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SisterMaryNapalm

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Alle erstellten Inhalte von SisterMaryNapalm

  1. Ja. Ist schon doof, wenn man so was schnell noch vor dem Schlafen gehen schreibt. Gemeint war natürlich: nach oben noch Platz.
  2. Ja, eine ähnliche Erfahrung mache ich meist, wenn ich mit Menschen zu tun habe. Ich denke mir immer: Argh - ob ich da wohl zu weit gegangen bin? Aber dann stelle ich fest: Ach ne, da ist ja noch Platz noch oben.
  3. Da wirst du dich etwas gedulden müssen. Aktuell ist bei mir nicht viel mit Malen. Ich bastle aktuell, damit ich den Tisch mal etwas frei kriege. Daher wird das erstmal nur ein Bastel-Thread sein ... aber versprochen - irgendwann werden die auch bemalt. Du meinst natürlich: das liegt in der Hand ... Na ja, es war eher die Teile ausm Gußrahmen knipsen und abschleifen. Die richtigen Arbeiten habe ich später zu Hause gemacht.
  4. So ... und weiter geht's. Noch immer fehlen mir die Figurenköpfe, was mich geringfügig ärgert. Ich überlege allerdings, die Figuren soweit fertigzumachen, dass ich sie bereits grundieren und bearbeiten kann, und dass die Köpfe separat bearbeitet und danach angenietet werden. Bei den Liegenden kann das zu Problemen führen, weswegen ich diese erst einmal unbearbeitet lasse. Bei den Knieenden, Stehenden und Laufenden hingegen dürfte sich das bereits machen lassen. Anyway: Alle Figuren sind ausgestanzt, die Bases sind soweit gemacht und müssen jetzt nur noch besandet werden. Ich muss an einigen Figuren noch mal die Gussgrate abfeilen, danach kann ich dann soweit alle Figuren fertigmachen. Sollte ich diese Geschwindigkeit halten können, dann dürfte das Gros der Figuren bis zum Wochenende klar sein zum Bemalen. Das Wochenende über bin ich dann unterwegs und mich erholen, bevor es dann an Stage II geht. Hier auf jeden Fall die Bilder vom aktuellen Baustand: http://www.bilder-hochladen.net/files/big/jykm-1m8-a8d1.jpg Nächstes Update kommt dann ... hoffentlich morgen.
  5. So, und weiter geht's! Zu allererst musste ich heute eine Schwester stiften. Der Arm der Dame hatte sich selbstständig gemacht und erst einmal das Weite gesucht. So - hoffentlich hältst du jetzt, du Dreckvieh! Danach machte ich noch eine zweite Schwester fertig - Geordi LaForge meet Equilibrium. Obwohl die Nonne eine richtig geile Pose hat, finde ich dieses Modell irgendwie richtig schwach. Ich denke, das wäre doch auch anders gegangen ... Und nachdem das geschafft war, ging es an mein aktuelles Lieblingsprojekt. Yay ... und so ... In Rhinis Workshop hatte ich ja irgendwann vorher eine Reihe von Ketten für 20mm und 28mm eingekauft. Jetzt wurde es Zeit, diese anzubringen. Eine ganze zeitlang wusste ich echt nicht, wie ich das machen sollte, drehte die Figuren, schaute ihnen auf den Hintern und dachte mir, dass die so ohne Ketten irgendwie auch gut aussehen, aber dann doch unvollständig sind. Also setzte ich mich daran, das ganze Konzept auszuplanen, die Mädels anzubohren und dann anzuketten. Hmmmm. Angekettete Nonnen "anbohren". Hmmmm. Was gibt es schöneres. Da ich mich nicht so wirklich entscheiden konnte, welche der Ketten wohl besser passt und ich zwei Modelle hatte, hat jedes Modell einen Typ Kette bekommen. Mit Hilfe von Büroklammern anstelle von Draht versuchte ich, die Magazine der Waffen darzustellen. Bei einer hat das ganz gut geklappt. Bei der anderen ... na ja - 100 Schuss-Magazine sind doch auch ganz stylisch. Aber egal ... was dann folgte, war eine Fummelarbeit vom Feinsten. Und am schlimmsten wird es, wenn man dabei noch 10 Finger, einen Kleber, zwei Arme, zwei Beine und Nashornpfötchen koordinieren muss. Und das ganze nebst Bohrer, Skalpell, Pinzette, Modellierwerkzeug etc. Ja, ich glaube im nächsten Leben werde ich eine modellbauende indische Gottheit. Zehn Arme hätte ich da wirklich gebraucht. Nach so ungefähr einer Stunde Bastelei, Verzweiflung und Gefluche sah die erste Dame dann so aus: Und nachdem das geschafft ... kommt Dame Nr. 2. Okay - ich halte - Rhini: du klebst!
  6. Ja, geht los. Fühlt sich auch gut an. Aber warum hat mir denn keiner gesagt, dass ich "fertiggestellt" mit V geschrieben habe? Was hat mich denn da geritten?
  7. Sämtliche Köpfe sind Statuesque Miniatures, bestellt über Annie. Einige Figuren waren auch von ihr, aber da die alle Sommer sind, meine Damen aber Winterkriegerinnen, sind die nicht so wirklich in meinen Fokus gerückt.
  8. Yay! Ich kann endlich wieder posten! Muss ich den Kram nicht komplett aufdröseln. Was für eine Erleichterung! // Und los geht’s: Heute kam das Armeebuch für die Soviets an, zusammen mit den Winter-Figuren. Da kann ich ja nicht anders, als erst einmal alles auszupacken und einfach einmal frech loszulegen. Leider fehlen mir noch die Köpfe, sodass ich erst einmal nur mit den Körpern arbeiten kann. Aber das macht ja nichts. Einen kleinen Trupp kann ich ja schon einmal vorbereiten, die Bases ausschneiden und schon mal mit den Körpern anfangen. Die Bases gefallen mir schon mal gut. Von der Wirkung her ähnlich wie die Unterlegscheiben, die ich sonst immer nutze. Die Tage werden sie auf jeden Fall noch einmal ein kleines Upgrade erhalten und dann mit einem spätherbstlichen oder frühwinterlichen Flair versehen. Die Körper: Geteilt in Wintermäntel und Winteranzüge. Die Mäntel sind sicherlich einfach zu verbauen. Immerhin muss ich da nicht viel dran arbeiten. Die Winteranzüge hingegen werden mich sicherlich etwas mehr beschäftigen. Daher mache ich jetzt erst einmal die Mäntel. Wie dem auch sei: Mein kleines Projekt beginnt also –und was wäre ein besserer Start, als einfach fröhlich draufloszubauen? Also das Greenstuff vorbereitet, etwas geknetet und angefangen, ein paar Figuren auszubeulen: Wenn während dieser Woche noch ein paar Köpfe eintreffen, dann dürfte mein erstes Squad irgendwann demnächst bereits fertig sein. Die Leiber zumindest sind es schon und müssen jetzt trocknen: Nächstes Update kommt demnächst!
  9. So ... Während der letzten beiden Tage hatte ich einige längere Reise in verschiedenen deutschen Hochgeschwindigkeitszügen zu absolvieren und habe mir dort natürlich die Möglichkeit gesichert, in einem Abteil fahren zu können. Was bedeutet das für mich? Richtig. Ich hole meinen Bastelkarton heraus und ab geht die Lutzi. Klar, dass ich Dödel dabei keine Bilder mache, aber gestern abend, nach dem Heimkommen und dem Genuß, wieder einmal ein paar Figuren weitestgehend vertiggestellt zu haben, entschied ich mich dann doch, ein paar Bestandsbilder zu schießen. Sechs neue Figuren kommen damit ins Kabinett. Die müssen noch geschliffen, gewaschen und etwas mit Magic Sculpt und Spachtelmasse glatt gezogen werden - aber dann ... kann's losgehen! Passend zu meinen Planungen handelt es sich hierbei um Nahkampfeinheiten. ich überlege noch, was ich der Flaggenträgerin auf die Schriftrolle schreibe ... vielleicht einen Auszug des Kamasutra oder so ... Bis zum nächsten Mal!
  10. Und weiter geht’s! Viel Spaß beim Lesen! 04 Wie viel konnte ein Mensch ertragen? Diese Frage hatte sich der Cadianer Rahael in den letzten Wochen oft gestellt. Es war noch nicht einmal ein halbes Jahr her, seit er seinen Fuß zum ersten Mal auf die Schreinwelt Agos Virgil gesetzt hatte, eines Planeten, der ihn nicht nur Teile seines Verstands, sondern auch beinahe das Leben gekostet hätte. Geweiht der Heiligen Janaïs, einer unsterblichen Kriegerin des Imperators, die vermutlich irgendwann in ferner Vergangenheit einen Feldzug gegen irgendeinen der zahlreichen Feinde der Menschheit geführt hatte, war Agos Virgil selbst Opfer einer feindlichen Invasion geworden. Eine mächtige Horde Orks, angeführt von einem Waaaghboss – oder einem Ork, der sich dafür hielt – hatte die Bevölkerung des Planeten massakriert und die tapfer im Namen des Imperators kämpfenden Verteidiger abgeschlachtet. Als Teil der imperialen Entsatzstreitmacht war Rahael auf die verlorene Welt entsandt worden, eingegliedert in die Reihen des fünfhundertzwölften Regiments Sera, einer mobilen Infanterieeinheit vom Planeten Bastetet III. Mit ihnen zusammen hatte er eine seiner ersten wirklich großen Schlachten erlebt: das brutale Gemetzel um die längst verlorenen Verteidigungslinien der Makropole Golgarad, in deren Verlauf er mit seinem Trupp abgeschossen wurde, eine verletzte Sororita rettete, während er zeitgleich die Nerven verlor, worauf ihn besagte Sororita erst einmal umzubringen versuchte. Wäre es nicht so dermaßen entsetzlich, traurig und beschämend gewesen, er hätte vermutlich darüber gelacht. So allerdings blieb ihm nicht viel mehr als zuzugeben, dass es wohl nur der unerschütterlichen Hingabe von Leitis Sile – so der Name der Prioris vom Orden des Gläubigen Geistes – zu verdanken war, dass er schlussendlich wieder klar wurde und bis zum letzten Magazin gekämpft hatte, jenem Moment, in dem eine weitere imperiale Streitmacht die arg dezimierten Überreste des 512. aus der Schlacht um die Himmelskathedrale befreit hatte, jenem Ort, zu dem sie im Laufe einer mehrere Tage langen Kampagne zurückgewichen waren. All das lag noch nicht lange zurück, dennoch waren die Erinnerungen daran seltsam verschwommen und fühlten sich so wertlos an wie ein leergeschossenes Magazin. Ein Bild allerdings hatte sich unauslöschlich in seinen Kopf eingebrannt: Sile, wie sie über ihm stand in ihrer blutroten Servorüstung, die einst weißen, nun zerrissenen und vom Dreck der Schlacht schmutzigen Epitrachelien in einer leichten Brise wehend. Aus ihrem Gesicht, schön wie ein schneebedecktes Feld im Winter, strahlten stahlblaue Augen und ihre gepanzerte Hand streckte sich ihm entgegen. Er würde diesen Anblick bis an sein Lebensende nicht vergessen. Und die Tatsache, dass sie ihm sogar ein Andenken geschenkt hatte, um ihn an ihren gemeinsamen Kampf zu erinnern, brannte das Erlebte umso tiefer in seinen Geist ein. Rahael sah auf seine zur Faust geballte Hand, dann öffnete er sie und betrachtete das darin befindliche Abzeichen des Adeptus Sororitas, die Fleur de Lys. Von Sile eigentlich an einer langen Ketten unter ihrer Rüstung getragen, hatte sie es während ihrer Rückreise im Truppentransportschiff vor den Augen des versammelten Trupps abgenommen und ihm umgehängt. »Du hast tapfer gekämpft. Der Imperator ist stolz auf dich. Und ich bin es auch.« Allein die Vorstellung, dass dieses wertvolle Stück imperialer Handwerkskunst die nackte Haut ihrer Brüste berührt hatte, bevor es schließlich in seinen Besitz übergegangen war … Rahael schüttelte den Gedanken von sich. Schlimm genug, dass er seitdem von seinen Kameraden aufgezogen wurde und sich Captain Balgor scherzhaft darüber äußerte, dass er dem Colonel die Freundin ausgespannt hatte. Aber in der Tiefe seines Herzens konnte er es dennoch nicht verleugnen: Er hatte sich in Leitis Sile verliebt. Es war dumm, sein Herz einer Sororita zu schenken. Das wusste er. Die Schwestern waren kalt, gefangen in ihrem Gelübde dem Imperator gegenüber und der damit einhergehenden Keuschheit. Dennoch: Sile war eine schöne Frau gewesen, die stets von einem Hauch Erotik umweht wurde. Allein der Gedanke daran, dass sie ihn als wert genug angesehen hatte, um ihn zu beachten, ließ sein Herz einen Sprung machen. Er schloss die Hand wieder um seinen wertvollsten Besitz. Ob er die Prioris jemals wiedersehen würde? »Hey. Hör auf zu träumen«, brummte ihn eine kräftige Stimme von der Seite an. Soldat Melbin, seines Zeichens Waffenspezialist in Rahaels Trupp und ein Hüne von einem Mann, ließ einen vorwurfsvollen Blick auf dem weitaus jüngeren Soldaten ruhen. »Wir sind auf Streife!« Der Cadianer schreckte aus seinen Gedanken auf. »Ich …«, begann und brach ab. Vermutlich wäre es ein Leichtes gewesen, dem Riesen gegenüber eine Entschuldigung hervorzustammeln und sich wieder auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. In diesem Moment aber wollte ihm einfach keine passende Erwiderung einfallen und so ließ er es bleiben. Der Weg, den Melbin und Rahael bestreiften, war einer von einem guten Dutzend, die entlang der halb ummauerten, halb umzäunten Fläche verliefen, auf der sich ihr Regiment einquartiert hatte. Zweieinhalb mal anderthalb Kilometer groß, bildete das Gelände das Fundament einer mächtigen Zeltstadt, nur wenige Kilometer außerhalb der bastetischen Stadt Serareh. Hier wurden normalerweise die auf Bastet ausgehobenen Regimenter der Imperialen Armee, die sogenannten Zehntregimenter, aufgestockt und ausgerüstet, bevor sie sich auf den Weg durch den Warp in Richtung einer der vielen Fronten machten, an denen das Imperium der Menschheit kämpfte. Nun allerdings wurde das Zeltlager, von den Basteter Soldaten passenderweise »Camp Mahnmal« getauft, von einer widernatürlichen Erscheinung in Beschlag genommen: einem Rückkehrer-Regiment. Der imperiale Weltraum war gewaltig. Aufgeteilt in Segmente und Subsegmente, Sektoren und Untersektoren, bestand das von den Menschen beherrschte Stück der Galaxis aus einer schier unendlichen Anzahl von Planeten, auf denen Abermillionen Tag für Tag im Namen des Imperators aufbrachen, um an den ebenso zahllosen Fronten in einen ewigen Krieg um das Überleben der Menschheit geworfen zu werden. Dass ein Regiment jemals zu der Welt zurückkehrte, auf der es ausgehoben war – und dabei nicht als kämpfende Einheit zur Verteidigung jener Welt herangeführt wurde – war daher im Grunde so unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass ein Wassertropfen dieselbe Stelle eines Flusses zwei Mal passierte. Daher wurden Regimenter, die zur Wiederaufstockung auf ihre Heimatwelt zurückkehrten, zumeist mit Argwohn, zumindest jedoch mit Verwunderung in Empfang genommen. Wie der Rückkehr in Mutters Schoß haftete einer solchen Heimkehr meist der Makel der Feigheit an. Als seien die entsandten Truppen nicht auf das vorbereitet gewesen, was sie erwartete. Dem fünfhundertzwölften Regiment erging es da ähnlich. Besonders auf Seiten des Department Munitorium, so die Aussage Colonel Ekkos, runzelten sich reihenweise die Stirnen. Daher war die Interaktion der Soldaten mit den Bewohnern Serahrehs und der restlichen Bevölkerung des Planeten auf ein Minimum begrenzt worden. Rahael konnte das eigentlich nur recht sein. Er fand an diesem Planeten nichts, was ihn interessiert hätte. »Du kommst einfach nicht von ihr los, oder?«, wollte Melbin wissen, lenkte die Gedanken seines Streifenpartners wieder auf das engelsgleiche Antlitz der Sororita. Der Angesprochene zuckte die Schultern. »Sie wollte dich umbringen«, fuhr der massige Mann fort, erreichte mit dieser Aussage aber nur wenig. »Wir müssen alle irgendwann einmal sterben.« Melbin schnaubte missvergnügt. »Sag das doch mal Itias.« Soldat Itias, ein junger Basteter und wie Rahael zum ersten Mal mit den Grausamkeiten des großen Universums konfrontiert, hatte mit dem jungen Cadianer im Laufe der Kampagne auf Agos Virgil im selben Trupp gekämpft. Dadurch war zwischen den beiden eine gewisse Freundschaft entstanden. Doch anders als ihm selbst, war Itias die Möglichkeit Halt zu finden verwehrt worden und so hatten ihr die sinneszerfetzenden Geschehnisse in ein tiefes Loch fallen lassen, aus dem es kein Entkommen mehr gab. Irgendeines Morgens auf der Rückreise hatten ihn seine Truppenkameraden auf seiner Pritsche liegend gefunden, bereits erkaltet, aber mit friedlichem Gesichtsausdruck. Doktor Calgrow, die Regimentsärztin, hatte bescheinigt, dass er irgendwann während der Nacht einfach gestorben war. Obwohl sie keinen wirklichen Grund für den Tod des jungen Mannes ausmachen konnte, tippte sie auf Selbstmord und legte den Fall zu den Akten. Rahael allerdings gelang es nicht, einfach so loszulassen. Mehr denn je beherrschte seitdem eine Überlegung seine Gedankenwelt: Wie viel konnte ein Mensch ertragen? Vielleicht würde er irgendwann eine Antwort darauf erhalten. Vielleicht auch nicht. Wer wusste das schon? Fest stand zumindest: der Imperator – in seiner unendlichen Güte – hatte ihnen einige Wochen der Ruhe und Erholung beschert, bevor er sie mit einem Wink seines langen bürokratischen Arms erneut in den Ewigen Krieg um das Überleben der Menschheit schicken würde. Und auch, wenn die ihnen geschenkte Zeit nicht mehr war als eine Zahlung in Raten, so wusste Rahael, dass er sie nicht verschwenden würde. »Guten Morgen, Melbin. Rahael«, näherte sich den beiden Patrouillierenden eine neue Stimme. »Guten Morgen, Corporal!«, antwortete Melbin. »Alles in Ordnung?« Corporal Gorak, vormals einer der Soldaten des Trupps und der wohl beste Freund von Melbin, trat an die beiden heran. In der Schlacht um Agos Virgil hatten das Duo Gorak und Melbin einige beeindruckende Taten vollbracht, und vermutlich wären sie zu einem Spezialistenteam zusammengewachsen, wenn der für sie verantwortliche Captain Gorak nicht für eine Beförderung vorgeschlagen hätte, um das ausgedünnte Führungspersonal neu zu strukturieren. Nun war ihnen der ehemalige Kamerad vorgesetzt. Allerdings bedeutete das nicht, dass sich seine Einstellung oder sein Verhalten gegenüber geändert hätten – sah man einmal davon ab, dass er plötzlich ein wenig förmlicher geworden war. »Irgendwas zu sehen?« »Hier ist nichts zu sehen«, grummelte der Hüne an Rahaels Seite missmutig. »Nur Sand und ein paar große Viecher, die mal auftauchen und dann wieder verschwinden.« »Willkommen auf Bastet«, entgegnete Gorak und klopfte Melbin gegen den Arm. Um dessen Schulter zu erreichen, hätte er sich strecken müssen. »Schon irgendwas gehört wegen unseres Ersatzes?«, wollte Rahael wissen. Der Corporal schüttelte den Kopf. »Nicht wirklich. Ich habe vorhin gesehen, wie der Lieutenant mit Captain Balgor gesprochen hat.« Der Lieutenant – namentlich Baldrian Lenhim – war ihr ehemaliger Sergeant gewesen und ähnlich wie Gorak der Beförderungsflut im Rahmen der Regimentsneustrukturierung zum Opfer gefallen. Nun diente er als Lieutenant und Zugführer in einer Zwischenebene, denn die im Regiment eigentlich als Züge bezeichneten Einheiten waren zu Kompanien umgegliedert worden, was im Grunde nichts anderes bedeutete, als dass sich die Anzahl der Befehlsebenen erhöht hatte. Bürokratie eben. »Angeblich wollen sie uns Freiwillige zuteilen, mit denen wir unsere Einheiten neu aufstocken können«, fuhr der Unteroffizier fort und drehte abschätzig die Hand. »Aber ganz ehrlich? Selbst die Offiziere bezweifeln, dass sie dermaßen viele Freiwillige finden, wenn sich erst einmal herausgestellt hat, wie viele Soldaten wir auf Agos Virgil verloren haben.« »Na, großartig«, grummelte Melbin weiter, »dann weiß ich ja schon, wo sie nach Freiwilligen suchen werden.« Er meinte Gefängnisse, Arbeitslager und all diejenigen Orte, an denen sich der Bodensatz der Gesellschaft sammelte, für den das Leben in der Imperialen Armee zumindest noch den Vorteil einer relativen Freiheit bedeutete. »So lange sich die Leute formen lassen, sollte das kein Problem sein«, stellte Gorak fest. »Aber dir wäre es vermutlich lieber, wenn wir noch ein paar Cadianer mehr ins Regiment bekommen, oder?« »Oder Elysianer oder Valhallaner oder sonst wen«, wandte der Hüne ein. »Aber bloß keine Tallarner. Die stinken immer so nach Mukaali-Scheiße.« Gorak lachte leise. »Ich bin mir sicher, dass sie uns genügend Truppen zur Verfügung stellen werden.« »Hoffen wir’s«, fügte Rahael an und sah wieder auf seine Faust, in der er das Ekklesiarchie-Symbol verbarg. »Und wie geht es dir?«, wollte Gorak freundlich wissen. Noch bevor der junge Cadianer die Gelegenheit zur Antwort erhielt, übernahm Melbin das Zepter der Gesprächsführung. »Er weint noch immer seiner Verflossenen hinterher.« »Sile?« Gorak schürzte die Lippen. »Ich weiß nicht, Melbin. Ich denke, die Schwester hatte deutlich mehr zu bieten als du«, neckte er seinen ehemaligen Truppkameraden, was dieser mit einem beleidigten »Ha, ha«, quittierte. »Hast du denn noch mal irgendwas von ihr gehört?« »Nein«, erwiderte er nachdenklich, um das Siegel zu betrachten. »Denkst du, Corp, dass ich sie jemals wiedersehen werde?« »Ich weiß nicht«, überlegte Gorak schulterzuckend. »Vermutlich müsstest du Gardist werden, um eine Sororita zu beeindrucken.« »Gardist, hm?«, überlegte der junge Cadianer und schloss seine Faust um das ekklesiarchische Abzeichen. Gardist zu werden in den Reihen der Imperialen Armee war eine Angelegenheit, die einem Menschen fast in die Wiege gelegt wurde. Und das buchstäblich. Die Schola Progenia, die Waisenhäuser des Imperiums, waren jene Schmieden, in denen die Gardisten, auch bekannt als Tempestus Scions, geformt wurden. Gerüchte besagten, dass ihr Training unmenschlich hart und die Versagensrate der Auszubildenden hoch war (wie auch deren Todesrate). Für einen einfachen Soldaten gab es keine Möglichkeit, sich für die Reihen der Scions zu qualifizieren. Allerdings kannte er eine andere Gruppierung von Soldaten, die eine ähnlich elitäre Stellung einnahmen wie die Gardisten und deren Verbände durchaus durch reguläre Soldaten befüllt wurden. Und zumindest von diesen Männern wusste er, dass sie unglaublich viel ertragen konnten. *** Die Sonne war gerade damit beschäftigt, eine Fahne auf dem Gipfel ihres Tagesverlaufs zu hissen, als der nächste Gast sich anschickte, das Zelt des Kommandeurs aufzusuchen. Schon an seiner Körperhaltung ließ sich ablesen, dass er nicht aus denselben Gründen zu seinem Vorgesetzten kam wie Kommissarkadett Alit oder Pilotin Amen. Dennoch begrüßte ihn Ekko mit den gleichen Worten. »Und wer sind Sie?« Major Carrick, gerade im Eintreten begriffen, hielt inne. »Wie bitte, Sir?« »Nicht so wichtig. Was kann ich für Sie tun, Major?« Wortlos baute sich der dienstgradniedere Offizier vor dem Schreibtisch auf und nahm Haltung an. »Captain Balgor bat mich, Ihnen dieses Schreiben zu bringen, damit er nicht persönlich kommen muss. Das Departmento Munitorium hat uns gerade eine Mitteilung zukommen lassen: Man erwartet Sie heute Nachmittag zum Treffen mit dem Konsul Brag Fradd.« »Was für ein Ding?«, hakte der Colonel nach, während er nach dem Schreiben griff, das ihm sein Stellvertreter hinhielt. Die Spitze in den Worten seines Stellvertreters überging er galant. »Und ich dachte immer, Alberic wäre ein bescheuerter Name.« Er überflog den Schrieb, dann ließ er ihn auf den Berg aus Papier fallen, welcher sich auf seinem Schreibtisch angesammelt hatte. »Na, großartig«, stellte er wenig begeistert fest. »Ist es nicht schön, wenn man heimkommt und feststellt, dass sich nichts geändert hat?« Carrick schwieg, doch Ekko entging nicht, wie ein kurzer Schatten über das Antlitz des anderen Offiziers zog. »Was hat sich denn geändert?«, wollte er mit ruhiger Stimme wissen und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Das Leder knirschte. Stille hielt Einzug, senkte den Luftdruck im Raum spürbar. Kälte kroch unter dem blickdichten Vorhang des Kommandozelts hindurch wie Bodennebel und breitete sich ungestört aus. Es war eine unheimliche Form von Kälte. Trocken, beinahe steril. Nicht die Art von Kühle, die eine plötzliche Erkenntnis mit sich bringt, ein Schreck, der einem in die Glieder fährt. Nein. Es war viel mehr die Kälte zwischen zwei Männern, die sich im Grunde nichts mehr zu sagen hatten und lediglich miteinander interagierten, weil die um ihre Hälse geschnallten Sprengbänder ansonsten explodierten. Und das stimmte zu gewissen Teilen. Das Band zwischen Ekko und den Offizieren seines Regiments hatte während der Schlacht um die Himmelskathedrale von Agos Virgil einen großen Teil seiner Elastizität eingebüßt und war schließlich, bis auf einige wenige Fäden, nahezu vollständig gerissen. Einen großen Teil der Schuld für diese Entwicklung hätte der Colonel wohl oder übel bei sich selbst suchen müssen. Immerhin waren es seine unorthodoxen und bisweilen als grenzwertig anzusehenden Methoden gewesen, die seine Untergebenen nicht nur ihre Nerven, sondern auch eine Unmenge an Vertrauen gekostet hatten und die dafür sorgten, dass die Moral im Regiment trotz des Sieges eine tiefe Niederlage erlitten hatte. Auf ihren Gesichtern mochte sich dieser Umstand vielleicht nicht wiederspiegeln, aber in ihren Herzen grassierte Furcht. Furcht vor der Zukunft, Furcht um das eigene Leben und Furcht davor, dass ihr Regimentskommandeur sie irgendwann einmal in den Untergang führen würde. Carrick gehörte zu jenen Männern. Ganz zum Schluss der Schlacht hatte er sogar etwas Ähnliches wie Insubordination begangen. Unterminierung der Befehlsgewalt. Nur einem absurden Zufall war es zu verdanken gewesen, dass Ekko trotz dieser offenen Verweigerung in der Lage gewesen war, die Himmelskathedrale lange genug zu halten, damit Verstärkungen der Imperialen Armee die erschöpften und stark dezimierten Basteter entsetzten. Allerdings war er viel zu faul, um sich weiterhin darüber Gedanken zu machen, also schrieb er die großen Problematiken seines Lebens dem Hass des großen Herren aller Menschen zu und seiner diebischen Freude, einen ganz bestimmten Offizier eines ganz bestimmten Planeten immer wieder aufs Neue zu quälen. Der Colonel faltete die Hände vor dem Gesicht – die weichen Armlehnen des großen Sessels luden förmlich dazu ein – und betrachtete den vor ihm Stehenden. Wo Ekko selbst dem Bild eines durchschnittlichen Basteters entsprach – eher mittlere Körpergröße, dunkle Haare, verhältnismäßig dunkle Augen und ein weiches, aber dennoch kantiges Gesicht – entsprach Major Carrick dem Idealbild eines Adonis. Hochgewachsen (er überragte Ekko um gut anderthalb Köpfe), von trainierter Statur und mit strohblondem Haar sowie unheimlichen, hellblauen Augen gesegnet, stellte er im Volk Bastets eine Besonderheit dar. Carrick gehörte zu der Sorte Mensch, die man lediglich ansehen brauchte, um ihnen zu verfallen. Er besaß eine Ausstrahlung, die einen natürlichen Kommandoanspruch emittierte. Etwas, das Untergebene und Vorgesetzte gleichermaßen in ihren Bann zog. Das wirklich Bemerkenswerte an ihm war jedoch seine militärische Disziplin und die stets vorbildliche Verantwortungsbereitschaft, mit dem er sich den Respekt der Menschen um sich herum erworben hatte. Selbst Ekko, für den Formaldienst einer unliebsamen Art von Gartenarbeit gleichkam, konnte nicht umhin zuzugeben, dass er mit Carrick einen wirklich ausgezeichneten Fang für den Stab seiner Einheit gemacht hatte – auch wenn dieser Fang ihn zuletzt hatte töten wollen. Jetzt richteten sich die eisfarbenen Augen des Majors auf seinen Vorgesetzten. Seine weiche, wohlklingende Stimme füllte das Zelt: »Sir, Sie haben doch ihre Frau vor einigen Jahren verloren. Wie … wie geht man damit um?« »Oha«, erwiderte Ekko und erlaubte es dem Sessel, sein Gewicht fangen. Das Leder ächzte. »Das ist ein direkter Einstieg« Er deutete auf einen Sessel, der, etwas diagonal nach rechts versetzt, gegenüber dem Platz des Regimentskommandeurs an den ausladenden Schreibtisch grenzte. Der Major nahm die Einladung an und ließ sich elegant auf die ebenfalls aus dunklem Leder bestehende Sitzgelegenheit sinken. »Ich nehme an, Sie möchten das weiter ausführen?«, hakte der Colonel nach, obwohl sich in seinem Kopf bereits ein Puzzle zusammenzusetzen begann, das aus den Teilen der heutigen Vorhaben und Erlebnisse bestand. Seine Kombinationsgabe erwies sich als treffend. »Ich weiß nicht, ob ich Ihnen jemals von meiner Frau erzählt habe«, begann der Major. »Laetitia.« »Mir war bekannt, dass Sie verheiratet waren, aber wir haben uns nie über Ihr Privatleben unterhalten.« Der Regimentskommandeur bemerkte die Verzweiflung, welche sich unterschwellig an die nächsten Worte aus Carricks Mund hängte. »Ich habe sie gesehen, Sir. Sie ist nicht mehr als ein zersetzter Schatten ihrer Selbst. Irgendeine seltsame, unbekannte Krankheit, die sie von innen heraus zerstört und zusammenfallen lässt wie eine …« – bei diesen Worten holte er tief Luft und schüttelte sich – »…wie eine lebende Tote.« Ekko nickte. »Ja, davon habe ich schon einmal gehört«, stellte er fest. »Weiß man denn, wann es geschehen ist?« Der Major schüttelte den Kopf. »Irgendwann kurz nach meiner Abreise.« »Verstehe.« Erneut füllte Stille den Raum, setzte sich Kälte an den Wänden fest, und erst als Ekko erneut das Wort ergriff, brachen die Brocken unsichtbaren Eises von den Wänden. »Was denken Sie?« »Ich weiß es nicht«, musste Carrick zugeben. »Vielleicht straft mich der Imperator? Vielleicht prüft er mich?« Den wahren Gedanken, der hinter seinen Worten lag, sprach der Major nicht aus. Vielleicht hatte auch nur Ekkos Unglück, jene ungeliebte Freundin, die ihn seit jeher zu begleiten schien, in Carrick einen neuen Liebhaber gefunden und schmiegte sich nun an ihn, um sein Leben zu einer einzigen Lichtkaskade aus Unglück, Verzweiflung und Explosionen werden zu lassen. Wäre es so weit gekommen, der Major hätte vielleicht ein wenig mehr Bewunderung für die überraschende Bravour erübrigen können, mit der sein Vorgesetzter ein Leben aus Hoffnungslosigkeit und fortwährenden Katastrophen meisterte. »Haben Sie mit ihr reden können?«, setzte der Regimentskommandeur das Gespräch fort. »Ja. Sie war kurz bei Bewusstsein«, nickte der Major. »Aber sie leidet. Sie leidet unendlich. Ich kann es einfach nicht ertragen, sie so zu sehen.« »Was wollen Sie nun tun?« »Ich …«, begann der Angesprochene, dann verstummte er und senkte den Blick für eine Weile. Als er wieder aufsah, strahlte Entschlossenheit aus seinen blauen Augen. »Ich habe ihr versprochen, sie nicht mehr allein zu lassen.« Das saß. Ekko zwang sich, die Worte aufzunehmen und fest zu schlucken. Er fühlte seinen Mund trocken werden in der Erinnerung an eine Geschichte aus seiner Vergangenheit. Eine Geschichte, die aufbrach wie eine alte Wunde in jenem Moment, da er seinen Fuß erneut auf das Antlitz dieser verfluchten Welt gesetzt hatte. »Machen Sie einem Mädchen kein Versprechen, das Sie nicht halten können«, mahnte er seinen Untergebenen. »Ich habe es einmal getan und es bitter bereut.« »Und was war der Grund?« »Ich habe einem Mädchen geschworen, sie ewig zu lieben.« »Und?« »Ich tat es nicht – und nun ist sie tot.« Carrick schwieg erneut für eine Weile. »Das spricht nicht gerade für Sie, Colonel«, sagte er schließlich. »Tja«, zuckte der Colonel die Achseln. »Ich weiß nicht, ob sie das Leben an meiner Seite für erstrebenswerter gehalten hätte.« Carrick blieb die Antwort schuldig, was Ekko jedoch mehr sagte, als jede Erklärung es getan hätte. »Wie lange kennen wir uns schon?«, wechselte er plötzlich das Thema. Carrick, durch diese Frage vollkommen überrumpelt, fiel nichts Besseres ein, als ehrlich zu antworten. »Gut zwei Jahre, Sir.« »Und soweit ich mich erinnern kann, haben Sie während dieser Zeit unermüdlich mein Regiment verwaltet. Sie haben sich sogar gegen meine Pläne gestellt, als Ihnen deren Sinn für das Überleben der Männer zweifelhaft erschien. Und das will etwas heißen.« Der Major überlegte eine Weile. »Ja, Sir. Das kann sein«, erwiderte er vorsichtig. Ekko nickte und nahm das Pergament vom Tisch, das Kommissarkadett Alit ihm überreicht hatte. Gedankenverloren öffnete das Dokument und rollte es dann wieder zusammen. »Gehen Sie zu ihr, Carrick. Machen Sie nicht den Fehler, den ich damals gemacht habe.« »Aber, Sir …«, begann der Major, wurde jedoch sofort unterbrochen. »Niemand dankt es Ihnen, wenn Sie den Dienst vorschieben. Sie wird es am Allerwenigsten tun.« Er legte das Papier zurück auf den überfüllten Schreibtisch. »Und Sie werden es schlussendlich bereuen. Gehen Sie heim. Kümmern Sie sich um sie – und winken Sie mir ab und an, damit ich weiß, dass Sie wirklich noch leben. So lange kann Captain Balgor Ihre Aufgaben übernehmen.« Mit diesen Worten entließ er den Major. Carrick stand auf, langsam und fast kraftlos. Einige Momente lang stand unentschlossen vor seinem Sitz, dann wandte er sich zum Gehen. »Ach ja«, entfuhr es dem Colonel. »Wissen Sie, warum sich eine Inquisitorin mit uns beschäftigen sollte?« Der Major drehte sich um. »Bitte was?« »Nicht so wichtig«, erwiderte der vor ihm Sitzende in dem Verständnis, dass er gerade eine wirklich dämliche Frage gestellt hatte. »Mir ist da vorhin etwas wirklich Witziges passiert und ich wollte Sie an meiner Freude teilhaben lassen.« »Eine Inquisitorin?«, hakte der Major nach, ohne auf die Worte einzugehen. »Ja. Mit einem Dekolleté, das einem Häretiker mehr Antworten entlocken würde als jedes mir bekannte Folterinstrument.« »Warum sollte sich eine Inquisitorin mit uns beschäftigen?«, warf der blonde Basteter die Frage zurück, die ihm Ekko kurz zuvor gestellt hatte. »Das wollte ich eigentlich von Ihnen wissen«, erwiderte dieser. »Ich habe keine Ahnung.« »Ich auch nicht. Aber keine Sorge«, beruhigte der Colonel seinen Stellvertreter »schlimmer als ein besonders abartiger Traum kann es nicht werden.« Er sollte seine Meinung bald revidieren. Und yay! Nächsten Sonntag geht es weiter!
  11. Ich auch. Leider ist vor einigen Tagen das Sweetwater-Forums ausgefallen. Daher komme ich nicht mehr an mein Bilderverzeichnis. Wenn das forum nicht bald wieder anspringt, muss ich mein ganzes Bildwerk erst einmal neu sichten, zuordnen und kommentieren. Ich weiß nicht, warum ich mir nie eine Sicherheitskopie gezogen habe ...
  12. Mal darüber nachgedacht, bei TWS auf Youtube ein paar Ideen einzuholen?
  13. Ja. Es ist tatsächlich ein gewisser Aufwand. Aber solange ich nicht weinend vor den Figuren sitze, hält sich alles im rahmen. Für eine Massenarmee sicherlich nicht. Wäre auch viel zu teuer. Für eine skirmish-Armee noch akzeptabel, aber auch grenzwertig. Ich mache mir mehr Sorgen, ob man mit den Damen überhaupt richtig spielen kann.
  14. So - und das letzte Update für heute. Irgendwie habe ich mich beim Basteln immer weiter ausgebreitet und aus meinem kleinen Bastelkarton, den ich für meine mobilen Basteleien immer nehme, wurde schließlich der ganze Tisch. Da muss ich gleich erstmal aufräumen ... haha. Anyway - gerade trocknen noch ein paar Damen bei mir auf dem Tisch, die frisch gespachtelt und vorbereitet wurden. Außerdem darf ich nicht vergessen, dass da noch die Ketten anzubringen sind. Eine Gruppe von Damen ist allerdings schon fertig und wird sobald möglich noch einmal im Bad ein wenig ausgewaschen, bevor sie sich dann einer Grundierung erfreuen dürfen. Und das Ganze noch mal en Detail: So - nun aber ... gute Nacht ...
  15. Und weiter geht's. Noch immer bin ich damit beschäftigt, die Damen aus ihren Gußrahmen zu trennen, zu reinigen und zusammenzusetzen. Herrschaftszeiten ... Das sollte man doch echt glauben, dass die Damen deutlich mehr Elan zeigen würden. Aber Fehlanzeige ... Bei der hier ist mir sogar wieder der Spitz abgebrochen. Na ja. Muss ich halt noch mal stiften. Aber zumindest habe ich jetzt einen guten Teil der ersten Charage soweit gereinigt und vorbereitet, dass sie gespachtelt und dann gebast werden köbnnen. yay! Mehr dazu im Verlauf des Abends.
  16. Schön. Dann kanns ja bald auch Kloppe auf verschiedenem Terrain geben.
  17. Danke. Damals bei den ersten Figuren von RH hatte ich genau das beschriebene Gefühlsempfinden. Glücklicherweise hat sich das weitestgehend abgekühlt - Haha ^^
  18. Hallo liebes Forum, Wer im Sweetwater-Forum unterwegs ist, der kennt die Eishexen ja schon. Immerhin läuft das Projekt ne Weile ... wer aber nicht, den dürfte hier ein neues Armee-Projekt erwarten, von dem ich hoffe, dass es Spaß macht zu lesen. Ich zumindest hatte bisher sehr viel Spaß beim Erstellen und Basteln. *** Ach ja, es ist mal wieder soweit: Gute Vorsätze sind zum Brechen da – und ich habe einen meiner Vorsätze mal wieder gebrochen. Eigentlich hatte ich mir geschworen, dass ich mich NIE – NIE WIEDER – mit dem Thema 2. Weltkrieg beschäftige, was Figuren etc. angeht – einmal abgesehen von meinen paar Ami-Schiffen für den Pazifik. Ich habe meine Fallschirmjäger verkauft und auch den Hetzer, die Stukas und Transportfahrzeuge, den Nebelwerfer und die 81ger Granatwerfer. Niemand wollte 28mm WK II in der Gegend spielen, der Konsens war: Wir spielen 1/72. Nachdem ich mit dem Thema auch so einige Erfahrungen gemacht habe (ich erwähnte es in meinem Valkyria Chronicles Armeeaufbau), hatte ich dem Ganzen eigentlich abgeschworen. Und jetzt? Jetzt sprießen im Bereich um Bad Oldesloe plötzlich allerlei Bolt Action Armeen aus dem Boden und Mitspieler fordern mich auf, es doch auch einmal zu versuchen. Liebe Mitspieler – lasst mich im Gegenzug fragen: wo wart ihr, als meine Fallschirmjäger und Briten (in diesem und im Behind Omaha Forum wie auch in meinem Blog) zum Einsatz bereitstanden und auf Gegner gewartet haben? Jetzt sind sie nicht mehr da und jetzt spielt ihr BA ... errrrr ... Ich möchte ja auch nicht ganz am Rand stehen, wenn gut 70% unserer aktuell im Bad Oldesloer Bereich spielenden Spieler BA spielen. Vor allem aber finde ich es für mich persönlich immer unangenehm, die Armeen anderer zu spielen. Es sind nicht meine Figuren, nicht meine Armeen. Mir fehlt dann einfach die Identifikation. Also habe ich mich, trotz meines ursprünglichen Gebots der Nichtverwendung von WK II Thematik dazu hinreißen lassen, ein kleines, feines Armeeprojekt aus dem Boden zu stampfen. Also bringt sie mir, die Massen angeödeter Hausfrauen! Ich werde sie formen nach meinem Bilde! Körbchen – Kurven – KV-1 Wer jetzt an eine Panty-Shot-Animeserie denkt, der kennt mich vermutlich bereits gut, aber hat in diesem Fall damit eigentlich Unrecht … auch wenn wir uns mit dem Thema fast schon wieder im Bereich von Girls and Panzers bewegen. Also schämt euch, solch schmutzige Gedanken zu haben! Anyway: Mein Vorhaben ist tatsächlich, eine kleine Armee mit ein paar Figuren (erst mal ohne Fahrzeuge) aufzubauen, die ganz und ohne Ausnahme – aus Damen besteht. Ganz recht. Ein All-Female-Soviet-Infanterie-Bataillon! Eigentlich bin ich ja gar kein Fan der Russen, denn ihre Taktik und Doktrin stehen ganz und gar gegensätzlich zu den mir eigenen Grundsätzen militärischen Verständnisses, aber irgendwie … so mit Bärenfellmütze und langem Mantel … Außerdem ist es mal was anderes als ständig nur die Deutschen oder Westalliierten ins Feld zu führen. Aber inzwischen wisst ihr ja, ich stehe nicht unbedingt auf ganz historisch und vor allem auch auf etwas abgedreht, also möchte ich von der allgemeinen Vorstellung des Urääääh-isierenden Iwans weg und was eigenes kreieren, das für mich funktioniert, aber jedem Spiel auch eine gewisse, ganz spezielle Note aufstempelt. Zu diesem Zwecke habe ich mir eine Einheit Russen im Wintermantel, die jetzt (und unter Nutzung von kleineren und größeren Mengen Greenstuff) ausgebeult werden, und einen ganzen Haufen Frauenköpfe bestellt. Ein Frauenbataillon? Du doof oder was? Möglich. Auf jeden Fall greifen hier wieder meine Animebegeisterung und mein Interesse für das eher „Ungewöhnliche“. Das Thema „Frauen an der Front“ fasziniert mich dabei seit jeher, da die Gründe, aus denen Frauen regulär kämpfen, zum Teil denen von Männern gleichen, zum anderen aber auch vollkommen unterschiedlich sein können. Hinzu kommt, dass dem „vermeintlich“ schwachen Geschlecht eine derart starke Rolle gar nicht zugetraut, sie aber gleichzeitig irgendwo auch bewundert wird. Und das wiederrum erinnert mich an die eine oder andere Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Besonders dachte ich dabei an Roza Shanina, die aufgrund ihrer Fähigkeiten und Schönheit sehr bekannt war, deren Tagebucheinträge allerdings auch ihren psychologischen Abstieg von einem fröhlichen, direkten Mädchen zu einer von Einsamkeit und Trauer geprägten jungen Frau nachgezeichnet haben und an deren Ende der Tod während der Ostpreußenoffensive 1945 stand. Oder auch das Nachtbomberregiment „Night Witches“, das mit alten, zweimotorigen Bombern auf den Schlachtfeldern der Ostfront ordentlich auf die Wehrmacht eintrommelte. Insgesamt war der Anteil von Frauen in offensiven Tätigkeiten bei den Sowjets recht hoch, geschuldet der Tatsache, dass diese in den ersten Monaten des Großen Vaterländischen Kriegs sehr hohe Verluste an Personal und Material zu beklagen hatten. Daher also meine Idee, diesen doch recht ungewöhnlichen Weg zu wählen (und weil ich ein vollkommen weibliches Fallschirmjägerregiment für etwas überzogen hielt). Allerdings bildeten die Frauen immer nur Gruppen innerhalb der Armee, sei es nun als Scharfschützenkompanie, Mitglieder von Panzerbesatzungen oder Sanitätseinheiten. Bekannt wurden diese Truppen als „Flintenweiber“ und waren als Gefangene beliebte Fotoobjekte für Wehrmachtssoldaten. Wirklich selbstständig kämpfende Fraueneinheiten gab es nicht. Die einzige fast vollständig aus Frauen bestehende Einheit, die tatsächlich im Kampfeinsatz gegen Bodentruppen stand, war das 1077. Flakregiment, das in der Schlacht von Stalingrad den Nahkampf gegen ein vorrückendes deutsches Bataillon aufnahm und von diesem Stück für Stück aufgerieben wurde. Tatsächlich stellten die Russen jedoch im 1. Weltkrieg vier reine Frauenbataillone auf, von denen zumindest zwei auch gegen die Deutschen kämpften und ihnen einige gehörige Schläge verpassten und daher auch „Bataillons of Death“ genannt wurden. Ob das nun deutsche oder russische Benennungen waren, weiß ich nicht. Und was genau hat das mit dem Projekt zu tun? Im Grunde … gar nichts. Es soll nur aufzeigen, dass ich mir schon ein paar Gedanken gemacht und mich etwas belesen habe, bevor ich mir diese mir doch eigentlich sehr eigene Thematik zum Ziel gesetzt habe, und dass ich mir etwas unhistorisches erarbeite, das mir SPASS macht. Auf jeden Fall habe ich mir einiges an Hintergrundmaterial besorgt, vor allem, was Formen und Farben von sowjetischen Frauen des WK II in Uniform angeht, damit ich die Damen demnächst ins Feld führen und meinen deutschen Gegnern die Bratpfannen um die Helme hauen kann. Und natürlich ist das nicht alles. Ich möchte, wie so gerne, unhistorisch bleiben und das ganze Thema ein wenig frech gestalten. Sollte ich mir irgendwann mal Panzer anschaffen, werden diese Beschriftungen tragen wie: „Ich bremse nicht für Grenadiere“, „Zu spät, Süßer“ und mein absoluter Favorit für die Fahrzeugfront: „Wenn du das lesen kannst, bist du zu dicht!“ Wie dem auch sei: Mein Vorhaben ist erst einmal, eine 40-Figuren umfassende Truppe zusammenzustellen, die sich dann mit feindlichen Verbänden clashen kann. Was danach kommt, steht erst mal noch in den Sternen – bzw. Irgendwo jenseits der Front im sibirischen Hinterland. Und dann ist da ja auch immer noch die Animethematik, die ich jetzt in diesem Projekt nicht so wirklich einfließen lasse, aber die immer im Hintergrund gleich einem gut gerahmten Bild an der Wand hängt. Immerhin ist sie es, die mir mit einer (in meinen Augen) ultraschlechten, overhypten Anime-Serie den Titelnamen für mein kleines Armeeprojekt lieferte: Strike Witches! „Ой ты, песня, песенка девичья, Ты лети за ясным солнцем вслед. И бойцу на дальнем пограничье От Катюши передай привет.“
  19. Ja, genauso mache ich das auch. Vor allem säge ich alle Sachen aus, damit es eben nicht zum Spannungsbruch kommt. Mir ist es echt ein Rätsel, warum die Sachen trotzdem brechen. Aber das ist okay. Ich habe damit keine große Schwierigkeit. Als passionierter Bastler baue ich mir da anderen Kram ran und ersetze, was das Zeug hält.
  20. Tja. Nachdem ich in diesem Forum eigentlich nur im Geschichten-Forum aktiv war, möchte ich so langsam meine über hundert Foren oder so verstreuten Projekte langsam auch hier ausbreiten. Bevor ich aber den ganzen alten Mist aufwärme, fangen wir doch mit was neuem an. @bastlerund ich hatten vor einiger Zeit eine Runde seines Skirmish-Spiels Farside Encounter ausprobiert und es hatte mir irgendwie gefallen. So entschied ich, dafür eine Fraktion aufzubauen. Und was macht SisterMaryNapalm natürlich? Klar. Sororitas. Aber da mir die von GW nicht so gefallen, sondern ich gerne etwas mehr mit Ästhetik versuchen möchte, wandte ich mir den Damen von Raging Heroes zu. Die gefallen mir nämlich. Und da ich die Fantasy-Nonnen kenne weiß ich auch so etwa die Richtung, in die sich das Ganze bewegen wird. Gestern kam mein erstes Paket an ... Und so konnte es heute losgehen. Was soll ich sagen? Sie sind filigran. Sehr filigran. Von Raging Heroes war ich ja schon einiges von den Metallfiguren der TGG1 gewöhnt, aber alter Schwede ... das hier ist schon nicht mehr grenzwertig. Das geht darüber hinaus. Bei den Nonnen sind viele Gebetsketten und kleinere Kreuze angebracht, die teilweise schon beim Trennen aus den Gußgraten abbrechen, weil man versehentlich gehustet hat. Außerdem ist eine Menge Flash vorhanden, das auch in kleineren, schwer zu erreichenden Bereichen vorhanden ist, wo man es nur schwer rausbekommt. Hinzu kommt, dass einige der Nonnen doch schon sehr harte Gußgrate haben, die einen fast schon an einen Verguss oder ein Verschieben der Form denken lassen. Aber kein Problem. Mit etwas Arbeit kriegt man alles ab. Auch den Kopf ... Ein paar Bilder: Schon die erste Figur war dermaßen filigran, dass mir beim Trennen von dem Basequerbalken erst einmal die Spitze ihres Kampfstilettos abbrach ... Um mich etwas abzuregen, machte ich mich an die zweite Dame, die mich allerdings mit Lufteinschlüssen und einer Menge Flash ebenso aus der Fassung brachte. Glücklicherweise bekam ich die Dame einigermaßen gut zusammengebaut ... Das motivierte mich, es doch noch mal mit der anderen Dame zu versuchen ... und siehe da! Beim Abschleifen des Resins zum wieder ankleben des Absatzes brach dann auch der Rest ab ... Meine Gefühlen waren gemischt. Vor allem wusste ich nicht, wie ich das wieder ankleben sollte. Dem Imperator sei Dank - ich bastle ja nie allein - und glücklicherweise hatte mein Bastelbegleitnashorn die rettende Idee. Supi! Mit dem Draht und dem Bohrer lässt sich ein Stiefelabsatz generieren, den ich sogar als Stift zum besseren Halt auf der Base nutzen kann. So wandte ich mich der nächsten Dame zu. Die kenne ich so ähnlich schon von den Fantasy-Nonnen, die ich irgendwie in besserer Qualität in Erinnerung habe. Man muss einfach nur die Arme mit den Waffen ankleben ... *Knack* *Seufz*. Und dann passen die Arme mit den Waffen nicht mal! Ist ja auch klar. Mit den Schwertern hat die Fantasy-Dame nämlich eine andere Haltung. Gut. Muss ich halt mit etwas heißem Wasser versuchen, den Kram hinzubiegen. Hm. Das macht mich auch nicht glücklicher. Doch da gibts ja auch was gegen aus Rhinis Workshop! Also gut. Lege ich die Dame erstmal zur Seite und probiere mich an der nächsten ... Muss man ja nur die Hände festkleben. Errr ... ich glaube, ich lasse es für heute. Mein Fazit: Also irgendwie bin ich zu blöd oder bei dem Damen passt gar nichts. Nicht mal die Hände lassen sich in Form bringen, ohne dass irgendwas abbricht - und dabei verwende ich keine Gewalt. Bei den Fantasy-Nonnen war das deutlich besser gelöst, finde ich. Mir will es so vorkommen, als wenn man versucht hat, die Weltraum-Nonnen in die Casts der Fantasy-Nonnen zu pressen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich bei diesen hier so dermaßen viele Probleme habe. Egal. Ich gebe ja nicht auf - und versuche es später noch mal.
  21. Ich glaube, er wäre da eher von der Marke "This demonstrates the value of not being seen." - Oder vielleicht doch eher the funniest joke in the world?
  22. Und weiter geht’s! Ich denke, dieses Kapitel bedarf keiner weiteren Erklärungen. Wie auch? Es kann halt nur einen geben. Viel Spaß beim Lesen! 03 Ja, er war wieder da. Zurück in den ihm angestammten Gefilden, die er so sehr vermisst hatte wie ein besonders gewichteter aber dennoch zeitweilig vergessener Buchstabe seinen Platz im Zentrum des Dudens. Und wie jener Buchstabe, der sich nahtlos und trotzdem auffällig in die zuvor noch leeren Seiten eines überlangen Romans einfügte, empfand auch Colonel Galardin Alberic Ekko seine Rückkehr nach Bastet gleichermaßen als Befreiung und Last. Viele Erinnerungen verbanden ihn mit diesem Ort, Träume und Erlebnisse, die Abschnitte eines Lebens, das er gleichermaßen gewollt und verflucht hatte. Er hatte eine Menge gewonnen und schlussendlich alles verloren, bis ihm nicht mehr blieb als das Leid eines Menschen, der keine Zukunft mehr kannte. Dieses Leid hatte ihn in die Arme der Imperialen Armee getrieben, jener Organisation, von der man zynisch behauptete, dass sie die einen aufsteigen ließ, während die anderen zu Boden sanken. Sie hatte sie sich seines Leids angenommen und ihn zusätzlich durch die Tatsache bestraft, dass er die Rangleiter des Militärs emporraste wie auf einem Gleis, das ihn schlussendlich an einen Punkt ohne Wiederkehr führte. Eine Schlucht, so tief und breit, dass man einen Leman Russ hätte hineinwerfen können um anschließenden vergeblich darauf zu warten, dass er irgendwo aufschlug. Und die allgegenwärtige Grausamkeit des Universums begleitete ihn auch durch seinen aktuellen Rang wie eine unliebsame Freundin, die ihm die Fehler seines Lebens immer wieder vorhielt. Dabei war es nicht einmal so, als wenn er nicht schon genügend Zeit für das Lösen der Aufgaben seiner Dienststellung hätte aufwenden müssen. Immerhin gab es dort auch eine ganze Menge Leid zu verarbeiten. Das Leid eines jeden Colonels, ob er nun bei Milizen, den planetaren Verteidigungsstreitkräften oder in der imperialen Armee diente, bestand aus der Tatsache, dass er als Stabsoffizier und oberster Vorgesetzter eines Regiments immer und Jederzeit für seine Untergebenen ein offenes Ohr haben musste, sich um ihre Belange zu kümmern hatte und dafür sorgen musste, dass es ihnen gut ging. Er war derjenige, der dafür sorgte, dass seine Armee in allen Belangen des militärischen Auftrags funktionierte und dass Männer wie auch Gerät motiviert waren und funktionierten. Diese Aufgabe war nicht leicht. Bei weitem nicht. Aber bisher war Colonel Galardin Alberic Ekko ihr liebend gern nachgekommen. Dass er es dabei von Zeit zu Zeit Menschen zu tun bekam, bei denen man sich fragte, ob sie seine Hilfe überhaupt verdient hatten, störte ihn im Gros der Fälle eigentlich gar nicht. Manchmal war es jedoch anders. »Kommissarkadett Achad Alit, Sir!«, stellte sich der junge Offizier vor, der vor wenigen Sekunden in sein Büro – oder besser: vor den alten Schreibtisch im Kommandeurszelt der Einheit – getreten war und antwortete somit auf die etwas verwunderte Frage, wer er denn sei. Seine Haltung war militärisch gerade, seine Ausgehuniform, großteilig aus dunklem Stoff und Leder bestehend, machte einen tadellosen Eindruck. Neben seinen schwarzen Lederstiefeln lag eine gerade fallengelassene Kampftasche von der Größe eines Seesacks, die er wie selbstverständlich mit in das ohnehin enge Bürozelt geschleppt hatte. »Und was wollen Sie hier?« Damit stellte der Colonel eine berechtigte Frage. Die Aufgaben eines Kommissars deckten ein weites Spektrum möglicher Szenarien ab, die im Auftauchen des Kommissarkadetts gipfelten – angefangen bei einem einfachen Truppenbesuch bis hin zur Exekution einer ganzen Kompanie. Doch egal, aus welchem Grund, das Auftauchen eines Kommissars (und selbst wenn er nur ein kleiner Frosch am unteren Ende der militärischen Rangleiter war) bedeutete fast immer Ärger. Immerhin oblag es diesen Politoffizieren, das Regiment im Sinne der imperialen Doktrinen zu unterweisen und durch unbändigen Glauben an die Richtigkeit ihres Tuns sowie unerbittlicher Härte im Sinne des Imperators zu moralisieren. Nicht, dass der Colonel etwas dagegen gehabt hätte. Nein. Beileibe nicht. Das Imperium war ihre Heimat und sein Fortbestehen ihr Garant für ein aufregendes und stets von Feuerwerk, spannenden Ausflügen und wechselnden Bekanntschaften beherrschtes Leben. Allerdings gab es eine Reihe von Ansichten, in denen Colonel Ekko mit den Betrachtungsweisen des Kommissariats kollidierte. Und seine Erlebnisse hatten ihn in der Vergangenheit bereits mehr als nur einmal gelehrt, in Bezug auf die Beflissenheit der Kommissare ein bisschen mehr Vorsicht walten zu lassen. Alit runzelte verwirrt die Stirn, so als habe er diese Frage nicht erwartet. Hatte er vermutlich auch nicht. Es dauerte einige Sekunde, bisher er schließlich mit klaren Worten den Grund seines Hierseins umriss. »Sir, ich will in die Scheiße!« »Ah«, bestätigte der Colonel, dass er die Worte seines Gegenübers verstanden hatte, bevor er aufsah. »Okay. Durch die Zeltreihe, hinten rechts, ganz bis zum Ende. Da finden Sie die Latrine. Stecken Sie den Kopf aber nicht zu lange in die Schüssel. Habe gehört, die Dämpfe sollen benebelnd wirken.« Der Kommissarkadett, offensichtlich bereits auf eine vorbereitete Erwiderung fixiert, öffnete den Mund, dachte dann aber noch einmal genauer über den Wortlaut seines Gegenübers nach. Sein Mund blieb einen Moment lang halboffen stehen, so als befände er sich im endlos lang ausgedehnten Zustand zwischen dem Tick und Tack zweier Sekunden, dann geriet das Antlitz des Kommissars in Bewegung. Die Kinnlade des Mannes klappte herunter. Wäre sie nicht von Muskeln, Sehnen und Haut abgefangen worden, wäre sie ihm vermutlich abgefallen und mit lautem Scheppern auf den Boden geschlagen. Eine beeindruckende Leistung, betrachtete man die Tatsache, dass dieser mit einem billigen Teppich ausgelegt war. »Ich … wie … wie meinen Sie das?« »Kennen Sie das Gefühl wenn Sie glauben, das Universum habe sie wieder einmal um etwas wirklich Wichtiges beschissen?« »Nein, Sir.« Ekko lächelte finster und legte die Finger aneinander. »Möchten Sie es kennenlernen?« Er ließ sich tiefer in den Sitz sinken und genoss für einen Moment die peinliche Stille, die sich im Zelt ausbreitete. Man konnte Alit ansehen, dass er krampfhaft versuchte, Worte zu finden und einen Bogen zu spannen, der ihn aus dieser etwas prekären Lage katapultierte. Er versagte kläglich. Also war es wiederrum der Colonel, der die Initiative übernahm und das Gespräch erneut ins Rollen brachte. »Also ich frage noch mal: Warum sind Sie hier?!« Sichtlich dankbar, dass er sich nicht für eine überschwängliche Begeisterung für einen kommenden Kampf erklären musste, nahm der Kommissar erneut Haltung an. Mit stakkatoartiger Stimme berichtete er: »Dies ist mein erstes Kommando seit dem Ende meiner theoretischen Ausbildung und ich …«, begann der junge Politoffizier zu erklären, wurde jedoch durch ein nachlässiges Handheben seines Gegenübers unterbrochen. »Sie haben Ihre Ausbildung beendet und werden zu einem Frontkommando befohlen, ohne dass man Ihnen einen Mentor zur Seite stellt? Ich dachte immer, Kadetten würden zu Gruppen zusammengefasst und unter einem Führungsoffizier an die Front geschickt.« Er zuckte die Schultern. »Scheint, als hätte sich der Codex wieder einmal geändert.« »A-aber …«, stotterte der Mann, »mir w-wurde versichert, d-d-das Sie einen Kommissar hätten!« Ekko schüttelte den Kopf. »Wir haben keinen Kommissar … mehr. Der ist auf Agos Virgil mit den Ceramit-Brüsten einer dieser knackigen Ordensschwestern kollidiert.« Er meinte das Adeptus Sororitas. »Aber das hatte Major Carrick doch gemeldet.« Seine Stimme verebbte, während der Kommissarkadett sichtlich erbleichte. Als Mensch in seiner Stellung und mit seiner ‚Erfahrung‘ ohne Bezugspunkt in ein Regiment aus harten, kampferfahrenen Veteranen integriert zu werden, das ließ sich einfach nicht mit den Grundsätzen vereinbaren, die ihm beigebracht worden waren. Er war in dieser Lage wohl am Ehesten mit einem jungfräulichen Jüngling zu vergleichen gewesen, der als Freier einer Gruppe berufserfahrener Dirnen vorgesetzt wurde und von diesen zuallererst in der Frage angelernt wurde, was er denn unter ‚wahrer‘ körperlicher Liebe zu verstehen habe; ohne dass man ihm vorher den Unterschied zwischen Frauen und diesen halbmenschlichen Succubi erklärte. Als würde er direkt in eine Vergewaltigung seiner Naivität laufen, in ein Messer, das die Ecken und Kanten seines Wesens nicht mit scharfer Klinge abschabte, sondern sie stumpf weghobelte, bis auch seine Prinzipien dem kalten Eisen zum Opfer fielen. Hilflos begann der junge Offizier, in einer kleinen Tasche zu wühlen, die an dem breiten Ledergürtel seiner Hose befestigt hing. Er musste etwas suchen, bevor er schließlich ein zusammengerolltes Pergament fand und dieses mit einem kurzen Wink der Hand entrollte. Ekko beobachtete ihn dabei. »Hier … mein … mein Einsatzbefehl«, stammelte der plötzlich gar nicht mehr so vorbildlich wirkende Politoffizier und reichte den gesiegelten Schrieb an den Regimentskommandeur weiter. Skeptisch nahm der Colonel das ihm gereichte Dokument an und las den darauf befindlichen Text. »Ist das Ihr Ernst?«, fragte er, noch während seine Augen über die kleinen, verschnörkelten Lettern glitten. Natürlich war es klar, dass der junge Mann vor ihm sicherlich keinen Scherz machte. Kommissare wurden nicht zu Humor erzogen. Aber das, was auf dem Pergament mit seinen übermäßig stark verzierten Buchstaben aussagte klang einfach zu albern, als dass es eine wirklich ernst gemeinte Anweisung sein konnte. Alits dunkle Ausgehuniform raschelte, als der Kommissarkadett den Kopf schüttelte. »Ja, Sir. Es wundert mich nur, dass Sie darüber scheinbar nicht informiert wurden.« »Mich wundert in diesem Laden gar nichts mehr.« Ekko rollte das Pergament zusammen und schlug damit gedankenverloren gegen die Kante des schweren Palmenkieferholzschreibtischs. Mit einem scharfen Geräusch, ähnlich dem Ausschlagen eines Kopfkissens, landete das Papier ein ums andere Mal auf dem altehrwürdigen Holz. Alit beobachtete den Stabsoffizier bei seinem Treiben, zuckte dann und wann zusammen und beäugte sorgenvoll, wie das stumm vor Schmerzen schreiende Dokument brutal malträtiert wurde. Schließlich hatte der Colonel genug. Er lehnte sich erneut in seinem Sessel zurück. Das Leder knirschte. »Gut. Nun weiß ich, warum Sie hier sind. Aber dennoch frage ich mich: was wollen Sie hier – einmal abgesehen von dem dringenden Bedürfnis, unsere Latrinen in Augenschein zu nehmen.« Erneut gab er der Stille Zeit, den Kommissarkadett zu umwandern und zu nach seinen wahren Motiven zu befragen. Er selbst wohnte lediglich als Beobachter bei. Alits grüne Augen huschten suchend umher, folgten dem ihn umkreisenden Schweigen, dessen Geschwätzigkeit für eine ganze Weile den Geräuschpegel im Zelt dominierte. Als es ihm schließlich die Antwort zuflüsterte, nach der er seiner Meinung nach suchte, atmete der gesamte Raum ein. »Sir, Erlaubnis offen zu sprechen?« Ekko hob einladend die Hand. »Kommissare werden als Moralwächter betrachtet, als Wachhunde.« »Und das ist nicht richtig?«, erkundigte sich der Colonel. »Doch. Schon«, erwiderte der junge Politoffizier und setzte ein leises »Sir« hintendran. »Allerdings ist es nicht die Aufgabe des Kommissariats, imperiale Bodentruppen auf ihre politische Treue zu überprüfen. Das ist eine fehlgeleitete Annahme, die noch aus den Zeiten der frühen Kreuzzüge stammt.« Eine Kunstpause folgte. »Kommissare verleihen den militärischen Gesetzen des Imperiums auf Welten wie Bastet Recht. Ihnen obliegen die Unterstützung der örtlichen Kommandeure, ebenjener Männer und Frauen, welche die Planetaren Verteidigungsstreitkräfte führen und die Leitung derer, die sich der Imperialen Armee verschrieben haben. Wir sind, was man allgemein als ‚Höherer Wert‘ bezeichnet. Viele Kommissare, vor allem die älteren, verlassen sich dabei viel zu sehr auf die Macht, die ihnen übertragen worden ist. Sie entfremden sich von denjenigen, mit denen sie zusammenarbeiten.« »Sie sind anders?« Alit nickte eifrig. »Ich möchte mich lieber als Kamerad betrachten. Als Begleiter, der seine Truppen motiviert und ihnen die Unterstützung gibt, die sie brauchen.« »Wie ehrgeizig von Ihnen.« »Natürlich sind die Erwartungen in diesem Fall ungemein hoch. Auch an sich selbst. Daher wollte ich bei den Besten dienen, Sir.« »Ich verstehe«; nickte der Regimentskommandeur, den Blick fest auf den jungen Politoffizier gerichtet. In seinem Innern breitete sich Überraschung aus, resümierte über die offensichtlich fehlgeleiteten Annahmen und Sichtweisen seines Gegenübers. »Und vielleicht irre ich mich – aber ich habe lange genug in einer Kampfeinheit der Imperialen Armee gekämpft, um mich zu fragen, ob Sie überhaupt die richtigen Vorstellungen von Ihren späteren Aufgaben haben?« Verwirrung kroch über Alits Miene, spiegelte sich in seinen dunkelgrünen Augen wieder. »Wie meinen Sie das, Sir?« »Na ja: je nachdem, wie hoch Sie im Rang steigen, werden Sie eine Ausbildungseinheit, eine Kampfgruppe oder einen Stabszug begleiten, die Dienstvorschriften vorbeten und in weit ausschweifenden Berichten nicht ganz devote Armeeangehörige denunzieren. Es ist nicht ihre Aufgabe, den anderen Soldaten todesmutig voranzustürmen. Sie werden den Männern eher in den Rücken schießen.« Ekko schürzte die Lippen und drehte abschätzig die Hand. »Dafür benötigen Sie keine Kampfausbildung.« »Sir, darf ich Ihnen eine Zwischenfrage stellen?«, wechselte der Kommissarkadett plötzlich das Thema. »Könnte ich Sie davon abhalten?« »Macht es Sie nicht nervös, im Beisein eines Kommissars solche Worte in den Mund zu nehmen?« »Nein, warum?« »Na ja, weil man Ihre Worte als Blasphemie auslegen könnte. Oder als Ketzerei. Je nachdem, wie man auf Bastet dazu sagt.« Ekko dachte eine Weile lang nach, dann schließlich zuckte er die Achseln. »Wenn mir jemand etwas wollte, dann muss man mir einen Kommissaroberst oder einen Inquisitor schicken. Der darf mich dann auf politische Korrektheit überprüfen – auch wenn ich natürlich eher auf eine sie hoffe. Aber davon mehr, wenn es soweit ist. Beantwortet das Ihre Frage?« Alit blieb stumm. Eine Weile lang sagten die beiden Offiziere kein Wort, sondern schwiegen sich an. Draußen hallten die fernen Echos von Schüssen. Schießausbildung stand auf dem Plan des 512. Regiments Sera. Bei jedem der gellenden Schläge zuckte der Kommissarkadett zusammen. Natürlich. Das hatte sich Ekko bereits gedacht. Zeit, den eigentlich Sinn hinter seinen Fragen und Provokationen zu offenbaren. »Was versprechen Sie sich? Gardisten? Gravschirmjäger? Kasrkin?« Er überlegte einen Moment. »Ja, ich muss zugeben – solch ein Hintergrund liest sich sicherlich elitär «, stellte der Colonel sinnend fest. »Nur, dass wir in nächster Zeit nirgendwo hingehen und Krieg spielen. Diese Einheit ist im Aufbau begriffen. Das heißt, wir sitzen noch ein paar Tage in dieser vollkommen ereignislosen Einöde rum.« Alit schwieg weiter. Eine weitere Salve Schüsse erklang. Derweil kehrten Ekkos Gedanken zu der Frage zurück, wer, beim Thron, wohl in diesem Regiment als Kommissar geführt wurde. Dabei handelte es sich nicht um eine willkürliche Überlegung. Nein. Beileibe nicht. Es ging hier darum, dass sein Regiment offensichtlich einen Politoffizier besaß, der lebendig war, der seine Macht ausspielte und dabei offensichtlich so dermaßen unauffällig auftrat, dass selbst der Regimentskommandeur nichts von ihm wusste. Vermutlich würde sich besagter Kommissar irgendwann zu erkennen geben und ihm ohne ein weiteres Wort ein Loch in den Kopf stanzen. Eine Person in seinem Regiment zumindest wäre dazu ohne weiteres in der Lage gewesen. Der Thron fiel. Zumindest machte es deutlich hörbar ‚Pling‘ in Ekkos Kopf. Vielleicht war auch nur eine Synapse explodiert. Ein schmieriges Grinsen erschien auf seinem Gesicht. »Ach so. In dem Fall sollten Sie als später unser Lazarett aufsuchen. Aber noch nicht jetzt. Ich glaube, das wird gerade nur kommissarisch geführt.« »Und was soll ich nun machen?«, fragte der Kommissarkadett verzweifelt. So schien er sich seinen Dienst nicht vorgestellt zu haben. »Keine Ahnung«, erwiderte der Basteter und zuckte desinteressiert die Achseln, bevor er einen doch eher ungewöhnlichen Vorschlag machte. »Pinkeln Sie doch Ihren Namen in den Sand. Wenn Sie es schaffen, wäre das ein neuer Regimentsrekord.« Alit riss die Augen auf. »Ist das ein Scherz … Sir?« »Nein. Wenn Sie Ihren Namen komplett in den Sand pinkeln, stellen Sie tatsächlich einen neuen Regimentsrekord auf. Nicht mal unsere Kasrkin haben das geschafft. Und die haben alle sehr kurze Namen.« Das Unglück in Alits Gesicht vertiefte sich. So hatte er sich seinen Dienst in der Imperialen Armee wirklich nicht vorgestellt. »Und jetzt ab die Post. Ich habe zu tun.« Der junge Kommissar salutierte. »Ja, Sir!«, presste er hervor und verließ den Raum. Die Begeisterung, mit der er sich vorgestellt hatte, war verflogen. Der Colonel sah ihm nach und schüttelte den Kopf. Großartig. Das war … einfach großartig. Ein neuer Kommissar. Zwar ein junger Kommissar, aber ein Kommissar. Ein Wachhund des Departmento Munitorium. Und damit nicht genug. Selbst Marith Calgrow, die Regimentsärztin, die vor Jahren Kommissarin gewesen war, wurde vom Departmento offensichtlich noch in ihrer ursprünglichen Rolle geführt. Offensichtlich hatte er eine Natter an seinem Busen genährt – auch wenn die Vorstellung, eine Natter an einem männlichen … nein. Herr auf dem Thron. Nein. Er schüttelte den Kopf. Das war ein schlechter Gedanke. Ein wirklich böser Gedanke. Kälte kroch über Ekkos Rücken. Trockene, eisige Kälte, die sein Rückgrat hinaufwanderte wie ein aus Eis bestehender Tausendfüßler. Es dauerte eine Weile, bis ihm aufging, dass die Kälte keine Folge seiner doch sehr verstörenden Gedanken war, sondern von außen in seinen Kopf eingedrungen zu sein schien. Irgendwo in den hintersten Ecken seines Gehirns begannen Alarmglocken zu schrillen, scheuchten Neurotransmitter und graue Zellen gleichermaßen auf intellektuelle Gefechtsstationen. Der Colonel richtete sich auf und griff nach der Laserpistole, die schussbereit in seinem Beinhalfter auf den Einsatz wartete. Er fasste ins Leere. Erschrocken stieß er Luft aus und wirbelte herum. »Im Namen des …!« Er verstummte. Vor ihm stand eine hochgewachsene, junge Frau, die ihn mit der kühlen Distanziertheit eines überlegenen Intellekts musterte. Die Pistole ruhte in ihrer Hand. Neben dieser Hand zeichneten sich unter dem Stoff ihrer eleganten Robe Brüste ab, die definitiv groß genug waren, um nicht nur eine Natter, sondern vermutlich eine ausgewachsene Python zu ernähren. Sie hätte es nicht aussprechen müssen, denn er wusste es, ohne zu fragen: Sie war eine Inquisitorin! Ihr Haar war zu einem Turm von gut zwölf Zoll Höhe aufgeschichtet, von dem lange Strähnen bis zu ihren Schultern reichten. In Verbindung mit ihrem blassen, schönen Gesicht und den sanften, gut proportionierten Kurven ihres Körpers wirkte sie attraktiv, zumindest jedoch hübsch. Er wollte den Begriff schön vermeiden, denn an ihr fand er nichts, das dem gleichgekommen wäre. Sie besaß die Schönheit einer richtigen Frau nicht, weder die zarte Lieblichkeit seiner (inzwischen sicherlich toten) Frau Ayle, noch die geistige Reinheit einer Leitis Sile. Da war einzig und allein Kälte. Ekko fühlte Fassungslosigkeit in sich aufwallen. Konnte es wirklich ein Zufall sein, dass eine vollbusige Inquisitorin genau in dem Moment in seinem Zelt auftauchte, indem er eine Bemerkung über ihren Stand machte. Das also bedeutete die berühmtberüchtigte Aussage: »Niemand erwartet die Heilige Inquisition.« Er schwor sich, nie wieder unbedachte Witze über ihn besuchende Inquisitoren zu machen. Vielleicht stellte sich in den kommenden Minuten darüber hinaus sogar heraus, dass seine Besucherin in ihrer Freizeit ehrenamtlich beim Departmento Munitorium aushalf – als Kommissaroberste. Nicht, dass diese Entwicklung in irgendeiner Form hilfreich gewesen wäre. Allerdings hätte sie der Absurdität der ganzen Situation sogar noch ein Stückchen mehr Substanz verliehen. Das Universum war einfach ein schlechter Ort. »Das ist äußerst interessant«, stellte die Frau fest. »In ihrem Kopf herrscht ein mentales Chaos, gegen das ein kräftiger Warpsturm wie ein leise wispernder Wind wirkt.« »Danke für das Kompliment«, bemerkte der imperiale Offizier trocken. »Ich glaube, meine Jugendzeit in der Schola ‚zur geistigen Flatulenz« war ausschlaggebend für meine außerordentliche mentale Entwicklung.« Wieder kroch der eisigkalte Tausendfüßler aus seinem Versteck, schickte sich an, Ekkos Wirbelsäule zu malträtieren. »Und würden Sie, thronverdammt noch mal, aus meinem Kopf rausgehen?«, fügte er zischend an, was seine Besucherin eine ihrer schlanken Augenbraue heben ließ. »Ich bin beeindruckt. Ich hätte nicht gedacht, dass Sie es herausfinden.« »Ich bin Offizier, kein Idiot.« Der Colonel drehte abschätzend die Hand. »Das wird oft verwechselt.« Die Inquisitorin lächelte dünn. »Dann vermute ich, Sie wissen, wer ich bin?«, wechselte sie das Thema. »Es hatte sich angekündigt. Mir ist nur Ihr Name entfallen.« »Sinwell«, stellte sie sich vor. »Inquisitorin Galia Sinwell vom Ordo Haereticus.« »Der Name scheint Programm zu sein«, stellte Ekko fest. »Läuten Sie die Glocken eigentlich selbst oder haben Sie dafür einen Campanarius?« »Mein Beraterstab ist groß genug, um mir in jeder erdenklichen Weise zu dienen«, erwiderte seine Gesprächsgegnerin zweideutig. »Wie ist es mit Ihnen?« »Da gibt’s nicht viel zu läuten.« »Und wollen Sie sich mir nicht vorstellen?« Ekko schüttelte den Kopf. »Ich vermute, Sie wissen bereits, wer ich bin.« »Touché«, erhielt er zur Antwort. »Da haben Sie wohl Recht.« Die Inquisitorin umrundete den Tisch, ließ die Laserpistole genüsslich über das Holz streichen. Dass das große Inquisitionssignum, welches an einer breiten Kette um ihren Halt hing, wie eine sich windende Schlange in ihrem üppigen Ausschnitt hin- und herschwang, erleichterte den Colonel die Unterhaltung auch nicht gerade. Zumindest aber fokussierte es seine Gedanken. Zu einem gewissen Teil. »Ich habe bereits viel von Ihnen gehört, Colonel«, erklärte Sinwell. »Es heißt, Sie hätten eine bereits verlorene Schlacht auf eine schier unglaubliche Weise doch noch in einen Sieg gewandelt. Auf … Agos Virgil, wenn ich mich richtig erinnere?« »Das war einfach nur Pech«, gab der Colonel zurück, bemüht, seine braunen Augen endlich wieder auf Bereiche von Sinwell zu richten, die oberhalb ihrer Schultern lagen. »Geplant war es anders.« »So?« Sinwell stoppte kurz, ließ die Waffe in ihrer Hand gedankenverloren rotieren, vermutlich um ihren Gedankenfaden aufzuwickeln, dann wandte sie sich ihm wieder zu. »Bedeutet das, dass Sie eigentlich geplant hatten zu verlieren?« Ein müdes Lachen antwortete ihr. »Verlieren?«, schüttelte der Colonel den Kopf, »Nein. Eigentlich hatte ich geplant zu gewinnen und dabei zufällig zu sterben.« »Zufällig zu sterben?« Erneut geriet die Pistole in Sinwells Hand in Bewegung. »Meines Wissens nach gibt es keine Zufälle im Universum, Colonel. Der Imperator steuert die Dinge und lenkt unsere Geschicke, auf dass wir in Seinem Namen leben.« Der Colonel zuckte die Achseln. »Manchmal habe ich das Gefühl, der Imperator habe sich mit dem Universum gegen mich verschworen.« »Na, na, na!«, fuhr die Untersuchungsrichterin herum und hob den Finger, um ihn warnend zu schwenken. »Ihre Worte könnte man durchaus als Häresie verstehen.« »Möchten Sie mich denn anklagen?«, wollte er wissen. Das Leder seines Sessels knirschte, als er sich zurücklehnte. Wieder lächelte die hochgewachsene Frau dünn. »Nein. Ich wollte mir nur einmal ein Bild von dem Mann machen, der als Retter von Agos Virgil bezeichnet wird.« »Da hätten Sie wirklich nicht herkommen brauchen«, erklärte er nachsichtig. »Ich kenne da einen wunderbaren Fotografen. Der macht Ihnen sogar Abzüge in Plakatgröße.« Es verging einige Zeit, in der Sinwell die Waffe in ihrer Hand betrachtete. Als sie sich dem hinter dem Schreibtisch sitzenden Mann wieder zuwandte und seine Aussage parierte, klang ihre Stimme gefährlich gleichgültig. »So interessant sind Sie dann doch nicht.« Wo jeder andere alarmiert zurückgewichen wäre, blieb Ekko ganz er selbst, bereit noch ein wenig mehr Promethium ins Feuer zu gießen. »Schade. Ich hatte bereits darüber nachgedacht, mehr Zeit mit Ihnen zu verbringen.« »Das werden wir«, verkündete sie feierlich. Den Sarkasmus in seiner Stimme ignorierte sie gekonnt. »Dessen können Sie sich sicher sein. Und es wird eine Freude sein, Sie näher kennen zu lernen.« Ekkos Gesichtszüge entgleisten kurz. Als es ihm gelang, die bröckelnde Fassade zu gipsen, hatte er der Frau vor sich bereits eine wichtige Information preisgegeben. »Die Freude ist ganz auf meiner Seite.« »Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel«, präsentierte sie ihm ein überlegenes Lächeln, das den Colonel erneut veranlasste, den Schutz seiner Erfahrung zu verlassen und eine verbale Breitseite aus ihm eigenen, äußerst bissigen Sarkasmus aufs Geratewohl in den Raum zu feuern. Aber in dem Moment, da die Worte sich anschickten, den chaotischen Denkapparat des imperialen Offiziers zu verlassen, geschah das Unglück. Vollkommen planlos, offensichtlich ohne wohlprogrammierte Wegfindung auf die Reise geschickt, verliefen sie sich irgendwo in seinen Gehirnwindungen und irrten hilflos umher, während sein Mund in erwartungsvoller Haltung offen stehenblieb. Eine ihm unendlich lang erscheinende Weise kramte der Basteter in seinen Gedanken, suchte nach einem Hinweis auf die ihm abhanden gekommene verbale Erwiderung. Er bekam nicht einmal mit, dass er seine Deckung nun komplett fallen gelassen hatte. Dafür war er viel zu sehr mit der Frage beschäftigt, wohin seine Erwiderung wohl abgebogen sein mochte. Als er schließlich glaubte, sich endlich an die gesuchten Worte erinnern zu können und aufsah, musste er feststellen, dass sich außer ihm niemand anderes mehr im Raum befand. Die Inquisitorin war fort. Lediglich die auf dem Tisch drapierte Laserpistole bezeugte die seltsamen Vorgänge der letzten Minuten. Die Mündung starrte ihm demonstrativ ins Gesicht. Eine Warnung? Möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Nachdenklich lehnte er sich vor und griff nach der Waffe. Dann hielt er inne. Inquisitoren waren nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie mit offenen Karten spielten. Es lag also durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Berührung der Waffe eine Reaktion auslöste. Welcher Art diese sein würde, das blieb abzuwarten. Allerdings konnte sich der Colonel gut vorstellen, dass die Herrin des Intra-imperialen Terrors irgendeinen Nutzen daraus ziehen würde. Für einen kurzen Moment wallte in ihm die Frage auf, ob ihn die Waffe unter Umständen wegen sexueller Belästigung anzeigen würde. Nein. Das war absurd. Ähnlich absurd wie ein imperialer Offizier, der vom Wasserspeier einer Kathedrale baumelte, weil er beim Versuch des Suizids an diesem hängengeblieben war. Eilig zog der Regimentskommandeur die Hand zurück. Möglicherweise stellte sich der Gedanke als doch nicht so absurd heraus. Maschinengeister konnten recht eigenwillig sein. Wer wusste schon, ob sich die Technikentität nicht doch unsittlich berührt fühlte? Ärgerlich schüttelte Ekko den Kopf. Nein. Nein. Vollkommen unmöglich! Dennoch tippte er die Waffe leicht an, bevor er sich entschloss, sie richtig zu greifen. Eine Weile lang dreht er sie in seinen Händen, untersuchte das Material und prüfte, ob sie mit irgendeinem Taschenspielertrick entladen, entsichert oder auf irgendeine andere Weise neu konfiguriert worden war. Schließlich aber blieb ihm nur die Gewissheit, dass die Waffe keinerlei ungewollte Veränderungen aufwies. Noch immer nachdenklich schob er die Laserpistole zurück in das Tiefziehholster. Er konnte sich einfach keinen Reim auf die Frage machen, wie das Gebaren der seltsamen Glockenfee einzuordnen war. Was hatte sie ihm mit ihrem Auftritt sagen wollen? Ein großes Problem der Inquisition bestand in der Tatsache, dass man ihr nicht unbedingt trauen konnte. Ähnlich wie dem Kommissariat. Und leider fiel die Deutung ihres Vorgehens und der damit verknüpften Vorgange in diese Unsicherheitszone. Es war ja nicht so, als wenn ihm die Dame einen Zettel dagelassen hätte mit der Aufschrift: Die Inquisition überbringt Ihnen durch das Verhalten unserer Mitarbeiterin folgende Mitteilung … Seltsam. Gedankenverloren blickte der Regimentskommandeur auf den hölzernen Schreibtisch, wo einige seiner dienstlichen und persönlichen Utensilien im Chaos der Datenpads und Aufzeichnungen erstickten. Ein rostiges Eisenpäckchen starrte ihm aus dem Wust seiner Arbeit entgegen. Dieses Päckchen, eines von Aber-Milliarden im imperialen Raum verbreiteten Notrationsverpflegungssets, begleitete den Colonel seit seinem letzten Einsatz auf der Schreinwelt Agos Virgil, wo sie sich in denen Wirren der Schlacht um die zerstörte Makropole Golgarad kennengelernt hatten. Seitdem ließen sich die beiden als unzertrennlich ansehen. Eigentlich betrachtete Ekko das Verpflegungsset als seinen Freund, der ihm in schwierigen Situationen mit Rat und Tat zur Seite stand. In diesem Moment aber fühlte er sich von der Horatius getauften Ein-Mann-Packung ein wenig im Stich gelassen. »Wenn ich das nächste Mal eine humoristische Bemerkung über Inquisitoren machen möchte, dann halt mich auf!«, wandte er sich an die verschlossene Rationspackung, die das Gespräch zwischen ihm und der unheimlichen Besucherin beobachtet hatte. Die Notration schwieg vornehm. Ekko nickte. »Das hoffe ich doch.« »Äh, entschuldigen Sie?«, brach eine neue Stimme in die traute Zweisamkeit. Der Colonel sah auf. Im Zeiteingang stand eine jüngere Frau, wohl Anfang dreißig, mit einem schmalen, an ein Schild erinnernden Gesicht, aus dem zwei große Augen strahlten. Sie besaß einen erstaunlich breiten Mund, den sie zu einem unsicheren Lächeln geöffnet hatte und etwa brustlange Haare schmutzig-blonder Färbung, die ihr über die Schultern fielen. Ihr recht schmaler Leib steckte in einem Fliegerkombi der imperialen Raumflotte. »Seit wann stehen Sie schon dort?«, erkundigte sich der Colonel, ohne auf das plötzliche Erscheinen der Soldatin näher einzugehen. Das unsichere Lächeln fluktuierte kurz. »Seit Sie sich mit Ihrem Schreibtisch unterhalten haben.« Ekko konnte nicht verhindern, dass er kurz auf die Rationspackung blickte, bevor er sich seiner Besucherin wieder zuwandte. »Und wer sind Sie?« »Sir, ich bin Ally Amen!«, salutierte die junge Frau. »42. imperiales Transportgeschwader.« »Beim goldenen Thron von Terra. Heute nur Weiber in meinem Zelt«, brummte der Colonel und winkt die Pilotin heran. Und yay! Nächsten Sonntag geht es weiter!
  23. Und weiter geht’s! Es ist schon echt abgefahren, wie viele Leute Stargazer oder Colonel Ekko lesen und nur aufgrund dessen wieder einsteigen. Insgesamt sind nun 2 Wochen seit Start der neuen Geschichte vergangen und auf den drei Plattformen wo ich sie veröffentliche insgesamt fast 1000 Zugriffe zu verzeichnen. Und dabei sind die Story-Sektoren dort gar nicht so gut besucht. Ich bin erstaunt und erfreut zugleich. Zeit weiterzumachen: 02 Grelles Sonnenlicht flutete über die fruchtlosen Ebenen von Bastet III hinweg, bemalte die nahtlos ineinander übergehenden Steppen und Wüsten, die gut zwei Drittel der bewohnbaren Landfläche unter sich begruben, mit harten Akzenten und schweren Schatten. Das Licht tanzte über große Gebirge hinweg und suchte sich seinen Weg durch tiefe Schluchten, die ebenso wie die Wüsten und Steppen das Ergebnis einer äußerst aktiven tektonischen Phase in der Vergangenheit des Planeten waren. Schließlich erreichte und übersprang es die mächtigen Flüsse Freon und Maat sowie deren Schwemmgebiete, wo sich das Leben von mehr als der Hälfte der menschlichen Bevölkerung Bastets niedergelassen hatte, brandete gegen die hoch in den Himmel strebenden Makrotürme der wenigen Städte und reflektierte aus tausenden Fenstern, so als würden die Menschen der Sonne einen Teil ihrer Energie zurückgeben wollen. Ein Dichter hatte vor langer Zeit geschrieben dass, wenn das Licht die menschlichen Siedlungen in der lebensfeindlichen Natur der Region traf, es war, als würde das Herz des Imperiums zu funkeln beginnen. Und damit hatte er Recht. Den Bastetern ging es gut. Das Leben schenkte ihnen nicht viel, und sie mochten nicht besonders wohlhabend sein, aber sie waren glücklich – zumindest zum größten Teil. Denn auch auf Bastet gab es Menschen mit gebrochenen Herzen, verrottenden Idealen und zerstreuten Träumen. Wie überall, wo Menschen leben, streckten sich die Fühler des Unglücks, ähnlich wie das Sonnenlicht, weit über die Ebenen, berührten einmal hier ein Opfer, dann wieder dort. Hätte man einen Querschnitt durch die Bevölkerung gezogen, dann wäre man mit dem alltäglichen Schmerz des Lebens konfrontiert worden, verteilt auf zahllose Basteter in hunderten Siedlungen. Dass all diese Individuen die gleichen Sorgen, Nöte und Ängste teilten oder gar voneinander wussten, ist recht unwahrscheinlich. Veränderte man allerdings die Statistik ein wenig und fügte ihr weitere Konstanten hinzu, dann verschob sich das Ergebnis um ein Deutliches und zeigte schließlich auf einen Namen: Serareh. Serareh, das war eine der großen Makrostädte an den Ufern der Maat, neben Selukreh, dem imperialen Regierungszentrum Bastets, eine der Juwelen der bastetischen Baukunst. Mächtige Wohntürme, zum Schutz vor zu viel Sonneneinstrahlung in einem leicht abgenutzten Weiß gehalten, prägten das Erscheinungsbild der Stadt. Wie die Pfeifen einer gewaltigen Orgel sammelten sie sich um die zentrale Spindel, die Machtspindel Serarehs, von wo aus die Geschicke der Stadt geleitet wurden. Im Osten erhoben sich periodisch bewässerte Wohngärten, gebettet in saftiges Grün und von luxuriöser Schönheit, im Westen bestimmten die zur Maat hin gelegenen See- und Flughäfen das Bild der Stadt. Den Süden kontrollierten schwere Industrieanlagen, welche den Handelssektor Bastets im Bereich des planetaren und interplanetaren Exports bedienten. Im Norden schließlich lag der eigentliche Grund dafür, dass Serareh die wohl unglücklichste Stadt des Planeten war. Höchstwahrscheinlich war sich die Stadt in diesem Punkt keinerlei Schuld bewusst. Sie konnte im Grunde auch nichts dafür. Aber Sera, wie die Miniatur-Makropole in bester Tradition mit den Sitten und Gebräuchen Bastets liebevoll genannt wurde, war nun einmal zur Festungsstadt ernannt, mit gewaltigen Verteidigungsanlagen bewehrt und einer überwältigenden Militärpräsenz versehen worden. Hier bildete man die Bataillone und Regimenter der PVS, der Planetaren Verteidigungsstreitkräfte, aus, versorgte durchreisende Armeen und hob Armeeanteile für die mächtige Streitmacht des Imperiums aus. Böse Gerüchte besagten sogar dass, wer einmal nach Sera befohlen wurde, nie wieder nach Hause zurückkehrte. Es war jene Art von Gemunkel, das man nur hinter vorgehaltener Hand austauschte und das im Beisein weniger vertrauenswürdiger Personen schnell zu einem Märchen aus dem Reich der Legenden erklärt wurde. Das wiederum geschah im vollsten mathematischen Bewusstsein, dass Minus und Minus Plus ergab, was nur bedeuten konnte, dass ein gewisser Wahrheitsgehalt in den Worten stecken musste. Verschwörungstheorien eben. Für Haestian Carrick besaß derlei Geschwätz keine Bedeutung. Er hätte sich darum nicht gesorgt, wenn es lediglich eine Diffamierung der militärgeschichtlichen Bedeutung Seras als Heerlager gewesen wäre, und es übte auf ihn auch keinen Einfluss aus, dass es eben nicht so war. Immerhin stellte er das beste Beispiel für die Unwahrheit der Worte dar: Er war zurückgekehrt. Und das sogar in einem mehr oder weniger geistig stabilen Zustand. Zweifelsohne hatten die vergangen Jahre einen hohen Tribut von ihm gefordert, sowohl in physiologischer wie auch psychologischer Hinsicht. Er hatte Dinge gesehen, die ihm die Menschen niemals glauben würden. Gigantische Makropolen in Flammen, so glühend weiß, als stammten sie direkt aus dem Innern des Tors von Cadia. Er hatte Laserstrahlen gesehen, glitzernd in der Dunkelheit ewiger Nacht und Legionen von Soldaten, rückstandslos verbrannt im Zeitraum eines Wimpernschlags. Innerhalb von zwei Jahren hatte er mehr Leid gesehen und erlebt als so manch anderer in seinem ganzen Leben. Zwei Jahre. Es kam ihm vor, als wären es zwanzig gewesen. Zwanzig Jahre des Alterns und Verfalls, in denen sich sein Befinden in zweierlei Hinsicht destabilisiert hatte: Die schweren Verluste seines Regiments in der Schlacht von Agos Virgil hatten gezeigt, dass selbst die beste Ausrüstung und motivierteste Streitmacht dem puren Wahnsinn des Universums unterlegen war. Daran mochte selbst die Tatsache nichts ändern, dass die unglücklich Verschiedenen nach ihrem grausamen und meist unnützen Tod in die heiligen Gefilde des Imperators aufstiegen, um dort vermutlich ebenfalls zu sterben, wiedergeboren zu werden und sich der ganze Prozess wiederholte. Zum anderen war sein Glaube in die Richtigkeit seines Tuns und die Befehlshierarchie des Militärs tief zerschunden worden. Fast wie Holz, das man ganz allmählich mit Hilfe einer groben Feile abschabte, bis es von nicht mehr als einem letzten Faden Hoffnung zusammengehalten und der Gefahr ausgesetzt wurde, beim nächsten falschen Atemzug abzuknicken. Und die Menschen um ihn herum schienen alle sehr grobe Feilen zu besitzen. Allen voran sein Vorgesetzter, Colonel Galardin Alberic Ekko, dessen selbstzentrierter Wahnsinn ein starker, wenn auch nicht gesamtgültiger Faktor zur Vernichtung ihres Regiments gewesen war – oder dessen Rettung (je nachdem, wie man es betrachten wollte). Ein ums andere Mal hatte Carrick geglaubt, die Gedanken und Vorhaben des Colonels antizipieren zu können, nur um dann wieder eines Besseren belehrt zu werden. Inzwischen wusste er bereits nicht mehr, was er noch annehmen durfte und was ihn womöglich seinen letzten Funken Geisteskraft kosten würde. Und dann, ganz plötzlich, war die Zeit des Tötens und Sterbens vorbei. Einfach so. Wie bei einer Tafel, deren emaillierte Oberfläche man mit Hilfe eines nassen Schwamms abwischte. Leider war der menschliche Geist keine Tafel, die lediglich mit einer imaginären Art von Kreide beschrieben wurde. Einmal eingebrannte Erinnerungen vergingen nicht mehr. Dinge rückten einfach in weite Ferne, wurden abstrakt und entschieden sich schließlich zur Abkehr von der Person, deren Leben sie zuvor noch beherrscht hatten. Doch sobald eine Situation auftrat, die in den Fußstapfen jener Geschehnisse aus der Vergangenheit wanderte, erwachte der bereits erloschen geglaubte Vulkan der Empfindungen und Erfahrungen aus seinem Schlaf, brach mit urgewaltiger Kraft aus und verbrannte die Seele mit heißer Lava aus vergangen geglaubtem Schmerz. Vermutlich war das einer der Gründe für das Älterwerden. Haestian Carrick hatte sich nie für einen schwachen Menschen gehalten, doch selbst er empfand, wie ihn geistige und körperliche Stärke allmählich verließen, ihm entwichen wie Luft aus einem mit hunderten Nadeln traktierten Gummischlauch. Wenn es ihm nicht bald gelang, sein früheres Wesen und sein Verständnis der Welt zu gipsen und mit einem neuen Anstrich zu versehen, dann würde er vermutlich eine ähnlich baufällige Ruine werden wie sein Vorgesetzter Galardin Ekko. Nachdenklich sah Carrick auf. In der letzten Viertelstunde, die er seit dem Verlassen der Flußbahnstation Serah-Yuron mit Wandern verbracht hatte, war er einem bereits recht uneben wirkenden Sandweg gefolgt, der sich entlang des Freon schlängelte wie in dem Versuch, es dem mächtigen Lebensstrom gleichzutun und ihm das Geschäft als Versorger der Bevölkerung streitig zu machen. Zumindest als Schleichweg hatte er damit erstaunlichen Erfolg – wie sich an dem ausgetretenen Pfad erkennen ließ. Wälder aus hoch aufwachsendem Bambus, das Ergebnis von Samen, die während einer längst vergangenen Hochwasserperiode an diesen Ort gespült worden waren, flankierten die Marschroute des in Gedanken Versunkenen, spendeten seinem Körper und Geist dringend benötigten Schatten. Eine Weile lang folgte Carrick der sandigen Bahn, die sich anschickte, seine Schritte abermals Richtung Vergangenheit zu lenken, bis diese schließlich – analog zum deutlichen größeren Strom des Freons, welcher wohl auch irgendwann in ein Meer aufging – in eine am Fluss liegende Siedlung mündete. Der Weg schien sich einfach aufzulösen, übergab die auf ihm wandelnde Person an einen ebenso sandigen, wenn auch deutlich besser gepflegten Platz, der wohl seinerseits nicht ganz entschlossen zu sein schien, ob er nicht doch eher eine Straße darstellte. Ein- und mehrstöckige Bauten in ausgeblichenen Farben, welche vornehmlich im weißen oder ockerfarbenen Spektrum angesiedelt gewesen zu sein schienen, standen beiderseits der ausladenden Fläche wie Soldaten, die sich versammelt hatten, um zur Rückkehr des imperialen Majors Haestian Carrick nach Bastet eine Ehrenwache zu stellen. Einige der Gebäude liefen in größere Komplexe aus, die Villen deutlich besser situierter Personen, die dann und wann entschieden hatten, den von ihnen erworbenen Luxus mit einer Mauer einzuzäunen – oder die auf ihrem Grund lebenden Mitglieder der eigenen Familie. Das Haus, nach dem Carrick Ausschau hielt, gehörte zu jenen auf diese Weise abgesicherten Bauten, auch wenn der Grund dafür nicht in der Tatsache begründet lag, dass man jemanden einsperren oder aussperren wollte. Nein. Viel eher betrachteten die Bewohner den Besitz einer Mauer als Hinweis darauf, dass sie den etwas gehobenen Kreisen angehörten und es sich einfach leisten konnten, eine Mauer zu errichten. Sie war stark, sie war auffällig und, wenn man sie mit Kletterpflanzen bestückte, bisweilen sogar recht hübsch anzusehen. Und tatsächlich benötigte er nicht lange, um den steinernen Wall zu finden, welcher den Mikrokosmos der bescheidenen Villa vom Rest der Welt abtrennte. Obwohl ein zufälliger Betrachter es wohl anders interpretiert hätte, lag es nicht an der gut zwei Meter hoch aufragenden Begrenzung, dass ihm sein Ziel sofort ins Auge fiel. Es war viel mehr der Umstand, dass er vor nur wenigen Jahren an diesem Ort ein- und ausgegangen war. Das große, aus Palmenholz gefertigte Tor im mit Säulen verzierten Haupteingang der Ummauerung stellte für den Mann kein Hindernis dar, und dass ihn dahinter kein Hauswächter oder Grundstücksverwalter erwartete, erleichterte sein Eintreten ungemein. Andernfalls wäre er wohl mit Steinstatuen, Gartenscheren oder ähnlich gefährlichen Gegenständen beworfen worden. Es gab Basteter, die ihre Privatsphäre höher schätzten als das leibliche Wohl eventueller Besucher. Das Gelände jenseits der Mauer war ein mit steinernen Platten versehener Hof, welcher sich in Form zweier rechtwinklig zueinander liegender Rechtecke zwischen dem Wall und dem eigentlichen Haus entspann. Eine Reihe von Palmen wuchs nahe einem kleinen Schwimmbecken aus dem Boden, schmiegte sich so eng an das Gebäude, dass es einem vorkommen wollte, als lehnten sie kraftlos daran. Bereits teilweise verdorrte Büsche säumten das Gelände, verliehen dem Außenbereich eine ungepflegte Note. Daran änderte auch das in abgenutztem Weiß gehaltene Bauwerk nichts, das sich bemühte, zumindest dem Zentrum des Grundstücks eine etwas erhabenere Note zu verleihen. Es wäre ohnehin vergebene Liebesmüh gewesen. Melancholie triefte an den Seitenwänden des zweistöckigen Gebäudes herab wie die Schlieren einer durchregneten Nacht, zeichnete den Niedergang einer stolzen bastetischen Familie so treffend nach, wie es keinem Gedicht, keinem Nachruf und keiner Geschichte je gelungen wäre. Erschreckend und erstaunlich zu gleich. Carrick konnte sich gut an die Zeit erinnern, als dieses Grundstück zu den wohl schönsten und begehrenswertesten auf ganz Bastet gehört hätte. Nun allerdings schien es vom Imperator verlassen worden zu sein. Anders ließ sich der Anblick der heruntergekommenen Immobilie kaum erklären. Der Major durchschritt den Vorhof und trat an die Tür des Hauses, ein doppelflügeliges, mannhohes Eingangstor, ähnlich dem reich verzierten Zutritt zum Hof. Ein zweiköpfiger Aquila bewachte den Eingang, einen als Türklopfer dienenden Totenschädel in den Klauen, beäugte den Ankömmling misstrauisch. Fast wollte es so vorkommen, als wenn er das Einzige war, was dieses Haus und seine Bewohner noch vor dem grausamen Universum um sie herum zu schützen vermochte. Carrick hob den Arm … und zögerte. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, dass er zum letzten Mal an der Tür geklopft hatte. In der Zwischenzeit war viel geschehen. Er hatte sich geändert, und wenn man den Zustand des Hauses bedachte, dann hatte auch es sich signifikant geändert. Es stand also zu vermuten, dass selbst seine Bewohner nicht mehr dieselben waren, die er vor vier Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, als er in den nie endenden Krieg um das Imperium gezogen war. Würden sie ihn wiedererkennen? Viel wichtiger aber: würde er sie wiedererkennen? Er atmete tief durch, schluckte seine Unsicherheit herunter und betätigte den Türklopfer. Der Totenkopf schwang mit erstaunlicher Leichtigkeit umher, wobei ihn lediglich das Vorhandensein der hölzernen Tür auf seinem Weg bremste. Hartes, dumpfes Pochen erklang. Hätte der Schädel seine Gefühle in einer Lautäußerung bekannt geben können, sie hätte wohl »Au« gelautet. Eine Weile lang geschah rein gar nichts. Der Major dachte bereits, das Haus sei verlassen und fragte sich, was wohl geschehen sein mochte, da erklangen leise, kraftlos schlurfende Schritte jenseits der hölzernen Tores. Kurz darauf ließ sich das scharfe, metallene Kratzen der Türverriegelung vernehmen. Einer der Türflügel geriet knirschend in Bewegung, wich vor dem Rang des Ankömmlings regelrecht zurück. Eine müde aussehende, blonde Frau in dunklen Kleidern floss mehr durch den Türspalt, als dass sie durch ihn hindurchtrat. Den Kopf wie in höchster Demut vor dem Imperator gesenkt und von einer unsichtbaren Last auf ihren Schultern in die Knie gezwungen, erweckte sie den Eindruck einer alten, gebrochenen Jungfer. Es kostete den Major das Überraschungsmoment seines Auftretens, bis er verstand, dass die Person vor ihm noch nicht einmal das Erwachsenenalter erreicht hatte. Der Schock der Erkenntnis fuhr ihm in die Glieder, ergriff von seinem Denken Besitz und stellte ihm die entsetzliche Frage, was ihn jenseits der abgenutzten Mauern erwarten mochte, dass ein lebenslustiges, jugendliches Fräulein eine derartige Veränderung durchgemacht hatte. »Ja …?«, begann sie, sah zum Major auf und brach unvermittelt ab. Eine Weile lang beherrschte lediglich das schmerzhaft leise Säuseln des Windes die Szenerie, während die Frau ihn anstarrte, als hätte sie einen Geist gesehen. Ein Überbleibsel einer vergessen geglaubten Vergangenheit, das nun mit aller Macht an die Oberfläche strebte, um sich wie ein Film auf die Gegenwart zu legen. »Hallo Mae«, begrüßte der Major die junge Frau mit ruhiger, angenehmer Stimme. »Ist Laetitia da?« Eigentlich erwartete er, umgehend eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. Allerdings geschah nichts dergleichen. Stattdessen ergriff Stille das Wort, flüsterte die Erinnerung an melancholische Momente in die Herzen der vor ihm Stehenden. Tränen füllten ihre Augen. Sie schniefte und begann dann, hemmungslos zu weinen, während sie den schweren Türflügel vollends aufstieß. Ein kräftiger Schauer durchfuhr den Major, dem Stich eines blankpolierten Bajonetts gleich, das seine Haut mühelos durchdrang und sich tief in sein Herz grub, um den Hohlmuskel schließlich derart stark zu perforieren, dass sein Blut in Sturzbächen herausstrebte. Was, im Namen des Imperators, mochte hier wohl passiert sein? Jenseits des Eingangs wartete halbtrübes Dunkel. Ein seltsamer Geruch sprang durch den geöffneten Eingang, lachte erleichtert ob der neugewonnen Freiheit. Abgesehen von dieser kleinen Darbietung überschwänglicher Freude schien allerdings nichts den Besuch in diesem heruntergekommen Domizil zu rechtfertigen. Alle Freude, all die lebensfrohe Energie, die in diesem Haus geherrscht hatte, war gegangen und hatte etwas zurückgelassen. Eine Stille, ein Vakuum, das den Major ins Innere zog und seine Brust belegte. Unruhig schluckte er und trat ein. Das in stumme Tränen aufgelöste und durchgängig schniefende Mädchen schloss die Türen. Die partielle Düsternis schien sich zu vertiefen. Mehr humpelnd und torkelnd denn wirklich gehend, schlurfte Mae dem Offizier voran durch die dunkle Wohnung. Dünne, kalte Lichtstreifen streckten ihre langen Finger zwischen den Lamellen der zugezogenen Jalousien hindurch, betasteten das für sie erreichbare Innere des Hauses. Ein recht großer Eingangsbereich ließ sich andeutungsweise erahnen, der sich in eine noch größere Wohnstube hinein öffnete. Es ließen sich nicht viele Einzelheiten ausmachen, aber für Carrick besaß das keine Bedeutung. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie es in dem Gebäude aussah. Ein mächtiger Esstisch, umringt von einer Reihe von Stühlen, pflanzte seinen wuchtigen Leib auf einen dunklen Teppich, nicht weit der linken Außenmauer entfernt. Carrick wusste, dass das Möbelstück aus dem Holz einer Palmenkiefer gefertigt war. Ein Baum, den man auf Bastet für sein zugleich weiches und sehr widerstandsfähiges Holz schätzte. Einfach zu bearbeiten, aber dennoch robust und langlebig. Rechts davon befand sich ein prächtiger Altar, auf dem die Heilige Bastet und ein imperialer Doppeladler die Verehrung der Hausbewohner forderten. Noch weiter rechts, direkt hinter der in den ersten Stock führenden Treppe, befand sich ein Studierzimmer, in dem ein Televid-Gerät sowie eine umfangreiche Bibliothek Bewohnern wie auch Besuchern zur Verfügung standen. Mae ignorierte die Schemen des Wohnbereichs. Stattdessen führte sie den Offizier die ebenfalls aus Palmenkieferholz bestehenden Stufen der leicht gewendelten Treppe in den ersten Stock empor. Auch hier herrschte eine erschreckende Dunkelheit. Seltsame Geräusche, Schnaufen und Flüstern, wanderten in der Düsternis umher, rasselten metallene Worte in die vom stechenden Geruch eines schweren Makels geschwängerte Luft. Der Major hustete unwillkürlich, als seine noch immer schniefende Führerin ihn an den hölzernen Eingang zu einem der wenigen Zimmer im Obergeschoss führte. Das geräuschvolle Keuchen schien an Intensität zu gewinnen. Einen Moment lang blieb das Mädchen stehen, dann trat sie zur Seite und blickt den Major – zum ersten Mal seit ihrem kurzen Augenkontakt beim Eintreten – an. Carrick wäre beinahe zurückgewichen. Da funkelte etwas in ihrem Blick. Entsetzen. Furcht. Der Horror. Etwas, das man normalerweise in den Augen von Männern und Frauen sahen, die durch die Hölle der Imperialen Armee gegangen waren und nun, in einem freien Moment, über das Erlebte resümierten. Wieder schoss ihm die Frage durch den Kopf, mit welchem Fluch der Gottimperator dieses Haus gestraft haben mochte. Bei dem Gedanken zog ein kalter Schauer über seinen Rücken. Er versuchte, ein erneutes Husten zu unterdrücken, doch die stickige Luft machte ihm das Atmen fast unmöglich. Wortlos passierte der imperiale Offizier seine Begleiterin und betrat den Raum. In dem dunklen Krankenzimmer regten sich nur schemenhafte Erinnerungen von Leben. Eine Reihe wunderlicher Instrumente standen um ein breites Bett herum, vollführten seltsame Bewegungen im Licht eines kleinen Altars, auf dem Kerzen brannten. Schläuche schlängelten sich von den Apparaturen zum Bett, verschwanden unter der flauschigen Daunendecke, die sich in regelmäßigen Abständen hob und senkte. Reinheitssiegel und Schriftrollen bedeckten die einstmals wohl recht schmucken Wände, und eine in reiche Gewandung gehüllte Medikerin des Hospitallinnen-Ordens der Adeptus Sororitas saß auf einem kleinen Schemel am Bett und beobachtete die blinkenden Anzeigen der Gerätschaften, ohne sie wirklich zu lesen. Als der Major eintrat, wandte sie sich um und erhob sich schnell, aber dennoch elegant und würdevoll. Harte Schatten umtanzten ihr junges Gesicht, als sie zu einer Verbeugung ansetzte. »Ich …«, reagierte der Major erstaunt auf die wortlose Begrüßung, bevor er sich dazu durchrang, näher ans Bett zu treten. Auch hier beherrschten technische Apparaturen das Sichtfeld, drängten sich gleich einem Schwarm hungriger Insekten um das faulende Fleisch eines zerfallenden Körpers. Lediglich das dünn gewordene, dunkle Haupthaar, das die schwere Atemmaske und das weitestgehend darunter verborgene Gesicht umrahmte, ließ einen Menschen jenseits all der geweihten Technologie erkennen, die den Raum besetzt hielt. »Sie ist …«, begann die Medikerin mit leiser, im Ansatz melodischer Stimme. Carrick ließ sie nicht ausreden. Er hob die Hand. »Ich weiß, wer sie ist«, stellte er tonlos fest. »Wir waren verheiratet.« Nächsten Sonntag geht es weiter!
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