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Das Reich der Menschen

 

Reale Ereignisse werden irgendwann zu Geschichten, dann zu Legenden und schlussendlich zu Mythen und Sagen. Mehr und mehr derjenigen, die diese Ereignisse selbst erlebt haben oder in den nachfolgenden Jahren aufwuchsen, sterben und haben somit keinen Einfluss mehr, wie das Vergangene dargestellt wird. Schriftrollen zerfallen zu Staub und Folianten fallen der Vergessenheit anheim, sofern sie überhaupt entdeckt und einem Archiv hinzugefügt wurden. Wissen geht verloren – manches Mal durch einen ärgerlichen Zufall, manches Mal durch eine bewusst geführte Handlung.

 

Die deutliche Mehrheit der Menschen, die dieser Tage in den Städten und Dörfern des Kontinentes ihrem Handwerk nachgehen und versuchen, den Alltag so erträglich wie möglich zu gestalten, wissen kaum etwas über die Ereignisse, die rund dreihundert Jahre in der Vergangenheit liegen – obgleich das, was diesen Ereignissen nachfolgte, die Welt bis zum heutigen Tage prägt. Größere Zusammenhänge, Hintergründe oder gar Details sind dem gemeinem Volk jedoch nicht bekannt. Noch nicht einmal einzelne Würden- und Entscheidungsträger sind sich der Historie im vollen Umfang im Klaren – ihre eigene Kenntnis beruht auf ihrer Entscheidung, ob sie sich mit Gelehrten umgeben oder selbst dem Drang nachgehen wollen, mehr zu erfahren.

 

Es ist jedoch allgemein bekannt, dass etwas stattfand, was den gesamten Kontinent verändern würde. Es heißt, dass eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes gerade so abgewendet werden konnte, bevor sie in der Lage war, die Welt zu verschlingen. Böse Kräfte seien am Werk gewesen. Aus Machtgier oder aus reiner Bosheit - dies ist eine der Details, die dem Wissen der Allgemeinheit abhanden gekommen ist. Als Konsequenz aus dieser beinahe erfolgten Katastrophe war es den menschlichen Herrschern ein Ansinnen, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Wiederholung verhindern und einer erneuten Katastrophe vorbeugen sollten.

 

Dieses Ansinnen mündete in der Gründung acht religiöser Institutionen, die je eine Tugend in den Mittelpunkt ihres jeweils Dogmas stellten. Die Mitglieder dieser Institutionen machten es sich zu ihrer Aufgabe, ihre präferierten Tugenden unter das Volk zu bringen und dazu beizutragen, dass die zahlreichen Saaten, die zu bösen Taten führen könnten, so stark wie möglich eingedämmt und bestenfalls ausgemerzt würden.

 

Der Orden der Blüte verschrieb sich der Tugend der Reinheit. Im Mittelpunkt des Dogmas steht eine Art spirituelle Reinigung, indem der Körper vor schändlichen Einflüssen abgeschirmt werden soll. Folglich ist es den Anhängern des Ordens untersagt, sexuelle Bindungen einzugehen, bevor sie das fünfundzwanzigste Lebensjahr erreicht haben. Erst dann ist es ihnen erlaubt, mit einem Mitmenschen eine emotionale Bindung einzugehen – sofern dieser dem Orden ebenfalls angehört.

 

Der Orden des Schwertes rückte die Tapferkeit in den Mittelpunkt ihres Glaubens. Die Mitglieder des Ordens sollen innere Stärke finden, sodass sie mit gutem Beispiel vorangehen und Andere zu tugendreichen Taten inspirieren können. Folglich steht das Training mit Waffen ebenso im Fokus des täglichen Lebens, wie auch die Ausbildung, Andere führen zu können. Jedes Mitglied eines Ordens muss daher mindestens zwei Waffengattungen meistern und lernen, seine Ängste zu überwinden.

 

Weisheit ist das oberste Gut für den Orden der Sonne. Tatsächlich verfügt diese Institutionen über die größte Bibliothek aller menschlichen Siedlungen und sämtliche Anhänger des Ordens sind dazu verpflichtet, so viel Wissen wie möglich anzuhäufen und dieses auch weiterzugeben. Daher muss jedes Mitglied auch mehrere Reisen unterschiedlicher Länge unternehmen, um das angeeignete Wissen unter das Volk zu bringen.

 

Der Orden der Waage steht für die Tugend der Gerechtigkeit und gilt als diejenige Institution, die den geringsten Fanatismus pflegt. Ihre Mitglieder werden in allerlei rechtlichen Studien unterwiesen und sollen erlernen, eine Entscheidung von möglichst vielen Seiten zu betrachten, bevor sie ein Urteil fällen, um so den Frieden zu erhalten.

 

Der eher zurückgezogen agierende Orden des Kelches hat sich der Tugend der Mäßigung zugewandt und hält seine Mitglieder an, auf so viele Annehmlichkeiten wie möglich zu verzichten und den persönlichen Besitz in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Der Verzicht soll die Wertschätzung für das eigene Umfeld und den eigenen Besitz mehren und die Mitglieder dazu ermutigen, eher zu geben, als zu nehmen.

 

Auch der Orden des Herzens stellt das Geben in den Mittelpunkt ihres Handelns, denn die Liebe ist die erwählte Tugend dieser Institution. Die Anhänger des Ordens gelangten zur Ansicht, dass die Verbindungen zwischen den Menschen und daraus resultierende Zuneigungen das beste Mittel sind, um Bösartigkeit zu unterbinden. Folglich werden die Ordensmitglieder dazu ermutigt, Professionen zu ergreifen, die die Bindung zwischen den Menschen stärken sollen.

 

Der Orden des Hammers strebte zur Tugend des Fleißes und hält damit ihre Anhänger zu steter körperlicher Arbeit an. Jedes Mitglied muss – ähnlich dem Ordens des Schwertes – zur Meisterung zweier Handwerke streben und dazu beitragen, dass auch Andere den Wert des Fleißes und damit zusammenhängender Arbeit erkennen. Folglich sind die Anhänger dieses Ordens ebenfalls oftmals auf Reisen durch die Lande zu finden.

 

Eine Besonderheit unter den religiösen Institutionen bildet der Orden des Schildes, da dessen Anhänger die Tugend des Glaubens erwählten. Über die inneren Gefüge dieses Ordens sind nur wenige Informationen bekannt und im Vergleich zu anderen Einrichtungen werden Einblicke nur wenigen ausgewählten Personen gewährt. Die Mitglieder des Ordens weisen jedoch zweifelsohne den größten Fanatismus auf und sind mitunter sehr offensiv, wenn es darum geht, neue Anhänger zu rekrutieren.

 

Es steht außer Frage, dass es die acht Orden vermochten, die Stabilität des Kontinentes zu erhöhen und eine Wiederholung der Ereignisse, die schlussendlich zu ihrer Gründung führen, zu unterbinden. Jede dieser religiösen Institutionen ist auf ihre jeweilige Art und Weise in der Lage, Einflüsse auszuüben und ihre Relevanz unter Beweis zu stellen. So brachte der Orden der Waage zahlreiche berühmte Richter hervor, während sich etliche Befehlshaber und sogar Fürsten aus dem Orden des Schwertes rekrutierten. Ähnliches gilt für große Gelehrte und Lehrer, die dem Orden der Sonne entstammen oder Baumeister, die ihre Wurzeln im Ordens des Hammers haben.

 

Doch durch ihre unterschiedlichen Ausrichtungen und Weltanschauungen waren Zerwürfnisse und Konflikte nur eine Frage der Zeit und prägten die nachfolgenden Jahrhunderte immer stärker. Die Orden der Blüte auf der einen und des Herzens auf der anderen Seite können der jeweiligen Gegenseite nur wenig abgewinnen. Und während manch Anhänger des Ordens des Hammers die Mitglieder des Ordens des Schwertes als destruktive Barbaren denunziert, sehen diese in ihm einen verweichlichten Pfuscher. Den jeweiligen Anhängern der Sonne und der Waage wird bisweilen eine gewisse Arroganz nachgesagt, da diese den Eindruck erwecken, etwas Besseres zu sein, nachdem sie sich so viel Wissen angeeignet haben.

 

Obgleich Stabilität die menschlichen Reiche prägt, so ist diese nicht so felsenfest, wie es die dreihundert Jahre allgemeinen Friedens wirken lassen. Nach ihrer Gründung erwählten die acht Orden jeweils eine größere Stadt oder einen Verbund mehrerer Siedlungen, die das Zentrum ihrer jeweiligen Macht bilden sollte. Dies geschah mit der Unterstützung der seinerzeit machtvollsten Fürsten, die die Welt nach der Abwendung besagter Katastrophe neu zu ordnen suchten. Manche dieser Fürsten waren sicherlich auch darauf bedacht, ihre eigene Macht zu sichern, weswegen der Eine oder Andere unter ihnen einem bestimmten Orden Zuflucht gewährte.

 

Durch diese Konstellation änderte sich jedoch das, was man als das menschliche Reich bezeichnen konnte: Die Gebiete, über die die Orden ihren Einfluss ausübten, veränderten sich anhand der Tugenden, die die jeweilige Institution präferierte: Das Erscheinungsbild der Ortschaften wandelte sich – nicht nur in Sachen Architektur. So prägten mit fortlaufender Dauer unterschiedliche Gebäude das Stadtbild, als auch verschiedene Professionen und Einrichtungen. Schmiede waren in Städten, die unter dem Einfluss des Ordens des Schwertes standen, häufiger anzufinden, während Bibliotheken eine Notwendigkeit waren, erlangte der Orden der Sonne Einfluss auf eine Ortschaft. Und während Gebetshäuser das Straßenbild prägen, sollte der Orden des Schildes eine Stadt für sich eingenommen haben, präferiert der Orden des Herzens Freudenhäuser.

 

Kriege hat es in den vergangenen dreihundert Jahren innerhalb des menschlichen Territoriums nicht gegeben – zumindest ist das die offizielle Feststellung. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass alle Orden darauf bedacht sind, ihren Einfluss auszuweiten, auch geographisch. Denn schlussendlich ist jeder von ihnen der Ansicht, einer relevanteren Tugend ihr Lebens verschrieben zu haben, als es die anderen Orden taten. So kam es immer wieder zu Scharmützeln an den jeweiligen Grenzverläufen der einzelnen Herrschaftsgebieten, nachdem es sich einer der ansässigen Orden zur Aufgabe gemacht hatte, einem weiteren Dorf ihre Ansichten nahebringen zu wollen. Und so kam es nicht unbedingt selten vor, dass eine Ortschaft im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Herrschaftsgebieten angehörte, wenn der jeweilige Orden es für notwendig erachtete und die Stärke besaß, seine Interesse durchzusetzen.

 

Offiziell übt ein Fürst die Herrschaft über das jeweilige Gebiet aus. Doch hinter den Kulissen ringt jeder dieser Fürsten mit den obersten Vertretern des jeweiligen Ordens – und nicht selten kam es vor, dass der jeweilige Fürst nur eine Marionette war, die nach den Wünschen der religiösen Einrichtung, die ihn stützte, handelte. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppierungen – so mischt sich der Orden des Kelches nur in einem sehr überschaubaren Maße in die politischen Belange ein, während das Verhalten des Fürsten, der über das Gebiet des Orden des Schildes regiert, darauf hindeutet, dass jener sehr auf Einflussnahme erpicht ist.

 

Mehrmals pro Jahr treffen sich sämtliche Fürsten des menschlichen Reiches an einem für die Allgemeinheit geheimen Ort, um in einer Periode von vier Tagen dringliche Belange, die das gesamte Reich betreffen, zu besprechen, etwaige Konflikte zu lösen und Richtsprüche zu fällen, falls dies durch ein Vergehen notwendig geworden ist. Dass auch hier die jeweiligen Orden, die offiziell nicht am Treffen teilnehmen dürfen, ihre Einflüsse gelten machen wollen, dürfte sicherlich außer Frage stehen. Allerdings sind sich selbst die politisch aktivsten Mitglieder der religiösen Institutionen darüber im Klaren, dass diese Treffen für den allgemeinen Frieden im gesamten Reich von ungeheurem Wert sind, sodass von allzu offensichtlichen Maßnahmen Abstand genommen wird. Sollte hierbei ein Orden über die Stränge schlagen und das Gebilde gefährden, würden die anderen Orden ihre möglichen Differenzen bei Seite legen und den achten im Bunde ohne Gnade zurechtstutzen.

 

Nicht nur zwischen den religiösen Organisationen bestehen Konfliktlinien, auch Teile der Bevölkerung sind nicht immer gewillt, sich den Dogmen und Doktrinen der Orden zu beugen – auch und gerade vor dem Hintergrund, dass diese nicht nur auf die jeweiligen Mitglieder angewandt werden, sondern auf das gesamte Herrschaftsgebiet. Natürlich lässt sich nicht bestreiten, dass die Regionen auch vom Einfluss der Orden profitieren, aber nicht jedermann findet Gefallen daran, wie in den eigenen Alltag eingegriffen wird. So verpflichtet beispielsweise der Orden des Schwertes junge Männer zu einer Art Wehrdienst. Der Orden der Reinheit wacht indes streng über die Sitten der Ortschaften und versucht jegliche Ablenkungen unsittlicher Natur zu unterbinden. Der Orden des Schildes bringt indes die stärksten Kontroversen unter den Bürgern hervor, findet ihr Fanatismus Bewunderer wie Kritiker gleichermaßen.

 

In den letzten Jahren sind vermehrt Gerüchte aufgekommen, dass sich eine geheimnisvolle Gruppe organisiert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Einfluss der Orden Stück für Stück zu verringern. Manche dieser Gerüchte gehen sogar so weit zu berichten, dass diese unbekannte Gruppe danach trachtet, die Orden aufzulösen. Diese Gerüchte zu deuten und ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, fällt jedoch schwer, da unterschiedliche Interpretationen mit ihnen einhergehen. So wird diesem Ansinnen böse Absichten unterstellt, um die Stabilität, die die letzten dreihundert Jahre angehalten hat, zu unterminieren und die damalige Katastrophe erneut auf den Weg zu bringen. In manchen Bürgern schüren diese Gerüchte Hoffnung, dass sie eines Tages vom Joch, das sie auf ihren Schultern spüren, befreit werden. Andere wiederum verfluchen diese Gerüchte, führten sie doch dazu, dass der jeweilige Orden vor Ort noch aktiver agierte.

 

Ob diese Gruppe, allgemein als die „Neunte Flamme“ bezeichnet, tatsächlich existiert oder nur einem Märchen entsprang, ist bisher nicht zu belegen. Es mehren sich zwar die Berichte über kleinere Akte der Sabotage an Aktionen und Operationen verschiedener Orden – ein Muster ist allerdings nicht zu erkennen. Wenn die Täter dingfest gemacht und verurteilt werden konnten, waren es stets lokale Bürger, die ihrem Ärger Luft machen wollten, um sich für spezifische Leiden, die sie erlitten hatten, zu rächen. Aus diesem Grunde hat sich noch kein Orden entschlossen, diesen Gerüchten ernsthaft auf den Grund zu gehen und selbst die Orden der Sonne und der Waage halten das Thema nicht für wichtig genug, um mehr Zeit in etwaige Studien zu investieren.

 

Andrere Völker

 

Obgleich das menschliche Reich die prägendste Kraft des Kontinentes ist und trotz all der politischen Differenzen eine schlagkräftige Macht darstellt, ist sie nicht der einzige Akteur von Bedeutung. Hoch im Norden, in einer Landschaft, die von Gebirgszügen und eher unwirtlichen Landstrichen geprägt ist, leben die Zwerge. So weit die ältesten Annalen in den vorhandenen Archiven zurückreichen, die Zwerge fanden bereits darin ihre Erwähnung.

 

Trotz der gemeinsamen Koexistenz sind die Berührungspunkte zwischen den beiden Reichen eher rar gesät und beschränken sich zumeist auf Handelsbeziehungen. Vielmehr toleriert man einander und hält sich aus den Angelegenheiten des jeweils anderen heraus. Dennoch ist bekannt, dass die Zwerge begabte Handwerksmeister sind und aus seltenen Erzen hervorragende Waffen und Werkzeuge schmieden können, die im menschlichen Reich stets ihren Absatz finden.

 

Trotz dessen zögern die Zwerge seit jeher, ihre Beziehungen mit den Menschen zu vertiefen, da ihnen deren Politik sowie religiöser Fokus absurd erscheint und sie mit beidem wenig anfangen können. So verspricht der Handel zwar stets einen vollen Geldbeutel, aber die zwergischen Händler suchen die menschlichen Siedlungen und Städte nur recht selten auf, um den merkwürdigen Anwandlungen der Ordensmitglieder zu entgehen. Allein der Orden des Hammers unterhält tiefere Beziehungen zu den Zwergen, da die Bartträger die Wertschätzung des Fleißes und des Handwerkes gutheißen. Aber selbst in diesem Falle sind Zwerge im Herrschaftsgebiet des Ordens lediglich häufiger anzutreffen als in anderen Teilen des menschlichen Reiches. Mit einer Freundschaft sollte man dieses Gebaren dennoch nicht verwechseln.

 

Sorgen, dass die Menschen eines Tages darauf kommen könnten, nach den Erzen zu gieren und die Lande der Zwerge deswegen anzugreifen, machen sich die dortigen Bewohner allerdings nicht. Zu hoch ist das Vertrauen der Bartträger in ihre Verteidigungsanlagen. Außerdem scheinen die politischen Konflikte dazu zu führen, dass das menschliche Reich die eigene Kraft nicht vollständig ausschöpfen kann und somit den Blick stets nach innen und nicht nach außen richtet. Aus Sicht der Zwerge darf das auch zukünftig gerne so bleiben.

 

In Sicherheit wähnen sich auch die Halblinge, die ein Areal saftiger Steppen bewohnen, die südöstlich des menschlichen Reiches liegen. Im Gegensatz zu den Zwergen verfügen die Halblinge nicht über wertvolle Erze, die zur Herstellung verschiedener Utensilien genutzt werden können. Dafür handeln die gutmütigen Wesen mit allerlei Nahrungsmitteln, die nur in ihren heimatlichen Gefilden vorkommen und gedeihen. Diese Früchte, Getreidesorten oder gar Gewürze finden ebenfalls großen Absatz in den menschlichen Herrschaftsgebieten. Dabei sind sich die Halblinge ihrer besonderen Stellung genauso bewusst, wie es bei den Zwergen der Fall ist: Nur sie wissen, wie man all die Nahrungsmittel anzubauen und zu bewirten hat, dass sie derart opulent gedeihen. Sollte je ein Mensch versuchen, den Halblingen nachzueifern, müsste der Zufall schon ein sehr glücklicher sein, dass ein solches Experiment gelingt. Folglich hat insbesondere der Orden der Sonne hohes Interesse daran, den Halblingen ihre Geheimnisse zu entlocken – bisher jedoch mit bestenfalls geringen Erfolg. Die Halbwüchsigen mögen vielleicht gutmütig sein, dumm sind sie allerdings nicht.

 

Kein Orden kann es sich indes erlauben, die Gefilden der Halblinge ins Visier zu nehmen, macht er sich doch so schnell alle anderen Orden zum Feind, die es nicht erlauben würden, dass die liebgewonnenen Speisen und Getränke abhanden kommen. Allein der Orden des Kelches steht den Halblingen eher ablehnend gegenüber, da die zur Verfügung gestellten Nahrungsmittel ihrem Dogma der Mäßigung ein Dorn im Auge sind. Folglich können die Händler der Halblinge in den Gefilden dieses Ordens nur wenige ihrer Waren verkaufen, sodass nur wenige überhaupt dorthin reisen. Man sagt dem dort ansässigen Fürst jedoch eine Schwäche für gewisse Pasteten nach, sodass Halblinge auch in diesem Teil des Landes keine Ausnahmeerscheinung darstellen.

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