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TabletopWelt

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Also, da ich in letzter Zeit nicht mehr so die Muße hatte, an meiner "Chronik von Lord Ruerl" weiterzuschreiben, habe ich zwischendurch angefangen eine Kurzgeschichte zu schreiben. Sie umfaßt etwa fünfzehn kleinere Kapitel und heißt "Blue Screen".

Diese Story lehnt sich in der theoretischen Idee ein wenig an Bismarcks "Überholspur" an, spielt jedoch in einem völlig anderen Metier. Ich habe die Computerwelt als Thema genommen, weil ich in letzter Zeit von sehr vielen Leuten umgeben bin, die sich ein wenig "zu arg" in ihre Online-Spiele hineinsteigern. Dabei ist mir die Idee zu einer Geschichte gekommen. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen...

Und hier kommt das erste Kapitel:

Ein Samstag im Frühling

Der Firebolt saust mit der infernalischen Wucht eines magischen Panzergeschosses an den beiden caldeanischen Swordmasters vorbei, äschert einen kleinen Baum ein und trifft den mächtigen Wizard von Caldea direkt in die Brust. Auf Stufe 20 ist der Firebolt nicht einmal von einem caldeanischen Wizard aufzuhalten.

Zuerst geht sein blaues Gewand in Flammen auf, während er vergeblich versucht, noch einen Heiltrank zu sich zu nehmen und dann zerfällt er zu einem schwarzen Häufchen Pixel-Asche auf dem grünen Boden der Ebene.

Während sich ein zufriedenes Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitet, sehe ich eine letzte Meldung des sterbenden Wizards im Chat-Feld am unteren Bildschirmrand:

Zefanion: "Alder, du Ar$ch! Wie hast'n das gemacht? Du bist doch erst Lvl24?"

Ich tippe immer noch grinsend eine Antwort:

IceWarrior: "Tja, du hättest mal öfters nach Wisp Island zum HighMage gehen sollen. Also ich hab da ne' ganz tolle Grand-Mage-Scroll gefunden!"

Zefanion: "Blöder Penner!"

Und weg ist er!

Strike!

Wieder einen dieser bescheuerten Caldea-Wizards geplättet! Die glauben schon seit dem Start des Spiels, sie könnten sich auf Obelisk wie die Kings aufführen.

Anscheinend haben diese ganzen Trottel, die einen Caldea-Wizard spielen keine Ahnung, welche Skills sie steigern müssen, damit sie einen Blade-Mage wie mich besiegen können. Tja, und wieder einmal habe ich bewiesen, daß ein BM mit der richtigen Ausrüstung durchaus einen CW schlagen kann. Zwar sind die Spells des CW viel stärker und wirkungsvoller, aber da ich den Firebolt auf einer so hohen Stufe habe, mußte ich nur den Flächenzaubern des CW ausweichen und ihn mit einem gezielten Bolt ausradieren. Die Schwachstelle an diesen CWs ist, daß sie zwar übermächtige Spells haben, aber fast keine Lebenspunkte.

Ich eile schnell zum Leichnam dieses Losers namens Zefanion und loote seinen ganzen Body, während meine drei Kampfgefährten die Ebene nahe dem Dark Forest von den restlichen Swordmasters säubern, die jedoch nach der Vernichtung ihres Wizards anscheinend lieber beschließen, das Feld zu räumen.

Der Halbork Level 38 von Runner12 mit seiner Doppelaxt in den Pranken gesellt sich auf dem Bildschirm an meine Seite, während BICC und Tyrias44 mit ihren hochstufigen Klerikern die Swordmasters noch ein Stück verfolgen, ihnen einige Light-Arrows nachjagen und dann ebenfalls zurückkommen.

Der Loot dieses Zefanion ist gar nicht schlecht, stelle ich fest, als ich seine fallengelassene Ausrüstung aufsammle: Ein Grandmaster-Umhang, ein Lost Book, vierzehn weiße Adlerklauen und etwa 120 Goldstücke.

Mein Blick wandert wieder zum Chat-Feld, wo sich gerade meine Kumpane melden.

Runner12: "Oah, geil, geil, geil! Den hast du einfach weggepustet! Das war einfach hammergeil! Alder, du bist der Beste!"

Auf den unnötigen Kommentar dieses pupertären 15-jährigen aus Dortmund mit seinem sehr dürftigen Vokabularium der deutschen Sprache hätte ich gut verzichten können. Ich muß mich beherrschen, um ihm nicht eine passende Antwort auf diesen kindischen Blödsinn zu schreiben, mit dem er mein Textfeld zuschreibt. Doch ich unterlasse es in weiser Voraussicht, weil ich genau weiß, daß wir ohne einen nahkampfstarken Charakter in der Umgebung der Swamps of Devil und vor den Stadtmauern Caldeas nicht lange überleben werden.

BICC: "Hey, Icie, was für'n Loot hatte der denn?"

So kenne ich BICC. Der angeblich 22-jährige Medizin-Student aus Hannover ist immer auf die seltenen Lost Books aus, die diese caldeanischen Wizards bei sich haben, denn sie enthalten neue Zaubersprüche für Kleriker, für die man ansonsten in den Akademien und Tempeln bei den Priestern mindestens 50.000 GM hinblättern muß, um sie zu erlernen.

IceWarrior: "Nix besonderes. Ein bissl Gold, einen Umhang und ein paar weiße Adlerklauen."

BICC: "Gibst du mir die Klauen? Ich brauche die, um endlich diese dumme Ring-Quest abschließen zu können."

Großmütig überlasse ich BICC die Adlerklauen, die ich sowieso nicht gebrauchen kann, während ich das Lost Book für mich selbst behalte. Zwar benötige ich es nicht für meinen Blade-Mage, aber ich kann es sicher für teures Geld in der nächsten Stadt verscherbeln. Gold kann man bei War of Sorcery nie genug haben.

Tyrias44 : "Also deine GMS von der Wisp Isle die hat's ja wirklich in sich."

Ich enthalte mich einer Antwort und sonne mich im Ruhm des Augenblicks. Ja, ja, Tyrias44 du hast recht. Es gibt ja auch nur etwa 50 Stück auf dem ganzen Server die man finden kann. Mit dieser Scroll kann ich einen Zauberlevel beliebig erhöhen, ohne daß der Level meines Charakters Einfluß darauf hätte. Normalerweise könnte ich mit LVL24 den Firebolt nur auf Stufe 12 benutzen, mit der seltenen Scroll aber, habe ich ihn durch langes Spielen auf den höchsten Level gebracht.

Ich hatte wirklich verdammtes Glück, daß mir der High-Mage auf Wisp diese Grand-Mage-Scroll für die Erfüllung einer alten Quest überlassen hat. Eigentlich war es ja nur ein dummer Bug, den die Gamemaster mittlerweile ausgemerzt haben, aber da einer der Gamemaster auf Obelisk ein guter Kumpel von mir ist, weil wir auch schon seit drei Jahren regelmäßig CS und UT zusammen spielen, habe ich meine GMS behalten können. Mittlerweile spuckt der High-Mage als Zufallsgegenstand keine dieser Scrolls mehr aus, doch das braucht außer mir und den Gamemastern ja keiner zu wissen.

IceWarrior: "Na, was meint ihr? Heute Abend um 8 Uhr gaten wir zusammen mit den anderen der Gilde vor den First Wall von Caldea?"

BICC: "Klar, da gibt's nen Crash mit den ganzen caldeanischen Gamern! 1000 oder mehr Leute. Das geht richtig ab. Diesmal hol ich mir von einem dieser beschissenen TowerWizards eine Rune of Changing!"

Runner12: "Geil, Mann. Klar bin ich dabei! Gemetzel! Alder, da gibt's weapons ohne Ende!"

Es dauert eine Weile, während ich auf die Antwort meines dritten Party-Mitglieds warte und rastlos auf der Maus rumklicke und gleichzeitig das Textfeld und den Bildschirm anschaue, damit mir nicht irgendwelche Monster entgehen, die irgendwo in unserer Nähe spawnen.

Tyrias44: "Tut mir leid, ich muß heute Abend auf den Geburtstag meiner Cousine. Da kann ich nicht. Mist, dabei wär ich so gerne dabei gewesen."

IceWarrior:"Tja, kann man nix machen."

Tyrias44: "Ich sag' dir, meine Cousine ist ne echte, zwölfjährige Schreckschraube. Die braucht nur den Mund aufzumachen und ich könnt schon kotzen. Das gibt den größten Reinfall heute Abend, aber ich muß da leider hin! Familienschei$$e, blabla, du weißt schon!"

IceWarrior: "Ja, klar. Tut mir wirklich leid für dich."

Eigentlich ist es mir schei$$egal, was Tyrias44 heute Abend macht. Meinetwegen könnte er sich auch Pornos ziehen und sich vor seinem Rechner einen runterholen. Heute Abend bin ich nicht auf ihn angewiesen. Solange ich BICC bei mir habe, der mich heilen kann, reicht mir das. BICC ist sowieso 3 Level höher als Tyrias44 und kann obendrein noch besser mit seinem Char spielen. Tyrias44 ist immer so langsam im Kämpfen und Zaubern, weil er sich noch keinen neuen Sorcery-Assistant runtergeladen hat, mit dem man einfachere Makros einstellen kann.

Runner12: "Hey, Leute, ich muß aufhören. Mein Vater nervt rum, ich soll den Rechner ausmachen und endlich Hausaufgaben machen. Bin dann später nochmal online. So gegen 23.30 Uhr, wenn meine Alten schlafen. Bis später, CIAO!"

Ja, verzieh dich, Trottel. Heute Abend brauche ich keinen Halbork, der mir hilft, mich durch die Reihen der Swordmasters von Caldea bis zu den Tower-Wizards, den Caldea-Wizards und den neuen Wall-Guards durchzukämpfen. Nicht, wenn ich mich auf die 120 Nordic-Bersercs und 200 Dagger-Dexers verlassen kann, die in der Light-Gilde sind und heute Abend an dem Gemetzel teilnehmen werden. Runner12 brauche ich nur, wenn ich mit der Raid-Party unterwegs bin. Einmal habe ich mich im Team Speak mit diesem Typ unterhalten, und er hat tatsächlich das Wort LAN als "Läähn" ausgesprochen. Da haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt vor Ekel ob der Blödheit dieses Teenagers. Seitdem beschränke ich den Kontakt mit Runner12 nur auf das nötigste.

BICC: "Ich gate dann auch mal zurück zur Gilde. Ich muß noch für ein Projekt arbeiten, das mir mein Prof aufgedrückt hat. Also, wir sehen uns dann kurz vor 8 Uhr vor dem First Wall!"

Als BICC den Server verlässt logge ich ebenfalls aus und beende das Spiel. Drei Stunden mit meiner Raid-Party durch die Ebene von Luhr zu rennen und Caldeaner zu schnetzeln reicht für den heutigen Morgen. Heute Abend geht's ja nochmal gut ab.

Mein Rechner lädt meine stilvolle Windowsoberfläche, auf die ich jedesmal stolz bin, wenn ich sie auf einer LAN den anderen Spielern zeige.

Der Desktop-Hintergrund:

Ein Bild aus dem brandneuen Spiel War of Sorcery, das ich soeben mit meinen Internet-Kumpels gespielt habe. Das Bild ist eine echte Rarität, denn man findet es auf den offiziellen Seiten nur sehr selten, denn es ist ein Bild aus der ursprünglichen Version des Spieles von vor zwei Jahren, die man verworfen hatte. Damals wurde sogar darüber diskutiert, das Spiel überhaupt nicht weiterzuentwickeln. Das Bild lagerte fast ein Jahr in meinem Bilder-Ordner für Fantasy, bis es mir vor einiger Zeit, als WoS endlich herauskam wieder begegnete.

Man sieht darauf einen in prunkvolle, samtblaue Gewänder gekleideten Magier auf einem feuerspeienden Drachen, der alleine einem düsteren Heer aus Trollen, Schwarzmagiern und finsteren Schwertkämpfern gegenübersteht. Er hat den goldenen, mit einem roten Rubin gekrönten Zauberstab in einer beschwörenden Geste hoch erhoben, während um die Klauenfüße des grünen Drachen silberfarbene Zaubernebel wallen, in denen sich Gesichter von Geistern bilden. Im Hintergrund des Bildes erhebt sich eine Burg auf einem hohen, eisbedeckten Berg. Darüber steht an einem dunkleblauen, mit Sternen übersäten Nachthimmel mit goldenen Buchstaben der Schriftzug THE WAR OF SORCERY geschrieben. Wirklich beeindruckend. Und vorallem selten im Netz zu finden.

Ich lade das ICQ und überblicke kurz die Nicks, um festzustellen, wer gerade online ist. Von den ungefähr 130 Personen, die ich in meinem Verzeichnis habe, sind etwa 40 online. Eigentlich ziemlich wenige, denn die meisten Leute, die ich hier drin hab, sind genauso fanatische Zocker wie ich und eigentlich IMMER online. Wenn sie gerade einmal nicht online sind, bedeutet das in neunzig Prozent aller Fälle, daß sie gerade ihren PC abgebaut haben und auf dem Weg zu irgendeiner LAN sind, um sich dort nächtelang mit anderen Zockern gemeinsam in den unterschiedlichsten Games zu batteln.

Ein Blick auf die Uhr am unteren Bildschirmrand klärt aber sofort die kümmerliche Gesellschaft in meinem ICQ, denn es ist gerade 12.30 Uhr Samstag mittags. Einige sind sicher Mittagessen, während die meisten wohl den halben Tag pennen werden, weil sie bis tief in die Nacht irgendwas gezockt haben.

Ich habe ebenfalls Hunger, weil ich seit dem Aufstehen um 9 Uhr noch nichts gegessen habe außer den beiden vergammelten Müsliriegeln auf meinem Schreibtisch, die noch von der letzten LAN übrig waren.

Kurz checke ich nochmal meine Downloads.

Der Harcore-Porno mit dem klangvollen Namen "Dreckige Nutten Teil 2" braucht noch ca. 5 Stunden, bis er fertig ist.

Das zweite Kurzfilmchen mit dem selten bescheuerten Titel "Teenie-Ficck im Hinterzimmer" ist schon fertig. Gut, der Film geht auch nur 40 Minuten.

Die zwei neuesten Kinofilme dauern noch mindestens 20 Stunden, wenn ich den Rechner weiterlaufen lasse und sind nochdazu schei$$e gepackt. Wahrscheinlich benötige ich wiedermal ein neues Programm, um die zu entzippen. Naja, egal, darum kümmere ich mich später.

Ich strecke mich einmal, stehe dann ächzend auf und schalte den Bildschirm aus, während ich den Rechner anlasse.

In meinem Zimmer herrscht ein diffuses Dämmerlicht, da ich die Jalousien gar nicht aufgemacht habe, sondern nach dem Aufstehen nur das Fenster gekippt habe, damit etwas frische Luft in den muffigen Raum kommt. Durch die Ritzen fällt ein wenig Sonnenlicht herein. Es sieht so aus, als ob dieser Samstag ein schöner Frühlingstag Ende Mai werden würde, nachdem es die ganze letzte Woche ununterbrochen geregnet hat.

»Johannes?« ertönt plötzlich eine Frauenstimme dumpf vor meiner Tür. »Bist du wach?«

»Ja, ja, schon längst«, antworte ich seufzend.

Meine Mutter öffnet die Tür und runzelt skeptisch die Stirn, während sie mich ansieht und leicht den Kopf schüttelt.

»Junge, Junge, warum mußt du denn immer im Dunkeln hier sitzen? Dein Vater ist schon seit zwei Stunden im Garten. Draußen scheint die Sonne. Es wird Zeit, daß du mal an die frische Luft gehst.«

Bevor ich auf diese, zu oft gehörten, Worte den üblichen, gelangweilten Pseudo-Spruch ablassen kann, geht meine Mutter mit energischen Schritten durch mein Zimmer und beugt sich über den Schreibtisch am Fenster, um mit einem Ruck die Jalousie hochzuziehen.

Gleißende Helligkeit strömt ins Zimmer, als hätte man direkt vor dem Haus ein halbes Dutzend Flutlichtscheinwerfer auf höchster Stufe eingestellt und auf mein Fenster gerichtet.

»Ahhh, Gott!« entfährt es mir. »Muß das sein?! Es ist Samstag. Kannst du mir nicht mal da meine Ruhe lassen?!«

Ich muß mich zügeln, meine Wut unterdrücken, um meine Mutter nicht wirklich anzuschreien. Aber sie weiß genau, daß ich es hasse, wenn sie mich hier in meinem Zimmer stört.

»Heute Mittag nach dem Essen kannst du mal die Garage aufräumen und ich glaube dein Vater möchte noch mit dir zum Baumarkt um etwas für die neue Terrasse zu besorgen.«

Ich habe absolut keinen Bock, auf irgendeine Arbeit im Haus heute Mittag. Warum können meine Eltern mir nicht mal meine Ruhe lassen? Ich will heute Mittag einfach nur relaxen, ein bißchen Fernsehen, etwas essen, rumgammeln, mir einen Porno ansehen und dann heute Abend entspannt wieder in WoS einloggen, um bei dem Gildenkrieg mitzumachen.

Aber der Blick in den Augen meiner Mutter spricht Bände, denn sie scheint zu ahnen, was ich denke und sie scheint nicht wirklich damit einverstanden zu sein. Auch mein Vater dürfte nicht gerade begeistert davon sein, wenn ich ihn alleine zum Baumarkt fahren lasse und stattdessen vor dem Fernseher im Wohnzimmer hocke. Und obwohl mir diese ganze dumme Familienschei$$e auf den Wecker geht, muß ich wohl oder übel mitspielen. Immerhin wohne ich noch zu Hause, bin auf das Auto meines Vaters angewiesen (noch!) und bekomme die ganze neue Hardware meines Rechners von meinen Eltern finanziert.

Na, dann werde ich halt in den sauren Apfel beißen.

Was bleibt mir schon anderes übrig?

Ich hoffe, so gegen 17 Uhr sind wir aus dem Baumarkt zurück und wenn ich Glück habe, hat mein Vater die Garage schon heute Morgen zum großen Teil aufgeräumt. Dann lasse ich das unnötige Abendessen ausfallen, schnappe mir ein paar Müsli-Riegel und bin spätestens um 18.30 Uhr wieder online.

Perfekt.

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Postpubertät meets Zockertum...nett bis jetzt, die Welt die du da beschreibst wäre auch als eigenständige Fantasywelt was wert, vielleicht ein paar zu billige Namen rausstreichen und es wäre was machbares.

Stellenweise kann man sich sehr gut mit dem Hauptcharakter identifizieren, und ein paar Züge der Obsession kenne ich auch von ein paar Kumpels.

Schreib weiter. :ok:

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So, hier folgt das zweite Kapitel...

Streit in der Küche

»Jetzt reicht's!«

Die zornige, ziemlich laute Stimme meines Vaters dringt kaum zu mir, weil ich das Head-Set aufgesetzt habe und mich gerade im Team-Speak mit Ultimate Joke, Z-Goh, Vegeta-KK, Pentulus, Landur101, NightDreamer, Verid712 und BICC unterhalte.

Ich unterdrücke den Impuls, meinen Vater zu ignorieren und sage noch kurz meinen Gesprächspartnern:»Hey, Leute, ich muß off, mein Vater will was von mir.«

Dann setze ich langsam das Head-Set ab, drehe mich ein Stück auf meinen ergonomischen, schwarzen Ledersessel zur Tür und wende mich im Halbdunkel des Zimmers meinem Vater zu.

Er steht mit wütendem Blick im Türrahmen und macht ganz den Eindruck, als wollte er einen handfesten Streit anfangen.

»Was ist los?« erwidere ich ungeduldig. Ich möchte mir noch den neuen Porno ansehen, den ich gezogen habe und mir einen runterholen, bevor der Gildenkrieg in WoS losgeht. Und vorher will ich noch mit BICC und meinen anderen Internet-Kumpels darüber diskutieren, welche Taktiken wir später im Kampf anwenden sollen, wenn das Gemetzel vor dem First Wall losgeht.

»Du kommst jetzt sofort runter zum Essen! Und zwar auf der Stelle. Wir haben zu reden!«

»Über was denn?«

»Über dich und dein Verhalten! Und zwar sofort! Schalt deinen PC aus und schaff dich runter in die Küche!«

Fünf Minuten später sitze ich neben meinen Eltern am Küchentisch ( ich mußte noch schnell meine Downloads aktualisieren, damit ich wenigstens die verplemperte Zeit sinnvoll nutzen konnte, wenn ich AFK bin ).

Durch das, an den Seiten mit weißen Gardinen verhängte, Küchenfenster fällt rotes Licht herein. Die Sonne versinkt gerade über den Dächern der Häuser, die auf einem Abhang stehen, der bis zum nahen Wald reicht.

Als ich einen kurzen Blick zum Fenster hinauswerfe, kann ich ein Stück unseres Gartens sehen, der von einer niedrigen, gepflegten Hecke umgeben ist.

Das wohlumsorgte Blumenbeet meiner Mutter neben der Terrasse, die seit Wochen schon renoviert wird.

Die Treppe aus weißen und grauen Steinen, die auf den Rasen führt.

Den kleinen Teich mit Fischen und Schilf drumherum, den mein Vater stets hegt und pflegt.

Dabei fällt mir ein, daß ich wahrscheinlich schon seit Wochen den Garten hinterm Haus überhaupt nicht mehr betreten habe.

Auf dem Küchentisch steht das Abendessen. Die weißen Teller mit dem Blumenrand, die meiner Mutter schon immer so gut gefallen hatten, Tassen, eine Kanne Tee und eine Flasche Mineralwasser. Butter, Käse, Wurst auf kleinen Brettchen. Im Korb liegt ein halber Laib geschnittenes Mischbrot zusammen mit drei Weißbrötchen von heute Morgen.

Doch niemand ißt etwas. Ich komme wir vor, wie bei einem Tribunal. Als Angeklagter natürlich.

Meine jüngere Schwester ist nicht anwesend. Sie ist gestern zu ihrem neuen Freund gefahren und wird wohl erst morgen Mittag wiederkommen. Sehr gut, die hätte mir jetzt gerade noch gefehlt.

»Findest du es in Ordnung, daß du noch nicht einmal am Wochenende zusammen mit uns zu Abend ißt?« fragte mich meine Mutter.

Mein Vater nickte ernst. Seine Stimme brodelt vor Zorn, als er spricht. »Deine Mutter kocht, putzt, macht deine Wäsche, räumt dein Zimmer auf. Sie tut alles für dich. Ich finanziere dir deinen PC und gebe dir mein Auto, damit du zu diesen bescheuerten LAN-Partys fahren kannst. Meinst du nicht, du könntest ein Stück weit auch auf uns zukommen? Dir ist anscheinend nicht bewußt, wie gut du es bei uns hast!«

»Meine Güte, was macht ihr denn wegen einer solchen Lappalie so einen furchtbaren Aufstand?«, erwidere ich ungehalten. »Ja, gut, ich verbringe viel Zeit vor meinem Rechner. Aber wäre es euch lieber, wenn ich auf Partys rumhängen, saufen und kiffen würde?«

»Du machst nichts anderes, als vor dem PC zu sitzen und behandelst uns wie den letzten Dreck!« wettert mein Vater und schlägt mit der Faust auf den Tisch, so daß die Tassen und Teller klirren.

Es hört sich so ähnlich an, wie der Ton beim Öffnen meiner Windows-Ordner.

»Das stimmt doch gar nicht!« entgegne ich ärgerlich, obwohl ich eigentlich weiß, daß er nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist. Tatsächlich kann ich mit dem lächerlichen, trauten Familienleben meiner Eltern nichts anfangen und ignoriere sie fast völlig, wenn es sich vermeiden läßt. Das heißt selbstverständlich nicht, daß ich nicht die Annehmlichkeiten entgegennehme, die sie mir anbieten.

»Kümmere dich lieber mal wieder um die Schule. Du willst doch dein Abitur bestehen, oder nicht? Wenn es nicht anders geht, werde ich dir den PC wegnehmen müssen!« sagt Vater drohend.

Obwohl sich dies ziemlich hart anhört, macht mir die Drohung kaum etwas aus. Erstens ist mein Vater sowieso den ganzen Tag über nicht zu Hause und zweitens weiß er genau, daß ich den PC für meine Hausaufgaben und Referate benötige. Außerdem weiß er auch, wie kindisch eine solche Erziehungsmethode wäre. Klar doch, einem 18-jährigen den Rechner wegnehmen. Lächerlich! Um eine solche Konsequenz durchzusetzen, ist er viel zu liberal eingestellt.

Meine Mutter versucht es auf der ruhigen Schiene. Sie sieht mich anklagend an.

»Du bekommst doch von uns alles, was du willst. Ist es da zuviel verlangt, uns etwas zu helfen, oder dich mal außerhalb deines Zimmers blicken zu lassen?«

»Ach so?« erwidere ich schneidend. Mein Ärger nimmt zu. »ICH soll mich mal bei euch blicken lassen? Das ich nicht lache! Während ich seit gestern nicht mehr das Haus verlassen habe und mir dafür heute solche albernen Tiraden anhören darf, ist meine liebe Schwester gestern gleich nach der Schule nach Becksheim zu ihrem neuen Macker gefahren worden.«

Mein Blick wandert triumphierend zu meinem Vater hinüber, der mich mit erbostem Gesichtsausdruck mustert.

»Und ich darf annehmen, daß du sie auch morgen dort wieder brav abholst, nicht wahr, Papa?«

Mein Vater schweigt daraufhin. Er scheint zu ahnen, daß ich genau ins Schwarze getroffen habe und wird sich seine nächsten Worte erst einmal genau überlegen.

Meine Mutter hat natürlich nicht kapiert, daß ich gut gekontert habe und wirft ein:»Das ist doch etwas ganz anderes. Melanie ist zu ihrem Freund gefahren. Was ist denn schon dabei? Du solltest dir vielleicht auch mal eine Freundin suchen.«

Nach diesen Worten von ihr weiß ich ganz sicher, daß ich aus dieser Auseinandersetzung als klarer Sieger hervorgehen werde. Ich habe den Spieß umgedreht.

»Achso, na dann«, sage ich und meine Stimme trieft vor Sarkasmus. »Also ist es ein unverzeihliches Vergehen, wenn ich meine Abende zu Hause verbringe, während meine, wohlgemerkt erst zarte 17 Jahre zählende, Schwester mit irgend so einem kiffenden Penner zwei Nächte lang rumhurt und was weiß ich alles mit sich anstellen läßt! Ihr habt recht. Wunderbare Erziehungsmethode, echt.«

Meine Mutter schlägt eine Hand vor den Mund und würgt hervor. »Hör damit auf, Johannes.«

Tränen treten ihr in die Augen und ich ahne, daß ich vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen habe. Aber gottverdammt, ich habe doch recht!

»Hüte deine Zunge, Johannes« Die Stimme meines Vaters ist eisig. »Entweder du änderst dein Verhalten uns gegenüber, oder ich werde mir entsprechende Konsequenzen einfallen lassen.«

»Ja, ja schon gut.« Siegessicher erhebe ich mich vom Tisch. Der Schock bei meinen Eltern ob meiner Aussagen sitzt tief genug, daß ich jetzt aufstehen kann, ohne daran gehindert zu werden.

»Wenn ihr noch was von mir wollt, dann kommt hoch. Aber klopft bitte an.«

Wäre ich jetzt Caesar, würde ich meinen Umhang mit dieser triumphierenden Geste um mich werfen und dann aus der Küche verschwinden. Aber so muß ich eben einfach so die Treppe rauf in mein Zimmer gehen.

Ich schließe die Tür vorsichtshalber ab. Erschöpft lasse ich mich in den Sessel fallen und widme mich wieder meinem PC.

"Dreckige Nutten Teil 2" ist wie erwartet ein grottenschlechter Hardcore-Porno, aber ich habe ihn ja auch nicht wegen seinem hohen, cineastischen Niveau ausgesucht. Eine primitive Sexszene reiht sich an die andere, doch es reicht, daß ich nach zehn Minuten Masturbieren in ein Bündel Kleenex abspritzen kann.

Nachdem ich die Tücher entsorgt habe, schiebe ich den neuen Porno noch in den entsprechenden Ordner. Ein Blick auf meine Desktop-Uhr zeigt mir 19.47 Uhr. Gerade will ich in WoS einloggen, da klingelt mein Telefon.

Das könnte NightDreamer sein. Manchmal ruft er mich auf dem Telefon an, denn er wohnt nur ein paar Kilometer weiter weg in der Nachbarstadt und wir haben uns schon ein paar mal nach der Schule auf eine Cola im Cafͨ auf dem Zentiner-Platz beim Rathaus getroffen. Er ist eigentlich der einzige Internet-Kollege, den ich auch im Real Life kenne.

Doch es ist Peter, ein Schulkamerad von mir. Ich kenne ihn schon seit drei Jahren und verstehe mich ganz gut mit ihm. Er spielt nicht so lange und so oft PC wie ich, aber er kennt sich gut in der Materie des Netzes aus. In der Schule ist er einer der wenigen, mit denen ich mich halbwegs gut unterhalten kann. Ich würde gerne auch mit ihm WoS spielen, doch sein Rechner ist zu alt für das neue Spiel, das sehr hohe Anforderungen an die Kapazitäten eines Computers stellt.

»Hi, Johannes. Und, was geht heute Abend?«

»Ich zocke War of Sorcery. Heute ist wieder ein Gildenkrieg.«

Kurze Pause.

»Schade«, antwortet Peter dann. »Ich dachte, wir könnten heute Abend zusammen auf den Abiball in Becksheim gehen. Dort soll es richtig gut abgehen. Ich könnte sogar freien Eintritt für uns beide rausschlagen.«

»Mmmhh, naja,...« Ich tue so, als würde ich über sein Angebot nachdenken, aber ich weiß, daß ich nicht auf diesen bescheuerten Abiball gehen werde. Erstens läuft da schlechte Musik, zweitens kommt wahrscheinlich meine Schwester mit ihrem Neandertaler-Freund hin und drittens habe ich besseres zutun. Dort laufen nur die Idioten aus meiner Schule rum, die sich bekiffen und besaufen. Das Geld, das ich dort ausgeben würde, spare ich mir lieber für die neue Grafikkarte, die ich haben will.

»Nein, wohl eher nicht«, sage ich schließlich entschlossen. »Ich habe mich schon mit meinen Internet-Kollegen verabredet. Ich will heute noch ein paar Level aufsteigen.«

Peter hört sich ein wenig enttäuscht an. »Naja, schade. O.k., dann bis Montag.«

»Ja, tschüss.«

Ich lege auf.

Dann schließe ich die Tür auf und gehe noch mal ins Bad pissen. Unten aus dem Wohnzimmer höre ich den Fernseher und sehe das blaue Leuchten des Bildschirms, das aus dem ansonsten dunklen Wohnzimmer kommt. Leise höre ich die Stimmen meiner Eltern.

Zurück am Computer sehe ich auf die Zeitanzeige von Windows. 19.58 Uhr. Zeit für meinen Blade-Mage.

Als sich der Ladebildschirm von WoS vor mir aufbaut, überkommt mich ein prickelndes Gefühl des Ausgefülltseins.

Der Streit mit meinen Eltern ist schon fast vergessen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß morgen tödliche Stille beim Mittagessen herrschen wird, doch das ist mir egal.

So gegen 1 Uhr bin ich mitten in der Schlacht vor dem First Wall. Eine Gruppe Tower-Wizards hat eine Truppe Dagger-Dexers umzingelt, die gerade aus der Gilde hierher gegatet sind. Ich, BICC und einige Troll-Hunter sind schwer damit beschäftigt, die DDs aus dieser mißlichen Situation zu befreien. BICC hat endlich von einem getöteten Tower-Wizard eine ROC erhalten und kann sich während der Schlacht in einen riesigen Werbären verwandeln, der durch die Reihen der caldeanischen Swordmaster pflügt.

Ein Blick auf die Karte zeigt mir, daß sich einige Feinde aus dem Wald im Westen nähern. Ich schicke einigen LGs eine Warnung und stürze mich dann in die Schlacht gegen die TWs. Firebolts, Icestones, Lightning-Novas, Swordblades und Firegranates fegen über den Bildschirm. Schreie, Detonationen und Waffengeklirr tönen aus meinen Surround-Boxen.

Ich bin so im Spiel gefangen, daß ich nicht bemerke, wie meine Mutter an die Tür klopft. Als ich nicht reagiere, öffnet sie die Tür einen Spalt breit und schaut herein. Sie öffnet den Mund, wie um etwas zu sagen, doch sie tut es nicht. Nach wenigen Sekunden dreht sie sich mit traurigem Gesichtsausdruck wieder um, geht hinaus und schließt die Tür wieder leise hinter sich.

Zisch! Zack! Und wieder wird ein Swordmaster von meinem Firebolt in Asche verwandelt...

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Also bisher bin ich begeistert. Das erinnert mich zumindest zum Teil auch an mein eigenes Leben bzw der Teil meines Lebens der sich WoW widmet..aber das ist jetzt ja egal ;)

Naja die Namen sind teils wirklich sehr sehr schlecht aber irgendwie trägt das auch zur Atmosphäre bei, da mieserable Namen ja zum Internet irgendwie dazu gehöhren wenn das auch weniger die Schuld der Spieleentwickler ist ;D

Ansonsten schreib weiter hatte in letzer selten mehr intresse an dem wie geht es weiter ;)

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So, hier kommt Kapitel 3...

WC3-Forum

Am Sonntag schaffe ich es erst gegen 15 Uhr aus den Federn zu kriechen. Ich bin noch total kaputt vom Gildenkrieg gestern. So um 13 Uhr hat mich meine Mutter zwar zum Mittagessen gerufen, aber ich habe gesagt, daß ich zu müde bin und mir heute Abend etwas in der Mikrowelle warmmachen werde. Fast hatte ich im Halbschlaf damit gerechnet, daß meine Eltern daraufhin einen Aufstand machen würden.

Aber nach meiner Ablehnung des Mittagessens, hatte keiner mehr an meine Tür geklopft, was mir nur recht war.

Der Gildenkrieg vor dem First Wall gestern hat bis um kurz vor 5 Uhr morgens gedauert. Es ging mal wieder richtig gut ab und jetzt habe ich nicht nur den Firebolt auf Level 20, sondern auch noch Destruction. Dazu habe ich einen neuen Stab für meinen Blade-Mage gefunden. Einen Centerstaff, wirklich nicht schlecht für meinen Char, denn mit ihm kann man Monster bis Level 8 possessen und im Nahkampf ist er fast so gut wie ein Longsword mit 33% Fire-Damage.

Ich bin nur ca. sechsmal gestorben, ansonsten hat die Heilkunst von BICC immer gereicht, um mich noch mitten im Battle zu healen.

Ich setze mich noch in meinen Boxershorts vor den PC. Zum waschen und anziehen habe ich noch keine Lust. Das mache ich später.

Meine Hand ist ein wenig steif von der stundenlang angespannten Umklammerung der Maus gestern. Das war schon öfters der Fall, aber es wird sicher in ein paar Stunden wieder vergangen sein. Für heute reicht es selbst mir mit WoS. Also entschließe ich mich, heute nachmittag etwas anders zu spielen. Außer WoS spiele ich eigentlich als Online-Rollenspiel nur noch WoW. World of Warcraft ist ebenfalls ein gutes Rollenspiel, aber WoS ist eben noch ein wenig besser als WoW.

Doch warum sollte ich jetzt wieder den ganzen Sonntag in das Leveln meines Characters in WoW investieren? Ich spiele doch eh fast nur noch WoS. WoW ist schon wieder fast out.

Ich glaube, ein gediegenes Strategie-Spiel ist für den Sonntagmittag genau das richtige.

Ich überfliege meine Spiele-Liste und entscheide mich spontan für Warcraft 3, das ich schon einige Zeit lang nicht mehr gespielt habe. Das letzte Mal war auf einer Netzwerkparty in Becksheim bei NightDreamer.

Am liebsten Spiele ich bei WC3 mit den Orks. Ich logge also ins Battle-Net ein und spiele eine Runde 1vs1. Doch ich bekomme von einem dummen Vietnamesen voll auf den Sack, und das Spiel endet schon nach zehn Minuten mit einer kläglichen Niederlage.

Als nächstes 2vs2 zusammen mit Nachtelfen gegen zwei Untotenspieler. Mein Verbündeter ist nicht schlecht. Ich hingegen schon. Der UD überrollt mich innerhalb von sieben Minuten mit einem Rush. Alleine kann sich mein Verbündeter NE nicht gegen die beiden behaupten und schon wieder ist das Spiel vorbei.

Es folgen noch drei 1vs1 Spiele gegen Untote, doch irgendwie komme ich mit meinen Orks nicht so richtig dagegen an. Jedesmal rusht mich der Gegner schon in der Aufbauphase, oder charged mich ein wenig später mit einer perfekt aufeinander abgestimmten Armee inklusive 3 hochstufigen Heros. Ich loose jedesmal auf ganzer Linie und komme nie ins Late Game.

Ich merke, daß ich mich mit den Updates durch den neuesten Patch nicht mehr auskenne und die Untoten anscheinend ziemlich stark geworden sind.

Nach der nächsten Niederlage, besuche ich kurz ein Warcraft 3-Board, um mal zu schauen, ob andere Orkspieler ebenfalls solche Probleme haben. Es dauert nicht lange, bis ich einen entsprechenden Thread gefunden habe:

(- Originalauszug - )

Rastasiemes:

Orc vs Ud

Hi wie spielt ihr so gegen Ud mit Orcs?

Ich verlier immer im 1on1 gegen Ud. Weil ich sie einfach nich platt bekomme. Egal ob ich mass gruntz oder teche und dabei harasse. Ich bekomm immer eins auf den arsch!

Wenn ihr nette replays habt dann sofort her damit. Danke schon mal

p@uli:

naja...also ich hatte mit ud noch nie wirklich probleme...

also ich spiel immer fs first

dann erstmal ein paar grunts..

nach dem zweiten grunt tech und dann weiter noch ein paar grunts bauen..

im tech ne zweite raxx bauen

wenn dann tier 2 second hero sh (jetzt nicht mehr ganz so gute wahl da gehexte units ja jetzt gecoilt werden können..denke ist aber immernoch als 2nd der beste held)

auf tier 2 longue bauen und weiter auf tier drei techen

auf tier drei dann mit tauren bersis schamanen und deinen helden dem ud hart in den arsch ****en!

als tipp...wenn du ne fast exe hast bau eine dritte raxx..mit exe kannst du fast durchgehend aus drei raxx bersis und grunts pumpen..

wenn necros kommen mach katas (wird wohl jetzt öfter gespielt werden von den ud) oder halt spiritwalker für disspell..denke die katas sind da aber besser

naja falls frosties oder desis kommen, die musst du dann halt mit deinen bersis focusen...klappt schon irgendwie....desweiten kannst frosties ja auch noch mal hexen...die bleiben ganz schön lange so eine kleine kack möwe oder albatross oder was das auch immer sein soll

edit: achso..falls der ud ghouls spielt ist der shadowhunter als second natürlich *******e...da würde ich dann mal den tc mit wave empfehlen

BoCu:

das prob is das du mit gruntz vs nen fiendpush keine chance hast...

Ich spiel zuer zeit fasttech auf wyvern/bats... Heros entweder FS/SH oder FS/TC

Ich bevorzuge zur Zeit FS/TC da Hex mit der Änderung so unglaublich abgeschwächt wrude das es fast nutzlos ist vs ud. Da is ne wave oder stun um einiges effektiver

FFA4U-Leader:

Wenn der UD auf Fiends geht benutze ich Grunts/Raider/SW's. Spiriktlink ist sehr, sehr gut gegen FF und mit Dispell kann man AFAIK verbuddelte Viecher angreifen. Raider ensaren fliehende Fiends TC+Panda rocken mit AOE so richtig geil und später sollten dringends Tauren dazu. Gegen Gargoyles helfen Panda + 2 Bats (dann sind alle Gargs tot) und gegen Wyrms, die man komischerweise total selten sieht, tippt man einfach "gg" ein.

... ...

...

Alles klar, nachdem ich etwa eine halbe Stunde die Taktiken im Forum studiert habe, kann es wieder losgehen.

Und diesmal habe ich auch eine Chance...

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Hier folgt Kapitel 4...

Treffen im McDonalds

Peter und ich sitzen um 4 Uhr nachmittags im McDonalds. Es passiert oft, daß es uns zum essen hierher verschlägt, weil das Schnellrestaurant nur einige hundert Meter vom Gymnasium entfernt ist.

Es ist an diesem Montag nicht viel los, weil heute das Freibad wieder aufgemacht hat und die meisten von unserer Schule sind gleich nach der siebten Stunde abgezischt, um sich ins kühle, chlorverseuchte Naß zu stürzen. Heute hat unser Geschichtslehrer uns wieder mit seinen bescheuerten Ansichten der Weltpolitik genervt, was mir ehrlich gesagt am Arsch vorbeigegangen ist. Doch Peter will einmal Geschichte und Politikwissenschaften studieren und versucht mit mir während des Essens eine ernste Diskussion über Politik zu führen.

»Das Problem ist, daß die meisten Erwachsenen heutzutage einfach kein Vertrauen mehr in unsere Politiker haben. Und die Jugendlichen interessieren sich einfach überhaupt nicht für dieses Thema. Ich glaube, es ist niemandem klar, wie selbstverständlich wir die Demokratie in unserem Land hinnehmen und uns gar nicht richtig mit ihren Hintergründen auseinandersetzen.« Peter macht eine kurze Pause, um in seinen Cheeseburger zu beißen, wofür ich sehr dankbar bin.

Ich kann Peter eigentlich ganz gut leiden, aber wenn er mir mit Politik, Kultur und Geschichte (seinen Lieblingsthemen) kommt, dann möchte ich am liebsten woanders sein.

Nachrichten schaue ich mir grundsätzlich selten an. Ich bekomme nur die Schlagzeilen und Anekdoten mit, die auch durchs Netz kursieren.

Ich nutze die Zeit, die Peter benötigt, um ein weiteres Stück von seinem Burger zu essen, um ein anderes, mir angenehmeres Thema anzuschlagen.

»Und, was willst du dir denn für einen neuen Rechner kaufen?«

Peter zuckt mit den Schultern, kaut zuende und nippt kurz an seinem Cola, bevor er mir antwortet.

»Naja, Mediamarkt hatte da zuletzt ein paar gute Angebote und ich hab' auch schon ein bißchen Geld gespart. Aber ein komplett neuer Rechner ist schon teuer. Und den alten PC aufzurüsten, das lohnt sich schon längst nicht mehr.«

»Also er sollte mindestens 3 oder mehr Gigahertz haben, sonst lohnt er sich für dich überhaupt nicht. 3,5 Giga sind natürlich klasse, wenn es dein Geldbeutel erlaubt. Und achte bloß auf die RAM, die sind ebenfalls sehr wichtig, das weißt du ja. Zu wenig Arbeitsspeicher und du kannst die meisten Spiele knicken. Ansonsten halt gute Grafikkarte, usw...«, antworte ich selbstbewußt. Es wird wirklich Zeit, daß sich Peter einen neuen PC kauft, damit ich wieder gegen ihn ein paar Strategie-Spiele zocken kann. Bei 3D-Shootern ist er grottig, aber bei den älteren Spielen wie AOE2, Starcraft, Rome und WC3 macht ihm so schnell keiner was vor. Ihm fehlt zur Zeit nur die Übung, weil er die meisten Spiele nicht zu Hause spielen kann.

»Ja, ja, ich weiß«, meint Peter nur. Er schaut mich mit seltsamem Blick an, als mustere er mich zum ersten Mal.

»Was ist denn? Was schaust du denn so?« frage ich verwirrt.

»Sag mal, wann warst du denn das letzte Mal am Wochenende unterwegs?« fragt er ernst.

»Wieso?«

»Nun ja, wenn wir unterwegs sind, bist du nie dabei. Und Anrufen bei dir kann ich mir auch meistens sparen, da du eh fast nie mitkommst, wenn ich etwas mit dir unternehmen will.«

Was soll das denn jetzt werden? Eine dieser Grundsatzdiskussionen über meine Lebenseinstellung? Diesen Müll muß ich mir schon von meinen Eltern anhören. Das kann sich Peter gleich sparen.

»Besser im Internet surfen, als sich auf einer Party wegzudröhnen.«

»Wirklich?« Peter wirkt skeptisch. »Komm schon, das kann doch nicht echt deine Einstellung sein? Glaubst du nicht, daß es vielleicht Zeit ist, endlich mal was anderes zu tun. Ich meine, die Zocker-Zeiten mit 14 oder 15 Jahren waren schon geil, aber das Leben hat noch einiges mehr zu bieten.«

»So?« unterbreche ich ihn. Meine Stimme klingt aggressiver, als ich beabsichtigt hatte. »Ich brauche mir nur meine verblödete Schwester anzusehen. Die zieht immer auf irgendwelchen Partys rum und führt ellenlange, alberne Diskussionen mit ihren minderbemittelten Freundinnen und Freunden über Alkohol, Drogen, Sex und Partys. Ach ja, ich glaube ich habe noch die Themen Alkohol, Drogen, Sex und Partys vergessen. Und das soll das Leben sein? Also, dann verzichte ich doch gerne darauf.«

»Du kannst doch nicht die ganze Gesellschaft über einen Kamm scheren«, begehrt Peter auf und wischt sich seine Hände mit dem Papiertuch trocken. »Ich gehe durchaus auch auf Feste, wo über andere Themen gesprochen wird. Außerdem kann es doch auch Spaß machen, sich mit anderen Leuten zu treffen und sich mit ihnen zu unterhalten.«

»Das habe ich auch im Internet«, erwidere ich. »Team Speak, ICQ, usw.«

»Toll. Im Netz kann dir jeder jeden Mist erzählen. Du weißt nie, wie die Leute in Wirklichkeit denken und handeln, weil du ihnen nie in die Augen sehen kannst, oder erlebst, wie sie ihren Tag verbringen. Das wäre ja genauso, wenn ich den Charakter von Schauspielern in einem saudämlichen Film nach ihren Rollen beurteilen würde.«

»Das ist doch kein Vergleich. Ich kann durchaus den Charakter meiner Internet-Kollegen beurteilen. Da ist zum Beispiel BICC, den du auch aus dem ICQ kennst. Der ist Mathematik-Student und ein ziemlich schlauer Kerl. In sämtlichen Spielen, die wir zusammen spielen, kennt er sich gut aus. Seine Witze und Sprüche kommen im Team-Speak, IRC und im ICQ gut an. Wenn er mir etwas schreibt, dann hat das auch Hand und Fuß. Also kenne ich ihn doch wohl ganz gut, oder etwa nicht?«

»Und wie heißt er wirklich?«

»Hä?«

»Welchen Namen hat BICC im wirklichen Leben. Im sogenannten "Real-Life", wie man als Computerjunkie sagt.«

Ich blicke ihn einige Sekunden lang verdutzt an. Welchen Namen hat BICC? Das ist vielleicht eine Frage. Moment, das hat er mir einmal geschrieben. War das vielleicht Thomas? Tim? Thorsten? Es war auf jeden Fall etwas mit dem Buchstaben T am Anfang.

»Thomas«, antworte ich schnell bevor ich zu lange nachdenke. Doch Peter hat mein Zögern natürlich bemerkt.

»Du weißt es nicht«, sagt er triumphierend. »Siehst du. Noch nicht einmal seinen Namen weißt du und behauptest trotzdem, ihn ganz gut zu kennen. Das ich nicht lache!«

Bevor ich etwas darauf erwidern kann, ertönt plötzlich eine bekannte Stimme vom Eingang her.

»He, hallo Jungs!«

Bei dieser Stimme überläuft mich ein leichtes Prickeln, das ich nicht ignorieren kann, obwohl ich es versuche. Langsam drehe ich leicht den Kopf.

Drei Mädchen aus unserer Schule nähern sich unserem Tisch.

Sarah, Mira und Christine.

Christine ist häßlich. Sie hat überall Pickel im Gesicht in ist außerdem fett.

Sarah ist eine hochgewachsene Blondine, die realtiv gut aussieht. So gut, daß sie angeblich schon mit 90% aller gutaussehenden Typen unserer Stufe etwas hatte.

Mira ist etwas kleiner als Sarah und Christine und hat braune, bis auf den Rücken fallende Locken, ein schmales Gesicht mit grazilen Wangenknochen und einem kleinen Mund. Ihre Augen sind klar und grau.

Mira ist seit einem halben Jahr Peters große Liebe, und er bemüht sich seither stetig darum, sie zur Freundin zu bekommen. Doch nichts, was er bisher ausprobiert hat, hat funktioniert: kein Kinobesuch zu zweit, kein Videoabend zu zweit bei ihm zu Hause, kein gemeinsamer Partybesuch. Für mich sieht es ganz so aus, als wolle Mira sowieso nichts von ihm, also kann er es eigentlich auch bleiben lassen.

Doch nichtsdestotrotz versucht er es immer wieder. Sie hat von einer anderen Schule hierher gewechselt und besucht fast genau die gleichen Leistungskurse wie ich und Peter.

»Soll ich uns ein paar Pommes holen und Cola?« fragt Sarah an ihre beiden Freundinnen gewandt.

Die beiden nicken.

»Für mich ne Cola und ne große Pommes«, sagt Christine.

»Für mich bitte ein Sprite«, meint Mira.

Die beiden setzen sich und Sarah stolziert nach vorne zur Kasse. Das tut sie bestimmt nicht aus Freundlichkeit. Wahrscheinlich tut sie das nur, um zu sehen, ob sich auch ja alle Typen dort vorne nach ihr umdrehen und sie geil anstarren.

»Warum seid ihr nicht mit ins Freibad gekommen?« fragt Mira mich, als Sarah weg ist. Sie setzt sich neben Peter auf die Bank.

»Keine Lust«, erwidere ich.

»War ja wieder klar, Johannes«, meint die fette Christine und setzt sich mir gegenüber auf den Stuhl. »Du sitzt doch sowieso den lieben langen Tag vor deinem dummen Computer.«

»Tja, nicht jeder kann 24 Stunden am Tag mit Essen verbringen«, erwidere ich und grinse unanständig. Von dieser blöden fetten Kuh lasse ich mich doch nicht beleidigen.

»Ar$chloch«, faucht Christine unfreundlich.

»Kau doch bitte den Mund leer, bevor zu mit mir sprichst. Du klingst immer, als hättest du zwei Brötchen in den Backen«, sage ich, um ihr noch einen Hieb zu versetzen. Ich merke, daß mir das Spaß macht.

»Oh, ihr beide, könnt ihr nicht mal aufhören. Das ist wirklich niveaulos«, meint Peter. Natürlich will er als charakterstarker, freundlicher Kerl dastehen, wenn Mira dabei ist. Trottel.

»Peter hat recht, hört auf.« Mira klingt genervt. Sie weiß, daß Christine und ich uns fast immer in die Haare kriegen, wenn wir uns treffen.

»Er ist trotzdem ein Ar$chloch.» Christine klingt trotzig. Sie streicht ihre verfilzten schwarzen Locken aus der Stirn.

»Geh nach Hause auf deinen Bauernhof. Dein Vater hat bestimmt noch Viehfutter übrig fürs Abendbrot. Dann gibt's Happi-Happi für sein kleines Schweinchen.«

»Hör sofort auf meine Familie zu beleidigen!« ruft Christine. Ihr fettes Doppelkinn bebt vor Zorn, was ich sehr erheiternd finde.

Ich setze die Sticheleien kurze Zeit später fort und behalte sie während des ganzen Essens bei, bis Christine, Sarah und Mira wieder abziehen.

Ärgerlich wendet sich Peter mir zu. »Mein Gott, hättest du dich nicht mal ein paar Minuten zusammennehmen können? Du weißt doch, wie beschissen Mira solch ein Verhalten findet.«

»Ist mir doch egal«, entgegne ich kurz angebunden und schlürfe einmal an meiner Cola. »Ich will ja nichts von ihr.«

»Manchmal bist du echt ein Idiot, Johannes. Gehen dir die Probleme anderer Menschen so am Arsch vorbei?«

Ich zucke mit den Schultern. »Probleme? Jetzt mach mal nicht so ein Trara um deine verpassten Chancen bei Mira. Es werden andere Mädchen kommen. So ist das doch immer.«

Peter schüttelt den Kopf. »Ich verstehe dich wirklich nicht. Bist du so in deine bescheuerten Computer-Spiele vernarrt, daß dich nichts anderes mehr interessiert? Keine Freunde, keine Frauen?«

»Was soll ich den sonst tun?« gebe ich zurück und bemühe mich, nicht gereizt zu klingen. »Soll ich durch die Kneipen touren? Mit irgendwelche beschissenen Assis, die nichts anderes zutun haben? Soll ich rumsaufen und mich wie der letzte Affe benehmen, um irgendwann auf irgendeiner dummen Party ein Mädchen abzukriegen? Oder soll ich in die Disco und dort einer dieser aufgestylten Schlampen aufreißen? DAS ist doch eindeutig bescheuerter, als sich mit dem Computer zu beschäftigen.«

»Ach vergiß es, du verstehst anscheinend ja doch nicht, was ich meine«, gibt Peter frustriert zurück. Er steht auf und bringt sein Tablett zu einem der Abstellschränke in der Ecke an der Treppe.

Ich schaue ihm nach, denke einen Augenblick an seinen letzten Satz.

Seine Worte enthielten ein Körnchen Wahrheit, dessen bin ich mir bewußt, doch gleichzeitig verstärken sie nur noch mein Weltbild, das ich mir geschaffen habe. Ich fühle mich hier plötzlich fehl am Platz.

Ich sehne mich zurück an meinen Rechner und zum ICQ und TS. Ich vermisse die klaren, soliden Sätze, die schwarz auf weiß vor mir auf dem Bildschirm erscheinen und die Unterhaltungen mit Gleichgesinnten über mein Mikro. Ich vermisse die Avatare meiner Mitspieler von WOS im offiziellen Forum und die endlosen Chats mit den Vertretern und Mitgliedern unserer Spielergilde.

Als Peter zurückkommt, brechen wir auf und verlassen den McDonalds. Wir wechseln kaum noch ein Wort miteinander.

Die nächste Straßenbahn wird mich nach Hause bringen.

An der mit Grafitti beschmierten Scheibe der Haltestelle steht in krakeligen schwarzen Buchstaben: Sex, Drugs & Rock'n'Roll.

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Ein kleines Zwischenkapitel...

Im Team-Speak

Tyrias44:»Ach, hau doch ab und spiel Solitär, Dumpfbacke.«

SnakeE:»Leck mich doch am Ar$ch. Also ob wir wegen mir auf den Sack gekriegt haben! Welcher Penner hat denn vergessen, uns zu healen?«

Tyrias44:»Hör auf mich zu beleidigen, jetzt reicht's mir aber! Ich laß mir von so'nem bescheuerten Noob doch nicht so einen Blödsinn erzählen! Von wegen vergessen zu healen! Das war nur weil's so geruckelt hat, aber das geht ja nicht in deinen dummen Kinderschädel rein!«

( es rauscht im Mikro, weil die Stimmen der beiden immer lauter und erregter werden )

IceWarrior:»Könnt ihr vielleicht mal mit diesem Quatsch aufhören. Ich würd gern heute noch weiterspielen. Vielleicht lagts ja jetzt nicht mehr so schlimm.«

SnakeE:»Ach, halt du doch die Klappe! Du gehörst doch auch zu den Affen! Ich hätte nie mit in eure Party gehen sollen! Jetzt hab' ich zwei Level wegen euch verloren!«

( Rauschen... Knistern... Knistern )

BICC:»Wenn du uns beleidigst, ändert das auch nichts. Hau ab, und reagier dich woanders ab, Kleiner.«

Runner12:»Ja, verpiß dich.«

SnakeE:»IHR VERDAMMTEN AR$CHLÖCHER!!! Haltet doch alle euer dummes Maul!!!«

( Rauschen... Knacken... Knistern... Klick.... Rausch )

Tyrias44:»Verschwinde endlich, du unfähiger Schei$$kerl! Mach das du raus aus'm Channel kommst und laß dich nie wieder hier blicken! RAUS!«

( ich setze für einen Moment die Kopfhörer ab, weil meine Ohren von dem Schreien der beiden Deppen schon klingeln, ich genieße für Sekunden die stille Dunkelheit meines Zimmers weil mich der Streit der beiden eigentlich nur nervt, obwohl, eigentlich ist er doch ganz lustig, ich setze die Hörer wieder auf )

SnakeE:»Du beschissener Hurensohn!! Du bist so unfähig und schei$$e!!«

Tyrias44:»Halt dein Maul, du Dreckschwein! Du redest nur Müll, du Pisser!«

( Rauschen... Knistern )

BICC:»Haltet jetzt beide die Klappe! Langsam geht mir's auf den Sack.«

SnakeE:»Ihr blöden Wich$er, geht doch eure Mutter fiCCen, ihr dummen, beschissenen AR$CHLÖCHER!!«

( mittlerweile ist es nicht mehr so lustig und ich überlege mir, ob ich aus dem Channel gehe, weil mir das Gekreische auf den Sack geht. Nur BICC hält sich kühl und überlegen wie immer zurück, im Gegensatz zu Tyrias44 und diesem bescheuerten SnakeE, die sich hemmungslos beleidigen und anbrüllen wie die Irren )

Runner12:»Halt doch jetzt die Fresse, du Penner! Hau ab!«

IceWarrior:»Ich geh zoggen.«

( ich verschwinde aus dem Channel und spiele weiter WoS, ich hoffe das sich wenigstens BICC sich das Gequatsche nicht länger anhört, sondern gleich wieder mit zu den Swamps of Devil kommt, wir wollen heute schließlich noch zwei oder der Level aufsteigen... )

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Extrem gute Geschichte, gefällt mir gut wie du die Situationen beschreibst, da fällt einem erst auf wie ******e doch das Zockertum sein kann wenn mans so übertreibt. :)

Unbedingt weitermachen. :ok:

Ps: Hoffe die Storie von Lord Ruerl geht auch bald weiter, hab bis jetzt alle deine Storys mit großem Interesse verfolgt.

Schade nur das du mit dieser Geschichte um den Sturm des Chaos aufgehört hast. Die fand ich sowas von witzig. :D

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Hi Davias, erstmal: *daumenhoch*

Die ganze Story wirkt in meinen Augen derartig aus dem Leben gegriffen, dass es echt Angst macht. :)

Ich gehöre zwar auch zu den Leuten, die ab und an Onlinespielen zugeneigt sind, aber die Art, wie es der Charakter in deiner Story "lebt" erinnert mich irgendwie an meinen Freund, wenn er ein neues spiel hat. :D

Okay, ganz so übertreibt er nicht, aber die Ähnlichkeit bestimmter Reaktionen ist wirklich verblüffend. ;)

Weiter so! :)

lg

Khal

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ich muss sagen, dass ich die einstellung von johannes, was parties und saufen angeht, durchaus teile :-)

ganz so ein krasser pc-fanatiker bin ich auch nicht, es gibt immer zwei oder drei dinge im "real-life" die mich beschäftigen :-)

p.s.: JA ich weiss, dass es mittlerweile 1:46 ist, aber dass ich immer noch auf bin und vorm pc "hänge" liegt an dem storyboard und nicht an digitalen welten, mit denen ich mich völlig identifiziere ;)

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Und es geht weiter...

( ich hab in den letzten paar Tagen zu oft Dawn of War gezoggt mit ein paar Kumpels, so'n paar Nächte durch halt. Und en bissl Sacred und Rome, da hatte ich halt keine Zeit, was zu schreiben ;) )

Danke für eure Kritiken und viel Spaß mit den nächsten Kapiteln...

Unter Geschwistern

Geschickt betätige ich Tastatur und Maus, weiche einem oder zwei Lightnings des TWs aus, die mich fast getroffen hätten, und aktiviere dann mit meinem Makro einen Desctruction-Spell mit doppeltem Damage wegen benutzten Ghost-Stones, um meinem Feind den Garaus zu machen.

Tyrias44 steht direkt neben mir und bufft mich mit Hilfe seiner eigenen Cleric-Spells, damit ich die doppelte Agility während des Zauberns besitze und schneller meine Mana-Points regeneriere. Während ich mich um den Tower-Wizard kümmere, der vier Level höher als ich selbst bin, kämpfen BICC und Runner12 gegen drei Trolle, die mit ihrer besonderen Tauchfähigkeit Disciple of the Deep ( DoD ) plötzlich aus einem nahen Swamp aufgetaucht sind, um uns zu attackieren.

Als der TW einen Augenblick von einem Chain-Ring meinerseits gestunnt wird, tippe ich schnell, um weitere Anweisungen an Tyrias44 zu geben.

IceWarrior:»Los, massSpell12, stock + MrgH. Dann isser gleich platt!«

Tyrias44:»ok. noch 10 secs«

Mit Hilfe meines neuen Centerstaffs führe ich einen Double-Ring-Hit aus, um dem gestunnten TW noch eins überzubraten und seine Lebenspunkte noch weiter zu reduzieren. Da er aber leider immer noch Physic-Shield aktiviert zu haben scheint, gelingt es mir nicht, mit meinen Staff nennenswerten Schaden zu verursachen.

Die besonderen Vorteile eines TWs sind eindeutig seine starken Zaubersprüche UND sein berüchtigter Schutz gegen physische Attacken durch Waffen. Seine Spells sind nur unwesentlich weniger mächtig als die eines Caldea-Wizards und er hält noch dazu viel mehr im Nahkampf aus. Allerdings haben seine Spells eine um 0,4 Sekunden längerere casting delay time als die eines CWs, weswegen ich mich damals auch für den besseren Allround-Charakter eines Blade-Mages in der Light-Guild entschieden habe.

Nachdem mich Tyrias44 weiter gebufft hat, spreche ich noch zweimal Destruction aus, den ich mit zwei weiteren meiner GS verstärkt habe und schließlich stirbt der TW.

Zusammen können wir nun in Ruhe die drei verwundeten Trolle vernichten, die schon zum Wasser des Swamps zurückweichen.

Wir looten die Körper der Toten und ich erhalte von dem TW sogar 12 Ghost-Stones und ein Book of Arcane Judgement, welches ich auch gut für meinen Char gebrauchen kann.

Plötzlich höre ich durch das Krachen der Sounds aus meinen Boxen und der fetten Kampfmusik von WoS hindurch, wie unten im Haus eine Tür heftig zugeschlagen wird. Trampelnde Schritte sind auf der Treppe zu vernehmen und unten ruft meine Mutter irgend etwas was ich nicht verstehe.

»Laßt mich doch alle in Ruhe!« höre ich die heulende Stimme meiner Schwester, gefolgt von einem lauten Heulanfall und dem heftigen Zuschlagen ihrer Zimmertür am Ende des Ganges.

Genervt verdrehe ich die Augen und strecke mich ächzend kurz vor dem PC aus, weil meine Gelenke und Muskeln von dem stundenlangen Sitzen wieder zu schmerzen begonnen haben. Erleichtert bewege ich die Finger meiner rechten Hand und balle sie ein paarmal zur Faust, um das steife Gefühl daraus zu vertreiben.

Kurz wende ich mich noch einmal im Chat an meine Mitstreiter, denn ich habe vor eine Pause zu machen. Heute Abend ist ja auch noch eine LAN, die wohl wieder ziemlich lange dauern wird.

IceWarrior:»Also, Jungs, ich muß dann mal off, bis dann.«

Ich beende WoS und gähne müde. Die Zeitanzeige im Windows zeigt 15.32 Uhr an. Sowas, es kommt mir vor, als wäre ich gerade erst aufgestanden. Dabei war ich schon um 10.00 Uhr heute morgen wach und habe mir einen der Kino-Filme angesehen, die ich gesaugt habe. Er war natürlich grottenschlecht, wie erwartet, aber das ist egal. Ich werde dennoch eine CD brennen, damit ich damit wieder protzen kann. Den Film hat nämlich bestimmt noch kein anderer, den ich in der Schule kenne.

Dumpf kann ich das unaufhörliche Schluchzen meiner Schwester hören, als die Sounds von WoS nicht mehr mein Zimmer erfüllen.

Was kann denn jetzt schon wieder los sein? Naja, wahrscheinlich hat sie sich von ihrem blöden Macker gertrennt und weint jetzt deswegen unnötig herum. So eine Schei$$e. Das bedeutet, daß sie wieder für die nächsten Wochen unausstehlich ist.

Eigentlich verstehe ich mich halbwegs gut mit ihr, aber wir sehen uns nur sehr wenig außerhalb unserer Familie, weil unsere Interessen völlig verschieden sind.

Ich bleibe einen Moment in meinem gepolsterten Schreibtischsessel sitzen und verschränke unschlüssig die Arme hinter dem Kopf, während ich mich ziellos hin und her drehe und auf meinen Desktop starre.

Das laute Weinen meiner Schwester bringt mich völlig aus dem Konzept, das ich mir für den Samstagnachmittag zurechtgelegt habe. Ich wollte noch einmal kurz meine Spiele auf dem Rechner alle durchchecken, weil ich heute Abend bei NightDreamer in Becksheim auf eine LAN-Party eingeladen bin.

Doch gerade jetzt fällt mir ein, daß ich für manche Spiele noch ein paar ältere Treiber meiner Grafikkarte benötige. Doch die CD mit den benötigten Treibern und Updates liegt bei Melanie drüben auf dem Schreibtisch, weil ich sie gebraucht habe, als ich ihr vor zwei Wochen ihren Computer neu eingerichtet habe.

Ich hole sie jetzt besser, bevor ich es vergesse.

Zögerlich ( ich habe eigentlich keine Lust mir das Geplärre von Melanie anzuhören ) stehe ich auf und verlasse mein Zimmer. Ich gehe den Gang hinunter und klopfe vorsichtig an die Tür meiner Schwester.

»Melanie? Kann ich reinkommen?«

Das Schluchzen hört für einen Moment auf, aber es folgt keinerlei Kommentar. Trotzdem öffne ich nach einigen weiteren Sekunden die Tür und betrete ihr Zimmer.

Der Raum ist ein wenig größer als mein eigener und meiner Meinung nach das typische, alberne Zimmer eines Mädchens von 17 Jahren. Die Jalousien sind halb heruntergelassen. Auf einem kleinen Schreibtisch stapeln sich Schulordner und Hefte. Daneben steht ein kümmerlicher, vergilbeter Monitor und eine Tastatur, die halb von einer aufgeschlagenen Frauenzeitschrift verborgen wird. Der Computer ist kaum zu sehen, denn er steht unter dem Schreibtisch hinter dem Papierkorb.

Ihr großes Bett steht an einer Wand, darüber hängt eine sehr geschmacklose, lächerliche Plastiklampe in Blumenform mit einem Herz in der Mitte. Auf dem kleinen Nachttisch stehen ein halbes Dutzend Flakons, Cremes und was weiß ich noch für ein Mist, den Melanie ja UNBEDINGT zum Überleben braucht.

Melanie liegt auf dem Bett und hat ihren Kopf gerade von dem dicken Plüschkissen mit Herzmuster gehoben, das schon feucht von ihren Tränen ist. Sie trägt eine blaue Jeans und ein schwarzes Top mit Spaghettiträgern. Ihre braunen, schulterlangen Haare hängen ihr wirr ins Gesicht, als sie mich ansieht.

»Was ist denn?« fragt sie unwillig und schnieft. Ärger und Zorn zeigen sich in ihrem, von Trauer und Frust beherrschten Gesicht. »Geh und laß mir meine Ruhe, Johannes.«

»Schon gut«, sage ich beschwichtigend und gehe zu ihrem Schreibtisch. »Ich suche nur die CD mit den Treibern, die ich letzte Woche hier liegengelassen habe. Wo hast du sie denn hin?«

»Hau ab!«

»Hör mal, ich brauch die CD...« beginne ich, als ich ein wenig auf ihrem unordentlichen Schreibtisch herumwühle, die CD aber nirgends entdecken kann.

»Ach, laß mich doch in Ruhe mit deiner beschissenen CD! Das interessiert mit gerade überhaupt nicht!« ruft sie wütend, bricht gleich darauf wieder in einen Heulkrampf aus und drückt ihren Kopf ins Kissen.

Meine Güte, das ist ja nicht zum Aushalten. Die übertreibt ja ungemein.

Die CD liegt nicht auf dem Schreibtisch. Ich gehe zu ihrem hohen CD-Ständer in der Ecke neben dem Nachttisch, um dort danach zu suchen.

50 Cent, Nelly, Aggro Berlin, Usher .... viel zu viele Hip-Hop und Negermusik, die mir absolut gegen den Strich geht, aber nirgends steckt meine Treiber-CD. Verdammt.

»Weißt du wirklich nicht, wo sie ist?« frage ich noch einmal.

»Dieser blöde Arsch«, gibt sie mir schluchzend zur Antwort und hebt den Kopf, um mich mit verweinten Augen anzusehen. »Wie konnte er mir das nur antun?«

Mir wird klar, daß sie mir wohl jetzt wirklich nicht helfen wird, die CD zu suchen. Deshalb frage ich sie eben notgedrungen:»Wer hat dir etwas angetan?«

Fast verzweifelt versuche ich, ein wenig Mitgefühl in meiner Stimme erklingen zu lassen, aber eigentlich interessiert es micht wirklich nicht, was sie für kindische Probleme mit ihrem Freund hat. Wie kann man sich nur in so eine bescheuerte Gefühlskiste hineinsteigern?

»Marcel hat mit mir schlußgemacht! Er hat auf der Party am letzten Samstag schon mit dieser blöden Schlampe Sarah rumgeknutscht und jetzt sind sie zusammen.«

Ich weiß nicht wirklich so genau, was ich jetzt darauf sagen soll. »Tja, daß ist... wirklich schei$$e. Es tut mir leid.«

»Das hilft mir jetzt auch nicht.« Sie heult wieder weiter.

»Tja dann, also, beruhige dich und mach's dir nicht so schwer«, sage ich ein wenig linkisch und bewege mich wieder Richtung Tür. »Also, tschüss.«

Ich gehe aus ihrem Zimmer und schließe die Tür hinter mir.

Für eine Sekunde wird es mir schwarz vor Augen und ich lehne mich einen Augenblick an die Wand.

Mir ist so, als wäre die ganze Szenerie in Melanies Zimmer irgend ein surreales Ereignis gewesen, das ich mir eben eingebildet habe.

Ich habe ein Gefühl im Magen, als müßte ich gleich kotzen, doch ich schlucke die bittere Galle hinunter und gehe zurück in mein eigenes Zimmer. Dort ist es immer noch fast dunkel, weil nur der Schein meines Bildschirms den Raum erhellt.

Seltsam erschöpft falle ich in meinen Sessel. Das monotone Brummen meines Rechners beruhigt mich und vertreibt irgendwie das merkwürdig ungute Gefühl im Magen.

Nach einer Weile habe ich meine Schwester und das kurze, komische Gespräch, das auch ein Fremder mit ihr geführt haben könnte, vergessen. Ich fange damit an, meine Festplatte nach den Spielen für heute Abend und den nötigen Updates dazu zu durchforsten.

Danach hole ich mir aus dem Badezimmerschrank noch ein Päckchen Taschentücher. Aus dem Zimmer meiner Schwester höre ich kein Schluchzen mehr, nur noch leise, traurige Musik von irgendeiner unbekannten, weiblichen Sängerin, die irgendwie eine ziemlich schöne Stimme hat. Kein deutscher HipHop und keine Negermusik.

Zurück am Rechner schaue ich mir noch zwei, drei Sex-Szenen aus „Dreckige Nutten Teil 2“ an, wechsle dann aber zu „Teenie-FiKK im Hinterzimmer“, weil ich den anderen Porno schon ein paarmal gesehen habe. Ein häßlicher, pickliger Typ vögelt brutal ein minderjähriges, halbnacktes Mädchen mit relativ flachen Titten in einem heruntergekommenen Abstellraum im Licht einer alten Glühbirne. Das Mädchen ist höchstens 15 oder 16 Jahre alt. Aber wer weiß das bei diesen Videoclips schon? Ich starre wie gebannt auf diese perverse Szenerie, bis ich schwer atmend in ein Tempo abspritze, und dann ziehe ich mir neue Kleider an.

Anschließend baue ich meinen PC ab und mache mich mit Vaters Auto auf den Weg zur LAN.

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Gut geschrieben. Der Charakter ist echt...KALT. Ich meine wie der mit seinen Eltern und Kollegen umgeht, echt krank und total abgestumpft der Kerl. Es ist mal interessant eine Vorstellung davon zu bekommen, wie ein extremer PC-Freak so drauf ist. Naja als Elternteil würde ich mir das eiskalt nicht gefallen lassen, dem Kerl den Kopf waschen und ihm den PC weg nehmen und nur zum Schularbeiten machen frei geben. Ich meine der Kerl ist doch überhaupt nicht mehr im realen Leben- ich sage nur Zukunft=arbeitslos.

Hochachtungsvoll

Begbie

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Eine kleine LAN-Party

»Verdammte Schei$$e!!!«

Ich raste total aus und hämmere wie wütend auf meine Tastatur ein.

Auf dem Bildschirm blinkt mir eine Fehlermeldung entgegen:

Critical-irgendwas-Error.

Aber ich kann mir die Meldung nicht sehr lange betrachten, weil nach weiteren drei Sekunden der Rechner komplett abstürzt und einfach ausgeht.

»Das gibt's doch nicht! Schei$$e! Schei$$e!«

»Mach mal halblang, Icie«, ruft NightDreamer durch den Raum zu mir herüber, doch ich registriere es kaum, während ich voller Zorn auf den Power-Knopf am Rechner einhaue, um ihn neu zu starten.

Der Raum, in dem wir uns befinden, ist ein Keller unter NightDreamers Haus. Er wurde früher für die Parties seiner Eltern genutzt, doch seit Jahren hatten sie dort nur noch alte Möbel und anderen Krempel gestapelt. Irgendwann im letzten Jahr hatte NightDreamer den großen, holzverkleideten Raum noch abgedämmt und sich alte Tische von aufgelösten Firmen besorgt. Kurz danach war hier im Keller ein perfekter Platz für LANs entstanden. Gedämpftes Licht von extra abgedämmten Lampen an der Decke übertönt nur leicht das Flimmern der sieben Bildschirme, die heute Abend gleichzeitig liefen.

»Mein Gott, Icie, das hat doch wieder nur an deiner beschissenen Grafikkarte gelegen«, sagt Erdhörnchen, ein dicklicher, kleiner Kerl aus dem Nachbarort, der mit richtigem Namen glaube ich Benjamin heißt. Der Nick aus dem Netz charakterisiert diesen freßsüchtigen Fettsack wirklich gut, daß muß ich sagen. Er ist sogar bei meiner Schwester in der Klasse und sie haßt ihn.

Erdhörnchen hat von uns sieben mit Abstand den leistungsstärksten und bestaussehendsten Rechner dabei. Ein Geschenk von seinem reichen Bonzenvater, so wie er erzählt hat. Mehrmals an diesem Abend habe ich sein poliertes pechschwarzes Gehäuse und seinen schwarzen Bildschirm und die edle Tastatur bewundert. Und natürlich die unglaublichen Bilder auf dem Screen, die seine Grafikkarte dorthin zaubert; diese feinen Rundungen, perfekten Skins und sprühenden Farben und flüssigen Animationen, einfach unglaublich.

Umso mehr ärgert es mich natürlich, daß meine eigene Grafikkarte der Grund für die ständigen Abstürze meines Rechners ist. Wir spielen im Augenblick Ninja-Massacre, das neueste Kampfspiel auf dem Markt. Ich mußte die Grafikeinstellungen fast überall auf Medium stellen, um überhaupt bei mir ein flüssiges Spiel möglich zu machen. Und trotzdem schafft meine Grafikkarte die Anforderungen nicht ganz.

»Du solltest dir auch die neue LQT holen«, fährt Erdhörnchen gewissenhaft fort, während mein Rechner neu bootet.

Die neue LQT. Mein Traum. Diese Abkürzung ist ein Begriff für die hammergeilste Karte, die ich je im Leben in Aktion gesehen habe: die Lord Quadro Theme 310 XZ Powermace 42. Der derzeitige Gott unter den Grafikkarten.

Ich besitze die Zentrium BBM 1200 Thunder, ein veraltetes Modell der neueren Zentrium BBM 1266 Lancer. Meine Karte war bis vor vier Monaten noch das beste, was es auf dem Markt gab, aber jetzt muß wohl wirklich bald eine neue her. Bei WoS habe ich zwar keine Probleme mit meiner Zentrium, da dieses Spiel wirklich gut damit zurechtkommt, aber bei den neuen Bombast-Spielen wie Ninja-Massacre macht sie Zicken.

»Ja, ja, schon gut«, knurre ich und warte, bis sich mein Desktop wieder aufgebaut hat. Dabei erkenne ich, daß es kein Wunder war, warum das Spiel bei der letzten Runde so fürchterlich geruckelt hat. Ich war gleichzeitig gerade dabei, mir die neuesten Pornos von NightDreamer rüberzuziehen. Ich überfliege kurz meine Verbindungen, beende dann zwei oder drei Filme, damit das Spiel schneller läuft und schaue nochmal kurz über die Einstellungen meiner Grafikkarte.

»Können wir jetzt endlich wieder?« fragt StrongerThanAll, ein weiteres Mitglied unserer Runde. Er wohnt direkt neben NightDreamer bei seiner Mutter und ist schon 28 Jahre alt. Er heißt Eric und hat soviel ich weiß überhaupt keine Ausbildung. Er läßt sich von seiner Mutter seit Jahren aushalten und spielt den ganzen Tag nur PC. Er trägt jedesmal wenn ich ihn hier sehe, dieselben abgedroschenen Lederklamotten mit den lächerlichen Aufklebern von irgendwelchen Metalgruppen darauf. Seine schwarzen, hüftlangen Haare sehen immer verfilzt und ungepflegt aus.

»Ja, gleich«, antworte ich und starte Ninja-Massacre notgedrungen mit den niedrigsten Einstellungen.

Das neue Kampfgebiet, das Erdhörnchen auswählt, ist eine Karte namens HighMountains11, die ich mir erst ziehen muß, weil ich sie noch nicht besitze. Der Kampf findet in einem schroffen Bergtal mit einigen Nadelbäumen und kleineren Seen statt, wo es viele Deckungsmöglichkeiten gibt. In der Mitte eines der Seen gibt es sogar so einen kleinen, japanischen Turm, von dem aus man sicher gut mit dem Bogen rumsnipern kann.

Nach einem langsamen Voranschleichen, um erstmal die der Karte zu sondieren, gehe ich weiter. Wie ich vermute, kennen die anderen hier die Karte schon gut. Vor allem Erdhörnchen und NightDreamer. Erdhörnchen spielt meistens einen dieser Bow-Ninjas, er wird mit seinem Bogen schon längst in dem Turm campen und nur auf einen Trottel von uns warten, um uns der Reihe nach umzubringen.

Ich treffe zuerst auf Jan, den ich mit einem gezielten Shot zwischen den Bäumen hindurch schwer verwunden kann, um ihn anschließend mit einem gut getimten Bladerush zu kicken und mit einem Whirlwind zu killen.

Das Spiel dauert nicht sonderlich lange. Wie ich es vermutet habe, dominieren Erdhörnchen und NightDreamer die Karte. Sie töten zusammen StrongerThanAll, dann vier Minuten später Sniper01 und Uwe. Dann erwischt mich Erdhörnchen eiskalt und snipert mich, während ich gerade über einen Felsen ins Wasser springen will.

Danach machen wir erstmal eine kurze Pause.

Es ist bereits 00.43 Uhr. Seit mehr als sechs Stunden befinde ich mich schon in Becksheim hier bei NightDreamer im Keller und zocke mit den anderen. Unsere üblichen Sessions hier können durchaus mal bis zum Sonntag Nachmittag dauern.

Während StrongerThanAll zusammen mit Jan und Uwe oben vor der Tür in NightDreamers Vorgarten eine Zigarette raucht, bleiben NightDreamer, ich, Sniper01 und Erdhörnchen im Keller sitzen.

Erdhörnchen reißt geräuschvoll eine Chipstüte auf und beginnt wie ein Wilder daraus zu essen. Seine Backen sind innerhalb von Sekunden mit dem Kartoffelzeug vollgestopft.

Ich esse einen meiner mitgebrachten Müsli-Riegel und sehe zu, wie die Prozentzahl zum Ziehen der Filme voranschreitet.

Noch knapp 13 Minuten für "Hurenmassaker Teil 3".

Und noch 25 Minuten für "Two german Teenies fucced by drunken trucker".

NightDreamer lädt seine gigantische 7600 Lieder starke MP3-Liste und dreht die Boxen ein wenig mehr auf. Irgendwas von Genesis läuft. Gut, das kann ich mir anhören.

»Jungs, kennt ihr schon die Seite "Vollabgefucctab12.com". Da gibt's wirklich die beklopptesten Videos und MP3s«, meint Sniper01, der neben NightDreamer sitzt.

Er heißt in Wirklichkeit Richard und zwei Jahre älter als ich. Er scheint ein ganz netter Kerl zu sein, aber er ist erst zum zweiten Mal bei unseren Sessions dabei. Er studiert BWL und kommt ab und zu am Wochenende und während der Semesterferien nach Hause. Er ist ein alter Jugendfreund von NightDreamer.

»Klar, da hab ich mir letztens ein geiles Video gesaugt. Warte, ich schick's euch mal«, meint NightDreamer.

»Was ist es denn?« frage ich neugierig.

»Mann, das ist wirklich voll durch. Da siehst du, wie so ein paar Typen einen Kerl auf der Straße rumprügeln und ihn dann mit dem Messer aufschlitzen. Das sieht wirklich echt aus. Ohne schei$$.«

Das Video ist nicht lang und trägt den Titel: Shotting.some.asshole

Wir schauen uns es alle an.

Es sieht wirklich ziemlich echt aus. Mit einer wackelnden Billig-Kamera in einer Hintergasse irgendwo in Russland oder so gedreht.

Drei Typen, die man in dem verkräuselten Bild nur schwer erkennen kann, schreien irgendwas auf Russisch und treten dann brutal auf einen jungen Mann am Boden ein. Einer zückt irgendwann das Messer und der Typ, der die Kamera hält, zoomt näher heran. Der Kerl am Boden wird aufgeschlitzt und Blut und Gedärme quellen aus seinem Bauch. Die Typen um ihn herum treten auf ihn ein. Er schreit und fällt dann röchelnd zur Seite, als der Messerstecher die Klinge wegwirft, eine Pistole zieht und ihm in den Kopf schießt. Nach einem kratzigen Lachen der Mörder endet das Video abrupt.

Ich sollte erschüttert sein, aber ich bin es nicht. Zuviel von solchem Mist habe ich schon im Netz gesehen. Es ist mir egal, ob es real ist, oder gespielt. Auf jeden Fall sah es wirklich echt aus.

»Der Hammer, wirklich«, meint Sniper01 fasziniert.

Natürlich muß ich nun auch mit meinen Videos protzen. Das gehört schließlich in so einer Runde dazu.

»Wartet mal. Kennt ihr das Video, wo dieser Kerl mit den Lederklamotten diesem Mädchen einen Eisenhaken bis zum Anschlag in den Arsch schiebt? Oder das, wo diese fette Schlampe sich selbst eine Stehlampe in die Vagina rammt?«

Sniper01 kennt beide Videos schon, aber NightDreamer hat das mit der Stehlampe noch nicht gesehen. Er ist einigermaßen gebannt, während er sich diese unmögliche Situation anschaut.

Nach ein paar Minuten kommen die anderen wieder zurück und es kann weitergehen. Natürlich erst, nachdem Erdhörnchen sich noch eine Handvoll Chips mit seinen fettigen Wurstfingern einverleibt, und den zerkauten Kartoffelbrei dann mit einem Becher abgestandener Cola runtergespült hat.

Bis um 3.30 Uhr spielen wir das gute alte Counterstrike im Netz. Jan ist der beste von uns, weil er immer noch in einem Clan mitspielt, während ich und die anderen schon lange auf anspruchsvollere und zeitintensivere Online-RPGs umgestiegen sind.

Anschließend macht uns NightDreamer in der Küche im ersten Stock einige Tassen Kaffee, weil die Müdigkeit und der Zocker-Streß uns schon ein wenig zu schaffen machen.

Um Punkt 4.00 Uhr geht es weiter.

Nochmal CS bis um 5.00 Uhr, dann eine kurze Runde das neue UT.

Um 7.32 Uhr erneut ein Kampf in Ninja-Massacre, diesmal aber gegen andere Gamer im Netz auf einer riesigen Map. Ich muß nach kurzer Zeit ausscheiden, weil ich durch die niedrigen Einstellungen so benachteiligt bin, daß ich Gegenstände und Gegner viel zu spät sehe, um schnell reagieren zu können.

Es geht um 8.10 Uhr weiter mit WC3.

10.30 Uhr am Sonntag Morgen. Die Müdigkeit macht uns allen schon zu schaffen und alle Muskeln und Knochen schmerzen bestialisch in meinem Körper wenn ich mich nach der langen verkrampften Haltung bewegen muß, um pissen zu gehen, oder kurz etwas zu trinken.

Um 11.00 Uhr verabschieden sich Jan und Uwe, sie müssen zum Mittagessen zu Hause sein.

Ich und die anderen vier zocken weiter. Im ganzen Raum stinkt es nach ekligem, kalten Rauch, weil NightDreamer irgendwann während der Nacht erlaubt hat, daß StrongerThanAll auch ausnahmsweise hier drin rauchen kann.

Meine Klamotten kleben an mir und manchmal bekomme ich Schweißausbrüche, obwohl es hier im Keller eigentlich ziemlich kühl ist.

So etwa kurz nach 12.00 Uhr mittags kommt NightDreamers Mutter und fragt, ob wir etwas essen wollen, doch wir verneinen, da wir uns schon mit einigen Typen im Netz zu einem letzten Wettstreit in WC3 verabredet haben.

Dann, um kurz vor 15.00 Uhr hören wir auf.

Ich baue total erschöpft meinen Rechner ab, lasse das Papier von meinen Riegeln und meine leeren Dosen einfach auf dem alten Tisch stehen und lade meinen Krempel ins Auto. Vor Erschöpfung fällt mir auch noch fast der Bildschirm aus den Händen, als ich müde die Treppe hochstolpere.

Ich kann nicht so recht begreifen, daß ich so furchtbar kaputt bin, denn wir haben schon sehr viel länger gezockt.

Kurz verabschiede ich mich noch von den anderen und fahre schließlich los.

An die halbstündige Heimfahrt kann ich mich kaum erinnern:

Straßenschilder, die kurvige Strecke durch den Wald, einen totgefahrenen Hasen am Straßenrand, einen Fußgänger an der zweiten Ampel, den ich fast überfahren hätte.

Dann bin ich zu Hause. Ich schaffe meinen Rechner in mein Zimmer und fahre das Auto meines Vaters vorsichtig in die Garage.

Hinter dem Haus sitzt Mutter auf der halbfertigen Terrasse und liest ein Buch, als ich komme.

»Hallo. Ich bin wieder da. Wo ist denn Papa?« frage ich todmüde. »Er braucht doch heute Abend den Autoschlüssel.«

Mutter dreht sich um und legt das Buch zur Seite. »Er ist heute Morgen früh aufgestanden, um mit Jürgen auf den Modellflugplatz zu gehen. Er müßte aber bald zurückkommen.«

»Naja, egal. Ich lege den Schlüssel auf den Küchentisch, wenn er ihn sucht. Ich gehe jetzt ins Bett.«

»Johannes, kannst du mir nicht noch helfen, das neue Regal im Wohnzimmer aufzuhängen? Ich bin zu klein, ich komme nicht so gut nach oben und bräuchte jemanden, der die Löcher bohrt.«

»Tut mir leid, ich bin hundemüde. Das kann mein Vater doch machen, wenn er kommt. Ich schlafe gleich im Stehen ein. Also, gute Nacht.«

Ich verschwinde in meinem Zimmer und bin sogar zu kaputt, um meinen Rechner wieder anzuschließen oder nochmal duschen zu gehen.

Ermattet ziehe ich meine Kleider aus und lasse den Rolladen herunter, um die Sonne auszusperren.

Müde strecke ich noch ein letztes Mal meine Hand aus, um meinen Wecker für morgen früh zur Schule zu stellen.

Ich sehe noch, daß es erst kurz vor 16.00 Uhr ist. Sonnenlicht dringt zwischen den schmalen Ritzen im oberen Teil des Rolladens herein.

Dann schlafe ich sofort ein.

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So und hier das nächste Kapitel

Die LQT 310 XZ Powermace 42

Der Laden ist eigentlich relativ unscheinbar, und er liegt zwischen einem Drogerie-Markt und einem Dönerladen fast am Ende der Fußgängerzone, nahe dem Bahnhof. Er hat keine Fensterscheibe, sondern nur eine weißgestrichene Tür mit Glas, hinter der ein großes Poster von Ninja-Massacre und Bilder von anderen Software-Produkten befestigt sind.

Ich glaube, das Geschäft hat noch nicht einmal einen Namen, doch "Mike's Laden", wie er von mir und NightDreamer genannt wird, ist wirklich ein Geheimtyp für Leute wie uns, die ständig damit beschäftigt sind, unsere Rechner mit teurem Zusatzmaterial aufzurüsten.

Als ich den Laden betrete, schlägt mir die altbekannte, muffige Luft von altem Teppichboden und kalten Zigarettenrauch entgegen. Das Brummen von mehreren laufenden PCs ist zu hören.

Der Raum, in dem ich nun stehe, ist nur etwas mehr als doppelt so groß wie mein Zimmer zu Hause, und nur ein schmaler Durchgang mit blauem Vorhang führt zu einem weiteren, kleineren Raum, wo zahlreiche Regale mit Lagerware im Halbdunkel bis zur Decke streben.

Erhellt wird der Raum nur von zwei grellen Deckenscheinwerfern und dem Licht der Monitore, die auf einem Tisch stehen. An den Wänden stapeln sich ausgeweidete PC-Kästen, Kabelsortimente, aufgerissene Software-Päckchen, alte Pappkartons und neuere, eingeschweißte Produkte, die scheinbar wahllos überall herumliegen.

Der Besitzer des Ladens sitzt auf einem Sessel hinter einem der laufenden PCs und drückt gerade eine qualmende Zigarette in dem übergelaufenen Aschenbecher neben dem Monitor aus.

"Mike", wie er sich selbst nennt ( ich habe keine Ahnung, ob er wirklich so heißt ) bekommt einen kurzen Hustenanfall und wendet sich mir dann zu.

»Hey, hallo Johannes! Auch mal wieder da?« fragt er mit einer unangenehmen, kratzigen Stimme, die irgendwie so klingt wie die Sprachausgabe bei einer kaputten Box.

Mike erfüllt wirklich das miese, dämliche Klischee, das man in einen Besitzer eines solchen Ladens sofort hineininterpretieren würde. Doch er ist relativ intelligent und trotz der schlechten Lage und Ausstaffierung seines Geschäftes, kann er anscheinend gut vom Verkauf der Software und Hardware hier in diesem Loch überleben. Er besitzt unglaublich gute Kenntnisse, was Computer betrifft, und ich glaube, er hat einmal bei einer großen Firma gearbeitet, bevor er dort rausgeflogen ist. Bei Numas-Tech? Oder war das Verid712 aus dem Netz, der dort mal gearbeitet hat? Oder Landur101? Naja, ist ja auch egal...

»Bist schon lange nich mehr hiergewesen, Alter«, meint Mike und steht aus dem Sessel auf. Er ist ein dürrer Kerl Ende zwanzig und hat eine ungesunde Gesichtsblässe. Seine Fingerspitzen sind stets gelb vom vielen Rauchen. Seine Augen hinter der dünnen Brille liegen tief in ihren Höhlen und ständig zuckt eine Ader am Hals, als hätte er irgendeinen komischen Anfall.

Trotz seiner abstoßenden Erscheinung ist er meine erste Anlaufstelle, wenn es um die Neuanschaffung einer Software geht. Seine Kompetenz ist wirklich unübertroffen und außerdem bekommen ich und NightDreamer auch ein wenig Rabatt, weil er schon früher ein paar ältere Online-Spiele wie WoW mit uns gezockt hat.

»Hy, Mike«, begrüße ich ihn salopp. »Ich brauch mal wieder eine Kleinigkeit von dir.«

»Na, was brauchst du denn heute, Johannes? Ich habe gestern ein paar Neuheiten reinbekommen. Der neue Mountain Bouncer 333VC Roar ist draußen. Wirklich, mit so einem Joystick hast du noch nicht gespielt. Für Flugsimulationen und Kampfspiele absolut klasse, sag ich dir.«

»Nein danke, was ich benötige ist eine neue Grafikkarte. Meine Zentrium kackt so langsam ständig bei irgendwelchen Spielen ab. Am Wochenende war eine LAN und bei Ninja-Massacre ist alles abgestürzt.«

Mike überlegt einen Moment. »Ja, das kann schon sein. Du hast die alte Zentrium BBM 1200 Thunder, nicht wahr? Tja, die gehört ja schon beinahe zum Alteisen. Mit sowas hab ich vor drei Monaten das letzte Mal gespielt. An was hast du denn gedacht?«

»Also die neue LQT sieht relativ geil aus. Die liefert die besten Ergebnisse auf dem Screen, soweit ich mich informiert habe«, sage ich. Ich habe die Tests der neuen LQT in der Zeitschrift UltraGamer gelesen und kenne die Bilder, die im Netz kursieren.

Mike pfeift anerkennend durch die Zähne. »Ja, das ist natürlich das beste, was du für deinen PC im Augenblick für Geld kriegen kannst. Ich habe die auch in meinem eigenen Rechner. Aber teuer.«

»Ich weiß«, erwidere ich zuversichtlich. Dann grinse ich kurz und klopfe zweimal auf meinen dicken Geldbeutel in meiner Hosentasche. »Aber man gönnt sich ja sonst nichts. Ich kann's mir ja auch leisten.«

Das für die LQT mein Taschengeld von den letzten drei Monaten draufgehen wird, braucht der Heini ja nicht zu wissen. Außerdem besuchen wir nächste Woche meine Großeltern und meine Oma wird mir wie immer wieder 50 Euro zustecken.

»Hast du eine da?« frage ich dann.

»Klar. Warte mal.«

Mike beginnt in einem der Pappkartons herumzuhantieren und zieht tatsächlich eine schmale, längliche Packung der Firma Linesong Enterprises heraus.

Der metallische Glanz des silbernen Schriftzuges glänzt stark im Licht.

Die Lord Quadro Theme 310 XZ Powermace 42!

Absolut geil!

»Ja, ich sehe schon, die LQT ist genau das Richtige für dich«, meint Mike grinsend, als er mein begeistertes Gesicht sieht. »Die ist mit dem neuen Chipsatz von Dark-Vox ausgerüstet und besitzt einen der leistungstarken Kühler von Overlore TWEED. Die Karte kann Temperaturen aushalten, da wäre deine Zentrium schon zweimal zerschmolzen.«

»Wie sieht es mit Treibern aus?«

»Brauchst eigentlich keinen anderen, als den, der bei der Software dabei ist«, antwortet Mike zuversichtlich. »Bis jetzt gibt es kaum einen anderen, der so gut ist, wie der originale Treiber von Dark-Vox. Allerdings solltest du mindestens 2 GB RAM haben, damit sie ihre volle Leistungsstärke entfalten kann.«

»Und, was kostet sie bei dir«, frage ich vorsichtig und grinse ein wenig unsicher. Manchmal habe ich Glück und Mike gibt mir die Sachen billiger. Manchmal allerdings auch nicht. Irgendwie habe ich keinen Einfluß darauf.

Die LQT kostet im Handel etwa 290-300 €.

Er überlegt einen kurzen Moment und legt dabei den Kopf schief. »Naja, dir könnte ich sie für 270 Mäuse überlassen, wenn du willst.«

»Das hört sich gut an, Mike«, sage ich etwas ungeschickt. »Danke.«

Ich nehme das Päckchen und bestaune das Bild der Grafikkarte unter dem silbernen Schriftzug. Mann, was mit diesem Ding für unglaubliche Grafiken möglich waren! Dazu noch das neue Optimierungsprogramm für Grafikmodi, welches ich von Landur101 geschickt bekommen habe. Landur101 ist ein ziemlich professioneller Hacker und Programmierer, der mir schon zahlreiche Kopierprogramme für CDs und DVDs gemacht und übers Netz geschickt hat. Er spielt ab und zu in der Light-Guild von WoS mit uns und im TS und im ICQ kann ich mich gut mit ihm unterhalten. Bis jetzt habe ich sein Grafikoptimierungsprogramm namens Sata X noch nicht ausprobieren können, weil meine alte Zentrium mit den ganzen Zusatzoptionen für Direct3D-XL, OpenGL 5.0 und den anderen Funktionsänderungen und Einstellungen für die Grafikkarten nichts anfangen konnte.

»Es soll übrigens schon bald ein neues LQT Modell geben. So in ein oder zwei Monaten. Das hat mir ein Kumpel aus meiner alten Firma gesagt. Linesong Enterprises und die Typen von Dark-Vox haben sich jetzt zusammengeschlossen und entwickeln an einem neuen Chip-Satz speziell für grafiklastige Games der neueren Generation. Die nächste LQT wird wahrscheinlich die neue MX-22 Technologie verwenden.«

Im Augenblick fällt mir nicht mehr genau ein, wer die MX-22 Chipsätze entwickelt und was sie bewirken und wie gut sie sind, doch ich nicke, als würde ich genau wissen, wovon Mike redet.

»Hey, wie sieht’s aus, willst du mal wieder auf eine LAN mit?« frage ich ihn, nachdem ich das Päckchen in einer Tasche verstaut habe und ihm das Geld bar gegeben habe.

Doch Mike schüttelt den Kopf. »Nein, muß nicht sein. Ich zocke eigentlich nur noch im Netz. Irgendwann wird man zu alt für diese LAN-Partys. Man spielt eben einfach erwachsener und reifer!«

Er lacht, als hätte er soeben einen guten Witz gemacht.

Ich lache gekünstelt mit, um nicht nur blöd dazustehen. Dann verabschiede ich mich und verlasse den Laden.

Zu Hause funzt natürlich wieder absolut gar nichts. Es dauert länger als erwartet, die Karte einzubauen und mein Rechner will die neue Hardware einfach nicht erkennen.

Fluchend hantiere ich mit verschiedenen Windows-Funktionen herum, starte zigmal den Computer neu, doch es bringt nichts. Ich drücke an der Karte herum, vielleicht ist sie einfach nur nicht richtig fest angeschlossen, doch auch das hilft nichts.

Als meine Eltern mich zum Abendessen rufen, reagiere ich nicht, weil ich im Innern meines Gehäuses mit Kabeln und Anschlüssen herumfummle. Wieder starte ich neu.

Endlich erkennt Windows die LQT, doch bevor sich der Desktop aufgebaut hat, stürzt alles ab und der Bildschirm wird bis auf diese beschissene weiße Sanduhr komplett schwarz.

»So ein verdammter Dreck!« fluche ich und schlage wütend mit der Handfläche an die weißgetünchte Wand.

Ein Klopfen ertönt an meiner Zimmertür

»Johannes? Was machst du denn? Willst du nichts essen?«

Die Stimme meiner Mutter klingt besorgt, was mich im Augenblick nur noch mehr in Rage bringt.

»Nein, ich kann jetzt nicht!« rufe ich wütend. Die sollen mir bloß meine Ruhe lassen. Schei$$ Grafikkarte! Schei$$ Windows! Warum geht das verdammte Teil nicht? Ich hab doch alles richtig gemacht! Das kann doch nur ein saublöder Konflikt der Hardware sein!

»Willst du nicht ein Stück Lasagne von heute Mittag abhaben?« fragte seine Mutter.

»Nein!!« rufe ich fast verzweifelt und hämmere wieder auf den Powerknopf, um den Rechner zum tausendsten Male neu zu starten. Lasagne! Was will sie jetzt mit dieser Lasagne! Schei$$ drauf!

Verdammt, leckt mich doch alle!

Danach ist nichts mehr von Mutter zu hören. Nur ihre leise sich entfernenden Schritte die Treppe hinunter zurück in die Küche. Ich flehe zu allen Heiligen, daß mein Vater nicht auch noch hochkommt, um mir eine weitere seiner unnötigen Moralpredigten zu halten.

Neue Einstellungen.

Neustart.

Absturz.

Neustart.

Installation.

Geänderte Einstellungen.

Neustart.

Absturz.

Neustart.

Absturz.

Neustart...

...

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Schei$$e ^^

ich hatte ja auch überlegt mir mal ne neue GraKa zu holen, aber auf den Stress hab ich keine Lust ;D

Die Geschichte läuft sehr gut, die einzige Frage, die ich habe, ist: Wovon ernährt sich Johannes??? Der muss doch bei der Müsli-Riegel-Diät bald den Löffel abgeben, lange hält der das nicht mehr durch

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So und weiter geht's mit unserem Müsliriegelessenden PC-Psycho.

In der Schule

»...Diese Sicht von Shakespeares Hamlet ist eindeutig von neuzeitlichen Meinungen inspiriert und hat augenscheinlich überhaupt nichts mit den ursprünglichen Bewertungen und Anschauungen dieses phantastischen Werkes der Literatur zutun. Unsere heutige Kultur, unsere Gesellschaft hat...«

Kaum vermag ich dem Geschwafel meines Deutschlehrers zu folgen, der vor der breiten Tafel steht und uns die Freude an der Literatur zum wiederholten Male vergeblich versucht einzutrichtern.

Ich sitze in einer der hinteren Reihen, habe die UltraGamer auf den Knien und blättere müde darin herum.

Bis um 3 Uhr habe gestern Nacht an meinem Rechner herumprobiert, bis ich endlich die LQT zum Laufen bekommen habe. Ich glaube es muß so nach der vierten Windows-Installation und dem fünften Herunterladen von irgendwelchen Updates gewesen sein, als er überraschenderweise die Grafikkarte endlich richtig erkannt und eingeordnet hat.

Ich habe dann nur noch kurz Ninja-Massacre gestartet, damit ich mich davon überzeugen konnte, daß die LQT auch wirklich die besten, grafischen Ergebnisse liefert. Bis auf ein paar abgestumpfte Rundungen und fehlerhafte Reflexionen sah das Spiel wirklich klasse aus. Aber das kriege ich heute Abend durch die Grafikeinstellungen im Optionsmenü des Spieles sicher noch hin.

Die UltraGamer berichtet auf den ersten Seiten von dem neuen MX-22 Chip, den Linesong Enterprises und Dark-Vox entwickeln. Mike scheint recht gehabt zu haben. Wenn die nächste LQT diese Technologie verwendet, scheinen wirklich noch weitaus bessere und detailreichere Grafiken möglich zu sein, als mit der jetzigen Version der Grafikkarte.

»Johannes?«

Ich hebe den Blick vom Heft und blicke nach rechts. Lisa hat mich leise angesprochen.

Sie ist so alt wie ich und sitzt seit einem Jahr neben mir im Deutsch-Leistungskurs. Sie hat glatte, braune Haare, die sie stets zu einem Zopf geflochten hat, der ihr fast bis zur Hüfte fällt. Ihr Gesicht ist recht unscheinbar, wenn auch nicht direkt unattraktiv.

»Ja?«

»Wo ist denn Peter heute?«

Ich runzle die Stirn und sehe mich blöderweise einmal im Saal um, wobei ich Peter, der normalerweise einige Plätze weiter vorne neben Hagen sitzt, nicht entdecken kann. Sein Platz ist leer. Das war mir bis jetzt seltsamerweise gar nicht aufgefallen. Komisch.

»Keine Ahnung«, antworte ich schulterzuckend. »Vielleicht krank.«

»So ein Mist. Er wollte mir heute Mittag meinen PC in Ordnung bringen. Ich muß noch ein Referat für Geschichte fertigmachen und mein Rechner stürzt immer ab. Ich kann nie mehr als ein paar Zeilen in Word schreiben, bevor alles ausgeht.«

»Das ist wirklich dumm«, sage ich. Was soll ich auch sonst sagen?

»Gibt’s heute noch mal Ruhe dahinten, Herr Forst und Frau Schmidt? Wenn sie sich weder für Shakespeare, noch für die Qualifikation ihres Abiturs interessieren, können sie sich auch draußen weiter unterhalten.«

Die Stimme von Herrn Becker klingt genervt.

Ich nicke nur seufzend und widme mich wieder der UltraGamer, was Herrn Becker nicht sonderlich zu stören scheint, weil ich wenigstens ruhig bin.

Die Stunde vergeht eigentlich wie im Fluge, während ich mich dem Test von Ninja-Massacre: Destination widme, der Mission-CD von Ninja-Massacre. 7 neue Level, 45 neue Waffen, 12 neue Skills und über 50 neue Gegnertypen plus ein neuer Schwierigkeitsgrad im Singleplayer. Nicht schlecht. In Ninja-Massacre: Destination stehen außerdem noch zusätzliche Grafikoptionen zur Verfügung, was mich jetzt natürlich begeistert, weil meine LQT so endlich richtig gefordert wird. Tja, auf der nächsten LAN-Party wird Erdhörnchen staunen. Ich werde also wohl in der folgenden Woche ausgiebig Ninja-Massacre zocken müssen, damit ich Erdhörnchen und NightDreamer beim nächsten Match im Multiplayer hoffentlich sicher schlagen kann.

In der Pause gehe ich kurz pissen, unterhalte mich einen Moment mit Uwe und Mark über Herrn Beckers Unterricht, damit ich ungefähr weiß, worum es ging. Wir machen noch ein paar abgedroschene Witze über andere Lehrer und dann hole ich mir am Stand im Pausenhof noch eine Cola, bevor ich mich auf den Weg zurück zum Saal mache. Soviel ich weiß haben wir jetzt gleich Geschichte oder Erdkunde bei Frau Baumgärtner.

Noch geht die Pause ein paar Minuten und lehne mich unschlüssig an die Wand, weil ich keine Lust auf Gespräche mit den anderen Schülern im Hof habe. In diesem Moment wird mir erst wirklich bewußt, daß Peter nicht da ist, weil ich mich normalerweise nur mit ihm länger unterhalte.

Als ich darüber nachdenke, warum Peter heute nicht in der Schule ist, biegt Lisa um die Ecke und kommt auf mich zu.

»Johannes, ich würd dich gerne mal was fragen.«

Sie mustert mich einen Augenblick auf eine Art, die mir irgendwie unangenehm ist.

»Ja?«

»Du kennst dich doch auch gut mit Computern aus. Kannst du nicht mal nach meinem Rechner schauen? Ich brauche den wirklich dringend, und von den anderen hat diese Woche keiner mehr Zeit.«

Ich schaue sie beinahe verdutzt an, so überrascht bin ich von dieser Anfrage. Ich glaube ich habe das ganze Jahr über noch keine zwanzig Worte mit Lisa gewechselt.

»Klar«, antworte ich nach einem Moment.

Ihr Gesicht hellt sich auf. »Oh, gut. Wann hättest du denn Zeit?«

»Äh, naja, das ist eigentlich egal. Sag mir einfach, wann ich vorbeikommen soll.«

Sie denkt einen Moment nach. »Morgen Mittag? So um 16 Uhr?«

»Ok, mmmhh, das geht in Ordnung«, sage ich, als müsste ich den Termin noch mit anderen Daten für diese Woche in meinem Kopf abgleichen. »Du wohnst im selben Haus wie Tobias oder?«

Bei Tobias war ich vor einem Jahr mal auf einer Hausparty. Da bin ich aber so gegen neun Uhr wieder abgehauen, weil Uwe schon ins Klo gekotzt hat und Peter sich wegen seiner Mira besoffen hat. Weil ich keinen Bock mehr auf diese lächerliche Party mit kotzenden Typen, knutschenden und tanzenden Pärchen, schlechter Musik und besoffenen Kleinkindern hatte, bin ich wieder heimgefahren.

Sie nickt. »Ja, genau. Im dritten Stock. Wenn du willst kannst du auch nach der Schule schon mitkommen. Dann können wir noch im McDonalds eine Kleinigkeit essen und dann zu mir gehen.«

Dazu sehe ich keinerlei Veranlassung, deshalb sage ich:»Tut mir leid, ich muß meiner Mutter noch kurz was zu Hause helfen. Ich kann wirklich erst so gegen drei oder vier Uhr.«

Sie lächelt, was ich irgendwie unangebracht finde. »Na dann, bis morgen.«

»Ach, Lisa, was hast du denn für eine Windows-Version installiert?«

»Ich glaube Windows 98 oder so etwas.«

Ist ja lächerlich. Ich verkneife mir mühsam ein Lachen. »Ok. Alles klar.«

Dann kommen die anderen zusammen mit Frau Baumgärtner.

Der Erdkunde-Unterricht wartet.

Während der beiden Stunden schiele ich ab und zu kurz zu Lisa hinüber. Ein komisches Gefühl macht sich in meinem Magen breit, als ich sie von der Seite betrachte. Mir wird plötzlich drastisch bewußt, daß ich seit fast drei Jahren nicht mehr alleine bei einem Mädchen zu Hause war.

Wann war das letzte Mal gewesen? Ich glaube bei dieser Tine, von der Peter damals etwas wollte und bei der wir zu dritt einen Videoabend gemacht haben, weil Peter sich nicht getraut hat, alleine zu ihr zu gehen. Irgendwann hat sich Peter verabschiedet, weil Tine nur von ihrem Freund gefaselt hat, und ich mußte noch eine Stunde warten, bis mein Vater mich abholt. Tine und ich saßen zusammen auf ihrem Bett und schauten uns „Eiskalte Engel“ zu Ende an.

Ich habe irgendwann etwas zu ihr gesagt, nur um das Schweigen zu durchbrechen. »Schönes Zimmer hast du.«

Sie hat geantwortet:»Findest du? Danke.«

Damit schien jeglicher Dialog ausgeschöpft gewesen zu sein, den ich mit ihr hätte führen können.

Um zehn Uhr hat mich dann mein Vater dort abgeholt.

Zwei Monate später ist Peter dann trotzdem mit Tine zusammengekommen. So für knapp drei Monate. Dann hat sie schlußgemacht. Warum, weiß ich nicht mehr. Peter hat es mir einmal gesagt und mir erzählt, daß es ein wichtiges und einschneidendes Erlebnis für ihn gewesen sei. Aber ich habe es vergessen.

Wie so vieles.

Was spielt das auch schon für eine Rolle?

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( Ja, und bevor unser Johannes den Nachmittag bei Lisa in Angriff nimmt, muß er natürlich noch abends an den PC. Darüber handelt das folgende kleine Kapitel )

Gespräch im Team-Speak

Landur101:»Der neue MX-22 von Linesong Enterprises?«

Tyrias44:»Nein, nein, der Hercules Pro 3010 von Ion-World. Der ist besser als der MX-22. Eindeutig.«

BICC:»Schwachsinn. Der Kram von Ion-World war doch schon immer für’n Ar$ch.«

Verid712:»Stimmt. Ion-World hat schon den Poligarch 4,5 entwickelt und den haben sie ganz schnell wieder vom Markt genommen, weil er in keinem herkömmlichen Rechner im Augenblick gute Ergebnisse liefert. Was nützt mir der beste Grafikchip, wenn mein PC ihn nicht sinnvoll nutzen kann?«

Tyrias44:»Aber Fakt ist doch wohl, daß sogar der Poligarch 4,5 ein besserer Chip war wie zum Beispiel der neue Haven QL 32 von Virginia Technologies, der von allen so hoch gelobt wird. Der Poligarch hat schon, genau wie der neue Hercules Pro 3010, das DNB-Texturing unterstützt.«

IceWarrior:»Toll, hast du den Bericht in der letzten UltraGamer gelesen? DNB-Texturing bringt absolut nichts. Ich hab das schon in Aktion gesehen. DNB liefert kaum besseres Texturing, als Clearing-Textures bei meiner alten Zentrium. Also ich finde, der neue MX-22 ist wirklich das beste, was es auf dem Markt zur Zeit gibt.«

NightDreamer:»Hey, Leute, kennt ihr übrigends schon die Mission-CD für Ninja-Massacre? Ist gestern rausgekommen.«

IceWarrior:»Ja, ich hab heute den Test in der UltraGamer gelesen.«

BICC:»Ich hab sie mir schon gesaugt. Zwar die englische Version, aber das ist ja egal. Auf jeden Fall sind die ersten beiden Level sauschwer. Ich bin immer bei diesem abtrünnigen Regierungsbeamten gestorben, der von diesen zwei verzauberten Obsidianstatuen bewacht wird. Nicht mal mit den Kampftechniken Whirlwind oder Knife-and-Bone komme ich weiter.«

NightDreamer:»Wie hoch hast du Whirlwind denn geskillt?«

BICC:»So auf 35 glaube ich. Im Multiplayer hab ich da schon ein Haufen Leute plattgemacht und war eigentlich ganz zufrieden damit. Im Singleplayer im Grunde auch.«

NightDreamer:»Mein Gott, bist du bescheuert?! Jeder weiß doch, daß man auf Whirlwind nur 28 Skill-Points verteilen soll! Nach dem 28. Punkt verstärkt sich der Schaden nur noch um 2,4 % anstatt um 2,9 %. Die Punkte hättest du besser in den Bladerush investiert. Dort verdoppelt sich sogar der Schaden auf Stufe 50, wenn du mit einem Imperial Katana kämpfst.«

BICC:»Na super. Und wo soll ich bitte ein Imperial Katana herbekommen? Das kann man sich doch nur cheaten, soviel ich weiß.«

Tyrias44:»Nein, NightDreamer hat recht. Das Imperial Katana kann man bei diesem Ninja finden, der in dieser Festung auf dem Berg in Level 11 lebt. Dort wo man diesen Sho-Lun-Si besiegen muß, der mit seinen beiden Köpfen Blitze verschießt. Kurz vorm Endbattle gibt es einen versteckten Eingang zu einem unterirdischen Tempelraum, den du nur finden kannst, wenn du zwei Schalter am Altar umgelegt und dreimal mit dem Schwert gegen das Bild des Kaisers an der Wand gehauen hast. Dort besiegst du dann den mutierten Sohn von Sho-Lun-Si, der aussieht wie eine Krake und wenn er stirbt, hinterläßt er dir das Schwert.«

BICC:»Ah ja, ok. Aber im Multiplayer habe ich das Imperial Katana noch bei keinem gesehen.«

Tyrias44:»Das kannst du auch nur im Singleplayer verwenden. Weil es zu stark und im Netz verboten ist. Aber in der Mission-CD gibt’s ein paar sauschwere Stellen, da kommst du wirklich nur mit dieser Waffe weiter.«

Verid712:»Was für ein Blödsinn erzählt NightDreamer denn da? Bladerush kann man doch auf höheren Levels vergessen. Im Singleplayer UND im Multiplayer! Man muß ab Stufe 43 eigentlich nur noch Sword-Kick, Bird-and-Tiger und Swordmastery steigern. Bladerush bringt dir gegen die stärkeren Gegner in den Plains of Ka’hal und im Kaiserpalast fast nichts mehr.«

NightDreamer:»Quatsch. So ein Unsinn. Bird-and-Tiger bringt auch nur im Multiplayer wirklich was. Zumindest in der Mission-CD sind die Gegner gegen diesen Skill ziemlich immun.«

IceWarrior:»Ich bin gerade in der Kanalisation von Ling und habe mir das Artefakt für diesen Händler im Adelsviertel geholt, nachdem ich diese Schlange und die vier Master-Samurai besiegt habe. Ich finde nur diesen verdammten Händler nicht mehr.«

NightDreamer:»Da mußt zu zurück nach Beijing reisen. In der Nähe des Kaiserpalastes gibt es so eine Kneipe mit einem Geheimraum. Dort steht der Händler. Wenn du ihm das Artefakt gibst, verwandelt er sich in einen Dämon, der ziemlich krass ist.«

Landur101:»Leute, ich muß off, weil mein Chef kommt. Also, bis dann.«

Verid712:»Und wenn du den Dämon killst, kriegst du auch noch so eine komische Steinstatue mit einer Gravur ins Inventory. Die kannst du ziemlich teuer verkaufen.«

BICC:»Hey, wer hat Lust, jetzt noch ein bisschen WoS zu spielen? Mein Kleriker könnte noch ein paar Level vertragen. Ich brauche noch 4 Level und dann kann ich meine nächste Quest erledigen. Ihr wißt ja, übermorgen ist die nächste Schlacht vor dem First Wall. Außerdem hat dieser beschissene Zefanion mich gestern zusammen mit 3 Swordmasters in der Nähe von Sharif-Lor dreimal umgebracht, dieser Sack. Dabei wollte ich doch nur ein bißchen scouten. Den werde ich heute noch killen!«

IceWarrior:»Alles klar, ich logge gleich ein. Also, auf geht’s, Jungs! Treten wir den Caldeanern mal wieder ordentlich in den Ar$ch!«

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Es geht weiter...

Ein Nachmittag bei Lisa

Ich drücke den Klingelknopf neben der weißen Wohnungstür an der Wand.

Das Treppenhaus ist ebenfalls weiß, hell und sauber.

Es ist kurz vor 16 Uhr.

Lisa öffnet selbst die Tür und begrüßt mich mit einem Lächeln. Sie trägt einen Rock und eine weiße Bluse, in der sie ziemlich gut aussieht. Kurz muß ich an diesen russischen Schulmädchenporno denken, den ich mir letztens angesehen habe. Da haben die Mädchen so ähnliche Kleidung getragen, wenn auch Lisas Outfit wesentlich westlicher und moderner aussieht.

»Hy, Johannes. Schön, daß du da bist. Komm rein.«

»Hallo«, sage ich und halte wie abwehrend die Hand mit den vier CDs in ihren Plastikhüllen vor mich. »Ich denke ich habe alles dabei, was wir brauchen, um deinen PC auf Vordermann zu bringen.«

»Jetzt komm erstmal rein«, sagt sie kopfschüttelnd, immer noch lächelnd und zieht ganz kurz und sanft an meinem Arm, während ich noch immer fast unbeweglich vor ihr stehe.

Mit seltsam abwesendem Blick mustere ich die Wohnung, durch die wir gehen. Alles ist sauber und hell. Kleine, familiäre Dinge lockern die Atmosphäre deutlich auf: kleine Urlaubsbilder an der Wand rechts von der Garderobe. Lisa ist auf einem der Bilder in einem Bikini zu sehen, wie sie von ihrem Vater umarmt wird. Im Hintergrund kann ich Palmen und das Meer erkennen.

»Willst du was trinken?« fragt Lisa.

»Ja. Ein Mineralwasser vielleicht.«

»Kommt sofort. Setz dich doch schon mal auf die Couch.«

Die Küche ist modern, scheint aber gemütlich zu sein, genauso wie das große Wohnzimmer. Ein mittelgroßer Fernseher steht in einem sandfarbenen Schrank in dem außerdem noch sehr viele Bücher stehen. Im anderen Teil des Zimmer steht ein größerer Tisch mit hochlehnigen Stühlen. In der Mitte des Tisches steht eine Vase mit duftenden roten und blauen Blumen darin. Was das für Blumen sind, weiß ich nicht, aber sie riechen gut, bis hier herüber auf die Couch.

Lisa kommt zurück und stellt ein Glas Wasser vor mich hin, bevor sie sich neben mich setzt.

»Und, wie geht’s dir so?«

»Naja, soweit ganz gut«, antworte ich knapp auf die ungewohnte Frage.

»Man sieht dich in den letzten Monaten fast gar nicht mehr, Johannes. Früher warst du noch ab und zu auf einer Geburtstagsfeier oder mit Peter auf Festen. In letzter Zeit habe ich dich nirgends mehr gesehen. Ist bei dir zu Hause irgendwas passiert?«

»Nein, eigentlich nicht. Ich habe nur irgendwann keine Lust mehr gehabt, auf diesen bescheuerten Hauspartys rumzuhängen und mich wie die anderen in der Schule dort vollaufen zu lassen.«

Ich wundere mich, daß ihre Stimme bei ihrer Frage wirklich interessiert klingt. Was natürlich Blödsinn ist. Sie kennt mich nicht sehr gut, und es kann ihr eigentlich völlig egal sein, was ich tue.

Sie lacht kurz. »Da hast du wohl recht, das ist nicht sonderlich toll. Aber ist es nicht langweilig, den ganzen Tag vor dem PC zu sitzen? Ich meine, ich gehe auch nicht so oft weg, aber manchmal fällt mir zu Hause einfach die Decke auf den Kopf. Dann bin ich froh, wenn ich mal unter Leuten auf einer Abifeier oder einer Party sein kann, um Musik zu hören, zu tanzen und mich zu unterhalten.«

Ich sehe keinen Grund dazu, mit meiner Meinung hinterm Berg zu halten. Wenn sie mich schon zu sich nach Hause einlädt, sage ich auch, was ich von einem solchen Leben halte. Schließlich will ich ja nichts von ihr...

»Generell finde ich das ja auch in Ordnung, aber es ist doch jedesmal das Gleiche: Besoffene Trottel, blöde Tussis die sich an irgendwelche Assis ranschmeißen und sich von den letzten Deppen ins Bett zerren lassen, dummes Herumgetanze zu einer bescheuerten Techno- oder HipHop-Musik, die irgendein supercooler DJ aufgelegt hat. Nein, da fang ich lieber sinnvollere Dinge mit meiner Zeit an.«

»Harte Worte«, meint Lisa ernst. »Aber so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. So ist es doch nicht überall.«

»Vielleicht«, sage ich, nicht bereit daran zu glauben. Peter hat mir diesen Satz zu oft gesagt.

Sie schweigt einen Moment, während ich einen Schluck von meinem Mineralwasser trinke. Es ist Bergquelle.

Entweder sie wartet darauf, daß ich noch etwas sage, oder sie weiß nicht, wie sie selbst das Gespräch weiterführen soll, schließlich steht sie auf, lächelt wieder entspannt und sagt:»Also gut, dann zeige ich dir mal meinen Rechner.«

Lisas Zimmer ist nicht sehr groß, aber doch recht gemütlich eingerichtet. Ein schmales Bett unter einer schrägen Wand mit einem Dachfenster, verschiedene Poster von Wald- und Flußlandschaften an den Wänden, Regale mit Büchern neben der Tür, ein kleiner Fernseher und ein Schreibtisch auf dem eine weiße, ausladende Schreibtischlampe steht. Der Boden ist mit weichem, flauschigem Teppich ausgelegt und es riecht im Zimmer nach frischem Obst.

Der Computer steht neben dem Schreibtisch unter einem unter der Decke angebrachten Bücherregal auf einem kleinen Metalltisch. Er sieht ganz gut aus, auch wenn es ein sehr altes Modell mit einem High-Tower ist. Neben der Tastatur liegt ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch.

»Da ist ja das gute Stück«, meine ich locker. »Na, dann bringen wir den alten Kerl mal wieder auf Vordermann.«

»Ich weiß auch nicht, was er hat. Vor einer Woche ist er noch perfekt gelaufen. Dann war zwischendurch mein kleiner Bruder dran, weil er etwas gespielt hat und vorgestern ist gar nichts mehr gegangen. Mein Vater ist auf Geschäftsreise und meine Mutter kennt sich nicht damit aus. Deswegen habe ich Peter gefragt.«

Der PC ist der reinste Witz. Ein uralter Pentium mit 400 MHz, einer TNT-Karte, 128 MB-RAM und einer 20 Gigabyte Festplatte.

Ihr Problem ist schnell behoben. Sie hatte sich im Netz beim Download irgendeines kleineren Programmes einen neuen Virus eingefangen, den ihr veraltetes Anti-Vir nicht erkannt hat.

Ich sauge die neueste Version aus dem Netz, entferne dann den Virus und starte den Rechner neu, der immer noch abstürzt. Ich informiere mich auf meinen Hacker-Seiten schnell über den Virus und installiere dann mit meiner mitgebrachten CD die kaputten Programmdateien neu. Anschließend läuft der Rechner wieder perfekt.

Die ganze Aktion hat keine zehn Minuten gedauert.

»So«, sage ich zufrieden und seufze einmal, als hätte ich eine großartige Arbeit vollbracht. Ein seltsam wohliges Gefühl breitet sich in mir aus, als ich Lisa ansehe, die neben mir sitzt.

»Hey, danke«, meint sie. »Das ging ja schnell.«

»Ist eigentlich kein Problem. Sobald du weißt, was es für ein Virus ist und dein Anti-Vir ihn findet ist es nicht schlimm. Du mußt nur öfters Anti-Vir updaten.«

»Super, dann kann ich das Referat doch noch in Ruhe und ohne Streß fertigschreiben. Danke, Johannes.« Sie sieht mich komischerweise abwartend an, als warte sie darauf, daß ich etwas sage. Doch ich sitze nur neben ihr und blicke sie etwas ungeschickt an. Was soll ich den jetzt noch sagen?

»Na, dann wird ich mich mal auf den Weg machen«, sage ich nach einem Moment des Schweigens.

Sie lächelt kurz und schüttelt vergnügt ihren Kopf, als würde sie sich über etwas amüsieren, das mir entgangen ist.

»Hast du Lust, mit mir noch ein Eis essen zu gehen? Irgendwie muß ich mich ja bei dir bedanken, weil du mir den PC repariert hast. Ich lad dich ein.«

Ein Teil von mir will ihr schon zustimmen, der Teil in dem das zufriedene, wohlige Gefühl vorherrscht, das mich vorhin schon überkommen hat. Aber ein anderer Teil meines Verstandes, zuckt beinahe erschrocken davor zurück, alleine mit diesem Mädchen ein Eis essen zu gehen.

Es ist irgendwie zu... menschlich? Zu real? Kein klarer, gestochener Satz im ICQ, keine Debatte über einen bekannten Spielmechanismus. Nicht schwarz und weiß.

Bilder zucken durch meinen Kopf:

Ein paar Caldea-Wizards zielen mit ihren Lightning-Novas auf meinen Blade-Mage...

Peter sitzt mit mir und Tine in dem kleinen, gemütlichen Zimmer vor dem Fernseher...

Zeilen von ICQ-Gesprächen laufen rasend schnell vor meinem inneren Auge herunter...

MX-22, Pentulus, Landur101, Whirlwind, Knife-and-Bone, Light-Guild, Verid712…

Ich alleine mit Tine vor dem Fernseher, vertieft in unbehagliches Schweigen...

Das alles passiert in weniger als einer Sekunde, bevor ich sage:»Heute nicht mehr, vielleicht morgen oder so?«

Warum hast du nicht einfach ja gesagt? fragt eine Stimme hinter meiner Stirn.

Gut so, es hätte dich sowieso nicht weitergebracht! Laß es einfach auf sich beruhen! erwidert eine andere, unsichtbare und unhörbare Stimme in mir.

»Ok, dann morgen. Wir sehen uns ja in der Schule. Da können wir was ausmachen«, meint Lisa. Irre ich mich, oder klingt sie etwas enttäuscht?

Nach einer kurzen Verabschiedung stehe ich im Gang und die Tür schließt sich hinter mir. Es klingt so, als würde die Pforte zu einer anderen Dimension verschlossen, in die ich nur einen kurzen Blick erhaschen durfte.

Vielleicht wäre es doch nicht so schlecht gewesen, mit Lisa Eisessen zu gehen. Vielleicht...

Mein Handy summt und ich checke die angekommene SMS. Sie ist von BICC, dem ich irgendwann einmal übers ICQ meine Nummer gegeben habe. Telefoniert haben wir jedoch nie übers Handy, er hat mir immer nur geschrieben, wenn ich einmal nicht online war.

Jetzt schreibt er:

- Warum biste nicht online? In einer halben Stunde ist Power-Hour - Wir müssen doch leveln -

Ach ja, das hatte ich beinahe völlig vergessen. Power-Hour. Da gibt’s ja die doppelte Experience. Ich vergesse ( oder verdränge? ) die letzte halbe Stunde bei Lisa und mache mich auf den Weg nach Hause.

Mit etwas Glück bekomme ich meinen Blade-Mage noch vor dem nächsten Gildenkrieg auf Level 55...

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