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SisterMaryNapalm

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  1. *** Retexers Zug stürmte die Schützengräben. Direkt vor dem Captain sprangen die Soldaten Lenner und Halto in den tiefen Graben, aus dem die Orks ihren Angriff gestartet hatten. Beide wurden von der Tiefe überrascht, in die sie fielen und legten sich unelegant hin, wie vermutlich ein großer Teil der eingesetzten Infanteristen. Bolterfeuer krachte. Ein anderer Soldat, der neben dem Captain in den Graben fiel, wurde förmlich zerrissen und bespritzte die nachfolgenden Männer und die Grabenwand mit seinen Innereien. Doch wo dieser eine Soldat fiel, sprangen zehn Mann nach. Lasergewehre zischten. Das Bolterfeuer verstummte. Eine nahe Serie Granateinschläge imperiale Artillerie ließ den Boden unter seinen Füßen erzittern. »Wie sieht es aus?«, rief Retexer über den Lärm der schreienden und schießenden Soldaten hinweg. Wejoun, sein Adjutant, sagte etwas in das Mikrofon, das vom großen Funktornister auf seinem Rücken über seine Schulter baumelte, wartete die Antwort ab und lief dann zum Captain. »Sir, wir sind die ersten, die die Gräben gestürmt haben«, meldete der erschöpfte Funker atemlos. Retexer nickte und konnte sein Lächeln nicht verbergen. Wieder einmal war es ihm gelungen, Ruhm und Ehre zu erlangen! Um sie herum fielen weitere Soldaten in die Schützengräben, die die Orks offensichtlich für ihre Körpergröße modifiziert hatten. Die schleimigen Grabenwände waren brutal verbreitert worden und recht instabil, was Retexer beim Fallen zu spüren bekommen hatte. Wahrscheinlich hatten die Orks ohne große Anstrengungen improvisierte Arbeiten begonnen, ohne die Auswirkungen auf die Stabilität der menschlichen Konstruktion zu bedenken. Typisch für die Xenos. Ein Teil der Grabenwand fiel in sich zusammen, als zwei Soldaten über den Rand rutschten. Er begrub einen der Männer bis zur Hüfte und ließ den zweiten stürzen. Ein irrsinnig kichernder Grot mit einer schweren Anti-Panzer-Sprengladung auf dem Kopf rannte auf sie zu. Der Stift aus der Handgranate in seiner Hand war bereits gezogen. Wo beim Thron war der denn hergekommen? »Vorsicht!«, rief ein Soldat. Männer wandten sich um und begannen zu schießen. Sie durchlöcherten den anstürmenden Feind und töten ihn. Die Granate fiel auf den Boden. Der Grot fiel drauf. »Volle Deckung!«, schrie Retexer. Die Explosion fegte als kanalisierter Strom aus Hitze und Staub durch den Schützengraben. Männer, die nicht mehr rechtzeitig reagieren konnten, wurden von der Detonationswelle erfasst und umgerissen. Dort, wo vorher die beiden Soldaten versucht hatten, aus dem Schutt der Grabenwand freizukommen, ragten nun zwei grausam verdrehte Körper wie abartig aussehende Baumstümpfe in die Höhe. Retexer würgte und wandte sich dann um. »Alle Sergeants zu mir!« Er konnte sehen, wie die Sergeants Lovin, Helt und Kelba sich von ihren Trupps lösten und im Laufschritt zu ihm trabten. Kleit sprang gerade hinter ihm in den Graben. »Hören Sie zu!«, rief er laut, damit ihn die Männer auch über den sie umtosenden Gefechtslärm hören konnten. »Das war eine böse Überraschung. Eine zweite will ich nicht erleben. Säubern Sie die Gräben, verstanden?« »Ja, Sir!«, lautete die einhellige Antwort der Unteroffiziere. Dann machten sie sich wieder auf zu ihren Trupps, wobei Kleit seinem Kommandanten noch einen Blick zuwarf, den Retexer bewusst ignorierte. »Retexer!« Er wandte sich um. Captain Balgor vom zweiten Zug kam durch den seichten Matsch angetrabt, den der Schleim mit der aufgewirbelten Erde gebildet hatte. Balgor war ein recht gut aussehender Mann, zwar schon etwas älter, aber gepflegt und mit einem nachdenklichen Blick, der sich immer nach der Ferne richtete, so als wenn der Captain auf etwas warten würde, das er hinter dem Horizont vermutete. »Ja?«, fragte er. »Die Männer sollen die Schützengräben verlassen und sie von den Flammenwerfern ausbrennen lassen.« »Das können wir nicht!«, widersprach der Captain des vierten Zugs. »Wir müssen die Schützengräben einnehmen und die Verteidigung wiederherstellen.« »Die Verteidigung von was?«, fuhr Balgor ihn an. »Auf dieser Welt lebt nichts mehr, Mann!« Retexer wollte antworten, doch ihm ging auf, dass Balgor recht hatte. Als die Imperiale Armee eingetroffen war, hatten die Orks nicht nur die Verteidigung, sondern auch sämtliche Siedlungen Agos Virgils bereits vernichtet gehabt. Es gab auf dieser Welt im Grunde nichts mehr, für das es sich zu kämpfen lohnte. Aber sein Ehrgefühl, sein unbeirrbarer Geist wollte nicht wahrhaben, dass es zu Ende war. Es musste hier doch irgendwo noch Ruhm geben. »Hören Sie, Retexer: Ich bin an Ihrer Ruhmessache nicht interessiert. Ich brauche sie nicht und will sie nicht. Für mich zählt der Auftrag, klar?« Weiter vorne schrien Männer wütend auf, als ein imperialer Leman Russ-Kampfpanzer über den Graben hinweg walzte und ihn auf einer Strecke von fast fünfundzwanzig Metern zum Einsturz brachte. Unbeirrt fuhr Balgor fort. »Der Colonel hat mir befohlen, die Gräben auszubrennen, also schaffen Sie Ihre Leute hier raus! Ich werde sie sonst ohne Gewissensbisse mit abfackeln!« Er wartete nicht auf die Antwort, sondern schob sich an dem verblüfften Retexer vorbei und dirigierte seine Flammenwerfer in Position. »Also dann, Leute! Feuer frei!« »Verdammt!«, fluchte der Captain, als die fauchenden Flammenwerfer ihr Vernichtungswerk begannen. »Wejoun!« Der Funker kam angetrabt. »Sir?« »Sagen Sie allen, sie sollen die Gräben räumen und Platz machen für die Flammenwerfer!« »Ja, Sir!« Wejoun entfernte sich und begann, in sein Funkgerät zu sprechen. Hinter ihm ballte Retexer die Hände zu Fäusten. »Verdammt! Verdammt! Verdammt!« *** »Holen Sie mir eine neue Klemme!«, befahl Calgrow schroff und strich sich mit dem blutigen Handschuh Stränen ihres ergrauten Haares zurück. Der angesprochene Sanitäter verschwand kurz im Chaos des überfüllten Feldlazaretts, während sein Kamerad den wild um sich schlagenden und schreienden Soldaten auf die Liege drückte. Die Ärztin hielt ihre behandschuhten Finger auf die offene Oberschenkelwunde gepresst, aus der fröhlich Blut spritzte. »Los!«, drängte sie ungerichtet in den Saal. »Beeilung!« Der Sanitäter tauchte wieder auf und reichte ihr ein unförmiges Instrument, mit dem sie begann, das verletzte Bein zu bearbeiten. Momente wie dieser waren es, die sie an ihrem Ärztedasein so sehr hasste. Momente, in denen sie sich so hilflos fühlte. Momente, in denen die rote Suppe überall auf die Liege, den Boden und ihre Kleidung spritzte und sie wusste, dass keine Dusche im Universum die Erinnerung fortwaschen konnte. Momente, in denen sie sich wünschte, nicht mit dem Leben eines ihr anvertrauten Menschen balancieren zu müssen unter der ständigen Gefahr, mit ihm in ihren Armen zu stürzen und ihn damit umzubringen. Momente, in denen sie sich wünschte, noch immer Kommissarin zu sein. Mit einem kleinen Kopfschuss wäre die Sache erledigt gewesen. Doch das, so hatte sie entschieden, war nicht mehr ihre Welt. Sie wollte den Mann retten. Sie würde den Mann retten. »Es tut weh, Doc«, murmelte der Soldat betäubt. Sie nickte beruhigend. »Ich weiß. Ich kriege Sie wieder hin.« Verdammt, wo war die Arterie? Innerlich verfluchte sie sich. Es gelang ihr einfach nicht, diese Arterie zu fassen zu bekommen. Immer wieder glitt sie ihr aus den Fingern, wobei Schwälle aus rotem Blut auf ihre Maske und ihr Gesicht spritzten. Momente wie diese waren es, in denen sie alles hinschmeißen und gehen wollte. Tschüss, ich bin weg! Sagt dem Colonel, dass ich Urlaub genommen habe. Der Soldat vor ihr wand sich, als hätte er über ihre grimmigen Gedanken gelacht, dann erschlaffte er. Jetzt bekam sie die Arterie zu fassen. Es war zu spät. Moment wie dieser waren es, in denen sie einfach nur verzweifeln wollte. »Doktor, wir haben ihn verloren«, bemerkte der Sanitäter »Das weiß ich selbst!«, fauchte sie. Dann ließ sie von dem Toten ab, sodass die Sanitäter ihn wegtragen konnten. Calgrow ließ sich an die Lehne sinken und nahm sich einen Augenblick, um durchzuatmen. Sie betrachtete das Chaos, das vor wenigen Stunden noch ein sauberes Lazarett gewesen war. Jetzt lagen benutzte Verbände auf dem Boden, durchtränkt vom Blut schreiender und sterbender Soldaten, um die sich Ärzte und Sanitäter scharrten, um ihre Leben zu retten. Klemmen und OP-Besteck lagen auf rot gesprenkelten Beistelltischen, die wie fahrbare Gerüste im Raum standen, teilweise verwendet, teilweise verlassen. Soldaten streuten Massen von Sand auf den Boden und versuchten, dem rutschenden medizinischen Personal etwas Halt zu bieten, damit sie nicht mitten in einer OP stürzten und sich oder jemand anderen verletzten. Calgrow entschied, dass sie nun genügend Zeit zum Erholen gehabt hatte. Etwas, das sie noch aus ihrer Zeit beim Kommissariat mitgebracht hatte: Eiserne Disziplin. »Also gut«, sagte sie. »Geben Sie mir den nächsten.« »Es sind keine neuen Verwundeten hereingekommen, Frau Doktor«, antwortete der Sanitäter. Keine Verwundeten? Was bedeutete das? »Wie bitte?« »Es sind keine neuen Verwundeten hereingekommen.« War die Schlacht etwa beendet? Die Artillerie feuerte doch noch immer. Wie konnte das sein? »Also gut«, entschloss sie. »Dann sehen Sie zu, dass Sie woanders helfen können. Wenn ich Sie brauche, rufe ich sie.« Mit einem Wink scheuchte sie die Männer weg und lehnte sich abermals erschöpft gegen die Lehne. Sie hatte es satt. Sie hatte es so satt, diesen verzweifelten Kampf gegen den Tod zu kämpfen und von ihm ein ums andere Mal besiegt zu werden. Selbst, wenn es ihr gelang, die Männer zu retten, wusste sie, dass es nur ein Aufschub gewesen war. Der Tod würde sie unweigerlich alle einholen. Calgrow sah auf, als sie etwas in ihrem Nacken spürte, das instinktive Gefühl, beobachtet zu werden, das jeder Kommissar mit der Zeit entwickelte. Sie fuhr herum und sah sich dem Gesicht der Prioris gegenüber, die sie aus stahlblauen Augen musterte †“ kalt, fanatisch. Marith Calgrow hatte sich stets für eine entschlossene Frau gehalten, der nicht so schnell der Rock hochging, wenn sie sich einem ebenbürtigen Offizier oder Kommissar gegenüber sah, doch bei diesem Blick war sie zum ersten Mal in ihrem Leben aus anderen Gründen als medizinischen froh, keine Kommissarin mehr zu sein. Ansonsten hätte sie jetzt nämlich tätig werden und jemanden wegen Feigheit exekutieren müssen. Aber wer erschießt sich schon gerne selbst? Dann ging ihr auf, dass die Sororita nicht mehr in ihrem Bett lag. Sie stand ihr in der Enge des Lazaretts gegenüber. Es war ihr zuvor gar nicht aufgefallen. Wann war sie aufgewacht? Calgrow brauchte einige Sekunden, bis sie sich durchringen konnte, die Schwester anzusprechen. »Sie sollten im Bett liegen.« »Ich weiß«, erhielt sie zur Antwort. Verblüfft zögerte die Ärztin. »Und was tun Sie dann hier?« Die Sororita funkelte sie aus ihren stahlblauen Augen an. »Ich muss den kommandierenden Offizier sprechen«, sagte sie entschlossen. »Sofort!« Marith Calgrow wagte es nicht zu widersprechen. Es waren Momente wie dieser, in denen sie froh war, keine Kommissarin mehr zu sein. »Folgen Sie mir«, forderte sie die Prioris auf.
  2. 8 Die Orks flohen. Ihr Angriff war von der imperialen Streitmacht gestoppt und zurückgeschlagen worden. Der urplötzliche Sturm der Basteter hatte die Grünhäute vollkommen aus dem Konzept gebracht. Jetzt wandten sie den Imperialen in ihrer Gesamtheit den Rücken liefen um ihr Leben. An Bord seines Jagdpanzers vom Typ »Destroyer«, einem äußerst flachen Panzerfahrzeug, das man auch als Scharfschütze unter den Panzern bezeichnete, verfolgte Captain Jaorah Nurin, wie cadianische Infanterie vor ihm auf die feindlichen Schützengräben zustürmte. Schützengräber, dachte er bei sich. Die Offensive hatte vollkommen unvermittelt und ohne einen erkennbaren Plan begonnen und damit nicht nur die eingesetzten Truppen, sondern auch ihre Kommandeure und vor allem ihre Fähigkeiten sehr strapaziert. Inzwischen war schon zu ihm durchgesickert, dass irgendeiner der Offiziere eines der anderen Regimenter offenbar ausgerastet war und eigenmächtig den kompletten Angriff in Gang gesetzt hatte. Wenn er den Mann erwischte, der das gewesen war, dann würde dieser umgehend die Gnade des Imperators zu spüren bekommen. Später †“ irgendwann später, wenn diese Schlacht geschlagen war. Jetzt galt erst einmal, diese Feinde des Imperiums zu eliminieren. Nurin sah durch das Zielgerät und ließ das Sichtperiskop dreihundertsechzig Grad um den vorwärts rollenden Jagdpanzer rotieren. Da! »Richtschütze: neues Ziel! Auf zehn Uhr, zweihundertfünfzig, feindlicher Gargbot †“ Feuer frei!« Nurin verfolgte durch den schmalen Sichtschlitz, wie sein Richtschütze das Rohr in der Vertikalen ausrichtete, während der Fahrer das Kettenfahrzeug herumschwingen ließ. Knappe Befehle und Bestätigungen im Kom begleiteten das eingespielte Ausrichten des Kampfgefährts. Abrupt hielt der Panzer, verharrte auf der Stelle und wartete, bis seine menschlichen Insassen den Feind im Visier hatten. Das Jaulen des Geschützrohrs drang gedämpft in den Innenraum des Jagdpanzers. »Zwo †“ eins †“ Feuer!«, rief der Richtschütze. »Feuer!«, wiederholten sämtlichen Besatzungsmitglieder des Destroyers, um den beim Schuss entstehenden Druck in ihren Ohren auszugleichen. Ein saugendes Geräusch ertönte, dann blies der Panzerjäger einen gleißenden, kohärenten Lichtstrahl auf den feindlichen Bot. Das aus schlechtem Material zusammengeschweißte Kampfgefährt wurde direkt getroffen und zerbarst, von dem Laser säuberlich durchschlagen. Der zweite Jagdpanzer der Panzerschwadron preschte mit wippender Aufhängung an seinem eigenen Fahrzeug vorbei, um seinerseits einen feindlichen Läufer ins Visier zu nehmen. »Panzer, marsch!«, befahl Nurin und sein Kampffahrzeug setzte sich wieder in Bewegung. Rechts von ihnen ging ein Leman Russ-Kampfpanzer in den Schießhalt. Die Schweren Bolter in den Seitenkuppen schwangen großzügig umher und verteilten Boltpatronen in die Reihen der Orks. Die Hauptkanone feuerte und jagte eine Fontäne aus Erde und Leibern in die Luft. Tief reichender Explosionsdonner ließ den Stahl des Jagdpanzers erzittern. Nurin drehte das Sichtperiskop ein Stück weiter und sah eine andere Gruppe Panzer, die inmitten wogender Infanterie auf rasselnden Kettengliedern vorwärts rollten. Blitzende Maschinenwaffen brachten die Luft vor ihnen zum Flimmern. Er sah einen Kommandanten hoch aufgerichtet im Turmluk stehen und brüllen. Nein, das war kein Panzerkommandant. Das war ein Kommissar. Er sah heroisch aus mit seinem wehenden Mantel und dem Energieschwert, das er in Angriffsrichtung gerichtet hatte und der Kommissariats-Schirmmütze, die fest auf seinem Kopf saß, während um ihn herum die Panzer und Infanteristen Wut heulend Tod und Verderben brachten. Verdammt, es konnte doch nicht sein, dass das … Kijo Nitsch war, sein Regimentskommissar? Auch, wenn Nurin ihn in der von Explosionen, Flammenwerfern, Lasern und Abgasen aufgeheizten, flimmernden Luft selbst mit der maximalen Vergrößerung des Periskops nicht richtig erkennen konnte, war er sich sicher, dass es Nitsch sein musste. Der Kommissar war immer der Erste in der vorstürmenden Linie und peitschte die Männer um sich herum mit gellenden Schlachtrufen und feurigem, ansteckendem Eifer gegen den Feind vorwärts. Es musste Nitsch sein. Man konnte seinen Feuereifer bis hier in die enge, stickige Kabine des Destroyers spüren. »Kommandant!«, schrie der Richtschütze durchs Interkom. Nurin schwenkte das Sehrohr wieder nach vorne und entdeckte im letzten Moment den orkischen Beutepanzer, ein ehemaliges Modell der imperialen Armee. Der Captain riss die Augen auf und vergaß über den Schreck seine Nachlässigkeit. »Panzer haaaalt!«, schrie er. Der Fahrer stoppte so unvermittelt, dass sich Nurin den Kopf am Sichtgerät schlug. Der feindliche Panzer feuerte. Eine Explosion fegte vor dem Jagdpanzer in die Luft, ließ das Gefährt schwer schaukeln und Erde sowie Steine als harten Regen gegen die Panzerung prasseln. Der Staub hatte sich noch nicht verzogen, da bellte Nurin bereits wieder: »Vorwärts!« Der Jagdpanzer heulte auf und machte einen Satz nach vorn. Das Hauptgeschütz des feindlichen Kampffahrzeugs krachte abermals. Dieses Mal flog die Granate zu weit und schlug in eine Gruppe laufender Gardisten ein. Zerfetzte Leiber wurden in die Luft gewirbelt. »Halt!«, schrie der Captain. »Richtschütze!« Er gab keine genaue Ansage für das Ziel, denn sie alle wussten, wo und wie weit entfernt es war. Er hatte keine Zeit für eine protokollarische Zielangabe. Der Destroyer ruckte heftig und wippte auf seinem Fahrgestell, als er brutal abgestoppt wurde. Nurin schlug sich wieder den Kopf an. »Zehn Grad links!«, rief der Richtschütze im Kom. Protestierend heulte der Motor auf, als das tonnenschwere Gefährt herumschwenkte. »Gut so! Zwo †“ eins †“ Feuer!« »Feuer!«, wiederholte die Besatzung. Wieder saugte das Geschütz an seinem Generator und blies dann einen energetischen Strahl auf das anvisierte Ziel. Der Laser schnitt chirurgisch präzise in den Turm des feindlichen Panzers und zerschmolz ihn. Hochgehende Munition ließ das Fahrzeug zerplatzen. Eine heftige Explosionswelle und weitere Detonationen rissen eine tiefe Lücke in die Orks, die in Massen aus ihren Schützengräben flüchteten. »Guter Schuss!«, rief Nurin und verfolgte, wie das rauchende Wrack noch einige Meter weiterrollte und dann stehen blieb. Ein abgeschossenes Stück Stahl, das nur ein weiteres Opfer der grausamen Schlacht darstellte. Nurin korrigierte sein Zielvisier und musterte die Umgebung mit einem weiteren Rundblick. Vor ihnen sanken tiefe Furchen in den Boden: die Schützengräben der Orks. Erste Infanteristen stürmten über die Wände und verschwanden in der Tiefe, während heftiges Flackern die dunklen Einschnitte in der Oberfläche erhellte und ab und an Flammen emporschnellten oder Erdfontänen aufstiegen. Der Captain schwenkte das Periskop weiter und entdeckte etwas, das ihm den Atem stocken ließ. Der Leman Russ, auf dem der Kommissar gestanden und seine Leute vorwärts gepeitscht hatte, brannte in hellen Flammen und beleuchtete die Uniformen der laufenden und schießenden Gardisten. Wann hatte er denn einen derart verheerenden Treffer erhalten? Verdammt und verwünscht! Blieb nur zu hoffen, dass Nitsch überlebt hatte. So einen guten und hingebungsvollen Kommissar würde das Regiment sicherlich nirgendwo sonst finden. »Enforcer eins, Enforcer eins, hier Enforcer zwo, melden!« Statische Interferenzen überlagerten die aus dem wilden Kom-Kauderwelsch hervor dringende Stimme des zweiten Panzerjägers seiner Einheit. »Hier Enforcer eins für Enforcer zwo, melden.« »Boss, wie sieht es denn aus, melden?« »Wir haben bereits zwei Abschüsse und liegen gut davor, die Infanterie sollte aber vielleicht noch die Schützengräber säubern, melden?« »Die was?«, erkundigte sich der Kommandant von Enforcer zwo. Nurin stockte. Hatte er gerade wirklich Schützengräber gesagt? Innerlich verfluchte er sich. Er musste dringend aufhören, sich zu viele Gedanken um die Schlacht zu machen. »Schützengräben, Mann«, schnauzte er, um seine Wut über seinen Patzer zu verschleiern und den anderen Offizier abzulenken. »Was haben Sie denn verstanden, melden?« »Schützengräber, Sir. Muss wohl eine Störung gewesen sein, melden.« Nurin atmete tief ein. »Scheint so, melden.« »Verstanden. Weitere Befehle? Melden.« »Zurück in Formation, melden.« »Verstanden, eins. Ende.« Nurin nickte, als das Klicken im Kom ihm bestätigte, dass der zweite Jagdpanzer die Verbindung beendet hatte und sich wieder in Richtung des Kommandopanzers in Bewegung setzte. »Enforcer drei, hier Enforcer eins, melden.« »Enforcer eins, hier Enforcer drei, melden.« Enforcer drei war ein älterer Leman Russ, ein hoch aufragendes Ungetüm mit Plasmakanonen als Hauptbewaffnung und in den Seitenkuppeln. Man hatte ihm Enforcer drei als Ersatz für den ursprünglichen Jagdpanzer in seiner Schwadron zugeteilt, nachdem jemandem aufgefallen war, dass Nurin nicht, wie vom Munitorium eigentlich vorgegeben, einen, sondern drei Jagdpanzer befehligte. Aus diesem Grund war sein dritter Jagdpanzer abgezogen worden. Enforcer zwo hatte man ihm auch noch nehmen wollen, doch das hatte er verhindern können. Nichtsdestotrotz war ihm eine neue Einheit unterstellt worden, damit auch die Bücher des Munitoriums wieder stimmten. Die Wahl war auf einen Leman Russ Executioner gefallen, dessen letzte Schwadron bis auf dieses eine Fahrzeug vernichtet worden war. Man konnte zwar nicht umhin, die Erhabenheit und Feuerkraft des betagten Riesen zu bewundern, Nurin hasste ihn trotzdem. Zwei Jagdpanzer mit einem Leman Russ Executioner in der Formation †“ das war, als würde man Ballett mit einem Klotz am Bein tanzen. Doch so sehr Nurin das wuchtige Panzerfahrzeug wegen seiner Unförmigkeit auch verachten mochte, es besaß unbestreitbare Vorteile in Situationen wie dieser. In erster Linie war der Plasma-Panzer ein tödlicher Vernichter, der alles, Leiber als auch Panzerung, mühelos durchschlug und verdampfte. Im Gegensatz zu den beiden Jagdpanzern besaß er damit ein weniger zielgerichtetes Zerstörungspotenzial, das sich nun voll entfalten ließ. »Enforcer drei, Ihr Auftritt. Enforcer zwo und ich geben Rückendeckung, melden.« »Verstanden, eins. Drei übernimmt die Führung, melden.« »Enforcer eins an Enforcer zwo. Haben Sie mitgehört, melden?« »Hier Enforcer zwo. Haben mitgehört. Warten auf weitere Anweisungen, melden.« »Eins an zwo und drei. Ausführung. Ende!« Nurin verfolgte, wie der große Kampfpanzer seinen Destroyer überholte und sich Schlamm aufwirbelnd an die Spitze der Formation setzte, während er mit flammenden Plasmakanonen über die breiten Schützengräben hinwegsetzte, die von Massen imperialer Infanterie geflutet wurden. Zwei gute Panzerlängen vor Enforcer drei setzten Höllenhunde mit langen Flammenlanzen aus ihrer Hauptbewaffnung die Umgebung in Brand und versengten grüne Orkkörper zu Dutzenden. Grimmig lächelte der Captain. Auch wenn ein überhasteter Befehl und schlechte Kommandostrukturen den Angriff eingeleitet haben mochten, der Erfolg sprach für sich. Eines musste man dem irren Architekten dieses Sturms lassen: Er schien sich den richtigen Zeitpunkt für sein Handeln ausgesucht zu haben. Mit ratternden Maschinengewehren heulte ein Pikk-Up auf die imperialen Stoßtruppen zu. Ein neues Ziel für Jaorah Nurin und seinen Destroyer. Der Captain war sich sicher: Er würde der letzte sein, an dem die Operation scheiterte! »Richtschütze! Auf zwei Uhr, circa dreihundert, feindlicher Transporter †“ Feuer frei!« *** Die Holosphäre flackerte gerade, als Ekko das Kommandozelt betrat. Ligrev sah auf, sichtlich erfreut, einen der Kommandooffiziere zu sehen und sich der ihm kurzzeitig übertragenen Verantwortung für das vorrückende Regiment entziehen zu können. Als er erkannte, wer ihm die Verantwortung abnehmen würde, verzog der das Gesicht. »Colonel Ekko«, murmelte er. »In der Tat«, antwortete Ekko und trat sofort an die holografische Anzeige, die ihm einen Überblick über das Schlachtfeld bot. Er dachte nicht einmal daran, Ligrev um eine kurze Einweisung zu bitten. An einigen Stellen der Karte flackerten kurze Abschnitte in bedrohlichem Rot auf. Dort schienen heftige Nahkämpfe im Gange zu sein. Allerdings hatten die Imperialen viel an Boden gut gemacht. Sogar verdammt viel, musste er zugeben. Wie hatten die Truppen es geschafft, soweit vorzurücken? Das war … fantastisch! Tatsächlich hatten die ersten Infanterietrupps die Schützengräben der Orks gestürmt und räucherten sie nun aus, um alle Reste des grünen Abschaums zu vernichten, während eine Beule aus Kampffahrzeugen des 35sten Desposia den fliehenden Xenos nachsetzte und sie in Scharen ausrottete. Was ursprünglich von ihm in einer unbedachten Reaktion ausgelöst worden war, um seine Männer zu retten, hatte eine Eigendynamik entwickelt, die jede im ursprünglichen Plan errechnete Erfolgschance bei weitem übertraf. »Großartig«, murmelte er zu sich selbst. »Der Angriff läuft fast wie von selbst.« Ligrev, der sich sofort angesprochen fühlte, schnaubte verächtlich. »Nur dank des Wirkens von General Iglianus. Der General befindet sich im Kommandozentrum und versucht, Ihre kolossale Unfähigkeit auszubügeln. Er hat verlautbaren lassen, dass er sich noch mit Ihnen befassen wird.« »Das ist gut«, stimmte Ekko zu. »Endlich interessiert sich mal jemand für mich.« Dann beachtete er Ligrev nicht weiter. »Fünfhundertzwölftes stürmt jetzt die feindlichen Linien«, meldete ein Gefechtsbeobachter im Kom. Ekko nickte seinen Funkern zu. »Sehr gut. Sorgen wir dafür, dass die Offensive in Schwung bleibt. Stellen Sie mir eine Verbindung zu Captain Balgor her.« »Verstanden, Sir.« Der Colonel warf einen kurzen Blick zu Gireth, der bereits wieder seinen Platz eingenommen hatte und pflichtbewusst die einkommenden Gefechtsmeldungen bestätigte. Man konnte seiner Körperhaltung jedoch ansehen, dass er noch immer unter dem Eindruck der Ereignisse stand und Ekko konnte sich sehr gut vorstellen, dass der junge Basteter erst noch die volle Wucht des Erlebnisses zu spüren bekommen würde. Später, wenn der Kampf abgeflaut war. Es war dringend notwendig, dass er mit jemandem sprach †“ am besten Carrick oder einem anderen, auf keinem Fall Ligrev oder ihm selbst. Bei ersterem würde er sich vermutlich selbst sofort erschießen, bei letzterem … Ekko unterbrach seine Gedanken, als er eine schnoddrige, raue Stimme vernahm, die durchs Funkgerät dröhnte. »Nachricht vom Chef? Was ist denn los?« »Colonel, ich habe Captain Balgor!«, meldete einer der Funker. Ekko trat an das Funkgerät, ignorierte den stechenden Blick, den der Kommissar auf ihn richtete und griff sich einen bereitliegenden Hörclip mit Mikrofon. »5120201, hier Azrael. Wie hören Sie mich?« »Laut und deutlich, Chef.« »Wo sind Sie gerade, Balgor?« »Sie meinen, bevor Sie mich in Deckung zwangen?« Balgor diente seit vielen Jahren mit Ekko. Tatsächlich hatte Ekko den Captain aus seiner Zeit bei der PVS mitgebracht und ihre Freundschaft hatte nicht nur einige Dinge erlebt, sondern auch viele von Ekkos Eigenschaften auf Balgor übertragen †“ unter anderem eine recht eigenwillige Art, mit anderen umzugehen. Ekko selbst hatte oft Schwierigkeiten, mit der Art seines Untergebenen klar zu kommen, vor allem, weil er wusste, dass er selbst so war. Und wie wohl Abermilliarden andere Menschen vor ihm hatte er sich nie einen Plan zurechtgelegt für den Fall, es einmal mit sich selbst als Gegner zu tun zu bekommen. »Bestätigt«, sagte er nur. »Fünfzig Meter hinter dem Vierten Zug, Boss.« Retexer, dachte Ekko. Retexer war bekannt dafür, immer der Erste an der Front zu sein, um seiner Familie Ruhm und Ehre zu bringen. Wäre Ekko nicht Ekko gewesen, dann hätte er den Captain für wahnsinnig gehalten. Aber leider †“ oder glücklicherweise †“ stand ihm ein solches Urteil nicht zu. An die Gründe dafür brauchte er sich jetzt nicht zu erinnern. »Dann will ich Sie auch nicht länger als nötig aufhalten, Balgor!« Als der Captain antwortete, klang er überrascht. »Dann … war schön, dass Sie mal reingehört haben.« »Ich habe nicht gesagt, dass Sie keinen Auftrag haben, Captain!«, stellte Ekko klar. Balgor lachte auf. Ein Kettenfahrzeug passierte seine Position mit rasselnden Ketten. Es klang unheimlich. »Habe ich nie angenommen, Colonel. Also, was soll ich tun?« Ekko unterdrückte ein Seufzen. Er war verdammt schwer, seine Leute am Leben zu halten. Balgor stellte jedoch unter ihnen allerdings noch eine Besonderheit dar. Er besaß eine derart treffende Art, unbedachte Äußerungen zu parieren, dass Ekko selbst ihn oft genug schon hatte erschießen wollen. Ligrev wusste das und wartete nur auf die Gelegenheit. Grund genug, sie ihm nicht zu geben. »Wir wissen zwar, dass die PVS diese Schützengräben ursprünglich als Schutz vor den im Ödland lebenden Orks errichtet hatte, aber nachdem die Grünhäute die PVS als … Besitzer ablösten, haben sie sicherlich einige unangenehme Überraschungen für uns zurückgelassen.« Stille herrschte am anderen Ende der Leitung vor, bis die Verbindung wieder zu knistern begann. Heftiges Laserfeuer und Schreie waren im Hintergrund zu vernehmen. »Worauf wollen Sie hinaus, Ekko?« »Verbrennen Sie die Gräben, Balgor. Bis nichts mehr übrig bleibt.« »Was ist mit den Überresten der PVS?« »Ich denke nicht, dass da noch irgendetwas von PVS lebt, Balgor.« »Außer vielleicht den zurückgelassenen Rationen«, sinnierte der andere. Eine heftige Explosion ließ die Funkverbindung kurz knistern und verstümmelte eine häretische Verwünschung des Captains. »Nicht verstanden?«, fragte Ekko. »Ich sagte: Ein Hoch auf unsere Artillerie.« »Gut, gut«, murmelte Ekko und versuchte, Ligrevs Blick in seinem Rücken weiterhin zu ignorieren. Es fiel ihm nicht gerade leicht. »Also †“ falls Ihnen Rationen der PVS über denen Weg laufen, nehmen Sie sie fest. Wir katalogisieren die neuen Lebensformen später. Alles andere verbrennen Sie, verstanden?« Wieder schwieg Balgor. Das Besondere an den Wortgefechten zwischen dem Captain und dem Colonel war, dass sie ausgeglichen abliefen. Mal gewann der eine, das andere Mal der andere. So war es schon seit langem und so würde es vermutlich bis ans Ende ihrer Tage sein. Beide hatten sich damit abgefunden. Es war ihre Art, einander den Respekt entgegenzubringen, der ihre Freundschaft ausmachte. Als dem Captain aufging, dass er dieses Mal den kürzeren gezogen hatte, meldete er sich. »Habe verstanden, Azrael. Wir werden die Schützengräben ausbrennen. 5120201, Ende!«
  3. Salve, comrade! Willkommen im Forum.
  4. Und das nächste Kapitel! So, ich werde mich jetzt der Allgemeinheit anschließen und es als Textblöcke formatieren. Scheint ja eher Gang und Gäbe zu sein hier. Also, bis zum nächsten Mal! 7 Nahkampf! Maschinenkanonen donnerten rechts von ihnen Leuchtspurmunition in die feindlichen Linien. Links fauchte der heiße Flammstrahl eines Höllenhund-Flammpanzers über die Granattrichter hinweg und senkte sich wie eine feuerrote Decke auf die anstürmenden Orks. Ein Gewitter aus Laserstrahlen, Boltergeschossen und Flammstrahlen bildete eine fast undurchdringliche Mauer für die angreifenden Feinde, die in Scharen fielen. Mächtige Explosionen warfen riesige Erdfontänen in die Luft, die als staubiger Regen auf die Erde zurückrieselten. Feuerlanzen malten unheimliche Muster in die brennende, von Staub und Rauch erfüllte Luft. Die Orks blieben hartnäckig. Sie hatten sich durch den Todeshagel bereits bis auf zwanzig Meter an die Imperialen herangearbeitet. Bald waren sie zu nah, um sie mit schweren Waffen zu bekämpfen. Neben Retexers Zug war bereits eine Maschinenkanone verstummt und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die zweite … dann verstarb auch sie wimmernd, während sich ihre beiden Schützen mit ihren Lasergewehren ins Feuergefecht stürzten. Aber das war nicht das einzige Problem. Allmählich gingen den Soldaten die Energiezellen aus und woher der Feind kam oder wie zahlreich er noch anrücken würde, wusste niemand. Die Lage war aber nicht ganz hoffnungslos. Das Befehlschaos hatte sich gelegt und die Truppen begannen langsam, sich zu organisieren. Mit heißen Abgasstrahlen und dünnen Rauchfahnen pfiffen Raketengeschosse über die die Verteidigungslinie zu den Orks hinüber. Schwere Explosionen wirbelten kiloweise Erde und Extremitäten in die Luft. Sergeant Kleit ließ seinen Kopf unter den Rand des Granatkraters tauchen, als Boltschüsse die Erde vor ihm aufwühlten. Er nutzte die Zeit, um das Bajonett von seinem Gürtel zu lösen und an die dafür vorgesehene Halterung an seinem Gewehr zu pflanzen. Er hielt nichts von Pistolen. Die fünf Männer, die mit ihm in der tiefen Mulde Deckung gesucht hatten, taten es ihm schweigend gleich. Er sah die Entschlossenheit in ihren Augen und glaubte die Furcht zu riechen, die sich trotz aller Ausbildung und Erlebnisse den Weg durch die Poren ihrer Haut suchte. Der Sergeant war sich sicher, dass sie im Angesicht des Feindes dennoch alle ihr bestes geben würden. Er hob das Gewehr über den Rand des Trichters und gab einige ungezielte Schüsse in Richtung der Orks ab. Ob er jemanden getroffen hatte, wusste, er nicht, aber nur einen Augenblick später war das auch egal. Urplötzlich war ein drei Meter großer Xeno zwischen ihnen, schlug mit seiner bloßen Hand einem Soldaten den Kopf von den Schultern und brüllte Furcht erregend. Kleit warf sich zur Seite, als das Ungetüm seine Faust niedergehen ließ, um den imperialen Sergeant mit einem Hieb zu töten, dann fuhr er herum und zog den Abzug seines Lasergewehrs durch. Kohärentes Licht flammte auf und stanzte Löcher in den Kopf des Angreifers. Das Ungetüm brummte etwas Unverständliches und fiel vorn über, direkt auf Kleit. Der Sergeant japste auf und versuchte, das schwere Gewicht von seinem Körper zu drücken, schaffte es aber nicht. »Helft mir mal«, röchelte er, doch niemand war in der Lage, ihm zu helfen. Zwei weitere Orks sprangen in den Graben und stürzten sich heulend auf die Männer. Ein kurzer Nahkampf entbrannte. Soldat Perus wurde von einem Bolter erwischt und fiel als toter Leib auf den Boden, noch bevor jemand reagieren konnte. Der Schaft einer weitere Waffe traf Soldat Terin und schleuderte ihn zurück, doch im Gegensatz zu Perus rappelte er sich wieder auf und ließ sein Gewehr sprechen. Der Ork ging durchlöchert zu Boden. Neben ihm hatte sich Corporal Aledan von seinem Schreck erholt und den zweiten Ork angegriffen. Sein Bajonet steckte tief im Hals der Grünhaut, aus dem eine eklige Pampe pulsierte. Der Corporal drehte und riss an seiner Nahkampfwaffe, um die Wunde zu vergrößern und seine Waffe wieder frei zu bekommen. Der dritte Soldat, ein Mann, den er nicht kannte, hieb immer wieder mit seinem Gewehrkolben auf den erstochenen Feind ein, so als fürchtete er, die Grünhaut könnte wieder aufstehen. Die Erde bebte. Der tote Ork auf Kleit geriet ins Rutschen und der Sergeant konnte sich befreien. Er glaubte, die Artillerie habe ihr Feuer wieder auf das Vorfeld der imperialen Truppen konzentriert, doch ein kurzer Blick belehrte ihn eines Besseren. »Nein!«, rief er aus und starrte entsetzt auf das stampfende Ungetüm, dass sich ihnen näherte. Ein Killabot! Killabots, die Kampfläufer der grünhäutigen Xenos, bullige Kampfmaschinen mit demselben ekelerregenden Gestank wie seine Erbauer und Furcht erregenden Waffen. Sie waren die minderwertigen Gegenstücke zu den großen Cybots des Adeptus Astartes und besaßen entsetzliche Nahkampffähigkeiten. Jetzt stand er hier und konnte nichts tun als zu warten, bis das Ungetüm ihn und seine Männer erreicht hatte und sie grausam tötete. Er sah sich kurz um. Einen Krater links von ihnen stand eine verlassene Maschinenkanone, die Schützen lagen neben der Waffe im Dreck und schossen mit ihren Lasergewehren. Rechts von ihnen wurden gerade Granaten geworfen, um anstürmende Xenos zu zerreißen. Nichts, was einen Kampfläufer gestoppt hätte. Kleit sah zwei Orks auf sich zurennen und schoss. Er traf beide mehrmals und verfolgte, wie sie zu Boden gingen. Der Killabot direkt vor ihm trampelte in einen tiefen Granattrichter und geriet ins Schwanken. Für einen Augenblick glaubte Sergeant Kleit, dass das Ungetüm stürzen und damit unschädlich werden würde, aber seine Hoffnung wurde enttäuscht. Der Ork-Läufer stabilisierte sich wieder und machte einige Schritte vorwärts, während Orks hinter ihm in den Trichter sprangen. »Achtung!«, schrie er und duckte sich weg, in Erwartung des baldigen Todes. Ein ultraheller Strahl traf die Vorderseite der Kampfmaschine, dann ein zweiter. Kleit sah auf. Schlecht zusammengeschweißter Stahl barst und spritzte als Metallregen in alle Richtungen davon. Der Killabot taumelte rückwärts, wandte sich um seine eigene Achse. Ein weiterer Laserstrahl traf. Kleit fuhr herum und entdeckte einen hoch aufragenden Sentinel-Läufer, der langsam vorwärts schritt, begleitet von zwei anderen in cadianischem Tarn gemusterten Kampfmaschinen. Ihre Lasergeschütze feuerten abermals. Das gleißende Licht ließ Kleit zurückzucken. Der Killabot wurde durchlöchert und stürzte zurück in den Krater, den er gerade überwunden hatte. Er begrub sämtliche Orks, die darin gewartet hatten. *** Soldat Itias lag einige Meter weiter im Dreck. Als er von Bastet aus in das 512. Regiment versetzt worden war, direkt nach seiner Neugründung, war er voller Tatendrang und Illusionen über den Dienst für den Gott-Imperator gewesen. Aber dann kamen sie auf Agos Virgil an und er erkannte, dass nichts so war, was es zu sein schien. Seinem Kameraden war von einem Boltgeschoss der Kopf weggefetzt worden und nun teilte sich der junge Soldat den Granattrichter mit einer Leiche, aus der pausenlos Blut pulsierte. Das Heulen von Artillerie, Rasseln von Panzer, Schreie, Schüsse und Befehle bildeten eine beständige Hintergrundkulisse, vor der Flammenwerfer fauchten, Walküren tödliche Ladungen von Bomben abwarfen und Männer starben. Und dann war da der Gestank. Es stank nach Blut, gekochtem und gebratenem Fleisch und … nach Tod. Er zitterte. Die Waffe lag neben ihm im Dreck. Er hatte nicht einen Schuss abgegeben. Stattdessen kauerte er sich zusammen und schrie †“ schrie so laut, als wolle er den Gefechtslärm übertönen. Er hoffte, den Gefechtslärm zu übertönen. Nein, so hatte er sich gewiss nicht vorgestellt, in den Kampf zu gehen. Eine Explosion ließ ihn zusammenzucken. Er merkte, wie Erde und Steine auf ihn herab regneten. Große Brocken mussten es sein. Er presste die Augen fest zusammen und versuchte, sich nicht auf die Feuchtigkeit zu konzentrieren, die sein Gesicht, seine Uniform und seine nackte Haut benetzte. Ein großer Brocken Erde rollte über seinen Körper. Er hob die Hand, um ihn wegzustoßen †“ bloß nichts, was ihn jetzt berühren konnte †“ und erstarrte. Das war gewiss keine Erde! Furchtsam öffnete er die Augen, um im vielfarbigen Blitzgewitter des Grauens einen Blick auf das zu erhaschen, was ihm so einen Schreck eingejagt hatte. Doch statt sich zu beruhigen, blieb sein Herz fast stehen. Eine Hand! Da krabbelte eine Hand auf ihm herum! Gepackt von Panik stieß er die zuckende Extremität von sich weg, machte sich nicht einmal die Mühe, sein Gewehr zu greifen und sprang auf, um zu rennen. Bloß weg von hier! *** Captain Retexer sah den einzelnen Soldaten aufspringen und vorstürmen. Das war seine Chance! Er sprang selbst auf, seine Laserpistole spie kohärentes Licht in die Luft. »Vorwärts!«, schrie er und scheuchte die Männer aus seinem Krater auf. »Vorwärts! Für Bastet! Für unsere Lieben! Für den Imperator!« Um ihn herum stürmten Soldaten los und stürzten sich wild schreien auf den Feind. Heute würde der Tag sein, Ruhm und Ehre für sich und seine Familie zu erringen! *** »Langsam geht er mir wirklich auf die Nerven«, brummte Kleit, als er sich ein paar Granattrichter weiter ebenfalls erhob und die Männer in den Deckungen um sich herum anspornte, sich in den Todeshagel über ihren Köpfen zu begeben. »Vorwärts! Zeigen wir es diesen Xenos!« Promethium-Bomben fielen vor ihnen zwischen die Grünhäute und malten flimmernde Hitzebilder in die Luft. Laserkaskaden erhellten die Luft. Wieder stürmte das Basteter Regiment allen anderen voran in Richtung der Orks. *** Doktor Marith Calgrow verfolgte, wie Sanitäter weitere Verletzte ins Lazarett trugen. Ihre Wunden waren vielfältig. Maschinen- und Sturmwaffen der Orks hatten Körperteile zerfetzt und schrecklich blutende Löcher in das Fleisch der Soldaten gerissen. Von Flammenwerfern und Plasmawaffen verbrannte Körper zuckten, obwohl ihre Träger von den zurückgebliebenen Schmerzen gelähmt auf den Tragen lagen. Schreie und schmerzerfülltes Stöhnen unterdrückten das Donnern der sich entfernenden Schlacht. Nur ab und zu brach eine Explosion oder das Salvenschießen der Basilisk-Schwadrone irgendwo vor dem Lazarett durch den Lärm, der um sie herum herrschte. Immer wieder wurden schreiende Männer mit grausamen Wunden hereingetragen, während draußen Sanitätschimären rasselten und Lastkraftwagen röhrten. Ab und an heulte eine Walküre heran und lud Verletzte aus, bevor sie sich wieder in die Luft erhob und neues Personal an die Front beförderte. Diese Szenerie, so schrecklich sie auch sein mochte, war ihr durchaus vertraut. Calgrow war seit vielen Jahren Ärztin in den Reihen der Imperialen Armee, hatte zuerst in verschiedenen Regimentern ihrer Heimatwelt Cadia gedient, war später dann als Unterstützung zum 512. Regiment Sera gewechselt †“ und hier geblieben. Was genau sie verschlagen hatte, an der Seite des Verrückten Galard Ekko und seines Zehntregiments zu bleiben, konnte sie sich selbst nicht genau erklären, doch vielleicht war es der Stil, mit dem der Colonel seine Truppen führte. Hier hatte sie genau das wiedergefunden, was sie in den Regimentern von Cadia immer vermisst hatte. Calgrow hatte die Schola Progenium abgeschlossen und war als Kommissarin in die Imperiale Armee eingetreten, da sie durch ihr inspirierendes Vorbild die Männer und Frauen hatten anleiten wollen. Ihr war daran gelegen gewesen, in den Fußstapfen von Helden wie Ibram Gaunt, Ciaphias Cain und Yarrick den Truppen voranzustürmen und ihnen Kampfgeist einzuhauchen. Doch mit der Zeit hatte sie erkennen müssen, dass man mit inspirierendem Verhalten nicht verhindern konnte, dass die Männer wie wertloses Getier fortgewischt wurden, dass man neue Soldaten rekrutieren musste und die Regimenter nach jeder Schlacht um etliche Trupps oder gar Züge aufgefüllt werden mussten. Vor allem aber, als ein guter Freund und ehemaliger Mit-Absolvent der Schola vor ihren Augen den Tod fand, weil der zuständige Kommissar den Mann lieber erschoss, als die dringend benötigte medizinische Unterstützung zukommen zu lassen, war ihr Vertrauen in die Rechtmäßigkeit ihres Tuns tief erschüttert worden. Geschockt und geprägt von diesem Ereignis hatte sie sich entschieden, den Weg einer Militärärztin einzuschlagen. Bereits kurz darauf war sie, dank ihrer Macht als Kommissarin, in die Reihen des Officio Medicae gelangt, dem Department für medizinische Versorgung der Imperialen Armee. Dort hatte sie sich weiterbilden lassen und war schließlich neu in den Dienst eingetreten †“ dieses Mal als professionelle Stabsärztin, angegliedert an die Hauptquartiere diverser Regimenter, bevor sie mit dem 512. Sera das erste Mal in Kontakt gekommen war. Die eigenartige Art der Soldaten, ihre Sprache und ihr Wesen hatten sie zuerst erschreckt, besonders ihr Colonel. Galard Ekko war ihr von Anfang wie ein lebensmüder Irrer vorgekommen, der in ihr stets den Wunsch geweckt hatte, ihn mit allen möglichen Ressourcen zu disziplinieren. Sie hatte ihn erst als Menschen erkannt, als sie seine Geschichte erfuhr und sah, wie sehr er sich um seine Männer kümmerte. Trotzdem, ihre Voreingenommenheit blieb, ebenso, wie er gegenüber ihr voreingenommen war. »Macht Platz!«, rief eine tiefe Stimme noch durch den Lärm im Lazarett und ließ Calgrow aufhorchen. In diesem Moment trat der Colonel höchstpersönlich durch die Tür des Lazaretts. In seinen Armen trug er einen leblosen, noch vom Steppentarn und der dunklen Oberkörperpanzerung des 512. geschützten Körper. »Zur Seite! Ich bringe einen Verletzten.« »Was ist passiert?«, fragte sie kurz angebunden und dirigierte ihn zu einer leeren Liege, die man zu einem improvisierten Untersuchungstisch umfunktioniert hatte. Sanitäter und Melbin trugen die anderen leblosen Körper zu weiteren Untersuchungstischen. Ekko legte den blutenden Körper auf den Tisch und brummte unwillig. »Er war zu mutig.« Calgrow beugte sich über den Verletzten und hob erschrocken die Augenbrauen. Es war der junge Cadianer Rahael. Sie hatte ihn bereits wenige Tage nach seiner Versetzung ins 512. kennen gelernt †“ und fast sofort ins Herz geschlossen. Dass er ihr geholfen hatte, als sie ein gutes Dutzend Instrumente nach einem Wutanfall über den Boden verteilt und tränenverschmiert versucht hatte, sie wieder zusammenzusammeln, schmälerte diesen Eindruck kaum. Ihn jetzt so hilflos, mit erstarrtem Gesicht und vollkommen ohne Leben zu sehen, erfüllte sie mit Mitleid. Doch noch bevor sie überhaupt Gelegenheit bekam, näher darüber nachzudenken, übernahmen automatische Abläufe in ihrem Kopf die Kontrolle über ihr Handeln. Sie durfte sich von ihren Gefühlen nicht überwältigen lassen. Während sie den Verletzten untersuchte, murmelte sie in Ekkos Richtung. »Klingt irgendwie nach ihm. Haben Sie ihn gerettet?« Das Kopfschütteln, mit dem er antwortete, sprach beinahe Bände. »Das wiederum klingt nicht nach Ihnen.« Fast allen im Regiment war Galard Ekkos Ruf bekannt, ein Draufgänger zu sein, aber nur ganz wenige wusste, weshalb er sich so selbstlos in jede Schlacht warf. Calgrow konnte nicht umhin sich zu fragen, ob sie wirklich darauf stolz sein sollte, Mitglied in diesem †ºelitären†¹ Kreis zu sein. Sie streifte die blutgetränkten Handschuhe von ihren Fingern und griff sich ein neues Paar. Währenddessen wies sie zwei Sanitäter an, den jungen Cadianer auf ein Bett in der Ecke zu legen. »Er hat einen mächtigen Schlag aufgesetzt bekommen. Hat ihn ziemlich durchgerüttelt«, stellte sie sachlich fest, als sie ihn berührte und ihre weiteren Anweisungen an die beiden Männer gab. »Befreien Sie ihn erst einmal von seiner Koppel und …« Angewidert zuckte sie zurück und verzog das Gesicht. »Er riecht, als wenn er mit einem Ork gebadet hätte.« »Höchstens in einem«, brummte Melbin, der auf einer nahen Liege von einem Sanitäter verbunden wurde. Calgrow sah ihn fragend an. Der Riese zuckte die Schultern. »Davon waren so viele übers Feld verteilt, dass es unmöglich gewesen wäre, allen auszuweichen.« Calgrow nickte vorsichtig, schüttelte sich kurz und nahm den Faden wieder auf. »Und sorgen Sie dafür, dass er gut fixiert wird. Am besten ist, Sie spritzen ihm ein Beruhigungsmittel, damit sein Kopf nicht explodiert, wenn er wieder aufwacht.« Die Männer nickten und nahmen Rahael vom Untersuchungstisch. »Danke, Doktor«, sagte Ekko. Man konnte ihm ansehen, dass er die Worte nicht gern aussprach. »Doktor, würden Sie bitte einmal kommen?« Calgrow wandte sich um und folgte der Stimme bis an einen improvisierten Untersuchungstisch, wo man eine äußerst hübsche und junge Frau in einer blutroten Rüstung platziert hatte. »Was ist das?«, verlangte sie zu wissen. »Wer ist das?« »Offensichtlich ist sie eine Schwester des Adeptus Sororitas«, erhielt sie zur Antwort. Calgrow stockte kurz, bevor sie langsam wiederholte, was der Sanitäter ihr gesagt hatte. »Eine Schwester des ...? Wo haben Sie die denn aufgegabelt, Colonel?«, fragte sie in Ekkos Richtung und zeichnete die Linien der Servorüstung mit ihren Fingern nach. »Seien Sie vorsichtig beim Öffnen der Rüstung«, wies sie ihre Sanitäter an. »Da müssen Sie Lenhims Stoßtrupp fragen«, antwortete Ekko und warf einen Blick zu den verwundeten und bewusstlosen Soldaten, die wie die anderen von Sanitätern umschwärmten Verletzten auf Krankenliegen versorgt wurden. Wieder stiegen Schuldgefühle in ihm auf. Lenhim und seine Männer hatten trotz ihrer eigenen misslichen Lage ihre Stellung gehalten, nicht nur, um gerettet zu werden, sondern auch, um diese Sororita zu retten. Sollte ihr Einsatz etwa vergeben gewesen sein? Das wäre vermutlich die schrecklichste Ironie des heutigen Tages gewesen †“ noch schrecklicher als seine kurzentschlossenen Befehle, welche die gesamte eingesetzte Streitmacht des Imperiums fast vollkommen unvorbereitet in einen brutalen Angriff gegen die Orks geworfen hatten. Das durfte nicht vollkommen umsonst geschehen sein! »Sie muss um jeden Preis überleben!«, verlangte Ekko. Calgrow runzelte die Stirn, nickte aber. Egal, was für eine Idee der Colonel wieder ausbrütete, er hatte sie längst dafür eingespannt. Es war also besser, sich nicht dagegen zu wehren und die Ausführung zu behindern. »Wie sieht es aus?«, rief Calgrow dem Chefsanitäter zu und wies mit einem knappen Kopfnicken auf die Überreste von Lenhims Stoßtrupp. Der Mann antwortete, ohne aufzusehen: »Haben beide viel Blut verloren und sind schwer verwundet. Ich weiß nicht, ob wir sie retten können, Doktor.« »Ich bin sofort bei Ihnen.« Major Carrick trat durch den Eingang des Lazaretts und verzog das Gesicht. Kein Soldat fühlte sich in den gereinigten, nach Desinfektionsmitteln und Weihrauch riechenden Räumen eines Feldlazaretts wirklich wohl. In von schreienden Verwundeten und Sterbenden überfüllten Räumen, in denen der Boden glitschig von Blut und die Luft vom Pesthauch des Todes verseucht war, war es sogar noch schlimmer. Ekko entdeckte den hochgewachsenen, blonden Basteter sofort und winkte ihn zu sich und Calgrow heran. Voller Unbehagen folgte Carrick der Aufforderung seines Kommandeurs und passierte mit sichtbarem Unwohlsein die Reihen der Verletzten und Sterbenden, die von Sanitätern und Predigern betreut wurden. »Was für ein Blutbad«, sagte Carrick leise und bedachte Ekko mit nachdenklichen Blicken. »Lenhim, Rebis, Gorak, Melbin und Rahael haben überlebt †“ der Rest ist tot?« Der Colonel nickte und wies auf die Liegen, an denen Sanitäter um die Leben von Lenhim und Gorak kämpften. »Und niemand weiß, ob Lenhim und Gorak überleben werden.« Er schwieg einen Augenblick und trommelte auf den nahen Untersuchungstisch, an dem Calgrow und die Sanitäter bemüht waren, die Sororita aus ihrer Rüstung zu schälen und ihre Behandlung zu beginnen. Carrick verzog das Gesicht und eine unausgesprochene Frage drängte ein Runzeln auf seine Stirn. »Geben Sie mir eine kurze Einweisung in die Lage«, verlangte der Colonel, um ihn abzulenken. Der Major zwang sich, den Blick von der bewusstlosen Frau zu wenden und sah den Colonel an. »Ja, Sir. Die Orks wurden auf der gesamten Front zurückgeschlagen und befinden sich auf der Flucht. Panzer und Infanterie stoßen nach, um sie vollkommen zu vernichten. Etwa fünfzig Kilometer tief in Rückzugsrichtung des Feindes hat General Iglianus einen Aufmarschpunkt festgelegt, an dem wir uns neu sammeln werden und dann erneut nachstoßen.« »Sehr vernünftig von ihm«, kommentierte Ekko die Ausführung. »Ich hätte es genauso gemacht, wenn es meine Armee gewesen wäre.« Die absichtlich sarkastisch angehauchte Bemerkung zwang Carrick zu einem grimmigen Lächeln. Ekko hatte abermals klar darauf hingewiesen, dass er es gewesen war, der den Angriff mit seinem eigenmächtigen Verhalten ausgelöst hatte. Vermutlich erwartete er jetzt eine Reaktion seines Majors. Doch wie so oft war Carrick auch dieses Mal nicht bereit, seinen Colonel in seinen selbstzerstörerischen Tätigkeiten zu unterstützen. »Ich sicherlich auch, Sir«, antwortete er. Ekko sah ihn an und verstand. Ein gehässiges Grinsen teilte seine Lippen. »Gibt es sonst noch etwas?« »Ja, Sir«, bestätigte Carrick. »Sergeant Krood hat sich kurz vor Ihrer Ankunft gemeldet und Verstärkung angefordert.« Das Grinsen in Ekkos Gesicht entgleiste. »Mist †“ den habe ich vollkommen vergessen!« Er sah sich fast verstohlen um, als hätte er Angst, irgendjemand könnte ihn hören und verpfeifen, und zog Carrick dann zur Seite. »Besorgen Sie sich Leute, die sie zur Unterstützung schicken können. Egal, wen! Sorgen Sie dafür, dass sein Trupp abgeholt wird. Lassen Sie niemanden da draußen. Also: rein, unterstützen, evakuieren, räumen! Klar soweit?« »Ich denke, dafür ist es jetzt zu spät, Sir.« Ekko hielt in seinen Ausführungen inne und schluckte hart. »Sind Sie sicher?« »Ja, Sir«, antwortete Carrick. »Unsere Truppen haben die Walküre bereits erreicht und die Überlebenden gerettet.« »Wie viele?« »Drei, Sir.« Ekko schloss die Augen und versuchte, sich den Schock nicht anmerken zu lassen. War das wirklich nur seine Ignoranz gewesen? Sein beharrlicher Wunsch, alle seine Männer zu retten und dafür das Leben der Kasrkin zu geben? »Verdammt«, murmelte er. Er hatte gehofft, dass mehr der Männer überlebt hätten, aber wie so oft im Krieg war diese Hoffnung vergebens gewesen. Vorhin hatte ihn Ligrev gefragt, ob er die vielen Verluste verschmerzen konnte. Er hatte sich sicherlich nicht auf die Kasrkin bezogen, aber wenn ihm Ekko jetzt hätte antworten müssen, hätte er sicherlich gesagt: †ºBei der Masse ist es mir leichter gefallen†¹. Nicht, dass das jetzt noch einen Unterschied gespielt hätte. »Also gut. Machen wir weiter wie bisher. Ich werde mich gleich erst einmal zurück zu Azrael begeben und mir die neuesten Gefechtsmeldungen ansehen. Mal gucken, was unser Kommissar in meiner Abwesenheit ausgebrütet hat.« Dann adressierte er Carrick direkt: »Ich möchte eine konkrete Liste aller Verluste dieses Regiments haben. Sorgen Sie dafür, dass ich sie so schnell wie möglich erhalte.« »Verstanden, Sir«, brummte der Major und salutierte, als Ekko das Lazarett verließ. Er bemerkte nicht, dass Doktor Calgrow sie beobachtet hatte und sich ihre eigenen Gedanken machte.
  5. Vielen Dank für die vielen Views. Das sagt mir schon, dass die Leute sich die Story auf jeden Fall angucken. Würde mich trotzdem über Rückmeldungen freuen. Alles Vale 6 Ein weiterer Ork starb. Für den Engel des Imperators! Rahael kniete sich ab und wechselte gerade sein Magazin, als Grouphans Kopf neben ihm unerwartet explodierte. Ein verirrtes Boltgeschoss hatte ihn getroffen und seinen Schädel in eine breiige, rosafarbene Masse verwandelt, die sich explosionsartig zu allen Richtungen ausbreitete. Rahael starrte den Körper seines Kameraden an, der einige Sekunden lang schwankte, als er die kinetische Energie des Einschlags absorbierte, und dann auf den Boden stürzte. Für einen Augenblick konnte sich der junge Cadianer nicht bewegen, wusste nicht vor und zurück und blieb einfach vor dem Leichnam knien, das neue Magazin noch in der Hand. Er wollte etwas sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Statt dem hilflosen Ruf, der ihm auf den Lippen gelegen hatte, entfuhr seiner Kehle nur ein Röcheln. Seinen Kameraden auf derart schreckliche Weise sterben zu sehen, war ein schwerer Schlag für ihn. Viel Schlimmer jedoch war zu wissen, dass er der Einzige zu sein schien, dem der Verlust ihres Kameraden aufgefallen war. Melbin und Hougner feuerten weiter, ohne auf das zu achten, was in den eigenen Linien geschah. Gorak lud ebenfalls gerade nach, warf ihm einen mitleidigen Blick zu und erhob sich dann wieder, um den Orks neue Wellen von Laserfeuer entgegenzuschleudern. Rahael spürte eine starke Hand an seinem Arm, fuhr erschrocken herum und erkannte Corporal Rebis, dessen zerfurchtes Gesicht ihn ernst musterte. »Du kannst nichts mehr für ihn tun. Kämpfe weiter«, sagte er, als würde er ihn beruhigen wollen. Erstaunlicherweise schrie er nicht. In dem Moment fuhren die drei Schützen weiter vorne auf und sprangen auseinander. »Vorsicht!«, schrie Gorak. Rahael und Rebis wandten sich um. Hougner kreischte auf und feuerte hilflos mit seinem Lasergewehr in die Luft, als mehre Grots über die Grabenwand sprangen und sich auf ihn warfen. Einen tötete er mit seinem Lasergewehr, ein anderer sprang direkt vor die Mündung und wurde ebenfalls durchlöchert. Der nächste Grot sprang Hougner an. Die Reaktion des Menschen war, für seine Lage, noch verblüffend. Der Gewehrkolben traf den kleinen, orkähnlichen Krieger wie eine Ramme und zerschmetterte sein hässliches Gesicht. Mit einem Aufschrei ging das Geschöpf zu Boden und blieb wimmernd liegen. Noch ein weiteres Mal schoss der Gewehrkolben in die Menge der Angreifer, erwischte einen von ihnen und ließ ihn zu Boden gehen. Dann allerdings hatten sie Hougner umzingelt. Die Grots waren klein, nicht größer als Kinder, aber sie waren zahlreich. Er hatte keine Chance. Als er, von mehreren kleinen Stichwaffen getroffen, laut schrie und um sich schlug, lief es Rahael kalt den Rücken herunter. Er wollte gerade ein Gewehr auf die Feinde richten und in die Menge schießen, als Rebis vorpreschte. Der Corporal hatte Lenhims Kettenschwert an sich genommen und ließ es umher schwingen, während Hougner von den Grots übermannt wurde. Die jaulende, reißende Klinge schnitt sich durch die Angreifer und tötete drei, nein, vier, dann brachen neue Grots über die Grabenwand und sprangen ihn an. Das Kettenschwert jaulte seine Todesmelodie, doch es brachte nichts. Die Feinde waren zu viele. Der Corporal musste seinen Versuch, den Soldaten zu retten, aufgeben. Er tötete drei weitere Grots mit dem Schwert und noch zwei mit der Laserpistole, dann zwangen ihn die Gegner, sich zurückzuziehen. Sein Glück. Einen Augenblick später krachte es laut. Eine Druckwelle warf Rebis und Rahael zu Boden und bespritzte sie mit einem Regen aus Fleischfetzen. Da, wo vor einem Moment noch Hougner mit den Grots gekämpft hatte, lagen nun verstreute Leichenteile um die Krümmung eines kleinen Kraters. Sämtliche Grots waren tot, der junger Cadianer war verschwunden. Doch kaum war der Weg frei geworden, stürmten bereits die nächsten Grünhäute über die Grabenwand. Gorak erschoss zwei, die sich auf die beiden Körper von Lenhim und der Sororita stürzen wollten, dann erwischte ihn ein Laserstrahl. Der Brustpanzer und die Armaplast-Weste wehrten den Großteil der Energie ab, doch es drang immer noch genug durch, dass Gorak nach hinten taumelte und zwischen die beiden Körper fiel, wo er leblos liegen blieb. Der Ork, der ihn getroffen hatte, überlebte nicht viel länger. Eine Laserkaskade aus Rebis Gewehr beendete sein Leben. Doch wo ein Ork fiel, kamen zwei neue nach. Sie waren einfach zu zahlreich. Melbin befand sich im Nahkampf. Mit zwei Äxten, die er toten Xenos abgenommen hatte, wehrte er sich gegen mehrere Angreifer. Die Grünhäute wurden von der schieren Kraft und der Agilität des Mannes überrascht, der mit fast zweieinhalb Metern so groß wie einer ihrer mittleren Artgenossen war. Einige von ihnen wichen zurück, als die beiden schweren Äxte federleicht durch die Luft sausten und sich in Körperteile schnitten. Zwei weitere Orks starben heulend. Rahael schoss wieder. Er traf einen Grot, verletzte einen Boy und traf noch einen, der dann wieder in der Menge verschwand. Plötzlich war Melbin in seinem Schussfeld, griff an und tötete mit der Effizienz eines geübten Schlachters. Rahael wandte sich zum Corporal um und entdeckte ihm im Kampf mit zwei eingebrochenen Boyz. Die beiden Xenos attackierten ihn von zwei Seiten. Rebis wehrte sich mit dem Kettenschwert und dem Lasergewehr. Man konnte ihm jedoch ansehen, dass er wegen der Konzentration, die der Kampf benötigte, bereits ermüdete. Der Cadianer legte an und zielte. Wenn er daneben schoss, würde er nicht den Ork, sondern den Corporal töten – aber wenn er einen Angreifer traf, dann nahm er seinem Vorgesetzten eine Last. Und bei dem, was der Corporal für ihn getan hatte, fühlte er sich dazu verpflichtet. Eine weitere Sekunde verstrich, dann krümmte sich sein Finger um den Abzug. Zischend schoss ein Laserstrahl aus der Waffe … und trennte einen Arm ab. Rahael keuchte auf, als er erkannte, dass es der Arm eines Ork gewesen war. Der Xeno taumelte zurück, brüllte auf und verstummte, als ihm einen Moment später das Kettenschwert den Kopf von den Schultern trennte. Ein kurzer, dankbarer Blick des Corporals folgte, dann flog das Kettenschwert zur Seite. Das Lasergewehr hieb vorwärts und krachte mit der Axt des anderen Ork zusammen. Rahael wandte sich um, stellte den Regler seines Gewehrs auf höchste Energiestufe und feuerte seine Waffe in die Reihen der Angreifer. Schließlich waren ja genug da. Ein weiterer Ork sprang über das Heck der Walküre und wollte sich von hinten auf Rebis stürzen, der sich noch immer mit dem anderen Angreifer duellierte, doch Melbin war schneller. Mit erstarrten Augen kippte der Xeno um, das Bajonett des Riesen war tief in seinen Kopf eingedrungen. Der Cadianer nahm sich keine Zeit, seinen Wurf zu kontrollieren. Die nächsten Orks stürmten bereits heran. Mit einem wütenden Schrei schwang er um seine Achse und nutzte die Bewegung, um seinem Gegner die Axt in den Nacken zu schlagen. Der Ork stolperte und fiel hin, da war Melbin bereits unter dem zweiten durch getaucht und rammte ihm im Vorbeilaufen die zweite Axt in den Bauch. Der Ork grunzte und stürzte. Gleichzeitig hatte Rebis seinen Gegner aufgespießt und die Boltpistole des gefallenen Xeno gegriffen. Jetzt leerte er das Magazin im Bogen in die Angreifer. Unirdische Geräusche klangen an, als die Grünhäute fielen und starben. »Rahael!«, schrie Rebis. »Zurück mit Ihnen! Schützen Sie den Sarge und Gorak!« Rahael taumelte aus der Nahkampfzone zurück zu dem Engel, Gorak und Lenhim, die wie tot auf dem Boden lagen. In einiger Entfernung sah er imperiale Infanterie, die sie passierte und weiter vorstürmte. Explosionen und Erdfontänen stiegen rund um sie herum auf und beleuchteten oder verdeckten sie. Ein neuer Ork stürmte über die Walküre und sprang in den Graben, der bereits mit Körperteilen übersät war. Er hatte kaum den Erdboden berührt, als auch schon eine Laserkaskade aus Rahaels Gewehr durch die Luft schnitt und ihn durchlöcherte. Als hätten sich seine Beine verknotet, strauchelte der Xeno vorwärts und fiel der Länge nach hin. Der Cadianer atmete auf und seufzte. Er hatte verhindert, dass die Grünhäute sich in ihrem Rücken ausbreiten konnten. Die Imperiale Armee näherte sich in einer breiten Front. Bald schon würden die Orks keine andere Möglichkeit haben, als sich gegen die vorrückenden Truppen zur Wehr zu setzen und von ihrem Angriffsziel abzulassen. So lange mussten sie noch … Irgendetwas traf ihn im Nacken und schleuderte ihn fort. Er krachte auf den Boden und verlor seine Waffe. Die Luft entfloh seinen Lungen und ließ ihn japsend zurück. Der junge Soldat wandte den Oberkörper, sah auf und entdeckte zwei Orks, die es über die Walküre geschafft hatten. Nachdem sie ihn hatten fallen sehen, waren sie von ihm abgewichen und untersuchten nun die drei auf dem Boden liegenden Körper. Mit einem wütenden, verzweifelten Heulen kam Rahael wieder auf die Beine und warf sich gegen die beiden angreifenden Orks, um sie von seinem Sergeant und den beiden anderen abzulenken. Er hatte kein Gewehr mehr, nur noch sein Bajonett. Aber damit konnte er trotzdem noch immensen Schaden anrichten. Brachial sprang er einen der beiden riesigen Xenos an und trieb ihm das lange Bajonett in den Rücken. Der Ork jaulte auf und schüttelte sich. Sein Artgenosse sah auf und begann, ihn anzubrüllen. Dann hob er einen riesigen Hammer und schwang ihn. Als Rahael, der sich noch immer fest an die glitschige, ekelig-grüne Haut des Xenos klammerte, begriff, was das bedeutete, war es beinahe zu spät. Er ließ sich fallen und wurde durch die Luft geschleudert, als der Hammer ihn streifte und einen Herzschlag später auf die Stelle traf, an der er gerade noch geklammert hatte. Ein hässliches Geräusch, gleich dem brechender Baumstämme, ertönte, als sämtliche Knochen im Körper des Orks zerschmettert wurden. Der riesige Xenos fiel tot auf die von Artillerieeinschlägen bebende Erde. Sein Artgenosse brüllte. Rahael fiel wieder hart. Er japste auf und versuchte, sich aufzurichten, als sich ein riesiger Fuß auf seinen Brustpanzer setzte und ihn eindrückte. »Melbin«, keuchte er. »Hilfe!« Der Riese hörte und sah ihn nicht. Er war von Orks eingeschlossen. Ab und zu konnte man noch einmal eine der beiden Äxte sehen, die durch die Luft schwangen und einen Ork fällten, dann verschwand er wieder. Rebis erging es ähnlich. Nachdem er nun sämtliche in seiner Nähe befindlichen Waffen verschossen hatte, klammerte er sich an ein Seitenruder der Walküre und warf die letzten Handgranaten, die er noch bei sich trug. Eine Reihe von Explosionen sprengte eine Gruppe von Grots auseinander, die gerade über die Grabenwand stürmen wollten. Dünne Raumspuren zeugten davon, dass sie von etwas unter Beschuss genommen worden waren, das aus der Luft kam. Dann sah Rahael auch schon den Hammer, den der Ork erhob, um ihm das Gesicht zu zerschmettern. Er schien merkwürdig weit weg zu sein und sah unerwartet freundlich aus in dem in ihm aufsteigenden Nebel, der ihn mit einem Wohlgefühl erfasste und betäubte. Die Schreie eines Todesengels – vielleicht eine Schwester des Engels, den er gefunden hatte – erfüllten die Umwelt. Der Ork sah auf. Neben ihnen ging mit ohrenbetäubendem Kreischen eine Walküre nieder. Noch während der Sturmtransporter sich Staub aufwirbelnd zu Boden senkte, glitten die Seitentüren auf und Schwere Bolter eröffneten das Feuer. Der Ork, der sich gerade auf den jungen Cadianer stürzen wollte, um ihm den Gnadenstoß zu verpassen, zerfetzte regelrecht – ebenso wie ein Dutzend andere, die mit Rebis und Melbin kämpften. An den Flügelkanten befindliche Vertikalschubdüsen flammten auf und sandten heiße Triebwerksstrahlen Richtung Erde. Die auf dem Boden verteilte Orkkörper lösten sich in Flammen auf. Der Sturmtransporter war noch nicht vollständig gelandet, da sprangen bereits die ersten Insassen hinaus, große, schwer gepanzerte Infanteristen mit Hochenergielasergewehren. Ihr Vorgehen war sehr viel organisierter und bedachter als das normaler Soldaten, dennoch eröffneten sie sofort das Feuer. Kaskaden bläulich-weiß glühender Strahlen schnitten sich in die Angreifer und fällten sie wie frisch gemähtes Gras. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich ein schützender Kokon aus gepanzerten Körpern um sie gebildet, die den feindlichen Angriff mit aller Macht zurückschlugen. Fragmentgranaten krachten, Querschläger surrten durch die Luft. Wie Geister glitten die unbekannten Soldaten vorwärts, scheinbar unbesiegbar und unverwundbar. Zwei der Männer stiegen über ihn hinweg, als sei er gar nicht existent und feuerten ihre hell blitzenden Waffen scheinbar wahllos in die Reihen des Gegners. Rahael entdeckte in seinem verschwimmenden Sichtfeld die Umrisse eines Mannes mit Tornister auf dem Rücken. Er erkannte, dass es ein Funkgerät war und hätte beinahe gelacht. Jetzt. Jetzt, wo alle tot waren, trafen Verstärkungstruppen mit einem Funker ein. Er hörte, wie der Mann etwas zu ihm sagte, verstand es jedoch nicht. Dann sah er noch eine Person. Es war kein regulärer Soldat, sondern ein Offizier – oder ein Kommissar mit dunklem Mantel. Er kannte diesen Mantel. Er gehörte … Das Letzte, was Rahael sah, war das Gesicht von Colonel Ekko, der sich über ihn beugte. Ihm gehörte der Mantel! Der Colonel. Sein benebeltes Gehirn riet ihm, noch eine Meldung zu erstatten, bevor sein Körper den Dienst versagte. »Sir, wir haben sie gerettet«, flüsterte er schwach mit vollem Stolz. Dann fiel er in die Dunkelheit. *** Um Sie herum hatte sich die Hölle geöffnet. Heftiges Bolterfeuer zwang Dutzende von imperialen Soldaten in Deckung. Captain Retexer lag im Dreck und sah sich um. Sein Zug hatte in einem halben Dutzend Granattrichter Deckung gesucht und wartete auf das Ende des feindlichen Feuers. Um Sie herum wurden Soldaten gefällt. Ein Höllenhund explodierte und setzte die Umgebung in Brand. Mehrere Soldaten starben schreiend. Die Orks kamen näher. »Gefechtslinie bilden!«, brüllte der Captain und wedelte mit den Armen, als wolle er gleich wegfliegen. »Gefechtslinie bilden!« Die Köpfe von Soldaten tauchten aus den Granattrichtern auf und legten an. »Schwere Waffen gesichtet. Scheinen so etwas wie Granatwerfer zu sein«, drang die Stimme des Beobachters durch den Kommunikator an sein Ohr. Fast im gleichen Moment heulte irgendeine Art von Rakete heran und sprengte ein großes Loch in die Erde. Dahinter stürmten die riesigen Körper der Grünhäute auf sie zu. »Sir«, wandte sich ein Sergeant, der neben ihm lag, an ihn. »Wir sollten eventuell Feuerunterstützung anfordern.« »Das Gebiet bombardieren lassen?«, fragte der Captain unwillig. »Sergeant, Sie wollen der Artillerie das Feld überlassen?« In diesem Moment eröffneten weiter vorne einige Basteter das Feuer. Sie wollten ihre Linie gegen die vorstürmenden Orks verteidigen. Heftiges Bolterfeuer antwortete. Die Männer wurden einfach überrannt. Schreie und wütendes Brüllen hallten über das Feld, während Retexers Männer hilflos verfolgten, wie die Grünhäute ihre Kameraden abschlachteten. Jetzt lagen nur noch einige wenige Soldaten in ihren Explosionskratern zwischen seinem Zug und den Orks. Das Laserfeuer um sie herum intensivierte sich. Granaten explodierten. Es stand außer Frage, ob sie ein Bombardement haben wollten. Tatsache war, dass sie es benötigten. Retexer wandte sich um und winkte den Funker des Ersten Trupps zu sich. Der Mann kroch zu ihm. »Captain?« »Fordern Sie sofort ein Artilleriebombardement an. Sie sollen das gesamte Gebiet beschießen!« Der Funker sah ihn scharf an. Für einen Augenblick lang wirkte er unschlüssig, dann nickte er. »Verstanden – Artillerie, Artillerie, hier 5120401. Kommen.« »Hier Artillerie. Wir hören«, antwortete die Stimme eines Artillerieoffiziers. »5120401 erbittet Flächenbombardement gegen feindliche Einheiten, die in Richtung der imperialen Stellungen vorrücken.« »Verstanden. Geben Sie die Koordinaten durch.« Sofort ging ein halbes Dutzend Elektrofeldstecher nach oben und begann, die Gegend abzurastern, um die Entfernung zu den sich nähernden Schatten zu verifizieren. Der Captain las die Anzeige ab und dachte kurz nach, dann wandte er sich um. »Koordinaten … Unsere Position plus drei-sechs-zwei Meter in nordöstlicher Richtung.« Der Funker nickte, kontrollierte die Position und gab die neuen Informationen weiter. Es dauerte einen Moment, dann bestätigte der Artillerieoffizier. »Verstanden. Sie erhalten eine Salve, dann werden wir unser Feuer wieder auf die feindlichen Stellungen konzentrieren.« Das Funkgerät begann zu rauschen. »An alle Einheiten: Artillerieschlag! Artillerieschlag! Achtung: Artillerieschlag! Koordinaten Fünf-sechs-sechs-null zu drei-vier-acht. Feuer frei für alle Geschütze! Ende!« Hinter den eigenen Linien blitzte es. Dünne Rauchfahnen stiegen in den Himmel. »Volle Deckung!«, schrie Retexer und wedelte wild mit der Hand. Die Sergeants gaben die Befehle weiter. Einen Moment später war keiner seiner Männer mehr zu sehen. Um sie herum brach plötzlich Hektik aus. Männer suchten Deckung, Panzer und Läufer stoppten oder legten den Rückwärtsgang ein, um den ankommenden Tremorgeschossen auszuweichen. Eine improvisierte Verteidigungslinie begann zu sich formieren. Der ferne Geschützdonner wäre beinahe im Lärm der sie umgebenden Schlacht untergegangen. Die ersten Orks erreichten gerade die einzelnen Soldaten in den Granattrichtern vor ihnen, da versank die Welt in blutrotem Feuer. Wellen aus konzentrierter Hitze dehnten sich aus und fegten über die improvisierte Stellung hinweg. Jeder suchte, so gut es ging, Schutz. Retexer presste sein Gesicht in die nasse Erde und zählte endlose dreißig Sekunden, in denen die Basilisken das gesamte Areal vor den Trupps in eine Gluthölle verwandelten. Donner ungeahnter Intensität ließ die Erde erbeben. Wenn jetzt einer der Richtschützen nicht richtig aufgepasst hatte, dann würden die nächsten Sekunden hier recht aufregend. Das Heulen und Brüllen der Xenos versiegte zwischen dem ohrenbetäubenden Lärm des Beschusses. Sie mussten zu Dutzenden, zu Hunderten zerrissen und zerfetzt worden sein. Urplötzlich verstummte der Lärm. Der Beschuss war vorbei. Stille breitete sich aus, legte sich einem Leichentuch gleich auf die vom Trommelfeuer zerstampfte Ebene. Der Captain hob leicht den Kopf und lauschte in die Staubwolke hinein. Schreie und Stöhnen erfüllten die plötzliche Ruhe. »In Deckung bleiben«, befahl er. Sein Befehl ging im Flüsterton durch die Reihen der Soldaten. Irgendwo heulten die Motoren eines Sentinels auf und kurz darauf konnte er das charakteristische Stampfen der Läuferfüße vernehmen. War der Feind vernichtet? Oder würde er trotz allem dennoch zuschlagen? Sekunden der Ungewissheiten kamen … und gingen vorüber. Wie ein Seufzen kehrte die Resignation in den Geist des Captains zurück, als er das nervenaufreibende Brüllen und das Heulen der meterhohen Xenos vernahm. Kurz darauf sah er sie aus den Staubwolken heranstürmen. Er riss seinen Arm in die Höhe. »Feuer!« schrie er, während er den erhobenen Arm in einer Sammelbewegung kreisen ließ, um allen zu zeigen, dass die gesamte Einheit gemeint war. »Feuer!« Sofort warfen sich die Soldaten auf die Böschung ihrer improvisierten Schützenlöcher. Magazine knallten in ihre Fassungen, Repetierhebel knirschten, Energielevels wurden pfeifend aufgebaut. Irgendwo neben ihm begann ein Bolter auf die angreifenden Orks zu feuern. Der Imperiale Angriff geriet vollends ins Stocken. *** 2081 Virago unterschied nur eine Tatsache von allen anderen Sturmtransportern, die sich im Einsatz gegen die Orks befanden: Sie flog in die Gegenrichtung. An Bord des kreischenden Luftfahrzeugs lehnte sich Ekko gegen die Panzerung und sah durch den engen Sichtschlitz an der Seitentür auf eine Schwadron Vendettas, die in Formation mit blitzenden Maschinenkanonen auf die mächtigen Rauchwolken zuhielten, die von den orkischen Stellungen aufstiegen. Verdammt und verwünscht – was er mit seinem Befehl in Gang gesetzt hatte, war verheerender als alles, was er jemals zuvor gesehen hatte. Wenn die Offensive beendet war, dann würde man ihn zur Rechenschaft für sein eigenmächtiges Verhalten ziehen. Es würde schon eines Wunders bedürfen, damit er diesen Tag überlebte. Nicht, dass er darauf hoffte. Dieses Mal hatte er sich zu weit aus seinem Befugnisbereich gelehnt. Leider bedeutete dass, dass er durch die Hand eines Offiziers aus den eigenen Reihen oder seine eigene Hand sterben würde. Nicht gerade das, was er sich unter einem Tod vorstellte, wie er ihn sich wünschte. Offensichtlich hasste ihn der Gott-Imperator mehr als er ahnte. Ekko ließ seinen Blick durch den Truppenraum der Walküre schweifen. Jetzt, ohne schwer gepanzerte und kampfbereite Soldaten in seinem Innern, wirkte der Sturmtransporter auf traurige Weise leer und verwaist. Das bekümmerte Jaulen der Triebwerke leistete seinen Betrag zur traurigen Stimmung der Maschine. Ekko seufzte leise. Es tat ihm leid, die Kasrkin zurückgelassen zu haben, aber für sie alle wäre kein Platz mehr gewesen. Krood hatte es verstanden. Mit grimmiger Entschlossenheit hatten er und seine Männer die angreifenden Grünhäute bekämpft und getötet, während ihr Funker immer neue Koordinaten für das massive Artilleriefeuer durchgegeben hatte. Tapfere Männer. Verdammt gute Männer. Er wäre stolz darauf gewesen, sie in seinem Regiment zu haben. Sein Blick wanderte zu den Verletzten und Toten, die auf dem Boden des Transporters lagen und saßen. Lenhim und sein Trupp, noch fünf Mann von einstmals zehn. Getötet innerhalb weniger Minuten auf den Ebenen von Agos Virgil, nachdem sie seit Gründung des Regiments in seinen Reihen gekämpft hatten. Er hatte eigentlich nie die Gelegenheit erhalten, die Männer besser kennenzulernen, die er zu seinem ›persönlichen‹ Trupp gemacht hatte. Was sie im Angesicht derart vieler Feinde geleistet hatten und was ihnen gelungen war, ließ sich nur ermessen. Er hätte viel lieber gesehen und miterlebt, wie sie sich trotz des nahen Todes so tapfer verteidigten. Dafür sah er jetzt drei bewusstlos auf dem Boden liegende Soldaten und zwei, die wortlos und mit apathischem Blick ihre verwundeten Kameraden versorgten. Melbin und Rebis würdigten ihren Kommandeur keines einzigen Blickes, was er ihnen auch nicht verübeln konnte. Die Männer waren durch die Hölle gegangen und daraus zurückgekehrt. Nun würden die Kasrkin von Sergeant Krood ihren Platz übernehmen. Das tat ihm eigentlich noch mehr leid. Er hatte eine ihm vollkommen fremde Einheit in seinen Dienst gestellt und sie zurückgelassen, um seine eigenen Einheiten retten zu können. Das war nicht gerade das, was man von einem guten Offizier der Garde erwartete. Beim Barte des Propheten der Heiligen Bastet, er wäre am liebsten vorn geblieben, um sich von den Orks abschlachten zu lassen, aber da gab es noch eine Sache, die ihn veranlasst hatte, zurückzukehren. Diese Ordensschwester des Adeptus Sororitas hatte sein Interesse geweckt und ihn veranlasst, mit seinen Männern den Rückflug anzutreten. Wieder glitt sein Blick in den Innenraum des Sturmtransporters, dieses Mal aber auf die blutrote Rüstung und das engelhafte Gesicht der jungen Frau, die auf dem Boden lag und deren Kopf sich beim unruhigen Flug der Walküre hin und her bewegte. Wo kam sie her und was hatte sie hier gewollt? Der Colonel lehnte sich zurück und seufzte leise. Wieder einmal hatte das Universum ihn um einen sinnlosen Tod betrogen. Ekko wischte sein Hände in seinem dunklen Offiziersmantel ab und bemerkte, dass sie schweißnass waren. Die Walküre legte sich in eine Kurve und flog die eigenen Linien an.
  6. 5 Hustend und keuchend und mit klingelnden Ohren kam Rebis wieder auf die Beine. Er schien eine Ewigkeit betäubt gewesen zu sein durch … ja, durch was eigentlich? Als er seinen Kopf über die Grabenwand hob, konnte er erkennen, dass nur drei Meter vor ihnen ein Tremorgeschoss niedergegangen zu sein schien. Ein tiefer Granattrichter war dort entstanden, wo vor kurzem noch Melbin mit seiner Last und Rahael gewesen war. »Melbin!«, schrie er in den tosenden Lärm, der sich in seinen Ohren wie das sanfte Rauschen des Meeres anhörte. »Melbin!« Vor einem Moment noch hatte der riesige Soldat seinen Kameraden vor den Orks gerettet, im nächsten waren er und der jüngere Soldat vom Antlitz Agos Virgils getilgt worden. Als nächstes würden er und der Rest der Männer den angreifenden Grünhäuten zum Opfer fallen. Einen Augenblick lang hielt der Corporal inne und lenkte seine Gedanken zurück auf sein Leben auf Bastet, an dem er als einziger Mensch nicht mehr teil hatte. Er dachte an seine Frau, die in ihrem gemeinsamen Haus nun womöglich bis ans Ende ihrer Tage allein leben müsste, an seine früheren Freunde, die er nun nie wiedersehen würde – selbst, wenn er das hier überlebte – und erinnerte sich an die Jahreszeiten Bastets, die Überschwemmungsperioden und Dürrezeiten. All das würde er nie mehr erleben. Dann entschied er sich, seine Konzentration wieder auf den Feind zu dirigieren. Wenn er schon untergehen musste, dann würde er es in Ehre und mit einem Feuerwerk tun. Außerdem nahte die Befreiungsstreitmacht. Mit etwas Glück würden er und die Männer vielleicht doch überleben. Rechts von ihm kamen Gorak und Hougner ebenfalls keuchend auf die Beine und legten sofort wieder an, um die angreifenden Orks zu beschießen. Grouphan kniete noch immer am Boden und schlug sich gegen die blutenden Ohren. Rebis vermutete, dass ihm gerade die Trommelfelle geplatzt waren. Die Geschosse eines Ork-Bolters ließen die Erde vor ihm aufspritzen. Er kniete sich hinter die Grabenwand und lehnte sich zu Grouphan hinüber. »Komm hoch!«, rief er und zog den jungen Soldaten mit sich hoch. »Zeigen wir es denen!« Sein Lasergewehr spie kohärentes Licht aus der Deckung. »Die sollen uns kennen lernen! Für den Imperator!« Er hatte sich gerade wieder umgewandt und einen Ork zersiebt, als in seinen Augenwinkeln die Mündung eines Schweren Bolters auftauchte und seine Konzentration abermals vom Feind ablenkte. Neben ihm stand Melbin und hielt die große Waffe in seine Hüfte gepresst. Erstaunt stellte der Basteter fest, dass es eine der schweren Waffen war, die sie aus der Walküre geborgen hatten. »Melbin.« Erleichterung ließ sich von Rebis Stimme in Richtung des Cadianers tragen. Der nickte ihm zu. »Corporal.« »Ich dachte schon, Sie wären tot.« »Ich auch.« Gewaltige Flammenstöße leckten aus der Mündung des Bolters zu den Orks hinüber und mähten mehrere Boyz nieder. Rebis wandte sich um und entdeckte Rahael, der auf dem Boden vor dem kniete, was Melbin auf seinem Rücken getragen hatte. »Rahael!«, fuhr er ihn an. »Wenn Sie uns mit Ihren Kampffertigkeiten unterstützen wollen, dann sagen Sie Bescheid!« Der junge Cadianer sah auf und blickte den Corporal an. Tränen liefen über sein Gesicht. Er sah verzweifelt aus. Von einer neuerlichen Geschosssalve, die von Melbin tödlich beantwortet wurde, in Deckung gezwungen, nahm sich Rebis die Zeit, genauer zu betrachten, was der Grund für seine letzten cholerischen Ausbrüche gewesen war. Überrascht stellte er fest, dass es eine Schwester des Adeptus Sororitas war. Heißkalte Schauer liefen über seinen Körper. Eine Sororita. Wie jeder Basteter fürchtete sich Rebis vor den fanatischen grausamen Schwestern des Adeptus Sororitas, die im Namen der Ekklesiarchie Säuberungen durchführten und mitunter ganze Planeten von Leben reinigten. Auf Bastet hatten die Ordensschwestern bereits oft gewütet und tausende von Menschen als Häretiker, als Ketzer an der Göttlichkeit des Imperators, hingerichtet. Aus seiner Familie war noch keiner mit den Schwestern gegangen und nie zurückgekehrt, aber es gab genügend Basteter, die er kannte und denen es so ergangen war. Rebis starrte das liebliche Gesicht der Sororita an. Sie schlief in friedlichem, tiefem Schlummer, der nicht einmal durch das wütende Feuer der Waffen um sie herum gestört wurde. Hinter ihm heulte Melbin einen Kriegsschrei und ließ den Schweren Bolter in seinem Händen Tod und Verderben speien. Ja, das passte. Die Lieblichkeit der Schwestern im Kontext zur Gnadenlosigkeit und Grausamkeit, mit der sie lebten. Oh ja, das passte wirklich. Wieso nur hatte Rahael die Sororitas gerettet? Verdammter Cadianer! »Ist sie tot?«, rief er, um den Gefechtslärm zu übertönen. Der junge Soldat schüttelte verstört den Kopf. Sie lebte also – lebte und würde wieder im Namen des Imperators Unschuldige ermorden. Und wegen diesem Miststück vergoss Rahael Tränen? »Was ist los mit dir?«, brüllte er. »Warum heulst du?« »Wie kann man einen Engel einfach sterben lassen?«, fragte Rahael weinend. Rebis schlug ihm ins Gesicht. »Sie ist kein Engel! Und sie ist nicht tot!« Aber vielleicht konnte man die Gefühle des Cadianers gegen ihn verwenden. Der Corporal lehnte sich vor und zog den blinzelnden und taumelnden Soldaten auf die Beine. »Hoch mit dir!«, fuhr er ihn an. »Wenn Sie leben soll, musst du kämpfen!« Rahael starrte ihn apathisch an, dann hob er sein Lasergewehr und gab die ersten Schüsse auf die angreifenden Orks ab. »Sehr gut!«, brüllte Rebis. »Machen wir sie fertig!« Jetzt müssten nur noch unsere Leute eintreffen, dachte er. Dann haben wir sogar eine Überlebenschance. Mit triumphierendem Knacken erwachte das Funkgerät zum Leben: »1208 Ignifier, 1208 Ignifier, hier 0072 Azrael – hören Sie mich? Kommen!« Für einen Moment blieb Rebis wie angewurzelt stehen, dann stürzte er an das Funkgerät. Seine vor Aufregung zitternden Hände umfassten das Mikrofon und pressten sich auf die Sprechtaste. »0072 Azrael, 0072 Azrael, hier 1208 Ignifier – wir hören Sie! Bitte kommen!« Wieder schallten aus den Lautsprechern des Funkgeräts für einige Zeit nur uninteressante Gefechtsmeldungen und Befehle, während sich das Feuergefecht um ihn herum intensivierte. Grouphan war gerade dabei, das Magazin seines Gewehrs zu wechseln und wurde dabei von Hougner und Rahael gedeckt. Gorak vor ihnen feuerte mit tödlicher Präzision auf die vorstürmenden Orks, von denen einer nach dem anderen inmitten der funkelnden Laserkaskaden fiel. Auf der anderen Seite stand Melbin allein und mähte gerade einen Trupp Grots mit dem Schweren Bolter nieder. Das Funkgerät rauschte wieder. »Guten Tag, Rebis. Wie ich höre leben Sie noch. Wie sieht es denn aus?« Der Corporal hätte vor Freude beinahe aufgelacht. »Colonel!«, rief er. »Es ist schön, Sie zu hören.« »Ja, ich freue mich auch jedes Mal. Also – wie sieht es bei Ihnen aus?« Rebis ließ seinen Blick noch einmal über die Kämpfenden schweifen und entdeckte, dass sich die Orks bereits auf wenige Meter an ihre improvisierte Stellung herangearbeitet hatten. »Es sind verdammt viele Grünhäute hier«, meldete er. »Ich weiß nicht, was sie von uns wollen, aber sie kommen sehr zahlreich.« Ekko auf der anderen Seite schwieg. Als er wieder zu sprechen begann, konnte man im Hintergrund das charakteristische, kreischende Jaulen der Turbojet-Triebwerke einer Walküre vernehmen. »In Ordnung. Wir machen uns jetzt auf den Weg. Halten Sie noch ein paar Minuten aus?« »Wir werden e...« Er hätte ihn beinahe nicht bemerkt. Der Ork hatte sich über die ungedeckte Frontseite der Walküre und das Dach heran gearbeitet und stand plötzlich über der Heckluke. Sein Schatten fiel auf die Erde und veranlasste Rebis, sich umzuwenden. »Im Namen …!« Eine Sekunde später befand sich der fast drei Meter hohe Ork bereits wild brüllend in der Luft und schwang eine Furcht erregende, mit verkrustetem Blut bedeckte Axt in seine Richtung. Der Corporal ließ sich nach hinten fallen uns rollte sich zur Seite weg. Der Ork landete bebend auf dem Boden. Seine breite Axt ging auf das Funkgerät nieder und hieb es funkensprühend in zwei. Urplötzlich verstummten das atmosphärische Rauschen und die gehetzten Funksprüche und wichen durchdringender Stille, die nur durch den Lärm der tobenden Schlacht um sie herum gefüllt wurde. Rebis versuchte, sich auf die Beine zu erheben, da hatte ihn der Ork bereits erreicht und packte ihn mit seiner riesigen, dreckigen Hand. Der Corporal spürte, wie er in die Luft gehoben wurde. Im nächsten Herzschlag sah er den Boden rasch näher kommen. Der Aufschlag traf ihn hart. Explosionsartig entwich sämtliche Luft aus seinen Lungen und er glaubte, alle seine Lungenbläschen müssten geplatzt sein. Der Ork beugte sich über ihn und brüllte ihn an. Rebis sah die verfaulten Zähne, roch den stinkenden Atem und spürte die fast erdrückende Luft, die den schmutzigen Körper des riesigen Xenos umwaberte. War das sein Ende? Würde er so in seinem Dienst für den Imperator sterben? Der Ork erhob die Axt und grunzte. Plötzlich war Melbins Arm hinter ihm. Der Ork brüllte auf, als er zurückgerissen wurde und erzitterte ob der Kraft, die ihn von den Füßen hob. Ein riesiger Arm schloss sich um seinen Hals. Ein hässliches Knacken ertönte, dann segelte der tote Leib in eine Grabenecke. »Danke«, keuchte Rebis. Melbin nickte und ließ den Bolter wieder sprechen. Er hatte viel zu sagen. *** Inzwischen hatte die Schlacht ihr blutiges Gesicht entfaltet. Wie von Ekko vermutet, gerieten die imperialen Truppen bei ihrem Ansturm ins Stocken, je weiter sie sich den orkischen Linien näherten. Plötzlich standen Panzer und Läufer ohne Deckung dar, als die Infanterie zurückfiel. Es war Irrsinn gewesen, die Männer über die gesamte Strecke laufen zu lassen – eine Sache, die Ekko beim Geben seiner Befehle nicht bedacht hatte, bis es zu spät gewesen war. Jetzt mussten die Männer ihre Kräfte erst wieder sammeln, um für den Ansturm gegen die Ork-Stellungen genügend Kraft und Energie zu haben. Inzwischen jedoch waren sie in Reichweite der Orkwaffen gelangt. Die ihnen entgegenstürmenden Grünhäute hatten bereits begonnen, auf sie zu schießen. Leuchtspuren und Laserstrahlen wechselten die Fronten, erste Soldaten sanken verletzt oder sterbend auf die zerstampfte Erde. Captain Retexer brüllte Befehle und trieb seinen Infanteriezug mit grimmiger Entschlossenheit vorwärts. »Tötet Sie!«, schrie er. »Macht sie nieder und tötet sie! Für Bastet! Für unsere Lieben! Für den Imperator!« Seine Laserpistole spie kohärentes Licht in die Luft. Die Männer um ihn herum brüllten Siegeshymnen oder Gebete und zeigten die Überschwänglichkeit von zum Sieg marschierenden Soldaten. Sentinel-Läufer und Höllenhund-Flammpanzer passierten sie links und rechts, füllten die Lücken zu den anderen vorrückenden Infanterietrupps. Laserkanonen zischten heulend in Richtung der voraus liegenden Orkstellungen, die von hunderten Granaten aus den mächtigen Geschützen der Basilisk-Artilleriepanzer zermalmt wurden. Walküre-Sturmtransporter kreischten über die Truppen hinweg und eröffneten das Feuer aus Multi-Lasern und Salvenraketenwerfern. Eine Mauer aus Staub, Rauch und Flammen hüllte die feindlichen Stellungen ein. Sergeant Kleit beobachtete seinen Vorgesetzten, der mit seiner Laserpistole in die Luft schoss, um die Männer anzutreiben und schüttelte ob der Energieverschwendung, unwillkürlich den Kopf. Was für ein Idiot, dachte er. Schießt sein Magazin noch vor dem ersten Feind leer. Er hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, als eine einsame Walküre im Tiefflug über die Bodentruppen hinweg kreischte und Kurs auf das rauchende Etwas nahm, das einmal der Sturmtransporter Ignifier gewesen war. *** Ekko betrachtete grimmig die behelmten cadianischen Grenadiere, die mit ihm und Gireth im Truppenraum der Walküre saßen und sich in ihren Sicherungsgurten auf den baldigen Kampf vorbereiteten. Die Gesichter, die unter den gepanzerten Dreischichthelmen mit dem charakteristischen Typ XI Atemgerät verborgen waren, sprachen kein Wort und der Colonel konnte sich vorstellen, dass sie sich nicht einmal regten. Das stetige Schaudern des Raumtransporters, das sich ab und an in heftiges Rütteln oder Sätzen ausmaß, Ekkos Magen in wilden Kapriolen umher tanzen ließ und grüne Farbe in das Gesicht von Gireth malte, schienen sie gar nicht mehr bewusst wahrzunehmen. Er kannte die Disziplin der Kasrkin, ihren unerschöpflichen Glauben an das Imperium und die Ehre Cadias. Er wusste, dass sie nicht oft sprachen und besonders bei den regulären Truppen gefürchtet waren. Nein, das stimmte nicht ganz. Kasrkin waren im gesamten Imperium gefürchtet, denn sie unterschieden sich nur unwesentlich von Gardisten. Und von Gardisten wusste man, dass sie die Elitetruppen der Elitetruppen der Imperialen Armee waren. Er hatte sie sich immer als miniaturisierte Space Marines vorgestellte, die in verdeckten Einsätzen ihre Plattenrüstungen durch die Abwasserrohre irgendeiner Makropole zwängten. Jetzt jedoch wusste er es besser. Die Kasrkin waren keinesfalls kleine, niedliche Space Marines. Man sollte sich wirklich vor ihnen in Acht nehmen. Ekko wollte nicht behaupten, dass er in ihrer Gegenwart Angst spürte. Es war vielmehr Respekt – großer Respekt. »Wir befinden uns jetzt im Anflug«, meldete der Pilot über Funk. Die Walküre neigte sich spürbar zur Seite. Endlich kam Bewegung in die Kasrkin. Die Männer lehnten sich vor und begannen, ihre Ausrüstung ein letztes Mal zu kontrollieren. Leises Pfeifen ertönte, als sie die Rückenergietornister ihrer Kantrael-Amp-7- Hochenergielasergewehre einschalteten. Vor ihnen krachten die Schweren Bolter, als die Bordschützen der Walküre ihre Munitionsgurte in die Waffen einführten. Auch Ekko machte sich bereit. Er zog die Laserpistole aus seinem Tiefziehholster und prüfte ihren Ladezustand, dann steckte er sie zurück und sah aus dem schmalen Sichtschlitz an der Seitentür. Unter ihnen zogen die Linien der vorrückenden imperialen Armee entlang wie die Linien eines vielfarbigen Flusses, erste Laserstrahlen zuckten als schmale, glitzernde Linien durch die Luft. Dichte Rauchwolken und Explosionsfontänen stiegen auf, bildeten die grausame Kulisse eines tödlichen Gemetzels. Vor wenigen Sekunden war der Funkkontakt zu Rebis plötzlich abgebrochen und der lähmenden Frage gewichen, was wohl passiert sein mochte. Ekko hoffte, dass er nicht Ohrenzeuge des Todes der Überlebenden von Ignifier geworden war. Die Walküre machte einen heftigen Satz, heulte auf und stürzte dann in die Tiefe. Durch den schmalen Sichtschlitz in der Tür konnte Ekko verfolgen, wie der Boden rasend schnell näher kam. In seinem Körper kämpften unterschiedliche Gefühle um die Vorherrschaft – Angst und Panik, Freude und Erwartung. Er schluckte. Wenn er ehrlich sein sollte, war auch das nicht gerade eine Art zu sterben, wie er sie sich wünschte … auch wenn sie passend gewesen wäre. Die Walküre fiel bis wenige Meter über dem Boden, dann schoss sie mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Ebene. Verschwommene Imperiale zogen unter ihnen durch, während sie weiter auf den Feind zu marschierten. Explosionen von Geschossen flammten auf und verschwanden nach Achtern, während aufgewirbelte Erde gleich einem schweren Regen auf die Außenpanzerung des Sturmtransporters prasselte. Glitzernde Strahlen von Leuchtspurgeschossen fegten an ihnen vorbei. Ab und zu hörte man ein metallenes ›Pling‹, wenn sich eines der Geschosse verirrte oder sein Ziel traf. Jetzt kam auch das nur als schwarzes Etwas sichtbare, leicht rauchende Wrack der abgestürzten Walküre in Sicht. Ekko schluckte abermals, als er sah, was noch in Sicht gekommen war. Eine grüne Flut schwappte den Imperialen entgegen. Tausende und abertausende von Orks stürmten aus ihren zerbombten Stellungen. Die mächtigen Explosionen von Tremorgeschossen in ihren Reihen schienen wie Steine, die man ins Wasser warf – vollkommen unbedeutend. Bald schon würden sie die Männer an am Wrack überrollt haben. Wenn es jetzt noch Komplikationen gab, waren die Männer nicht mehr zu retten. In diesem Moment krachte es laut. Die Walküre kippte zur Seite und schwenkte von ihrem Ziel ab. »Schweres Feuer von allen Seiten!«, tönte es im Funk. »Wir müssen einen anderen Weg versuchen!« Ein neuerliches Krachen und das metallene Scheppern von Schrapnellen auf Ceramit unterstrichen die Worte des Piloten. Gireth ließ einen Schrei ertönten und klammerte sich an eine der Statuen neben sich. Ekko aktivierte den Hörclip in seinem Ohr, indem er sich dagegen tippte. »Verstanden«, antwortete er. »Beeilen Sie sich.« Uns bleibt nicht mehr lange Zeit.
  7. Salve, Römische Legion, um 100 n.Chr. Legio XXI Rapax ist das. Alles Vale SMN
  8. 4 »Ausrichtung auf drei-eins-fünf – Zielmarkierung grün auf sechs-fünfhundert!«, tönte es aus dem Funkgerät. Leise heulten die einige hundert Meter entfernten Motoren der Basilisk-Lafetten, als sie sich nach den neuen Zielen ausrichteten. Das unnatürliche Geräusch jagte Major Carrick einen kühlen Schauer über den Rücken, während er dem gehetzten Funkverkehr im Kommandozelt lauschte. Die gewaltige Kriegsmaschinerie des Imperiums war angelaufen und bewegte sich nun gleich einer riesigen Woge Wassers auf den Gegner zu, um ihn unter tausenden von Stiefelsohlen zu zermalmen. »Wie sieht es aus?«, brummte die Stimme von Galard Ekko seelenruhig durch das Chaos. Sie war kaum zu vernehmen. Carrick wandte sich ihm zu, doch sein Bewusstsein befand sich noch immer irgendwo außerhalb des Kommandozelts. Das Brüllen der Artilleriebeobachter, die auf den Lafetten standen, klang als unverständliches Wirrwarr von außen ins Zelt. Für einen Moment schlug Carrick das Herz zum Hals, denn er wusste, dass die mächtigen Geschütze ihre Feuerkraft jetzt gleich zum Einsatz bringen würden – und derart viele Basilisken auf einmal beim Schießen aus derart großer Nähe – war für ihn eine Erfahrung, die er nie zuvor gemacht hatte. »Die Truppen …«, begann er, brach jedoch gleich darauf wieder ab, als durch das Funkgerät der Feuerbefehl ertönte. Das Krachen der Abschüsse drang von außen herein. Die Kommandozentrale erzitterte nicht, sie bebte wie bei einem Volltreffer. Zwei Gläser, die auf dem Tisch standen, sprangen in die Luft und zerbarsten, als sie auf den Boden schlugen. Sämtliche Anwesende hielten sich wie von einem Raubtier gebissen die Ohren zu. »Verdammt!«, bellte Ekko, als die Geschütze nachluden und sich die erste Artilleriesalve auf dem Weg befand, in Richtung der unsichtbaren Selbstfahrlafetten. »Warum müssen diese Angeber eigentlich zweihundertsechsunddreißig Basilisken gleichzeitig feuern lassen?« Dann zentrierte er seine Aufmerksamkeit zurück auf Carrick. »Also«, wiederholte er. »Wie sieht es aus?« Endlich kam der Major zu seiner Antwort. »Die Truppen der Cadianer haben mit dem Beschuss der feindlichen Stellungen angefangen. Ihre Infanterie hat sich in Bewegung gesetzt und folgt unserer. Bei den Borodianern und den Panzerzügen des Desposia herrscht immer noch Verwirrung vor, aber sie beginnen sich bereits zu sammeln.« Ekko nickte. »Sehr gut. Wir stoßen weiter frontal vor und werden versuchen, die Orks mit konzentrierter Feuerkraft aufzureiben.« »Verstanden, Sir.« Der Colonel nickte. Er warf einen Blick auf die holografischen Darstellungen des Daten-Globus und verfolgte, wie sich ein breiter Keil aus stilisierten Trupps des Imperiums über die Ebene bewegte, direkt auf die roten Linien des Feindes zu. Die Basilisken begannen wieder zu feuern, jetzt aber einzeln. Jede Sekunde schoss ein Geschütz. Man konnte die Disziplin der Cadianer nur bewundern. Sie hatten sich als erste von dem unerwarteten Vorstoß der Basteter erholt und ihre eigene Offensive begonnen, um den Anschluss an das angreifende Regiment nicht zu verlieren. Dem tobenden General Iglianus war nichts anderes übrig geblieben, als sämtlichen Truppen den Angriff zu befehlen. Tatsächlich hatte sich sogar ein taktischer Vorteil für die Imperiale Armee ergeben. Vollkommen überrascht von dem Angriff hatten sich einzelne Ork-Truppen aus ihren Stellungen erhoben und waren auf die Linien des Imperium zugestürmt, nur um unter den herandonnernden Artilleriesalven der Basilisken und Sturmangriffen der Walküren und Vendettas zerrissen zu werden. Ein Glück. Es hätte auch anders ausgehen können. Ekko wusste, dass dieser überstürzte Angriff nur seinem Wunsch, Lenhims Männer zu retten, entsprungen war. Es war nicht einmal sicher, dass überhaupt noch einer von ihnen lebte. Und dafür lastete jeder Tote, der ab jetzt zu beklagen sein würde, auf seinem Gewissen. Ein verdammt hoher Preis für ein unsicheres Unterfangen. Er seufzte. Wieso hatte ihm das Universum nur eine derartige Bürde auferlegt? Der Colonel fasste sich mit der Hand ans Kinn und rieb sich über die Barstoppeln. »Diese beschissene Galaxis sollte mich einfach vergessen, wie sie jeden Soldaten vergisst, der sein Leben für das Imperium gibt. Aber nein! Nein! Sie macht mich zum Colonel und dekoriert mich! Was ist das für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit?« »Colonel?«, fragte Carrick, der das Brummen seines Kommandeurs nicht verstanden hatte. Ekko warf einen beiläufigen, abwesenden Blick zu Carrick und entdeckte den neben ihm stehenden Ligrev. Der Kommissar hatte die Augen verengt und musterte ihn scharf. Er schien genau mitbekommen zu haben, was Ekko gemurmelt hatte. Verdammt seist du, Kolwa Ligrev. »Ich habe einige taktische Überlegungen angestellt«, sagte er etwas lauter und wandte sich wieder dem Daten-Globus zu, um zu verfolgen, wie die Truppen auf der durchschimmernden Darstellung der Oberfläche weiter vorrückten. Bis jetzt kamen sie gut voran und hatten noch keinen Feindkontakt gehabt – aber es waren noch fünf Kilometer über freies Gelände – und das im Laufschritt? Irgendwann würde der Vormarsch ins Stocken geraten und dann wären die Orks in der besseren Position für einen Gegenangriff. Was soll ein Soldat machen, der bereits erschöpft ist und dann noch kämpfen soll? Er kannte das Gefühl. Während seiner Zeit in den Basteter PVS-Regimentern hatte er einmal gegen Rebellen kämpfen müssen, die sich auf einem Berg eingegraben hatten. Unter seinen Männern war es damals zu einem Blutbad gekommen, als sie nach dem beschwerlichen Aufstieg zum Angriff durch einen anwesenden Kommissar-Oberst gezwungen wurden. Seine Gedanken wanderten kurz zurück zu den damaligen Tagen und erneute Wut über die Ungerechtigkeit des Universums stieg in ihm auf. Er schoss einen weiteren Blick zu Ligrev, der gerade zwei Stabsoffiziere mit seinen Aufgaben beschäftigte und schwor sich, Kolwa Ligrev, der arroganten Inkarnation einer für ihn längst obsoleten Organisation der Imperialen Armee, wann immer möglich, Widerstand zu leisten. Doch er erinnerte sich im gleichen Atemzug daran, dabei möglichst vorsichtig zu sein. Das letzte, was Galard Ekko wollte, war durch die Hand seiner eigenen Leute zu sterben, selbst verschuldet und als Häretiker oder Verräter abgestempelt. Das war nicht seine Vorstellung eines Todes, wie er ihn sich wünschte. »Colonel!«, meldete einer der Funker und drückte sich die Kopfhörer an die Ohren. »Wir haben Bewegung im Vorfeld bei der abgestürzten Walküre!« Ekko und Carrick sahen sich kurz an, dann stürmten sie aus dem Zelt, ließen den fluchenden Ligrev hinter sich zurück. Der Major nahm sich einen Feldstecher von einer Ablage am Eingang, der Colonel trat vor den Eingang und entwendete dort eines aus den Händen eines verdutzten Gefechtsbeobachters. »Wo?«, fragte er. Carrick ließ seinen Feldstecher an die Augen wandern und suchte das entfernte Vorfeld ab. Ein kurzer Blick auf die vorrückenden Truppen, dann ließ er seinen durch die elektronischen Lichtverstärker des Feldstechers schärferen Blick über das trostlose, zerstampfte Vorfeld wandern. Einen Moment später hatte er die Walküre entdeckt. Kaskaden aus kohärentem Licht flackerten auf, zuckten als lange Strahlen in Richtung angreifender Orks, während mächtige Erdfontänen rings um den zerschlagenen Sturmtransporter aufstiegen. Es dauerte einen Moment, bis er erkannte, dass dort nicht sinnlos umher geschossen wurde. Er musste den Feldstecher erst neu justieren, dann hatte er in mitten des wütenden Feuergefechts den mit Steppentarn gekleideten Mann entdeckt. »Da vorne«, sagte der Major. »Das ist einer von uns.« »Melbin«, murmelte Ekko neben ihm. »Das ist eindeutig Melbin.« Carrick nickte unmerklich. »Das stimmt. Aber was, beim heiligen Thron, schleppt er da – und wen zieht er hinter sich her?« Sie wussten es nicht, aber das war auch egal. Wichtig war zu wissen, dass Männer überlebt hatten. Damit war Ekkos Aktion nicht vollkommen umsonst gewesen. Rings um die Absturzstelle gingen Granaten nieder. Schwere Druckwellen schleuderten Erde und Gestein in gewaltigen Fontänen in die Luft und zerfetzten die angreifenden Orks zu Dutzenden. Melbin marschierte unberührt weiter, durch seine Last in die Knie gedrückt. Durch den Feldstecher konnten die Offiziere erkennen, wie sich Laserkaskaden durch die angreifenden Grünhäute schnitten. »Ich zähle vier, nein, fünf!«, rief Carrick aus. »Dann haben Sie eine ganze Armee zum Angriff geschickt, nur um höchstens sechs Männer zu retten«, ertönte eine leise Stimme neben ihnen. »Ich hoffe, Sie können mit den Verlusten leben.« Ekko nahm den Feldstecher von den Augen und wandte den Kopf. Ligrev war neben ihnen aufgetaucht. Vor seinem Gesicht ruhte ein Feldstecher, mit dem er das Umfeld der Walküre beobachtete, während er seine eigene Umgebung scheinbar ignorierte. In Wirklichkeit jedoch war der Kommissar äußerst aufmerksam. Ekko lächelte grimmig. »Das geht schon.« Und noch einmal seiest du verdammt, Kolwa Ligrev. »Sie nehmen das Umfeld des Wracks unter konzentrierten Beschuss«, bemerkte Carrick und veranlasste den Colonel, seine Aufmerksamkeit zurück auf die Walküre zu konzentrieren. Erdfontänen schossen in die Höhe, zerfetzten Orks und ließen ihre Körperteile als schmutzigen Regen auf die Erde zurückfallen. »Oh, der war knapp«, kommentierte der Major einen Einschlag, der die improvisierte Verteidigungsstellung in einem Staubregen zurückließ – leergefegt von jeglichem Leben. Es dauerte fast atemlose fünfzehn Sekunden gefühlter Ewigkeit, bis sich wieder Leben regte. Erneut flackerten die Laserkaskaden auf. Erschrocken stellten die Offiziere fest, dass sich jetzt, da die imperiale Armee nahte, hunderte von Orks aus ihren Stellungen erhoben. Und die abgestürzte Walküre lag direkt in ihrem Weg. »Thron von Terra, wir müssen etwas unternehmen«, murmelte Carrick. Ekko nickte. »In der Tat. Das müssen wir.« »Die Männer sind verloren!«, fuhr Ligrev ihn an, als er den Feldstecher von den Augen genommen hatte. »Die Feinde sind zu zahlreich!« Und hoffentlich schnell genug, dass sie Lenhim vor uns erreichen, setzte er in Gedanken hinzu. »Das werden wir sehen!«, bellte Ekko zurück und wirbelte herum, auf der Suche nach ... »Sie!«, schrie er einem Sergeant zu, der aus dem Turmluk einer vorbei rasselnden Chimäre auf die Schlacht sah. »Sofort stehen bleiben.« Der Sergeant, ein Cadianer, starrte den Colonel an und blieb einen Augenblick regungslos stehen, dann gab er den Befehl zum Halten. Abrupt stoppte der Schützenpanzer und gab so dem Basteter die Möglichkeit aufzuschließen. »Name?«, fragte er. »Gren Krood, Sir«, meldete der Unteroffizier. »Sergeant der dreiunddreißigsten Kasrkin.« »Kasrkin«, murmelte Ligrev entrüstet. Verdammt, dieser Ekko hatte viel zu viel Glück. Das unsichtbare Grinsen des Colonel konnte er förmlich spüren. »Sehr gut. Für den Verlauf der Operation unterstelle ich Sie meinem Kommando. Informieren Sie Ihren Vorgesetzten darüber, dass Sie an einer Sonderoperation des 512. Regiments Sera teilnehmen.« Für einen Augenblick schien der Sergeant zu überlegen, ob er gegen den Befehl protestieren sollte, dann entschied er sich jedoch anders. »Ja, verstanden«, antwortete er und verschwand im Luk. Einige Sekunden vergingen, dann öffneten sich die Hecktüren und zehn mit schweren Plattenrüstungen gepanzerte Soldaten traten an die vom Schießen der Basilisken erfüllte Luft. Sofort trat Sergeant Krood vor Ekko und meldete seinen Trupp. »Sergeant Gren Krood meldet den Fünften Trupp der dreiunddreißigsten Kasrkin zu Ihrer Verfügung. Wo brauchen Sie uns?«, erkundigte sich der Cadianer. Ekko warf einen Blick auf Ligrev und Carrick, die hinter ihm standen, bevor er mit einem unmerklichen Grinsen antwortete: »Sie werden mich begleiten – bei einer kleinen Operation.« »Sir, ich ...«, wollte Carrick in plötzlichem Verstehen protestieren, doch Ekko ließ ihn nicht ausreden. »Es geht um einen unserer Walküre-Sturmtransporter, die im Vorfeld gelandet ist. Die Besatzung und der Stoßtrupp, den der Transporter zur Front befördern sollte, haben sich dort als Vorposten eingeigelt und dirigieren das Artilleriefeuer von ihrer vorgeschobenen Position.« Er seufzte leise. »Leider haben diese Idioten sich dabei zu weit vor gewagt und sind damit ins Kreuzfeuer der vorrückenden Orks geraten. Damit sie nicht überrannt werden, will ich sie verstärken – und mich gleichzeitig selbst davon überzeugen, wie die Lage ist. Ich brauche dafür gute, kampffähige und -willige Männer, die mich unterstützen.« Der Sergeant warf einen Blick auf seine Soldaten. »Wir stehen hinter Ihnen, Sir.« Carrick und Ligrev sahen sich an. Der Major schüttelte grinsend den Kopf, der Kommissar versuchte gar nicht, seinen angewiderten Blick zu verbergen. Verdammt, Ekko verstand es, die Tatsachen umzudrehen, um jemanden für sich zu gewinnen. »Sehr gut!« Der Colonel fuhr herum und pfiff durch die Zähne. Es verging ein Moment, bis der Zelteingang zum Leben erwachte. Aus dem improvisierten Kommandozentrum tauchte einer der beiden Funker mit einem schweren Funkgerät auf dem Rücken auf. Auf seinem Helm prangte das Regimentsfunkerzeichen. Soldat Gireth war ursprünglich der dienstjüngste Regimentsfunker des 512. gewesen und bei Neustrukturierung des Regiments zu Ekkos ›persönlichem‹ Funker geworden. Er hatte eine stark gebräunte Haut, wie sie für die Bewohner der sandigen Äquatorebenen Bastets typisch war und durchdringende, braune Augen. Ekko nickte ihm zu und nahm das Mikrofon, das ihm von dem Soldaten entgegengehalten wurde. »1208 Ignifier, 1208 Ignifier, hier 0072 Azrael – hören Sie mich? Kommen!« Er unterbrach sich, fuhr herum und adressierte Carrick. »Major, Sie besorgen uns eine Walküre.« Der Major nickte und verschwand im Kommandozelt. Jeder Appell an die Vernunft wäre zwecklos gewesen.
  9. *** Rahael schluckte schwer und wischte sich die Tränen fort, als er erkannte, dass er nur noch würgte, sein Körper aber keinen Inhalt mehr freizugeben hatte. Vorsichtig kroch er an seinem Auswurf vorbei und bemühte sich, nicht zu dicht an die von Wolken schwarzer Flug-Insekten bedeckten Leichen zu kommen. Einige der Insekten hatten bereits die frische Nahrung entdeckt und lösten sich in Trauben von den Toten, um über das Gemisch aus Magensäure und halb verdauten Nahrungsmitteln herzufallen. Langsam robbte er weiter auf der Suche nach einer geeigneten Deckung. Er seufzte leise und schluckte noch einmal, um den lästigen Geschmack nach Säure aus seinem Mund zu bekommen. Dann spie er aus und entdeckte dabei die Mulde, die direkt vor den zermalmten Sensoren am Bug des Sturmtransporters entstanden war. Das konnte man durchaus als günstige Deckung bezeichnen. Mit hastigen Bewegungen, in der Hoffnung aus dem Gestank um sich zu gelangen, glitt er an der Flanke des Wracks entlang und rollte sich in die Mulde. Sie war nicht halb so hoch, wie er gehofft hatte und bot ebenfalls zu wenig Platz, um zwei oder mehr Männer aufzunehmen. Wer hier kämpfte, würde allein sein und wäre außerdem nur leicht geschützt. Fast enttäuscht sah er sich um in der Hoffnung, etwas zu entdecken, das als bessere Deckung ... Etwas fiel ihm ins Auge. Zuerst wusste er nicht, was es war. Doch dann, als er den Blick noch mal in diese Richtung lenkte, richtete er sich sofort auf einen der am Boden liegenden Körper. Er wäre ihm vermutlich nicht einmal aufgefallen, wenn nicht die Insekten einen großen Bogen darum gemacht hätten, als wenn sie verabscheuten, was sich darin befand – oder es nicht bemerkten. Dazu kam noch die merkwürdige, rötlich-weiße Färbung des ungewöhnlichen Körpers. »Was ist denn das?«, fragte er sich. Er wusste nicht, warum, aber er wollte unbedingt untersuchen, was er da entdeckt hatte. Seinen Auftrag hatte er vollkommen vergessen. Mit energischer Kraft, den unmenschlichen Gestank um sich vergessend, wuchtete er sich aus der Deckung und robbte an zerfetzten Toten vorbei auf den ungewöhnlichen Körper, offensichtlich ein Schutzpanzer oder etwas ähnlich massives, zu. Was mochte das sein – und vor allem, von wem? Er musste es herausfinden – er musste! Angewidert verzog er das Gesicht, als er in etwas Weiches fasste. Er hielt inne und sah an sich herunter. Sein Blick offenbarte, dass er unvorsichtiger Weise direkt in den aufgesprengten Magen eines Orks gegriffen hatte. Seltsam grünes, widerlich stinkendes Zeug tropfte von seiner Hand, als er diese zurückzog und er musste ein neuerliches Würgen unterdrücken. Schnell wischte er seine Hand an einem Kleidungsfetzen des Orks ab, welcher nicht anders als der Mageninhalt roch, und kroch weiter. Als er näher kam, konnte er deutlichere Formen zu erkennen Es musste der Körperpanzer einer Frau sein. Die Linien verliefen viel enger und weicher als die der wuchtigen Rüstungen, die von der Imperialen Armee oder dem Adeptus Astartes verwendet wurden. Außerdem passte das hellblonde Haar kaum zu den gewaltigen, genmanipulierten Superkriegern, von denen er immer wieder gehört hatte. Und zu guter Letzt war die Servorüstung sehr viel kleiner als ihre mächtigen Pendants. Es war zwar nicht viel von der Figur der Trägerin zu erkennen, aber sie schien dennoch gut proportioniert zu sein. Erst glaubte er, sie habe sich im Blut der Toten gewälzt, doch dann ging ihm auf, dass ihr Körperpanzer eine blutrote Farbe besaß. Der weißliche Waffenrock, gleich einem Epitrachelion der Ekklesiarchie, lag auf der blutdurchtränkten Erde und hatte bereits einen leichten rötlichen Farbton angenommen. Ein Frau, dachte er. Eine Kriegerin in einem blutroten Panzeranzug. Er hatte bereits Kriegerinnen gesehen, besonders die Frauen Cadias waren geübt im Umgang mit Waffen, doch eine hier zu finden, mitten auf dem Schlachtfeld, das war eine vollkommen andere Erfahrung. In der Imperialen Armee gab es seines Wissens nicht viele Regimenter mit dienenden Frauen. Ihnen waren spezielle Eliteeinheiten der Ekklesiarchie vorbehalten. Wie würde sie wohl aussehen? Ähnlich geschunden wie Rebis oder Carrick, die vom Dutzenden von Schlachten gezeichnet waren? Welche Narben mochten ihr Gesicht wohl zieren? Vielleicht sah er gleich in das Gesicht einer blutdurstigen Vollstreckerin. Ein leichter Schauer zog über seinen Rücken. »Im Namen des Imperators!«, flüsterte er und kämmte die Haare der Bewusstlosen zur Seite. Sein Herz begann wilder zu schlagen, als er die Hand nach ihr ausstreckte und ihren Kopf zur Seite drehte, um sie besser sehen zu können. Ein fast noch kindliches, schmales Gesicht mit den zarten, ebenmäßigen Zügen der Perfektion kam zum Vorschein. Erschrocken wich er zurück. Die Frau schien beinahe noch ein Mädchen zu sein mit heller, makelloser Haut. Hohe, fast majestätische Wagenknochen und ein schmaler, sinnlicher Mund mit eisfarbenen Lippen verliehen ihr selbst im Schlaf eine geradezu kühle, strenge Schönheit Wie ein mit Schnee bedecktes Feld im Winter: Gleichzeitig kalt und abweisend – aber auch auf eine magische, gerade zu überirdische Weise wunderschön. Es sah aus, als wäre einer der Engel gefallen, von denen er in der Schola immer so viel gehört hatte. Die, welche vom Imperator aufs Schlachtfeld entsandt wurden, um die Sterbenden zu sich zu holen. Im Gegensatz zu allen anderen Toten war dieser Körper nicht verletzt, jedenfalls konnte er keine Verletzungen erkennen. Der sinnliche Mund mit den zarten, eisfarbenen Lippen war zu einem leichten Lächeln verzogen, so als hätte sie Spaß an dem gehabt, was hier geschehen war. Ihr Ausdruck war so friedlich, dass man hätte glauben können, sie würde nur schlafen. Tränen verschleierten Rahaels Blickfeld. Der beißende Gestank kehrte zurück. Er war so mit sich selbst beschäftigt, dass er die Rufe Corporal Rebis nicht hörte, die über das zerstampfte Feld aus Toten hallten und ihm wüste Verwünschungen entgegen schleuderten, bevor sich der Riese Melbin über die Grabenwand wuchtete und mit unerwarteter Agilität zu ihm aufschloss. Er hasste das Universum. Er hasste das Imperium. Er hasste den Imperator. Er hasste Agos Virgil. Er wollte einfach hier weg. Was war das für eine Galaxis, in der Engel auf dem Schlachtfeld starben? Nur das Chaos war so grausam, jeden seiner Diener in den Krieg gegen das restliche Universum zu schicken. Der Imperator hätte es doch nie zugelassen, dass einer seiner Engel durch Feindes Hand den Tod fand … oder doch? »Was ist los mit dir?«, fragte Melbin den regungslosen, weinenden Mann neben sich, als er ihn erreichte. Rahael antwortete dem älteren Cadianer nicht. Stattdessen starrte er nach wie vor apathisch auf den bewusstlosen Engel in ihrer blutfarbenen Rüstung, von der das mit Blut beschmutzte Epitrachelion und die papyrusweißen Gebetsschriften wie tote Lianen herab hingen. Als er keine Antwort erhielt, zog sich Melbin ein Stück vor, um selbst einen Blick auf das zu erhaschen, was den jüngeren Soldaten so sehr fesselte und zugleich bestürzte. »Eine Schwester«, murmelte er überrascht und versuchte, ihr Gesicht etwas zu drehen, um sie selbst besser betrachten zu können. Auch er zuckte ob der ebenmäßigen Schönheit der jungen Frau kurz zurück, als wage er es nicht, sie anzufassen, dann jedoch fing er sich wieder. Er wandte sich um und vollführte eine kurze, vertikale Winkbewegung mit der linken Hand. Gorak und Rebis sahen sich an. Hatten Rahael und Melbin etwas Interessantes entdeckt? Keiner der Soldaten bemerkte, wie sich die Linien ihrer Armee hinter ihnen immer weiter in ihre Richtung verschoben. Alle hatten nur Augen für die Linien der Orks und ihre Kameraden, die mitten auf dem Feld zerfetzter Leichen lagen, gut sichtbar für alle Gegner und damit wie auf dem Präsentierteller. In diesem Augenblick krachte es laut. Die in der Deckung befindlichen Männer fuhren herum. Über den eigenen Linien stiegen orangerote Feuerblitze auf. Dünne Rauchspuren zogen in Richtung der fernen Wolken davon. Eine ganze Salve von ihnen erhob sich in die Luft. Er war unverkennbar: Der imperiale Angriff hatte begonnen! »Verdammt!«, murmelte Rebis. Er wirbelte herum und schrie in Richtung der beiden auf dem Feld Liegenden: »Ihr blöden Idioten! Sie beginnen zu schießen! Kommt sofort zurück!« Ferner Geschützdonner hallte über die Ebenen und unterstrich seine Worte auf grausame Weise. Im Vorfeld wandte sich Melbin um und murmelte eine häretische Verwünschung, als er die Spuren der in den Himmel rauschenden Granaten entdeckte. Wie viele Salven mochten wohl bereits unterwegs sein? »Los, komm!«, sagte er eindringlich zu Rahael, um ihn vom Anblick der Frau loszureißen. »Wir müssen zurück!« »Bitte«, flehte der junge Cadianer, als er durch die Worte des älteren Soldaten von ihr losgerissen wurde. »Wir dürfen sie nicht zurücklassen.« »Wir müssen.« »Nein!« Rahaels Stimme war fest. »Ich werde nicht ohne sie gehen.« Einige Sekunden lang lagen sie sich gegenüber und maßen einander die Blicke. Schließlich, nach einigen Herzschlägen mehr, gab Rahael nach und sah weg. »Ich ahne schon, dass mich das in des Chaos Küche bringen wird«, brummte Melbin, erhob sich seufzend auf die Knie und ignorierte die wütenden Schreie Corporal Rebis, er solle gefälligst wieder in Deckung gehen. In diesem Augenblick versank die Welt um sie herum in Krach, Hitze und Staub. Die Einschläge – gefühlte fünfzig – langen verdammt dicht bei ihnen. Erde, Splitter und zerfetztes organisches Material regneten auf sie herab. Als sich der Vorhang aus aufgewirbeltem Dreck lichtete, entdeckte Melbin etwas, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ: Die Orks kamen! Es waren Grots – eine verdammt große Schar Grots. Unirdische Geräusche hallten über die zerschlagene Ebene. »Rahael!«, schrie Melbin und schob seine massige Arme unter die Panzerung der Frau, um sie mit sich zu ziehen. Der junge Cadianer starrte ihn panisch an und begann, sich verwirrt um die eigene Achse zu drehen, wie ein Roboter, dessen widersprüchliche Eingaben sein Programm vollkommen durcheinander werfen. »Schieß, verdammt noch mal, schieß!«, schrie Melbin wieder und setzte sich in Bewegung. Endlich reagierte Rahael. Er erhob sich auf ein Knie und begann, mit seinem Lasergewehr zielgenau Feuerstöße abzugeben. »Grouphan! Hougner!«, gellte Rebis durchdringende Stimme über das Feld. »Sofort hier …« Der Rest ging im Krachen von Explosionen unter. Wieder versank die Welt in Staub, der in Massen auf sie herab regnete. In ihren Ohren rangen Pfeiftöne um die Vorherrschaft mit den fernen Schreien des Corporals. Als er, halb betäubt durch Druckwellen und Explosionsdonner, etwa ein Viertel des Weges zurückgelegt hatte, fiel Melbin auf, dass Rahael ihm nicht folgte. Wie festgewurzelt kniete er noch immer an der Stelle, an der er das Feuer eröffnet hatte und schoss nach wie vor auf die angreifenden Orks. Wenn er noch länger hier blieb, dann würde er sterben. Seufzend ließ Melbin die gepanzerte Frau zu Boden sinken und fasste sie neu, um sie sich auf seinen breiten Rücken zu hieven, dann kämpfte er sich zurück und griff Rahael am Kragen seines Kampfanzugs. Als er sich sicher war, dass er seinen Truppkameraden fest gepackt hatte, machte er sich auf den Rückweg zu der schützenden Deckung, in der die anderen auf ihn warteten. Heftiges Laserfeuer flammte von dort auf und deckte den wuchtigen Cadianer, der die bewusstlose Kriegerin in ihrer schweren Panzerrüstung trug und den wild um sich schießenden und schreienden Rahael hinter sich her zog. Dann traf die nächste Salve der Basilisken – und zerfetzte die angreifenden Grots, als hätten sie nie existiert. Melbin schickte dem Imperator ein kurzes Dankesgebet – als er entdeckte, wie viele Orks sich plötzlich aus ihren Deckungen erhoben und auf sie zu stürmten, hätte er es fast in eine Verwünschung umgewandelt.
  10. 3 Nach einer unendlichen Ewigkeit, die er vor sich hingedämmert war, erkämpfte sein Bewusstsein die Kontrolle über seinen Körper zurück und zog ihn wieder in die reale Welt. Lenhim brüllte erst vor Schmerzen auf, schaffte es dann aber, sich umzudrehen und seinen Kopf ein Stück aufzurichten. Wenige hundert Meter von ihm entfernt steckte das zerstörte, rauchende Wrack der Walküre tief in der von ihr aufgeschlitzten Erde. Der tote Transporter ragte auf wie ein Urzeitmonster, das von seinen Feinden gefällt und ausgeweidet worden war. Lenhim stockte der Atem. Nicht, weil das Bild besonderen Eindruck auf ihn gemacht hätte. Er hatte bereits hunderte zerstörte Panzer, Läufer und Transporter gesehen, sodass er keine besondere Trauer oder ein Verlustgefühl spürte, wenn er sah, wie Technologie, die ihm gedient hatte, zerstört wurde. Vielmehr bäumte sich sein Innerstes auf, als es verstand, wie qualvoll die Verletzungen wirklich waren. Der Sergeant krümmte sich zusammen, schrie erneut unterdrückt und ergab sich dann für kurze Zeit dem Verlangen seines Körpers, einfach liegen zu bleiben und vor sich hin zu siechen. Dann allerdings erfasste ihn ein unerklärliches Triumphgefühl – die Erinnerung an die Wort Galard Ekkos: Wer verletzt ist, ist nicht verloren! Wer getötet wird, wird nie vergessen! Noch war Baldrian Lenhim nicht tot – und auch, wenn die Schmerzen ihn zu übermannen drohten – seine Verletzungen konnten nur oberflächlich sein. Alles andere hätte er sicherlich nicht so stark gespürt, geschweige denn sich trotzdem so verhältnismäßig gut bewegen können. Es gab also noch Hoffnung! Wenn er es in die Deckung des vernichteten Sturmtransporters schaffte, dann hatte er sogar noch genügend Schutz, um vielleicht unbeschadet lange genug zu überleben, damit ihn das Regiment finden und retten würde. Bei dem Versuch, sich vom Anblick der gemordeten Walküre abzubringen, entdeckte Lenhim etwas, das ihm zum ersten Mal seit seiner Bewusstlosigkeit den Atem nicht vor Schmerzen, sondern vor Überraschung stocken ließ. Nur zehn oder zwanzig Meter entfernt lag ein weiterer, lebloser Körper auf der Erde. Lenhim kniff die Augen zusammen, als er die dunklen Haare erkannte, die vom in seine Richtung gewandten Kopf abstanden. Es war sein Corporal. Der verbeulte Helm des Mannes schien ihm vom Kopf gerissen und weiter gerollt zu sein, denn er befand sich außer Sichtweite. Ob er dem Träger dennoch Schutz vor schweren Verletzungen geboten hatte, konnte Lenhim von da, wo er lag, nicht sagen. »Marek!«, rief der Sergeant und raffte sich mühsam auf. Sein geschundener Körper wehrte sich gegen die Bewegung, brannte wie Feuer und ließ ihn im Schmerz zusammenzucken. Für eine weitere Minute spürte er die Welt verschwimmen, in grauen Nebel übergehen und rang mit sich um die Frage, ob er aufschreien sollte oder nicht. Tränen liefen aus seinen hellgrünen Augen über seine Wangen. Am liebsten hätte er sich wieder auf den Boden sinken lassen und wäre liegen geblieben. Schließlich jedoch gewannen Stolz und Ausbildung die Oberhand und kämpften den Drang nieder, sich den Verletzungen zu ergeben. Lenhim richtete sich auf, biss die Zähne zusammen und kroch mehr, als dass er ging, zu seinem Corporal, der nach wie vor reglos auf dem Boden lag. Seufzend ließ er sich neben dem Mann auf den Boden sinken und atmete tief durch. Seine Arme fühlten sich taub an und eine unerwartete Müdigkeit erfasste ihn. Gerade jetzt! Gerade jetzt verließen ihn seine Kräfte und zwangen ihn, sich nicht mehr zu bewegen. Für einen Moment focht er einen Kampf gegen die Dunkelheit, die in ihm aufwallte und zwang sich, wach zu bleiben. Dann richtete er sich schmerzerfüllt in einem brutalen Akt auf und befahl seinen halb betäubten, kribbelnden Händen, nach Rebis Halsschlagader zu suchen. Er versuchte, den Puls des Corporals zu erfühlen, doch sein Herz und sein gesamter Körper pochten selbst so laut, dass es ihm unmöglich gewesen wäre, irgendetwas zu fühlen. Er versuchte es, nachdem er einige Sekunden gewartet hatte, erneut. Doch sein Körper pochte nur umso stärker, sodass er es jetzt erst recht nicht mehr schaffte. »Tut mir leid, Marek«, flüsterte er. »Ich kann es nicht.« Mutlos ließ er sich wieder auf den Boden sinken und nach hinten fallen. Ein Blitz aus Schmerzen schlug durch seinen Körper. Lenhim zuckte zusammen und begann, unkontrolliert zu zittern. Er hatte das Gefühl, als würde sein gesamter Körper bis auf die Knochen mit Messern durchbohrt, während er gleichzeitig brannte. Wenn er doch nur eine San-Tasche mit Schmerzmitteln finden könnte! Zuerst bemerkte er es nicht, weil es noch zu leise, zu zaghaft war. Dann jedoch floss es in sein Bewusstsein wie ein Rinnsal, das sich den Weg durch seine Gehirnwindungen bahnte: Ein eigenartiges, kratzendes Geräusch ertönte aus der Walküre. Adrenalin schoss durch Lenhims Körper und alarmierte alle seine Muskeln, ihre sämtlichen Reserven zu mobilisieren. Schmerzen und Müdigkeit verschwanden und die Taubheit wich einem überschwänglichen Gefühl … freudiger Erwartung. Die Orks hatten bestimmt die Absturzstelle erreicht und suchten nun nach etwas essbarem oder etwas, das sie anderweitig verwerten konnten. Das Kratzen wurde schärfer und schwerer, glich dem Knurren eines metallenen Raubtiers. Ob es sich ihm näherte? Er konnte es nicht genau sagen, aber das war wohl auch egal. Spätestens, wenn einer der Orks aus dem zerstörten Sturmtransporter hervorlugte, war sein Leben verwirkt – und er konnte sich nicht dagegen wehren. Unter großer Anstrengung versuchte Lenhim, seine Laserpistole aus dem Halfter zu ziehen. Langsam, viel zu langsam, reagierte sein Körper. Das Adrenalin dämpfte wenigstens die Schmerzen, dass er in der Lage war, die Waffe mit seinen lädierten Armen und Händen überhaupt zu halten. Als er die Pistole endlich gezogen hatte, war über der zerschmetterten Seitentür jemand aufgetaucht. Zitternd hob er die Waffe und krümmte seinen Finger um den Abzug. Für einige Herzschläge hielt er die Pistole fest in seinen Händen, dann begannen sie, sich so stark zu verkrampfen, dass er sie wieder senken musste. Kurz darauf hatte ihn die Gestalt entdeckt. Als Lenhim die Waffe wieder auf die sich regende Gestalt heben wollte, hielt er inne. Er kannte die schemenhaften Formen und Farben. Das war kein Ork! Es war der vor seinen Augen verschwimmende Steppentarn von Soldat Rahael. Mit einem Mal verflüchtigte sich sämtliches Adrenalin aus seinem Körper und wich Erschöpfung. Er wusste, er hätte die Pistole niemals lange genug halten können, wenn ihm jetzt ein Feind gegenüber gestanden hätte. Erleichterung erfasste Rahaels Stimme. »Sarge!«, rief er aus und wuchtete sich aus dem Wrack des Sturmtransporters. Die schweren Schritte seiner Kampfstiefel verhallten irgendwo in den Tiefen von Lenhims Geist. Für einen Moment dämmerte der Basteter vor sich, bevor ihn eine Bewegung neben sich zurück in die Realität holte. Es war Rahael. »Gorak, Melbin!«, rief er. »Der Sergeant lebt!« Ein kurzer Moment erfüllt von Stille folgte, dann rief er abermals: »Und der Corporal auch!« Lenhim grunzte, als er versuchte, sich aufzurichten. »Machen Sie … eine Meldung!«, verlangte er mit schmerzverzerrtem Gesicht. Irgendwer rief etwas Unverständliches. Sofort war Rahael neben ihm. »Nicht bewegen, Sarge«, sagte er fast flehentlich. Mit aller Kraft stemmt sich Lenhim gegen die Hände, die ihn zurück drücken wollten, bis er schließlich erkannte, dass er ihnen in seinem Zustand nichts entgegenzusetzen vermochte. Erst, als er sich hatte zurück sinken lassen, begann der Cadianer mit seinen Ausführungen. »Wir sind abgestürzt«, meldete er unnötigerweise. »Wo?«, hustete der Sergeant. Sein Mund schmeckte metallen. »Irgendwo zwischen unseren und feindlichen Linien, Sarge.« Wieder bemühte sich Lenhim, in eine aufrechte Position zu gelangen. Wieder wurde er zurück auf den Boden gedrückt. »Hören Sie auf, mich Sarge zu nennen, Rahael«, murmelte er mehr als dass er sprach. »Wer hat überlebt?« »Sie, Gorak und Melbin, Grouphan und Hougner und Corporal Rebis – mit mir sind wir dann sieben, Sir.« »Und der Rest?« »Die Piloten waren nicht zu retten, Sir. Sie und Donja sind beim Absturz umgekommen.« Lenhims Blick trübte sich. »Das ist traurig«, hörte er sich sagen, doch er meinte es nicht. Es gab keine Worte, die beschrieben hätten, welchen Verlust er spürte, als er durch seine von Schmerz vernebelten Gedanken erkannte, dass die beiden Männer, die er von Anfang an gekannt hatte, hier innerhalb nur weniger Minuten getötet worden waren. Die Piloten konnten ihm egal sein. »Rahael, ich kann mich kaum bewegen«, sagte er schließlich, um sich von dem Gedanken abzubringen, vielleicht als letzter des Trios hier auf den Ebenen von Agos Virgil zu sterben. »Sie müssen für mich Auge und Ohr sein. Sagen Sie mir, was um uns herum ist.« Der junge Cadianer nickte, als auch schon zwei weitere Gestalten ins Blickfeld des Sergeants kamen. Er konnte sie durch seine verschleierten Augen nicht erkennen. Ihre Stimmen jedoch hörte er recht gut. Es waren Gorak und Melbin. Irgendetwas packte ihn und hob ihn vom Boden. Sein Körper verbrannte. Er bekam noch mit, wie er irgendetwas Schmerzerfülltes stöhnte und Goraks leise, beruhigende Stimme darauf antwortete, die Worte jedoch verstand er nicht mehr. Dann versank die Welt in Schwärze. Zum zweiten Mal an diesem Tag fiel er in eine tiefe Bewusstlosigkeit. *** Inzwischen hatte Rahael getan, wie ihm vom Sergeant aufgetragen worden war. Der Schock des Absturzes steckte ihm noch in den Gliedern und ließ ihn in unregelmäßigen Abständen vor Zittern straucheln, doch er kämpfte sich wieder hoch und setzte seinen Weg fort. Außer dem Sergeant, Rebis, Gorak und Melbis hatten Grouphan und Hougner überlebt – also sichtbar überlebt, auch wenn zwei von ihnen, nämlich der Sarge und Rebis, wohl kaum als kampfbereit hätten bezeichnet werden können. Und jetzt hatte er einen Auftrag auszuführen: Die Augen und Ohren des Sergeants sein! Thron von Terra, das war eine wichtige Aufgabe! Im Augenblick konnte man sie als tote Männer betrachten, denn so weit, wie sie vor den eigenen Linien lagen, würden die Orks sie im Zweifelsfall wohl eher erreichen als die imperialen Truppen. Es galt, schnell eine effektive Verteidigung aufzubauen, damit ihnen eine Überlebenschance blieb, bis irgendwann Rettungstruppen eintrafen. Aber wie lange mochte das wohl noch dauern? Er wusste, was für ein Versprechen der Colonel allen seinen Männern gab – doch würde er es halten können? In seiner Ausbildung und während seines Lebens hatte Rahael in harten Lektionen lernen müssen, dass er den Versprechungen anderer nur so weit trauen konnte, wie es die Situation zuließ. Und die Situation ließ eigentlich keine Rettung von Seiten des Imperiums zu. Sie waren auf sich allein gestellt. Also wurde es zwingend notwendig, die Umgebung nach geeigneten Deckungsmöglichkeiten abzusuchen, denn ein großes Problem hatten sie: Die Walküre war in Richtung der Orks abgestürzt – also verdeckte sie sowohl die Sicht auf den Feind als auch jede Möglichkeit, ihn ordentlich zu bekämpfen. Dazu hätten sie sich aus der Deckung begeben müssen – und das wäre einem Todesurteil gleichgekommen. Aber vielleicht konnten sie sich an den Seiten des von der Walküre geschaffenen Grabens positionieren und von dort aus die Orks in alle Richtungen bekämpfen. Einen Blick war es auf jeden Fall wert. Er schob sich so vorsichtig so weit wie möglich zwischen Rumpf und Grabenwand entlang, versuchte zu ergründen, wie viel Platz ihnen im Falle eines feindlichen Angriffs für die Verteidigung blieb. Es war nicht viel. Vielleicht hatte er an der Front mehr Platz, um dort vielleicht einen der schweren Bolter aus dem Innenraum des Sturmtransporters aufzustellen. In seinem Kopf gestaltete sich bereits ein Plan, als er sich mit einem Fuß von der Walküre abstieß und sich auf die Erde wuchtete. Vorsichtig, mit eng an den Boden gepresstem Körper, robbte er an der Seitenwand des gemordeten Sturmtransports entlang, um ja niemanden auf sich aufmerksam zu machen. Man konnte nie wissen, wann sich plötzlich eine Grünhaut aus einem Krater erhob und sich vor Wut brüllend auf einen warf. Blieb nur zu hoffen, dass er vor dem Transporter eine gute Deckung fand, um sich einen besseren und längeren Überblick über das Gelände verschaffen zu können. Er umrundete gerade die Walküre, als ihn der Anblick erstarren ließ. Für einen Augenblick glaubte er, einem stinkenden Feld aus biologischem Abfall gegenüber zu liegen, das durch Artilleriebeschuss zerfetzt worden war, doch schnell merkte er, dass dem nicht so war. Er würgte und versuchte, seine Übelkeit nieder zu kämpfen. Sie waren genau am Rand eines Leichenfeldes herunter gekommen. Keine zwei Meter trennten ihn vom ersten zerfledderten Leib eines Toten. Die Toten trugen die nachtschwarzen Uniformen der ehemaligen Planetaren Verteidigungsstreitkräfte von Agos Virgil. Viele tote Orks – mehr als zehn Mal so viele wie Menschen – säumten ebenfalls das Feld. Dies musste die Schlacht gewesen sein, die nur wenige Stunden vor dem Eintreffen der ersten Imperialen Truppen hier stattgefunden haben sollte. Der Sergeant hatte so etwas in der Art erwähnt: Agos Virgils Planetare Verteidigungsstreitkräfte hatte, mit Hilfe unterbesetzter imperialer Streitkräfte, die Orks mehr als zwei Wochen lang aufgehalten und war schließlich unterlegen. Diese kalte Beschreibung strafte der Szenerie Lügen. Er fühlte sich, als würde er Inseln in mitten der grünen See betrachten – und über allem schwebte dieser unerträgliche Gestank der Verwesung. Rahael hielt es nicht mehr aus – er erbrach sich direkt auf die blutgetränkte Erde. *** Währenddessen hatten Gorak und Melbin den verletzten und bewusstlosen Lenhim in die sie weit überragende Deckung des Walküren-Rumpfs geschleppt und brachten nun mit sichtlicher Mühe den bewusstlosen Corporal Rebis ebenfalls dorthin. »Thron von Terra – der Corporal wird allmählich schwer«, brummte Gorak. »Er sollte wirklich mehr Sport machen und weniger essen.« »Noch weniger essen? Und noch mehr Sport?«, warf der muskulöse Melbin ein. »Was willst du? Seinen Posten?« Auch die anderen beiden Überlebenden des Trupps, Grouphan und Hougner, hatten sich von ihrem Schock erholt und Ausrüstung aus dem abgestürzten Sturmtransporter geborgen. Sichtlich erschöpft und verstört versuchten sie nun, ein Funkgerät in Betrieb zu nehmen. Das Gerät jedoch weigerte sich beharrlich, die Bemühungen der beiden jungen Soldaten zu belohnen und blieb stumm. Während Hougner den Tornister immer wieder drehte und ihn auf Beschädigungen kontrollierte, griff sich Grouphan in unregelmäßigen Abständen an die Ohren, bohrte darin oder schlug dagegen, als versuche er, sie von irgendwelchem Schmutz oder Matsch zu befreien, der sich darin festgesetzt hatte. Nichts Ungewöhnliches für jemanden, der einen Absturz durchmachen musste. Die älteren Soldaten mutmaßten, dass er entweder eine Art Hörsturz oder einen Tinitus vom Lärm oder der nervlichen Belastung davongetragen haben musste. Gorak und Melbin nickten einander stumm zu und entschlossen sich, den beiden jüngeren zu helfen. Während Melbin damit fortfuhr, in die Walküre zu klettern und weitere Ausrüstungsgegenstände zu bergen, ging Gorak zu Hougner und Grouphan und ließ sich bei ihnen auf die Knie sinken. Er klopfte den beiden Fluchenden auf die Schultern und lächelte sie an. »Beruhigt Euch. Es bringt nichts, wenn Ihr kopflos auf das Ding einhämmert.« Grouphan sah ihn verzweifelt an. »Aber wie sollen wir es dann in Betrieb nehmen?« Schulterzuckend deutete der ältere Soldat auf die erloschenen Runen, die den Betriebsstatus des Funk-Tornisters anzeigten. »Es hilft ungemein, wenn man es einschaltet.« Mit an Panik grenzender Erleichterung griff Hougner an den Energieregler und schaltete ihn ein. Einen kurzen Augenblick lang gab das Gerät nichts außer Rauschen und Pfeifen von sich, dann plötzlich konnten sie wütendes Gezeter und Befehle vernehmen, die in schneller Reihenfolge gegeben wurden. Meldungen und Anfragen folgten und neue Befehle wurden gegeben. Überglücklich stellten sie fest, dass sie nicht vom Funkverkehr abgeschnitten waren. »Na ja«, murmelte Gorak. »Wenigstens ein Erfolg.« Er lächelte wieder beruhigend. »Also dann, Jungs. Lasst uns sehen, ob man uns hören kann. Hougner, Ihr Auftritt.« Der junge Cadianer sah ihn aus seinen braunen Augen fragend an, bis er verstand. Er schüttelte eilig den Kopf. »Ich … ich …« Er verstummt, als ihn Goraks eindringlicher Blick traf. »Ich vertraue Ihnen, Hougner.« Er wies auf Grouphan neben sich, der noch immer an seinen Ohren spielte. »Er hat einen Schaden am Gehör, den ich gleich erst einmal untersuchen muss. Daher sind Sie der Einzige, der uns helfen kann. Außerdem verfügen Sie über die weit beste Funkerfahrung von uns.« Das war zum Teil natürlich gelogen und das wussten sie. Aber es beruhigte Hougan etwas und lenkte sein Denken auf eine andere Aufgabe. Er flüsterte ein Gebet und griff nach dem Mikrofon. Ein weiteres Gebet folgte, bevor er auf die Sprechtaste drückte. »Hilfe! Hilfe! Hilfe! Walküre 1208 abgestürzt! Unsere Position ist unbekannt! Kann mich jemand hören?! Hilfe! Hilfe! Hilfe!« Dann ließ er die Sprechtaste los. Keine Antwort. Gorak wies ihn an, den Funkspruch noch zwei Mal zu wiederholen – mit dem gleichen Resultat. Verzweifelt sahen Grouphan und Hougner zu dem älteren Soldaten auf, der stirnrunzelnd dastand und sich fragte, wieso, im Namen des heiligen Throns, ihr Komruf nicht beantwortet wurde. Er nahm Hougan das Mikrofon aus der Hand und versuchte es selbst. Keine Antwort. »Melbin!«, rief er. »Wir erhalten keine Antwort. Was ist da los?« Der massige Cadianer ließ sich federleicht von dem Wrack auf die Füße fallen und lief zu ihnen. Er sah sich den Funktornister kurz an und brummte eine Verwünschung, bevor er sich aufrichtete. »Das Gerät ist in Ordnung. Sieht so aus, als wenn wir in den Gefechtsmeldungen unterzugehen scheinen«, stellte er fest. »Vielleicht sollten wir es in einem anderen Jargon versuchen?« Ein nachdenklicher Moment der Stille folgte. »Versuch es im Basteter Gefechtsjargon«, forderte Gorak Hougner auf, der sich trotz seiner kurzen Zeit im Basteter Regiment bereits ausführlich mit der Fernmeldesprache der Rand-Imperialen beschäftigt hatte und übergab das Mikrofon wieder an ihn. Höchstwahrscheinlich war es nicht das bereits umfangreiche Wissen des jungen Cadianers über die Fernmeldesprache der Basteter, das Gorak, den bei weitem erfahrensten Soldaten der Anwesenden, veranlasste, ihn wieder mit dieser Aufgabe zu vertrauen. Erst langsam und unsicher, dann immer sicherer, begann er, den gleichen Funkspruch im Aegyus-Gotisch der Basteter zu wiederholen: »Auxilium! Auxilium! Auxilium! Walküre 1208 occidit! Nostrum locum ignotus est! Audior a quicumque?! Auxilium! Auxilium! Auxilium!« Er murmelte zuerst, sprach dann immer sicherer und brach zum Schluss selbst nicht ab, als ihm Melbin mit seiner riesigen Pranke auf die Schulter klopfte und ihm dabei beinahe die Schulter zertrümmert hätte. Jetzt würden sie gerettet werden. Melbin verfolgte, wie Gorak Grouphan beiseite nahm und seine Ohren kurz untersuchte, bevor er beruhigend auf ihn einredete. Als sich der massige Cadianer wieder umwandte, um Hougner zu beobachten, lenkte ihn ein neues Geräusch ab. »Leute«, ertönte eine schwache, kraftlose Stimme. »Hey, Leute!« Alle wandten sich um. Rebis war erwacht. »Leute, wenn Ihr weiter so einen Lärm macht, dann werden uns die Orks zuerst finden. Also haltet gefälligst die Klappe.« Betretenes Schweigen setzte ein, nur durch die Signale, die aus dem Funktornister kamen, gefüllt. Niemand freute sich, dass der Corporal noch lebte oder dass er wieder erwacht war. Allen wurde plötzlich klar, wie sehr sie sich in Gefahr gebracht hatten. »Oh, verdammt«, murmelte Melbin. »Tut uns leid, Corp.« Rebis wuchtete sich hoch und winkte ab. »Lassen Sie es gut sein und helfen Sie mir lieber. Ich brauche einen Statusbericht, danach kümmern wir uns um den Rest.« Er sah sich um. »Sind das alle, die überlebt haben?« Hougner schüttelte aufgeregt den Kopf. »Nein, nicht ganz.« »Was soll das heißen?«, fragte der Corporal. Als er in die Gesichter der Anwesenden blickte und das betretene Schweigen darin sah, musste er unwillkürlich seufzen.
  11. Ich würde mich auch anbieten. Habe Erfahrung als gnadenlose Schwester mit dem Läutern Ungläubiger und an diversen schweren Waffen im Bereich Schattenjäger. War während meiner Zeit in der imperialen Armee auch am Kampf gegen abtrünnige Space Marines beteiligt. Kollateralschäden mit inbegriffen. Eigne mich auch zum Inquisitor. Es Lebe der Imperator!
  12. Und hier kommt das nächste Kapitel 2 Direkt oberhalb des improvisierten Aufmarschgebiets, nur wenige hundert Meter hinter den aufgestellten Basilisk-Schwadronen des 78. cadianischen Artillerie-Regiments, stand unter dem Licht einer blutroten Sonne eine einsame Walküre auf einer Klippe, von der aus man das gesamte Gebiet überblicken konnte, auf dem sich bald die gewaltige Schlacht zwischen der Imperialen Armee und den Orkoiden ereignen sollte. Das Besondere an dieser einsamen Walküre war, dass sowohl ihre Heckklappe, als auch die Seitentüren, zwar geöffnet waren, jedoch durch große gespannte Sonnenschirme verdeckt wurden, sodass ein improvisiertes, aber nichtsdestoweniger effektives Kommandozelt entstand, von dem aus die komplette eingesetzte Kriegsmaschinerie dieser Streitmacht des Imperiums kontrolliert werden konnte. Kommissar Kolwa Ligrev folgte der sich formierenden Masse an Kampfläufern, Panzern und Soldaten mit seinen dunkelbraunen Augen und fühlte Stolz. Es war unsagbarer, fanatischer Stolz auf die Macht, die der Hammer des Imperators bereit gestellt hatte, um die Feinde der Menschen zu zerschmettern. Wieder einmal bewies das Imperium, dass es keinem seiner Feinde, die sich erdreisteten, in den Gebieten des von den Menschen eroberten Weltraums zu wüten, Gnade gewährte. »Wie sieht es mit den anderen Regimentern aus?«, ertönte eine tiefe, nachdenkliche Stimme hinter ihm, deren ruhige Gelassenheit fast wie Desinteresse klang und den Kommissar veranlasste, sich von dem Anblick der aufmarschierenden Armee abzuwenden und den Eingang zum Kommandozelt zugleiten zu lassen. Als er sich der Stimme zudrehte, hatte bereits eine zweite geantwortet. Es war ein jüngerer Offizier, der mit vier anderen Männern um einen Daten-Globus stand, dessen Projektor man im Inneren der Walküre aufgebaut hatte. Das farbenfrohe Flackern des Hologramms erleuchtete die Seitenwände des Sturmtransporters und ließ sie in mattem Schimmer glänzen. »Sir, das 78. cadianische Artillerie-Regiment hat in unserer Nähe Stellung bezogen. Derzeit richten die Einheiten ihre Geschütze und Mörser aus und bereiten sich darauf vor, den Angriff unserer Bodentruppen mit schwerem Beschuss zu decken. Das 41. cadianische Infanterieregiment hat an unserer linken Flanke Aufstellung genommen, das 34. Borodian-Regiment sichert uns an der rechten. Über diese Regimenter sind die Panzer des 35. Desposia-Panzerregiments verteilt.« Galard Ekko nickte langsam und betrachtete den Daten-Globus nachdenklich, der vor ihm über dem Projektor schwebte. Natürlich hatte er die Befehle und den Zeitplan der Operation in der Stabsbesprechung mit General Iglianus, dem Kommandeur der Befreiungsstreitmacht von Agos Virgil, mitgeteilt bekommen und ausführlich diskutiert, dachte Ligrev. Er selbst war bei der Besprechung anwesend gewesen. »Wie weit ist die Aufstellung voran geschritten?«, erkundigte sich der Colonel. »Neunundsechzig Prozent der Truppen sind bereits im Aufmarschgebiet verteilt und bereit zum Vorrücken«, erhielt er zur Antwort. Der Kommissar verengte die Augen und versuchte zu ergründen, was der Colonel jetzt wohl denken mochte. Jeder, der Ekko nicht ganz genau kannte, hätte ihn ohne Zweifel tiefgreifend unterschätzt oder ihn möglicherweise sogar für schwach gehalten. Mit seinen einhundertneunundsiebzig Zentimetern Höhe gehörte der Colonel nicht zu den größten Feldherren, die das Imperium hervorgebracht hatte. Er war auch sonst nicht sonderlich imponierend oder von der Gestalt, dass man sie sich gemerkt hätte. Seine Grundhaltung war gerade, sein weiches, wenn auch eckiges Gesicht war – ebenso wie sein Körper – schmal und unauffällig. Am ehesten hätte man sich bei ihm noch an die dunklen, widerspenstigen Haare erinnert, die ihm ein Aussehen verliehen, das er selbst gern als ›explodiert‹ bezeichnete und das die Schläue hinter seinen braunen Augen unter einem Mantel von zur Schau getragener Verwirrung verschleierte. Das eigentlich Interessante an Ekko (und das, woran man sich bei ihm auf jeden Fall erinnerte), war die Tatsache, dass ihn zwei vollkommen gegensätzliche Charakterzüge in einen Zwiespalt zogen, mit dem er jeden Tag eines imperialen Jahres zu kämpfen hatte. Zum einen sah Ekko das ganze Universum als einen schlechten Ort an, in dem zu leben es sich im Grund gar nicht lohnte. Da er jedoch noch keine Möglichkeit gefunden hatte, möglichst unspektakulär zu sterben, litt er ob dieser Tatsache unter einen tiefen Lebensmüdigkeit, die einen vollkommen irrwitzigen Charakter geboren hatte, der sich in fast jede ihm mögliche Gefahrensituation stürzte mit der Absicht, dieser zum Opfer zu fallen. Zum anderen jedoch besaß er eine Eigenschaft, die ihn bei seinen Soldaten beliebt machte: Ihm bedeuteten die Leben seiner Truppen etwas. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kommandeuren der Imperialen Armee ließ Ekko seine Befehle niemals ohne Rücksicht auf Verluste ausführen. Er war sogar derart mutig, selbst in der größten Bedrängnis durch seine Vorgesetzten noch den Rückzug zu befehlen und die Konsequenzen … zu überleben. Ligrev hatte Ekko schon hunderte Mal exekutieren wollen, hatte es jedoch immer wieder gelassen, weil er liebend gern dabei sein wollte, wenn sich der Colonel möglichst sinnlos opferte. Er hoffte jeden Tag, dass Ekko diesen nicht überlebte und wartete fast sehnsüchtig darauf, aus dem Tod des imperialen Offiziers Kapital für die eigene Sache schlagen zu können. Aber Ekko wollte einfach nicht sterben – auf jeden Fall nicht, wenn er sollte. Dafür war vermutlich, so vermutete Ligrev, sein innerer Überlebenswille zu stark. Höchstwahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb der Colonel seine Abenteuer nicht nur überlebte, sondern das auch noch mit positiven Nachwirkungen. Noch immer war es für den Kommissar unbegreiflich, wie ein einfacher Sergeant des Planeten Bastet III einen derart kometenhaften Aufstieg hatte hinlegen können, dass er den Rang eines Colonels erreichte, der für die einfachen Bodenkämpfer eigentlich ein unzugängliches Privileg darstellte. Ligrev brummte missmutig. In anderen Einheiten in anderen Sektoren hätte der Colonel sein Leben bereits längst verwirkt. Leider waren die Kommandeure der regionalen Sektoren darauf aufmerksam geworden, dass Ekko seine Truppen höchst effizient führte und sie für ihn freiwillig durch jedes Feuer gingen. Allein nur deswegen konnte sich Ekko Eigenheiten leisten, die wohl keinem anderen Kommandeur zugesprochen worden wären. Allerdings, das musste der Kommissar dem Colonel zugestehen, setzte sich Ekko auch immer dafür ein, dass Ligrev ebenfalls ein Teil jedes erreichten Ruhms zukam, was besonders aus den Reihen des Regiments mit Unglauben und einem gewissen Maß an Ablehnung aufgenommen wurde. Das konnte Kolwa Ligrev egal sein. Immerhin war er nicht hier, damit das Regiment ihn liebte. Und wenn Ekko sich erst aus der Gleichung des Imperators gestrichen hatte, war sein Weg zum Ruhm frei. Ligrev hätte sich noch lange in seinen Träumen vom großen Kriegshelden, der er sein wollte, verherrlichen können, doch eine plötzliche Bewegung in der Kommandozentrale zwang ihn zurück in die Wirklichkeit. An der Ecke, die an die linke Seitenluke anschloss und wo eigentlich die beiden schweren Bolter des Innenraums außerhalb des Einsatzes gelagert wurden, stand nun an der Wand auf einem Tisch ein Funkgerät, an dem zwei Soldaten bereit waren, um die Befehle und Meldungen, die während der Schlacht übertragen wurden, vom Kommandostab weg und zu ihm hinzuleiten. Durch ihre Kopfhörer vollkommen abgeschirmt vom sich beratenden Stab, hob einer der beiden Funker seinen Arm und signalisierte so eine kurze Vorrangmeldung, die sofort von Major Carrick, dem Stellvertretenden Regimentskommandeur, quittiert wurde, indem er die anderen Offiziere verließ und sich zu den beiden sitzenden Männern begab. Ligrev beobachtete, wie der Funker die Nachricht auf einem kleinen Blatt Papier mitschrieb und sie leise bestätigte, bevor Carrick ihm auf die Schulter tippte und zur Antwort den Zettel erhielt. Der Major las wortlos die Notiz und runzelte verächtlich die Stirn, bevor er wieder an den Daten-Globus trat. Ligrev musterte den für ihn vorbildlichsten Offizier des gesamten Regiments. Haestian Carrick stammte ebenso wie die meisten Soldaten des 512. Regiments von Bastet III, war aber für einen Basteter auffallend groß und vor allem blond, was aus der Masse der zumeist dunkelhaarigen, höchstens einen Meter fünfundachtzig großen Menschen heraus stach. Für jemanden wie Ligrev nicht ungewöhnlich, bildete die fast zwei Meter große Gestalt von Carrick im Volk Bastets eine von wenigen Ausnahmen. Doch so ungewöhnlich er für seine Heimat auch aussehen und erscheinen mochte, das wirklich Bemerkenswerte an ihm war die militärische Disziplin und Verantwortungsbereitschaft, die einen vollkommen Gegenpol zu der Colonel Ekkos bildete. Es war eine Disziplin, die der von Cadianern glich und die für jeden Soldaten des Imperiums eigentlich beispielhaft gewesen wäre – gäbe es da nicht ein Problem: Genauso wie alle anderen Soldaten des Regiments hing Carrick bereits jetzt an seinem Kommandeur wie eine Haftmine an einem Leman Russ, selbst wenn er ihm erst wenige Monate bekannt war. Jetzt erhob der Major seine sanfte, wohlklingende Stimme, um die ihm übergebene Nachricht weiterzuleiten. »Entschuldigen Sie, Sir. Vorrangmeldung an Sie von unseren vorgeschobenen Beobachtern.« Noch immer auf den Daten-Globus konzentriert brummte Ekko nachdenklich, bevor er reagierte. »Was gibt es, Carrick?« »Sir, einer unserer Walküre-Sturmtransporter wurde abgeschossen«, meldete der Offizier. Urplötzlich breitete sich Stille in der improvisierten Kommandozentrale aus. »Was haben Sie?« Das Desinteresse in Ekkos Stimme störte Ligrev und jagte ihm Schauer der Wut über den Rücken. Er wusste jedoch, dass er, wenn er Ekko jetzt erschoss, das komplette Regiment gegen sich haben würde – und das wäre ein viel zu großer Preis für die Tat gewesen. »Sie haben einen Walküre-Sturmtransporter abgeschossen«, wiederholte der Major. Der Colonel drehte sich langsam und musterte seinen Untergebenen mit ruhigen Blicken. »Welche?«, erkundigte er sich. »1208 Ignifier«, erhielt er zur Antwort. »Lenhims Trupp.« Dieser Name ließ Ligrev aufhorchen. Lenhim. Mit dem Sergeant verband ihn eine fast innige Feindschaft, seit es ihm gelungen war, sich gegenüber dem Kommissar vermessen zu geben und der gerechten Strafe dafür mit Hilfe von Ekko zu entgehen. Seit diesem Vorfall, der Ligrev eine ganze Menge Prestige und Glaubhaftigkeit in den Reihen des Kommissariats gekostet hatte, war er daran interessiert, Lenhim ein ebenso trauriges wie boshaftes Ende zu bescheren, wie Ekko es immer bei sich selbst versuchte. Leider hatte er selbst sich dabei nicht geschickter angestellt als der Colonel und es nie geschafft, sich für die Schmach, die er erlitten hatte, ordnungsgemäß zu revanchieren. Hoffentlich starb der vermessene Sergeant jetzt einen qualvollen Tod im Vorfeld der Truppen. Als Ligrev seinen Blick zurück auf den Colonel richtete, konnte er sehen, dass die Nachricht den Kommandeur des 512. schwer beschäftigte. Einerseits war das gut, denn die Qual, die man Ekko ansehen konnte – zerrissen zwischen seinen Befehlen und seinem selbst auferlegten Auftrag, niemanden seiner Männer zurückzulassen – befriedigte den Kommissar zutiefst. Zum anderen war das aber auch schlecht, denn Ligrev kannte Ekkos Geist und die wahnwitzigen Ideen, die dieser zu gebären in der Lage war, wenn ihm die konventionellen Ideen auszugehen schienen. Und bereits in dem Moment, indem der Gedanke seine Hirnwindungen verlassen und einen Warnimpuls durch seinen Kopf gejagt hatte, auf alles zu achten, was der Colonel jetzt befehlen würde, begann es. »Können wir einen unserer Walküre-Sturmtransporter schicken, um nach Überlebenden zu suchen?«, erkundigte sich der Basteter, indem er den Kopf nur ein Stückchen wandte, die Augen jedoch weiter auf den Daten-Globus gerichtet hielt. Es war Major Carrick, der antwortete. »Theoretisch wäre es möglich, Colonel.« »Aber?« Carrick schwieg einen Augenblick nachdenklich, bevor er die Frage aufgriff. »Das Problem ist, dass Lenhims Trupp weit vor unseren Linien abgestürzt ist. Die Orks sind der Absturzstelle recht nah und können sie sowohl mit Artillerie als auch mit Stoßtrupps angreifen. Außerdem befindet sich der Luftraum über dem Wrack tief in ihrer Luftverteidigungszone. Für die Besatzung weiterer Luftfahrzeuge oder einen eigenen Stoßtrupp wäre das eine reine Selbstmordaktion.« Ligrev konnte sehen, wie Ekko über den Begriff ›Luftverteidigungszone‹ lächelte. Es war ein grimmiges Lächeln, das sich nicht genau einordnen ließ. »Ich verstehe«, antwortete der Colonel und versank wieder Gedanken. Obwohl er wohl am besten daran getan hätte, sich nur auf das Aufmarschieren seiner Soldaten zu konzentrieren, brütete er über seinem Daten-Globus, brummte Verwünschungen und schleuderte wortlose cholerische Ausbrüche gegen das Projektionsfeld, während er die dargestellte Umgebung des abgestürzten Sturmtransporters betrachtete. Die Männer um ihn herum schwiegen, denn niemand wagte es, Galard Ekko jetzt in seiner Konzentration zu stören und eine entsprechend harsche Abreibung dafür zu kassieren. Schließlich, wenige Minuten und eine gesamte Betrachtung des Schlachtfelds später, richtete sich der Colonel auf. Er drehte sich um und warf einen wütenden Blick auf die Umstehenden. »Wir rücken jetzt vor«, entschied er. Der Kommissar sah auf. Aus der Warnung in seinem Kopf war ein schriller Alarm geworden. Was plante der Irre jetzt schon wieder? »Nein. Die Truppen sollen erst Aufstellung nehmen.« Das wütende Funkeln in Ekkos Augen war nicht zu übersehen, als der Colonel sein Kopf in Richtung Ligrev wandte. »Ich sagte: Die Truppen rücken jetzt vor. Ich handle im Namen des Gott-Imperators – und jeder, der sich meinen Befehlen in den Weg stellt, ist ein Häretiker!« Ligrev atmete scharf ein, begriff im gleichen Herzschlag jedoch, dass er keinen Zweck hatte, jetzt über den Befehl zu streiten. Im Endeffekt hätte sich der Ausgang des Streits höchstwahrscheinlich in einem Duell auf kürzeste Entfernung manifestiert, in dem beide ihre Pistolen gezogen und die Magazine aufeinander geleert hätten. Ligrev wusste, dass Ekko bereit war, zu schießen und zu sterben. Er jedoch war es nicht. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem Ekko sein Leben verlor – und diesen Tag würde er feiern. Doch dieser Tag war noch nicht heute. Und wenn Ekko sein Regiment eigenmächtig vernichtete, dann würde Ligrev die Auswirkungen noch mit eigenen Augen sehen können. Dass er sich mit seinem Verhalten eine Blöße gab, in die Ekko liebend gern hinein stach, war zwar ärgerlich und beschäftigte ihn auch, doch das ließ sich kalkulieren. Ein dünnes Lächeln teilte seine Lippen. »Wenn Sie meinen, Colonel, dann tun Sie es. Aber General Iglianus wird sich sicherlich mit Ihrer Vermessenheit auseinandersetzen.« »Darauf freue ich mich schon«, murmelte Ekko gefährlich. »Noch jemand irgendwelche Anmerkungen?« Wenn nicht sein Tonfall alle, die vielleicht noch etwas zu sagen gehabt hätten, zum Schweigen aufforderte, dann hatte es sein Blick getan. Keiner der Anwesenden wagte es, ihn anzusehen oder die Stimme zu erheben. Der Colonel ließ die Stille für einige Momente zu Wort kommen, dann wandte er sich von seinem Stab ab und dem an der Wand befindlichen Funkgerät zu, an dem die beiden Funker auf weitere Befehle warteten. »Befehl an alle Einheiten des Regiments: Wir rücken jetzt vor!« Die Funker wirkten für einen Moment verwirrt, denn der Einsatzplan hatte ursprünglich anders gelautet, dann aber nickten sie und machten sich daran, die Befehle ihres Colonels weiterzugeben. Als sich Ekko wieder zum Daten-Globus umdrehte, fegten ihre Funksprüche bereits zu den Truppen, die auf dem Vorfeld Gefechtsaufstellung nahmen. »Azrael an alle: Vormarsch jetzt!« Azrael war die interne Bezeichnung für die Kommandowalküre. Ekko selbst hatte den Namen für den Sturmtransporter gewählt und benutzte ihn auch als Tarnname stellvertretend für seinen Kommandostab, wenn er mit anderen Einheiten Kontakt aufnahm. Jetzt funkte Azrael Befehle und Kommandosequenzen in den Äther, um die Truppen des 512. Regiments gegen den Feind in Marsch zu setzen. Es dauerte nur Sekunden, da brach das erste Chaos aus. »Bitte wiederholen«, forderte eine ungläubige, schrille Stimme, die Ligrev keinem der Offiziere oder Unteroffiziere zuordnen konnte. »Was sollen wir?« Ekko regte sich nicht, betrachtete den Daten-Globus, als sei er der Mittelpunkt seines Lebens und schwieg, sodass einer der beiden Funker sich Hilfe suchend umwandte. »Sir?«, fragte er. Der Colonel erwachte nicht aus seiner Starre – nur seine Lippen zuckten fast unmerklich. »Wiederholen Sie den Befehl.« Für einen Moment zögerten die Funker, dann führten sie die ihnen aufgetragene Order aus. »Azrael an alle – ich wiederhole: Vormarsch jetzt! Aufstellung abbrechen und gegen den Feind vorrücken!« Einen Moment lang herrschte völlige Funkstille im Kommunikationssystem, als wären sämtliche Einheiten erstarrt. Der erste, der nach fast fünfzehn Sekunden Wartezeit antwortete, war der Kommandant der regimentseigenen Sentinels. »Ja, verstanden. Achtung – an alle Läufer: Vorrücken.« Weitere fünf bis zehn Sekunden vergingen, dann bestätigten sämtliche Einheiten in schneller Reihenfolge. Ligrev beobachtete Ekko, der ihm zwar den Rücken zugewandt hatte, aber dennoch allein durch seine Haltung die Anspannung widerspiegelte, die sein Inneres sich verkrampfen ließ. Hätte der Kommissar ihn von Vorne betrachten können, das entschlossene Funkeln in seinen Augen hätte ihn sicherlich zurückschrecken lassen.
  13. Gefällt mir. Als Trupps würde ich eine Sondereinheit imperiale Truppen aufstellen, zusammen mit einer Sororita als deren Führerin, Einen oder zwei Trupps Elysianer und Kasrkin natürlich. Haben wir bei Schattenjäger auch immer so gemacht. Es sollte dann allerdings tatsächlich mit anderen Profilwerten funktionieren. Denn so wie im normalen Warhammer sind die Einheiten kaum was wert. Imperiale Truppen zum Beispiel haben gegen Orks gar keine Chance. Ich erinnere mich da noch gut dran, ich musste mal mit einem Trupp imperiale Cadianer ein Missionsziel verteidigen ...
  14. Salve, ja, also eigentlich arbeite ich direkt am Meer. Also sehr viel nördlicher braucht gar nicht mehr^^ Derzeit ist meine Elysianereinheit wirklich noch nur ein paar Mann stark (derzeit 15), aber wie gesagt: Das wird Teil einer größeren Armee, die bereits eine gute Anzahl an Einheiten stark ist.^^ Danke für die nette Begrüßung
  15. Stargazer 1 Das Stampfen tausender Soldaten und dröhnende Rasseln hunderter von Panzern ließ die Ebenen von Agos Virgil erbeben. Die Imperiale Armee war auf dem Vormarsch – und nichts und niemand würde sie aufhalten können. In mehreren Säulen bewegten sich die Soldaten auf den Feind zu, flankierten die vorrückenden Panzer und Kampfläufer auf ihrem Weg in Richtung Schlachtfeld, wo Offiziere und Kommissare die Kompanien zu einer breiten Front münden ließen. Noch mussten große Teile der motorisierten Truppen ihre Aufstellung nehmen, doch bald schon würde die Generalität den Angriffsbefehl geben und damit eine todbringende Maschinerie aus Leibern und Waffen auf den Feind hetzen, um ihn mit der schieren Masse ihres Vorhandenseins zu erdrücken. Es ging gegen die Orks. Fünf Regimenter hatte die Imperiale Armee entsandt, um die Feinde des Imperators zu zerschmettern, zehn weitere waren bereits ausgehoben und auf dem Weg durch den Warp in das Kampfgebiet. Doch auch die Orkoiden waren nicht untätig gewesen. Sämtliche ihrer auf dem Planeten befindlichen Truppen hatten sich zusammengerottet, um den anrückenden Menschen entgegenzutreten. In wenigen Stunden würde an diesem Ort eine blutige Schlacht über das Schicksal dieses Planeten ausgefochten werden, noch aber genügte man sich damit, einander durch gegenseitiges Belauern und Einschüchterung zu bedrohen. Walküren und Vulture-Bomber kreischten über das baldige Schlachtfeld, sondierten das Gelände und bereiteten sich darauf vor, die anrückende Imperiale Armee mit Feuerkraft und Reservetruppen zu unterstützen. Baldrian Lenhim maß der Tatsache, Mitglied einer gewaltigen Streitmacht zu sein, wenig Bedeutung zu. Für ihn zählte nur das Stoßkommando, das in dem abgeschlossenen Raum der ihnen zugewiesenen Walküre saß und darauf wartete, an einen Punkt des Schlachtfelds abgesetzt zu werden, um dort eine wichtige Position zu verstärken oder feindlichen Sturmtruppen in den Rücken zu fallen. Lenhim war ein erfahrener, sehr linear denkender Sergeant mit dunkelblonden Haaren, fast ebenso hellen grünen Augen und einem von Narben gezeichneten, scharfen Gesicht, dessen finsterer Blick allein die meisten Soldaten respektvoll zurückweichen ließ. Doch so hart sich Lenhim auch gab, er sorgte sich um seine Männer – eine Verhaltensweise, wie man sie in den Regimentern des Gott-Imperators nicht oft fand und die er auch erst mit der Zeit erlernt hatte. Tatsächlich setzten die Kommandeure ihre Truppen meistens in gewaltigen Massenschlachten ein, selektierten die weniger wertvollen Einheiten aus und setzten die Kerntruppen aus den überlebenden Soldaten zusammen, um eine Elite zu haben, um die sich die neuen Rekruten formieren ließen, denn dafür waren sie schließlich da, oder? Nur in der Schlacht zeigte sie, wer wirklich für den Krieg geeignet war. Für das Überleben der ihnen anvertrauten Menschen hatten die Kommandeure wenig Sinn, auch wenn das Imperium die erbarmungslose Vernichtung seiner eigenen Soldaten durch den Feind heroisierte. Das Leben eines Menschen mochte in der Imperialen Armee nicht mehr wert sein als die eisernen Körper der Leman Russ Panzer, doch mit ihnen verhielt es sich genauso wie mit den stählernen Kolossen: je besser man sie pflegte und behandelte, umso länger konnte man sie einsetzen. So hatte es ihn Galard Ekko, sein Kommandeur, gelehrt. Lenhim konnte oft selbst nicht umhin anzuzweifeln, weshalb man die nahezu unerschöpflichen Ressourcen der imperialen Welten schonen sollte, doch auch das hatte ihm Ekko hinreichend erklärt. »Einen Soldat misst man nicht an der Masse seines Körpers oder der Anzahl von Schüssen aus seinem Lasergewehr. Man misst ihn an seinem Können und seiner Effektivität gegen den Feind«, murmelte er die Worte des Kommandeurs leise vor sich hin und ließ seine Gedanken kurz in Richtung des Colonels abschweifen. Ekko war ein vorzüglicher Offizier, der sich vor allem dadurch einen Namen gemacht hatte, dass er seine Männer durch die besten Elitekämpfer seines Regiments schulen ließ. Soldaten in Ekkos Regiment besaßen eine ungewöhnlich hohe Lebenserwartung und waren zum Teil effektiver als die meisten anderen Imperialen Armeeangehörigen. Das 512. Regiment Sera, ein Zehntregiment des Planeten Bastet III, war deswegen seit langer Zeit berühmt für die Humanität, die in seinen Reihen herrschte. Humanität nicht in dem Sinne, dass die Soldaten verhätschelt wurden und verweichlichten, sondern dass einer, der verletzt zurückblieb, sicher sein konnte, dass er wenig später gefunden wurde und einer, der starb, wusste, dass er nicht vergessen wurde. Gerade das war es, was einen Mann wie Lenhim Stolz machte. Weshalb er jetzt an die Vierte Imperiale Sonate denken musste, konnte er sich selbst nicht erklären, doch die schweren, mächtigen Klänge füllten seine Ohren und seinen Kopf, überstimmten das dumpfe Summen der Turbojet-Triebwerke. Dann jedoch fiel es ihm wieder ein: Die Vierte Imperiale Sonate hatte man in seiner Heimatstadt an dem Tag gespielt, als das ursprüngliche Regiment ausgehoben worden war. Es war ein Tag gewesen, dem er voller Stolz entgegen gefiebert hatte – fast genauso, wie er dieser Schlacht entgegen blickte und Stolz fühlte: Die erste Schlacht des Regiments seit seiner Neustrukturierung. Gleichzeitig erinnerte er sich daran, wie viel er in den letzten Jahren erlebt und durchlebt hatte. Sein Trupp selbst war, auch wenn er nur aus zehn Mann bestand, fast eine kleine Chronik des Regiments. Lenhim sah auf und warf einen Blick auf seine Männer. Da waren anfangs Klingen und Donja. Sie waren zusammen mit Lenhim die ersten gewesen, die sich für das 512. Regiment Sera gemeldet hatten, als dessen Aushebung noch nicht einmal offiziell gemacht worden war. Man sollte sie besser nicht fragen, wie die drei das damals herausbekommen hatten, aber seitdem dienten sie zusammen in den Reihen des 512. Sie hatten an allen bisherigen Schlachten des 512. teilgenommen, diverse Kommando- und Strategiewechsel mitgemacht und sogar die beinahe vollständige Auslöschung des Regiments überlebt, in dessen Nachwirkungen Galard Ekko Sera neu strukturiert hatte. Ebenfalls aus seinem Trupp nicht mehr wegzudenken waren die beiden Cadianer Gorak und Melbin, die direkt vor der letzten Schlacht des alten 512. zu ihnen gestoßen waren und die Lenhim gut und gerne als Phänomen zu bezeichnen wagte, denn Gorak und Melbin hatte man noch nie anders als zu zweit gesehen. Wo Gorak auftauchte, war Melbin ebenfalls bald zu erwarten oder bereits eingetroffen (und natürlich auch andersherum). Sie hatten sich sogar gemeinsam zum Dienst im 512. gemeldet. Für Lenhim bedeutete das eingespielte Duo einen immensen Vorteil im Gefecht, denn die Erfahrung und Leistung, die die beiden Soldaten gemeinsam erreichten, spielte im Grunde einen kompletten Trupp an die Wand. Sie hätten sicherlich ein vorzügliches Waffenteam abgegeben, wenn Lenhim nicht so verbissen darum gekämpft hätte, sie bei sich zu behalten. Tatsächlich war er nur knapp einer Exekution durch den Kommissar des 512., Kolwa Ligrev, entgangen, als er sich gegen den Befehl stemmte, der seine Einheit auseinander reißen sollte und ihn so wieder zum Führer eines Rekrutentrupps gemacht hätte. Durch das Eingreifen von Colonel Ekko jedoch war das unfreiwillige Ableben Lenhims verhindert worden – allerdings nur unter der Auflage, dass sich der Sergeant mit seinem Trupp insgeheim zur persönlichen Verfügung Ekkos hielt. Lenhim konnte nur froh sein, dass sein Trupp die inoffizielle Order recht positiv aufgenommen hatte und sich bereitwillig zur ›Elite des Colonels‹ erklärte. Diese Gedanken ließen seinen Blick zum nächsten seiner Soldaten schweifen, mit dem er bereits viele Kämpfe bestritten und gewonnen hatte: Marek Rebis. Rebis, Corporal und Stellvertretender Truppführer, diente seit knapp acht Jahren in der Imperialen Armee, hatte jedoch in über zwanzig Schlachten gekämpft und gehörte wohl zu den erfahrensten Männern, die aus dem ursprünglichen 512. Sera noch lebten. Zwar hatte ihn diese Erfahrung auch einen schlimmen Preis gekostet, denn er war oft verwundet worden und hatte sich von den seelischen Verletzungen niemals wirklich erholt, doch einen besseren Stellvertreter als den schwarzhaarigen, etwa einen Meter achtzig großen Mann, dessen grüne Augen stets wachsam umherschweiften, konnte sich Lenhim nicht wünschen. Zu Anfang war er der oftmals unangenehmen Art von Rebis sehr skeptisch begegnet, doch inzwischen schätzte er das ehrliche, wenn auch gerne vorschnelle Mundwerk des Corporals genauso wie seine Art zu kämpfen. Wer an Marek Rebis Seite in die Schlacht zog, konnte sicher sein, dass der Corporal immer darauf Acht gab, einen sicher wieder zurückzubringen. Und dabei war sich Rebis, genauso wie Lenhim, bewusst, dass ein einzelner imperialer Soldat so gut wie keinen Wert für die Strategie der Generäle besaß. Wer fiel, wurde einfach ersetzt. Als er das dachte, blickte Lenhim unwillkürlich zu den Neulingen seiner Einheit: Kalor, Hougner, Grouphan und Rahael. Sie waren allesamt Cadianer und stammten aus einem ehemaligen Rekrutenzug, der in der letzten Schlacht des 512. bis auf diese vier Männer aufgerieben worden war. Bisher hatte Lenhim nicht die Zeit gehabt, sich näher mit ihnen zu beschäftigen, denn bereits sechs Wochen danach waren sie verlegt worden, um die nächste Schlacht gegen die Feinde des Imperiums zu bestreiten. Ziel war eine kleine Welt namens Agos Virgil gewesen. Und wenn sie von hier abrückten, konnte er sicher sein, dass wieder einige seiner Männer tot waren und er die Reihen mit Neulingen auffüllen musste, die in die Fußstapfen der Gefallenen traten – auch, wenn niemand, der gefällt worden war, jemals zu ersetzen gewesen wäre. Aber Krieg war nun einmal ein grausames Geschäft. Das brachte ihn zurück ins Hier und Jetzt. Die Imperiale Sonate war längst verstummt, wieder übergegangen in das Jaulen der Turbojet-Turbinen, die ein leises Lied seiner Befehle summten. Lenhim lehnte sich etwas zurück. Der Auftrag war klar definiert: Aufklärung, Unterstützung, Angriff. So wie sein Trupp kreisten noch mehr Soldaten in Walküre-Sturmtransportern über dem Aufmarschgebiet und warteten darauf, dass die Schlacht begann. Sobald sich die imperialen Regimenter in Bewegung setzen und den Angriff beginnen würden, mussten die kleinen Trupps sofort bereitstehen, um eventuell Unterstützung für die vorrückende Armee zu stellen, um andere Einheiten zu verstärken oder zu entsetzen oder sogar die Einnahme wichtiger Schlüsselpositionen zu übernehmen. Als wenn es in dieser trostlosen Ödnis noch irgendetwas besonders wertvolles gegeben hätte. »Wie es jetzt wohl unten aussieht?«, dachte Rahael laut nach. Der junge Cadianer zog den Kinnriemen des Helms noch ein Stück fester und lehnte sich erwartungsvoll vor. Seine Begeisterung für den Kampf war in Lenhims Trupp wohl ohnegleichen, auch wenn der Sergeant sich wegen der Unerfahrenheit des Soldaten sorgte. »Bestimmt trostlos«, brummte Rebis. Die anderen Soldaten fingen an, leise zu lachen. Urplötzlich machte die Walküre einen Satz, heulte auf und neigte sich spürbar nach links. Lenhim griff instinktiv nach der ihm nächsten Haltestange und kämpfte mit wenige Sekunden mit seinem Gleichgewicht, bevor er es schaffte, sich zu stabilisieren. »Beschuss!«, meldete der Pilot knapp. Wieder bockte das Schiff. »Sie greifen uns mit leichten Waffen an.« Obwohl er aus der vom Funk verzerrten Stimme des Piloten eine Form von Entwarnung heraushörte, entspannte sich Lenhim kaum. Orks waren heimtückische Monster, die Menschen um jeden Preis zu vernichten versuchten. Sie würden die Walküre sicherlich nicht nur mit leichten Maschinengewehren oder Boltern attackieren. Die meisten von ihnen mochte sicherlich egal sein, dass die Walküre mit ihren fünfundsiebzig Millimetern Rumpfpanzerung einen einfachen Bolt-Treffer lachend wegsteckte und einfach weiter flog. Die Oberbosse der Grünhäute jedoch waren intelligent genug, um ihre schweren Truppen gegen die Flugmaschinen der Menschen in Gang zu setzen. Und das konnte sehr böse werden. »Ist jemand verletzt?«, erkundigte sich der Sergeant mit fester Stimme. Egal, wie Furcht erregend sich der Beschuss der Orks auch anfühlen mochte: besonders hier, in der Luft über dem Schlachtfeld, mussten seine Soldaten ruhig und konzentriert bleiben, denn wer einmal in Panik geriet, wurde unberechenbar und vielleicht zu einer Gefahr für die eigenen Leute. Ob eine Antwort auf die Frage gekommen wäre, erfuhr er nicht mehr. Ein lauter Knall warf die Soldaten an die Seitenwände oder auf den Boden. Die Walküre machte einen Sprung, sackte dann allerdings schnell in die Tiefe. »Wir sind getroffen!«, rief irgendjemand, als sich der Transporter ein weiteres Mal schüttelte und heftig nach rechts kippte. Lenhim fühlte, wie er in die Luft gehoben wurde und ruderte hilflos mit den Armen, bekam eine Haltestange zu fassen und klammerte sich daran fest, als der Sturmtransporter immer weiter kippte und keinerlei Anstalten machte, sich wieder aufzurichten. Ohne Vorwarnung setzte das Singen der Vector-Turbojets aus. Vorher noch ein sattes Fauchen, wandelte es sich – auf jeden Fall bei einem – zu einem stotternden Wimmern, das Lenhim an das Gurgeln eines Ertrinkenden erinnerte. Oder einen Schrei. Einen Todesschrei. Dieser Gedanke jagte ihm kalte Schauer über den Rücken, und diese Schauer vertieften sich, als er erkannte, weswegen die Walküre in Todesqualen schrie: Über ihnen verformten sich die Schaufelblätter einer der beiden Turbinen. Er schaffte es noch »Festhalten!« zu schreien, dann zerriss das Triebwerk kreischend. Die Walküre brach dermaßen stark nach oben aus, dass Lenhim in die Knie gedrückt wurde und beinahe die Haltestange losgelassen hätte. Wie Bolts schlugen Metallteile durch die Außenhülle in den Truppenbereich und rissen faustgroße Löcher in die fünfundsiebzig Millimeter dicke Panzerung des Transporters, als wäre sie aus Papier. Der Sergeant wurde herumgewirbelt und rang verzweifelt gegen die Kräfte, die auf ihn einwirkten, um sich weiter fest zu klammern, als ihn einer der Metallbolzen traf, durch seinen Schulterpanzer krachte und seinen Arm aufschlitzte. Das Blut, das aus der Wunde austrat, wurde durch die heftigen Bewegungen sofort über seinen Körper und die Haltestange verteilt. Lenhim grunzte, als Blut in sein Auge spritzte und es verklebte. Noch während die Querschläger durch die Walküre heulten, bahnte sich das nächste Unheil an. Begleitet vom Knirschen reißenden Metalls brach die Heckklappe auf. Ein tosender Wirbelsturm raste ins Innere des Transporters und versuchte, die Männer hinaus in die Luft zu zerren. Die Soldaten kämpften regelrecht darum, irgendwo Halt zu finden, damit sie nicht umher geschleudert wurden. Schreie und Flüche rangen mit dem Sturm um die Vorherrschaft im Truppenbereich. Lenhim betete für sie alle, dass es ihnen gelang, den Absturz zu überleben. Kalor und Klingen hatten nicht das Glück. Klingen, bereits von einem Metallteil getötet, das seinen Kopf vom Rumpf getrennt und diesen in einer Blutfontäne zurückgelassen hatte, wurde durch das Schlingern des Transporters umgerissen und wirbelte Richtung Heckklappe, als diese aufsprang. Die Masse des Körpers, der immer noch in der Armaplast-Rüstung steckte, traf den anderen Gardisten und ließ ihn regelrecht von der Haltestange platzen, an die er sich geklammert hatte. Durch die wilden Bewegungen der außer Kontrolle geratenen Walküre wurden die beiden hilflosen Leiber brutal in Richtung Heck katapultiert. Kalors Schreie verhallten im grausamen Brüllen des Winds, der durch die offene Heckluke in die Walküre vorstieß und an den Soldaten riss, versuchte, sie mit sich zu ziehen. Schon kurze Zeit später begann die Walküre, unkontrolliert um die Längsachse zu rotieren. Vor der offenen Heckluke verschwamm die Welt zu einem Kreisel, der mal auf, mal ab tanzte, bevor er sich entschied, nach unten aus dem Blickfeld zu wandern. Sie stürzten dem Erdboden entgegen. Unglaubliche Kräfte zerrten an Lenhims Körper, versuchten ihn in alle Richtungen zu drücken und zu ziehen. Er fühlte, wie sich sein Magen hob, um dann nur wenige Herzschläge später wieder zu fallen und scheinbar mit dem Gewicht von Erz auf seinen Unterleib zu drücken, bevor er wieder nach oben schnellte. Lenhims Körper wurde gegen die Haltestange geschleudert und schlug mit dem Kopf an die Wand. Sein Headset knackte laut und zerbrach, bevor die Wut der Physik es irgendwo hin schleuderte. Der Sergeant unterdrückte den Drang, seinen dröhnenden Schädel zu berühren. Dazu hatte er auch gar nicht die Möglichkeit, denn nur einen Augenblick später riss es ihn in die andere Richtung. Lenhim stöhnte auf, als seine eisern um die Haltestange geklammerten Arme seinen bodenlosen Fall unvermittelt stoppten. Heißes Kribbeln zog durch seine Hände, als er wieder der Wand entgegen stürzte und mit dem Oberkörper dagegen krachte. Luft wurde aus seinen Lungen gepresst und vermischte sich mit dem Rauch der brennenden Turbine, der durch die Rotationen des Sturmtransporters um die Walküre verteilt wurde, in den Truppenraum eindrang und den hilflosen Männern fast den gesamten Sauerstoff nahm. Lenhim hörte jemanden irgendetwas brüllen, konnte jedoch nicht sagen, wer es war oder was er geschrien hatte. Wieder krachte er gegen die Wand und schnappte nach Luft. Er würde sich nicht mehr lange halten können. Schon spürte der Sergeant, wie sich seine Finger vom Metall der Haltestange zu lösen begannen, während seine von der Belastung schmerzenden Arme sich verkrampften. Eigentlich hielt ihn nur noch sein Wille fest und zwang ihn, sich nicht dem Tod preiszugeben. Die Piloten, dachte er. Warum reagieren die Piloten nicht? Er hatte nicht mehr die Zeit, sich diese Frage zu beantworten. Ohne Vorwarnung schlug die Walküre auf die Planetenoberfläche. Lenhim wurde von der Haltestange abgesprengt, in die Luft gehoben und durch die zerschmetterte Heckklappe aus dem Sturmtransporter geschleudert. Er glaubte, eine Ewigkeit in der Luft zu schweben, bevor er, begleitet von wilden Ruderbewegungen, wieder auf dem Erdboden landete und, von seinem Schwung getrieben, noch etliche Meter weiter rutschte. Stoff und Haut rissen, als wären sie aus Papier. Lenhim stöhnte auf. Zu Schreien war er gar nicht mehr in der Lage. Vor seinen Augen dämmerte wohlige Dunkelheit gleich einem Nebel auf und verdrängte den unerträglichen Schmerz, den er verspürte. Die trostlose, vom Treiben der Orks verwüstete Welt versank in Schlieren und für einige Zeit fiel der Sergeant in eine tiefe Bewusstlosigkeit, die sein Körper brauchte, um die schrecklichen Schmerzen fürs Erste zu betäuben.
  16. Salvete Comrades, So, nachdem ich mich mich hier angemeldet hatte, entschied ich mich auch (auf Rat eines Freundes), meine Warhammergeschichte auch hier online zu stellen. Das erste Kapitel ist ebenfalls auf Sphärentor.de und die Geschichte in der Warhammer-Section von Fanfiction.de nachzulesen. Allerdings wollte ich sie auch hier updaten, also keine Panik. Wie alle Autoren freue ich mich natürlich über Kommentare und Rückmeldungen, wenn sie denn der konstruktiven Seite entstammen Alles Vale SMN
  17. UPDATE 2022: Ich ziehe um nach Marburg - siehe letzten Post Salve, liebe Tabletopper Erstmal zu mir: Ich bin 22, komme aus Bad O, arbeite in Eckernförde und spiele bereits seit einiger Zeit Tabletops, neben meiner Tätigkeit im Reenactment. Ich spiele Warhammer 40k (Imperiale Armee bis zu 3000 Punkte, wenn nötig - Zusätzlich ist eine Sprungtruppen-Einheit Elysianer im Bau), Disposable Heroes in 1/72 und 28 mm (beides Deutsche Fallschirmjäger, wobei mein 28 mm Kommando aus kaum 11 Mann besteht bisher) und Honor Harrington Saganami Island Tactical Simulator (Havintische Volksflotte), wobei mein Augenmerk maßgeblich auf DH liegt. Mir macht das Tabletop sehr viel Spaß und ich würds recht schade finden, wenn das bei mir alles einstaubt. Da ich lange kein Warhammer gespielt habe, wollte ich damit allmählich mal wieder anfangen. Dass ich eigentlich immer nur die Wochenenden Zeit habe, soll da natürlich nur ein geringes Hindernis sein In diesem Sinne alles Vale SisterMaryNapalm
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