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Vendetta - Die Flegeljahre des Flavion Conari


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Vendetta - Die Flegeljahre des Flavion Conari

 

Vorwort

 

Wir schreiben das Jahr 40771. Die Menschheit hat ein gewaltiges Imperium mit weit über einer Million bewohnter Welten über die ganze Milchstraße verteilt errichtet. Vor zehntausend Jahren opferte sich der Gottimperator im Kampf gegen die Schlange Horus und ist seitdem an seinen Goldenen Thron auf Terra gekettet, von wo aus sein absoluter Wille und sein unsterblicher Geist die Menschheit vor den unaussprechlichen Schrecken des Warps beschützt. Weit ab vom beschützenden Licht des von der Menschheit angebeteten Gottimperators befindet sich am Rande des Imperiums der weit abgelegene Calixis Sektor, welcher vor zweieinhalbtausend Jahre vom Angevin Kreuzzug erobert wurde. Die über zweihundert besiedelten Welten werden von der stolzen Makropolwelt Scintilla aus regiert. Mit eiserner Hand herrscht der Adel über die rechtlosen Massen. Die meisten Adligen suhlen sich in ihrer Dekadenz und gehen ihren perversen Gelüsten nach, während das Leben der einfachen Menschen meist darin besteht, sich in gigantischen Manufakturen zu Tode zu schuften und dies als Privileg zu begreifen. In dieser Welt wuchs der Adlige Flavion Conari auf und beginnt nun, seinen eigenen Weg zu gehen. Dies ist die Vorgeschichte zu die "Fahrten der Audacia".

 

1996 begann ich mit der zweiten Edition das WH40K Universum zu erforschen. Allerdings haben die unzähligen Preissteigerungen und der Jahrzehnte lange dauernde Unwille der Firma Games Workshop, die Armeen wirklich zu balancieren, dazu geführt, mit der fünften Edition aufzuhören. Aber ich blieb dem System durch das Rollenspielsystem Freihändler, basierend auf Schattenjäger treu. Inzwischen ist die Lizenz leider erloschen, aber dieser Hintergrund ist der für mich gültige. Was nach der fünften Edition kam, spielt für diese Geschichte und für mich keinerlei Rolle. Wer damit ein Problem hat, sollte jetzt hier aufhören zu lesen. Auch wer Probleme mit realistischer Gewaltdarstellung und/oder expliziten Erotikszenen hat, sollte jetzt aufhören zu lesen.

 

Kapitel I

 

Ich schaue etwas müde durch die fingerdicken kugelsicheren Seitenscheiben der Limousine nach draußen auf die vorbeiziehenden Anwesen von unwichtigen oder verarmten Adligen von Scintilla. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Stil, da steht pompös ein mit barocken Zierrat überladenes Lustschlösschen neben einem waffenstarrenden Hochbunker, gefolgt von einem wuchtigen gotischen Schloss mit bröckelnder Fassade. Wer hier an der vierspurigen Solomon Haarlock Promenade wohnt, gehört zwar zum privilegierten Adel, aber wer was auf sich hält, residiert in den Türmen der schwindelerregenden Spitzen der Makropolgebirge über den Wolken nah der Sterne. Die über drei Kilometer hohen Berge der Engelsstadt liegen links, die bis über die Wolken hoch aufragende Gebirge der Hauptmakropole Sibellus rechts. Hinter uns verschwinden die Türme der hoch angesehenen St. Drusus Militärakademie. Vor uns liegen die Trümmer einer einst imposanten Statue eines Space Marines von den Söhnen der Medusa, welche einst halfen, meine Heimatwelt Scintilla aus den Klauen der verdammenswerten Xenos zu reißen.

 

Die Hauptstadt des Calixissektor ist bekannt für ihre gigantischen Statuen von teilweise über einer Kilometer Höhe, die vor fast 2500 Jahren nach Ende des Angevin Kreuzzuges hier als ewiges Zeichen des glorreichen Sieges über die verdammungswürdigen Xenosreiche der Enoulianer, Bale Childer und vieler anderer vernichteter Xenos errichtet wurden. Ausgelöscht zu werden ist nun mal das Schicksal des Xenos, so hat es unser lebendiger Gott auf Terra vor über zehntausend Jahren bestimmt. Schieße als erster, halte drauf, schieße als letzter und stelle sicher, dass keiner überlebt hat. Und stelle danach niemals dämliche Fragen.

 

Die Straße verläuft nun über eine leicht gewundene Stahlrampe hoch in die Mündung des gigantischen Bolters des Astartes, durch den nun ein Tunnel verläuft. Die Scheinwerfer der Limousine schneiden eine Schneise des Lichts in das Dunkel, trotzdem bildet sich eine Gänsehaut und meine Nackenhärchen stellen sich auf. Für einen Moment höre ich das infernalische Hämmern von Kleists Maschinengewehr und sehe diesen unglaublich schnellen Kreaturen in dem von Leuchtspurmunition erhellten Tunnel auf mich zustürmen. Sechs Beine, wie schwarzes mattes Metall schimmernd mit einem zusätzlichen Gelenk. Auf mich zu peitschende fleischige Tentakelarme die in Elmsfeuer getauchte Klingen enden. In der Mitte des kopflosen Torsos ein kreisrundes Maul mit viel zu vielen spitzen Zähnen wie ein Mahlwerk. Ich stehe neben Kleist, mein Monoschwert zur Abwehr erhoben. Ganz knapp hat mich einer der Tentakel der monströsen Kreatur gestreift und diese Berührung hatte ausgereicht, meinen Gardistenkürass aus Adamantium bis zur darunter liegenden Schicht aus Aramid aufzureißen. Nur etwas tiefer und das Ding hätte mein Herz heraus gerissen.

 

Ich schüttle kurz den Kopf und bin wieder hier im Jetzt. In Sicherheit der schwer gepanzerte Limousine mit drei Achsen und von einem zugstarken Zwölfzylinder angetrieben, dessen gut gelaunter Maschinengeist zufrieden vor sich hin blubbert und eifrig Promethium aus den über 200 Liter fassenden Tank säuft. Die Große Jagd ist vorbei, die Kreatur ist tot, da ein gut platziertes 20 mm massereaktives Geschoss aus dem Unterlauf meiner Puritanter Exekuter Maschinenpistole in sein großen Maul für ein sehr schnelles Ende seiner verdorbenen Existenz geführt hat. Die große Jagd, jedes Jahr war das die letzte Prüfung, die eine Abschlussklasse der St. Drusus Akademie absolvieren musste. Nur wer Blut vergossen hatte, war würdig, den einen Ring zu erhalten, den man sich nicht mit Thronen kaufen konnte. Eine Fassung aus gehärtetem und poliertem Adamantium, der rote Diamant wie ein Blutstropfen geformt. Manche sahen darin auch eine blutige Träne. In zwei Tagen würde ich ihn wie alle anderen Überlebenden in einer großen feierlichen Zeremonie in Anwesenheit meiner Familie auch verliehen bekommen.

 

"Ich verstehe es immer noch nicht", wende ich mich an Kleist, der neben mir im geräumigen Fond der Gnadenvoll Limousine sitzt. Es riecht hier nach dem Qualm von Lho-Stäbchen und dem Lederbezug der bequemen Sitze. Der dunkelhaarige junge Mann richtet nun seinen Blick auf mich, da er wie ich wohl noch einmal die letzten Ereignisse rekapituliert hat.

 

"Was?", fragt er mich und ich kann deutlich sehen, dass er letzte Nacht genau so schlecht geschlafen hat wie ich. Schließlich sind wir erst gestern Abend zurück gekommen. In einem geschlossenen grünen Vierachser, wie profane Verbrecher im ungefederten Laderaum zusammen gepfercht.

 

"Das die Inquisition uns so einfach zurück zur Akademie gebracht hat", erkläre ich ruhig.

 

"Die Kleinen kommen auf den Autoscheiterhaufen, die Adligen bekommen einen Orden", zitiert Kleist ein gängiges Sprichwort.

 

"Lass das mal nicht meinen Vater hören", meine ich belustigt drohend und werde dann wieder ernst. "Beim Thron, wir sind tatsächlich von der Inquisition verhört worden!"

 

"Und wir haben das überlebt. Damit können wir übermorgen beim Abschlussball richtig bei unseren Verwandten und den schönen Damen angeben." Der durchaus pragmatische Kleist bringt es auf dem Punkt. Das ist die Art von Geschichten, welche selbst eine weltgewandte adlige Dame durchaus zu beeindrucken weiß. Vielleicht so stark, dass sie mit feuchten Höschen in Kleists Bett landet, um seiner Lanze zu huldigen.

 

"Unschuld beweist gar nichts!", zitiere ich die Interrogatorin ihren letzten Satz, als ich nach einem langen Verhör aus dem Raum geführt wurde.

 

"Ich dachte wirklich, sie leiten die Abgase des Lastwagens in den Innenraum, um uns am Ende doch noch zu beseitigen", meint Kleist nun abgeklärt.

 

"Ja, dachte ich auch und behaupten dann, ein missgelaunter Maschinengeist wäre Schuld an unserem Ableben."

 

"Aber der Imperator hat uns beschützt!", verkündet Kleist und verschränkt die Hände vor die Brust, wo sie den Doppelköpfigen Adler des Imperiums bilden, dass Zeichen unseres lebendigen Gottes auf Terra.

 

"Der Imperator beschützt!", erwidere die tröstliche Schutzformel und forme ebenfalls den Aquila. Wobei ich überzeugt bin, dass es eher unser Nachname und der damit verbundene Statuts war, der uns alle beschützt hat. Nicht einmal die Inquisition tötet einfach so mal kurz Sprösslinge der ältesten und angesehensten Häuser des Calixissektors. Unsere Vorfahren haben diesen Sektor erobert, ihn geformt und letztendlich zu dem gemacht, was er heute ist. Ein Hort der menschlichen Zivilisation am Rande zum buchstäblichen Nichts der Halosterne. Es gab wahrlich wenige von Menschen besiedelte Orte, die noch weiter vom leuchtenden Mitteepunkt des Imperiums, unserer heiligen Heimat Terra, entfernt liegen.

 

Der Tunnel öffnet sich nun und wir befinden uns einem Mischgebiet mit sakralen Bauten, weitläufigen Commercias, steil aufragenden Wohntürmen und einschlägigen Vergnügungsetablissements von erstklassigen Ruf für den gehobenen Geschmack und ebenso großem Geldbeutel.

 

Die "Goldene Dose" befindet sich in einer gigantischen steinernen Bolterhülse, die einst wohl zum inzwischen umgestürzten Monument des Astartes gehört hat. Die aufwendigen Gravuren der Hülse mit einer eingravierten Litanei auf Hochgotisch sind gerade so noch zu erkennen, da der von den industriellen Abgasen saure Regen doch die Struktur der Skulptur im laufe der letzten Jahrtausende angegriffen hat. Auf dem Auszugsring der Patronenhülse führt nun eine Treppe hoch zu einem Eingang ins Innere. Ein spitzes, vergoldetes Dach mit vielen Erkern und verspielten Türmchen deckt die Hülse ab. Von Außen gibt es keinen Hinweis, was sich für ein erstklassiges Bordell sich im Innern befindet.

 

"Thronverdammt!", zischt Kleist hörbar erbost und fährt erklärend fort: "Crestus Cascandor ist auch hier. Hast du das gewusst?"

 

"Der goldene Thron blende mich, davon hatte ich keine Ahnung! Offensichtlich haben sie diesen Groxdung leider schon aus dem Hospital entlassen", meine ich, da ich nun auch seinen protzigen Gleiter mit Gold und Silber verkleideter Karosserie auf dem Parkplatz vor dem Bordell sehe. Selbst bei vermögenden Adligen sind Gleiter dieser Güte selten zu sehen und streicht den märchenhaften Reichtum der Familie Cascandor deutlich heraus. Sein Chauffeur grüßt uns lässig, in dem er an seine silberfarbenen Mütze mit goldenem Emblem aus sechs Münzen tippt, die zu einer Pyramide arrangiert sind. Genau so lässig grüße ich den ehemaligen Soldaten der Imperialen Armee zurück, was man leicht an seinem über dem Gesicht tätowierten Aquila erkennt. Auch daran, dass seine linke Gesichtshälfte aus einer bionischen Prothese besteht. Sein linkes Auge ist durch eine hochwertige Optik ersetzt.

 

"Lass uns vielleicht lieber wo anders hinfahren", meint Kleist unbehaglich, als die Limousine vor dem Eingang ausrollt. Der Parkplatz ist gut besucht, dreiachsige Limousinen dominieren, aber es gibt auch zweiachsige sportliche Fahrzeuge für den Selbstfahrer. Manche tun sich das wirklich an, sich selbst ans Steuer zu setzen.

 

"Ich lass mir von diesem Haufen stinkenden Groxdungs nicht den Abend vermiesen. Das nächste wirklich gute Bordell ist fünfzig Kilometer von hier entfernt. Keine Lust, gutes Petrochem zu verfahren zu lassen, ganz abgesehen, dass ich mal wieder Lust auf Theodora habe. Keine bläst so gut wie sie."

 

"Er könnte Thronverdammt sauer auf dich sein...", spielt Kleist auf ein Ereignis der Großen Jagd an.

 

"Wenn dieser Haufen stinkenden Groxdunges wirklich wüsste, was ich ihm angetan habe, würde er mir schon längst seine vier Vasallen samt seiner Leibwächter auf den Hals hetzen", stelle ich richtig.

 

"Wenn du meinst", erwidert Kleist wenig überzeugt. Inzwischen ist mein Leibwächter und Chauffeur Cussak ausgestiegen und hält mir die Tür auf. Er trägt die rot schwarze Hausuniform des Hauses Conari und ist mit einer großkalibrigen Schnellfeuerpistole aus Stahlstadt bewaffnet, dass er in einem Tiefziehholster aus schwarzem Groxleder trägt.

 

"Danke, Cussak", bedanke ich mich bei meinem Untergebenen, da Höflichkeit zu seinen Untergebenen kein Makel ist.

 

"Gerne, Meister Flavion!", erwidert er zackig.

 

"Könnte sein, dass es irgendwann im laufe des Abends da drin etwas eskalieren könnte. Wenn du siehst, dass sich Leute von Haus Cascandor in die Goldene Dose hinein stürmen, folgen Braddok und du. Falls die auf Kleist und mich losgehen, weißt da, was zu tun ist", instruiere ich meinen Vasallen. Leibwächter des Hauses Conari sind immer Vasallen, nie Schuldknechte oder freie Talente. Blut bindet stärker als jede Börse mit güldenen Thronen.

 

"Jawohl, Meister Flavion", bestätigt Cussak meine Anweisung.

 

"Gut, Kleist, gehen wir rein", meine ich zu meinen Kameraden.

 

Draußen sehe ich mich kurz um. Einen halben Klick südlich von uns schnauft selbst hier noch hörbar ein von vier riesigen Lokomotiven gezogener Güterzug in Richtung der Hauptmakropole vorbei. Auf der Oberseite der riesigen Frachtcontainer sind angeseilte Wächter zu sehen, die gerade ein paar weniger betuchte und äußerst verzweifelte Randbewohner von dem langsam fahrenden Zug mit gezielten Laserschüssen vertreiben. Anhand der auffälligen Lackierung der Container ist zu sehen, dass sie Rationsriegel transportieren, die von Feldern und Manufakturen meiner Familie stammen, denn in großen schwarzen Lettern auf rotem Grund ist zu lesen: Ein Imperium, ein Imperator, ein Riegel, der Conari muss es sein. Dieser Werbespruch hat ein Vorfahr von mir mal vor über tausend Jahren für pfiffig gehalten. Leider ist es sehr schwer, so etwas zu ändern. Vor hundertfünfzig Jahren wurde von meinem Urgroßvater versucht, diesen Spruch weg zu lassen, da wir inzwischen der unangefochtene Marktführer für Rationsriegel im gesamten Calixissektor sind. Die ungebildeten Massen konnten sich aber mit dem neuen Aussehen nicht anfreunden und verlangten vehement die alten Riegel, obwohl der Inhalt exakt gleich geblieben war. Nach dem es zu unerquicklichen Unruhen mit über hunderttausend Toten gekommen war, sah sich der Familienrat gezwungen, zur alten Verpackung mit der bekannten Aufschrift zurück zu kehren. Ein Conari muss es eben sein.

 

Etwa einen Klick über uns ist ein riesiger, bunt beleuchteter Vergüngungszeppelin zu sehen, der langsam seine Kreise um die Makropole zieht. Ein noch größerer Frachtzeppelin kommt gerade aus Richtung Tarsus, meiner Heimatstadt, um auf dem Raumhafen zu landen. Vier schwere Thunderbold Jäger fliegen in versetzter Doppelformation wohl auf Patrouille gerade nach Süden. Mehrere Schlepper brechen gerade Meteoren gleich durch die obere Atmosphäre, einen glühenden Schweif verbrennender Gase hinter sich herziehend. Ein kalter Wind weht von der im Westen liegenden Küste her, was für eine angenehme Kühle im Frühsommer führt. Aber der Wind trägt auch den Gestank der Kloake mit, zu dem das verdreckte Meer vor den schwarzen Klippen der Makropole schon lange geworden ist.

 

Unwillkürlich fährt meine Hand zum Kragen, um zu prüfen, ob der oberste wie ein Totenkopf geformte Knopf auch geschlossen ist. In den letzten zwei Jahren auf der St. Drusus Militärakademie habe ich gelernt, dass es essentiell wichtig ist, Soldaten mit vollständig zugeknöpfter Jacke in den Tod zu schicken. Man muss perfekt rasiert und frisiert sein, die Stiefel auf Hochglanz poliert, wenn ein blutrünstiger Mob von aufständischen Mutanten die Stellung stürmt. Natürlich habe ich auf dem Grundkurs für Offiziere auch noch einiges anderes gelernt. Die St. Drusus gilt nicht umsonst als die beste Militärakademie des gesamten Sektors. Throne allein reichen im Normalfall nicht aus, um auf diese Akademie zu kommen, sondern man braucht auch einen passenden Nachnamen, körperliche Voraussetzungen und sogar etwas Verständnis von militärischen Dingen.

 

Wir durchschreiten zusammen das reich verzierte gotische Tor, welches vom stämmigen Türsteher im dunklen Livree aufgehalten wird und landen im relativ nüchtern wirkenden Empfangsraum des Bordells. Hier steht auf einem ehernen Podest ein wuchtiger Kassenautomat mit einem guten Dutzend Reinheitssiegel auf dem barocken Gehäusen und ich führe meinen Siegelring mit dem Wappen der Conaris in den dazu vorgesehenen Slot. Damit verbürge ich mich mit meinem Namen dafür, für alle Kosten aufzukommen. Die Rechnung des heutigen Abends wird dann an meinem Lebenswart Caine geschickt werden, der die nötigen Throne von meiner Apanage nehmen wird.

 

"Zwei!" Der im Automat fest eingebaute Servitor beschriftet mit seinen aus Füllerfedern bestehenden Fingern zwei Papierstreifen, auf denen später die geleisteten Dienstleistungen eingetragen werden.

 

"Übertreibe es nicht, Kleist!", meine ich halb scherzhaft, halb im Ernst zu ihm, als ich ihm seinen Streifen gebe. Im Gegensatz zu mir hat der junge Mann an meiner Seite keine eigene Apanage, sondern wird von der meinen mitfinanziert, da er mein persönlicher Vasall ist.

 

"Zu Befehl, Meister Flavion!", meint Kleist ernst salutierend zackig die Hacken zusammenschlagend, bevor er herzlich auflacht. Ich falle in sein ehrliches Lachen mit ein und gebe ihm einen freundschaftlichen Knuff auf den Oberarm. Hinter dem Empfangsraum mit Garderobe, an der wir nichts abzugeben hatten, betreten wir das Erdgeschoss der "Goldenen Dose". In einem Halbrund zieht sich eine steinerne Bar mit gotischen Verzierungen an der Wand entlang. Mit schwarzem Leder überzogene Hocker laden zum geselligen trinken ein. In der Mitte stehen ein paar Tische mit Sofas, die zum verweilen animieren. Einige durch ihre aufwendige Kleidung als Adlige zu identifizierende wie auch einige andere Kadetten haben sich schon mit Damen des horizontalen Gewerbes zu Gesprächen nieder gelassen. Weder Crestus Cascandor noch seine vier Vasallen sind hier auszumachen. Auf der anderen Seite sind aufreizend bekleidete Fräuleins zu betrachten, die sich auf einer gestaffelten Tribüne in aufreizenden Posen auf Canapes räkeln. Auf Tafeln stehen Abkürzungen, an denen ein Eingeweihter erkennen kann, für was für Praktiken die Dame zu haben ist oder eben auch nicht. Die Dienstleistungen sind hier eher unspektakulär, da dieses Haus nicht auf abartigen Praktiken, sondern auf die Kultiviertheit der Kunden und die Schönheit sowie der Kunstfertigkeit der Dienstleiterinnen setzt. Wer es extrem haben will, muss schon in die etwas zwielichtigen Gegenden in den Mittel oder gar Unterebenen der Makropole fahren. Da, wo der Magistrat dezent nicht vorhanden und alles erlaubt ist, was man bezahlen kann, einschließlich des Totalverlustes des Lustobjektes jedwelchen Alters und Geschlechts.

 

Für gehobene Musikuntermalung sorgt hier ein Damenquartett in halb durchsichtigen und äußerst knapp bemessenen Gewändern auf einer Empore. Für Beleuchtung sorgen mehrere Kronleuchter, um die ein bionischer Cherubin herumflattert, der emsig abgebrannte Kerzen mit neuen ersetzt. Es riecht nach abgebrannten Zigarren und Lho-Stäbchen, dazu der Duft vieler Duftwässerchen, die in der Summe nach einem Blumenstrauß riecht, der schon gestern auf den Komposthaufen gehört hätte.

 

Wir nehmen in zwei bequemen Sesseln mit einem roten Lederbezug platz und lassen uns von einer hellblonden Bedienung, die nur eine knappe Schürze und ein Lächeln auf den rot glänzenden Lippen trägt, zwei Amasec mit Eis der Marke Red Prime Star bringen. Nach wenigen Augenblicken schwebt sie auf ihren Pumps mit ungesund aussehenden Absätzen wieder heran und serviert unsere Getränke. Individuelles Trinkgeld ist hier nicht üblich und wird über eine Servicepauschale am Ende abgerechnet, so setzt sie auf meinen Zettel nur den entsprechenden Vermerk. Also bedanke ich mich nur artig bei der Bedienung, ein wirklich gut aussehendes Habmädchen mit den nötigen Kurven an den richtigen Stellen in Ausbildung und nippe am geschliffenen Kristallglas, welches wie die gigantische Bolterhülse graviert ist, in dem sich dieses Etablissement befindet.

 

Normalerweise ist eine schwarzhaarige junge Hure mit dem wohlklingenden Künstlernamen Theodora meine Favoritin. Ich nenne sie scherzhaft immer "Kleiner Welpe", weil die Geräusche, die sie ausstößt, wenn sie kommt, wie das kläffen eines jungen Hundes klingt. Ich mag das Habmädchen, weil es nicht nur kurvenreich, schön und geschickt mit dem Mund ist, sondern weil ich merke, dass sie mit mir wirklich Spaß hat, wenn wir es miteinander treiben. Und sie ist gerade so frech, dass es amüsant und nicht unverschämt ist. Dieses Spiel beherrschen nur wenige so bravourös wie Theodora. Leider ist ihr Canape verweist und ihr Schild ist weiß verschleiert, sie ist also schon für den ganzen Abend gebucht. Dummerweise habe ich nicht reserviert, da ich heute so viel um die Ohren hatte, dass ich nicht daran gedacht habe. Nun gut, dann muss ich mich wohl mit einem anderen Mädchen vergnügen. Oder auch zwei oder drei.

 

Noch während Kleist und ich über die Vorzüge einzelner Damen fachsimpeln, kommt die Bedienung ein zweites mal heran geschwebt und "serviert" mir einem verschlossenen blauen Umschlag auf einem silbernen Tablett. Als Adressat steht da nur "An den feschen Offizier". Damit bin wohl ich gemeint, obwohl ich immer noch nur ein Kadett bin. Der Umschlag riecht wie eine frische Blumenwiese und mir fällt ein handgeschriebene, aber sonst schmucklose Karte entgegen.

 

"Gutschein für eine Nacht, Vier Null Acht", unterzeichnet mit "Lady Augusta". Die Buchstaben sind elegant geschwungen und zeigen, dass die Verfasserin wirklich schön schreiben kann. Wenn sie so schön ist, wie sie schreiben kann, dann ist diese wirklich außergewöhnlich hübsch.

 

"Sieht so aus, als hätte jemand mich heute ausgewählt", verkünde ich breit grinsend, als ich Kleist die Karte zeigen.

 

"Du Glückspilz! Sieht so aus, als sucht eine notleidende Kurtisane einen neuen Gönner", gratuliert mir Kleist und ich vermeine einen Hauch von Neid aus seiner Stimme heraus lesen zu können. Er wird sich nie eine eigene Kurtisane leisten können, so lange er nur mein Vasall ist. Und wahrscheinlich wird er das bis zu seinem Lebensende bleiben. Aber ich denke, es gibt viel schlimmeres, als mein Gefolgsmann zu sein.

 

"Sieht ganz so aus", meine ich immer noch erfreut, mir davon meine gute Laune nicht verderben lassend. "Caine hat ja gemeint, es wäre an der Zeit mir eine feste Konkubine zuzulegen und so wie es aussieht, habe ich hier schon die erste Kandidatin. Ich nehme an, du kommst alleine klar?"

 

"Viel Spaß, Flavion. Und auch ich werde Spaß haben", seine Stimme klingt jetzt so, als würde es ihn wirklich freuen, dass ich von einer Kurtisane zu einer Gratisprobe eingeladen wurde. Aber mir ist klar, dass dies wohl leider nur gespielt ist. Wir haben gemeinsam gelernt, eine Maske zu tragen. Das ist in unserem Stand nun mal so üblich.

 

"Tu nichts, was ich nicht auch tun würde." Mit diesen Worten verabschiede ich mich und gehe nun die Treppe hoch, die sich Kreisförmig nach oben windet und die einzelnen Stockwerke miteinander verbindet. Das Zimmer 408 befindet sich wenig überraschend im vierten Stockwerk. Die Holztür verfügt über einen Klopfer, der an eine Vulva erinnert und den betätige ich. Einen Moment später öffnet auch schon eine junge Frau mit hochgesteckten blonden Haaren. Sie trägt nur einen bunt bedruckten Morgenmantel mit einem zu ihrem Geruch passenden Blumenmuster, welcher großzügigen Einblicke auf ihre wohlgeformte Hügellandschaft gewährt, da sie einen ganzen Kopf kleiner ist als ich.

 

"Meister Flavion Conari nehme ich an?", fragt sie mich mit einer lieblichen Stimme und ihr lächeln zeigt makellose Zähne. Das ist wohl eine der wenigen Dinge, die sie mit Theodora gemeinsam hat, die etwas größer, schwarzhaarig und Kurvenreicher ist. Ihr Hochgotisch hat das typische leicht langgezogene e, für das Malfi so berühmt ist. Ich bin mit dem Dialekt durchaus vertraut, da meine Mutter von dieser Welt stammt, welche Scintilla deren Statuts als Sektorhauptstadt neidet, da sich dort lange das Hauptquartier und Nachschubdrehkreuz für den Kreuzzug befunden hat. Aber Scintilla liegt zentraler und deutlich Verkehrsgünstiger.

 

"Da nehmt ihr richtig an, Lady Augusta", erwidere ich und hauche ihr galant einen Kuss auf den dargebotenen Handrücken. Ihre Hände sind gepflegt, ihre für eine Frau recht kurzen Nägel schwarz lackiert. Sie trägt nur zwei schmale Ringe. Einer ist aus Gold mit einem verschnörkelten Muster aus eingelegten Elektrum, der andere aus einem mir nicht bekannten Material mit kleinen blauen Diamanten. Kein Wappenring oder dergleichen, was bei ihrer Profession nicht weiter verwunderlich ist. Weiterer Schmuck sind zwei Ohrstecker aus Elektrum, die eine zwölfzackige Korona zeigen, in der Mitte ein blauer Diamant mit dem passenden Schliff dazu. Um den Hals trägt sie ein Halsband aus schwarzer Seide mit einem Ring aus poliertem Stahl, was andeutet, dass sie durchaus zu besonderen Diensten bereit ist. Auch zeigt ihr Schmuck, dass sie ganz und gar nicht notleidend ist. Oder der ist geliehen, um genau das einem vorzugaukeln.

 

"Dann kommt doch bitte herein und leistet mir etwas Gesellschaft, werter Meister Flavion", bittet sie mich hinein. Das Zimmer ist luxuriös eingerichtet. Das äußerst großzügig dimensionierte Bett steht auf einer Empore an der Außenwand. Es gibt ein Tisch mit einem Spielbrett für Königsmord, um das sich zwei Sessel gruppieren. Eine kleine Bar steht gegenüber mit einer Auswahl exklusiver Alkoholika. Links geht es zu einer Nasszelle und Toilette.

 

"Aber gerne doch", erwidere ich der Einladung folgend. Lüsterweibchen mit Leuchtgloben an den Wänden sorgen für ein gedämpftes Licht. Sie schließt hinter mir die Tür und wir sind allein.

 

"Wenn ich bitten dürfte?" Da ihr Blick in Richtung meines Wehrgehänges aus einem Breitschwert, auf dessen Korb eine Statuette des heiligen St. Drusus moduliert ist und ein Kampfmesser mit einer Doppelköpfigen Vogel als Knauf, besteht, denke ich, dass ich diesen an einen Halter hängen soll. Wie entwaffnet man einfach und problemlos einen Adligen? Man bittet ihn ganz höflich um seine Waffen.

 

Schon früh habe ich gelernt, dass Paranoia nicht bedeutet, dass man nicht verfolgt wird. Zwar habe ich persönlich wenig Feinde, aber mein Haus ist älter als dieser Sektor und sehr groß. Momentan laufen über den ganzen Calixissektor drei aktive Vendetta und sicherlich weitere hundert, die gerade nur vor sich hinköcheln. Zwar bin ich nur der fünfte Sohn und das achte Kind meines Vaters mit seiner angetrauten Gemahlin, aber mein Vater ist das aktuelle Familienoberhaupt und mein Tod würde ihn durchaus persönlich treffen und schwächen. Also werfe ich unverfänglich einen kurzen Blick in Richtung Bad und sondiere den Raum. Keine weiteren potentiellen Attentäter zu sehen und die Möglichkeiten sich hier zu verstecken sind äußerst begrenzt. Lady Augusta trägt nur diesen dünnen Morgenmantel, der ihre durchaus kurvenreiche und doch schlanke Figur körperbetont umschmeichelt. Waffen scheint sie keine zu tragen. Ihre hochgesteckten Haare sind mit zwei Stäbchen fixiert. Es gibt durchaus einige Assassinen, die in solche Stäbchen vergiftete Klingen einbauen. Nach einigen Sekunden des analysieren komme ich zu dem Schluss, dass es wohl eher unwahrscheinlich ist, dass es sich bei Lady Augusta um eine Attentäterin handelt. Und falls es sich um eine versierte Assassine eines der berüchtigten Todeskulte handelt sollte, würde es keine Rolle spielen, ob ich meine Waffen freiwillig ablege oder nicht. Also hänge ich mein Wehrgehänge an die Wand und nehme in einem der Sessel platz.

 

"Etwas Schaumwein gefällig?", fragt sie mich und ich nicke. Sie öffnet eine frische Flasche und befüllt zwei kleine Kristallgläschen auf einem Silbertablett. Dann kommt sie zu mir, sinkt geschmeidig in die Knie und präsentiert mir das Tablett. Diese Geste der Unterwerfung imponiert mir durchaus und ich kann spüren, wie sich bei mir unten was regt. Diese junge schöne Frau und ihr devotes Verhalten spricht mich an. Ich wähle eines der Gläser und warte, bis sie sich in den anderen Sessel setzt und an ihrem Glas nippt. Erst dann trinke ich ebenfalls aus meinem.

 

"Ich muss gestehen, ich war noch nie bei einer freischaffenden Kurtisane eingeladen und bin nun etwas verunsichert, nach wessen Regeln unser gemeinsamer Abend abläuft", kläre ich den weiteren Verlauf ab. Eine meiner ersten Lektionen von meinem Lebenswart Caine war, selbst der jüngste Spross von Taurion Conari bekommt etwas umsonst.

 

"Wie Ihr sicher schon erraten habt, mein werter Meister Flavion, suche ich einen neuen Gönner. Wir verbringen diesen Abend zusammen, lernen uns kennen und entscheiden dann, ob wir ein gemeinsames Arrangement treffen oder nicht. Sollten wir feststellen, dass wir nicht zueinander passen, würde ein Gentleman sich veranlasst fühlen, wenigstens die Unkosten dieser Nacht zu begleichen", erklärt sie mir. Ich schätze mal, ich bezahle das Zimmer und die Getränke, dazu noch ein angemessenes Entgelt für sie selbst. Damit kann ich leben. Was ich bis jetzt von ihr zu Gesicht bekommen habe, gefällt mir außerordentlich. Man sieht ihr die adlige Abstammung an und so wie sie spricht, denke ich, dass sie entweder aus einer verarmten Familie aus Malfi stammt oder beschlossen hat, ihre Apanage auf eine besondere Art aufzustocken. Oder es ist für sie ein großes erotisches Abenteuer, bevor sie aus dynastischen Gründen mit einem langweiligen, viel älteren Mann verheiratet wird, was das Schicksal vieler Damen meines Standes ist. Genau so gut möglich ist, dass sie das Kind einer Konkubine ist und deswegen nicht Erbberechtigt, aber die gute Erziehung einer Adligen genossen hat. Da darüber zu spekulieren müßig ist, fokussiere ich mich lieber auf mein Gegenüber.

 

"Flavion reicht vollkommen aus", biete ich ihr großzügig an.

 

"Augusta", erwidert sie lächelnd. Und ich mag ihr lächeln, da es ihre Augen erreicht. Da ich denke, dass es sich wirklich um eine Kurtisane auf der Suche nach einem Sponsor handelt und um keine auf mich angesetzte Attentäterin, kann ich mich entspannen.

 

"Aus reiner Neugierde, woher weißt du, dass ich nicht schon eine Mätresse habe?", hake ich nach.

 

"Wärst du hier an diesem Ort, wenn du eine hättest?", weicht sie geschickt mit einer Gegenfrage aus.

 

"Da ist was wahres dran", gebe ich ihr recht. Durchaus möglich, dass Caine sich schon auf die Suche nach einer für mich passenden Kurtisane begeben hat und sie seine erste Wahl für mich ist. Natürlich kann sie auch hier einfach auf einen adligen Kunden mit den notwendigen Mitteln warten und ihm ein Angebot machen. Ich beschließe, diesen Aspekt nicht weiter zu verfolgen.

 

"Wollen wir beginnen?", fragt sie mich nun, als ich sie noch sinnierend ansehe.

 

Gedanke des Tages

 

Das beschriebene Setting entstammt dem von Games Workshop lizenziertem Rollenspiel Schattenjäger. Die agierenden Charaktere sind frei von mir erfunden. Den einen oder anderen werden Stammleser schon von "Die Fahrten der Audacia" kennen. Wie üblich schreibe ich immer zuerst eine Geschichte zu Ende, bevor ich sie veröffentliche. Diese umfasst 20 Kapitel und werde diese wohl nun jeweils Sonntags Abend veröffentlichen. Wer mag, darf ein Review, Kritik, Lob und/oder ein Like bzw. Empfehlung hinterlassen.

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Kapitel II

 

"Wollen wir beginnen?", fragt Lady Augusta mich nun, als ich die junge Frau in etwa meinem Alter noch sinnierend ansehe.

 

"Aber gerne doch", erwidere ich und sie trinkt ihr Gläschen Schaumwein aus. Sie steht auf und kommt auf mich zu, während ich nun auch aufstehe.

 

"Dann wollen wir dich mal auspacken", meint die blonde Kurtisane in einem schelmischen Unterton, als würde sie von einem Geschenk zu Imperator Geburtstag reden. Geschickt wie ein Diener knöpft sie meine Uniformjacke auf und hilft mir heraus. Ordentlich hängt sie diese an einen Bügel. Dann macht sie das gleiche mit meinem dunklen Hemd. Anschließend auch mit meinem Unterhemd, welches das Wappen und Schriftzug meiner Militärakademie quer über der Brust trägt.

 

"Nett!", befindet sie den sich ihr bietenden Anblick. Seit meinem vierten Lebensjahr mache ich jeden Tag mindesten zwei Stunden Körperertüchtigung. Da findet sich kein Gramm Fett, sondern nur festes Muskelgewebe. Mein Bauch ist Flach und man kann darauf Wäsche sauber rubbeln. Andächtig fährt sie mir über die Brust, wo sich ein langgezogenes Hämatom befindet. An der Stelle hat mich die Kralle des schrecklich deformierten Dinges gestreift. Nur die unterste Schicht meiner Rüstung hat verhindert, dass diese verdammungswürdige Kreatur mir den Brustkorb aufgeschlitzt hat.

 

"Ein kleines Andenken an einen Mutie. Aber du solltest ihn erst mal sehen, der sucht jetzt noch seine Einzelteile", erkläre ich breit grinsend und versuche die aufkeimenden Bilder zu verdrängen.

 

"Das ist von der Großen Jagd", stellt sie fest, da diese keine Frage war. Offensichtlich hat sich das Resultat der alljährlichen Großen Jagd der zweijährigen Abschlussklasse der Akademie der St. Drusus Akademie schon in der weiteren Umgebung herum gesprochen.

 

"In der Tat", erwidere ich mit Stolz in der Stimme.

 

"Davon musst du mir noch erzählen", säuselt die junge Frau von Malfi und nesselt an meinem Gürtel herum. Schließlich hat sie es geschafft, ihr "Geschenk" auszupacken. Nur noch in Unterhose stehe ich vor ihr, als sie nun aus ihrem Morgenmantel schlüpft. Ihre weiße Haut ist Makellos, nicht so wie meine, wo sich im laufe der Zeit viele Narben durch Kampfsportunfälle angesammelt haben. Wer wie ich seit dem sechsten Geburtstag mit scharfen Waffen trainiert, da habe ich mein erstes scharf geschliffenes Schwert geschenkt bekommen, der bekommt auch die eine oder andere Schmisse ab. Ihre Brüste sind natürlich und wohlgeformt. Sie sind nicht gerade üppig, aber Flachbrüstig ist das auch nicht. Genau so, wie ich es mag. Von der Statur her ist sie schlank, ihr Bauch ist flach und ich kann sehen, dass sie trainiert ist. Tanzsport ist durchaus ein sehr beliebter Sport der unter jungen adligen Mädchen praktiziert wird. Oder natürlich kann sie auch eine andere Sportart betreiben. Schließlich leben wir in den 70er und da dürfen Frauen genau so sportlich wie Männer sein. Wie üblich, hat sie unterhalb der Augenbrauen keine natürliche Körperbehaarung. Noch während ich ihren wohlgeformten Körper betrachte, beginnt sie mich zu streicheln. Von meiner Wange zu meiner Brust. Ihre rechte Hand wandert schließlich in meinen Schritt und umfasst mein Skrotum.

 

"Ich fühle, da hat sich einiges an Druck aufgebaut", mit der anderen Hand umfasst sie meinen Nacken und zieht mich zu sich herunter auf eine Höhe. Wir blicken uns in die Augen und ich verliere mich in ihren Seen. Dann berühren sich unsere Lippen. Es ist beinahe wie ein elektrischer Schlag. Meine wie die ihren sind halb offen ich spüre, wie ihre freche Zunge sich in meinen Mund windet. Unsere Zungenspitzen berühren sich, umzüngeln einander. Ihre andere Hand wandert nach oben, umgreift den Schaft unter der Eichel. Die Lippen der Kurtisane schmecken fruchtig, dass macht bei mir Lust auf mehr. Wie wohl ihre anderen Lippen schmecken werden?

 

"Du bist so groß!", meint sie mit einem bewunderten Tonfall, als wir uns lösen und ich mich aufrichte. Mir ist nicht klar, ob sie mir nur einfach schmeicheln will oder auf meine Körpergröße anspielt.

 

"Aber las uns erst einmal gemeinsam duschen." Augusta zieht sich eine Haube über ihre hochgesteckten blonden Haare und führt mich dann zu der Nasszelle. Es dauert einen Moment bis die Wassertemperatur angenehm ist, dann stellen wir uns unter die Regendusche, wo die Kurtisane beginnt mich einzuseifen. Zuerst meinen Oberkörper, dann meine Arme. Geschmeidig geht sie in die Knie, kümmert sich um meine Beine und zum Schluss meinen Schwanz. Mit beiden Händen seift sie den ein, macht drehende auf und abfahrende Bewegungen. Bedächtig, mit dem richtigen Druck reizt sie mich schon beim waschen. Lächelnd blickt sie zu mir auf und neckt dann die Schwanzspitze mit ihrer Zunge, nachdem Wasser aus der Dusche die Seife abgespült hat. Umschmeichelt meinen Penis, liebkost ihn und küsst meine Eichel dann. Dann saugt die Kurtisane meinen Penis sich regelrecht ein. Ihre Lippen umschließen die Eichel, wandern den Schaft entlang. Ich stoße an ihre Kehle und sie schluckt ihn einfach herunter. Bis zum Anschlag kommt sie herunter und neckt meine Eier mit der Zungenspitze. Das ist ziemlich geil und zeigt mir, dass Augusta eine recht erfahrene Schwanzlutscherin trotz ihres scheinbar sehr jungen Alters ist.

 

Bei einem Angehörigen der Oberschicht ist in vielen Fällen Alter und Aussehen nicht unbedingt Deckungsgleich. Meine Mutter ist über sechzig, sieht aber momentan aus wie Anfang Zwanzig. Es gibt viele renommierte Geneatoren, welche in der Lage sind, mehrmals einen Menschen zu verjüngen. Je nach Institut, je teurer desto besser und Konstitution geht das mehrere Jahrhunderte lang gut. Aber irgendwann ist auch der beste Geneator machtlos und die Körper verfallen dann innerhalb weniger Wochen, denn die Zeit lässt sich nicht ewig betrügen. Angeblich gibt es unheilige Xenosartefakte welche einen zu einem schrecklichen Preis Unsterblichkeit garantieren. Jedenfalls gibt es viele blutige Gruselgeschichten darüber, die man sich in dunklen Stunden nach ein paar Drinks zu viel flüsternd bei gedimmter Beleuchtung erzählt.

 

Langsam bewegt die Kurtisane wieder ihren Kopf leicht hin und her windend zurück, bis sie nur noch die Eichel im Mund hat. Dann fährt sie mehrmals hin und her, ohne meinen Schwanz komplett aufzunehmen. Aber schließlich schluckt sie ihn noch einmal in ihren Rachen, fährt bis zum Schaft und liebkost mit der Zungenspitze meine Hodensack. Nun fährt sie ihren Kopf ganz zurück und steht auf, um das Wasser abzustellen. Sie trocknet zuerst mich und dann sich ab.

 

Wieder zieht sie mich zu sich herunter und wir küssen uns ein weiteres mal. Mir ist klar, dass sie gerade meinen Schwanz im Mund hatte, aber das gehört dazu. Wir sind beide sauber und ich denke nicht, dass sie in irgend einer Form krank ist. Jedenfalls hoffe ich das. Wieder umzüngeln sich unsere Zungen, schmecke ihre Süße und schlucke den sich in meiner Mundhöhle sich sammelnden Speichel herunter.

 

"Komm mit!", meint Augusta, zieht mich in Richtung Bett. Vielleicht ist es Zeit ein wenig die Initiative zu übernehmen. Also schnappe ich sie mir und trage sie auf Händen zum großen bequemen Bett. Für ihre Größe und in Anbetracht wie schlank sie eigentlich ist, kommt sie mir etwas zu schwer vor. Wahrscheinlich bin ich durch die Große Jagd noch etwas erschöpft. Behutsam lege ich sie so auf das Bett, dass ihr Hintern noch an der Kante liegt. Da sie mich schon mit der Zunge verwöhnt hat, ist es nun an mir, mich zu revanchieren. Zuerst tu ich so, also ob ich an ihrem Schritt schnüffeln würde und foppe sie etwas, in dem ich darauf puste, als ob ich eine Kerze ausmachen würde, was sie zu einem empörten Quietschen animiert. Dann küsse ich ihre Scham, bevor ich meine Zunge in ihr Jadetor stecke. Unten schmeckt sie erstaunlicherweise auch eher Süß. Könnte durchaus sein, dass sie gewisse Upgrades von einem Geneator verpasst bekommen hat. Aber ich mag süß, also ist es mir genehm. Ich schlecke etwas an sie herum, was ihr zu gefallen scheint. Kann natürlich auch sein, dass sie nur spielt, dass es ihr gefällt. Aber ihre Brustwarzen sind hart, ihre Grotte ist ordentlich feucht und ich wage zu behaupten, dass ich nicht die hässlichste Partie bin. Auch hat mir Theodora gezeigt, wie ich sie mit meiner Zunge reizen kann.

 

Nachdem ich ihre Schamlippen etwas gereizt habe und meine Zunge mehrmals in ihre Bresche habe vorstoßen lassen, lasse ich meine Zunge nach oben wandern. Ich schmecke ihre Würze, bevor ich ihr kleines freches Knubbelchen erreiche. Zuerst stoße ich mehrmals mit der Zungenspitze an, bevor ich ihre Klitoris ansauge. Mit der rechten Hand dringe ich mit einem Finger in ihrer Grotte vor. Drehe ihn dabei, was sie mit dem Saugen zum aufstöhnen bringt. Ich spüre wie ihre Hand über meine schwarzen Haare streichelt. Mit der linken greife ich nun nach einer ihrer Brüste und streichle diese sanft. Inzwischen habe ich gelernt, da sehr vorsichtig vorzugehen, da dies für eine Frau eine sehr empfindliche Region zu sein scheint. Ihr Becken drängt sich nun näher heran, ihr Atem geht schneller und ein Stöhnlaut entfleucht ihrer Kehle.

 

Nun stecke ich zwei Finger in ihre feuchte Muschi und beginne drehend zu stoßen. Ich sauge derweil weiter ein ihrem Kitzler und schaue nach oben um mich zu vergewissern, ob es ihr auch wirklich gefällt, was ich da tu. Jede Frau bevorzugt eine andere Geschwindigkeit, Tiefe und Druck. Die meisten halten sich leider zurück, einem verständliche Anweisungen zu geben. Auf der anderen Seite ist es durchaus eine Herausforderung, die etwas Fingerspitzengefühl braucht. Also achte ich genau darauf, wie sie auf Geschwindigkeitsveränderungen reagiert. Als ich denke ich habe die richtige Geschwindigkeit, variiere ich die Drehbewegung, bis auch da den Dreh heraus gefunden habe.

 

"Imperator steh mir bei!", ruft sie aus und dann kommt sie auch schon. Und sie ist das, was man einen Squirter nennt. Denn kaum habe ich meine Finger heraus gezogen, spritzt mir eine Ladung klarer Flüssigkeit ins Gesicht. Dahinter ist einiger Druck. Nicht nur ich scheine mich schon länger nicht mehr entspannt zu haben.

 

"Du kleines Luder!", rufe ich durchaus begeistert aus und gebe ihr einen ganz leichten Klaps auf ihren Schritt, was sie mit einem durchaus lustvollen Schrei quittiert.

 

"Entschuldige, ich hätte dich vorwarnen sollen, dass so was passieren könnte." Die Stimme von Augusta ist angestrengt und sie keucht noch etwas.

 

"Kein Grund sich zu entschuldigen. Ich mag deinen Geschmack, egal was es ist", wiegle ich ab und stelle mich nun vor das Bett. Mehrmals lasse ich meinen Schwanz auf ihre Scham herunter fallen, was ihr ein erregtes Stöhnen entlockt. Auch stöhnt sie auf, als ich vorsichtig die feuchte Festung stürme. Ihre Beine ragen hoch zu meiner Schulter. Langsam stoße ich komplett in sie hinein. Ihre Muschi ist unglaublich eng. Mein Schwanz fühlt sich auf alle Fälle sehr wohl in ihrer Grotte. Langsam und kontrolliert stoße ich mehrmals zu.

 

Ganz überraschend für sie, denn sie quietscht auf, umfasse ich ihren Hintern und heben sie dann hoch. Für einen Moment ist es nicht leicht, dann unterstützt sie mich, in dem sie ihre Arme so gut es geht um meinen Nacken schlingt. Mit meinen Händen hebe ich sie leicht hoch und lasse sie dann wieder herunter "fallen", so dass mein Schwanz komplett in ihr steckt. Verschiedenen Anzeichen kann ich entnehmen, dass es ihr gefällt, was ich mit ihr gerade anstelle. So beginne ich sie zu penetrieren, hoch und runter, ihr Atem geht immer schneller durch ihren halb offenen Mund. Ich kann nicht anders, als sie zu küssen und unsere Zungen umschlängeln einander. So langsam stehe ich auch vor dem Punkt, abzuspritzen. Aber ich will nicht, dass es schon zu Ende ist. Also höre ich auf zu stoßen.

 

"Jetzt bist du dran, dich anzustrengen", erkläre ich der Kurtisane, warum ich aufhöre, sie zu stoßen. Für meine Partnerin ist in dieser Stellung ungleich schwerer eine Hubbewegung hinzubekommen. Aber zu meiner Überraschung ist sie trainiert genug, dass zu bewerkstelligen. Zwar hoch immer deutlich langsamer, aber den vollen Hub bekommt sie auch hin. Auf und ab bewegt sich ihr Becken, langsam hoch, schnell runter. Ihr Atem geht schneller, ich kann sehen, wie sie schwitzt, wie sich der Schweiß auf ihrer fast makellosen Haut sammelt und in langen Bahnen von ihr heruntertropft. Dann kommt sie keuchend nach Luft japsend. Ich kann spüren, wie ihre Muschi sich bewegt, enger wird, bevor sich diese wieder entspannt. Ihre Gesichtszüge verzerren sich leicht, trotzdem ist sie unglaublich schön, wenn sie kommt. Gerade so kann ich verhindern, dass Augusta mir abrutscht. Da auch mir so langsam die Kräfte schwinden, lasse ich sie wieder auf das Bett zurückgleiten, bleibe an ihr drin.

 

Nun habe ich die Hände frei und streichele sie, liebkoste ihre weiche Haut. Augusta kommt so langsam wieder zu Atem, schaut mich an und lächelt ein äußerst bezauberndes Lachen. Ich mag diese Frau und ich denke, vielleicht verliebe ich mich gerade auch etwas in sie. Langsam beginne ich wieder sie zu stoßen. Ich stehe, sie liegt vor mir, die Füße immer noch an meiner Schulter liegend. Langsam bewege ich mich in ihr zurück, stoße aber schnell vor, verharre kurz und wiederhole den Vorgang. Ihre Erregung wächst schnell wieder sichtbar. Mit jedem Stoß bewegen sich ihre Brüste, was eine grinsen auf meine Lippen zaubert, da dies irgendwie lustig aussieht, wie sie sich bewegen. Langsam erhöhe ich das Tempo und Augusta beginnt bei jedem Stoß aufzustöhnen. So langsam komme auch in mein Limit und vollende die Sache, in dem ich vollständig in sie hineinstoße. Schubweise baut sich der in mir aufgebaute Druck ab.

 

"Das war jetzt ein schöner Anfang. Mal sehen, wie es heute noch weiter läuft", meint sie mit einem lieblichen lächeln.

 

"Ja, so könnte es den ganzen Abend noch weiter gehen", erwidere ich und ziehe meinen Lümmel aus ihr heraus. Nachdem wir uns gesäubert haben, reicht sie mir einen Morgenmantel, zieht sich den ihren wieder an und wir setzen uns in die Sessel.

 

"Lust auf eine Partie Königsmord?", fragt sie mich. Da ich das Spiel mag und eine Kurtisane ihren Sponsor nicht nur im Bett auf nur jede erdenkliche Art befriedigt, sondern ihm auch in seiner freien Zeit Gesellschaft leistet, ist es durchaus für mich interessant zu sehen, wie sie spielt.

 

"Gut, wähle!", gebe ich mein Einverständnis, nehme von jeder Seite einen Soldaten verstecke sie kurz hinter meinen Rücken und präsentiere ihr dann zwei Fäuste. Sie wählt die linke Faust und darin ist der schwarzen Soldat. Also habe ich weiß und beginne. Königsmord ist ein populäres Spiel zu zweit nicht nur für Adlige. Schon früh wird ein Sprössling jedwelchen Geschlechts in die höheren Mysterien des Spiels eingewiesen. Es gibt durchaus angesehene Clubs und auch Ligen auf Scintilla für dieses Spiel. Schon manch einer hat bei einer Partie ein Vermögen gewonnen oder auch verloren. Um Augusta besser einschätzen zu können, beginne ich mit einer terranischen Eröffnung. Konservativ und Defensiv, erlaubt mir aber viele Möglichkeiten mich daraus weiter zu entwickeln, da ich das Gro meiner Figuren schnell ins Spiel bringen kann. Sie kontert mit der aggressiven Saturneröffnung, Risikoreich, kann aber gegen unerfahrene Spieler schnell zum Sieg führen.

 

"Wie war das nun eigentlich mit der großen Jagd?", fragt Lady Augusta mich und zieht schon den schwarzen Ritter vor, um meinen Vormarsch auf der linken Seite zu verlangsamen.

 

Gedanke des Tages

 

Das war jetzt das erste erotische Kapitel, jetzt geht es weiter mit der Story. Danke für die Likes!

 

bearbeitet von Nakago
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Kapitel III

 

"Wie war das nun eigentlich mit der großen Jagd?", fragt Lady Augusta mich und zieht schon den schwarzen Ritter vor. Offensichtlich will sie es wissen, während ich an meiner terranischen Eröffnung festhalte, die meine Truppen absichert.

 

"Die erfolgreichste aller Zeiten", verkünde ich stolz und versuche gewisse Bilder, Gerüche und Geräusche gar nicht erst hochkommen zu lassen.

 

"Davon habe ich schon so einiges an vagen Gerüchten gehört. Aber wie kam es zu diesem großen Erfolg?" Ihre Worte klingen Beiläufig, aber ich denke, sie will wirklich eine ernsthafte Antwort auf meine Frage.

 

"Ich könnte ja erzählen, dass es eine Folge von erfolgreicher Aufklärung, gekonnter Führung und überlegener Kampfkraft war. Aber ehrlich gesagt, hätte diese Jagd zur totalen Katastrophe werden können. Und eine thronverdammt lange Zeit sah es danach auch aus. Die Große Jagd, wie du sicher schon weißt, ist ein wichtiger Teil der Abschlussprüfung der zweijährigen Offiziersausbildung der hoch angesehen St. Drusus Militärakademie. Es werden aus dem Jahrgang mehrere Kontingente gebildet, der jeweilige Anführer wird von den Ausbildern bestimmt, sein Stellvertreter und die Truppführer werden von den Kadetten aus ihren Reihen gewählt. Mir wurde dann die Rolle des Stellvertreters von Crestus Cascandor aufgebrummt. Ich war davon nicht begeistert unter dieser Pfeife dienen zu müssen. Wobei wenig begeistert es nicht trifft, ich hasse dieses Stück Groxdung mehr als alles andere auf der Akademie, genau genommen ist er das mit Abstand übelste Individuum das ich persönlich kenne", plaudere ich vollkommen offen aus dem Nähkästchen, während Augusta ihre Offensive startet und wir schon sehr früh einen Assassinentausch vornehmen. Der Assassine ist die stärkste Figur im Spiel, die in alle Richtungen beliebig weit ziehen kann.

 

"Was ist deiner Meinung nach an Crestus Cascandor so schlecht, dass du ihn so hasst?", fragt sie fast beiläufig.

 

"Alles! Er ist der Erstgeborene des designierten Nachfolgers seines Hauses. Das Haus Cascandor ist von äußerst fragwürdiger Herkunft. Zwar beruft es sich auf ein Stabsmitglied der zweiten Welle des Angevin Kreuzzuges, aber diese Haus lässt sich durch keine einzige verlässliche Primär oder Sekundärquelle verifizieren. Erst seit gerade mal sechshundert Jahren gibt es hier und da eine Erwähnung. Aber trotzdem haben sie es vor einigen Jahrzehnten geschafft, die Güldenhand komplett unter ihr Joch zu zwingen. Und wie du sicherlich weißt, betreibt die Güldenhand die Güldene Börse in Tarsus, über die alle Termingeschäfte und der Anteilshandel auf diesem Planeten geht. Wer sich mit dem Haus Cascandor schlecht stellt, hat ein ernstes Problem mit Geschäften an der Börse. Ganz abgesehen davon, dass ihr erster Schiedsmann als der beste Fechter des Sektors gilt. Deswegen kann sich Crestus alles heraus nehmen, da er keine Konsequenzen fürchten muss. An manchen Tagen wirkt er wie die Summe aller schlechten Klischees, die es für Adlige gibt. Arrogant, unfähig, verlogen, grausam, heuchlerisch, verschwenderisch, feige, dekadent und ein absoluter Vollidiot. Er hat gleich vier Vasallen auf der Akademie, die alles für ihn tun müssen. Er hat sieben andere Kadetten aus nichtigen Gründen ermorden lassen. Die meisten nur, weil sie nur mit einem Stipendium hier an die Akademie konnten.

 

Man sagt, er hätte im Alter von zwölf Jahren seinen Leibkoch mit Promethium übergießen und anzünden lassen, weil sein Groxsteak etwas zu gut durch war. Und dieser Vorfall habe ich von drei verschiedenen und durchaus glaubwürdigen Quellen geschildert bekommen. Seinen ursprünglichen Lebenswart hat er vor drei Jahren mit seiner Stahlrute totgeschlagen. Wahrscheinlich, weil er nicht beim ersten Anlauf auf der Akademie angenommen wurde. Ich habe gesehen, wie die Leiche einer seiner Mätressen etwa vor einem Jahr aus seiner Zimmerflucht geschleift wurde. Und die hat er umgebracht, in dem er den Lauf einer Boltpistole in ihre Scham geschoben und abgedrückt hat. Ich glaube, du kannst dir die Sauerei gut vorstellen, was ein massereaktives, mit Deuterium angereichte Explosionsgeschoss mit dem Unterleib einer Frau anrichtet. Der Knall hallte durch die ganze Akademie. Aber wie gesagt, er kann sich so gut wie alles erlauben, ohne jede Konsequenz." Klage ich durchaus etwas aufgebracht meinen Ärger.

 

"Aber das ist noch nicht alles, oder?", hakt sie nach, als ich kurz zögere fortzufahren. Eigentlich würde ich lieber mit meinem Heldentaten angeben, als mich über diesen Haufen Groxdung zu unterhalten. Trotzdem fahre ich nach einem theatralisch lauten Seufzer dann fort.

 

"Nein, er zieht den Ruf der angesehenen St. Drusus Akademie in den Dreck. Ich weiß nicht, wie er es letztendlich geschafft hat, angenommen zu werden. Manche Dinge kann man sich nicht mit Thronen kaufen, ein Platz auf dieser Akademie gehört eigentlich dazu. Dachte ich offensichtlich naiverweise. Sicher, dass Schulgeld ist nur für sehr wenige Erschwinglich, aber auf jeden Platz kommen hunderte Bewerber aus vermögenden Häusern, die sich das auch leisten können. Ich denke, dass Haus Cascandor hat einen der Lehrer erpresst, um ihren nichtsnutzigen Sprössling auf die Akademie zu schaffen. Wahrscheinlich Oberst York, der ist eigentlich unser Jahrgangsleiter. Der hat alles Crestus durchgehen lassen, wirklich alles. Die komplette Grundausbildung war Crestus über Dienstuntauglich. Der monatliche fünfzig Kilometer Marsch, Dienstuntauglich. Schwimmen und tauchen im Eismeer, Dienstuntauglich. Nächtliche Gefechtsübung mit scharfer Munition, Dienstuntauglich. Jedes mal hatte er ein Attest dabei, dass nicht mal ausgefüllt war. Der reine Hohn. Seine Arbeiten bestehen aus sinnlosen Gekritzel, trotzdem bekommt er Bestnoten. Diese Kreatur ist eine Schande für unseren Stand und für den Ruf der St. Drusus Akademie."

 

"Solche Individuen sind immer ein Graus", meint sie durchaus empört und zwingt mich ihren Ritter zu tauschen. Sie spielt schnell und aggressiv. Diese Frau lässt nichts anbrennen. "Aber dich stört doch noch mehr?"

 

Ich blicke sie kurz an, dann wieder das Spielbrett. Eigentlich will ich mich nicht weiter mit dieser Thematik auseinandersetzen, trotzdem fahre ich fort und erzähle ihr Dinge, die ich noch nicht einmal meinen Lebenswart Caine erzählt habe. "Wenn ich ihn sehe, dann erkenne ich, wie wenig es braucht, aus einem Spross einer mächtigen Familie ein regelrechtes Monster zu machen. Ich wurde in eine der mächtigsten Familien des Sektors hinein geboren und allein meine Abstammung sorgt dafür, dass ich mir auch so ziemlich alles erlauben könnte und käme ebenfalls damit durch. Mein Lebenswart Caine und meine Gouvernante Samaria haben mich gelehrt, was Anstand, Höflichkeit und wahre Stärke ist. Was einen Adligen wirklich ausmacht und das mit Privilegien auch Pflichten und Verantwortung verbunden sind. Wäre hier und da etwas in meinem Leben anders gelaufen, dann wäre ich vielleicht genau so ein grausamer Vollidiot mit dem Intellekt eines Grox wie dieser Crestus. Das macht mir Angst. So wie er will ich niemals sein."

 

"Eine gute Erziehung macht eben viel aus", meint die junge Kurtisane beinahe leicht hin, aber ich denke, die Antwort gefällt ihr.

 

"Crestus ist übrigens heute hier", merke ich an.

 

"Ich weiß. Aber so jemand kommt als Gönner für mich nicht in Frage. Sein äußerst schlechter Ruf eilt ihm weit voraus." Offensichtlich hat sie sich im Vorfeld über mögliche Kunden in der Region informiert, was für ihre Professionalität spricht.

 

"Und was weißt du über mich?", frage ich nun kurz das Thema wechselnd, da wir nun wahrlich genug über Crestus gesprochen haben.

 

"Flavion Conari, ledig, fünfter Sohn und jüngstes legitimes Kind des amtierenden Oberhauptes der weitverzweigten, reichen und gut vernetzten Familie der Conari. Ein Haus, dessen Wurzeln zweifelsfrei bis zur ersten Phase des Angevin Kreuzzuges zurück reicht. Primär im Agrarwirtschaftlichen Sektor tätig. Ihre Riegel ernähren jeden Tag Milliarden von Makropolbewohnern im ganzen Calixissektor und sind die einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten der Cestelle Allianz. Haben aber auch viele andere Geschäftsfelder erschlossen. Verfügen über eine eigene Flotte von Warpfähigen Schiffen. Waren im Meritech Krieg von Anfang an auf der richtigen Seite und haben ihre Haustruppen in großer Anzahl eingesetzt. Sind stark im Merovech Kartell involviert", erklärt sie mir meine Familie. Und ich muss sagen, die gute Frau hat ihre Hausaufgaben gemacht, was meine Familie anbelangt.

 

"Familie Topp, Flavion Flop", fasse ich zusammen, da sie kaum was über mich weiß.

 

"Nun, die Mädchen hier wussten zu berichten, dass du ein gut aussehender, schwarzhaariger Teufel bist, mit einem heißen Körper und guter Bestückung. Arrogant, aber kein Arsch. Ihre Worte, nicht die meinen", verkündet sie nun grinsend. Das hört sich ganz nach Theodoras losem Mundwerk an.

 

"Damit kann ich leben", erwidere ich ebenfalls grinsend und schlage ihren Bunker.

 

"Aber zurück zur großen Jagd. Crestus hat also die Jagd angeführt?", bringt sie mich zu ihrem eigentlichen Thema zurück.

 

"In der Tat, jedenfalls anfänglich."

 

"Hat er das Jagdgebiet ausgewählt, dass so erträglich war?" Ihr Tonfall ist beiläufig, aber ich denke, dieses Detail interessiert sie wirklich, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum.

 

"Sozusagen. Er hatte auf alle Fälle eine gute Karte von dem Jagdgebiet in wohl einer verbotenen Zone", erzähle ich die Wahrheit.

 

"Weißt du, woher er die Karte her hatte?"

 

"Keine Ahnung. Bei unserer ersten Führerbesprechung unter zwei Augen für die Große Jagd gab er kund, er hätte ein hervorragendes Jagdgebiet in dem uns zugeteilten Sektor erschlossen und wir würden reiche Beute machen."

 

"Hast du nicht nachgefragt, woher die kommt?"

 

"Klar und er hat gemeint: Von einer vertrauenswürdigen Quelle. Zwinker, Zwinker. Schon da wollte meine Faust unbedingt in sein Gesicht."

 

"Was wäre dein Verdacht?"

 

"Keine Ahnung, irgend jemand, der Crestus offensichtlich nicht leiden kann, wie die letzten Ereignisse deutlich werden lassen. Vielleicht Oberst York, der dem Haufen Groxdung eins auswischen wollte. Oder jemand aus seiner Familie, der ihn so sauber los haben wollte. Aber ich kann da nur spekulieren." Meine ich ehrlich, da ich mir keinen Reim drauf machen kann.

 

"Und wusstest du von Anfang an, dass dies in der verbotenen Zone lag?" Ihre Worte klingen beiläufig, aber ihre Intention ist es nicht.

 

"Was interessieren dich diese eigentlich unwesentlichen Details?", stelle ich eine Gegenfrage, da ich lieber zu den interessanteren Punkten der Großen Jagd vorspulen will, in der ich einige erzählenswerte Heldentaten vollbracht habe, für die sie mich dann gebührend bewundern und loben kann.

 

"Die verbotenen Zonen sind ja nicht ohne Grund verboten und eine solche zu betreten ist ja nicht ungefährlich, wie man ja deutlich gesehen hat", erklärt sie mir und zeigt mir, dass sie davon schon einiges gehört haben muss von einer Quelle, die dabei war. Offensichtlich ist wohl gestern schon einer der Überlebenden hier gewesen und hat seine Abenteuer zum besten gegeben. Damit bin ich wohl nicht ihre erste Wahl und frage mich, warum sie nicht schon einen freigebigen Gönner gefunden hat, da ich sie bis jetzt für einer vorzügliche Kurtisane halte. Wenn auch für eine ziemlich neugierige, die sehr viele Fragen stellt.

 

"Mag sein. Aber nein, ich wusste es nicht, die Karte war nicht mit Warnrunen markiert oder zeigte, wo sich der gezeigte Ausschnitt überhaupt befand. Aber hätte ich mir denken können. Jagden auf Mutanten sind seit einigen Jahren in der Sibellus Makropole der letzte Modeschrei. Schon reiche Händler eifern dem Adel darin nach, sich einer Treibjagd auf Muties anzuschließen oder gar selbst zu organisieren. Es wird immer schwieriger, überhaupt noch Muties in großer Zahl aufzuscheuchen. Meine Schwester Zethania ist äußerst genervt deswegen. Sie jagt in den Tiefen von Sibellus seit sie hier her verheiratet wurde und gehört einer Vereinigung von elitären Jägern an, den Sibellus Rangern. Von ihr habe ich dann auch die nötigen Tipps bekommen, um die Jagd zu überleben sei, wenn was schief geht", erkläre ich und wundere mich etwas über mich, warum ich eigentlich einer Fremden so offen Familiengeheimnisse offenbare. Wobei meine Schwester ganz offiziell als passionierte Jägerin gilt, da sie keinerlei Hehl aus ihrer Obsession macht.

 

"Demnach hast du ein gutes Verhältnis zu deiner Schwester?"

 

"Wir sind nur sechs Jahre auseinander. Obwohl ich sieben Geschwister habe, waren mein drei Jahre älterer Bruder Novus und meine sechs Jahre ältere Schwester Zethania die Familienangehörigen zu denen ich am meisten Kontakt in meiner Kindheit hatte. Zethania war schon als Kind eher wild, aber ich war ihr super süßer kleiner knuddliger Bruder und hat mich nach Strich und Faden verwöhnt. Eigentlich hat sie eine Karriere als Schiedsfrau angestrebt, aber Vater hat sie dann, kurz bevor sie auf die Akademie gehen konnte, mit einem vier mal älteren Witwer verheiratet, um ein wichtiges Bündnis zu besiegeln. Familienpolitik eben. Meine Schwester hat das nicht so gut aufgenommen. Sie hat ihrem langweiligen Mann zwei Söhne geschenkt, wie es im Vertrag stand und seit dem widmet sie sich nur nur ihren Hobbys und die drehen sich um die Jagd oder eher dem Töten an sich. Je näher an der Beute und härter der Kampf, desto aufregender für sie. Meine Schwester ist eine gute Fechterin und sie liebt es, ihre Beute mit einer guten Klinge persönlich nieder zu strecken."

 

"Warst du schon mit ihr auf einer Jagd zusammen?"

 

"Einmal hab ich mich von ihr dazu breit schlagen lassen. Zethania lag mir schon lang in den Ohren, sie mal auf einer arrangierten Jagd zu begleiten, da die nur einen Tag Zeit kosten. War in einer unteren Zonen, die noch frei zugänglich sind. Das war im sogenannten Labyrinth, in denen dann extra dafür gefangene Muties frei gelassen werden und Jagdteams aus zwei Personen machen dann Jagd auf sie. Je schneller man sie erwischt, desto mehr Punkte bekommt man. Stupides abschlachten von mutierten Menschen, deren einziges Verbrechen oft darin besteht, nicht dem imperialen Reinheitsgebot zu entsprechen."

 

"Findest du dieses Gebot falsch?" Ihre Stimme hat was an sich, dass mich vorsichtig werden lässt. Aber auf der anderen Seite möchte ich doch die Wahrheit sagen. Normalerweise bin ich nicht so offen zu fremden Menschen.

 

"Ich weiß, dass die Ekklesiarchie verkündet, der offensichtliche Makel der Mutation ist ein Zeichen der inneren Sünde. Die Muties auszurotten, so lange sich keinen wirtschaftlich wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung beitragen, ist Gesetz. Den Mutanten musst du töten. Ihn auszulöschen ist ein Gebot vom Imperator auf seinem Goldenen Thron zu Terra selbst. Aber Mutation kommt eigentlich durch schlechte Lebensumstände der Eltern. Ihr Makel ist schon durch ihre Geburt festgelegt und sie können nichts dafür oder was daran ändern. Ich habe mich nicht gut dabei gefühlt, schlecht bewaffnete Muties abzuschlachten, deren primäres Verbrechen darin bestand, so geboren zu sein. Nur um meiner Schwester zu gefallen fühlte sich das Falsch an", fasse ich meine Meinung zu diesem Ereignis und dem daraus resultierenden Thema zusammen. "Auf alle Fälle gab sie mir Tipps, wie man in den Tiefen von Sibellus überlebt."

 

"Du gingst von Anfang an von einer Falle aus?", fragt sie mich.

 

"Nein, ich ging eher davon aus, dass sich Crestus entweder eine Fälschung hat andrehen lassen, er zu blöd sein würde, die Karte zu lesen und wir uns hoffnungslos verirren. Oder wir eventuell tatsächlich in einen Hinterhalt geraten."

 

"Warum hast du einen Hinterhalt vermutet?"

 

"So eine Jagd fern von jeder Verstärkung ist ein guter Zeitpunkt so jemanden wie Crestus los zu werden. Er hat zwei jüngere Brüder, die wahrscheinlich nicht so total verblödet sind wie er. Auch möglich, dass sein Großvater ein einsehen mit ihm hatte und ihn nun sauber los werden wollte. Er hat viele Feinde angesammelt. So ziemlich jeder in der Akademie hat den einen oder anderen Grund, Crestus zu töten. Sei es, weil er einen Kameraden von ihm ermordet, eine tödliche Beleidigung ausgesprochen hat oder auch nur, weil Crestus so ein Haufen thronverdammter Groxdung ist."

 

"Aber das ist ja nicht passiert."

 

"Leider nein, Scintilla wäre jetzt ein besserer Ort", seufze ich ehrlich.

 

"Wie hast du dich dann letztendlich auf die Jagd vorbereitet?"

 

"Crestus ließ mir freie Hand bei den Vorbereitungen, weil er selbst zu Faul war, sich mit der Materie zu beschäftigen und er wohl dachte, er hätte seine Arbeit getan, in dem er die Karte besorgt oder wohl eher zugespielt bekommen hat. Mein ursprünglicher Plan war ja, wir machen eine Treibjagd. Wir teilen uns in zwei Segmente auf. Ein Segment bezieht Stellung an einer Engstelle, dass andere Segment treibt auf Motorrädern sitzend in loser Kette die aufgescheuchten Mutanten zu der Stellung, wo sie in einer überlappenden Todeszone abgeschossen werden. Hatte schon für eine Option auf zwanzig bewaffnete Fahrzeuge eine Anzahlung geleistet. Das wäre ein Spaß gewesen, mit denen durch die Untermakropole zu heizen. Aber nein, Crestus hatte ja diese super tolle geheime Karte von weiß Imperator sonst wo her. Das warf meine ganzen Überlegungen komplett über den Haufen.

 

Also wies ich meine Trupps auf Zethanias Rat hin an, soviel Munition und Granaten wie nur irgendwie möglich zu tragen. Auch sorgte ich dafür, dass wir unsere Waffen in Bezug auf Kaliber und Munition aufeinander abstimmten. Einige waren sauer, weil sie dadurch ihre Handgefertigten Unikate nicht mitnehmen konnten, aber so hatten wir einen Berg an Munition dabei, die jeder benutzen konnte. Und Handgranaten, Minen und Richtladungen. Dazu noch Konzentratnahrung für eine Woche und Geräte zur Wasserreinigung, falls wir uns verlaufen sollten", fasse ich die Vorbereitungen zusammen.

 

"Du hast also mit dem schlimmsten gerechnet. Und wie ging es dann weiter?"

 

"Ein guter Anführer bezieht Friktion mit in die Planung mit ein", erkläre ich abgeklärt. "Eine Kolonne Dreiachser brachte uns dann in das uns von den Ausbildern der Akademie eigentlich zugeteilte Jagdgebiet. Wir stiegen aus, bildeten eine Kolonne und marschierten dann von Crestus selbst geführt durch die verlassenen Ruinen der in diesem Bereich schon fast leeren Untermakropole. Die dortigen Bewohner haben dort Posten und Alarmketten installiert. Sobald die einen Jagdtrupp ausmachen, gibt es Alarm und alle gehen stiften. Kein Abschuss tat sich dadurch auf. Crestus führte uns dann durch einen alten Treppenschacht in die Tiefe", beginne ich zu erzählen.

 

"War dieser Schacht versiegelt?", unterbricht mich Augusta an diesem Punkt.

 

"Keine Ahnung, als Nummer zwei in der Befehlskette war ich in der Nachhut und habe nichts mitbekommen, was vorne im Detail passiert ist. Wir hielten kurz, ein Schott wurde geöffnet und wir sind rein. Ich bin vom Magistrat, den Arbites und der Inquisition gelöchert worden, ob wir irgend ein Siegel abgerissen und uns unerlaubt Zugang verschafft haben. Ich kann ehrlich behaupten, ich hab weder ein ganzes noch ein zerstörtes Siegel gesehen. Auch hat das Schott zu öffnen keine fünf Sekunden gedauert. Wir haben uns weder hinein gesprengt noch irgend was daran kaputt gemacht. Die haben alle darauf herum geritten, keine Ahnung warum. Ist eigentlich für mich auch egal. Es ging nach unten, der uralte Durabeton war von herunter fließenden Wasser ziemlich ausgewaschen. Teilweise haben wir auch klettern müssen. Zum Glück hatten wir ausreichend Kletterhaken und Seil dabei. Dann sind wir irgendwann ganz unten angekommen. Wir standen kann knietief in Abwässern, die wahrscheinlich Wochen gebraucht haben, um von ganz oben bis ganz unten zu kommen. Da drin schwammen ganz weiße Fischviecher ohne Augen von einer Armlänge. Clemens Malakan, unser Experte für die Geschichte der Makropole Sibellus hat gemeint, wir wären wohl auf der untersten Ebene, also die erste Schicht, die vor zweineinhalbtausend Jahre besiedelt wurde."

 

"Das war sicher beeindruckend", meint Augusta nun.

 

"Wäre das Exkurs in die Geschichte unserer Welt gewesen, gewiss. So standen wir in einer stinkenden Kloake mit blinden Viechern mit der Sorge, dass da größere Viecher im Wasser lauern könnten, die uns dann als Hauptmahlzeit betrachten. Ganz abgesehen davon, dass wir ohne Abschuss schon über sechs Stunden unterwegs waren."

 

"War dir klar, dass der Zug inzwischen das zugewiesene Jagdgebiet verlassen hat?"

 

"Wir haben die horizontalen Eckdaten des uns zugewiesenen Sektors nie verlassen. Von einer vertikalen Beschränkung stand nichts in der Missionsbeschreibung. Alles was sich in Planquadrat Ito zwo befindet ist zum Abschuss freigegeben. Punkt!" Ich mach deutlich, dass ich über diesen Umstand nicht in meiner Freizeit diskutieren will, dass habe ich schon fünf mal hinter mir. Zuerst bei der Rückkehr mit einem unserer Lehrer, der für Transport und Rücktransport zuständig war. Dann mit Beamten des Magistrats, dann mit Ermittlern des Adeptus Arbites. Weiter ging es dann mit der Inquisition und heute Morgen gab es noch mal bei der Nachbesprechung Ärger deswegen. Wobei sich Oberst York sich schon vor Tagen rar gemacht hat, was mir schon zu denken gibt, da er doch unser Jahrgangslehrer ist.

 

"Und wie ging es dann weiter?"

 

"Wir marschierten dann weiter durch einem uralten Abwasserkanal, kamen dann aber bald ins trockene. Die Stimmung war nicht gut, leichte Erschöpfung, Rüstung verdreckt, da wir teilweise bis zur Brust im Wasser standen. Und kein einziger Mutie hatte die Freundlichkeit, sich uns zum abschießen in den Weg zu stellen. Ein Parameter der Mission war, dass wir nach achtundvierzig Stunden spätestens zurück sein mussten. Jedem war klar, der Aufstieg würde noch mal deutlich länger dauern, also hatten wir dato noch etwa 24 Stunden Zeit um Abschüsse zu generieren und hier war nichts zum töten! Das sorgte für ordentlich Verdruss. Schließlich ging es an einem kleinen Frachtbahnhof vorbei in einen Eisenbahntunnel. Die Röhre führte uns in einen Hohlraum, in der sich die Trümmer einer Statue befanden. Ich denke mal, dass war der große Reformator Sebastian Thor, da das Gewand jede Menge Falten hatte. Wir gingen durch eine der Spalten und dann....", ich senke meine Stimme und versuche so Spannung zu erzeugen. Ich merke, wie Augusta an meinen Lippen hängt und sich interessiert vorbeugt. Wieder mache ich mir Gedanken darüber, warum sie dieses Thema so fasziniert. Will sie mich so besser kennen lernen, in dem ich meine Heldentaten zum Besten gebe?

 

Gedanke des Tages

 

Somit kommen wir nun zum Genretypischen Gemetzel. Vielen Dank für die beiden Likes.

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So jetzt schreibe ich mal was!

 

Für deinem Star Wars Band konnt ich mich nicht so recht begeistern (werd ihn aber nochmal anlesen, vielleicht einfach nur Ungewohntheit für mich, StarWars hab ich bisher immer nur gesehen, nicht gelesen und eine lange Forumspause) Aber hier bin ich auf jeden Fall wieder als Leser mit dabei.

 

Flegeln sie weiter, Herr Conari! :ok: 

bearbeitet von Avalus
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Am 10.8.2021 um 12:51 schrieb Avalus:

So jetzt schreibe ich mal was!

 

Für deinem Star Wars Band konnt ich mich nicht so recht begeistern (werd ihn aber nochmal anlesen, vielleicht einfach nur Ungewohntheit für mich, StarWars hab ich bisher immer nur gesehen, nicht gelesen und eine lange Forumspause) Aber hier bin ich auf jeden Fall wieder als Leser mit dabei.

 

Flegeln sie weiter, Herr Conari! :ok: 

Aber immer doch! Danke fürs Kommentieren.

 

Kapitel IV

 

"Und dann erfolgten in kurzer Zeitspanne zwei Explosionen. Eine vor uns, eine hinter uns", fahre ich mit der Erzählung der großen Jagd fort. Momentan spielen wir nicht, da Augusta sich auf meine Heldengeschichte vollkommen fokussiert. "Offensichtlich waren wir in eine vorbereitete Falle gelaufen. Überraschung!", rufe ich aus und hebe meine Hände zum Himmel. Pflichtschuldig lächelt Augusta bei meiner theatralischen Übertreibung.

 

"Überall Staub, meine Ohren haben geklingelt und schnell habe ich festgestellt, dass wir nicht mehr zurück konnten, da die Wand eingestürzt und die Trümmerwand momentan unüberwindlich war. Also bin ich nach vorne gelaufen, wo sich unser glorreicher Anführer befand, da auf keine meiner Anfragen über Funk reagiert wurde. Wobei die Funkdisziplin gerade echt Thronverdammt am Arsch war, um es mal ganz vulgär zu formulieren.

 

Da stand Crestus Cascandor nun, in der einen Hand sein Auspex, auf dem gerade von vorne, links und rechts sich viel zu viele Blips bildeten. In der anderen Hand die Karte. Vollkommen erstarrt und nicht ansprechbar. Seine Vasallen um ihn herum, die anderen Truppführer auf Anweisung wartend. Und ich konnte auf meinen eigenen Auspex sehen, der Feind baut massiv über uns auf und wir stehen doof herum in einer überaus Thronverdammten Situation. Vor uns ging es auch nicht weiter und da ich nicht warten wollte, bis Crestus aus seiner Erstarrung aufwacht und noch mehr Groxdung anrichtet, habe ich ein Trümmerstück genommen und da jetzt oben Feinde visuell zu sehen waren, schauten alle nach oben. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und ihn hinterrücks den Stein auf den Kopf gehauen...", erzähle ich und muss grinsen, als ich an den Moment zurück denke und wie Thronverdammt gut sich das angefühlt hat. Aber ich hätte ihn einfach erschießen sollen, wäre für das Imperium und die Menschheit besser gewesen.

 

"Du hast ihm einen Stein auf den Kopf gehauen?", hakt Augusta etwas verunsichert nach. Diesen Umstand habe ich bisher noch niemand außer Kleist erzählt.

 

"Ja, sag ich doch. Achtung Trümmer von oben, rief ich danach und so dachten alle, ein Stein von oben hätte ihn getroffen. Oder auch nicht, ich schätze, einige herumstehende haben durchaus mitbekommen, was ich da gemacht habe. Aber da keiner eingegriffen oder was gesagt hat, schätze ich mal, es war in ihrem Sinne. Dann rief ich: Ich Übernehme das Kommando. Sektoren verteilen nach Schema Alpha! Feuerschutz nach oben, erschießt alles, was sich zeigt! Und sie taten es! Das war ein richtig gutes Gefühl.

 

Beim vorgehen habe ich eine Art Kamin auf der linken, der höheren Seite gesehen. Also ging ich zurück und schaute, ob ich da hoch komme. Schien machbar zu sein, also nahm ich einen Halbtrupp nach oben, während Kleist mit dem LMG und der Rest unten Feuerschutz gab. Hier hatte der Feind die Stellung noch nicht besetzt. Also kletterte ich mit Hilfe meiner Hakenpistole als erster nach oben, war trotz Kletterausrüstung nicht einfach, da jetzt keine Zeit für absichernde Haken und Sicherungsseil war. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich dachte die ganze Zeit über: Hoffentlich wirft keiner eine Granate, einen großen Stein oder was Spitzes nach unten. Der Kamin war etwas um die fünfzehn bis achtzehn Schritt hoch. Von unten hatte das gar nicht so hoch ausgehen, aber drinnen zog sich das ewig hin, auch wenn ich mit aller Kraft mich da hoch gearbeitet habe. Ich hatte auf alle Fälle eine thronverdammte Angst da runter zu rauschen und mir war klar, ein gebrochener Knochen bedeutet in so einer Situation unweigerlich das Ende. Aber ich kam oben an, als gerade die erste Mutantenfresse mit einem recht neu aussehenden Lasergewehr mit aufgesetztem Bajonett in den Händen um die Ecke gebogen kam. Sofort zog ich meine Puritaner Exekutionspistole und schoss ihn ein panzerbrechendes Explosionsgeschoss in den deformierten Schädel. Der ist richtig explodiert! Ich hab dann noch gesagt: Das hat mir jetzt mehr weh getan als dir. Schließlich leben wir in den Siebzigern, da kann man einen Mutie nicht mehr einfach über den Haufen schießen, sondern muss noch einen coolen Spruch dazu sagen. Auch ist solche Spezialmunition unglaublich teuer." Augusta lacht pflichtschuldig auf, schließlich muss sie zeigen, dass ihr zukünftiger Gönner witzig ist. Und vielleicht bin ich das sogar. Wenn man fast nur von Leuten umgeben ist, die finanziell abhängig von einem sind, wird es schwer zu sagen, ob die eigenen Witze nun wirklich witzig sind oder alle nur Pflichtschuldig darüber lachen, um mir eventuell nicht zu missfallen.

 

"Ich wartete, bis die anderen vom Halbtrupp oben waren. Zwei Kadetten ließ ich den Aufgang sichern, befahl den anderen Halbtrupp hoch zu kommen, während die anderen drei Trupps unten sichern sollten, bis auch sie nach und nach hoch kommen konnten. Wir hatten hier oben die bessere Position und auf meinem Auspex war zu sehen, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Feind deutlich stärker aufbaute, während auf dieser Seite der Gegner sich nur langsam verdichtete", erzähle ich weiter und habe inzwischen einen trockenen Mund. Aber Augusta hat schon reagiert und mir ein weiteres Glas von diesem wirklich leckeren Schaumwein eingeschenkt, der meine Kehle anfeuchtet.

 

"Mit zwei anderen begann ich nun den Laufgraben aufzuräumen. Ich hielt den Auspex, Gallus Masari warf die Granaten, Rada Horne räumte mit ihrem Sturmlasergewehr auf und ich richtete die mit der Puritaner 14 Executerpistole jene hin, die danach noch zuckten. Wie im Leerbuch gelang es uns den oberen Laufgraben, der genau genommen aus einer Falte des Gewandes der Statue bestand, nach und nach zu säubern. Das war ziemlich aufregend, ich hatte nun gar keine Zeit mehr Angst zu haben. Ziel ausmachen, Entfernung ansagen, Explosion abwarten, vorrücken und sichern. Nebenbei den Jungs und Mädels noch Mut zusprechen. Dann wieder alles von vorn. Das mussten wir vierzehn mal machen. Jedes mal war das eine wahnsinnige Sauerei. Granaten entwickeln in den steinernen Gängen ein ziemliche Wucht und vielen Muties wurden Gliedmaßen abgerissen. Oder aus ihren Unterleibern quollen die Innereien heraus und man musste echt aufpassen, auf was man trat. Rada ist mal ausgerutscht und ihr Arm ist dann in einen offenen Bauch von einem tödlich verwundeten Mutie gerutscht. Die hatte deswegen dann richtig Panik, aber ich konnte ihr aufhelfen, sie beruhigen und auf Kurs zurück bringen. Auch sterben viele nicht sofort, sondern schreien oft noch herum, versuchen ihre Innereien wieder in sich hineinzustopfen oder fuchteln mit ihren Stümpfen stupide herum, ohne zu kapieren, dass sie gar keine Hände mehr haben. Auch koten sie sich ein. Auf der Akademie war das ein staubtrockenes Thema, in der Realität war das der blanke Horror. Ich hab so getan, als wäre es das natürlichste auf der Welt, durch zerfetzte Leiber, Blut, Kot, Urin und Innereien zu waten, während man beschossen wird. Ich denke, ich konnte mit meinem Verhalten die anderen Beiden weit genug inspirieren, um sie am funktionieren zu halten. Wir hatten ja nicht wirklich viel Zeit und mit jedem Herzschlag wurde der Feind mehr und mehr." Meine Stimme versagt kurz und ich muss einen tiefen Schluck nehmen. Darüber zu reden wühlt mich durchaus auf. Und eigentlich wollte ich die ganzen blutigen Details ausklammern. Aber irgendwie habe ich das dringende Bedürfnis, mich vor Lady Augusta ohne Maske zu offenbaren. Ihr die Schrecken des Kampfes zu zeigen, die in den Romanen und Filmen so gern ausgeklammert werden. In den Filmen in den Lichtspielhäusern und dem Televid sieht man die Gegner immer schnell sterben. Keiner kriecht da panisch weg, schreit herum oder ist vor Schock erstarrt, während er in seinem eigenen Kot liegend elendig krepiert. Oder stellt sich tot, kriecht unter einem gefallenen Kameraden, um dem Zorn der Gerechten zu entkommen.

 

"Dann kamen wir an einen Spalt, aus dem der Feind sickerte. Ich nehme an, wegen dem Auspex haben sie sich nicht vorher in Position gebracht, sondern mit großen Abstand gewartet. Gallus warf eine geballte Ladung hinein und der Spalt ist kollabiert. Damit hatten wir diese Stellung genommen und gesichert. Die anderen waren schon dabei, die gegenüberliegende tieferen Laufgraben großflächig zu bestreichen. Auch hier gab es einen Spalt, durch den sich der Feind zwängte. Gallus brauchte neun Würfe mit Handgranaten, bis das Ding endlich zusammen brach und davon gingen nur zwei nicht rein. Damit waren wir nun in einer guten Position, da der Feind nun über die selbst von ihm geschaffene Barriere musste, um uns zu erreichen. Das gab uns Zeit, unsere inzwischen mehrere Verwundete und natürlich den immer noch bewusstlosen Crestus hoch zu schaffen. Wir nahmen unsere Trophäen, da dies ja immer noch eine Jagd war und ich befahl über den oberen Graben in den Rückwärtigen Raum abzurücken, bevor der Gegner anfängt, auszuschwärmen und uns von weiter oben zu überflügeln", erzähle ich und nippe am Schaumwein.

 

"Warum hast du nicht versucht, den Gegner vor vorderen der Barriere zu vernichten?", fragt sie und besinnt sich wieder darauf, dass hier noch eine Partie Königsmord läuft.

 

"Es waren mir zu viele Blips auf dem Auspex. Dies war eine Falle und jemand meinte es verdammt ernst. Allerdings hielten die sich anfangs ziemlich zurück, was mir zu denken gab."

 

"Und was waren deine Gedanken?", hakt Augusta neugierig nach.

 

"Das sie wohl zuerst versucht haben, uns lebendig zu bekommen. Deswegen haben sie auch die Sprengladungen nicht da gezündet, wo sie uns hätten sofort erledigen können. Dies ganze diente dazu, uns dort unten festzunageln."

 

"Kannst du dir vorstellen, warum?"

 

"Ich denke mal, die wollten Lösegeld von unseren Familien erpressen. Unter uns waren Angehörige der wichtigsten und reichsten Familien von Scintilla. Da kann man einiges an Thronen verlangen, besonders wenn es sich um Erben wie Crestus handelt."

 

"Ist das für so primitive Mutanten nicht ein sehr ambitioniertes unterfangen?", stellt sie meine Theorie in Frage.

 

"So gesehen ja, aber ich denke, die hatten Hilfe von jemanden erhalten, die ihnen auch die neuen Waffen und den Sprengstoff gegeben hat. Vielleicht ein geflohener Renegat mit Schwarzmarktverbindungen und genug Thronen um das Unterfangen vorzufinanzieren. Die Waffen waren neu, wenn auch von minderer Qualität. Sie hatten die typischen roten Holzschäfte der Merovech Werke, aber ohne Produktions oder Abnahmestempel. Ausschussware würde ich mal sagen."

 

"Ausschussware?", hakt Augusta nach.

 

"Produkte, deren Maschinengeister Unwillens sind oder sichtbare Beschädigungen aufweisen und so die abschließende Qualitätskontrolle nicht passieren, werden ungestempelt in Kisten zur Verschrottung gesammelt. Die Waffen, die noch halbwegs nach was aussehen, werden dann von der Crew aussortiert, die sie eigentlich zerstören sollte. Die werden dann zu Gebinden von zwölf gesammelt und auf dem Schwarzmarkt verkauft", erkläre ich ihr die Gebräuche in solchen Manufakturen. Da meine Familie ein Anteilseigner des Merovech Kartells ist, habe ich solche Waffenfabriken schon besucht. Und erklärt bekommen, wie das Geschäft funktioniert und auch eben, was mit dem Ausschuss und Bruchschaden passiert.

 

"Ist das nicht ein äußerst verwerfliches Gebaren?"

 

"Das ist ein kleines Zubrot für die Schuldknechte und freien Arbeiter. Sie haben so das Gefühl, dem System ein Schnippchen zu schlagen und belassen es dabei. Klar werden so auch teilweise Produkte nur deswegen sabotiert, aber wenn eine solche Kreatur auffällt, bekommt sie ihre gerechte Strafe. Und diese Kontingente ungestempelter Waffen werden oft von Adligen aufgekauft, die sie wiederum an gewaltbereite Individuen verkaufen, die damit temporär für Unruhe stiften. Die Maschinengeister der Waffen neigen dazu, recht schnell rebellisch zu werden und treten in einen solchen Streik, dass sie kein noch so inbrünstiges Versöhnungsritual sie umzustimmen vermag. So sorgt man für Schlagkraft für einen kurzen Zeitraum und kann dann im Gegenzug diese Individuen mit wenig Risiko entfernen, sobald sie lästig werden. Schon viele unwichtige Söhne oder Töchter konnten so ihren Wert ihren Familien beweisen, in dem sie Aufstände nieder kämpfen, die sie selbst angezettelt hatten.", erkläre ich Augusta die Regeln des inszenierten Aufstandes.

 

"Würdest so zu solchen Mitteln greifen?" Ihre Stimme hat etwas lauerndes, trotzdem antworte ich ihr vollkommen ehrlich: "Nein, so was würde ich nie tun. Das ist unter meiner Würde." Was der Wahrheit entspricht, dafür hat man Vasallen, die das für einen erledigen, aber das spreche ich nicht aus, da ich mir auf die Zunge beiße.

 

"Und was passiert mit solch korrumpierten Schuldknechten, die so infam ihre heilige Arbeit sabotieren?", fragt mich die junge und äußerst neugierige Kurtisane weiter aus.

 

"Sie werden ausgepeitscht, gebrandmarkt, lobotmisiert und zu Servitoren umgebaut, damit sie auch weiterhin ihre Schuld bis zum Ende ihres jämmerlichen Lebens abtragen können."

 

"Das erscheint mir durchaus angemessen", erwidert sie bar jeder Ironie. "Wer glaubst du, hat diesen primitiven Mutanten die Waffen zukommen lassen?"

 

"Schwer zu sagen. Vielleicht ein Händler? Ich habe gehört, die Untergrundstämme tauschen wertvolle Fundstücke aus der Gründungszeit gegen Dinge, die sie gebrauchen können. Oder eben ein Renegat, mit mehr Thronen als Verstand, das das ganze Dilemma angeleiert hat."

 

"Du glaubst nicht, dass vielleicht ein anderes Haus involviert war?"

 

"Ein anderes Haus, dass uns als Geiseln hätte nehmen wollen, hätte Profis für einen solchen Hinterhalt angeworben. Wie heißt es so schön, in Stahlstadt bekommt man einfacher einen Auftragsmörder angeheuert als eine fähige Küchenhilfe. Allein ich könnte was besseres auf die Beine stellen als das, was die Mutantenfressen da abgeliefert haben", verkünde ich nicht ohne Stolz in der Stimme.

 

"Gut, kommen wir zum eigentlichen Geschehen zurück, was war dann?", wendet Augusta sich wieder dem eigentlichen, sehr viel interessanterem Thema zu, nämlich wie ich heldenhaft meinen Zug gerettet habe.

 

"Wie gesagt, es waren zu viele Muties und ich befürchtete, dass die jetzt nachrückenden es persönlich nehmen könnten, dass wir inzwischen mehr als hundert ihrer Angehörigen umgebracht haben. Ich ging davon aus, dass sie nun von der Gefangennahme eher in Richtung Vergeltung gehen, da sie so keine reale Chance mehr hatten, uns aus einer überlegenen Position Matt und damit gefangen zu setzen."

 

"Was passierte dann?"

 

Gedanke des Tages

 

Ich hoffe, diese Art der Erzählung über ein Gespräch kommt an. Vielen Dank für die Likes. Habe mich sehr darüber gefreut.

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Am 17.8.2021 um 10:27 schrieb Zanko:

Ich bin zwar in dem 40K Universum nicht bewandert, nichtsdestotrotz gefällt mir das Setting Deiner Geschichte sehr gut. Interessanter Beginn ... :popcorn: ich bin dann mal gespannt was da noch kommt! :ok:

Hoffentlich noch genug guter Stoff. :D

 

Kapitel V

 

"Was passierte dann?", fragt mich Lady Augusta, von meiner spannenden Erzählung immer noch ganz gebannt. Ich hoffe jedenfalls mal, dass sie meine Erzählung wirklich spannend findet und nicht nur so tut, als ob.

 

"Ich ließ die Stellung räumen und bildete mit meinem Trupp die Nachhut. Wir kamen aber beim Absetzen allerdings nur langsam voran. Erst einmal mussten wir wieder kletternd hinter des Einsturzes nach unten kommen, dann behinderten die Verwundeten uns. Auch mussten wir zwei Gefallene zurück lassen. Wahrscheinlich sind die im Kochtopf gelandet. Aber wir präparierten ihre Leichen mit Minenfallen, um dem Feind das zerlegen zu erleichtern", erzähle ich betont zynisch, um meinen Schmerz nicht zeigen zu müssen. Es fiel mir schwer, zwei gefallene Kameraden zurück zu lassen, auch wenn diese anderen Häuser angehörten, die mit dem meinen konkurrierten. Das waren meine Kameraden, in dem Moment meine Untergebenen, da ich das Kommando an mich gerissen hatte.

 

"Wir konnten etwas Vorsprung gewinnen, aber zu wenig, um uns wirklich dauerhaft vom Feind zu lösen. In unregelmäßigen Abständen platzierten wir unsere Minen mit Annäherungszündern. Wir stellten sie immer mit mehr Verzögerung ein, da der Feind wahrscheinlich nach den ersten Treffern seine Vorhut immer weiter auseinander gezogen voraus schicken würde. In regelmäßigen Abständen erfolgten dann auch die Detonationen. Und dann sah ich, wie sich vier Blips unglaublich schnell auf uns zubewegten. Ich ließ meinen Trupp halten und eine Schützenlinie bilden, ich war das Zentrum, mein Vasall Kleist mit dem Maschinengewehr links von mir. Dann platzierten wir einige Richtladungen vor unserer Stellung. Noch bevor wir sie sahen, ließ ich Sperrfeuer geben. Ich zog mein Monoschwert und nahm die Puritaner in die linke Hand. Das Sperrfeuer erwischte schon mal einen, drei kamen aber weiter auf uns zu. Kleist pflückte zuerst den einen aus der Luft, dann den anderen, als die uns regelrecht durch das Sperrfeuer hindurch ansprangen. Ich kenne niemanden, der das Universalmaschinengewehr so zu führen vermag. Kleist ist ein wahrer Künstler, ein Virtuose der Massenvernichtung. Die Richtladungen gingen nun hoch, verlangsamte aber den letzten Angreifer nur. Der vierte Mutant brach schier durch den Splitterregen. Zwar Verwundet, aber noch voll kampffähig. So ein Ding hab ich noch nie gesehen. Sechs Beine mit viel zu vielen Gelenken, peitschende Tentakel mit Klingen und ein riesiges Maul...", meine Stimme verstummt, ich sehe wieder das Ding vor mir. Viel zu viele Zähne, ein Kranz aus nach innen gebogenen Dolchen. Auf seine Art ein tödliches Werkzeug, um seine Beute in Scheiben zu schneiden. Aber keine Augen, keine Nüstern, sondern schwammig wirkende Wülste, als bestünden sie aus nekrotischem Fleisch.

 

"Beinahe hätte das Ding mich erwischt. Einen Hieb konnte ich ganz knapp noch ausweichen, dass ist der blaue lange Fleck auf meiner Brust, die andere parierte ich mit dem Schwert und setzte dann eine Minigranate aus dem zweiten Lauf meiner Puritaner mitten ins Maul von der Bestie. Das Ding ist von Innen heraus explodiert und ich war von bis unten mit unreinem Blut der Kreatur besudelt. Das war nicht nur eine Sauerei, sondern auch wortwörtlich ätzend. Du glaubst gar nicht wie froh ich war, dass meine Gardistenrüstung versiegelt und bis zu einem gewissen Grad Säureresistent war. Das waren verdammt gut investierte Throne gewesen, da die Versiegelung und der Säureschutz echt in mein Budget reingehauen hat. Zethania hat darauf bestanden und hätte sie mich nicht so damit genervt, hätte ich mir womöglich die Throne gespart und jetzt mit einem grausamen Preis meinen Geiz bezahlt."

 

"Das nenne ich mal Glück im Unglück. Der Imperator hat dich wahrlich beschützt." Lady Augusta formt ihre Hände zum Aquila und reflexartig tu ich es ihr nach. "Was war das für eine Kreatur?"

 

"Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Vielleicht war es irgend eine exotische Todesweltbestie, von der ich noch nie etwas gehört habe. Ich habe schon einige Menagerien und Gruben mit Kämpfen mit grausigen Todesweltbestien besucht, aber keines war so gewesen wie das Monster im Tunnel. Trotzdem hatte das Ding etwas an sich, als wäre es nicht natürlich. Die Beine wirkten so, als wären sie aus Metall, ebenso die Spitzen der Tentakel. Auch wenn es ein Lebewesen war, schien es doch auch mit künstlichen Komponenten regelrecht verschmolzen zu sein."

 

"Ein Mordgholam?"

 

"Möglich. Aber es ähnelt keinem Typ, den ich je auf einem Bild gesehen habe." Als Sohn eines Lord-Vorsitzenden einer wichtigen Adelsfamilie wurde ich Früh mit den Möglichkeiten der Attentäter vertraut gemacht, so jemanden wie mich erfolgreich zu töten. Ein Mordgholam ist eine zum töten gezüchtete oder gebaute Kreatur, geboren aus verbotener Techhexerei. Aber wer hochrangige Vertreter von Adelshäusern oder imperialen Institutionen ermorden wollte, griff eben auch auf solch infame Mittel zurück. Auf alle Fälle habe ich Bilder von Mordgholam in allen Variationen schon gesehen, da sie meist ihre Aufgabe nicht überleben. Darauf sind sich auch nicht ausgelegt, sondern darauf, maximalen Schaden beim Gegner anzurichten und ihn somit aus dem Diesseits zu entfernen.

 

"Als ich es näher untersuchen wollte, begann der Leib zu schwelen, als würde er von Innen heraus verbrennen. Die Haut des Dings schlug dann Blasen, zuckte und zerfloss zu einer dampfenden Brühe ätzenden Schleims. Auch die Beine und die Tentakel lösten sich einfach auf. Ich habe so was noch nie zuvor gesehen oder auch nur gehört!" Ich schüttle mich und dieses mal mache ich den Aquila vor meiner Brust. Eigentlich wollte ich ja mit meinen glorreichen Taten angeben und nicht über das Grauen sprechen, welches dieser Anblick in mir hinterlassen hat. "Schließlich war nichts mehr davon übrig. Auch die anderen Kreaturen hatten sich buchstäblich in Luft aufgelöst."

 

"Der Imperator beschützt!" Mit einer tröstenden Geste beugt sie mich vor und drückt mich an meine Schulter. Ihr Tonfall ist dabei vollkommen aufrichtig und der Glaube an die Allmacht des Gottimperators auf seinem Goldenen Thron auf Terra hilft mir, den Schrecken abzuschütteln und mich auf das Jetzt wieder zu konzentrieren. Ich fahre fort, von meinen Erlebnissen zu erzählen.

 

"Sofort lies ich abbauen und wir schlossen zum Hauptsegment wieder auf, der Feind kam immer näher und die Minenfallen schienen sie nicht wirklich zu verlangsamen. Auch setzte ich dann die letzte Falle. Ehrlich gesagt bekam ich es nun mit der Angst zu tun, weil ich diese Opferbereitschaft nicht nachvollziehen konnte. Der Stamm hatte jeden Vorteil verloren und außer blinder Rache konnte er nichts mehr gewinnen. Warum sie trotz gewaltiger Verluste uns immer weiter nachsetzten kann ich nicht erklären." Ich räuspre mich und warte auf eine der üblichen Zwischenfrage der hübschen, klugen und überaus neugierigen Kurtisane, aber dieses mal kommt keine.

 

"Aber wir haben so bis dahin einen Kontakt mit dem Gros der Verfolger vermieden und konnten uns dann in den Ruinen eines alten Bahnhofes am Ende des Tunnels neu formieren. Hier fanden wir nicht nur gute Deckung, sondern auch eine richtig schöne Todeszone mit zwei sich überlappenden Schussfeldern. Ich ließ hier Stellung beziehen, setzte die verbliebenen Richtladungen und nahm meine Position an der Nahtstelle ein, um von dort optimal das Feuer zu leiten und jeden vorwitzigen Mutie mit meinem Schwert zu töten, der es bis hierher schaffte. Ich hielt noch eine Ansprache, appellierte an ihre Tapferkeit, Mut und Durchhaltevermögen. Erinnerte sie daran, dass schon unsere Vorfahren gemeinsam im Angevin Kreuzzug und im Meritech Krieg Seite an Seite gestanden sind. Für mich überraschend kam die Rede gut an, auch wenn sie für mich sich ziemlich schwach angehört hat. Aber keine Sekunde zu Früh, der Feind war heran und wollte unser Blut sehen. Um es kurz zu machen, die Muties verhielten sich ziemlich dämlich, stürmten frontal unter großem Gebrüll heran. Die Horde war so gut wie nicht geführt. Die einen waren mit primitiven Nahkampfwaffen bewaffnet. Also zu Knüppeln entfremdete Stahlrohre, angeschliffene Eisenstreben als scharfe Hiebwaffe und hier und da sogar eine richtige Nahkampfwaffe. Die anderen Muties hatten diese Merovech Ausschusswaffen und konnten nicht wirklich damit umgehen. Einige blieben zum schießen stehen, nur um dann von den nach stürmenden einfach umgerannt zu werden. Reines Chaos und vollkommen unkoordiniert. Sehr motiviert mit großer Opferbereitschaft, aber vollkommen planlos, dazu noch nicht mal rudimentär ausgebildet, so könnte man die Feindlage beschreiben", fasse ich den ersten Angriff zusammen.

 

"Das war eine gut gewählte Position", merkt sie an. Ich bin nicht sicher, ob sie mir nur schmeicheln will oder genug von der Materie versteht, um sich eine Meinung darüber bilden zu können.

 

"Sie war eben Alternativlos. Es war klar, der Feind ist schneller als wir, ein wirkliches lösen war mit unseren Verwundeten nicht möglich. Diese zurück zu lassen kam für mich nicht in Frage. Gut, Crestus hätte ich denen mit einem Apfel im Maul als Schnürbraten verpackt überlassen. Aber den Rest nicht, auf keinen Fall! Diese Leute hatten mich als stellvertretenden Anführer gewählt und ich konnte dieses Vertrauen nicht brechen. Das wäre gegen alles gewesen, was ich bin und für was ich stehen will. Auch kam es nicht in Frage, hier jemanden als Nachhut zurück zu lassen, um uns anderen Zeit zum Absetzen zu erkaufen. Also mussten wir uns hier alle der Bedrohung stellen. Ich schwor, alle zu retten oder gemeinsam hier mit meinen Leuten zu sterben. Es war ein Glücksfall, dass es diese Ruinen gab und wir sie noch rechtzeitig erreicht haben. Im fast deckungslosen Tunnel hätten sie uns trotz ihrer miserablen Ausbildung irgendwann einfach allein durch ihre Masse zusammen geschossen, nieder gehalten und dann überrannt. Aber so konnten wir unsere überlegene Feuerkraft aus der überhöhten Deckung heraus gut in der Todeszone zur Geltung bringen", lege ich meine Gedanken zu der Situation dar. Die Postion war perfekt. Auch wäre dort notfalls ein Igeln möglich gewesen, falls sie uns überflügelt hätten.

 

"Und wie schlugen sich deine Jungs und Mädels so?", fragt sie mich weiter aus.

 

"Ziemlich gut. War auch nicht schwer, seinen Abschnitt zu sichern und pausenlos mit unseren Lasergewehren in die Horde hinein zu schießen. Es gab einzige zähere Exemplare, die es sogar bis zu meinem Schwert schafften, aber da war dann spätestens Schluss. Ich bin echt froh, dass eine Monoklinge im Drehbankschema sich selbst bei Benutzung schärft, sonst wäre sie schnell durch die Knochen und Blut stumpf geworden. Hier und da habe ich auch ein paar der zäheren Exemplare erschossen. Der unkoordinierte Angriff brach dann auch schnell in sich zusammen und die Überlebenden fluteten zurück. Wir selbst hatten nur zwei Verwundete zu beklagen, aber nichts wirklich dramatisches. Aber auf dem Auspex war zu sehen, dass der Feind sich neu formierte. Und sie erhielten massive Verstärkung. Ich überlegte, ob ich die Stellung aufgeben und schnell abrücken könnte. Aber ich hatte die Befürchtung, dass sie uns in den überfluteten Bereich einholen und dann dort über uns herfallen würden. Also ließ ich die Stellung halten.

 

Der nächste Angriff war da schon deutlich koordinierter. Es gab klare Trennung zwischen Fern und Nahkämpfern. Und sie hatten schwächliche Muties dabei, die sie als mobile Deckung benutzten, bis diese getroffen wurden. Die bauten regelrechte Barrikaden aus den Leichen ihrer Leute, von der sie aus dann den Feuerkampf mit uns aufnahmen. Sie hatten dabei massive Verluste zu erleiden, aber auch bei uns gab es dann den ersten Toten in diesem Gefecht. Das Feuergefecht verlief recht zäh, aber schließlich hatten sie genug Schützen massiert, um uns in Deckung zu zwingen, nachdem wir einen weiteren Gefallenen und mehrere Verwundete zu beklagen hatten. Dann griffen die Nahkämpfer an und ich zündete aus der Deckung heraus unsere Richtladungen, als sie dann nah genug heran waren. Das brachte den zweiten Angriff zum erliegen."

 

"Da war ja einiges los", kommentiert die Kurtisane die Erzählung lapidar.

 

"In der Tat. Sofort begann dann der dritte Angriff mit einer weiteren Welle nach dem schon bekannten und durchaus bewährtem Schema. Dieses mal ließ ich Handgranaten regnen und nachdem fast der Vorrat aufgebraucht war, brach auch dieser Angriff in sich zusammen. Viele Muties waren nur Verwundet und schrien zum Herz erbarmen ihre schrecklichen Schmerzen heraus."

 

"Ging dir das Nahe?", fragt sie mich.

 

"Auch wenn es Muties und unsere Feinde waren, so waren es doch auch irgendwie immer noch Menschen und sie litten furchtbar. Einer meiner Jungs konnte diese schrecklichen Schreie nicht mehr länger ertragen, exponierte sich, schoss wie ein Irrer mit seinem Sturmlasergewehr auf die Verwundeten um sie von ihrem Leid zu erlösen und zog augenblicklich selbst Feuer. Ich konnte ihn gerade so noch in Deckung zurück reißen und ihm gut zureden, so dass er sich wieder einkriegte. Inzwischen hatte der Feind sich zu einer vierten Welle formiert. Da wir kaum noch Handgranaten hatten, beschloss ich, die feindliche Schützenlinie zum schweigen zu bringen. Ich wies neue Abschnitte zu, erinnerte meine Leute um was es hier ging und wir gingen gemeinsam hoch. Einer wurde tödlich getroffen, zwei schwer verwundet. Aber wir konnten nun im Gegenzug unseren Feuerzauber entfesseln und einige der Muties mit Gewehren erledigen und die anderen in volle Deckung zwingen. Trotz dieser miesen Ausgangslage griff dann die vierte Welle trotzdem unverzagt an. Die kamen weiter als die anderen Wellen, da ich das Feuer aufteilen musste, um die Fernkämpfer zu bekämpfen oder in Deckung zu halten, während die anderen die Nahkämpfer ausdünnten. Auch hatten einige Muties nun Metallplatten als Schilde dabei, welche zumindest die Laserschüsse abblockten. Aber unsere panzerbrechenden Geschosse aus den Maschinengewehren gingen durch. Allerdings kamen die Muties dieses mal in großer Anzahl an unsere Stellung heran. Da bekam mein Schwert und meine Puritaner viel Arbeit. Mir ging dabei die Munition für meine Maschinenpistole aus. Und noch schlimmer, mir fielen einfach keine neuen coolen Sprüche mehr ein, so dass ich mich ständig wiederholen musste. Das ging ins Auge oder Pass auf, wo du hintrittst, könnten deine Gedärme sein. So was eben. Das war der stärkste Angriff bisher und ich denke, dass waren weit mehr als zweihundert, die gegen uns anrannten. Schließlich brach auch der Ansturm zusammen."

 

"Das war ja dann doch recht knapp", meint sie zu meiner Schilderung.

 

"Es gab Augenblicke, da dachte ich wirklich, sie würden uns überrennen und ich würde mit meinen Leuten dort sterben. Mehrmals rezitierte ich laut den Katechismus des Kampfes, um die Moral zu stärken. Schätze mal, jeder hatte genau so viel Angst wie ich hier in dieser verdammten Höhle Kilometertief unter der Oberfläche einen schrecklichen Tod zu erleiden. Aber die Moral hielt, ebenso wie unsere Linie.

 

Aber kaum war der Angriff abgewiesen, sah ich auf dem Auspex, dass sich die nächste Welle formierte. Aber es war das letzte Aufgebot von etwa fünfzig weiteren Muties. Ich habe keine Ahnung, wer die da in den Tod schickte. Ich konnte etwa immer ein halbes Dutzend Blips ausmachen, welche weit hinter den Linien zurück blieben. Bei Mutiestämmen führen Häuptlinge eigentlich immer von vorn, aber dieser Schießkerl trieb seinen ganzen Stamm in den Tod. Nach dem ersten so massiv fehlgeschlagenen Angriff hätten die meisten doch einfach aufgegeben und uns ziehen lassen. Was haben die geglaubt, in dieser Situation noch gewinnen zu können? Ausrüstung? Waffen? War es das Wert gewesen?"

 

"Schwer zu sagen, was in so einem verdrehten Mutieschädel vorgeht. Wie ging es dann weiter?"

 

"Die Fünfte Welle kam dann, darunter Halbwüchsige und auch schwangere Weibchen. Es war ein Massaker. Als ob jemand die eigenen Muties alle tot sehen wollte. Sie zogen Munition, dass war es zum größten Teil. Wir hatten keinen einzigen Verlust dadurch. Jedem hätte klar sein müssen, dass dies ein vollkommen sinnloser Opfergang war. Ich verstehe die fünfte Welle einfach nicht. Der erste Angriff scheiterte an mangelnder Koordination, der zweite war schon besser geplant, aber die richtig platzierten Richtladungen haben uns gerettet. Der dritte scheitere an unseren gut geworfenen Handgranaten und der vierte daran, dass wir unter Opfer wieder eine Todeszone errichten und die feindlichen Schützen zum schweigen bringen konnten. Der Fünfte hatte nie eine Chance auf Erfolg. Die Muties waren unglaublich mutig und opferbereit, aber es war letztendlich so sinnlos. Imperator sei Dank hatten die keine Handgranaten oder Brandsätze. Wir wären so was von tot gewesen.

 

Wie auch immer, die Schützen mischten noch einmal mit und wurden dafür dann im Gegenzug ausgelöscht. So wie es das Schicksal des Mutanten nun mal ist. Dann war Ruhe. Wir töteten die verwundeten Muties und ich sah, wie sich die feindliche Führungsriege inzwischen zurück gezogen hat. Es könnte sein, dass der fünfte Angriff nur dazu diente, eine mögliche Verfolgung von uns zu verzögern."

 

"Warum hast du die fliehenden Mitglieder der mutmaßlichen Führungsriege trotz allem nicht verfolgt?"

 

"Wir hatten kaum noch Munition. Richtladungen waren aufgebraucht, Granaten hatten wir insgesamt noch drei Stück als Notfallreserve. Meine Executer war leer. Meine Laserpistole für den Notfall hatte beim letzten Magazin noch eine Ladungsanzeige von fünf Prozent. Kleist hatte noch genau zwei Patronen für sein MG. Einige hatten schon erbeutete Waffen von schlechter Qualität benutzen müssen, trotz unserer einst großen und inzwischen fast aufgebrauchten Munitionsvorräte. Eine der Beutewaffen war explodiert und die Schützin hat ein Auge verloren. Die Versiegelung der meisten Rüstungen war nicht mehr intakt. Drei bewusstlose Schwerverwundete, vier weitere Verwundete waren durch verschiedene Verletzungen auch nicht mehr in der Lage zu kämpfen, sieben andere nur noch eingeschränkt aus einer festen Position heraus. Von einst vierzig Kadetten waren damit fünf gefallen, sieben außer Gefecht, sieben nur noch bedingt stationär Einsatzfähig. Damit waren wir noch einundzwanzig voll einsatzfähige Kadetten. Damit nimmt man keine Verfolgung auf. Es hätte auch eine weitere Falle sein können. Oder sie ließen sich zurückfallen, um weiterer Verstärkung entgegen zu gehen. Also ließ ich sie ziehen, da eigentlich alles gegen eine Verfolgung sprach.

 

Wir nahmen also unsere Trophäen und ich ließ abrücken. Drei weitere tote Kameraden ließen wir hier zurück. Das tat weh. Aber ich war froh, dass ich nicht vor der Wahl gesellt wurde, die Verwundeten zurück zu lassen, um mit leichter Ausrüstung zu fliehen. Der Imperator war mit uns, wir hatten reichlich Trophäen genommen und ich wollte nicht warten, bis sich weitere Muties sammeln und uns vielleicht überflügeln, einkesseln und irgendwann mit gewaltiger Übermacht überwinden. Dank Karte und Auspex fanden wir zurück, ließen uns aufsammeln und dann ging der Ärger los, weil wir eben das eigentlich vorgesehen Jagdgebiet angeblich verlassen haben", lege ich meine Gedankengänge dar.

 

"Wie viele Mutanten habt ihr insgesamt nun wirklich erledigt." Endlich stellt Augusta mal eine Frage, ich nur zu gerne beantworte.

 

"Mehr als ich zählen kann", meine ich befreit auflachend, bevor ich wieder ernst werde. Auch sie lacht pflichtschuldig über meinen Witz. "Fünfhundertsiebenundvierzig bestätigte Abschüsse. Wie viele durch die Fallen und einstürzende Schächte getötet wurden, kann ich nicht einmal grob schätzen. Manche phantasieren von über tausend Abschüssen. Mehr als hundert weitere könnten durchaus realistisch sein. Das weiß der Gottimperator allein, der uns auf unserem Weg beschützt hat."

 

"Der Imperator beschützt!", erwidert sie inbrünstig und sieht trotzdem unglaublich süß aus, als sie den Aquila vor ihren hübschen Brüsten bildet.

 

"Der Imperator beschützt!", bestätige ich ebenso ehrlich und forme ebenfalls einen Doppelköpfigen Adler. Inzwischen ist mir wieder leichter ums Herz.

 

"Und woraus bestand dann der Ärger?", fragt sie und wir nehmen das Spiel wieder auf, da dieser Teil der Geschichte nicht so nervenaufreibend war. Jedenfalls bis zu dem Punkt, wo wir in die Fänge der Inquisition gerieten.

 

Gedanke des Tages

 

Nachdem Ärger ist vor dem Ärger. Vielen Dank für die Likes.

bearbeitet von Nakago
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vor 22 Minuten schrieb Nakago:

Der vierte Mutant brach schier durch den Splitterregen. Zwar Verwundet, aber noch voll kampffähig. So ein Ding hab ich noch gesehen.

 

Ichb glaube da fehlt ein "nicht" oder "nie" ;)

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Am 22.8.2021 um 18:49 schrieb Avalus:

Ichb glaube da fehlt ein "nicht" oder "nie" ;)

Ups! Stimmt! Danke für die Info.

 

Kapitel VI

 

"Und woraus bestand dann der Ärger?", fragt Lady Augusta mich und widmet sich ihrem nächsten Zug bei unserer Partie Königsmord.

 

"Zuerst gab es mal einen großen Einlauf vom verantwortlichen Lehrer, nachdem wir zurück in der Kolonne waren. Die Verwundeten wurden nun endlich professionell versorgt und wir rollten ab. Keine Ahnung, wer uns verpfiffen hat, gepanzerte Fahrzeuge des Magistrates blockierten den Weg, bevor wir die Untermakropole verlassen konnten und wir wurden in "Quarantäne" gesteckt, weil wir in einer angeblich verbotenen Zone waren. Die ist ja nicht nur wegen den dort hausenden Mutiestämmen verboten, sondern auch wegen der Strahlung und den dort durchaus vorkommenden Krankheiten, wurde uns nun erklärt. Nach unseren Erlösungs-Warnern waren wir in keinster weise kontaminiert, aber das hat da keinen Interessiert. Und die Dinger sind nicht billig gewesen. Also wurden wir in eine verbunkerte Station des Magistrats gebracht, mussten uns ausziehen und eine langwierige medizinische Prozedur über uns ergehen lassen. Wurden mit irgend welchen streng riechenden Zeug abgespritzt und Blutproben haben die uns auch entnommen. Die haben uns wie richtige Verbrecher behandelt", erzähle ich von der äußerst rüden und nicht sehr zuvorkommenden Behandlung durch gewöhnliche Beamte des Magistrates. Als Adliger konnte man sich ziemlich viel erlauben, aber beim betreten einer Verbotenen Zone kannten diese Ordnungshüter, die sonst immer schön zur Seite sahen, wenn man ihre Taschen mit Throne füllte, offensichtlich keinen Spaß.

 

"Skandalös!", empört sich Lady Augusta über dieses unverschämte Verhalten der regionalen Ordnungskräfte.

 

"In der Tat. Wir bekamen hässliche orangene Overalls, kratzende Socken und klobige Schuhe. Die haben neben meiner kompletten Ausrüstung sogar den Siegelring abgenommen. Sie separierten uns und sperrten uns alleine in Zellen mit nur einem ganz schmalen Bett, dessen Matratze so dünn war." Ich zeige Lady Augusta die Distanz, in der ein sehr dickes Gebetbuch passt. "Mir war klar, dass mein Vater Kleist und mich raus hauen würde, egal was es kostet, aber er konnte danach immer so unglaublich ätzend sein. Besonders da ich nach Crestus Ausfall ja das Kommando hatte. Aber es war ja nicht meine Idee gewesen, in die angeblich verbotene Zone vorzurücken. Wie auch immer, irgendwann schlief ich ein und dann wurde ich äußerst rüde geweckt. Ohne Frühstück wurde ich in ein Verhörraum geführt. Der Stuhl war nicht gepolstert. Ein Beamter des Magistrates verhörte mich dann. Hier bekam ich dann endlich was zu essen. Einen Conari Riegel mit fünf Rippen. Also die Tagesration für einen erwachsenen Arbeiter. Ich war echt froh, dass wir in unseren Manufakturen für die Riegel sehr konsequent auf Reinheit und Qualität achten. Selbst in der preisgünstigen Variante kommt bei uns kein Leichenfett rein. So konnte ich bedenkenlos den Riegel essen und der schmeckte richtig gut. Ein Conari muss es sein!" Auch hier lächelt Augusta beim Verkünden des Werbeslogans aufs Stichwort und wieder weiß ich nicht, war das wirklich witzig oder tut sie es nur, weil sie glaubt, dass machen zu müssen, um mir zu gefallen. Wenn, dann ist sie eine verdammt gute Schauspielerin, was durchaus zum Berufsbild einer erfolgreichen Kurtisane dazu gehört.

 

"Aber das war noch nicht alles, oder?" Sie bietet mir einen Soldaten zum gefahrlosen schlagen an, aber ich sehe, dass sie nur eine Lücke schaffen will, der den Tod meines Königs in drei Zügen zur Folge hätte und so schlucke ich den Köder nicht. Aber durch diesen Zug exponiert sie sich selbst an anderer Stelle. Der erste Fehler den sie macht, den ich ausnutzen kann. Ich analysiere kurz die Lage, während ich weiter erzähle.

 

"Nein, das Verhör zog sich ewig. Verbotene Zone, gefährliche Mutanten, Strahlung, Krankheiten und ewige Verdammnis. Bla, bla, blub! Ich musste die komplette Geschichte erzählen. Warum dies, warum das. Was habe ich den einzelnen Leuten während den Angriffen gesagt. Wer war wo wann wie warum. Und was war das für eine komische Kreatur, die sich einfach aufgelöst hat. Wie sah sie den aus, wie viele Arme und Beine denn, was hat sie gemacht und was nicht. Darauf haben die lange herum geritten. Echt Nervig. Zurück in die Zelle, gleich eingeschlafen. Aufgewacht, als dann das Licht anging. Wieder gab es einen Riegel zum Frühstück. Keine Fragen wurden beantwortet. Ich hatte viel Zeit zum nachdenken, habe meine täglichen körperlichen Übungen so gut wie möglich gemacht und bin dann irgendwann wieder eingeschlafen.

 

Dann wurde ich wieder heraus geholt. Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hab. Ohne Chrono verliert man nach einer gewissen Zeit das Gefühl dafür. Ich dachte, endlich hat man meine Familie informiert, Vater hat seine Verbindungen spielen lassen und Zethania würde aufgebracht irgendwelche Magistratsbeamte zusammen falten. Das kann meine Schwester gut. Aber weit gefehlt.

 

Das waren nun keine grün uniformierte Magistrate, sondern schwarz golden gerüstete Angehörige des Adeptus Arbites. Und die haben wirklich schicke Rüstungen. Bis dato habe ich keinen von denen aus der Nähe gesehen. Die kümmern sich ja sonst nur um Zehntverbrechen und die wirklich schlimmen Sachen. Wieder durfte ich meine Geschichte erzählen. Die haben mich wie einen gewöhnlichen Menschen angeschrien, als ich sie freundlich darauf aufmerksam gemacht habe, dass ich ihrem Kollegen vom Magistrat schon alles erzählt habe und das Verhör sicherlich dokumentiert wurde. Einer hat mich dann richtig angebrüllt. Der war fast so laut wie eine Explosion. Der hat tatsächlich versucht mich einzuschüchtern! So ein rüpelhafter Grox!" Meine Stimme transportiert meine Empörung über diese Unverfrorenheit einem hohen Adligen gegenüber. Die junge Kurtisane nickt mitfühlend bei meiner Schilderung über meine Leiden, wie ein profaner Untertan des göttlichen Imperators behandelt zu werden. Das war wirklich ein erniedrigendes Erlebnis.

 

"Um des lieben Friedens willen habe ich die gleiche wahre Geschichte wie beim letzten mal wiederholt. Habe aber vorher klar gemacht, dass ich durchaus noch gut hören kann und er deswegen in ganz normaler Lautstärke mit mir reden kann. Und es kamen wieder die gleichen Fragen. Warum haben wir das eigentliche Gebiet verlassen. Warum haben wir die angeblich verbotene Zone betreten. Warum sind wir zuerst in den Hinterhalt gelaufen. Als ob wir das jetzt forciert hätten. Ja, sprengt uns doch in die Luft, ihr thronverdammten Muties! Haben ja sonst nichts zu tun!" Wieder mache ich theatralische Verrenkungen und Lady Augusta lächelt pflichtschuldig. Mir fällt auf, dass ich ihr lächeln wirklich mag, weil es auch ihre Augen erreicht.

 

"Natürlich ritten die auch auf dem Vieh herum, wie sah es denn nun ganz genau aus, was hat es genau getan und warum hat es sich einfach aufgelöst. Bin ich Xenologe? Irgendwann hatten die keinen Spaß mehr daran, mich einzuschüchtern und wüste Drohungen von sich zu geben. Also kam ich zurück in meine Zelle. Wieder verging Zeit, wieder nichts zu tun. Ich begann dann weitere Übungen körperlicher Ertüchtigung zu machen, um mir die Zeit etwas zu vertreiben und halbwegs sinnvoll zu nutzen. Dann wieder Licht aus und ab ins harte unbequeme Bett. Ich denke, ein weiterer Tag verging, dann wurde ich wieder aus der Zelle geholt. So langsam begann ich mir doch Sorgen zu machen. Adeptus Arbites war halt schon eine andere Hausnummer wie die Jungs und Mädels vom Magistrat. Die leben auf Scintilla und wissen, wenn sie Adlige zu stark drangsalieren, steht irgendwann eine Kompanie von deren Haustruppen vor ihrem Hab und schießt das samt Inhalt mit 150mm Geschossen zusammen. Da hatte halt eine Waffe einen missgelaunten Maschinengeist und ist einfach los gegangen, zwanzig mal hinter einander. Kann schon mal passieren. Aber das Adeptus Arbites besteht aus Fremdweltlern, die in autarken Festungen leben, die selbst über schweres Gerät verfügen. Die kann man nicht einschüchtern oder bestechen. Allerdings sollte es noch schlimmer kommen...", ich stoße einen tiefen Seufzer aus und Lady Augusta sieht mich erwartungsvoll an, also fahre ich fort, auch wenn ich diesen Teil wirklich hasse.

 

"Dieses mal wurde ich in ein anderes Zimmer geführt, dass gekachelte Wände und einen Abfluss hatte. Der Stuhl, auf den man mich kettete war aus blanken Stahl, ebenso der Tisch und der gegenüberliegende Stuhl. Mir war klar, dass dieser Raum für Verhöre gedacht war, wo Blut spritzen würde. Es gab hier zwei Kameras, dazu war die gegenüberliegende Wand verspiegelt. In dem Moment habe ich realisiert, dass über mir gerade ein Vierachser eine fünfzig Tonnen Ladung an Groxdung über mich ausgekippt hat", fahre ich fort und habe inzwischen vier Züge vorberechnet. Ich denke, in sieben Zügen habe ich ihren König ermordet, wenn sie meine Absichten noch zwei Züge lang nicht durchschaut.

 

"Wie hast du dich dabei gefühlt?", fragt sie mich und reagiert wie geplant auf meinen gerade gemachten Zug. Ich schaue, ob ich was übersehen habe, aber ich denke, ich bin nun auf der Siegerstraße.

 

"Klein, eingeschüchtert, von meiner Familie abgeschnitten. Aber dann straffte ich mich und beschloss auf meine Fähigkeiten zu vertrauen. Ich wurde mein ganzes Leben auf ein Leben an Adelshöfen vorbereitet, welche wahre Schlangengruben sein können und ich würde mich nicht durch ein paar Psychospielchen von Magistraten unterkriegen lassen. Ich bin ein Conari, meine Vorfahren haben diesen Sektor erobert und diese Welten sind mit dem Blut meiner Familie getränkt. Und natürlich noch viel mehr mit dem unserer Feinde. Das gab mir Mut und Zuversicht.

 

Dann ging die Tür auf gleich drei Leute kamen rein. Zwei trugen schwarze versiegelte Gardistenrüstungen, die nur die Säule der Inquisition auf der Höhe des Herzen als Verzierung hatten. Da rutsche mir doch das Herz in die Hose. Aber ich blieb äußerlich gelassen, auch wenn ich innerlich einen riesigen Schreck bekam und überlegte, was man mir vorwerfen könnte. Die dritte Person war eine Frau, Mitte dreißig, Frisur wie eine Sororitas, wahrscheinlich weil so öfters einen Helm im Einsatz tragen musste. Die trug auch eine ähnlich aussehende Servorüstung, nur mit der Säule der Inquisition statt den Insignien eines Ordens. Die äußerst sauertöpfisch dreinblickende Person stellte sich als Interrogatorin vor, dass ist ein hoher Rang bei der Inquisition, eine Stufe unter dem Inquisitor, wie sie mir sogleich erklärt hat. Bei ihrer Vorgesetzten handelte es sich um die berüchtigte Großinquisitorin Calypso. Die ist vom Ordo Xenos und ist bekannt dafür, adligen Sammlern von Xenosartefakten das Leben unnötig schwer zu machen. Wie auch immer, der kleinere der gerüsteten Gardisten hatte einen Koffer dabei. Der kam auf dem Tisch und öffnete ihn dann. Weißt du was drin war?", frage ich Augusta, um sie etwas in meine Geschichte einzubeziehen.

 

"Folterwerkzeug?" Inzwischen hat sie gezogen und noch scheint sie mein Ansinnen nicht realisiert zu haben.

 

"Nein, ein Cogitator mit komischen Sonden, die sie auf der Haut meiner Handrücken und Stirn geklebt haben. Die gute Frau fing dann an ein paar komische Fragen zu stellen, tippte irgendwas ein und schien an Reglern zu drehen." Nun ziehe ich und halte mich an meinen Plan.

 

"Was war das für ein Ding?", fragt die süße Kurtisane neugierig und macht ihren nächsten Zug, der sie weiter in die Niederlage treibt. Gut.

 

"Keine Ahnung und ich wollte ehrlich gesagt auch nicht Fragen, auch wenn es mich schon interessiert hätte. Dann durfte ich ein weiteres mal erzählen, was für tolle Dinge auf der Großen Jagd passiert sind. Kaum war ich mit meiner Geschichte fertig, durfte ich alles noch einmal wiederholen, nur stellte sie zu jedem Segment entnervende Fragen. Ich blieb beim meisten bei der Wahrheit. Besonders wichtig schien ihr zu sein, woher diese thronverdammte Karte gekommen ist. Irgendwie hab ich den Eindruck gewonnen, dass sie dachte, ich hätte die Karte besorgt. Aber die war ja von Crestus, der sie Imperator weiß woher hatte. Als Stellvertreter habe ich zwar die notwendige Ausrüstung festgelegt und auch besorgen lassen, aber mit der Karte hatte ich nichts zu tun gehabt. Irgendwann schien sie mir die Wahrheit auch abzukaufen. Dann musste ich jeden meiner Schritte erklären. Wieso dies, warum das, warum nicht anders, sondern so." Ich schaue dabei Augusta an, da sie ja ähnliche Fragen gestellt hat, bevor ich fortfahre und dabei meinen Ritter vorziehe.

 

"Dieses komische Mutantending hatte es ihr auch angetan. Da hat sie auch ewig lange Zeit wie bei der Karte herum genervt. Wie sah es denn nun genau aus. Waren es wirklich sechs Beine, oder doch eher zwei Beine und vier Arme. Thronverdammt! Lesen die keine Verhörprotokolle? Und dann das finale Gefecht mit den fünf Angriffswellen. Wir haben da jede einzelne Welle durchgekaut, warum ich in der Lage war, da eine Verteidigung so gut zu organisieren. Das war ja nicht so das Hexenwerk, sondern das konsequent umgesetzte Tactica Imperialis, Band IX. Ja, ich habe tatsächlich die Fassung mit den Kommentaren von Macharius in der siebenunddreißigsten Auflage nicht nur in meinem Besitz, sondern auch wirklich gelesen und wohl offensichtlich den Inhalt auch verstanden. Auch wurde so was im Unterricht ausführlich behandelt und ich war nicht nur anwesend, sondern auch wach. Die Interrogatorin sah mich an, als hätte ich behauptet, leibhaftig auf dem Schoß des Imperators auf seinem goldenen Thron zu Terra gesessen zu haben. Irgendwie dachte sie, man bräuchte nur eine gewaltige Börse mit Thronen um auf die angesehenste Akademie vom Calixis Sektor zu kommen. Die meisten Kadetten haben wirklich was drauf, so Totalversager mit hochdotierten Nachnamen wie Crestus Cascandor sind zum Glück immer noch die großen Ausnahmen. Aber egal, das ganze zog sich ewig hin, bekam nur mehrmals was zu trinken, weil ich mir den Mund fusselig geredet habe", fasse ich das Verhör zusammen, von dem ich ehrlich nicht sagen kann, wie lange es gedauert hat. Irgendwann ging mir das Zeitgefühl komplett verloren.

 

"Und hast du auch in allem die Wahrheit gesagt?", fragt sie mich beiläufig und ich kann sehen, dass sie so langsam realisiert, dass ich nur noch wenige Züge vor dem Königsmord stehe. Sie versucht nun mit ihrem verbliebenen Bunker zu blocken, aber dafür ist es nun zu spät.

 

"Ich habe nur Zethania komplett heraus gelassen. Und ich hab nicht genauer spezifiziert, dass das Trümmerstück, dass auf Crestus – herunter gefallen – ist, dabei in meiner Hand lag. Sonst habe ich immer die Wahrheit gesagt, da ich realisiert habe, dass Lügen auch hier keine erfolgversprechende Strategie ist und ich ja auch nichts zu verbergen hatte." Ich bin dran mit ziehen und bin kurz vor dem Ziel.

 

"Warum hast du Zethania nicht erwähnt?", fragt die junge Kurtisane mich und steht nun im Zugzwang, da mein Panzer ihren König bedroht.

 

"Meine Schwester ist geistig etwas labil, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und ich denke, ihre Jagdleidenschaft dürfte in dem einen oder anderen Punkt die Gesetze von Sibellus ein ganz klein wenig brechen. Besonders da sie ja mit ihren Kameraden von ihrem Jagdclub auch in den ganz unteren Zonen jagt. Sie hat zwar defacto einen Status als Sibellus Ranger, aber wir wissen alle, dass dies nur ein äußerst seidenes Mäntelchen der Legalität für halbwegs sanktionierten Mord ist. Eine Konfrontation mit Gardisten der Inquisitionen hätte durchaus zu einem massiven Ausbruch an Gewalt führen können. Ich mag meine Schwester, aber ich kenne ihre Grenzen", erkläre ich und töte nun ihren König, in dem er nicht mehr ausweichen kann, mit meinem verbliebenen Ritter. "Königsmord!"

 

"Tja, dem Sieger die Beute", meint sie und schlüpft beim Aufstehen aus dem Morgenmantel.

 

"Du hast sehr gut gespielt", lobe ich sie, da ich mich wirklich habe anstrengen müssen, sie zu schlagen. Wobei ich trotzdem nicht sicher bin, ob sie mich äußerst raffiniert hat gewinnen lassen. Eine Kurtisane verwöhnt ihren Gönner nicht nur auf äußerst angenehme Weise mit ihrem wohlgeformten Körper, sondern unterhält ihn auch mit spannenden Partien in verschiedenen Gesellschaftsspielen.

 

"Du warst aber besser, Gratulation. Und nein, ich habe dich nicht absichtlich gewinnen lassen. Ich habe einen Fehler gemacht, du hast ihn erkannt und ausgenutzt. Du hattest einen sehr guten Lehrmeister." Spricht sie meine Gedanken aus.

 

"Mein Lebenswart Caine ist leidenschaftlicher Königsmordspieler und spielt auch auf dotierten Turnieren mit."

 

"Das erlaubst du?", spricht sie ein etwas heikleres Thema an. Für manche ist ein Lebenswart nur ein besserer Diener und oft auch ein Schuldknecht. Inzwischen ist sie vor mir in die Knie gegangen und nesselt an meinem Morgenmantel.

 

"Er ist zwar mein Vasall und Diener, aber Caine ist für mich sehr viel mehr als ein Untergebener. Anfangs dachte ich als Kleinkind, er wäre mein richtiger Vater und habe ihn eine Zeitlang Papa genannt. Er ist mein Mentor und er ist mein Freund, den ich wie einen Vater liebe, schätze und verehre. Ich weiß, wie sehr es ihm bedeutet, an solchen Turnieren sein Können zu demonstrieren und ein glücklicher Vasall ist ein besserer Vasall", erkläre ich, während sie mich ausgepackt hat und mit der rechten Hand an meinem Schaft rauf und runter gleitet, während sie eine Drehbewegung ausführt. Mit der linken streichelt sie meine Hodensack.

 

"Darf ich dich rasieren? Dein struppiges Schamhaar kitzelt mich in der Nase, wenn ich dich tief in meiner Kehle stecken habe", fragt sie mich.

 

"Bis jetzt haben wir nur über mich geredet, wenn auch nur sehr intensiv über einen erst kurz zurück liegenden Abschnitt meines Lebens. Dabei weiß ich nur recht wenig über dich. Du spielst sehr gut Königsmord, bist nach deinem Dialekt, Kultiviertheit und Manieren zu urteilen eine Adlige aus Malfi, die hier auf Scintilla sich als Kurtisane verdingt. Du bläst meisterlich und spritzt wenn du kommst. Du bist körperlich sehr trainiert und schwerer, als du sein solltest. Sonst weiß ich gar nichts über dich. Du könntest sonst wer sein."

 

"Wer könnte ich denn sein?", fragt sie mich und wichst mich mit einer Drehbewegung weiter. Und auch das kann sie verdammt gut.

 

"Eventuell eine Todeskultassassine, die von einem konkurrierenden Haus auf mich angesetzt wurde, um das zu beenden, was in der verbotenen Zone nicht geklappt hat?" Da lacht sie laut auf.

 

"Sehe ich für dich aus wie eine Todeskultassassine?"

 

"Wie sieht den eine Todeskultassassine aus?", frage ich sie und bereite mich darauf vor, um mein leben zu kämpfen.

 

Gedanke des Tages

 

So, nach dem Bürokratischen Teil kommen wir wieder zu etwas anderem... Vielen Dank für

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Kapitel VII

 

"Wie sieht den eine Todeskultassassine aus?", frage ich sie lauernd und beobachte ganz genau ihre Reaktion.

 

"Touché, mein lieber Flavion Conari", meint sie lachend und hört auf, meinen Schwanz mit ihrer Hand zu bearbeiten. "Aber nein, ich bin keine Todeskultassassine. Ich bin wirklich eine Adlige aus Malfi, dass hast du schlau erkannt. Mein Haus ist klein und unser Anwesen war nicht wirklich weit oben. Aber ich hatte eine schöne, unbeschwerte Kindheit und genoss als Jugendliche das Leben in vollen Zügen. Ich hatte viele Bekanntschaften und so lange ich nicht schwanger wurde, war es meinen Eltern egal, was ich so trieb und ich trieb es wirklich wild. In vielen mittleren Häusern ist es üblich, dass die Mitglieder mit sechzehn dem Ritual stellen. Das ist ähnlich wie deiner Großen Jagd hier. Der Aspirant wird in eine verstärkte Bodysuit gesteckt, bekommt einen Wurfdolch, ein Überlebensmesser und eine Waffe seiner Wahl gestellt. Dann setzt man ihn im Underhive aus und man muss mindestens einen Mutie erlegen, bevor man einen Punkt erreicht, wo man abgeholt wird. Das war für mich ein Erweckungserlebnis. Nicht nur der übliche Übergang von der Kindheit zum Erwachsenen, sondern das hat mich wirklich berührt, dass war meins. Deswegen war ich so an deiner Schwester interessiert, weil ich auch gerne hier dem Rausch der Jagd folgen würde. Um dieses Ritual zu überleben, muss man natürlich kämpfen können. Deswegen bin ich so trainiert, ich bin geschult in der Kampfkunst der Giftigen Hand, dem Messer wie auch dem Schwertkampf. Ich bin keine Meisterin, aber ich bin nicht schlecht. Natürlich kenne ich mich auch mit Schusswaffen etwas aus, verfüge aber nur über ein äußerst rudimentäres Können." Was sie erzählt, erklärt einiges.

 

"Was hast du eingebaut?", frage ich mal nun neugierig nach, da sie nicht erklärt hat, warum sie schwerer ist, als es ihr schlanker Körper vermuten lässt.

 

"Ich habe ein Geflecht aus hochwertigen Verbundwerkstoffen im Brustbereich und an einigen empfindlichen Stellen, weil das ein guter Schutz vor Attentaten ist." Indirekt heißt das, dass Lady Augusta entweder einige missgünstige Verwandte hatte oder mächtige Feinde, die Worten Taten lassen folgen konnten.

 

"Das ist es also. Und warum bist du nun hier?"

 

"Darf eine Lady ein paar Geheimnisse für sich behalten?", fragt sie mich lächelnd. Bis jetzt hat sie mehr oder weniger bestätigt, was ich schon wusste oder eben zu wissen glaubte. In dem ich mit meinen vermeintlichen Erkenntnissen geprahlt habe, hätte sie auch ihre Geschichte einfach meinen ausgesprochenen Gedanken anpassen können. Augusta hat mir ihr großes Interesse an meiner Schwester und auch der großen Jagd erklärt. Es klingt für mich schlüssig, da ich von diesem Ritual schon gehört habe, da sich auch meine Mutter dieser Prüfung unterzogen hat. In meiner Makropole gibt es solche Bräuche nicht, da Tarsus komplett anders gegliedert ist, weil diese Stadt mit ihren fast acht Milliarden Einwohnern mitten in der Wüste der Sühne steht. Die hohen adligen Häuser haben ihre Behausungen da, wo sonst die Mutiestämme hausen. Muties gibt in Tarsus nicht viele, weil die eben keinen Rückzugsort haben, wie in anderen Schwarmstädten und wirtschaftlich keinerlei Rolle spielen. Es gibt in Tarsus keine traditionellen Nischen für Muties, also keinen Bergbau, Verhüttung oder Chemowerke. Kinder mit Makel werden nach der Geburt der Sonne ausgesetzt und die erledigt das Problem in weniger als zwei Stunden, da in der Wüste der Sühne am Mittag Temperaturen durchaus mal fünfzig Grad im Schatten herrschen. Aber wie heißt es so schön, niemand zwingt einen im Schatten zu verweilen.

 

Ich denke, die junge Lady hat gute Gründe, dass sie nicht mehr in Malfi ist. Über das warum könnte ich wahrscheinlich hundert Szenarien entwerfen, die alle zutreffen könnten oder eben auch nicht. Da Augusta es mir nicht frei heraus sagen will, bedeutet, dass sie das hier ihr Hobby nicht zum Beruf aus einer Laune heraus gemacht hat. Sie hat eine angeblich unbeschwerte Kindheit gehabt und das übliche Ritual überlebt. Also sind es wohl nicht ihre Eltern an sich, die ihr den Geldhahn zugedreht haben. Mir wird klar, dass spekulieren mich nicht weiter bringt, sondern es geht hier darum, dringe ich weiter in sie vor oder nicht. Sie will offensichtlich mich nicht anlügen, sonst hätte sie irgend etwas nichtssagendes wie "Ich mache hier mein Hobby zum Beruf" geäußert. Ich mag diese junge Frau, finde sie interessant und sehe ein, dass wir uns noch nicht gut genug kennen, um alle Geheimnisse zu teilen. Schließlich kennen wir uns erst seit etwas über einer Stunde. Innerlich weiß ich, dass ich diese Frau an meiner Seite haben will. Eine solche Kurtisane wird mir gut tun, ich schätze ihre Art und sie scheint mir aufrichtig genug zu sein.

 

"Nun gut, ein so wunderschönes Mädchen darf durchaus ihre Geheimnisse haben", erkläre ich großzügig und fahre fort: "Wenn dich meine Schamhaare so stören, dann darfst du mich rasieren."

 

"Das ist wirklich sehr rücksichtsvoll von dir", erwidert sie nun schelmisch grinsend und steht auf, um ihr Rasierzeug zu holen. Es ist ein kleines Ledertäschchen mit den notwendigen Sachen. Zuerst schneidet sie mit einer Schere die Schamhaare kurz über der Wurzel ab. Dann nimmt sie einen Pinsel, etwas Rasierschaum und trägt ihn auf. Für dein Feinschliff benutzt sie einen Damenrasierer. Ein offenes Rasiermesser hätte ich jetzt nicht so prickelnd empfunden.

 

"Wie ein Kinderpopo", verkündet die Kurtisane, die sich gerade als Barbier der besonderen Art bewährt hat, als sie prüfend mit den Fingerspitzen über ihr Werk fährt. Dann nimmt sie meinen Hodensack in den Mund, lutscht an meinen Eiern als wären es Bonbons. Dann macht sie das Backenhörnchen, in dem sie meine Hoden auf die Innenseite ihre Backen drückt. Da muss ich lachen und sie auch, als sie diese wieder "ausgespuckt" hat. Auch sie lacht, bevor sie mit der Zunge an meinen Schaft hochfährt und dann spielerisch neckend über meine Eichel leckt. Dann saugt sie die Spitze wieder ein Stück ein, umspielt die Eichel mit ihrer Zunge und viel Speichel. Dann lässt sie ihren Kopf arbeiten, fährt leicht mit einer gekonnten Drehung vor und zurück. Mit jeder Hubbewegung kommt sie tiefer, meine Eichel drückt gegen ihren Rachen und sie schluckt ihn dann wieder runter. Sie fährt runter bis zum Anschlag, spielt mit der Zunge an meinem Hodensack und fährt schließlich langsam wieder hoch.

 

"So fühlt sich das wirklich gleich viel besser an. Ich mag rasierte Haut einfach." Wieder fährt sie mit ihren Lippen bis ganz nach, hält kurz die Position und fährt wieder nach oben. Dann spielt ihre Zunge wieder an meiner Eichel, fährt außen am Schaft nach unten und kümmert sich mit ihren Lippen wieder um meine Eier. Wieder schmeichelt ihre Zunge meinem Schaft, die Eichel und ihre Lippen küssen meinen Schwanz. Sie spielt regelrecht etwas damit, bevor sie mich wieder reizt. Mir gefällt, dass sie das Tempo nicht forciert, es nicht überstürzt, sondern sich viel Zeit lässt, mir Pausen gönnt, wo sie nur spielt. Die meisten Frauen die ich bis jetzt hatte, Huren in der Regel, waren meist eher erpicht darauf, es schnell hinter sich zu bringen oder ihn so schnell wie möglich in sich reinzustecken. Selbst Theodora, die von ihren Fähigkeiten den ihren vielleicht sogar ein Tick überlegen ist, wollte meinen Schwanz lieber in ihrer goldenen Mitte haben. Aber Lady Augusta ist anders, ich merke, ihr macht das wirklich Spaß, was sie da macht und damit macht es mir gleich noch viel mehr Spaß. So wie bei Theodora. Schade, dass es nie zur Disposition stand, sie aus ihrer Schuldknechtschaft zu kaufen. Ein schwarzhaariges Teufelchen und ein blondes Engelchen würden sich gleichzeitig gut in meinem Bett machen. Diesen Gedanken speichere ich mal.

 

Lady Augusta behandelt gerade meinen Schwanz wie einen leckeren Lutscher, da sie von den Hoden aus der ganzen Länge nach oben schleckt, bis sie wieder an der Eichel etwas saugt. Nun fährt sie mit ihren Lippen an ihn herab, schluckt ihn genüsslich runter bis zum Schaft, bleibt dort mehrere Sekunden, wobei ihre Zunge frech das Skrotum neckt. Dann fährt sie wieder hoch und macht wieder den Lutscher. Das macht sie mehrmals, dann spielt sie wieder an meinem Sack und macht das Backenhörnchen, um meinen Penis abzukühlen.

 

"Wollen wir neunundsechzig machen?", frage ich sie, da ich es zwar schätze, dass sie sich vollkommen auf mich konzentriert, aber ich würde sie gerne wieder etwas lecken.

 

"Nein, dass ist eine Demonstration meiner Kunstfertigkeit in der Hohen Kunst des Fellatio."

 

"Gut, so soll es sein, Augusta. Dann vollbringe mal dein Meisterwerk", gehe ich nur zu gerne auf dem Kompromiss ein. Also lehne ich mich zurück und genieße die Show. Lady Augusta ist wahrlich eine formidable Schwanzlutscherin. Am liebsten würde ich Theodora als direkter Vergleich hinzuziehen, um zu sehen, wer letztendlich besser in der Lage ist, meinen Schwanz zu verwöhnen. Intensiv kümmert sie sich um meine Hoden, saugt und lutscht an ihnen, dann schleckt sie am Schaft entlang und spielt neckisch mit der Eichel. Das reicht, um mich immer erregter werden zu lassen, aber sie weiß, dass sie mich so eher nicht zum abspritzen kommen lässt. Dafür lässt sie sich sehr viel Zeit. Schließlich nach einer intensiven Zeit des neckens beginnt sie mit ernsthafter Kopfarbeit. Mit ihren Lippen fährt sie nur den Bereich bis über die Eichel hin und her, dreht dabei ihren Kopf und setzt gekonnt ihre Zunge ein. Ab und zu fährt sie ganz runter, um die Sache etwas heraus zu zögern. Das kann sie verdammt gut. Die ganze Zeit über hält sie Augenkontakt um zu sehen, wie mir das ganze gefällt. Und mir gefällt, was sich sehe. Für mich ersichtlich, hat sie großen Spaß an ihrer Arbeit. Was man gut kann, geht einem eben auch leicht von der Hand.

 

Nachdem sie mich recht lange bearbeitet hat, beginnt sie nun mit schnellen Hüben mit fest gepressten Lippen, um den notwendigen Druck aufzubauen, während sie ihren Kopf dabei leicht hin und her dreht.

 

"Ich komme!", warne ich sie vor, als meine Prostata deutlich motiviert meinen Samen heute schon zum zweiten mal heraus schleudert. Augenblicklich hört Lady Augusta auf, ihren Kopf zu bewegen und saugt nur noch, während ich ihr meinen Samen in starken Schüben in den Mund pumpe. Schließlich klingt mein Orgasmus ab. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht entlässt sie meinen vollkommen leergesaugten Schwanz. Offensichtlich genussvoll lutscht sie an meinem Sperma, bevor sie den Mund öffnet und mir die Landung auf ihrer Zunge zeigt. Dann schließt sie den Mund, grinst noch einmal breit und schluckt dann ihren Mundinhalt nach unten. Schließlich öffnet sie den Mund und zeigt mir ihre rosafarbene Zunge, mit der sie wirklich interessante Dinge anstellen kann.

 

"Du bist wirklich eine Meisterin deines Faches!", lobe ich ihre Kunstfertigkeit angemessen und sie grinst breit, während sie mich zurück ins Bett führt, wo wir uns bequem machen.

 

"Wie sich sehe, hat es dir gut gefallen. Deine Zeit in der Akademie ist doch in zwei Tagen zu Ende. Was hast du danach vor? Imperiale Armee? Planetare Vertreidigungstruppen? Oder zwei weitere Jahre Akademie, um die höheren Weihen zu erhalten?"

 

"Keins von all dem. Wenn ich eines in den letzten zwei Jahren gelernt habe, dann, dass ich nicht als Offizier einer Armee tauge."

 

"Das verstehe ich jetzt nicht, du hast doch als kommandierender Offizier die Abschlussprüfung der Großen Jagd mit Bravour gemeistert."

 

"Aber erst, als ich wirklich der oberste Kommandant war und mir niemand mehr herein geredet hat. Trete ich in eine Armee ein, werde ich zwar ein Kommando über eine gewisse Anzahl an Männern haben, aber viele andere stehen über mir. Ich habe keine Lust darauf gesagt zu bekommen: Leutnant Conari, rücken sie mit ihrem Zug auf Planquadrat Zeta vor, beziehen sie auf Höhe 424 Stellung nach Schema Gamma III, setzen sie Vorposten hier, hier und hier. Melden sie spätestens um zwanzighundert Vollzug und halten sie dann die Stellung gegebenenfalls bis zum letzten Mann. Wegtreten! Das ist nicht meine Welt. Auch habe ich keine Lust auf Kulth oder einem anderen umkämpften Planeten der Spinnwärtigen Front verheizt zu werden."

 

"Warum warst du dann auf der Akademie, wenn du nie vorhattest, in die Armee einzutreten?", fragt sie mich verwundert.

 

"Ehrlich gesagt, habe ich komplett andere Pläne. Ich weiß nicht, wie tief du meine Familiengeschichte recherchiert hast, aber das Haus Conari verfügt über einen Freihändlerbrief, ausgestellt vom heiligen Drusus persönlich. Mein Vorfahr, Flavion - der Große - Conari, war der Stratege hinter dem Angevin Kreuzzug. Angevin war sicherlich der politische Kopf, Initiator und Oberkommandierende des Feldzuges. Aber mein Vorfahr war der strategische Architekt der ersten Phase des Kreuzuges. Nach Angevins Tod wäre er der logische nächste Oberbefehlshaber geworden, aber General Drusus hat meinen Vorfahr damit ausgebootet, dass er ihm einen Freihändlerbrief übergeben hat. Dazu noch den Zerstörer "Himmlische Faust". So eine Ehre kann kein Untertan des Gottimperators ausschlagen und so wurde Großadmiral Flavion der Große, der Stammvater meines Hauses, äußerst geschickt ins Abseits befördert. Damals war er schon weit über hundert Jahre, hatte vierzehn legale Kinder von zwei Frauen, etwas über dreißig anerkannte Kinder von Konkubinen und einen Haufen Enkel und Urenkel in allen möglichen Position in der Flotte, Armee oder Administration. Das ermöglichte meiner Familie trotz aller Widrigkeiten hier im Sektor viel Beute zu akquirieren. Ganze Landstriche, in einem Fall sogar ein Kontinent auf verschiedenen Welten gehören meinem Haus. Inzwischen gehören meiner Familie einige Raumschiffe, darunter ein Leichter Kreuzer im Monitorschema, die "Audacia". Auf der befindet sich der Freihändlerbrief und das Kommando hat mein Onkel Ravion seit einigen Jahren und der Familienrat ist nicht besonders zufrieden mit seinen äußerst bescheidenen Erfolgen in der Koronus Weite. In ein paar Jahren kann es sein, dass er abberufen wird und da werde ich in den Startlöchern stehen, um der neue Lordkapitän der "Audacia" zu werden." Und damit weiß sie mehr als die meisten meiner engsten Vertrauten. Nur mein Lebenswart Caine kennt meine Ambitionen zur Gänze.

 

"Und wie willst du das erreichen?", fragt sie mich weiter aus.

 

"Das wird nicht einfach werden. Um mir einen Namen und auf mich aufmerksam zu machen, will ich einer der fünf Schiedsmänner im Haus werden. Du weißt ja sicherlich, auf Scintilla werden Rechtsstreitigkeiten über Duelle ausgetragen. Momentan ist mein drei Jahre älterer Bruder einer der Schiedsmänner und ich denke, er wird bald auf einen anderen Posten berufen werden. Dann werde ich wohl seinen Posten übernehmen und hoffentlich einen Namen in den Gerichtsarenen erkämpfen können. Als erster Schritt werde ich wohl ein Kommando in den Haustruppen hier auf dem Planeten antreten. Jedenfalls werde ich damit meinen Vater löchern. Und das werde ich machen, bis ich Schiedsmann werden kann", erkläre ich meine ersten Schritte auf dem Weg zur Unabhängigkeit.

 

"Und nach dem Posten als Schiedsmann?", fragt sie neugierig weiter.

 

"Unser Haus hat wohl eines der größten privaten stehenden Heere hier im Sektor und wir vermieten unsere Truppen auch von Zeit zu Zeit an uns verbündete Häuser. Der größte Verband ist auf einem Schiff stationiert und kann jederzeit eine Landungsoperation durchführen und damit jedes Problem aus der Galaxis schaffen. Da will ich dann rein kommen um zu zeigen, dass ich einen größeren Verband führen kann. Durch Erfolge will ich mir einen Namen als militärischer Führer machen und so hoffentlich meinen Vater und den Familienrat überzeugen, dass ich der beste Mann bin, um auf der "Audacia" für frischen Wind zu sorgen. Als Freihändler mit meinem eigenen leichten Kreuzer fernab meines Vaters und des Familienrates wird mir dann keiner mehr reinreden, wie ich was zu machen habe. Das sind so meine Pläne für meine Zukunft", erzähle ich meinen Plan frei heraus, als wäre ich ein Schurke in einem schlechten Film, der dem Helden, oder besser gesagt dem Publikum, seinen genialen Plan zur Herrschaft über die Galaxis erklärt.

 

"Das ist sehr ambitioniert", kommentiert Lady Augusta meinen Karrierepfad.

 

"Stimmt! Aber man wächst mit seinen Zielen", meine ich grinsend.

 

"Lordkapitän eines leichten Kreuzers, damit wärst du wirklich sehr unabhängig. Nur wenige kommen mit der Bürde eines solchen Kommandos klar. Besonders da die Koronusweite außerhalb des Imperiums liegt."

 

"Große Risiken bringen meist großen Gewinn. Für mich fühlt sich das richtig an. Mein eigenes Kommando, niemand redet mir rein und ich kann mir meine Leute aussuchen, nach meinem Standard ausbilden und in die Schlachten führen, die ich mir aussuche."

 

"Und was treibt dich an?", fragt sie weiter nach.

 

"Stolz würde ich sagen. Ich bin meinem Namen und Haus verpflichtet und will dem Ehre machen. Ich möchte, dass meine Eltern stolz auf ihren jüngsten Sohn sind. Und ich möchte, dass meine Untergebenen mich nicht nur respektieren, sondern mir dienen, weil sie von mir überzeugt sind. Ich werde nie jemanden zu etwas zwingen, zu was ich nicht selbst bereit bin zu tun. Ich will meine Truppen von vorne führen, in ihren Reihen stehen und das gleiche Risiko tragen. Weil ich selbst auch niemanden respektiere, der nicht bereit ist, der gleichen Gefahr ins Auge zu sehen, in die er mich schickt", erkläre ich meinen Antrieb und was ich fühle. So offen war ich noch nie zu einem Menschen und das verwundert mich doch etwas. Schließlich kenne wir uns kaum und vielleicht treffen wir auch kein Arrangement. Und falls doch, ist diese Arrangement wohl nur zeitlich begrenzt und wer weiß, wessen Kurtisane dann sein wird und ob sie diese Informationen dann gegen mich richtet. Aber kaum habe ich diese Gedanken, zerfasern diese auch wieder.

 

"Wie sieht es aus, kommen wir zusammen?", frage ich sie.

 

"Das liegt ganz bei dir, mein lieber Flavion", erwidert sie und spielt mit meinen Brusthaaren.

 

"Nun gut, es wäre mir eine Ehre dein Gönner zu sein", gebe ich kund.

 

"Dann ist es beschlossen. Ich hole mal kurz den Vertrag." Der liegt in der obersten Schublade in zweifacher Ausführung schon griffbereit. Ebenso Tinte und eine exotische Feder. Der Text ist generisch, sie trägt nur meinen Namen ein und unterschreibt. Sie überreicht mir mit einer feierlichen Geste den Vertrag. Der erstreckt sich über mehrere Seiten. In dem werden verschiedene Dienstleistungen und gegenseitige Pflichten fixiert. Dieser Vertrag läuft erst einmal über drei Monate und kann dann mit beidseitigem Einverständnis um jeweils ein halbes Jahr verlängert werden.

 

"Ist die Summe verhandelbar?", frage ich, da der Betrag einiges von meiner Apanage fressen wird. Dazu noch Kleidung, Logis und weitere Vergünstigungen.

 

"Auch eine Lady braucht Throne", meint sie dazu nur.

 

"Diese besondere Lady ist jeden einzelnen Thron davon wert", gebe ich mein Einverständnis. Da ich keine Schreibunterlage habe, setze ich meine Unterschrift damit, in dem ich den Vertrag auf ihrem nackten Po lege und dann da unterschreibe.

 

"Ich hätte es auch für die Hälfte gemacht", meint sie nun schelmisch grinsend.

 

"Und ich hätte das doppelte bezahlt", erwidere ich und wir lachen beide aus vollem Hals. Der Humor stimmt bei ihr auch.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Die Erotikeinlage war Anfangs etwas länger gefasst, habe dann aber aus zwei Kapiteln eines gemacht, da das so die Geschichte schneller voran bringt.

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Kapitel VIII

 

Als ich frisch geduscht und angezogen die Tür in öffne, sehe ich links Kleist zusammengesunken auf einem Sofa im Gang sitzen. Kurz bleibe ich irritiert stehen. Offensichtlich wartet er schon länger, aber warum tut er das nicht unten bei einem kühlen Getränk in angenehmer Gesellschaft? Etwas muss passiert sein, während ich angenehme Stunden in der Gesellschaft meiner neuen Konkubine verbracht habe.

 

"Alles in Ordnung, Kleist?", frage ich ihn deswegen, als er aus seinen Gedanken aufschreckt.

 

"Wir sollten unverzüglich aufbrechen", weicht er meiner Frage aus und wundere mich über meinen Vasall. Kleist ist einer der wenigen Menschen, die mit mir Klartext reden. Auch fragt er nicht, wie es gelaufen ist und ob ich nun eine feste Kurtisane habe. Oder erzählt, wie es bei ihm war.

 

"Was ist los?", hake ich deshalb nach, da hier offensichtlich etwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Das trübt meine gute Stimmung ziemlich.

 

"Crestus! Er macht gerade einen auf dicke Hose." In dem Moment kann ich seine Stimme hören, die unangenehm kreischt, wenn er etwas lauter wird. Ich blicke über die Brüstung nach unten, in dem viel zu leeren Raum. Offensichtlich schildert er gerade von seinen Vasallen flankiert einigen Gästen, eindeutig Adlige, die Heldentaten, die eigentlich ich vollbracht habe. Das er sich mit fremden Federn schmückt ist nichts neues. Kein Grund jetzt Trübsal zu blasen.

 

"Und, wie war es?", frage ich das Thema wechselnd meinen Gefolgsmann. Immerhin hat er sich seine Belohnung verdient.

 

"Gut, wirklich gut", erwidert er etwas fahrig, als wäre er mit den Gedanken ganz weit weg.

 

"Wirklich glücklich siehst du mir aber nicht aus", erwidere ich und er straft sich, schaut mich an und will irgend etwas sagen, dass ihm deutlich unangenehm ist, dann setzt er eine Maske auf, lächelt falsch. Das bedeutet, dass etwas wirklich schlimmes passiert sein muss und er versucht mich vor der Wahrheit zu schützen.

 

"Alles gut, die zwei Mädels waren willig, geschickt und haben mich vollkommen befriedigt." Inzwischen haben wir die lange Treppe nach unten erreicht. Die Stimme von Crestus wird lauter und Kleist mit jedem Schritt deutlich nervöser. Unten halten sich kaum noch andere Gäste auf, die Musikerinnen sind weg, keine Mädchen präsentieren sich mehr. Es ist zwar spät geworden für mich als Kadett, aber dieses Haus macht erst um sechs Uhr Morgens zu und bis dahin sind es noch fünf Stunden, wie ich mit einem Blick auf meinen Taschenchronometer mit einem Gehäuse aus polierte Adamantium, auf dessen Deckel der Rabe meines Hauses eingraviert ist, feststelle. Wie schnell und angenehm doch die Zeit mit Lady Augusta verflogen ist, mit der ich mich noch lange unterhalten habe.

 

"Ah, ein Conari muss es sein!", begrüßt mich Crestus mit dem Werbeslogan meiner Familie, als er meiner gewahr wird. In diesem Augenblick wird mir mal wieder bewusst, dass dieser Spruch nicht wirklich durchdacht war. Schon auf der exklusiven Schola für höhere Gentleman in Tarsus haben Mitschüler mich anfangs damit aufgezogen. Bis ich dann einige der Frecheren zum Duell gefordert habe. Natürlich nicht auf Leben und Tod, sondern nur bis zum ersten Blut. Alles andere wäre übertrieben gewesen. Und ich kann sagen, ich habe keinen umgebracht und keiner hat Körperteile verloren. Aber jedem habe ich eine hübsche Schmisse auf eine Wange gesetzt mit den Worten: "Eine Conari muss es sein!" Das habe ich vier mal gemacht, dann war dort für immer Ruhe.

 

"Ignoriere ihn!", meint Kleist zu mir leise in einem Tonfall, der zwischen beschwörend und beunruhigt schwankt. Etwas Furchtbares muss vorgefallen sein, etwas das so schlimm ist, dass Kleist sich nicht traut, es mir direkt zu sagen. Aber was kann das sein? Ich muss gestehen, ich stehe vollkommen auf dem Schlauch.

 

"Crestus! Welch unwillkommene Überraschung! Und was machen die Kopfschmerzen?", begrüße ich den arroganten Schnösel betont freundlich und schenke ihm ein so falsches lächeln, dass selbst er dieses als solches erkennen muss.

 

"Danke der Nachfrage, Conari." Da Crestus nicht weiter darauf reagiert, versteht er offensichtlich meine Anspielung nicht, was wiederum bedeutet, dass er immer noch nicht weiß, dass ich ihm mit einem Stein diese Kopfschmerzen eingebrockt habe.

 

"Und? Vermisst du jemanden?", fragt er mich und zieht ein Etui aus poliertem Elektrum für Lho-Stäbchen aus der Tasche. Er schüttelt es breit grinsend und irgend etwas klimpert darin. Ganz normal gehe ich weiter nach unten und versuche meine Irritation nicht anmerken zu lassen. Vermisse ich jemanden? Ist da eine Anspielung auf die gefallenen Kameraden, die ich in der Verbotenen Zone zurück gelassen habe?

 

"Nicht das ich wüsste, Crestus", erwidere ich betont desinteressiert meine Unsicherheit überspielend und er lacht gehässig auf. Was entgeht mir hier? Was will Kleist mir nicht sagen, der inzwischen so nervös ist, dass jeder ihm das auch ansieht. Wir haben nun den Fuß der Treppe erreicht.

 

"Hör nicht auf ihn, wir gehen einfach weiter!", flüstert mir Kleist heiser zu. Da Kleist nicht nur mein Vasall sondern auch mein Freund ist und ich denke, er will mich vor Schaden schützen, folge ich seinen Rat.

 

"He, Conari, ich hab gehört, deine Mutter leckt Fotzen!", ruft der Erbe des Hause Cascandor mir nun zu, nachdem ich Kleist Rat gefolgt bin, ihn zu ignorieren und den halben Weg zum Ausgang schon hinter mir gebracht habe.

 

"Und ich hab gehört, du findest noch nicht einmal dein eigenes Arschloch ohne Karte und Auspex", erwidere ich ohne auf seine Beleidigung einzugehen. Meine Mutter hatte nach ihrer Verjüngungskur ihre geheime Seite entdeckt und teilt nun mit meinem Vater dessen Mätressen. Das war ein offenes Geheimnis und leider auch die Wahrheit. Deswegen gehe ich auf seine Beleidigung nicht ein. Offensichtlich will er mich in ein Duell zwingen, dass war jetzt klar. Duelle unter Adligen sind im Calixissektor legal und gang und gäbe. Meist belässt man es beim ersten Blut. Oder bis einer aufgibt, ein Körperteil oder das Bewusstsein verliert. Duelle auf Leben und Tod sind eher die Ausnahmen. Wer fordert, ist klar im Nachteil, da der Kontrahent, Ort, Uhrzeit, Bedingung und Waffe festlegt. Auch kann der Geforderte durchaus einen Stellvertreter bestimmen, den sogenannten Schiedsmann. Und Crestus Onkel war der beste Schwertkämpfer den der Calixissektor angeblich je hervorgebracht hat. Fordere ich Crestus, wird er das Duell nach Tarsus legen und als Schiedsmann seinen schier unbesiegbaren Onkel vorschicken, der mich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit töten würde. Einer der Gründe, warum bis jetzt noch niemand Crestus im Duell getötet hat.

 

"Weißt du, was ich hier drin habe?", schreit Crestus mich nun an, ohne auf meine Beleidigung weiter einzugehen, aber ich kann sehen, dass ich ihn getroffen habe. Wahrscheinlich neidet er mir den Erfolg, dem seiner Meinung ihm zusteht, da er ja der eigentliche Anführer war. Nur war er eben durch den "Steinschlag" während dem ganzen Gefecht ausgeschaltet. Und ich schätze mal, bis jetzt hat ihm keiner gesagt, dass ich es war, denn sonnst hätte er mir das schon längst vorgeworfen.

 

"Deine kleinen Hoden?", frage ich zurück und bin nun an der Tür zum Empfangsraum, wobei Kleist beinahe über seine Beine stolpert, als er mir die Tür aufreißt, um mich schnell durchzuschieben.

 

"Die Zähne von deiner Lieblingshure! Theodoras Zähne!", ruft er nun mir zu, öffnet das Etui und schüttet sie auf den Tisch aus. Ich kann sie über die Holzfläche selbst hier noch klimpern hören, weil im ganzen Haus eine gespenstische Ruhe herrscht. Theodora ist meine Favoritin in dem Haus, die ich normalerweise sonst nehme. Heute war sie ja schon für den Tag gebucht. Und jetzt wird mir klar, wer sie gebucht hat. Für ein normales Habmädchen hatte Theodora wohlgeformte, ebenmäßige Zähne gehabt. Da ich nicht nur mit ihr gevögelt habe, sondern wir uns zwischendurch durchaus unterhalten haben, weiß ich einiges von ihr. Ihren Träumen, einst ein eigenes Haus zu führen, von ihren neun jüngeren Geschwistern, denen sie ein besseres Leben bieten wollte, als sich in einer Manufaktur zu Tode zu schuften. Von ihrem Vater, der nach vierzig Arbeitsstunden am Stück tot an seinem Montageplatz zusammen gebrochen war. Von ihrer Mutter, die sie wegen aufgehäuften Schulden auch wegen der Beerdigungskosten hat verkaufen müssen und das Theodora sich freiwillig dazu gemeldet hatte, um ihre jüngeren Geschwister zu schützen. Ich erstarre und lasse mich nicht von Kleist hinaus drücken.

 

"Flavion nicht! Keine Vendetta! Deines Vaters Befehle waren eindeutig!", zischt er mir zu. Ich sehe ihn an, sehe die Panik in seinen Augen. Er hat Recht, die Befehle meines Vaters, unseres beider Familienoberhauptes, waren eindeutig, keine Duelle bis zum Tod, keine Vendetta vom Zaun brechen oder wieder aufflammen lassen. Auch wenn es weh tut. Also gebe ich meinen Widerstand auf und lasse mich schieben.

 

"Die kleine Schlampe hat gejapst wie ein Welpe, als ich ihr das Fleisch von den Knochen mit meiner Rute gepeitscht habe, bis sie tot war", verkündet er nun so triumphierend, als hätte er erfolgreich die gesamte Xenospopulation der Galaxis ausgerottet. Bis jetzt ging ich davon aus, dass Crestus Theodora nur schrecklich gefoltert hat, ihr das genommen hat, auf was sie so Stolz gewesen ist, ihre trotz ihrer niedrigen Herkunft makellosen Zähne, mit denen sie oft an mir geknabbert hat. Etwas zerbricht in mir, als ich realisiere, dass er meine Lieblingshure nur deswegen getötet hat, um mich in ein Duell zu zwingen. Ich bin ziemlich sicher, dass er das nicht nur erfunden hat. Ein Menschenleben ist für jemanden wie Crestus nur eine Summe in Thronen. Er zahlt der Hausherrin, eine niedere Adlige mit dem Namen Lady Agatha eine Kompensation bestehend aus Kaufpreis und den erwartenden Einnahmen in der Zukunft und das war es dann für ihn. Eine Summe, die ihn nicht tangiert und damit ist das Thema vom Tisch. Nun leiste ich gegen Kleists Bemühungen widerstand und fasse ihn fest an der Schulter an.

 

"Kleist, es reicht, du hast alles versucht um mich aufzuhalten. Das werde ich auch Vater erklären. Jetzt musst du dich der Frage stellen, bist du mein Vasall oder der meines Vaters. Ich brauche dich jetzt, als meinen Freund!", sage ich vollkommen ruhig zu ihm in einem leisen Tonfall.

 

"Schaut Euch die beiden an! Komm schon Kleist, geh auf deine Knie und blase deinem Herrn und Meister einen!", kreischt Crestus, als er uns tuscheln sieht, um mich weiter zu provzieren.

 

"Dieser Halbgrox ist es nicht wert! Theodora war doch nur ein unbedeutendes Habmädchen! Wo sie herkommt, gibt es noch hundert Millionen andere. Wirf dein Leben nicht deswegen weg!", versucht er es noch einmal, mich zur Vernunft zu bringen.

 

"Ihr richtiger Name war Asa, sie war Neunzehn Jahre jung. Sie hat neun jüngere Geschwister, die sie mit ihrem Bonus hier ernährt hat, die sie auf weiterführende Scholas geschickt hat, damit sie mal ein besseres Leben haben. Und sie ist nur deswegen tot, weil Crestus mich in ein Duell zwingen will. Asa war vielleicht nur ein Habmädchen. Theodora war nur eine Hure. Aber sie war Thronverdammt noch mal eben meine Hure!" Meine Stimme bleibt ruhig und monoton, nur den letzten Satz betone ich deutlich. "Ich frage dich ein letztes mal, kann ich auf dich zählen, als meinen Freund und Bruder?"

 

"Gut, Bruder! Ziehen wir es durch!", meint Kleist und straft sich. Für einen kurzen Moment umfassen wir unsere Nacken und drücken unsere Stirn einander. "Sag den Jungs draußen Bescheid, dass sie die Leibwächter vom Haus Cascandor unter allen Umständen draußen halten sollen."

 

"In Ordnung!" Kleist bleibt kurz zurück, um die Meldung abzusetzen.

 

"Hu! Schaut sie euch an! Zwei Sodomiten!" Crestus lacht laut und seine Vasallen lachen verhalten mit. Sonst ist es hier ruhig. Ich löse mich von Kleist, straffe mich und setze eine neutrale Miene auf, als ich mich auf die Sitzgruppe zubewege, die Crestus okkupiert hat. Das ist nun kein hochklassiges Bordell mehr, sondern ein Gefechtsfeld und ich habe eine klar definierte Mission, nämlich Crestus Cascandor zu töten! Koste was es wolle. Gerechtigkeit, auch wenn dafür der Sektor brennen sollte.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Nach dem Erotikteil wenden wir uns nun wieder handfesteren Dingen zu. Vielen Dank für das Like.

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Am 12.9.2021 um 19:06 schrieb Avalus:

Autsch! Ich will den Groxdunghaufen tot sehen!

 

Zähne! Ausgeschlagene Zähne sind so mein persönlicher Horror... .

 

Heute fliegen da noch mehr Zähne und anderes durch die Gegend.

Kapitel IX

 

Triumphierend schaut Crestus Cascandor mir entgegen. Sein selbstgefälliges lächeln entblößt seine makellosen weißen Zähne, die wahrscheinlich von den besten Genetoren seiner Familie optimiert worden sind. So wie wahrscheinlich fast alles von ihm, da seine adrette Erscheinung in der schicken Ausgehuniform durchaus was her macht. Seine vier Vasallen flankieren ihn, große Kerle, stark und jeder mehr wert als ihr Meister. Normalerweise entsprechen diese Art von Kreaturen den folgenden Klischees: groß, dumm, ungebildet und gewaltbereit. Sie sind sicherlich groß und auch gewalttätig, aber jeder einzelne ist letztendlich klüger und gebildeter als Crestus. Auf der anderen Seite ist das bei diesem Gebieter auch nicht besonders schwer zu erreichen. Während ihr Meister sich ja so ziemlich vor jeder Anstrengung gedrückt hat, waren diese Jungs immer dabei gewesen. Und ich denke, wir wären vielleicht nicht unbedingt Freunde geworden, aber richtige Kameraden, würde da Crestus nicht im Wege stehen.

 

Den hier noch verbliebenen leichten Mädchen kann ich ansehen, dass sie überall lieber wären als hier. Aber sie haben keine Wahl, sie können sich keine Kunden aussuchen. Sie müssen tun, was man von ihnen verlangt. Die meisten halten sich nervös an ihren Kristallgläser mit billigen gestrecktem Schaumwein fest, der aus teuer wirkenden Flaschen serviert wird. Eine der jüngeren Huren hat sich nicht im Griff, ihr Maskara verläuft ihren von Rouge roten Wangen entlang und ihr falsches Lächeln ist nur noch eine groteske Maske. Die drei Adligen, Männer mit leichtem Bauchansatz in ihren Vierzigern sehe ich auch an, dass sie am liebsten von dieser Szene fliehen würden und es wahrscheinlich inzwischen bereuen, heute in die "Goldene Dose" gegangen zu sein. Dezent im Hintergrund halten sich ein paar stämmige Lakaien des Hauses, die normalerweise dafür sorgen, dass niemand ungebührlich über die Stränge schlägt. Aber hier haben sie die unerquickliche Situation, dass sich Vertreter zweier mächtiger Adelshäuser gegenüber stehen, von denen jedes einzelne die Macht hat, diese Örtlichkeit innerhalb weniger Minuten vollständig von der Oberfläche dieses Planeten zu tilgen. Deswegen werden die sich in dieser Situation vollkommen Neutral verhalten, was mir nur zu Recht ist.

 

Nun stehe ich vor dem Tisch, auf den Crestus die heraus geschlagenen Zähne von Theodora ausgeschüttet hat. Ich denke, seine Vasallen haben die Asa heraus geschlagen, da ihre Fingerknöchel gerötet sind. Wahrscheinlich haben sie ihr so lange ins Gesicht geschlagen, bis sie ihre schönen Zähne ausgespuckt hat. Drei schauen mich provozierend an, einer blickt betreten zu Boden. Brutus Cascandor, Sohn einer Konkubine von Crestus Vater und damit de facto sein Halbbruder. Der anständigste von den Vier.

 

"Du hast recht, Crestus", wende ich mich an den Erben des Hauses Cascandor, die bestimmende Macht der Güldenhand, welche die Börse von Tarsus kontrolliert. Ich kann sehen, dass ich ihn mit meiner Aussage ziemlich überrascht habe und ich ihn jetzt aus seiner selbstgefälligen Stimmung gerissen habe. Er dachte, er hätte mich nun da, wo er mich haben wollte. Das ich ihn nun fordern und mich von seinem Onkel einfach abschlachten lassen würde. Wobei ich mich frage, warum er das will. Offensichtlich weiß er nicht, dass ich ihn mit einem Stein ausgeschaltet habe. Was ist dann sein Grund? Warum jetzt? Neidet er mir den Erfolg und den Ruhm? Allen ist bekannt, dass er beim ersten Kontakt ausgeschaltet wurde. Der erste, der zu Boden ging. Ist es das, was an ihm nagt und ihn zu dieser widerwärtigen Scharade treibt?

 

"Mit was?", fragt er mich etwas verblüfft.

 

"Meine Mutter mag Frauen. Das ist wahrlich nichts Neues", meine ich ruhig und setze mich einfach auf einen freien Platz des Sofas. Ich schiebe die ausgeschlagenen Zähne von Asa zu mir her und beginne sie zu ordnen. Große Schneidezähne oben und die kleinen nach unten, die Backenzähne und Zähne, deren Namen ich nicht näher weiß in eine Formation, die halbwegs ihrem Gebiss ähnlich sein dürfte. Ich werde ihr freches Mundwerk wirklich vermissen. Diese Handlung gibt mir Zeit, die Lage etwas zu überdenken. Etwas essentielles entgeht mir hier immer noch.

 

"Aber was mal was Neues wäre, was ist eigentlich aus deiner Mutter geworden?", frage ich ihn beiläufig, während ich noch die Zähne hin und her schiebe.

 

"Der geht’s gut!", erwidert er unwirsch, sichtlich von meinem Tun irritiert und deswegen nun äußerst einsilbig.

 

"Man hat sie schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Mit ihrem Geisteszustand es es wohl nun endgültig bergab gegangen. Kein Wunder, bei der Inzucht, die im Hause Cascandor herrscht", plaudere ich scheinbar locker weiter, als würden wir über die Ablösessumme eines Schuldknechtes sprechen. Das Haus Cascandor gehört zu den Häusern, dessen Mitglieder nur untereinander heiraten. Von der wirtschaftlichen und damit einhergehenden politischen Macht her ist das Haus Cascandor mächtig, aber es ist nicht hoch angesehen, weil es eben nicht zu den essentiellen Häusern der ersten Welle gehört, die allesamt von Angehörigen der Kreuzzugsflotte des Angevin abstammen. Generäle, Admiräle, Oberste, Stabsmitglieder und Schiffskapitäne. Von ihnen stammen die angesehene Häuser von Scintilla ab, auch wenn es nach gut zweieinhalb Jahrtausenden nur noch knapp hundert von ihnen gibt. Cascandor war dagegen vergleichsweise jung und versuchte sich krampfhaft mit Federn zu schmücken, die es nun mal nicht hat. Die angesehen und respektierten Häuser dieses Sektors heirateten nur untereinander. Eben aus dem Grund, um Emporkömmlingen den Aufstieg so schwer wie möglich zu machen. Das Haus Cascandor hatte als nur die Möglichkeit, in andere niedere Häuser einzuheiraten oder eben untereinander. Man musste kein Genetor oder Famula sein, um zu wissen, dass Heiraten unter Verwandten nur eine gewisse Zeit gut gehen konnte. So lange man es sich noch leisten kann, Fehlentwicklungen in der Wüste der Sühne unauffällig zu entsorgen, war alles in Ordnung. Aber irgendwann konnte der Makel nicht mehr ausgemerzt werden. Also wurden Genetoren beauftragt, diesen Makel zu kaschieren. Manchmal gelang das, manchmal eben nicht. Das Haus Cascandor war schon lange isoliert und die Hauptlinie wahrscheinlich unrettbar korrumpiert. Die vier Vasallen entstammten Beziehungen mit eingekauften Mätressen, Angehörige des Hauses, aber eben nicht Erbberechtigt. Und es gab viele Gerüchte, über einen sehr weitläufigen abgeschiedene Flügel im Stammhaus der Cascandor, wohin der Verwandten gesperrt wurden, die nicht mehr vorzeigbar waren. Und ich denke, auch Crestus Mutter war nicht mehr vorzeigbar. Entweder war sie inzwischen Wahnsinnig oder in einem nicht mehr tolerierbaren Maß entstellt. Aus dem Bauch heraus denke ich, dass eher eine massive geistige Degeneration ist.

 

"Lass meine Mutter aus dem Spiel!", keift er mich aufgebracht an und ich denke, ich habe da einen wunden Punkt getroffen.

 

"Drusus, was hast du mir erst letztens über seine Mutter erzählt? Hilf mir doch mal auf die Sprünge", wende ich mich an den Vasallen, den ich als den stärksten Nahkämpfer der vier einschätze. Drusus ist stark, schnell und mit dem Schwert überaus versiert. Auf dem diesjährigen Turnier habe ich ihn zwar besiegt, aber es war Thronverdammt knapp gewesen. Wenn die Sache hier eskaliert, und darauf lege ich es ja an, würde ich ihn gern schon vorher aus der Gleichung nehmen.

 

"Was hast du diesem Groxdung über meine Mutter erzählt!", springt Crestus sofort auf meinen Köder an. Schon beinahe zu einfach.

 

"Hör nicht auf Conari. Er versucht uns nur gegenseitig auszuspielen", versucht Drusus seinen Meister zu beruhigen.

 

"Wie war das noch mal, Drusus? Crestus Mutter frisst ihren eigenen Kot, wenn ihre Pflegeservitoren sie nicht daran hindern?" Dieses vage Gerücht habe ich vor ein paar Monaten bei einem sonst recht öden Hochzeitsfeier bei einem langweiligen entfernten Verwandten aufgeschnappt. Angeblich sei es aus erster Hand und von einen unzufriedenen Vasallen des Hauses Cascandor verbreitet worden, der allerdings seit dem nicht mehr gesehen wurde. Wahrscheinlich bleichen dessen Knochen schon längst in der Wüste der Sühne. Da Crestus nun eine regelrechte Gesichtsentgleisung hat, dürfte ich recht nah an der Wahrheit liegen.

 

"Du verräterischer Eldar! Du Sohn einer Hure! Ich werde dich häuten lassen und deinen Leib auf einem Autoscheiterhaufen verbrennen!" Außer sich vor Wut schlägt er mit seiner berühmt berüchtigten Stahlrute auf seinen Gefolgsmann ein. Drusus versucht sein Gesicht zu schützen mit dem zweifelhaften Erfolg, dass er sich mehrere Finger bricht. Dann bricht er zu Boden, Blut läuft aus Platzwunden und dies ist der angemessen Anlass dafür, dass die Damen des Hauses und die letzten Besucher sich leicht panisch entschuldigen lassen. Die übrigen drei Vasallen schauen vor Grauen erstarrt auf die Szene blanken Terrors. Ich hätte nicht gedacht, dass Crestus es mir so leicht machen würde. Nach etwa zehn Hieben besinnt er sich darauf, das ich eigentlich sein Ziel bin und hört auf wie ein Wahnsinniger auf seinen eigenen Mann einzuschlagen, der wimmernd am Boden liegt. Mit diesen Verletzungen wird er längere Zeit kein Schwert führen können.

 

"Hör auf, Meister Crestus, wir stehen absolut loyal zu dir. Falle nicht auf das infame Spiel von Flavion Conari herein!", versucht nun Brutus zu retten, was an Restvertrauen noch zu retten ist. Gerade eben habe ich das Kräfteverhältnis von zwei zu fünf auf zwei zu vier reduziert. Und dabei den stärksten feindlichen Kämpfer neutralisiert. Aber immer noch stehen meine Chancen schlecht, hier lebend raus zu kommen.

 

"So loyal, dass ihr zugesehen habt, wie ich euren Meister von hinten mit einem Stein nieder geschlagen habe?", feuere ich die nächste Salve in die Mitte meiner Feinde. Nichts trennt Verbündete schärfer voneinander als die traurige Wahrheit.

 

"Irgend ein Mutie hat einen Stein herunter geworfen!", behauptet Crestus fest.

 

"Ach! Wirklich?", frage ich ihn betont sarkastisch und schaue ihm aufrichtig lächelnd ins Gesicht, während ich einen imaginären Stein auf einen imaginären Kopf vor mir niederfahren lasse. Die Geste sollte selbst Crestus kapieren können.

 

"Hört nicht auf ihn, Meister Crestus. Das war ein Mutie, ich schwöre es!" Brutus fuchtelt übertrieben mit den Händen und wenn Crestus auch ein Idiot ist, gewisse Lektionen hat er doch gelernt, auch wenn wir gerade gesehen ist, dass er vieles davon offensichtlich nicht so ganz verstanden hat. Aber Brutus ist wahrlich kein guter Lügner.

 

"Besser kannst du nicht lügen, Brutus? Wie erbärmlich!", gieße ich noch weiter Öl ins Feuer und wiederhole grinsend die zuschlagende Geste.

 

"Ich werde deine Mutter pfählen, dich kastrieren und dann werde ich richtig brutal!", geifert Crestus und lässt seine Rute schon mal sprechen. Quer zieht er diese über das Gesicht von Brutus und blendet ihn. Der junge Mann hält sich die Hände vor die Augen, aber das herausquellende Blut kann er nicht aufhalten. Damit sind es nun nur noch zwei gegen drei.

 

"Du bist mit Abstand der dümmste Adlige, nein, der dümmste Mensch, den ich kenne. Wer hat dir eigentlich die Karte gegeben, die uns in den Hinterhalt geführt hat?" Die beiden Vasallen von Crestus glotzen mich bei diesen Worten äußerst irritiert an. Offensichtlich stammt die nicht von ihnen und so wie sie mich verständnislos anschauen, scheinen sie auch gedacht haben, die Karte wäre von mir. Hat er das etwa auch ihnen gegenüber behauptet, dass sie von mir ist? Haben mich der Magistrat, die Adeptus Arbites und die Inquisition mich deshalb die ganze Zeit über wegen der Karte gelöchert, weil alle aussagten, sie wäre von mir? Warum hat Crestus nicht mit seiner Karte angegeben, welche sein einziger Beitrag zur Großen Jagd war? Warum sollten alle glauben, die Karte wäre von mir?

 

"Du bist hier und gehst nicht der wichtigen Frage nach, wer dich hat töten wollen? Oder warst du Teil des Plans?" Bei meiner letzten Anschuldigung zuckt er getroffen zusammen. In dem Moment wird mir klar, dass Crestus definitiv ein Teil des Komplottes ist. Crestus war im Hinterhalt scheinbar erstarrt gewesen und ich habe das als einen Schock angesehen. Aber vielleicht wollte er so einfach nur Zeit gewinnen, bis die einzige Option sich zu ergeben war. Aber warum sollte er so etwas tun? Er ist der Erbe eines der reichsten Häuser des Sektors und kann sich eigentlich alles mit Thronen kaufen.

 

Inzwischen sind wir fast allein. Kleist steht nun ruhig neben mir, die meisten Anwesenden haben sich komplett zurückgezogen oder haben sich so positioniert, dass sie noch was sehen können ohne dabei selbst gesehen zu werden. Ich blicke kurz hoch in den vierten Stock und meine einen Schatten auszumachen, bei dem es sich um Lady Augusta handeln könnte. Bin mir aber nicht sicher. Zwei Vasallen sind nun am Boden, zwei stehen noch, aber ich will ihn vollkommen legal töten. Deswegen provoziere ich ihn weiter.

 

"Wolltest du Lösegeld erpressen? Irgend jemanden was beweisen? Wolltest du deine Kameraden ermorden lassen, weil diese einem richtigen Adelshaus mit Tradition entstammen, während deine von Inzucht gezeichnete Familie mit einem gefälschten Adelsbrief nur durch Betrug, Erpressung und Mord soweit gekommen ist?", stichle ich weiter ins Blaue.

 

"Ich fordere dich zum Duell! Auf Leben und Tod!", keift er mich wutentbrannt an und ich fasse es für einen Moment nicht, dass er es mir letztendlich doch so einfach macht, ihn zu töten. Offensichtlich hält er immer noch an seinem ursprünglichen Plan fest, mich in einem Duell zu töten. Jemanden wie mich lässt man nicht einfach durch Vasallen in aller Öffentlichkeit tot schlagen. Das ganze muss schon einen halbwegs legalen Rahmen haben. Und ich habe wohl mit einer meiner Anschuldigungen ins Schwarze getroffen. Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund hat Crestus uns bewusst in einen Hinterhalt geführt. Meine Vorwürfe waren rein darauf ausgelegt, um ihn zu beleidigen. Aber einer davon muss der Wahrheit entsprechen oder ihr sehr nahe kommen.

 

"Nein!", ruft einer seiner letzten beiden Vasallen, gebunden an einem Meister, den kein Mensch verdient. Metalus ist sein Name. Wenn er alleine war, konnte er ein charmanter junger Mann sein, der hervorragend Königsmord spielt. "Fordert ihn nicht zum Duell!"

 

"Ich nehme an!", rufe ich schnell, wirklich relevante Zeugen sind kaum noch anwesend. Einer der Adligen schaut noch aus sicherer Entfernung zu und auch Lady Agatha ist anwesend, ein dunkler Umriss hinter der Theke. Wahrscheinlich überlegte die Besitzerin der Goldenen Dose gerade, ob diese Ereignisse gut für ihr Haus sind oder nicht. Aber letztendlich war Werbung immer gut und diese Ereignisse würden ihre Runde machen, so oder so.

 

"Mein Onkel wird dich so was von fertig machen! Er ist der Beste Kämpfer des Imperiums!", schreit Crestus mich an.

 

"Du hast mich gefordert und das heißt, du kannst keinen Schiedsmann bestimmen. Das Duell findet hier statt, jetzt und ich wähle Breitschwert! Mein Sekundant ist Kleist! Mach dich bereit!" Mit diesen Worten stehe ich auf und blicke noch einmal auf die Zähne, die einst ein bezaubernden lächeln gebildet hatten, die mich an vielen Stellen leicht gebissen hatten.

 

"Nein! Das geht so nicht!" Es gab Tage, da hatte ich überlegt, ob Crestus uns alle nur zum Narren hielt und seine Genialität unter der Maske des Vollidioten versteckte. Aber dieses Abziehbild aller Klischees über dekadente Adlige und Erben war wirklich so verblödet wie er sich gab. So ein kompletter Vollidiot wäre niemals in der Lage gewesen, so einen komplexen Plan mit der Karte sich selbst auszudenken. Oder mich mit der Ermordung von Theodora in ein Duell zu zwingen. Irgendjemand musste ihm das eingeflüstert haben, aber ich habe keine Ahnung, wer. Seine Vasallen scheinen es nicht zu sein, aber wer dann? Was übersehe ich hier nur? Mein erster Gedanke ist Oberst York. Aber Crestus zu töten ist das eine, mich etwas ganz anderes. Was habe ich dem Oberst je getan? Ich verstehe hier immer noch viel zu wenig und überblicke nur einen Bruchteil des Dilemmas.

 

"Doch, dass geht genau so. Bestimme deinen Sekundanten, dann können wir sofort loslegen", widerspreche ich ihm, mich auf das wesentliche konzentrierend.

 

"Tötet ihn! Tötet ihn! Macht schon!", brüllt Crestus nun, um mich nun doch von seinen Vasallen in aller Öffentlichkeit tot schlagen zu lassen. Ein vorhersehbarer Zug und ich war gewappnet. Deswegen habe ich schon zwei seiner Gefolgsleute wohlweislich aus der Gleichung genommen. Mit einer fließenden Bewegung ziehe ich mein Breitschwert, dessen Schärfe nur ein Molekül breit ist und dessen Monoklinge im Drehbankschema niemals stumpf wird. Ich habe dieses Schwert Rabenschnabel genannt und es von meiner Familie zum Eintritt in die Akademie geschenkt bekommen. Mit der anderen Hand mein Kampfmesser mit den Doppelköpfigen Adler als Griff. Kleist tut es mir gleich. Metelus ist kein guter Fechter, deswegen orientiert er sich sofort in Richtung Kleist, während ich den besseren Kämpfer Xanthis abbekomme. Er ist genau so groß wie ich, stark und auch schnell. Allerdings ist er eher ein sehr guter Pistolenschütze, was nicht heißt, dass er nicht trotzdem ein ernsthafter Gegner mit dem Schwert ist. Kleist und ich verschaffen uns etwas Raum nach hinten, um besser manövrieren zu können. Ich kann Xanthis ansehen, wie sehr er diese Situation hasst. Aber ich weiß auch, dass diese vier jungen Vasallen sieben Kadetten getötet oder bei deren Ermordung involviert waren. Ich habe für diese jungen Männer kein falsches Mitleid übrig.

 

"Los! Los! Los! Macht dem Wahnsinn endlich ein Ende! Tötet die Conaris oder ich werde es an euren Müttern auslassen und sie von Muties zu Tode ficken lassen!" Immer wenn ich denke, Crestus kann nicht mehr tiefer sinken, belehrt er mich gekonnt eines besseren. Nun deutlicher Motiviert kommen die beiden Vasallen auf uns zu. Ich gehe nun Xanthis etwas entgegen, während Kleist sich Metelus vornimmt. Beide sind zwar keine guten Fechter, aber ich denke, Kleist sollte mit seinen Gegner solange in Schach halten können, bis ich ihm zu Hilfe eilen kann.

 

Xanthis greift nun an. Schlag von oben nach unten, ich weiche aus, blocke seinen Nachschlag und schlage selbst zu. Er versucht zu parieren, verzieht aber. Nun habe ich die Initiative gewonnen und bleibe nun im Vor. Schnell setze ich ihn unter Druck, treibe ihn vor mich her, bis er über einen Hocker an der Bar stolpert. Mit rudernden Armen fällt er rückwärts, knallt auf die Theke und ist für einen Moment Hilflos. Ein kurzer Blick zu Kleist zeigt mir, dass er seinen Gegner im Griff hat und ich treten einen Schritt zurück. Inzwischen hat Xanthis sich aus seiner misslichen Lage befreit und stellt sich neu auf.

 

"Warum hast du mich nicht getötet?", fragt Xanthis verblüfft und versucht Raum zu gewinnen.

 

"Das ist nicht mein Stil, einen wehrlosen Mann von Adel zu töten. Außer bei Crestus, da bin ich durchaus bereit, meinen Codex etwas flexibler auszulegen", erkläre ich ihm gelassen.

 

"Deine Arroganz wird dich eines Tages töten", prophezeit er mir ruhig.

 

"Möglich, aber nicht heute", meine ich leichthin.

 

"Ich hasse es in deiner Schuld zu stehen, aber noch mehr hasse ich Crestus! Mach dem Wahnsinn ein Ende!", mit diesen geflüsterten Worten greift Xanthis mich an, stürzt sich schon beinahe auf mich und ich erkenne, was er mir anbietet. Mit ausreichend Kraft schmettere ich ihn meinen Handschutz meines Schwertes gegen die Schläfe, was eine stark blutende Platzwunde verursacht und ihn betäubt zu Boden schickt. Mit dem Fuß trete ich sein Breitschwert weit von ihm weg. Nun gehe ich in Richtung Kleist und Metelus, die sich beide nichts schenken. Beide bluten aus je einer leichten Wunde. Um die Sache schnell abzukürzen, schlage ich Metelus mit dem Korb von hinten nieder. Hart kommt der junge Mann auf den Boden der Tatsachen auf und rührt sich erst einmal nicht mehr.

 

"Jetzt sind nur wir zwei übrig, Crestus. Also zieh dein Breitschwert und stirb wie ein Mann!" Der Schnösel hat sich inzwischen in Richtung der Schaufläche verzogen und brüllt panisch in sein Mikrofunkgerät um seine Leibwächter zu rufen. Da niemand antwortet, denke ich, dass meine Leute ihre Aufgabe erfolgreich ausgeführt haben. Ich kann sehen, wie es nun in seinem Kopf rattert. Keine Vasallen mehr übrig, keine Leibwächter, die ihm zur Hilfe eilen. Wahrscheinlich ist er zum ersten mal in seinem Leben auf sich allein gestellt. Und ich werde alles daran setzen, dass es zum letzten mal in seinem verkorksten Leben ist. Für mich überraschend reißt er sich zusammen und kommt auf mich zu. Dabei nesselt er an einem seiner Ringe herum.

 

"Digitalwaffe!", höre ich eine weibliche Stimme von weit oben. Könnte die von Lady Augusta sein, bin mir aber nicht sicher. Digitalwaffen sind fast einzigartig, unglaublich teuer und sind von normalen Schmuckstücken visuell nicht zu unterscheiden. In einem Ring ist genug Energie gespeichert, um mindestens einen vernichtenden Strahl aus Hochenergie zu produzieren. Im Einsatz habe ich noch nie eine solche Waffe gesehen. Die letzte Verteidigung eines Adligen mit sehr vielen Thronen.

 

"Nein, du stirbst!", brüllt er und streckt mir die geballte Faust entgegen. Im letzten Moment springe ich zur Seite und ein blauer Strahl eines Hochenergielaserstrahles durchschneidet die Luft, wo ich gerade noch gestanden bin. Hinter mir ist Kleist und der hat nicht so viel Glück wie ich. Da er etwas kleiner ist als ich, trifft es nicht sein Herz, sondern fährt in seine linke Schulter, wo sich nun ein schmales qualmendes Loch gebildet hat. Mein Vasall kriegt große Augen und schaut auf seine Schulter mit einem rauchenden Loch. Es riecht auf einmal nach verbranntem Fleisch wie bei einem Grillfest.

 

"Thronverdammt", fluche ich verbittert, dass schlimmste für meinen Vasall fürchtend. Der taumelt verletzt zurück.

 

"Kümmere dich um Crestus!", ruft er mir zu und geht dann zu Boden. Er lebt noch. Kleist hat recht, ich muss erst die Sache mit dem Erben des Hauses Cascandor klären, bevor ich mich um meinen Vasallen angemessen kümmern kann.

 

Da ich keine Ahnung habe, wie viele Schuss dieser Ring speichern kann oder er noch über weitere Digitalwaffen verfügt, überbrücke ich mit einem Sprung die Distanz und schlage zu. Im nächsten Moment fliegt die abgetrennte Hand von Crestus durch den Raum. Im Schock erstarrt schaut er seinen Armstumpf an, wo die Hand fehlt. Durch den Köprerschock spritzt kein Blut heraus. Da ich nicht darauf warten will, bis ihm eine neue Hand wächst, verpasse ich ihm mit dem Korb des Säbels einen Haken, der ihn krachend zu Boden schickt und ein paar seiner makellosen Zähne kullern über den Boden.

 

"Warte! Bitte nicht!", bettelt er mich flehentlich an. Ich kann die Todesangst in seinen Augen sehen, ebenso, dass er sich gerade eingenässt hat. Und nach der Duftnote zu urteilen, hat er auch gerade die Kontrolle über seinen Darmausgang verloren.

 

"Sie hieß Asa, du thronverdammtes Stück Groxdung!" Ich bin nun über ihn, nagle den deutlich kleineren und leichteren Crestus mit meinem Gewicht von knapp neunzig Kilo auf den Boden. Dies ist kein richtiges Duell mehr, dies ist nur noch pure Gewalt und ich fühle mich so unglaublich lebendig, während der Erbe des Hauses Cascandor zu mir aufblickt und realisiert, dass das letzte was er in seinem so sinnlosen Leben sehen wird, mein Gesicht ist.

 

"Gnade!", kommt es blubbernd aus seiner Kehle. Ich werde im genau so viel Gnade erweisen, wie er Asa erwiesen hat. Allerdings weiß ich, dass es besser für mein Haus wäre, jetzt aufzuhören. Oder diesem Mistkerl nach der Herkunft der Karte zu fragen. Aber wenn ich jetzt Innehalte, werde ich das hier wohl nicht mehr zu Ende führen. Und etwas Dunkles in mir will, dass ich das nun durchziehe, koste was es wolle. Während ein anderer Teil in mir flüstert, es jetzt gut sein zu lassen.

 

"Die junge schöne Frau, die du umgebracht hast, hatte neun jüngere Geschwister, die sie mit den Früchten ihrer Arbeit ernährt und zur Schola geschickt hat." Mit diesen Worten schlage ein weiteres mal zu, zertrümmere nun den Oberkiefer und auch das Jochbein. Sein linkes Auge beginnt sich mit Blut zu füllen.

 

"Asa war forsch, intelligent, schön, talentiert in ihren Künsten und balancierte gekonnt zwischen amüsant frech und unverschämt." Ein weiterer Hieb und schlage ihm das blutige Auge aus, dass über den Boden hüpft. Der Erbe des Hauses Cascandor will mir noch etwas was sagen, aber nur ein blubberndes Geräusch kommt aus seinem zertrümmernden Mund.

 

"Ich habe diese kleine Hure gemocht, sie war meine Favoritin und du Haufen Groxdung hast sie mir genommen." Ein gerader Hieb von Oben und ich zertrümmere ihm das Nasenbein. Die blubbernden Geräusche aus seinem Mund haben schon fast etwas belustigendes. Trotz der blutig ernsten Situation stoße ich ein gehässiges Lachen aus.

 

"Ihr Name war Asa, nenne ihn, wenn du vor dem Imperator stehst und berichte ihm, dass Flavion Conari dich für deine infamen Verbrechen gerichtet hat!" Der nächste Hieb zertrümmert ihn den Schädel. "Fahr zur Hölle!" Obwohl er tot sein müsste, schlage ich noch mehrmals auf ihn ein. Zwölf mal insgesamt. Einmal für den Imperator, einmal für den großen Reformator Sebastian Thor, ein Hieb für den Verhüllten imperialen Engel mit seinem flammenden Schwert und für die neun heiligen Söhne des Imperators. Mein Atem geht schwer, meine rechte Hand tut höllisch weh und mein Gesicht ist voll von seinem Blut und Stückchen von seinem heraus gespritztem Gehirn. Der Handschutz meines Säbels ist deformiert, die herausgebrochene Figur des Heiligen Drusus steckt in Crestus zertrümmernden Schädel, was ein äußerst bizarrer Anblick ist.

 

Ich schließe kurz die Augen und realisiere endgültig, was ich getan habe. Das wird Thronverdammt viel Ärger geben. Aber um die weiteren Folgen werde ich mich später kümmern. Jetzt ist erst einmal Kleist an der Reihe. Mein Vasall hat einen Wundschock erlitten. Die Wunde blutet nicht, da das Fleisch verbrannt ist. Trotzdem sieht das nicht gut aus. Er muss dringend medizinisch behandelt werden. Da trifft es sich gut, dass Braddok und Cussak auftauchen. Beide sehen leicht abgekämpft aus. Cussak hat was abbekommen, denn aus seinem linkem Ärmel tropft Blut herunter.

 

"Wir müssen Kleist sofort zu einem Arzt bringen", richte ich mein Wort an meine Leibwächter, die sich schon professionell um den Verwundeten kümmern.

 

"Lady Agatha, mir tut diese Sauerei außerordentlich Leid. Bitte setzen Sie das auf meine Rechnung. Sorgt ebenfalls auf meine Rechnung dafür, dass Theodoras Leichnam eingeäschert wird und schickt mir die Urne mit ihrer Asche bis zum frühen Nachmittag", wende ich mich an die graue Eminenz dieses Etablissements. Damit ist alles gesagt. Ich blicke kurz nach oben, aber ich kann niemanden mehr sehen. Ich frage mich, wer mich vor der Digitalwaffe gewarnt hat. War das wirklich Lady Augusta gewesen?

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Und so beginnt es also. An der Szene habe ich lange gefeilt. Ich mag es, wenn jemand seine Chancen mit ein paar Tricks und Kniffen verbessert. Vielen Dank für die Likes .

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Am 20.9.2021 um 16:02 schrieb Avalus:

Ein Sieg, aber er wirft mehr Fragen auf als er löst. Eine Verschwörung deutet sich an!

In der Tat!

 

Kapitel X

 

Ich schaue etwas müde durch die Fingerdicken kugelsicheren Seitenscheiben der schwarz roten Limousine nach draußen auf die eisverkursteten Fassaden der Anwesen des wirklich wichtigen Adels von Tarsus, der zweitgrößten Makropole von Scintilla. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Stil, da steht pompös ein mit Zierrat überladenes Lustschlösschen neben einem unverzierten Bunker, gefolgt von einem wuchtigen gotischen Schloss. Wer hier an der vierspurigen Angevin Promenade wohnt, gehört zu den mächtigsten, reichsten und angesehensten Familien des Calixis Sektors. Hier ist die unterste Ebene von Tarsus, exklusiv für die Häuser der Ersten Welle des Kreuzzuges.

 

Drei gepanzerte Vierachser fahren uns voraus, je zwei flankieren uns und vier weiteren folgen uns. Die von einem Elektromotor angetriebenen Radpanzer des Types "Faustkämpfer" sind mit einem Multilaser im Turm bewaffnet, die über ein Co-axiales leichtes Maschinengewehr im gängigen Kaliber 8.25mm verfügt. Alle sind in meinen Hausfarben Rot und Schwarz gehalten. Der schwarze Rabe befindet sich einem roten Kreis.

 

"Ist das nicht etwas zu viel des Guten?", frage ich Caine, der neben mir sitzt.

 

"Das ist wohl der Preis, den man bezahlen muss, wenn man den Erben eines mächtigen Hauses erschlägt", belehrt mich mein Lebenswart sicherlich nicht zu unrecht in einem ruhigen Tonfall, bar jeden Vorwurfs oder Ironie.

 

"Tja, daran kann ich nichts mehr ändern", erwidere ich und denke, dass ich daran auch nichts ändern würde, selbst wenn ich könnte. Crestus hatte eine Linie überschritten, er hat mich gefordert, nach dem ich ihn provoziert habe und ich habe ihn legal getötet. In den meisten Fällen wäre dies das Ende der Geschichte, hier dürfte es sich um den Anfang handeln. Kleists Zustand ist inzwischen stabil, seine Schulter konnte gerettet werden und er ist auf dem Weg der Besserung. Aber der Doktor hatte mir davon abgeraten, Kleist jetzt schon zu verlegen. Auf einem befestigten Anwesen meines Hauses in Sibellus Spitze war er in Sicherheit und sobald die Wogen sich etwas geglättet hätten, würde ich ihn nach Tarsus nachholen.

 

Anschließend habe ich persönlich die geschmackvoll verzierte Urne aus Messing mit Asas Asche bei ihrer Mutter abgeliefert. Da ich mich für den Tod der jungen Frau mitschuldig fühle, habe ich Caine ein Schriftstück aufsetzen lassen, welchen allen Geschwistern eine gute Ausbildung finanziert. Das bin ich Asa einfach schuldig. Ihre Mutter sank auf ihre Knie und küsste meinen Siegelring voller Dankbarkeit, was mir doch etwas peinlich war.

 

Nun erreichen wir das Hauptanwesen des Hauses Conari, dass einen ganzen Block von etwa einen Kilometer Kantenlänge einnimmt. Die wuchtige Fassade ragt zehn Stockwerke hoch bis zur gewölbten Decke. Sie ist komplett mit Ornamenten im gotischen Stil verziert. Der Rabe, unser Wappentier ist omnipräsent in den Ornamenten und als Statuen zu sehen. Zwei schwere Kampfpanzer des Typs "Streifenkatze" am Eingang tun so, als wären sie gar nicht da, als wir in die über ein Dutzend Meter hohe Einfahrt einbiegen. Der Flankenschutz reiht sich am Schluss der Kolonne ein. Nicht ganz dreißig Schritt geht es durch den engen Eingangsbereich, flankiert von Geschützen verschiedener Kaliber, dann erreichen wir einen Hof, mit weiteren offenen Toren links und rechts. Wir fahren durch das linke. Hier befinden sich Fahrzeughallen und Garagen. Überall brennt Licht und es herrscht eine hektische Aktivität in den Hallen, wo Panzer gewartet oder schon mit scharfer Munition aufmunitioniert werden. So sieht wohl eine Mobilmachung aus. So was kostet einiges an Thronen und ich denke, mein Vater wird mir die konkrete Summe um die Ohren hauen.

 

Unsere Eskorte bleibt hier zurück, während wir zwischen zwei Fassaden weiter fahren. Über den Fahrzeugen wohnen die Soldaten, alles Vasallen des Hauses, mit ihren Familien. Nach drei weiteren Einfahrten und langen Zwischenpassagen erreichen wir den repräsentativen Innenhof des Anwesens. Im Zentrum steht ein Springbrunnen, dessen heißes Wasser dampft, da es in der Eiseskälte sonst innerhalb kürzester Zeit einfrieren würden. Mit immensen Energieaufwand wird die gesamte unterste Ebene auf Minus Achtzehn Grad abgekühlt. Das soll Ungeziefer draußen halten. Und damit ist primär zweibeiniges Ungeziefer gemeint. Deswegen gibt es hier auf den unteren Ebenen keine Bettler oder anderes Gesindel, weil die innerhalb kürzester Zeit erfrieren, während Adlige sich in dicke Pelze hüllen, wenn sie auf den Tunneln und Gängen dieser Ebene flanieren.

 

Die Limousine rollt aus und eine Ehrenformation unserer Haustruppe ist angetreten. Schließlich bin ich ein Mitglied der Kernfamilie und war lange zu Hause weg. Die Schwarz Rot Uniformierten in versiegelter schwerer Gardistenrüstung präsentieren ihre Hochenergielasergewehre mit aufgepflanzten Bajonett. Als ich aussteige, bleibe ich kurz stehen und salutiere durchaus respektvoll meinen Leuten zu. Dann setze ich mich in einen dicken Pelzmantel gehüllt in Bewegung. Der Innenhof ist darauf ausgelegt, zu beeindrucken. Mächtige Leuchtgloben an der Decke Sorgen für eine Taghelle Beleuchtung. Die gotische Fassaden ragen hier über zwanzig Stockwerke hoch. Ein gläserner Skyway führt quer über den Hof in einiger Höhe. In einer Ecke spielen drei Mädchen, welche in Pelzmäntelchen gehüllt sind, Seilhüpfen. Die mittlere dürfte eine meiner vielen Nichten sein, die anderen beiden Mädchen sind ihre zukünftigen Hausdamen und damit ihre persönlichen Vasallen.

 

Eine breite Treppe führt hoch zu einem gewaltigen Eingangsportal, auf das manche Kathedrale neidisch wäre. Oben thront ein gigantischer Rabe mit ausgebreiteten Flügeln. Aber ich nehme einen viel kleineren Seiteneingang, passiere eine Schleuse, welche die kalte Luft draußen und die Wärme drinnen hält. Ich komme nun in eine Empfangshalle. Gerade aus geht es zum großen Saal, wo Empfänge, Bälle und Feste gefeiert werden. Links und rechts geht es in die Seitenflügel und zwei ausladende Treppen verbinden die Stockwerke miteinander. Natürlich gibt es auch einen Fahrstuhl. Ein Diener nimmt mir den Pelzmantel ab.

 

"Soll ich dich begleiten?", fragt mich Caine, als ich kurz nach oben blicke, wo es zu meinem Vater geht. Gerade aus geht es zum gewaltigen Ballsaal, wo rauschende Feste abgehalten werden.

 

"Nein, Caine. Danke für das Angebot, aber das schaffe ich alleine. Warte bitte in meiner Unterkunft auf mich und bereite alles für die Ankunft von Lady Augusta vor", wiegle ich ab, da meine Kurtisane erst im Laufe des Tage zu uns stoßen wird.

 

"Wie du wünscht", bestätigt Caine mit einem kurzen nicken und ich beginne meinen langen Marsch zu meinem Vater. Zuerst geht es die gewaltige Treppe aus dunklen Marmor nach oben, vorbei an weiteren schwer gerüsteten und ebenso bewaffneten Gardisten der Hauswache. Früher dachte ich, nur herum zu stehen wäre eine lässige Art die Zeit tot zu schlagen. Aber seit meiner Grundausbildung und dem Wache stehen am Eingangstor der Akademie hat mich gelehrt, dass stramm still zu stehen ein verdammt anstrengender Job ist. Inzwischen habe ich einen ziemlichen Respekt vor den Gardisten meines Hauses und grüße sie entsprechend mit großem ernst.

 

Dann folgt die große Halle, die sich über dem Ballsaal befindet. Hier endet auch der gläserne Gang von draußen, der von hier zu dem Fahrstuhl führt, mit dem man bis hoch an die Oberfläche zu einem weiteren Anwesen meines Hauses fahren kann. Die meisten Fahrstühle verbinden sonst nur maximal hundert Stockwerke miteinander. Hat was mit Statik und der Reißfestigkeit gewisser Materialien zu tun. Dieser durchgängige Fahrstuhl ist mit Zahnrädern geführt und verläuft schräg.

 

Die große Galerie muss jeder Besucher durchschreiten, welcher zu meinem Vater möchte. Egal ob Familienmitglied, Besucher oder Bittsteller. Ganz am Ende ragt eine zwölf Meter Hohe Statue vom Stammvater unseres Hauses auf, der breitbeinig auf zwei Sockeln steht, so dass man unter ihm durchlaufen muss. Die Statue ist bemalt, zeigt die blaue Admiralsuniform der Flotte des Segmentum Obskurus. Die gigantischen Orden an seiner Brust bestehen aus den gleichen Materialien wie auch die Originale. In der einen Hand hält er ein übergroßes Energieschwert, dessen Klinge ein zuckendes blaues Energiefeld umgibt. Rabenklaue heißt das Schwert, dessen Knauf ein angedeuteter Rabenkopf bildet, während die Parierstange wie Klauen geformt sind. In der anderen Hand hält er Rabenschwinge, eine Plasmapistole, deren Kühlrippen auch hier blau leuchten. Verwegen scheint er damit auf einen zu zielen, wenn man die Galerie betritt. Auch in der Mündung scheint sich gerade das Plasma zu entleeren, dass einem gleich verdampfen wird. Manch einfache Seele hat sich hier schon zu Tode erschrocken und das ist nicht metaphorisch gemeint.

 

An den Wänden zieht sich mein Stammbaum entlang. Angefangen von unserem Stammvater links der Statue über den ganzen Saal entlang und dann wieder zurück. Inzwischen sind wir in der Mitte angelangt. Da steht auch irgendwo mein Name. Auf Kopfhöhe hängen dann Portraits einzelner herausragender Vorfahren. Praktisch das Beste meiner Familie der letzten Jahrtausende. An der gewölbten Decke kann man eine Raumschlacht sehen. Eine imperiale Flotte beim Gefecht gegen eine der verdammungswürdigen Xenosreiche, die einst diesen Sektor beherrschten und die dann ihrem gerechten Schicksal zugeführt wurden, ihrer vollständigen Auslöschung.

 

In der Mitte erheben sich mehrere Sockel, auf denen Modelle unserer Warpfähigen Raumschiffe in einem Maßstab von eins zu tausend zu sehen ist. Deswegen sind die meisten mindesten anderthalb Meter lang. Dass der "Audacia" sogar über vier Meter, einen halben Meter hoch und ebenso breit. Besonders der leichte Kreuzer im Monitorschema der Drehbänke fängt meinen Blick. Einst war das ein Schiff des Mechanicum, gebaut in der zweiten Hälfte des neununddreißigsten Jahrtausend eben auf den Drehbankwelten. Da deren Farben auch Rot und Schwarz sind, musste es noch nicht einmal umlackiert werden. Wobei das Schiff im Dienste eines Exploratorkapitäns mit dem Namen Zathor Rak schließlich verloren ging und vor fünfhundert Jahren in der Koronusweite von Xenos zurück erobert wurde. Das Schiff ging durch viele Hände, bis es vor knapp zweihundert Jahren einer meiner Vorfahren äußerst günstig kaufte, da es als verflucht galt. Viele Vorbesitzer fanden ein unrühmliches Ende. Nun ist mein Onkel Ravion seit einigen Jahren der Lordkapitän des Schiffes und wenn man so den Jahresbericht des Familienrates zwischen den Zeilen richtig las, liefen die Geschäfte hinter dem Schlund nicht wirklich gut.

 

Trotz des kleine Rückschlages wegen Crestus habe ich noch immer die Hoffnung eines Tages auf dem Thron des Schiffes zu sitzen, weit weg vom Familienrat und mein eigener Herr. Während ich die Details der Aufbauten des Schiffes bewundere und um den Sockel herum gehen will, höre ich auf einmal einen spitzen hohen Schrei und dann spüre ich Nässe an der Vorderseite meiner Hose. Ich blicke nach unten und sehe ein dürres Putzmädchen in einer schon Fadenscheinigen Dienstmädchenuniform, die ihr eigentlich zu klein ist. Ihr rotes Haar lugt struppig unter ihrer Haube hervor. Mit einem zu ein O geformten Mund, in dem die oberen Schneidezähne fehlen, starrt sich mich aus schreckgeweiteten grünen Augen flehentlich an. Ihre bloßen Beine sind deutlich mit Striemen in verschiedenen Farben gezeichnet. Offensichtlich hat diese kleine Magd gerade einen Eimer mit Putzwasser über meine Hose gelehrt, als ich in sie hinein gelaufen bin. Erst jetzt nehme ich die kleine Putzkolonne in der Halle wahr, die aus sehr jungen und sehr alten Schuldmägden besteht. Eine verhärmt aussehende Frau Anfang Fünfzig stürzt regelrecht auf mich zu und geht dann demutsvoll in die Knie.

 

"Bitte verzeiht dem dummen Kind ihre Ungeschicklichkeit! Ich bitte Euch, meldet das nicht, schickt sie nicht zum Zuchtmeister oder sortiert sie aus!" Die Frau hat deutlich genau so viel Angst vor mir wie das kleine Kind, dass jetzt bitterlich anfängt zu weinen.

 

"Ich werde sie selber hart bestrafen! Lasst es damit gut sein, Herr! Ich bitte Euch von ganzem Herzen, lasst doch bitte Gnade walten!", fleht die Frau weiter, während ich noch versuche, aus der ganzen Situation schlau zu werden. Als Adliger hat man natürlich nie an einem Malheur der Dienerschaft schuld, besonders wenn es sich offensichtlich um die niedrigsten Bediensteten handelt, um Schuldmägde und Putzmädchen. Diese bedauernswerten Wesen arbeiten die Schulden ab, die einst ein Vorfahr angehäuft und nicht begleichen konnte. Manche Schulden waren so hoch, dass seine Nachfahren viele Generationen damit beschäftigt sind, diese abzutragen. Jetzt sehe ich auch die tätowierte Inventarisierungsnummer auf den Armen des Mädchens, da sie ihre Ärmel hochgekrempelt hat.

 

Ich habe genau so viel Schuld an dem Umstand, dass meine Hose höchst unvorteilhaft feucht ist wie das dürre Putzmädchen. Aber natürlich kann ich das vor so niedrigen Bediensteten nicht zugeben. Die Kleine sieht mir ziemlich mickrig aus. Da ihr die Schneidezähne fehlen, muss sie sechs oder sieben sein. Aber von der Größe her, würde ich sie deutlich jünger schätzen. Wahrscheinlich ist die Kleine obendrein eine Waise und ist so relativ Schutzlos den anderen ausgeliefert. Ich sehe nicht nur Striemen, sondern auch viele Hämatome. Wenn ich das Mädchen hier lasse, wird sie entweder bald eingehen oder zu einem ziemlich gemeinen Wesen heranwachsen. Wenn man einen Hund zu lange prügelt, wird er irgendwann einen beißen. Mein in die Jahre gekommener Leibkoch Lungini hat vor einigen Wochen die Bemerkung fallen gelassen, dass er es begrüßen würde, wenn ich ihm eine Küchenhilfe genehmigen könnte, um diese dann als seinen Nachfolger oder Nachfolgerin auszubilden. Eine Zeitlang hatte er einen Küchenjungen gehabt, aber der war versetzt worden, als er mich auf die Akademie begleitete. Bis jetzt habe ich diesen Umstand in keinster weise Rechnung getragen, da ich mit der Organisation der Großen Jagd beschäftigt war. Ich beschließe, diese Angelegenheit hier gleich in Ordnung zu bringen.

 

"Nein, ich werde diese kleine infame Kreatur für ihre Missetat selbst bestrafen. Mein unverschämter Leibkoch benötigt eine Küchenhilfe. Ich denke, die beiden haben sich verdient. Schickt diese ungeschickte Magd unverzüglich zu meinem Lebenswart Caine und sagt ihm, dass sie die zukünftige Assistentin für meinen Koch Lungini ist. Ist das verstanden worden?", weise ich mit ruhiger Stimme an. "Wie ist übrigens der Namen von diesem Subjekt?"

 

"Ich habe Eure Anweisungen verstanden, Meister Conari. Ihr Name lautet Colette."

 

"Colette? Der Name ist aber Nett", reime ich dazu mal frei heraus und da alles gesagt ist, wende ich mich ab, ohne mich weiter um diese Subjekte zu kümmern. Das meine Hose gerade in der Höhe des Schrittes besonders Nass ist, hat natürlich eine gewisse Pointe, aber momentan nicht zu ändern. Das nächste Schiffsmodell ist das der "Himmlischen Faust", einem Cobra Zerstörer, die "großzügige" Dreingabe zum Freihändlerbrief. Die Cobra ist dafür bekannt mit ihren mächtigen Torpedowerfer im Bug selbst einem Großkampfschiff massivem Schaden zufügen zu können. Und sehr schnell weg zu fliegen, wenn der Feind danach immer noch kampffähig sein sollte. Dieses Schiff operiert in diesem Sektor, beschützt unsere Transporter oder macht aktiv Jagd auf Piraten. Im Sockel sind Abschüsse aus zweieinhalb Jahrtausenden akribisch dokumentiert.

 

Ein weiteres Schiff ist die Fregatte "Eiserner Regen" im Sturmklassenschema, die als mobiler Truppentransporter dient. Die kam vor knapp sechshundert Jahren in unserem Besitz, eine Prise aus dem Meritech Krieg. Knapp dahinter steht die "Rutengänger", eine Fregatte der Schwertklasse, die seit zweitausend Jahren im Dienst meines Hauses steht. Ursprünglich war sie ein Schiff des Angevin Kreuzzuges, ging bei einer Aufklärungsmission verloren und wurde fünfhundert Jahre später schwer beschädigt im Raum treibend verlassen aufgefunden. Die Flotte hatte kein Interesse mehr an dem vollkommen ausgeplünderten Wrack, so verblieb es im Besitz meiner Familie und wurde in den Drehbänken vollständig wieder repariert und dabei zu einem Forschungsschiff umgebaut. Eine Expedition mit diesem Schiff war es, was schließlich ein Technisches Schemata für die Riegelproduktion auf einer Welt am Hecaton Abgrund zu Tage förderte, für die meine Familie bekanntlich so berühmt ist. Auch operierte dieses Schiff lange Zeit in der Koronusweite, bis sie dann von der deutlich größeren und leistungsstärkeren "Audacia" abgelöst wurde.

 

Dann kommt ein etwas über zwei Schritt langer Transporter im Karackeschema. Ein recht fortschrittliches Schema, welches in großer Stückzahl von der Imperialen Flotte als Truppentransporter oder Nachschubtransporter eingesetzt wird. Die Karacke ist in keinem Punkt überragend, aber auch nirgendwo unterdurchschnittlich. Dazu verfügt sie über eine recht gute Bewaffnung für einen Transporter und kann auch mal einen Treffer wegstecken. Die Stärke dieses Schemas aber ist, dass es auf Reede liegend schnell be- und entladen werden kann. Ein weiterer Vorteil war, dass diese Schiffe steuerlich begünstigt sind, könnten aber im Falle eines Kreuzzuges zur Teilnahme verpflichtet werden. Aber da Nahrungslieferungen immer oberste Priorität hatten, war es unwahrscheinlich, dass unsere Familie diese Schiffe jemals zur Verfügung stellen musste. Immerhin besaß mein Haus eine Flotte von mindestens zwölf Schiffen davon, welche unablässig die Agrarwelten des Sektors mit den Makropolwelten verbanden. Eine stetige und äußerst wichtige Einnahmequelle meines Hauses.

 

Endlich bin ich am Ende der Galerie angelangt und ein Diener öffnet mir die Tür, die zu einem Empfangszimmer führt. Es gibt mehrere abgehende Türen, einen breiten Tresen und vier Sitzgruppen aus Leder in jeder Ecke. Eine davon haben meine Brüder okkupiert. Jedenfalls drei davon, da mein vierter Bruder Tellus bei der Imperialen Flotte Dienst tut und sich viele Lichtjahre von hier mit Piraten, Schmugglern, Xenos und Renegaten beschäftigen darf.

 

"Wenn das mal nicht der Held der Stunde ist!", begrüßt mich Novus etwas spöttisch. Der freche junge Mann ist mein drei Jahre älterer Bruder, der einen feschen Anzug nach der neusten Mode trägt. Momentan ist er als einer unserer Schiedsmänner vor Gericht tätig. Er ist minimal kleiner als ich, aber genau so trainiert. Es heißt, er wäre der bestaussehende von uns Brüdern. Keine Ahnung, ob das stimmt. Auf alle Fälle hat er schon einige Liebschaften hinter sich und auch einige Duelle deswegen austragen müssen.

 

"Hast du dir in die Hose gemacht?", fragt Gallus in seiner prächtigen Uniform als Oberkommandierender der Haustruppen auf mein Malheur anspielend. Wie ich seit neustem trägt er den Adamantenen Ring mit dem Blutstropfen der St. Drusus Militärakademie. Wenigstens den Ring und ein Patent habe ich bekommen. Zur Strafe für mein "ungebührliches" Verhalten, hat man mich von der feierlichen Zeremonie der Übergabe, dem Abschlussball und der offiziellen Verabschiedung ausgeschlossen. Selbstredend brauche ich gar nicht versuchen, mich für die nächste Stufe einzuschreiben. Nicht in diesem Jahr und auch nicht in tausend Jahren. Da war man sehr deutlich. Wäre mein Nachname nicht Conari, hätte man mich hochkant ohne Ring und Patent heraus geworfen.

 

"Nein, dass war Colette", wiegele ich ab, ohne die Umstände weiter zu präzisieren.

 

"Da hast du dir aber mächtigen Ärger eingehandelt", meldet sich nun mein ältester Bruder Quintus, der gerade seinen Vierzigsten Geburtstag gefeiert hat. Er ist der Erbe des Hauses, die zukünftige Nummer Eins. Er ist genau so groß wie ich, aber deutlich schlanker und leichter. Momentan hat eine Miene aufgesetzt, als hätte er gerade in eine marinierte Groxzunge roh essen müssen.

 

"Wie sauer ist Vater? Auf einer Skala von eins bis zehn? Wobei zehn für wirklich stinke sauer steht?"

 

"Zwölf!", antworten alle drei im Chor und selbst Quintus muss beim allgemein ausbrechenden Gelächter kurz grinsen, bevor er wieder seine sauertöpfische Miene aufsetzt.

 

"Die Cascandor toben wegen dem Tod von Crestus. Für die Güldenhand existieren wir momentan nicht. Ist jetzt noch nicht schlimm, da gerade keine Lieferungen außer unsere Riegel rein kommen, die davon nicht betroffen sind. Aber auf längere Sicht wird uns dein närrisches Verhalten einiges kosten", fasst Quintus die Lage zusammen.

 

"Wird mit einem Angriff gerechnet?", wende ich mich an Gallus wegen den ganzen aufgefahrenen Kampffahrzeugen.

 

"Reine Vorsichtsmaßnahme. Das Haus Cascandor hat nur wenige Männer unter Waffen, aber sie könnten andere Häuser oder einen Haufen Söldner auf uns hetzen. Ist zwar nicht wahrscheinlich, aber ein Angriff ist ein Umstand, den man nie ausschließen sollte", erklärt Gallus.

 

"Komm setz dich kurz, bevor Vater dir den Kopf abreißt und erzähl, was wirklich passiert ist", lädt Novus mich zu einem Plausch ein. Da auf dem Tisch eine noch gut gefüllte Flasche mit meinem Liebelingsamasec steht, sage ich nicht nein. Auch ist das eine gute Ausrede, die Konfrontation mit meinem Vater heraus zu zögern und ich kann eine neue Hose für mich herbestellen. Also erzähle ich knapp, wie sich das mit Crestus hoch geschaukelt hat.

 

"Ich kapier jetzt nicht ganz, warum Crestus sich an deiner Lieblingshure vergriffen hat, wenn er gar nicht wusste, dass du ihn da unten mit einem Steinbrocken ausgeknipst hast", meint Novus nach dem Ende der Erzählung.

 

"Ich bin nicht ganz sicher. Es geht möglicherweise um die Karte, welche uns in den Hinterhalt geführt hat. Crestus hat allen erzählt, er hätte die Karte von der "Verbotenen Zone" der Großen Jagd von mir, aber er hatte sie sich selber besorgt. Um mich als lästigen Zeugen auszuschalten wollte er mich in ein Duell zwingen, in dem er meine Favoritin tötet. Dann hätte er seinen Onkel Alphonsus den Herzensbrecher als Schiedsmann bestellen können und der hätte mich legal erledigt", erkläre ich meine Einschätzung von Crestus Motiven.

 

"Eine Schande, dass so ein Haufen Groxdung auf der St. Drusus Akademie aufgenommen wurde", ereifert sich Gallus. "Zu meiner Zeit hat es keine Rolle gespielt, wie Reich die Familie des Kadetten war. Seine Leistungen waren entscheidend."

 

Ich bin sicher, dass auch damals schon der Nachname der Aspiranten eine große Rolle gespielt hat. In meinem Jahrgang waren das zu mehr als der Hälfte Sprösslinge der mächtigsten Häuser von Scintilla. Es gab sicherlich auch einige Kadetten mit Stipendium, aber die hat Crestus zum größten Teil ermorden lassen, weil er nicht Adlige einfach verachtet hat.

 

"Nur zum allgemeinen Verständnis. Du hast Crestus Cascandor letztendlich deswegen tot geschlagen, weil er deine Lieblingshure gefoltert und dann ermordet hat?", fragt Quintus und ich kann ihm ansehen, dass er an meinem Verstand zweifelt.

 

"Das hat das Fass zum überlaufen gebracht. Aber es gab viele gute Gründe, ihn aus der Galaxis zu entfernen. Dieser Groxhaufen war eine Schande für die St. Drusus Akademie. Er war ein nicht zu tolerierender Makel für unseren Stand und er hat unsere Mutter beleidigt."

 

"Aber ihre Ehre zu verteidigen war dir nicht so wichtig wie deine kleine Hure zu rächen?", reitet mein ältester Bruder weiter darauf herum. Da mein Vater und er ziemlich gleich denken, bekomme ich schon mal einen Vorgeschmack vom nächsten Gespräch ab. Und mich dünkt, dass wird nicht erquicklich werden.

 

"Wir kennen alle die Neigungen unserer Mutter und wir wissen, dass alle anderen von Stand das auch wissen, weil sie niemals irgend einen Hehl aus ihrer Neigung gegenüber Frauen gemacht hat. Das ist in diesem Sektor auch nicht verboten. Also warum sollte ich wegen einer Tatsache eine Vendetta vom Zaun brechen?", erkläre ich mich.

 

"Eine Vendetta wegen einer kleinen Hure vom Zaun zu brechen ist natürlich viel eloquenter", merkt Quintus säuerlich an.

 

"Falsch, ich habe eine Vendetta wegen meiner kleinen Hure losgetreten", stelle ich richtig. Und betone das "meiner" deutlich.

 

"So hört sich das natürlich schon sehr viel elaborierter an", merkt Novus sarkastisch an und kippt sich seinen Amasec hinter die Binde.

 

"Wie gesagt, dass war nur der Tropfen, der den Damm hat bersten lassen. Duelle sind legal, er hat mich gefordert, ich habe angenommen, wir haben es unter äußerst chaotischen Verhältnissen ausgefochten und er hat verloren. Wenn seine Familie damit nicht klar kommt, kann ich letztendlich nichts mehr daran ändern."

 

"Wenn du dich da mal nicht verkalkuliert hast, mein lieber Flavion", unkt Quintus düster und trinkt sein Glas mit einem Zug aus.

 

"Wie geht es inzwischen deinem Vasallen?", wechselt Novus das Thema.

 

"Die Wunde sah schlimmer aus als sie war. Kleist wird für die nächsten Wochen etwas eingeschränkt sein, aber die Experten sind der Meinung, dass er vollständig genesen wird", erwidere ich und bin Froh, dass meinem Freund nichts schlimmeres passiert ist.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Nun kommen wir zu der Einführung von einigen Familienmitgliedern. Auch fand ich es eine gute Gelegenheit, die Familienflotte vorzustellen. Und es findet die Schicksalshafte Begegnung zwischen Colette und Flavion statt. Wer "Die Fahrten der Audacia" gelesen hat, wird sich vielleicht noch an sie erinnern. Vielen Dank für die Likes!

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Kapitel XI

 

Endlich wird mir eine neue Hose vorbeigebracht und ich ziehe mich kurz um.

 

"Wünscht mir Glück", wende ich mich an meine Brüder und will zum Fahrstuhl gehen.

 

"Viel Glück! Nicht das dies dir nutzen würde. Vater besteht übrigens darauf, dass du die Treppe der tausend Bußen nimmst", merkt mein ältester Bruder Quintus an.

 

"Das war jetzt ein schlechter Scherz, oder?", frage ich nach, da ich mir nicht vorstellen kann, wie ein Bittsteller behandelt zu werden.

 

"Nein, Flavion, dass ist bitterer Ernst und ich denke, die Treppe zu nehmen, dient dazu, dir das klar zu machen", erklärt Quintus im normalen Tonfall. Keine Spur von Häme ist da raus zu hören, aber auch kein Mitgefühl.

 

"Na dann, wir sehen uns", verabschiede ich mich zu meinen Brüdern und nehme schicksalsergeben die Tür zur Treppe. Natürlich könnte ich den "Wunsch" meines Vaters einfach ignorieren, aber ich schätze mal, ich habe ihn schon genug verärgert. Satte einhundertacht Stufen erwarten mich. Keine gleicht der anderen in Höhe und Länge. Die Wände des Aufganges sind von wuchtigen Gemälden aus der imperialen Geschichte geschmückt. Oder besser gesagt, von den Legenden. Da fliegt schon mal ein blonder Engel mit blau leuchtender Rüstung vom Himmel und mäht ganze Armeen von Renegaten mit ihrem flammenden Schwert nieder. Andere sind real, wie der Imperator, welcher die Schlange Horus mit seinem flammenden Speer aufspießt. Letztendlich geht es in den meisten Gemälden um Allegorien. Ich komme mir vor wie ein kleiner Scholajunge, der zum Zuchtmeister muss, weil er frecherweise Mädchen an den Haaren gezogen hat.

 

Schließlich stehe ich vor der Tür und betrete den Vorraum, der eher die Ausmaße einer Turnhalle hat. Hier arbeiten emsig einige Buchhalter an Cogitatoren, Lexikanuseinheiten sind teilweise direkt mit Speicherbänken verbunden. Die Luft wirkt wie elektrisch aufgeladen und auch etwas überhitzt für meinen Geschmack. Ständig ist ein klacken vom Anschlagen von Tasten zu hören, ebenso ein ständiges Gemurmel, weil einige Angestellte mit Außenstellen telefonieren. Eine junge dunkelhaarige Schuldmagd mit Rundungen an den richtigen Stellen fährt mit einem Servicewägelchen durch die Reihen und reicht den Angestellten frisch aufgebrühten Kaf oder durchaus lecker aussehende Snacks. Hinter einem Podest steht einer der direkten Vasallen meines Vaters, ein breitschulteriger Mann in den Mitte Sechzigern in einem Anzug, der eher im Schnitt einer Uniform gleicht.

 

"Ah, der junge Sünder hat sich endlich hier her bequemt. Dein Vater erwartet dich schon sehnsüchtig." Sein Tonfall hat durchaus etwas verärgertes an sich. Als würde er mit einem Lausbuben schimpfen, den er beim ausspähen der Mädchenumkleide erwischt hat. Ich könnte jetzt einen auf dicke Hose machen und ihn an seinen Vasallenstand erinnern, erachte dies aber als eher Kontraproduktiv.

 

"Kann ich mir vorstellen", meine ich kurz angebunden und gehe auf die gegenüberliegende Tür zu, die eher ein massives Panzerschott ist. Auf dem Weg dahin stibitze ich mir noch einen Snack vom Servicewägelchen, was die durchaus attraktive Schuldmagd mit einem süßen lächeln quittiert. Links und rechts stehen wie Stauten je vier Gardisten aus der persönlichen Leibwache meines Vaters, welche ihre reich verzierten Bolter, Melter, Plasmawerfer oder leichtes Maschinengewehr zum Gruß präsentieren. Ich grüße sie respektvoll zurück. Fast lautlos gleitet das Schott auf und ich betrete einen kurzen Gang. Ein weiteres Schott öffnet sich erst, als sich das hintere geschlossen hat. Dieser Gang ist eine Todesfalle, welche jederzeit mit wirklich effektiven Giftgas geflutet werden kann.

 

Nun betrete ich das Arbeitszimmer meines Vaters. Ein gewaltiges gotisches Buntglasfester ragt hinter dem wuchtigen Schreibtisch meines Vaters bis zur zwanzig Schritt hohen Decke hoch. Dies zeigt wieder den Gründer unseres Hauses mit gezogenen Schwert, auf das er sich wie der imperiale Engel stützt. Die anderen Wände sind voll mit Bücherregalen, welche die Familiengeschichte beinhalten. Und wo akribisch vermerkt ist, wer welche Apanage bekommt. Mein Vater hockt auf einem massiven Thron hinter seinem wuchtigen Schreibtisch, der auf einem massiven Podest steht und schaut äußerst missmutig zu mir herab. Links und rechts stehen Bildschirme auf dem Schreibtisch und ich kann das reflektierende flackern von ihnen im Gesicht meines Vaters sehen. Ja, er ist wirklich sauer.

 

"Schön, dass du es hast einrichten können, hier zu erscheinen", begrüßt mich mein Vater in einem betont ruhigen Tonfall.

 

"Womit kann ich dienen?", frage ich ihn einfach mal frei heraus.

 

"Erleuchte mich!" Vater macht eine ausholende Geste nach oben, als wäre er ein Schauspieler in einem Drama, der um den Beistand des Imperators fleht.

 

"Ich kann nicht ganz folgen?", frage, ich da ich nicht weiß, auf welchen Punkt er nun genau anspielt.

 

"Genau das ist dein Problem, mein lieber Sohn. Was war meine oberste Order, als du in die St. Drusus Akademie eingetreten bist?" Sein Tonfall hat etwas lauerndes.

 

"Keine Vendetta anfangen oder hochkochen lassen?", antworte ich verhalten.

 

"Wie ich sehe, funktioniert wenigsten der Teil deines Gehirns noch rudimentär, welches für das Langzeitgedächtnis zuständig ist. Und darf ich fragen, warum du diese simple Anweisung ignoriert hast?" Seine Tonfall ist ziemlich schneidend, schon beinahe ätzend.

 

"Crestus Cascandor hat es darauf angelegt und es ist durchaus etwas komplexer als es den Anschein hat", verteidige ich mich etwas lahm.

 

"Mag sein, aber du hättest nur zur Tür hinaus gehen müssen, nicht wahr?" Offensichtlich hat einer seiner Emissäre oder Vasallen schon mit Kleist geredet. Oder mit Zeugen des Vorfalls.

 

"So einfach war das nicht", stelle ich klar.

 

"Einen Schritt nach dem anderen, dass hattest du, wenn mich mein durchaus noch funktionierendes Langzeitgedächtnis nicht täuscht, schon mit zwei Jahren ziemlich gut drauf. Tür auf, Flavion durch, Tür zu. Kein Duell, keine Vendetta, alle haben einen guten Tag. Also erleuchte mich, was war daran nun nicht so einfach?" Die Stimme meines Vater ist schneidend und ich denke, wir sind bei der Dreizehn angelangt, was den Grad seines Zornes anbelangt.

 

"Crestus hat es provoziert, weil er mich wegen gewissen Dingen bei der Großen Jagd loswerden musste." Ich selbst finde meine Entschuldigung ziemlich lahm, besonders da ich mich nicht gerade eloquent wiederhole.

 

"Dein ganze bisherige Existenz habe ich dich auf ein Leben an den Adelshöfen vorbereiten lassen. Provoziert zu werden ist da etwas ganz normales. Also mein Sohn, warum hast du eine Vendetta mit dem Haus Cascandor vom Zaun gebrochen. Von denen du wusstest, wie sehr sie die Güldenhand kontrollieren und damit einige nicht ganz so unwichtigen Einnahmequellen dieses Hauses, von dem übrigens auch deine überaus üppige Apanage bezahlt wird." Besonders die Worte "deine" und "Apanage" betont mein Vater mit ungewöhnlicher Schärfe.

 

"Crestus hat eine Grenze überschritten und ich musste reagieren", rechtfertige ich mein handeln ein weiteres mal und komme mir vor wie eine Schallplatte mit einem Knacks.

 

"Ah, der junge Crestus hat eine Grenze überschritten. Welche denn bitte schön, wenn ich fragen dürfte, mein lieber Sohn."

 

"In der "Goldenen Dose" gab es eine Dienstleisterin, die mir sehr zugetan war. Die ich sehr schätzte und die ihre neun Geschwister materiell unterstützte. Diese hat er nur aus dem Grund brutal gefoltert und heimtückisch ermordet, um mich in ein Duell zu zwingen, um mich so zum schweigen zu bringen, dass er diese verdammte Karte von der Verbotenen Zone selbst besorgt hat und nicht ich. Diesen Frevel konnte ich ihn nicht durchgehen lassen."

 

"So so, diesen Frevel, irgend ein vollkommen unwichtiges Habmädchen totzuschlagen, konntest du dem designierten Erben des Hauses Cascandor nicht durchgehen lassen. Ich wusste ja schon immer, dass du zu Größenwahn neigst, aber ich hätte nie gedacht, dass du es darauf anlegst, deine Schwester Zethania in Sachen Exzentrik zu überflügeln. Genau genommen hast du wohl auch gerade deine Tante Megera übertroffen und die ist wirklich verrückt mit ihren vollkommen abstrusen Ideen über Menschenrechte und Demokratie! Wenn du noch so weiter machst, erreichst du noch deinen Cousin Oliviero und der hat als stichhaltige Ausrede immerhin noch eine massive Kopfverletzung." Die Stimme meines Vaters ist deutlich lauter geworden. Besonders die Worte "Menschenrechte" und "Demokratie" speit er förmlich aus. Das er von einem "Habmädchen" spricht, zeigt, dass mein Vater schon einiges aus anderen Quellen von den Ereignissen in der Goldenen Dose erfahren haben muss. Wahrscheinlich hat mein Lebenswart schon einen Bericht verfasst oder gar mit meinem Vater direkt gesprochen.

 

"Wie schon gesagt, Vater, es ist durchaus etwas komplizierter", versuche ich mich zu rechtfertigen und setze ihm grob von dem Hinterhalt, in die uns diese verdammte Karte geführt hat, den daraus folgenden Kämpfen und was danach gekommen ist, ins Bild. Auch erwähne ich ausdrücklich, dass Kleist versucht hat, mich von dem ganzen Schlamassel abzuschirmen, was nicht geklappt hat. "Deswegen hat Crestus mich in ein Duell zwingen wollen und ich habe ihn dazu gebracht, dass er mich fordert. Ebenso habe ich im Vorfeld schon zwei von Crestus Vasallen von ihm selbst neutralisieren lassen. Also hat Crestus dann seine zwei verbliebenen Vasallen vorgeschickt, die Kleist und ich dann ausgeschaltet haben. Das anschließende Duell war sicherlich aufgrund seines Verhalten nicht konform, aber letztendlich war das alles noch im Rahmen des Gesetzes. Crestus hat mich gefordert, dann gefoult, Kleist wurde schwer verletzt und ich habe den Erben des Hauses Cascandor dafür tot geschlagen."

 

"Das war taktisch klug, aber strategisch gesehen war das die reine Katastrophe. Was hast du dir dabei nur gedacht? Du hast den Mistkerl doch neutralisiert und am Boden. Aber anstatt ihn zu fragen, woher er die thronverdammte Karte und wer ihn zu dieser Intrige angestiftet hat, schlägst du ihn einfach nur tot. Beim goldenen Thron von Terra, mein Sohn! Warum hast du diesen Groxdung nicht einfach verhört, bis er dir alle offenen Fragen beantwortet hat?", fragt nun mein Vater und schaut mich anklagend an.

 

"In dem Moment wollte ich ihn nur noch vernichten. An das habe ich gar nicht gedacht, dass war wohl ein Fehler", gebe ich zu, da ich von rechtschaffenen Zorn erfüllt gewisse Aspekte durchaus vernachlässigt habe.

 

"Ein Fehler mit großen Folgen für und alle und nicht nur für dich! Ich habe so viel mehr von dir erwartet und dann so was." Seine Stimme ist nun eher traurig und ich fühle mich durchaus von seinen Worten getroffen.

 

"Eventuell habe ich die Konsequenzen meiner Tat etwas unterschätzt", lenke ich durchaus zerknirscht ein.

 

"Ah, eventuell hast du das, ja, eventuell hast du das wirklich", mein Vater seufzt tief, fährt sich durch die Haare und hebt dann ein offiziell wirkendes Dokument hoch. "Eine Vorladung für eine Gerichtsverhandlung, dich betreffend."

 

"Aha, und was wirft man mir vor?", frage ich perplex.

 

"Lass mich mal kurz nachsehen", dabei schaut mein Vater mich zuerst prüfend an und mustert dann die Vorladung, als gebe etwas äußerst wichtiges dort zu entdecken. Ich denke, er hält mich für einen kompletten Idioten. "Ah, da steht es ja. Es geht da um so eine nichtige Kleinigkeit. Die behaupten doch tatsächlich vollkommen unverfroren, dass du ganz infam den zweiten Erben des Hauses Cascandor tot geschlagen hast. Wie kommen die nur auf eine solche Absurdität?" Ich hasse es wirklich, wenn mein Vater so mit Sarkasmus um sich wirft. Ich komme mir vor, als wäre ich Sieben und nicht schon fast neunzehn Jahre jung.

 

"Das war ein Duell, wenn auch sicherlich ein chaotisches, da Crestus mir zuerst seine Vasallen, so weit noch möglich, auf den Hals gehetzt hat. Dann hat er eine Digitalwaffe auf mich abgefeuert, die Kleist beinahe getötet hätte. Also habe ich ihn entwaffnet und anschließend mit dem Korb meines Breitschwertes tot geschlagen. Das war die von mir bestimmte Waffe, auch wenn ich sie wohl etwas ganz klein wenig zweckentfremdet habe."

 

"Ich sehe schon, ein Duell, dass wird sich ja dann klären lassen, wer Recht hat und wer nicht. Und zwar vor Gericht!" Die letzten Worte sind ziemlich leise und so langsam realisiere ich, was das Haus Cascandor hier versucht.

 

"Ich trete gegen Alphonsus den Herzensbrecher als deren Schiedsmann an", stelle ich fest. Genau das, was ich eigentlich hatte vermeiden wollen.

 

"Wie ich sehe, ist mein jüngster Sohn noch nicht gänzlich verblödet. Genau, du bist des Mordes angeklagt und ein Gottesurteil durch ein Duell wird entscheiden, ob du schuldig bist oder nicht. Und Mord an einen Adligen wird auch bei einem Adligen mit dem Tod oder im besten Fall, mit dem Eintritt in ein Strafbataillon geahndet. Es spielt also keine Rolle, ob ich einen unserer Schiedsmänner opfere, am Ende bist du früher oder später tot!" Den letzten Satz schreit man Vater heraus und hämmert mit der geballten Faust auf den Tisch.

 

"Selbstverständlich werde ich selbst kämpfen", stelle ich gleich mal klar, dass ich keinen Schiedsmann brauche.

 

"Gratulation zu deinem Tod, du thronverdammter Narr!", schimpft nun das Oberhaupt meiner Familie und zum ersten mal sehe ich ihn nun ohne seine Maske. Er wirkt müde, resigniert und traurig. Sieht so aus, als hätte er mich schon abgeschrieben.

 

"Ich habe den Rekord bei der Großen Jagd gebrochen und in beiden Jahrgängen das Fechtturnier der St. Drusus Akademie gewonnen. Auch habe ich schon vier andere Ehrenhändel siegreich überstanden. Noch ist nichts verloren", wiegle ich mit mehr Optimismus in der Stimme ab als ich wirklich habe. Mein Vater fährt sich wieder durch die Haare und schüttelt dann den Kopf.

 

"Da gratuliere ich dir, dass du in der Lage bist, ein paar ungezogenen Jungs etwas Manieren beizubringen und Muties im großen Stil abzuschlachten. Alphonsus Cascandor gilt nicht nur als der Beste Schwertkämpfer von Scintilla, sondern des ganzen Calixis Sektor. Seit gut fünfundzwanzig Jahren ist er ungeschlagen. Er hat vor Gericht 187 Duelle auf Leben und Tod absolviert. Daneben heißt es, er hätte so etwa zwei bis dreihundert weitere Ehrenhändel für sein Haus außergerichtlich geklärt und damit meine ich nicht die zum ersten Blut oder Aufgabe." Mein Vater stockt, nimmt einen Schluck Amasec aus einem geschliffenen Kristalglas mit dem Raben als Wappen und fährt dann mit müder Stimme fort. "Ich habe einen Bruder, einen Neffen und einen Cousin gegen ihn verloren. Dazu noch zwei wirklich fähige Schiedsmänner, jeder davon galt ihm seinerzeit als Ebenbürtig. Sie sind alle tot, alle! Und jeder einzelne von ihnen war ein sehr erfahrener Schwertkämpfer mit mindestens fünf Jahren Duellerfahrung vor Gericht. Ich habe einen imperialen Todeskult angeworben, um Alphonsus zu töten. Und sie sind ebenfalls gescheitert! Und jetzt willst du mir erzählen, du hättest eine Chance? Du dummer Junge! Was glaubst du, wer du bist. Der Auserwählte? Der eine unter einer Milliarde? Eine Romanfigur, welche die Schwachstelle entdeckt, die alle Deppen bisher übersehen haben? Thronverdammt! Ich hätte dich für klüger gehalten, Flavion. Für so viel klüger!" Er schüttelt den Kopf und fährt sich ein weiteres mal durch das Haar. Ich kann ihm jetzt durchaus ansehen, wie Nahe ihm das alles geht.

 

"Ich war auch mal jung, ich war auch mal dumm und ich habe auch einen Haufen Groxdung produziert. Menschen machen Fehler. Menschen haben Schwächen. Deine sind Stolz, eine überzogene Loyalität zu denen, die du meinst beschützen zu müssen und deine offensichtliche Unfähigkeit, die Folgen deiner Taten abzuschätzen. Dazu noch die Arroganz der Jugend zu glauben, all das auch überleben zu können. So ist bist du eben. Du bist mein Sohn. Und ich liebe dich, auch wenn du offensichtlich ein vollkommener Narr bist. Was soll ich sagen, Flavion. Wenn du vor Gericht antrittst, bist du tot! Da brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. In zwei Tagen geht ein Transfer nach Wandererhafen. Von dort nimmst du eine Passage durch den Schlund, triffst dich auf Bruch mit deinem Onkel Ravion und dienst unter ihm als Offizier auf der "Audacia". Hinter dem Schlund hört der Arm der Imperialen Rechtsprechung auf und du bist in Sicherheit. Verabschiede dich von der Familie, dann bringt dich einer unser Guncutter zum Schiff", erklärt mir mein Vater nun in einem ruhigen Tonfall, der mir zeigt, dass das Strafgewitter nun vorbei ist.

 

"Nein!", erwidere ich mit fester Stimme. Das ist nicht mein Weg. Ich will zwar eines Tages genau diese Route nehmen, aber als designierter Lordkapitän der "Audacia". Wenn ich jetzt gehe, werde ich niemals das Kommando übernehmen können, außer durch Meuterei.

 

"Nein, was?", fragt mich mein Vater perplex.

 

"Diesen Weg werde ich nicht gehen, Vater. Ich werde nicht fliehen, denn ich habe Crestus vollkommen legal getötet. Auch wenn ich mich wiederhole, er hat mich vor Zeugen gefordert. Ich habe, wie es mein Recht ist, Ort, Zeit und Waffe bestimmt. Das er dann gefoult hat, dafür kann ich nichts. Auch das dieses Duell so chaotisch ablief, ist nicht meine Schuld. Ich bin des Mordes nicht Schuldig und ich werde notfalls mit dem Schwert in der Hand bei einem Gottesurteil beweisen. Ganz abgesehen davon, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Ich bin nicht sicher, was auf der Großen Jagd passiert ist, aber ich denke, Crestus wurde von irgend jemand zu etwas angestiftet, dessen Komplexität ich nicht verstehe."

 

"Das wiederholen von Fakten ist in diesem Kontext nicht zielführend, Flavion. Wir beide wissen die Wahrheit. Aber aufgrund der chaotischen Umstände könnte ein neutraler Außenstehender durchaus zu dem Schluss kommen, dass du aus reiner Rache Crestus Cascandor totgeschlagen hast. Und du hast grandios die Möglichkeit verpasst, Licht ins Dunkel zu bringen. Natürlich ist da im Hintergrund etwas gelaufen. Was genau werden wir so wohl nicht erfahren, da du ja Crestus, ja ich wiederhole mich, tot geschlagen hast! Die einzige weitere Person, die in dieser Angelegenheit involviert ist, euer Jahrgangslehrer Oberst York ist seit Tagen verschwunden. Entweder ist er so gut untergetaucht, dass man ihn niemals finden wird oder er ist längst tot, weil auch er nur ein Mittelsmann war", erklärt mir mein Vater ruhig und zeigt, dass er sich nicht nur schon Gedanken über die Ereignisse gemacht hat, sondern schon einiges in Erfahrung gebracht hat. Ich frage mich, ob ich meinem Familienoberhaupt und Vater überhaupt was Neues habe sagen können.

 

"Und was meinst du, was dahinter steckt?", frage ich einfach mal neugierig.

 

"Wie ich schon sagte, dank dir ist die Faktenlage momentan sehr dünn. Aus dem Bauch heraus würde ich meinen, dass das Haus Cascandor versucht, einen offenen Krieg gegen das Haus Conari zu führen und dies durch die Ereignisse um die Große Jagd rechtfertigen wollte. Aber genau so gut kann irgend ein anderes Haus dahinter stecken, welches von einem Krieg zweier mächtiger Häuser profitieren würde. Oder die Celestische Allianz will uns wegen der Dominanz unseres Hauses auf dem Agrarsektor schwächen, um höhere Preise für ihre Produkte durchzusetzen. Aber wie gesagt, darüber zu spekulieren ist müßig, da zu viele Häuser, Gruppierungen und Parteien von diesen Ereignissen profitieren würden."

 

"Da habe ich wohl ziemlichen Mist gebaut, Vater", gebe ich zerknirscht zu, da ich viele Faktoren in dem Moment gar nicht bedacht habe und es dummerweise im Blutrausch unterlassen habe, die richtigen Fragen zu stellen. Diese Chance habe ich grandios vertan. "Es tut mir leid, Vater!"

 

"Mir auch, mein Sohn, mir auch. Manchmal muss man seinen Stolz herunterschlucken und akzeptieren, dass man sich im rückwärtigen Raum neu formieren muss. Sei kein Narr, wirf dein Leben nicht weg gegen einen Gegner, der seit fünfundzwanzig Jahren unbesiegt ist", versucht mein Vater mich mit Worten zur Vernunft bringen.

 

"Genau seit fünfundzwanzig Jahren. Alles hat ein Ende, auch ein Alphonsus Cascandor wird nicht jünger. Ich möchte zuerst noch meine Chancen selber analysieren", meine ich mit mehr Optimismus in der Stimme, als wie ich wirklich empfinde.

 

"Wenn du bleibst, brichst du deiner Mutter das Herz."

 

"Das ganze war ihre Idee, nicht wahr?"

 

"Es war unsere gemeinsame Idee, dich weit weg in Sicherheit zu schaffen. Aber du bist erwachsen, du bist volljährig. Noch ist Zeit, überlege es dir in Ruhe."

 

"Gut, ich werde mir zuerst ein eigenes Bild von der Situation machen, Vater!"

 

"Nun gut, dann sage das deiner Mutter auch selber. Sie ist im Wintergarten", sagt mein Vater nach einem tiefen Seufzer. Vielleicht hat er die Hoffnung, dass meine Mutter mich umstimmen kann. "Komm dann wieder her, dann besprechen wir alles weitere, so oder so."

 

"Gut, Vater, wir sehen uns", erwidere ich und bin entlassen.

 

Im Wintergarten, quasi der zentrale Innenhof hinter dem Arbeitszimmer, finde ich meine Mutter auf einem Liegestuhl, umgeben von mehreren eher leicht bekleideten Frauen, von denen ihr eine die bloßen Füße massiert.

 

"Hallo Mutter", begrüße ich die schwarzhaarige Frau, die nicht älter als fünfundzwanzig aussieht. Sie trägt skandalös wenig, aber das bin ich von ihr gewohnt.

 

"Meine Lieben, seid doch so lieb und geht doch eine kleine Runde in diesem schönen Garten spazieren und bringt mir einen Strauss wohlriechender Blumen mit." Die Damen knicksen artig und schweben von dannen, wo sie zwischen den Pflanzen des weitläufigen Wintergartens verschwinden, der sich über mehrere Ebenen zieht. Ein Wasserfall, der über jede Ebene fließt, ist neben den Treppen das landschaftlich verbindende Element des Gartens, den meine Mutter selbst entworfen hat. Es riecht wenig überraschend nach Dschungel in dieser grünen Oase. Meine Mutter verbringt meistens hier ihre freie Zeit mit ihren "Hofdamen". Man könnte meinen, wir wären unter freiem Himmel, dabei sind wir mehrere Kilometer unter der Oberfläche.

 

"Ich werde erst wieder ruhig schlafen, wenn ich dich in der Koronusweite weiß", fängt sich mir auch gleich an ein schlechtes Gewissen einzureden.

 

"Momentan werde ich mich vor dem Duell nicht drücken, Mutter", meine ich mit fester Stimme.

 

"Du willst dich doch nicht allen ernstes diesem brutalen Tier stellen!" Ihre Tonlage ist viel zu hoch.

 

"Ich werde meinen Kontrahenten erst einmal in aller Ruhe analysieren und wenn der Gottimperator will, werde ich einen Weg finden, ihn zu besiegen."

 

"Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, deine Schwester Zethania in puncto Exzentrik zu übertreffen. Sei ein kluger Junge und hör auf deine Mutter. Gehe zu deinem Onkel Ravion und auf der "Audacia" bist du in Sicherheit!", ihre Stimme hat etwas sehr entschiedenes.

 

"Nein, dass ist nicht die Lösung dieses Problems. Ich habe diese Vendetta reaktiviert und ich werde es zu Ende bringen."

 

"Beim Licht des Imperators! Du musst in der Untermakropole giftige Dämpfe eingeatmet haben, die deinen Sinn für die Realität vollkommen eintrüben. Das einzige, was in der Arena des hohen Gerichtes passieren wird, ist dein Tod!"

 

"Dinge können sich ändern, Mutter. Hab etwas vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich weiß, was ich tue."

 

"Nein mein Sohn, dass weißt du nicht. Ich habe schon viele gute Männer vor Gericht sterben sehen. Und sie waren alles sehr erfahrene Kämpfer. Es gibt immer einen, der stärker als man selbst ist. Und steht in deinen vielen Büchern über Krieg nicht irgendwo, dass man keine Schlachten schlagen soll, wenn man weiß, dass man nur verlieren kann?"

 

"Doch, so was steht unter anderem drin. Aber auch, dass man die Schwachstellen seines Feindes suchen und ausnutzen muss."

 

"Das haben schon andere versucht und alle sind gescheitert. Ich frage mich, was mit dir passiert ist, mein lieber Junge. Du warst früher so ein liebes Kind. Das macht mich jetzt richtig traurig." Damit zündet meine Mutter ihre letzte Waffe, ihre Tränen. Ich habe gerade meine Mutter zum weinen gebracht.

 

"Helden sterben jung, Feiglinge sterben tausende Tode. Ich werde mich vor meiner Verantwortung nicht drücken! Bete für lieber für einen Weg zu meinen Sieg, Mutter!" Ich küsse sie auf die Stirn und lasse sie zurück. So leicht lasse ich mich jetzt doch nicht manipulieren.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Dieses mal ein ziemlich langes Kapitel, da ich es nicht sinnvoll habe trennen können. Vielen Dank für das Like!

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Am 4.10.2021 um 10:32 schrieb Avalus:

 

Bei der Beschreibung des Palastes in den beiden Teilen konnte ich irgendwie nur an Castle Heterodyne denken  xD

 

Castle Heterodyne? Sagt mir jetzt gar nix.

Kapitel XII

 

"Autsch, dass hat jetzt bestimmt weh getan!", kommentiert mein drei Jahre älterer Bruder Novus den Ausgang von Duell 177. Auf dem Televid in meinem großen Studienzimmer ist zu sehen, wie Alphonsus Cascandor einem armen Tropf aus dem Haus Horne sein Schwert durch das Herz rammt. Der Kampf hat ganze siebzehn Sekunden gedauert. Davon war der oberster Schiedsmann von Cascandor fünfzehn Sekunden lang damit beschäftigt, seinen Kontrahenten quer durch die Arena auf die Tür zu treiben, wo er ihn nun mit "Herzensbrecher" festnagelt, in dem er das Schwert durch das Herz des bedauernswerten Mannes treibt. Für ein paar Sekunden zuckt der Körper im Todeskampf noch wie ein mit einer Nadel aufgespießter Käfer, dann erschlafft der Leichnam.

 

"Je mehr ich von diesen Kämpfen anschaue, desto mehr schlechte Befürchtungen habe ich über den Ausgang", merkt Gallus an. Zwei meiner Brüder schauen sich mit mir die gesammelten Werke unserer Familie über Alphonsus Cascandor an. Auf einem Wägelchen von unsere Hausbibliothek sind alle Medien ordentlich aufgereiht, was wir zu diesem Thema haben. Bücher, Journale, Zeitungen und Speicherkristalle.

 

"Macht mir doch nur Mut!", rufe ich theatralisch aus.

 

"Vielleicht solltest du dir das mit dem Exil in der Koronusweite noch einmal überlegen", mahnt Gallus an.

 

"Dienst auf einem leichten Kreuzer wäre vielleicht nicht das schlechteste, was dir passieren könnte", haut Novus in die gleiche Kerbe.

 

"Würdet ihr an meiner Stelle den Rückzug antreten?", frage ich meine beiden Brüder. Quintus hat sich nicht blicken lassen, ist angeblich damit beschäftigt, den Schlamassel aufzuräumen, den ich angerichtet habe.

 

"Ehrlich gesagt würde ich an deiner Stelle ernsthaft über diese Alternative nachdenken", erwidert Novus und ich denke, er meint es wirklich ehrlich.

 

"Du lässt keine Frau oder Kinder hier zurück. Du hat ein Offizierspatent von der angesehensten Militärakademie des Calixis Sektors, du würdest sofort einen Zug Marineinfanterie kommandieren, in einem Jahr als Hauptmann eine Kompanie und in fünf als Major eine Abteilung. Onkel Ravion ist zwar jetzt nicht gerade mein Lieblingsonkel, aber er wäre sicherlich froh, einen fähigen Neffen an seiner Seite zu haben", versucht Gallus mir die Sache schmackhafter zu machen.

 

"Es muss ja auch nicht unbedingt für immer sein. In ein paar Jahren könnten andere Umstände dafür Sorgen, dass die Anklage fallen gelassen wird und du zurück kehren kannst", argumentiert Novus weiter.

 

"Und die Audacia ist nicht Moruf, wo nie etwas passiert." Moruf ist eine Agrarwelt, dessen gesamte nördliche Hemissphäre im Besitz meiner Familie ist. Die erste Erwerbung meines Vorfahren. Eine Agrarwelt, wo man tausend Klicks weit laufen konnte, ohne eine einzige Wildblume zu sehen, weil alles bewirtschaffbare Land von gewaltigen Feldern bedeckt ist. Das System befindet sich am Ende einer Route, die nach Scintilla führt und es gab das geflügelte Sprichwort: So aufregend wie die Nachrichten von Moruf. Weil es eben keine aufregenden Nachrichten von dieser Welt gab. Exzentrische Verwandte und solche, die über Gebühr unangenehm aufgefallen waren, fanden sich recht schnell auf einem unwichtigen Posten auf dieser Welt wieder. Unter anderem verwaltete meine exzentrische Tante Megera dort eine Insel im nördlichen Meer, wo sie mit ihren wahnsinnigen Ideen niemanden sonst auf dumme Gedanken bringen konnte.

 

"Seid ihr hier, um mir zu helfen, oder mich in eine Richtung zu treiben, die unseren Eltern genehm ist?", beschwere ich mich über die mangelnde Unterstützung.

 

"Beides. Wir haben jetzt zwölf Kämpfe angesehen und ich kann keine Schwachstelle erkennen", meint Novus. "Ich habe schon fünf Duelle auf Leben und Tod als Schiedsmann unserer Familie vor Gericht bestritten und ich weiß, ich würde genau so schnell sterben wie der arme Kerl da. Ich weiß, dass du ein guter Fechter bist, vielleicht sogar etwas besser als ich, aber das hier ist mehr als eine Nummer zu groß für dich, wie für Gallus und auch für jeden anderen unserer Schiedsmänner."

 

"Vielleicht ist es an der Zeit der Realität ins Auge zu blicken, kleiner Bruder. Du hast die Wahl zwischen einem Thronverdammt sicheren Tod in der Arena und einer Karriere als Offizier auf einem Freihändlerschiff unserer Familie in der Koronusweite." Die Stimme von Gallus hat etwas beschwörendes an sich.

 

"Ich bin unschuldig! Ich habe keinen Mord begangen, da wir uns duelliert haben! Und ich werde das vor Gericht beweisen!", erwidere ich leicht aufgebracht. Ich kann sehen, wie die beiden sich bezeichnend anschauen. Ohne das meine Brüder es aussprechen weiß ich, dass sie mich für Größenwahnsinnig halten und mir keine Chance geben, den Kampf zu überleben.

 

"Unser Cousin Oliviero hätte vielleicht inzwischen das Potential entwickelt, Alphonsus zu töten. Dumm nur, dass er seinen 700 Groxstarken Herausforderer zu Schrott gefahren hat", merkt Gallus an.

 

"Wie gut das Quintus nicht hier ist. Allein die Erwähnung des Namen Oliviero lässt ihn in die Luft gehen. Deswegen hat er heute noch schlechtere Laune gehabt als sonst", gibt Novus seinen Senf dazu.

 

"Was hat den Cousin Oliviero wieder angestellt?", frage ich durchaus neugierig und mir kommt ein Themawechsel gerade durchaus gelegen, da ich mich momentan etwas von der für äußerst deprimierenden Realität ablenken will. Was Crestus für das Haus Cascandor in Sachen Schwarzes Schaf war, ist Cousin Oliviero das meines Hauses. Er ist der jüngste Sohn des Zwillingsbruders meines Vaters, wenige Wochen nach dessen Niederlage in der Arena geboren. Schon früh wurde mein Cousin auf eine Kariere als Schiedsmann eingestimmt. Es kann durchaus sein, dass mein Vater seinen Neffen als Rächer aufbauen wollte. Aber vielleicht ist das zu weit hergeholt, da niemand damals hat ahnen können, dass Alphonsus fünfundzwanzig Jahre lang die Gerichtsarena dominieren würde. Ich kenne ihn gut, hatte mehrmals exklusive Fechtstunden bei ihm, was in meinem Haus damals für jeden Spross als absolute Belohnung galt. Oliviero war nicht nur ein überaus fähiger Fechter, sondern damals die Art Mensch, mit der man gerne zusammen war. Locker drauf, nie um einen coolen Spruch verlegen und durchaus in der Lage, äußert trockene Lektionen interessant zu gestalten. Es gab eine Zeit, da war er mein absolutes Vorbild und versuchte mich sogar wie er zu kleiden, was bei einem Zwanzigjährigen Fesch aussieht, sieht bei einem Dreizehnjährigen nur lächerlich aus. Meine Gouvernante schimpfte mich wegen meines Kleidungsstils mehr als einmal aus und änderte auch genau so oft meine Garderobe nach ihren Vorstellungen. Damals war mir das zuwider, aber inzwischen bin ich ihr dankbar, da sie durch ihre Intervention verhindert hat, dass ich mich vor aller Welt lächerlich machte.

 

Die Damenwelt lag Oliviero zu Füßen. Schneidig, amüsant, gebildet, schlagfertig, reich, trainiert, einfühlsam und Thronverdammt gutaussehend. Die Art Mann für die jede Dame von Welt für ein amouröses Abenteuer zu haben war. Er löste dadurch einige Verwicklungen und Duelle aus. Aber das war alles im akzeptablen Rahmen unseres Standes. Alles änderte sich vor etwas mehr als zwei Jahren, als er einen schrecklichen Unfall mit seinem Selbstfahrer hatte. Die meisten Adligen haben einen Chauffeur oder Leibwächter, der ihr Fahrzeug steuert. Aber manche Adlige haben die Faszination des Selbstfahrens entdeckt und einige Manufakturen bieten wohlhabenden Kunden schnelle, leistungsstarke Fahrzeuge an, die absurd Übermotorisiert sind. So ein Fahrzeug steuerte Oliviero, als er seinen schrecklichen Unfall erlitt. Mit halsbrecherischer Geschwindigkeit raste mein Cousin nach durchzechter Nacht durch das morgendliche Tarsus, kurz bevor die Schola begann. Kleine Kinder überquerten in großer Zahl eine Straße, die von Lotsen abgesperrt war. Im Suff umfuhr Oliviero die wartende Kolonne und bahnte sich mit unverminderter Geschwindigkeit durch die Schulkinder. Eines soll weit über hundert Meter geschleudert sein, eines landete im dritten Stock und ein weiteres wurde vier Klicks weiter geschleift, bis Oliviero in einen Vierachser krachte. Spötter bezeichnen den Herausforderer als Crashkäfig mit Motor auf vier breiten Rädern. Jedes andere Fahrzeug hätte es bei einem Aufprall bei einer solchen Geschwindigkeit einfach zerrissen. Trotzdem wurde Oliviero sehr schwer verletzt. Die zersplittert Glasscheibe zerschnitt sein Gesicht und ein Splitter drang in sein linkes Auge ein und blendete ihn. Dazu erlitt er ein massives Schädeltrauma und mehr als ein Dutzend Knochenbrüche.

 

Es dauerte ein Jahr, bis er halbwegs wieder hergestellt war. Trotz mehrerer Operationen konnte nichts die mechatronische Gesichtsprothese kaschieren. Auch war sein linkes Auge ein offensichtlicher kybernetischen Ersatz. Auch konnte er nur noch sehr langsam und stockend sprechen, obwohl er auch dafür einen kybernetischen Ersatz implantiert bekam. Mit seinem strahlenden Äußeren war es vorbei und damit auch mit dem Erfolg bei den Damen. Er konnte bald wieder fechten und nahm seinen Dienst als Schiedsmann auf. Bei seinem ersten Duell auf das erste Blut tötete er bei einer Gerichtsverhandlung wegen einer Bagatelle einen alten Schiedsmann des Hauses Machenko, dann einen des Hauses Horne und so ging es weiter. Nach zehn solcher Fouls wurde er dann Lebenslang vom Schiedsgericht gesperrt. Seitdem ging es immer weiter Bergab mit ihm.

 

"Oliviero ist einem Zimmermädchen unakzeptabel zu Nahe gekommen", erzählt Gallus und schüttelt missmutig den Kopf.

 

"Das ist ja nichts neues", meine ich dazu, da es im Haus allgemein bekannt ist, dass er sein weibliches Personal für seine sexuellen Bedürfnisse benutzt.

 

"Zum einen hat das Zimmermädchen nicht zu seinem Haushalt sondern dem von Quintus gehört, zweitens ist die Kleine erst Vierzehn und drittens war das wohl eine ziemlich brutale Vergewaltigung. Es ist fraglich, ob sie durchkommt", erklärt mir Novus durchaus aufgebracht.

 

"Beim Goldenen Thron! Das ist wirklich Thronverdammt übel! Kein Wunder, dass Quintus so sauertöpfisch aus der Wäsche schaut", meine ich dazu. "Ist es sicher, dass es Oliviero war?"

 

"Er hat selbst den Medicus mit den Worten verständigt: Ich glaube, ich hab da was kaputt gemacht!" Ich kann Novus ansehen, dass ihm das ganze ziemlich Nahe geht.

 

"Und was gedenkt Vater nun zu tun?", bohre ich weiter.

 

"Quintus wäre dafür, Oliviero in die Grünen Gemächer zu verbannen, da unleugbar sein Hirnschaden immer deutlicher zu Tage tritt. Aber Vater ist ja dafür bekannt, dass er sehr nachsichtig zu den Kindern seines Zwillings ist...", erklärt Gallus.

 

"Lass mich raten, Vater schickt unseren Cousin stattdessen nach Moruf?"

 

"In der Tat, kleiner Bruder, in der Tat!" Ich kann Novus ansehen, dass er ebenfalls die Grünen Gemächer favorisiert hätte.

 

"Wenn ich die Herren kurz unterbrechen dürfte, Lady Augusta ist gerade angekommen und wartet im kleinen Saloon", unterbricht Caine unsere "Sitzung" gerade im richtigen Moment.

 

"Ich werde sie umgehend begrüßen. Ich denke, wir sind hier fertig", meine ich zu meinen Brüdern, die nicht hier sind, um mich zu unterstützen, sondern, um mir klar zu machen, dass ich in der Arena sterben werde. Und das schlimmste ist, dass sie mit dieser Einschätzung richtig liegen könnten.

 

"Nun gut, sehen wir uns deine kleine Neuerwerbung mal an", meint Gallus vom Themawechsel nicht enttäuscht.

 

"Ein Jammer, dass sie in einer Woche einen neuen Gönner suchen muss", nervt Novus weiter. Ich weiß, dass beide es eigentlich gut mir meinen, aber etwas mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten wäre vielleicht die größere Hilfe. Wobei eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf meint, dass sie durchaus mit ihrer Einschätzung recht haben könnten. Momentan habe ich wirklich keine Ahnung, wie ich diese schier unbesiegbare Kampfmaschine erledigen soll. Auf einem Zettel habe ich mir schon fleißig Notizen gemacht, aber ich werde selbst nicht mehr schlau daraus. Vielleicht ist es auch schon zu spät, um klar zu denken. Ich war den ganzen Tag unterwegs und die Zeitverschiebung hat mir noch nie gut getan.

 

"Das ist nicht lustig, Novus", meine ich und gebe ihm einen Knuff auf den Oberarm.

 

"Au, nicht schlagen!" Theatralisch reibt er die Stelle, wo ich ihn geknufft habe. Wir gehen nach unten in den kleinen Salon, wo meine etwas füllige Haushälterin Rosetta gerade Lady Augusta einen frischen Kaf serviert. Meine Mätresse hat ganz rote Wangen und ein rotes Näschen wegen der für sie sicherlich ungewohnten Kälte da draußen.

 

"Willkommen in meiner bescheidenen Unterkunft, Augusta", begrüße ich sie und hauche einen Kuss auf ihren wohlriechenden Wangen.

 

"So bescheiden ist die gar nicht", meint sie lächelnd. "Und wer sind deine gutaussehenden Begleiter?"

 

"Darf ich vorstellen, mein Bruder Gallus, General unserer Haustruppen." Gallus kommt nach vorne und haucht einen Kuss auf ihren Handrücken.

 

"Angenehm", meint sie huldvoll lächelnd einen Knicks ausführend.

 

"Und das ist mein Bruder Novus, einer der fünf Schiedsmänner meiner Familie", stelle ich meinen anderen Bruder vor, der ebenfalls galant einen Handkuss haucht.

 

"Ebenfalls angenehm."

 

"Meine Brüder waren gerade dabei zu gehen", meine ich zu ihnen, als sie immer noch auf meine Konkubine glotzen. Ich kann ihnen ansehen, dass sie sich überlegen, sie darauf anzusprechen, was sie zu tun gedenkt, wenn ich in einer Woche tot bin.

 

"Einen vergnüglichen Abend noch", wünscht mir Gallus mit einem breiten Grinsen im Gesicht, dass mehr als nur anzüglich ist.

 

"Meine Empfehlung", meint Novus und verbeugt sich noch einmal galant. Ich sehe mich genötigt, die beiden nach draußen zu eskortieren, bevor es peinlich wird.

 

"Da hast du aber eine wirklich süße Kurtisane an Land gezogen", merkt Novus an.

 

"Die ist garantiert jeden Thron wert!", meint auch Gallus.

 

"Das ist sie sicherlich und nun ab mit euch!" Endlich habe ich sie raus komplimentiert und zeige nun Lady Augusta ihr persönliches Zimmer. Es liegt zwar im Gesindeflügel, gehört aber zu den größten Gesindezimmern und hat meiner Gouvernante gehört, von denen noch einige Dinge hier herum stehen. Auch hat es einen direkten Zugang über mein Ankleidezimmer zu meinem Schlafzimmer.

 

"Wohnt hier noch jemand?", fragt Augusta deswegen nicht zu unrecht.

 

"Hier wohnte bis vor zwei Jahren meine Gouvernante Samaria. Sie ist leider verstorben und da ich sehr an ihr hing, habe ich es nicht über das Herz gebracht, alle ihre Dinge zu entfernen. Ich hoffe, es stört dich nicht allzu sehr, dass hier noch ein paar Erinnerungsstücke an sie herumstehen."

 

"Du hast sie sehr geliebt", merkt Augusta an und dirigiert einen der Hausdiener, wo er ihren schweren Schrankkoffer hinstellen soll. Sonst hat ist nur noch eine schwarze Handtasche, eine Reisetasche und eine Umhängetasche dabei. Für eine Frau also sehr leichtes Gepäck. Auch hat sie keine eigene Zofe mitgebracht, von dem ich eigentlich ausgegangen bin.

 

"Ja, dass habe ich", bestätige und huste einen Klos aus dem Hals.

 

"Ist schon in Ordnung", meint sie mitfühlend und legt mir tröstend eine Hand auf die Schulter. Ich schätze diese kleine Geste durchaus. Dann schaut sich das Bad an, dass aus einer Badewanne, Nasszelle, Toilette und Waschbecken besteht. Dann den begehbaren Wandschrank, der bis auf ein paar Dinge ausgeräumt ist. "Das ist Nett hier."

 

"Schön, dass es dir gefällt. Willst du erst auspacken?"

 

"Nein, dass mache ich später. Ich habe gehört, du hast ein ernstes Problem am Hals." Das war keine Frage, sondern eine Feststellung.

 

"Schlechte Nachrichten verbreiten sich offensichtlich schnell", merke ich dazu an.

 

"In der Tat. Die Verhandlung ist in sieben Tagen. Schon eine Strategie entwickelt, Alphonsus Cascandor zu besiegen?", fragt die junge Kurtisane mich und ich bin überrascht, dass sie so gut informiert ist.

 

"Ich bin noch am sichten des Materials", erwidere ich etwas lahm, straffe mich dann und fahre erklärend fort: "Wenn ich alle notwendigen Informationen habe, werde ich meinen Gegner analysieren und dann eine hoffentlich erfolgreiche Strategie entwickeln. Dann werde ich alles mobilisieren und organisieren was dafür notwendig ist, um Alphonsus Cascandor zu besiegen."

 

"Zeigst du mir, was du schon hast?", fragt sie mit einem so lieblichen Lächeln, dass ich nicht Nein sage. Also führe ich sie in mein großes Studierzimmer. Sie nimmt ihre Umhängetasche mit. Interessiert lässt sie ihren Blick durch den Raum schweifen, dessen Glanzstück sicherlich der gewaltige zwei Meter Breite Televid Schirm mit seiner wuchtigen Multimediaeinheit ist, an der mehrere Reinheitssiegel für gute Laune beim Maschinengeist sorgen. Vor dem Fenster zum großen Saal steht mein Schreibtisch mit meinem Cogitator. An den Wänden ziehen sich Regale bis zur Decke mit meinen Büchern. Ich kann sehen, wie sie einige der Titel ließt. Besonders die Bücher, von denen man ansieht, dass ich sie gelesen habe, da ich viele mit herausstehenden Zeichen markiert habe, um schnell etwas nachschlagen zu können.

 

"Bis jetzt habe ich das", meine ich und zeige ihr meinen Zettel mit Notizen.

 

"Aha? Kannst du mir erklären, was diese kryptischen Zeichen bedeuten?" Unentschlossen dreht sie den Zettel mehrmals hin und her, weil nicht klar ersichtlich zu sein scheint, wo oben und unten ist.

 

"Na ja, wie gesagt, ich bin noch am sichten", erwidere ich ziemlich lahm, da bis jetzt noch nicht wirklich etwas handfestes heraus gekommen ist.

 

"Mhmhm", meint die Kurtisane dazu nur. "Gibt es in diesen Werken oder Speichersteinen eine Aufschlüsselung der Kämpfe?" Sie zieht eines der Hochglanzjournale heraus und blättert durch die Abbildungen von Alphonsus Cascandor, der dort in knapp sitzender Hose und offenem Hemd posiert, wo man gut seinen gut modellierten Oberkörper sehen kann. Wobei ich denke, in einem Modellkontest hätte ich vielleicht eher eine Chance ihn zu besiegen als im Schwertkampf. Dies ist eher ein Propagandawerk für weibliche Verehrerinnen, was eigentlich nicht wirklich irgend etwas aufschlussreiches bietet. Sie schient zum gleichen Schluss zu gelangen und stellt es wieder zurück.

 

"Kann schon sein...", meine ich dazu, da ich keine Ahnung habe.

 

"Gut, wie wäre es damit, ich durchsuche die Speicherkristalle nach verwertbaren Tabellen, du die gedruckten Medien?", fragt sie mich und zieht aus ihrer Umhängetasche einen sehr stabil und doch sehr kompakt wirkenden Cogitator hervor. Das Gehäuse ist aus gebürstetem Adamantium und beginnt sofort hochzufahren, als sie es aufklappt. Das Gerät ist auch Innen so gut wie nicht verziert. Die Lüfter sind recht laut und damit sehr Leistungsfähig. Das Symbol für Windows 40 000 Ultra erscheint, damit hat sie eines der teuersten Betriebssysteme überhaupt auf ihrem Cogitator.

 

"Meine Stimme ist mein Schlüssel. Gamma Ito Delta Alpha Zwo Drei Zero. Der Imperator beschützt!", sagt sie in eine Öffnung am Bildschirmrand und haucht hinein. Mit Spracherkennung, Code und ihrem Atem ist ihr Cogitator ziemlich gut geschützt. Nun ploppt die Bedienoberfläche auf und sie legt den ersten Speicherstein hinein.

 

"Hast du nicht Angst den Maschinengeist zu verärgern, so ganz ohne Rituale des Hochfahrens?", frage ich sie etwas perplex über ihr rüdes Verhalten gegenüber dem Cogitator, der bar jeden Reinheitssiegels ist.

 

"Dieser ganz liebe Maschinengeist mag mich einfach", erklärt sie schelmisch grinsend das Gehäuse zärtlich streichelnd und schon wischt sie sich durch die Dateien hindurch. Ich besinne mich darauf, dass ich ja die Bücher, Journale und Zeitschriften nach brauchbaren Aufschlüsselungen der einzelnen Kämpfe durchforsten soll. Das meiste dürften Propagandawerke sein. Aber es gibt ein dickes Journal, welches die hundert ersten Kämpfe analysiert, geschrieben von einem Meister der Schwertkampfkunst mit dem Namen Alantos Bligh. Das Papier wie die Aufmachung ist äußerst einfach gehalten, aber es bildet auf einer Doppelseite jedes Duell detailliert ab. Angefangen von der Streitsache, die vor Gericht ausgetragen wurde und eine Biographie der Gegner. Als ob die Hand des Imperators mich leiten wollte, habe ich den Kampf Nummer siebzehn aufgeschlagen, Thomas Conari, der Zwillingsbruder meines Vaters, einst General der Haustruppen und oberster Schiedsmann des Hauses. Neununddreißig Duelle hatte er damals schon gewonnen gehabt. Dreiundvierzig Jahre alt, so alt wie Alphonsus heute. Ein Bild von ihm ist zu sehen, in seiner schnieken Generalsuniform in Rot Schwarz. Optimistisch lächelt er in die Kamera, in der Hand hält er Rabenklaue, dass Schwert, dass einst der Große Flavion Conari höchst selbst führte. Immerhin hat er Zweiundneunzig Sekunden überlebt. Einen Schnitt konnte er seinem Kontrahenten zufügen. Ein anderes Bild zeigt sie während des Kampfes, dass dritte und letztes wie er aufgespießt an der Tür lehnt. Stehend verendet wie die meisten Kontrahenten.

 

"Was gefunden?", fragt Augusta neugierig ins Journal schauend.

 

"Das ist der jüngere Zwillingsbruder meines Vaters", meine ich erklärend. Ihr Blick huscht über die Seite.

 

"Das Journal könnte nützlich sein", meint sie dazu lakonisch und legt einen neuen Speicherstein ein. Mich macht das ganz fuchsig, dass sie dazu keine dafür vorgeschriebene Litanei singt. Jeder den ich kenne macht das, um den Maschinengeist nicht zu verärgern. Wobei manchmal auch eine inbrünstige Litanei nichts an der garstigen Laune eines Maschinengeistes zu verändern mag.

 

"Ah, schau an, hier haben wir ja was!", meint sie schon fast fröhlich. "Eine detaillierte Auflistung bis Kampf 180. Damit können wir schon mal was anfangen." Sie scrollt so rasant durch die Daten, dass ich kaum was erkennen kann. Offensichtlich kann sie ziemlich schnell lesen.

 

"Das ist äußerst praktisch und macht meine Liste obsolet", meine ich durchaus erfreut, da ich keine Zeit mehr darauf aufwenden muss, aus meinem eigenen Geschreibsel schlau zu werden.

 

"Anhand dieser tabellarischen Liste können wir gewisse Anomalien herausfiltern. Welche Kämpfe waren besonders lang, wo war er besonders grausam und wo war er wegen was mal in Bedrängnis. Anhand dieser Daten können wir diesen Alphonsus analysieren und ihn verstehen. Wenn wir wissen, wie er tickt, können wir einen Gegenstrategie entwickeln", erklärt sie mir ihren Ansatzpunkt.

 

"Hast du so was schon mal gemacht?", frage ich sie etwas misstrauisch, da dies nicht unbedingt das Aufgabenfeld einer Kurtisane abdeckt. Oder sie analysiert auf diese Weise ihre potentiellen Gönner. Ich frage mich, ob es in ihrem hochwertigen Cogitator irgendwo eine Datei und Listen mit unter anderem meinem Namen gibt. Nach einer Sekunde des Nachdenkens komme ich zum Schluss, dass es so sein muss. Ich hoffe nur, dass ich die Nummer Eins in der Kategorie: gutaussehend, vermögend und amüsant bin und nicht in: leicht auszunehmen, berechenbar und total blöd.

 

"Sozusagen", bleibt sie äußerst vage. Mein Blick wandert von dem Hochleistungscogitator und ihr hin und her. Sie trägt den gleichen hochwertigen Schmuck wie vor ein paar Tagen im Bordell und ich denke, der ist Echt. Der Schmuck und der Cogitator dürften einiges Wert sein. Der Erlös dürfte reichen, um sich ein Zimmer in einer gehobenen Pension mit Vollpension zu leisten und zwar für eine verdammt lange Zeit. Die Not an Throne an sich haben sie definitiv nicht zur Kurtisane werden lassen. Sie hat ihren Cogitator im Griff und kommt mit den Anwendungsprogrammen in einer Geschwindigkeit klar, die mich schwindeln lässt. Wieder wird mir klar, dass ich recht wenig über Augusta weiß. Wer ist sie? Oder besser gesagt, was ist sie? Ich habe keine Ahnung, aber eines ist mir inzwischen klar, eine Adlige die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat ist sie definitiv nicht.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Wieder ein etwas längeres Kapitel, wo Flavion etwas orientierungslos versucht, der Situation Herr zu werden. Fand leider keinen Ansatzpunkt, es sinnvoll zu teilen. Vielen Dank für die Likes!

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Hahah Windows. Das ist sehr böse Folter für die armen Maschinengeister ... .

 

Castle Heterodyne ist ein Charakter (und ein Gebäude) voller wirrer Architektur und Fallen aus dem unendlich lange laufenden Webcomic Girl Genius (den ich nur sehr empfehlen kann!).

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Am 10.10.2021 um 21:49 schrieb Avalus:

Hahah Windows. Das ist sehr böse Folter für die armen Maschinengeister ... .

 

Castle Heterodyne ist ein Charakter (und ein Gebäude) voller wirrer Architektur und Fallen aus dem unendlich lange laufenden Webcomic Girl Genius (den ich nur sehr empfehlen kann!).

Ah, OK. Und Windows... Unkraut vergeht eben nicht. :D

 

Kapitel XIII

 

Aber letztendlich ist es eigentlich egal, was Augusta ist, da sie mir immerhin helfen will und nicht versucht, es mir wie alle anderen auszureden. Ich konzentriere mich nun lieber darauf Material zu sichten und weitere Tabellen zu finden. Ein Leitsatz der Tactica Imperialis lautet: Kenne deinen Feind, denn nur wenn du ihn und dich kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Letztendlich ist das Journal noch die beste Quelle, da das meiste mehr oder weniger Propagandawerk ist. Bei einigen Publikationen bin ich mir ziemlich sicher, dass die Autoren bewusst das Haus Cascandor verherrlichen. Aber wirklich übertreiben müssen sie bei den Kampfkünsten des besten Schiedsmannes dieses Planeten nicht.

 

"Gut, schauen wir uns mal ein paar Kämpfe an, fangen wir doch mal mit dem fünften Kampf an", sagt sie an. So wie sie sich hier gibt, scheint Augusta es gewohnt zu sein, zu führen.

 

"Warum Kampf fünf?", frage ich einfach mal nach, um zu sehen, nach welchen Gesichtspunkten sie vorgeht.

 

"Der ist interessant, weil der über drei Minuten gedauert hat", erklärt sie mir mit einem herzlichen lächeln auf den Lippen. Da muss ich sie einfach mal küssen. Unsere Lippen treffen sich und unsere Zungen umzüngeln einander. Meine rechte Hand wandert in Richtung ihres Dekolletees. Wir schmusen etwas, dann löst sie sich von mir, bevor es richtig heiß wird.

 

"Kampf fünf, wenn du so lieb wärst?", beharrt sie auf ihrer Forderung und schiebt leicht, aber doch bestimmt meine Hand zur Seite.

 

"Natürlich, meine Liebe", meine ich und kämpfe mich durch mehrere Menüs, bis ich mit einer Litanei auf den Lippen die entsprechende Datei aufrufe. Ich schlage auch gleich das Journal auf und überfliege die Hintergrundinformationen. Sein Gegner galt damals noch als der Beste Kämpfer von Scintilla, der Schiedsmann des Hauses Gaius, mit dem Namen Cornelius Vanderbelt. Dreißig Jahre jung, Elf Jahre Erfahrung, Neunundvierzig Siege vor Gericht, Vasall des Hauses mit jährlich fünf Apanagen bis zum Lebensende bei freier Logis im Stammhaus. Ein sicherlich angemessenes Gehalt für so einen geschätzten Vasallen. Hier ist er noch siegesgewiss, vollkommen überzeugt den jungen aufstrebenden Schiedsmann der Cascador in die Schranken zu weisen. Der Güldenhand, bzw. dem entsprechenden Sacharbeitern aus dem Hause Cascandor wurde die absichtliche Verschleppung eines Termingeschäftes vorgeworfen und es ging um eine Milliardensumme als Schadensersatz.

 

Beide Kontrahenten nehmen Aufstellung und Alphonsus explodiert regelrecht aus dem Stand heraus. Der Angriff erfolgt so unglaublich schnell, dass ich kaum mit den Augen folgen kann. Der Schiedsmann pariert gerade so noch und ist jetzt schon im sogenannten "Nach". Die Schwertkampfkunst kennt drei Zeitabläufe, das Vor, wenn man die Initiative hat, das Indes, wenn man gleichzeitig mit dem Gegner handelt und das Nach, was genau das bedeutet. Man reagiert nur noch und der Gegner diktiert den Ablauf des Kampfes. Der Schwertmeister gelingt es die Stählerne Wand zu errichten, sprich seine Paraden sind unüberwindlich. Vanderbelt ist erfahren, versucht durch Distanz etwas Zeit zu gewinnen. Seine Bewegungen sind sicher, knapp und akkurat. Man sieht ihm an, dass der Vasall genau weiß, was er da tut. Keine überflüssigen Bewegungen, alles bleibt im Fluss. Allerdings gelingt es ihm nicht, aus dem Nach auszubrechen, da der Gegner an ihm dran bleibt, egal was er auch versucht. Mit schnellen Kreuzschritten versucht er seitlich auszubrechen, aber Alphonsus bleibt an ihm dran. Nach zwei Minuten sieht man deutlich, wie schwer es Cornelius nun fällt, das unglaublich schnelle Tempo durchzuhalten. Die Selbstsicherheit von Vanderbelt bekommt sichtbar Risse, Schweiß läuft ihn in Strömen von der Stirn und sein Hemd ist Klatschnass. Dann kommt Alphonsus zum ersten mal durch, verwundet ihn am linken Arm. Und dann geht es recht schnell. Cornelius geht tödlich getroffen zu Boden und Alphonsus rammt ihm das Schwert "Herzbrecher" eben durch sein Herz. Einer der wenigen Gegner, den er nicht an die Tür genagelt hat.

 

"Der legt ja ein ganz schönes Tempo vor", merkt Augusta an.

 

"Kein Mensch sollte so schnell sein", merke ich an, nachdem ich mich frei geräuspert habe.

 

"Sind Kampfdrogen, Kybernetics und Bionics im Schiedsgericht erlaubt?", fragt Augusta mich.

 

"Leider ja."

 

"Schlecht, dann schauen wir uns mal Kampf Nummer siebzehn an", meint sie nun.

 

"Das ist der Kampf mit meinem Onkel", merke ich an.

 

"Ich weiß", meint sie dazu nur. Nun gut, ich rufe diesen Kampf auf. Es tut weh, dass mit ansehen zu müssen und so langsam wird mir klar, wie schmerzhaft das für meinen Vater sein muss, dass ich nun gegen den "Herzensbrecher" antreten soll. Der Kampf läuft wieder nach dem gleichen Muster ab. Onkel Thomas wird sofort ins Nach gedrängt. Er kontert mit der Stahlmauer und nach knapp anderthalb Minuten ist er tot. Auch wenn es ihm nach sechsundsechzig Sekunden gelingt seinem Gegner einen oberflächlichen Schnitt zu verpassen, weil mein Onkel eine etwas größere Reichweite hat. Dann geht es schnell bergab mit ihm und wird nur noch die letzten fünfzehn Sekunden zum Tor getrieben wurde. Wieder ein Stich durch das Herz, an die Tür genagelt wie ein Insekt auf einem Schaubrett. Das ist nicht schön anzusehen und ich stelle mir vor, wie es ist, wenn man einen Schwert durch das Herz gerammt bekommt. Auf alle Fälle geht es schnell. Aber irgend was sagt mir, dass dieses Monster sich Zeit bei mir lassen wird, weil es was persönliches ist, da ich seinen Neffen buchstäblich totgeschlagen habe.

 

"Sei ein Schatz und zeig mir mal Kampf Vierundvierzig", meint Lady Augusta in einem vorschlagenden Tonfall nun und die Horrorshow geht weiter. So langsam verlässt mich durchaus der Mut und beginne mir ernsthaft zu überlegen, ob eine Flucht auf unser Freihändlerschiff in die Koronusweite nicht doch eine akzeptable Alternative für mich ist. Augusta schaut sich das ganze äußerst ungerührt an. Hier und da tippt sie etwas, sonst ist sie ganz auf den Schirm fokussiert. Wir schauen uns zwanzig Kämpfe an, die alle nach dem gleichen Muster ablaufen. Dann sehen wir uns drei Kämpfe an, die komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Zwar sterben die Kontrahenten alle durch einen Stich ins Herz, aber Alphonsus lässt sie vorher ziemlich leiden. Diese "Kämpfe" gehen recht lang, da er sich Zeit lässt und seine "Opfer" regelrecht abschlachtet. Sie buchstäblich ausweidet und damit demonstriert, wie sehr er es liebt, seine Kontrahenten zu vernichten.

 

"Die drei haben den Herzensbrecher ziemlich wütend gemacht. Leider kann man nicht hören, was sie vorher zueinander sagen", fasst Augusta das Geschehen trocken zusammen.

 

"In der Tat, dass ist äußerst bedauerlich. Es ist bestimmt eine Erfolgs versprechende Strategie ihn so wütend zu machen, dass er mich vorher in Stücke schneidet und nicht einfach an die Tür nagelt", meine ich durchaus sarkastisch. Ich könnte noch nicht mal darüber lachen, wenn es nicht ich wäre, um den es hier geht.

 

"Nur wenn du deinen Gegner wirklich in allen Facetten begreifst, wirst du ihn besiegen können", meint sie weise ein Zitat aus den Anmerkungen des Macharius bringend. Band IV der kommentierten Version der Tactica Imperialis, wenn mich nicht alles täuscht.

 

"Momentan begreife ich nur, dass sich die Sache etwas zu optimistisch gesehen habe", seufze ich, da mich nun die Realität eingeholt hat. Die Kämpfe, die ich mit meinen Brüdern angesehen habe, waren zwar ähnlich, aber gegenüber meinen Geschwistern konnte ich wohl meine Fehleinschätzung nicht einfach so zugeben.

 

"So schnell schon entmutigt? Der schneidige Anführer der erfolgreichen Jagd ist jetzt schon gebrochen?", stichelt sie in meine Richtung.

 

"Ist es nicht die Aufgabe einer Kurtisane ihren Gönner aufzumuntern? Was du von dir gibt, ist nicht wirklich aufbauend", beschwere ich mich.

 

"Was ist dir lieber, Flavion. Soll ich dich anlügen und sagen, dass schaffst du schon, weil du jung und knackig bist? Oder willst du lieber die Wahrheit hören, dass Alphonsus zu besiegen ein wirklich harter Akt werden wird, der alles von der abverlangen wird?"

 

"Ich schätze die Wahrheit, frage mich aber, ob du den notwendigen Sachverstand in diesen Dingen hast", beantworte ich ihre Frage.

 

"Sagen wir es so, ich bin eine erwachsene Frau mit nützlichen Talenten, die schon einiges erlebt hat." Ihre Stimme ist ruhig und Augusta wirkt auch nicht verärgert, dass ich ihre Qualifikation anzweifle. Wahrscheinlich hat sie damit durchaus gerechnet.

 

"Gut, was hast du bis jetzt herausgefunden, was mir hilft, am Leben zu bleiben? Momentan bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich so richtig im Schlamassel sitze", gebe ich nun ehrlich zu.

 

"Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber ich kann dir jetzt schon sagen, Alphonsus Cascandor ist schneller, als ein Mensch sein dürfte."

 

"Dir dürfte doch sicherlich klar sein, dass er hochwertige kybernetische und bionische Implantate besitzt, die das bewerkstelligen dürfte. Auch kann er sich die besten Kampfdrogen leisten, die es auf dem Markt gibt."

 

"Diese Tatsachen sind mir durchaus bewusst. Und ich kann auch sagen, dass es solche Implantate in den entsprechenden Tempeln in dieser Form nicht zu kaufen gibt. Äußerlich sieht man nichts und bei diesen massiven Effekten ist das schon äußerst verdächtig. Kampfdrogen haben die Tendenz im laufe der Zeit stark an Effektivität einzubüßen. Man kann zwar eine sich entwickelnde Resistenz mit immer stärken Dosen kompensieren, aber nicht fünfundzwanzig Jahre lang. Wenn ich mir so seine Biographie anschaue, denke ich, dieser Alphonsus wurde gezielt für diese Aufgabe in einem Labor heran gezüchtet. Schon früh hat jemand ihm mitwachsende bionische Implantate von höchster Güte eingepflanzt. Diese Stärke in Verbindung mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit lässt keinen anderen Schluss zu. Vor sechzehn Jahren ist er ein halbes Jahr von der Bildfläche verschwunden, während drei andere Schiedsmänner wichtige Kämpfe für das Haus Cascandor verloren. Ich denke, er hatte einen Herzinfarkt, weil selbst sein natürliches Herz mit dieser gewaltigen Belastung nicht länger klar kam. Wer auch immer hat ihm bestimmt ein künstliches Hochleistungsherz verpasst. Wenn man sich die Kämpfe danach ansieht, tötet er seine Gegner sofort nach dem er eine Wunde erlitten hat. Das kommt meiner Ansicht daher, dass er während dem Hochfahrens des künstlichen Herzens einen Blutverdünner dazu geben muss, um einen Hirnschlag zu vermeiden. Seit seinem Dreiunddreißigsten Lebensjahr hängt sein Mundwinkel auf der linken Seite nach unten. Das ist für mich ein Indiz für einen leichten Schlaganfall", erklärt mir sie sachlich und ich glaube ihr das auch.

 

"Woher weißt du soviel über Kybernetik?", stelle ich die Frage, die mir auf der Zunge brennt.

 

"Meine Familie hält Anteile an einem Tempel, der Kybernetik und Bioniks herstellt. Ich habe meine Apanage früher dadurch aufgebessert, in dem ich Werbung in meinem Bekanntenkreis für gewisse Implantate gemacht habe. Konnte ich einen Vertrag abschließen, bekam ich ein paar Throne extra auf meine Apanage. Deswegen habe ich ein fundiertes Wissen darüber, was möglich ist und was nicht. Und das, was wir hier sehen, ist definitiv nicht mit Ware aus einem offiziellen Tempel des Mechanicus möglich."

 

"Deutest du damit an, dass diese Implantate von einem abtrünnigen Techpriester, also einem Heretec stammen?"

 

"Würde durchaus Sinn ergeben."

 

"Wenn wir das dann noch beweisen können, verpetzen wir Alphonsus Cascandor an das Adeptus Mechanicus oder an die Inquisition", schlage ich zwischen Sarkasmus und Ernst schwankend. Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Aber wir wissen Beide, dass ein so mächtiges Adelshaus wie das der Cascandor über dem Gesetz steht. Ganz abgesehen davon, dass es auch gut möglich ist, dass diese Modifikatoren der Spezifikation des Omnissiah entsprechen. Nur weil eine Kurtisane behauptet, diese Bionics und Kybernetik die Alphonsus eingebaut hat, dass sehe ich durchaus als Fakt an, wären aus der Quelle eines Heretecs, heißt das noch lange nicht, dass die Cascandors durch gute Beziehungen legal an diese Implantate gekommen sind. Manche Häuser haben eben sehr gute Kontakte zu den entsprechenden Tempel, andere weniger. Das Haus Conari steht solchen Modifikationen eher ablehnend gegenüber, andere haben keine Scheu, sich alles mögliche einzubauen.

 

"Kein Grund Sarkastisch zu werden, ich versuche nur zu helfen, Flavion", rechtfertigt sich Augusta.

 

"Dafür bin ich dir auch ehrlich dankbar", erwidere ich bar jeder Ironie. "Aber mir war schon bewusst, dass eine solche Geschwindigkeit nicht natürlich ist. Gut, jetzt weiß ich, er hat ein künstliches Herz, bionisch verstärkte Muskeln und einen Drogenspender implantiert. Gibt es dafür Gegenmaßnahmen?"

 

"Künstliche Herzen sind normalerweise genau aus diesem Grund komplett gegen drahtlose Übertragungen abgesichert. Ich würde sagen, er steuert ihn über eine interne GIE, ebenso den Drogenspender, der Wahrscheinlich irgendwo unter seiner Gürtellinie angebracht ist."

 

"Wäre es hilfreich, wenn ich ihm in den Hintern trete?", frage ich scherzhaft und Augusta lacht auf.

 

"Wir sammeln erst Informationen, aber wenn wir ein Gesamtbild haben, finden wir gemeinsam auch eine Lösung", versucht mir Augusta ihre Methode zu vermitteln und mir etwas Mut zu machen. Sie kommt wieder etwas näher, ergreift die Initiative, in dem sie ihren Arm um meine Schulter legt und küsst mich kurz. Das hat durchaus etwas tröstend rührendes an sich.

 

"Gut, irgend eine Idee, warum Alphonsus seine Gegner an die Tür nagelt, wenn er die Möglichkeit dazu hat?", wechsele ich das Thema, nachdem wir uns gelöst haben.

 

"Das ist eine gute Frage. Die Tür ist gegenüber der Richterloge, darunter ist eine Statue des Imperators. Links und rechts neben der Tür stehen Statuen von Golgota Angevion und Drusus. Das ganze hat schon fast etwas von einem Blutopfer, dass er so dem Imperator bringt, ohne dass die zwei Gründer des Sektors etwas davon mitbekommen."

 

"Das Haus Cascandor ist relativ neu und deswegen bei den alten Familien gering angesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass er damit seine Verachtung der alten Häuser zur Schau stellt", bringe ich mal mein Fachwissen mit ein.

 

"Durchaus möglich, dass ist eine durchaus schlüssige Erklärung. Was ist dir sonst noch aufgefallen?"

 

"Er kämpft linear. Ob das nun damit zu tun hat, dass er seine Gegner bevorzugt in Richtung Tür treibt oder weil er es so gewohnt ist, kann ich nicht sagen."

 

"Der berühmte Balken, entweder man hasst ihn oder liebt ihn", merkt Augusta an.

 

"Ich habe ihn gehasst. Einmal bin ich so unglücklich drauf gefallen, dass ich den restlichen Tag mit einer Eispackung im Schritt im Bett lag. Das hat vielleicht mal Weh getan. Meine Vasallen Kleist und Mikael kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu Sorgen."

 

"Ja, so zu stürzen tut verdammt weh, auch einem Mädchen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Und bei Mädchen ist der Balken immer schmaler, das tut dann richtig weh", erzählt sie mir mal was von sich, ohne das ich nach bohren muss.

 

"Mein Balken steht noch unten im großen Saal. Zeig mal, ob du es noch drauf hast", vordere ich sie auf.

 

"Klar, sehen wir mal, was du so drauf hast", foppt sie mich.

 

Unten im großen Saal steht an der Wand der lange Balken. Sorgfältig poliert und die vielen Macken, die er in den Jahrhunderten Dienst abbekommen hat, sind nicht alle überschliffen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Generationen von Kindern meines Hauses hier ihre Lektion über Balance bekommen haben, aber unten sind Initialen und Jahreszahlen eingeschnitzt und die älteste ist über siebenhundert Jahre alt. Der Saal, eigentlich es eine Halle, wird von drei gewaltigen Kronleuchtern erhellt, die mit fortschrittlichen elektrischen Leuchgloben bestückt sind. Die ganzen Fenster meines Wohnbereiches zeigen auf diesen Bereich. Primär habe ich ihn immer als Traingsraum benutzt. Hier habe ich das Fechten, den Waffenlosen Nahkampf in drei Stilen und das Pistolenschießen erlernt. An einer Wand hängen unzählige Trainingsschwerter, alle sehen aus, als wären sie gerade eben gesäubert worden. Schließlich habe ich ein Mädchen, dass den ganzen Tag nichts anderes tut, als hier für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Augusta schaut sich um und schält sich dann aus ihre Kleidung, bis sie Barfuß in dunklen Leggins und einem Spagetti Top da steht. Darin sieht die Kurtianse ziemlich Sexy aus. Mit einem roten Haarband bändigt die junge Frau ihre Mähne. Sie nimmt ein zweihändiges kurzes Krummschwert aus schwarzen Holz an sich. Mehrmals schlägt sie Probehalber damit zu. Dann wirbelt sie das Trainingsschwert locker von einer Hand in die andere, bevor sie mehrmals auf und abhüpft, wahrscheinlich um ihre Muskeln zu lockern. Das Hüpfen ihrer Brüste hat einen deutlichen Schauwert, den ich zu genießen weiß.

 

"Dann schauen wir mal, ob ich die Balkenkata noch drauf habe", meint sie und springt mit einem kurzen Anlauf gewandt auf den Balken. Mühelos hält sie nach der Landung die Balance.

 

"Ich hab mit vier angefangen, ernsthaft mit einem hölzernen Schwert zu trainieren und mein Lebenswart Caine war mein erster Fechtmeister. Mit Sechs habe ich dann zum Geburtstag mein erstes scharf geschliffenes Schwert bekommen und hatte dann einen extra Fechtlehrer. Wann hast du angefangen, zu trainieren?", frage ich sie mal aus.

 

"Ich mit Sechs. Eine für mich damals uralte Fechtlehrerin von dreißig Jahren war unsere Meisterin. Sie sah immer aus, als hätte sie gerade eine Ladung bitteren Sperma schlucken müssen", erzählt sie mir lächelnd und beginnt dann auf dem Balken zu wirbeln. Da sie "unsere" sagt, heißt, dass sie nicht allein trainiert hat. Ich muss gestehen, was sie da abliefert, ist überaus beeindruckend. Sie wirbelt, schlägt Rad, macht einen Salto und das alles mit einem Schwert in der Hand auf einem schmalen Balken. Und dabei sieht sie nicht nur gut aus, sondern das ganze wirkt fast schwerelos, als würde sie diese Kata noch jeden Tag üben. Die Frau kann in der Beziehung wirklich was.

 

"Ta da", meint sie durchaus zufrieden grinsend ihre Arme nach Beifall heischend nach oben ausstreckend, als sie die Kata beendet, bevor sie sich meinen Applaus huldvoll entgegennehmend vor mir verbeugt.

 

"Das war Thronverdammt gut!", zolle ich ihrer Leistung ehrlichen Respekt. Als nehme ich mein übliches Trainingsschwert aus Holz und springe auf den Balken. Mit meine ersten Erinnerungen sind auf diesem Gerät. Damals hat mich Caine noch trainiert. Ich sehe Caine, wie er mir streng, aber wohlwollend zusieht, meine Haltung hier und da leicht mit einem zärtlichen stupsen seines Stockes korrigiert und mir zeigt, wie es Richtig geht. Meine damaligen Vasallen Kleist und Mikael schauen mir zu, ebenso die dunkelhaarige Frau in ihrem zugeknöpften dunkelroten Kleid mit dem Namen Samaria, die damals für mich einfach nur Mama war. Ihr Blick voller Stolz, Liebe und Zuneigung. Das ist einer der Momente, wo mir schmerzlich bewusst wird, wie ich meine Gouvernante vermisse. Wenn ich ehrlich bin, wird sie in meinem Herzen immer meine wahre Mama sein, die mir die notwendige emotionale Wärme gegeben hat. Die neben meinem Bett saß, wenn ich einen Albtraum hatte und mich dann geduldig in den Schlaf sang. Die mich getröstet hatte, wenn ich mich verletzt oder einen Fehlschlag hatte. Die neben mir saß und mir geduldig das schreiben beibrachte.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Das ist ein eher ruhiges Kapitel mit ein paar Informationshäppchen. Anfangs war das Kapitel deutelich länger, hab es dann aber geteilt, weil es einfach zu lang wurde. Vielen Dank für das Like.

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Am 19.10.2021 um 21:06 schrieb Avalus:

Hm, ich hatte schon eine Idee, was mit dem Schlächter ist. Bin gespannt, ob ich recht behalten werde.

 

Und die gute Kurtisane entwickelt sich zu einem sehr interessanten Charakter, ich bin gespannt :ok:

 

Mal sehen, ob du recht behälst....

 

Kapitel XIV

 

Aus der Grundstellung heraus greife ich meine Kurtisane mit dem hölzernen Trainingsschwert an. Da sie deutlich kleiner ist als ich, setze ich nur tiefe Techniken ein, damit sie mich nicht unterlaufen kann. Schnell wird mir klar, dass sie auch praktisch was kann. Ihre Paraden sind präzise und wirken mühelos. Augusta lässt mich etwas arbeiten, bevor sie dann versucht ins Vor zu gelangen. Sie setzt einen mittleren Hieb im Indes und so gelingt es ihr tatsächlich ins Vor zu kommen. Aber ich kann sie gut kontern und gewinne schließlich die Initiative zurück. Da ich mit weniger Schwung mehr Kraft als sie entwickeln kann, treibe ich sie bis ans Ende des Balken und setze dann meinen Treffer. Dabei achte ich darauf, sie nur oberflächlich zu berühren, da ich ihr nicht weh tun will.

 

"Du bist wirklich nicht schlecht!", lobt mich Augusta und salutiert. Ich gewinne Abstand zu ihr und erwidere den Salut, in dem ich den Griff meines Schwertes senkrecht vor mein Gesicht halte. "Du bist sehr stark und trotzdem dabei noch überaus schnell. Du antizipierst, dass ist gut. Man merkt, dass deine Fechtmeister dich gut zu lehren wussten. Saubere Schläge ohne unnütze Schaueffekte. Ich würde mal sagen, die Lage ist nicht vollkommen Hoffnungslos."

 

"Deine Worte wärmen mir mein Herz, liebste Augusta", erwidere ich zwischen Sarkasmus und aufrichtiger Freude über ihre Worte schwankend. Für eine Kurtisane ist sie in Dingen bewandert, die ich nicht so passend für ihr Berufsbild empfinde. Ihre Analyse ist durchaus zutreffend, was die Frage für mich aufwirft, warum sie so gut fechten und auch analysieren kann. Und mir ist klar, dass ein Gefecht auf ebenen Boden durchaus anderes hätte verlaufen können. Die junge Frau ist kleiner und agiler als ich. Durch schnelle Manöver hätte sie mich durchaus überflügeln können, was auf einem linearen Balken physikalisch eben unmöglich ist. Deswegen beflügelt mich dieser Erfolg nicht wirklich.

 

"Ich meine es nur gut, mein lieber Flavion." In dem Moment unterbricht Caine unser Gespräch, in dem er dezent hustet.

 

"Das Abendessen ist im kleinen Saal angerichtet. Ich war so frei, ein weiteres Gedeck aufzulegen", meldet mein Lebenswart. Normalerweise wäre das nicht seine Aufgabe, aber wahrscheinlich wollte meine Haushälterin Rosetta einen möglichen Coitus nicht unterbrechen.

 

"Sehr zuvorkommend, Caine", erwidere ich und Lady Augusta springt elegant vom Balken, um sich wieder etwas gesitteter anzuziehen. Was natürlich bedauerlich ist, da ihr Anblick durchaus anregend ist. Ich muss gestehen, inzwischen habe ich einen ziemlichen Hunger. Es war ein langer Tag und die Zeitumstellung wird mir noch mehrere Tagen in den Knochen liegen.

 

Das Abendessen besteht aus bescheidenen fünf Gängen und wie üblich nimmt Caine am gegenüberliegenden Ende der Tafel platz, um mit mir zu dinieren. Eine Tradition, da dies eigentlich bei den meisten Adligen wahrscheinlich nicht der Fall sein dürfte, dass der Lebenswart mit seinem Schützling am gleichen Tisch sitzt. Früher saß auch meine Gouvernante ebenso wie meine Vasallen immer mit am Tisch, wie eine kleine Familie. Auch Lady Augusta blickt zuerst etwas irritiert, als sie zu meiner rechten platz nimmt.

 

"Und wie geht es mit der Analyse deines Kontrahenten voran?", fragt mich Caine, nachdem die Suppe serviert wurde.

 

"Durchaus entmutigend, wie ich zu meiner Schande nun eingestehen muss", erwidere ich äußerst verhaltenen.

 

"Darf ich anmerken, dass es noch eine durchaus akzeptable Alternative zum kämpfen gibt?" Sein Tonfall ist so neutral wie möglich, aber ich vermag durchaus seine Beunruhigung und ehrliche Sorge heraushören.

 

"Natürlich, aber du kennst mich ja wie kaum ein anderer." Erwidere ich mit mehr Optimismus in der Stimme, als ich wirklich hege.

 

"In der Tat. Aber ich will mir nicht vorwerfen, diese Möglichkeit nicht noch einmal ausdrücklich erwähnt zu haben, bevor es dafür endgültig zu spät ist."

 

"Ich bin neu auf diesem Planeten und mit den juristischen Feinheiten dieser Makropole nicht zur Gänze vertraut. Aber wäre ein Einspruch nicht im Rahmen der Möglichkeiten? Immerhin war dies ein legales Duell und ich war Zeugin dieser Auseinandersetzung", fragt Lady Augusta, nachdem sie ihre kleine Schüssel Suppe ausgelöffelt hat. Schon wird auch der nächste Gang aufgetischt. Ihre Aussage macht mir klar, dass sie wirklich der Schatten im vierten Stockwerk war, den ich wahrgenommen habe.

 

"Auf Scintilla hält man relativ wenig von juristischen Spiegelfechtereien, wie es sicherlich auf Malfi und anderen zivilisierten Welten gang und gäbe sein mögen. Hier werden juristische Auseinandersetzungen von Adligen im Normalfall mit dem Schwert ausgetragen. Bei Bagatellen reicht manchmal eine Berührung, das erste Blut oder ähnliches. Dadurch das nun das Haus Cascandor über den mit Abstand besten Kämpfer verfügt, hat sich daraus ein äußerst unerquicklicher Wettbewerbsvorteil entwickelt, was zu äußerst dreisten Bereicherungen des Hauses Cascandor innerhalb der Güldenhand geführt hat. Eine Zeugenaussage, dazu noch von einer Person, die mit der beschuldigten Person in einem Vertragsverhältnis steht, würde wohl auch vor einem normalen Gericht in Zweifel gezogen werden", fasst Caine die regionalen juristischen Gepflogenheiten gekonnt zusammen. "Außerdem ist es nun mal Fakt, dass Flavion wirklich Crestus Cascandor tot geschlagen hat."

 

"Warum ist noch kein Haus militärisch gegen dieses infame Haus Cascandor vorgegangen, wenn sich solche Missstände einbürgern?", fragt Lady Augusta zwischen zwei Happen der Groxzunge, garniert mit subterristischen frittierten Knollenfrüchten. Eine gängige Delikatesse. Mein Koch hat sich mal wieder selbst übertroffen.

 

"Das Haus Cascandor ist fest mit der Güldenhand verwoben und kein Haus allein kann es sich leisten, gegen diese Gilde Krieg zu führen", erkläre ich, nachdem ich mein Filet auf meiner Zunge habe zergehen lassen.

 

"Und ein Bündnis der großen Häuser?", bohrt die Adlige weiter.

 

"Das scheiterte bisher an kleingeistigen Streitereien der mächtigen Häuser untereinander. Auch würde das oder die Häuser, welches das Haus Cascandor beseitigt, quasi dessen Stellung beerben, was wiederum zu massiven Gegenmaßnahmen anderer Häuser führen würde", erklärt Caine mit ruhiger Stimme die momentane politische Situation.

 

"Ich sehe schon, keiner gönnt dem anderen etwas und niemand will das Risiko tragen, entweder alleine dazustehen oder am Ende der Feind aller zu sein, die sich dann eventuell doch zu einem temporären Bündnis aufraffen könnten. Derweil würde der Handel an der Börse stillstehen, was wiederum massive Reaktionen aller Schichten nach sich ziehen würde", erläutert Lady Augusta ihre korrekte Schlussfolgerung.

 

"Sie haben das momentane Dilemma dieser Problematik präzise zusammen gefasst, Lady Augusta", lässt sich mein Lebenswart zu einem Lob herab, was diese mit einem huldvollen lächeln quittiert. Ich mag, wie sie lächelt.

 

"Also ist definitiv nicht damit zu rechnen, dass sich in den nächsten sieben Tagen eine Koalition aller wichtigen Adelshäuser bildet, um das Haus Cascandor aus der Gleichung zu nehmen?", hakt Lady Augusta nach.

 

"Damit ist nach momentanem Stand nicht zu rechnen, auch wenn ich weiß, dass werte Familienoberhaupt Taurion Conari auf allen Kanälen versucht, eine solche Lösung herbei zu führen", erklärt Caine.

 

"Aha? Davon hat mein Vater mir gegenüber gar nichts erwähnt", bemerke ich etwas pikiert. "Ich wusste gar nicht, dass du das Vergnügen hattest, mit Vater zu sprechen."

 

"Die Unterhaltung mit deinem Vater war definitiv kein Vergnügen. Er war äußerst ungehalten über dein eigensinniges Benehmen, auch wenn er deine herausragenden Leistungen auf der St. Drusus Akademie durchaus zu würdigen weiß", erzählt Caine. Wahrscheinlich hat er nach mir mit meinem Vater gesprochen.

 

"Na, wenigstens etwas", meine ich und schon wird der nächste Gang serviert.

 

"Ich meine gehört zu haben, dass die Häuser Conari und Cascandor schon einmal vor einem heißen Krieg standen? Was ist an diesen Gerüchten dran?", hakt Augusta nach, während noch serviert wird. Das ist zwar kein Geheimnis, zeigt mir aber, dass sich diese Kurtisane wirklich gut informiert hat.

 

"Vor etwas über dreißig Jahren begann das Haus Cascandor rapide an Macht innerhalb der Güldenhand zu gewinnen. Traditionell ist es allen großen Häusern verboten, sich in der Güldenhand zu organisieren und es war immer die relative Machtlosigkeit der kleinen Häuser, welche einen fairen und reibungslosen Börsenhandel in Tarsus gewährt hat. Gideon Conari, der Großvater von Flavion und der damalige Lord-Vorsitzende begann eine Allianz der großen Häuser zu schmieden, um gemeinsam gegen das Haus Cascandor vorzugehen, bevor diese die Güldenhand komplett dominiert. Auf einer geheimen Konferenz sollte das Bündnis besiegelt werden. Neben zwölf der wichtigsten Familien war auch die Inquisition und ein Vertreter des Gouverneurs involviert. Ebenso einige ausgewählte kleine Häuser, welchen den Platz des Hauses Cascandor hätten einnehmen sollen, um die Güldenhand von Innen heraus zu reformieren. Auf dem Weg zur Konferenz ereilte die Limousine von Gideon Conari ein ominöser Unfall, bei der der Lord-Vorsitzende verstarb", erzählt Caine. Das mein Großvater durch einen Verkehrsunfall gestorben ist, wusste ich. Aber nicht, dass dies auf dem Weg zu einer Konferenz stattfand, welche die Vernichtung des Hauses Cascandor besiegeln sollte.

 

"Ich schätze, dass Haus Cascandor landete sehr weit oben auf der Liste der Verdächtigen?", fragt Lady Augusta.

 

"In der Tat, ganz oben. Aber es gab nie einen ausreichenden Beweis, welche eine Anklageschrift erlaubt hätte. Ohne die Führung von Gideon Conari zerbrach das Bündnis, bevor es überhaupt geschmiedet werden konnte, da auch einige andere Befürworter eine ungesunde Tendenz zeigten, vorzeitig zu versterben. Der Nutznießer dieser Vorfälle liegt also klar auf der Hand."

 

"Deswegen dann die Vendetta zwischen unseren Häusern?", hake ich nach. Ich wusste zwar, dass es eine kalte Vendetta gegeben hat, aber nie, warum eigentlich genau. Mein Haus hat eben sehr viele Feinde und bei den meisten weiß ich gar nicht, warum es diese Fehde überhaupt gibt. Manchmal liegen diese Ereignisse nicht nur hunderte von Jahren, sondern manchmal sogar über zweitausend Jahre zurück.

 

"Genau, vorher war das Haus Cascandor einfach zu unbedeutend", erklärt mir Caine.

 

"Noch eine kleine Frage in die Runde, ist es im Vorfeld festgelegt, welche Schiedsmänner antreten?", fragt sie nun.

 

"Nein, jedes Haus stellt einen und erst mit dem betreten der Arena wird ersichtlich, wer der ausführende Schiedsmann ist. Beide Parteien wissen nicht, wer der gegnerische Schiedsmann letztendlich ist. Manche Häuser schicken immer alle fünf und wählen erst im letzten Moment. Das soll die Fairness gewährleisten", erkläre ich meiner Kurtisane.

 

"Dann ist es also gar nicht festgelegt, dass Alphonsus Cascandor gegen dich antritt?", hakt sie nach.

 

"Nein, aber ich gehe fest davon aus, dass sie ihren Besten schicken werden, um mich auf alle Fälle zu töten", erkläre ich und das Essen schmeckt auf einmal viel weniger gut. Der letzte Gang wird nun aufgefahren, ein feines Dessert aus Früchten, Eis und heißer Soße.

 

"Hast du eigentlich von Crestus noch erfahren, von wem er die Karte hatte?", wechselt meine Kurtisane beiläufig das Thema.

 

"Nicht wirklich, aber ich denke, von jemanden, dem er vertraut hat. Als ich ihn damit konfrontiert habe, ist er nicht darauf eingegangen. Aber ich denke, er hat realisiert, dass die Vertrauensperson ihn hereingelegt hat. Entweder Oberst York oder sein Großvater", fasse ich meine Gedanken zusammen und stelle eine Gegenfrage: "Warst du das, die mich vor der Digitalwaffe gewarnt hat?"

 

"Ja, dass war ich", gibt sie zu.

 

"Danke für die Warnung, sonst hätte Crestus mich voll erwischt", bedanke ich mich bei meiner Lebensretterin.

 

"Gern geschehen", erwidert die junge Kurtisane mit einem Augenaufschlag.

 

"Wie konntest du das vom vierten Stockwerk aus sehen?", frage ich mal nach.

 

"Ich hatte ein Opernglas dabei und ich habe solche Waffen schon im Einsatz gesehen. Das drehen des Steins zum scharf machen ist sehr charakteristisch, ebenso das ausrichten. Daher wusste ich, dass Crestus mit einem Ring auf dich schießen wollte", erklärt sie mir. In dem Moment werde ich meinem Leibkoch Lungini gewahr, der etwas verstört wirkt. Normalerweise sehe ich ihn nur, wenn er mit mir den monatlichen Speiseplan durchgeht und auf meine Wünsche eingeht.

 

"Was kann ich für dich tun?", frage ich, da ich erkennen kann, dass der glatzköpfige Mann nicht weiß, ob mich nun stören kann oder nicht, da er nervös seine abgesetzte makellos weiße Mütze in seinen Händen knetet.

 

"Meister Flavion, ich muss gestehen, dass ich über Eure Handlung äußerst irritiert bin, mir ein kleines Mädchen als Strafe als Küchenhilfe zur Seite zu stellen...", beginnt er etwas ungelenk sein Anliegen vorzutragen.

 

"Ach, Colette. Nein, die Kleine ist ganz und gar nicht als Strafe gedacht. Du hattest ja erwähnt, dass du gerne einen Gehilfen hättest und ich konnte eine äußerst unangenehme Situation dadurch entschärfen, dass ich das Kind in mein Gefolge aufnahm. Sei versichert, dass mir deine Speisen nach wir vor vorzüglich munden. Das Essen heute war ein außergewöhnlicher Hochgenuss. Meinte Gratulation zu diesem Meisterwerk, werter Lungini", erkläre ich meine Handlung, auch wenn ich das nicht müsste.

 

"Danke, Meister Flavion, für dieses Lob. Nun gut, aber ich dachte da eher an einen Burschen von etwa zehn bis zwölf und nicht an ein spindeldürres Putzmädchen von sechs, dass es noch nicht mal zu den Küchenmädchen geschafft hat", wagt Lungini meine Entscheidung in Zweifel zu ziehen. Manch Adliger würde nun zur Peitsche greifen oder zumindest den Zuchtmeister informieren, da im Gegensatz gängiger Klischees die wenigstens Adligen ihre Bedientesten selbst peitschten, da dies doch viel Anstrengung erforderte, ein Schlaginstrument zu führen. Aber so bin ich nicht, auch wenn seine Widerworte mich durchaus etwas verstimmen.

 

"Ich vertraue vollends auf dein Einfühlungsvermögen, deinem umfangreichen Wissen und deiner unendlichen Geduld, dem armen Mädchen das notwendige Rüstzeug zu verschaffen, in zwölf Jahren zu einer formidablen Köchin heran zu wachsen. Und denk immer an die Worte des großen Reformators Sebastian Thors: Es gibt keine schlechten Schüler, sondern nur schlechte Lehrer. Ich bin vom Erfolg deiner Bemühungen vollkommen überzeugt und da du nun der Ausbilder der kleinen Colette bist, wird natürlich dein Einkommen entsprechend angehoben. Wäre das alles, werter Lungini?" Eigentlich bräuchte ich ihm kein höheres Entgelt bezahlen, aber ein kleiner finanzieller Anreiz dürfte ihm helfen, sich mit dieser Situation anzufreunden.

 

"Wie Ihr wünscht, Meister Flavion", meint Lungini einlenkend die Zeichen der Zeit erkennend, macht einen Diener und verlässt den Raum. Einen wirklich glücklichen Eindruck hat er nicht gerade gemacht. Aber er wirkte auch nicht mehr ganz so verärgert wie am Anfang.

 

"Was es mit der kleinen Colette auf sich hat, wollte ich auch noch nachhaken", schneidet nun auch Caine das Thema an.

 

"Auf dem Weg zu meinem Vater hatte ich mit der Kleinen einen Zusammenstoß, in dem sie mir etwas Putzwasser auf meine Hose gekippt hat, was bei meinen Brüdern danach für rege Amüsiertheit sorgte. Für diesen Fauxpas wäre sie normalerweise hart bestraft worden. Aber da dies zum Teil auch meine Schuld war, da ich nicht auf den Weg geachtet habe, sah ich mich dazu veranlasst, diese Situation dahin gehend zu entschärfen, dass ich sie Lungini zuteilen ließ. Immerhin hat er ja mal erwähnt, dass er so langsam gerne seinen Nachfolger ausbilden würde. Vielleicht nicht die Beste aller Möglichkeiten, aber in dem Moment fiel mir keine bessere Lösung ein", erkläre ich meinem Lebenswart, was ich auch nicht müsste, aber ich denke, es Schadet nicht, wenn er die Hintergründe meiner Entscheidungsfindung kennt.

 

"Ich kann das Dilemma durchaus nachvollziehen. Dann werde ich ihr eine entsprechende Uniform besorgen und ihr den Schlafplatz des Küchenmädchens geben", erwidert Caine neutral und damit ist die Sache geklärt. "Benötigst du heute noch etwas?"

 

"Du kannst dich ruhig zur Ruhe begeben, ich werde ebenfalls zu Bett gehen. Aber ich denke, es wird noch etwas Zeit in an Anspruch nehmen, bis ich zum schlafen komme", meine ich breit in Richtung Lady Augusta grinsend.

 

"Das hoffe ich doch sehr", erwidert meine Kurtisane mit einem verführerischen glitzern in den Augen.

 

Nakagos wirre Gedanken

 

Das vorherige und dieses waren zuerst ein Block, war dann aber zu lange. Wieder etwas Hintergrundinformationen. Vielen Dank für die Likes.

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Ich habe einmal versucht einen Verschwörungs-Plot für eine Pen and Paper Runde zu schreiben.

Es war unfassbar schwer und ich habe die Runde nur durch wilde Improviation gerettet. Wie du das grade schreibst finde ich cool, es liest sich richtig leichtfüßig, spannend und doch Dicht mit Informationen.

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