordert. Ich habe, wie es mein Recht ist, Ort, Zeit und Waffe bestimmt. Das er dann gefoult hat, dafür kann ich nichts. Auch das dieses Duell so chaotisch ablief, ist nicht meine Schuld. Ich bin des Mordes nicht Schuldig und ich werde notfalls mit dem Schwert in der Hand bei einem Gottesurteil beweisen. Ganz abgesehen davon, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Ich bin nicht sicher, was auf der Großen Jagd passiert ist, aber ich denke, Crestus wurde von irgend jemand zu etwas angestiftet, dessen Komplexität ich nicht verstehe." "Das wiederholen von Fakten ist in diesem Kontext nicht zielführend, Flavion. Wir beide wissen die Wahrheit. Aber aufgrund der chaotischen Umstände könnte ein neutraler Außenstehender durchaus zu dem Schluss kommen, dass du aus reiner Rache Crestus Cascandor totgeschlagen hast. Und du hast grandios die Möglichkeit verpasst, Licht ins Dunkel zu bringen. Natürlich ist da im Hintergrund etwas gelaufen. Was genau werden wir so wohl nicht erfahren, da du ja Crestus, ja ich wiederhole mich, tot geschlagen hast! Die einzige weitere Person, die in dieser Angelegenheit involviert ist, euer Jahrgangslehrer Oberst York ist seit Tagen verschwunden. Entweder ist er so gut untergetaucht, dass man ihn niemals finden wird oder er ist längst tot, weil auch er nur ein Mittelsmann war", erklärt mir mein Vater ruhig und zeigt, dass er sich nicht nur schon Gedanken über die Ereignisse gemacht hat, sondern schon einiges in Erfahrung gebracht hat. Ich frage mich, ob ich meinem Familienoberhaupt und Vater überhaupt was Neues habe sagen können. "Und was meinst du, was dahinter steckt?", frage ich einfach mal neugierig. "Wie ich schon sagte, dank dir ist die Faktenlage momentan sehr dünn. Aus dem Bauch heraus würde ich meinen, dass das Haus Cascandor versucht, einen offenen Krieg gegen das Haus Conari zu führen und dies durch die Ereignisse um die Große Jagd rechtfertigen wollte. Aber genau so gut kann irgend ein anderes Haus dahinter stecken, welches von einem Krieg zweier mächtiger Häuser profitieren würde. Oder die Celestische Allianz will uns wegen der Dominanz unseres Hauses auf dem Agrarsektor schwächen, um höhere Preise für ihre Produkte durchzusetzen. Aber wie gesagt, darüber zu spekulieren ist müßig, da zu viele Häuser, Gruppierungen und Parteien von diesen Ereignissen profitieren würden." "Da habe ich wohl ziemlichen Mist gebaut, Vater", gebe ich zerknirscht zu, da ich viele Faktoren in dem Moment gar nicht bedacht habe und es dummerweise im Blutrausch unterlassen habe, die richtigen Fragen zu stellen. Diese Chance habe ich grandios vertan. "Es tut mir leid, Vater!" "Mir auch, mein Sohn, mir auch. Manchmal muss man seinen Stolz herunterschlucken und akzeptieren, dass man sich im rückwärtigen Raum neu formieren muss. Sei kein Narr, wirf dein Leben nicht weg gegen einen Gegner, der seit fünfundzwanzig Jahren unbesiegt ist", versucht mein Vater mich mit Worten zur Vernunft bringen. "Genau seit fünfundzwanzig Jahren. Alles hat ein Ende, auch ein Alphonsus Cascandor wird nicht jünger. Ich möchte zuerst noch meine Chancen selber analysieren", meine ich mit mehr Optimismus in der Stimme, als wie ich wirklich empfinde. "Wenn du bleibst, brichst du deiner Mutter das Herz." "Das ganze war ihre Idee, nicht wahr?" "Es war unsere gemeinsame Idee, dich weit weg in Sicherheit zu schaffen. Aber du bist erwachsen, du bist volljährig. Noch ist Zeit, überlege es dir in Ruhe." "Gut, ich werde mir zuerst ein eigenes Bild von der Situation machen, Vater!" "Nun gut, dann sage das deiner Mutter auch selber. Sie ist im Wintergarten", sagt mein Vater nach einem tiefen Seufzer. Vielleicht hat er die Hoffnung, dass meine Mutter mich umstimmen kann. "Komm dann wieder her, dann besprechen wir alles weitere, so oder so." "Gut, Vater, wir sehen uns", erwidere ich und bin entlassen. Im Wintergarten, quasi der zentrale Innenhof hinter dem Arbeitszimmer, finde ich meine Mutter auf einem Liegestuhl, umgeben von mehreren eher leicht bekleideten Frauen, von denen ihr eine die bloßen Füße massiert. "Hallo Mutter", begrüße ich die schwarzhaarige Frau, die nicht älter als fünfundzwanzig aussieht. Sie trägt skandalös wenig, aber das bin ich von ihr gewohnt. "Meine Lieben, seid doch so lieb und geht doch eine kleine Runde in diesem schönen Garten spazieren und bringt mir einen Strauss wohlriechender Blumen mit." Die Damen knicksen artig und schweben von dannen, wo sie zwischen den Pflanzen des weitläufigen Wintergartens verschwinden, der sich über mehrere Ebenen zieht. Ein Wasserfall, der über jede Ebene fließt, ist neben den Treppen das landschaftlich verbindende Element des Gartens, den meine Mutter selbst entworfen hat. Es riecht wenig überraschend nach Dschungel in dieser grünen Oase. Meine Mutter verbringt meistens hier ihre freie Zeit mit ihren "Hofdamen". Man könnte meinen, wir wären unter freiem Himmel, dabei sind wir mehrere Kilometer unter der Oberfläche. "Ich werde erst wieder ruhig schlafen, wenn ich dich in der Koronusweite weiß", fängt sich mir auch gleich an ein schlechtes Gewissen einzureden. "Momentan werde ich mich vor dem Duell nicht drücken, Mutter", meine ich mit fester Stimme. "Du willst dich doch nicht allen ernstes diesem brutalen Tier stellen!" Ihre Tonlage ist viel zu hoch. "Ich werde meinen Kontrahenten erst einmal in aller Ruhe analysieren und wenn der Gottimperator will, werde ich einen Weg finden, ihn zu besiegen." "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, deine Schwester Zethania in puncto Exzentrik zu übertreffen. Sei ein kluger Junge und hör auf deine Mutter. Gehe zu deinem Onkel Ravion und auf der "Audacia" bist du in Sicherheit!", ihre Stimme hat etwas sehr entschiedenes. "Nein, dass ist nicht die Lösung dieses Problems. Ich habe diese Vendetta reaktiviert und ich werde es zu Ende bringen." "Beim Licht des Imperators! Du musst in der Untermakropole giftige Dämpfe eingeatmet haben, die deinen Sinn für die Realität vollkommen eintrüben. Das einzige, was in der Arena des hohen Gerichtes passieren wird, ist dein Tod!" "Dinge können sich ändern, Mutter. Hab etwas vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich weiß, was ich tue." "Nein mein Sohn, dass weißt du nicht. Ich habe schon viele gute Männer vor Gericht sterben sehen. Und sie waren alles sehr erfahrene Kämpfer. Es gibt immer einen, der stärker als man selbst ist. Und steht in deinen vielen Büchern über Krieg nicht irgendwo, dass man keine Schlachten schlagen soll, wenn man weiß, dass man nur verlieren kann?" "Doch, so was steht unter anderem drin. Aber auch, dass man die Schwachstellen seines Feindes suchen und ausnutzen muss." "Das haben schon andere versucht und alle sind gescheitert. Ich frage mich, was mit dir passiert ist, mein lieber Junge. Du warst früher so ein liebes Kind. Das macht mich jetzt richtig traurig." Damit zündet meine Mutter ihre letzte Waffe, ihre Tränen. Ich habe gerade meine Mutter zum weinen gebracht. "Helden sterben jung, Feiglinge sterben tausende Tode. Ich werde mich vor meiner Verantwortung nicht drücken! Bete für lieber für einen Weg zu meinen Sieg, Mutter!" Ich küsse sie auf die Stirn und lasse sie zurück. So leicht lasse ich mich jetzt doch nicht manipulieren. Nakagos wirre Gedanken Dieses mal ein ziemlich langes Kapitel, da ich es nicht sinnvoll habe trennen können. Vielen Dank für das Like!
  12. In der Tat! Kapitel X Ich schaue etwas müde durch die Fingerdicken kugelsicheren Seitenscheiben der schwarz roten Limousine nach draußen auf die eisverkursteten Fassaden der Anwesen des wirklich wichtigen Adels von Tarsus, der zweitgrößten Makropole von Scintilla. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Stil, da steht pompös ein mit Zierrat überladenes Lustschlösschen neben einem unverzierten Bunker, gefolgt von einem wuchtigen gotischen Schloss. Wer hier an der vierspurigen Angevin Promenade wohnt, gehört zu den mächtigsten, reichsten und angesehensten Familien des Calixis Sektors. Hier ist die unterste Ebene von Tarsus, exklusiv für die Häuser der Ersten Welle des Kreuzzuges. Drei gepanzerte Vierachser fahren uns voraus, je zwei flankieren uns und vier weiteren folgen uns. Die von einem Elektromotor angetriebenen Radpanzer des Types "Faustkämpfer" sind mit einem Multilaser im Turm bewaffnet, die über ein Co-axiales leichtes Maschinengewehr im gängigen Kaliber 8.25mm verfügt. Alle sind in meinen Hausfarben Rot und Schwarz gehalten. Der schwarze Rabe befindet sich einem roten Kreis. "Ist das nicht etwas zu viel des Guten?", frage ich Caine, der neben mir sitzt. "Das ist wohl der Preis, den man bezahlen muss, wenn man den Erben eines mächtigen Hauses erschlägt", belehrt mich mein Lebenswart sicherlich nicht zu unrecht in einem ruhigen Tonfall, bar jeden Vorwurfs oder Ironie. "Tja, daran kann ich nichts mehr ändern", erwidere ich und denke, dass ich daran auch nichts ändern würde, selbst wenn ich könnte. Crestus hatte eine Linie überschritten, er hat mich gefordert, nach dem ich ihn provoziert habe und ich habe ihn legal getötet. In den meisten Fällen wäre dies das Ende der Geschichte, hier dürfte es sich um den Anfang handeln. Kleists Zustand ist inzwischen stabil, seine Schulter konnte gerettet werden und er ist auf dem Weg der Besserung. Aber der Doktor hatte mir davon abgeraten, Kleist jetzt schon zu verlegen. Auf einem befestigten Anwesen meines Hauses in Sibellus Spitze war er in Sicherheit und sobald die Wogen sich etwas geglättet hätten, würde ich ihn nach Tarsus nachholen. Anschließend habe ich persönlich die geschmackvoll verzierte Urne aus Messing mit Asas Asche bei ihrer Mutter abgeliefert. Da ich mich für den Tod der jungen Frau mitschuldig fühle, habe ich Caine ein Schriftstück aufsetzen lassen, welchen allen Geschwistern eine gute Ausbildung finanziert. Das bin ich Asa einfach schuldig. Ihre Mutter sank auf ihre Knie und küsste meinen Siegelring voller Dankbarkeit, was mir doch etwas peinlich war. Nun erreichen wir das Hauptanwesen des Hauses Conari, dass einen ganzen Block von etwa einen Kilometer Kantenlänge einnimmt. Die wuchtige Fassade ragt zehn Stockwerke hoch bis zur gewölbten Decke. Sie ist komplett mit Ornamenten im gotischen Stil verziert. Der Rabe, unser Wappentier ist omnipräsent in den Ornamenten und als Statuen zu sehen. Zwei schwere Kampfpanzer des Typs "Streifenkatze" am Eingang tun so, als wären sie gar nicht da, als wir in die über ein Dutzend Meter hohe Einfahrt einbiegen. Der Flankenschutz reiht sich am Schluss der Kolonne ein. Nicht ganz dreißig Schritt geht es durch den engen Eingangsbereich, flankiert von Geschützen verschiedener Kaliber, dann erreichen wir einen Hof, mit weiteren offenen Toren links und rechts. Wir fahren durch das linke. Hier befinden sich Fahrzeughallen und Garagen. Überall brennt Licht und es herrscht eine hektische Aktivität in den Hallen, wo Panzer gewartet oder schon mit scharfer Munition aufmunitioniert werden. So sieht wohl eine Mobilmachung aus. So was kostet einiges an Thronen und ich denke, mein Vater wird mir die konkrete Summe um die Ohren hauen. Unsere Eskorte bleibt hier zurück, während wir zwischen zwei Fassaden weiter fahren. Über den Fahrzeugen wohnen die Soldaten, alles Vasallen des Hauses, mit ihren Familien. Nach drei weiteren Einfahrten und langen Zwischenpassagen erreichen wir den repräsentativen Innenhof des Anwesens. Im Zentrum steht ein Springbrunnen, dessen heißes Wasser dampft, da es in der Eiseskälte sonst innerhalb kürzester Zeit einfrieren würden. Mit immensen Energieaufwand wird die gesamte unterste Ebene auf Minus Achtzehn Grad abgekühlt. Das soll Ungeziefer draußen halten. Und damit ist primär zweibeiniges Ungeziefer gemeint. Deswegen gibt es hier auf den unteren Ebenen keine Bettler oder anderes Gesindel, weil die innerhalb kürzester Zeit erfrieren, während Adlige sich in dicke Pelze hüllen, wenn sie auf den Tunneln und Gängen dieser Ebene flanieren. Die Limousine rollt aus und eine Ehrenformation unserer Haustruppe ist angetreten. Schließlich bin ich ein Mitglied der Kernfamilie und war lange zu Hause weg. Die Schwarz Rot Uniformierten in versiegelter schwerer Gardistenrüstung präsentieren ihre Hochenergielasergewehre mit aufgepflanzten Bajonett. Als ich aussteige, bleibe ich kurz stehen und salutiere durchaus respektvoll meinen Leuten zu. Dann setze ich mich in einen dicken Pelzmantel gehüllt in Bewegung. Der Innenhof ist darauf ausgelegt, zu beeindrucken. Mächtige Leuchtgloben an der Decke Sorgen für eine Taghelle Beleuchtung. Die gotische Fassaden ragen hier über zwanzig Stockwerke hoch. Ein gläserner Skyway führt quer über den Hof in einiger Höhe. In einer Ecke spielen drei Mädchen, welche in Pelzmäntelchen gehüllt sind, Seilhüpfen. Die mittlere dürfte eine meiner vielen Nichten sein, die anderen beiden Mädchen sind ihre zukünftigen Hausdamen und damit ihre persönlichen Vasallen. Eine breite Treppe führt hoch zu einem gewaltigen Eingangsportal, auf das manche Kathedrale neidisch wäre. Oben thront ein gigantischer Rabe mit ausgebreiteten Flügeln. Aber ich nehme einen viel kleineren Seiteneingang, passiere eine Schleuse, welche die kalte Luft draußen und die Wärme drinnen hält. Ich komme nun in eine Empfangshalle. Gerade aus geht es zum großen Saal, wo Empfänge, Bälle und Feste gefeiert werden. Links und rechts geht es in die Seitenflügel und zwei ausladende Treppen verbinden die Stockwerke miteinander. Natürlich gibt es auch einen Fahrstuhl. Ein Diener nimmt mir den Pelzmantel ab. "Soll ich dich begleiten?", fragt mich Caine, als ich kurz nach oben blicke, wo es zu meinem Vater geht. Gerade aus geht es zum gewaltigen Ballsaal, wo rauschende Feste abgehalten werden. "Nein, Caine. Danke für das Angebot, aber das schaffe ich alleine. Warte bitte in meiner Unterkunft auf mich und bereite alles für die Ankunft von Lady Augusta vor", wiegle ich ab, da meine Kurtisane erst im Laufe des Tage zu uns stoßen wird. "Wie du wünscht", bestätigt Caine mit einem kurzen nicken und ich beginne meinen langen Marsch zu meinem Vater. Zuerst geht es die gewaltige Treppe aus dunklen Marmor nach oben, vorbei an weiteren schwer gerüsteten und ebenso bewaffneten Gardisten der Hauswache. Früher dachte ich, nur herum zu stehen wäre eine lässige Art die Zeit tot zu schlagen. Aber seit meiner Grundausbildung und dem Wache stehen am Eingangstor der Akademie hat mich gelehrt, dass stramm still zu stehen ein verdammt anstrengender Job ist. Inzwischen habe ich einen ziemlichen Respekt vor den Gardisten meines Hauses und grüße sie entsprechend mit großem ernst. Dann folgt die große Halle, die sich über dem Ballsaal befindet. Hier endet auch der gläserne Gang von draußen, der von hier zu dem Fahrstuhl führt, mit dem man bis hoch an die Oberfläche zu einem weiteren Anwesen meines Hauses fahren kann. Die meisten Fahrstühle verbinden sonst nur maximal hundert Stockwerke miteinander. Hat was mit Statik und der Reißfestigkeit gewisser Materialien zu tun. Dieser durchgängige Fahrstuhl ist mit Zahnrädern geführt und verläuft schräg. Die große Galerie muss jeder Besucher durchschreiten, welcher zu meinem Vater möchte. Egal ob Familienmitglied, Besucher oder Bittsteller. Ganz am Ende ragt eine zwölf Meter Hohe Statue vom Stammvater unseres Hauses auf, der breitbeinig auf zwei Sockeln steht, so dass man unter ihm durchlaufen muss. Die Statue ist bemalt, zeigt die blaue Admiralsuniform der Flotte des Segmentum Obskurus. Die gigantischen Orden an seiner Brust bestehen aus den gleichen Materialien wie auch die Originale. In der einen Hand hält er ein übergroßes Energieschwert, dessen Klinge ein zuckendes blaues Energiefeld umgibt. Rabenklaue heißt das Schwert, dessen Knauf ein angedeuteter Rabenkopf bildet, während die Parierstange wie Klauen geformt sind. In der anderen Hand hält er Rabenschwinge, eine Plasmapistole, deren Kühlrippen auch hier blau leuchten. Verwegen scheint er damit auf einen zu zielen, wenn man die Galerie betritt. Auch in der Mündung scheint sich gerade das Plasma zu entleeren, dass einem gleich verdampfen wird. Manch einfache Seele hat sich hier schon zu Tode erschrocken und das ist nicht metaphorisch gemeint. An den Wänden zieht sich mein Stammbaum entlang. Angefangen von unserem Stammvater links der Statue über den ganzen Saal entlang und dann wieder zurück. Inzwischen sind wir in der Mitte angelangt. Da steht auch irgendwo mein Name. Auf Kopfhöhe hängen dann Portraits einzelner herausragender Vorfahren. Praktisch das Beste meiner Familie der letzten Jahrtausende. An der gewölbten Decke kann man eine Raumschlacht sehen. Eine imperiale Flotte beim Gefecht gegen eine der verdammungswürdigen Xenosreiche, die einst diesen Sektor beherrschten und die dann ihrem gerechten Schicksal zugeführt wurden, ihrer vollständigen Auslöschung. In der Mitte erheben sich mehrere Sockel, auf denen Modelle unserer Warpfähigen Raumschiffe in einem Maßstab von eins zu tausend zu sehen ist. Deswegen sind die meisten mindesten anderthalb Meter lang. Dass der "Audacia" sogar über vier Meter, einen halben Meter hoch und ebenso breit. Besonders der leichte Kreuzer im Monitorschema der Drehbänke fängt meinen Blick. Einst war das ein Schiff des Mechanicum, gebaut in der zweiten Hälfte des neununddreißigsten Jahrtausend eben auf den Drehbankwelten. Da deren Farben auch Rot und Schwarz sind, musste es noch nicht einmal umlackiert werden. Wobei das Schiff im Dienste eines Exploratorkapitäns mit dem Namen Zathor Rak schließlich verloren ging und vor fünfhundert Jahren in der Koronusweite von Xenos zurück erobert wurde. Das Schiff ging durch viele Hände, bis es vor knapp zweihundert Jahren einer meiner Vorfahren äußerst günstig kaufte, da es als verflucht galt. Viele Vorbesitzer fanden ein unrühmliches Ende. Nun ist mein Onkel Ravion seit einigen Jahren der Lordkapitän des Schiffes und wenn man so den Jahresbericht des Familienrates zwischen den Zeilen richtig las, liefen die Geschäfte hinter dem Schlund nicht wirklich gut. Trotz des kleine Rückschlages wegen Crestus habe ich noch immer die Hoffnung eines Tages auf dem Thron des Schiffes zu sitzen, weit weg vom Familienrat und mein eigener Herr. Während ich die Details der Aufbauten des Schiffes bewundere und um den Sockel herum gehen will, höre ich auf einmal einen spitzen hohen Schrei und dann spüre ich Nässe an der Vorderseite meiner Hose. Ich blicke nach unten und sehe ein dürres Putzmädchen in einer schon Fadenscheinigen Dienstmädchenuniform, die ihr eigentlich zu klein ist. Ihr rotes Haar lugt struppig unter ihrer Haube hervor. Mit einem zu ein O geformten Mund, in dem die oberen Schneidezähne fehlen, starrt sich mich aus schreckgeweiteten grünen Augen flehentlich an. Ihre bloßen Beine sind deutlich mit Striemen in verschiedenen Farben gezeichnet. Offensichtlich hat diese kleine Magd gerade einen Eimer mit Putzwasser über meine Hose gelehrt, als ich in sie hinein gelaufen bin. Erst jetzt nehme ich die kleine Putzkolonne in der Halle wahr, die aus sehr jungen und sehr alten Schuldmägden besteht. Eine verhärmt aussehende Frau Anfang Fünfzig stürzt regelrecht auf mich zu und geht dann demutsvoll in die Knie. "Bitte verzeiht dem dummen Kind ihre Ungeschicklichkeit! Ich bitte Euch, meldet das nicht, schickt sie nicht zum Zuchtmeister oder sortiert sie aus!" Die Frau hat deutlich genau so viel Angst vor mir wie das kleine Kind, dass jetzt bitterlich anfängt zu weinen. "Ich werde sie selber hart bestrafen! Lasst es damit gut sein, Herr! Ich bitte Euch von ganzem Herzen, lasst doch bitte Gnade walten!", fleht die Frau weiter, während ich noch versuche, aus der ganzen Situation schlau zu werden. Als Adliger hat man natürlich nie an einem Malheur der Dienerschaft schuld, besonders wenn es sich offensichtlich um die niedrigsten Bediensteten handelt, um Schuldmägde und Putzmädchen. Diese bedauernswerten Wesen arbeiten die Schulden ab, die einst ein Vorfahr angehäuft und nicht begleichen konnte. Manche Schulden waren so hoch, dass seine Nachfahren viele Generationen damit beschäftigt sind, diese abzutragen. Jetzt sehe ich auch die tätowierte Inventarisierungsnummer auf den Armen des Mädchens, da sie ihre Ärmel hochgekrempelt hat. Ich habe genau so viel Schuld an dem Umstand, dass meine Hose höchst unvorteilhaft feucht ist wie das dürre Putzmädchen. Aber natürlich kann ich das vor so niedrigen Bediensteten nicht zugeben. Die Kleine sieht mir ziemlich mickrig aus. Da ihr die Schneidezähne fehlen, muss sie sechs oder sieben sein. Aber von der Größe her, würde ich sie deutlich jünger schätzen. Wahrscheinlich ist die Kleine obendrein eine Waise und ist so relativ Schutzlos den anderen ausgeliefert. Ich sehe nicht nur Striemen, sondern auch viele Hämatome. Wenn ich das Mädchen hier lasse, wird sie entweder bald eingehen oder zu einem ziemlich gemeinen Wesen heranwachsen. Wenn man einen Hund zu lange prügelt, wird er irgendwann einen beißen. Mein in die Jahre gekommener Leibkoch Lungini hat vor einigen Wochen die Bemerkung fallen gelassen, dass er es begrüßen würde, wenn ich ihm eine Küchenhilfe genehmigen könnte, um diese dann als seinen Nachfolger oder Nachfolgerin auszubilden. Eine Zeitlang hatte er einen Küchenjungen gehabt, aber der war versetzt worden, als er mich auf die Akademie begleitete. Bis jetzt habe ich diesen Umstand in keinster weise Rechnung getragen, da ich mit der Organisation der Großen Jagd beschäftigt war. Ich beschließe, diese Angelegenheit hier gleich in Ordnung zu bringen. "Nein, ich werde diese kleine infame Kreatur für ihre Missetat selbst bestrafen. Mein unverschämter Leibkoch benötigt eine Küchenhilfe. Ich denke, die beiden haben sich verdient. Schickt diese ungeschickte Magd unverzüglich zu meinem Lebenswart Caine und sagt ihm, dass sie die zukünftige Assistentin für meinen Koch Lungini ist. Ist das verstanden worden?", weise ich mit ruhiger Stimme an. "Wie ist übrigens der Namen von diesem Subjekt?" "Ich habe Eure Anweisungen verstanden, Meister Conari. Ihr Name lautet Colette." "Colette? Der Name ist aber Nett", reime ich dazu mal frei heraus und da alles gesagt ist, wende ich mich ab, ohne mich weiter um diese Subjekte zu kümmern. Das meine Hose gerade in der Höhe des Schrittes besonders Nass ist, hat natürlich eine gewisse Pointe, aber momentan nicht zu ändern. Das nächste Schiffsmodell ist das der "Himmlischen Faust", einem Cobra Zerstörer, die "großzügige" Dreingabe zum Freihändlerbrief. Die Cobra ist dafür bekannt mit ihren mächtigen Torpedowerfer im Bug selbst einem Großkampfschiff massivem Schaden zufügen zu können. Und sehr schnell weg zu fliegen, wenn der Feind danach immer noch kampffähig sein sollte. Dieses Schiff operiert in diesem Sektor, beschützt unsere Transporter oder macht aktiv Jagd auf Piraten. Im Sockel sind Abschüsse aus zweieinhalb Jahrtausenden akribisch dokumentiert. Ein weiteres Schiff ist die Fregatte "Eiserner Regen" im Sturmklassenschema, die als mobiler Truppentransporter dient. Die kam vor knapp sechshundert Jahren in unserem Besitz, eine Prise aus dem Meritech Krieg. Knapp dahinter steht die "Rutengänger", eine Fregatte der Schwertklasse, die seit zweitausend Jahren im Dienst meines Hauses steht. Ursprünglich war sie ein Schiff des Angevin Kreuzzuges, ging bei einer Aufklärungsmission verloren und wurde fünfhundert Jahre später schwer beschädigt im Raum treibend verlassen aufgefunden. Die Flotte hatte kein Interesse mehr an dem vollkommen ausgeplünderten Wrack, so verblieb es im Besitz meiner Familie und wurde in den Drehbänken vollständig wieder repariert und dabei zu einem Forschungsschiff umgebaut. Eine Expedition mit diesem Schiff war es, was schließlich ein Technisches Schemata für die Riegelproduktion auf einer Welt am Hecaton Abgrund zu Tage förderte, für die meine Familie bekanntlich so berühmt ist. Auch operierte dieses Schiff lange Zeit in der Koronusweite, bis sie dann von der deutlich größeren und leistungsstärkeren "Audacia" abgelöst wurde. Dann kommt ein etwas über zwei Schritt langer Transporter im Karackeschema. Ein recht fortschrittliches Schema, welches in großer Stückzahl von der Imperialen Flotte als Truppentransporter oder Nachschubtransporter eingesetzt wird. Die Karacke ist in keinem Punkt überragend, aber auch nirgendwo unterdurchschnittlich. Dazu verfügt sie über eine recht gute Bewaffnung für einen Transporter und kann auch mal einen Treffer wegstecken. Die Stärke dieses Schemas aber ist, dass es auf Reede liegend schnell be- und entladen werden kann. Ein weiterer Vorteil war, dass diese Schiffe steuerlich begünstigt sind, könnten aber im Falle eines Kreuzzuges zur Teilnahme verpflichtet werden. Aber da Nahrungslieferungen immer oberste Priorität hatten, war es unwahrscheinlich, dass unsere Familie diese Schiffe jemals zur Verfügung stellen musste. Immerhin besaß mein Haus eine Flotte von mindestens zwölf Schiffen davon, welche unablässig die Agrarwelten des Sektors mit den Makropolwelten verbanden. Eine stetige und äußerst wichtige Einnahmequelle meines Hauses. Endlich bin ich am Ende der Galerie angelangt und ein Diener öffnet mir die Tür, die zu einem Empfangszimmer führt. Es gibt mehrere abgehende Türen, einen breiten Tresen und vier Sitzgruppen aus Leder in jeder Ecke. Eine davon haben meine Brüder okkupiert. Jedenfalls drei davon, da mein vierter Bruder Tellus bei der Imperialen Flotte Dienst tut und sich viele Lichtjahre von hier mit Piraten, Schmugglern, Xenos und Renegaten beschäftigen darf. "Wenn das mal nicht der Held der Stunde ist!", begrüßt mich Novus etwas spöttisch. Der freche junge Mann ist mein drei Jahre älterer Bruder, der einen feschen Anzug nach der neusten Mode trägt. Momentan ist er als einer unserer Schiedsmänner vor Gericht tätig. Er ist minimal kleiner als ich, aber genau so trainiert. Es heißt, er wäre der bestaussehende von uns Brüdern. Keine Ahnung, ob das stimmt. Auf alle Fälle hat er schon einige Liebschaften hinter sich und auch einige Duelle deswegen austragen müssen. "Hast du dir in die Hose gemacht?", fragt Gallus in seiner prächtigen Uniform als Oberkommandierender der Haustruppen auf mein Malheur anspielend. Wie ich seit neustem trägt er den Adamantenen Ring mit dem Blutstropfen der St. Drusus Militärakademie. Wenigstens den Ring und ein Patent habe ich bekommen. Zur Strafe für mein "ungebührliches" Verhalten, hat man mich von der feierlichen Zeremonie der Übergabe, dem Abschlussball und der offiziellen Verabschiedung ausgeschlossen. Selbstredend brauche ich gar nicht versuchen, mich für die nächste Stufe einzuschreiben. Nicht in diesem Jahr und auch nicht in tausend Jahren. Da war man sehr deutlich. Wäre mein Nachname nicht Conari, hätte man mich hochkant ohne Ring und Patent heraus geworfen. "Nein, dass war Colette", wiegele ich ab, ohne die Umstände weiter zu präzisieren. "Da hast du dir aber mächtigen Ärger eingehandelt", meldet sich nun mein ältester Bruder Quintus, der gerade seinen Vierzigsten Geburtstag gefeiert hat. Er ist der Erbe des Hauses, die zukünftige Nummer Eins. Er ist genau so groß wie ich, aber deutlich schlanker und leichter. Momentan hat eine Miene aufgesetzt, als hätte er gerade in eine marinierte Groxzunge roh essen müssen. "Wie sauer ist Vater? Auf einer Skala von eins bis zehn? Wobei zehn für wirklich stinke sauer steht?" "Zwölf!", antworten alle drei im Chor und selbst Quintus muss beim allgemein ausbrechenden Gelächter kurz grinsen, bevor er wieder seine sauertöpfische Miene aufsetzt. "Die Cascandor toben wegen dem Tod von Crestus. Für die Güldenhand existieren wir momentan nicht. Ist jetzt noch nicht schlimm, da gerade keine Lieferungen außer unsere Riegel rein kommen, die davon nicht betroffen sind. Aber auf längere Sicht wird uns dein närrisches Verhalten einiges kosten", fasst Quintus die Lage zusammen. "Wird mit einem Angriff gerechnet?", wende ich mich an Gallus wegen den ganzen aufgefahrenen Kampffahrzeugen. "Reine Vorsichtsmaßnahme. Das Haus Cascandor hat nur wenige Männer unter Waffen, aber sie könnten andere Häuser oder einen Haufen Söldner auf uns hetzen. Ist zwar nicht wahrscheinlich, aber ein Angriff ist ein Umstand, den man nie ausschließen sollte", erklärt Gallus. "Komm setz dich kurz, bevor Vater dir den Kopf abreißt und erzähl, was wirklich passiert ist", lädt Novus mich zu einem Plausch ein. Da auf dem Tisch eine noch gut gefüllte Flasche mit meinem Liebelingsamasec steht, sage ich nicht nein. Auch ist das eine gute Ausrede, die Konfrontation mit meinem Vater heraus zu zögern und ich kann eine neue Hose für mich herbestellen. Also erzähle ich knapp, wie sich das mit Crestus hoch geschaukelt hat. "Ich kapier jetzt nicht ganz, warum Crestus sich an deiner Lieblingshure vergriffen hat, wenn er gar nicht wusste, dass du ihn da unten mit einem Steinbrocken ausgeknipst hast", meint Novus nach dem Ende der Erzählung. "Ich bin nicht ganz sicher. Es geht möglicherweise um die Karte, welche uns in den Hinterhalt geführt hat. Crestus hat allen erzählt, er hätte die Karte von der "Verbotenen Zone" der Großen Jagd von mir, aber er hatte sie sich selber besorgt. Um mich als lästigen Zeugen auszuschalten wollte er mich in ein Duell zwingen, in dem er meine Favoritin tötet. Dann hätte er seinen Onkel Alphonsus den Herzensbrecher als Schiedsmann bestellen können und der hätte mich legal erledigt", erkläre ich meine Einschätzung von Crestus Motiven. "Eine Schande, dass so ein Haufen Groxdung auf der St. Drusus Akademie aufgenommen wurde", ereifert sich Gallus. "Zu meiner Zeit hat es keine Rolle gespielt, wie Reich die Familie des Kadetten war. Seine Leistungen waren entscheidend." Ich bin sicher, dass auch damals schon der Nachname der Aspiranten eine große Rolle gespielt hat. In meinem Jahrgang waren das zu mehr als der Hälfte Sprösslinge der mächtigsten Häuser von Scintilla. Es gab sicherlich auch einige Kadetten mit Stipendium, aber die hat Crestus zum größten Teil ermorden lassen, weil er nicht Adlige einfach verachtet hat. "Nur zum allgemeinen Verständnis. Du hast Crestus Cascandor letztendlich deswegen tot geschlagen, weil er deine Lieblingshure gefoltert und dann ermordet hat?", fragt Quintus und ich kann ihm ansehen, dass er an meinem Verstand zweifelt. "Das hat das Fass zum überlaufen gebracht. Aber es gab viele gute Gründe, ihn aus der Galaxis zu entfernen. Dieser Groxhaufen war eine Schande für die St. Drusus Akademie. Er war ein nicht zu tolerierender Makel für unseren Stand und er hat unsere Mutter beleidigt." "Aber ihre Ehre zu verteidigen war dir nicht so wichtig wie deine kleine Hure zu rächen?", reitet mein ältester Bruder weiter darauf herum. Da mein Vater und er ziemlich gleich denken, bekomme ich schon mal einen Vorgeschmack vom nächsten Gespräch ab. Und mich dünkt, dass wird nicht erquicklich werden. "Wir kennen alle die Neigungen unserer Mutter und wir wissen, dass alle anderen von Stand das auch wissen, weil sie niemals irgend einen Hehl aus ihrer Neigung gegenüber Frauen gemacht hat. Das ist in diesem Sektor auch nicht verboten. Also warum sollte ich wegen einer Tatsache eine Vendetta vom Zaun brechen?", erkläre ich mich. "Eine Vendetta wegen einer kleinen Hure vom Zaun zu brechen ist natürlich viel eloquenter", merkt Quintus säuerlich an. "Falsch, ich habe eine Vendetta wegen meiner kleinen Hure losgetreten", stelle ich richtig. Und betone das "meiner" deutlich. "So hört sich das natürlich schon sehr viel elaborierter an", merkt Novus sarkastisch an und kippt sich seinen Amasec hinter die Binde. "Wie gesagt, dass war nur der Tropfen, der den Damm hat bersten lassen. Duelle sind legal, er hat mich gefordert, ich habe angenommen, wir haben es unter äußerst chaotischen Verhältnissen ausgefochten und er hat verloren. Wenn seine Familie damit nicht klar kommt, kann ich letztendlich nichts mehr daran ändern." "Wenn du dich da mal nicht verkalkuliert hast, mein lieber Flavion", unkt Quintus düster und trinkt sein Glas mit einem Zug aus. "Wie geht es inzwischen deinem Vasallen?", wechselt Novus das Thema. "Die Wunde sah schlimmer aus als sie war. Kleist wird für die nächsten Wochen etwas eingeschränkt sein, aber die Experten sind der Meinung, dass er vollständig genesen wird", erwidere ich und bin Froh, dass meinem Freund nichts schlimmeres passiert ist. Nakagos wirre Gedanken Nun kommen wir zu der Einführung von einigen Familienmitgliedern. Auch fand ich es eine gute Gelegenheit, die Familienflotte vorzustellen. Und es findet die Schicksalshafte Begegnung zwischen Colette und Flavion statt. Wer "Die Fahrten der Audacia" gelesen hat, wird sich vielleicht noch an sie erinnern. Vielen Dank für die Likes!
  13. Heute fliegen da noch mehr Zähne und anderes durch die Gegend. Kapitel IX Triumphierend schaut Crestus Cascandor mir entgegen. Sein selbstgefälliges lächeln entblößt seine makellosen weißen Zähne, die wahrscheinlich von den besten Genetoren seiner Familie optimiert worden sind. So wie wahrscheinlich fast alles von ihm, da seine adrette Erscheinung in der schicken Ausgehuniform durchaus was her macht. Seine vier Vasallen flankieren ihn, große Kerle, stark und jeder mehr wert als ihr Meister. Normalerweise entsprechen diese Art von Kreaturen den folgenden Klischees: groß, dumm, ungebildet und gewaltbereit. Sie sind sicherlich groß und auch gewalttätig, aber jeder einzelne ist letztendlich klüger und gebildeter als Crestus. Auf der anderen Seite ist das bei diesem Gebieter auch nicht besonders schwer zu erreichen. Während ihr Meister sich ja so ziemlich vor jeder Anstrengung gedrückt hat, waren diese Jungs immer dabei gewesen. Und ich denke, wir wären vielleicht nicht unbedingt Freunde geworden, aber richtige Kameraden, würde da Crestus nicht im Wege stehen. Den hier noch verbliebenen leichten Mädchen kann ich ansehen, dass sie überall lieber wären als hier. Aber sie haben keine Wahl, sie können sich keine Kunden aussuchen. Sie müssen tun, was man von ihnen verlangt. Die meisten halten sich nervös an ihren Kristallgläser mit billigen gestrecktem Schaumwein fest, der aus teuer wirkenden Flaschen serviert wird. Eine der jüngeren Huren hat sich nicht im Griff, ihr Maskara verläuft ihren von Rouge roten Wangen entlang und ihr falsches Lächeln ist nur noch eine groteske Maske. Die drei Adligen, Männer mit leichtem Bauchansatz in ihren Vierzigern sehe ich auch an, dass sie am liebsten von dieser Szene fliehen würden und es wahrscheinlich inzwischen bereuen, heute in die "Goldene Dose" gegangen zu sein. Dezent im Hintergrund halten sich ein paar stämmige Lakaien des Hauses, die normalerweise dafür sorgen, dass niemand ungebührlich über die Stränge schlägt. Aber hier haben sie die unerquickliche Situation, dass sich Vertreter zweier mächtiger Adelshäuser gegenüber stehen, von denen jedes einzelne die Macht hat, diese Örtlichkeit innerhalb weniger Minuten vollständig von der Oberfläche dieses Planeten zu tilgen. Deswegen werden die sich in dieser Situation vollkommen Neutral verhalten, was mir nur zu Recht ist. Nun stehe ich vor dem Tisch, auf den Crestus die heraus geschlagenen Zähne von Theodora ausgeschüttet hat. Ich denke, seine Vasallen haben die Asa heraus geschlagen, da ihre Fingerknöchel gerötet sind. Wahrscheinlich haben sie ihr so lange ins Gesicht geschlagen, bis sie ihre schönen Zähne ausgespuckt hat. Drei schauen mich provozierend an, einer blickt betreten zu Boden. Brutus Cascandor, Sohn einer Konkubine von Crestus Vater und damit de facto sein Halbbruder. Der anständigste von den Vier. "Du hast recht, Crestus", wende ich mich an den Erben des Hauses Cascandor, die bestimmende Macht der Güldenhand, welche die Börse von Tarsus kontrolliert. Ich kann sehen, dass ich ihn mit meiner Aussage ziemlich überrascht habe und ich ihn jetzt aus seiner selbstgefälligen Stimmung gerissen habe. Er dachte, er hätte mich nun da, wo er mich haben wollte. Das ich ihn nun fordern und mich von seinem Onkel einfach abschlachten lassen würde. Wobei ich mich frage, warum er das will. Offensichtlich weiß er nicht, dass ich ihn mit einem Stein ausgeschaltet habe. Was ist dann sein Grund? Warum jetzt? Neidet er mir den Erfolg und den Ruhm? Allen ist bekannt, dass er beim ersten Kontakt ausgeschaltet wurde. Der erste, der zu Boden ging. Ist es das, was an ihm nagt und ihn zu dieser widerwärtigen Scharade treibt? "Mit was?", fragt er mich etwas verblüfft. "Meine Mutter mag Frauen. Das ist wahrlich nichts Neues", meine ich ruhig und setze mich einfach auf einen freien Platz des Sofas. Ich schiebe die ausgeschlagenen Zähne von Asa zu mir her und beginne sie zu ordnen. Große Schneidezähne oben und die kleinen nach unten, die Backenzähne und Zähne, deren Namen ich nicht näher weiß in eine Formation, die halbwegs ihrem Gebiss ähnlich sein dürfte. Ich werde ihr freches Mundwerk wirklich vermissen. Diese Handlung gibt mir Zeit, die Lage etwas zu überdenken. Etwas essentielles entgeht mir hier immer noch. "Aber was mal was Neues wäre, was ist eigentlich aus deiner Mutter geworden?", frage ich ihn beiläufig, während ich noch die Zähne hin und her schiebe. "Der geht’s gut!", erwidert er unwirsch, sichtlich von meinem Tun irritiert und deswegen nun äußerst einsilbig. "Man hat sie schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Mit ihrem Geisteszustand es es wohl nun endgültig bergab gegangen. Kein Wunder, bei der Inzucht, die im Hause Cascandor herrscht", plaudere ich scheinbar locker weiter, als würden wir über die Ablösessumme eines Schuldknechtes sprechen. Das Haus Cascandor gehört zu den Häusern, dessen Mitglieder nur untereinander heiraten. Von der wirtschaftlichen und damit einhergehenden politischen Macht her ist das Haus Cascandor mächtig, aber es ist nicht hoch angesehen, weil es eben nicht zu den essentiellen Häusern der ersten Welle gehört, die allesamt von Angehörigen der Kreuzzugsflotte des Angevin abstammen. Generäle, Admiräle, Oberste, Stabsmitglieder und Schiffskapitäne. Von ihnen stammen die angesehene Häuser von Scintilla ab, auch wenn es nach gut zweieinhalb Jahrtausenden nur noch knapp hundert von ihnen gibt. Cascandor war dagegen vergleichsweise jung und versuchte sich krampfhaft mit Federn zu schmücken, die es nun mal nicht hat. Die angesehen und respektierten Häuser dieses Sektors heirateten nur untereinander. Eben aus dem Grund, um Emporkömmlingen den Aufstieg so schwer wie möglich zu machen. Das Haus Cascandor hatte als nur die Möglichkeit, in andere niedere Häuser einzuheiraten oder eben untereinander. Man musste kein Genetor oder Famula sein, um zu wissen, dass Heiraten unter Verwandten nur eine gewisse Zeit gut gehen konnte. So lange man es sich noch leisten kann, Fehlentwicklungen in der Wüste der Sühne unauffällig zu entsorgen, war alles in Ordnung. Aber irgendwann konnte der Makel nicht mehr ausgemerzt werden. Also wurden Genetoren beauftragt, diesen Makel zu kaschieren. Manchmal gelang das, manchmal eben nicht. Das Haus Cascandor war schon lange isoliert und die Hauptlinie wahrscheinlich unrettbar korrumpiert. Die vier Vasallen entstammten Beziehungen mit eingekauften Mätressen, Angehörige des Hauses, aber eben nicht Erbberechtigt. Und es gab viele Gerüchte, über einen sehr weitläufigen abgeschiedene Flügel im Stammhaus der Cascandor, wohin der Verwandten gesperrt wurden, die nicht mehr vorzeigbar waren. Und ich denke, auch Crestus Mutter war nicht mehr vorzeigbar. Entweder war sie inzwischen Wahnsinnig oder in einem nicht mehr tolerierbaren Maß entstellt. Aus dem Bauch heraus denke ich, dass eher eine massive geistige Degeneration ist. "Lass meine Mutter aus dem Spiel!", keift er mich aufgebracht an und ich denke, ich habe da einen wunden Punkt getroffen. "Drusus, was hast du mir erst letztens über seine Mutter erzählt? Hilf mir doch mal auf die Sprünge", wende ich mich an den Vasallen, den ich als den stärksten Nahkämpfer der vier einschätze. Drusus ist stark, schnell und mit dem Schwert überaus versiert. Auf dem diesjährigen Turnier habe ich ihn zwar besiegt, aber es war Thronverdammt knapp gewesen. Wenn die Sache hier eskaliert, und darauf lege ich es ja an, würde ich ihn gern schon vorher aus der Gleichung nehmen. "Was hast du diesem Groxdung über meine Mutter erzählt!", springt Crestus sofort auf meinen Köder an. Schon beinahe zu einfach. "Hör nicht auf Conari. Er versucht uns nur gegenseitig auszuspielen", versucht Drusus seinen Meister zu beruhigen. "Wie war das noch mal, Drusus? Crestus Mutter frisst ihren eigenen Kot, wenn ihre Pflegeservitoren sie nicht daran hindern?" Dieses vage Gerücht habe ich vor ein paar Monaten bei einem sonst recht öden Hochzeitsfeier bei einem langweiligen entfernten Verwandten aufgeschnappt. Angeblich sei es aus erster Hand und von einen unzufriedenen Vasallen des Hauses Cascandor verbreitet worden, der allerdings seit dem nicht mehr gesehen wurde. Wahrscheinlich bleichen dessen Knochen schon längst in der Wüste der Sühne. Da Crestus nun eine regelrechte Gesichtsentgleisung hat, dürfte ich recht nah an der Wahrheit liegen. "Du verräterischer Eldar! Du Sohn einer Hure! Ich werde dich häuten lassen und deinen Leib auf einem Autoscheiterhaufen verbrennen!" Außer sich vor Wut schlägt er mit seiner berühmt berüchtigten Stahlrute auf seinen Gefolgsmann ein. Drusus versucht sein Gesicht zu schützen mit dem zweifelhaften Erfolg, dass er sich mehrere Finger bricht. Dann bricht er zu Boden, Blut läuft aus Platzwunden und dies ist der angemessen Anlass dafür, dass die Damen des Hauses und die letzten Besucher sich leicht panisch entschuldigen lassen. Die übrigen drei Vasallen schauen vor Grauen erstarrt auf die Szene blanken Terrors. Ich hätte nicht gedacht, dass Crestus es mir so leicht machen würde. Nach etwa zehn Hieben besinnt er sich darauf, das ich eigentlich sein Ziel bin und hört auf wie ein Wahnsinniger auf seinen eigenen Mann einzuschlagen, der wimmernd am Boden liegt. Mit diesen Verletzungen wird er längere Zeit kein Schwert führen können. "Hör auf, Meister Crestus, wir stehen absolut loyal zu dir. Falle nicht auf das infame Spiel von Flavion Conari herein!", versucht nun Brutus zu retten, was an Restvertrauen noch zu retten ist. Gerade eben habe ich das Kräfteverhältnis von zwei zu fünf auf zwei zu vier reduziert. Und dabei den stärksten feindlichen Kämpfer neutralisiert. Aber immer noch stehen meine Chancen schlecht, hier lebend raus zu kommen. "So loyal, dass ihr zugesehen habt, wie ich euren Meister von hinten mit einem Stein nieder geschlagen habe?", feuere ich die nächste Salve in die Mitte meiner Feinde. Nichts trennt Verbündete schärfer voneinander als die traurige Wahrheit. "Irgend ein Mutie hat einen Stein herunter geworfen!", behauptet Crestus fest. "Ach! Wirklich?", frage ich ihn betont sarkastisch und schaue ihm aufrichtig lächelnd ins Gesicht, während ich einen imaginären Stein auf einen imaginären Kopf vor mir niederfahren lasse. Die Geste sollte selbst Crestus kapieren können. "Hört nicht auf ihn, Meister Crestus. Das war ein Mutie, ich schwöre es!" Brutus fuchtelt übertrieben mit den Händen und wenn Crestus auch ein Idiot ist, gewisse Lektionen hat er doch gelernt, auch wenn wir gerade gesehen ist, dass er vieles davon offensichtlich nicht so ganz verstanden hat. Aber Brutus ist wahrlich kein guter Lügner. "Besser kannst du nicht lügen, Brutus? Wie erbärmlich!", gieße ich noch weiter Öl ins Feuer und wiederhole grinsend die zuschlagende Geste. "Ich werde deine Mutter pfählen, dich kastrieren und dann werde ich richtig brutal!", geifert Crestus und lässt seine Rute schon mal sprechen. Quer zieht er diese über das Gesicht von Brutus und blendet ihn. Der junge Mann hält sich die Hände vor die Augen, aber das herausquellende Blut kann er nicht aufhalten. Damit sind es nun nur noch zwei gegen drei. "Du bist mit Abstand der dümmste Adlige, nein, der dümmste Mensch, den ich kenne. Wer hat dir eigentlich die Karte gegeben, die uns in den Hinterhalt geführt hat?" Die beiden Vasallen von Crestus glotzen mich bei diesen Worten äußerst irritiert an. Offensichtlich stammt die nicht von ihnen und so wie sie mich verständnislos anschauen, scheinen sie auch gedacht haben, die Karte wäre von mir. Hat er das etwa auch ihnen gegenüber behauptet, dass sie von mir ist? Haben mich der Magistrat, die Adeptus Arbites und die Inquisition mich deshalb die ganze Zeit über wegen der Karte gelöchert, weil alle aussagten, sie wäre von mir? Warum hat Crestus nicht mit seiner Karte angegeben, welche sein einziger Beitrag zur Großen Jagd war? Warum sollten alle glauben, die Karte wäre von mir? "Du bist hier und gehst nicht der wichtigen Frage nach, wer dich hat töten wollen? Oder warst du Teil des Plans?" Bei meiner letzten Anschuldigung zuckt er getroffen zusammen. In dem Moment wird mir klar, dass Crestus definitiv ein Teil des Komplottes ist. Crestus war im Hinterhalt scheinbar erstarrt gewesen und ich habe das als einen Schock angesehen. Aber vielleicht wollte er so einfach nur Zeit gewinnen, bis die einzige Option sich zu ergeben war. Aber warum sollte er so etwas tun? Er ist der Erbe eines der reichsten Häuser des Sektors und kann sich eigentlich alles mit Thronen kaufen. Inzwischen sind wir fast allein. Kleist steht nun ruhig neben mir, die meisten Anwesenden haben sich komplett zurückgezogen oder haben sich so positioniert, dass sie noch was sehen können ohne dabei selbst gesehen zu werden. Ich blicke kurz hoch in den vierten Stock und meine einen Schatten auszumachen, bei dem es sich um Lady Augusta handeln könnte. Bin mir aber nicht sicher. Zwei Vasallen sind nun am Boden, zwei stehen noch, aber ich will ihn vollkommen legal töten. Deswegen provoziere ich ihn weiter. "Wolltest du Lösegeld erpressen? Irgend jemanden was beweisen? Wolltest du deine Kameraden ermorden lassen, weil diese einem richtigen Adelshaus mit Tradition entstammen, während deine von Inzucht gezeichnete Familie mit einem gefälschten Adelsbrief nur durch Betrug, Erpressung und Mord soweit gekommen ist?", stichle ich weiter ins Blaue. "Ich fordere dich zum Duell! Auf Leben und Tod!", keift er mich wutentbrannt an und ich fasse es für einen Moment nicht, dass er es mir letztendlich doch so einfach macht, ihn zu töten. Offensichtlich hält er immer noch an seinem ursprünglichen Plan fest, mich in einem Duell zu töten. Jemanden wie mich lässt man nicht einfach durch Vasallen in aller Öffentlichkeit tot schlagen. Das ganze muss schon einen halbwegs legalen Rahmen haben. Und ich habe wohl mit einer meiner Anschuldigungen ins Schwarze getroffen. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund hat Crestus uns bewusst in einen Hinterhalt geführt. Meine Vorwürfe waren rein darauf ausgelegt, um ihn zu beleidigen. Aber einer davon muss der Wahrheit entsprechen oder ihr sehr nahe kommen. "Nein!", ruft einer seiner letzten beiden Vasallen, gebunden an einem Meister, den kein Mensch verdient. Metalus ist sein Name. Wenn er alleine war, konnte er ein charmanter junger Mann sein, der hervorragend Königsmord spielt. "Fordert ihn nicht zum Duell!" "Ich nehme an!", rufe ich schnell, wirklich relevante Zeugen sind kaum noch anwesend. Einer der Adligen schaut noch aus sicherer Entfernung zu und auch Lady Agatha ist anwesend, ein dunkler Umriss hinter der Theke. Wahrscheinlich überlegte die Besitzerin der Goldenen Dose gerade, ob diese Ereignisse gut für ihr Haus sind oder nicht. Aber letztendlich war Werbung immer gut und diese Ereignisse würden ihre Runde machen, so oder so. "Mein Onkel wird dich so was von fertig machen! Er ist der Beste Kämpfer des Imperiums!", schreit Crestus mich an. "Du hast mich gefordert und das heißt, du kannst keinen Schiedsmann bestimmen. Das Duell findet hier statt, jetzt und ich wähle Breitschwert! Mein Sekundant ist Kleist! Mach dich bereit!" Mit diesen Worten stehe ich auf und blicke noch einmal auf die Zähne, die einst ein bezaubernden lächeln gebildet hatten, die mich an vielen Stellen leicht gebissen hatten. "Nein! Das geht so nicht!" Es gab Tage, da hatte ich überlegt, ob Crestus uns alle nur zum Narren hielt und seine Genialität unter der Maske des Vollidioten versteckte. Aber dieses Abziehbild aller Klischees über dekadente Adlige und Erben war wirklich so verblödet wie er sich gab. So ein kompletter Vollidiot wäre niemals in der Lage gewesen, so einen komplexen Plan mit der Karte sich selbst auszudenken. Oder mich mit der Ermordung von Theodora in ein Duell zu zwingen. Irgendjemand musste ihm das eingeflüstert haben, aber ich habe keine Ahnung, wer. Seine Vasallen scheinen es nicht zu sein, aber wer dann? Was übersehe ich hier nur? Mein erster Gedanke ist Oberst York. Aber Crestus zu töten ist das eine, mich etwas ganz anderes. Was habe ich dem Oberst je getan? Ich verstehe hier immer noch viel zu wenig und überblicke nur einen Bruchteil des Dilemmas. "Doch, dass geht genau so. Bestimme deinen Sekundanten, dann können wir sofort loslegen", widerspreche ich ihm, mich auf das wesentliche konzentrierend. "Tötet ihn! Tötet ihn! Macht schon!", brüllt Crestus nun, um mich nun doch von seinen Vasallen in aller Öffentlichkeit tot schlagen zu lassen. Ein vorhersehbarer Zug und ich war gewappnet. Deswegen habe ich schon zwei seiner Gefolgsleute wohlweislich aus der Gleichung genommen. Mit einer fließenden Bewegung ziehe ich mein Breitschwert, dessen Schärfe nur ein Molekül breit ist und dessen Monoklinge im Drehbankschema niemals stumpf wird. Ich habe dieses Schwert Rabenschnabel genannt und es von meiner Familie zum Eintritt in die Akademie geschenkt bekommen. Mit der anderen Hand mein Kampfmesser mit den Doppelköpfigen Adler als Griff. Kleist tut es mir gleich. Metelus ist kein guter Fechter, deswegen orientiert er sich sofort in Richtung Kleist, während ich den besseren Kämpfer Xanthis abbekomme. Er ist genau so groß wie ich, stark und auch schnell. Allerdings ist er eher ein sehr guter Pistolenschütze, was nicht heißt, dass er nicht trotzdem ein ernsthafter Gegner mit dem Schwert ist. Kleist und ich verschaffen uns etwas Raum nach hinten, um besser manövrieren zu können. Ich kann Xanthis ansehen, wie sehr er diese Situation hasst. Aber ich weiß auch, dass diese vier jungen Vasallen sieben Kadetten getötet oder bei deren Ermordung involviert waren. Ich habe für diese jungen Männer kein falsches Mitleid übrig. "Los! Los! Los! Macht dem Wahnsinn endlich ein Ende! Tötet die Conaris oder ich werde es an euren Müttern auslassen und sie von Muties zu Tode ficken lassen!" Immer wenn ich denke, Crestus kann nicht mehr tiefer sinken, belehrt er mich gekonnt eines besseren. Nun deutlicher Motiviert kommen die beiden Vasallen auf uns zu. Ich gehe nun Xanthis etwas entgegen, während Kleist sich Metelus vornimmt. Beide sind zwar keine guten Fechter, aber ich denke, Kleist sollte mit seinen Gegner solange in Schach halten können, bis ich ihm zu Hilfe eilen kann. Xanthis greift nun an. Schlag von oben nach unten, ich weiche aus, blocke seinen Nachschlag und schlage selbst zu. Er versucht zu parieren, verzieht aber. Nun habe ich die Initiative gewonnen und bleibe nun im Vor. Schnell setze ich ihn unter Druck, treibe ihn vor mich her, bis er über einen Hocker an der Bar stolpert. Mit rudernden Armen fällt er rückwärts, knallt auf die Theke und ist für einen Moment Hilflos. Ein kurzer Blick zu Kleist zeigt mir, dass er seinen Gegner im Griff hat und ich treten einen Schritt zurück. Inzwischen hat Xanthis sich aus seiner misslichen Lage befreit und stellt sich neu auf. "Warum hast du mich nicht getötet?", fragt Xanthis verblüfft und versucht Raum zu gewinnen. "Das ist nicht mein Stil, einen wehrlosen Mann von Adel zu töten. Außer bei Crestus, da bin ich durchaus bereit, meinen Codex etwas flexibler auszulegen", erkläre ich ihm gelassen. "Deine Arroganz wird dich eines Tages töten", prophezeit er mir ruhig. "Möglich, aber nicht heute", meine ich leichthin. "Ich hasse es in deiner Schuld zu stehen, aber noch mehr hasse ich Crestus! Mach dem Wahnsinn ein Ende!", mit diesen geflüsterten Worten greift Xanthis mich an, stürzt sich schon beinahe auf mich und ich erkenne, was er mir anbietet. Mit ausreichend Kraft schmettere ich ihn meinen Handschutz meines Schwertes gegen die Schläfe, was eine stark blutende Platzwunde verursacht und ihn betäubt zu Boden schickt. Mit dem Fuß trete ich sein Breitschwert weit von ihm weg. Nun gehe ich in Richtung Kleist und Metelus, die sich beide nichts schenken. Beide bluten aus je einer leichten Wunde. Um die Sache schnell abzukürzen, schlage ich Metelus mit dem Korb von hinten nieder. Hart kommt der junge Mann auf den Boden der Tatsachen auf und rührt sich erst einmal nicht mehr. "Jetzt sind nur wir zwei übrig, Crestus. Also zieh dein Breitschwert und stirb wie ein Mann!" Der Schnösel hat sich inzwischen in Richtung der Schaufläche verzogen und brüllt panisch in sein Mikrofunkgerät um seine Leibwächter zu rufen. Da niemand antwortet, denke ich, dass meine Leute ihre Aufgabe erfolgreich ausgeführt haben. Ich kann sehen, wie es nun in seinem Kopf rattert. Keine Vasallen mehr übrig, keine Leibwächter, die ihm zur Hilfe eilen. Wahrscheinlich ist er zum ersten mal in seinem Leben auf sich allein gestellt. Und ich werde alles daran setzen, dass es zum letzten mal in seinem verkorksten Leben ist. Für mich überraschend reißt er sich zusammen und kommt auf mich zu. Dabei nesselt er an einem seiner Ringe herum. "Digitalwaffe!", höre ich eine weibliche Stimme von weit oben. Könnte die von Lady Augusta sein, bin mir aber nicht sicher. Digitalwaffen sind fast einzigartig, unglaublich teuer und sind von normalen Schmuckstücken visuell nicht zu unterscheiden. In einem Ring ist genug Energie gespeichert, um mindestens einen vernichtenden Strahl aus Hochenergie zu produzieren. Im Einsatz habe ich noch nie eine solche Waffe gesehen. Die letzte Verteidigung eines Adligen mit sehr vielen Thronen. "Nein, du stirbst!", brüllt er und streckt mir die geballte Faust entgegen. Im letzten Moment springe ich zur Seite und ein blauer Strahl eines Hochenergielaserstrahles durchschneidet die Luft, wo ich gerade noch gestanden bin. Hinter mir ist Kleist und der hat nicht so viel Glück wie ich. Da er etwas kleiner ist als ich, trifft es nicht sein Herz, sondern fährt in seine linke Schulter, wo sich nun ein schmales qualmendes Loch gebildet hat. Mein Vasall kriegt große Augen und schaut auf seine Schulter mit einem rauchenden Loch. Es riecht auf einmal nach verbranntem Fleisch wie bei einem Grillfest. "Thronverdammt", fluche ich verbittert, dass schlimmste für meinen Vasall fürchtend. Der taumelt verletzt zurück. "Kümmere dich um Crestus!", ruft er mir zu und geht dann zu Boden. Er lebt noch. Kleist hat recht, ich muss erst die Sache mit dem Erben des Hauses Cascandor klären, bevor ich mich um meinen Vasallen angemessen kümmern kann. Da ich keine Ahnung habe, wie viele Schuss dieser Ring speichern kann oder er noch über weitere Digitalwaffen verfügt, überbrücke ich mit einem Sprung die Distanz und schlage zu. Im nächsten Moment fliegt die abgetrennte Hand von Crestus durch den Raum. Im Schock erstarrt schaut er seinen Armstumpf an, wo die Hand fehlt. Durch den Köprerschock spritzt kein Blut heraus. Da ich nicht darauf warten will, bis ihm eine neue Hand wächst, verpasse ich ihm mit dem Korb des Säbels einen Haken, der ihn krachend zu Boden schickt und ein paar seiner makellosen Zähne kullern über den Boden. "Warte! Bitte nicht!", bettelt er mich flehentlich an. Ich kann die Todesangst in seinen Augen sehen, ebenso, dass er sich gerade eingenässt hat. Und nach der Duftnote zu urteilen, hat er auch gerade die Kontrolle über seinen Darmausgang verloren. "Sie hieß Asa, du thronverdammtes Stück Groxdung!" Ich bin nun über ihn, nagle den deutlich kleineren und leichteren Crestus mit meinem Gewicht von knapp neunzig Kilo auf den Boden. Dies ist kein richtiges Duell mehr, dies ist nur noch pure Gewalt und ich fühle mich so unglaublich lebendig, während der Erbe des Hauses Cascandor zu mir aufblickt und realisiert, dass das letzte was er in seinem so sinnlosen Leben sehen wird, mein Gesicht ist. "Gnade!", kommt es blubbernd aus seiner Kehle. Ich werde im genau so viel Gnade erweisen, wie er Asa erwiesen hat. Allerdings weiß ich, dass es besser für mein Haus wäre, jetzt aufzuhören. Oder diesem Mistkerl nach der Herkunft der Karte zu fragen. Aber wenn ich jetzt Innehalte, werde ich das hier wohl nicht mehr zu Ende führen. Und etwas Dunkles in mir will, dass ich das nun durchziehe, koste was es wolle. Während ein anderer Teil in mir flüstert, es jetzt gut sein zu lassen. "Die junge schöne Frau, die du umgebracht hast, hatte neun jüngere Geschwister, die sie mit den Früchten ihrer Arbeit ernährt und zur Schola geschickt hat." Mit diesen Worten schlage ein weiteres mal zu, zertrümmere nun den Oberkiefer und auch das Jochbein. Sein linkes Auge beginnt sich mit Blut zu füllen. "Asa war forsch, intelligent, schön, talentiert in ihren Künsten und balancierte gekonnt zwischen amüsant frech und unverschämt." Ein weiterer Hieb und schlage ihm das blutige Auge aus, dass über den Boden hüpft. Der Erbe des Hauses Cascandor will mir noch etwas was sagen, aber nur ein blubberndes Geräusch kommt aus seinem zertrümmernden Mund. "Ich habe diese kleine Hure gemocht, sie war meine Favoritin und du Haufen Groxdung hast sie mir genommen." Ein gerader Hieb von Oben und ich zertrümmere ihm das Nasenbein. Die blubbernden Geräusche aus seinem Mund haben schon fast etwas belustigendes. Trotz der blutig ernsten Situation stoße ich ein gehässiges Lachen aus. "Ihr Name war Asa, nenne ihn, wenn du vor dem Imperator stehst und berichte ihm, dass Flavion Conari dich für deine infamen Verbrechen gerichtet hat!" Der nächste Hieb zertrümmert ihn den Schädel. "Fahr zur Hölle!" Obwohl er tot sein müsste, schlage ich noch mehrmals auf ihn ein. Zwölf mal insgesamt. Einmal für den Imperator, einmal für den großen Reformator Sebastian Thor, ein Hieb für den Verhüllten imperialen Engel mit seinem flammenden Schwert und für die neun heiligen Söhne des Imperators. Mein Atem geht schwer, meine rechte Hand tut höllisch weh und mein Gesicht ist voll von seinem Blut und Stückchen von seinem heraus gespritztem Gehirn. Der Handschutz meines Säbels ist deformiert, die herausgebrochene Figur des Heiligen Drusus steckt in Crestus zertrümmernden Schädel, was ein äußerst bizarrer Anblick ist. Ich schließe kurz die Augen und realisiere endgültig, was ich getan habe. Das wird Thronverdammt viel Ärger geben. Aber um die weiteren Folgen werde ich mich später kümmern. Jetzt ist erst einmal Kleist an der Reihe. Mein Vasall hat einen Wundschock erlitten. Die Wunde blutet nicht, da das Fleisch verbrannt ist. Trotzdem sieht das nicht gut aus. Er muss dringend medizinisch behandelt werden. Da trifft es sich gut, dass Braddok und Cussak auftauchen. Beide sehen leicht abgekämpft aus. Cussak hat was abbekommen, denn aus seinem linkem Ärmel tropft Blut herunter. "Wir müssen Kleist sofort zu einem Arzt bringen", richte ich mein Wort an meine Leibwächter, die sich schon professionell um den Verwundeten kümmern. "Lady Agatha, mir tut diese Sauerei außerordentlich Leid. Bitte setzen Sie das auf meine Rechnung. Sorgt ebenfalls auf meine Rechnung dafür, dass Theodoras Leichnam eingeäschert wird und schickt mir die Urne mit ihrer Asche bis zum frühen Nachmittag", wende ich mich an die graue Eminenz dieses Etablissements. Damit ist alles gesagt. Ich blicke kurz nach oben, aber ich kann niemanden mehr sehen. Ich frage mich, wer mich vor der Digitalwaffe gewarnt hat. War das wirklich Lady Augusta gewesen? Nakagos wirre Gedanken Und so beginnt es also. An der Szene habe ich lange gefeilt. Ich mag es, wenn jemand seine Chancen mit ein paar Tricks und Kniffen verbessert. Vielen Dank für die Likes .
  14. Kapitel VIII Als ich frisch geduscht und angezogen die Tür in öffne, sehe ich links Kleist zusammengesunken auf einem Sofa im Gang sitzen. Kurz bleibe ich irritiert stehen. Offensichtlich wartet er schon länger, aber warum tut er das nicht unten bei einem kühlen Getränk in angenehmer Gesellschaft? Etwas muss passiert sein, während ich angenehme Stunden in der Gesellschaft meiner neuen Konkubine verbracht habe. "Alles in Ordnung, Kleist?", frage ich ihn deswegen, als er aus seinen Gedanken aufschreckt. "Wir sollten unverzüglich aufbrechen", weicht er meiner Frage aus und wundere mich über meinen Vasall. Kleist ist einer der wenigen Menschen, die mit mir Klartext reden. Auch fragt er nicht, wie es gelaufen ist und ob ich nun eine feste Kurtisane habe. Oder erzählt, wie es bei ihm war. "Was ist los?", hake ich deshalb nach, da hier offensichtlich etwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Das trübt meine gute Stimmung ziemlich. "Crestus! Er macht gerade einen auf dicke Hose." In dem Moment kann ich seine Stimme hören, die unangenehm kreischt, wenn er etwas lauter wird. Ich blicke über die Brüstung nach unten, in dem viel zu leeren Raum. Offensichtlich schildert er gerade von seinen Vasallen flankiert einigen Gästen, eindeutig Adlige, die Heldentaten, die eigentlich ich vollbracht habe. Das er sich mit fremden Federn schmückt ist nichts neues. Kein Grund jetzt Trübsal zu blasen. "Und, wie war es?", frage ich das Thema wechselnd meinen Gefolgsmann. Immerhin hat er sich seine Belohnung verdient. "Gut, wirklich gut", erwidert er etwas fahrig, als wäre er mit den Gedanken ganz weit weg. "Wirklich glücklich siehst du mir aber nicht aus", erwidere ich und er straft sich, schaut mich an und will irgend etwas sagen, dass ihm deutlich unangenehm ist, dann setzt er eine Maske auf, lächelt falsch. Das bedeutet, dass etwas wirklich schlimmes passiert sein muss und er versucht mich vor der Wahrheit zu schützen. "Alles gut, die zwei Mädels waren willig, geschickt und haben mich vollkommen befriedigt." Inzwischen haben wir die lange Treppe nach unten erreicht. Die Stimme von Crestus wird lauter und Kleist mit jedem Schritt deutlich nervöser. Unten halten sich kaum noch andere Gäste auf, die Musikerinnen sind weg, keine Mädchen präsentieren sich mehr. Es ist zwar spät geworden für mich als Kadett, aber dieses Haus macht erst um sechs Uhr Morgens zu und bis dahin sind es noch fünf Stunden, wie ich mit einem Blick auf meinen Taschenchronometer mit einem Gehäuse aus polierte Adamantium, auf dessen Deckel der Rabe meines Hauses eingraviert ist, feststelle. Wie schnell und angenehm doch die Zeit mit Lady Augusta verflogen ist, mit der ich mich noch lange unterhalten habe. "Ah, ein Conari muss es sein!", begrüßt mich Crestus mit dem Werbeslogan meiner Familie, als er meiner gewahr wird. In diesem Augenblick wird mir mal wieder bewusst, dass dieser Spruch nicht wirklich durchdacht war. Schon auf der exklusiven Schola für höhere Gentleman in Tarsus haben Mitschüler mich anfangs damit aufgezogen. Bis ich dann einige der Frecheren zum Duell gefordert habe. Natürlich nicht auf Leben und Tod, sondern nur bis zum ersten Blut. Alles andere wäre übertrieben gewesen. Und ich kann sagen, ich habe keinen umgebracht und keiner hat Körperteile verloren. Aber jedem habe ich eine hübsche Schmisse auf eine Wange gesetzt mit den Worten: "Eine Conari muss es sein!" Das habe ich vier mal gemacht, dann war dort für immer Ruhe. "Ignoriere ihn!", meint Kleist zu mir leise in einem Tonfall, der zwischen beschwörend und beunruhigt schwankt. Etwas Furchtbares muss vorgefallen sein, etwas das so schlimm ist, dass Kleist sich nicht traut, es mir direkt zu sagen. Aber was kann das sein? Ich muss gestehen, ich stehe vollkommen auf dem Schlauch. "Crestus! Welch unwillkommene Überraschung! Und was machen die Kopfschmerzen?", begrüße ich den arroganten Schnösel betont freundlich und schenke ihm ein so falsches lächeln, dass selbst er dieses als solches erkennen muss. "Danke der Nachfrage, Conari." Da Crestus nicht weiter darauf reagiert, versteht er offensichtlich meine Anspielung nicht, was wiederum bedeutet, dass er immer noch nicht weiß, dass ich ihm mit einem Stein diese Kopfschmerzen eingebrockt habe. "Und? Vermisst du jemanden?", fragt er mich und zieht ein Etui aus poliertem Elektrum für Lho-Stäbchen aus der Tasche. Er schüttelt es breit grinsend und irgend etwas klimpert darin. Ganz normal gehe ich weiter nach unten und versuche meine Irritation nicht anmerken zu lassen. Vermisse ich jemanden? Ist da eine Anspielung auf die gefallenen Kameraden, die ich in der Verbotenen Zone zurück gelassen habe? "Nicht das ich wüsste, Crestus", erwidere ich betont desinteressiert meine Unsicherheit überspielend und er lacht gehässig auf. Was entgeht mir hier? Was will Kleist mir nicht sagen, der inzwischen so nervös ist, dass jeder ihm das auch ansieht. Wir haben nun den Fuß der Treppe erreicht. "Hör nicht auf ihn, wir gehen einfach weiter!", flüstert mir Kleist heiser zu. Da Kleist nicht nur mein Vasall sondern auch mein Freund ist und ich denke, er will mich vor Schaden schützen, folge ich seinen Rat. "He, Conari, ich hab gehört, deine Mutter leckt Fotzen!", ruft der Erbe des Hause Cascandor mir nun zu, nachdem ich Kleist Rat gefolgt bin, ihn zu ignorieren und den halben Weg zum Ausgang schon hinter mir gebracht habe. "Und ich hab gehört, du findest noch nicht einmal dein eigenes Arschloch ohne Karte und Auspex", erwidere ich ohne auf seine Beleidigung einzugehen. Meine Mutter hatte nach ihrer Verjüngungskur ihre geheime Seite entdeckt und teilt nun mit meinem Vater dessen Mätressen. Das war ein offenes Geheimnis und leider auch die Wahrheit. Deswegen gehe ich auf seine Beleidigung nicht ein. Offensichtlich will er mich in ein Duell zwingen, dass war jetzt klar. Duelle unter Adligen sind im Calixissektor legal und gang und gäbe. Meist belässt man es beim ersten Blut. Oder bis einer aufgibt, ein Körperteil oder das Bewusstsein verliert. Duelle auf Leben und Tod sind eher die Ausnahmen. Wer fordert, ist klar im Nachteil, da der Kontrahent, Ort, Uhrzeit, Bedingung und Waffe festlegt. Auch kann der Geforderte durchaus einen Stellvertreter bestimmen, den sogenannten Schiedsmann. Und Crestus Onkel war der beste Schwertkämpfer den der Calixissektor angeblich je hervorgebracht hat. Fordere ich Crestus, wird er das Duell nach Tarsus legen und als Schiedsmann seinen schier unbesiegbaren Onkel vorschicken, der mich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit töten würde. Einer der Gründe, warum bis jetzt noch niemand Crestus im Duell getötet hat. "Weißt du, was ich hier drin habe?", schreit Crestus mich nun an, ohne auf meine Beleidigung weiter einzugehen, aber ich kann sehen, dass ich ihn getroffen habe. Wahrscheinlich neidet er mir den Erfolg, dem seiner Meinung ihm zusteht, da er ja der eigentliche Anführer war. Nur war er eben durch den "Steinschlag" während dem ganzen Gefecht ausgeschaltet. Und ich schätze mal, bis jetzt hat ihm keiner gesagt, dass ich es war, denn sonnst hätte er mir das schon längst vorgeworfen. "Deine kleinen Hoden?", frage ich zurück und bin nun an der Tür zum Empfangsraum, wobei Kleist beinahe über seine Beine stolpert, als er mir die Tür aufreißt, um mich schnell durchzuschieben. "Die Zähne von deiner Lieblingshure! Theodoras Zähne!", ruft er nun mir zu, öffnet das Etui und schüttet sie auf den Tisch aus. Ich kann sie über die Holzfläche selbst hier noch klimpern hören, weil im ganzen Haus eine gespenstische Ruhe herrscht. Theodora ist meine Favoritin in dem Haus, die ich normalerweise sonst nehme. Heute war sie ja schon für den Tag gebucht. Und jetzt wird mir klar, wer sie gebucht hat. Für ein normales Habmädchen hatte Theodora wohlgeformte, ebenmäßige Zähne gehabt. Da ich nicht nur mit ihr gevögelt habe, sondern wir uns zwischendurch durchaus unterhalten haben, weiß ich einiges von ihr. Ihren Träumen, einst ein eigenes Haus zu führen, von ihren neun jüngeren Geschwistern, denen sie ein besseres Leben bieten wollte, als sich in einer Manufaktur zu Tode zu schuften. Von ihrem Vater, der nach vierzig Arbeitsstunden am Stück tot an seinem Montageplatz zusammen gebrochen war. Von ihrer Mutter, die sie wegen aufgehäuften Schulden auch wegen der Beerdigungskosten hat verkaufen müssen und das Theodora sich freiwillig dazu gemeldet hatte, um ihre jüngeren Geschwister zu schützen. Ich erstarre und lasse mich nicht von Kleist hinaus drücken. "Flavion nicht! Keine Vendetta! Deines Vaters Befehle waren eindeutig!", zischt er mir zu. Ich sehe ihn an, sehe die Panik in seinen Augen. Er hat Recht, die Befehle meines Vaters, unseres beider Familienoberhauptes, waren eindeutig, keine Duelle bis zum Tod, keine Vendetta vom Zaun brechen oder wieder aufflammen lassen. Auch wenn es weh tut. Also gebe ich meinen Widerstand auf und lasse mich schieben. "Die kleine Schlampe hat gejapst wie ein Welpe, als ich ihr das Fleisch von den Knochen mit meiner Rute gepeitscht habe, bis sie tot war", verkündet er nun so triumphierend, als hätte er erfolgreich die gesamte Xenospopulation der Galaxis ausgerottet. Bis jetzt ging ich davon aus, dass Crestus Theodora nur schrecklich gefoltert hat, ihr das genommen hat, auf was sie so Stolz gewesen ist, ihre trotz ihrer niedrigen Herkunft makellosen Zähne, mit denen sie oft an mir geknabbert hat. Etwas zerbricht in mir, als ich realisiere, dass er meine Lieblingshure nur deswegen getötet hat, um mich in ein Duell zu zwingen. Ich bin ziemlich sicher, dass er das nicht nur erfunden hat. Ein Menschenleben ist für jemanden wie Crestus nur eine Summe in Thronen. Er zahlt der Hausherrin, eine niedere Adlige mit dem Namen Lady Agatha eine Kompensation bestehend aus Kaufpreis und den erwartenden Einnahmen in der Zukunft und das war es dann für ihn. Eine Summe, die ihn nicht tangiert und damit ist das Thema vom Tisch. Nun leiste ich gegen Kleists Bemühungen widerstand und fasse ihn fest an der Schulter an. "Kleist, es reicht, du hast alles versucht um mich aufzuhalten. Das werde ich auch Vater erklären. Jetzt musst du dich der Frage stellen, bist du mein Vasall oder der meines Vaters. Ich brauche dich jetzt, als meinen Freund!", sage ich vollkommen ruhig zu ihm in einem leisen Tonfall. "Schaut Euch die beiden an! Komm schon Kleist, geh auf deine Knie und blase deinem Herrn und Meister einen!", kreischt Crestus, als er uns tuscheln sieht, um mich weiter zu provzieren. "Dieser Halbgrox ist es nicht wert! Theodora war doch nur ein unbedeutendes Habmädchen! Wo sie herkommt, gibt es noch hundert Millionen andere. Wirf dein Leben nicht deswegen weg!", versucht er es noch einmal, mich zur Vernunft zu bringen. "Ihr richtiger Name war Asa, sie war Neunzehn Jahre jung. Sie hat neun jüngere Geschwister, die sie mit ihrem Bonus hier ernährt hat, die sie auf weiterführende Scholas geschickt hat, damit sie mal ein besseres Leben haben. Und sie ist nur deswegen tot, weil Crestus mich in ein Duell zwingen will. Asa war vielleicht nur ein Habmädchen. Theodora war nur eine Hure. Aber sie war Thronverdammt noch mal eben meine Hure!" Meine Stimme bleibt ruhig und monoton, nur den letzten Satz betone ich deutlich. "Ich frage dich ein letztes mal, kann ich auf dich zählen, als meinen Freund und Bruder?" "Gut, Bruder! Ziehen wir es durch!", meint Kleist und straft sich. Für einen kurzen Moment umfassen wir unsere Nacken und drücken unsere Stirn einander. "Sag den Jungs draußen Bescheid, dass sie die Leibwächter vom Haus Cascandor unter allen Umständen draußen halten sollen." "In Ordnung!" Kleist bleibt kurz zurück, um die Meldung abzusetzen. "Hu! Schaut sie euch an! Zwei Sodomiten!" Crestus lacht laut und seine Vasallen lachen verhalten mit. Sonst ist es hier ruhig. Ich löse mich von Kleist, straffe mich und setze eine neutrale Miene auf, als ich mich auf die Sitzgruppe zubewege, die Crestus okkupiert hat. Das ist nun kein hochklassiges Bordell mehr, sondern ein Gefechtsfeld und ich habe eine klar definierte Mission, nämlich Crestus Cascandor zu töten! Koste was es wolle. Gerechtigkeit, auch wenn dafür der Sektor brennen sollte. Nakagos wirre Gedanken Nach dem Erotikteil wenden wir uns nun wieder handfesteren Dingen zu. Vielen Dank für das Like.
  15. Kapitel VII "Wie sieht den eine Todeskultassassine aus?", frage ich sie lauernd und beobachte ganz genau ihre Reaktion. "Touché, mein lieber Flavion Conari", meint sie lachend und hört auf, meinen Schwanz mit ihrer Hand zu bearbeiten. "Aber nein, ich bin keine Todeskultassassine. Ich bin wirklich eine Adlige aus Malfi, dass hast du schlau erkannt. Mein Haus ist klein und unser Anwesen war nicht wirklich weit oben. Aber ich hatte eine schöne, unbeschwerte Kindheit und genoss als Jugendliche das Leben in vollen Zügen. Ich hatte viele Bekanntschaften und so lange ich nicht schwanger wurde, war es meinen Eltern egal, was ich so trieb und ich trieb es wirklich wild. In vielen mittleren Häusern ist es üblich, dass die Mitglieder mit sechzehn dem Ritual stellen. Das ist ähnlich wie deiner Großen Jagd hier. Der Aspirant wird in eine verstärkte Bodysuit gesteckt, bekommt einen Wurfdolch, ein Überlebensmesser und eine Waffe seiner Wahl gestellt. Dann setzt man ihn im Underhive aus und man muss mindestens einen Mutie erlegen, bevor man einen Punkt erreicht, wo man abgeholt wird. Das war für mich ein Erweckungserlebnis. Nicht nur der übliche Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen, sondern das hat mich wirklich berührt, dass war meins. Deswegen war ich so an deiner Schwester interessiert, weil ich auch gerne hier dem Rausch der Jagd folgen würde. Um dieses Ritual zu überleben, muss man natürlich kämpfen können. Deswegen bin ich so trainiert, ich bin geschult in der Kampfkunst der Giftigen Hand, dem Messer wie auch dem Schwertkampf. Ich bin keine Meisterin, aber ich bin nicht schlecht. Natürlich kenne ich mich auch mit Schusswaffen etwas aus, verfüge aber nur über ein äußerst rudimentäres Können." Was sie erzählt, erklärt einiges. "Was hast du eingebaut?", frage ich mal nun neugierig nach, da sie nicht erklärt hat, warum sie schwerer ist, als es ihr schlanker Körper vermuten lässt. "Ich habe ein Geflecht aus hochwertigen Verbundwerkstoffen im Brustbereich und an einigen empfindlichen Stellen, weil das ein guter Schutz vor Attentaten ist." Indirekt heißt das, dass Lady Augusta entweder einige missgünstige Verwandte hatte oder mächtige Feinde, die Worten Taten lassen folgen konnten. "Das ist es also. Und warum bist du nun hier?" "Darf eine Lady ein paar Geheimnisse für sich behalten?", fragt sie mich lächelnd. Bis jetzt hat sie mehr oder weniger bestätigt, was ich schon wusste oder eben zu wissen glaubte. In dem ich mit meinen vermeintlichen Erkenntnissen geprahlt habe, hätte sie auch ihre Geschichte einfach meinen ausgesprochenen Gedanken anpassen können. Augusta hat mir ihr großes Interesse an meiner Schwester und auch der großen Jagd erklärt. Es klingt für mich schlüssig, da ich von diesem Ritual schon gehört habe, da sich auch meine Mutter dieser Prüfung unterzogen hat. In meiner Makropole gibt es solche Bräuche nicht, da Tarsus komplett anders gegliedert ist, weil diese Stadt mit ihren fast acht Milliarden Einwohnern mitten in der Wüste der Sühne steht. Die hohen adligen Häuser haben ihre Behausungen da, wo sonst die Mutiestämme hausen. Muties gibt in Tarsus nicht viele, weil die eben keinen Rückzugsort haben, wie in anderen Schwarmstädten und wirtschaftlich keinerlei Rolle spielen. Es gibt in Tarsus keine traditionellen Nischen für Muties, also keinen Bergbau, Verhüttung oder Chemowerke. Kinder mit Makel werden nach der Geburt der Sonne ausgesetzt und die erledigt das Problem in weniger als zwei Stunden, da in der Wüste der Sühne am Mittag Temperaturen durchaus mal fünfzig Grad im Schatten herrschen. Aber wie heißt es so schön, niemand zwingt einen im Schatten zu verweilen. Ich denke, die junge Lady hat gute Gründe, dass sie nicht mehr in Malfi ist. Über das warum könnte ich wahrscheinlich hundert Szenarien entwerfen, die alle zutreffen könnten oder eben auch nicht. Da Augusta es mir nicht frei heraus sagen will, bedeutet, dass sie das hier ihr Hobby nicht zum Beruf aus einer Laune heraus gemacht hat. Sie hat eine angeblich unbeschwerte Kindheit gehabt und das übliche Ritual überlebt. Also sind es wohl nicht ihre Eltern an sich, die ihr den Geldhahn zugedreht haben. Mir wird klar, dass spekulieren mich nicht weiter bringt, sondern es geht hier darum, dringe ich weiter in sie vor oder nicht. Sie will offensichtlich mich nicht anlügen, sonst hätte sie irgend etwas nichtssagendes wie "Ich mache hier mein Hobby zum Beruf" geäußert. Ich mag diese junge Frau, finde sie interessant und sehe ein, dass wir uns noch nicht gut genug kennen, um alle Geheimnisse zu teilen. Schließlich kennen wir uns erst seit etwas über einer Stunde. Innerlich weiß ich, dass ich diese Frau an meiner Seite haben will. Eine solche Kurtisane wird mir gut tun, ich schätze ihre Art und sie scheint mir aufrichtig genug zu sein. "Nun gut, ein so wunderschönes Mädchen darf durchaus ihre Geheimnisse haben", erkläre ich großzügig und fahre fort: "Wenn dich meine Schamhaare so stören, dann darfst du mich rasieren." "Das ist wirklich sehr rücksichtsvoll von dir", erwidert sie nun schelmisch grinsend und steht auf, um ihr Rasierzeug zu holen. Es ist ein kleines Ledertäschchen mit den notwendigen Sachen. Zuerst schneidet sie mit einer Schere die Schamhaare kurz über der Wurzel ab. Dann nimmt sie einen Pinsel, etwas Rasierschaum und trägt ihn auf. Für dein Feinschliff benutzt sie einen Damenrasierer. Ein offenes Rasiermesser hätte ich jetzt nicht so prickelnd empfunden. "Wie ein Kinderpopo", verkündet die Kurtisane, die sich gerade als Barbier der besonderen Art bewährt hat, als sie prüfend mit den Fingerspitzen über ihr Werk fährt. Dann nimmt sie meinen Hodensack in den Mund, lutscht an meinen Eiern als wären es Bonbons. Dann macht sie das Backenhörnchen, in dem sie meine Hoden auf die Innenseite ihre Backen drückt. Da muss ich lachen und sie auch, als sie diese wieder "ausgespuckt" hat. Auch sie lacht, bevor sie mit der Zunge an meinen Schaft hochfährt und dann spielerisch neckend über meine Eichel leckt. Dann saugt sie die Spitze wieder ein Stück ein, umspielt die Eichel mit ihrer Zunge und viel Speichel. Dann lässt sie ihren Kopf arbeiten, fährt leicht mit einer gekonnten Drehung vor und zurück. Mit jeder Hubbewegung kommt sie tiefer, meine Eichel drückt gegen ihren Rachen und sie schluckt ihn dann wieder runter. Sie fährt runter bis zum Anschlag, spielt mit der Zunge an meinem Hodensack und fährt schließlich langsam wieder hoch. "So fühlt sich das wirklich gleich viel besser an. Ich mag rasierte Haut einfach." Wieder fährt sie mit ihren Lippen bis ganz nach, hält kurz die Position und fährt wieder nach oben. Dann spielt ihre Zunge wieder an meiner Eichel, fährt außen am Schaft nach unten und kümmert sich mit ihren Lippen wieder um meine Eier. Wieder schmeichelt ihre Zunge meinem Schaft, die Eichel und ihre Lippen küssen meinen Schwanz. Sie spielt regelrecht etwas damit, bevor sie mich wieder reizt. Mir gefällt, dass sie das Tempo nicht forciert, es nicht überstürzt, sondern sich viel Zeit lässt, mir Pausen gönnt, wo sie nur spielt. Die meisten Frauen die ich bis jetzt hatte, Huren in der Regel, waren meist eher erpicht darauf, es schnell hinter sich zu bringen oder ihn so schnell wie möglich in sich reinzustecken. Selbst Theodora, die von ihren Fähigkeiten den ihren vielleicht sogar ein Tick überlegen ist, wollte meinen Schwanz lieber in ihrer goldenen Mitte haben. Aber Lady Augusta ist anders, ich merke, ihr macht das wirklich Spaß, was sie da macht und damit macht es mir gleich noch viel mehr Spaß. So wie bei Theodora. Schade, dass es nie zur Disposition stand, sie aus ihrer Schuldknechtschaft zu kaufen. Ein schwarzhaariges Teufelchen und ein blondes Engelchen würden sich gleichzeitig gut in meinem Bett machen. Diesen Gedanken speichere ich mal. Lady Augusta behandelt gerade meinen Schwanz wie einen leckeren Lutscher, da sie von den Hoden aus der ganzen Länge nach oben schleckt, bis sie wieder an der Eichel etwas saugt. Nun fährt sie mit ihren Lippen an ihn herab, schluckt ihn genüsslich runter bis zum Schaft, bleibt dort mehrere Sekunden, wobei ihre Zunge frech das Skrotum neckt. Dann fährt sie wieder hoch und macht wieder den Lutscher. Das macht sie mehrmals, dann spielt sie wieder an meinem Sack und macht das Backenhörnchen, um meinen Penis abzukühlen. "Wollen wir neunundsechzig machen?", frage ich sie, da ich es zwar schätze, dass sie sich vollkommen auf mich konzentriert, aber ich würde sie gerne wieder etwas lecken. "Nein, dass ist eine Demonstration meiner Kunstfertigkeit in der Hohen Kunst des Fellatio." "Gut, so soll es sein, Augusta. Dann vollbringe mal dein Meisterwerk", gehe ich nur zu gerne auf dem Kompromiss ein. Also lehne ich mich zurück und genieße die Show. Lady Augusta ist wahrlich eine formidable Schwanzlutscherin. Am liebsten würde ich Theodora als direkter Vergleich hinzuziehen, um zu sehen, wer letztendlich besser in der Lage ist, meinen Schwanz zu verwöhnen. Intensiv kümmert sie sich um meine Hoden, saugt und lutscht an ihnen, dann schleckt sie am Schaft entlang und spielt neckisch mit der Eichel. Das reicht, um mich immer erregter werden zu lassen, aber sie weiß, dass sie mich so eher nicht zum abspritzen kommen lässt. Dafür lässt sie sich sehr viel Zeit. Schließlich nach einer intensiven Zeit des neckens beginnt sie mit ernsthafter Kopfarbeit. Mit ihren Lippen fährt sie nur den Bereich bis über die Eichel hin und her, dreht dabei ihren Kopf und setzt gekonnt ihre Zunge ein. Ab und zu fährt sie ganz runter, um die Sache etwas heraus zu zögern. Das kann sie verdammt gut. Die ganze Zeit über hält sie Augenkontakt um zu sehen, wie mir das ganze gefällt. Und mir gefällt, was sich sehe. Für mich ersichtlich, hat sie großen Spaß an ihrer Arbeit. Was man gut kann, geht einem eben auch leicht von der Hand. Nachdem sie mich recht lange bearbeitet hat, beginnt sie nun mit schnellen Hüben mit fest gepressten Lippen, um den notwendigen Druck aufzubauen, während sie ihren Kopf dabei leicht hin und her dreht. "Ich komme!", warne ich sie vor, als meine Prostata deutlich motiviert meinen Samen heute schon zum zweiten mal heraus schleudert. Augenblicklich hört Lady Augusta auf, ihren Kopf zu bewegen und saugt nur noch, während ich ihr meinen Samen in starken Schüben in den Mund pumpe. Schließlich klingt mein Orgasmus ab. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht entlässt sie meinen vollkommen leergesaugten Schwanz. Offensichtlich genussvoll lutscht sie an meinem Sperma, bevor sie den Mund öffnet und mir die Landung auf ihrer Zunge zeigt. Dann schließt sie den Mund, grinst noch einmal breit und schluckt dann ihren Mundinhalt nach unten. Schließlich öffnet sie den Mund und zeigt mir ihre rosafarbene Zunge, mit der sie wirklich interessante Dinge anstellen kann. "Du bist wirklich eine Meisterin deines Faches!", lobe ich ihre Kunstfertigkeit angemessen und sie grinst breit, während sie mich zurück ins Bett führt, wo wir uns bequem machen. "Wie sich sehe, hat es dir gut gefallen. Deine Zeit in der Akademie ist doch in zwei Tagen zu Ende. Was hast du danach vor? Imperiale Armee? Planetare Vertreidigungstruppen? Oder zwei weitere Jahre Akademie, um die höheren Weihen zu erhalten?" "Keins von all dem. Wenn ich eines in den letzten zwei Jahren gelernt habe, dann, dass ich nicht als Offizier einer Armee tauge." "Das verstehe ich jetzt nicht, du hast doch als kommandierender Offizier die Abschlussprüfung der Großen Jagd mit Bravour gemeistert." "Aber erst, als ich wirklich der oberste Kommandant war und mir niemand mehr herein geredet hat. Trete ich in eine Armee ein, werde ich zwar ein Kommando über eine gewisse Anzahl an Männern haben, aber viele andere stehen über mir. Ich habe keine Lust darauf gesagt zu bekommen: Leutnant Conari, rücken sie mit ihrem Zug auf Planquadrat Zeta vor, beziehen sie auf Höhe 424 Stellung nach Schema Gamma III, setzen sie Vorposten hier, hier und hier. Melden sie spätestens um zwanzighundert Vollzug und halten sie dann die Stellung gegebenenfalls bis zum letzten Mann. Wegtreten! Das ist nicht meine Welt. Auch habe ich keine Lust auf Kulth oder einem anderen umkämpften Planeten der Spinnwärtigen Front verheizt zu werden." "Warum warst du dann auf der Akademie, wenn du nie vorhattest, in die Armee einzutreten?", fragt sie mich verwundert. "Ehrlich gesagt, habe ich komplett andere Pläne. Ich weiß nicht, wie tief du meine Familiengeschichte recherchiert hast, aber das Haus Conari verfügt über einen Freihändlerbrief, ausgestellt vom heiligen Drusus persönlich. Mein Vorfahr, Flavion - der Große - Conari, war der Stratege hinter dem Angevin Kreuzzug. Angevin war sicherlich der politische Kopf, Initiator und Oberkommandierende des Feldzuges. Aber mein Vorfahr war der strategische Architekt der ersten Phase des Kreuzuges. Nach Angevins Tod wäre er der logische nächste Oberbefehlshaber geworden, aber General Drusus hat meinen Vorfahr damit ausgebootet, dass er ihm einen Freihändlerbrief übergeben hat. Dazu noch den Zerstörer "Himmlische Faust". So eine Ehre kann kein Untertan des Gottimperators ausschlagen und so wurde Großadmiral Flavion der Große, der Stammvater meines Hauses, äußerst geschickt ins Abseits befördert. Damals war er schon weit über hundert Jahre, hatte vierzehn legale Kinder von zwei Frauen, etwas über dreißig anerkannte Kinder von Konkubinen und einen Haufen Enkel und Urenkel in allen möglichen Position in der Flotte, Armee oder Administration. Das ermöglichte meiner Familie trotz aller Widrigkeiten hier im Sektor viel Beute zu akquirieren. Ganze Landstriche, in einem Fall sogar ein Kontinent auf verschiedenen Welten gehören meinem Haus. Inzwischen gehören meiner Familie einige Raumschiffe, darunter ein Leichter Kreuzer im Monitorschema, die "Audacia". Auf der befindet sich der Freihändlerbrief und das Kommando hat mein Onkel Ravion seit einigen Jahren und der Familienrat ist nicht besonders zufrieden mit seinen äußerst bescheidenen Erfolgen in der Koronus Weite. In ein paar Jahren kann es sein, dass er abberufen wird und da werde ich in den Startlöchern stehen, um der neue Lordkapitän der "Audacia" zu werden." Und damit weiß sie mehr als die meisten meiner engsten Vertrauten. Nur mein Lebenswart Caine kennt meine Ambitionen zur Gänze. "Und wie willst du das erreichen?", fragt sie mich weiter aus. "Das wird nicht einfach werden. Um mir einen Namen und auf mich aufmerksam zu machen, will ich einer der fünf Schiedsmänner im Haus werden. Du weißt ja sicherlich, auf Scintilla werden Rechtsstreitigkeiten über Duelle ausgetragen. Momentan ist mein drei Jahre älterer Bruder einer der Schiedsmänner und ich denke, er wird bald auf einen anderen Posten berufen werden. Dann werde ich wohl seinen Posten übernehmen und hoffentlich einen Namen in den Gerichtsarenen erkämpfen können. Als erster Schritt werde ich wohl ein Kommando in den Haustruppen hier auf dem Planeten antreten. Jedenfalls werde ich damit meinen Vater löchern. Und das werde ich machen, bis ich Schiedsmann werden kann", erkläre ich meine ersten Schritte auf dem Weg zur Unabhängigkeit. "Und nach dem Posten als Schiedsmann?", fragt sie neugierig weiter. "Unser Haus hat wohl eines der größten privaten stehenden Heere hier im Sektor und wir vermieten unsere Truppen auch von Zeit zu Zeit an uns verbündete Häuser. Der größte Verband ist auf einem Schiff stationiert und kann jederzeit eine Landungsoperation durchführen und damit jedes Problem aus der Galaxis schaffen. Da will ich dann rein kommen um zu zeigen, dass ich einen größeren Verband führen kann. Durch Erfolge will ich mir einen Namen als militärischer Führer machen und so hoffentlich meinen Vater und den Familienrat überzeugen, dass ich der beste Mann bin, um auf der "Audacia" für frischen Wind zu sorgen. Als Freihändler mit meinem eigenen leichten Kreuzer fernab meines Vaters und des Familienrates wird mir dann keiner mehr reinreden, wie ich was zu machen habe. Das sind so meine Pläne für meine Zukunft", erzähle ich meinen Plan frei heraus, als wäre ich ein Schurke in einem schlechten Film, der dem Helden, oder besser gesagt dem Publikum, seinen genialen Plan zur Herrschaft über die Galaxis erklärt. "Das ist sehr ambitioniert", kommentiert Lady Augusta meinen Karrierepfad. "Stimmt! Aber man wächst mit seinen Zielen", meine ich grinsend. "Lordkapitän eines leichten Kreuzers, damit wärst du wirklich sehr unabhängig. Nur wenige kommen mit der Bürde eines solchen Kommandos klar. Besonders da die Koronusweite außerhalb des Imperiums liegt." "Große Risiken bringen meist großen Gewinn. Für mich fühlt sich das richtig an. Mein eigenes Kommando, niemand redet mir rein und ich kann mir meine Leute aussuchen, nach meinem Standard ausbilden und in die Schlachten führen, die ich mir aussuche." "Und was treibt dich an?", fragt sie weiter nach. "Stolz würde ich sagen. Ich bin meinem Namen und Haus verpflichtet und will dem Ehre machen. Ich möchte, dass meine Eltern stolz auf ihren jüngsten Sohn sind. Und ich möchte, dass meine Untergebenen mich nicht nur respektieren, sondern mir dienen, weil sie von mir überzeugt sind. Ich werde nie jemanden zu etwas zwingen, zu was ich nicht selbst bereit bin zu tun. Ich will meine Truppen von vorne führen, in ihren Reihen stehen und das gleiche Risiko tragen. Weil ich selbst auch niemanden respektiere, der nicht bereit ist, der gleichen Gefahr ins Auge zu sehen, in die er mich schickt", erkläre ich meinen Antrieb und was ich fühle. So offen war ich noch nie zu einem Menschen und das verwundert mich doch etwas. Schließlich kenne wir uns kaum und vielleicht treffen wir auch kein Arrangement. Und falls doch, ist diese Arrangement wohl nur zeitlich begrenzt und wer weiß, wessen Kurtisane dann sein wird und ob sie diese Informationen dann gegen mich richtet. Aber kaum habe ich diese Gedanken, zerfasern diese auch wieder. "Wie sieht es aus, kommen wir zusammen?", frage ich sie. "Das liegt ganz bei dir, mein lieber Flavion", erwidert sie und spielt mit meinen Brusthaaren. "Nun gut, es wäre mir eine Ehre dein Gönner zu sein", gebe ich kund. "Dann ist es beschlossen. Ich hole mal kurz den Vertrag." Der liegt in der obersten Schublade in zweifacher Ausführung schon griffbereit. Ebenso Tinte und eine exotische Feder. Der Text ist generisch, sie trägt nur meinen Namen ein und unterschreibt. Sie überreicht mir mit einer feierlichen Geste den Vertrag. Der erstreckt sich über mehrere Seiten. In dem werden verschiedene Dienstleistungen und gegenseitige Pflichten fixiert. Dieser Vertrag läuft erst einmal über drei Monate und kann dann mit beidseitigem Einverständnis um jeweils ein halbes Jahr verlängert werden. "Ist die Summe verhandelbar?", frage ich, da der Betrag einiges von meiner Apanage fressen wird. Dazu noch Kleidung, Logis und weitere Vergünstigungen. "Auch eine Lady braucht Throne", meint sie dazu nur. "Diese besondere Lady ist jeden einzelnen Thron davon wert", gebe ich mein Einverständnis. Da ich keine Schreibunterlage habe, setze ich meine Unterschrift damit, in dem ich den Vertrag auf ihrem nackten Po lege und dann da unterschreibe. "Ich hätte es auch für die Hälfte gemacht", meint sie nun schelmisch grinsend. "Und ich hätte das doppelte bezahlt", erwidere ich und wir lachen beide aus vollem Hals. Der Humor stimmt bei ihr auch. Nakagos wirre Gedanken Die Erotikeinlage war Anfangs etwas länger gefasst, habe dann aber aus zwei Kapiteln eines gemacht, da das so die Geschichte schneller voran bringt.
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