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Hintergrund zur Spielewelt

 

Das Reich der Menschen

 

Reale Ereignisse werden irgendwann zu Geschichten, dann zu Legenden und schlussendlich zu Mythen und Sagen. Mehr und mehr derjenigen, die diese Ereignisse selbst erlebt haben oder in den nachfolgenden Jahren aufwuchsen, sterben und haben somit keinen Einfluss mehr, wie das Vergangene dargestellt wird. Schriftrollen zerfallen zu Staub und Folianten fallen der Vergessenheit anheim, sofern sie überhaupt entdeckt und einem Archiv hinzugefügt wurden. Wissen geht verloren – manches Mal durch einen ärgerlichen Zufall, manches Mal durch eine bewusst geführte Handlung.

 

Die deutliche Mehrheit der Menschen, die dieser Tage in den Städten und Dörfern des Kontinentes ihrem Handwerk nachgehen und versuchen, den Alltag so erträglich wie möglich zu gestalten, wissen kaum etwas über die Ereignisse, die rund dreihundert Jahre in der Vergangenheit liegen – obgleich das, was diesen Ereignissen nachfolgte, die Welt bis zum heutigen Tage prägt. Größere Zusammenhänge, Hintergründe oder gar Details sind dem gemeinem Volk jedoch nicht bekannt. Noch nicht einmal einzelne Würden- und Entscheidungsträger sind sich der Historie im vollen Umfang im Klaren – ihre eigene Kenntnis beruht auf ihrer Entscheidung, ob sie sich mit Gelehrten umgeben oder selbst dem Drang nachgehen wollen, mehr zu erfahren.

 

Es ist jedoch allgemein bekannt, dass etwas stattfand, was den gesamten Kontinent verändern würde. Es heißt, dass eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes gerade so abgewendet werden konnte, bevor sie in der Lage war, die Welt zu verschlingen. Böse Kräfte seien am Werk gewesen. Aus Machtgier oder aus reiner Bosheit - dies ist eine der Details, die dem Wissen der Allgemeinheit abhanden gekommen ist. Als Konsequenz aus dieser beinahe erfolgten Katastrophe war es den menschlichen Herrschern ein Ansinnen, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Wiederholung verhindern und einer erneuten Katastrophe vorbeugen sollten.

 

Dieses Ansinnen mündete in der Gründung acht religiöser Institutionen, die je eine Tugend in den Mittelpunkt ihres jeweils Dogmas stellten. Die Mitglieder dieser Institutionen machten es sich zu ihrer Aufgabe, ihre präferierten Tugenden unter das Volk zu bringen und dazu beizutragen, dass die zahlreichen Saaten, die zu bösen Taten führen könnten, so stark wie möglich eingedämmt und bestenfalls ausgemerzt würden.

 

Der Orden der Blüte verschrieb sich der Tugend der Reinheit. Im Mittelpunkt des Dogmas steht eine Art spirituelle Reinigung, indem der Körper vor schändlichen Einflüssen abgeschirmt werden soll. Folglich ist es den Anhängern des Ordens untersagt, sexuelle Bindungen einzugehen, bevor sie das fünfundzwanzigste Lebensjahr erreicht haben. Erst dann ist es ihnen erlaubt, mit einem Mitmenschen eine emotionale Bindung einzugehen – sofern dieser dem Orden ebenfalls angehört.

 

Der Orden des Schwertes rückte die Tapferkeit in den Mittelpunkt ihres Glaubens. Die Mitglieder des Ordens sollen innere Stärke finden, sodass sie mit gutem Beispiel vorangehen und Andere zu tugendreichen Taten inspirieren können. Folglich steht das Training mit Waffen ebenso im Fokus des täglichen Lebens, wie auch die Ausbildung, Andere führen zu können. Jedes Mitglied eines Ordens muss daher mindestens zwei Waffengattungen meistern und lernen, seine Ängste zu überwinden.

 

Weisheit ist das oberste Gut für den Orden der Sonne. Tatsächlich verfügt diese Institutionen über die größte Bibliothek aller menschlichen Siedlungen und sämtliche Anhänger des Ordens sind dazu verpflichtet, so viel Wissen wie möglich anzuhäufen und dieses auch weiterzugeben. Daher muss jedes Mitglied auch mehrere Reisen unterschiedlicher Länge unternehmen, um das angeeignete Wissen unter das Volk zu bringen.

 

Der Orden der Waage steht für die Tugend der Gerechtigkeit und gilt als diejenige Institution, die den geringsten Fanatismus pflegt. Ihre Mitglieder werden in allerlei rechtlichen Studien unterwiesen und sollen erlernen, eine Entscheidung von möglichst vielen Seiten zu betrachten, bevor sie ein Urteil fällen, um so den Frieden zu erhalten.

 

Der eher zurückgezogen agierende Orden des Kelches hat sich der Tugend der Mäßigung zugewandt und hält seine Mitglieder an, auf so viele Annehmlichkeiten wie möglich zu verzichten und den persönlichen Besitz in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Der Verzicht soll die Wertschätzung für das eigene Umfeld und den eigenen Besitz mehren und die Mitglieder dazu ermutigen, eher zu geben, als zu nehmen.

 

Auch der Orden des Herzens stellt das Geben in den Mittelpunkt ihres Handelns, denn die Liebe ist die erwählte Tugend dieser Institution. Die Anhänger des Ordens gelangten zur Ansicht, dass die Verbindungen zwischen den Menschen und daraus resultierende Zuneigungen das beste Mittel sind, um Bösartigkeit zu unterbinden. Folglich werden die Ordensmitglieder dazu ermutigt, Professionen zu ergreifen, die die Bindung zwischen den Menschen stärken sollen.

 

Der Orden des Hammers strebte zur Tugend des Fleißes und hält damit ihre Anhänger zu steter körperlicher Arbeit an. Jedes Mitglied muss – ähnlich dem Ordens des Schwertes – zur Meisterung zweier Handwerke streben und dazu beitragen, dass auch Andere den Wert des Fleißes und damit zusammenhängender Arbeit erkennen. Folglich sind die Anhänger dieses Ordens ebenfalls oftmals auf Reisen durch die Lande zu finden.

 

Eine Besonderheit unter den religiösen Institutionen bildet der Orden des Schildes, da dessen Anhänger die Tugend des Glaubens erwählten. Über die inneren Gefüge dieses Ordens sind nur wenige Informationen bekannt und im Vergleich zu anderen Einrichtungen werden Einblicke nur wenigen ausgewählten Personen gewährt. Die Mitglieder des Ordens weisen jedoch zweifelsohne den größten Fanatismus auf und sind mitunter sehr offensiv, wenn es darum geht, neue Anhänger zu rekrutieren.

 

Es steht außer Frage, dass es die acht Orden vermochten, die Stabilität des Kontinentes zu erhöhen und eine Wiederholung der Ereignisse, die schlussendlich zu ihrer Gründung führen, zu unterbinden. Jede dieser religiösen Institutionen ist auf ihre jeweilige Art und Weise in der Lage, Einflüsse auszuüben und ihre Relevanz unter Beweis zu stellen. So brachte der Orden der Waage zahlreiche berühmte Richter hervor, während sich etliche Befehlshaber und sogar Fürsten aus dem Orden des Schwertes rekrutierten. Ähnliches gilt für große Gelehrte und Lehrer, die dem Orden der Sonne entstammen oder Baumeister, die ihre Wurzeln im Ordens des Hammers haben.

 

Doch durch ihre unterschiedlichen Ausrichtungen und Weltanschauungen waren Zerwürfnisse und Konflikte nur eine Frage der Zeit und prägten die nachfolgenden Jahrhunderte immer stärker. Die Orden der Blüte auf der einen und des Herzens auf der anderen Seite können der jeweiligen Gegenseite nur wenig abgewinnen. Und während manch Anhänger des Ordens des Hammers die Mitglieder des Ordens des Schwertes als destruktive Barbaren denunziert, sehen diese in ihm einen verweichlichten Pfuscher. Den jeweiligen Anhängern der Sonne und der Waage wird bisweilen eine gewisse Arroganz nachgesagt, da diese den Eindruck erwecken, etwas Besseres zu sein, nachdem sie sich so viel Wissen angeeignet haben.

 

Obgleich Stabilität die menschlichen Reiche prägt, so ist diese nicht so felsenfest, wie es die dreihundert Jahre allgemeinen Friedens wirken lassen. Nach ihrer Gründung erwählten die acht Orden jeweils eine größere Stadt oder einen Verbund mehrerer Siedlungen, die das Zentrum ihrer jeweiligen Macht bilden sollte. Dies geschah mit der Unterstützung der seinerzeit machtvollsten Fürsten, die die Welt nach der Abwendung besagter Katastrophe neu zu ordnen suchten. Manche dieser Fürsten waren sicherlich auch darauf bedacht, ihre eigene Macht zu sichern, weswegen der Eine oder Andere unter ihnen einem bestimmten Orden Zuflucht gewährte.

 

Durch diese Konstellation änderte sich jedoch das, was man als das menschliche Reich bezeichnen konnte: Die Gebiete, über die die Orden ihren Einfluss ausübten, veränderten sich anhand der Tugenden, die die jeweilige Institution präferierte: Das Erscheinungsbild der Ortschaften wandelte sich – nicht nur in Sachen Architektur. So prägten mit fortlaufender Dauer unterschiedliche Gebäude das Stadtbild, als auch verschiedene Professionen und Einrichtungen. Schmiede waren in Städten, die unter dem Einfluss des Ordens des Schwertes standen, häufiger anzufinden, während Bibliotheken eine Notwendigkeit waren, erlangte der Orden der Sonne Einfluss auf eine Ortschaft. Und während Gebetshäuser das Straßenbild prägen, sollte der Orden des Schildes eine Stadt für sich eingenommen haben, präferiert der Orden des Herzens Freudenhäuser.

 

Kriege hat es in den vergangenen dreihundert Jahren innerhalb des menschlichen Territoriums nicht gegeben – zumindest ist das die offizielle Feststellung. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass alle Orden darauf bedacht sind, ihren Einfluss auszuweiten, auch geographisch. Denn schlussendlich ist jeder von ihnen der Ansicht, einer relevanteren Tugend ihr Lebens verschrieben zu haben, als es die anderen Orden taten. So kam es immer wieder zu Scharmützeln an den jeweiligen Grenzverläufen der einzelnen Herrschaftsgebieten, nachdem es sich einer der ansässigen Orden zur Aufgabe gemacht hatte, einem weiteren Dorf ihre Ansichten nahebringen zu wollen. Und so kam es nicht unbedingt selten vor, dass eine Ortschaft im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Herrschaftsgebieten angehörte, wenn der jeweilige Orden es für notwendig erachtete und die Stärke besaß, seine Interesse durchzusetzen.

 

Offiziell übt ein Fürst die Herrschaft über das jeweilige Gebiet aus. Doch hinter den Kulissen ringt jeder dieser Fürsten mit den obersten Vertretern des jeweiligen Ordens – und nicht selten kam es vor, dass der jeweilige Fürst nur eine Marionette war, die nach den Wünschen der religiösen Einrichtung, die ihn stützte, handelte. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppierungen – so mischt sich der Orden des Kelches nur in einem sehr überschaubaren Maße in die politischen Belange ein, während das Verhalten des Fürsten, der über das Gebiet des Orden des Schildes regiert, darauf hindeutet, dass jener sehr auf Einflussnahme erpicht ist.

 

Mehrmals pro Jahr treffen sich sämtliche Fürsten des menschlichen Reiches an einem für die Allgemeinheit geheimen Ort, um in einer Periode von vier Tagen dringliche Belange, die das gesamte Reich betreffen, zu besprechen, etwaige Konflikte zu lösen und Richtsprüche zu fällen, falls dies durch ein Vergehen notwendig geworden ist. Dass auch hier die jeweiligen Orden, die offiziell nicht am Treffen teilnehmen dürfen, ihre Einflüsse gelten machen wollen, dürfte sicherlich außer Frage stehen. Allerdings sind sich selbst die politisch aktivsten Mitglieder der religiösen Institutionen darüber im Klaren, dass diese Treffen für den allgemeinen Frieden im gesamten Reich von ungeheurem Wert sind, sodass von allzu offensichtlichen Maßnahmen Abstand genommen wird. Sollte hierbei ein Orden über die Stränge schlagen und das Gebilde gefährden, würden die anderen Orden ihre möglichen Differenzen bei Seite legen und den achten im Bunde ohne Gnade zurechtstutzen.

 

Nicht nur zwischen den religiösen Organisationen bestehen Konfliktlinien, auch Teile der Bevölkerung sind nicht immer gewillt, sich den Dogmen und Doktrinen der Orden zu beugen – auch und gerade vor dem Hintergrund, dass diese nicht nur auf die jeweiligen Mitglieder angewandt werden, sondern auf das gesamte Herrschaftsgebiet. Natürlich lässt sich nicht bestreiten, dass die Regionen auch vom Einfluss der Orden profitieren, aber nicht jedermann findet Gefallen daran, wie in den eigenen Alltag eingegriffen wird. So verpflichtet beispielsweise der Orden des Schwertes junge Männer zu einer Art Wehrdienst. Der Orden der Reinheit wacht indes streng über die Sitten der Ortschaften und versucht jegliche Ablenkungen unsittlicher Natur zu unterbinden. Der Orden des Schildes bringt indes die stärksten Kontroversen unter den Bürgern hervor, findet ihr Fanatismus Bewunderer wie Kritiker gleichermaßen.

 

In den letzten Jahren sind vermehrt Gerüchte aufgekommen, dass sich eine geheimnisvolle Gruppe organisiert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Einfluss der Orden Stück für Stück zu verringern. Manche dieser Gerüchte gehen sogar so weit zu berichten, dass diese unbekannte Gruppe danach trachtet, die Orden aufzulösen. Diese Gerüchte zu deuten und ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, fällt jedoch schwer, da unterschiedliche Interpretationen mit ihnen einhergehen. So wird diesem Ansinnen böse Absichten unterstellt, um die Stabilität, die die letzten dreihundert Jahre angehalten hat, zu unterminieren und die damalige Katastrophe erneut auf den Weg zu bringen. In manchen Bürgern schüren diese Gerüchte Hoffnung, dass sie eines Tages vom Joch, das sie auf ihren Schultern spüren, befreit werden. Andere wiederum verfluchen diese Gerüchte, führten sie doch dazu, dass der jeweilige Orden vor Ort noch aktiver agierte.

 

Ob diese Gruppe, allgemein als die „Neunte Flamme“ bezeichnet, tatsächlich existiert oder nur einem Märchen entsprang, ist bisher nicht zu belegen. Es mehren sich zwar die Berichte über kleinere Akte der Sabotage an Aktionen und Operationen verschiedener Orden – ein Muster ist allerdings nicht zu erkennen. Wenn die Täter dingfest gemacht und verurteilt werden konnten, waren es stets lokale Bürger, die ihrem Ärger Luft machen wollten, um sich für spezifische Leiden, die sie erlitten hatten, zu rächen. Aus diesem Grunde hat sich noch kein Orden entschlossen, diesen Gerüchten ernsthaft auf den Grund zu gehen und selbst die Orden der Sonne und der Waage halten das Thema nicht für wichtig genug, um mehr Zeit in etwaige Studien zu investieren.

 

Andrere Völker

 

Obgleich das menschliche Reich die prägendste Kraft des Kontinentes ist und trotz all der politischen Differenzen eine schlagkräftige Macht darstellt, ist sie nicht der einzige Akteur von Bedeutung. Hoch im Norden, in einer Landschaft, die von Gebirgszügen und eher unwirtlichen Landstrichen geprägt ist, leben die Zwerge. So weit die ältesten Annalen in den vorhandenen Archiven zurückreichen, die Zwerge fanden bereits darin ihre Erwähnung.

 

Trotz der gemeinsamen Koexistenz sind die Berührungspunkte zwischen den beiden Reichen eher rar gesät und beschränken sich zumeist auf Handelsbeziehungen. Vielmehr toleriert man einander und hält sich aus den Angelegenheiten des jeweils anderen heraus. Dennoch ist bekannt, dass die Zwerge begabte Handwerksmeister sind und aus seltenen Erzen hervorragende Waffen und Werkzeuge schmieden können, die im menschlichen Reich stets ihren Absatz finden.

 

Trotz dessen zögern die Zwerge seit jeher, ihre Beziehungen mit den Menschen zu vertiefen, da ihnen deren Politik sowie religiöser Fokus absurd erscheint und sie mit beidem wenig anfangen können. So verspricht der Handel zwar stets einen vollen Geldbeutel, aber die zwergischen Händler suchen die menschlichen Siedlungen und Städte nur recht selten auf, um den merkwürdigen Anwandlungen der Ordensmitglieder zu entgehen. Allein der Orden des Hammers unterhält tiefere Beziehungen zu den Zwergen, da die Bartträger die Wertschätzung des Fleißes und des Handwerkes gutheißen. Aber selbst in diesem Falle sind Zwerge im Herrschaftsgebiet des Ordens lediglich häufiger anzutreffen als in anderen Teilen des menschlichen Reiches. Mit einer Freundschaft sollte man dieses Gebaren dennoch nicht verwechseln.

 

Sorgen, dass die Menschen eines Tages darauf kommen könnten, nach den Erzen zu gieren und die Lande der Zwerge deswegen anzugreifen, machen sich die dortigen Bewohner allerdings nicht. Zu hoch ist das Vertrauen der Bartträger in ihre Verteidigungsanlagen. Außerdem scheinen die politischen Konflikte dazu zu führen, dass das menschliche Reich die eigene Kraft nicht vollständig ausschöpfen kann und somit den Blick stets nach innen und nicht nach außen richtet. Aus Sicht der Zwerge darf das auch zukünftig gerne so bleiben.

 

In Sicherheit wähnen sich auch die Halblinge, die ein Areal saftiger Steppen bewohnen, die südöstlich des menschlichen Reiches liegen. Im Gegensatz zu den Zwergen verfügen die Halblinge nicht über wertvolle Erze, die zur Herstellung verschiedener Utensilien genutzt werden können. Dafür handeln die gutmütigen Wesen mit allerlei Nahrungsmitteln, die nur in ihren heimatlichen Gefilden vorkommen und gedeihen. Diese Früchte, Getreidesorten oder gar Gewürze finden ebenfalls großen Absatz in den menschlichen Herrschaftsgebieten. Dabei sind sich die Halblinge ihrer besonderen Stellung genauso bewusst, wie es bei den Zwergen der Fall ist: Nur sie wissen, wie man all die Nahrungsmittel anzubauen und zu bewirten hat, dass sie derart opulent gedeihen. Sollte je ein Mensch versuchen, den Halblingen nachzueifern, müsste der Zufall schon ein sehr glücklicher sein, dass ein solches Experiment gelingt. Folglich hat insbesondere der Orden der Sonne hohes Interesse daran, den Halblingen ihre Geheimnisse zu entlocken – bisher jedoch mit bestenfalls geringen Erfolg. Die Halbwüchsigen mögen vielleicht gutmütig sein, dumm sind sie allerdings nicht.

 

Kein Orden kann es sich indes erlauben, die Gefilden der Halblinge ins Visier zu nehmen, macht er sich doch so schnell alle anderen Orden zum Feind, die es nicht erlauben würden, dass die liebgewonnenen Speisen und Getränke abhanden kommen. Allein der Orden des Kelches steht den Halblingen eher ablehnend gegenüber, da die zur Verfügung gestellten Nahrungsmittel ihrem Dogma der Mäßigung ein Dorn im Auge sind. Folglich können die Händler der Halblinge in den Gefilden dieses Ordens nur wenige ihrer Waren verkaufen, sodass nur wenige überhaupt dorthin reisen. Man sagt dem dort ansässigen Fürst jedoch eine Schwäche für gewisse Pasteten nach, sodass Halblinge auch in diesem Teil des Landes keine Ausnahmeerscheinung darstellen.

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Ländereien und Ortschaften

 

Echalda, Heimat des Ordens der Schwerter

Spoiler

Als die Orden sich gründeten und begannen, erste Einflussbereiche gegenüber den anderen Institutionen abzustecken, machten die führenden Mitglieder des Ordens der Schwerter ihren Anspruch auf das Fürstentum Echalda geltend. Sollte jemand die Fragen stellen, warum die Wahl ausgerechnet auf diesen Teil des Landes fiel, reicht ein Blick auf die geographischen Begebenheiten, um diese zu beantworten: So bildet eine Gebirgskette am äußeren Rand des Fürstentums eine natürliche Barriere nach außen. Zudem liegen zahlreiche imposante Wälder im Herrschaftsgebiet verteilt, sodass es an hochwertigem Holz nicht mangelt. Tatsächlich ließen sich die Anführer des Ordens auf den vorgeschlagenen Kompromiss ein, auf einen Teil ihres Einflussbereiches zu verzichten - die zur Verfügung stehenden Ressourcen machten diesen Verzicht mehr als wett. Tatsächlich stellte sich diese Einigung als ein gar hervorragendes Geschäft heraus, als die ersten Expeditionen, die unternommen wurden, um das Gebirge eingehender zu erkunden, mit der freudigen Nachricht zurückkehrten, auf Metallvorkommen verschiedener Arten gestoßen zu sein. Für den Orden der Schwerter bedeutete dies einen zusätzlichen Gewinn an Einfluss und Unabhängig, war das Fürstentum doch fortan in der Lage, die Waffenproduktion in die eigene Hand zu nehmen.

 

In Echalda herrscht ein mildes Klima, folglich bleibt die Bevölkerung sowohl im Sommer, als auch im Winter von extremen Temperaturen verschont. Dennoch ergeben sich Herausforderungen bei der Landwirtschaft, verwehren doch die zahlreichen Wälder oftmals eine stärkere Ausbreitung der Bewohner. Nun könnte man annehmen, dass eine Rodung des Rätsels Lösung wäre, doch die jeweils herrschenden Fürsten haben derartigen Vorhaben stets ablehnend gegenüber gestanden. Es steht zu vermuten, dass der Orden der Schwerter auch in dieser Frage seinen Einfluss geltend machte, um zu verhindern, dass die Zufuhr von Material für die Waffenherstellung allzu sehr eingeschränkt würde.

 

Tatsächlich erlebte das Fürstentum eine lange Periode des stetigen Fortschritts, der insbesondere den wenigen großen Städten zu Gute kam, allen voran der Provinzhauptstadt Graufurt. Doch die jeweiligen Regenten waren auch darauf bedacht, die kleineren Ortschaften und Siedlungen ebenfalls am Fortschritt teilhaben zu lassen, sodass auch dort nach und nach steinerne Bauten die Holzhütten und -häuser ablösten. Der Fokus des Ordens der Schwerter auf die Herstellung von Waffen, um den eigenen Mitgliedern die Meisterschaft zu ermöglichen, tat sein Übriges. Tatsächlich wurde sogar festgelegt, dass eine jede Ortschaft über mindestens eine Waffenschmiede zu verfügen und einen nicht unerheblichen Teil der Produktion als Tribut an die nächst höhergestellte Siedlung weiterzugeben hat. Somit sollte der architektonische Fortschritt nicht nur dem erhöhten Komfort der Bewohner dienen, sondern auch die Effizienz der Produktion verbessern.

 

Die Historie der Region ist daraus folgend nicht ohne Konflikte. Selbst die kleinsten Siedlungen stehen unter regelmäßiger Kontrolle, ihren auferlegten Aufgaben nachzukommen. Die Tributzahlungen führen zudem zu lokaler Verarmung, da Kompensationen nicht immer im angemessenen Rahmen erfolgen. Auch der Unwille, großzügige neue Anbauflächen zu erschließen, führte insbesondere in den ersten Dekaden zu wiederholter Nahrungsknappheit, die nur durch massive Handelsbemühungen aufzufangen waren. Daraus resultierend setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein regelmäßig stattfindender Handel mit anderen Fürstentümern notwendig ist, da die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln nicht abgesichert werden kann. Dass es sich dabei auch um eigenes Verschulden handelt, würde jedoch weder der regierende Fürst, noch die Führungsriege des Ordens öffentlich zugeben.

 

So wurde entschieden, den anderen Provinzen einen Teil der hergestellten Waffen als Handelsgut anzubieten. Dies wiederum führte dazu, dass der Orden seinen Eigenbedarf nur noch zu einem verringerten Maße decken konnte. So wurde zwar versucht, die Produktion landesweit zu erhöhen, schlussendlich sah man jedoch davon ab, an dieser Schraube allzu sehr zu drehen, sodass neue Konflikte nicht provoziert würden. Doch trotz all des Wohlstandes, der in Echalda erschaffen wurde, ist Armut auch dort kein vollkommen unbekanntes Problem. Die Strenge und Kontrollsucht des Ordens über die örtliche Waffenproduktion tut ihr Übriges. Dennoch kam es nie zu offenen Revolten, was sicherlich auch mit dem Umstand zusammenhängt, dass sich nur die Wenigsten mit einer religiösen Institution anzulegen suchen, die ihren Mitgliedern den Umgang mit Waffen beibringt.

 

Der Orden der Schwerter ist zudem stets im Alltag präsent, da seine Mitglieder im Rahmen ihrer Tätigkeit durch die Lande ziehen - sei es als Jäger, Wachleute oder Kontrolleure. Es würde schon einen beachtlichen Zufall darstellen, wenn man keinem Ordensmitglied auf seinen Reisen über den Weg läuft. Außer natürlich, man hat es darauf angelegt, ihnen aus dem Weg zu gehen.

 

Laemyrim, das Land der Halblinge

Spoiler

Die Landstriche, die sich die Halblinge zu eigen gemacht haben, werden von Reisenden oft als eine Art Idyll beschrieben: Saftige Wiesen, eine durch Hügel und kleinere Wälder durchzogene Steppen-Landschaft, die im Betrachter ein wohliges Gefühl aufkommen lässt, ein Gefühl der Ruhe und der Entspannung. Dass allerdings die Bewohner dieser Landstriche sehr viel Zeit und Aufwand investiert haben, um deren Eigenheiten zu nutzen, wird einem Reisenden erst gewahr, wenn er in eine der Ortschaften einkehrt, in denen die Halblinge leben.

 

In der alten Sprache ihrer Bewohner Laemyrim genannt, sind die Gebiete, in denen sich die grundsätzlich freundlichen und höflichen Halblinge verbreitet haben, keinem klar definierten Reich zugehörig, in dem ein Herrscher über sein Volk gebietet und die Geschicke seiner Untertanen lenkt oder lenken lässt. Vielmehr sind die einzelnen Dörfer mehr oder weniger autark organisiert und fühlen sich nur den eigens auserkorenen lokalen Anführern verbunden. So organisieren die Bewohner den Fortbestand des Dorfes und ihr eigenes Wohlergehen derart, dass sie nicht auf die Versorgung durch andere Ortschaften angewiesen sind. Entsprechend wird ein Reisender in jedem Ort beobachten können, wie grundlegende Bedürfnisse durch die Eigenversorgung befriedigt werden können.

 

Dennoch existieren Absprachen zwischen den einzelnen Ortschaften, die zwischen den Anführern geschlossen werden. Diese Absprachen sschlugen sich in der Vergangenheit darin nieder, dass jeder Ort eine Art Monopol auf die Herstellung oder Verarbeitung besonderer Güter besitzt: In dem einen werden seltene Pflanzen oder Gewürze angeboten, während ein anderes ansehnliche Töpferwaren feil bietet, das dritte wiederum stattet Interessierte mit hochwertigen Kleidungsstücken aus.

 

Aus dieser Konstellation heraus, die über eine lange Zeit hinweg gewachsen ist und sich schlussendlich etabliert hat, sicherte sich jede Ortschaft ihre Daseinsberechtigung. Wettbewerb unter den Dörfern, hinsichtlich der Herstellung eines Guts das bessere zu sein, wurde somit eliminiert, was wiederum aufkommende Streitigkeiten und Spannungen reduzierte. Jeder, der häufiger mit Vertretern des Volkes zu tun hat, wird indes bestätigen können, dass Halblinge sehr ehrgeizig sind - Konkurrenz kann somit sehr schnell zu verbissener Rivalität umschlagen.

 

Die Hierarchie innerhalb einer Ortschaft richtet sich unter normalen Umständen an dem Ansehen der lokal ansässigen Familien aus - je länger der Familienstammbaum vor Ort reicht, um so wahrscheinlicher ist es, dass einer der Anführer aus dieser Familie entstammt. Mancher Orts stellen Familien schon seit Jahrhunderten die Führungselite. Auf Grund dieser politischen Lage führt jede Familie mit höchster Sorgfalt eine eigene Chronik, um zu dokumentieren, wie es um den Anspruch auf Entscheidungsgewalt bestellt ist. Selbst die eher unbedeutenden Familien hüten die eigene Chronik wie einen Schatz, der mehr Wert zu sein scheint als all die Edelsteine und Erze, die die Zwerge zu Tage fördern.

 

Sollte es dazu kommen, dass sich in einer bestehenden Ortschaft ein Wechsel unter den Anführern anbahnt oder die Gründung einer neuen Ortschaft vorgesehen ist, werden Versammlungen abgehalten, um zu bestimmen, welche Familie die Lücke mit einem Mitglied aus den eigenen Reihen füllen soll. Diese Versammlungen können sich über Tage, manches Mal sogar Wochen erstrecken, wenn die Familien aus ihren Chroniken, die mitunter dutzende Bände umfassen können, zitieren. Während dieser bisweilen sehr anstrengenden Zusammenkunft tritt die Rivalität zwischen den Halblingen oftmals wieder zu Tage - hierbei weicht die Freundlichkeit, die dem Volk inne wohnt, Anspannung, manches Mal sogar Abneigung oder gar Hass, wenn zwei Familien eine Fehde ausfechten müssen. Nur den allerwenigsten Außenstehenden wird indes erlaubt, einer solchen Versammlung beizuwohnen – dies gilt für Halblinge anderer Dörfer gleichermaßen wie für Menschen oder Zwerge.

 

Dennoch lässt sich ein regelmäßiger Austausch zwischen den einzelnen Ortschaften registrieren. Junge Halblinge, die noch nicht sesshaft geworden sind oder explizit nach der Lehre in einem bestimmten Handwerk streben, reisen zu einer anderen Siedlung, um dort das eigene Glück zu suchen und bestenfalls zu finden. Dieser Drang nach Selbstverwirklichung führt nicht selten auch zu politischen Verflechtungen, wenn durch das Geschenk der Liebe zwei Familien zusammengeführt werden. Daraus wiederum können neue Ansprüche entstehen, was meist in weiteren Auseinandersetzungen mündet.

 

Das ausgeklügelte Wirtschaftssystem lebt mittlerweile nicht mehr nur vom Handel unterhalb der Ortschaften in Laemyrim, sondern insbesondere mit den zahlreichen Fürstentümern der Menschen. Dabei haben diese nicht nur an den besonderen Waren, die die jeweiligen Dörfer feil bieten, Gefallen gefunden, sondern auch an diversen Nahrungsmitteln und Gewürzen, die scheinbar nur in den Gefilden der Halblinge wachsen und von diesen mit den korrekten Techniken geerntet und aufbereitet werden können. Dieser Umstand führte sehr schnell zu einem regen Austausch, von dem beide Seiten ohne Frage profitieren.

 

Im Gegensatz zu den Zwergen heißen die Halblinge Gäste, Reisende und fahrende Händler gerne in ihren Ortschaften willkommen, solange diese sich zu benehmen wissen. Die Besucher erleben in jedem Dorf einen aufgeräumten Eindruck, der wiederum für den durchaus vorhandenen Wohlstand der Ortschaften spricht. Während manche Siedlungen der verschiedenen menschlichen Reiche trostlos und nicht selten verarmt und abschreckend wirken, sind die Pfade und Gassen in Ortschaften der Halblinge stets gesäubert sowie Häuser und Zäune mit allerlei Blumen geschmückt. Es wäre fast schon das perfekte Idyll, wenn das Wetter vor Ort nicht genauso launisch ausfallen würde wie in den anderen Teilen der Welt. Manch Reisender, der aus Laemyrim kommend in seine eigene Heimat zurückkehrt, scherzt, dass es ihn nicht wundern würde, wenn die Halblinge irgendwann einmal es vermöchten, das Wetter zu kontrollieren, damit stets strahlender Sonnenschein herrscht.

 

Das einzige Rätsel, das Außenstehende noch nicht ergründen konnten, ist das der Wehrhaftigkeit, die die Siedlungen und Ortschaften vor Aggressoren schützt. Im Gegensatz zu Zwergen können Halblinge ihre Körpergröße nicht durch Kraft ausgleichen, auch sind sie keine geborenen oder zumindest geschulten Kämpfer und Soldaten. Folglich wird man es nur sehr selten beobachten können, dass ein Halbling einen Zwerg oder Menschen frontal attackiert, wenn er überhaupt die körperliche Auseinandersetzung sucht. Dennoch ist nicht bekannt, dass Wegelagerer oder Banditen die Ortschaften Laemyrims wiederholt aufsuchen und dort rauben oder brandschatzen.

 

Gemeinhin ist indes bekannt, dass Halblinge geschickt im Umgang mit Pfeil und Bogen sind, zudem als geschickte Fährtenleser gelten sowie einen sehr effektiven Umgang mit Fallen darbieten können. Ob zwischen diesen Vorzügen und der Abwesenheit von finsteren Gesellen ein Zusammenhang besteht, wurde jedoch noch nicht eingehend untersucht. Zu diesem Thema schweigen sich die Halblinge aus und bieten dem Fragenden in ihrer höflichen Art stattdessen einen weiteren Krug schmackhaften Tees an.

 

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Die Orden

 

Der Orden der Schwerter

 

Der ordinären Bevölkerung ist über das Innenleben der Orden nur wenig bekannt. Den meisten Bürgern der Fürstentümer fehlt es schlussendlich an Gelegenheit, die Geheimnisse der religiösen Institutionen zu erkunden, müssen sie sich doch in erster Linie darum kümmern, ihren eigenen Alltag zu bewältigen. Allerdings sind die Orden auch nicht erpicht darauf, ihre inneren Strukturen, Rituale und Machenschaften nach außen zu tragen - Transparenz gehört nicht zu ihren Idealen.

 

Allerdings bestehen auch in diesem Punkt Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen. Der Orden der Schwerter kann zu den eher offeneren Vertretern gezählt werden, obgleich diese Begrifflichkeit auch nur in Relation verwendet werden kann. Nichtsdestoweniger gibt sich der Orden nicht überaus geheimnisvoll, wie es bei manch Anderem der Fall ist.

 

Wenig überraschend steht dies mit dem Ziel des Ordens, Tapferkeit unter die Menschen zu bringen und sie so auf den Pfad der Tugend zu führen, in Verbindung. Das Erscheinungsbild einer überaus in sich gekehrten und dadurch unheimlich oder gefährlich wirkenden Organisation würde dem, was man sich gemeinhin unter Tapferkeit vorstellen würde, widersprechen. Von den Mitgliedern des Ordens, die an zahlreichen Orten innerhalb des Fürstentums Echalda gesichtet werden können, lässt sich leicht ableiten, dass innerhalb ihrer Institution sehr viel Wert auf Disziplin und Gehorsam gelegt wird. Es erscheint überdies logisch, dass jahrelanges Training ebenso eine wichtige Rolle im Leben der Mitglieder spielt, wie die Konfrontation mit Angst und Zweifel, um sich dem Ziel der Tapferkeit zu nähern.

 

Während sich der gemeine Bürger wohl grob vorstellen kann, wie das Training an der Waffe von statten gehen mag, so ist nicht bekannt, wie der Orden die Psyche seiner Mitglieder bearbeitet, um diese den Zielsetzungen näher zu bringen. Über derlei Methoden schweigt sich die Einrichtung aus. Immerhin haben Mitglieder des Ordens der Schwerter über all die Jahrhunderte keine kollektiven negativen Verhaltensweisen aufgewiesen, die die intern gebrauchten Methoden in Zweifel ziehen würden, was wiederum zu einer Intervention durch die anderen Orden hätte führen können.

 

Die Disziplin, die die Einrichtung von ihren eigenen Mitgliedern erwartet, erwartet sie jedoch im gleichen Maße von der Bevölkerung - zumindest von dem Teil der Bevölkerung, der zur Ökonomie des Fürstentums beiträgt. Müßiggang und Verzögerungen werden daher nicht geduldet, insbesondere bei den Produktionen der Schmieden, die im ganzen Land tagtäglich glühen. Hier zeigt sich der Einfluss, den der Orden auf das Fürstentum Echalda hat, sehr deutlich. Durch das strenge Regiment, das die Vertreter des Ordens vor Ort führen, hat sich schon oftmals das Unwohlsein und der Ärger innerhalb der lokalen Bevölkerung breit gemacht. Dennoch finden Unruhen oder gar Revolten nur sehr selten statt. Ob dies mit der Überzeugung, die die Mitglieder des Ordens ausstrahlen, zusammenhängt oder mit der Respekt einflößenden Kombination aus Waffen und Training, wird von Individuum zu Individuum unterschiedlich wahrgenommen.

 

Auf Grund seiner inneren Grundsätze ist der Orden sehr offen hinsichtlich der Rekrutierung neuer Mitglieder. Nicht aus jedem Anhänger kann ein neuer Offizier oder gar General werden - aber jeder Mann und jede Frau, die es schaffen, Mut und Tapferkeit zu erlangen und damit wiederum Andere zu inspirieren, ist in den Augen des Ordens ein Gewinn. Aus diesen Erwägungen heraus nimmt der Orden auch Kinder in seine Reihen auf - entweder, weil ein besonderes Talent entdeckt wurde oder ein Adeliger des Fürstentums eine sehr disziplinierte Erziehung für den eigenen Nachwuchs wünscht. Auch gehen Gerüchte auf dem Lande herum, wie es schon ab und zu vorgekommen sein soll, dass der Orden den Sohn oder die Tochter eines Bauern oder Handwerkers in die eigenen Reihen aufgenommen hat, weil die Eltern finanzielle Sorgen und Nöte zu begegnen hatten.

 

Auf welchem Wege auch immer die jüngeren Mitglieder zum Orden gelangt sein mögen, es ist nicht ungewöhnlich, diese zu entdecken - entweder auf offiziellen Anlässen oder aber inmitten einer größeren Patrouille, oftmals bereits mit einer Waffe ausgerüstet. Allerdings wird jedem Beobachter schnell offenkundig, dass diesen jungen Mitgliedern nur sehr bedingt Ruhe gegönnt wird – so steht zu vermuten, dass auch sie die Routinen der körperlichen und geistigen Ertüchtigung über sich ergehen lassen müssen. Der Orden verweist in Fällen, in denen Sorge um die Kinder geäußert wurden, meist auf vergangene und gegenwärtige hochrangige Mitglieder, die selbst einst in jungen Jahren zur Institution stießen.

 

Allen Mitgliedern ist gemein, dass sie nach dem Eintritt einige Jahre aus dem Blickfeld ihres bisherigen Umfeldes verschwinden - dies gilt auch für Kinder. Nach dieser Zeit, die je nach Alter, Vorgeschichte und auch Persönlichkeit variieren kann, ist es dem Anhänger des Ordens wieder vermehrt möglich, freier zu agieren und nicht selten werden die Mitglieder in die Landstriche des Fürstentums entsandt, aus der sie ursprünglich stammen. Sie kehren jedoch als veränderte Persönlichkeiten zurück – wenig überraschend disziplinierter, fokussierter, aber nicht selten auch unnahbarer oder distanzierter. Sollte ein Mitglied jedoch bereits vor seinem Eintritt über Charisma oder inspirierenden Charme verfügt haben, so ist dieser zumeist noch weiter geschärft und herausgearbeitet.

 

Die zentrale Stätte des Ordens liegt in Echaldas Hauptstadt Graufurt. Dort unterhält er eine Reihe von imposanten Steinbauten, die wie eine Feste in einer Feste wirken, da sie durch ihre Architektur in gewisser Weise vom Rest der Stadt abgetrennt ist. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass innerhalb der gemeinen Bevölkerung schlicht von der "Burg" gesprochen wird. Der Orden ist indes überall in der Stadt zu gegen, da sowohl die Stadtwache, als auch die Garnison aus seinen Mitgliedern rekrutiert wird. Jedes neue Mitglied verbringt die ersten Jahren in der zentralen Stätte des Ordens und dient in den meisten Fällen auch als Wache der Hauptstadt, sofern nicht besondere Umstände eine Entsendung in andere Teile des Landes notwendig machen.

 

Darüber hinaus hat der Orden an zahlreichen strategisch wichtigen Schlüsselpunkten innerhalb des Fürstentums kleinere Außenposten aufziehen lassen, die die Stellung der Institution schlussendlich noch weiter gefestigt hat. Natürlich profitiert die Bevölkerung durch dieses Netz an Standorten - so haben organisierte Banden oder Wegelagerer nur sehr selten eine lang andauernde Karriere. Auf der anderen Seite sichert der Orden mit diesen Außenposten auch die Produktion vor Ort - und davon profitiert die religiöse Einrichtung selbst zu einem sehr gewichtigen Grade.

 

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