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Wege zur Verdammnis


Zavor

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Genau so, wie er es sich erhofft hatte, verliefen auch die nächsten Stunden: Einem ausgiebigen Spaziergang folgte eine schmackhafte Mahlzeit. Eine wohl gelaunte Macht hatte sich des Pärchens angenommen, so schien es. Die ganze Zeit über war keine Wolke am Himmel zu erkennen, die matten Lichtstrahlen wärmten die Herzen der Menschen wie auch ihre Leiber gleichermaßen. Heinrich konnte nicht glücklicher sein an diesem Tage. Was brachte ihm schon das Vermögen, das er angehäuft hatte im Vergleich zu der Liebe, die er für Isolde verspürte und die sie so innig erwiderte?

 

In der Zwischenzeit hatten sie einen Pfad eingeschlagen, der sie ein Stück abseits führte von den Hauptstraßen. Der junge Kaufmann und seine Geliebte wollten sich etwas erholen vom Trubel, dem sie seit ihrem Treffen am Rande des Marktes ausgesetzt waren. Isolde hatte darauf gedrängt und Heinrich war ihrem Vorschlag natürlich ohne einen Widerspruch nachgekommen. Nun schlenderte das Paar durch eine Gasse, deren Bauweise darauf schließen ließ, dass sie vor langer Zeit gebaut worden war. Sie bot ausreichend Platz, dass drei Personen sie nebeneinander durchschreiten könnten.

 

Als zwei Personen in gut fünfzehn Metern Entfernung in die Gasse einbogen, warf Heinrich ihnen nur einen kurzen Blick zu, mehr aus Reflex, denn aus Interesse. Wieder richtete er seine Aufmerksamkeit auf Isolde, die ihm gerade von einer amüsanten Geschichte berichtete, die sich vor Kurzem in dem Heim ihrer Eltern zugetragen hatte. Im nächsten Augenblick veranlasste ihn ein Instinkt, sich umzudrehen. Auch hinter ihnen waren zwei Personen aufgetaucht. Heinrich beschlich ein ungutes Gefühl, obgleich es keinen handfesten Grund hierfür gab. Seine Begleiterin hatte die Sorge ihres Geliebten wahrgenommen und befragte ihn hierzu. Sanft brachte er sie zum Stehen, ohne auf ihre Frage einzugehen. Als sich der Kaufmann abermals umsah, realisierte er - von einem leisen Seufzer begleitet - dass das Auftauchen der vier Gestalten kein Zufall war.

 

Im Abstand von jeweils zwei Metern blieben die beiden Zweiergruppen stehen. Wie Heinrich leicht erkennen konnte, handelte es sich um vier Männer. Ihre dunkle Kleidung war in einem genauso ungepflegten Zustand wie sie selbst. Keiner von ihnen dürfte seit Längerem zu einem Rasiermesser oder einem Stück Seife gegriffen haben. Der Wind, der sanft durch die Gasse zog, trug den leicht widerlichen Geruch der vor ihnen stehenden Gestalten zu Heinrich und Isolde, die sich an ihren Begleiter klammerte, da auch sie schlussendlich bemerkt hatte, dass sie sich in einer schwierigen Lage wiederfinden mussten. Wie der Kaufmann durch einen flüchtigen Blick erkennen konnte, hatte noch keiner der Mannen eine Waffe gezogen. Wohl möglich würde sich diese Situation ohne viel Aufhebens bereinigen lassen, so hoffte er.

 

Mit ruhiger Stimme ergriff Heinrich das Wort: "Bitte, meine... Herren - ist dies wirklich notwendig? Glaubt Ihr ernsthaft, dass Ihr Euren Beutezug durch einen Überfall auf uns wesentlich erweitern könntet? Seht - weder meine Gefährtin noch ich haben Dinge von Wert bei uns, die sich für Euch zu erbeuten lohnen." Die beiden Männer vor ihnen sahen sich an und begannen beide zu grinsen. Der linke von ihnen blickte anschließend zu Heinrich und erwiderte: "Nun, werter Kaufmann, die Durchquerung dieser Gasse erfordert... sagen wir... Wegzoll. Das Täschchen der Dame wäre genau der richtige Gegenwert hierfür." Und während Isolde den angesprochenen Gegenstand fester umfasste, machte der Nebenmann des Banditen, der auf Heinrichs Worte geantwortet hatte, einen Schritt auf die junge Frau zu, um ihr die Tasche zu entwenden. Doch allzu weit kam er nicht, da er - von einem Schmerzensschrei begleitet - seine rechte Hand ruckartig wieder zurückzog. Oder vielmehr den Stumpf, denn die ausgestreckte Hand lag nun nebst einer größer werdenden Blutlache auf dem Pflaster der Gasse.

 

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Meine Krieger und ich stehen bereit, um jeden zu überrennen, der Widerstand leistet!

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Wege zur Verdammnis - eine Erzählung chaotischen Ausmaßes...

Schlachtberichte meiner Krieger des Chaos: Tholons Weg zum ewigen Ruhm

Bekennendes Mitglied der FDP und des HSV

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*

 

So schnell der Kampflärm aufgeflammt war, beinahe so schnell legte er sich über dem Dorf auch wieder. Natürlich hatten beide Seiten bei der zuvor ausgetragenen Schlacht viel Blut zollen müssen, dennoch waren die Walger von der Vorstellung, ihren machtvollsten Feind endgültig auszuschalten, wie berauscht. Wie zu vermuten war, wurden die wenigen Verteidiger schnell und blutig niedergerungen, ohne, dass sie ihr Leben teuer zu verkaufen vermochten. Tholon wischte die Blätter seiner Axt ein wenig an den Kleidungsstücken eines Samniners ab, den er kurz zuvor erschlagen hatte. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, das Glück des Sieges hatte inzwischen auch den jungen Chaosbarbaren erfasst. Während sich die typischen Geräusche des Kampfes - das Klirren von Stahl und die Schreie der Kämpfenden sowie Sterbenden - legten, drangen andere Ausrufe an sein Ohr. Fast schon gemächlich ging Tholon auf die Mitte des Dorfplatzes zu, um den sich die Krieger seines Stammes versammelt hatten und etwas beobachteten. Der junge Kämpfer drängte sich an einigen von ihnen vorbei, um erkennen zu können, was dort vor sich ging:

 

Wie im restlichen Dorf auch, war der zentrale Platz durchzogen von Leichen, die Zeugnis ablegten von der Brutalität, die den menschlichen Stämmen der Chaoswüste inne war. Nur an manchen Stellen waren die Toten zur Seite geräumt worden, um Platz zu schaffen. Platz zu schaffen für Xylas, der in der Nähe einer zusammengekauerten Menge von Menschen stand und diese betrachtete. Tholon konnte dort Frauen und Kinder wie auch Greise erkennen. Scheinbar waren alle wehrfähigen Männer getötet worden. Jedes Mitglied der so genannten zivilisierten Völker hätte sich von derlei Barbarei abgewandt und sie geächtet. Aber die Walger befassten sich pragmatisch mit diesen Dingen. Jeder Feind würde bei Genesung die Möglichkeit ergreifen, sich wieder von neuem zu erheben - auf die eine oder andere Art und Weise. Diese Gefahr musste natürlich im Keim erstickt werden: So wurde sich der Jungen und Alten gleichermaßen entledigt und die Frauen wurden verschleppt und mussten sich den Siegern unterwerfen. Doch dieses Mal sollte es anders kommen.

 

Als ihr glorreicher Anführer einigen Kriegern zunickte, damit diese einen letzten blutigen Akt für den heutigen Tag vollführen sollten, spürte Tholon, wie er sich weiter nach vorne drängte. Der junge Krieger wunderte sich selbst über sein Handeln, er fühlte sich durch eine unbestimmte Macht dazu verleitet, aus den Reihen seiner Stammesbrüder hervor zu treten. "Halt!" rief er mit fester Stimme und donnerte das obere Ende seiner Waffe in die Erde. Alle drehten sich demjenigen zu, der es wagte, das Prozedere zu unterbrechen. Tholon spürte viele zornige Blicke auf sich ruhen und seine weiteren Worte und Taten sollten wohl abgewogen sein, damit er nicht als weiteres Opfer einer massiven Streitaxt enden würde.

 

"Was wir hier tun, ist falsch." Bereits nach diesen Worten entstand mitunter heftigstes Gemurmel unter den anderen Kriegern. Doch Tholon ließ sich nicht beirren und fuhr fort: "Unser Stamm ist stark, das hat er heute wieder einmal gezeigt. Aber auch heute gab es einen Aderlass, der uns geschwächt hat. Unser Stamm dient nicht dem Hund, dessen Anhängerschaft uns blind vor Blut werden ließe. Die Kinder dort mögen nicht die unsrigen sein. Doch die Schlange, der ihr Stamm dient, ist schwächer als das Chaos in seiner Gesamtheit, wie wir ihm dienen. Ich sage also: Lasst uns diese Kinder aufnehmen und nicht verstoßen. Mehren wir den Ruhm unseres Stammes und setzen wir ein Zeichen, das unseren Feinden zeigen soll, wie machtvoll die Walger wirklich sind!"

 

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Während seiner Aussprache war es stiller geworden. Mit seinen Worten hatte Tholon für seine sonderbare Atmosphäre gesorgt, die sich bedeutungsschwanger ausbreitete. Nur die ältesten und erfahrensten Walger gaben den Pfad vor, auf dem der Stamm wandeln sollte. Dass ein solch junger Kämpfer, gerade dem Alter eines Jünglings entwachsen, sich so etwas gewagt hatte, kam nicht so häufig vor, dass die Anwesenden wussten, wie darauf zu reagieren ist.

 

Die folgenden Momente vergingen wie eine gefühlte Ewigkeit. Alle Anwesenden ließen die Worte des jungen Chaosbarbaren wirken. Auch Xylas oder andere erfahrende Kämpfer reagierten nicht sofort auf seine Äußerungen. Die dem Tod geweihten feindlichen Stammesangehörigen entspannten sich ein wenig, hatte ihnen der Krieger der Walger doch ein wenig Zeit erkauft, vielleicht sogar noch mehr. Dies allerdings musste sich noch zeigen, denn schließlich glaubte keiner der Menschen, die sich auf dem Platz befanden, daran, dass in dieser Angelegenheit das letzte Wort bereits gesprochen ward. Und so, wie es durchaus zu erwarten war, wurde die Stille im nächsten Moment durch ein wütendes Schnauben durchbrochen, das aus dem Pulk der Kämpfer herausbrach. Dann durchschnitt eine tiefe Stimme die Luft wie eine der Äxte, wie der Stamm der Walger sie in der Schlacht zu tragen pflegten: "Wie kannst du Wurm es wagen, dich gegen die Traditionen unseres Stammes zu stellen?"

 

Einen Moment später konnte Tholon erkennen, wer ihm da verbal Paroli geboten hatte. Aus der Mitte der reihum stehenden Krieger trat ein hochgewachsener Mann hervor, dessen Anblick ein Sinnbild dessen darstellte, was die verweichlichten Bürger des Imperiums an den Stämmen der Chaoswüste und ihrer Ausläufer fürchteten: Sein gesamter Körper war mit Narben übersät und somit im rein ästhetischen Sinne entstellt. Die Haut erschien wie gegerbtes Leder, entstanden durch die Sonne, deren Strahlen in der Chaoswüste in einem leicht kränklichen Licht zu Boden fielen, sowie regelmäßige Bäder im Blut seiner Feinde, wie seinem eigenen. Auch jetzt befanden sich zahlreiche rötliche Spritzer auf dem Oberkörper und den Armen des Mannes, die davon zeugten, wie unnachgiebig er im zurückliegenden Kampf sein Handwerk gewirkt hatte. Dieser Mann stand nun gut zwanzig Schritte von Tholon entfernt. Jeder der Umstehenden war sich bei diesem Anblick bewusst, dass dieser Konflikt nicht durch eine Debatte beendet werden würde.

 

Auf Tholons Gesicht bildete sich ein dünnes Grinsen, das allerdings auch eine Spur von Vorfreude erkennen ließ. Diese Mimik fungierte als eine Art Startmechanismus, denn im selben Moment erhob der andere Chaosbarbar seine Waffe und stürmte auf den jungen Kämpfer zu. Tholon blieb zunächst stehen und wartete auf seinen Kontrahenten, der die zwischen ihnen liegende Distanz mit wenigen Schritten zu überwinden vermochte. Rechtzeitig drehte er seinen Oberkörper zur Seite, sodass das vordere Axtblatt in ihrem Schwung an ihm vorbeirauschte und mit der ganzen Wucht auf dem Boden aufprallte, wo sie einigen Dreck und Staub aufwirbelte und eine tiefe Furche hinterließ. Während sich der Kämpfer zu Tholon umdrehte, bereitete sich dieser auf den nächsten Schlag vor: Jener Attacke würde zumindest Einiges an Schwung fehlen, sodass man besser auf sie reagieren könnte. Aber es blieb nur wenig Zeit, denn schon hieb der wutentbrannte Krieger ein weiteres Mal auf seinen jüngeren Stammesbruder ein. Zu Tholons Glück war dieser Angriff nicht allzu präzise, sodass er die Streitaxt mit seiner eigenen Waffe ablenken konnte. Während der Schwung, den die Parade der Waffe hinzugefügt hatte, seinen Träger zur Seite treten ließ, sprang Tholon nach hinten, um wieder etwas Raum zwischen sich und seinen Kontrahenten zu bringen. Die Krieger der Walgs waren zwar allesamt sehr athletisch und ausdauernd, doch der Kampf gegen die Samniner hatte Tholon viel Kraft gekostet, sodass er nun gezwungen war, seine verbliebenen Reserven zu schonen. Sein Gegenüber indes schien kaum von den Kämpfen beansprucht worden zu sein, denn er zeigte keinerlei Anzeichen von Erschöpfung.

 

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Wie lange er dieses Spielchen noch aufrecht erhalten könnte, wusste er nicht. Aber eines wusste er: Er musste sich schnellstens etwas einfallen lassen, um nicht im Staube dieser Ebene zu vergehen und damit sein junges Leben auf Grund einer vielleicht unbedachten Äußerung auszuhauchen. Für einen ernsthaften Gegenschlag hatte er schon lange nicht mehr die notwendigen Kraftreserven und wenn er seine Konzentration auf die Offensive verlagern würde, könnte dies auf Kosten seiner Verteidigung gehen und ihm schlussendlich das Leben rauben. Und wieder raste das im Sonnenschein glänzende Axtblatt in seine Richtung, verfehlte aber dieses Mal sehr erheblich. So langsam wurde auch sein Kontrahent von dessen Kräften verlassen. Doch so lange noch die Wut in den Augen des Kriegers loderte, stellte er für Tholons Leben eine erhebliche Gefahr dar.

 

Das Gejohle, das von den anderen Kämpfern angestimmt war, als der Zweikampf einsetzte, war mittlerweile größtenteils verstummt. Denn zu einem wirklichen Kampf war es schlussendlich nie gekommen, da der eine Mann nur wild nach vorne stürmte, während der andere immer wieder zurückwich. Alle Anwesenden warteten nur noch darauf, dass dieses Ereignis endlich ein Ende nehmen würde, damit man sich endlich wieder den letzten Mitgliedern des feindlichen Stammes widmen könnte.

 

Als sein Stammesbruder zur nächsten Attacke ansetzte, verspürte Tholon einen Luftzug, der an seiner rechten Schulter vorbeiglitt. Doch die kühle Brise, die ihn für einen Moment umspielt hatte, fühlte sich nicht wie ein gewöhnlicher Hauch an, wie ihn ein jeder Mensch tausendfach in seinem Leben spürte. Wie bereits zuvor, als er nach vorne getreten und seine Rede gehalten hatte, fühlte der junge Krieger etwas, das durch ihn hindurch geströmt war. Allerdings war er sich nicht sicher, ob es sich hierbei nicht nur schlicht um eine Illusion handelte, hervorgerufen durch die Anstrengungen des Tages. Doch es blieb sowieso keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon im nächsten Moment sah Tholon, wie sein Kontrahent die Zweihandaxt erhob, um sie in einem letzten, todbringenden Angriff hernieder sausen zu lassen. Er sah die Waffe näher kommen und wieder schien seine Bewegungen nicht von ihm auszugehen, sondern wurden von jemand anderem geleitet. Als die Waffe seines Gegenübers mit voller Wucht nach unten schwang, trat Tholon einen Schritt zur Seite und entging dem wuchtigen Schlag. Staub wirbelte auf, als das Axtblatt in den Boden gerammt wurde und sich das Metall eine halbe Armlänge in den kargen Sand vergrub. Die Chance, dem Ganzen ein Ende zu setzen, lag nun in den Händen des jungen Kriegers: Mit einem letzten Kraftaufwand hob dieser seine eigene Waffe, holte zur linken Seite aus und rammte seinem Stammesbruder die Streitaxt horizontal in den Rücken. Der Schaft der Waffe erzeugte eine leichte Vibration, die sich in Tholons Hände und Arme übertrug, als das Metall des Axtblattes das Rückgrat des anderen Kämpfers zertrümmerte. Ohne einen Schrei des Schmerzes, beinahe tonlos sackte dieser vorne über und hauchte sein Leben auf dem staubigen Boden der Steppe aus.

 

Stille breitete sich nach dem Ende des Kampfes aus. Die anderen Männer wussten nicht, wie sie auf diesen Verlauf reagieren sollten. Tholon atmete schwer und beobachtete, wie das Blut aus dem zerfetzten Rücken des Toten trat und unter diesem eine Lache bildete. Wenige Momente nach dessen Ableben trottete der Chaoshund, der Tholon während der vorangegangenen Schlacht begleitet hatte, zu dem Leichnam hin und begann an dessen Wunde zu schnüffeln. Die im Anschluss einsetzenden Geräusche des Hundes wurden bald übertönt von einem einzelnen klatschenden Paar Hände. Alle Anwesenden drehten sich zu dem Verursacher der Geräusche und als Tholon ebenfalls aufblickte, fiel sein Blick auf Xylas, der durch die Reihen seiner Männer zum Schauplatz des Zweikampfes vorgetreten war. Wenige Momente später stoppte er den Applaus, strich sich für einen Augenblick durch seinen Bart und begann dann, leicht zu grinsen.

 

"Nun gut, junger Krieger, Du hast nicht nur Mut bewiesen, sondern auch verhindert, dass Deine Worte ungehört im Wind verhallen. Du hast Dir damit verdient, weiter zu leben." Xylas nickte Tholon durchaus anerkennend zu. Anschließend ertönte die tiefe Stimme des Häuptlings erneut, während er auf die Gefangenen zeigte: "Und nun - tötet sie."

 

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Der nachfolgende Abschnitt schließt an den Teil vom 7. Januar 2012 an.

*

Während der Strauchdieb mit seiner verblieben Hand den blutigen Stumpf hielt und mit weit aufgerissenen Augen auf diesen blickte, stand Heinrich mit gezogenem Kurzschwert in der Hand, sich schützend vor seine Begleitung gestellt. Sie war ebenso überrascht worden wie die Männer, die sie zu bedrängen versucht hatten, dass dieser einfache Kaufmann sich so zu wehren verstand. Doch Heinrich wusste nicht nur, mit Zahlen und Münzen sein Leben zu bestreiten, auch das Fechthandwerk war ihm nicht unbekannt. Und so trug er stets eine leichte Stichwaffe bei sich - denn schließlich waren schon häufiger Kaufleute wie er ausgeraubt worden. Dass Heinrich seine Waffe jedoch zur Verteidigung der Ehre einer Frau benutzen würde, hatte auch er nicht kommen sehen.

 

Es dauerte ein paar Momente, bis alle Anwesenden die Situation realisiert hatten und sich wieder rührten. Der verstümmelte Häscher hatte sich zu Boden stürzen lassen und kauerte nun jammernd an der Wand, den Stumpf mittlerweile an seine Brust drückend, sodass das Blut den Mantel weiter besudelte. Der neben ihm stehende Kumpane wusste nicht so recht, wie er reagieren sollte und hatte nach einigen Augenblicken des Zögerns sich doch entscheiden, den Verletzten nicht weiter zu beachten. Offenbar war das Interesse an der vermeintlichen Beute immer noch größer als das Gefühl der kameradschaftlichen Verbundenheit. Berufsrisiko, könnte man wohl meinen.

 

Also rückten die verbliebenen Banditen vor, um dem Kaufmann und seiner Begleiterin, aber vor allem ihrer Tasche habhaft zu werden. Heinrich blickte sich zwischen dem einen Mann und dessen Kumpanen, die sich in ihrem Rücken befanden, um. Zwei von ihnen hatten jeweils einen Dolch aus ihren Mänteln gezogen, während der dritte im Bunde mit einer Art Schlagstock bewaffnet war. Eben jener griff auch als Erster an, stellte sich dabei jedoch so ungeschickt an, dass Heinrich seinen freien Arm ergriff und den Mann mit dessen eigenen Schwung in seinen Kameraden schmetterte, sodass beide zu Boden fielen. Der dritte Bandit versuchte, dem Kaufmann seinen Dolch in die Flanke zu jagen, kam aber auch mit diesem Manöver nicht zum Erfolg, da Heinrich die Attacke mit seinem Kurzschwert parierte und den Angreifer mit einem Schlag gegen die Brust von sich weg stieß. Währenddessen hatten sich die beiden zu Boden geworfenen Strauchdiebe wieder von einander getrennt. Doch der eine musste eine weitere Runde aussetzen, als der Stiefel des Kaufmannes sein Kinn traf und er zur Seite geschleudert wurde.

 

Zwischenzeitlich war der andere Mann wieder auf den Beinen. Und dieses Mal gingen die Angreifer etwas koordinierter vor als sie es bisher getan hatten. Von beiden Seiten kommend, um den Kaufmann und dessen Begleitung in die Zange zu nehmen, griffen sie erneut an. Dabei kam ihnen die Enge der Gasse durchaus zupass, denn so musste auch ihr vermeintliches Opfer Acht darauf geben, wie er seine Waffe nutzen wollte, um nicht unachtsam der Frau ein Leid zuzufügen. Und so traf Heinrich eine Entscheidung: Er machte einen Schritt auf den Mann zu, der sich gerade erst aus dem Staub der Gasse erhoben hatte und versuchte, diesen abzufangen. Bevor jener seinen Dolch in den Leib seines Kontrahenten schlagen konnte, ergriff Heinrich den Unterarm des Banditen und schleuderte diesen zur Seite, während er zeitgleich die Klinge seines Kurzschwerts in die Flanke des Mannes trieb. Mit großen Augen blickte der Getroffene zunächst in das von Zorn geprägte Gesicht des Kaufmannes, dann auf die Klinge, die in seinem Wanst steckte. Als Heinrich seine Waffe aus dem Körper seines Gegenübers hervorzog, brachte dieser keinen Laut hervor, sondern sackte an der Mauer zusammen und rutschte diese entlang nach unten, die rechte Hand auf die blutende Wunde gelegt.

 

Heinrich blickte sich um und wurde dem Banditen gewahr, den er zuvor mit seinem Stiefel einen Tritt verpasst hatte. Dieser hatte den Kampf lediglich verfolgt, noch etwas benommen von der unerwarteten Attacke. Als er sah, wie es seinem Kameraden ergangen war, stieg die Panik in seine Augen. So schnell wie möglich versuchte er, wieder auf die Beine zu kommen. Doch nicht, um seinerseits eine Attacke zu reiten, sondern, um den verstümmelten Vierten im Bunde am Kragen zu packen und diesen dazu zu bewegen, sich ebenfalls wieder zu erheben. Dieser jedoch schien so viel Blut verloren zu haben, dass er nirgendwo mehr hingehen würde. Und so machte sich lediglich der Eine davon, die Gasse zu verlassen, um Reißaus zu nehmen, dabei mehrfach über seine eigenen Füße stolpernd.

 

Als er für einen Moment dem Flüchtenden hinterher schaute, verringerte sich das Adrenalin in Heinrichs Adern und sein Zorn verflachte ein wenig, während seine Atmung sich wieder zu beruhigen begann. Dann drang eine verängstigte Stimme an sein Ohr, die in seinem Rücken ertönte und seinen Namen wimmerte. Der Angesprochene drehte sich um und realisierte, wie der verbliebene Bandit sich Isolde geschnappt hatte und nun hinter ihr stand, den Arm um ihren Hals gelegt. Die Wut stieg wieder im Gemüt des Kaufmannes, doch als er sein Schwert fester fasste und einen Schritt auf die beiden Personen zumachte, sah er, wie der Bandit seinen Dolch bedrohlich in die Flanke der jungen Frau hielt. "Nur einen Schritt weiter und sie bezahlt mit ihrem Blut!" Heinrich sah, wie Tränen in die Augen der Geisel stiegen und hörte das leise Wimmern und Schluchzen seiner Geliebten. "Das wagst du nicht!" entgegnete der Kaufmann mit leiser, aber dennoch hörbarer Stimme. Er machte einen weiteren Schritt. Der Bandit drückte seine Waffe noch etwas fester in das Kleid der Frau. Noch ein Schritt. Rund zwei Meter war Heinrich von seiner Begleiterin und dem Banditen entfernt. "Nicht weiter!"

 

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In seinen Gedanken spielte der junge Kaufmann die Möglichkeiten durch. Stille war eingekehrt, nur die von Trauer und Angst gefüllten Geräusche, die Isolde nicht unterdrücken konnte, waren zu hören. Es schien, als seien mehrere Minuten vergangen, denn die Zeit schien nur noch sehr langsam zu vergehen. Dann jedoch ging Heinrich ins Risiko und machte einen Satz nach vorn, um den Banditen in Panik zu versetzen, sodass dieser von seiner Geisel ablassen würde. Tatsächlich war dieser erschrocken vom Vorpreschen seines Gegenübers, doch reagierte er anders, als von Heinrich vorhergesagt: Mit einem kurzen Ruck stach er seinen Dolch in den Unterleib der jungen Frau, die vor Schmerzen aufschrie und ihre Tasche, die sie bisher an ihren Körper gepresst hatte und umklammert hielt, fallen ließ. Selbst überrascht von seiner Tat, ließ der Bandit seinerseits die Waffe fallen und stieß sein Opfer in Richtung des angreifenden Kaufmanns, um selbst die Beine in die Hand zu nehmen und davon zu laufen.

 

Ein natürlicher Impuls ließ Heinrich seiner Liebsten entgegenstürzen, um sie aufzufangen, während er seine Waffe achtlos zu Boden fallen ließ. Sein Geist füllte sich mit einem dumpfen Gefühl, der Schock breitete sich in seinem Körper aus. Fern klang das Geräusch der beiden Klingen, wie diese - kurz auf einander folgend - scheppernd auf den Kies des Weges prallten, während sich die Arme des Kaufmannes um den Leib der Frau schlangen. Langsam sank er gen Boden, die Verwundete in seinen Armen. Ungläubig blickte er an ihr herab, bis seine Augen die Wunde fokussiert hatten. Blut hatte das Kleid der jungen Frau tief getränkt und die Ränder der Körperflüssigkeit weiteten sich zunehmend aus. Heinrich wusste nicht, was er zu tun hatte und der Schock hatte ihm die Sprache verschlagen. Isolde hatte ihre Augen kaum noch offen, sie wirkte müde, der Schmerz in ihrem Gesicht war einer Art Resignation gewichen.

 

"Es... es tut so weh" klagte die junge Frau, als sie ihre Augen ein wenig weiter öffnete und in das Gesicht Heinrichs sah, das begann, sich durch herunter rollende Tränen leicht zu röten. Noch immer konnte der Kaufmann kein Wort herausbringen. Wut und Trauer mischten sich in seinem Gemüt ob der Machtlosigkeit, der er sich ausgesetzt sah. "Heinri..." brachte Isolde hervor, unterbrach sich allerdings mit einem schmerzerfüllten Stöhnen. "Ich li...". Dann verstummte sie, er spürte, wie der Körper seiner Liebsten erschlaffte. In dem Moment, in dem Heinrich realisierte, dass Isolde ihren letzten Hauch getan hatte und der Tod sie ereilt hatte, brach es aus ihm heraus. Er begann zu schluchzen und zu schreien, so vehement, als ob er versuchte, Sigmar selbst anzuflehen, das Geschehene ungeschehen zu machen. Er fasste den Körper der toten Frau fester und presste diesen förmlich an sich.

 

*

 

Natürlich hatte sich Tholon nicht an dem Massaker beteiligt. Er stand abseits, gestützt auf seine Waffe und beobachtete, wie seine Stammesbrüder die verbliebenen Überlebenden des feindlichen Stammes ins Jenseits beförderte. Der Chaoshund, der sich dem jungen Barbaren angeschlossen hatte, lag neben ihm und schien zu schlafen. Tholon war durchaus überrascht über die Runde des Tieres, war das Feld doch erfüllt von den Schreien der Sterbenden und den Geräuschen der Äxte, wie sie Fleisch zerschnitten und Knochen zertrümmerten. Ohne Argwohn beobachtete Tholon die Szenerie, immerhin hatte er Vertrauen in die Entscheidungen des Stammeshäuptlings. Zudem hatte er sich Respekt verschafft oder diesen zumindest nicht eingebüßt. Und mehr konnte man innerhalb eines Chaosbarbaren-Stammes auch nicht erwarten.

 

Nachdem die blutige Messe unter den Bewohnern des Dorfes gehalten war, machten sich die Sieger daran, die Häuser und Hütten zu durchsuchen, um reiche Beute zu machen. Immerhin war dies das Recht des Siegers! Und dort, wo sich die bisherigen Besitzer nun befanden, brauchten sie dieses Hab und Gut nicht mehr. Auch Tholon wollte sich zumindest daran beteiligen und strebte zu einer kleinen Hütte, die ein wenig abseits stand und dadurch weniger Aufmerksamkeit erhielt als die größeren Häuser, die sich nahe des Dorfzentrums befanden.

 

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Inhaltliche Erweiterung

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Vorsichtig öffnete der Chaosbarbar die verwitterte Tür, die darauf mit einem dumpfen Knarren reagierte. Der Innenraum, in den Tholon einen Blick warf, war durch mehrere kleinere und größere Öffnungen in den Wänden und im Dach beleuchtet, sodass es möglich war, die vorhandene Unordnung zu erkennen. Der oder die Bewohner des Hauses hielten entweder nicht viel von einem aufgeräumten Hausstand oder waren in Eile, um den nahenden Angreifern zu begegnen. Tholon machte sich nicht allzu viele Gedanken um die Gründe, die zu dem Bild, das sich ihm bot, führten und bedeutete stattdessen seinem vierbeinigen Begleiter, den Eingang zu bewachen.

 

Mit der Waffe auf seiner Schulter trat der ungebetene Gast in das Haus ein und verschaffte sich einen genaueren Überblick: Im hinteren Bereich lagen Decken aus Fell auf einem mit Stroh ausgefüllten Winkel – offensichtlich der Schlafplatz. Einige Holzkonstruktionen waren ebenfalls zu sehen: Grobschlächtig, meist in rechteckiger Form – quasi das Möbeläquivalent der Bewohner der nördlichen Ländereien. Wie so viele Dinge waren auch diese Konstruktionen im Sinne der Norse sowie der anderen Völker, die die Grenzregionen der Chaoswüste bewohnten: Schlicht und pragmatisch. Sinn für Eleganz und Luxus hatten die Chaosbarbaren nicht, schließlich gab es in den von ihnen bewohnten Teilen der Welt keinerlei Verwendung hierfür. Für sie stand das nackte Überleben im Vordergrund.

 

Tholon begab sich zu einer der aus Holz gebauten Konstruktionen, da er die Vermutung hatte, dass es sich dabei um ein Behältnis handelte. Tatsächlich hatte ihn seine Intuition nicht getrügt - der längliche Gegenstand entpuppte sich als eine Truhe. Der junge Kämpfer legte seine Waffe neben sich ab und kniete sich vor das Behältnis hin. Einen Mechanismus, die Truhe zu verschließen, konnte er nicht wahrnehmen. Und da er sie mit dem ersten Versuch öffnen konnte, hatte ihn seine Wahrnehmung auch nicht getäuscht. Der preisgegebene Inhalt war jedoch genauso ungeordnet wie der gesamte Hausrat. Neben Schüsseln waren insbesondere Stofffetzen, die möglicherweise als Kleidungsstücke herhielten, zu finden. Etwas wertvolles konnte Tholon auf die Schnelle jedenfalls nicht finden. Etwas genervt wühlte er in den Gegenständen herum, vermochte aber weiterhin nicht, etwas aufzutun, das einen brauchbaren Wert besaß.

 

Mit einem Schnaufen der Enttäuschung begab sich der Kämpfer in die stehende Position zurück, nachdem er seine Waffe wieder an sich genommen hatte. Ein zweites Mal ließ er den Blick schweifen. Doch weitere Behältnisse, die etwas wertvolles in sich haben könnten, waren nicht zu erkennen. Tholon entschied sich, auf dem Lager der ehemaligen Bewohner Platz zu nehmen, um ein wenig seine Beine auszuruhen und um vielleicht aus diesem Blickwinkel etwas Neues entdecken zu können.

 

Mit einer schnellen Bewegung setzte sich der Chaosbarbar auf die Felle. Als er darauf saß, fühlte sich jedoch irgendetwas nicht richtig an. Unter sich fühlte er eine leichte Delle, die nicht typisch war für das Material, auf dem er saß. Wieder legte er seine Waffe zur Seite und erhob sich. Dann tastete er die Stelle ab, auf der er gerade noch gesessen hatte. Tatsächlich war etwas unter den Fellen verborgen. Da dieses Etwas Widerstand gab, war es schnell klar, dass es sich dabei um einen robusten Gegenstand handeln musste. Flugs schlug Tholon die Felle bei Seite und begann, im darunter liegenden Stroh zu wühlen. Kurz darauf traf seine Hand auf etwas, das sich im ersten Moment metallisch anfühlte. Er griff zu und zog den Gegenstand zu sich heran: In Händen hielt er einen Dolch. Doch ein gewöhnlicher, als Eisen hergestellter Dolch war das nicht. Das verwandte Material war dunkler und die Klinge war gewunden. Tholon drehte die Waffe ein wenig hin und her und hielt sie dann in einen der Lichtkegel, die in den Raum fielen. Das Metall der Waffe hatte einen leicht lilafarbenen Stich und funkelte unheilig im Licht. Der Knauf wies zwei kleinere, stilisierte Sicheln auf, die das bekannte Symbol der Schlange zeigten. Auch die gewundene Klinge erinnerte an das hinterhältige und listenreiche Tier.

 

Obgleich sich ihm ein interessanter Anblick bot, stieg ein merkwürdiges Gefühl in Tholon auf. Ein Gefühl, das er nicht kannte und das er auch nicht erklären konnte. Es war, als würde etwas an seinem Geist zerren. Je länger er seinen Blick auf den Dolch warf, um so stärker wurde das Gefühl in seinem Inneren. Leichte Übelkeit sammelte sich in seiner Magengegend. Durch aufkommende Panik angetrieben blickte sich Tholon im Raume um, bis er ein größeres Tuch entdeckte. Ohne zu zögern griff er danach und wickelte die merkwürdige Waffe darin ein. Das ungewöhnliche Gefühl verschwand aus seinem Körper und auch die Übelkeit löste sich auf. Ungläubig schaute Tholon auf den eingewickelten Gegenstand in seiner Hand. Er war sich unsicher, was er davon halten sollte. Andererseits hatte der Dolch seine Faszination erlangt, obgleich es sich dabei um ein Symbol eines fehlgeleiteten Stammes handelte.

 

Der junge Kämpfer verstaute die eingewickelte Waffe in seinem Rüstzeug - schließlich musste er nach den heutigen Ereignissen nicht noch weitere Aufmerksamkeit erzeugen. Ein letztes Mal warf er einen prüfenden Blick in den Raum, konnte jedoch abermals nichts entdecken, was einer weiteren Prüfung wert wäre. Somit verließ er die Hütte wieder und trat hinaus. Vor dem Dorf hatten sich auch einige andere Stammesangehörige gesammelt, die mit ihren eigenen Raumzügen fertig geworden waren. Mit dem Chaoshund an seiner Seite gesellte sich Tholon zu seinen Stammesbrüdern, um auf das Signal von Xylas zu warten, den Heimweg anzutreten. Ein Blick auf den Stand der Sonne verriet zudem, dass der Abend nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

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Die Ereignisse des Tages, reich an Wendungen und Blut gleichermaßen, begleiteten Tholon auf den Weg zurück ins Territorium seines Stammes. An dem fröhlichen Gelächter und aufkommenden Gesängen, die seine Stammesbrüder anstimmten, beteiligte sich der junge Chaosbarbar nur wenig, zu sehr kreisten seine Gedanken um das, was hinter ihm lag. Die Zweihandaxt lehnte auf seiner Schulter und er betrachtete den kargen und unwirtlichen Boden, der vor ihm lag. Neben ihm trottete der Chaoshund, den er ab und zu freundschaftlich auf den Kopf tätschelte, wenn Tholon sich von seinen Gedanken loseisen konnte.

 

Er betrachtete die Kreatur nun, da sich die Zeit und relative Ruhe ergeben hatte, etwas genauer: Das Fell zeigte eine Musterung aus dunklen Braun- und Grau-Tönen, wobei letztere überwogen. Wie für diese vom Chaos gezeichneten Kreaturen üblich, war auch dieser Vierbeiner größer und kräftiger, als es die verweichlichten Völker des Südens von normalen Wölfen gewohnt waren. Dieser Chaoshund war außerdem nicht frei von Mutationen - so hatten sich einige Knochen des Rückgrat derart ausgedehnt, dass sie aus dem Körper der Kreatur herausragten und gezackte Platten gebildet hatten. Auch an den Vorderläufen waren kleine, knöcherne Haken zu sehen – für den Kampf eine sicherlich hilfreiche Mutation. Tholon wurde an den Stellen, an denen das Fell schon etwas dünner geworden war, der einen oder anderen Narbe gewahr, die von einem ereignisreichen Leben berichteten. Obgleich der Chaosbarbar nicht verstand, aus welchem Grund sich die Kreatur entschieden hatte, sich ihm anzuschließen, so war er doch froh, einen solchen Gefährten an seiner Seite zu haben. Während Tholon seinen vierbeinigen Begleiter betrachtete, begann er, einen Namen für ihn zu ersinnen. Nach wenigen Momenten schoss ihm dann ein Einfall durch den Kopf: Ulg'ar - "Graufell". Ja, dieser Name klang richtig.

 

Als die ersten Häuser des Stammes am Horizont auftauchten, war die Landschaft bereits in ein Purpurrot gehüllt. Die Sonne würde bald zu Gunsten der Nacht verschwunden sein und Morrslieb würde mit ihrem kränklichen Licht auf die Ebene scheinen. Doch für die Norse, die sich den Göttern des Chaos verschrieben hatten, war der Mond ein gern gesehener Gast. Nicht umsonst hatte das Himmelsgestirn einst den Namen des "grünen Boten des Lebens" - Ghyranek - erhalten.

 

Je näher die Krieger ihrer Heimat kamen, desto lauter drangen die vertrauen Laute an ihre Ohren. Die Umgebung füllte sich mit Geschäftigkeit, als die Frauen, Kinder und Alten, die zurückgeblieben waren, ihrer siegreichen Kämpfer gewahr wurden und begeisterte Rufe anstimmten. Alsbald konnten die Mannen erkennen, wie sich die verbliebenen Bewohner vor den Häusern angesammelt hatten, um die Heimkehrer in Empfang zu nehmen. Tholon beobachtete lächelnd, wie Kinder - Mädchen und Jungen gleichermaßen - auf ihre Väter zugerannt kamen, um diese nach einem Tag voll Ungewissheit in die Arme zu schließen. Kurz darauf drang ein dumpfer, aber rhythmischer Klang an sein Ohr: Das Donnern einiger Trommeln, die im Takt geschlagen wurden, um vom Sieg der Walger zu künden. Wer auch immer außerhalb des Dorfes diesen Lärm vernahm - er wusste, dass der hiesige Stamm etwas zu feiern hatte!

 

Tholon selbst besaß noch keine einige Familie, die auf seine Rückkehr hätte warten können. Auch seine Eltern waren schon seit ein paar Jahren nicht mehr unter den Lebenden. Folglich verkürzte sich das Prozedere der Ankunft für ihn. Doch in Anbetracht des Beutestücks, das er erworben hatte, war dies eher von Vorteil. So hatte er Gelegenheit, unbehelligt von dem Trubel seinen Schlafplatz in einem der länglichen Bauwerke aufzusuchen, um den seltsamen Dolch zu verbergen, solange er nicht wusste, was es mit diesem seltsamen Relikt auf sich hatte.

 

bearbeitet von Zavor
Korrektur der Formatierung

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Stimmige Geschichte auf verschiedenen Erzählungs-Ebenen angelegt.

Die Chaos Stämme kennen ja "Menschliche" Gefühle. Liebe, Treue Famillien ect.

Irgendwie seltsam, was unterscheidet sie von Menschen die im Imperium leben, nur die "Religion"?

Bitte nicht falsch verstehen, mir gefällt deine Geschichte. Mit Chaos kenne ich mich nicht gut aus, ich habe sie mir nur "Anarchischer" vorgestellt.

Sie sind ja so eine Art FDP der Wahrhammer-Welt. Wenig Staat, und viel Sozialdarwinismus. Der Stärkere gewinnt.;) (Sorry mußte sein, nicht übelnehmen Bitte)

Nur im Tod, endet die Pflicht!

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vor 25 Minuten schrieb Regulus:

Irgendwie seltsam, was unterscheidet sie von Menschen die im Imperium leben, nur die "Religion"?

Bitte nicht falsch verstehen, mir gefällt deine Geschichte. Mit Chaos kenne ich mich nicht gut aus, ich habe sie mir nur "Anarchischer" vorgestellt.

 

Die Lebensweisen sowie die religiöse Ausrichtung sind die größten Unterschiede. Naheliegend wäre die Analogie zum römischen Reich sowie den Stämmen, die in Germanien verortet wurden: Die Menschen des Imperiums leben in Städten und Stadt-ähnlichen Gemeinschaften und können demnach als "zivilisiert" kategorisiert werden. Das Leben findet nach allgemeingültigen Regeln statt, an die sich alle Bürger halten. Daraus folgt auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl, man bekennt sich als Bürger einer Nation.

Dagegen sind die Stämme der Norse sowie der anderen Chaosbarbaren "wilder". Manche von ihnen leben als Nomadenstämme, andere  sind mehr oder minder sesshaft, aber verfügen nicht über die stabilen Strukturen der imperialen Lande. Das Recht des Stärkeren ist tatsächlich ein gewichtiges Leitmotiv sowohl innerhalb einer Gemeinschaft, als auch im Konkurrenzkampf zwischen den Gemeinschaften. Hinzu kommt das tief sitzende und fanatische Dogma der Religion. Diese Aspekte führen auch zur kriegerischen Natur der Barbarenstämme. Ein übergeordnetes Zusammengehörigkeitsgefühl wie im Imperium, in Kislev oder in Bretonia gibt es dort nicht. Somit sind die Stämme durchaus "anarchisch", da sie - mit Ausnahme der Älteren/Häuptlinge sowie der Schamanen - keine Hierarchie kennen: Die Besten werden überlegen und folglich auch mehr Anerkennung erhalten als diejenigen, die weniger fähig sind (sofern diese dann überhaupt weiterleben). Einen Staatsaufbau, um in einem friedlich Gemeinschaftsbund koexistieren zu können, ist indes kein Ziel der Stämme. Denn Frieden verhindert die Möglichkeiten, im Namen der Götter Ruhm zu sammeln, um in deren Ansehen zu steigern.

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Ach so, danke für die Info.

Zz lese ich ein Buch über die Römische Republik. Da werden auch Germanische bzw Keltische Stämme erwähnt. Da werden zb Alte,Witwen, Kranke also alle die den Stamm

belasten getötet. Daher meine Frage.

Ich freue mich auf die Fortsetzung. Abo ist gesetzt.

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vor 2 Stunden schrieb Regulus:

Da werden auch Germanische bzw Keltische Stämme erwähnt. Da werden zb Alte,Witwen, Kranke also alle die den Stamm belasten getötet. Daher meine Frage.

 

Hm. Hierzu sind mir keine Informationen bekannt, wie bei den Barbarenstämmen der Warhammer-Welt umgegangen wird. Ich nehme also an, dass dieser spezielle Aspekt nicht vom offiziellen Fluff abgedeckt wird. Somit vermute ich, dass dies von Stamm zu Stamm unterschiedlich gehandhabt wird - sicherlich auch abhängig von der Mobilität sowie der religiösen Zugehörigkeit des Stammes (wie etliche andere Dinge auch).

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Sehe ich genauso, ein Nomadenstamm hat andere Bedürfnisse als Sesshafte. Ich freue mich das ich eine Geschichte aus der Perspektive von Chaosbarbaren lesen kann.

Im Übrigen gibt es in der WH-Welt noch viel zu entdecken. Gut das es Leute wie dich gibt die sie erkunden.

Bin gespannt wie du Heinrich mit seinem Schicksalsschlag in die Geschichte "einbaust" Verfällt er den dunklen Göttern um seine Isolde irgendwie zurückzuholen?

Warten wirs ab:)

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Das ist eine berechtigte Frage. Leider kann ich Dir derzeit keine zufriedenstellende Antwort geben. Ich werde mich aber gerne bemühen, im kommenden Jahr den nächsten Abschnitt fertigzustellen und zu veröffentlichen.

 

So oder so danke ich Dir für Dein Interesse, Jay. :)

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Hab' Dank für Dein Lob, Landi. Ich bleibe bei meinem Vorhanden, die Geschichte in diesem Jahr fortzusetzen. :)

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