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      Die Rückkehr des Systemforums zu "Herr der Ringe"   13.07.2019

      Im Jahre 2016 hatte sich die damalige Zusammensetzung des Moderatorenkollegiums im Zuge von Umstrukturierungen dazu entschlossen, das Systemforum, das sich mit der Tabletop-Variante von Herr der Ringe beschäftigt, zu archivieren. Da das Spielsystem jedoch wieder mehr Beachtung seitens von Games Workshop erhält und die Begeisterung für das Spielsystem auch unter den hiesigen Hobbyisten ungebrochen ist (wie regelmäßige Anmeldungen zum P500/P250 sowie dem "Sommer-Projekt" zeigen), hat sich das Kollegium dazu entschieden, das Systemforum zu reaktivieren.

      Im Laufe des Abends werden - quasi zur "Einweihung" - ein paar Threads mit Neuigkeiten bespielt. Wir hoffen, dass auch Ihr Euch über die Rückkehr des Systemboards freut und auf einen Besuch vorbeikommt.

SisterMaryNapalm

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  1. Abstimmung zur "Einsam"-Malchallenge Juni 2019

    Gerade das macht die Dame ja so einsam. Sie kann sich einfach nicht entscheiden, wen sie anstrahlen soll.
  2. Und sonst so? - Kubika in Paradice (Gesammelte Projekte)

    Ja, viel ist ja nicht mehr zu Kleben. Ich habe die Dame heute mal testweise zusammengebaut und festgestellt, dass der Rest relativ einfach geht. Die Panzerung werde ich tatsächlich nach meinem Weathering-Modell airbrushen. Das dürfte recht einfach gehen und einen ähnlichen Effekt erzeugen wie bei meinen Panzern. Wie ich aber mit dem organischen Material, sprich Haut, Haare und Kleidung usw. umgehe - da muss ich erst einmal einen Pinselexperten befragen. Haha. mal gucken. Wenn ich sie soweit zusammengebaut habe, dass sich nicht mehr an der Figur machen lässt für den Moment, dann stelle ich sie erst einmal zur Seite. Habe sowieso noch eine Gruppe Panzer auf dem Tisch. die müssen vorher fertig werden :-D
  3. Und sonst so? - Kubika in Paradice (Gesammelte Projekte)

    Hallo, Nein. Grundsätzlich nicht. Es sind Decals für Augen und Augenbrauen dabei. Es gibt aber Leute, die das wirklich machen. Das Bild zeigt auch die "fertige" Alicia, also nachbearbeitet mit Airbrush und Weathering der Panzerung. Von daher: ja! Die Panzerung sieht definitiv anders aus, wenn sie fertig ist. Weitere Decals sind da nicht bei. Das heißt also, dass die Panzerung etc wirklich noch bemalt werden müsste.
  4. Und sonst so? - Kubika in Paradice (Gesammelte Projekte)

    So, Tja - long time no see. Irgendwie wird es immer weniger. Von Zeit zu Zeit versuche ich mal wieder zu sculpten oder zu basteln, aber seit einiger Zeit funktioniert es nicht mehr so wie es sollte. Daher habe ich den größten Teil meiner Tätigkeiten vorerst eingestellt. Aber ... na ja, ein wenig was kommt ja immer mal wieder, und so fiel mir eine Reihe von Kits in die Hand, die ich in Japan erstanden hatte vor ein paar Jahren. "Na ja", dachte ich ... "was kann schon schief gehen? Die sind eben alle etwas größer und werden mich Zeit und Nerven kosten. Aber irgendwie ... irgendwie werde ich es überleben." Und so begann ich mit Alicia Melchiott aus dem Valkyria Chronicles Franchise. Ein sehr schönes Kit, das man für so ca. 12.000 YEN bei Volks in Tokyo oder Osaka kriegt. Eine schöne Figur mit einer Menge Teile, die alle zusammengebaut werden wollen. Und obwohl die Figur ziemlich groß ist - halt Standard für eine Anime Figur - hatte ich deutlich mehr zu kämpfen als mit der letzten 28mm Figur, an der ich Firlefanz angebracht habe. Irgendwann schlugen dann auch wieder Zitterhände, Konzentrationsschwächen und co zu, und so habe ich wohl mehr abgebrochen und stiften müssen, als eigentlich geplant war. Schade, Schade. Aber dennoch - mit etwas Glück und einer Menge mehr Schwein als es mir bei so einer schludrigen Arbeit eigentlich zustehen sollte - habe ich die Figur dann fast fertig gekriegt. Zuerst nur die einfachen Teile: Und dann schließlich auch noch den Großteil der Dame: Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen. 1. Ich habe es geschafft, den Repetierhebel des Gewehr zu verlieren. Der ist irgendwo beim Anpassen der Waffe festgehakt, abgebrochen und hat sich dann auf den langen Weg nach Gallia gemacht. 2. Die einzelnen Teile waren nicht so passgenau, wie ich es gehofft habe. Teilweise musste man echt fummeln und drücken und ich habe sogar BEIDE Hände abgebrochen, einen ihrer Zöpfe und eines der Panzerungselemente. Allerdings war die Figur doch sehr gnädig, und alle Bruchstellen lassen sich entweder gut verstecken oder so gut abschleifen, dass sie beim späteren Bemalprozess sowieso übergepinselt werden. Phew, Glück gehabt. Selbst die Kanone liegt so auf ihrer Schulter, dass man den Repetierhebel nicht vermissen wird. Und wenn doch, na ja ... Draht, Greenstuff und ein Bohrer werden das Problem lösen. Und aus dem Gallian-1 wird dann ein Gallian-.1 Tokarev Style. 3. Und das ärgert mich ... ich habe einen richtigen Speedbuild gemacht, die Teile zusammengebaut und verklebt und weil das ein Resin-Kit ist, auch Sekundenkleber genutzt. Irgendwann ging mir auf: Supi - du hast ihr die Haare und Co angeklebt und kommst auch noch gut an die Augen zum Bemalen oder Decal-Schieben - aber ... wie kommst du jetzt noch an die Augenbrauen? Das war nicht gerade KLUK von mir. Ich glaube, darunter werde ich später noch ein wenig länger leiden ... Aber nicht mehr heute. Ich gehe ins Bett. Morgen mache ich Alicia fertig und dann kommt die nächste dran ... Isara.
  5. Equilibrium (letztes Update: 13.07.2019)

    Und das mit kommt das neue Kapitel! Wie immer vielen Dank an Nakago für’s Beta-Lesen und euch … viel Spaß beim Lesen! 13 Cassius betrachtete die vor ihm angetretenen Männer und brummte zufrieden. Ihre Tarnung war perfekt. Na ja, perfekt war vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Kleidung und Ausrüstung waren eine Sache. Verhalten und Disziplin eine andere. Wie sollte man zwölf Totschlägern aus der Unterwelt Bastets die Grundzüge soldatischen Benehmens beibringen? Vor allem in einem Zeitraum weniger Tage? In den Drillzentren der Imperialen Armee dauerte so etwas Monate – und dort verwendete man ganz andere Motivationsmethoden als die, mit denen er Vorlieb nehmen musste. Aber in Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit war ihnen ein kleines Meisterstück geglückt. Nun standen sie hier, einige hundert Meter von der offiziellen Route des Festumzugs entfernt zwischen den zerklüfteten Klippen am Ufer der Maat, und bereiten sich auf das baldige Ende eines friedlichen und ekstatischen Fests vor. »Also, kommt zusammen«, rief er die zwölf täuschend echt aussehenden PVS-Männer zu sich, schwor sie noch einmal auf das Unternehmen ein. In der Ferne hörte man Leute jubeln. »Hat es eine Änderung gegeben?«, fragte einer der Männer. »Ja«, nickte ihr Anführer. »Der Plan bleibt grundsätzlich derselbe: Wir gehen rein, töten unser Ziel, richten so viel Schaden an wie möglich und verschwinden dann wieder.« Er blickte jeden von ihnen an. »Und wo genau ist die Änderung?« »Unser Ziel ist nicht mehr der Gouverneur.« Das versetzte seine Begleiter in Erstaunen, und Cassius wusste, dass die nächsten Worte dieses Erstaunen in Entsetzen wandeln würden. »Unser neues Hauptziel ist Inquisitorin Galia Sinwell.« Wie erwartet sogen die anderen scharf Luft ein. Einer stieß sogar einen unterdrückten Schrei aus. »Und was ist dein Problem?« »Das war nicht Teil der Abmachung«, gab der Mann zu verstehen, ein dunkelhäutiger, von Narben entstellter Kerl namens Zwebe. »Den Gouverneur töten ist eine Sache.« Er schüttelte den Kopf. »Aber einen Angriff auf eine Inquisitorin …« Seine Stimme verebbte. »Es ist ein bisschen spät für Zweifel, denkst du nicht, du Idiot?«, warf ihm ein anderer entgegen. Kurz darauf waren die beiden in einen handfesten Streit verwickelt. »Du nennst mich Idiot?« »Ich würde dir den Hals aufschlitzen, wenn ich könnte, du scheiß Kaffer!« »Ich bring‘ dich um!« »Und ich stech‘ dich ab!« Dann gingen sie aufeinander los. Die anderen Männer wichen eilig zurück. Sie waren zwar alle harte Kerle, aber keiner von ihnen verspürte den Willen, in eine beginnende Auseinandersetzung zu geraten, die im Verlust eines Fingers, einer Hand oder dem eigenen Leben enden konnte. »Ey!«, bellte Cassius und zog seine Pistole. Es war eine Automatikwaffe, keine der Laserpistolen, wie sie in den Reihen der imperialen Armee Verwendung fanden. Ohne Zweifel hätte er eine derartige Waffe bevorzugt. Laserwaffen waren solide und funktioniert zumeist fehlerfrei, sie hatten kaum Ladehemmungen und trafen ihr Ziel mit chirurgischer Präzision. Außerdem generierten sie keine Querschläger. Allerdings besaßen Projektilwaffen dem Laser gegenüber in diesem Fall einen unbestreitbaren Vorteil: Sie verursachten Schäden. Wer mit einem Laser auf einen Menschen schoss, der tötete ihn direkt oder ließ den Überlebenden mit lokalen Beschädigungen zurück. Eine Automatikwaffe hingegen war in der Lage, Gliedmaßen abzureißen oder zu zerschmettern, und somit einen dauerhaften Eindruck zu hinterlassen. Gewiss keine gute Waffe aus zivilisierteren Tagen des Imperiums, aber dennoch ausreichend für ihren Auftrag. Und da die Planetaren Verteidigungsstreitkräfte von Bastet eine große Anzahl an Automatikgewehren besaßen, fielen sie zwischen den Waffen der anderen Soldaten auch nicht auf. Natürlich bedeutete der Einsatz einer Projektilwaffe eine gewisse Einbuße an Feuerkraft und Effektivität, aber das war ein Risiko, das er eingehen würde. Mit Geschossen kannte er sich aus. Er hatte sie mehr als oft genug eingesetzt. Das einzige Problem würde sein, dass getroffene Körper spritzten, also die kinetische Energie eines Projektils Körperflüssigkeiten in alle Richtungen verteilte. Nicht, dass es ihn gestört hätte. Nein. Beileibe nicht! Er interessierte sich nicht einen Deut für die Leiden eines anderen Menschen. Aber aus bitterer Erfahrung wusste er, dass man sich durch das Abfeuern der Waffe und die Besudelung mit den Körperflüssigkeiten des Gegenübers im Zweifelsfall unter Umständen selbst verriet und überführte. Glücklicherweise würde das vorerst nicht notwendig werden. In dem Moment, da er die Waffe durchlud, hielten die Kontrahenten inne. »Ich könnte euch beide jetzt abknallen«, erklärte er, »aber dann würden mir zwei Leute fehlen. Und aktuell brauchen wir jeden Mann.« Das stimmte sogar. Der Grund dafür war einfach – und wenn seine Kumpanen über nur ein wenig Grips verfügten, würden sie es selbst begreifen – die Chance, aus ihrem Vorhaben lebend herauszukommen, maß sich als sehr gering aus. Arbites, PVS, vielleicht sogar Gardisten… all das waren Faktoren, die wider dem Überleben standen. Selbst, wenn man diese Barrieren überwand, dann stand man immer noch Sinwell selbst gegenüber. Und von einer Inquisitorin hieß es, dass sie durchaus in der Lage war, sich gegen einen Angreifer zur Wehr zu setzen. Ja. Cassius benötigte im Augenblick jeden Mann. Aber er hatte nicht vor, sie alle mit zurückzunehmen. Die Streithähne trennten sich. Cassius musterte sie abschätzig, dann halfterte er die Waffe und zog ein Datenpad aus der an seinem Gürtel befestigten Kartentasche. Es dauerte einen kleinen Moment, den das klobige, aus gebürstetem Stahl bestehende Gerät benötigte um zu begreifen, dass es gerade gebraucht wurde und sich unter Zuhilfenahme von Cassius‘ Daumen aktivierte. Schon bald wechselte das mit verblichenen Reinheitssiegeln versehene Anzeigegerät den Betrachter, präsentierte den Anwesenden ein altes, körniges Bildnis von Galia Sinwell, ein Archivfoto aus den Tiefen eines Bibliothekscomputers der Inquisition. »Kommen wir dann überhaupt an die Bühne heran?«, wollte einer der Attentäter wissen. »Ja. Sie reist allein, nur mit einem oder zwei ihrer Leibwächter und ein paar Getreuen. So zumindest hat es mir mein Beobachter gemeldet.« »Was ist mit den Gerüchten, dass nicht die PVS und die Arbites die Tribüne bewachen, sondern die Imperiale Armee?«, erkundigte sich einer der anderen Männer düster. Sie nickten. »Ich habe bisher keine Bestätigung dafür bekommen können«, musste Cassius gestehen. »Aber selbst wenn: die Imperiale Armee besteht auch nur aus Soldaten. Und da sie Bastet fremd sind, werden sie uns gegenüber im Nachteil sein.« »Ändern wir unser Vorgehen?« »Nein«, entschied Cassius. »Zwebe wird drei Männer nehmen und sich bei der Brücke platzieren. Sobald die Schießerei losgeht, werden sie dort zum Angriff übergehen. Ich denke, zumindest das solltest du hinkriegen, oder?«, schoss er in Richtung des dunkelhäutigen Attentäters. »Ich will mich nicht mit der Inquisition anlegen. Aber Leute töten, das kann ich«, grunzte der Angesprochene unwillig. »Wir anderen werden uns auf und um die Tribüne herum platzieren«, fuhr der Anführer fort. »Damit ist sichergestellt, dass wir die Inquisitorin aus allen Winkeln her unter Feuer nehmen können.« Er atmete tief durch, blickte jedem von ihnen noch einmal in die Augen. »Egal, was passiert: tötet Sinwell!«, beschwor er sie. Die Männer nickten nervös. Keiner von Ihnen hatte mit einer derartigen Entwicklung gerechnet, aber aus wollte auch keiner mehr aussteigen – und sei es auch nur aus der Furcht, Cassius könnte ihnen doch noch in den Rücken schießen. »Gut«, meinte der selbsternannte Sergeant. »Bestehen sonst noch Fragen?« Er erhielt keine Antwort. »Das ist auch besser so.« Kurze Zeit später trennten sich die Männer und sickerten zwischen die versammelten Zuschauer, um schließlich die Absperrungen zu übertreten und ihre Positionen einzunehmen. Dieses Saatfest würde ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten werden. *** Es gibt eine Reihe von großen, jährlich abgehaltenen, Festen auf Bastet. Die meisten dieser Feste gehen mit Weihen, Danksagungen und besonderen Jahrestagen einher. Ein Beispiel dafür ist die Priesterschau. Dieses Feierlichkeit, die meist vor Beginn der Regenzeit abgehalten wird – und aufgrund der darauffolgenden Wettereignisse regelmäßig in das Pluvialis, das Regenfest, übergeht – erhält seinen Charme dadurch, dass die Priesterschaft der bastetischen Ekklesiarchie und umliegender Sektoren in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten, um die Gunst der planetaren Bevölkerung, der Heiligen Bastet und des Imperators zu gewinnen, was – der Mythologie zufolge – der Grund dafür ist, dass sich der Planet auch im nächsten Zyklus noch dreht und nicht einfach beleidigt stehenbleibt. Zumeist bilden sich während der Priesterschauen, die irgendwo zwischen lustig absurd und grausam blutig rangiert, ganze Fanblöcke um die Teams lokaler Städte, Dörfer und Gemeinden, in denen die Bevölkerung selbst aufs Feld zieht, um den von ihnen bejubelten Geistlichen zur Seite zu stehen. Der wohl berühmteste Teilnehmer der mannigfaltigen Wettkämpfe war Konfessor Absa, der es trotz seines hohen kirchlichen Ranges – welcher ihn eigentlich von den Spielen ausnahm – nie versäumte, regelmäßig an den Wettkämpfen teilzunehmen, ebenso regelmäßig zu gewinnen und damit ein hohes Ansehen zu erhalten. Bis zu jenem Tag, an dem er, auf einem Karika reitend, von einer Klippe stürzte. Eine ärgerliche Angelegenheit, die damals zu betretenem Schweigen und einem kilometerlangen Trauermarsch führte, der aufgrund der sich ändernden Wettersituation dann in das Regenfest überging. Das wiederrum wurde in Teilen der Ekklesiarchie missverstanden und als Beleidigung aufgefasst, woraufhin man eine ganze Kampfabteilung des Adeptus Sororitas auf Bastet stationierte, die regelmäßig an die Kollektetermine erinnerte. Wie sich der geneigte Betrachter denken kann, ist all das lang, lang her, und die Priesterschauen sind seitdem etwas friedlicher geworden, wenn auch nicht minder spannend und aufregend. Aber all das tritt natürlich in den Hintergrund gegenüber dem magischen Erlebnis, Zeuge der großartigen, bunten Welt zu werden, in die das Saatfest den Planeten Bastet III Jahr um Jahr verwandelt. Wie der Großteil der Festivitäten auf Bastet ist auch diese offiziell als Festus Sementis bezeichnete Zusammenkunft geselliger Art aus den Ritualen der frühen Besiedlungstage entstanden. Jenen Zeiten, als die Bevölkerung des Planeten noch etwas stärker vom Segen des Imperators abhängig war. Ähnlich wie beim Regenfest feierte man den Beginn eines neuen Tertials und die gleichzeitige Aussaat, die das Überleben der Planetenbewohner für ein weiteres Jahr sichern würde. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine lange Prozession, die den Weg des gefallenen Wassers aus den Bergen, entlang der Verläufe von Maat und Freon bis an die Mündungen der wenigen Meere Bastets nachzeichnete. Während dieser Zeit ruhten die meisten Aktivitäten, und das planetare Bild wurde von riesigen Umzügen geprägt; gewaltigen Schlangen aus Musikern, Tänzern, Menschen und Kreaturen, die sich allesamt einer ekstatischen Reise hingaben. Es war bereits Jahre her, dass Ekko das letzte Mal in den Bann des Saatfests geraten war, doch in dem Moment, da er die Bühne am Rande der Umzugsstrecke betrat, die in ihrer Nähe befindliche, reich geschmückte Brücke entdeckte und die entlang des Weges feiernden Menschen sah, spürte er erneut das seltsame Gefühl innerer Zufriedenheit in sich, das er zuvor so oft empfunden hatte. Nun saß er, auf eigenen Wunsch etwas abseits der restlichen privilegierten Persönlichkeiten des bastetischen Lebens, am äußersten Rand der sechsten Ebene der großen Tribüne und genoß so einen großartigen Ausblick auf die Strecke, die der Festtagsumzug bald erreichen würde. Hinter ihm, einigermaßen im Schatten des großen Sonnensegels verborgen, hatte Sergeant Krood Aufstellung genommen – wie für einen Kasrkin gehörig in voller Rüstung. Gireth, Ekkos Funker, saß neben seinem Colonel auf der Treppe, den sperrigen Funktornister auf dem Rücken. Am anderen Ende der Tribüne, gegenüber von Krood, hatte sich ein einzelner Soldat der Planetaren Verteidigungsstreitkräfte von Bastet positioniert und starrte angestrengt auf die Strecke. Der Colonel betrachtete den Mann schon eine ganze Weile lang. Irgendetwas an dem Infanteristen kam ihm seltsam vor, aber was genau, das konnte er auch nicht wirklich sagen. Er erhielt auch keine Gelegenheit, den Mann einer noch genaueren Musterung zu unterziehen. »Ah, Colonel Ekko!«, begrüßte ihn eine bereits sehr bekannte, aber ebenso unbeliebte Stimme. Brag Fradd, den Leib in feinste Gewänder gehüllt, eilte auf ihn zu, nur um ihm überschwänglich die Hand zu schütteln. »Schön, dass Sie es einrichten konnten.« »Hätte ich denn eine Wahl gehabt?«, erwiderte der Colonel mit derselben falschen Freundlichkeit, mit der er begrüßt worden war, bevor sich sein Blick auf die Begleiter des Konsuln richtete, die hochgewachsene Gestalt von Takhat Minnefer, dem planetaren Gouverneur und … »Was machen Sie denn hier?« Galia Sinwell und Evi Biasz, beide so überlebensgroß und herrlich anzusehen wie künstlerische Darstellungen der Zwillingsschwestern am Himmel Bastets, schwebten die Tribüne empor. Zumindest erweckten die um ihre Körper fließenden Roben diesen Eindruck. »Colonel Ekko«, gab Sinwell mit höflich-distanzierter Miene zurück. Evi Biasz hingegen bedachte ihn mit einem Blick, der ihn an ein paarungsbereites Eichhörnchen denken ließ und Erinnerungsfetzen an eine gewisse Schwester des Adeptus Sororitas in seinem Innersten aufwirbelte. Fradd wandte sich um, sichtlich irritiert von der Tatsache, dass die Aufmerksamkeit des Offiziers direkt an ihm vorbeiwanderte und sich stattdessen den beiden Damen vorstellte. »Wir freuen uns, Sie endlich wieder treffen«, fuhr die Inquisitorin zuckersüß fort. »Ich hoffe doch sehr, Sie sind uns nicht böse. Wir hatten einfach nur einen … unglücklichen Start, denken Sie nicht?« »Nein«, meinte der Colonel ausdruckslos. Während sich die beiden Frauen vielsagend anblickten, wandte er sich um. »Gireth?« »Hier, Colonel.« »Irgendetwas von Sergeant Rebis?« »Die Männer verteilen sich gerade und sollten bald in Position sein«, meldete der Funker. Ekko schürzte die Lippen. »Wollen Sie mal nachgucken gehen?« »Wenn Sie es wünschen, Sir«, gab der Angesprochene zurück. »Ich bitte darum.« Gutheißend winkte der Colonel seinen Untergebenen fort. Der schlug die Hacken zusammen und eilte die Sitzreihen der Tribüne herab, um im Zuschauergedränge am Rand der markierten Umzugsstrecke zu verschwinden. Erst jetzt konzentrierte sich Ekko wieder auf die Personen vor ihm. Der Gouverneur war inzwischen näher gekommen. »Colonel Ekko«, begrüßte er den ihm unbekannterweise bekannten Soldaten. »Ich habe bereits viel von Ihnen gehört.« »Das Meiste davon ist Feindpropaganda«, gab der imperiale Offizier ruhig zurück. »Darunter war auch viel Gutes.« »Auch das war Feindpropaganda.« Unsicher, wie er diese Antwort verstehen sollte, blickte Minnefer erst zu Sinwell, dann zu Fradd. Der Konsul räusperte sich. »Gibt es einen Grund, aus dem Sie sich so weit abseits hingesetzt haben? Von hier oben sehen Sie doch kaum etwas.« »Das geht schon.« Fradd wandte sich um, blickte über die Ebene und runzelte die Stirn. »Tatsächlich? Wie denn?« Ekko zuckte die Schultern. »Hab‘ das hier«, meinte er lakonisch und hob das um seinen Hals hängende Fernglas. »Und ihn da. Krood?!«, rief er, indem er hinter sich deutete. Zum Erstaunen aller materialisierte ein schwer gepanzerter Elitesoldat der imperialen Armee an der Seite des imperialen Offiziers. »Colonel?« »Sie melden mir alles, was Sie sehen?« »Ja, Sir.« »Gut. Zurück auf Ihren Posten.« Der Kasrkin schlug die Hacken zusammen und verschwand wieder unter dem Sonnensegel. Ekko lächelte. »Sie sehen also: Ich kriege alles mit.« »Aber ist es nicht ein wenig einsam so weit oben?«, wollte der Gouverneur wissen. Sein Gegenüber winkte müde ab. »Das ist eine Tatsache, an die ich mich als Person im gehobenen imperialen Dienst gewöhnt habe. Wenigstens ist das Wetter schön und die Leute sind gut gelaunt.« Er lächelte nichtssagend. »Und Ihre Soldaten haben die Situation im Griff?«, wollte Fradd wissen. »Bis jetzt habe ich nichts Gegenteiliges gehört«, erwiderte Ekko, bevor er einladend die Hand hob. »Sollte es soweit kommen, werden Sie es vermutlich als Erste erfahren.« »Hm«, meinte der Gouverneur und runzelte die Stirn. »Sie wirken etwas unzufrieden. Ist alles in Ordnung?« »Meine Begeisterung könnte nicht größer sein.« Fradd sprang eilig bei, noch bevor der Gouverneur die Chance hatte, die Worte des Gegenübers als Beleidigung aufzufassen. »Sein Regiment wird komplett neu aufgebaut. Er ist mit vielen Dingen beschäftigt«, erklärte er. Ekko nickte. »Wie er gesagt hat.« »Oh!«, begriff der Gouverneur. »Dann stören wir Sie besser nicht.« Er wandte sich an Fradd. »Ich nehme an, Cobis wird bald eintreffen. Vielleicht sollten wir ihn begrüßen.« »Eine ausgezeichnete Idee, ehrenwerter Gouverneur«, stimmte der Konsul des Munitoriums zu. Dann schoss er einen bösen Blick zu Ekko. Doch der reagierte gar nicht auf den stummen Tadel, sondern hob lediglich einladend die Hand: »Genießen Sie den schönen Tag.« »Ja«, meinte der Gouverneur, als er sich abwandte. »Sie auch.« Dann verließen Fradd und er den Platz des Colonels, stiegen die breiten Stufen der seitlichen Treppe in die tieferen Ebenen der Tribüne hinab. Sinwell und Biasz blieben zurück. Nach einer Weile blickte die Inquisitorin den imperialen Offizier an. »Sie haben eine unfassbar charmante Art, Colonel Ekko«, meinte sie spöttisch. »Sorgt es Sie gar nicht, dass Sie das eines Tages den Kopf kosten könnte?« »Diese Eigenart habe ich nach meiner zehntausendsten Nahtoderfahrung abgelegt«, gab er zurück und zuckte die Achseln. »Was soll mir noch groß passieren? Sterben? Damit macht man mir keine Angst mehr.« »Nein, das ist wohl wahr«, überlegte Sinwell laut. »Für Sie wäre es anscheinend eine größere Strafe, wenn Sie ewig leben würden.« »Vermutlich.« »Dennoch«, fügte sie an, bevor er die Gelegenheit zu einer längeren Antwort erhielt, »man sollte nie auf einen bestimmten Wunsch hinarbeiten, wenn die Chance besteht, dass er früher wahr werden könnte als es genehm ist.« Darüber dachte Ekko ein wenig nach, stellte aber fest, dass ihm auf diese Aussage keine kluge Antwort einfiel und so beschloss er, sie einfach aus seiner Erinnerung zu streichen. Sein Blick richtete sich auf Biasz. »Wo ist denn ihr Halsband?« »Mein was?« »Dieser rote Sprengring, der Sie bei unserer letzten Begegnung umgelegt hatten.« »Aber …«, erklärte die Interrogatorin etwas unsicher. »So etwas besitze ich gar nicht.« »Oh. Dann habe ich das wohl geträumt«; stellte er sinnend fest. »In letzter Zeit träume ich recht ausgiebig.« Am anderen Ende der Tribüne hob Jubel an, hieß Konfessor Cobis, das ekklesiarchische Oberhaupt des Bastet-Systems, als Ehrengast der bevorstehenden Parade Willkommen. Der Colonel und die Dienerinnen der Inquisition beobachteten das Treibe eine Weile, bis Sinwell sich schließlich wieder an ihn wandte. »Glauben Sie mir: damit sind Sie nicht allein.« Sie seufzte leise. »Ich gehe ihn mal begrüßen.« »Viel Spaß«, bemerkte der Colonel und lehnte sich wieder in seinem Sitz zurück. Biasz machte Anstalten, ihrer Herrin zu folgen, doch die winkte ab. »Nein. Das ist nicht nötig. Bleib ruhig hier und genieße die Aussicht. Colonel Ekko hat recht: Sie ist wirklich fantastisch.« Dann ging sie, ließ ihre jüngere Begleiterin zurück. Eine Weile lang stand die Interrogatorin einfach nur verloren an ihrem Platz und schien nicht so recht zu wissen, was sie nun tun sollte, bis der in unauffälligen Steppentarn gehüllte Offizier neben ihr nachlässig winkte. »Nehmen Sie Platz.« Dankbar ließ sich die angehende Inquisitions-Richterin elegant auf den Sitz an seiner Seite sinken, bevor sie schließlich mit leiser Stimme sagte: »Das hier ist eine seltsame Welt.« Ihr Gesprächspartner zuckte die Achseln. »Seltsam ist gar kein Ausdruck.« Er seufzte melancholisch. »Hier hat’s nie was gegeben, hier gibt’s nichts und hier wird es nie was geben. Und trotzdem lebt hier eine Handvoll armer Irrer, die sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen könnten.« Biasz sah ihn an. »Sie klingen, als gehörten Sie gar nicht dazu.« »Diese Welt hat ihren Platz in meiner Erinnerung schon vor langer Zeit geräumt.« Er erwiderte ihren Blick. »Und jetzt bin ich wieder hier. Verrückt, nicht wahr? Übrigens: habe ich Sie eigentlich schon zu dem tollen Dekolleté beglückwünscht?« »Was?« Biasz blickte an sich herab, lief kurz rot an und verschränkte dann betont unauffällig die Arme vor der Brust. »Wie … wie kommen Sie denn jetzt darauf?«, verlangte sie zu wissen. Erneut zuckte er die Achseln. »Ich fragte mich nur gerade, ob es wohl im Dunkeln leuchtet, wenn Sie sich da einen Sonnenbrand holen. Wie auch immer …« Er erhob sich. »Keine Ahnung, weshalb Gireth nicht zurückkommt, aber ich müsste mal einen Kontrollgang machen. Meine Truppen inspizieren.« Er vollführte eine einladende Geste. »Wollen Sie mich begleiten?« »Warum nur habe ich das Gefühl, dass ich das bereuen werde?«, erkundigte sich Biasz rhetorisch. »Keine Ahnung. Da müssten Sie vielleicht etwas tiefer in meinem Kopf wühlen.« *** Sie trafen Gireth am Fuß der Treppe. Inmitten der Menschenmassen hätten sie ihn beinahe übersehen. Der junge Funker wirkte ausgesprochen unglücklich, sodass Ekko den Kopf schieflegte. »Scheint, als hätten Sie Rebis’ Leute bisher nicht gefunden.« »Das ist es nicht, Sir«, erwiderte der Angesprochene missgelaunt. »Ach, Gireth!«; meinte der Colonel gutheißend und legte den Corporal den Arm so betont lässig um die Schultern, dass man den Eindruck gewinnen konnte, die beiden befänden sich gerade auf einer Sauftour. »Erzählen Sie’s mir doch.« »Nein, Sir!«, gab der Soldat zurück und versuchte, sich von seinem Vorgesetzten zu lösen. Ekko hielt ihn fest. »Ich will’s aber wissen …«, nörgelte er. Jetzt endlich schaffte es Gireth, den Arm des Regimentskommandeurs abzuschütteln und einen Schritt zur Seite zu treten. In Anbetracht der Masse an Personen um sie herum war das gar nicht so einfach. »Gireth, das beleidigt mich«, sagte der Abgewiesene und rümpfte gespielt betrübt die Nase. »Dafür schulden Sie mir eine Erklärung.« »Nein, Sir. Ich möchte nicht.« Jetzt erst schien dem Regimentsfunker aufzugehen, dass Ekko nicht allein war. »Wer sind Sie denn?«, entwich es ihm. Biasz setzte zu einer Antwort an, doch Ekko kam ihr zuvor. »Oh, das ist meine neue Freundin. Evi.« Verschwörerisch lehnte sich der Colonel vor. »Sie ist vom Ordo Hereticus. Sie kann alles aus Ihnen herausquetschen, was sie wissen will.« Dann legte er wieder den Arm um die Schulter seines Untergebenen. »Sehen Sie sie sich genau an: Sie quetscht sehr gerne.« »Sir, das ist nicht witzig!«, meinte Gireth, doch Biasz fuhr dazwischen. Ihre Stimme, knisternd wie ein geladener Elektrometeor, sandte heiß-kalte Schauer über die Rücken der beiden Männer. »Fick dich?«, fragte sie. »Verpiss dich, du kleiner Wurm. Sonst knall‘ ich dich ab? Das hat er zu Ihnen gesagt?« Ekko löste sich von seinem Funker, trat zurück und verschränkte die Arme. »Hat wer gesagt?«, verlangte er zu wissen. Gireth, unglücklich zur Interrogatorin blickend, berichtete betreten von dem Vorkommnis. Wie sich herausstellte, hatte er die von Ekko zur Sicherung der Tribüne eingesetzten Infanteristen tatsächlich gefunden und sich über den Grad ihrer Einsatzbereitschaft informieren lassen. Alles war in Ordnung. Die Männer standen auf ihren Posten und erwarteten das Eintreffen der nahenden Prozession. Auf dem Rückweg allerdings geriet der Corporal an einen offensichtlich gar nicht dienstbeflissenen Soldaten der PVS, der Lho-Stäbchen rauchend an einer Absperrung lehnte und die Tribüne betrachtete. Einem militärischen Instinkt folgend, hatte Gireth die Chance genutzt, den Mann auf sein Verhalten anzusprechen, war von diesem aber mit einer sehr unmilitärischen, aber dennoch zackigen Antwort abgewiesen worden. Unsicher, wie die Insubordination zu parieren gewesen wäre, nagte der junge Soldat nun ein wenig an der Tatsache, dass er sich selbst nicht zu helfen wusste. »Oh, das klingt ja nach einem geistig besonders gefestigten Individuum«, stellte der Colonel abschließend fest. Er meinte den PVS-Soldaten »Denken Sie, Sie würden mich Ihrem neuen Freund vorstellen wollen?« »Lieber nicht«, gab der Funker zurück. Hinter ihnen begannen die Menschen zu jubeln. Die Prozession war angekommen. »Ich denke nicht, dass Sie eine Wahl haben, Soldat«, stellte Biasz ganz richtig fest. Ekko blickte sie an, hin und her gerissen zwischen Bewunderung und Skepsis gegenüber der Art, mit der sie den Soldaten vor sich hertrieb, den eigentlich für derartige Tätigkeiten verantwortlichen militärischen Vorgesetzten vollkommen außer Acht lassend. Doch Biasz kümmerte das nicht. Vermutlich merkte sie nicht einmal, dass ihn etwas an der Art störte, mit der sie das Problem anging. Und selbst wenn: Evi Biasz gehörte nicht zu den Frauen, die sich um das Wohlergehen anderer Leute kümmerten, wenn es dem Erreichen ihrer Ziele entgegenstand. Gireth wollte etwas erwidern, kam allerdings nicht mehr dazu. Der Jubel um sie herum schwoll an. Darunter mischten sich schwere, hallende Gongschläge, die Geräusche von tausenden Füßen, von Musik und das Knarren der Festwagen. Auf seinem Weg von der Quelle der Maat bis an die Goroni-Brücke hatte der Umzug bereits eine ordentliche Strecke zurückgelegt. Gute fünfhundert Kilometer. Während dieser Zeit hatten sich der Prozession Tänzer, Musiker, Priester, Spielleute und allerlei verlorene Seelen angeschlossen, und von den wenigen Hundert Menschen, mit denen der Umzug begann, war er inzwischen auf tausende angewachsen. Gerade zwängten sich die ersten Gruppen aus ekstatisch wirbelnden, barfüßigen Tänzern und Musikanten zwischen den zerklüfteten Ausläufern der großen östlichen Gebirgsketten hervor und fächerten auf die Ebene aus, deren unweigerlichen Abschluss die Goroni-Brücke bilden würde. Irgendwo dort standen Retexers Truppen bereit, um sich der Formation anzuschließen und sie über einen Weg von mehreren Kilometern hinweg zu begleiten. »Hören Sie das?«, fragte Ekko rhetorisch und deutete in die Luft. »Da kommt der Festumzug. Den möchte ich um nichts in der Welt verpassen. Also«, zwang er den Funker, sich seinem Willen zu beugen, »sollten wir uns beeilen. Hinfort!« Gireth, nun noch unglücklicher dreinblickend, drehte sich um und wankte in die Richtung zurück, aus der er gekommen war. Noch bevor sich Biasz neben ihm in Bewegung setzen konnte, hielt der Colonel sie mit einem Wink der Hand auf. »Das war nicht sehr nett«, schalt er die kleinere Frau leise. Sie warf ihm einen unbeeindruckten Blick zu, legte den Kopf schief und ließ den Anflug eines überlegenen Lächelns erkennen, wie es vermutlich nur eine Inquisitorin mit jahrelanger Erfahrung perfektioniert beherrschte. »Aber es war effektiv«, gab sie zu verstehen, bevor sie an ihm vorbeischritt, um dem Funker zu folgen. Ekko sah ihr nach. Was hätte er auch anderes tun können? Sie hatte Recht. *** Gireth führte seine Begleiter durch die Menschenmassen, die sich um die Tribüne versammelt hatten. Wie Ekko musste er sich dabei anstrengen, denn die ekstatisch feiernden Leute ließen kaum Platz zum Durchkommen. Mehr stoßend und schiebend denn wirklich gehend, bahnten sich die beiden Soldaten ihren Weg. Dass sich die Menge um sie herum bewegte wie Gewebe, das einen Fremdkörper abzustoßen versucht, machte ihnen die Aufgabe nicht wirklich leichter. Biasz schien diese Art von Problem nicht zu haben. Sie glitt einfach zwischen den Menschen hindurch, erhaben und elegant, und die Masse machte ihr bereitwillig Platz. Gleich Wasser, das es nicht wagt, ein riesiges Schiff zu attackieren. Vermutlich hätte sie sogar über die Köpfe der Anwesenden hinwegmarschieren oder sich auf ihren Händen tragen lassen können, ohne dass ihr irgendjemand Widerstand entgegenbrachte. »Ich frage besser nicht, wie Sie das gemacht haben«, meinte der Colonel, als sie endlich ein wenig Freiraum erreichten. »Ich glaube auch nicht, dass Sie es verstehen würden«, gab die junge Frau zurück. Sie sagte diese Worte mit leidenschaftsloser, feststellender Stimme, aber ihre Worte trafen den Basteter wie ein gut platzierter Faustschlag. »Nein«, musste er zugeben. »Vermutlich nicht. Ich bevorzuge die simplen Methoden. Die kann ich mir wenigstens merken. Und viertausend Mann im Rücken gibt einem dann auch ein wenig mehr Sicherheit.« Er meinte sein Regiment. »Das unterscheidet uns von Ihnen«, erwiderte Biasz. »Wir müssen – und können – uns anders behelfen.« Er rümpfte die Nase. »Und ich hatte mir gerade vorgenommen, Sie vielleicht doch ein wenig zu mögen. Also Gireth? Wo ist der Mann?«, fuhr er, an den Funker gewandt, fort. »Vorhin stand er an der Tribüne«, berichtete sein Untergebener. »Da hinten.« »Offensichtlich steht er dort nicht mehr«, stellte Ekko nach einigen Augenblick genauerer Betrachtung fest. Das infernalische Kreischen eines nahenden Walküre-Sturmtransporters schob sich zwischen die Geräusche des Festes, brach bald aus ihnen hervor wie ein durch einen Körper schießendes Projektil und deckte sie dann mit metallenem Fauchen zu. Aus den Augenwinkeln konnte der Colonel den Schatten der großen Militärmaschine sehen, die langsam ihre Kreise über der Tribüne zog. Wie die zehn Soldaten des Absicherungskommandos und Gren Krood war auch die eingesetzte Walküre Teil des Absicherungskonzepts, das Ekko als Antwort auf das Schutzbedürfnis der Privilegierten auf der Tribüne entwickelt hatte. Nach seinem Gespräch mit Balgor war ihm nämlich ganz allmählich bewusst geworden, dass hinter der Präsenz seiner Männer bei der Parade wie auch an und um die Tribüne nicht nur ein repräsentativer Zweck lag. Die planetare Regierung wollte sich mit den Lorbeeren einer vor Ort befindlichen Einheit der imperialen Armee schmücken, indem sie ihr die Bewachung allein überließ. Aber dadurch, dass man Arbites und PVS-Einheiten von der Tribüne und der Brücke abzog, damit sich die imperialen Armee um deren Absicherung kümmerte, entblößte man einen schützenswerten Körper. Tatsächlich war Ekko das bis zum Eintreffen seiner Soldaten an der Tribüne nicht bewusst gewesen. Er hatte geglaubt, seine Männer würden die Arbites und PVS-Kämpfer unterstützen, nicht deren Aufgaben übernehmen. Diese Erkenntnis allerdings machte eine Planänderung notwendig. Die Walküre, die beiden Bordschützen und Kroods Kasrkin waren ein Teil davon. Der Infanteriezug, den der Colonel zur Verstärkung anforderte, ein anderer. Während die Walküre sie nun bei der Absicherung unterstützen würde, wäre der Infanteriezug, allein schon aufgrund der Verkehrssituation rund um den Festzug, vermutlich erst in einer oder zwei Stunden vor Ort. Pech. Blieb nur zu hoffen, dass der große Imperator seine schützende Hand über sie hielt. »Scheint, als wäre der Mann verschwunden«, bemerkte er. »Schade. Ich hätte ihn wirklich gerne kennengelernt.« Er drehte sich um. »Gehen wir zurück.« Sie wandten sich wieder der Tribüne zu. »Aber …« Gireth zupfte seinen Vorgesetzten am Ärmel. »Da!«, sagte er vernehmlich und deutete auf einen Infanteristen, der sich gerade zwischen die Menschen schob. »Das ist er!« »Was?«, rief Ekko erstaunt aus. »Der da? Von diesem … Totschläger haben Sie sich beeindrucken lassen?« Ja. Doch. Bei genauerer Betrachtung wirkte der Mann wie jemand, der einen jungen Soldaten wie Gireth durchaus aus der Fassung bringen konnte. Bärtig und zernarbt, mit breiten Schultern und von kräftiger Statur. Auf einen unerfahrenen Vorgesetzten mochte diese Erscheinung ähnlich beeindruckend wirken wie die von Melbin oder Solmaar. »Gut. Dann wollen wir mal«, meinte der Colonel und steuerte auf das ihm gegebene Ziel zu. Gireth und Biasz mussten sich anstrengen, um mit ihm Schritt zu halten. »Hey, Soldat!«, sprach der Regimentskommandeur den Unbekannten an. Der reagierte nicht einmal, sondern schob sich einfach weiter durch die Reihen der Anwesenden. »Hey!« Erst, als Ekko ihm auf die Schulter klopfte, drehte sich der Infanterist um. »Name und Rang?«, fragte der Regimentskommandeur. Der Soldat, dessen Uniform kein Namensschild trug, starrte den Colonel an. Hinter seinen Pupillen funkelte das schwache Glimmen eines intelligenzgehemmten Geistes. »Soll ich’s wiederholen?«, erkundigte sich der Sprechende und entlockte dem Mann so eine Reaktion – wenn auch nicht die, auf die er gehofft hatte. »Nein«, sagte der Soldat betont langsam. »Wunderbar«, meinte Ekko ungeduldig. »Wir hatten es ja schon, aber … Name? Rang?« »Fenuku Darwishi« Der Rang blieb ungesagt. »Fenuku Darwishi?« Der Regimentskommandeur hob eine Hand. »Das steht nicht auf Ihrem Namensschild.« Er deutete auf die Brust des Mannes. Der blickte verständnislos an sich herab. »Wo ist Ihr Namensschild?«, wollte der Colonel wissen. »Ich trage keines«, erklang die Erwiderung nach einigen stummen Sekunden. »Sie tragen keines?« »Nein.« »Warum nicht?« Wieder zögerte der Soldat, bevor er nachdenklich die Achseln zuckte. »In letzter Zeit werden Soldaten immer öfter Ziele von Aufständischen, Verbrechern und so weiter, weil man sie anhand ihrer Namensschilder identifiziert hat.« »Hm«, machte Ekko. »Deswegen tragen Sie keine Namensschilder und keine Rangabzeichen?« »Genau.« Ekko wandte den Kopf und maß Gireth mit einem kurzen Blick, bevor er seine Aufmerksamkeit zurück auf den Mann vor ihm fokussierte. »War das auch der Grund dafür, dass Sie meinen Corporal hier so höflich abgewiesen haben?« »Ich habe diesen Mann noch nie zuvor gesehen«, beteuerte der Soldat. »Sie haben Ihn noch nie zuvor gesehen?«, wiederholte der Colonel die Worte des Soldaten. »Nein, Sir.« »Oh.« Ekko blickte zurück zu Gireth, der sich gerade zu einer verzweifelten Erwiderung anschickte, aber von Biasz gestoppt wurde. Sie legte die Hand auf die Schulter und deutete ein Kopfschütteln an, wofür Ekko ihr unendlich dankbar war. »Sollte sich mein Untergebener etwa geirrt haben?«, fragte er rhetorisch und seufzte. »Das wäre natürlich sehr schade – bringt mich aber auf einen ganz anderen Gedanken: Was genau machen Sie eigentlich hier?« »Wie bitte?« »Was machen Sie hier? Was ist Ihr Auftrag?« Der Soldat starrte ihn an, als sei er vollkommen wahnsinnig geworden. Dass er damit in Teilen gar nicht so falsch lag, wusste der Mann natürlich nicht. »Ich bin als Wachsoldat eingeteilt.« »Hier? An der Tribüne?« Der Colonel deutete nach oben, wo sich die riesige Konstruktion erhob. Er stockte kurz, wartete die bejahende Antwort seines Gegenübers ab, dann nickte er verstehend. »Kommen Sie mal mit«, ordnete er an. »Was? Wohin?« »Ich möchte, dass Sie mich begleiten«, wiederholte der Colonel. »Ich würde mich gerne mit Ihnen darüber unterhalten.« Das schien dem Soldaten überhaupt nicht recht zu sein. »Aber, Sir. Ich habe meinen Auftrag!« »Ja – und mein Corporal hat Sie nicht nur beim Vernachlässigen Ihres Dienstes beobachtet, sondern fühlte sich darüber hinaus von Ihnen auch noch beleidigt.« Ekko drehte sich um und bedeutete dem Mann über die Schulter, ihm zu folgen. »Das würde ich gerne klären. Wer ist Ihr kommandierender Offizier?« Noch während er das sagte, bemerkte er, wie Evi Biasz in seinem Blickwinkel die Augen aufriss. Fast zeitgleich folgte Gireth ihrem Beispiel. Dann erklang das metallische Knurren einer Waffe, die gerade durchgeladen wurde. »Du nervst! Geh sterben!« Das Universum hielt den Atem an. Einer eintrainierten Reflexbewegung folgend ließ sich der Colonel nach hinten fallen, den Ellenbogen des rechten Arms nach oben reißend. Der Lauf einer eigentlich gerade in seinem Rücken in Schussposition wandernden Waffe passierte seinen Körper dadurch knapp unterhalb der Brust, sodass er sie unter Zuhilfenahme der linken Hand von sich weglenken konnte. Mit einem Scheppern – zumindest konnte man den Schmerz, der durch seinen Arm zuckte, durchaus damit vergleichen – machte sein Ellenbogen Bekanntschaft mit der Nase des Gegenübers, die den unerwartet heftigen Gruß mit höflichem Knacken erwiderte. Der Infanterist stöhnte auf und ließ sein Gewehr los. Den eigenen Leib als Sperre nutzend und sich gegen den Uhrzeigersinn in den Körper seines Gegners drehend, entriss ihm Ekko die Waffe, nutzte das dadurch entstandene Bewegungsmoment und setzte den Gewehrkolben in einem gezielten Stoß auf das Gesicht seines Gegners. Der taumelte zurück und ging zu Boden. Einige Umstehende wichen zur Seite. »Gut«, meinte Ekko und atmete tief durch. »Das wäre geklärt.« Er pausierte, blickte auf seine Hand und seufzte. »Thronverdammt. Ich habe mich geschnitten.« Weiter vorne wanderte eine der riesenhaften Statuen gerade an der Tribüne vorbei, begleitet von Musik und dem Jubel von Hunderten. »Na, toll. Und den Festumzug verpasse ich auch.« Der Regimentskommandeur seufzte und beugte sich zu dem Soldaten, der zwar ohne Bewusstsein, aber immer noch mit seiner Ausrüstung, einem Messer und einer Pistole bewaffnet war. Ein paar kurze Handgriffe befreiten den erschlafften Leib von seinem Koppeltragegestell und somit von den potenziell tödlichen Werkzeugen. Biasz schürzte die Lippen. »Ich frage besser nicht, wie Sie das gemacht haben.« Ekko bedachte sie mit einem herausfordernden Blick aus seinen braunen Augen. Sie ging nicht darauf ein. »Und was machen wir jetzt mit ihm?« Eine gute Frage, auf der der imperiale Offizier erst eine Weile herumdenken musste. Niemand hatte damit gerechnet, dass die Situation dermaßen schnell eskalieren würde. Ekko kratzte sich am Kopf, dann zuckte er die Achseln. »Eigentlich müssten wir ihn zur Wache oder zur Militärpolizei bringen. Aber ich wüsste nicht, wo sich hier im Bereich Militärpolizei befindet. Und die Wache …« »Haben Sie gerade niedergeschlagen«, meinte Biasz trocken. »Ja.«, musste der Colonel zugeben. »Vielen Dank, dass Sie mich daran erinnert haben. Ich hätte es sonst noch erfolgreich verdrängt.« Er weiterer, kurzer Moment der Überlegung folgte. »Wir bringen ihn erst einmal zu den Arbites. Die sind zwar nicht zuständig, aber können ihn vorerst einsperren und dann an die MP weiterleiten. Gireth, Sie tragen seine Ausrüstung.« Dann bückte er sich und hob den Körper auf seine Schultern. »Und was soll ich tun?«, erkundigte sich Biasz. »Sie gehen voran. Ansonsten sind Gireth und ich morgen noch unterwegs.« *** Anders als Colonel Ekko – und mit ihm wohl die meisten Basteter – konnte sich Tervor Fortis nicht wirklich etwas unter dem Saatfest vorstellen. Er hatte zwar das eine oder andere Gerücht in Bezug auf diese seltsame, wenn auch überwältigende Prozession gehört, die Bastet Jahr für Jahr erneut mit ihrer wilden, farbenfrohen Gegenwart beglückte. Aber abgesehen davon wusste er nicht so richtig, was er von dem seltsamen Festumzug halten sollte, der zwischen den Sanddünen auftauchte, angeführt von rassigen, dunkelhäutigen Schönheiten, deren nur von dünnen Gewänder umwirbelte, in ekstatischer Trance befindliche Körper über den heißen Wüstensand zu fliegen schienen. Spielleute und beeindruckende Festwagen folgten ihnen, umschwärmten mächtige Statuen, deren erhabene Präsenz dem Fest eine besondere Note verlieh. »Und?«, fragte ihn Gouverneur Minnefer, der neben ihm Platz genommen hatte, »was halten Sie davon?« »Ungewöhnlich«, gestand der Manufaktorumsvertreter nach kurzer Überlegung. »Derartige Festivitäten gibt es auf Ghersom nicht.« »Nicht wahr?« Minnefer nickte stolz. »Die ganze Welt ist auf den Beinen. Das ist in der Galaxis wohl einmalig.« Fortis‘ Blick zwang ihn zu einer kleinlauteren Ergänzung: »Oder zumindest in diesem Sub-Sektor.« Er räusperte sich und blickte konzentriert auf die näherkommenden Tänzerinnen. Zeit für Fortis, seine Augen über die Tribüne schweifen zu lassen. Sie war voll. Viele der Leute kannte der Abgesandte der imperialen Industriewelt nicht wirklich, denn sie waren für ihn und seine Arbeit bei weitem nicht wichtig genug, aber zumindest die den Gouverneur und den Vertreter des Munitoriums konnte er zuordnen. Und Konfessor Cobis, das geistliche Oberhaupt des Ekklesiarchie in diesem System. Aber den Konfessor nicht erkennen zu können, wäre in diesem Moment wohl nur bei völliger Dunkelheit möglich gewesen. Auf einem Podest im Zentrum der ersten Tribünenreihen thronend, und von mehreren Dienern begleitet, stach der in opulente Gewänder gehüllte Mann aus der Masse der Anwesenden heraus wie eine Gestalt gewordene Explosion: beeindruckend, aber selbst für den Betrachter aus der Ferne gefährlich anzusehen. Schon bevor er zu seiner Reise nach Bastet aufgebrochen war, hatte sich Fortis über Cobis informiert. Noch rätselte seine Erfahrung darüber, in welche Kategorie von Mensch man ihn wohl am besten einordnete, schätzte aber, dass er besser daran tat, wenn er sich vor Cobis in Acht nahm. Fortis war entschieden, dieser Überlegung Folge zu leisten. »Und wo ist Euer stellvertretender Gouverneur?«, nahm er den so abrupt unterbrochenen Gesprächsfaden wieder auf. Dieses Mal war es der Gouverneur, der ein wenig Zeit verstreichen ließ. »Es gibt eine ähnliche Prozession, die dem Verlauf des Freon folgt«, sagte er schließlich. »Er begleitet die Feierlichkeiten dort. Zusammen mit dem Rest der Regierung.« »Ah, verstehe.« Fortis lehnte sich zurück und ließ seinen Blick über die Festwagen schweifen. Eine riesige Menschenmasse umschwärmte sie. Unfassbar, wie viele Leute dem Spektakel beiwohnten. Bei einer Parade zu Ehren des Imperators hätte er diese Art von Begeisterung noch verstanden, aber für einen einfachen Aberglauben? Er schüttelte langsam und nachdenklich den Kopf. Die Menschen von Bastet schienen – zumindest in diesem Sektor – wirklich etwas Besonderes darzustellen. Er fokussierte seine Aufmerksamkeit zurück auf die scheinbar unendlich lange Schlange aus Menschen, die sich durch die Wüste wand, verfolgte die riesigen Statuen auf ihren Podesten und die von Karikas gezogenen Festwagen. Ein eindrucksvolles Schauspiel, fürwahr. Dann entdeckte Fortis eine Marschkolonne, die einem Spielmannszug und einer Reihe barfüßiger Tänzerinnen folgte. Er verengte die Augen. »Oh? Sind das Einheiten der imperialen Armee?« »Ja, richtig«, erklärte der Gouverneur. »In Serareh befindet sich ein Verschiebungszentrum des Adeptus Munitorium. Dort werden Zehntregimenter und Nachschub für in diesem Subsektor kämpfende Verbände zusammengefasst und auf ihre Verschiffung vorbereitet.« Diese Information machte den Abgesandten von Ghersom IV hellhörig. Zwar war ihm bereits zu Ohren gekommen, dass Bastet einen Umschlagplatz für Menschen und Material im Dienste des großen Imperators darstellte, aber diese Informationen nun sowohl visuell wie auch verbal bestätigt zu bekommen, gab ihm die Möglichkeit, seinen Bericht weiter zu detaillieren. »Aha?«, fragte er deshalb. »Und diese Einheiten hier sind …?« »Fünfhundertzwölftes Regiment Sera«, gab Brag Fradd, der neben ihm saß, zu Protokoll, noch bevor der Gouverneur den Mund aufmachen konnte. »Eine ehemals vollständig bastetische Einheit, die durch cadianische Truppen aufgefüllt wurde, bevor sie in eine schwere Schlacht um eine Schreinwelt ging. Aufgrund der dort erlittenen Verluste hat die Einheit nach Bastet zur Neuaufstellung und Auffrischung mit Reserveeinheiten und Gravschirmjägern verlegt.« »Gravschirmjäger? Sie meinen …?«, überlegte Fortis halblaut, aber dennoch gut vernehmbar. Fradd nickte. »Ganz richtig. Elysianer.« Er vollführte eine ausladende Geste. »Die Sturmfahrzeuge, die Ihr Manufactorum herstellt, werden direkt in das neue Regiment integriert und einen Teil dessen Fuhrparks stellen.« »Ich verstehe.« »Aber«, lenkte der Gouverneur die Aufmerksamkeit zurück auf das Fest, »das soll heute keine unserer Sorgen sein. Heute feiern wir!« Er lächelte. »Meine Tochter ist übrigens Teil der Prozession.« »Aha?«, sagte Fortis automatisch, obwohl sein Geist noch immer um die Aussagen bezüglich der imperialen Armee rotierte. Ein antrainierter, scharfer Blick maß die marschierenden Soldaten, nahm jede ihrer Bewegungen auf und inspizierte auch die von ihnen getragene Ausrüstung. Minnefer hatte ihn nicht belogen. Die Männer wirkten kampferfahren. Ihr Auftreten, die Art, mit der sie an der Tribüne vorbeiexerzierten, besaß nichts von den unerfahrenen, stocksteifen Rekruten, die man auf anderen Welten erlebte, wenn sie vor ihrem ersten Kampfeinsatz durch die Armeeführung abgenommen wurden. Nein. Hier paradierten erfahrene, vom Kampf gestählte und geformte Männer, deren Bewegungen geschmeidig und fließend wirkten, statt den stocksteifen Schritt reiner Formaldienstroutine zu präsentieren. Er beschloss, die Einheit beizeiten einer genaueren Musterung zu unterziehen. Vielleicht konnte sie sich für Ihre Pläne als nützlich erweisen. Noch während der Abgesandte von Ghersom IV diesen Gedanken nachhing, fuhr sein Sitznachbar fort: »In der Tat. Sie ist dieses Jahr Herrin der Saat.« »Herrin der Saat?«, wiederholte Fortis, der just in diesem Moment aus seinen Gedanken fiel. »Ja«, bestätigte Minnefer. »Jedes Jahr wird ein Mädchen oder eine junge Frau gewählt, die auf einem Karika die Strecke abreitet und so den Weg nachvollzieht, den die Heilige Bastet auf ihrer Reise genommen hat.« Als Fortis lediglich die Stirn runzelte, fuhr der andere Mann fort: »Der Legende nach zähmte Bastet nach ihrer Ankunft auf dem Planeten ein Karika, indem sie sich auf dessen Rücken schwang und es so lange ritt, bis es müde und erschöpft aufgab und sich von ihr zur ersten menschlichen Siedlung auf dieser Welt führen ließ.« »Und warum das?« »Hilfe bei der Aussaat«, erklärte der Gouverneur, als sei dies selbstverständlich. »Wir haben nicht immer so viel Ausrüstung besessen wie heutzutage. In der Anfangszeit musste das Volk Bastets sich größtenteils auf die eigene Kraft und die der Tiere verlassen.« »Ich verstehe«, gab Fortis zurück und nickte. Dann bemerkte er etwas in den Augenwinkeln. Ein Mann, ebenfalls in Kampfuniform gehüllt, trug einen anderen Soldaten über der Schulter. Er bahnte sich seinen Weg durch die Menge vor der Tribüne, offensichtlich auf der Suche nach etwas – oder jemandem. »Und wer ist das?« »Das ist …« Minnefer zögerte kurz. Er erhielt keine Möglichkeit, die Gestalt oder die seltsamen Vorgänge nahe der Tribüne aufzuklären. Das war auch gar nicht notwendig. Brag Fradd erledigte das kurzerhand für ihn. »Aber das ist ja Colonel Ekko!«, rief der Konsul aus. »Was macht der denn da?« Wie aus einem Reflex wandte sich der Gouverneur um, blickte auf einen nun leeren Platz am oberen Rand der Tribüne. Fortis folgte der Bewegung betont beiläufig. Eine Reihe leerer Plätze am Rand der obersten Tribünenreihe erregte seine Aufmerksamkeit, auch wenn sich die Sitze peinlich berührt zwischen den Köpfen der Anwesenden zu verstecken versuchten. »Ist dort oben etwas?«, erkundigte sich der Abgesandte des Manufactorums. »Nein«, erwiderte Minnefer. »Nein. Niemand.« Damit hatte er Recht. Ein wenig verwundert richtete Fortis den Blick zurück auf den angesprochenen Offizier mit dem bewusstlosen Mann auf der Schulter. Erst jetzt erkannte er, dass ihn zwei weitere Personen begleiteten: eine gut aussehende, elegante junge Frau mit kurzem, blondem Haar und ein fast noch jüngerer, in unauffälligen Steppentarn gekleideter Soldat. »Da kommt meine Tochter!«, rief der Gouverneur, stand auf und begann zu klatschen. Andere Gäste taten es ihm gleich. Fortis allerdings konnte seine Augen nicht vom Geschehen am unteren Rand der Tribüne lösen. Während um ihn herum die Leute aufstanden und der Herrin der Saat zujubelten, verfolgte der Abgesandte, wie Colonel Ekko mit seinen Begleitern aus der Menge der Anwesenden hervorkam, die Absperrung zur Prozessionsstrecke überwand und einen Arbitrator heranwinkte. Der Gesetzeshüter kam zu dem imperialen Offizier, besah sich den Bewusstlosen, wechselte kurze Worte mit dem Colonel und seiner attraktiv scheinenden Begleiterin, dann übernahm er die Last und trug sie davon. Fasziniert beobachtete der Manufactorums-Abgesandte, wie die verbliebenen drei Imperialen nun selbst ein kurzes Gespräch führten, um dann unter der Abgrenzung hindurch in der Menge zu verschwinden. Das erinnerte ihn daran, wie der Gouverneur zuvor auf die leeren Plätze am oberen Ende der Tribüne geblickt hatte und er drehte sich um. Dabei fiel ihm eine weitere Sache auf: ein einzelner Soldat der Planetaren Verteidigungsstreitkräfte stand, gut sichtbar, ungefähr auf der mittleren Höhe der Tribüne und schien die Vorgänge ebenfalls interessiert zu beobachten. Nachdem er eine Weile lang stumm dagestanden und einfach nur auf den Festumzug geblickt hatte, hob er die Hand und winkte quer über die Straße. Fortis versuchte, die Gegenstelle der stummen Kommunikation auszumachen, fand innerhalb der Menschenmassen aber niemanden, der eine Antwort hätte geben können. Also blickte er zurück zu dem Soldaten. Der hatte offensichtlich seine Antwort bekommen, denn er schulterte seine Waffe, öffnete eine seiner Munitionstaschen, zog eine Handgranate hervor und warf sie auf die Tribüne. Fortis öffnete den Mund, musste aber feststellen, dass ihm die Worte fehlten. Sein Gehirn starrte ebenso entsetzt wie er auf die Szenerie, unfähig, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. »Ah!«, brachte er noch hervor, dann detonierte die Granate. Sie sollte nicht die letzte sein.
  6. Die "Neulich am Fluss"-Malchallenge Juli 2019

    Toll - deinen Beitrag so nebenbei lesen ist echt Mist. Aus Frostgrave wurde da nämlich Froschgrave und ich war die ganze Zeit am rätseln, was das wohl ist.
  7. Die "Einsam"-Malchallenge Juni 2019

    @Farin 17 Was - NEIN! Das kannst du doch nicht machen! Erst rührst du an der Tränendrüse, erschleichst dir meine Sympathie auf dem Rücken des kleinen Thore - und dann sagst du am Ende: "Hey, war alles nicht so schlimm ..." Ich kann es nicht fassen. Ein Happy End - Wie kannst du es wagen? Und ein "Ich habe meine Lektion gelernt" kommt auch noch bei raus? Dafür habe ich nicht gestimmt. Ich will mein Geld zurück.
  8. Die "Neulich am Fluss"-Malchallenge Juli 2019

    Ich meinte eher so was:
  9. Die "Neulich am Fluss"-Malchallenge Juli 2019

    Mir fehlt hier wirklich ein Lach-Button als Alternative zum Like.
  10. Die "Neulich am Fluss"-Malchallenge Juli 2019

    Ghost on the Shoal? Ich bin gespannt. // Nein, der ist ja niedlich! Und das graue Ding hinter ihm ist auch nicht schlecht. Na, da bin ich ja mal gespannt, was bei rauskommt.
  11. Abstimmung zur "Einsam"-Malchallenge Juni 2019

    Wobei ich die Version von Nina Hagen da deutlich besser finde. // Ich hatte meinen Spaß beim Lesen des Fluffs und Betrachten der Minis. Eine schöne Challenge, die alle Beteiligten toll umgesetzt haben. Vielen Dank dafür!
  12. LadyN8hawk's Nachtcafé der Miniaturen: Sammelsurium

    Na ja, Kleopatra hat ja in Eselsmilch gebadet ... Und wenn sich die Sekretärin das bei ihrem Gehalt nicht leisten kann ... Meine Frage wäre jetzt nur: Warum?
  13. Die "Einsam"-Malchallenge Juni 2019

    @malkavienne Den Song kenne ich, aber ich stelle mir gerade vor, wie er von Jonny Robels gesungen wird. Das wäre herrlich. Schöne Figur - Danke für den Beitrag!
  14. Die "Einsam"-Malchallenge Juni 2019

    Ich lese da ein wenig Zynismus heraus ... haha. Gefällt mir. Imperator verhüte, dass so etwas jemals passieren sollte. Sonst werden noch Raumschiffe der UGzRR im Orbit festgesetzt. Allerdings muss ich sagen: Bavaria One? Schäm dich, diese Worte in den Mund zu nehmen ... Ich musste erst wirklich hingucken, weil ich dachte: "Was zum ...? Was bitte macht Guan Yu hier?" Schön! Der Fluff gefällt mir und die Figur ist auch sehr schön bemalt. Vielen Dank dafür
  15. LadyN8hawk's Nachtcafé der Miniaturen: Sammelsurium

    So kann man seinen Urlaub auch verbringen.
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