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Lange, sehr lange ist es her, dass ich ein Tutorial geschrieben habe. Ein Grund genug um mal wieder eines zu schreiben.

Für ein geplantes Spiel benötigen wir einen recht langen Fluss und somit schreibe ich ein kleines Tutorial wie man sich mit einfachen Mitteln ein entsprechendes Geländestück selber basteln kann.

Zunächst einmal eine Auflistung der Materialien und Werkzeuge welche hier Verwendung fanden:

Material:
2x Laminatplatten
1x Rolle Klopapier
Leim (wasserlöslicher Holzkleber)
Styrodur
Acrylfarben (Weiß, Schwarz, Grün, Blau)
Klarlack (glänzend, wasserlöslich)
Reklameprospekte
Haftgrund
Sand (am besten feiner Aquariumsand)
Grünstreu

Werkzeuge:
Pinsel (1x flach klein und 1x flach groß)
Cuttermesser oder Styroporschneider
Stichsäge

Wenn man bedenkt, was so ein Geländestück in der Größe kostet, kann man mit den Materialkosten von unter 10 Euro ganz gut leben. Selbstverständlich fallen höhere Materialkosten an, allerdings hat man dann noch jede Menge Material für weitere Geländestücke über.

1. Planung
Vor dem Start der Fertigung des Moduls gilt es sich Gedanken über folgende Kriterien gemacht werden, da ein nachträgliches Ändern mit viel Aufwand verbunden ist:

-Geländegestaltung (Übergänge zum Land, Farben, Flusslauf)
-Modulgröße

Geländegestaltung:
Als grobe Vorlage für den Fluss habe ich einen kleinen Abschnitt des Lech genommen. Es schadet auch nicht sich ein paar Bilder von Flüssen vorher anzusehen und besonders auf die Details zu achten.

Der Fluss auf meinen Bildern hat folgende Eigenschaften, welche ich ausgemacht habe und umzusetzen zu Pflege:
-er läuft nicht exakt gerade
-am Flussrand sind ausgewaschene Felsen zu sehen
-er
ist mehrfarbig und geht von einem sehr hellen Türkis in ein dunkleres Blaugrün über
-das
Wasser ist klar, sodass man an seichten Stellen, den braunen sandigen Grund durchschimmern sehen kann
-das Flusswasser ist in starker Bewegung, weshalb einige Wellen sehr hell die kanten widerspiegeln (fast Weiß)
-die Flussoberfläche spiegelt stark
-es gibt am Flussufer etwas Vegetation
-vor einer Furt gab es kleinere Felsen/Sandbänke

Modulgröße:
Der Fluss soll eine Spielplatte mit der Breite von ca. zwei Metern in einer relativ geraden Linie überspannen. Dafür wäre es möglich mehrere kleine Module oder ein großes zu bauen. Die Vorteile bei kleinen Modulen sind Transportierbarkeit sowie die Möglichkeit diese auf unterschiedliche Art und Weise auf dem Spielfeld anordnen zu können insofern diese teilend ausgearbeitet werden. Ich habe mich allerdings für ein großes entschieden, da ich in fließenden Wasserflächen einen sichtbaren optischen Spalt sehr unschön finde, insofern man diesen mehrfarbig gestalten will und genau selbiges habe ich vor.

Zusätzlich soll es sehr Flach werden und keine Objektdetails beinhalten, welche beschädigt werden, sollte ich weitere Fluss-Module zum Lagern daraufstellen.

2. Gestaltung der Platte
Zunächst Leimen wir uns das Laminat in der entsprechenden Länge zusammen und sägen uns mit einer Stichsäge die Ränder etwas unregelmäßig zurecht. Wichtig, die Ränder sollten nicht in 90°, sondern in einem Flacheren Winkel ausgesägt werden, damit das Geländestück sanfter auf die restliche Platte übergehen kann.

Als nächstes schneiden wir uns etwas Styrodur mit einem Cuttermesser oder Styropor grob zurecht. Das Styrodur wird unser Flussufer und die Felsen. Letztere müssen nicht fein ausgearbeitet werden ,da wir die feinere Struktur mit einem kleinen Trick später ausarbeiten (ich bin etwas fau…. ähArbeitszeitsparender“ orientiert und habe keine Lust mich da Stundenlang hinzusetzen).

 

1.jpg

 


Die braunen Ränder auf dem Bild kann man ignorieren, das war ein Versuch wie das Flussufer nur mit aufgeleimten Sand aussehen würde und das sah mir bei weitem nicht plastisch genug aus.

3. Feinstruktur
Nachdem wir das Modul grob gestaltet haben, nutzen wir in einem 50:50 Wasser-Leim Gemisch getränkte Prospekte/Zeitung um den Felsen ein kantigeres und unebenes Profil zu geben.

Hinterher wird für das Wasser (und nochmals Felsen) selbiges mit Klopapier wiederholt.
Warum nun Klopapier? Es lässt sich leichter nachbearbeiten und weichere Formen geben.
Das Klopapier darf hierbei ruhig strukturiert/gemustert sein, das sieht man hinterher eh nicht mehr.

Anmerkung Klopapier:
-Da nasses Klopapier sehr leicht reißt, empfiehlt es sich die Fläche vorher mit dem Leimgemisch einzunässen, das trockene Klopapier grob darauf zu platzieren und dann nochmals einzunässen und dies nicht wie die Zeitung zu tränken.
-Die Klopapierfetzen sollten nahtfrei, überlappend und mindestens zweilagig aufgebracht werden (siehe Bild).

Nachdem das Klopapier aufgebracht wurde, wird mit einem Pinsel die Oberfläche grob nass abgetupft um eine evtl. Muster auf dem Klopapier zu entfernen (auch eine regelmäßige Maserung würde hinterher unschön wirken). Dann wird mit dem Pinsel das „Flusswasser“ leicht modelliert, um Wellen abzubilden. Einfach den Pinsel schräg auf der Oberfläche ansetzen und 1-2mm grob in „Fließrichting“ verschieben. Größere Distanzen und häufiger, wenn es unruhiger erscheinen soll und gar nicht, wenn das Wasser einen nahezu stillen Eindruck vermitteln soll.

4. Grundieren
Nach einer Trocknungsphase von MINDESTENS 24 Stunden wird der Haftgrund aufgebracht:
3.jpg

5. Gestaltung der Uferfelsen (Bemalen und Besanden)
Bemalen:
Da das Ufer durch eingefärbten Sand und Grünmaterial dargestellt wird, müssen nur die Felsen bemalt werden. Die Drybrush-Technik liefert hierfür schnell (Arbeitszeiteffizient) recht ansehnliche Ergebnisse.

Für die erste Lage wird ein Anthrazit angemischt. Generell verwende ich für Geländeteile immer Acryl Tuben aus den 1-Euro Shops. Teure Acrylfarben für Miniaturen sind hier unnötig.

Nachdem die erste Lage Getrocknet ist, wird mit Airbrush oder Sprühdosen (z.B. Haftgrund) unregelmäßige braune Flecken aufgesprüht.
Nach einer erneuten Trocknungsphase wird ein Grauton angemischt, der Pinsel darin getaucht und auf einem Küchentuch/Klopapier abgetupft bis kaum noch Farbe aus dem Pinsel kommt (lieber zu wenig als zuviel!). Mit diesem Pinsel wird dann grob mehrmals über die Felsenstruktur gefahren. Die im Pinsel verbliebene restliche Farbe wird an den Kanten das ganze Gebilde entsprechend aufhellen.

Bereits während des erneuten Trocknens mischen wir diesmal einen hellen Braunton an und vermischen ihn mit einem Leim Wasser Gemisch (ca: 70:30). Das darf ruhig eine größere Menge sein, da wir Reste davon für eine Korrektur des Ufers und des Wassers benötigen. Dieses Gemisch wird grob an alle Stellen aufgetragen auf dem die Erde/Sand des Ufers sein soll. Nach Auftragen wird der Sand aufgestreut und vom Model direkt abgeschüttelt.

Nun NICHT trocknen lassen aber das Geländestück sollte nun grob so aussehen:
4.jpg
Das restliche braune Leimgemisch heben wir uns auf!

6. Begrünen und grobe Gestaltung des Wassers
Nach abschütteln des Sandes wird direkt auf dessen feuchte Stellen Grünmaterial aufgestreut, sollten die Stellen zu Trocken sein, einfach nochmal mit dem braunen Leimgemisch darüberstreichen.

Nun lässt man alles für 24 Stunden+ erneut trocknen. Lieber länger als zu wenig damit man das Streu nun sehr sorgfältig abklopfen kann. Dies ist nötig damit kein Streu in das „Wasser“ kommt, was sehr unschön aussehen würde.

Als nächstes Packen wir unsere 4 Acrylfarben auf eine Palette und malen noch im nassen Zustand der Farben die Farben auf den Flusslauf auf.

Dabei fangen wir mit einem Schwarz und Grün in der Mitte an ….überstreichen es grob mit Blau und Mischen ein helleres blau für den seichteren Flussrand an.

Für den Fluss auf den Bildern habe ich zunächst in der Flussmitte eine Mischung aus Blau-Schwarz-Grün aufgetragen. Dann am Rande ein sehr helles Blau aufgetragen. Die Reste der sehr hellen Farbe habe ich mit einem dunklen grün gestreckt und stark verwässert. Diese verwässerte Farbe habe ich dann auf den Übergängen zwischen Schwarz und Hellblau aufgetupft. Und lassen das nun gut antrocknen.
 

6.jpg
Bevor der Fluss vollständig getrocknet ist nehmen wir uns etwas von dem übriggebliebenen braunen Leimgemisch ab und verwässern dies nochmals ca. 50:50 zuviel Wasser gibt es allerdings nicht 😉.
Hiermit gehen wir den „Uferbereich“ der Wasserfläche grob mit dem Pinsel ab. Das Gemisch setzt sich hierbei in den Vertiefungen der Wellen ab und wird nach dem Trocknen einen halbtransparenten Film bilden. Dies vermittelt den Eindruck von seichtem Wasser, bei dem man den sandigen Flussgrund noch sieht.

7. Aufhellen der Wellen
Mit der bereits angesprochenen Drybrush-Technik und einem Weißton gehen wir nun mit einem etwas feineren Pinsel über die komplette Wasserfläche. Nochmals der Hinweis: Zu wenig Farbe ist weit besser für das Endresultat als zu viel.
7.jpg

8. Wasseroberfläche und Ufervegetation
Für die Oberfläche kann man das teure Resin oder aber günstigen glänzenden Klarlack verwenden. Je nachdem was man für Effekte erzielen möchte. Ich habe mich für einen Klarlack auf Wasserbasis entschieden, damit ich diesen mit etwas grüner Acrylfarbe einfärben kann.

Der nun sehr leicht eingefärbte Klarlack wird auf der kompletten Wasserfläche verteilt und 24 Stunden trocknen gelassen.
8.jpg
Dies wird mindestens ein weiteres Mal wiederholt!

Zwischenzeitlich kann man etwas Grünmaterial, Schilf, Steinchen, Bäume und sonstiges Material am Ufer anbringen um das Objekt etwas aufzulockern. Da ich vorhabe mehrere Module übereinander zu lagern, halte ich mich hierbei zurück, da dieses sonst unschön Plattgedrückt wird. Je mehr Material ihr hier verwendet desto imposanter wird das Geländeobjekt aussehen und nicht so spartanisch wie mein Beispiel. Lasst euch hierfür Zeit!

9. Finish
Nach dem alles erneut getrocknet ist, empfiehlt es sich etwas Klarlack mit weißer Farbe anzumischen und nochmals mit der Drybruschtechnik über die Wellen zu gehen, denn der vorher eingefärbte Klarlack wird die vorherigen Wellen etwas übertönt haben.
Achtet diesmal darauf, etwas mehr Farbe an die Stellen aufzubringen an denen das „fließende Wasser“ auf Gegenstände auftreffen würde (z.B. Felsen)

10. Fertig.
Das wars ihr habt nun ein weiteres Geländeteil in eurer Sammlung:
9.jpg

bearbeitet von Arminace
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