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SisterMaryNapalm

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  1. Da du selbst Sororitas spielst - müsstest du das wissen ;-D Bei einer Sororita guckt man nicht, von wo sie kommt, sondern wohin sie geht^^ Und der Wahnsinn wird weitergehen :-D Auf jeden Fall. Wäre ja verrückt, wenn nicht ...
  2. Mavet Me†™shamaim, Kameraden! Colonel Ekko ist zurück. Aber bevor wir uns ins nächste Kapitel seines irgendwie doch sehr abgefahrenen Abenteuers stürzen, noch mal ein kleines Vorwort von mir: Einige von euch wissen es bereits: Colonel Ekko ist eigentlich nicht Colonel Ekko. Er, wie auch seine Heimat Bastet und seine Kameraden des 512. gehörten ursprünglich einem anderen Universum an, nämlich einem, das ich selbst erfunden habe. Dort waren sie eigentlich ganz andere Charaktere und sicherlich nicht so humorvoll. Ich hatte sie mir lediglich entliehen, um meine Warhammerstory zum Laufen zu kriegen. Nun hat sich bei mir einiges ergeben, das dazu führt, dass ich mich wieder auf die Fortführung meines eigenen Universums konzentrieren möchte. Dazu habe ich mir die ganzen Ideen und Charakterzüge, die ich für spätere Stories mit Ekko geplant hatte, wiederrum transformiert und werde das Konzept in meinem eigenen Universum wieder aufnehmen, natürlich dann ohne Warhammer. Das heißt: Nachdem Stargazer beendet wurde, was sicherlich noch einige Zeit dauert, wird es keine neue Story von Ekko geben (auf jeden Fall wird keine mehr geplant). Und auch, wenn ich noch eine ganze Menge mit dem Colonel hier vorhabe, wollte ich darüber schon einmal informieren. Der neue Held heißt bisher Elias Yadin und ich hoffe, dass selbst, wenn es ein eigenes, Warhammer-unrelated Universum sein wird, es vielleicht trotzdem einige von euch mögen und mir die Treue halten. Und nun noch einmal zu was ganz anderem. Durch einen Freund wurde ich auf folgenden Link des Forums „Die Festung†œ aufmerksam gemacht (http://www.diefestung.com/forum/thread.php?threadid=55556&sid=6daba16a9c42767f6d7786cd1899ae18) und wollte sagen: Lieber Bigmek, vielen Dank. Ich war überrascht und es hat mich gefreut, dass meine Story tatsächlich von jemandem außerhalb der mir bekannten Foren vorgestellt wird! So, und nachdem diese Punkt jetzt abgearbeitet sind, kommen wir nun zu etwas wichtigem. Dem nächsten Kapitel: 35 Obwohl sie auf den nächsten Kampf gewartet hatten, traf der Schlag, mit dem die Orks den zweiten Teil der Schlacht um die Himmelskathedrale einleiteten, die meisten an der Front befindlichen Einheiten des 512. vollkommen unvorbereitet. Nicht nur die Tatsache, dass die Attacke im Morgengrauen begann, sondern auch die Heftigkeit, mit der die Welle aus Ork-Panzern und Boyz gegen die Stellungen der Basteter brandete, erwischte viele Infanteristen auf dem falschen Fuß. Es dauerte nur wenige Minuten, da befanden sich die ersten Angreifer bereits in Reihen der Verteidiger. Und so entfaltete brutaler Nahkampf sein hässliches Gesicht, als Corporal Siddig den vorgeschobenen Kommandoposten Colonel Ekkos erreichte. Gefechtsmeldungen aus den Funkgeräten, Befehle und Zurufe begrüßten den eintreffenden Unteroffizier, hießen ihn in eine Welt willkommen, von der er im Grunde nur wenig verstand. Tatsächlich wollte es ihm so vorkommen, als sei er der Fehler in einer vollkommenen Welt des organisierten Chaos. Ein Splitter, der gerade durch eine heile Haut gestoßen worden war und nun bald von den Abwehrkräften des darunter befindlichen Organismus attackiert werden würde. Umso mehr überraschte es, dass zuerst der Datenglobus sein Eintreten mit einem kurzen Flimmern zur Kenntnis nahm. Wäre das Gerät ein Mensch gewesen, der Unteroffizier hätte sich mit einer kurzen, zackigen Meldung vorgestellt. So allerdings nahm er das abgehackte Rauschen nur als eine Eigenheit des örtlichen Maschinengeists hin. »Was gibt†™s, Corporal?«, sprach ihn jemand von der Seite an. Siddig wandte sich um. Colonel Ekko, das ungewaschene Gesicht mit einem leichten Bart bedeckt und das dunkle Haar zerzaust, so als hätte er es sich vor kurzem gerauft, sah ihn aus einer Gruppe weiterer Offiziere an, die gerade über die Lage beratschlagten. Es sprach für den etwas verwirrt wirkenden Offizier, dass er seinen Untergebenen bereits bemerkt und angesprochen hatte, während seine Ratgeber den weitaus rangniederen Soldaten geflissentlich ignorierten. Siddig straffte sich, marschierte eilig zu den Vorgesetzten, die etwas abseits über einer Karte brüteten, und nahm Haltung an. »Sir, Sergeant Pakell †“ fünfter Truppe, achtzehnter Zug †“ hat mir befohlen, Meldung zu erstatten, dass die Außenmauer beschädigt worden ist.« Der Colonel ließ ein paar Sekunden verstreichen, dann schürzte er die Lippen und schoss einen Blick zu den restlichen Offizieren. Augenscheinlich war er tief beeindruckt. Der Major an seiner Seite hingegen versteifte sich kaum merklich. Als er die angenehme Stimme erhob, schwang in seinem Ton Ärger über die dreiste und vollkommen überflüssige Störung mit. »Ist Ihnen klar, dass sich die Situation bereits geändert hat, Corporal?« »Ja, Sir. Aber ich dachte, es könnte Sie interessieren, wie dem Feind das gelungen ist.« Siddig war selbst erstaunt, wie selbstsicher er diese Worte herausgebracht hatte, vor allem, da Ekkos Augen ihn nun erst recht ins Visier nahmen. Der Regimentskommandeur ließ sich ein wenig Zeit, den verdreckten Infanteristen genauer zu betrachten. »Wie heißen Sie, Junge?«, wollte er schließlich wissen. »Siddig, Sir.« Der Corporal spürte, wie in seinem Innersten Adrenalinpegel und Entschlossenheit gleichermaßen fielen. Sie platzten unter den Eindrücken der Ereignisse, der Erinnerung an die schrecklichen Sekunden an der Mauer und die unerwartete Aufmerksamkeit weg wie Farbe von einem rostigen Fahrzeug. Siddigs Herz raste in Panik, als er daran dachte, wie die gewaltige Explosion ihn sogar noch drei Straßen weiter von denen Beinen gehoben und in eine Wolke aus aufgeschrecktem Staub hatte fallen lassen. Seine Knie wurden weich und für kurze Zeit wölkte ein diffuser Nebel in seinem Kopf auf. »Schnell!«, hörte er eine Stimme rufen. »Einen Stuhl.« War das die Stimme des Imperators? »Einen Sanitäter!« »Macht Platz!« Irgendetwas packte ihn. Eine ganze Weile lang schien er in der Luft zu schweben, nur gehalten von flügelähnlichen Auswüchsen, die sich gleich Schlingpflanzen um seine Arme gewickelt hatten. Ihr Griff war fest, wenn auch nicht unangenehm, und eine Zeit lang genoss es Siddig, halb in der Schwebe vor sich hinzudämmern. Dann allerdings ging es plötzlich recht schnell abwärts und der Corporal landete unsanft auf festem Boden. Ganz allmählich klärte sich sein Blickfeld. Zu seiner Überraschung fand er sich auf einem Stuhl sitzend wieder, umringt von diskutierenden Offizieren. Ein Sanitäter kniete neben ihm, fühlte seinen Puls und nickte Ekko zu, der geduckt an seiner Seite stand und ihn festhielt, damit er nicht von dem Stuhl rutschte. Als der Regimentskommandeur merkte, dass Siddig die Augen aufschlug, legte er dem atemlosen Corporal eine Hand auf die Schulter. »Gut, dass Sie wieder bei uns sind. Also«, beschwor er den Soldaten, dessen pures Entsetzen sich glasklar in seinen weit aufgerissenen Augen abzeichnete. »Was ist da unten passiert?« »Sie haben die Mauer unterminiert«, brachte Siddig heraus, kaum dass die ersten klaren Gedanken zurück in seinen Kopf strömten. »Unterminiert? So wie so lange auf den Fuß der Mauer schießen, bis sie einstürzt?«, hakte ein Captain, der über Ekkos Schulter lehnte, ungläubig nach. »Nein«, erwiderte der Corporal. »Unterminiert wie: Einen Tunnel graben …« »…mit Sprengstoff füllen und den ganzen Laden in die Luft jagen«, beendete Ekko den Satz und richtete sich auf. In einer entnervten Bewegung schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, bevor er sie zum Himmel reckte. »Beim Arsch … ich meine natürlich: beim Barte des Propheten! Woher, beim Thron, können die so etwas?! Ich steige da nicht hinter! Meine Herren«, sagte er mehr an sich, denn an die Anwesenden gerichtet, »wir haben ein ernstes Problem.« Und das war nicht einmal übertrieben. Sicherlich: das 512. Regiment Sera hatte bereits das eine oder andere ernste Problem überstanden (nahm man einmal die fast völlige Vernichtung der Einheit außen vor), und auch während der Agos Virgil-Kampagne waren sie nicht unbedingt erfolgreich gewesen. Doch die Information Siddigs hob ihre Sorgen in eine vollkommen neue Sphäre. »Also gut«, ordnete der Regimentskommandeur an, während seine Gedanken bereits wieder um taktisch-operative Fragen kreisten. »Gehen Sie zu Doktor Calgrow. Sagen Sie ihr, dass Sie von mir kommen und lassen Sie sich irgendetwas geben, dass ihre Nerven auf ein normales Maß herunterfährt. Der Sanitäter wird sie begleiten. Wenn es Ihnen danach besser geht, melden Sie sich bei Captain Balgor. Wir brauchen jeden Mann, und jemanden wie Sie möchte ich nicht verlieren †“ verstanden?« »Ja, Sir«, erwiderte Siddig und erhob sich gerade, als Major Carrick seinen Vorgesetzten von der Seite ansprach. »Entschuldigen Sie, Sir. Das wird nicht möglich sein.« Auf Ekkos Blick hin präzisierte er: »Doktor Calgrow ist nicht im Notlazarett.« »Ist sie nicht?«, überlegte der Colonel. »Und wo ist sie dann?« »Beim Sanitätsvorposten im ersten Ring«, antwortete der Major. Das interessierte den Colonel. »Sie hat einen Sanitätsvorposten im ersten Ring?«, hakte er nach. »Ja«, nickte Carrick. Einige Sekunden völliger Stille vergingen, während sich die konzentrischen Ringe des Gedankens ausbreiteten, von den Schallwellen der menschlichen Stimme wie ein Ball vorwärts getrieben. »Und ich hatte mich bereits gewundert, weshalb Doktor Feelgood so nett war und mich die letzten Stunden vollkommen in Ruhe gelassen hat«, brummte der Regimentskommandeur in Erwartung, dass sein Stellvertreter ihm weitere Informationen zukommen ließ. Allerdings ließ sich nur beobachten, wie der Major den Kopf hob, als ihm die volle Tragweite seiner Worte klar wurde. Seine Miene veränderte sich deutlich, und die Umstehenden glaubten zu erkennen, wie sich sein blondes Haar vor Wut dunkel färbte. »Oh, thronverdammt!«, zischte er. »Thronverdammt!« »Nichtsdestotrotz«, wischte Ekko die laut aufkeimenden Selbstvorwürfe des hochgewachsenen Basteters zur Seite, nachdem er ihnen eine Weile gelassen hatte, Besitz von seinem Stellvertreter zu nehmen. »Ab ins Lazarett, Corporal.« An den Sanitäter gewandt fuhr er fort: »Sie garantieren dafür, dass der Junge heil dort an- und auch wieder zurückkommt.« »Ja, Sir«, bestätigte der Soldat und geleitete Siddig zum Eingang des Beobachtungspostens. Ekko sah ihnen nach, wie sie durch den aufgespannten Vorhang verschwanden, dann richtete sich sein Interesse erneut auf den Major, dessen Wut gerade in häretischem Fluchen gipfelte. Er zog die Augenbrauen hoch. »Carrick?« Der Major versteifte sich. »Sir!«, rief er aus als befänden sie sich im gewaltigen Hauptschiff der Kathedrale, das jedes einzelnes Wort bis in die Unendlichkeit hallen ließ, »es tut mir leid, aber ich muss Ihnen melden, dass mir ein Fehler unterlaufen ist.« »Gut zu wissen, dass auch Sie Scheiße bauen.« »Ich finde das nicht witzig.« »Ich schon. Wenn Sie es wünschen, kann ich für Sie mitlachen.« »Nein, das wünsche ich nicht.« »Dann eben nicht.« Der Colonel zuckte die Schultern. »Und was genau ist das Problem?« »Doktor Calgrow hat mich ausgetrickst, Sir.« »Hm. Ich dachte, Sie haben den Fehler gemacht?« »Ja, Sir.« Der dunkelhaarige Basteter runzelte die Stirn. »Also hat Calgrow Sie nicht ausgetrickst?« »Doch, Sir.« Das doch recht hübsche Gesicht des stellvertretenden Regimentskommandeurs verzerrte sich zu einer Maske aus nur schwer unterdrückter Aggression. Offensichtlich machte es ihm zu schaffen, dass sein Vorgesetzter sein Problem (was auch immer es war), einfach annahm und es zu einer eher unwichtigen Nebensächlichkeit degradierte. Natürlich war ihm klar, dass es zu diesem Zeitpunkt weitaus wichtigere Dinge zu erledigen gab als sich um seine Sorgen zu kümmern, aber dennoch ließ ihm der Fehler keine Ruhe. Denn wer konnte schon wissen, was geschah, wenn er während einer Gefechtsoperation plötzlich in seiner Aufmerksamkeit nachließ und ihm ein möglicherweise tödlicher Irrtum unterlief? »Darf ich raten?« Gespielt nachdenklich begann Ekko, mit dem Zeigefinger der linken Hand gegen seine Oberlippe zu tippen und zog so seinen Stellvertreter aus dessen Zweifeln. »Irgendwie hat Calgrow Ihnen die Erlaubnis abgerungen, ein Lazarett im ersten Ring errichten zu dürfen, ohne dass ich davon in Kenntnis gesetzt werde?« Für einen Augenblick vergaß der Major seine Selbstvorwürfe und starrte seinen Kommandeur lediglich an. »Woher wissen Sie das?« »Na ja, ich bin immerhin der Colonel. Denken Sie nicht, dass ich zumindest darüber informiert bin, was meine Offiziere tun?« »Aber wenn Sie davon wussten, wieso haben Sie nichts gesagt?«, wollte sein Untergebener wissen. »Ich war der Meinung, sie würden Calgrows Vorschlag missbilligen!« »Oh, ich war keineswegs begeistert«, offenbarte Ekko, »hatte aber auch nicht unbedingt etwas dagegen. Ich meine, wenn sich unsere rechthaberische Spritzfetischistin zur Truppenunterhaltung nah der Front einquartieren möchte, dann soll sie das tun.« Er zuckte die Schultern. »Aber Sir«, widersprach Carrick, der bereits auf das von Ekko angeschnittene neue Thema ansprang. »Das Notlazarett wird niemals rechtzeitig evakuiert werden. Sie werden eingeschlossen!« »Ich weiß.« »Aber warum haben Sie nichts unternommen?« »Eigentlich wollte ich nur sehen, ob Sie selbst daran denken, rechtzeitig eine Evakuierung einzuleiten.« Das machte den blonden Basteter sprachlos. Am liebsten wäre er seinem Vorgesetzten in diesem Moment an die Kehle gesprungen, hätte ihm die Nase ins Gehirn getrieben und die Augen ausgekratzt, nur um sich dann abzuwenden und zurück an die frische Luft zu gehen, wo sich deutlich mehr Intelligenz fand als hier drinnen in dem kleinen, vorgeschobenen Beobachtungsposten der imperialen Armee. In der Theorie klang der Plan gut, hatte allerdings auch die eine oder andere Schwachstelle. Elender Mistkerl von einem Colonel! »Und nun?« Ekko schürzte die Lippen. »Haben Sie keinen Plan?« Auf Carricks Blick hin winkte er ab. »Schon gut, schon gut. Ich hab da schon was vorbereitet.« Nur eine Sekunde später eilte der Knall seinen Schnippen durch die Kommandozentrale zu den beiden Funkern, die an einer der Seitenwände die eingehenden Meldungen annahmen und ihnen gereichte Befehle ausgaben. Jetzt fuhr einer der beiden auf, wandte sich um und nahm Haltung an. »Sir?!« »Finden Sie heraus, wo sich Sergeant Krood befindet«, befahl Ekko. »Und dann stellen Sie mir eine Verbindung zu ihm her. Außerdem muss ich mit Captain Solmaar sprechen. Sagen wir … in zehn Minuten.« »Ja, Sir!« Der Funker ließ sich zurück auf seinen Sitz fallen, schob die Kopfhörer über die Ohren und fing an, mit dem Frequenzregler die entsprechende Truppenfrequenz zu suchen. »Warum so lange?«, wollte Carrick, an seinen Vorgesetzten gerichtet, leise wissen. »Wir müssen erst noch eine andere Sache erledigen«, erklärte der Colonel und marschierte in die Mitte der Kommandozentrale, wo der Hauptplot von Offizieren und Adepten belagert wurde. In der Zeit, während der die beiden Regimentsführer abgelenkt gewesen waren, hatte sich die Gruppe in ein unkontrollierbares Knäuel aus gestikulierenden Armen, Beinen und umher schwirrenden Worten verwandelt, dessen Zentrum das unruhig flackernde Bild der hololithischen Anzeige bildete. Und im Gegensatz zum Beinhaus, in dem die Männer dafür noch ein wenig mehr Platz gehabt hatten, bot dieser Ort ihnen eigentlich kaum die Möglichkeit zu einer Bewegung. Um möglichst nah an der Front und dennoch gut geschützt und nicht weit entfernt von seinem eigentlichen Kommandozentrum zu sein, hatte sich Ekko ein Herrenhaus im zweiten Ring ausgesucht, dessen Wohnbereich ausräumen lassen und dort den mobilen Plot seiner Kommandowalküre untergebracht. Das Gerät aus dem Sturmtransporter auszubauen, war nicht gerade einfach gewesen, und noch immer fürchteten die Techpriester, dass sich die Maschinengeister von Walküre und Datengerät über die widernatürliche Separation erbosten und in der Folge ihren Dienst quittierten. Ebenso war das Einrichten des vorgeschobenen Kommandopostens nicht ganz einfach gewesen. Die Energie, die benötigt wurde, um Funkanlagen, Plot und Anzeigen in Betrieb zu halten, überstieg die vorhandene Netzkapazität bei weitem, sodass die Imperialen auf die Hilfe eines externen, vom Strom unabhängigen Generators angewiesen waren. Diesen stellte nun der Motor eines Salamander-Kommandopanzerwagens, der im laufenden Betrieb nur wenige Meter entfernt hinter der Gebäudemauer stand und über Starkstromkabel und Verteiler mit den Systemen der Zentrale verbunden war. Der geneigte Geist hätte es wohl als Wunder des Imperators bezeichnet, dass trotz dieser Widrigkeiten dennoch eine funktionierende Befehlsstelle entstanden war. Ein größeres Wunder war jedoch, wie Ekko es schaffte, zielsicher durch die wogende Masse seiner eigenen Leute zu navigieren und neben dem Hauptplot aufzutauchen, welcher sich sichtlich erleichtert zeigte. »Also, meine Herren«, rief der Colonel in die Runde, die daraufhin allmählich verstummte. »Lagebericht! Sind wir bereit zur Sprengung?« »Die Pioniertrupps im ersten Ring sind bereit«, meldete Captain Tius, der Führer der eingeteilten Sondertrupps. »Ebenso die Einheiten für die Rücknahme des Schildgitters in den zwoten Ring.« »Sehr schön. Oberster Konsul?« Der unruhig vor sich hin rasselnde Oberste Konsul, der die Konstruktion der Raketenbatterien überwacht hatte, versteifte sich merklich. »Die Raketenbatterien sind einsatzbereit!«, antwortete er, aber nicht ohne zwei Mal tief und besorgt Atem zu holen. Der Regimentskommandeur klatschte in die Hände. Das Unwohlsein seines Gegenübers missachtete er dabei vollkommen. »Sehr gut. Dann werden wir jetzt den Schild zurücknehmen.« »Ähm, Colonel. Wir haben da noch ein Problem«, sprach ihn der Maschinenseher erneut an. Er hätte es besser sein lassen. Ekko sah auf. An seinem Gesichtsausdruck ließ sich deutlich ablesen, dass er eine derartige Entwicklung bereits erwartet hatte, aber seine Begeisterung darüber ausgezeichnet im Zaum halten konnte. »Warum überrascht mich das nicht? Was hindert uns denn nun am Rückzug?« »Na ja, eigentlich … also, genau genommen … sind es zwei Probleme.« Der imperiale Offizier schürzte entnervt die Lippen und ließ einige Sekunden vergehen. »Das klingt nicht gut. Haben Sie die Probleme denn identifizieren können?« »Leider nicht«, zischte der Konsul. In seiner verzerrten Stimme klang eine Mischung zwischen Ärger und eine Spur Angst mit. Angst von der unkontrollierbaren Reaktion des Festungskommandanten. Doch der runzelte lediglich die Stirn. »Verstehe. Das ist wirklich nicht gut. Tatsächlich klingt das nach einem Auftrag für einen Profi.« Er senkte nachdenklich den Kopf und suchte selbst nach einer Idee zur Lösung der Situation. Es dauerte, bis sich seine eigene Unzufriedenheit über diese Notwendigkeit schließlich auf ein Niveau einpegelte, auf dem sie einfach nicht mehr hinter sarkastischen Bemerkungen zurückstehen wollte. »Vielleicht sollte ich selbst hingehen und es mir ansehen«, schlug er vor und sah wieder auf. »Und Sie übernehmen solange das Kommando über diese Festung. Immerhin sind Sie später nur dem Imperator Rechenschaft schuldig, nicht wahr?« Seine Kopfbedeckung, weit weniger erfreut, segelte in Richtung des Konsuls. Es deutlich vernehmbares Geräusch erklang, als sie irgendwo zwischen der zweiten Schutzmauer und der Kathedrale inmitten der Anhäufung von Photonen auf dem Holotisch landete. Für einen Moment lang herrschte Stille zwischen den anwesenden Offizieren, während um sie herum Aufregung und wilde Eile grassierte. Die Worte des Colonels mussten erst ihren Weg durch die Hirnwindungen der Gruppe von Menschen bahnen, dort eine Reaktion auslösen und diese für andere sichtbar zurück an die Oberfläche transportieren. Der Oberste Konsul gewann das Rennen, indem er als erster dem kollektiven Erbleichen anheimfiel. »Niemals!«, rief er entsetzt aus. »Das dachte ich mir. Ihnen könnte ich noch nicht einmal die Latrine anvertrauen«, stellte Ekko fest und wandte sich dem Ausgang zu. »Carrick übernimmt das Kommando. Vielleicht sollten Sie ihm über die Schulter sehen. Da können Sie sicherlich noch etwas lernen. Und ich werde jetzt mal sehen, ob ich diese thronverdammten Raketenwerfer zum Laufen kriege.« »Colonel!«, rief ihm Carrick seinem Vorgesetzten hinterher, als sich dieser bereits auf dem Weg zum Ausgang befand. Die peinliche Stille in der Kommandozentrale schrie ihre Verzweiflung in die aufgeheizte Luft hinaus, lediglich übertönt vom dumpfen Krachen und den Funksprüchen der Schlacht. »Sir, das kann doch jetzt nicht Ihr Ernst sein!« Der Regimentskommandeur verzog keine Miene. Lediglich ein trockenes »doch« quälte sich über seine Lippen. »Colonel!« Erneut setzte sein Stellvertreter in dem Bemühen an, die Paragraphen des Uplifting Primer zu zitieren, die sein Gegenüber durch diese Haltung verletzte. Ekko stoppt den drohenden Ausbruch mit einer energischen Bewegung seines Zeigefingers. »Kein Wort! Ich kann ernst sein, wann ich will! Und ich will jetzt ernst sein!« Carrick fand darauf keine Erwiderung. Dafür meldete sich einer Funker. »Entschuldigen Sie, Colonel?«, sprach er den dunkelhaarigen Basteter an, der mit hoch erhobener Hand inmitten der Kommandozentrale stand. »Was ist?!«, fuhr Ekko ihn an. Der Soldat versteifte sich. »Captain Solmaar für Sie!« »Sagen Sie ihm, er soll seine Nummer dalassen. Ich rufe ihn dann zurück.« »Ähm«, brachte der Funker verwirrt heraus. »Wie bitte?« Ekko winkte ab. »Vergessen Sie es.« Ohne auf die Gruppe von Adepten und Offizieren zu achten, deren erschütterte Blicke auf ihm ruhten, trat er an die Seite des Funkers und nahm ihm die Kopfhörer aus der Hand. »Und während ich mit dem Captain spreche, laufen Sie los und besorgen mir Armasec für diesen Maschinengeist.« »Armasec?« »Ja. Es heißt, dass ein betrunkener Geist entschlussfreudiger sei. Ich würde gerne ausprobieren, ob das auch auf Maschinen zutrifft.« *** Leuchtspurmunition zischte über Gren Krood hinweg, als sich der Grenadiersergeant über die Schulter abrollte und die HE-Laserpistole auf einen nahen Boy richtete. Die Waffe spie einen grellen Blitz gegen den Feind, der lediglich mit einem überraschten Grunzen antwortete und vorüberfiel. Links neben ihm ging Cedd in den Schießhalt, zur besseren Stabilität vorn übergebeugt, und vernichtete in kurzer Reihenfolge drei Gegner, um dann von Tall überholt zu werden, der sich bereits im Schnellschuss der nächsten Angreifer annahm. Die Kasrkin befanden sich im Angriff. Es war der schwerste und bisweilen erfolgreichste Angriff, den die Imperialen seit der Rückeroberung des umkämpften Haupttores der Außenmauer zustande gebracht hatten. Überraschte und schlecht vorbereitete Orks fielen in den staubigen Sand, der sich auf den zerbrochenen Pflastersteinen angesammelt hatte, während die Elite-Infanteristen gnadenlos vorstießen. Um sie herum lief der Rückzug. Schüsse und Schreie, donnernde Explosionen und gebellte Befehle bildeten die chaotische Kulisse dessen, was Krood als vollkommenes Versagen einer Armee bezeichnete. Ohne die Möglichkeit zum Gegenschlag hatten sich die imperialen Truppen von den Orks in einen blutigen Nahkampf verwickeln lassen. Den Orks an Masse und vor allem Kraft gnadenlos unterlegen, blieb ihnen nun nichts anderes übrig als sich mit dem Mut der Verzweiflung gegen den Feind zu werfen. Es galt, den Feind so lange zu beschäftigen, bis die hinter ihnen im Aufbau befindliche Front endlich stand. Nicht, dass Krood etwas anderes erwartet hatte. Normale waren kraftlos. Willensschwach. Männer, denen das eigene Wort weit mehr bedeutete als die Tat. Eben solch jene, die im Angesicht eines übermächtigen Feindes verzweifelten, statt ihm gepflegt den Arsch zu versohlen. »Whaaaaargh!« Aus den Augenwinkeln sah der Grenadier-Sergeant einen Schatten in seine Richtung huschen und wirbelte herum. Ein Ork-Boy, die Spaltaxt weit über das hässliche Haupt erhoben, sprang zwischen den Trümmern eines einstmals dreistöckigen Gebäudes hervor. Krood befand sich noch mitten in der Drehung, als ihm klar wurde, dass die Distanz zwischen ihm und dem Feind nicht mehr ausreichte, um die HE-Laserpistole ans Ziel zu bringen. Kurzentschlossen winkelte er seine Schwerthand an, das sirrende Energieschwert auf den Feind gerichtet, und beugte sich vor. Er hatte sich nicht verschätzt. Vor Wut brüllend stürzte sich der Angreifer in die schimmernde Waffe, um dann überrascht inne zu halten. Doch mehr war auch nicht nötig. Von der kinetischen Energie des Aufpralls regelrecht in die Knie gezwungen, verloren Kroods Stiefel den Halt auf dem sandigen Boden. Ohne, dass er reagieren konnte, wurde er zurückgeschoben und gegen Tall gedrückt, der seine nächste Salve wirkungslos in die gegenüberliegende Hauswand setzte. »Gnarr! Thronverdammt!« Ohne auf den Fluch seines Kameraden zu achten, nutzte Krood den Aufprall, um mitsamt des Orks eine Drehung zu vollführen und den Gegner zu Boden zu werfen. »Urgh!«, brüllte der Xeno, als er auf die Erde prallte. Rotz und Speichel bliesen Krood als stinkender Wasserdampf entgegen. Er erweiterte das Hirn des Xenos um ein Luftloch. Der Boy verstummte. Schon wälzten sich die nächsten Angreifer über den Schutt, eine Lawine aus grünen Körpern, welche die Verteidigung der Menschen zu erdrücken versuchte. »Zurück«, befahl Krood rufend. »In Feuerlinie ausweichen!« »Verstanden!« In Linie aufgereiht, die Waffen im Dauerfeuermodus geschaltet, gingen die die drei Kasrkin langsam rückwärts in Richtung der imperialen Schützengräben. Ihre Offensive war gescheitert. Sie konnten nicht mehr tun, als die Xenos der Bedrohung nach zu vernichten und zu hoffen, dass die verbliebenen Soldaten in der Lage waren, die Elitekämpfer in ihre Abwehrstellung zu integrieren. Die Xenos der Bedrohung nach vernichten. Immer nur in kurzen Zielphasen mit den Augen an der Waffe, suchte Krood die Umgebung nach der größten Bedrohung für ihn und seine Männer ab. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte die Umgebung mit einer Punisher-Gatlinggun bestrichen, um sicher zu gehen, dass wirklich kein Feind mehr übrig war. Aber da er weder über solch eine Waffe verfügte, noch in nächster Zeit verfügen würde, blieb ihm nur seine HE-Laserpistole. Doch selbst mit einem Batterietornister waren Feuerkraft und Munitionsvorrat einer solchen Waffe begrenzt. Die präzise Zielwahl wurde dadurch zu einem notwendigen Übel. »Flammenwerfer links!«, bellte Krood, während er bereits die ersten Schüsse auf den nächsten Gegner abgab. Ein Brennaboy hatte sich durch das Chaos an sie herangearbeitet. Sein Versuch, den Angriff seines Kameraden zu Ende zu bringen, verpuffte jedoch †“ im wahrsten Sinne des Wortes. Von den ersten drei Treffern durchlöchert blies der Rückentank des Boy gasförmigen Brennstoff in die Luft. Der vierte Treffer, eigentlich nur ein Streifschuss, setzte mit seiner großen Hitze den Brennstoff um. Der grünliche Leib des Ork entzündete sich mit dem Geräusch eines feuchten Niesens. Vor Schmerzen jaulend begann das Wesen zu laufen, versuchte den grässlichen Flammen zu entkommen, die auf seiner Haut brannten. »Neutralisiert!«, schrie Krood und wandte sich dem nächsten Feind zu, während die rennende und stolpernde Fackel in den nächsten imperialen Verteidigungsgraben stürzte. Weitere Schreie setzten ein, als sich Infanteristen an dem lichterloh lodernden Körper ansteckten. »Thronverdammt«, zischte Cedd ein kurzes Wort des Mitleids, bevor auch er den nächsten Gegner anvisierte. »Haben Sie das gesehen, Sergeant?« »Ja«, erwiderte Krood knapp, während er einem anstürmenden Boy in den Bauch schoss. Der Xeno grunzte und klappte in sich zusammen. »Kann man nichts machen.« »Kann man nichts machen?« Tall ließ ein kurzes, freudloses Lachen erklingen. »Das war unsere Rückendeckung.« »Was für eine Rückendeckung?«, wollte Cedd wissen. »Hey«, brummte Krood, vollkommen unbeeindruckt. »Bleibt fokussiert. Wir haben einen Job zu erledigen.« Er legte auf den nächsten Boy an und drückte ab, doch dieses Mal war etwas anders. Ein merkwürdiges Rumoren, das durch seine Waffe und seinen Arm lief, begleitete den Schuss. Eine Fehlfunktion der Laserpistole? Möglicherweise eine Energierückkopplung? Nein, dafür war das Geräusch bei Weitem zu unterschwellig. Aber was konnte es dann sein? Die Identifikation war wirklich nicht einfach, zumal der Lärm der Schlacht das Geräusch immer wieder übertönte und Erschütterungen im Erdboden eine genaue Lokalisierung unmöglich machten. Aber so viel stand fest: es bewegte sich. Es kam näher. Nein!, dachte Krood. Im nächsten Moment brach ein stählerner Drache durch die Häuserruinen. Zumindest sah das Objekt genauso scheußlich aus. »Panzer!«, schrie Krood die Warnung, die seine Kasrkin veranlasste, auseinander zu springen wie die Splitter einer explodierenden Handgranate. Keine Sekunde zu früh. Mit einem ohrenbetäubenden Knall spie die Hauptwaffe des Kampffahrzeugs eine Granate auf die imperialen Linien. Ein grelles Pfeifen rauschte über Krood hinweg, holte den Elite-Grenadier mit einem kräftigen Luftzug von den Beinen. Krood schlug hart hin. Pistole und Energieschwert glitten polternd aus seinen Händen. Nicht einmal die schwere, stabilisierende Plattenpanzerung konnte verhindern, dass ihm kurzzeitig schwarz vor Augen wurde und er verzweifelt um Atem rang. Eine trockene Explosion ertönte. Erde regnete auf den Kasrkin herab. »Sergeant!« Schon in der nächsten Sekunde wurde er in die Höhe gehievt und eilends über den Boden geschleift. Energieschwert und Laserpistole rutschten nutzlos hinter ihm her, lediglich durch die Verbindungsstränge an Kroods Rückenkanister gefesselt. Wären sie mit Energiezellen betrieben worden, er hätte sie im Kampf sicherlich verloren. Krood strampelte mit den Beinen, versuchte sich aufzurichten und seine Freiheit wiederzuerlangen. Irgendwie schafften es seine Stiefel, Halt zwischen zwei aufgesprungenen Pflastersteinen zu finden und der Sergeant kam endlich wieder auf die Füße. Ein schweres Maschinengewehr hämmerte los, erfreut über das plötzliche Auftauchen von Zielen in seinem Schussfeld. Erde schoss um die drei Männer in die Höhe. Querschläger prallten heulend von den Pflastersteinen ab. »Los!«, schrie Krood, während er um die eigene Achse wirbelte und versuchte, Pistole und Energieschwert zu greifen. »In Deckung!« Von der aggressiven Order ihres Vorgesetzten aufgepeitscht, sprinteten die beiden Kasrkin los. Der nächste Verteidigungsgraben der imperialen Truppen lag nicht weit entfernt, und dort gab es zumindest eine einigermaßen gute Deckung vor der überwältigenden Feuerkraft des Feindfahrzeugs. Aber, wo beim Thron, war die Panzerabwehr? Wo, waren die Jagdpanzer? Krood bekam seine Pistole zu fassen und ließ sie ins Holster gleiten. Das Energieschwert folgte einige Sekunden später. Lange Ketten aus Leuchtspurmunition zischten dicht über seinen Kopf hinweg, als der Grenadiersergeant seinen beiden Elitesoldaten hinterher in Richtung der imperialen Linie folgte. Mehr rutschend als laufend erreichten die drei den Schützengraben und glitten in schneller Reihenfolge hinein. Von purer Angst gezeichnete Gesichter blickten ihnen entgegen. Gut ein Dutzend Soldaten hatten sich in dem schwer zerstörten Graben verschanzt, in der Hoffnung, sie könnten so dem schweren Feindbeschuss entgehen. Ein Captain, dessen Namen Krood nicht kannte (und der ihm im Grunde auch egal war), schrie Befehle in das Funkgerät seines Adjutanten, der mit halbzerschossenem Kopf neben ihm an der Grabenwand lehnte und ins Nirgendwo starrte. »Feindpanzer im Anmarsch!«, meldete Krood mit lauter Stimme, während er in die Richtung zeigte, als der das angreifende Gefährt herandröhnte. »Etwa einhundert in dieser Richtung!« »Wir haben es gesehen!«, rief der Captain, bevor er erneut in das Handgerät schrie, das mit dem Tornister auf dem Rücken des Funkers verbunden war. »Alles im Rückzug formieren!« »Rückzug? Soll das ein Witz sein?« Krood fuhr herum. »Wir sind keine Raumflotte, die schnell in den Warp transitiert, weil der Angriff auf die riesige, bewaffnete Raumstation mit ihrem Superlaser nicht funktioniert hat. Wenn wir jetzt den Rückzug einleiten, dann bricht die linke Flanke ein!« »Was soll ich machen? Darauf warten, dass meine Männer massakriert werden?« Der Offizier schüttelte den Kopf. »Ihr Vorhaben in allen Ehren, Sergeant, aber was ist mit der linken Flanke, wenn niemand mehr da ist, um sie zu verteidigen?« Das leuchtete ein. Darüber brauchte man nicht streiten. Und selbst, wenn. Krood hätte auf die Schnelle kein Argument gefunden, das die Worte des Anderen entkräftet hätte. »Haben Sie Raketenwerfer?« »Nein, natürlich nicht!«, antwortete der Captain gleichermaßen gestresst und ungläubig. »Wo sollte ich die hernehmen? Die meisten Spezialwaffen sind mit dem Detachement an General Iglianus verloren gegangen und die wenigen verbliebenen Plattformen hat Colonel Ekko an strategisch wichtigeren Positionen in Stellung bringen lassen. Das Einzige, was ich im Überschuss habe, ist Munition. Also †“ wie soll ich die thronverdammten Panzer bekämpfen? Mit Geschossen bewerfen?« Krood blieb ihm die Antwort schuldig, fragte stattdessen nach anderen Panzervernichtungsmitteln: »Laserkanonen? Melter? Hohlladungen? Panzerminen? Panzerabwehrgranaten? Geballte Ladungen? Valhallanische Panzerabwehrhunde?« Der laute Geschützknall des Orkpanzers tönte über sie hinweg, erinnerte sie drängend daran, sich möglichst bald eine Lösung für ihr Problem einfallen zu lassen. Nicht weit entfernt zerplatzte eine Hauswand mit ohrenbetäubendem Getöse. Eine Flutwelle aus Staub und Trümmerstücken ergoss sich über die umliegenden Gebäuderuinen. »Haben Sie nicht zugehört, Sergeant?«, schrie der imperiale Offizier gegen den tosenden Lärm an. »Oder machen Sie Witze?« »Ich bin nicht Colonel Ekko«, erschoss ihn der Kasrkin mit seinen Blicken. Die Erwähnung des zweifellos irrsinnigen Regimentskommandeurs schließlich stürzte den Captain vollends in Agonie. »Natürlich nicht. Dafür fehlt Ihnen der gelangweilte Gesichtsausdruck.« »Und das verfilzte Haar«, fügte Cedd trocken an. Ein zweiter Mann fiel Kroods tödlichen Laseraugen zum Opfer, bevor er sich wieder an den Offizier wandte. »Was haben sie an Waffen?« »Lasergewehre.« »Und sonst?« »Handgranaten.« Das reichte. Auch eine professionell antrainierte und über Jahre verfeinerte Ruhe fand bisweilen ihr Ende. In dem Moment, als dem anderen Infanteristen das Wort ‚Handgranaten†˜ aus dem Mund rutschte, verlor Krood zum ersten Mal seit seiner Begegnung mit Ekko die Beherrschung. Zumindest, soweit es seine Professionalität zuließ. Kraftvoll packte er den überraschten Offizier am Kragen und schüttelte ihn. Seine Stimme blieb jedoch vollkommen ausgeglichen und entspannt. »Wollen Sie leben? Dann geben Sie mir eine ordentliche Antwort.« »Rauchgranaten, Sprenggranaten und Phosphor«, stotterte der Mann. »Sie haben Phosphorgranaten?« Die Miene des Elite-Sergeants hellte sich auf, als er den Captain losließ. Mit Rauchgranaten und Sprenggranaten, sogenannten Frags, ließ sich kein Panzerfahrzeug ordentlich bekämpfen. Phosphorsprengsätze spielten hingegen in einer völlig anderen Liga. Eigentlich zum Knacken von gepanzerten Zugängen gedacht, ebenso wie zum Ausschalten von Kampfanzügen, waren Phosphorgranaten so etwas Ähnliches wie Melterbomben †“ nur eben deutlich kleiner. Und wenn man keine besseren Panzerabwehrwaffen besaß, waren diese ultraheißen Sprengkörper das Mittel der Wahl, ein feindliches Gefechtsmittel rabiat außer Dienst zu stellen. Besonders, wenn es sich bei den Anwendern besagter Abwehrwaffen um Elitesoldaten handelte. »In Ordnung. Ich brauche etwas von allem: Rauch, Frags und Phosphor.« Der Captain ließ das Sprechgerät sinken und musterte den Grenadiersergeant mit ernstem Blick. Irgendwo vor dem Graben dröhnte der Motor des Panzers. »Was haben Sie vor?«, zischte der Offizier, bevor er einen der Soldaten heranrief. »Wart!« »Den Panzer vernichten«, erklärte Krood, dann war der Infanterist, der mehr durch den Graben kroch denn lief, auch schon heran. »Sir?« »Nehmen Sie Fohma und sammeln Sie alle verfügbaren Handgranaten ein. Frags, Rauch und Phos.« »Alle? Jetzt?« Die Stimme des Soldaten zitterte leicht. »Ja †“ und wenn es sein muss, dann verlassen Sie dafür die Stellung.« Weiter hinten erhob sich ein Soldat und gab ein paar Schuss mit seinem Lasergewehr ab, um danach wieder hinter die Deckung zu tauchen. »Los!«; verlieh der Zugführer seinen Worten Ausdruck. Wart nickte und kroch zurück zu den restlichen Infanteristen. Krood hob seinen Kopf über den Rand der Stellung und riskierte einen Blick. Der orkische Panzer rollte unaufhaltsam vorwärts, unterstützte die vorrückenden Boyz mit seinen Maschinenwaffen. Gerade drehte der Geschützturm auf ein Widerstandsnest der Imperialen ein. Die dort verschanzten Soldaten hatten es fertiggebracht, die angreifenden Grünhäute für einige Zeit lang von der Seite aus zu attackieren und so ihren Vormarsch aufzuhalten. Immer wieder spien ihre Laserwaffen kohärentes Licht gegen die Angreifer, fällten Gegner um Gegner. Bisher war es den Orks nicht gelungen, die mit Leichen und Erde verstärkte Verteidigung zu durchbrechen. Dank des Panzers änderte sich das nun. Schreie der Panik klangen an, als sich das Rohr des Panzers senkte. Einige letzte Laserschüsse prallten wirkungslos in die Panzerung des Kettenfahrzeugs, bevor die Ork-Besatzung das Ziel erfasste. Der satte Knall des Geschützes peitschte durch die Luft, blies den Sand um das Gefährt fort. Fast im gleichen Moment explodierte die Stellung in einer riesigen Fontäne aus Sand, Staub und Trümmern. Leiber wurden in die Luft gewirbelt. Dann waren auch schon die Orks heran und stürmten die Überreste der Verteidigungsanlage. Wenn es Überlebende gegeben hatte, war ihr Schicksal somit besiegelt. Der Panzer rollte wieder an. Nun blieb ihnen nicht mehr viel Zeit. Irgendwie mussten sie das Kampfgefährt stoppen. Die Jagdpanzer schienen kein Schussfeld zu haben, oder sie wussten nichts von dem Feindfahrzeug. Und höchstwahrscheinlich blieb auch keine Zeit, die Destroyer ins Ziel zu leiten. Aber wenn der Infanterie nichts anderes übrig blieb, als das schwerbewaffnete Fahrzeug im Nahkampf (vielleicht sogar frontal) anzugehen, dann konnten sie sich genauso gut vom Panzer überrollen lassen. Beides kam einem Selbstmord gleich. Krood sah sich um. Nicht weit entfernt stand eine abgeschossene Chimäre in hellen Flammen. Schwarzer Rauch stieg aus den geöffneten Luken in den azurblauen Himmel hinauf, um sich unter der unsichtbaren Mauer des energetischen Schutzschilds zu sammeln und mit den dort wabernden Schaden zu vereinigen. Der Kommandant, bereits nicht mehr als ein schwelender Rumpf, hing zerschmettert aus dem geöffneten Turmluk des Panzerfahrzeugs. Ein geschultes Auge wie das von Gren Krood brauchte nicht lange rätseln, was mit dem Schützenpanzer geschehen war. In seiner Aufgabe als Infanterieunterstützungsfahrzeug schien er in seiner Stellung überrascht und von Moschaboyz sowie Stikkbombaz geentert worden zu sein, die das Fahrzeug zu gleichen Teilen hatten erobern und zerstören wollen. Offensichtlich hatten die Moschaboyz die Chimäre zuerst durch die Dachluken über dem Truppenkompartment gestürmt und die Besatzung niedergemacht, nur um dann ihrerseits von den Stikkbombs vernichtet zu werden, welche von den nachfolgen Xenos durch dieselben Luken geworfen wurden. Jedoch hatte der Freundbeschuss (oder Freundbewurf †“ je nachdem, wie man die Sache betrachten wollte), nicht alle Angreifer getötet. Wie das Umfeld der Chimäre verriet, hatten einige überlebende Grünhäute den Panzer verlassen und einen Gegenangriff gestartet. Tote Orks, teilweise schwer zugerichtet, lagen in unregelmäßigen Abständen um das Fahrzeug verstreut. Ein unglaubliches Gemetzel †“ aber hier ließ sich ansetzen. Das Wrack bot einen guten Ausgangort für einen Angriff gegen den Panzer, weil man von dort aus über zwei wichtige Dinge verfügte: eine gute Sicht und verlässliche Deckung. Das war es! Jetzt brauchten sie nur noch ein Mittel, um den Feind zu bekämpfen. Schwer atmend fielen zwei dreckstarrende Infanteristen zu ihnen die Stellung, die Drilliche und Hosentaschen schwer mit Handgranaten bepackt. »Alles, was wir auftreiben konnten«, japste Soldat Wart mit von Angst erfüllter Stimme. Die Kasrkin nahmen die Granaten wortlos an und verstauten sie in ihren Drillichtaschen, Hosentaschen und an den Gürteln. Nicht weit entfernt krachte das Hauptgeschütze des Panzers. Orks brüllten. Die Erde bebte. »Wie gehen wir vor?«, fragte Tall, kaum dass die drei sich ausgerüstet hatten. Etwas anders brauchte nicht gesagt zu werden. Es wäre Zeitverschwendung gewesen. »Wir nutzen die Chimäre als Deckung«, wandte sich Krood an seine Grenadiere. »Sobald der Panzer nah an der Chimäre ist, einnebeln, ran an die Kiste und rauf auf den Rumpf. Frags rein, dann Phosphor. Zeiteinsatz: maximal zwo Minuten.« »Ziemlich lang«, überlegte Cedd. Krood nickte. »Unwägbarkeiten miteingerechnet. Noch irgendwelche Fragen?« Die Kasrkin schüttelten die Köpfe. »Gut. Klar machen zum Sprung.« Krood wandte sich um. »Geben Sie uns Feuerschutz!«, befahl der Grenadier, als würde er seinen Untergebenen befehlen. In jeder anderen Situation hätte der imperiale Offizier, der ihm faktisch vorgesetzt war, den Unteroffizier höchstwahrscheinlich zurückgepfiffen und versucht ihm klar zu machen, wie er mit Vorgesetzten umzugehen hatte. Es wäre bei dem Versuch geblieben. Jetzt jedoch zuckte der andere lediglich die Schultern. »Warum nicht?«, brachte er hervor. Was konnte es schaden, wenn die drei Elitesoldaten zeigten, über welche Fähigkeiten sie verfügten? Ihnen konnte es lediglich gelingen, die Moral seiner Leute wieder zu heben. »Sprung auf! Marsch! Marsch!« Mit der routinierten Eile jahrelangen Trainings rollten die Kasrkin aus der Stellung, sprangen auf und sprinteten los. Gut fünfzig Meter trennten sie vom schützenden Rumpf des vernichteten Schützenpanzers, doch bereits nach wenigen Metern wurden sie entdeckt. Sturmwaffen und Maschinengewehre donnerten los, deckten die drei Imperialen mit einem tödlichen Hagel aus Geschossen ein. Erde explodierte in die Höhe, sprang die Männer in dichten Schüben Form gewordenen Hasses an. Querschläger heulten und sirrten um sie herum, sprengten den Pflasterstein der Straße in fingergroße Stücke. Schrapnelle, teils aus den zerborstenen Steinen, teils aus zersplitterter Munition, schnitten ihnen pfeifend in Kleidung und Haut. Das Gegenfeuer der imperialen Truppen machte dagegen wenig Eindruck †“ fast so wie ein Gartenschlauch beim Brand einer Makropolenspindel. Vielleicht war es Glück, vielleicht vom Imperator vorherbestimmtes Schicksal, doch die Boyz, die den Panzer begleiteten, trafen nicht †“ die Imperialen hingegen schon. Mehrere Grünhäute gingen jaulend und winselnd zu Boden, von den energiereichen Kaskaden regelrecht durchlöchert. Die Reaktion erfolgte prompt. Schwerfällig drehte sich der Turm des vorwärtskriechenden Panzers, schwenkte von seinem vormaligen Ziel auf die neu erkannten Angreifer ein. Die sich nähernden Grenadiere bemerkte die Besatzung hingegen nicht. Rutschend und schlitternd schafften es die drei hinter den schützenden Rumpf der Chimäre. Die Geschosse, welche sie gerade noch gnadenlos über die verwüstete Ebene gejagt hatten, prallten nun fröhlich, aber wirkungslos gegen mehrere Zentimeter dicke Panzerung. Eine unwillkürliche Melodie des Todes, die untermalt wurde vom gutturalen Brüllen der Orks. Ihnen lief die Zeit davon. »Und durch!«, rief Krood, während er an seinen Gürtel fasste und die Rauchgranate abzog. Mit einem kurzen Griff waren Sicherungsstift und Splind gezogen. Ohne im Laufschritt innezuhalten, schleuderte der Sergeant den Sprengkörper mit aller Kraft in die Luft. Einen weiten Bogen beschreibend segelte die Granate auf das Dach des Beutepanzers, prallte von der angeschrägten Panzerung ab und fiel auf der dem Feind zugewandten Seite wieder vom Fahrzeug herunter. Ein metallenes Geräusch erklang. In einer chemischen Reaktion, dem Anzünden eines Feuers nicht unähnlich, hustete die über den Boden rollende Handgranate ungesund ölig-graue Rauchschwaden in die vom Gefechtslärm erfüllte Luft. Nur Augenblicke später war das Areal um den langsam vorwärtsrollenden Panzer in künstlich erzeugten Nebel gehüllt. Doch das hinderte die Kasrkin nicht bei ihrem Angriff. Im Gegenteil. Noch während die Granate über den Rumpf des Panzers kullerte, tauchten Krood und seine Grenadiere hinter dem ehemaligen Schützenpanzer auf, die Körper in Schnellschusshaltung geduckt. Verdutzte Orks starrten sie an, als HE-Laserwaffen ihr Vernichtungswerk aufnahmen. Wie vorausgesagt konnte der feindliche Panzer sie bereits nicht mehr ausmachen und rasselte daher weiter, während sich der dunkle Rauch um ihn herum ausbreitete. Ab jetzt zählte jede Sekunde. »Rauf!«, schrie Krood und wies auf eine nicht sehr sicher aussehende Trittleiter, deren abgewetzte und rostige Metallstufen die Kasrkin einladend anlächelten. Sie führte, der Breitseite des Panzers folgend, fast vom Boden an hinauf auf den Rumpf des Kampfgefährts. Ideal, um das Orkfahrzeug zu entern und zu vernichten †“ zumindest solange die Leiter das Gewicht der Elitesoldaten hielt. Cedd voran, erklommen sie den über das unebene Terrain schwankenden Körper des Metallungetüms. Die Sprossen waren glitschig und nicht nur einmal rutschte einer von ihnen ab und konnte sich nur mit Mühe festhalten. Als der erste Kasrkin schließlich den Fahrzeugrumpf bestiegen hatte, fand er sich Auge in Auge mit einem Ork wieder, der gerade die Turmluke öffnete um festzustellen, weshalb bei der Verderbtheit allen menschlichen Abschaums, die Nacht über ein taghelles Schlachtfeld hereingebrochen war. »Git!«, rief die Grünhaut begreifend, ehe Cedd ihr mit dem HE-Lasergewehr ins Gesicht schoss. Dumpf rumpelnd fiel der Fleischberg zurück in das eigentlich viel zu enge Luk des Kommandanten. »Da hast du Recht«, bekräftigte der Kasrkin den Ausruf des Xeno, dann wandte er sich um undt griff den Hand seines Sergeants, um ihn zu sich auf den Panzer zu ziehen. Unbemerkt tauchte eine grüne Hand aus dem Innern des Panzers hervor, bemüht die kurze Pause zu nutzen und das Fahrzeug zu verriegeln. »Er versucht die Luke zu schließen!«, schrie Tall, der sich hinter Krood auf das Kampfgefährt schwang und wies auf den Arm, der nach dem Sicherungsrad auf der Innenseite der Luke tastete. Sofort rissen alle drei Soldaten die Waffen hoch, doch ihre Hochenergiestrahlen prallten lediglich gegen den gepanzerten Stahl. »Haltet ihn auf!«, bellte ihr Anführer. »Cedd! Ran an die Luke! Offen halten!« Der Ork hatte die Dachöffnung schon beinahe geschlossen, als die Kasrkin die Kommandantenkuppel erreichten. Wenn es ihm gelang, den Einstieg vollends zu verriegeln, dann war ihr Angriff gescheitert. Cedd stemmte sich mit aller Kraft gegen den Turm des feindlichen Kampfgefährts, die behandschuhten Finger fest um den Rand des Kommandantenluks geklammert. »Thronverdammt!«, grunzte er, die Röte der Anstrengung im Gesicht stehend. »Ich hasse diese Drecksviecher! Jetzt, Sergeant! Ich kann sie nicht länger halten!« Aus dem Innern des Panzers brüllten die Xenos zu ihnen hinauf, trieben ihren Kameraden offensichtlich an, fester zu ziehen. Für einen Moment zumindest war Cedd stärker. Die Luke öffnete sich ein Stück weit. Das reichte. Krood setzte eine Salve aus seiner Laserpistole in den dadurch entstandenen Spalt. Plötzlich ließ der Druck nach. Die Luke sprang auf. »Frag!«, bellte Krood und gestikulierte wild in Richtung des Fahrzeugzugangs. »Feind bekämpfen!« Er wollte den Xenos keine Zeit zum Reagieren geben. Noch in der Bewegung die Splinde ziehend, leiteten die Kasrkin die nächste Phase ihres Angriffs ein. Sicherheitsbügel flogen ploppend von den Sprengkörpern. Zünder brannte sich zur Detonationsladung vor. »Drei … zwei … eins!«, zählte Krood die Reaktionszeit herunter. Zu dritt warfen sie die erste Ladung Handgranaten durch die Öffnung in das Fahrzeug. Wütendes und entsetztes Brüllen klang an, als die Orks begriffen, was gerade zu ihnen hereingeflogen kam. »Luke zu! Schließt die Luke!« Nun war es an ihnen, den Einstieg zumindest zu versperren, sodass die Kraft der Explosion nicht nach oben aus dem Innenraum des Kampfgefährts verpuffte. Mit einiger Anstrengung gelang es ihnen, die Luke zuzuwerfen. Ein kurzer, heftiger Schlag ging durch den Panzer, röhrte in Form eines dumpfen, metallenen Dröhnens zu den Kasrkin hinauf. Der erste Teil ihrer Aktion schien geglückt zu sein, doch Krood wollte nicht erst warten, bis er sich dessen sicher sein konnte. »Jetzt das Phosphor. Zwei pro Mann«, befahl der Sergeant und zog an der Luke, die quietschend in die Höhe schwang. Heiße Luft atmete ihm entgegen. Es war ein hässlicher, Übelkeit erregender Gestank, der ihn mit derselben Heftigkeit anfiel, die man normalerweise von einem wütenden Ork erwartete. In routinierter Eile zogen die Elitegrenadiere die länglichen, dosenförmigen Sprengkörper hervor, mit denen sie dem Orkgefährt den Todesstoß verpassen wollten. Splinde wurden gezogen, Sicherheitsbügel sprangen aus ihren Halterungen. Dann rollten die Phosphorgranaten ins das Fahrzeug, sechs Stück an der Zahl. Über ihnen fiel die Luke zu. »In Deckung!«, schrie Krood und scheuchte seine Elitesoldaten vom Kampffahrzeug. Mehr abstürzend denn springend lösten sie sich von dem Gefährt. Krood schlug hart auf den unebenen Boden und verlor das Gleichgewicht. Er stechender Schmerz fraß sich durch seinen Körper. Die Kette des Panzers dröhnte nur wenige Zentimeter neben seinem Kopf vorbei. Jetzt noch aufzuspringen und in Deckung zu hechten wäre zwecklos gewesen. Wenn er sich verletzt hatte, würde er es nicht schnell genug schaffen, sich von dem riesigen Stahlkoloss zu entfernen. Explodierte der Panzer †“ bei der gewaltigen Hitze, die ein Phosphorbrandsatz entwickelte, konnte es ohne Weiteres dazu kommen †“ dann würde er direkt im Explosionsradius stehen. In dem Fall sanken alle möglichen Überlebenschancen gen null … oder sogar noch darunter. Krood kauerte sich zusammen und legte die Arme schützend um seinen Kopf. Er hatte sich nicht verschätzt. Sonnenhelles Licht flackerte durch schlecht zusammengeschweißte Nähte und nicht verdichtete Löcher im Innern des Panzers. Für einen Moment lang erstrahlte das Kampfgefährt in grellem Schein, so als wäre es durch das Erscheinen einer Lebenden Heiligen von allem Übel gereinigt worden. Und tatsächlich rollte der Panzer allmählich aus und begann, über den Grund seines Hierseins zu philosophieren. Die Munition explodierte glücklicherweise nicht. Irgendwie schaffte Krood es, sich auf die Knie zu erheben. Noch immer schmerzte sein Körper, als hätte man ihn mit metallenen Platten beworfen, aber der Elitesergeant blendete das Brennen und Stechen mit eisernem Willen aus. Während seiner jahrelangen Ausbildung auf Cadia hatte er gelernt, Schmerz nicht nur zu erleben, sondern ihn zu leben. Schmerzen und Leid waren ein Teil von ihm geworden, hatten sich mit stoischer Gleichgültigkeit in seinem Herzen festgebrannt und die Triebfeder ersetzt, die bis dato sein Leben vorwärtsstieß. Kasrkin zu sein bedeutete, marternde Qualen zu erdulden und Pein, gegen die die schlimmste Inquisitionsfolter lediglich den Wert einer Vorspeise besaß. Schwere Schritte tanzten heran. Es waren Cedd und Tall. »Sergeant!«, rief Tall und ging neben seinem Vorgesetzten in die Knie. Sein Kamerad stellte sich in Feindrichtung auf und nahm die Schnellschussposition ein, um die beiden anderen Kasrkin abzuschirmen. »Ist alles in Ordnung?« Krood runzelte die Stirn und sah zu seinem Untergebenen auf. In seinem Blick lag eine Mischung aus Ärger und Qual. »Helfen Sie mir hoch«, forderte er den anderen schließlich auf. Es bedurfte einiger Anstrengung von Seiten Talls, um dem Befehl nachzukommen, denn er musste nicht nur den Unteroffizier, sondern auch dessen noch einmal gut halb so schwere Panzerung und Ausrüstung mit in die Höhe hieven. Dennoch gelang es ihm mit überraschender Agilität, seinen lädierten Vorgesetzten wieder auf die Beine zu befördern. Über ihnen quietschte das Turmluk des Kampfpanzers. Ein Ork †“ oder zumindest das, was einmal ein Ork gewesen war †“ bemühte sich das, das verwüstete Innere seines vormaligen Kampfgefährts zu verlassen. Teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, grenzte es fast an eine Teufelei des Chaos, dass es der Grünhaut dennoch gelungen war, die kombinierte Energie von neun Handgranaten zu überleben. Schwerfällig und von Krämpfen geschüttelt, bei denen er schmerzerfüllt jaulte, zwängte sich der Xeno durch den engen Ausstieg. »Achtung, Feind!«, bellte Cedd, fuhr herum und deckte das schwarz verkohlte Wesen mit Salven aus hochenergetischem Laserfeuer ein. Von den kaskadierenden Strahlen regelrecht zersiebt, brach das Ziel in sich zusammen und blieb als abartig verkrümmte Statue über dem Turmluk hängen. »Los«, keuchte Krood, noch immer damit beschäftigt, seine schmerzenden Lungen mit Luft zu füllen. »Lasst uns verschwinden.« Im Eilschritt, zumindest so schnell, wie Krood laufen konnte, zogen sie sich zu den imperialen Linien zurück. »Thronverdammt«, brachte der Captain hervor, als die drei Kasrkin zurück in den Graben sprangen. Seine Männer starrten die Elitegrenadiere fassungslos an. »Und ich dachte, unser Colonel wäre wahnsinnig.« »Ein Elitesoldat definiert sich nicht durch Wahnsinn«, grenzte sich Krood sofort gegen Ekko ab, noch bevor jemand auf den Gedanken kommen konnte, er und der offensichtlich geisteskranke Stabsoffizier würden auch nur irgendeine Gemeinsamkeit teilen. »Nein. Er definiert sich durch die Fähigkeit, aus jedem erdenklichen Gegenstand eine Waffe zu schmieden und die Entschlossenheit, diese auch einzusetzen.« »Schöne Worte«, erwiderte der Offizier, dessen Namen Krood noch immer nicht wusste. Cedd und Tall begannen bereits damit, ihr Feuer auf die nächste Welle aus anstürmenden Grünhäuten zu konzentrieren. »Aber den Unterschied zu Colonel Ekko müssen Sie mir jetzt noch einmal erläutern.« Endlich setzten auch die restlichen Soldaten in das Schießen ein. Krood derweil lehnte sich zu dem Offizier vor. Eine Hitzewelle der Wut schob sich seinen Unterleib hinauf, kroch über seine Haut und setzte sich schließlich in seinem Kopf fest. Wie konnte dieser ‚Normale†˜ es wagen, ihn mit dem verrückten Halbhäretiker zu vergleichen? »Wie meinen Sie das?« Der Captain hielt ihm das Sprechgerät entgegen, das mit dem Tornister auf dem Rücken des gefällten Infanteristen verbunden war. Der tote Funker starrte Krood mit leblosem Blick ins Gesicht. Er schien den Elitesergeant auszulachen. Böses ahnend nahm der den Hörer entgegen. Seine Vorahnung wurde nicht enttäuscht. »Krood?«, rief die Stimme. »Hallo, Krood? Können Sie mich hören?« »Ich wünschte, es wäre nicht so«, grummelte der Sergeant. »Stellen Sie sich nicht so an, denn was jetzt kommt, dürfte Ihnen bekannt sein.« Am anderen Ende der Leitung wurde eingeatmet. »Ich habe einen Auftrag für Sie.«
  3. Hallo, okay, ich habe mich falsch ausgedrückt, teils aber auch richtig. Fakt ist, seid mir nicht böse, aber ich habe mit Stargazer viele gute Charaktere und Ideen verbraten, die ursprünglich für mein eigenes Universum gedacht waren. Aus diesem Grund habe ich mir ein paar neue Charaktere erstellt und möchte die Arbeit an meinem eigenen Universum wieder aufnehmen, allerdings den Stil von Colonel Ekko beibehalten. Dazu werde ich alle Ideen, die ich für eine Weiterführung von Ekko entwickelt habe, höchstwahrscheinlich auch transformieren. Stargazer wird weitergeschrieben, je nach Zeit, früher oder später. Aber anders als ursprünglich gedacht, wird es höchstwahrscheinlich keine Fortsetzung nach diesem Teil geben. Es war eine schwierige Entscheidung, aber so, wie GW mit Fanwerken umgeht, sehe ich keinen Grund darin, ein ganzes Universum an Charakteren und elendig viel Zeit (Ich schreibe jetzt seit Juni 2009 an der Story) für einen Zweck zu verbraten, bei dem ich nicht mal sicher bin, ob er schlussendlich nicht doch der Panik eines Konzerns zum Opfer fällt, der sich fürchtet, den "Fans" seiner Arbeit ein wenig vom eigenen Universum zu "überlassen". Als Spielwiese, sozusagen. Ihr hoffe, ihr seid nicht zu enttäuscht oder frustriert, aber ich möchte gerne wieder in meinem eigenen Werk arbeiten. Stargazer wird natürlich ordnungsgemäß fortgesetzt und beendet. Da Sista
  4. Hallo, na da schreit ja fast nach einer Antwort … Also aus meiner militärischen Erfahrung kann ich sagen: wir haben nie Handgranaten benutzt (zumindest keine scharfen) … vermutlich, weil die in meiner Ausbildung auch nie vorgesehen waren. Zudem bin ich jemand, der nicht zum exessiven Nutzen von Handgranaten neigt. Ich meine, bisher hat sich die Story hauptsächlich auf Veteranen konzentriert, die alle wissen, dass sie nur zwei, drei Handgranaten dabei haben und diese dann auch mit Bedacht einsetzen. Und ich fand jetzt auch nicht, dass der Einsatz besonders schonend war. Hougner hat sich mit so einem Eierwärmer in die Luft geblasen, Rebis hat die Orks von der Walküre damit zugeschmissen, in den Gräben und im Häuserkampf meine ich mich zu erinnern, dass die Imps und Orks damit sogar Tennis gespielt haben. (also jetzt nicht echt, das wäre ja Quatsch …) Außerdem gebe ich zu bedenken: Die meisten Granaten sind dabei draufgegangen, als die Seras ihre Sprengfallen gebaut und den Torbogen vermint haben. Von daher ja: kein exessiver Nutzen von Handgranaten, aber vermutlich auch immer nur in den Phasen, in denen ich die Story schreibe. Man müsste die Charaktere mal fragen, wie die das sehen. „Colonel, was machen Sie da?“ „Ich sammle Handgranaten.“ „Warum?“ „Eine Stimme hat mir zugeflüstert, wir sollen mehr Handgranaten einsetzen. Also hier – fangen Sie! Den Stift habe ich vorsorglich schon gezogen.“ „Wie vorausschauend von Ihnen.“ „Balgor.“ „Ja, Chef?“ „Sie können woanders blöd sein.“ „Woanders blöd sein, jawohl! Ich lasse die Granate dann hier liegen.“ Wie gesagt: Ich habe das jetzt so entschieden. Mag kontrovers sein, war für mich jetzt aber auch nicht allzu wichtig. Ebenso mit den Panzerabwehrwaffen, Granatwerfern und Flammenwerfern. Die habe ich mit Major … na, wer weiß den Namen noch? … und General Iglianus mitgeschickt. Die Basteter haben kaum noch Panzerabwehrwaffen. Aber keine Sorge – das Thema wurde bereits angerissen und wird im nächsten Kapitel ein paar schärfere Noten erhalten. Be sure. Auf die Regimentsstandarte habe ich verzichtet. Das Mistteil ist bei meinen Figuren immer abgebrochen, also habe ich es nicht dargestellt. Und Ekko kriegt nichts, das ich nicht auch darstellen könnte. Wer weiß, was er sonst mit dem Teil macht … Die imperiale Flotte ist … nicht da. Allgemein ist der Einsatz der Imperialen Raumflotte meines Verständnisses nach eher an das Island Hopping im WWII angelehnt. Heißt – Flotte springt rein, schlägt zu, setzt Truppen ab, springt raus. Versorger kommen dann immer mal wieder. Auf jeden Fall ist das bei mir so passiert. Von daher … ja, wo fliegen sie denn? Ja wo fliegen sie? Ach, ist das Weltall schwarz. Dass du jetzt so auf die fanatische Sista stehst, muss mich jetzt nicht beunruhigen, oder? Aber zur erotischen Spannung zwischen Ekko und Sile … wir werden sehen. Viel schlimmer fand ich, dass jemand Ekko und Doc Calgrow eine Affäre anhängen wollte ... der Colonel und die MILF-Doktorin … uhhahhaha … *fröstel* Geht gleich wieder … Was für ein Geschlabber … Ansonsten freut mich, dass es dir gefällt und hoffe, dass du, wenn es denn weitergeht, auch weiterhin Spaß am Text hast. Da Sista
  5. Hallo, liebe Stargazer-Leser, Hier das neue Kapitel! Wie immer vielen Dank an Nakago, der den Fluff kontrolliert hat und viel Spaß beim Lesen! 34 Das rot-orange Band eines blutigen Morgens schob sich über den erwachenden Himmel, als die Orks zum nächsten Angriff ansetzten. Die ganze Nacht über hatte ihr Artilleriebombardement den Stadtwall der Kathedralenstadt perforiert und gegen zwei Uhr morgens waren sogar einige kleinere Trupps zwischen dem Schutzschild und den aufgetürmten Trümmern des gesprengten Tores in das vom Imperium verteidigte Areal eingesickert, nur um dort von der kombinierten Gewalt vergrabener Sprengsätze und dem Abwehrfeuer der Basteter zerrissen zu werden. Unbemerkt dabei blieb hingegen, dass der Feind auch an anderer Stelle in die Stadt eindrang. Der fünfte Trupp des achtzehnten Zuges gehörte zu den wenigen Einheiten, welche vorgeschobene Positionen im Defensivperimeter des 512. einnahmen. In zwei Halbtrupps aufgeteilt und mit einer Chimäre zur Feuerunterstützung und schnellen Verlegung versehen, besetzte die Einheit die Reste zweier Schützenlöcher. Ihre Order war klar gewesen: Feststellen und beobachten aller möglichen Feindaktivitäten in ihrem Gebiet und sofortiges Bekämpfen eindringender Streitkräfte bis zu dem Punkt, an dem die Truppe zum Rückzug gezwungen wurde. Aber bisher hatte sich kein Feind blicken lassen. Irgendwo an ihrer rechten Flanke hämmerte unablässig Waffenfeuer und aus den leise gestellten Funklautsprechern der Chimäre plärrten Befehle und Meldungen. In ihrem Sektor dagegen war die Nacht verhältnismäßig ruhig geblieben, abgesehen vom dumpfen Krachen der feindlichen Artillerie auf der anderen Seite der Außenmauer. Man hatte sie nicht einmal mit Mörsern oder Zzapwummen beschossen, wofür die Männer des fünften Trupps durchaus dankbar waren. Denn so hatten sie sogar ein wenig Schlaf gefunden und waren frisch und ausgeruht. Natürlich hatten sie damit eine grundsätzliche Pflicht ihres Auftrages verletzt †“ aber welcher Ork wäre schon über diese Mauer gekommen? Zudem hatten ja immer zwei Männer jedes Halbtrupps in der Nacht Wache gehalten und so dafür gesorgt, dass sich niemand ihrer Stellung unbemerkt nähern konnte (wobei diese allerdings eher Augenmerk auf eventuell vorbeikommende Vorgesetzte gelegt hatten). Und so war es auch kein Angriff der Orks, der Sergeant Saf Pakell weckte †“ auf jeden Fall nicht direkt. Vielmehr wurde er durch ein kräftiges Rütteln an seiner Schulter aus einem friedlichen Schlaf gerissen. »Sergeant! Sergeant! Wachen Sie auf!« »Was?!« Im ersten Moment vollkommen verwirrt richtete sich der Unteroffizier auf, bis ihn der Gestank umherwabernden Ozons deutlich in die Nase biss und die Alarmglocken in seinem Kopf losschrillten. Ein Schub Adrenalin schoss durch seine Adern, pumpte die Müdigkeit aus seinem Körper. Innerhalb kürzester Zeit taute die nächtliche Umwölkung aus seinem Geist. »Thronverdammt! Was ist los, Krem?« »Es hat aufgehört«, bemerkte Soldat Krem und runzelte seine zerfurchte Stirn. »Sie schießen nicht mehr.« »Was sagen Sie da?« Pakell erhob sich und runzelte die Stirn. Die Worte des Soldaten ergaben für ihn im ersten Moment keinen Sinn. Die Ork-Artillerie hatte die gesamte Nacht über … Er verstummte. Totenstille herrschte um sie herum. Es regte sich so gut wie kein Lüftchen, abgesehen vom heißen, elektrischen Knistern des Schutzschilds über ihren Köpfen. Kein Waffenfeuer brandete mehr gegen die schweren Mauern der Kathedralenstadt. Das Jaulen der Mörsergeschosse hatte aufgehört und die dumpf zischenden Entladungen der Zzapwummen waren nicht länger zu vernehmen. Verwundert richtete sich der Sergeant auf. »Sie haben Recht«, stellte er fest. Er fragte sich noch, was das bedeuten konnte, als ihm etwas an der Chimäre auffiel: der Panzer schaukelte leicht. Die Lautsprecher verstummten. In dem geschützten Körper des Kettenfahrzeugs regte sich etwas. Der Kopf des Panzerkommandanten erschien in der Luke, wie Pakell offensichtlich aus einem friedlichen Schlummer gerissen. Der Mann sah sich suchend um, bevor er schließlich die Infanteristen entdeckte. »Irgendwas stimmt hier nicht!«, rief er ihnen zu. Die Chimäre wackelte erneut. Laut röhrend sprang der Panzermotor an, hustete schwarzen Qualm in die morgendliche Luft. Pakell runzelte die Stirn. Dieses Schaukeln konnte doch nicht nur von der Mannschaft und dem Anwerfen des Motors herrühren. Immerhin war der Schützenpanzer ein achtunddreißig Tonnen schweres Fahrzeug, das sich nicht einfach bewegte, nur weil die Besatzung zum Leben erwachte. Der Fahrer trat das Gaspedal durch und die Chimäre heulte schrill auf. Beunruhigt verfolgte der Sergeant, wie der Panzerkommandant seine Kopfhörer aufsetzte und dann in sein Kehlkopfmikrofon sprach. Der Turm des Schützenpanzers schwenkte nach links, während die Besatzung die Servomotoren testete. Im nächsten Moment war das Kettenfahrzeug weg. Ohne einen Ton oder sonstige Vorwarnung brach es einfach in den Erdboden ein. Die imperialen Soldaten sprangen entsetzt auf. So etwas hatten sie vorher noch nie gesehen. »Whahaa«, entwich es einem Infanteristen. »Thronverdammte Scheiße«, fügte Corporal Siddig fassungslos an. Das stakkatoartige Wummern des rumpfmontierten Schweren Bolters setzte ein, dröhnte dumpf zu ihnen hinauf. Fast so, als würde die Waffe gerade in der beengten Umgebung eines äußert langen Tunnels abgefeuert. Vor der Chimäre brach weiterer Erdboden weg, versank mit donnerndem Rauschen in der Tiefe. Pakells Unterbewusstsein reagierte mit antrainierter Schnelligkeit, auch wenn der Rest seines Körpers noch in tiefster Schockstarre residierte. »Hoch!«, hörte sich der Sergeant in die Luft bellen. »Alles auf und in Stellung!« Dann erst erlangte er die Kontrolle über seine Bewegungen zurück. Um ihn herum sprangen Soldaten auf und rannten in die provisorisch verstärkten Schützenlöcher, in denen sie sich gegen einen plötzlich einfallenden Feind hatten wehren wollen. Doch gegen das, wessen sie gerade Zeuge wurden, konnte man sich nicht in Schützenlöchern verteidigen. Wie sollte man sich auch gegen einen Feind wehren, der aus der Tiefe kam? Pakell knirschte mit den Zähnen, als er selbst neben seinem Funker in Deckung ging. Eine vom Chaos eingefädelte Teufelei! Es konnte gar nicht anders sein. »Rufen Sie sofort die Kommandozentrale!«, befahl der Sergeant, an den Soldaten gewandt, doch der blickte ihn in einer Mischung aus Verwirrung und Entsetzen an. »Unser Funkgerät ist in der Chimäre!«, meldete er schließlich. »Was?« Pakell glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. »In der …« Er wies auf das Loch, aus dem eine kleine Staubwolke aufstieg. Weitere Worte waren nicht notwendig. »Ja, Sir«, bemühte sich sein Untergebener zu erklären. »Die Batterien hatten keinen Saft mehr. Daher habe ich die Anlage an den Akkumulator des Panzers angeschlossen.« »Das†™n Scherz!« »Nein, Sir.« »Ich fass†˜ es nicht.« Der Sergeant hob seinen Kopf über den Rand der Deckung, sondierte das umliegende Gelände mit wachen Blicken. Wie es schien, waren keine Feinde in das Innere der Kathedrale eingesickert. Gut so. Pakell wandte sich um und gab ein kurzes Handzeichen zum Schützenloch hinter ihnen. »Brick!«, rief er einen der Soldaten zu sich. »Kommen Sie mit! Sie auch!«, fügte er, an seinen Funker gewandt, deutlich leiser an. Dann schwang er sich aus der Deckung, die beiden Männer im Schlepptau. Ihre Waffen im Anschlag gingen sie vor. Der Weg bis zur eingebrochenen Chimäre war nicht weit, dennoch raste der Zeiger einer imaginären Uhr in Pakell vorwärts, trieb die Zeit mit unaufhörlicher Sturheit fort, sodass der Sergeant sich vorkam, als laufe die Welt um ihn herum im Zeitraffer ab. Schon sah er vor seinem inneren Auge Horden von Orks durch die Mauer brechen und die imperialen Stellungen überrennen, weil er nicht schnell genug herausgefunden hatte, was mit der thronverdammten Chimäre geschehen war. Glücklicherweise spielte ihm seine Fantasie einen Streich, und weder die Mauer, noch der Panzer oder irgendein Xeno machten Anstalten, seine Schreckensvorstellung wahr werden zu lassen. Tatsächlich waren der Truppentransporter und das ihn umgebende Areal so tot, als hätte man ihnen das Genick gebrochen. Unwillkürlich fragte sich Pakell, was für vom Chaos eingefädelte Teufelei wohl einen derartigen Effekt auf die Umwelt ausübte. Er brauchte sich selbst gegenüber nicht einmal ausgesprochen ehrlich sein, um festzustellen, dass er so eine Szene, wie die, die sich ihm bot, noch nie zu vor gesehen hatte †“ geschweige denn davon gehört, dass es eine Waffe gab, die solch eine Auswirkung auf den Boden ausübte. Als er und seine Begleiter die eingebrochene Chimäre erreichten, geriet der Sergeant umso mehr ins Staunen. Tatsächlich erschien der um das Fahrzeug herum entstandene Graben nicht wirklich tief. Seine Ausdehnung mochte vielleicht viereinhalb oder fünf Meter in der Vertikalen betragen, sowie gute fünfeinhalb in der Horizontalen. Vermutlich hätte ein gut ausgebildeter Pioniertrupp der Imperialen Armee einen solchen Graben in gut einer Nacht ausheben können. Das wirklich bemerkenswerte allerdings war, wie sich dessen Entstehung auf die Chimäre ausgewirkt hatte. Der Truppentransporter hatte sich in der plötzlich eingesunkenen Erde verkeilt wie ein Tier, das unvermittelt in einen Steinrutsch geraten und eingeklemmt worden war. Wie sich erkennen ließ, war die Kommandantenluke teilweise aus ihrer Verankerung gerissen worden, was trotz der geringen Falltiefe auf eine beachtliche Krafteinwirkung hinwies †“ oder eine schlechte Verarbeitung der Scharniere. »Umgebung sichern!«, befahl der Sergeant und wies auf das offene Turmluk des Panzerfahrzeugs. »Prüfen Sie, ob die Besatzung noch lebt.« Brick und der Funker gingen bis zum Graben vor und suchten den Abgrund in nächster Nähe mit kurzen Blicken ab, bevor der Infanterist auf den verdrehten Rumpf des betäubten Panzers sprang. Mehr rutschend als sich aufrecht bewegend, und unter Verwendung sämtlicher ihm bekannter Flüche, arbeitete er sich bis zur Kommandantenluke vor, um sich dann ein wenig schwerfällig in das beschädigte Fahrzeug zu schieben. Pakell kniete sich hin und betrachtete den Graben eingehender. Erneut fragte er sich, welche Waffe zu solch einer Auswirkung in der Lage war, zumal sie die Außenmauer nicht einmal angekratzt zu haben schien. Immerhin ging es hier um Energien, die jenseits dessen lagen, was man mit einer herkömmlichen Handfeuerwaffe oder einem Panzerfahrzeug an Erdarbeiten durchführen konnte. Seine Überlegungen kreisten eine Weile um die Frage, bevor sie sich an einen vorherigen Gedankengang erinnerten. Ein ausgebildeter Pioniertrupp der Imperialen Armee war in der Lage, einen solchen Graben in gut einer Nacht auszuheben. Einen solchen Graben †“ oder einen Tunnel. Nun war allerdings nicht nur die Imperiale Armee dafür bekannt, dass sie liebend gern das Gewehr schulterte und mehr mit dem Feldspaten exerzierte. Auch die meisten Xenos wühlten, zutiefst begeistert, in der Erde. Der Sergeant sah auf. Konnte das sein? War es wirklich möglich, dass …? Wütendes Fluchen schälte sich aus dem eingeklemmten Schützenpanzer, zerschlug Pakells Gedankengang mit dem Vorschlaghammer der Aufmerksamkeit. Brick tauchte in der Kommandantenluke auf, bereit seine Meldung zum Zustand der Besatzung zu machen. »Der Richtschütze ist tot, Sir«, rief der Soldat zu ihnen hinauf. »Kommandant und Fahrer leben noch, aber der Kommandant hat beide Beine gebrochen und der Fahrer ist unter dem Richtschützen eingeklemmt. Das schaffe ich nicht alleine. Ich brauche mehr Leute.« »In Ordnung«, antwortete Pakell bellend. »Hilfe ist unterwegs! Kommen Sie wieder raus und sagen Sie mir, was weiter vorne ist.« Er wies auf den Verlauf der künstlichen Senke, die nahe der Außenmauer steil in den Erdboden abzufallen schien. Brick Augen folgten der Geste des Vorgesetzten, und die Schultern des Infanteristen sanken. »Ist das Ihr Ernst?« »Glauben Sie, ich gehe selbst nach vorne?«, erwiderte der Unteroffizier, worauf sein Untergebener einen kurzen Moment lang über seine Möglichkeiten resümierte. Schließlich gab er auf und zog sich aus dem Fahrzeug. Pakell rief seinen Funker zu sich. »Wo ist mein Funkgerät?«, wollte er wissen. Der Soldat wies auf die offene Fahrzeugluke. »In der Chimäre«, meldete er wahrheitsgemäß. »Ja, dann hopp!«, wie der Sergeant ihn an. »Melden Sie die Lage.« Eilends sprang der Mann auf und machte sich daran, einen möglichst gefahrlosen Abstieg auf das schief liegende Dach des Kettenfahrzeugs zu finden. »Was beim Thron ist das bloß?«, murmelte er. Pakell schüttelte den Kopf, auch wenn er wusste, dass ihn der Mann weder sehen, noch hören konnte. »Ich habe keine Ahnung.« Er wandte sich um und winkte weitere Infanteristen herbei. Der erste, der ihn nach gut einer halben Minute erreichte, war sein Stellvertreter, Corporal Siddig. Sein Sergeant hielt sich nicht lange mit Details auf. »Laufen Sie zum nächsten Posten und erstatten Sie Meldung!«, befahl er dem Mann. »Los!« Siddig grüßte nachlässig und stürmte von dannen, während die restlichen Soldaten bei ihrem Sergeant eintrafen und sofort Deckungspositionen nahe des eingebrochenen Kampffahrzeugs einnahmen, auch wenn keine erkennbare Gefahr bestand. Schnell selektierte der Sergeant vier von ihnen und schickte sie zur Bergung der Verletzten, um danach weitere Aufgaben zu verteilen. Er wollte gerade zwei Infanteristen losschicken, eventuelle Beschädigungen am Mauerwerk des Außenwalls zu begutachten, als er die Stimme von Soldat Brick vernahm. Eigentlich ging ihm dessen pausenloses Gefluche bereits deutlich zu sehr auf die Nerven, aber dieses Mal steckte in jedem der Worte eine inbrünstige Angst, die Pakell aufhorchen ließ. »Scheiße! Scheiße! Scheiße!«, näherte sich der Infanterist, das Gewehr mit den Händen so fest umklammert, als wollte er Griff und Handschutz mit einer einzigen Bewegung in Zwei brechen. »Scheiße! Scheiße! Scheiße!« »Was ist denn?«, bellte der Truppführer und beobachtete, wie sein Untergebener den Panzer mit der Inbrunst einer paarungsbereiten Dogge ansprang. »Thronverdammte Scheiße!«, schrie Brick und reichte mit den Händen in die Höhe. »Zieht mich hoch! Zieht mich sofort hoch!« Infanteristen eilten herbei und ergriffen die ausgestreckten Arme ihres Kameraden, um ihn aus dem Graben zu ziehen. »Was ist?«, wollte der Sergeant wissen. »Sprengstoff!«, meldete der Soldat in atemloser Panik. »Sie haben die thronverdammte Mauer vermint!« Hastig zog er sich an den Armen der anderen Soldaten hinauf, rutschte aus und schlug hart auf den Boden, nur um sich wieder aufzurappeln und mit vor Entsetzen verzerrter Miene vor der tiefen Wunde in der Erdoberfläche zu flüchten. Pakell sah auf. Sprengstoff? Minen? Konnte das etwa bedeuten, dass die Orks den Schutz der eigenen Waffen genutzt hatten, um die Mauer zu unterminieren und Explosivstoffe auszubringen? Waren Xenos wirklich so intelligent, dass sie eine so verschlagene Technik einsetzten? Entsetzen grub sich seinen Weg in die Gedanken des Sergeants, als ihn seine Erfahrung anschrie. Ich habe es dir gesagt! Thronverdammte Scheiße! Ich habe es dir gesagt!, hörte er sich selbst im Geiste schreien. Nein! Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein! Er erhielt keine Gelegenheit mehr, die Wahrheit zu erkennen, geschweige denn, sie zu verstehen. *** Eine gewaltige Explosion erschütterte die Himmelskathedrale, zerriss die von Unruhe erfüllte morgendliche Luft mit demselben Knall, mit dem eine aufschlagende Tür ein stilles Zimmer erbeben lässt. Die Detonation erschreckte das archaische Gemäuer dermaßen, dass es regelrecht in sich zusammenfuhr. Einige der beeindruckenden Buntglasfenster sprangen entsetzt aus ihren Rahmen, nur um mit lautem Getöse auf den reich gefliesten Kirchenboden zu fallen und dort zu zerspringen. Wäre das Bauwerk ein Mensch gewesen, es hätte sich vermutlich vor Angst in die Hose gemacht. Doch nicht nur die altehrwürdige Kathedrale fand sich im Schockzustand wieder. Im schnellen Schritt stürmte Ekko durch die offenen Flügeltüren des Hauptschiffs in Freie, Major Carrick im Schlepptau. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich die beiden Offiziere bewegten, verwunderte es, dass das unsichtbare Seil zwischen ihnen nicht bereits gerissen und der Major unkontrolliert gegen die nächste Säule geprallt war. »Ich will wirklich hoffen, dass da nur jemand mit den Nachwirkungen der Frühverpflegung zu kämpfen hat«, warnte der Colonel seinen Stellvertreter mit erhobener Hand. Ganz so, als würde er Carrick dafür verantwortlich machen wollen, wenn dem nicht so war. »Ich denke nicht, dass die Lösung so einfach ist«, erwiderte der Major bitter. Ekko ließ ein unwilliges Grummeln ertönen. Dann allerdings entdeckte er den weit entfernt aufsteigenden Rauchpilz der kräftigen Detonation und blieb wie angewurzelt stehen. »Thronverdammt! Was für eine Wolke! Sind Sie sich sicher, dass da nichts im Essen war?« »Colonel!«, rief der Major entrüstet aus. Abwehrend hob sein Vorgesetzter die Hände. »Ist ja gut. Ich gehe dennoch vorsichtshalber darüber«, sagte er und wies auf die bereitstehende Walküre, das Shuttle zwischen Dachplattform und Haupteingang. »Nur für den Fall, dass die Mahlzeit auch bei Ihnen zu Reaktionen führt.« Um einen schnellen Transport von Personal zu garantieren, befand sich der Senkrechtstarter seit der letzten Nacht im sogenannten »Alert fünf«, der fliegerischen Bezeichnung für einen Zustand, indem die Maschine innerhalb von fünf Minuten in die Luft steigen konnte. Normalerweise gab es einen solchen Zustand nicht (das für eine Besatzung ertragbare Maximum lautete »Alert fünfzehn«), aber seit dem Absturz von 0192 Galadriel hatte der Colonel jeden weiteren Einsatz der Luftunterstützung vorerst verboten, und so standen ihm rund um die Uhr zwei Maschinen mit zwei Besatzungen zur Verfügung, die er im zehn-Stunden-Rhythmus in Bereitschaft halten konnte. Schon rief der Pilot seinem WSO zu, die Cockpitkanzel herunterzufahren, um Abflugbereitschaft herzustellen. Auch sie hatten die gewaltige Explosion beobachten können, die den gesamten Komplex erschüttert hatte und wussten, wie wichtig es war, dass der Colonel nun schnellst möglichst zu seinem Kommandozentrum gelangte. Leises Summen ertönte, als die Starter der Turbinen anliefen. Ekko winkte ab, während er eilig in Richtung der einsatzbereiten Maschine lief. Noch bevor die Bodenmannschaft die Cockpitzugangsleiter von der Walküre lösen konnte, hatte der Basteter sie bereits erklommen und lehnte sich ins Cockpit. »Kein Grund, gleich in Panik zu geraten!«, verlangte der Colonel. »Bleiben Sie ruhig und geben Sie mir ihren Feldstecher.« Verwirrt starrten ihn Pilot und WSO an. »Feldstecher! Jetzt«, wiederholte der Regimentskommandeur und vollführte eine drängende Geste. »Ähm … natürlich, Sir! Hauptstarter in Bereitschaft runterfahren«, befahl der Pilot. »Hauptstarter wieder in Bereitschaft«, echote der Waffensystemoffizier. Ein kleines Handbuch mit einer Checkliste löste sich aus seiner Halterung rechtseitig des Arbeitsplatzes und rutschte auf die Beine des Mannes. Mehr mit sich selbst sprechend als irgendwen Spezielles adressierend begann der Mann, die Prüfliste nacheinander abzuarbeiten. »Hauptregler aus †“ checked; Treibstoffzufuhr aus †“ checked …« Währenddessen begann der noch immer überraschte und verwirrte Pilot, sich aus seinen Sitzgurten zu schälen. Vorsichtig im Cockpit manövrierend, als befände er sich inmitten eines Feldes aus ultrahoch erhitzten Kochplatten, wandte er sich um und fuhr damit fort, die Überlebensausrüstung in seiner Sitztasche zu suchen. Durch die beengten Verhältnisse in der Flugzeugkanzel war das nicht ganz einfach und so dauerte es weitere wertvolle Minuten, bis er endlich gefunden hatte, was der Colonel suchte. In jeder Überlebensausrüstung †“ zumindest der generischen †“ fand sich neben vielseitigen Hilfsmitteln für ein Überleben auch ein monokularer Feldstecher, damit ein abgestürzter Pilot das umliegende Gelände einer genauen Betrachtung unterziehen konnte, bevor er sich aus seiner schützenden Deckung begab. Nun nahm Ekko den in Tarnfarben gemusterten Körper an sich, sprang von der Zutrittsleiter und lief zum Rand des Kirchenvorhofs. Im Hintergrund bekam er die Meldung des WSO mit, dass die Prozedur zum Zurücksetzen des Bereitschaftszustandes erfolgreich gewesen war. Er ignorierte sie. Am Rand des Kathedralenvorhofs angekommen, sprang er auf eine der Munitionskisten und setzte den Feldstecher an sein Auge. Mit schnellen, aber gezielten Bewegungen rasterte er die sich ausbreitende Staubwolke ab. In der Nähe brüllten Captains ihre Züge in Gefechtszustand, während Panzersoldaten aufgeregt ihre Fahrzeuge besetzten. Die gleiche Situation hatten sie bereits erlebt †“ am gestrigen Tage, als es den Orks für einige Stunden gelungen war, durch das Haupttor in den äußeren Ring der Kathedrale einzubrechen. Dieses Mal jedoch war es anders. Man spürte diesen ungemeinen Druck, der sich durch den Boden in die Beine fortpflanzte. Ein verzweifelter Schrei, der alles sagte, das es zu sagen gab: Sie sind hier! Die Orks sind in der Stadt! Allmählich lichtete sich der Staub um die Detonationsstelle. Schemenhafte Umrisse verfestigten sich zu schrecklichen Erkenntnissen und Ekko konnte nicht anders, als mit den Zähnen zu knirschen. Teile der Außenmauer waren durch eine gewaltige Explosion aus dem Fundament gerissen und in die Stadt fortgeschleudert worden. Weitere Stück schienen eingebrochen zu sein oder sich gerade im Zusammensturz zu befinden. Der Schutzschild über der zerstörten Stelle flimmerte unruhig. »Oh, thronverdammt«, zischte der Regimentskommandeur und fuhr sich mit der Hand durch sein dunkles Haar. »Also ich glaube nicht, dass wir das Loch wieder zubekommen. Carrick«, wandte er sich an seinen Stellvertreter. Der Major trat an seine Seite. »Colonel?« »Sehen Sie sich das an.« Unsicher, was er zu erwarten hatte, warf der stellvertretende Regimentskommandeur einen Blick durch das Monokular und runzelte erschrocken die Stirn. »Oh! Beim Barte des Propheten!« »Das können Sie laut sagen.« Carrick reichte den Feldstecher an seinen Vorgesetzten zurück. »Und was machen wir jetzt?« »Sofort alles, was wir an Reserven haben, in den zweiten Ring.« Ekko betrachtete die Szenerie erneut. Die Augenbrauen des blonden Basteters neben ihm schienen wegfliegen zu wollen, so schnell riss er die Augen auf. »Alle Reserven?!« »Ja!« Ekko nickte. »Sofort! Lassen einen Zug hier, falls uns eine Überraschung ins Haus steht, den Rest aber sofort in den zweiten Ring. Es kann sein, dass wir bald überrannt werden.« »Was haben Sie vor?«, erkundigte sich der hochgewachsene Basteter. Sein Vorgesetzter schüttelte den Kopf. »Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich muss mir was überlegen. In allen Planungen war ich davon ausgegangen, dass die Orks durchs Haupttor brechen und sich dann von uns lenken lassen. Dadurch, dass sie weit ab von der geplanten Route durch die Mauer gebrochen sind, ändert sich die Lage vollständig.« Er streckte die Arme V-förmig von sich. »Unsere Abwehrlinie verläuft wie ein Kegel, dessen Spitze kurz vor dem Tor in den zweiten Ring endet.« »Das weiß ich, Sir«, erwiderte der Major. »Die Mannstärke lässt eine andere Kräfteverteilung nicht zu. Aber haben wir dafür nicht die vielen Sprengfallen und Minen verlegt? Gerade deswegen ist doch nur ein schmaler Korridor übrig, in dem sich der Feind bewegen kann.« »Das ist richtig«, stimmte der Regimentskommandeur zu. »Aber jetzt drehen Sie den Spieß mal um. Wo können sich denn unsere Truppen bewegen?« Es dauerte eine Weile, bis Carrick die Antwort auf das fand, worauf Ekko eigentlich hinauswollte. »Den schmalen Korridor zwischen den Minen«, brachte er verstehend hervor. »Aber …?« »Haben Sie schon einmal einen Kegel gekappt?« »Einen Kegel?« Der abrupte und völlig zusammenhangslose Themenwechsel überraschte den Major. Ekko präzisierte die Frage. »Was bleibt übrig, wenn Sie die Spitze vom Kegel abnehmen.« Carrick überlegt kurz. »Ein offener … oh.« »Ganz genau. Und in diesen ‚Offenen†˜ brauchen die Orks nur reinstoßen und schon sind sämtliche Verteidigungsgruppen voneinander abgeschnitten und werden Stück für Stück aufgerieben †“ und wir können zugucken und uns ärgern.« »Aber sie müssen dafür doch erst einmal durch unser ausgeklügeltes Verteidigungsnetz«, gab der Stellvertreter zu bedenken. »Machen Sie nicht denselben Fehler wie Ligrev«, wies der Regimentskommandeur seinen Untergebenen an. »Unterschätzen Sie Ihren Feind nicht. Der hat nämlich gerade ein Loch in eine Wallanlage gesprengt, die darauf ausgelegt ist, wochenlangen Dauerbeschuss auszuhalten. Glauben Sie, dass wir den Feind auch nur eine Stunde mit den Sprengfallen aufhalten würden, wenn er wirklich aggressiv auf den Perimeter drückt?« Die Antwort darauf fand sich von selbst, und Carrick war professionell genug zu erkennen, dass es nun für die Orks kein Halten mehr gab. »Ihre Befehle?« »Wir müssen schnellstmöglich alles in den zweiten Ring zurückschieben.« Ekko stieß gepresst Luft aus und überlegte, wie er der Situationsänderung begegnen sollte. Einige Momente lange kämpfte sein Geist gegen einen imaginären Feind, probte Angriffe und Rückzüge, wandte sich um, zeigte den Colonel einen Vogel, schleuderte die Waffen weg und begann dann, hemmungslos zu weinen. »Die gesamte Reserve soll um den Eingang in den zweiten Ring der Kathedrale in Stellung gehen. Schicken Sie die Leute in die Gräben, auf die Mauer, hinter Bäume, in Gebäude †“ eben alles, was wir als Schutz und Feuerposition nutzen können, ohne die zurückweichenden Kräfte zu gefährden. Dann brauche ich einen Bereitschaftsstatus der Raketenwerfer. Es kann doch nicht so lange dauern, diese thronverdammten Gerippe aufzubauen und abzufeuern. Und veranlassen Sie, dass die Generatoren im ersten Ring besetzt werden. Sobald der Rückzug im Gange ist, will ich den Schild zurücknehmen. Noch Fragen? Na, dann Tod und Verderben!« Carrick nickte abgehackt, dann machte er sich auf den Weg, das nächste Funkgerät zu erreichen. »Gireth! Wo beim Thron sind Sie?! Regimentsfunker sofort zu mir!« Ekko sah ihm kurz nach, während in seinem Kopf hämische Stimmen um die Vorherrschaft kämpften. Ja, er hatte einen Fehler gemacht. Er hatte seinen Feind unterschätzt. Solche Fehler passierten. Jeder Kommandeur machte früher oder später einen Fehler. Das war menschlich. Und wer menschlich war, konnte in den Augen des Imperators kein Feind sein. Hauptsache, der Unglückliche korrigierte diesen Fehler schnellstmöglich. Oder doch nicht? Beim Barte des Propheten. Er hoffte, dass es ihm gelang. Dass es ihm möglich war, seine Fehleinschätzung zu korrigieren. Denn die Alternative dazu war viel zu schrecklich, um sie sich vorzustellen. Und dabei war sein eigener Tod noch das geringste Übel. Der Colonel wandte sich um und lief zurück zur Walküre. Er sprang auf die Zutrittsleiter, dann warf er das Monokular in die Cockpitkanzel. »So«, wandte er sich an den Piloten. »Jetzt können Sie in Panik geraten.« *** »Richtschütze: neues Ziel! Zielanweisung Rot sechs †“ vier Komma sieben. Feindlicher Gargbot!« »Erkannt.« »Feuer frei!« Jaorah Nurin blickte durch das Sichtperiskop von Enforcer eins und verfolgte, wie ein durch die Mauer gebrochener Gargbot schnurstracks in den Feuerbereich seines Jagdpanzers lief. Mirak Redek war derweil damit beschäftigt, das Hauptgeschütz nach dem feindlichen Läufer auszurichten. »Zwo †“ eins †“ Feuer!«, rief er in sein Mikro. »Feuer!«, wiederholte die Besatzung. Der Destroyer blies einen hochenergetischen Strahl auf den feindlichen Läufer. »Bekämpft.« »Verstanden.« Nurin ließ das Periskop auf der Suche nach dem nächsten Ziel über die Ansammlung feindlicher Kräfte streichen. Die Auswahl war schier überwältigend. Wie grünes, klumpiges Wasser drängten die Grünhäute in die Makrokathedrale, von der entstandenen Lücke in der Verteidigung angezogen wie von einem schwarzen Loch. Ein greller Lichtstrahl platzte in sein Lichtfeld, begleitet vom dumpfen Rumpeln sich schlagartig ausdehnender Luft. Weit entfernt erhob sich ein orangefarbener Feuerball in den Himmel. Es war nicht lange her, dass eine gewaltige Explosion Nurin aus einem unruhigen Schlaf geweckt hatte, in dem ihm Geister seiner gefallenen Kameraden angeklagt hatten, nicht sein Bestes zur Verteidigung der Himmelskathedrale beigetragen zu haben. Teils schlaftrunken und teils von den Geschehnissen überrollt hatte er sich aus dem Landhaus begeben, nahe dem die Jagdpanzer in Stellung gegangen waren, nur um festzustellen, dass gerade ein gutes Stück des äußeren Schutzwalls zerstört worden war. Nun versuchten seine Besatzung und ihre Schwadronskameraden, die in Bedrängnis geratene Infanterie mit gezielten Distanzschüssen zu unterstützen, um wenigstens den Druck durch einbrechende Feindfahrzeuge und †“läufer zu minimieren. Aber irgendwie beschlich Nurin das dumpfe Gefühl, dass diese Maßnahme nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war. Wie ein Nadelstich auf einer Orkhaut. Schade, dass Orks keine Luftballons waren und platzten, sobald man sie mit einer Nadel stach. Das Funkgerät erwachte knisternd zum Leben. »Enforcer Null Eins, hier 5121801. Neuer Zielkontakt. Feindlicher Schützenpanzer in Querfahrt. Zielanweisung: Sektor Rot Drei.« Nurin kippte den Mikrofonschalter auf die externe Verbindung, kam jedoch nicht mehr dazu, den Funkspruch zu quittieren. »Enforcer eins, hier 5122001. Neuer Zielkontakt. Feindlicher Gargbot. Zielanweisung Sektor Gelb vierzehn.« »Hier Enforcer eins. Beide Funksprüche …« »Enforcer eins, hier 5122201. Neuer Zielkontakt. Feindlicher Panzerwagen. Zielanweisung Sektor Gelb vier.« Es hörte nicht auf. Nurin konnte nicht anders, als erschöpft zu seufzen, als drei weitere Kontaktmeldungen über den externen Funkkreis aufliefen; verzweifelte Hilferufe, die adäquat zu beantworten ihm schlichtweg die Feuerkraft fehlte. »Redek!«, rief er entschlossen, nachdem er den Mikrofonschalter erneut gekippt hatte. »Ja, verstanden«, bestätigte der Richtschütze den unausgesprochenen Befehl. Ab jetzt wählte er die Ziele. Sein Kommandant würde nur noch als Ausguck dienen. Für eine längere Befehlskette blieb keine Zeit. »Zehn rechts, Ves.« Ein weiter Laserstrahl hieb mit der Kraft eines gewaltigen Schwertes in den äußeren Ring der Kathedralenstadt, abgefeuert von Enforcer zwo. Eilig schaltete Nurin sein Mikrofon erneut auf den externen Funkkreis. »Enforcer eins an Enforcer zwo. Feuer frei auf alle erkannten Ziele. Ich wiederhole: Feuer frei. Kein geleiteter Feuerkampf mehr. Meld…« »Zwo †“ eins †“ Feuer!«, unterbrach ihn Redek. »Feuer!«, wiederholte die Besatzung. Enforcer eins saugte an seinem Generator, dann spie er einen gewaltigen Lichtstrahl aus. »Enforcer zwo hat verstanden. Feuer frei! Melden.« »Enforcer eins: Richtig! Ende.« »Fünf mehr links«, ordnete Redek an. Heulend kam der Destroyer herum. »Feindlicher Schützenpanzer in Querfahrt! Ziel erkannt! Feuer frei!«, gab sich der Richtschütze selbst das Kommando. »Zwo †“ eins †“ Feuer!« »Feuer!« Unheilverkündendes Jaulen erklang, doch es löste sich kein Schuss. Stattdessen erschauderte der Jagdpanzer und fiel dann in einen tiefen Schlaf. Sämtliche Anzeigen wurden dunkel. »Scheiße!«, schnodderte Ves in den Funkkreis. »Wir verlieren Energie.« »Was?!«, wollte Nurin wissen, obwohl ihm klar war, dass er sich die Zeit für eine solche Frage eigentlich nicht leisten konnte. »Wir verlieren Energie«, wiederholte der Fahrer. Nurin und Redek sahen sich an. »Haben wir den Maschinengeist verstimmt?«, fragte der Richtschütze sorgenvoll. Der Captain konnte lediglich die Achseln zucken. Wenn ich das wüsste, dachte er bei sich. Die Beziehung zwischen sich und dem Maschinengeist ihres Fahrzeugs wurde jeder desposianischen Panzerbesatzung bereits während der Grundausbildung beigebracht. Panzerkommandanten wie Nurin erhielten in weiteren Lehrgängen genauere Anweisungen, wie mit dem Geist der Maschine umzugehen war. Ja, es gab sogar eigene Ausbildungsabschnitte in der Panzerführerausbildung, deren Bezeichnung passend ‚der Maschinengeist und ich†˜ lautete. Mit der Zeit allerdings war Nurin klar geworden, dass die doch eher generischen Ratschläge dem Realitätsfall in keinster Weise gerecht wurden. Und so hatten seine Besatzung und er damit begonnen, eher auf die spezifischen Bedürfnisse des Jagdpanzers einzugehen. Vielleicht hatte eine dieser Maßnahmen dazu geführt, dass sich der Geist der Maschine nicht mehr mit den Seelen anderer Gerätschaften vertrug? Wie sonst sollte es dazu gekommen sein, dass der Destroyer den externen Betrieb durch den Generator nach einer längeren Phase problemloser Zusammenarbeit verweigerte? Oder konnte es sein, dass sich die Maschinengeister des Energiegenerators und des Jagdpanzers zerstritten hatten? Wie dem auch war †“ es hatte Nurin und seine Besatzung in arge Bedrängnis gebracht. Treulose Maschinenseelen! »Vergessen Sie es. Umschalten auf internen Betrieb. Weiterfeuern«, fügte der Captain, an den Richtschützen gewandt, hinzu. Dass beide Männer bestätigten, hörte er bereits nicht mehr, als er seine Kopfhörer abnahm und sich an den Haltestangen unter der Kommandoluke in die Höhe zog. Außerhalb des schützenden Panzerrumpfs tobte die Hölle. Heftiges Waffen- und Geschützfeuer hämmerte durch die rapide wärmer werdende Morgenluft wie zwei sich duellierende Gewitterfronten. Immer wieder erschütterten Detonationen das gut viereinhalb Kilometer weit entfernte Gefechtsfeld, während beeindruckende Feuerbälle aus den imperialen Stellungen in die Höhe stiegen. Nurin ließ sich für zwei Herzschläge von der Szenerie fangen, dann wirbelte er herum und suchte hinter seinem Panzer nach einer bestimmten Gruppe Personen. Er fand sie recht schnell, verborgen zwischen den Zierbäumen, die das Anwesen dir Terrasse schützten. »Wir brauchen Hilfe!«, rief er, die Hände als Trichter um den Mund gelegt. »Wir können nicht mehr feuern!« Zwei der Männer kamen zu ihm. Es waren Techniker der imperialen Instandsetzung, einer Untergruppe des Departmento Munitorium, aber den imperialen Einheiten direkt unterstellt. Eigentlich konnte man die Männer nicht wirklich als Techniker, Adepten oder Maschinenseher bezeichnen, denn sie war lediglich in der Lage, einfachste Feldreparaturen durchzuführen. Allerdings standen Nurin derzeit keine anderen Kräfte zur Verfügung und er hoffte inständig, dass die Instandsetzung in der Lage war, sein Problem zu lösen. »Was ist passiert?«, fragte ihn einer der Techniker, indem er sich dicht hinter dem Panzer an den Boden duckte. »Ich weiß nicht«, erklärte der Captain. »Ich habe das Gefühl, der Maschinengeist verweigert sich.« Das verwirrte sein Gegenüber. »Wie?« »Was weiß ich?!«, schnauzte Nurin. »Bringen Sie das in Ordnung!« Er wollte gerade anfügen, wie sehr er dem anderen Soldaten den Arsch aufreißen würde, wenn das Problem nicht schnellstmöglich behoben wurde, als sich das tiefe Einatmen von Enforcer zwo in seine Gedankenwelt stahl. Das Geräusch war penetrant und alarmierte Nurin, sofort in Deckung zu gehen, doch er befand sich noch mitten in der Bewegung abwärts, als der über Enforcer eins platzierte Jagdpanzer das Feuer eröffnete. Schier unerträglich Hitze verbrannte dem Captain die Nackenhärchen, und der scharfe Schlag der sich ausdehnenden Luft trieb seinen Kopf gegen den Stahl der Kommandantenkuppel. Leicht betäubt zog er sich wieder in die Höhe. Grässlicher Gestank von verbranntem Haar und Ozon schwängerte die Umgebungsluft. Die Antwort kam postwendend. Ein greller Pfeil rauschte durchs Blickfeld, passierte die beiden Jagdpanzer in nur geringem Abstand und verschwand zwischen den Zierbäumen des Anwesens. Ein trockener Knall erschütterte die Umgebung, riss Ast- und Blattwerk mit grausamer Gleichgültigkeit von den einstmals ansehnlichen Pflanzen. Thronverdammte Scheiße, schoss es dem Desposianer durch den Kopf. Sie haben uns entdeckt. Er wandte sich wieder den Technikern zu. Inzwischen waren weitere Soldaten aus ihrer Deckung gekommen und dazu übergegangen, von langen, buchartigen Protokollen geleitete Hymnen anzustimmen, Anleitungen zum Wiedererwecken der Maschinengeister. Deren praktische Durchführung an dem schweren Generator, dessen Energieausgänge durch Starkstromkabel mit Enforcer eins verbunden waren, teilten sie unter sich auf. »Vergessen Sie die Wiedererweckung!«, schrie der Panzerkommandant die Männer an. »Koppeln Sie uns ab!« »Ja, aber die Maschinengeister«, widersprach einer der Techniker verzweifelt. »Vergessen Sie die Maschinengeister.« Mit einer unmissverständlichen Geste durchtrennte Nurin jeden weiteren Gedanken an die Ausrüstung. »Sie werden es sicherlich verzeihen, wenn wir erst die Stellung räumen und sie in Sicherheit bringen. Sehen sie zu, dass Sie beide Panzer losmachen und dann verschwinden Sie von hier.« Im Geiste betete er dafür, dass er mit seiner Aussage auch wirklich richtig lag. Andernfalls konnte dies hier ihr Ende bedeuten. Eine weitere Granate rauschte über die Jagdpanzer hinweg, schoss durch die Zierbäume und betrat das dahinter liegende Anwesen, um dessen Inventar in einem ungebändigten Wutanfall zu zertrümmern. Nurin verfolgte, wie diese gesamte Gruppe von Technikern aus ihrem Versteck kroch und begann, die schweren Starkstromkabel aus den Anschlussbuchsen unter dem Heck beider Panzerjäger zu lösen, dann setzte er sich die Kopfhörer auf und betätigte das Kehlkopfmikrofon. »Ves?« »Bin schon dabei, Boss.« Nurin nickte, dankbar über die überraschend schnelle Auffassungsgabe des oftmals etwas langsamen Fahrers, dann wechselte er den Funkkreis. »Enforcer zwo, hier Enforcer eins. Melden!« »Hier Enforcer zwo. Melden.« »Rand, die Stellung wurde aufgeklärt. Klar machen zum Wechsel der Position. Umschalten auf internen Betrieb. Melden.« »Hier Enforcer zwo: verstanden. Warten Sie.« Derweil hatten die Soldaten der Instandsetzungsgruppe die Generatoren notabgeschaltet und die Trojan-Zugmaschinen gestartet. Nun lösten sie gerade die letzten Verbindungen zwischen den Panzern und den Generaten. Rands Büste erschien über den Rand der Kommandantenkuppel von Enforcer zwo. Er warf einen Blick auf die hinter dem Panzer arbeitenden Männer, dann sah er zu Nurin. Sein Jagdpanzer spie schwarze Rauchwolken aus. Nurin betätigte das Kehlkopfmikro. »Azrael, hier Enforcer eins, melden!« »Ekko hier. Was gibt†™s?« »Meine Stellung wurde aufgeklärt. Wir stehen unter Beschuss und wechseln die Position. Melden.« »Was denn, jetzt schon?« Ehrliche Überraschung klang in der Stimme des Fragenstellers mit. Nurin sah auf. »Wie bitte?«, entwich es ihm. »Ist das Ihr Ernst?« »Ja.« Heiße und kalte Schauer liefen über den Rücken des Panzerkommandanten, kitzelten ihn mit abartiger Freude. Meinte der Regimentskommandeur das wirklich ernst? Wollte er wirklich, dass Nurin seine Jagdpanzer an Ort und Stelle beließ, bis beide Fahrzeuge zerstört waren? Vorsichtshalber stellte er die Frage erneut, dieses Mal jedoch betont langsam. »Hier Einforcer eins. Bitte bestätigen: Wollen Sie, dass der Feuerkampf aus dieser Stellung fortgeführt wird? Melden.« »Nein«, ertönte die Antwort ebenso betont langsam. »Ich wollte wissen, wie man Sie jetzt schon unter Beschuss nehmen kann. Finden Sie das heraus, sobald Sie eine neue Feuerposition erreicht haben.« »Enforcer Eins: verstanden. Ende.« »An alle 512, hier 0072 Azrael. Der Feind befindet sich im Angriff auf die zweite Verteidigungslinie. Die Linie ist unter allen Umständen zu Halten. Symmetrisches Zurückweichen aller im Kampf stehenden Gruppen erfolgt auf Anweisung. Alle Reserveeinheiten: Positionen für Zurücknahme der Hauptkampflinie in den zweiten Ring einnehmen.« Ein kurzes Knacken in der Sprechanlage ertönte. »Gruppe Enforcer †“ melden Sie sich, sobald Sie die neue Position erreicht haben.« »Hier Enforcer eins. Verstanden. Ende.« »Wir sind fertig!«, rief der Techniker zu Nurin hinauf und verabschiedete sich mit einem kurzen Salut, während seine Kameraden mit den Trojans bereits das Weite suchten. »Möge der Imperator Sie geleiten.« »Enforcer zwo frei in der Bewegung«, bestätigte Rand die Meldung im Funk. Nurin nickte, winkte den ungeschützten Soldaten von dannen und tauchte dann in den gepanzerten Rumpf von Enforcer eins ab. »Zurücksetzen!«, befahl der Kommandant. »Stellungswechsel!«
  6. Salve, ja - der Satz erreicht irgendwie denn Wert eines geistigen Heiligtums ... na ja, obwohl ^^ Allerdings hat mir dabei die nachfolgende Sequenz sehr viel besser gefallen, weil das ganze Konstrukt, das sich Ekko über mehrere Zeilen hinweg aufgebaut wird, einfach so platzt ... *poff*. Aber da hat wohl jeder seine Präferenzen ;-D Nächster Teil kommt ... irgendwann (hoffe ich zumindest)
  7. Salvete, liebe Leser, Es hat wieder einmal ein wenig länger gedauert, bis etwas fertig geworden ist, dafür kommt das neue Kapitel jetzt mit 15 Seiten. Have fun! Hier übrigens besonders, denn dies ist der 100ste Post! Wie immer Dank an Nakago, der den Fluffy korrigiert hat †“ dieses Mal vermutlich mehr Arbeit für ihn als sonst ;-D Mavet Me†™shamaim! Da Sista 33 Die Regimentsuhren deuten bereits an, dass es auf den Abend zuging, obwohl die Sonne nach wie vor hoch am Zenit stand. Noch immer tobte die Schlacht um die Himmelskathedrale mit unerbittlicher Härte, ein wilder Gewittersturm vor der Kulisse einer in Flammen, Rauch und Staub gehüllten Toranlage. Inzwischen hatten es die imperialen Truppen irgendwie fertiggebracht, die grüne Flut hinter die Außenmauern der Kathedrale zurückzudrängen und den Haupteingang zu sprengen. Ununterbrochen röhrten die Motoren der Chimären durch die rapide kälter werdende Luft, während die Schützenpanzer mit ihren Räumschaufeln Sand und Erde herbeischafften, um die provisorische Sperre während des Gefechts weiter zu verstärken. Zwischenzeitlich hatte auch der Beschuss der Ork-Artillerie wieder eingesetzt, ein beständiges Dröhnen und Donnern jenseits der dämpfenden Mauern des Beinhauses. Captain Balgor klopfte seine von Dreck und Blut verkrustete Uniform ab, als er durch den zur Seite gleitenden Vorhang in die improvisierte Kommandozentrale der imperialen Truppen trat. Staub löste sich von seinem Drillich, rieselte als feiner Regen zu Boden. Wie beiläufig ließ der Basteter seinen Blick durch den Raum schweifen, in dem sich bereits ein halbes Dutzend Offiziere versammelt hatten †“ einige von ihnen im selben desolaten Zustand wie er. Ekko stand mit Major Carrick am Rand des Holotisches, auf dem die Abbildung der mächtigen Himmelskathedrale flimmerte und sich bei jedem schwereren Treffer für einen Augenblick verzerrte. Eigentlich wollte Balgor an seinen Freund herantreten, um sein verspätet Eintreffen zu entschuldigen, doch der Vorgesetzte entdeckte ihn, bevor er seine Meldung machen konnte. »Ich habe gehört, Sie feiern da eine Party zu meinem Geburtstag?« Entrüstet schüttelte der Colonel den Kopf. »Sie feiern meinen Geburtstag †“ und ich bin nicht einmal eingeladen?!« Von der unerwarteten Begrüßung überrumpelt, konnte Balgor lediglich die Schultern zucken. »Es war eine Überraschungsfeier«, erklärte er nach eine kurzen Zeit der Ratlosigkeit. »Ich war selbst total überrascht.« Darüber musste der Colonel erst einmal nachdenken. Schließlich neigte er zustimmend den Kopf. »Ja, gut. Den Punkt gestehe ich Ihnen zu.« »Danke, Chef«, erwiderte der rangniedere Basteter erfreut. Gütig winkte Ekko ab. »Kein Ursache. Aber wo wir schon bei Ursache sind«, fügte er nach einer Kunstpause an, »bitte sagen Sie mir, dass mein Trommelfell für eine gute Sache geplatzt ist.« »Ich weiß, was Sie meinen.« Balgor verzog die Mundwinkel zu einem bitteren Lächeln. »Um Captain Retexer zu zitieren: ‚Wir haben es geschafft†˜. Aber ob das wirklich so gut war, müssten Sie entscheiden.« »Sie haben das Tor zurückerobert?«, warf Major Carrick ein, dessen Ohren sich seit dem Vorfall mit Sergeant Krood in ständiger Abhörbereitschaft befanden. »Nein. Wir haben es eher zerstört«, präzisierte der Captain und kratzte sich verlegen am Kopf. »Es ist eingestürzt.« Die Miene des Majors entgleiste mit der Geschwindigkeit eines Schnellzuges auf einer defekten Schienenweiche. Das wohl Schlimmste, was in einer Situation wie der ihren geschehen konnte, war eingetreten: Ihre wohl einzige Rückzugsmöglichkeit war (im wahrsten Sinne des Wortes) zusammengebrochen. Damit ging jede Hoffnung dahin, den Ausbruch aus der belagerten Feste der Kathedralenstadt wagen zu können. »Das ist ein Scherz«, brachte der imperiale Offizier fassungslos hervor. Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. »Nein, leider nicht.« »Ja, in der Tat eine etwas ärgerliche Information.« Im Gegensatz zu Carrick, dessen Gesichtsfarbe mit deutlich steigender Geschwindigkeit in den alarmroten Bereich wechselte, nahm Ekko die Lage mit der objektiven Betrachtungsweise eines Taktikers auf, der eine solche Entwicklung erwartet hatte und nun eine neue Lösung für das entstandene Problem suchte. »Aber gut, da kann man vermutlich nichts machen.« Ein Schulterzucken folgte. »Egal. Könnte sich sogar als hilfreich erweisen.« »Hilfreich?«, murmelte Carrick, entrüstet vom Desinteresse seines Vorgesetzten. Ekko nickte. »Ja. So kann wenigstens keiner weglaufen.« Carrick und Balgor wechselten einen flüchtigen Blick, nicht sicher, was sie von der Bemerkung ihres Kommandeurs halten sollten. Dieser maß derweil seinen Blick mit der Leere des Fußbodens, welche ihm einige neue Gedanken in den Kopf flüsterte. Er runzelte die Stirn und sah auf. »Sagen Sie, Balgor, wer führt jetzt eigentlich Ihre Truppen?« Der plötzliche Themenwechsel, eigentlich typisch für den Basteter, lockte seinen Untergebenen erneut aus der Reserve. Balgor verzog missmutig das Gesicht, als er daran erinnert wurde, dass es für ihn keine andere Möglichkeit gegeben hatte, als seine Soldaten der Person zu unterstellen, der er in diesem Regiment wohl am wenigsten vertraute. »Retexer«, gab er kurz angebunden zurück. »Sie haben Retexer das Kommando über Ihre Truppen übergeben?« Ekko schürzte anerkennend die Lippen. »Mutig. Selbst, wenn es nur temporär ist.« »Punkt für Sie, Chef«, musste der Captain, wenn auch deutlich widerwillig, eingestehen. »Notiert«, schloss der Kommandeur des 512. das kleine Geplänkel ab und wandte sich an die Allgemeinheit der Versammelten. »Also gut. Wir haben wenig Zeit, daher lassen Sie uns anfangen.« Konzentrierte Stille stimmte ihm zu. Die Anwesenden blickten zur hololithischen Anzeige, die das Gebiet der Himmelskathedrale im satten Blau der verbündeten Truppen zeigte, während die rote Flut der Angreifer gegen ihre Mauern brandete. Ekko trat an den Plot und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. »Gute Arbeit«, gratulierte er, ohne sich in langen Einleitungen über die taktische Situation zu verlieren. »Ich bin beeindruckt, dass es Ihnen so erfolgreich gelungen ist, die Grünhäute wieder aus der Stadt zu jagen. Meinen Hut haben Sie!«, er klopfte auf die Schirmmütze, die auf dem Plottisch drapiert lag. »Aber das bedeutet nicht, dass wir uns jetzt zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen können.« Ganz beiläufig versenkte er die Hände in den Taschen seines Drillichs. »Der Feind ist noch immer zahlreich, und sicherlich wird er sich bald neue Gemeinheiten einfallen lassen, um den Wall unserer Verteidigung zu durchbrechen und in das Innere dieser heiligen Stätte vorzudringen.« Er wies auf die hololithische Anzeige, als wäre sie ein Gemälde, über dessen Entstehung er gerade referierte. Synchron zu seiner Bewegung fror das Bild ein, verlosch für eine oder zwei Sekunden, dann spulte es mit hoher Geschwindigkeit zurück. Das um die Außenmauer wogende Meer roter Photonen brach durch die Außenmauer, vermischte sich mit den dort wartenden blauen Photonen, trieb sie gemächlich vor sich her, erstellte leere Quadrate, entschied sich dann anders, zog sich wieder zurück und löschte die Quadrate, bis die Ausgangslage der Schlacht wiederhergestellt war. Es hätte nur gefehlt, dass jemand Staub von der holografischen Mauer fegte. Das Bild fror erneut ein, flackerte und startete dann mit leicht erhöhter Geschwindigkeit die während der Schlacht erstellte taktische Aufnahme. Ekko drehte sich wieder zu den Anwesenden. »Gut fünfzehn Minuten, nachdem die Orks durch den äußeren Ring der Kathedrale gebrochen waren, schafften sie es, eine Lücke in der Verteidigung zwischen den Trupps des zweiten und des zwölften Zugs aufzutun.« Er deutete auf die hoch über dem Projektor flimmernde Darstellung der Himmelskathedrale, durch deren Außenmauer die blutrote Flut des Xeno-Abschaums schwappte. »Noch während die direkt am Feind befindlichen Einheiten versuchten, die über sie hinwegrollenden Wellen von Gegnern zu stoppen, drängten mehr und mehr Xenos in den schnell wachsenden Durchbruch.« Schnell füllte sich das Bild mit leeren Quadraten, die Überbleibsel dessen, was einst imperiale Infanterietrupps gewesen waren. »Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde in die Schlacht hinein begannen die ersten unserer Einheiten die taktische Rückverlegung in den zweiten Verteidigungsring. Ich möchte an diesem Punkt Captain Balgor und Captain Rosol danken, die in ihrer Geistesgegenwart so einen vollkommenen Zusammenbruch der Frontlinie verhindert haben.« Er nickte den beiden Offizieren kurz zu, bevor seine Aufmerksamkeit zu der Holografie zurückglitt. »Zu den Verlusten kommen wir später. Es dauerte fast eine Stunde, bis die Rückzugslinie soweit etabliert war, dass wir einen Gegenangriff starten konnten. Ebenfalls war hier Captain Balgor federführend.« Ein feiner Stachel bildete sich aus der Front der Imperialen, stach tief in das von Licht erzeugte Fleisch des Feindes. »Die nächsten vier Stunden waren unsere Truppen damit beschäftigt, das vom Feind eroberte Gebiet zurückzunehmen und zu befestigen, bis es uns gelang, den Feind aus der Außenmauer zu treiben und diese für ihn zu schließen. Den Knall dürften Sie alle gehört haben.« Ungehaltenes Murren stimmte zu. Es gab wohl niemanden, der nicht durch die mächtige Explosion des Haupttores erschüttert worden war. »Dafür zeichnete Captain Retexer verantwortlich.« Ekko verschränkte die Arme hinter dem Rücken. »Ich überlege noch, ob ich ihm dafür wirklich dankbar sein sollte. Durch diese †“ nennen wir es einfach einmal ‚Operation†˜ †“ wurde das Haupttor der Außenmauer gesprengt und versperrt. Somit sind uns alle Möglichkeiten, diese Kathedrale in einem Ausfall zu verlassen, genommen worden.« »Würde es denn einen Unterschied machen, ob wir hier kämpfend zugrunde gehen oder bei dem Versuch eines Ausbruchs aus dem Kessel massakriert werden?«, wandte Captain Tand fragend ein. »Macht es einen Unterschied, ob ich Ihnen ins Gesicht schieße oder in den Rücken?«, gab Ekko rhetorisch zurück. Der rangniedere Offizier schloss mit vernehmlichem Klicken den Mund. »Ein Ausbruch wäre uns sowieso nicht gelungen«, fügte Captain Dees an. Der Kommandant des dreiundzwanzigsten Zugs kniff nachdenklich die Augen zusammen. »Aber was mich viel eher interessiert, Sir, weshalb haben wir nicht †“ wie geplant †“ die Generatorgebäude gesprengt und sind in den zweiten Ring ausgewichen?« »Da müssen Sie dem Munitorium danken.« Ekko neigte seinen Kopf in Richtung der Munitoriumsangestellten, die am Rande ihrer Runde standen, sich aber urplötzlich im Zentrum des Interesses wiederfanden. »Aufgrund der Tatsache, dass weder die Raketenbatterien zur Feuerunterstützung, noch die Generatorgebäude zur Sprengung vorbereitet waren, stand ein Rückzug nicht zur Debatte.« Das leuchtete ein. Jeder von ihnen hatte in den vorherigen Besprechungen erkannt, wie wichtig die Feuerunterstützung und die Neutralisierung der Schildgeneratoren waren, um einen gedeckten Rückzug in den zweiten Ring der Kathedrale zu ermöglichen. Mehrere Dutzend Augenpaare warfen sich vielsagende Blicke zu, vernichteten das verbliebene Selbstvertrauen der Administraten mit deutlicher Sprache. »Inzwischen hat die Führung des Munitoriums gewechselt«, tat der Colonel kund, um die Aufmerksamkeit der Männer zurück auf sich zu lenken. Er blickte in überraschte Gesichter. »Daher bin ich mir sicher, dass wir, sollten wir noch einmal in eine ähnliche Lage wie heute kommen, entsprechend darauf reagieren können.« Er gab den Offizieren kurz Zeit, ihre Gedanken zu sammeln und sich darüber klar zu werden, dass augenscheinlich er den vorherigen Obersten des Munitoriums ‚abgesetzt†˜ hatte. Und tatsächlich ließ sich in den Gesichtern einiger Offiziere erkennen, dass sie ihre bereits festgesetzte und eingerahmte Meinung über ihn zu revidieren schienen, während er zu dem Thema zurückkam, das ihm im Augenblick am meisten Sorgen bereitete. »Sie haben den Verlauf der Schlacht gesehen, meine Herren †“ ein Teil von ihnen hat daran sogar teilgenommen. Ich bitte um Ihre Meinungen«, adressierte Ekko seine Untergebenen mit einem kritischen Blick, der besonders die Captains bedachte, die soeben von der Front zurückgekehrt waren. »Sehr professionell«, bemerkte Balgor sorgenvoll. »Die Xenos waren gut organisiert und haben sich schnell und gnadenlos durch unsere Linien gearbeitet.« Rosol an seiner Seite nickte. »Dasselbe beim Gegenstoß. Wir hatten wirklich schwer zu kämpfen, den Angriff zu stoppen und zurückzuschlagen.« Ekko nickte. »Irgendetwas von der gepanzerten Truppe?«, wandte er sich an die anwesenden Fahrzeugführer der Schützenpanzer und Jagdpanzer. Captain Nurin hatte bereits für sich entschieden, der Besprechung nicht beizuwohnen und stattdessen seinen Stellvertreter, Lieutenant Rand, geschickt. Inmitten der vielen ranghöheren Offiziere kam sich der Panzerkommandant offensichtlich unwohl vor, weswegen er lediglich eifrig den Kopf neigte und ganz offensichtlich hoffte, der Kelch eines Wortes möge möglichst schnell an ihm vorübergehen. »Ich kann dem nur zustimmen«, sprach ein anderer Lieutenant glücklicherweise aus und erlöste den Panzerjäger somit von der Pflicht, selbst ein Wort zu verlieren. »Der Angriff der Xenos besaß eine ungewohnte Härte. Man könnte fast von einem Ansatz von … ‚Taktik†˜ sprechen.« Ganz eindeutig vermied er den Begriff ‚Professionalität†˜. Das war etwas, das Xeno-Abschaum nicht besaß. Ekko ließ seinen Blick weiterschweifen. Die meisten seiner Offiziere nickten, sagten aber nichts. Ihnen allen war klar, dass er selbst einen recht genauen Überblick über ihre Lage besaß und diesen lediglich untermauert oder widersprochen sehen wollte. »Das bestätigt den Eindruck, den wir hier oben gewonnen haben«, fasste der Colonel seine Sicht zusammen und ließ die Augen zu seinem Stellvertreter schweifen, der ihn seinerseits ernst ansah. »Und auch ihr bisheriges Verhalten. Es kommt einem fast so vor, als wenn sich die Grünhäute nicht nur zusammengerottet haben, sondern auch eine verhältnismäßig straff und taktisch organisierte Führung besitzen.« Er ließ die Worte für einige Momente im Raum stehen, bevor er zu einer größeren Erklärung seiner Ansicht ausholte. Vermutlich wäre das nicht nötig gewesen, denn jeder der Offizier hatte die heftigen Abwehrkämpfe im äußersten Ring der Kathedrale mitbekommen und daraus seine eigenen Schlüsse gezogen. »Wollen Sie sagen, dass diese Grünhäute geführt werden?«, rief Captain Dees aus. Der Unglauben auf seiner Miene deutete an, dass er noch nie einen Ork-Angriff auf Bastet III erlebt hatte. »So unmöglich ist das nicht«, erwiderte Balgor mit vielsagender Gestik. »Je nach Einfluss eines bestimmten Bosses oder sogar Oberbosses rotten sich Orks zu kleineren oder größeren Horden zusammen und sind dann zu erstaunlichen Leistungen fähig.« Dass er damit eine bereits zu früherer Zeit getroffene Aussage Colonel Ekkos wiederholte, interessierte dabei niemanden (einmal abgesehen von der Tatsache, dass die Worte des Regimentskommandeurs bei den meisten der Offiziere sowieso längst einem stressbedingten Fall von Alzheimer zum Opfer gefallen waren). Dees stieß abschätzig Luft aus. »Und woher wollen Sie das wissen?« »Erfahrung«, schoss eine andere Stimme dazwischen. Zur Überraschung war es die ihres Majors. »Haben Sie jemals einen Überfall der Orks auf Bastet III miterlebt?« Der rangniedere Offizier schwieg betreten, doch das war es nicht, was einen weiteren vernichtenden Angriff von Seiten Major Carricks auf ihn verhinderte. »Wie sieht es mit unseren Verlusten aus?«, warf Captain Solmaar ein, strangulierte somit die sich entwickelnde Grundsatzdiskussion galant und verhinderte gleichzeitig, dass Colonel Ekko die Gelegenheit erhielt, eine zweifelhafte Motivationsrede zu halten. »Wir sind noch immer dabei, die tatsächlichen Verluste zu ermessen, aber nachdem, was wir bisher wissen, dürfte sich die Anzahl der Toten bei ungefähr einhundertneunzig einpendeln«, antwortete Carrick, dankbar über die wohlkalkulierte Unterbrechung und strich sich durch sein blondes Haar. »Ist das gut oder schlecht?«, versuchte sich Tand ein Bild zu machen. »Im Verhältnis zu den eigenen Abschüssen ist das außerordentlich gut. Im Verhältnis der uns zu Verfügung stehenden Truppen allerdings …« Carrick konsultierte eine unendlich wirkende Zeitspanne lang das Wörterbuch der Stille, ließ die Sekunden für ihn in den vergilbten Seiten der Erinnerung wühlen, bevor er sich zu einer recht deutlichen Beschreibung der Lage durchrang, »sollten wir uns keine Hoffnung auf ein Überleben machen.« Das saß. Obwohl es eigentlich allen bereits klar gewesen war †“ die Vorübungen am Hologenerator und die Besprechungen mit den Vorgesetzten hatten keinen Zweifel an dem gelassen, was ihnen bevorstand †“ brauchten die Männer etwas, um das Eingeständnis zu verdauen. »Ihre Zuversicht motiviert mich ungemein, Major.« Abwesend zog Ekko die Stirn kraus und klopfte leise auf den Plottisch, was einen schaurigen Hall durch das Beinhaus jagte. Dass ihn die Verluste des Regiments beschäftigten, war keine wirkliche Überraschung. Ekko hing zu sehr an seinen Männern, als dass er sie freiwillig dem Tod preisgegeben hätte. Dass er allerdings in sich kehrte und gedankenverloren vor sich hin meditierte, kam eher selten vor und war, selbst in Bezug auf seinen in der Regel ernsten Umgang mit Verlusten unter seinen Leuten, recht ungewöhnlich. »Und was steht uns noch an schwerem Gerät zur Verfügung?«, erkundigte er sich nach einer Weile. »Jagdpanzer?« »Die Destroyer sind unbeschädigt«, meldete Lieutenant Ves sofort. Der Kommandant der abgeteilten Transporter und Schützenpanzer hängte seinen Bericht gleich hinter die Meldung des Panzerkommandanten. »Hinzu kommen siebzehn Salamander und zweiunddreißig Chimären.« »Zweiunddreißig Chimären?!«, rief Fendel aus. »Wir waren doch bei einundvierzig!« »Es tut mir leid, Sir«, rechtfertigte sich der Mann. »Aber ohne Infanterieunterstützung ist selbst ein Infanterieabwehrpanzer wertlos.« Die unverhohlene Anklage verfehlte ihre Wirkung nicht, auch wenn sie in die vollkommen entgegengesetzte Richtung dessen ging, was der Panzersoldat eigentlich beabsichtigt hatte. Unwilliges Murren klang an, wie das anschwellende Summen in einem wütenden Bienenstock, tiefes Missfallen über den offenkundigen Angriff eines Panzerfahrers, der außer der beengten Umgebung in seinem Eisensarg nicht viel vom Leben verstand. »Was soll denn das bedeuten?«, rief Captain Dees aus. Der Panzerzugführer wandte sich ihm zu und setzte gerade zu einer harschen Erwiderung an, als eine verbale Ohrfeige durch das Gebäude schallte. »Es reicht!«, bellte Ekko. Seine Stimme hallte sprang zwischen den Wänden des Beinhauses umher, erschlug die aufkeimende Konfrontation mit der Präzision eines Flächenbombardements. »Ich weiß nicht, wer sich hier von wem verlassen fühlt …« Bereits während er diese Worte aussprach, entdeckte sein Verstand eine bemerkenswerte Verbindung zwischen der sich entwickelnden Atmosphäre und seiner Beziehung zum Gott-Imperator und dem Universum … auch, wenn es da vermutlich nicht einmal eine Verbindung gab, »aber bleiben Sie fokussiert, thronverdammt! Wir haben eine Aufgabe vor uns! Und selbst, wenn ich als Kommandeur dieser Einheit den Auftrag habe, den Feind von diesem Ort fernzuhalten, kann ich das nur schaffen, wenn Sie mir helfen und sich nicht gegenseitig mit der Stiefelspitze im Verdauungstrakt rumstochern! Dämlich sein können Sie woanders †“ Sie alle! Also hören Sie gefälligst mit dem Mist auf!« Betretenes Schweigen kehrte ein, nahm mit der Präzision eines frisch ausgebildeten Rekruten Haltung an. »Weiter im Text«, grummelte der Colonel, während er einen ätzenden Blick auf seine Untergebenen herniedergehen ließ. »Die Panzer sind durch. Was ist mit der Luftunterstützung?« »Dann haben wir noch drei Walküren …« »Zwei«, verbesserte Balgor. »Eine davon ist explodiert.« Carrick schüttelte den Kopf, erbost über die unerwünschte Unterbrechung. »Nein, drei. Vorher hatten wir vier.« Der Captain schloss mit vernehmlichem Geräusch den Mund und hob die Augenbrauen. »Ach ja, richtig.« »Die abgeschossene Walküre ist ein Totalverlust. Die Einheit wurde beim Aufschlag vernichtet, ebenso ein Wohnblock. Kleinere Feuer wüten noch in der Umgebung, aber diese dürften im Laufe der Nacht ausbrennen«, präzisierte der Major den Verlust, ohne auf Captain Balgors neuerliche Bemerkung einzugehen. »Können wir die Teile der abgestürzten Maschine ausschlachten und verwerten?« »Da ist nicht mehr viel zum Verwerten, Sir«, wusste einer der Maschinenseher mit hallender Stimme ergänzend zu berichten. Ekko verzog das Gesicht, mehr über die unerfreuliche Information angegriffen als über die metallen scheppernde Traurigkeit, die dieses Wesen als seine Stimme zu bezeichnen wagte. »Das ist natürlich ärgerlich.« Ein kurzer Moment unruhiger Stille folgte. »Was ist mit dem Sky Talon? Ist er bereits wieder einsatzbereit?« »Nein«, enttäuschte der Techpriester Ekkos Hoffnungen nur äußerst ungern. »Bisher ist es uns nicht gelungen, den Maschinengeist wieder zu wecken. Wir verdoppeln unsere Bemühungen«, fügte er eilends an, um die finstere Miene des Festungskommandanten zu besänftigen. »Gut«, gab Ekko launisch zurück. »Aber sind Sie sich sicher, dass das etwas bringt? Ich meine: So viel Massageöl, wie sie auf den Flattermann verwandt haben - müsste der arme Geist da nicht bereits ausgeglitscht sein und sich das Genick gebrochen haben? Wollen Sie nicht doch lieber etwas anderes versuchen? Ein Ritual des Fußtritts vielleicht?" Rasselndes Zischen rauschte an die frische Luft, übertrug die Schwingungen halbmenschlichen Unmuts in den Raum. »Colonel! Die Wiedererweckung eines Maschinengeistes ist eine überaus heilige Prozedur! Wie können Sie es wagen …?« »Wie können Sie es wagen, meine kostbare Zeit mit Ihren Unzulänglichkeiten zu stehlen?«, schoss der Colonel zurück. Er fasste sich entnervt an den Kopf und versuchte, seinen vorherigen, inzwischen in wilder Flucht befindlichen Gedanken erneut zu greifen. »Carrick, ich benötige noch einmal die Aufstellung aller Regulären und Irregulären … wie viele haben wir jetzt noch?« Seine Hand wedelte unterstreichend in Richtung holografische Kathedrale. »Uns bleiben †“ je nach Lage der Verletzten †“ so ungefähr tausendneunhundert Soldaten des Regiments, dazu die achtzig Infanteristen von Lieutenant Valeen und Kommissar Reit.« Bei der Erwähnung des ominösen Kommissars, der wohl offensichtlich da, aber bisher noch nicht gesichtet worden war, verfinsterte sich die Miene des Regimentskommandeurs erneut. »Außerdem sind uns zweitausendneunhundert Munitoriumsangestellte verblieben und tausendneunhundert Zivilisten.« »Verstehe.« Ekko verschränkte nachdenklich die Arme und strich sich mit der Linken über seinen unsauberen Drei-Tage-Bart. Ein neuer Plan begann, sich durch seine Gehirnwindungen zu schieben, zog ein Buch mit unkonventionellen Ideen aus dem Taktik-Regal, konsultierte danach die Erlebnisse der letzten Tage und den Erfahrungsschatz des Colonels, naschte schlussendlich an der Schublade des Wahnsinns und schickte sich dann an, mit erstaunlicher Lebensfreude zu Tage zu treten. »Ich würde gern noch einmal die Verteidigung des ersten Rings ansprechen.« Balgor verschränkte die Arme vor der Brust und vollführte mit der noch freien Hand eine knappe, erklärende Geste in Richtung des hololithischen Bilds, das kalte Energie in den Raum abstrahlte. Ekko nickte einladend, kaum dass seufzend er festgestellt hatte, dass sein Gedanke soeben geplatzt war. »Fahren Sie fort.« »Unsere Schützengräben sind im Grunde nicht mehr existent«, führte der Captain seine Zuhörer tiefer in die Problematik, während er Captain Rosol einen Blick zuwarf. Der andere Offizier neigte zustimmend den Kopf. »Wir haben das gesamte Areal total zerstört. Um es kurz zu machen: diese Trümmerlandschaft zu halten, ist fast erfolgversprechend wie eine Paarung zwischen einem Tau und einem Kroot. Nichts für ungut, Sergeant.« Schallendes Gelächter brandete auf, drosch mit der Gewalt einer Sturzwelle auf die Wände und Pfeiler des Raumes ein. Sämtliche während der letzten Stunden aufgestaute Spannung entwich in die vom Schweißgeruch geschwängerte Luft, presst Sorgen und Nöte für einige Momente durch die Ritzen in den verbarrikadierten Fenstern und das flatternde Tuch des Haupteingangs aus dem Raum. Erleichterung wehte mit der zurückströmenden Luft in das Beinhaus, befreite die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wenigstens für einen Moment lang von der schweren Last der Verantwortung und dem Stress der Schlacht. Lediglich Gren Krood fand nicht so recht in den Humor der Situation. Tatsächlich zeigte die Miene des Elite-Unteroffiziers keinerlei Regung. »Ich werde es überleben«, nahm er den plötzlichen Heiterkeitsausbruch der Offiziere hin, jedoch nicht, ohne eine leise, boshafte Warnung in Richtung des Basteters auszusprechen: »Ob man das auch von Ihnen sagen kann?« Seine Worte gingen im Lachen der Umstehenden fast vollkommen unter, lediglich Major Carrick registrierte die Drohung und verengte alarmiert die Augen. Ekko hingegen war bemüht, die soeben verlorene Kontrolle über seine Besprechung zurückzuerlangen. »In Ordnung, Leute †“ Gelächter aus.« Ein breites Grinsen entwertete seine Worte vollkommen. »So lustig fand ich das nun auch nicht.« Mit der Urplötzlichkeit eines Erschossenen fielen seine Mundwinkel zurück in die von ihm stets zur Schau getragene neutrale Position, die seinem etwas verwirrten Aussehen zuarbeitete. »In Ordnung. Dann ziehen wir unsere Verteidigung zurück. Und ich meine: weit zurück. Lassen sie ein paar Trupps für die Aufklärung vorn, der Rest besetzt …« Er überlegte kurz. »Bis wohin reichen die Zerstörungen?« Seine Aufmerksamkeit marschierte in Richtung Balgor. Der Captain kratzte sich am Kopf und versuchte, die Aufzählung der Schäden von der Außenmauer in Richtung Stadtkern hin zu staffeln. »Also die erste Verteidigungslinie kann man kaum noch besetzen. Die Gebäude …« Allerdings verwarf Ekko weitere Ausschweifungen mit einem Wink seiner Hand. »Wir haben wenig Zeit«, erinnerte er seinen Untergebenen. »Bis wohin reichen die Zerstörungen?« Balgor dachte einige weitere Sekunden länger nach, bevor er zuließ, dass sich seine Schultern in einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Vermutung hoben. »Kann ich nicht genau sagen. Auf jeden Fall nicht bis in die zweite Defensivstellung.« Das genügte als Antwort. »In Ordnung«, entschied der Colonel. »Dann verlegen wir die Truppen in die zweite Abwehrstellung und setzen unsere Verteidigung dort neu auf.« Die Männer nickten verstehend. »Und wenn Sie bereits dabei sind, dann präparieren Sie das Gelände ein wenig.« »Präparieren?« »Ja.« Ekko wischte Balgors Verwunderung mit einer Kopfbewegung zur Seite. »Präparieren.« Er brauchte kurz, um seine wild umherschwirrenden Gedanken zu fangen und auf dem Reißbrett des Sprachzentrums in eine geordnete Form zu bringen, bevor er sie seinen Untergebenen skizzierte. »Wenn wir uns tiefer in die Stadt zurückziehen, geben wir damit Raum frei, den die Orks ungehindert nutzen können, um sich an unsere Linien heranzuarbeiten. Besonders in der †“ wie Sie bereits richtig sagten, Balgor †“ Trümmerlandschaft der ersten Wohnblöcke können die Grünen so mit Glück über unsere Stellungen herfallen, bevor wir überhaupt realisieren, dass sie uns erreicht haben.« »Das wäre blöd«, bemerkte Balgor, ein gern getätigtes Statement seines Vorgesetzten modifizierend. »Richtig. Das wäre in der Tat …« Ekko suchte nach einem adäquaten Wort, das das sprachliche Unterstatement ihrer Situation überflügelte, doch brauchte nicht lange, bis ihm aufging, dass das Problem genau das war, was man ihm vorwarf: »Blöd.« »Und was haben Sie sich gedacht, um das zu verhindern?«, wollte ein anderer Captain wissen. »Wir bauen einen Kanal.« In einer knappen Geste formte der Colonel ein V mit seinen Armen, skizzierte die Idee, die sich hinter seinen Worten versteckte. »Wir zwingen den Feind, direkt in unser Abwehrfeuer zu laufen.« »Und wie sollen wir die Gegner in diesen ‚Kanal†˜ leiten?«, wandte Fendel ein. »Die Straßenzüge sprengen?« »Unter anderem.« Ekko nickte. »Außerdem alles, was wir noch so an Explosionsmaterial haben, verlegen. Sprengfallen, Landminen †“ eben alles, was fetzt. Der Feind darf keine andere Möglichkeit mehr haben, als den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.« »Alles verlegen, was fetzt«, sinnierte Solmaar den grundsätzlichen Plan resümierend. »Und dann?« »Dann beten wir, dass der Gegner auch wirklich den Weg des geringsten Widerstands geht.« Ekko hob zur Verdeutlichung, dass auch ihm nicht mehr einfiel, die Schultern. »Mehr, als ihm die anderen Sektoren der Stadt unappetitlich zu machen, können wir nicht.« Die Offiziere nickten verstehend. »Sind denn aus den anderen Sektoren irgendwelche Unregelmäßigkeiten gemeldet worden?«, wandte sich der Regimentskommandeur an seinen Stellvertreter, um sicher zu gehen, dass er wirklich nichts übersehen hatte. Carrick schüttelte den Kopf. »Nein, Sir. Keine Unregelmäßigkeiten, keine Kontakte, keine Einbrüche. Zumindest ist mir nichts gemeldet worden«, schränkte er seine Aussage sofort wieder ein. »Na ja«, gab Balgor zu bedenken, während er sich durch den Bart strich, »Tote machen sicherlich keine Meldung mehr.« »Danke für diese Erkenntnis«, wehrte Ekko jedes weitere Wort und jeden Gedanken in diese Richtung ab. »Bestehen dazu Fragen? Oder gibt es noch irgendetwas, das ich wissen sollte?«, fragte der Colonel in die Runde. »Oder etwas, das ich gerne wissen würde, Sie mir aber nicht erzählen möchten?« Die Offiziere schwiegen, warteten auf das Kommende. »Nein? Gut, dann hier mein Vorhaben soweit«, präsentierte der Regimentskommandeur seinen neuen, in den letzten Minuten gefassten Plan. »Wir verlegen die Verteidigung wie besprochen zurück und präparieren das Gelände, um den Feind in unsere Arme zu treiben.« Er pausierte und gab den Anwesenden gnädig Zeit, den Plan in sich aufnehmen, bevor er fortfuhr: »Da unsere Front bereits sehr stark ausgedünnt ist, möchte ich außerdem, dass die kämpfende Truppe und die Reserve durchtauschen.« Er wandte sich an Carrick. »Veranlassen Sie das.« Der Major versteifte sich. Man konnte ihm ansehen, dass er über diesen Befehl nicht wirklich glücklich war. Ein Tausch der Truppen, ein Durchwechseln der am Feind befindlichen Einheiten, wurde in größeren Armeeinheiten durchaus praktiziert, da es sich dort lohnte, bereits erschöpfte Regimenter durch frische Truppen zu ersetzen. In einem derart beengten Raum wie der Himmelskathedrale jedoch, wo man abgekämpfte Truppen nur gegen abgekämpfte Truppen austauschen konnte, ergab ein früher Einsatz der eigenen Reserven im Grunde keinen Sinn. Er kostete lediglich wertvolles Personal, das man später unter Umständen vorteilhafter hätte einsetzen können. Dem entgegen jedoch stand die Tatsache, dass die direkt an der Front befindlichen Züge des 512. bei weitem nicht mehr die Größe und Schlagkraft aufbringen konnten, um einem erneuten Sturm der Xenos entgegenstehen zu können. So blieb dem Festungskommandanten also wirklich nichts anderes übrig, als seine verbliebenen Ersatzmannschaften in Marsch zu setzen und die Verteidigung übernehmen zu lassen, während die vormalige Front nun zur Reserve wurde. Niemand verstand dieses Dilemma besser als der stellvertretende Regimentskommandeur, doch das machte die Entscheidung seines Vorgesetzten für ihn auch nicht wirklich besser. Und die Sorge, die tief in Colonel Ekko zu rumoren schien, ging viel weiter. Seit nächster Befehl zeigte bereits mehr als deutlich, wie er über ihre Situation dachte. »Und lassen Sie die Toten nach Ausrüstung durchsuchen. Alles, was noch verwendbar ist, abrüsten und an die kampfbereiten Zivilisten weitergeben.« »Colonel!« Carrick bedachte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick, den der Vorgesetzte jedoch gekonnt ignorierte. »Wird Zeit, dass wir die Miliz ausrüsten und darauf vorbereiten, als Reserve bei Bedarf sofort in den Kampf zu gehen«, entschied er zur Entgeisterung seiner Zugkommandeure. »Colonel, wir haben nicht mal zweihundert Mann verloren und Sie wollen die Reserve vorbereiten?«, sprach sein Stellvertreter aus, was der Großteil der Offizier in dem Raum dachte. Ekko hob entschuldigend die Achseln. »Besser früh, als später gar nicht mehr.« Enttäuschung über das augenscheinlich verlorene Vertrauen seines Vorgesetzten in die Soldaten tränkte die Stimme Captain Prishs. »Das ist hart, Colonel.« »Nein, das ist realistisch. Hart ist ein Brot von vor zwei Wochen.« Der Regimentskommandeur kratzte sich am Kopf. »Dabei fällt mir ein: Aufgrund der sich schnell ändernden Lage im Kampfgebiet möchte ich einen vorgeschobenen Beobachtungsposten einrichten.« Der Raum atmete überrascht ein. Dass Ekko sich gerne in Gefahr begab, war allgemein bekannt, auch wenn die Meisten sein Verhalten eher auf ein stets präsentes Maß an Heldentum zurückführten. Dieses plötzliche Vorhaben allerdings hob den Wahnsinn, der wirklich hinter den ‚Heldentaten†˜ stand und von dem nur wenige wussten, in vollkommen neue Sphären. Balgor zog eine Augenbraue hoch und bereitete sich darauf vor, Kritik an dem Vorhaben des Regimentskommandeurs zu üben, doch Major Carrick war, wieder einmal, schneller. »Das halte ich für keine gute Idee, Sir«, lotete er vorsichtig seine Möglichkeit zum Widerstand aus. »Damit war zu rechnen«, erhielt er zur Antwort. »Deswegen habe ich mir auch in langen Stunden reiflicher Überlegung eine passende Antwort zurechtgelegt.« Ekko atmete tief ein, um das Ergebnis seine Überlegung nach der Kunstpause kundzutun. Die Offiziere hingen an seinen Lippen. »Einwand notiert.« In einem einzigen, lang anhaltenden Atemzug entlud sich die aufgebaute Spannung in den zerstörten Raum, der nun ihre Kommandozentrale war, sodass selbst das leise Säuseln der portablen Lüftungsanlagen in dem Geräusch ertrank. Die Antwort, prägnant und vielsagend zugleich, war zwar typisch für den Colonel, aber doch immer wieder eine Überraschung. »Das ist alles?«, brachte Carrick hervor. Wieder einmal durch seinen Vorgesetzten mit einer kurzen Gegenbemerkung ausmanövriert und in seinem Status als zweiten Mann im Ranggefüge des Regiments unterminiert, blieb ihm nichts anderes übrig, als fassungslos neben dem Colonel zu stehen und dessen beinahe fröhlichen Widerstand hinzunehmen. Ihn auf mehr oder weniger direkte Weise auf sein wenig vorbildliches Verhalten hinzuweisen hätte der stets korrekte stellvertretende Regimentskommandeur nie gewagt. Vermutlich war das der Grund, aus dem sein Kommandeur sich regelrecht in der Machtlosigkeit des Rangniederen suhlte. »Ja.« Ekko nickte. »Ich feile noch am Satzbau, aber im Grunde †“ ja.« Er wartete ein wenig länger, um Carrick Gelegenheit für eine Erwiderung zu geben. Der Major jedoch schwieg, und der Colonel wandte sich wieder den Männern zu. »Irgendwelche Fragen? Einwände vom Munitorium? Nein? Gut, dann Tod und Verderben, meine Herren!« Mit einer deutlichen Geste scheuchte er die Offiziere in Richtung Ausgang. Die Gruppe löste sich auf. Sogar Carrick, in dem sich in den letzten Minuten höchstwahrscheinlich eine übermnäßige Wut über seinen uneinsichtigen wie willensstarken Vorgesetzten aufgestaut hatte, nutzte die Möglichkeit, sich außer Armes- und Hörreichweite zu bringen. Lediglich Captain Balgor blieb zurück. »Damit haben wir sie doch schon etwas dezimiert, oder?«, fragte er, die Antwort bereits wissend und strich sich beunruhigt über das zerschundene Gesicht. Ein gutes Dutzend Schnitte hatte sich während der Schlacht in seinem Antlitz festgebissen, zierte es mit den nur bedingt dekorierenden Furchen oberflächlicher Hautverletzungen. Wenn sein Gesicht wirklich so aussah, wie es sich anfühlte, dann besaß es inzwischen eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Lageplan eines Grabensystems. »Ja«, stimmte Ekko zu. Er deutete nachlässig auf die Karte, die ihnen ein recht gutes Bild von ihrer Lage vermittelte: eine kleine Insel aus blauen Photonen inmitten einer roten Flut. »Aber es sind noch immer reichlich Gegner da.« Er kratzte sich am Kopf. »Wissen Sie, was mir wirklich fehlt?« »Nein. Was denn?« »Ein irrwitziger Plan, mit dem ich die Orks zähmen und auf ihnen nach Bastet reiten könnte.« Aus den Augenwinkeln konnte man erkennen, wie die in der Kommandozentrale verbliebenen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften aufsahen und bedeutungsschwere Blicke tauschten. Ihr Kommandeur war schließlich doch vollkommen verrückt geworden. »Ich denke, ich sollte zu meinen Männern zurückgehen«, beschloss der Captain vorsichtshalber. Er hatte die Reaktion der Männer nicht genau gesehen, aber er fühlte ihre Blicke. »Wenn ich noch länger weg bleibe, begeht Jelard höchstwahrscheinlich Selbstmord.« Sich den letzten Teil des Satzes zu verkneifen, fiel ihm erst ein, als er ihn bereits ausgesprochen hatte. Das war nicht gut. Verdammt seiest du, Colonel Ekko, dass du mich immer wieder dazu verleitest! Wie vom Sarkasmus der Bemerkung in den Hintern gestochen, richtete sich sein Gegenüber abrupt auf und klatschte bedeutsam in die Hände. »Thronverdammt!«, rief er aus, bevor sein Kopf in Richtung des Captain herumschoss. »Danke, dass Sie mich daran erinnert haben! Jetzt weiß ich wieder, woran ich die ganze Zeit nicht gedacht habe!« Ein abgespanntes Seufzen antwortete ihm. »Colonel, bitte sagen Sie mir, dass das nicht wahr ist.« Ekko allerdings achtete gar nicht mehr auf Worte, die ihm sein Untergebener entgegenwarf. Bereits von einer neuen fixen Idee infiziert und somit unempfänglich für sämtliche Warnungen, bahnte sich der imperiale Offizier einen Weg in Richtung Plottisch. Im Vorbeigehen fischte er zielsicher seine Schirmmütze von der Projektionsfläche. »Wenn Sie wirklich so dringend ein Buch schreiben wollen, dann entwerfen Sie doch einen Nachruf auf mich. Titel: die endlosen Leiden des Colonel E.« Ohne in der fließenden Bewegung innezuhalten, setzte sich der Regimentskommandeur die Mütze auf den Kopf und korrigierte den Sitz der eckigen Staubschutzbrille. »Legen Sie mir das fertige Manuskript zur Durchsicht vor. Bis dahin gehe ich noch ein bisschen frische Luft schnappen.« Balgor verfolgte wortlos, wie sein Freund den Uniformdrillich glatt zog, ihm zunickte und dann in Richtung Ausgang marschierte. Erst, als Ekko bereits durch den blickdichten Vorhang schritt, der die Kommandozentrale vom Rest des Beinhauses trennte, geriet er selbst in Bewegung. »Warten Sie, Colonel. Ich komme mit. Wer weiß, ob Ihre Feldbluse der Belastung dieses Mal standhält.« *** Die Nacht verlief relativ ruhig, auch wenn das donnernde Toben der Orks vor den Mauern der Himmelskathedrale düsteren Vorahnungen durch die Köpfe der Überlebenden trieb. Das Umfeld der Kathedrale loderte mit der Heftigkeit eines schweren Sommergewitters, ein gewaltiger Feuersturm, der die Ebene verkohlte. Scheppernder Geschützdonner brandete über die schweren Mauern hinweg, ließ die gesamte Stadt bis in ihr Fundament erbeben. Grell pfeifende Artilleriegeschosse verfingen sich mit demselben Geräusch im energetischen Schutzschild, mit dem man normalerweise gegen eine Tür aus Gummi trommelt. Die Luft diesseits und jenseits der Mauern flimmerte, so heiß brannte sich das Geschützfeuer in den steinernen Außenwall der Kathedralenstadt. Und doch gelang es dem Feind nicht, den meterdicken Steindamm zu durchbrechen, noch konnte er eine Lücke in die energetische Barriere schlagen, welche die Überlebenden des Massakers von Agos Virgil schützte. Selbst das eher notdürftig versperrte Haupttor hatte bisher allen weiteren Angriffen Stand gehalten. Dafür allerdings brachen die Xenos Stück für Stück durch den Inneren Wall. Durch die Mauer, mit der sich jede noch lebende Seele umgab. Das Mündungsfeuer ihrer Waffen brannte den Makel der Verzweiflung tief in die Gemüter. Das Donnern ihrer Geschütze erschütterte den Glauben bis in das tiefste Fundament der menschlichen Herzen. Und die Hitze schließlich versengte den letzten Funken Hoffnung, die Imperialen könnten ihre Stellung vielleicht doch gegen den Feind behaupten. Sergeant Kleit stand beim improvisierten Landefeld, das die Basteter und die ihnen angeschlossenen Einheiten der Instandhaltung auf dem Vorhof der Kathedrale errichtet hatten und zog hinter vorgehaltener Hand lang und ausgiebig an seinem Lho-Stäbchen. Seitdem man ihn und die Reste seiner Einheit von der Front abgezogen hatte, hatte er im Rücken der nun an der Front befindlichen Truppe mit seinen verbliebenen Soldaten Männer der sich neu formierten Irregulären ausgestattet und ein wenig Ausbildung betrieben. Eigentlich viel zu wenig, bedachte man die Knochenmühle, die dort draußen darauf wartete, eine Lücke in der Verteidigung aufzutun und sie alle massakrieren zu können. Diese Aufgabe hatte ihn bis in die späten Nachtstunden beschäftigt, sodass er erst jetzt die Gelegenheit fand, Körper und Geist ein wenig Ruhe zu gönnen. Als wenn es an diesem Ort jemals so etwas wie Ruhe gegeben hätte. »Unwahrscheinlich, dass bei dem Lärm irgendjemand schlafen kann«, grummelte eine von Schmerzmitteln vernebelte Stimme neben ihm. »Ja«, erwiderte Kleit und nahm einen weiteren Zug. »Aber abgesehen davon kann man die Nacht durchaus als ruhig bezeichnen.« Sie schwiegen wieder. Es dauerte nicht lange, da schwoll über ihnen dumpfes Heulen an. Die schweren Turbinen von Vector-Turbojets wurden angeworfen. Und schon wenig später drang das scharfe Kreischen einer herniedergehenden Walküre an ihre Ohren. Kleit drehte sich um. Ein dunkler, vom Schlachtgewitter schwach beleuchteter Körper schwebte die Flanke der Kathedrale herab, senkte sich mit präzise dosierter Leichtigkeit auf den ihr zugewiesenen Landeplatz. »Ich verstehe es nicht«, seufzte die Stimme. »Warum verschleißt die Obrigkeit wichtiges Material für derart sinnlose Aufgaben?« Kleit zuckte die Achseln, während er verfolgte, wie die Seitentüren des Truppenraums aufgeschoben wurden und mehrere Soldaten in die glimmende Nacht entließ. »Fragen Sie mich etwas leichteres, Lenhim.« Baldrian Lenhim, den Körper stellenweise noch immer in dicke Verbände gehüllt, lehnte sich schwerfällig gegen die Kiste, vor der er saß und atmete, so tief er konnte, ein. Dem verzerrten Gesicht nach zu urteilen fiel es ihm nicht besonders leicht. Er stöhnte. »Thronverdammt. Hätte ich gewusst, was mich hier nach meinem Aufwachen erwartet, ich wäre lieber gestorben.« »Wie kommt es nur, dass mir heute alle denselben Vorschlag machen wollen?«, brummte sie jemand anderes gereizt von der Seite an. Kleit wandte sich erneut um. Lenhim folgte seinem Blick, so gut es ging. Colonel Ekko, seinen Freund und Untergebenen Captain Balgor im Schlepptau, kam auf sie zu. Höchstwahrscheinlich waren sie mit der gerade gelandeten Walküre eingetroffen. »Sir!«, rief Kleit aus und nahm Haltung an. Lenhim versuchte, aufzustehen, wurde aber von dem Regimentskommandeur zurückgewunken. »Bleiben Sie sitzen, Lenhim. Ich wusste gar nicht, dass Doktor Calgrow sie bereits entlassen hat. Sind Sie schon wieder auf den Beinen?« »Auf den Beinen ist relativ«, erklärte Lenhim. »Es war viel eher so, dass Doktor Calgrow allmählich der Platz ausging. Da hat sie mich hinausgeworfen. Zitat: ‚Gehen Sie mir aus dem Weg und irgendwo hin, wo Sie nicht sofort erschossen werden. Ich werde mich später um die Sache kümmern†˜.« »Es wundert mich, dass sie ‚die Sache†˜ nicht gleich selbst erledigt hat«, sinnierte der Colonel. Lenhims Miene entgleiste. Balgor warf seinem Begleiter einen teils amüsierten, teils missbilligenden Blick zu. Ekko räusperte sich, nachdem er einige Zeit lang die Belagerungswaffen der Orks beobachtet hatte. »Ja. Wo wir schon dabei sind: wissen Sie eigentlich, wie es der Besatzung der abgestürzten Walküre geht?« Lenhim brauchte ein wenig, um den plötzlichen, aber für Ekko typischen Richtungswechsel in der Gedankenwelt des Colonels nachzuvollziehen. Oder aber ihn beschäftigte noch die vorangegangene Bemerkung seines Vorgesetzten. Als er sich schließlich fing, hatten die Waffen der Grünhäute bereits wieder ein gutes Stück Gestein aus der Außenmauer gebrochen. »Pilot und Waffensystemoffizier konnten sich aus der Maschine ausschießen. Der Fallschirm des WSO hat sich allerdings nicht geöffnet«, erzählte der Sergeant. »Daher ein personeller Totalverlust.« Ekko nickte wortlos. In der Dunkelheit wirkte es, als würde er schwanken. »Und der Pilot?« »Sein Schirm hat sich geöffnet, jedoch war er so niedrig, dass Bremswirkung kaum auftrat. Wie es aussieht, wird er diesen Tag nicht überleben.« »Dann sollten wir auch ihn als personellen Totalverlust abschreiben«, entschied der Colonel. Kleit warf ihm einen kurzen Blick zu, sah dann zu Balgor und zog schließlich an seinem Lho-Stäbchen. Heller, gräulicher Rauch kräuselte sich an der Spitze des Sargnagels, dampfte in die düstere Nacht hinauf. Lenhim schwieg betreten. Wenn man bereits an der Schwelle zum Tod stand, ohne Hoffnung auf ein Überleben und mit der Gewissheit im Rücken, dass man keinen ehrbaren Tod im Namen des Imperators starb, dann steigerte das Sinnieren über die erlittenen Verluste den Kampfgeist auch nicht wirklich. »Und was ist mit Del Mar?« Der Sergeant des zweiten Trupps des ersten Zugs zuckte die Achseln. Eine unüberlegte Handlung, die ihm sichtliche Schmerzen bereitete. »Liegt noch immer im Koma«, stöhnte er. »Ich hoffe, das bleibt auch so.« Ekko versenkte die Hände in den Taschen seines Mantels, bevor er sich an Balgor wandte. Im flackernden Schein des wütenden Artilleriefeuers wirkten seine verdreckten Gesichtszüge hart und finster. »Dabei fällt mir ein: Dieser Kommissar Reit †“ wo ist der eigentlich?« »Motiviert wahrscheinlich gerade seine Truppen«, gab der Captain zurück. »Ich frage mich, weshalb ich da nicht selbst drauf gekommen bin.« Ein schwerer Schlag rollte bestätigend durch die Kathedralenstadt, ließ den Männern die Zähne im Mund vibrieren. »Ist nicht ab 23:00 Uhr Nachtruhe?«, erkundigte sich der Colonel und gähnte. »Ruhe da draußen!«, schrie er in Richtung der wütenden Grünhäute. »Wir wollen schlafen!« »Wenn wir denn schlafen könnten.« Kleit besaß sich das fast ganz heruntergeglommene Lho-Stäbchen, bevor er es in die Dunkelheit davonschnippte. »Passen Sie bloß auf!«, warnte Balgor, sichtlich angegriffen. »Hier liegt immer noch eine ganze Menge Munition herum.« »Wo bleibt Ihr Sinn für Humor, Balgor?«, gab der Colonel zurück. »Wenn die da draußen rumböllern, können wir das hier drinnen auch.« »Ja, aber ich muss dabei nicht unbedingt vom Winde verweht werden.« Balgor verzog das Gesicht und vollführte eine ausladende Geste. Eine grelle Explosion reichte ihm symbolisch die Hand. Schallender Donner erschütterte das Landefeld. Ein plötzlicher Lichtblitz platzte aus der Düsternis im ersten Ring. Irgendwo in der Stadt war eine improvisierte Sprengladung durch die Erschütterung detoniert. »Und wie geht es nun weiter?«, wollte Kleit wissen. »Die Xenos werden mit aller Macht versuchen, durch die Außenmauer zu brechen. Sie können gar nicht anders.« Ekko vergrub seine Hände tiefer in den Taschen seines Mantels. »Wie sonst sollten sie die erlittene Schmach wettmachen?« »Schmach?« »Ja. Glauben Sie nicht, dass die richtig sauer sind, weil wir ihnen so mächtig auf die Fresse gegeben haben?« »Ich kann nicht behaupten, dass mich das glücklich stimmt.« Kleit griff in seine Drillichtasche und kramte nach einem neuen Lho-Stäbchen. Er befand sich noch mitten im Prozess festzustellen, dass er keine Räucherstäbchen mehr bei sich trug, als eine freundliche Hand in sein Gesichtsfeld reichte, einen noch jungfräulichen Sargnagel zwischen den Fingern. Dankbar nahm der Sergeant das Lho-Stäbchen an, bevor er entdeckte, dass es sein Colonel gewesen war, dessen Hand ihm das Stäbchen gereicht hatte und sich fragte, seit wann der Regimentskommandeur rauchte. Captain Balgor indes zog ein Armee-Sturmfeuerzeug hervor und schnippte es auf. Eine schwache Flamme züngelte den Kamin empor. Entweder war die Flamme reduziert oder das Promethium bald alle. Gierig zündete sich Kleit das Lho-Stäbchen an und nahm einen tiefen Zug. Als er es absetzte, stellte er fest, dass seine Hände zitterten. Bemerkenswert. »Kann sich jemand daran erinnern, als wir alle bei den PVS dienten und die Galaxis noch nicht ganz so riesig und tödlich erschien?«, wollte Lenhim melancholisch wissen. »Ja«, antwortete Balgor lakonisch. »Das war vor einer sehr langen Zeit.« Ekko brummte zustimmend. »Und solch einen Gedanken von einem Cadianer zu hören, macht mir nicht wirklich Hoffnung.« »Gab es denn überhaupt jemals Hoffnung?«, fragte Kleit unverblümt zurück. Ekko schwieg lange †“ sehr lange. Was hätte er auch sagen sollen? Hoffnung hin oder her. »Hoffnung ist etwas für Romantiker«, löste er sich schließlich aus seiner Starre. »Hoffnung ist etwas für Televid-Regisseure. Genauso wie Ehre, Ruhm und Glück im Namen des Imperators.« Er schüttelte den Kopf, verscheuchte die Finsternis, die sich aus der Schwärze der Nacht auf seinen Geist herabsenkte. »Nutzen Sie die Zeit und ruhen Sie sich noch ein wenig aus«, schlug er vor. »Je länger wir durchhalten, umso mehr ärgern wir die Grünen.« »Sagen Sie mir, Colonel«, warf Kleit dazwischen, »hat die Zerstörung des Tors unter dermaßen hohen Verlusten wirklich die gewaltige Änderung herbeigeführt, die Sie sich erhofft haben?« Wenn es ein beabsichtigter Treffer gewesen war, so hatte der Sergeant ihn definitiv sehr gut platziert. Die Worte entwichen nämlich in die kalte Nachtluft, ohne dass sich irgendjemand traute, sie zu kommentieren. Lenhim und Balgor schwiegen und betrachteten die im Feuer der Geschütze schemenhaft wütende Orkmeute, die nach wie vor damit beschäftigt war, Eindruck auf das Bollwerk zu machen, dessen Undurchdringlichkeit sie in stummem Schalk auslachte. Kleit zog an seinem Lho-Stäbchen. Ekko überlegte. So dauerte es eine ganze Weile, bis doch wieder Bewegung in das Gespräch kam. »Nein.« Dieses Geständnis, vom Schlag einer detonierenden Granate beinahe verschluckt, saß fast genauso gut wie der vormalige Treffer von Kleit, überraschte die beiden Sergeants und erschütterte sogar Balgor mit derselben Stärke wie der Explosionsdonner, der sich über die Ebene ergoss. »Nein? Das müssen Sie mir erklären«, verlangte der andere Offizier. »Wir haben also so viel Auferheben um eine Sache gemacht, die im Grunde gar keinen Sinn und Zweck erfüllt?« »Na ja, ganz ohne Sinn würde ich das Ganze nicht sehen. Immerhin kommen die Orks nun nicht mehr rein.« »Ja, aber wir kommen auch nicht mehr raus.« »Das stimmt. Allerdings müssen Sie bedenken, dass wir so Zeit gewonnen haben, unsere Wunden zu versorgen und uns neu zu organisieren.« »Colonel, das kann doch nicht Ihr Ernst sein!« »Doch.« Ekko zog ein neues Lho-Stäbchen aus seiner Manteltasche und steckte es sich in den Mundwinkel. Interessanterweise machte er aber keine Anstalten, sich den Sargnagel anzustecken. »Ich hatte es zwar ein wenig anders geplant, aber der Effekt ist schlussendlich derselbe, finden Sie nicht?«, gab er die Überlegung zurück. Kleit senkte nachdenklich den Kopf. Er konnte sich nicht recht entscheiden, ob er dem Colonel beipflichten wollte. Natürlich stimmte es: dadurch, dass Retexer das Haupttor vernichtet hatte, war ihnen eine Gnadenfrist gewährt worden. Aber machte das die Lage wirklich besser? Im Grunde verlängerten sich die Qualen ihres Todeskampfes dadurch lediglich. Kleit legte sich den Satz zurecht und bereitete sich darauf vor, seine Meinung öffentlich kund zu tun, doch als er aufsah, stellte er mit gelindem Erstaunen einzig fest, dass er und Lenhim bereits wieder allein waren. *** In der tiefen Schwärze der Nacht fiel die Flanke des Berges, auf dem die Kathedrale stand, sehr viel steiler in die Tiefe, als Ekko es in Erinnerung hatte. Einige Meter weit ließ sich die sanfte Krümmung der Pflasterstraße den Hang zwar noch hinunter verfolgen, und wenn man die Hand ausstreckte, beschlich einen das eigenartige Gefühl, man könne nach dem zerschlissenen Belag der Allee greifen. Aber dahinter lauerten bereits die Schatten einer gefährlichen Dunkelheit. Die unsichtbaren Klauen der Bedrohung, geboren aus der ureigenen Phantasie eines Menschen und genährt von der Furcht vor dem Unbekannten. Wer konnte schon sagen, was in den Tiefen der Finsternis auf einen wartete oder mit Sicherheit wissen, ob die Schatten einen wirklich wieder freigaben, wenn sie ihr Opfer erst einmal verschlungen hatten. Gedankenverloren kaute Ekko an dem Lho-Stäbchen in seinem Mund. War es wirklich erst wenige Tage her, dass er diesem Anblick erlegen war und nicht mehr fühlte als blankes Erstaunen vor der Urgewalt dieser gewaltigen Stadt? Konnte es wirklich sein, dass er an diesem Ort so etwas wie Frieden gefühlt hatte? Erinnerte er sich daran zurück, wie ihn die wenigen Tage im Schoss des mächtigen Bauwerks beruhigt und inspiriert hatten, dann fragte er sich unwillkürlich, ob das alles nicht ein bösartiger Traum gewesen war. Eine weitere Grausamkeit des Imperators und des Universums, geboren um ihn zu quälen. »Ich hoffe nur, dass Retexers Ehrgefühl nun befriedigt ist«, hörte er die Stimme Captain Balgors neben sich, als dieser mit knirschenden Schritten an seiner Seite zum Halten kam. »Retexers Ehrgefühl?« Ekko lachte, wobei das Lho-Stäbchen in seinem Mund fröhlich tanzte. Retexers Ehrgefühl. Ein Phänomen für sich. Bei weitem größer als die Himmelskathedrale und mit demselben unersättlichen Hunger nach Aufmerksamkeit, mit dem die langen Klauen der Finsternis über die Seele ihrer Opfer strichen. »Retexers Ehrgefühl zu befriedigen ist fast so einfach, wie einen Leman Russ in voller Fahrt mit Promethium aus Armasec-Flaschen zu betanken.« »Interessante Metapher«, gab der Captain zu. Eine heftige Explosion prallte gegen die Verteidigungsanlagen der imperialen Truppen, bestrahlte die Umgebung mit grellem, weiß-orangen Licht. Schallender Donner röhrte über die Kathedrale hinweg. Ekko lehnte sich nach hinten und ließ seinen Blick in den Nachthimmel davon gleiten. »Ach, ist das nicht schön? So viele begeisterungsfähige Individuen da draußen vor dem Tor!« »Ja, ich kann mich kaum halten.«, grummelte Balgor. »Allerdings frage ich mich, was die dort wohl gerade machen?« »Vermutlich bauen Sie derzeit eine große Colonel Ekko-Stoffpuppe. Und wenn sie damit fertig sind, zünden sie sie wieder an.« Der Colonel fuhr herum, von weiser Voraussicht alarmiert. »Sagen Sie nichts! Ich weiß: bei meinem Glück geht denen die Fackel vorher aus.« »Ich habe doch gar nichts gesagt«, wehrte der Captain ab. »Aber mich würde doch schon sehr wundern, warum Ihnen jemand einen solchen Gefallen tun sollte.« »Was? Die Fackeln ausblasen?« »Nein«, erwiderte der dunkelhaarige Basteter, indem er die Augen verdrehte. »Eine Colonel Ekko-Stoffpuppe bauen. Sie glauben doch nicht wirklich, dass jemand Ihnen diesen Gefallen tun würde.« »Doch.« »Colonel, Sie sind wahnsinnig«, bemerkte Balgor, als hätte er diese Tatsache gerade erst entdeckt. Er atmete tief durch, um seine Gedanken zu ordnen, welche gerade neue Einfälle in den Korb der zu besprechenden Themen warfen. »Dabei fällt mir ein: Ihre Schwester ist eine irre Metze!« Der Colonel hob sehr langsam erst den Kopf, dann eine Augenbraue. »Ich habe keine Schwester«, informierte er seinen Freund, nur um ihn an eine längst bekannte Tatsache zu erinnern. Dass er bereits wusste, worauf Balgor eigentlich hauswollte, ließ sich deutlich daran erkennen, dass seine Lippen im fahlen Licht ferner Explosionen betont unauffällig zu einer schmalen Linie zusammenwuchsen. »Ich meinte Sile, Sir. Sie hat ihren Trupp zum Rückzug befohlen und dann an der Seite der Space Marines weitergekämpft«, fuhr der Captain fort, ohne die launige Bemerkung seines Vorgesetzten in irgendeiner Weise zu parieren. Noch wusste er, wann es besser war, den Regimentskommandeur nicht übermäßig zu reizen. Und beim Thron, er hoffte, dass sich das auch niemals ändern würde. Sofort nahm sein Freund den Faden auf. »So etwas erwarte ich von meinen Truppführern«, rief er eine weitere, längst bekannte Tatsache zurück in das Gedächtnis seines Untergebenen. »Aber, Colonel!«, wandte Balgor ein. »Sie hat ihren Trupp zurückgelassen, um an der Seite einer anderen Einheit weiterzukämpfen! »In diesem Fall hätte ich von dem Trupp erwartet, dass er an ihrer Seite bleibt«, konterte Ekko unbeeindruckt. »Colonel!« Das brach letztlich das Siegel der Zurückhaltung, mit dem sich der imperiale Offizier während der Besprechung umgeben hatte, und das seine Gedanken und Empfindungen hinter dem taktischen Kalkül wichtiger Entscheidungen zurückhielt. »Was soll ich Ihrer Meinung nach tun? Zu ihr hingehen und ihr sagen, dass mir ihr Gutdünken nicht behagt?« Der Regimentskommandeur lachte resigniert auf. »Sie würde mich umbringen.« Es folgte ein ernster, begreifender Blick in Richtung des Captains. »Ich verstehe. Gute Idee.« Balgor wollte gerade erwidern, dass sich sein Verständnis von Humor zutiefst beleidigt sah, als ihm etwas anderes auffiel, das einer dringenderen verbalen Bearbeitung bedurfte: Sile, in die rote Rüstung und die weißen Epitrachelien ihres Ordens gehüllt, trat in die Kommandozentrale, das goldene Haar und hübsche Gesicht über und über mit hässlichen Blutflecken bedeckt. Wieso schaffte es die Prioris eigentlich immer dann, wenn sie am wenigsten erwünscht war, dort aufzutauchen, wo es am Unpassendsten war? Der Zugführer des zweiten Zugs wollte gerade einen Warnruf ausstoßen, der in auffallender Weise dem einer frisch kastrierten Elster ähnelte, aber er kam zu spät. Sein Freund hatte die Prioris schon entdeckt. »Schwester«, rief Ekko die Sororita und winkte sie zu sich. Durch die ihr plötzlich zugedachte Aufmerksamkeit verzückt, wehte die erfrischende Brise ihrer Stimme in Richtung der beiden Offiziere, gefolgt von ihrem engelsgleich heranschwebenden Körper. »Ja?« Eine überzogene Geste entwich dem Colonel. »Was tun Sie hier?« »Ich benötigte eine neue Waffe«, lautete die bestechende Erklärung der Prioris, die nicht weniger trug als ihre schwere Servorüstung. Ohne Frage †“ sie brauchte eine Waffe. »Ach so. Da sind Sie hier vollkommen falsch«, belehrte er sie. »Es sei denn, Sie wollen mit Captain Balgor schmeißen.« Siles Miene fror ein, konservierte ihre ebenmäßig kühle Schönheit in einem Moment der Strenge, der deutlich machte, wie wenig sie von seiner Bemerkung hielt. Tatsächlich spürte Ekko, wie das schneebedeckte Feld im Winter, mit dem sie sich vergleichen ließ, seinen eiskalten Atem in seine Richtung hauchte. Die unausgesprochene Warnung blieb nicht ohne Wirkung. Sein Unterbewusstsein schreckte zurück und entschied, die Bemerkung mit einem kurzen Wink vorsichtshalber zur Seite zu wischen, um gleich darauf das nächste Thema anzuschneiden. »Aber wo Sie schon einmal da sind …« Der Colonel holte tief und dramatisierend Luft. »Ich hatte gerade ein Gespräch mit Captain Balgor«, eröffnete er und wies auf den anderen Basteter, dessen Miene just in dem Moment dem Frost zum Opfer fiel, der aus Leitis Siles Richtung zu ihnen herüberwehte, »und basierend auf diesem Gespräch möchte ich Ihnen etwas mitteilen, das mir dringend auf der Seele brennt: mir behagt Ihr Gutdünken nicht.« Das goldene Haar der Prioris stürzte wild über ihre Schultern, als sie verständnislos den Kopf schüttelte. »Bitte, was?« »Stehe, stehe, denn wir haben deiner Gaben voll gemessen«, sprang Balgor seinem Vorgesetzten von der Seite bei. Das verwirrte Sile nur umso mehr. »Ich begreife immer noch nicht«, gab sie zu. Ekko seufzte, von der langen Leitung der Ordensschwester allmählich entnervt. »Bei der Imperialen Armee gibt es ein Leitbild, das da lautet: Befehl und Gehorsam.« »Auf Bastet sagen wir dazu: Du tust, was ich sage.« »Ja … vielen Dank, Balgor«, warf Ekko ein, durch die Bemerkung in seinen Gedanken gestört. »Habe ich doch gern gemacht«, erhielt er zur Antwort. Ein Grund für ihn, den entnervten Blick nun für einige Sekundenschläge auf seinen Untergebenen zu richten. »Also gut †“ vergessen wir das. Was ich damit sagen wollte: Selbst, wenn Sie als Sororita, nein, als Celestia …« †“ er nahm sich das Recht, ihre Stellung innerhalb der Schwesternschaft noch einmal besonders zu betonen †“ »einen grundsätzlich anderen Auftrag haben als wir, und demnach auch einer vollkommen differenzierten Gesetzmäßigkeit unterstehen, so sind Sie dennoch eine Dienerin des Imperators. Und als diese haben Sie mir, der ich Kommandant der Feste bin, einen Eid geschworen. Sie haben geschworen, als Führerin eines meiner Trupps die Verteidigung dieser Makrokathedrale zu übernehmen.« Der Colonel ließ den Schall seiner Stimme in die abendliche Kühle des Beinhauses entweichen, gab ihm gnädig Vorsprung, bevor er seine nächsten Worte ins Rennen schickte, dieses Mal deutlich leiser und mit einem bedrohlich enttäuschten Unterton. »Aber Sie haben diese Aufgabe nicht erfüllt. Sie haben Ihren Dienst nicht geleistet, Prioris!« Die kalten, stahlblauen Augen der Sororita flackerten, gleichermaßen entrüstet und erbost über die Behauptung des imperialen Offiziers. Es war, als hätte er sie der Häresie bezichtigt, einer Sünde, für die es keine Absolution gab. »Colonel!«, versuchte sie zu widersprechen, doch der Mann, der ‚Held von Agos Virgil†˜, winkte jeden in der Entstehung befindlichen Einwand mühelos zur Seite. »Von Ihnen erwarte ich dasselbe, das ich von meinen Männern erwarte: wenn ich einen Befehl gebe, dann führen Sie ihn aus. Und wenn ich sage, Sie führen einen meiner Trupps, dann führen Sie diesen Trupp und übergeben nicht einfach das Kommando, nur weil Sie neben der gesammelten Intelligenz eines abgeschossenen Leman Russ-Panzers in den Kampf gehen wollen.« »Colonel.« Jetzt endlich schaffte die Sororita es, den Colonel im Redefluss zu unterbrechen. Und was sie zu sagen hatte, stoppte ihn in jeder Hinsicht. »Ich hoffe, Sie meinen das nicht so, wie ich es eben verstanden zu haben scheine. Und mir gefällt ganz und gar nicht, welchen Ton Sie mir gegenüber anschlagen, Colonel Ekko. Wie können Sie es wagen, sich ein Urteil über die Aufgaben und Pflichten einer Sororita anzumaßen? Wie können Sie es wagen, als imperialer Soldaten über eine Celestia bestimmen zu wollen?« Tödliches Stahlblau schnitt durch seine Gedanken, durchschnitt seine Überlegenheit mit der Präzision einer scharfen Klinge. Polternd brach seine vorbereitete theatralische Rede in sich zusammen. »Ähm«, war das Einzige, was er stattdessen herausbrachte. »Ich bin einzig und allein dem Imperator verpflichtet †“ und wenn er meiner Dienste bedarf, dann werde ich mich ihm unterordnen«, fuhr sie fort, vernichtete seine Aufforderung zur Unterwerfung mit spielender Leichtigkeit. »Und Sie sollten das nicht vergessen.« Das saß. Der Regimentskommandeur starrte die Ordensschwester lediglich an, unfähig etwas Intelligentes zu erwidern. Eine kleine, verräterische Stimme in seinem Kopf begehrte auf, erinnerte ihn mit aller Deutlichkeit daran, dass er sich durch seine eigenen ‚Leistungen†˜ dazu hatte hinreißen lassen, seine Macht in diesem Punkt deutlich zu überschätzen. Welche Unergründlichkeit des Universums ihm das Leben gerettet hatte, verstand er nicht, denn Sile war gegenüber Ligrev nicht so nachsichtig gewesen. Und dass sich zusätzlich dazu jetzt auch noch das Bild einer ‚kniend dienenden Heiligen†˜ in seinen Kopf stahl und vor dem goldenen Thron des Imperators auf und ab tanzte, verwirrte ihn umso mehr. »Versuchen Sie nicht, mit mir zu spielen, Colonel«, zischte die Prioris gefährlich und zwang seine Aufmerksamkeit zurück in die Realität. »Es sei denn, Sie wollen so enden wie Kommissar Ligrev.« Ekko atmete scharf ein. Wie der Imperator ein wunder Punkt ihrer Seele war, war es Ligrev bei ihm. »Gut«, grummelte er zurück. »Dann machen Sie keine Versprechungen, die Sie nicht halten können, Schwester. Denn schlussendlich sind Sie nur dem Imperator Rechenschaft schuldig.« Für einen kurzen Augenblick schmolz er ein Loch in das perfekte Winterkind, das vor ihm stand. Ihre Wangen glühten rot auf und sie senkte die Augenlider. Man konnte ihr ansehen, dass sie um Fassung rang und entweder kurz davor stand, auf die Knie zu fallen und den Colonel um Vergebung zu bitten oder ihm den Kopf abzureißen. Aber es war genauso offensichtlich, dass sie all ihren Stolz und ihre Haltung zusammennehmen würde, um sich nicht auf diese Weise zu entblößen - zumindest nicht im Beisein von Captain Balgor. Ekko entschied, dass weitere Worte eine Verschwendung von Zeit und Atemluft gewesen wären und entließ die Prioris mit demselben Fingerschnippen, mit dem er ein Insekt vom Plottisch geschleudert hätte. Die Wangen der Prioris gewannen an noch mehr Farbe, sodass es nun auffallende Ähnlichkeit mit einer gerade auf einem Planeten eingeschlagenen Landekapsel der Space Marines besaß. Ob es sich dabei um Schames- oder Zornesröte handelte, ließ sich nicht auf Anhieb sagen. Sile zumindest schien beschlossen zu haben, dass es der Situation nicht angemessen war, wenn sie begann, Colonel Ekko den Dschihad im Namen des Imperators zu erklären. Das Haupt in Demut, vielleicht auch ein wenig gedemütigt, gesenkt, verabschiedete sich die Schwester, machte Kehrt und beeilte sich, wieder in das Dunkel der Nacht zu entschwinden. Als das dumpfe Stapfen ihrer Rüstung in der Finsternis verhallte, wieder unter den Lärmpegel des Waffenfeuers fiel, wandte Ekko sich um, die Miene unglücklich verzogen. »Oh, thronverdammt. Vergraben Sie mich, Balgor. Ich bin tot.« »Ich weiß nicht. Es kommt mir so vor, als wenn Sie das gerade richtig genossen haben, Chef«, bemerkte der Captain. »Genossen? Thronverdammt †“ ich habe mir vor Angst fast in die Hosen gemacht. Meinen Sie, die Dame hat irgendetwas von dem, was ich ihr gesagt habe, begriffen?« Er schnaubte freudlos und deutete in die Richtung, in die die Sororita verschwunden war. Ein fruchtloser Versuch, seine angegriffene moralische Überlegenheit zu gipsen. »Da geht sie hin †“ und ballert weiter. Und wenn sie damit fertig ist, knackt sie meine Nüsse. Beim nächsten Mal, wenn Sie so eine phantastische Idee haben, warnen Sie mich vor den Risiken.« »Ach, ich merkt es«, rezitierte Balgor mit überdeutlich theatralischer Stimme. »Wehe, wehe, hat er doch das Wort vergessen! Ach das Wort, worauf am Ende sie das wird was sie gewesen! Ach, sie läuft und schießt beidhändig! Wär†˜ sie doch die alte …« Als Ekko sich erhob und seinen Kopf betont langsam in Richtung des Captains wandte, verstummte Balgor, erneut seufzend. »Aber so lässt es sich auch gut lesen«, schloss er. »Balgor †“ habe ich da gerade Poesie aus Ihrer Stimme vernommen? Oder war das Zynismus?« Der dunkelhaarige Basteter nickte, von der Feststellung seines Kommandeurs richtiggehend erfreut. »Ich plane für mein neues Buch. Ekko, Sile und der Jagdpanzer. Eine Liebesgeschichte im Imperium!« Krachender Explosionsdonner unterstrich seine Worte. »Beim Barte des Propheten«, seufzte der Regimentskommandeur und warf seinen Kopf in den Nacken. »Womit habe ich das verdient?« Die Sterne lachten in an. Entnervt überließ der Basteter die Unendlichkeit sich selbst und verschränkte die Arme vor der Brust. »Thron von Terra«, gab er auf, »Womit habe ich das verdient?«, und begann an seinen Fingern abzuzählen: »Eine Prioris, ein Kommissar-General, ein Trupp Space Marines, eine verrückte Ekklesiarchin. Kann es überhaupt noch schlimmer werden?« Balgor hob die Schultern. »Ein lebensmüder Colonel?« Ekko nahm den Punkt in seine Liste auf. »Stimmt. Den hatte ich vergessen. Guter Einwand. Damit wären wir ein Pentavirat der Katastrophen. Der Imperator beschützt.« »Der Imperator beschützt«, wiederholte der Zugführer. »Ich hätte damals schießen sollen«, bemerkte Ekko nach einer Weile. Die Stirn seines Freundes legte sich in tiefe Falten. »Wann?« »Damals«, wiederholte der Basteter, als sei damit alles gesagt, bevor er mehr an sich gerichtet fortfuhr: »Auf Bastet. Ich hätte auf sie schießen sollen.« »Auf Kortessa?« »Nein. Auf Ayle.« Ekko versank in den schmerzhaften Erinnerungen der Vergangenheit. »Haben Sie wirklich gedacht, ich würde mit einer Laserpistole auf eine Servorüstung schießen?« Seine Stimme klang seltsam fern, ja, beinahe beschwingt. »Ich hätte sie nie mit ihnen gehen lassen dürfen.« Balgor schwieg und hörte zu, wie sich sein langjähriger Freund in einem Meer aus bitterer Melancholie selbst ertränkte, referierte über das Für und Wider einer einzigen Entscheidung, die sein Leben am damaligen Tag mit einem Schlag hätte beenden können. Sein Leben und das … von Balgor. Wenn er sich daran erinnerte, wie er damals aus tiefster Loyalität zu seinem Vorgesetzten sein Leben in die Waagschale geworfen hatte, kam es ihm fast wie Verrat vor, diese Worte aus dem Mund seines letzten verbliebenen Freund in der Galaxis zu hören. Er wusste, gehörte zu Ekkos Art, auf eine grausame, einem Vorgesetzten eigentlich unwürdige Weise mit seinem eigenen Leben zu spielen und das Vertrauen, nein, vielmehr die Hoffnung seiner Leute so nicht nur zu missbrauchen, sondern auch zu zerstören. Während im Imperium die weit verbreitete Meinung vorherrschte, Soldaten seien lediglich eine sich stets erneuernde Mauer aus nutzlosen Leibern, teilte man auf Bastet diese Meinung nicht unbedingt. Für einen Vorgesetzten waren seine Männer ebenso Ressourcen wie die ehernen Körper der Leman Russ, die schnellen Sentinels, die kreischenden Walküren und selbst die im Vergleich zu diesen Waffen unbedeutenden, aber zuverlässigen Lasergewehre. Sie sinnlos zu verbrauchen, ergab bei einer Bevölkerung mit der Größe Bastets einfach keinen Sinn. Diese Richtlinie hatte Bastets Überleben in vielen Jahrhunderten ständiger Belagerung durch die Orks in einem Universum voller Krieg gesichert und jeder Kommandant einer bastetischen Einheit wurde zusätzlich zu den imperialen Doktrinen der Kriegsführung im umsichtigen Umgang mit seinem Personal geschult (auch wenn imperiale Offiziere die bastetische Kampfführung im Allgemeinen ablehnten). In seiner Zeit bei der PVS hatte Ekko dieses Konzept der ‚Humanität†˜ stets beherzigt, aber seit dem Eintritt in die Imperiale Armee (damals noch im Rang eines Lieutenants der Bodentruppen), hatte er sich gewandelt. Besessen von seinem Wunsch zur Selbstvernichtung und gefangen in den Tiefen einer egozentrischen Melancholie entfernte er sich immer mehr von der Person, die er einst gewesen war. Major Carrick hatte diese Eigenart des Colonels kurz vor ihrer Landung auf Agos Virgil mit einem Ausdruck von Bastet bedacht: das ‚Herz aus Eisen†˜. Das Herz aus Eisen war im Grunde eine Versinnbildlichung für all die Schmerzen, die ein Mensch in sich trug, jedoch hinter einer Maske verbarg. Zumeist ging dieser Begriff einher mit der Art, wie dieser Mensch sich nach außen hin gab. Einige Soldaten hatten dem Colonel zeitweilig ein Herz aus Stein, beziehungsweise ein Herz aus Eis zugesprochen, auch wenn das vollkommen absurd war. Die Eigenschaften, die man mit Stein und Eis verband, trafen auf Ekko gewiss nicht zu. Natürlich hatte selbst der Major inzwischen erkannte, dass das Herz aus Eisen auf Ekko ebenfalls lediglich bedingt anzuwenden war. Trotzdem ließ sich der Vergleich zwischen Ekko und Eisen nicht von der Hand weisen, denn wie der Stahl besaß der Regimentskommandeur eine harte und schneidende Art, die zwar noch in der Lage war, sich zu formen, aber von außen kaum bearbeitet werden konnte. Wie ein Schwert oder ein Dolch parierte der Basteter jeden Angriff auf ihn, nur um dann selbst zuzustechen und seinen Feind zu töten †“ und wenn er selbst dieser Feind war … wer hatte nicht schon seine Waffe gegen sich selbst gerichtet? Dabei konnte er desinteressiert und berechnend sein, aber auch hitzig und brutal. Und unter der Hülle von Colonel Ekkos Herz aus Eisen wartete eine glühende Wut, die jeden Tag eines imperialen Jahres damit beschäftigt war, sich durch den Kokon zu schmelzen, um den imperialen Offizier von innen hinaus zu verbrennen. Seitdem Balgor Ekko kannte, fürchtete er sich vor dem Tag, an dem die geschmolzene Masse, die einst Ekkos Gefühlsleben gewesen war, aus dem ehernen Sarkophag floss und den dann seelenlosen Körper gegen all das richtete, was ihm noch geblieben war. Ohne Frage †“ noch erschien dieser Tag fern und im Angesicht von Ekkos unglaublichem Glück, alle Unwägbarkeiten auf irgendeine Weise zu meistern, nicht wirklich wahrscheinlich. Aber der Captain wusste: Jeder Mensch erreichte irgendwann den Punkt, an dem er den Dämonen in seinem Innersten nichts mehr entgegenzusetzen vermochte. Und wenn Ekko diesen Punkt erreichte, dann war er endgültig verloren. Dann gab es keine Hoffnung mehr für ihn. Schon vor langer Zeit hatte Balgor entschieden: würde sein Freund jemals dem Kampf gegen seine inneren Dämonen verlieren, würde ihm nichts anderes übrig bleiben, als die Leiden des Regimentskommandeurs selbst zu beenden. Und danach würde er selbst in einen tiefen, langen Schlaf der Seelenlosigkeit fallen. In eine lange Nacht, aus der es kein Entkommen gab. Als hätte Ekko die Gedanken seines Begleiters mitgehört, wandte er sich langsam Balgor zu. »Wir sollten zurückgehen. Die lange Nacht befindet sich bereits im Anmarsch.« »Die lange Nacht? Woher wissen Sie das?« Der Regimentskommandeur lächelte freudlos und vollführte eine Geste, die aussah, als würde er sich auf eine sehr elegante Weise Luft zufächeln. »Es riecht nach … Nacht.« Er schob die Hände zurück in die Manteltaschen und trottete zurück in Richtung Landefeld. Balgor blieb ein wenig länger und hielt seine Nase in den von den gewaltigen Energien erzeugten Wind. Er schnupperte nach dem ‚Nachtgeruch†˜, den der Colonel ihm eben beschrieben hatte, doch alles, was in seine Nase biss, war der Gestank von Fyzelen. Woher hätte er auch wissen sollen, dass Ekko genau diesen Gestank gemeint hatte.
  8. Salvete, ich hoffe, ihr hattet ein frohes Weihnachtsfest! Danke für die Rückmeldungen. Es freut mich immer, wenn der Text gefällt - und beim Thron, es hat ja auch lange genug gedauert, bis ein ordentliches Kapitel bei der ganzen Sache herausgekommen ist. @DerVertrauter - Balgor ist ne geile Sau? Ich dachte immer, Colonel Ekko wäre in dieser Story das Biest. Balgor ist ja irgendwie lediglich sein stets präsenter Sidekick. Aber schön, wenn er bereits eine eigene geile Sau ist ;-D Mavet Ma'Shamaim - DaSista
  9. Also bewerben würde ich mich auch - Ich habe zwei keine Ahnung davon, aber Only War interessiert mich schon. Von der Position her ... Auf jeden Fall Elysianer oder irgendwas mit Fliegern. Ne Vulture zum Beispiel. (Oder einen Kasrkin, wenn so was benötigt wird)
  10. Salve, ja, gut †“ aufgrund der Tatsache, dass auch die Sista irgendwann geboren wurde und dieser Tag sich gestern jährte (und trotz einer tierischen Erkältung, die mich schon ein bissl ans Bett fesselt), kommt das nächste Update von Stargazer bereits jetzt, nicht erst im Januar. Ich hatte einige Zeit, mir neue Handlungsstränge zu überlegen und alte fortzuführen. Ebenso war ein wenig Zeit, ordentlich zu korrigieren und umzuarbeiten. Von daher †“ hier also das neue Kapitel! Das nächste kommt jetzt aber wirklich erst im Januar. Und †“ weil sich so viele beschwert haben, dass es nicht weitergeht †“ Leute, jetzt erwarte ich aber Rückmeldungen … Wie immer vielen Dank an Nakago, der noch einmal drüber geschaut hat. 32 »Waargh!«, grunzte der Ork in seiner letzten Sekunde, ehe sein Kopf zwischen der Hauswand und Leitis Siles gepanzerter Hand zerplatzte. Orkblut und Teile seines Gehirns spritzten gleich einem schlecht gesprühten Bildwerk über die Hausfassade. Sammler entarteter Kunst hätten dafür wahrscheinlich ein Vermögen gezahlt. Seine Morta hingegen fuhr herum und rammte einem weiteren Angreifer ihre gepanzerte Faust in den Bauch. Das Wesen klappte wie ein Taschenmesser zusammen, bevor es, von seinem Schwung getrieben, in die Richtung zurückflog, aus der es gekommen war. Schon stürmten die nächsten Grünhäute auf die imperiale gepanzerte Ordensschwester zu und erforderten ihre Aufmerksamkeit. Bolterfeuer krachte, zerfetzte die wütenden Xenos. »Stirb, Abschaum!«, röhrte die künstlich verstärkte Stimme des Space Marine, dessen Waffe bereits wieder auf ein anderes Ziel schwenkte. Sile genoss den Moment der Befreiung, den ihr die unverhoffte Unterstützung verschaffte, richtete sich auf und atmete tief durch. Jetzt, wo die Konzentration des Kampfes von ihr abfiel, fluteten Wahrnehmungen und Gefühle in ihr Gehirn, erinnerten sie mit zersetzender Deutlichkeit daran, dass sie noch immer ein verletzliches Individuum war. Trotz der von helfenden Motoren angetriebenen Servorüstung schmerzten ihr sämtliche Extremitäten von den Schlägen und Tritten, die sie ausgeteilt hatte. Ebenso brannte ihr Körper von der Anstrengung, die mächtige Panzerung ihres Kampfanzugs agil zu bewegen. Schweiß lief ihr in Strömen über den Körper, kämpfte gegen dessen Überhitzung unter der bratenden Sonne von Agos Virgil. Vor Erregung und Adrenalin kochendes Blut pulsierte heftig durch ihre Adern, rang ihrem Körper die letzten Leistungsreserven ab. Jeder andere wäre im Verlauf der letzten Stunde vermutlich bereits gebrochen und gefallen, doch Prioris Leitis Sile kämpfte unermüdlich weiter. Es stand außer Frage, dass lediglich die Entschlossenheit ihres Geistes verhinderte, dass sie unter dem Druck der auf sie einströmenden Ereignisse kollabierte. In Seinem Namen! Gleißendes Licht strahlte über die Gebäude der Kathedrale hinweg, verband für einen Reihe Herzschläge das Haupttor mit den entfernten Ebenen des zweiten Rings. Trockener Donner schepperte über das Schlachtfeld, erstickte sämtliche Geräusche unter einer Decke aus gellendem Lärm. Konzentrierte Hitze blies der Ordensschwester ins Gesicht, zwang sie dazu, ihr ungeschütztes Haupt abzuwenden. Hinter sich konnte sie hören, wie Orks von der freigesetzten Energie des Laserdestroyers verkohlt wurden. Schreie und Winseln jaulten durch den Lärm der Waffen, gingen jedoch bald im Fauchen und Brüllen der Flammen unter. Sile wartete, bis die Lautstärke des Feuers und das Brüllen der Orks einander wieder die Waage hielten, bevor sie sich dem Haupttor erneut zudrehte. Das Tor und seine Umgebung standen in lodernden Flammen. Schon vor einer ganzen Weile hatten die imperialen Sturmtransporter einen schrecklichen Raketenschlag auf den Haupteingang der Kathedralenstadt entfesselt und so nicht nur den Boden, sondern auch sämtliches auf ihm wandelnde Leben zerfetzt. Der Angriff war eine Entlastung gewesen, ohne Frage, obwohl die unzuverlässigen Maschinengeister der Raketen das gesamte Umfeld in Brand gesetzt und somit auch die wenigen verbliebenen Verteidiger gefährdet hatten. Nun konnte man bei einer Sororita und sechs Astartes kaum davon reden, dass sie durch die vierzig Millimeter-Raketen der Salvenraketenwerfer unmittelbar bedroht wurden. Ihre Servorüstung, dank ihrer Verbundstoffe bald so stark wie die Panzerung eines Kampfpanzer-Baumusters, hielt die eher auf Infanterieabwehr ausgelegten Splittersprengköpfe der Waffen weitestgehend ab. Allerdings konnte man nie wissen †“ und wenn eine der Raketen direkt über dem ungeschützt Haupt von Numitor oder ihr explodierte, reichten Schädelknochen bei weitem nicht aus, um die entstehende Druck- und Splitterwirkung abzufangen. Ihr wurde schmerzlich bewusst, weshalb sich ein Sabbat-Helm möglicherweise doch lohnte. Schon drang das Brüllen der nächsten Welle von Orks an ihr Ohr. Noch mehr Grünhäute! Thronverdammt! Und sie war unbewaffnet! Der Imperator beschützte! Den Bolter hatte sie vor einige Zeit weggeworfen, da er nach seiner ersten Ladestörung weitere Anzeichen einer Dysfunktion gezeigt hatte und überdies auch der Munitionsvorrat zur Neige gegangen war. Zwischenzeitlich hatte sie einen Flammenwerfer mitsamt dem in den Gurten gefangenen Leib eines toten imperialen Soldaten verwandt, aber auch dieser war nach nur wenigen Flammstößen nutzlos geworden. Weitere Waffen gab es im Umkreis nicht †“ und eines der schwachen, wenngleich robusten Lasergewehre zu verwenden, stand für sie außer Frage. In seiner unendlichen Weisheit hatte der göttliche Imperator den Schwestern die heilige Dreifaltigkeit aus Melter, Bolter und Flammenwerfer gegeben. Sie waren nicht nur der Stolz, sondern auch der Sinn jeder Kampfdoktrin des Adeptus Sororitas. Diese Doktrin zu verraten, indem sie sich einer Laserwaffe bediente, wäre einer Häresie gleich gekommen. So blieb ihr schließlich nur noch die rohe Gewalt, um sich der anströmenden Flut von Feinden zu erwehren. Wie viele sie zerrissen, zerquetscht, durchstoßen oder erschlagen hatte, wusste sie nicht, doch der Verschmutzung ihrer Rüstung durch Xeno-Blut nach zu urteilen, mussten es eine Menge gewesen sein. Aber war das wirklich wichtig? Nicht einmal ein toter Xeno war ein guter Xeno, und in Seinem Namen Reinheit über die Galaxie zu bringen, war ihre Aufgabe. Sile straffte sich, ignorierte die Schmerzen in ihrem Körper und bereitete sich darauf vor, der nächsten Welle von Angreifern entgegenzutreten. Dumpfe, schwere Tritte ließen den Erdboden erzittern. Die schweren, golemartigen Körper Sergeant Numitors und seiner Space Marines gruppierten sich um sie. Die Superkrieger waren über und über mit Orkblut besprengt und die tiefen Kerben und Schnitte in ihren vormals eindrucksvoll bemalten Rüstungen zeugten von der Brutalität, mit der sie den Gegnern entgegen getreten waren. Ferner verfügten sie nur noch über Nahkampfwaffen, denn wie ihrer eigener waren ihre Bolter ebenfalls nicht mehr vorhanden. Wie Sile feststellen musste, waren die Marines inzwischen nur noch zu fünft. Einer von ihnen fehlte, was im Endeffekt nur bedeuten konnte … Sile schloss die Augen und sandte eine Litanei der Reise zum Imperator in die vom Kriegslärm erfüllte, aufgeheizte Luft. Es war das Mindeste, was sie für den gefallenen Krieger tun wollte, aber das Angemessenste in dieser Situation. »Die Imperiale Armee ist geflohen«, dröhnte der lautsprecherverzerrte Bass eines Marines über die Ebene. Dass er damit keine Tatsache entdeckte, die andere bereits vor mehr als einer Stunde festgestellt hatten, ließ sich deutlich am verachtenden Tonfall erkennen, mit der er die Worte regelrecht ausspie. Ein anderer Astartes stimmte ein. »Sie werden nicht zurückkommen.« »Sie fliehen nicht vor dem Feind. Sie fliehen vor sich selbst«, grummelte Numitor. »Man kann ihre Angst förmlich riechen.« »Feiglinge«, riefen die Brüder im Chor. Ohne Frage begriffen die Superkrieger nicht, weshalb die ‚Normalen†˜ trotz ihrer Liebe zum Imperator und ihrem Glauben an die Übermächtigkeit des Imperiums Boden freigaben, den das Imperium mit viel Blut seit tausenden Jahren hielt. »Nun denn«, schlug die Sororita in ihrer Mitte vor und nahm eine Nahkampfposition ein. »Lasst uns Ihnen zeigen, dass es dennoch Krieger gibt, die sich von keinem Feind verschrecken lassen. Für den Imperator!« »Für den Imperator!«, donnerte es aus den Kehlen der ehernen Riesen, als die Orks durch den zerstörten Eingang zur Kathedralenstadt brachen. Sile atmete tief ein, ließ ein Gebet des Schutzes durch ihren Geist hallen und bereitete sich darauf vor, dem nächstbesten Ork, der sich auf sie stürzte, den Kopf von den Schultern zu trennen. In diesem Moment flammte punktierte Energie zwischen die vorstürmenden Grünhäute, brachte dutzende Xenos mit derselben Präzision zu Fall, mit der eine Sense durch Gras schnitt. Wild schießend stürmten Infanteristen aus drei Richtungen auf den Platz, begleitet vom trommelnden Multilaser-Feuer der vorwärts rollenden Chimären. Heftiges Donnern schallte aus den Gassen und der Hauptstraße, gleich einer abartigen Marschmusik, die den erneuten Verstoß der imperialen Truppen begleitete. Links und rechts des Hauptangriffs schwenkten einzelne Truppenverbände ab, um die bereits in die Stadt eingefallenen Grünhäute auszumerzen. Der Hauptangriff jedoch zielte auf das Tor, dessen Explosion vor über einer Stunde zum Zusammenbruch der imperialen Frontlinie geführt hatte. Heftiges Laserfeuer sengte sich durch die Luft, schwängerte sie mit dem Geruch von verbranntem Ozon. Ein einzelner Ork, ein eher winziger, ihrer eigentlich unwürdiger Boy, schaffte es durch das tödliche Strahlgewitter vor die Prioris und setzte gerade zum ersten Nahkampfangriff an, als ein gezielter Laserschuss sein Leben beendete. Von seinem eigenen Schwung getrieben, rutschte der getötete Xenos über die versandeten Pflastersteine und kam, den Blick aus seinen verloschenen Augen gen Himmel gerichtet, mit dem Kopf auf Siles gepanzerten Stiefeln zum Liegen. Aus der im Moment des Todes eingefrorenen Grimasse ließ sich noch lesen, wie liebend gern er von ihren, durch die Servorüstung verstärkten Armen vernichtet worden wäre. Ja, seinen Gesichtsausdruck hätte man sogar so deuten können, dass er sie regelrecht anflehte, ihn zu zerreißen. Angewidert trat sie den toten Leib zur Seite. Gefolgt von einem Halbtrupp imperialer Infanteristen lief Captain Balgor geduckt auf sie zu. Die Querschläger orkischer Waffen ließen die Erde um die Soldaten aufspritzen. Schlitternd rutschten der Captain und seine Begleiter aus vollem Lauf in der Nähe von Sile und den Marines hinter eine von Panzergranaten zerfetzte Mauer. »Sile!«, schrie ihr Balgor zu und winkte sie heran, während der Funker an seiner Seite damit beschäftigt war, über das Handgerät seines Tornisters Kontakt mit einer anderen Einheit aufzunehmen. Die restlichen Männer des Halbtrupps setzten in das Schießen ein. »Nedor!«, rief der Captain, die Hände zur Verstärkung wie ein Trichter um den Mund gelegt und deutete auf einen zerschlagenen Schutzwall in seiner Nähe. »Nach links und dann hinter dieser Barrikade da in Deckung! « »Verstanden!«, erhielt er zur Antwort. Weitere Infanteristen huschten aus dem Schutz der Chimären und rannten zu der Deckung, die ihr Vorgesetzter ihnen soeben angegeben hatte. »Wollten Sie sich nicht zurückziehen?«, erkundigte sich die Sororita mit dem Tonfall einer strengen Mutter, als sie ihrerseits den Captain erreichte. »Genau genommen sind wir noch dabei«, präzisierte der. »Es hat sich lediglich die Richtung geändert.« Darüber musste Sile erst einmal einige Sekunden lang nachdenken. »Haben Sie den Colonel bereits erreicht?!«, nutzte Balgor die Zeit, welche die Schwester sprachlos blieb, um seinen Funker zur Eile anzutreiben. Kopfschütteln antwortete. »Dann versuchen Sie es weiter! †“ Sie haben den Gegner die ganze Zeit über aufgehalten?!«, wandte sich der Vorgesetzte zurück an die Sororita. Dem Unglauben in seinem Tonfall ließ sich entnehmen, dass er eine solche Selbstverständlichkeit nicht für möglich erachtet hatte. »Natürlich«, erwiderte Sile so neutral wie möglich. Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass sich ein wenig Stolz in ihre Stimme stahl. »Sehr gut«, murmelte Balgor, bereits mit der Planung seines nächsten Schachzugs beschäftigt. »Dann machen Sie weiter. Lassen Sie sich nicht aufhalten.« »Haben Sie eine Waffe für mich?«, wollte sie zuckersüß wissen. Balgor runzelte verwirrt die Stirn. »Hier liegen genügend herum«, bemerkte er wie selbstverständlich und deutete auf die Toten, von denen viele noch ihre Lasergewehre bei sich trugen. Nun war es an Sile, die Stirn zu runzeln. Dieses Mal jedoch aus Verachtung über die Stumpfsinnigkeit, mit der sie der Captain bedachte. »Eine Waffe, die ich effektiv nutzen kann.« »Wenn Sie eine effektive Waffe haben wollen, dann reißen Sie den Geschützturm von einer der Chimären und greifen Sie die Orks damit an«, schlug der imperiale Offizier vor, bevor seine Aufmerksamkeit in Richtung seines Funkers schoss. »Was ist nun mit Colonel Ekko?!« »Immer noch keine Verbindung!« Der ranghöhere Basteter zischte eine häretische Verwünschung, bevor er sich aufgeregt über das Gesicht wischte. »Was sagen Sie denn zu dem Feuerwerk, das der Colonel losgelassen hat?«, fragte er die Sororita, als sei ihm gerade ein ungemein interessantes Thema eingefallen. Die Überraschung für die Prioris hätte nicht größer sein können. »Es war †“« Ein richtiges Wort wollte ihr nicht einfallen. Sie brauchte eine Weile, um die nächstbeste Beschreibung zu finden. »Entlastend.« Balgor nickte zufrieden. »Das freut mich. Es hat ihn auch vollkommen fertiggemacht, nicht zu wissen, wie es ihnen geht.« »Wirklich?!« Die Sororita riss überrascht die Augen auf und starrte den Basteter an. Ganz offensichtlich missinterpretierte sie den Sarkasmus in den Worten des Captains. Als wenn Colonel Ekko sich jemals um das Heil einer Adepta Sorgen gemacht hätte. »Natürlich! Wie hatte ich nur so zweifeln können?!« Mehr Soldaten keuchten heran, gingen vor dem schlecht gezielten Feuer der fliehenden Orks in Deckung. Mit dem hallenden Dröhnen eines hart den steinernen Grund schlagenden Metallkörpers setzte sich ein schweres Waffenteam mit seinem Bolter neben Balgor und der Prioris fest. Der Schütze klappte den Deckel der Gurtzuführung hoch und legte mit den geübten Händen langjähriger Erfahrung einen neuen Gurt Boltgeschosse aus einem der Munitionskästen, die sein Kamerad mitgeschleppt hatte, in das Patronenlager. Der Spannschieber krachte. »Fertiggeladen!«, schrie der Mann, um den Kampflärm zu übertönen. Sein Kamerad, zugleich Zielzuweiser, brauchte nicht lange, um Gegner zum Bekämpfen zu finden: »Schütze †“ geradeaus †“ auf erkannten Feind †“ Feuer frei!« Mit ohrenbetäubendem Dröhnen trommelte die Maschinenwaffe los. Sile nutzte die unverhoffte Pause, um sich nach einer neuen Waffe umzusehen. Ihre Gedanken hingegen waren jedoch ganz woanders. *** Tief geduckt hechtete Sergeant Kleit hinter dem Rumpf einer gestoppten Chimäre hervor und rannte auf die Deckung der unbesetzten Gräben zu. Sein Lasergewehr zischte kohärente Wutausbrüche in Richtung des Gegners, erfüllt von der grimmigen Freude, sich für die erlittene Schmach des Rückzugs revanchieren zu können. Hinter sich hörte er weitere Schritte und Schüsse, als andere Soldaten aus der Deckung hervorkamen und versuchten, die Schützengräben zurückzuerobern. Aus den Augenwinkeln sah der Sergeant, wie die Häuserschlucht links von ihnen immer mehr Trupps auf den Platz erbrach, als hätten sie die Gebäude und den Straßenzug so dermaßen gesättigt, dass er sich an ihnen verschluckte und sie nun wieder ausspie. Panzermotoren grollten wie ferner Donner und das mannigfaltige Waffenfeuer ließ die Wohnblöcke und die Pflastersteine unter seinen Füßen zittern. Gerade wollte sich der Sergeant umwenden und den Männern hinter sich befehlen, schnellstmöglich auszuschwärmen, um nicht als Menschentraube ins Visier der Xenos zu geraten, als es geschah: Etwas traf ihn mit einem scharfen, metallenen Geräusch am Helm. Dank der Tatsache, dass der Schnellverschluss des Kinnriemens geöffnet war, absorbierte die Kopfbedeckung den Aufschlag, indem sie dem Sergeant mit einem deutlichen, metallenen Geräusch vom Kopf flog. Ein dröhnender Schmerz durchzuckte ihn. Unwillkürlich geriet der Sergeant ins Taumeln und ging zu Boden. Schwärze vernebelte seine Gedanken. Er wusste, er war tot. Das nächste, was er mitbekam war, dass er unsanft über einen Belag geschleift wurde. Er identifizierte den Untergrund sofort, aber dank der Dämonen, die auf seinen Schädel eintrommelten, konnte er keinen klaren Gedanken fassen. Er hörte Rufe und Schreie, und als sein Sichtfeld langsam anfing, sich zu bereinigen, konnte er auch Schemen erkennen, die vor einem wunderbaren Hintergrund aus strahlendblauem Himmel umherhuschten. Gleißendes Licht platzte in seinen Kopf. Lauter Donner überrollte ihn. Der Sergeant kniff die Augen zu und presste sich die Hände an die Ohren. Es half nichts. Die Dämonen in seinem Kopf stimmten einen lauten Gesang, ein grelles Klingeln, das seine Nerven traktierte und ihn zwang, selbst wie ein Sterbender zu schreien. Es dauerte nur Sekunden, da krepierte das Pfeifen in seinem Ohr wie eine platzende Seifenblase. Plötzlich stürzte eine Flut an Geräuschen auf ihn ein, verbiss sich in ihm und riss an seinen Sinnen. »Ahhh!«, brüllte er und federte hoch, um der Schallexplosion zu entfliehen, die auf seine ungeschützten Organe eintrommelte. »Thronverdammte Scheiße!« »In Deckung!« Ein halbes Dutzend Hände zog ihn zu Boden, sodass der Sergeant gar nicht anders konnte, als sich ungalant fallen zu lassen. Hände griffen nach ihm und fixierten ihn am Boden, damit er nicht in die Schusslinie geriet, während säuselnde Stimmen ihm zuflüsterten. Was sie sagten, verstand er nicht, doch unter dem schrillen Protestieren in seinem Kopf klang es beruhigend und verdrängte die Panik aus seinen Gedanken. »Thronverdammt!«, rief er, während sich sein Umfeld allmählich klärte. »Wollen Sie mich umbringen?!« Erleichtertes Lachen schallte ihm entgegen, untermalt vom Lärm der tobenden Schlacht. Kleit sah auf. Wie er feststellte, hatte man ihn hinter eine zerschlagene Mauer gezogen, damit er nicht im Feuerwechsel zwischen den Orks und den Imperialen liegen blieb und vielleicht von einem Querschläger ausgelöscht wurde. Vier Infanteristen knieten in seiner Nähe, sicherten den Bereich und beschossen den Gegner, während ein Sanitäter ihn untersuchte. »Sie haben uns einen verdammt großen Schrecken eingejagt«, bemerkte der Sanitätssoldat ungefähr in Kleits Richtung. »Wir haben gedacht, Sie wären gefallen.« »Ja«, brummte Kleit unwirsch zurück, »das hätte mir auch einen Riesenschrecken eingejagt.« Schritte näherten sich von rechts, pochten ihm Rhythmus des Blutes in Kleits malträtierten Ohren. Ein weiterer Infanterist ließ sich neben ihm auf die Knie fallen. An seiner linken Hand baumelte der Helm, den Kleit vor kurzem verloren hatte. Es ließ sich jedoch sofort erkennen, dass dieser seiner eigentlichen Aufgabe nicht mehr gerecht werden würde. Eine tiefe Delle, offensichtlich von einem abprallenden Geschoss hineingedrückt, hatte die gesamte Frontpartie des Kopfschutzes verformt. So bot er keinerlei Sicherheit mehr. Wenn überhaupt, konnte man nur noch versuchen, ihn auszubeulen und als Kochtopf zu verwenden. »Beim Thron«, meinte der Soldat und hielt die verbeulte und zerkratzte Kopfbedeckung in die Höhe. »Da haben Sie aber wirklich den Segen des Imperators gehabt, Sergeant.« Im nächsten Augenblick verschwand das Haupt des Basteters in einer nebeligen Wolke aus rosafarbener Gehirnmasse und Geschossrauch, welche nach rechts aus dem Schädel austrat und sich über die bei ihnen knienden Kameraden verteilte. Sein Helm hatte nicht einmal den Hauch einer Chance gehabt, das anfliegende Geschoss zu fangen oder abzulenken. Sämtliche Soldaten zuckten zurück, während der Leib des Unglücklichen einfach zur Seite wegkippte. Kleit begriff, wie viel Segen er eigentlich gehabt hatte und er fühlte sich mit einem Mal sehr müde. Weitere Schritte eilten herbei. Es war Captain Prish. »Was ist los?!«, schrie er die Männer an. »Warum steht ihr hier herum und kämpft nicht?!« »Der Sergeant …!«, versuchte einer der Soldaten zu erklären, doch der Captain fuhr ihm über den Mund. »Ein Sanitäter ist bei ihm! Los! Zurück in den Kampf! Für den Imperator!« Dann ging er neben seinem Untergebenen in die Knie. »Kleit?« Eine kräftige Hand packte den Sergeant an der Schulter. »Alles in Ordnung mit Ihnen?!« »Ja, noch lebe ich«, erwiderte Kleit matt, bevor er verbittert hinzufügte: »Mal gucken, wie lange.« »Sehr gut!« Der Offizier an seiner Seite ließ ein kehliges Lachen ertönen. »Wer will schon ewig leben!?!« *** Gut hundert Meter weiter kam Corporal Rebis rutschend an der Mauer zum Halten, hinter der auch Captain Balgors Kommando Schutz gesucht hatte. Der Rest seines Trupps verteilte sich über verschiedene Deckungen, die links und rechts des zertrümmerten Straßenzugs lagen. »Captain!«, rief der Corporal. Das elektrische Knistern einer Multilasersalve verschluckte alle weiteren Worte, doch an dem Blick, den der Captain ihm zuwarf, konnte der Sergeant sehen, dass er zumindest gehört worden war. »Ihre Befehle?!« »Was?!« Rebis legte die Hände als Trichter vor den Mund, sodass seine Stimme das Getöse um sie herum für zumindest einige Wort lang durchbrechen konnte. »Ihre Befehle, Sir?!«, schrie er erneut. Balgor gebot ihm, kurz zu warten, da ihm sein Funker im selben Moment auf die Schulter tippte, um ihm dann etwas ins Ohr zu brüllen. Der Captain nickte und bellte eine unverständliche Antwort, bevor er seinen Untergebenen mit einem harten Schulterschlag zurück in die Schlacht um die verfügbaren Frequenzen schickte. Eine Garbe Maschinengewehrfeuer verbiss sich in die Mauer, erschütterte die Steine und brachte die Konstruktion gefährlich ins Wanken. Rebis duckte sich dichter an den Boden, bemüht, keine Teile seines Körpers zu exponieren. Das dumpfe Platschen mehrerer Festkörper, die einen Leib aufrissen, erklang. Jemand schrie auf, ganz in seiner Nähe. »Bleib liegen!«, antwortete eine von Angst erfüllte Stimme. »Bleib um des Imperators Willen liegen! Du wirst wieder …« Erneutes Krachen. Wieder zerfetzten Geschosse den Leib eines Infanteristen. Dieses Mal jedoch kam die Antwort postwendend. »Geradeaus, einhundert …!« »Erkannt!« Röhrend trommelte der schwere Bolter eines Waffenteams in seiner Nähe los. Lasergewehrfeuer fiel ein. »Rebis!«, drang die Stimme Captain Balgors irgendwie durch den Lärm. »Rebis!« Der Corporal sah auf. »Können Sie von dort das Tor sehen?!«, wollte der dunkelhaarige Basteter in seinem Blickfeld wissen. Seine Hand deutete die ungefähre Richtung an, in der das Haupttor lag. »Augenblick, Sir!« Vorsichtig schob der Sergeant seinen Kopf um die Trümmer und versuchte, etwas zu erkennen. Noch immer waberte ein gräulicher Nebelvorhang vor dem Haupttor und verhinderte so eine genaue Sicht auf den Eingang zur Kathedrale, doch das Waffenfeuer und die kleinen Brände im Umfeld der Konstruktion erhellten den Bereich so deutlich, dass sich zumindest Schemen ausmachen ließen. In seine Beobachtung vertieft, bemerkte Rebis nicht, wie schwere Kampfstiefel im schnellen Takt herantrabten, begleitet vom kurzatmigen Schnaufen eines unter Belastung stehenden Soldaten. Erst das deutlich vernehmbare Geräusch, mit dem ein schwer beladener Körper gegen die Mauer fallen ließ, hinter der er lehnte, riss ihn aus seiner Konzentration. Erschrocken fuhr der Corporal zusammen, verlor den Halt und kippte vorn über, direkt in die Feuerlinie der Orks. Herr auf dem Thron, konnte er noch denken, als ihm klar wurde, dass die nächsten Projektile ihm gelten würden. Ein mächtiger Ruck durchfuhr ihn, riss ihn von den Beinen. Das Ende! Noch bevor er reagieren konnte, schleiften ihn die mächtigen Klauen einer unsichtbaren Kreatur rücklings über den Boden. Wie eine Schildkröte auf dem Rücken versuchte der stellvertretende Truppführer, zurück auf die Beine zu kommen. Seinen Weg in das Elysium des Imperators hatte er sich beileibe anders vorgestellt. Und dann sprach Er zu ihm †“ wobei der imperiale Soldat nie gedacht hätte, dass ihm die Stimme seines Gottes so bekannt vorkommen würde. »Corporal, was war das denn?«, wollte Soldat Melbin wissen, dessen beeindruckende Pranke sich gerade vom Rettungsgriff in Rebis Armaplastweste löste. »Dem Imperator sei Dank, dass ich gerade hier war!« Der auf dem Rücken liegende Unteroffizier schwenkte seinen Blick zu dem Soldaten, dessen massiver Körper halb über ihm lehnte. »Ja, und dem Imperator danke ich noch mehr, wenn er herniederfährt und Ihnen einen Blitz in den Arsch schießt!« Ungalant rollte er sich herum, bestrebt, Captain Balgor mitzuteilen, was er gesehen hatte (im Grunde also nichts), doch als er sich dem Captain zuwandte, konnte er sehen, dass bereits etwas anderes dessen Aufmerksamkeit in Beschlag nahm. *** Retexer warf sich hinter die Trümmer, wie ein Wilder gejagt von seinem Funker. Eine Salve Sturmwaffenfeuer schoss pfeifend über sie hinweg, um gut fünfzig Meter weiter ihr Ende in einer zerschlagenen Hauswand zu finden. Als hätten sie damit ein mechanisches Kinderspielzeug ausgelöst, tauchten zwei Soldaten hinter dem penetrierten Schutz auf und erwiderten das Feuer mit ihren Lasergewehren. Weitere Infanteristen sprinteten aus dem Gemäuer, nutzten den Feuerschutz ihrer Kameraden, um geduckt ein die nächste Stellung zu gelangen. »Retexer?«, begrüßte ihn eine wenig erfreut klingende Stimme. »Sie etwa auch hier?« Der Basteter sah auf. Captain Balgor, das Gesicht von Schnitten und Blessuren verunstaltet, blickte auf ihn herab. Ein schmutziger Dreitagebart bedeckte das Gesicht des imperialen Offiziers wie schwarz gewordener Schimmel und ließ den sonst recht adrett wirkenden Mann alt und verbraucht aussehen. »Natürlich!« Retexer legte so viel Missfallen in seine Stimme wie möglich. »Man erlangt keine Ehre, wenn man sich hinter den eigenen Truppen verkriecht.« Der Seitenhieb auf ihren Vorgesetzten und dessen Stellvertreter war nicht zu überhören. »Und wer vorsätzlich dämlich handelt, erlangt ebenfalls keine Ehre«, schoss Balgor mit demselben Missfallen zurück. In den Augen seines Gegenübers flackerte Wut auf, doch Retexer entschied kluger Weise, die Zurechtweisung zu ignorieren. »Lassen Sie mich an Ihrem taktischen Genie teilhaben!«, verlangte er stattdessen, die Stimme vor Verachtung triefend. »Als erstes muss ich wissen, wie es um das Tor steht!«, erklärte Balgor. In der Nähe ging ein Soldat zu Boden, vom Kopfschuss einer orkischen Sturmwaffe tödlich verwundet. Balgor strafte die Tragödie mit der taktischen Missachtung eines Befehlshabers. »Wenn ich nicht einschätzen kann, wie schwer die Anlage beschädigt ist, kann ich nicht weiter planen.« »Und?«, fuhr Retexer ihn an. »Warum sehen Sie nicht nach?!« Ein dröhnender Trommelschlag, begleitet von einem Nieselregen aus Erde, Sand und zertrümmertem Stein, beantwortete die Frage des Captains. Balgor lehnte sich vor, dankbar für die unverhoffte Unterstützung. »Sonst noch etwas unklar?« Retexer hingegen zog den Kopf ein und knirschte angewidert mit den Zähnen. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte die Deckung dem Aufprall nachgegeben. »Und stattdessen wollen Sie, dass ich einen Blick riskiere?!« »Was Sie machen, ist mir thronverdammt egal!«, stellte der andere Offizier klar. »Hauptsache, ich erhalte die Information, die ich brauche!« Weitere Explosionen erschütterten Luft und Erdboden, verschluckten alle Worte, die Retexer seinem ranggleichen Kameraden entgegenschleuderte. Hätten sie es nicht getan, der Imperator hätte den Imperialen für seine ketzerische Ausdrucksweise womöglich auf der Stelle gerichtet. Der Häretiker hingegen ignorierte die spirituelle Gefahr, in die er sich begab. »Wejoun!«, befahl er seinen Untergebenen zur Aufklärung der Lage. Eben typisch Offizier. Derweil sah Balgor sich um. Anders, als er dem anderen Captain glauben gemacht hatte, hatte er sich sehr wohl bereits einen umfassenden Plan für seinen nächsten Schritt zurechtgelegt. Allerdings fehlte es ihm derzeit noch an Menschen und Material, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Da nun die unliebsame Aufgabe, das Vorfeld des Haupteingangs aufzuklären, an Retexer übergeben war, blieb ihm genügend Zeit, sich einen Überblick über die Truppen zu verschaffen, die er direkt an den Feind bringen konnte. Zwar ließ sich von seiner Position aus nicht genau erkennen, wie viele Einheiten nun wirklich im Kampf mit den Grünhäuten standen, aber er zählte acht Chimären und zwei Salamander in seiner unmittelbaren Nähe, eingerahmt von gut einer bis anderthalb Infanteriezügen. Überschlug er das, dann konnte er höchstwahrscheinlich auf etwa achtzig Soldaten und zehn bis fünfzehn Panzerfahrzeuge zugreifen, zählte man die nicht mit, die bereits in die Stadt ausschwärmten und dort den Xeno-Abschaum vernichteten. Achtzig Soldaten im seinem direkten Befehlsbereich. Das war nicht einmal eine vollzählige Kompanie, im Angesicht eines übermächtigen Feindes nicht mehr als das Äquivalent eines längst überfälligen Gebetes, doch selbst mit dem einen oder anderen Wort ließ sich im richtigen Moment das Richtige bewirken. Außerdem baumelte ihnen noch das eine oder andere Ass aus dem Ärmel. Mit brüllendem Motor setzte eine nicht weit entfernte Chimäre vorsichtig über einen der eingestürzten Schützengräben hinweg, gefolgt von einem Halbtrupp Infanteristen, die den Gegner mit Laserfeuer eindeckten. Jenseits des Fahrzeugs, verdeckt hinter einer Mauer, waren zwei Soldaten eilig dabei, ihre leergeschossenen Magazine zu wechseln, während ihre Kameraden bereits unter gegenseitiger Deckung vorrückten, um eine bessere Schussposition zu erreichen. Ein Unteroffizier, vermutlich ihr Sergeant, stoppte kurz und schrie sie an, sich sofort wieder der Gruppe anzuschließen. Die beiden Infanteristen erhoben sich †“ im nächsten Augenblick waren sie und ihr Vorgesetzter verschwunden, zu einer Wolke aus Staub vaporisiert, welche in einer gewaltigen Erdfontäne gen Himmel schoss. Ein satter Schlag sprang durch die Luft, mehr ein Niesen als eine Explosion, ließ den Boden noch über hundert Meter entfernt erzittern. Balgor wandte sich ab und ließ seinen Blick in die andere Richtung schweifen. Die flammend rote Rüstung Leitis Siles tanzte in sein Sichtfeld, zirkulierte wie eine Luftströmung durch eine Formation fliehender Grünhäute. Die blutverschmierten Schleier ihrer Epitrachelien umwehten sie gleich den Schleifenbändern einer Schleiertänzerin. Ihre Hände fuhren durch die Leiber der entsetzten Angreifer, als bestünden diese aus Flüssigkeit und nicht aus Fleisch und Muskeln. Gliedmaßen und zerfetzte Körper wirbelten durch die Luft, besprengten ihr Umfeld mit den stinkenden Überbleibseln ihrer Innereien und einem Regen aus Blut. Der Captain benötigte einige Sekunden um zu begreifen, dass es nicht die Handschuhe der Servorüstung waren, mit denen die Prioris die Angreifer durchschnitt, sondern die jaulende, reißende Klinge eines Kettenschwerts. Er verzog das Gesicht. Nur der Imperator wusste, wo sie diese Waffe requiriert hatte. Und nur der Imperator konnte wissen, wie weit sie noch gehen würde, um den Feind von diesem einst heiligen Ort zu vertreiben. Vermutlich hätte sie sich im Alleingang durch die gesamte gegnerische Armee gemetzelt. Und sie war nicht allein. Nicht weit hinter ihr, unbeeindruckt von den verzweifelten Versuchen der Grünhäute, ihren Vormarsch zu stoppen, stampften die bunten Rüstungen der Space Marines unverwüstlich durch das Gewitter aus Laserstrahlen. Die ehernen Hünen ignorierten die aufspritzenden Fontänen aus blutverfärbter Erde und das Summen und Pfeifen der Querschläger, welche mit brutaler Gleichgültigkeit nach Opfern auf ihren unberechenbaren Flugbahnen suchten, während sie ihre Gegner mit der Inbrunst einer Leman Russ-Panzerschwadron niederwalzten. Einer von ihnen zog gerade einem verdutzten Waffenteam den schweren Bolter von ihrem Dreibein und ging, ohne auf die wütenden Protestrufe der nun fast unbewaffneten Imperialen zu achten, mit der neu erworbenen Waffe gegen die Grünhäute vor. Balgor blieb nur, entgeistert mit dem Kopf zu schütteln, bevor ihn die Realität zurück hinter seine Deckung katapultierte. Gerade beendete Retexers Funker seine Aufklärung. »Das Tor scheint unbeschädigt zu sein«, meldete der Soldat seine Entdeckung, außer Atem und froh, wieder den Schutz der Mauer genießen zu können. Doch auch Unglauben stahl sich in die Stimme des Infanteristen. »Es ist nicht einmal angekratzt.« »Warum sollte es auch?!«, rief Retexer wie selbstverständlich, ließ ein geleertes Magazin aus seiner Laserpistole fallen und zog ein neues aus einer Tasche an seinem Gürtel. »Es ist ein imperiales Bauwerk, erschaffen für die Ewigkeit!« Als das unheilverkündende Pfeifen der sich aufladenden Waffe erklang, schnellte der Basteter erneut in die Höhe und zog den Abzug durch, um dann zurück hinter die Deckung abzutauchen. Die Schüsse waren ungenau gezielt und stanzten lediglich kleine, schwarze Punkt in das mächtige Mauerwerk des äußeren Schutzwalls. Kopfschüttelnd sah Balgor den anderen Captain an. »Was können Sie eigentlich, Retexer?«, stichelte er. Der Kommandant des vierten Zuges schnaubte angewidert, kam jedoch nicht dazu, eine harsche Entgegnung in Richtung des ranggleichen Offiziers zu schleudern. »Also gut!«, wandte sich Balgor bereits dem nächsten Problem zu, vor dem er stand. »Wir müssen irgendwie in das Torhaus gelangen und sehen, wie viele Sprengsätze das Gefecht überlebt haben.« »Und was wollen Sie damit tun?!«, fuhr Retexer ihn an. »Wollen Sie die Sprengsätze auf den Feind werfen?!« »Sie zu werfen wäre eine echte Alternative«, grummelte Balgor, als er sich an der Barrikade in die Höhe schob und einen flüchtigen Blick auf das Kampfgetümmel riskierte, bevor er wieder abtauchte. »Aber viel wichtiger wäre es, den Ansturm des Feindes zu unterbinden, damit wir Zeit haben, überhaupt etwas auf die Xenos zu werfen.« »Keine Sorge«, entgegnete Retexer. »Es wird mir eine Ehre sein, den Gegner hier am Tor aufzuhalten.« Balgor seufzte. Natürlich. Retexer und sein Verständnis von Ruhm und Ehre. Der Captain maß den ranggleichen Offizier mit seinen dunklen Augen. »Sie? Und wessen Kompanie? Soweit ich weiß, ist ihr Zug doch nicht mal mehr die Hälfte von dem stark, was er ursprünglich an Personal zählte. Aber wenn Sie der Meinung sind, Sie schaffen das, dann kann ich ja den allgemeinen Rückzug befehlen und Sie decken uns«, schlug er mit unverhohlenem Sarkasmus in der Stimme vor. Von den Worten deutlich angegriffen zischte Retexer zurück: »Dann machen Sie einen besseren Vorschlag!« Balgor lächelte bitter. Damit standen sie wieder am Anfang. »Wenn wir das Tor zum Einsturz bringen, dann wird der Strom der Gegner versiegen«, erinnerte er den anderen Captain. Mit den Händen symbolisierte er eine abebbende Welle, um seinen Vorschlag zu verdeutlichen. »Und dafür müssen wir wissen, ob die Sprengsätze noch funktionieren und sie, wenn nötig, per Hand zünden.« Retexer überlegte, während der Krieg um sie seine grausame Melodie spielte. Schließlich sah er auf. »Ich erledige das!« Ohne auf eine Antwort seines Gegenübers zu warten, fuhr der ehrbesessene Captain herum und winkte seine Männer mit einer deutlichen Geste vorwärts. Dann sprang er auf und lief, wild feuernd, aus der Deckung auf den umkämpften Platz. »Womit denn, Retexer?!«, rief Balgor ihm hinterher. »Womit, thronverdammt?!« Retexers Funker zögerte einige Augenblicke länger, nicht sicher, ob er sich wirklich in das Lichterinferno außerhalb des schützenden Mauerwerks begeben wollte. Schlussendlich jedoch siegte entweder seine Angst vor den Konsequenzen, wenn er es nicht tat, oder seine Loyalität zu dem anderen Captain. Er erhob sich und gab mehrere kurze Schüsse ab, um dann seinem Vorgesetzten hinterher zu sprinten. Ungläubig verfolgte Balgor, wie immer mehr Männer aus Deckungen und hinter Barrikaden hervorsprangen, um im Zick-zack durch das Abwehrfeuer zu sprinten. Immer wieder sah er, wie Infanteristen von Projektilen und Querschlägern getroffen und herumgewirbelt wurden, nur um gefällt zu Boden zu stürzen. Die Meisten rührten sich nicht mehr. Tiefste Verbitterung erfasst den Captain. Aus einer ohnmächtigen Wut heraus donnerte seine Faust gegen den Mauerstein. »Thronverdammte Scheiße! Jelard!«, befahl er seinen Funker zu sich, wohl wissend, dass dieser direkt hinter ihm knien sollte. Er erhielt keine Antwort. Überrascht wandte sich der imperiale Offizier um, nur um festzustellen, dass der Basteter zusammen mit anderen Infanteristen Deckungsfeuer für die vorstürmenden Kameraden gab. Sehr löblich, ohne Frage, in diesem Fall aber nicht wirklich hilfreich. »Jelard!«, brüllte er erneut. Erst jetzt reagierte der Soldat, löste sich aus dem Feuergefecht und lief zurück zu seinem Vorgesetzten. »Halten Sie den Kopf unten!« Wenig sanft zog Balgor den Mann zurück hinter die Deckung, bevor er gestenreich fortfuhr: »Fordern Sie alle Panzer mit Räumschaufeln an, die wir besorgen können. Wir müssen den Einbruch dicht machen.« Ein gleißender Lichtstrahl zuckte über sie hinweg, verschmolz mit dem Gemisch aus Rauch und Staub zu einer grell flammenden Wolke. Trockenes Krachen versetzte die Luft in Vibration. Der Schein des aufflackernden Feuers spiegelte sich in den dunklen Augen des Captains. »Haben Sie das verstanden?!«, bellte er seinen Funker an. Jelard schrie ihm eine Bestätigung zu, während er bereits nach dem Handgerät des Funktornisters langte. Schon kurze Zeit später jagte der Funkspruch in den Äther hinaus. »An alle Einheiten von 5120201 †“ sämtliche Räumschaufeln an die Front. Ich wiederhole: sämtliche Räumschaufeln …« *** Das Knallen detonierender Munition erschütterte Captain Retexer bis ins Mark, während er seinen Männern voran über das Schlachtfeld stürmte. Projektile zischten an ihm vorbei, streiften ihn mit ihrem heißen Luftzug. Erde spritzte in sein Gesicht, von den Einschlägen verirrter Geschosse in die Luft geworfen. Ersticktes Stöhnen keuchte auf, wenn eines der Geschosses sein Ziel fand und einen der hinter ihm laufenden Soldaten zu Fall brachte. Schreie tanzten über das Schlachtfeld, ein wildes Crescendo aus Befehlen, Meldungen, Wut und Panik, gepaart mit den Schmerzen und dem Sterben der Verwundeten. Eine heftige Druckwelle blies ihn von der Seite an, zwang ihn, erst zu straucheln, dann zu Boden. Dumpf prallte der Captain auf und rutschte über den Sand. Sein Körper flehte ihn an, einfach kehrt zu machen, Cherubim in seinem Körper, die aufgeregt umher flatterten und ihre Aufregung durch seine Adern posaunten. Seine Lunge brannte vom beißenden Geruch der Waffen und des Todes, die sich in der vom Staub erfüllten Luft festsetzten. Seine Muskeln wurden schwer, versuchten ihn am Boden zu halten. Sein Herz hatte längst den Rückzug in unteren Körperregionen angetreten. Retexer ignorierte all das. Angst hätte ihn nur gelähmt. Wer in einem solchen Moment Furcht zeigte, konnte sich im Grunde gleich auf die Schlachtbank legen und zerstückeln lassen. Ehre erlangte man so nicht. Mit einem kräftigen Stoß wuchtete er sich erneut in die Höhe, getrieben von seiner Entschlossenheit, nicht aufgrund eines blöden Strauchelns in den Sand von Agos Virgil zu fallen. Ein grausiger Schauer spielte mit seinen Nackenhaaren, trieb ihn mit dem geflüsterten Versprechen unsäglicher Leiden vor sich her. Retexer sah auf. Nicht weit vor ihm, leicht nach rechts versetzt, umtobte noch immer ein mächtiges Flammenmeer das Haupttor, geschürt von den Treibstoff- und Munitionsbränden der orkischen Panzerfahrzeuge. Schwarzer Rauch stieg auf breiter Front in den Himmel, sammelte sich wie Wasserdampf unter der schützenden Haube des energetischen Schutzschilds, zeichnete die kuppelartige Form der durchsichtigen Barriere nach. Unzählige Einschlagskrater verschiedenster Kaliber hatten die Erde um die eherne Mauer abgetragen und in die Luft gewirbelt, ein stummes Zeugnis der Feuerkraft, die man an diesem Ort konzentriert hatte. Lange Ketten aus Leuchtspurmunition zuckten durch die Luft, sprangen wie hungrige Raubtiere aus dem Nebel, fachend und nach Beute suchend. Der Captain ließ es zu, seinen Blick für einige Herzschläge über das Inferno tasten zu lassen und die Eindrücke in sich aufzunehmen. Ohne, dass er es bemerkte, verlangsamten sich seine Schritte, bestrebt, seinen Körper von den Urgewalten, die an diesem Ort tobten, fern zu halten. Lasergewehrfeuer zischte vor und hinter ihm entlang, ein wenig koordinierter Versuch eines Feuerschutzes. Für einen kurzen Zeitraum †“ er merkte es gar nicht wirklich †“ blieb der Basteter nahezu stehen, trabte nur noch leicht vor sich hin, verloren im beeindruckenden Anblick des Feuersturms, der einen weiteren Einbruch der Grünhäute verhinderte. Doch das reichte. Zielsicher tanzte eine Perlenschnur aus Leuchtspurmunition auf den Captain zu, sprengte die Erde um ihn in einer scheinbar einzigen Säule in den Himmel. Retexer zuckte zusammen, dann begann er wieder zu laufen. »Thronverdammt!«, brachte er unter zusammengebissenen Zähnen hervor. Hatte ihn die Aussicht wirklich so dermaßen abgelenkt, dass der Feind die Gelegenheit bekam, sich auf ihn einzuschießen? Wie hatte er nur so nachlässig sein können?! Ein Infanterist im vollen Sprint überholte ihn, den weit aufgerissenen Augen nach mehr von nackter Panik als seinem Glauben an den Sieg getrieben. Ohne auf seine Umwelt zu achten, stürmte der Mann vorwärts, den rettenden Schutz der Mauer fest im Blick. Hätte sich ein Ork aus dem das Haupttor umwabernden Rauch geschält, der Infanterist wäre höchstwahrscheinlich schnurstracks an der Grünhaut vorbeigerannt. Im gleichen Moment verschwand der Soldat in einer rosafarbenen Wolke aus verdampfenden Körpersäften. Er platzte einfach, zerbarst wie ein Leman Russ nach einem Treffer in die Munitionskammern. Ein Gemisch aus Körperfetzen und zerrissener Kleidung spritzte Retexer ins Gesicht. Zum zweiten Mal geriet der Captain ins Straucheln, schaffte es aber, sich dieses Mal rechtzeitig abzufangen. Eine neue Garbe Leuchtspurgeschosse verfehlte ihn knapp. Da entdeckte er sein eigentliches Ziel: einen kleinen, unscheinbaren Eingang, der sich linker Hand des Haupttores an eine Nische in der Mauer duckte. Den Einschüssen, Blitzspritzern und der zertrümmerten Tür nach zu urteilen, war auch dieses unscheinbare Stück des Walls im Laufe der Kämpfe hart getroffen worden, Retexer bereitete sich darauf vor, dass ihn direkt hinter dem Eintritt ein riesiger Ork mit einer Keule erwartete. Mit dröhnendem Getöse brach der Captain durch die längst nicht mehr vorhandene Barriere, welche den kleinen Zugang in die Eingeweide der Außenmauer geschützt hatte. Die traurigen Überreste der schweren Holztür, im Laufe der Gefechte aus den Angeln gerissen und dennoch bemüht, einen Hauch von Undurchdringlichkeit zu suggerieren, waren ihm dabei keinerlei Hindernis. Direkt hinter der Tür stieg eine steile Treppe in die Höhe, parallel zu den Außenseiten des Schutzwalls gelegen. Ohne in seinem Schritt innezuhalten, lediglich den ehernen Stein als Puffer für den Richtungswechsel nutzend, stürmte der Captain den schmalen Stufengang hinauf, das Lasergewehr im Hüftanschlag. Hinter sich hörte er die schweren Stiefel seiner Männer in dem Versuch, seinen Schritt zu halten, durch das schwere Holz der aufgesprengten Tür brechen. Wenigstens schienen sich keine Orks in dem Gemäuer zu befinden. Glück für sie. Eine scharfe Biegung brachte Retexer zurück auf einen ebenen Gang, der in Gegenrichtung zum Aufgang verlief. Der moderige Geruch eines archaischen Bauwerks schlug ihm entgegen, durch die schweren Kämpfe aus den Fugen der alten Natursteine gepresst. Schwaches Dämmerlicht von dünnen Leuchtröhren, von harten Schlägen gegen den Außenwall teilweise zerborsten und funkensprühend, kämpfte sich seinen Weg über das Mauerwerk, zeichnete die unebene Struktur der Wände und des Bodens nach. Obwohl durch das herrschende Halbdunkel so gut wie blind, lief Retexer weiter, gefolgt von seinen Infanteristen, die immer noch damit beschäftigt waren, zu ihm aufzuschließen. Ohne in seinem Schritt innezuhalten griff der Kommandant des vierten Zuges unter seine Waffe und aktivierte die dort befindliche Gewehrlampe, standardmäßig in jedes Lasergewehr integriert. Mit dem leisen Klicken des kippenden Batterieschalters atmete die Lampe einen gerichteten Strahl blendender Helligkeit in die vorwärtsstrebende Dunkelheit, wehrte die Düsternis mit grellem Schein ab. Zwar reichte die Energie der Lichtquelle lediglich, um einige Meter weit zu strahlen, doch das war genug, damit Retexer mögliche Feinde im Nahbereich erkennen und bekämpfen konnte. Dumpfes Donnern brandete gegen die Außenseiten der Mauern, echote durch den schmalen Gang. Wie von einer gewaltigen Schalldusche fortgespült, brachen Sand und Putz aus den Ritzen, rieselten als feiner Regen auf Soldaten und Boden. Eine überwältigende Hitze stieg aus dem Boden, materialisierte in eine schneidende Gegenständlichkeit, die alles und jeden umschloss und den Männern Ströme aus Schweiß über die Körper trieb. Ohne Frage näherten sie sich dem Zentrum der Kämpfe. Der Gang vor ihm stieg seicht an; ein kleiner Vermessungsfehler während der Bauphase dieser Mauer, welcher die Konstrukteure schlussendlich gezwungen hatte, den Verlauf des Wandelganges zu korrigieren. Ein hallender Schlag rollte durch den Boden und die Wände, begleitet von einer heftigen Vibration. Ein auf dem Boden liegender, offensichtlich aus der Mauer gelöster Stein, vom Aufschlag bereits in mehrere Teile zersplittert, tanzte über den steinernen Grund. Gelöster Staub hustete aus Ritzen zwischen den Natursteinen, füllte heiß werdende Luft mit feinen Partikeln. Der Basteter hob die Hand, signalisierte seinen Männern, abzubremsen. Irgendwo hier mussten sie … Da waren sie! Ein halbes Dutzend kleiner Sprengkapseln, versehen mit Zündern und auf provisorische Art mit allerlei explosivem Material umgeben, unter anderem Handgranaten, Geschützkartuschen, Behälter mit hochflüchtigem Promethium und Sprengminen. Von den Spezialisten des Regiments fachmännisch angebracht, säumten die improvisierten Sprengmittel den Gang auf einer Länge von gut fünfzig Meter, teilweise zu kleinen Häufchen aufgeschichtet, an die Mauern gehakt oder in die Hohlräume herausgebrochener Quader gesteckt. Und sie schienen nach wie vor intakt zu sein! Zwar hatten die dauernden Erschütterungen einige der Sprengkörper aus ihren improvisierten Halterungen gerissen, und auch das eine oder andere Zündkabel schien zerfetzt, doch das waren geringfügige Probleme, die durch Zündung aller verbliebenen Explosionsmittel überbrückt werden konnten. Was auch immer auf das mächtige Tor niedergegangen war und es dermaßen schwer beschädigt hatte †“ diese Vernichtungsladung schien weder der Grund für die gewaltige Detonation gewesen zu sein, noch war sie selbst übermäßig stark beeinträchtigt worden. Erleichtert atmete der imperiale Offizier aus. Ein neuerlicher Donner echote dumpf durch das Mauerwerk, getragen vom wohligen Schauer eines schwachen Zitterns. Wejoun eilte an die Seite seines Vorgesetzten. »Sir? Sind wir direkt über dem Tor?«, wollte er aufgeregt wissen, während mehr Infanteristen nachrückten und an beide Seiten des Gangs ausschwärmten. »Nein«, antwortete der Captain. »Nicht direkt. Wir haben noch ungefähr fünfzehn bis zwanzig Meter.« Er sah sich um. Die harten Strahlen aktivierter Gewehrlampen streiften ihn, immer auf der Suche nach lohnenden Zielen. Zwar schien es, als würde sich hier kein Gegner aufhalten, aber wie die meisten imperialen Bürger fürchteten auch die Basteter die Dunkelheit. Man konnte nie wissen, wer oder was sich in den Schatten verbarg. Ein Grund, sich nicht länger an diesem Ort aufzuhalten als unbedingt notwendig. Die stärker werdende Hitze trieb kalten Schweiß auf seine Haut, um ihn unter der schweren Kampfuniform wenigstens zu einem gewissen Teil abzukühlen. Allerdings half die ekelhafte Nässe unter seinem Drillich nicht wirklich, einen Schild gegen die stehende Luft zu etablieren. Vielmehr scheuerte sie auf seiner Haut und pumpte bei jeder Bewegung schwüle Wärme zwischen Körper und Stoff, was den Schweißfluss nur noch weiter anregte. Noch ein Argument, möglichst schnell von hier zu verschwinden. Retexer wandte sich um. Wirklich viele Männer hatten es nicht ins Innere der Außenmauer geschafft. Er mochte sich irren, und sein von Adrenalin vernebeltes Gehirn versagte dabei, eine geschickte Kopfrechnung anzustellen, aber wenn er sich nicht verzählt hatte, knieten hinter ihm so um die fünfzehn oder zwanzig Männer. »Ist ein Sergeant hier?!«, rief er laut, um den durch die Steine vibrierenden Gefechtslärm zu übertönen. »Ja!«, antwortete ihm eine Stimme. »Sergeant Lovin!« »Lovin? Nach vorn an die Spitze des Zugs!«, rief er dem Truppführer des zweiten Trupps zu. Ohne Umschweife erhob sich der nur schemenhaft sichtbare Körper des Unteroffiziers und sprintete im Laufschritt an die Spitze der kleinen Gruppe, wo er neben seinem Vorgesetzten niederkniete. »Sir?« »Hören Sie zu«, begann Retexer die Einweisung und hob das Lasergewehr. Die untergeklippte Lampe strahlte unsicher in das allgegenwärtige Dunkel. »Ich will, dass sie ungefähr die Hälfte der Männer nehmen und auf die andere Seite des Tores vorrücken. Prüfen Sie alle Sprengsätze und Verbindungsstränge. Wir müssen sicher gehen, dass auch wirklich alles explodiert, wenn wir es zünden.« Der Sergeant nickte zur Bestätigung. »Irgendwelche Fragen?«, hakte der Captain nach. »Nein, Sir.« »Gut, dann los!« Lovin erhob sich. »Linke Flanke!«, rief er die Männer zusammen, die sich linker Hand des Ganges an die Wand duckten. »Auf †“ marsch, marsch!« Dann sprang er los, das Licht seiner Lampe wie einen Schild gegen das Dunkel vor sich auf den Boden gerichtet. Eine Schlange aus Infanteristen folgte ihm. Die verbliebene Gruppe verteilte sich neu. »Rechte Flanke!«, bellte Retexer, als Lovins Männer an ihm vorbei waren. »Zugehört! Wir werden nun alle Sprengsätze und Verbindungsstränge auf eventuelle Beschädigungen kontrollieren. Es muss alles funktionieren, wenn wir das Tor in die Luft jagen. Irgendwelche Fragen? Nein? Gut, dann los!« Sie verteilten sich und begannen damit, mit ihren Leuchtmitteln sämtliche Bomben, Granaten und Zündkörper auf Schäden zu überprüfen. »Thronverdammt, ist das heiß hier drin!«, rief Soldat Teccer aus und wischte sich eilends über die Stirn. »Was bedeutet das?«, verlangte Retexer zu wissen. »Kann der Sprengstoff explodieren?« »Nein«, beruhigte ihn Teccer, der nicht nur Waffenexperte, sondern auch ausgebildeter Sprengstoffspezialist war (soweit man außerhalb einer Pioniereinheit von ‚Spezialist†˜ sprechen konnte), »die Hitze reicht noch nicht, um die Garzeit der Sprengmittel so extrem zu reduzieren.« Der Infanterist schlug dem Kameraden neben ihm ans Bein und deutete auf die dünnen Zündkabel mit denen er hantierte. Der Strahl der Taschenlampe sprang erneut auf die Sprengmittel. »Das heißt aber nicht, dass es trotzdem viel zu heiß hier ist.« Es dauerte nicht lange, die Verbindungen zu überprüfen und vorhandene Schäden zu beseitigen, doch als die Taschenlampen von Lovins Trupp durch das Dunkel zurück in ihre Richtung schlingerten, kam es dem Captain überhaupt nicht mehr so vor, als würde er dem Regiment mit dieser Aktion einen Dienst erweisen. Vielmehr fragte er sich, ob es nicht ein Fehler war, dem Gegner eine so große Menge Detonationsmaterial unbeschädigt in die Hände fallen zu lassen. Immerhin hatte Balgor sich offensichtlich keinerlei Gedanken über die Detonation der Sprengmittel gemacht. Und wenn man ganz ehrlich sein wollte: diese thronverdammten Funkzünder, von denen die Armeeführung seit neuestem schwärmte, waren nun wirklich keine Wundermittel. Wer auch immer das STK dieser Dinger entdeckt hatte, er hatte der Armee wirklich keinen Dienst erwiesen. Hoffentlich hielt der Imperator ein strafendes Auge auf ihm und jagte ihm bei Gelegenheit einen Blitz in den Arsch. »Teccer!«, rief er den Sprengstoffexperten zu sich. »Sir?« »Haben wir noch Sturmzünder?« Der Infanterist zog fragend die Augenbrauen zusammen. »Sturmzünder? Sie meinen Reißzünder?« »Ja!« »Natürlich«, bestätigte der Untergebene die Annahme seines Vorgesetzten. »Aber was wollen Sie mit denen? Die Pioniere des Munitorums haben eine Fernzündung installiert.« »Der reicht mir aber nicht«, verdeutlichte Retexer. Er zeigte auf den Kabelstrang, der den Zünder mit dem ersten Initialsprengstoff verband. »Zünder! Jetzt!« Fluchend machte sich der Soldat daran, seinen Rucksack abzuschnellen und den wortkargen Befehl seines Vorgesetzten auszuführen. Draußen trugen die Geschütze ihr hässliches Duell aus. »Sir«, kniete sich Sergeant Lovin neben ihm auf den Boden. »Melde: alles geprüft, keine signifikanten Beeinträchtigungen … was machen Sie …?« Es dauerte einige Sekunde, bis er begriff, was er vor sich sah. »Halten Sie das für gut, Sir?« Retexer funkelte ihn an und hob warnend den Zeigefinger. Der Sergeant verstummte. »Fertig«, meldete der Soldat zu seinen Füßen. »Aber …« Der Captain nahm ihm den improvisierten Zünder aus der Hand. »Klarmachen zum Abmarsch«, befahl er. Die Abteilung formierte sich neu, bereit, um abzurücken. »Aber, Sir!«, protestierte Teccer, der seine mühevolle Arbeit offensichtlich gefährdet sah. »Halten Sie das Maul!«, fuhr ihn der Zugführer an, nur um kurz innezuhalten. Der Imperator wachte über die Menschheit, also musste er auch über ihn wachen. Blieb nur zu hoffen, dass er seiner Aufgabe die Anerkennung zollte, die einem derart schweren Auftrag gebührte. Das Einzige, was sich Captain Retexer vom vierten Zug des 512. Sera wünschte, war Ehre. Zeit, sie sich zu verdienen. »In Ordnung!«, rief er und riss die Schutzkappe des Friktionszünders mit einem kräftigen Ruck von der Zündleine. Das heiße Zischen einer wütenden Schlange hallte durch den steinernen Gang, initiierte den Brennvorgang der Lunte. Ein kleines Elmsfeuer sprang über den modrigen Naturstein, näherte sich zielsicher dem ersten Initialsprengstoff. »Lunte brennt!«, informierte der Captain seiner Männer. »Raus hier! Lauft! Lauft! Lauft!« Als hätte er mit diesen Worten einen tollwütigen Grox auf sie losgelassen, sprangen die Männer auf und stürmten den Weg zurück, die Treppe hinter und hinaus auf das Schlachtfeld. »Sechzig Sekunden!«, hörte er die von körperlicher Belastung rasselnde Stimme eines der Soldaten. Er nahm an, dass es Teccer war. »In einer Minute geht die Scheiße in die Luft!« Die ersten beiden Infanteristen schafften es irgendwie, über die zertrümmerte Tür zu springen und hinaus auf das Schlachtfeld zu sprinten, bevor irgendjemand realisierte, was gerade passierte. Der dritte Soldat der Reihe hatte nicht so viel Glück. Von einem Geschoss getroffen, das direkt durch seinen ungeschützten Arm schlug und seine Körperseite penetrierte, kippte er zur Seite weg und blieb direkt vor dem Eingang liegen. Der vierte Mann, ebenso unglücklich, hakte mit seinem Stiefel unter den Drillich des Fallenden und strauchelte. Dass er damit die nachfolgende Salve fing und seinen Kameraden so einen Schutz vor den in ihre Richtung peitschenden Geschossen bot, sollte ihm in den letzten Augenblicken seines Lebens auch kein wirklicher Trost mehr sein. »Weg!«, schrie Retexer und stürmte den Soldaten nach aus dem Gang. »Alle in Deckung! Mit einem letzten, weiten Satz zur Seite brachte sich der imperiale Offizier aus dem Gefahrenbereich des Eingangs, dann kniete er sich an die Mauer, während die Kette der Männer um ihn aufbrach, verzweifelt bemüht, noch rechtzeitig in Deckung zu gelangen. Aus den Augenwinkeln sah er Captain Balgor, der seine Deckung verlassen hatte und wild winkte, nur um sich damit selbst zur Zielscheibe zu machen. Von einem Augenblick zum nächsten explodierte der Mauerrest neben ihm in einer gewaltigen Fontäne aus Einschlägen, zwang den imperialen Offizier zurück auf den Boden. Thronverdammter Idiot! Diese arrogante Selbstdarstellerei. Natürlich wusste er, was zu tun war! Und eine Marionette des Colonels, die sich vor den Männern als Oberbefehlshaber aufspielte, war nun wirklich kein Motivationsfaktor. Schlimm genug, dass Balgor mit seiner selbst eingeleiteten Gegenoffensive einen so unerwarteten Erfolg gehabt hatte, aber dass er den Ruhm für diese Aktion beanspruchte, ging definitiv zu weit. »Achtung, Zündung!«, rief Retexer, so laut er konnte. Ein vielstimmiges Echo antwortete ihm. »Achtung, Zündung!« Atemlose Sekunden einer gefühlten Ewigkeit vergingen. Die Welt atmete für diesen einen, außerordentlich bedeutenden Moment ein. Dann explodierte die Stille, als hätte man Agos Virgil selbst gesprengt. Mehrere Dutzend Tonnen Sprengstoff setzten synchron um, zerrissen das unzerstörbare Mauerwerk von innen heraus. Imperiale und Orks, gleichermaßen von der Druckwelle überrascht, wurden von den Füßen gehoben und durch die Luft gewirbelt. Wer zu dicht an der Explosion stand, zerfetzte einfach. Die Körper konnten dem plötzlichen Luftdruck nichts entgegensetzen. Die Schockwelle raste durch den äußeren Ring der Kathedrale, zerbrach die wenigen noch vorhandenen Fenster der Gebäude und ließ etliche vorbereitete Sprengfallen vorzeitig detonieren. Trümmerstücke und zerborstene Wände wurden zerschlagen, aus ihren Fundamenten gerissen und als tödliche Geschosse in die Luft gewirbelt. Durch die frei werdenden Energien aus seiner Frequenz gebracht, flackerte der energetische Schutzschild in ungesunder blauer Färbung, zitterte heftig und versuchte verzweifelt, die Form zu halten, als seine Projektoren von der markerschütternden Detonation durchgerüttelt wurden. Eine gigantische Staubwolke, von den Tonnen des in Bewegung gesetzten Gesteins und der mächtigen Druckwelle aufgewirbelt, erblühte in all ihrer Pracht, breitete sich alles verschlingend um den Haupteingang der Kathedrale aus. Ihre erdrückende Gewalt drängte sämtlichen Schall hinfort, erdrosselte ihn mit dem überwältigenden Gewicht lähmender Stille. »Ja!«, rief Retexer aus und reckte die Faust siegreich in die Höhe. »Wir haben es geschafft!« Dass sich Captain Balgor, weniger als einhundert Meter entfernt, fassungslos mit der Hand an die Stirn schlug und an der Mauer, an der er lehnte, abwärts rutschte, konnte er nicht sehen. Und selbst wenn. Es hätte ihn sowieso nicht interessiert.
  11. Salve, also wer mich vermisst - sorry, Leute - derzeit keine Lust zu schreiben. Außerdem bin ich jetzt erstmal bis Anfang Januar im Ausland - kurzfristiger Aktivurlaub *sfz* Wir lesen uns im Januar. Vielleicht habe ich bis dahin auch wieder ein Kapitel fertig. Da Sista
  12. Und weiter geht†™s in der brutalen Schlacht um die Himmelskathedrale. Dieses Mal mit einigen Wendungen, welche wohl mehr oder weniger überraschend kommen. Irgendwie lief das Kapitel dieses Mal recht gut (zwar nicht wie geschmiert, aber dennoch war viel Schmalz dabei *lach*) Wie immer Danke an Nakago und seine Fluff-Kontrolle. Aber bevor es in die Story geht, hier noch mal zwei Anmerkungen meinerseits: 1. Wie bei allen meinen Truppen, die bisher vorgekommen sind, bzw. noch vorkommen, habe ich einen persönlichen Jargon geprägt, der die Ethnizität der einzelnen Einheiten, bzw. deren Aufgabenbereich prägt. So besitzen sowohl Desposianer als auch Basteter einen eigenen Gefechtsjargon (siehe Unterschiede im Sprechfunk), die Elysianer fluchen auf Hebräisch (WaSchau, Foreshadowing) und die Valhallaner auf Russisch (Foreshadowing, die 2.) Im Rahmen dieser Schreibarbeit habe ich entschieden, die Piloten auf Englisch, bzw. in Abkürzungen arbeiten zu lassen. Jetzt meine Frage: Passt euch das oder habe ich viele uni-linguale Leser, dass die Funksprüche lieber auf Deutsch und im Langtitel durchgeführt werden sollten? Bitte da um Rückmeldungen. 2. Ich suche derzeit nach einem Zeichner, der mir (vorzugsweise im Manga-Stil), ein paar der Charaktere, bzw. Szenen zeichnen kann/will. (So etwas wie z.B. die Besatzung von Nurins Jagdpanzer oder Ekko und Balgor, etc.). Manga-Stil, weil ich glaube, dass der ganz gut zu der ganzen Überzeichnung in der Geschichte passt. (aber alles andere geht natürlich auch) Ja, ich weiß „Mach es doch selber†œ †“ thronverdammt, wenn ich zeichnen könnte, dann würde ich es tun und nicht fragen, ob da vielleicht jemand Interesse und Möglichkeit hat, mir da auszuhelfen. Aber so bleibt mir natürlich nichts anderes übrig, mal die Frage in den Raum zu stellen. Über Rückmeldungen jeglicher Art würde ich mich hier natürlich auch freuen. Viel Spaß beim Lesen. 31 Marek Rebis zog seinen Kopf aus der Schusslinie zurück, nur wenige Augenblick, bevor die Mauerecke von einer Garbe schweren Waffenfeuers aufgerissen wurde. Ein Fluch entfuhr dem Corporal. Wie lächerlich es doch war. Da befand sich der Trupp auf dem Rückzug, befolgte einen allgemeinen Befehl, wogegen ihre ‚Sergeant†˜, welche eigentlich gar nicht ihr Sergeant war, nach wie vor an der Front blieb und Orks abschlachtete. Die Sororita hatte den allgemeinen Rückzugsbefehl auf die zweite Verteidigungslinie an ihren Stellvertreter weitergegeben und ihm aufgetragen, den Trupp zu führen, bevor sie an die Seite der Space Marines zurückgekehrt war und sich weiter gegen den Feind stemmte. Rebis fand keine Worte für dieses Verhalten, das seiner Meinung nach kaum den Pflichten eines Sergeants entsprach, und er fragte sich, ob sie wohl Lenhim jemals wieder zu Gesicht bekamen. Wo genau der feindliche Durchbruch erfolgt war, ließ sich nicht mehr ausmachen, doch das durfte im Augenblick auch ihre geringste Sorge sein. Immerhin gab es eine Tatsache, die niemand, nicht einmal der gewöhnlichste Soldat, abstreiten konnte: eine durchbrochene Abwehrstellung war keine Abwehrstellung mehr. Und dann das! Er wusste im Augenblick nicht genau, wie weit sie noch von der zweiten Linie entfernt waren, aber irgendwie hatten sich Streitkräfte der Orks zwischen das Diesseits und das rettende Jenseits der Auffangstellung geschoben. Kurzum: sein Trupp war abgeschnitten. Rebis ließ sich auf ein Knie nieder und hob das Lasergewehr, um durch das Zielfernrohr zu blicken und festzustellen, wo genau sich der Xeno-Abschaum festgesetzt hatte. Um sie herum donnerte das gnadenlose Feuergefecht zwischen den Orks und den vor ihnen zurückweichenden Imperialen, eine Lawine, die an ihnen vorbeigerollt war und ihnen nun den Rückweg versperrte. Gorak kam unter dem Knirschen von Kampfstiefeln auf grobkörnigem Sand neben ihm zum Stehen. »Corporal?«, fragte er atemlos. Rebis wandte sich um und verfolgte, wie Itias und Rahael kurz hinter einander über das ungeschützte Feld einer Gasse hechteten, während die restlichen Soldaten den Trupp nach hinten absicherten. »Keine Ahnung«, gab er zu, setzte das Lasergewehr ab und griff in seine Drillichtasche. Eine kleine Karte des ersten Rings tauchte daraus hervor, ein Lageplan mit sämtlichen Verteidigungsanlagen und Abwehrfeldern. Der stellvertretende Truppführer warf kurze Blicke in die Umgebung, verglich sie prüfend mit denen Eintragungen. »Irgendwo hier haben sie sich festgesetzt.« Sein Finger kreiste um eine Gruppe stilisierter Wohnblöcke. Der Trupp schloss zu ihnen auf. Die Männer gingen in Sicherungsposition und knieten sich ab, um eventuell auftauchenden Feinden eine möglichst geringe Zielfläche zu bieten. »Was ist?«, wollte der riesige Melbin wissen, der trotz seiner Verletzungen wieder einen Schweren Bolter in den Händen trug. Rebis hob weisend die Hand. »Gegner auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Irgendwo bei ein Uhr.« »Und was bedeutet das?«, fügte Lawn an. Eigentlich eine unnötige Frage. War ihnen doch allen der Ernst der Lage bewusst. Rebis beantwortete die Frage freundlicherweise dennoch. »Das bedeutet, dass wir auch in dieser Richtung abgeschnitten sind.« Der Hüne beugte sich vor. »Was, wirklich?« Ein kurzer Blick auf die eng gesetzten Häuserblöcke folgte. »Und wir sind nicht bloß im Kreis gelaufen.« »Höre ich da einen zynischen Unterton in Ihrer Stimme, Soldat?«, antwortete Rebis, ohne von dem Plan aufzusehen. Der muskulöse Cadianer schloss mit vernehmlichem Klicken den Mund. Er war lange genug in Lenhims Trupp, um die Eigenheiten Corporal Rebis†˜ zu kennen. Neben einem oft recht vorschnellen Mundwerk gehörte eine gewisse warnende Art zu seinem Wesen, die bisweilen an einen Kommissar erinnerte. Und weder Melbin, noch irgendein anderer Soldat wollte wissen, was geschah, wenn man dieses Wesen bis an seine Grenzen reizte. Murrend ließ er den Vorgesetzten weiter nach dem Weg suchen und warf stattdessen einen Blick auf Rahael, der in einer eigenartig professionellen Haltung auf den Feind wartete, das Tausend-Yards-Starren im Gesicht. »Was ist denn mit dir passiert«, erkundigte sich der Mann, nachdem er seinen Kameraden einige Sekunden lang betrachtet hatte. »Leitis Sile«, murmelte der junge Soldat in abwesender Konzentration. »Sie hat mir die Augen geöffnet.« Der massige Cadianer neben ihm zog die Stirn kraus. »Na, so wie du ihr hinterherschmachtest, war es wohl eher die Hose.« Wütendes Brüllen schallte zu ihnen hinüber, die Ankündigung eines nahenden Sturms. »Feind kommt«, meldete Talic knapp. Er war, zusammen mit Lados und Tesket, an der sie flankierenden Hauswand in Deckung gegangen. Von dort aus hatte er eine sehr viel bessere Sicht auf den Gegner †“ wurde jedoch auch viel eher entdeckt. Sturmwaffenfeuer knatterte, sprengte große Löcher aus der Hausverkleidung über den drei Soldaten. Umgehend warfen sich die Männer in Deckung. »Herr auf dem Thron!«, rief Gorak aus. Rebis wandte sich um. »Zurück!«, rief er. »Sofort zurück!« Mann für Mann erhob sich der Trupp, um unter gegenseitiger Deckung vor dem Feind zurückzuweichen. Aber wohin hätten sie gehen sollen? Der Feind war vor ihnen, hinter ihnen, links und rechts. Hinzu kam, dass nicht weit von ihnen ein Minenfeld verlief, dessen tödliche Last nicht zwischen Freund und Feind unterschied. In diesem Gelände konnte man sich nur mit äußerster Vorsicht bewegen. Rebis sah zu dem unter Feuer liegenden Teil des Trupps. Inzwischen hatten die Steppentarnkampfuniformen der drei Männer eine helle, mit Kalk vergleichbare Farbe angenommen, während das über ihnen befindliche Mauerwerk unter den Einschlägen der Orkwaffen nun deutlich zutage trat. Rebis frage sich, ob, wenn die Grünhäute noch weiter wie wild auf das Gebäude schossen, sie vielleicht einen neuen Eingang in die Mauerecke frästen. Allerdings würden sie dann wohl zuerst die vor der Häuserfassade in Deckung Gegangenen massakrieren. Ein Nebeneffekt, den Rebis nicht unbedingt erleben musste. Rasch gestikulierte er das Signal zum Absetzen in Richtung der drei. Die Bestätigung kam prompt. Ohne große Bewegungen oder Worte befahl Talic seine Begleiter hinter die aufragende Säulenfassade des hinter ihnen befindlichen Gebäudes. Dort hätten sie eine gute Schussposition und eine weitestgehend verlässliche Deckung gehabt, um den Feind zu bekämpfen. Sie sprangen auf und rannten los. Weit kamen sie allerdings nicht. Garben aus Maschinenwaffenfeuer spritzten über den Boden, suchten nach den weichen Körpern der Menschen, um sich in wilder Wut in ihnen zu verbeißen. Eine zuckte ziellos über den Boden, schlängelte sich in der Verlängerung die ungerichtete Schusslinie ihres Schützen entlang und prallte dabei mit Tesket zusammen. Während der Cadianer noch versuchte, seinem Schicksal durch eine abrupte Bremsung zu entkommen, sprangen die auf ihn abgefeuerten Projektile den Mann sofort an. Wie eine in ihren Fäden verhedderte Puppe zappelte der Infanterist unter den Einschlägen, ließ Gewehr und Ausrüstung fallen, während Blut und zerfetzte Innereien zu gleichen Teilen aus Ein- und Austrittslöchern spritzten. »Scheiße!«, schrie Talic. Der Basteter stoppte, gefolgt von Lados, und eilte zurück, um seinen sterbenden Kameraden aus der Feuerlinie zu retten. Doch auch diesem Vorhaben war kein Erfolg beschieden. Die Lasergewehre der beiden Männer zischten häretische Verwünschungen, warfen ihre ganze Energie gegen den grässlichen Feind, der soeben einen der Soldaten ermordet hatte. Lados schrie in unbändiger Wut. Doch kaum, dass sie die beiden Imperialen in ihrem Sichtbereich entdeckten, antworteten ihnen die Orks. Die Fassade hinter den Infanteristen löste sich in einer gewaltigen Wolke aus Staub, abplatzendem Putz und Mauerstücken auf. Die Soldaten hatten keine Chance. Wie viele hundert Schuss in ihre Körper einschlugen, konnte Rebis nicht erkennen, aber er sah deutlich, wie die Körper unter dem Druck der auf sie abgefeuerten Projektile zerbarsten. Verbittert wandte er sich ab. Drei Tote in nur wenigen Momenten. »Beim Thron!« »Corporal!«, hörte er Gorak rufen und wandte sich um. Ein gut zwei Meter hoher Ork war um die Ecke gestürmt und stand dem Imperialen nun gegenüber. Instinktiv ließ sich Rebis fallen. Keine Sekunde zu früh! Einschläge rissen die Säule hinter ihm auf, bewarfen ihn mit trockenem Staub und Splittern. Rebis hörte etwas an seinem Helm abprallen. Etwas anderes traf ihn am Hals, riss sein Gesicht auf. Im nächsten Moment donnerte Melbins schwerer Bolter los. Der Ork zersprang regelrecht. Seine Überreste verteilten sich über die Straße. Rebis langte nach seinem Lasergewehr. Aus einem ihm nicht näher verständlichen Grund musste er es fallen gelassen haben. Arme packten ihn an den Schultern, zogen ihn zurück auf die Beine. »Kommen Sie, Corporal!«, bahnte sich die Stimme von Soldat Itias ihren Weg in sein Gehör. Erneutes Brüllen echote durch die Häuserschlucht, ein hellen Röhren vor dem dumpfen Grollen des Hintergrunds. Gorak hatte derweil das Kommando über die verbliebenen fünf Soldaten übernommen. »In Stellung!«, rief er ihnen zu. Schnell verteilten sie sich auf beide Seiten des Straßenzugs. Lawn und Melbin suchten hinter dem steinernen Wall eines Fronteingangs Deckung. Der massige Cadianer klappte das Zweibein des Bolters aus und stemmte sich in die Waffe, während sein Kamerad mit zusätzlicher Munition neben ihm kauerte. Rahael und Itias schoben den verwundeten Rebis hinter eine der reich verzierten, steinernen Säulen, deren Masse ihnen wenigstens ein gewisses Maß an Schutz bot. Gorak selbst trat die hölzerne Eingangstür eines der leerstehenden Gebäude auf und ging dort in Stellung. Rebis hustete trockenen Staub, den er während des Feuergefechts eingeatmet hatte, und der sich nun mit finsterem Hintergedanken in seiner Lunge festsetzte. Blut lief ihm über das Gesicht, verklebte seine Augen. »Lage«, verlangte er zu wissen. »Wir sind in Bereitschaft und erwarten den Kampf«, informierte ihn Itias. »Den Kampf erwarten, hm?« Rebis konnte nicht verhindern, dass ihm ein angewidertes Zischen entwich. »Haben wir ihn nicht längst gefunden?« Der jüngere Soldat wusste darauf keine Antwort. »Sie kommen!«, rief Melbin, lenkte die Aufmerksamkeit der Männer auf die Straße vor ihnen. Noch immer hingen die Staubpartikel des kurzen Feuergefechts in der Luft, verflüchtigten sich in der trockenen Hitze des Tages nur langsam. Rebis wischte flüchtig das Blut aus seinen Augen fort, um seinen Blick zu klären. Er wusste, dass es nur eine vorrübergehende Lösung war. Um sich ganz von dem klebrigen Lebenssaft befreien zu können, musste er sich einer medizinischen Reinigung unterziehen, zumindest jedoch ausgiebig duschen. Etwas, das auf Agos Virgil nicht ohne weiteres möglich war. Schweigsame Anspannung trat in ihre Mitte, erinnerte sie an ihre Pflicht gegenüber dem Imperator. »Haltet euch bereit«, mahnte Rebis die beiden jungen Soldaten, die an seiner Seite in Deckung lagen. Die Gewehre hielten sie schussbereit in Richtung Gegner. Und dann trat ihnen der Gegner gegenüber. Schnüffelnd und suchend, die Lefzen mit verseuchtem Speichel bedeckt, stampfte ein Ork um die Ecke, seine Waffe locker in der rechten Hand. Einige Zeit lang witterte der Xeno in Richtung der Erschossenen, spürte nach Zeichen menschlichen Lebens. Rebis hörte Rahael eine imperiale Litanei zischeln. Was genau er vor sich hinmurmelte, konnte er allerdings nicht verstehen. Der Ork hatte derweil die Witterung der Überlebenden aufgenommen. »Waaaaaaargh!«, brüllte das grünfarbene Monster, das ausschließlich aus Muskeln zu bestehen schien, dann riss es die Hände in die Höhe. Als würden sie aus dem Boden wachsen, strömten plötzlich etliche Xenos in die Gasse. Zu viele, als dass die Feuerkraft der hier versammelten Infanteristen zu ihrer Vernichtung ausgereich hätte. »Herr auf dem Thron«, entfuhr es Itias. Melbin war durch das Auftauchen des Gegners nicht so verstört. Erste kurze Feuerstöße aus seinem Bolter, präzise abgegeben und absolut tödlich, brachten eine der Xeno-Bestien zu Fall. Allerdings waren auch mehr als genug da. Die restlichen Soldaten fielen in das Schießen ein, sandten helle Laserkaskaden zwischen die angreifenden Grünhäute. Zielgenau punktiert stürzten Orks in den Staub, blieben reglos liegen. Es würde nicht reichen. Das wussten sie. Immer mehr Grünhäute strömten herbei, um die verzweifelt kämpfenden Menschen zu überrennen. Querschläger umjaulten die Verteidiger, rissen tiefe Wunden in die Mauerwerke der Gebäude. Das Krachen einer Stikkbombe sprengte ein großes Loch in die Straße. Doch das bedeutete nicht, dass die Imperialen ihre Leben einfach wegwerfen würden. Nein. Der Gegner würde sich seinen Sieg teuer erkämpfen müssen! Rebis visierte an, befreite seine Augen erneut von dem inzwischen klumpenden Blut, prüfte ein letztes Mal die Entfernung und drückte dann ab. Im nächsten Moment lösten sich die Angreifer in eine rosafarbene Masse auf, die sich explosionsartig in alle Richtungen ausbreitete. Überrascht musste Rebis feststellen, dass er sich über die Tatsache wunderte, welchen Effekt ein einfaches Lasergewehr doch auf Grünhäute haben konnte. Ein Schuss, und vier oder fünf gut zwei Meter große Grünhäute platzten einfach. Na, wenn das kein Rekord war! Allerdings fiel ihm nur kurz darauf etwas noch viel Erstaunlicheres auf: der Boden bebte. Schwerfällig wandte er sich um. Zwei Chimären rasselten durch die Gasse auf sie zu, an beiden Seiten flankiert von vorrückender, wild feuernder Infanterie. Die Schützenpanzer ihrerseits durchlöcherten die heiße Luft mit dem flimmernden Feuer ihrer Waffen. Hinter ihren Geschütztürmen standen Soldaten des 512. auf den Dächern der Truppentransporträume und bedienten die Sturmbolter, die auf den Laufringen der Kommandantenkuppeln befestigt waren. Wie die Breitseite eines Schlachtschiffs flammten die imperialen Waffen, zerbliesen Straßenbelag und Mauerwerk gleichermaßen. Orks, die es nicht mehr rechtzeitig aus der Schusslinie schafften, wurde von den abgefeuerten Strahlen und Projektilen durchstoßen und zerrissen, vermischten sich mit dem aufgewirbelten Sand. Querschläger und schlecht geschossene Laserstrahlen sprengten Splitter aus den Wänden und Säulen nahe um die verteidigenden Soldaten. Offensichtlich nahmen es die Schützen mit dem Zielen nicht ganz so genau. »Verdammte Scheiße!«, schrie Kleit und warf sich zurück hinter die schützende Deckung der Säule. Itias und Rahael folgten. Gleißende Multilaserstrahlen hämmerten in wilder Wut Richtung Feind, bestrebt die Grünhäute unter dem ohrenbetäubenden Zischen der der Energieentladungen zu zerreißen. Infanteristen rückten mit dem Kampfgefährten vor, nutzten jede Deckung, die sich ihnen jenseits der schützende Rümpfe bot, um die Fahrzeuge zu unterstützen und gegen plötzliche Angriffe aus der Flanke zu sichern. Langsam schloss der Verband zu den Infanteristen auf. Die Motoren der Panzer wurden gedrosselt. Allmählich rollten die Gefährte aus, kamen direkt zwischen den Männern von Rebis Trupp zum Stehen. Die Infanteristen indes gingen weiter vor. Das quietschende Metall einer schlecht geölten Zugangsluke prallte von den Häuserwänden ab. Über der Kommandantenkuppel der Rebis am Nächsten befindlichen Chimäre erschien die Büste eines imperialen Offiziers der Panzertruppe. Der Mann musterte die Umgebung mit aufmerksamen Blicken, bevor er sich an Rebis wandte. »Verdammt geile Scheiße!«, schrie ihn der Panzerkommandant an, um den Lärm der im Leerlauf befindlichen Panzermotoren zu durchbrechen. »Verdammt geile Scheiße!« Der Corporal konnte nicht anders, als den Mann verwirrt anzublicken. Er verstand nicht. »Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die uns in die Seite gefallen wären!«, präzisierte der Kommandant, ohne darum gebeten worden zu sein. »In die Seite?«, brachte Rebis hervor. Weiter vorne brandete ein heftiges Feuergefecht auf. Rebis sah Männer in Deckung springen, als die Orks die vorrückenden Imperialen unter Beschuss nahmen. »5121205 unter Beschuss! Benötigen Panzerunterstützung!«, rief das Funkgerät um Hilfe. »Mach du das!«, brüllte der Panzerkommandant zu seinem Kameraden, als sei die Anforderung lediglich mit der Bedienung in einem kleinen Geschäft zu vergleichen. Was der andere antwortete, ließ sich nicht verstehen. Offensichtlich bestätigte er nicht über Funk. Der Motor der Chimäre heulte auf. Der Panzer rollte ruckend an. Rebis sammelte sich, wischte erneut Blut aus seinen inzwischen brennenden Augen und rief dann zum Transportpanzerkommandanten hinauf: »Was, beim Barte des Propheten, ist los? Gilt der Rückzugsbefehl denn nicht mehr?« »Beim Thron«, brachte der Offizier hervor, nachdem seine Überraschung abgeklungen war, »wo sind Sie nicht mehr mitgekommen? Wir sind bereits in Gegenrichtung unterwegs.« **** »Granate!« Das metallene Kullern eines Ei-förmigen Gegenstandes drang an Kleits Ohren, als ein Soldaten den gerade scharf gemachten Sprengkörper durch das eingeschlagene Fenster des Wohnblocks fallen ließ, an dem sie gerade vorrückten. Trockenes Krachen dröhnte aus dem Innern des Gebäudes. Aufgeschreckter Staub flüchtete auf die Straße hinaus. Dumpf prallten Gewehrkolben gegen verschlossene Türen. Schlösser brachen. In schneller Reihenfolge rückten Halbtrupps in die Treppenhäuser der Wohnblöcke vor, kontrollierten die Verschlusszustände der einzelnen Wohnungen. Niemand wollte, dass der Feind plötzlich im Rücken des Ausfalls auftauchte. Dieses Szenario hatte Agos Virgil bereits einmal erlebt, ein zweites Mal wollten sich die Imperialen nicht auf die Weise blamieren. Kleit hob sein Lasergewehr an die Schulter und ging langsam an der Hausfassade entlang. Seine Augen wanderten im steten Zyklus von links nach rechts und zurück, durchgängig auf der Suche nach neuen Angreifern. In den letzten Minuten war es verdächtig still auf dem Gefechtsfeld geworden. Die Orks hatten sich †“ zumindest in diesem Bereich †“ vor den anrückenden imperialen Streitkräften zurückgezogen und nichts als verseuchte Erde zurückgelassen. Die beiderseits der schneckenförmig gewundenen Straße aufragenden Häuserblöcke beobachteten das Geschehen stumm, warteten auf die Fortsetzung des Kampfes. Viele der sie zierenden Fenster waren unter dem Druck des einleitenden Artilleriebombardements geborsten, etliche Arkaden bei den ersten Feuergefechten aufgerissen worden. Splitter und Trümmerstücke lagen auf dem Weg verteilt. Eine Hand legte sich auf Kleits Schulter. Er wandte kurz den Kopf. Aledan stand hinter ihm, das Lasergewehr in Pirschhaltung und bereit, seinen Vorgesetzten bei einem Schusswechsel zu unterstützen. Dankbar nickte der Sergeant, ließ seinen Blick zurück nach vorn gleiten … und erstarrte. Direkt vor ihm, nicht einmal fünfzig Meter entfernt, hüpfte ein Squig aus einer zerbrochenen Tür der linkerhand aufragenden Wohnbauten. Einen Augenblick lang starrten sich die beiden Feinde überrascht an, unfähig etwas zu tun oder zu sagen. Dann ging alles unfassbar schnell. Das kleine Wesen keifte ihn an, wetterte und zeterte. Kleit schoss ihm in den Kopf. Zwei Soldaten neben ihm implodierten unvermittelt. Direkte Treffer aus Orkwaffen hatten ihre Körper getroffen und durch die Wucht des Einschlags nach hinten hin geöffnet. Während Fleisch, Blut und Gedärm explosionsartig gen achtern austraten, sackten die Oberkörper der Männer so rasch in sich zusammen, dass der Eindruck entstand, sie würden gerade in einen riesigen Staubsauger gesogen. Noch bevor der Sergeant bewusst reagieren konnte, übernahmen seine Instinkte die Kontrolle. Automatisch ging sein Körper hinter einem Treppenaufgang in Deckung, während sein Kopf noch über die höchst bemerkenswerte Lage sinnierte. »Herr auf dem Thron!« Fluchend rutschte Aledan an seine Seite. »Das war jetzt …« Er beendete den Satz nicht. Eine Salve Geschosse schlug über ihnen in die Hauswand, sprengte Splitter und Kleinstpartikel aus dem Gemäuer. Querschläger pfiffen an ihnen vorbei. Um sie herum suchten Soldaten Schutz, nutzten Fassaden, Krater und die ehernen Rümpfe der Chimären als Schild gegen den Feind. Vereinzelte Lasergewehrschüsse wurden abgegeben, ungezielt und wirkungslos. »Wer hatte die Idee mit dem Gegenangriff?«, wollte Aledan wissen, als er sich vor heranrauschenden Projektilen noch tiefer in Deckung presste. Aus den Augenwinkeln sah Kleit, wie einer der in Deckung hechtenden Soldaten im Flug einen Kopfschuss erhielt, bevor er in den vor ihm liegenden Krater stürzte. »Colonel Ekko«, erwiderte der Sergeant. »Wie passend!«, antwortet Aledan, schnellte vor und gab zwei Schüsse mit seinem Lasergewehr ab, bevor er wieder in Deckung ging. »Und nun?« Wütendes Gebrüll antwortete. Orks stürmten aus den Häusereingängen, rannten den unter Beschuss geratenen Truppen entgegen †“ direkt ins Schussfeld der Chimären. Dumpfes Wummern drang an Kleits Ohr. Verbranntes Ozon stieg ihm in die Nase. Er ließ seinen Kopf über den Schutz des Aufgangs gleiten. Mit der chirurgischen Präzision einer Motorsäge deckten die an der Front befindlichen Schützenpanzer den Xeno-Mob mit ultraheißen Multilaserstrahlen ein, zerschnitten die Grünhäute regelrecht. Zu ihren Seiten in Deckung gegangene Infanteristen fielen in das Schießen ein. Die vor ihnen liegende Straße löste sich in ihre Bestandteile auf, vermischt mit den zerfetzenden Leibern getöteter Orks. »Sergeant!«, wurde Kleit aus seiner Beobachtung gerissen. Eine Hand reichte kräftig auf seine Schulter: Captain Retexer. »Wie sieht es aus?!«, wollte der Captain wissen, als er sich neben dem Sergeant hinkniete. »Heftiger Gegenangriff, Sir«, meldete Kleit. »Die Xenos versuchen, uns den Zugang zum Tor zu verwehren.« Ein Soldat in ihrer Näher zuckte zusammen, erstarrte und fiel in sich zusammen. Kameraden griffen ihn und zogen ihn hinter einer der feuernden Chimären, wo sie allerdings nur seinen Tod feststellen konnten. Gedärme quollen aus der Bauchverletzung, die er erhalten hatte. »Aber Sie wollen dem Abschaum doch nicht die Initiative überlassen?!«, bellte Retexer, als würde er die Loyalität seines Untergebenen testen wollen. »Werfen wir sie zurück! Zeigen wir es denen! Die sollen uns kennenlernen!« Er sprang auf, schrie in die vom mannigfaltigen Lärm der Waffen erfüllte Luft. »Für Bastet! Für unsere Lieben! Für den Imperator!« Seine Laserpistole strahlte kohärentes Licht in die Luft. »Zum Angriff!« Dann lief er los. Zögernd erhoben sich weitere Soldaten, gingen schießend gegen die Grünhäute vor. »Mit was denn?«, wollte Kleit rufen. Von zehn Mann seines Trupps lebten noch er und Aledan. Alle anderen waren in der Zwischenzeit gefallen oder versprengt worden. Der Corporal kam ihm jedoch zuvor: »Ich habe ihn vermisst«, bemerkte er, dann sprang er auf und eröffnete das Feuer. »Ich hasse ihn!«, knirschte Kleit, schwang sich ebenfalls auf die Beine und folgte dem Captain. Was wäre ihm auch anderes übrig geblieben? *** Zwei Straßen weiter warf sich Captain Balgor hinter einen Schutthaufen und machte sich möglichst klein, als die Hausecke vor ihm unter dem gewaltigen Donnern in Bewegung geratener Baumaterialen in sich zusammenstürzte, von der Hochexplosivgranate eines orkischen Kampfpanzers seiner Stabilität beraubt. Eine Wolke aus Staub und aufgewirbeltem Dreck verschluckte die vorrückenden imperialen Soldaten. Dunstiger Nebel verhüllte die zuvor noch klar erkennbaren Formen der Panzer und Gebäude, ließ selbst die grell flackernden Mündungsblitze und Laserstrahlen wie die Lichterscheinungen einer Geisterwelt wirken. Unter kräftigem Husten und leicht torkelnd kam Jelard neben ihm zum Halten, durch die explosionsartig expandierte Wolke in eine lebende Figur steingrauer Farbe verwandelt. »Ca … Captain!«, rief der Funker aus und ließ sich auf die Knie fallen. »Wie Sie sehen, bin ich hier«, erwiderte der Offizier. »Also, was gibt es?« Jelard musste zwei Mal ansetzen, bevor er zu so viel Atem fand, dass er einen zusammenhängenden Satz herausbrachte. »Meldung von Captain Retexer: Feind leistet massiven Widerstand! Sind in heftigem Feuergefecht! Weichen keinen Schritt zurück! Für den Imperator!« »Können Sie daraus einen zusammenhängenden Satz bauen?«, erkundigte sich Balgor. Jelards aschfahles Gesicht starrte ihn entgeistert an. Der Basteter hob abwinkend die Hand und hustete heftig. Inzwischen hatten sich Kleinstpartikel auch in seiner Lunge festgesetzt. Trockenheit eroberte seine Kehle ein Flussbett nach einer langen Dürreperiode. »Vergessen Sie es. Irgendwelche Nachrichten von den anderen Einheiten?« Der Funker schüttelte den Kopf. Das grollende Hallen schwerer Feuergefechte umtanzte sie, unterstrich die Worte des Soldaten. Balgor verwarf die Frage. In diesem Chaos, unter dem Druck der ineinander gepressten Frontlinien, ließ sich wohl kaum ein genaues Lagebild zusammensetzen. Allmählich löste sich der Dunst um sie herum auf, gab die Sicht auf den Panzer frei, der zwischen den wild schießenden Orks hindurchrollte, um die imperiale Linie zu durchbrechen. Es war ein Kampfpanzer, ein Provisorium aus verschiedensten Gefährten der Menschen und anderer, weit arkaner Technologie, die an dem Fahrzeug fehl und zugleich passend wirkte. Eben Schrott, wem Schrott gebührte. Der Panzer wandte den Turm, feuerte ein weiteres Mal. Fauchend jagte die Granate über die Soldaten hinweg, schlug in den mittelschwer gepanzerten Rumpf einer hinter ihnen in Stellung gegangenen Chimäre. Das Panzerfahrzeug zuckte wie bei einem Schluckauf, verharrte einen Herzschlag und explodierte. Eine Stoßwelle breitete sich als konzentrischer Ring nach allen Seiten aus, trieb Sand und Dreck vor sich her. Mehrere Soldaten, die nahe dem detonierenden Schützenpanzer in Deckung gegangen waren oder vorrückten, wurden durch die plötzliche Druckveränderung vom Boden gehoben und durch die rasch expandierende Luft gewirbelt. Einer der Männer prallte nur wenige Meter von Balgor entfernt mit dumpfem Geräusch auf das Kopfsteinpflaster der Straße und blieb reglos liegen. Eine Mauer aus Hitze rollte über den Captain hinweg, ließ seine Nackenhaare alarmiert aufschnellen und seinen Puls ein gutes Stück weiter steigen. »Herr auf dem Thron!«, rief er aus. Geschosse prallten in den Schutthaufen vor ihm, warfen Gestein und Erde in die Luft. Er rollte sich herum. »Jelard!« Der Funker an seiner Seite lag starr am Boden, das Gesicht fest gegen die zerschlissenen Pflastersteine gepresst. Alarmiert griff der Captain nach der Schulter des Soldaten. Konnte es sein, dass sein Funker, der Mensch, der ihn seit so langer Zeit begleitete, einfach gestorben war? Gefallen, ohne dass er es merkte? War das wirklich möglich? Nein! Beim Thron, nein! Das durfte nicht sein! »Jelard!« Von der Hand seines Vorgesetzten am Arm getroffen, zuckte der Angesprochene zusammen, erwachte wie aus einem schrecklichen Traum. »A… alles i-in O-o-o-ordnung«, stammelte der Funker, zuckte jedoch gleich darauf wieder zusammen. Ein Geschoss fauchte knapp über sie hinweg, gejagt vom trockenen Husten eines Mündungsknalls. Detonationsdonner krachte. Erde regnete vom Himmel. »Was für ein Irrsinn!«, fauchte Balgor und hob seinen Kopf über den Rand der Deckung. Gute fünfhundert Meter trennten sie von der Außenmauer der Kathedralenstadt. Und das Haupttor teilweise von Rauch und Feuer verdeckt, lag offen und einladend vor ihnen. Es machte nicht den Eindruck, von den im Verhältnis nahezu lächerlichen Explosionen sonderlich schwer beschädigt worden zu sein. Lediglich der Putz war abgebröckelt. Davor jedoch standen die Xenos. Und es waren viele. Ein weiteres Mal feuerte der orkische Panzer, forderte nach einem ebenbürtigen Widersacher in den Reihen der Imperialen. Die Antwort kam unerwartet und endgültig. Ein gleißender Strahl durchschnitt den feindlichen Panzer. Mit dem klaren Knall eines Fingerschnippens zerbarst des gegnerische Kriegsgefährt. Hochgehende Munition zerriss das Wrack, hüllte die Umgebung in einen hellen Schleier aus Feuer. Grässliches Brüllen und Schreien klang an. »Dieser Mann kann Gedanken lesen.« Balgor wandte sich um und formte mit seiner linken Hand das Okay-Zeichen, wohl in dem Wissen, dass Nurin die Geste der Dankbarkeit auf diese Entfernung nicht sehen konnte. Ein verzerrter Körper entkam dem Inferno, durch den klebrigen Treibstoff des Fahrzeugs in eine laufende Fackel verwandelt. Das brennende Wesen winselte vor Schmerzen, während sein schwarz gekohlter Leib von den Flammen verzerrt wurde. Soldaten legten auf den Ork an, der in immer stärker ins Torkeln geriet. »Nicht schießen!«, schrie der Captain, die Hände als Trichter um den Mund gelegt. »Spart die Munition!« Dass ein wenig Genugtuung seinen Befehl beeinflusste, brauchte nicht erwähnt zu werden. Immer warten, bis sie knusprig braun sind und dann wenden!, schoss es ihm durch den Kopf. Weshalb er jetzt an ein Karika-Steak denken musste, konnte er sich selbst nicht erklären. Schwere Schritte näherten sich. Mit dem raschelnden Geräusch von über den Boden schabendem Stoff rutschte Soldat Nirim an seine Seite. »Captain!« »Ja?«, fragte Balgor, unterband jedoch jede Reaktion mit einem Heben der Hand. Irgendetwas war komisch. Er konnte nicht genau definieren, was es war, aber irgendetwas kämpfte sich an seine Professionalität hinauf und versuchte, ihn zu warnen. Es war … wie eine elektrische Spannung. Ein energetisches Flüstern, das durch sein Fleisch und seine Knochen schwang. Dann spürte er es ganz deutlich: der Boden vibrierte. Die Schwingungen wurden nicht durch Gleisketten, Reifen oder Körper übertragen. Nein. Sie kamen aus der Luft. Dumpfes Wummern, das durch die Straßen kochte und mit dem hallenden Gefechtslärm um die Vorherrschaft in den Ohren und Körpern der Soldaten kämpfte. Kurz sahen sich Balgor, Nirim und Jelard an. Alle wussten, dass diese Geräusche nur eines bedeuten konnten. Der Captain rollte sich herum, versuchte zu ergründen, woher das Dröhnen kam. Die hinter ihnen in Deckung gehechteten Soldaten wandten ebenfalls ihre Köpfe, um die Quelle des Lärms auszumachen. Hände wurden in gen Himmel gereckt, Finger zeigten in die sie kreuzende Gasse. Schreie und Siegesgebrüll klang an. »Was ist da los?!«, rief Jelard fragend. »Werden wir flankiert?« Balgor benötigte einen Moment, um die Zeichen richtig zu deuten. »Nein!«, rief er, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Er hatte sich nicht geirrt. Im engen Formationsflug sprangen drei Walküren aus ihrer Deckung hinter dem Gebäude, wie Raubtiere auf der Pirsch nach Beute. Das dumpfe Grollen ihrer Triebwerke explodierte zu einem durchdringenden Kreischen, vor dem selbst der Lärm des Schlachtfelds respektvoll zurückwich. Beinahe andächtig verfolgten die Soldaten, wie die schwer bewaffneten Sturmtransporter heranglitten und schließlich über der imperialen Frontlinie in den Schwebeflug gingen. Die Vertikalschubdüsen atmeten heiße Abgase in Richtung Boden, ließen die Erde unter den Schwingungen der verdrängten Luft zittern. Feiner Steppensand floh in dichten Schwärmen vor den angsteinflößenden Raubvögeln aus Metall. »Endlich!«, brachte Nirim hervor und wies auf die schützenden Todesengel über ihnen. »Sie sind da!« Balgor neben ihm ließ es einen Moment lang zu, dem ehrerbietungsvollen Anblick der Luftfahrzeuge zu erliegen, die konzentriert gen Feind starrten und bereit waren, ihre Macht zu entfesseln. Erst das heftige Knacken in Jelards Funkgerät riss ihn aus seiner Starre. Durch die schwach verständlichen Gefechtsmeldungen auf den sich teilweise überlagernden Kanälen war eine deutliche Stimme zu vernehmen, dunkel und von konzentrierter Präzision. »5120201, hier 0072 Azrael. Gruppe Anvil in Position. Kommen.« Derweil warf auch die Schlacht ihre Überraschung ab und fand in das unrhythmische Stakkato zurück, mit dem sie durch die zerschundenen Gassen des ersten Rings pulsierte. Laserfeuer setzte ein, zischte Todesgrüße in Richtung der attackierenden Grünhäute. Sturmwaffenfeuer knatterte. »0072 Azrael, hier 5120201.« Erleichterung schwang in der Stimme des Captains mit, als er das Handgerät von Jelard entgegennahm. »Wir freuen uns, Sie zu sehen.« »Solid Copy«, bemerkte die im Funk raue Stimme des Piloten. »Erwarten Koordinaten für CAS.« »CAS?«, schrie der Funker. Balgor senkte den Sprecher und sah ihn erstaunt an. »Close Air Support †“ Luftnahunterstützung!«, stemmte sich seine Stimme gegen den Lärm der Turbojets. »Das sollten Sie doch eigentlich wissen! Geben Sie mir die Karte!« Eilig begann der Funker, in seinen Taschen nach dem Stadtplan zu wühlen, mit dem sich das Feuer der Sturmtransporter leiten ließ. Gleißendes Licht strahlte über sie hinweg, gefolgt vom satten Knall schnell expandierender Luft. »Ich habe Sie!«, meldete der Basteter, da riss sein Vorgesetzter sie ihm bereits aus der Hand und entfaltete die Darstellung mit wildem Bewegungen seiner freien Hand. »Hier 5120201. Gruppe Anvil, wir haben Zielkoordinaten für Sie! Zielkoordinaten sind †“« Die ausgebreitete Karte, durch Balgors Ellenbogen am Wegfliegen gehindert, sah sich plötzlich von verschwitzten Fingern berührt. Eilig fuhr der Captain die Linien nach, versuchte die entsprechenden Bezeichnungen in seinem Kopf zu einer ordnungsgemäßen Zielanweisung zusammenzusetzen. Dumpfes Grollen, Krachen und Knattern prallte zwischen den Gebäuden der Kathedralenstadt umher, vermischt mit Rufen, Schreien und dem Dröhnen der Motoren. Der Feind leistete erbitterten Widerstand. »Hier 5120201. Folgende Zielkoordinaten: Meine Position plus vier-fünf-null in westliche Richtung!« »Roger, 5120201. Zielkoordinaten aufgefasst. Luftschlag in 3-0.« »Noch dreißig Sekunden!« Balgor wandte sich an seinen Funker. »Jelard! Ich brauche den Kanal für alle vorrückenden Einheiten!« »Ja, Sir!« Rasch reichte der Funker an den Tornister auf seinem Rücken, verdrehte die Einstellungen der seitlichen Regler. »Sie können sprechen!« Der Captain betätigte die Sprechtaste. »An alle Einheiten im Operationsgebiet, hier 5120201! Massiver Luftschlag in 3-0 Sekunden. Klar machen für Sturmangriff auf die feindlichen Stellungen! Signal für Sturmangriff lautet: ‚Amboss†˜! Amboss auf mein Signal! An alle Panzer: konzentrieren Sie Ihr Feuer auf das Haupttor!« Bestätigungen antworteten ihm. Derweil tauchten die drei Walküren aus der engen Gasse zwischen den mehrstöckigen Wohngebäuden auf, formierten sich über den Dächern zu einer Feuerlinie. »An alle Anvil Victors!« Die Stimme des Rottenführers klang konzentriert und berechnend, der kalte Griff eines Dolches, der in das Herz des Feindes gestoßen werden sollte. »Pre-Engage-Check! Koordinaten: zwo-zwo-sechs-acht zu vier-vier-neun-drei-fünf †“ Distanz 450 †“ Target acre †“ Engagement in prep †“ Line Formation †“ alle Fox in Air-Surface. Check in Fox 1 †“ Fox 4 †“ Fox is hot and set for go!« Auch wenn dieser Navy-Slang, mit dem die Piloten ihre Befehle und Meldungen verschleierten, auf Balgor eigentlich eher drollig klang, lief es ihm in diesem Moment dennoch eisigkalt den Rücken herunter. »Fox is hot and set for go!«, meldeten die Flügelmänner. »Solid Copy.« Eine kurze Pause folgte, dann leitete der Flieger den Angriff ein. »An alle Anvil Victors! Engage!« Der Rest des Befehls war nicht mehr zu verstehen. Die Welt erstarrte in Helligkeit. Wie die Breitseiten imperialer Schlachtkreuzer wetterten die Raketenbatterien der Walküren, spien Geschosse aus und ließen die feindliche Frontlinie in Flammen aufgehen. Rauch und Blitze brachen aus den Senkrechtstartern hervor, gleißende Lanzen aus Feuer, die dem Feind auf mächtigen Schweifen entgegenheulten. Ein Crescendo aus Fauchen, Krachen und Donnern sang den furchtbaren Tenor der Vernichtung, sprang zwischen den Gebäuden umher und prallte schließlich auf die hilflosen Gehöre der imperialen Soldaten. Tief erschrocken suchten die Infanteristen Schutz und pressten sich die Hände an die Ohren, um nicht vom alles übertönenden Lärm paralysiert zu werden. Nie zuvor hatte einer von ihnen ein derartiges Spektakel beobachtet, auch wenn die massiven Artilleriebombardements der imperialen Armee ein durchaus beeindruckendes Feuerwerk entfesseln konnten †“ allerdings lediglich aus der Ferne. Dieser Feuerschlag fand nicht einmal fünfzig Meter über ihren Köpfen statt. Rakete um Rakete kreischte aus den gut vierzig Schuss starken Werfern, stürzte sich gen Feind. Das Dröhnen der bugmontierten Bolter fiel ein. Dieser Übermacht waren die Xeno-Streitkräfte nicht gewachsen. Balgor konnte nicht genau erkennen, was geschah, denn schon Herzschläge nach Beginn des Feuerschlags wirbelten Massen aus Sand, Staub und zerrissenen Körperteilen in die Luft, formierten sich zu einem blickdichten Vorhang. Ab und an flackerte es in der Barriere, wurden verzerrte Schatten sichtbar. Doch diese Schemen verschwanden recht schnell. Aber vermutlich war es auch besser, wenn er nicht genau erkennen konnte, wie gut zweihundert 40mm-Raketen den Bereich um das Haupttor zerschlugen. Die Erde bebte dermaßen heftig, dass die Vibrationen Mark und Bein in Schwingungen versetzten. Hitze raste durch die engen Gassen der Kathedralenstadt, ein Bote des verursachten Infernos. Aberhunderte Geschosshülsen regneten aus dem Himmel, trommelten klirrend auf die Rüstungen der imperialen Soldaten und den Boden, sprangen umher und rollten schließlich aus, rauchende Zeugen der überwältigenden Feuerkraft der imperialen Streitkräfte. Dreiundzwanzig Sekunden, nachdem die erste Rakete ihren Werfer verlassen hatte, verstummten die Batterien der Senkrechtstarter, überließen die Welt wieder dem Kreischen der Turbojets. Der Luftschlag war beendet. »5120201 von 0072 Azrael: Gruppe Anvil hat CAS abgeschlossen«, meldete die Kommandowalküre. »Battle Damage Assessed ist nicht zu erkennen. Ich wiederhole: BDA nicht zu erkennen. Engagement ceased †“ Ammo low - Return to Base für Rearmament and Replenishment. Ich wiederhole: RTB für RAR.« Immer noch betäubt hob Balgor das Sprechgerät an sein klingelndes Ohr und bestätigte die Meldung mit zitternder Stimme. »Verstanden, 0072 Azrael. Guten Heimflug.« Dass der Landeplatz nicht einmal zwei Flugminuten entfernt lag, spielte in diesem Fall keine Rolle. »Solid Copy, 5120201. Wir sind jetzt weg hier.« Die Sturmtransporter heulten auf und kippten zu den Seiten weg, um den Rückflug anzutreten. Balgor schüttelte sich. Die Heftigkeit, mit der die imperialen Flieger über den Feind hergefallen waren, hatte sich selbst den kampferprobten Captain aus der Fassung gebracht. Der Captain erhob sich, um den Schutthaufen zu umrunden, als er etwas entdeckte, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ: Mitten aus der Staubwolke, welche über den feindlichen Stellungen waberte, schoss ein pfeilschnelles Objekt hervor, ritt auf einer tiefschwarzen Qualmspur gen Himmel. »Rakete!«, rief jemand warnend, doch noch bevor überhaupt eine Reaktion erfolgte, verschwand der Flugkörper bereits über den Dächern. Wohin er unterwegs war, ließ sich mit etwas Kombinationsgabe leicht denken. »0192 Galadriel getroffen! Ich wiederhole! Galadriel getroffen!«, lärmte es im Funk. »Flugsteuerung reagiert nicht! Wir schmieren ab!« Viel war nicht zu erkennen, denn die Maschinen waren bereits hinter den Wohnhausblöcken verschwunden. Aber der dumpfe Knall, das wimmernde Jaulen der schwer beschädigten Triebwerke und die hastigen Rapports verschafften einen recht guten Eindruck davon, wie ernst die Lage für die Flieger war. »Maschine nicht mehr zu kontrollieren! Besatzung steigt aus!« Ein helloranger Feuerball stieg über den Dächern der Kathedralenstadt auf. Dumpfes Krachen folgte, erschütterte die Gebäude. »Scheiße!«, schrie Nirim bestürzt. »Das war unsere Luftunterstützung!« Jelards Entsetzen über den Verlust saß tiefer. »Der Imperator beschützt!« Balgor wusste nicht, was er sagen sollte. Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Wie Nirim bereits gesagt hatte: das war ihre Luftunterstützung gewesen. Und wenn Colonel Ekkos Plan nicht bald in Gang kam, dann würden er und seine Männer bald ziemlich allein stehen. Allerdings †“ und das begriff sein Unterbewusstsein sehr viel schneller als sein klares Denken †“ stand sie gerade einer sehr viel ernsteren und akuteren Situation gegenüber. Seine Professionalität kratzte ihre zerfetzte Entschlossenheit zusammen und erinnerte ihn daran, dass es einen wichtigen Befehl gab, auf den seine Männer warteten. Der Basteter griff nach dem Handgerät, das inzwischen neben seinem Funker im Staub lag und betätigte die Sprechtaste. »An alle 512 im Operationsgebiet! Amboss! Ich wiederhole: Amboss!« Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, als bereits die ersten Panzermotoren aufröhrten. Gleisketten setzten sich quietschend in Bewegung, trugen tonnenschwere Kampfgefährte in Richtung Feind. Nach und nach erhoben sich Soldaten, gingen schießend gegen den vollkommen überraschten Feind vor. Balgor wandte sich um, winkte seine Truppen herbei. »Los, Männer! Vorwärts!« Im Funkgerät schrien sich Meldungen und Befehle gegenseitig an. Nirim und Jelard starrten ihren Vorgesetzten an. Sie waren noch immer gänzlich niedergeschmettert und unfähig, sich zu rühren. »Kommt schon!«, rief Balgor ihnen zu. »Wir können ihnen im Augenblick sowieso nicht mehr helfen! Kämpfen wir!«
  13. Schön, dass es euch gefällt. Tatsächlich hatte ich wirklich keine Idee, wie ich die szenen gestalten sollte, da es aktuell mit dem Ideenreichtum bei mir nicht ganz so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Allerdings bin ich recht froh, dass es doch so gut hingehauen hat. More to come - stay tuned. Alles Vale Die Sister
  14. So! Endlich! Ich weiß †“ es haben einige Leute darauf gewartet. Nun ist es soweit †“ das neue Stargazerkapitel kommt online! Ich hatte in der Zwischenzeit viel zu tun und ganz ehrlich †“ nach den letzten Kapiteln und dem ganzen Theater um die Reviews auch keinen Bock mehr. Habe ich auch noch immer nicht. Trotzdem hat es mich überfallen und daher kommt hier ein neues Kapitel. Ja †“ dankt alle Jax, der mit beim letzten Teil mit den Worten nervte: „Die verdammte Sternenbasis kann warten. Sieh zu, dass du den neuen Ekko fertig bekommst!†œ Also †“ hier ist er. Danke auch an Nakago, der die Fluff-Kontrolle durchgeführt hat. Viel Spaß beim Lesen 30 Dumpfe Schläge erschütterten das Beinhaus der Himmelskathedrale, hallten als scheußliche Vibrationen durch die improvisierte Kommandozentrale. Von statischem Knistern überlagerte Stimmen schrien aus den Lautsprechern der im Raum aufgestellten Funktornister, Zeugen des weit unter ihnen herrschenden Schreckens. Im Angesicht dieser Manifestation des fortschreitenden Dramas wirkte die in fröhlichen Farben schimmernde hololithische Anzeige des Datenglobus wie Spott über die verlorenen Leben. Colonel Ekko musterte die stilisierte Anzeige, welche sich nun, bereits kurz nach dem Einbruch der Orks in die imperialen Linien, rasch mit leeren Quadraten füllte. In Anbetracht der geringen Entfernung zu den kämpfenden Truppen erschien es eigentlich unmöglich zu sein, dass der Kontakt mit so vielen Einheiten in dermaßen kurzer Zeit abbrach. Allerdings präsentierte sich dem Basteter und den mit ihm in der Kommandozentrale versammelten Offizieren auf diese Weise ein recht deutliches Bild von dem Chaos, das an der Front herrschte. »Das ging schnell«, musste der imperiale Kommandeur beeindruckt zugeben. »Ich hätte nicht gedacht, dass die so schnell durch das Tor kommen.« Dieses deutliche Eingeständnis seiner eigenen Hilflosigkeit im Angesicht des einbrechenden Feindes stand im deutlichen Gegensatz zu der zynischen Überlegenheit, mit der der Colonel sonst wie selbstverständlich auftrat. Es schien fast, als würde der Basteter zu seinen Untergebenen hinausreichen und rufen: Helft mir †“ ich weiß nicht weiter. Allerdings löste er damit weder eine tiefgreifende Reaktion, noch einen rettenden Gedankenblitz seiner Offiziere aus. Die Männer waren genauso rat- und sprachlos wie er. Wertvolle Sekunden verstrichen, in denen das heftige Gefecht mit seinen blutigen Klauen nach immer mehr Schützengräben reichte, um die in ihnen befindlichen Soldaten in ihr Verderben zu reißen. Die rote Flut aus stilisierten Gegnern rollte über die Stellungen der Imperialen hinweg, begrub die blauen Symbole der Verteidiger unter sich und dellte die Frontlinie immer weiter ein. Zahlreiche neue, inhaltslose Quadrate öffneten sich. »Was sollen wir jetzt tun?«, erkundigte sich Captain Fleas, Führer des sechzehnten Zugs, und bei weitem der erfahrenste anwesende Offizier †“ nahm man Ekko und Carrick einmal außen vor. Seine raue Stimme klang tief besorgt. Captain Tand an seiner Seite wusste allerdings auch keine bessere Lösung als den Vorschlag, den in ihrer Situation wohl jeder gemacht hätte: »Ein Rückzug?« »Ein Rückzug wäre womöglich die beste Alternative«, dachte Captain Solmaar, die Arme nachdenklich vor der Brust verschränkt, laut nach. Mehrere Offiziere nickten vorsichtig in dem Versuch, ihre Zustimmung zu bekunden, ohne sich allzu sehr auf diese Möglichkeit festzulegen. In einem verworrenen Labyrinth wie dem ersten Ring der Kathedrale kam ein Rückzugsbefehl im Angesicht der durchbrechenden Orks grundsätzlich einem Todesurteil gleich. Die Truppenverbände des 512. Regiments besaßen lediglich sporadische Kenntnis vom Straßenplan der großen Wohnblocksiedlungen, welche sich als schützender Speckgürtel dicht an dicht im äußeren Ring der Stadt drängten. In der Hitze des Gefechts, von Rauch geblendet und mit dem Feind im Nacken, war die Möglichkeit, dass sich große Teile der Einheiten verirrten, in Richtung Feind liefen, die selbst ausgebrachten Fallen auslösten oder einem Freundbeschuss zum Opfer fielen, sehr real. Natürlich wussten die Offiziere um diese Problematik. Ihnen allen hatte sich bei der großen Lagebesprechung nach der Panzerschlacht vor der Himmelskathedrale ganz deutlich die Problematik präsentiert, mit der sie es nun zu tun bekamen. Allerdings stellte auch der Kampf bis zum bitteren Ende keine wirkliche Alternative dar. Die Verluste, die mit einem solchen Versuch einhergegangen wären, überstiegen einfach die regenerativen Fähigkeiten einer militärischen Gruppierung wie dem Regiment der Basteter. »Wir können uns jetzt nicht zurückziehen«, warf eine bisher unbeteiligte Stimme in die Runde, deren arrogante Selbstgefälligkeit sich hinter einem mühsam verborgenen Schleier der Vorsicht verbarg. Allgemein wurde eingeatmet. Die Dreistigkeit des Munitoriumsbeamten, sich in militärtaktische Aspekte einzumischen, stellte eine erneute, frivole Pejoration des ihm nun deutlich vorgesetzten Oberbefehlshabers von Agos Virgil dar. Ekko, der bisher noch kein Wort über seine nächsten Schritte verloren hatte, sah auf. »Bitte, was?«, wollte er mit gefährlich leiser Stimme wissen, während seine braunen Augen den fetten Konsul anstarrten, der sich erdreistet hatte, des Colonels Pläne wieder einmal gekonnt zu durchkreuzen. »Wir können uns nicht zurückziehen«, wiederholte der Mann, auf dessen Stirn sich bereits deutliche Schweißperlen abzeichneten. »Die Sprengkommandos sind nicht besetzt.« Die Klarheit, mit der sich die gesammelte Anspannung in den Raum ausatmete, jagte den Offizieren kalte Schauer über den Rücken. Ekko nickte nachdenklich, während er bereits über die Probleme sinnierte, die ihnen durch dieses Wissen erwuchsen. »Ja, das ist in der Tat ein Grund, den Rückzug zu verzögern.« Er erhob sich, wirbelte überschwänglich zu dem aufgedunsenen Mann herum. Sein Zeigefinger schoss hervor, doch statt einem ‚fühlen Sie sich schlecht†˜, erwartete den Obersten eine umso verwirrendere Frage: »Sie †“ schnell! Wie viel sind ein mal eins?!« »Das ist einfach!«, rief der Konsul, von den Worten des Colonels nur kurzzeitig aus dem Konzept gebracht. »Ein mal eins ergibt eins!« »Falsch!«, schoss es aus Ekkos Mund, während der Imperiale bereits nach einem Wachsoldaten schnippt. »Kann den mal jemand wegbringen? Ich brauche hier etwas mehr Kompetenz!« Fassungslos verfolgten die Offiziere, wie zwei Basteter mit vorgehaltenen Waffen an die Seite des Konsuls traten und ihn aufforderten, sie aus dem Raum zu begleiten. Der aufgedunsene Körper, wohl einzig von seiner teuren Tunika vor dem Zerfließen bewahrt, wabbelte heftig, als der Beamte vor Wut zu zittern anfing. »Das … das werden Sie büßen, Colonel!« »Ja«, erhielt er zur Antwort. »Später.« »Ekko, Sie Mistkerl! Ich habe von Anfang an gewusst, dass Sie ein wahnsinniger Irrer sind! Die Gnade des Imperators ist noch zu gut für Sie! Sie gehören dahin, wo das Chaos wütet und die dunklen Götter ihren Lastern frönen!«, schrie der Konsul, als die Soldaten ihn ergriffen und unter sichtlicher Mühe aus dem Raum schleiften. Perplex ob der blasphemischen Äußerungen des Munitoriumsadministraten blieben die Offiziere zurück. Lediglich Ekko winkte zum Abschied und wischte sich eine nicht vorhandene Träne aus dem Auge. »Ich werde ihn vermissen«, tat er kund, bevor er zum eigentlichen Thema zurückkehrte. »Also gut«, wandte er sich an die versammelten Administraten. »Soeben ist ein Chefposten frei geworden. Wer will ihn?« Er sah auffordernd in die Runde. »Niemand? Also gut, dann übernehme ich diesen Posten auch noch.« Ein anderer Konsul, eher dürr und hager gebaut, beugte sich mit der traurigen Unsicherheit eines Schattens in Richtung des imperialen Offiziers und begann, mit heiserer, metallen klingender Stimme zu sprechen. Dabei wurde kondensierender Wasserdampf in immer neuen Schüben aus dem Gitter, das den Stimmmodulator vor seinem Gesicht bedeckte, gepresst. »Das können Sie nicht!« Der Basteter ihm gegenüber blieb unbeeindruckt. »Doch, kann ich. Mit links sogar.« »Dazu haben Sie nicht das Recht!« »Doch«, wiedersprach der Colonel. »Im Augenblick habe ich hier jedes Recht.« Kurze Zeit lang sprach lediglich der Krieg vor den steinernen Mauern der Kathedrale mit seiner fremdartigen Stimme, während die improvisierte Kommandozentrale über die Worte des imperialen Offiziers nachgrübelte. Es dauerte jedoch nicht lange, da begriffen die Administraten, was er gemeint hatte. Erschrockenes Einatmen war zu vernehmen. Natürlich! Nach dem Tod General Iglianus†˜ hatte Colonel Ekko das Kommando über sämtliche noch auf Agos Virgil befindlichen Streitkräfte übernommen. Zugleich stellte sein Regiment nun das Festungskommando mit ihm als Oberkommandierenden der Feste. Nach imperialem Gesetz stand der Offizier somit sämtlichen militärischen und zivilen Stellen vor. Natürlich war Colonel Ekko niemand, der sich aus diesem Wissen viel machte. Dafür war er viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Aber wer außer ihm (und vielleicht Carrick, der solche Eigenheiten seines Vorgesetzten stets erahnte), hätte das wissen sollen? Zumindest keiner der Anwesenden, die nun gespannt an seinen Lippen hingen. Und ein wenig Beeinflussung, das hatten ihn sowohl seine Frau als auch seine Erlebnisse mit dem Kommissariat gelehrt, schadete im Grunde keinem Ziel. »Also«, wiederholte er. »Nehmen Sie mir diese Last ab, oder soll ich die Aufgaben des Obersten Konsuls ebenfalls übernehmen?« Zögerlich trat derselbe Adept vor, der ihn gerade noch für seine Bemerkung kritisiert hatte. »Was brauchen Sie?« »Eine Pause wäre nicht schlecht«, entgegnete der Colonel, bevor er seufzend fortfuhr: »aber für den Moment reichen mir die angeforderten Raketenbatterien und die besetzten Sprengkommandos.« Die Administraten sahen sich an. »Wie Sie wünschen, Colonel«, bestätigte der designierte neue Oberste Konsul von Agos Virgil mit seiner rasselnden Stimme. Die Männer verbeugten sich, dann wandten sie sich ab und verließen die Kommandozentrale in dergleichen zeremoniell anmutenden Prozession, in der sie sich grundsätzlich durch die Kathedralenstadt zu bewegen pflegten. Beinahe auf dem Fuß folgten ihnen die Maschinenseher. Als der Vorhang hinter ihnen zuschwang und den Eingang zur Kathedrale mit seinem weitestgehend undurchlässigen Stoff verdeckte, richtete sich Ekko auf und wandte sich an Carrick. »Und warum machen die sich jetzt davon?« Der Major zuckte die Achseln. »Herr auf dem Thron«, grummelte Ekko, nur um durch ein plötzliches Flackern des Plots zurück auf sein ursprüngliches Problem erinnert zu werden. Die Verteidigung war von Anfang an †“ selbst in der Theorie †“ ein riskantes Spiel gewesen, auch wenn der Regimentskommandeur seine Joker recht gut platziert und sich eine durchaus durchdachte Taktik zurechtgelegt hatte. Um ein dermaßen riesigen Gebiet mit den wenigen zur Verfügung stehenden Kräften möglichst lange halten zu können †“ und das bei minimalen Eigenverlusten †“ hatten sich die Urheber des Abwehrplans neben einem ausgeklügelten System von Sprengfallen und Minengürteln auch ein umfangreiches Netz aus mehr oder weniger befestigten Stellungen einfallen lassen. Diese Stellungen, teils Schützengräben und Schützenlöcher, teils improvisierte Barrikaden und notdürftig präparierte Gebäude, waren so platziert worden, dass ein schneller, aber dennoch straff geführter Abwehrkampf möglich wurde. Eigentlich war gedacht gewesen, dass sich die Einheiten gegenseitig deckten, während sie vor dem Feind zurückwichen. Allerdings wurde diese Option mit dem raschen Durchbruch der Grünhäute obsolet und Ekko sah sein taktisches Kartenhaus wirkungslos zusammenbrechen. »Colonel?«, riss ihn die Stimme Gireths Stimme aus seinen Gedanken. »Captain Balgor für Sie, Sir.« Ekko sah auf, überlegte kurz und nickte matt. »Leiten Sie ihn zu mir weiter.« Wie alle imperialen Kommandosysteme verfügte auch der Projektionstisch des taktischen Plots über eine integrierte Sprech- und Gegensprechanlage, welche lediglich durch ein Kabel mit einem sende- und empfangsfähigen Funkgerät verbunden werden musste. So wurde den imperialen Kommandeuren ermöglichst, umgehend und ohne die Fehlerlastigkeit eines mündlichen Zwischenhändlers mit ihren Untergebenen zu sprechen. Zwar gehörte der Colonel nicht zu den Verfechtern dieses Systems, da er es für unnötig hielt, aber in Momenten, wo er nicht ans Funkgerät kommen konnte, besaß die Anlage gewisse Vorteile. Eine kleine Diode am Bedienelement der Sprechanlage begann, dienstbeflissen zu blinken. Ekko quittierte die Meldung einer einkommenden Signalverbindung mit einem müden Lächeln, bevor er die Annahmetaste des Geräts drückte. Donnern und Rauschen fluteten das Kommandozentrum, pressten für einen Moment lang sämtliche Umgebungsgeräusche aus dem Beinhaus. Unter dem Krachen der Explosionen und Knattern der Waffen klang Captain Balgors Stimme beinahe dünn, auch wenn er regelrecht schrie, um sich seinem Gegenüber verständlich zu machen. »Colonel?!« »Balgor«, begrüßte Ekko den Anrufer, als sei das Teil eines alltäglichen Rituals. »Was macht die Zunft?« »Es blitzt und donnert, Colonel«, erhielt er zur Antwort. »Ist das Wetter so schlecht?« In Balgors Worten, wenn auch teilweise durch das Rasseln eines vorbeifahrenden Panzers überdeckt, klangen all der Stress und die Aufregung mit, unter denen der Captain in diesem Augenblick stand. »Es hagelt, Chef †“ aber ordentlich.« Ekko nickte zustimmend. Herr auf dem Thron, wie gern wäre er nun dort draußen gewesen und hätte sich in die Schusslinie begeben, um endliche seine Erlösung zu finden. So viel Pech konnte es doch gar nicht geben, dass ihn jede Kugel und jeder Laser verfehlte. »Was gibt es?«, zwang er sich zurück zum Anruf des Captains. »Was kann ich für Sie tun, Balgor?« »Colonel, der Feind hat mehrere Durchbrüche in unseren Linien aufgetan. Ich würde die Truppen gerne zurückziehen, um einer vollständigen Vernichtung zu entgehen.« Totenstille tanzte durch die improvisierte Kommandozentrale, lachte über das Entsetzen, das sich schlagartig ausgebreitet hatte. Atemlos ließen die Männer sie gewähren. Balgor, der die erschrockenen Gesichter hingegen nicht sehen konnte, ließ einen Moment lang verstreichen, bevor er sich versicherte, dass seine Nachricht die Gegenseite überhaupt erreicht hatte. »Colonel?« »Ja«, erwiderte Ekko finster. »Ich habe Sie verstanden, Captain.« »Ihre Antwort, Chef?« Das Gewicht, das der Colonel auf seiner Brust spürte, belegte auch seine Stimme. »Es tut mir leid, Balgor. Ich kann Sie nicht zurückziehen.« Nun war es der Captain, über den die Totenstille lachte. Ekko sah beinahe bildlich vor sich, wie der Basteter fassungslos auf den Feind blickte, während hinter ihm ein weiterer Soldat von den Geschossen einer Maschinenwaffe zerrissen wurde. »Ist das ein schlechter Scherz?«, knisterte es aus dem Funkgerät. »Leider nicht«, erwiderte der Colonel. »Wenn ich einen schlechten Scherz machen würde, wäre das dieser hier: Was tut man, wenn man einem Dämon begegnet? Man stirbt!« »Stellst du dumme Fragen, kriegst du dumme Antworten«, schlugen ihm seine eigenen Worte zitiert entgegen. Resigniertes Seufzen, untermalt von heftigem Lasergewehrfeuer, schloss sich an. »Aber, warum?« »Dämonen sind böse, Balgor.« Die Worte blieben im Raum stehen. »Ich meine: weshalb können wir uns nicht zurückziehen?«, verlangte Balgor zu wissen. Er klang resigniert. Weswegen, ließ sich allerdings nicht sagen. »Das Munitorium ist seinen Pflichten nicht nachgekommen«, begann der Colonel zu erklären, nur um dem Captain dann weitere Einzelheiten zu ersparen. »Die Sprengkommandos sind nicht besetzt. Wenn wir uns jetzt zurückziehen, dann fallen die äußeren Generatorgebäude unbeschädigt in Feindeshand. Und ich will weder riskieren, dass der Feind Zugang zu einem Generator erhält, noch die Möglichkeit nutzen kann, unsere Energieversorgung zu kontrollieren.« »Was haben Sie im Sinn, Ekko?«, fragte Balgor nach einigen Momenten des Nachdenkens. Unwillkürlich wurde der Colonel an das letzte Mal erinnert, dass Balgor ihn direkt mit seinem Nachnamen angeredet hatte. Passend zu der Eigenart, seinen langjährigen Kameraden und Freund niemals mit dem Vornamen anzusprechen, hatte Balgor es sich angewöhnt, seinen Vorgesetzten von Zeit zu Zeit mit dessen Nachnamen zu bedenken. Besonders, wenn ihm einer von dessen teilweise sehr heftig eruptierenden taktischen Geistesblitze bereits vor der Entstehung schon absurd vorkam und er keine Gelegenheit sah, dies dem anderen Offizier gegenüber zu äußern. Beim letzten Mal, als Balgor auf diese Weise mit Ekko gesprochen hatte, hatte der ihm kurz darauf befohlen, die Schützengräben der ehemaligen Verteidigungsstreitkräfte von Agos Virgil zu verbrennen. Sein neuer Befehl stand diesem Irrsinn in nichts nach. »Balgor, ich will, dass Sie den Feind zurückwerfen. Erkaufen Sie mir so viel Zeit, wie irgend möglich.« »Kein Problem«, knirschte der Captain, nachdem er sich über den neuen Auftrag klar geworden war. »Ich nehme einfach meine paar Überlebenden und … mache die Orks allesamt nieder.« Eine wohl dosierte Pause folgte. »Alle zehntausend Stück.« Ekko überlegte kurz, ob er die Worte seines Untergebenen kommentieren sollte, entschied sich allerdings dagegen. Unter dem Knistern atmosphärischer Störungen erwachte das Funkgerät zu neuem Leben, fast so wie ein Leman Russ, dessen Motor unter dem Knallen von Fehlzündungen ansprang. »Wollen Sie vielleicht, dass ich das Tor zurückerobere …?«, sprang der bissige Sarkasmus Balgors durch die Verbindung, bemüht, Ekko mit einer Form der Tollwut zu infizieren. Ekko, vollkommen unberührt von der Attacke, nickte lediglich und nahm die Idee in das Repertoire seiner Möglichkeiten auf. »Ja, warum nicht?« »Chef, das kann nicht Ihr Ernst sein«, wollte Balgor ausrufen, kam jedoch lediglich bis zu ‚Ernst†˜, bevor das heftige Krachen eines nahen Bolters dem Funkgerät jede weitere Sprachaufzeichnung vorerst unmöglich machte. »Also gut«, zischte der Captain, als das Donnern abklang. »Dann brauche ich allerdings alles, was Sie mir geben können. Panzer, Walküren und Raketen.« Wieder nickte Ekko, für Balgor unsichtbar. »Ich werde alles Nötige veranlassen. Sonst noch etwas?« »Derzeit fehlt es mir sehr massiv an Überblick«, berichtete der andere Basteter. »Ich weiß nur, dass der Feind einige Durchbrüche erzielt hat, aber ich konnte mir bisher kein genaueres Bild machen.« »Und wie soll ich da Abhilfe schaffen?« »Ich brauche Ihr Auge, Chef.« Ein schriller Alarm tönte durch Ekkos Kopf, weckte seine derzeit in Trance befindlichen Nervenzellen. Beim Thron …! »Denken Sie gar nicht dran, Balgor. Das brauche ich selbst noch!«, rief er aus. Balgor, von der Bemerkung vollkommen überrascht, wusste für einige Moment nicht, wie er reagieren sollte, bevor ihm bewusst wurde, dass es sich wieder einmal um eine Gedankenspielerei seines Kommandeurs handelte. »Sir, ich bitte um Ihre Einschätzung«, stellte er stoisch klar. »Ach so«, beruhigte sich Ekko selbst. »Ich dachte schon, Sie wollten …« Mit einem Wink tat er das Thema ab und kam der Bitte des Captains nach. »Balgor, Sie kennen mich. Ich mag es nicht, um das Problem herumzureden. Ganz ehrlich? Das könnte für Sie jetzt bald echt beschissen ausgehen. Ich habe von hier oben auch nicht mehr Blick auf das Schlachtfeld als Sie, aber mein Plot füllt sich rasend schnell mit leeren Symbolen. Sie wissen, was das bedeutet.« Für einige Sekunden herrschte vollkommene Stille am anderen Ende der Leitung. Offensichtlich biss Balgor gerade in das Griffstück seiner Laserpistole, damit diese von der Energie seiner Unzufriedenheit überladen wurde, sich ein Schuss löste und dieser dann durch eine Verkettung unglücklicher Umstände direkt durch die Barrikade vor dem Fenster der Kommandozentrale in das Herz des Colonels traf. Sekundenlang wartete Ekko darauf, von dem kurzen, heißen Nadelstich des Lasers getroffen zu werden, der mit dem Geräusch kräftigem Ausatmens durch den Raum fegte und sich durch seine Uniform und sein Fleisch sengte, während sich Balgor und die Laserpistole ineinander verbissen und vor den Augen zweier verblüffter Armeen in wilder Wut über die Hauptausfallsstraße rollten. Wer den Kampf schlussendlich verlor, erfuhr der Colonel nicht mehr. Auf jeden Fall klang es nicht so, als wenn Balgors Zähne bei dem Zusammentreffen gesplittert waren. »5120201 verstanden. Vielen Dank für Ihre Einschätzung! Balgor, Ende.« Die tiefe Sorge in der Stimme des Captains war nicht zu überhören. Es klang so endgültig, dass Ekko sich eines unheimlichen Schauers nicht erwehren konnte, der mit hämischer Kälte über seinen Rücken kroch. »Lassen Sie die Walküren klar machen«, grummelte er mit finsterem Blick auf den Plot. Das erste seiner eigentlich bewusst zurückgehaltenen Asse musste gespielt werden. Carrick, sich der Schwere der Entscheidung bewusst, versuchte der Colonel noch einmal umzustimmen †“ wohl in dem Wissen, dass es dafür im Grund bereits zu spät war. »Wollen Sie die Walküren wirklich einsetzen?« »Von wollen kann gar keine Rede sein.« Der Colonel wandte sich um. »Aber Balgor braucht nun einmal Feuerkraft. Da liefern unsere Panzer nicht genug. Hoffen wir, dass es uns genügend Zeit gibt.« Carrick nickte und trat zu den Funkern, um die Befehle weiterzuleiten. Sein Widerwillen war ihm deutlich anzusehen. Ekko konnte es ihm nicht verdenken. »Und was machen wir jetzt?«, sprach Solmaar aus, was mindestens die Hälfte der anwesenden Offiziere dachte. Nachlässig wedelte der Colonel mit seiner Hand in Richtung Plot. »Wir müssen den Vorstoß einfach aufhalten.« Captain Gaer, seit einigen Minuten in seinen eigenen Grübeleien über ihre Situation gefangen, schreckte entsetzt auf. »Das ist Ihr Plan?!«, brachte er hervor. »Ergibt Sinn«, stimmte Solmaar zu. »Aber wie wollen Sie das bewerkstelligen? Unsere Streitkräfte reichen bei weitem nicht aus.« Er erntete ein Grinsen seines Vorgesetzten. In der harten, künstlichen Beleuchtung der Kommandozentrale rückte es die verwegene Idee des Colonels in ein vollkommen anderes Licht: »Wir werden einfach improvisieren.« Diese Antworte schockierte die Männer beinahe noch mehr. »Improvisieren?!« Nun war es nicht so, dass Ekko nicht für seine Improvisationen in taktischen Notlagen bekannt war. Tatsächlich hatte er sein Geschick dazu bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Allerdings stand ebenso außer Frage, dass ihnen eine einfache militärische Spielerei in diesem Moment das Leben nicht retten konnte. Dazu wäre vermutlich nicht einmal mehr die Gottesallgewalt des Imperators in der Lage gewesen. Nein, ihnen allen stand der Exitus bevor. In dieser Lage noch etwas ‚improvisieren†˜ zu wollen, kam einer Blasphemie gleich. Aber Colonel Ekko gehörte auch nicht zu den Menschen, die für ihre Imperatorfürchtigkeit bekannt waren, oder? »Also, meine Herren«, stellte der Basteter seine Gedanken vor. »Versetzten Sie Ihre Einheiten in Bereitschaft. Es kann sein, dass wir Sie bald in den äußeren Ring verlegen müssen.« Hatten Verwirrung und Unverständnis in dem Raum inzwischen das bei Offizieren anzulegende Höchstmaß erreicht, so wurde jetzt die Messlatte ihrerseits ein ganzes Stück angehoben. Was, beim Thron, plante der Colonel? Vermutlich hätte jeder von ihnen diese Frage gerne und mit wenig Taktgefühl an den Verantwortlichen gestellt †“ nur war dafür im Augenblick keine Zeit. Zwischenzeitlich hatten sich neue Quadrate im Zentrum der hololithischen Anzeige aufgetan, zeugten von dem immensen Druck, unter dem die verteidigenden Einheiten standen. »Alle weiteren Befehle und Aufträge erhalten Sie, sobald sich eine Lageänderung ergibt.« Ekko ließ seinen Blick über die Offiziere schweifen. »Noch irgendwelche Fragen? Nein? Also dann, meine Herren: Tod und Verderben!« »Tod und Verderben!«, wiederholten sie und traten dann weg, um ihre Einheiten mit neuen Befehlen zu versorgen. Der Regimentskommandeur verfolgte, wie die Männer einer nach dem anderen durch den Eingang zur improvisierten Kommandozentrale verschwanden. Die schweren Schritte von Kampfstiefeln traten an seine Seite. »Colonel, das ist doch Irrsinn!«, sprach Major Carrick ihn leise an, wohl wissend, dass niemand ihre Unterhaltung verfolgen konnte. »Halten Sie das für richtig?« »Halten Sie mich für einen normalen Menschen?«, fragte Ekko rhetorisch zurück. »Oder glauben Sie auch, dass ein mal eins eins ergibt?« »Aber Colonel, ein mal eins bleibt eins.« Ekko sah seinen Stellvertreter verblüfft an. »Wirklich?« Er stieß Luft aus und deutete mit einem Kopfnicken auf den verhüllten Eingang, durch den der Konsul des Munitoriums fortgeschafft worden war. »Ob er es gemerkt hat?« Carrick unterließ weitere Kommentare. Dass er sich nicht gerade in Begeisterung suhlte, war seiner Miene jedoch deutlich abzulesen. Entschuldigend hob der Colonel die Achseln. »Tut mir leid. Ich bin nun einmal schlecht in Mathe.« Kaum, dass diese Worte von seinen Lippen gebrochen waren, rauschte Balgors Stimme durch die Lautsprecher des Funkgeräts in die Kommandozentrale. »Hier ist 5120201 †“ an alle Einheiten im ersten Ring! Abwehrstellung 1 aufgeben und zur Auffangstellung zurückfallen! Reserven klar zum Gefecht! Ich wiederhole: …« Jeder, der in diesem Moment in ihre Situation geworfen worden wäre, hätte zu dem Schluss kommen können, der Captain wolle seine Männer lediglich vor der Matheschwäche des Vorgesetzten retten. *** Das unverkennbar charakteristische Donnern des Schweren Bolters in ihren Armen betäubte Leitis Siles Ohren mit dem wohligen Klang der Vernichtung, löste ihren Geist von den störenden Lärmeinflüssen der Schlacht. Sie genoss die euphorisierenden Empfindungen, die ihr dieses körperliche Extrem verschaffte †“ trotz des Wissens um die Risiken. Was konnte schon groß passieren? Die stete Lärmbelastung und Knalltraumata, denen sie ausgesetzt wurde, würden mit der Zeit die Haarzellen ihres Innenohrs schädigen und vernichten. Im schlimmsten Fall zerriss ihr Trommelfell oder platzte sogar. Mit Pech blieb sie danach taub. Im besten Fall implantierte man ihr bionische Prothesen als Ersatz für das verloren gegangene Hörvermögen. Der Orden des Gläubigen Geistes besaß gute Beziehungen zu Techno-Ärzten, die in der Lage waren, solche Bionics, wie man sie gemeinhin nannte, zu ‚montieren†˜ und in die normalen Körperfunktionen zu integrieren. Ohne Frage war eine solche Prozedur langwierig, mit erheblichen Risiken verbunden und auch nicht immer erfolgversprechend. Aber was bedeutete das schon, verglichen mit dem Dienst an Ihm? Nur die Unversehrten hatten nie wirklichen Dienst geleistet. Natürlich wusste Sile, dass der Sabbat-Typ-Helm, wie er seit dem 38. Jahrtausend von den meisten Sororitas getragen wurde, Störungen wie heftige Lichterscheinungen oder den Lärm einer Schlacht minimieren, ja sogar ausblenden konnte. Natürlich war er damit ähnlich ideal wie die mächtigen Panzerhelme der Space Marines, um die Adepta vor den mannigfaltigen Sinneseinflüssen zu schützen, die mit dem grellen Antlitz der Schlacht einhergingen. Sile hatte sich trotzdem entschieden, ihre Sinne und ihre Sicherheit nicht mit der ehernen Hülle des Sabbat-Helms zu belasten. Zum einen engten die stilisierten Augen des Visors und die Akustiksensoren Sicht- und Hörbereich ein. Man konnte nicht das gesamte Spektrum der Sinne abrufen, sondern lediglich begrenzte Bereiche davon. So wurde der Nutzer auf eine Richtung fixiert, ohne das restliche Gefechtsfeld im Auge zu behalten. In einer Feuerlinie mit anderen Schwestern mochte das einen gewissen Vorteil bieten, da sich jede so auf einen bestimmten Zielbereich konzentrieren und diesen als ihr Schussfeld im Blick behalten konnte. Im Nahkampf gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner hingegen wies sich eine derart kontrollierende Eigenschaft als ungemein hinderlich aus, sodass es Sile grundsätzlich nicht sinnvoll erschien, ihr Haupt zu panzern. Außerdem sollte der Feind sehen, wem er entgegenstand. Sollte den blonden Todesengel erkennen, der ihm Verderbnis und Vernichtung brachte, und in dessen Fußstapfen keinerlei Leben mehr existierte, sei es nun menschlicher oder xenomorphologischer Natur. Der schwere Bolter in ihren Händen verstummte, atmete mit dem metallenen Rasseln einer Ladehemmung aus. Sile bemerkte es im ersten Moment gar nicht. Die Hände, vom Rucken der mächtigen Waffe betäubt, zitterten noch immer, während ihre Augen, halb blind vom Feuerschein des Mündungsfeuers und ihre Ohren, klingelnd vom Lärm, nach wie vor das unbändige Wüten des Bolters suggerierten. Erst nach wenigen Sekunden begriff die Sororita, dass es nicht das Klingeln in ihrem Gehör war, das mit penetrantem Klicken auf sich aufmerksam machte. Verwundert löste sie ihren bald krampfenden Finger von Abzug, der sich mit einem deutlichen Klicken des Wiederspannabzugs dafür bedankte. Sie ignorierte ihn, vergewisserte sich stattdessen, dass ihr Munitionsvorrat nicht zur Neige ging. Nein. Auch wenn dies bereits die dritte Trommel war, die sie auf den Feind verschoss - sie war noch nicht geleert. Zudem, wenn dem so gewesen wäre, dann hätte sie nur auf den Rücken ihrer Panzerung greifen müssen, um eine der beiden dort noch befindlichen Trommeln zu fassen und so den unstillbaren Hunger des Handgeschützes auf Munitionsnachschub zu bändigen. Vielleicht war die Waffe heiß geschossen? Auch das erschien unwahrscheinlich. Immerhin hatte sie bisher nur gut sechshundert bis siebenhundert Schuss abgegeben. Das reichte noch nicht, um einen schweren Bolter überhitzen zu lassen. Zudem besaßen schwere Bolter ausgeklügelte Zünd- und Kühlmechanismen, die niemand verstand, aber die das Heißlaufen der Waffe deutlich hinauszögerten. Doch das erklärte längst nicht, weshalb die Waffe ganz offen den Dienst verweigerte. Rasch drehte sie die Waffe nach links, um einen Blick in das Patronenauswurffenster zu werfen. Möglicherweise hatte sich eine der Geschosshülsen verklemmt und verhinderte nun, dass Sile weiter Tod und Verderben zwischen die Reihen des Feindes säen konnte. Nein, eine verklemmte Boltpatrone ließ sich nicht erkennen, allerdings zeugten die traurig vor sich hin rauchenden Überbleibsel des einstmals mächtigen Mündungsfeuers recht deutlich von einer Dysfunktion der Waffe. Herr auf dem Thron! Eine Ladehemmung! Verflucht sollt ihr sein, ihr untreuen Maschinengeister!, wetterte sie stumm. Ladehemmungen, wie die, der die Prioris soeben gewahr geworden war, waren einer der Nachteile der mächtigen Infanteriewaffen, wenn nicht sogar der gefährlichste. Abgesehen von der Tatsache, dass damit der Verlauf von Abfeuern, Auswurf und Einführen der nächsten Patrone ins Patronenlager unterbrochen wurde (und damit eine schnelle Feuerabfolge), konnte es im Verlauf einer Ladehemmung bei heißgeschossenen Waffen auch zu einem Rohrkrepieren kommen. Bei einem vom Chaos korrumpierten Leben geschah es bisweilen, dass die Waffe in der Hand des Schützen zerbarst. Im besten Fall verlor er so ein paar Gliedmaßen. Aufgrund ihrer komplexen Technik waren sämtliche Boltwaffen recht störanfällig. Weshalb, das vermochte Sile nicht zu sagen. Solch eine Auskunft konnte ein Maschinenseher geben, wobei im Gros der Fälle zu beweisen blieb, ob die Techpriester tatsächlich mit der Problematik hinter dem Fehler vertraut waren. Nun gut, diese Frage stellte im Angesicht der brüllend anstürmenden Feinde ihre geringste Sorge dar, obgleich der Grund für eine Fehlfunktion zumeist in der Technik der Waffe zu finden war. Allerdings gab es einige Litaneien und Rituale, die es dem Schützen ermöglichten, ihren Waffen nach einem Versagen neues Leben einzuhauen. Eines davor war das Ritual des Durchladens. Beim Durchladen benutzte der Schütze den Repetierhebel seiner Waffe und riss diesen mit aller gebotenen Gewalt zurück, um so die verklemmte Patrone aus dem Patronenlager zu zwingen. Begleitet wurde dies von einem Gebet an den Maschinengeist, um diesen zu besänftigen und die weitere Funktion der Waffe sicherzustellen. Sile griff den Spannhebel ihrer Waffe, dann sagte sie die Litanei auf: »Geist der Maschine, vergib deinem Bediener. Befreie deinen Lauf von dem Unreinen. Speie aus das Störende. Und verrichte nun ungestört dein Werk der Vernichtung meiner Feinde.« Dann riss die Sororita den Hebel nach hinter und repetierte. Mit einem deutlich kratzenden Geräusch sprang das deformierte Bolt aus dem Patronenlager der Waffe und wirbelte zur Seite weg. Durch das knirschende Luftholen seines Repetierhebels mit neuer Energie versorgt, setzte die Waffe in Siles Armen erneut an, mit Deuterium angereicherte Munition in Richtung der Angreifer zu pumpen. Abpraller und Querschläger wühlten die Erde auf, warfen mächtige Fontänen in die Luft. Um sie herum zerfetzten die Xenos, verspritzten eine rostfarbene Mischung aus Blut, Gedärmen und Knochen über den inzwischen aufgeweichten Boden. Die Space Marines an ihrer Seite stimmten mit sonorem Bass den Kriegsgesang eines archaischen Schlachtenlieds an, begleitet vom stakkatoartigen Rhythmus ihrer Waffen. Eine Lobhymne auf den Imperator, die Sile nicht kannte, bei der ihr aber eine eigene Hymne der Sororitas einfiel. Also stimmte sie mit dieser in das Crescendo aus Gesang, Waffenfeuer und Explosionen ein, das ihre Ohren betäubte und sie in einen orgastischen Blutrausch versetzte. Es war, als würde der Imperator vor ihr stehen, ihre Hand führen und ihr die Ziele zuweisen. Diesen da! Jetzt den! Und nun den hier! Leitis Sile richtete sie alle. Perverses Vergnügen flüsterte ihr ins Ohr. Wohlgefallen an der Macht über Leben und Tode. Es war ihr eine Freude, in Seinem Namen zu richten, die Feinde der Menschheit unter der geballten Gewalt ihrer Feuerkraft zu zerfetzen. Wäre es nach ihr gegangen, der Strom der Angreifer hätte niemals enden mögen. Der Imperator jedoch hatte andere Pläne. Urplötzlich versiegte ihre Euphorie, verbarg sich vor dem Antlitz einer ungebetenen Störung. Tief geduckt, von den Projektilen, Querschlägern und Schrapnellen, die ihr nichts anhaben konnten, zu Boden gezwungen, keuchte Corporal Rebis an ihre Seite. »Prioris!«, rief er, um sich durch den pochenden Rhythmus der Feuerwaffen Gehör zu verschaffen. »Wir haben neue Befehle vom Kommandeur erhalten!« Überrascht hielt Sile inne. Grelles Lichtspiel bestrahlte das Haupttor, ließ es in Fehlfarben erstrahlen. Der trockene Knall sich schnell ausdehnender Luft fegte über sie hinweg. Ein neuer Befehl? Konnte es überhaupt einen anderen Befehl geben als den, den Feind mit aller gebotenen Härte zu vernichten? Sie wandte sich um, verwirrt ob der Frage, was wohl diese neue Order sein mochte. Die Antwort bot sich ihr postwendend. Hinter dem Corporal ließen sich imperiale Soldaten erkennen, die bereits ihre Stellungen aufgaben und sich unter gegenseitigem Feuerschutz vom Feind lösten. »Wir ziehen uns zurück«, erklärte der Unteroffizier, als würde er die Vorgänge in einem Kriegsgericht schildern. »Neue Verteidigungslinie ist Auffangstellung 1.« Rückzug? Es gab wohl kein Wort, dem Leitis Sile weniger abgewinnen konnte als Rückzug. Für sie zählte der Kampf bis zuletzt. Das einsame Leuchtfeuer, das im Namen des Imperators strahlte, bis es schließlich die Dunkelheit des Makels besiegte, oder ob der Übermacht dieser verlosch. Eine andere Option gab es nicht. »Die Sororitas würden niemals ….«, begann sie, nur um zu begreifen, dass sich dieser Grundsatz der Schwesternschaft nicht auf die Imperiale Armee übertragen ließ. Immerhin wiesen die Rüstungen Infanteristen nur einen Bruchteil der Panzerung auf, mit der sich die Astartes und das Adeptus Sororitas schützten. Rebis bestätigte ihre Überlegung nur Sekunden später. »Aber wir sind keine Sororitas! Wir haben dafür nicht genügend Holz … äh … Vor … bau«, stammelte er, kaum dass ihm aufging, wie weit er sich in verbotenes Territorium bewegte. »Verstehen Sie?« Nein, sie verstand nicht. Wie ließen sich Forstwirtschaft und Architektur mit den Statuten der Sororitas in Einklang bringen? Oder wollte er etwa sagen, dass … alle Sororitas beschränkt waren? Das kam Häresie gleich! In jedem anderen Moment hätte sie ihn dafür vermutlich postwendend gerichtet. Da sie allerdings vermutete, dass sein unbedachtes Verhalten eine Folge des Stresses war, unter dem er stand, verzichtete sie vorerst darauf. Immerhin hatte der Oberkommandierende mehr als deutlich klar gemacht, dass er seine menschlichen Ressourcen benötigte. Ob das vielleicht auch der Grund dafür war, dass Ekko solch einen Wahnsinn wie einen Rückzug wagte? Nun hielt Leitis Sile Galard Ekko nicht für den Mann, der im Angesicht des Feindes zurückwich. Nein, dafür war er selbst viel zu entschlossen und kämpferisch. Allerdings war er auch der bessere Taktiker †“ ansonsten wäre er wohl kaum Colonel geworden †“ und aus seinem Blickwinkel mochte der Rückzug durchaus einen logischen Sinn ergeben. Seine Truppen besaßen nicht genügend Mannstärke und Feuerkraft, um den gesamten Außenwall der Kathedrale tiefgreifend zu sichern. Für sie gehörte die Verteidigung des ersten Rings zu einer in ihrem Plan notwendigen Tatsache, von der sie nur allzu gern Abstand nahmen, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bot. »Ma†™am?«, drängte der Corporal. Wie den Sororitas ihre Statuten waren dem imperialen Soldaten seine inspirierenden Instruktionen heilig. Und die rieten ihm, sich immer auf seinen Kommandeur zu verlassen. Zur Zeit war ebendieser Kommandeur der Meinung, dass es klüger war, zurückzuweichen und diese Stellung aufzugeben. Sile wäre keine Dienerin des Imperators gewesen, wenn sie ihm in diesem Punkt widersprochen hätte. Immerhin zweifelte er nicht Willen und dem Kampfgeist der Basteter. Sie kämpften für den Imperator. Und sie kämpften tapfer. Er zweifelte lediglich an der Panzerung ihrer Rüstung und der Schlagkraft ihrer Waffen. Das war nun einmal das Los eines, wie die Kasrkin sagten, ‚Normalen†˜. Hätte sie an der Seite tausender Space Marines gekämpft, Ekkos Befehl wäre einer Farce gleichgekommen und sein Todesurteil gewesen. So aber verstand sie den Sinn hinter dem Befehl †“ auch wenn sie ihn nicht unbedingt begriff. Motoren sprangen an, warfen röhrenden Lärm in die Luft. Zwei der an der Front eingesetzten Chimären kletterten auf ihren Gleisketten aus den ihnen zugewiesenen Stellungen und rollten langsam rückwärts aus der Gefechtszone. Um sie herum strömten immer mehr Infanteristen zusammen, setzten sich über die vordefinierten Ausfallwege vom Feind ab. »Folgen Sie dem Befehl, Corporal«, ordnete sie an. »Für den Imperator!« »Der Imperator beschützt«, antwortete er, fuhr herum und sprintete zurück zu seiner Truppe. Für einen Augenblick überlegte die Sororita, ob sie dem Befehl ihrerseits folgen sollte. Immerhin hatte Colonel Ekko ihr das Kommando über einen seiner Trupps übertragen. Tatsächlich war sie versucht, der Order ernstlich nachzugeben. Doch sie musste auch ihre Verantwortung gegenüber dem heiligen Reich des Imperators wahrnehmen! Und der Imperator hatte ihr nicht nur das Leben und ihre Energie geschenkt, sondern auch die Rüstung, die sie trug. Die Rüstung, die das ausmachte, was sie war. Sile warf einen kurzen, musternden Blick zu den ausdruckslosen Golems an ihrer Seite, die den Feind mit unverminderter Härte bekämpfte †“ und traf ihre Entscheidung. Der Bolter knirschte genießend, als sie ihn zurück in Richtung Xeno-Abschaum hob. Dann stimmte sie ein neues Lied an und entfesselte die Macht ihrer Waffe. Für den Imperator! *** » … Formation Delta. Engagement bei Kontakt mit Feind oder über Einweisung«, ratterte die Stimme des Staffelführers die Befehle herunter, als er mit seinen Männern den Auftrag für den Einsatz durchging. Die sechs Flieger †“ drei Piloten und ihre Waffensystemoffiziere †“ standen um ein Treibstofffass, auf dem ihr Kommandant eine Karte der Himmelskathedrale ausgebreitet hatte und nickten verstehend. Hinter ihnen erhoben sich die ehernen Rümpfe der drei verblieben Walküren, kampfbereit und begierig darauf, in die Schlacht einzugreifen und ihre gemordeten Schwestern zu rächen. Leitis Sile wäre stolz auf ihren Hass gewesen. Techpriester und Spezialisten des Munitoriums umschwärmten die ungeduldig auf den Startbefehl wartenden Maschinen, prüften Triebwerke und Elektronik, montierten Raketenpods und Höllenfeuer-Raketen und munitionierten die Buggeschütze auf. Nur eine der Maschinen kauerte flügellahm und traurig am Rand des improvisierten Flugfelds, verfolgte betrübt die sich entwickelnden Ereignisse. Demetrian Gantis strich über die Seitenpanzerung seiner fluguntauglichen Sky Talon und versuchte, bei dem Gedanken an seine Untätigkeit nicht vor Scham den Kopf zu senken. »Dieses Mal nicht, Lyka«, sprach er das leblose Fluggerät an. »Dieses Mal werden wir nicht mit ihnen kämpfen können. Bereits zu zweiten Mal.« Wenn auch im Angesicht der neuen Bedrohung bereits schwächer werdend, waren ihm dennoch die Schuldgefühle in Erinnerung, die er empfunden hatte, als sein Geschwader mit der Armee General Iglianus†˜ in das letzte Gefecht zog und er sie im Stich gelassen hatte. Alle seine Kameraden, seine Freunde, waren gefallen. Sie hatten für den Imperator ihr Leben gelassen. Lediglich er, der er nie einen Kampf gescheut hätte, lebte noch, hatte nicht gekämpft. Nein. Stattdessen saß er hier fest, unfähig, in irgendeiner Form in die Kämpfe einzugreifen. Er konnte nur warten und hoffen, dass die Techpriester seiner Lyka wieder Leben einhauchten, auch wenn sein Verstand ihm immer und immer wieder die Frage stellte, was er nun noch zu gewinnen versuchte. Eine Sky Talon konnte keinen Krieg gewinnen. Das war so sicher wie die Tatsache, dass der Imperator beschützte. Nun ging es in einen neuen Kampf, und wieder stand er nur als hilfloser Zuschauer dabei. Es war einfach erniedrigend. »Bestehen noch irgendwelche Fragen?«, wollte der Rottenführer wissen und sah auf. Sein Blick schweifte durch die Runde, dann richtete er sich kurzzeitig auf Gantis. Der Basteter versuchte, der Entschlossenheit mit ebenso festem Willen zu begegnen, doch es gelang ihm nicht einmal, dem anderen Piloten für kurze Zeit in die Augen zu sehen. Sofort meldete sich sein Schuldgefühl, erinnerte ihn an die Schwere der Last in seinem Herzen. Ohne einen weiteren Versuch gab Gantis dem ausdruckslosen Gesicht seines Gegenübers nach und wandte den Blick ab. Der Rottenführer nahm dies als Sieg hin. »Wenn von Ihnen keine Anmerkungen mehr sind, dann besetzen Sie Ihre Maschinen, meine Herren. Der Imperator beschützt.« »Der Imperator beschützt«, wiederholten sie und trennten sich. Rasch, aber ohne Hast, begaben sich die Besatzungsmitglieder an die Sturmtransporter. Ein kurzes Gespräch mit den zuständigen Techpriester und den Adepten des Munitoriums folgte, dann bestiegen der Waffensystemoffiziere die Cockpits über herangebrachte Leitern, während die Piloten damit begann, die Maschine zu umrunden. In der Fliegersprache nannte sich so etwas Preflight-Check oder, brach man das Ganze herab auf das Niedergotisch des normalen Bürgers, Vorflugkontrolle. Ziel dieser Vorflugkontrolle war, sämtliche Teile der Flugmaschine noch einmal abzugehen und auf Unregelmäßigkeiten zu kontrollieren. Zwar kam es nicht oft vor, doch von Zeit zu Zeit wurden selbst die Maschinenwärter und Adepten ein wenig schlampig. So kam es zum Beispiel vor, dass Lufteinlässe nicht ordnungsgemäß geöffnet waren, Waffenbuchten nur unzureichend verriegelt und sogar Werkzeuge in den Turbinen vergessen wurden. All diese und andere kleinere Schwierigkeiten, die sich während des Fluges (oder im Gefecht) zu einem ernsthaften Problem entwickeln konnten, mussten noch vor dem Start abgestellt werden. Und als Flugzeugführer war nun einmal der Pilot für seine Einheit verantwortlich. Nachdem die Männer den Außenbereich der Maschinen überprüft und für sauber befunden hatten, bestiegen sie ebenfalls die Cockpits. Das leise Singen von Servomotoren klang an, als die Cockpithauben heruntergefahren wurden, bevor sie mit deutlichem Knacken in ihren Rasten einhakten und verriegelten. Wie in den meisten zweisitzigen Kampfmaschinen des Imperiums befand sich der Sitz des Waffensystemoffiziers vorne, während der Pilot hinter ihm und eine halbe Körperhöhe über ihm saß. Beide Besatzungsmitglieder waren in ihren Funktionen für bestimmte Elemente ihrer Waffenplattform verantwortlich, konnten jedoch im Notfall auch die Aufgaben des anderen übernehmen. Ein ausgeklügeltes System, dessen größte Schwachstelle noch am ehesten der Mensch darstellte. Doch auch hier überließ das Imperium Nichts dem Zufall. Nahezu jede Prozedur, jede Denkbarkeit eines unvorhergesehenen Geschehnisses, war in handbuchartigen Checklisten festgehalten, die dem Piloten (ähnlich dem Uplifiting Primer der imperialen Infanteristen) eine Anleitung sein sollten. Und wie der Uplifting Primer besaßen auch sie den Status einer heiligen Reliquie, an der nichts rütteln konnte. Was in diesen Handbüchern stand, war Gesetz. Aufmerksam verfolgte Gantis, wie in der Pilotenkanzel der ihm nächsten Walküre der Flugzeugführer die Start-Checkliste verbal abarbeitete, während der Bordschütze die aufgeführten Punkte in auf seinen Instrumentenbrettern und Bildschirmen überprüfte. Wie auch die Vorflugkontrolle, sollte der Start-Check verhindern, dass Fluginstrumente oder Waffenbedienelemente während des Einsatzes plötzlich den Dienst verweigerten, weil der Maschinengeist durch falsche Bedienung aufgebracht worden war. Den Maschinengeist einer Walküre zu besänftigen, stellte ein schwieriges Unterfangen dar (Lykas launiger Maschinengeist war ein passendes Beispiel dafür). Allerdings musste die Maschine dafür erst einmal lange genug in der Luft bleiben †“ und bei gut zwei Stunden Einsatzdauer mit internen Tanks konnte viel passieren. Die Checkliste wechselte den Besitzer. Nun war es der Waffensystemoffizier, der dem Piloten die Checkliste vorlas, während dieser seine Geräte überprüfte. Mit leisem Seufzen liefen die Triebwerke der Walküre an, während auf den Flügeln des Transporters Bewegungen erkennbar wurden, die am ehesten wohl an das unkoordinierte Chaos eines mechanischen Tanzes erinnerten. Klappen, Querruder, Höhenruder, Trimmruder und Seitenruder wurden durch den Piloten betätigt, um mögliche Schwierigkeiten in der hydraulischen Steuerung festzustellen. Ein Ausfall der Hydraulik war teilweise noch schlimmer als der Verlust der Triebwerke. Und obwohl die Walküre für jedes ihrer Systeme Redundanzen besaß, hatten Vorfälle in der Vergangenheit gezeigt, dass auch diese von Zeit zu Zeit zu versagen pflegten. Die Nachbrennerdüsen jaulten auf, ebenso die Umkehrschubklappen. Die gesamte Prozedur dauerte gut eine Minute, dann sah Gantis, wie die Checkliste zum zweiten Mal im Cockpit herumgereicht wurde. Der Flugzeugführer verstaute die Liste im dafür vorgesehenen Fach unter seinen Instrumenten, dann meldete er den Check als abgeschlossen. Das Bodenpersonal hatte sich derweil von der Walküre entfernt, lediglich ein Einweiser des Munitoriums befand sich noch bei der Maschine. Kaum, dass er die Meldung aus dem Funk aufschnappte, trat der Mann vor den großen Senkrechtstarter, streckte die Arme aus und signalisierte dem Piloten seine Bereitschaft. Als würde er damit das Startsignal für einen tonlosen Countdown geben, schwoll das tiefe Fauchen der Turbinen an. Normalerweise liebte Gantis es, wenn das satte Geräusch der F75-MW Turbojets langsam zu einem heiseren Kreischen schmolz. Wenn die Drehzahl der Fans schnell in die Höhe kletterte, um genügend Luft für eine effiziente Treibstoffverbrennung anzusaugen. Heute jedoch vermochte ihn die Todesmelodie des Senkrechtstarters nicht in Hochstimmung zu versetzen. Vielmehr fühlte er sich, als würde ihn die Maschine anklagen. Als würde sie ihn verhöhnen und mit dem Gesicht darauf stoßen, wie unzulänglich er doch war. Wie hilflos und verwundbar ohne das schützende Cockpit seiner einsatzunfähigen Maschine. Der Pilot ruckte bestätigend mit den Armen. Fast so, als würde er der Maschine recht geben. Gantis wusste natürlich, dass er lediglich den Einweiser adressierte. Doch das ließ ihn sich auch nicht wirklich besser fühlen. Die ausgestreckten Arme des Einweisers schwangen in einer kräftigen Bewegung nach oben und prallten über seinem Kopf zusammen. Der Knall ließ sich sogar durch die im Leerlauf befindlichen Triebwerke vernehmen. Mit einem Aufschrei der Erleichterung federte die Walküre in die Höhe und drehte, von einer entsprechenden Geste des Anweisers geleitet, in Richtung des Schlachtfelds. Kaum, dass auch ihre Schwestern der Schwerkraft entronnen waren, neigten sich die drei Todesengel vornüber und nahmen Geschwindigkeit auf, entschlossen, den Feind in einem Sturm aus Feuer zu verbrennen. Zurück blieben das Bodenpersonal, die Techpriester und Demetrian Gantis. »Viel Erfolg, Jungs«, murmelte der Basteter. Seine Stimme verlor sich im allmählich verebbenden Sturm der Turbinen. »Möge der Thron Euch begleiten.« *** Sergeant Kleit rutschte so heftig über den mitten auf der Straße aufgeschichteten Wall, dass ihm eine Lawine aus Sand und grobkörniger Erde in den dahinter liegenden Graben folgte und ihn zu Fall brachte. Eine Salve großkalibriger Geschosse aus Sturmwaffen ließ die Erde um ihn herum aufspritzen. Die Antwort in Form von gebündelter Energie zuckte als Säule der Vernichtung direkt zum Feind hinüber und fuhr direkt zwischen die angreifenden Panzerfahrzeuge. Heftige Detonationen erschütterten Luft und Erde, wirbelten mächtige Staubwolken auf. »Enforcer eins, hier 5120201, verlagern Sie Ihr Feuer! Vier Grad positive Elevation! Wir müssen das Tor zum Einsturz bringen!«, hörte er die Stimme Captain Balgors irgendwo neben sich. »Enforcer eins: verstanden! Feuerverlagerung vier Grad positiv!« Kräftige Hände packten Kleit und zogen ihn in die Höhe, als würden sie ihm einem furchtbaren Alptraum entreißen … um ihn direkt in den nächsten stoßen. »Was sollen wir tun?«, richtete sich die ratlose Stimme Corporal Aledans an ihn, während er seinem Vorgesetzten auf die Beine half. Kleit fuhr herum und maß seinen Stellvertreter mit einem kurzen Blick der Ahnungslosigkeit, bevor er sich dazu hinreißen ließ, seinen Kopf über die Brüstung zu heben. Die überlebenden Soldaten aus seinem Trupp lagen nur einige Meter weiter vorne hinter einem Stück aufgerissener Straße, um an der Seite ihrer Kameraden den Rückzug †“ oder vielmehr die Flucht †“ der Reste von dem zu decken, was einmal Captain Retexers Zug gewesen war. Andere imperiale Soldaten rannten in kopfloser Panik um ihr Leben, die Angst vor der anrollenden Meute grauenerregender Xeno-Bestien auf den Mienen. Wildes, ungezieltes Waffenfeuer aus den Tiefen der schnell um das Haupttor expandierenden Staubwolke jagte sie auf ihrem Weg zu den eigenen Linien, aus denen das stroboskopartige Flackern hunderter Lichtstrahlen zu den anstürmenden Orks hinüberreichte. Gleißende Helligkeit strahlte aus dem Himmel hernieder, energetische Säulen der Vernichtung, die in die undurchsichtige Wolke eindrangen und dort Tod und Verderben säten. Männer sprangen und rutschten unter wildem Schreien und Fluchen in Deckung, einige von ihnen kamen nicht lebend zum Halten †“ oder in ganzen Teilen. Kleit zuckte zurück, als der platzende Torso eines Infanteristen ihn mit den blutigen Überresten zerrissener Gedärme besprühte. Ekel kämpfte sich Form eines unkontrollierbaren Würgereizes in konzentrierten Schüben aus seinem Magen die Speiseröhre hinauf. Mühsam rang der Sergeant mit der krampfartigen Reaktion seines Körpers. Eine halbe Ewigkeit dauerte es, bis es ihm gelang, seinen Geist zur Räson zu bringen. Zwar beschäftigte ihn das Gefühl steigender Übelkeit nach wie vor, doch es zog sich in die hinteren Gehirnwindungen seines Kopfes zurück und entschied, dort auf einen besseren Moment für seine Rückkehr zu warten. »Sergeant!«, rief Aledan aus. »Ich habe Sie verstanden!«, bellte Kleit unwirsch zurück. In der Nähe schrie Captain Balgor weitere Befehle in das Stakkato der Waffen. Hinter ihnen donnerten die Multilaser zweier Chimären, deren eingegrabene Rümpfe jedes Durchkommen gepanzerter Fahrzeuge verhinderten. Ein Waaaghbike kämpfte sich aus dem sandigen Nebel vor ihnen, raste unter dem Blitzen seiner Waffen auf die Imperialen zu. Sofort legten mehrere Dutzend Lasergewehre auf das knatternde Angriffsfahrzeug an, unterstützt durch die Geschütze der Chimären. Das Waaaghbike zerbrach regelrecht. Es fiel einfach auseinander, scherte nach links aus und zerbarst schließlich in einem beeindruckenden Feuerball an der Häuserfront, die sich entlang der Straße auftürmte. Doch kaum war dieses Fahrzeug zerstört, kamen weitere. Der ohrenbetäubende Chor der Vernichtung nahm überhand. »Halten Sie die Position! Ich bin gleich zurück!« Eilig trat Kleit in die dem Feind zugewandte Grabenwand und rollte sich mit Hilfe des Schwungs rückwärts aus der Stellung. Der einzige Mann, der an diesem Ort noch so etwas wie Durchblick besaß, war Captain Balgor, der einige Meter zur Rechten des Grabens in Deckung gegangen war. Von dort aus koordinierte er die Verteidigung, um einen weiteren Durchbruch der Grünhäute zu verhindern. Wenn einer wusste, was zu tun war, dann er. Kleit versuchte, sich auf die Beine zu erheben, aber das donnernde Inferno, das die anstürmende Horde entfesselte, ließ ihn sich sofort wieder auf den Boden werfen. Von dort an kroch er die letzten Meter bis an den Straßenrand, schob sich über den von Blut und auslaufenden Körperflüssigkeiten getränkten Belag der Straße. Tote und Verwundete, im Grunde nur noch die Schatten von Leben, breiteten sich gleich einem Minenfeld vor ihm aus. Kleit kletterte und rollte einfach über sie hinweg. Er hatte keine Zeit, Rücksicht auf die Toten zu nehmen. Schwere Artilleriegranaten rauschten heulend über die Köpfe der Soldaten hinweg, zerbarsten unter dumpfem Dröhnen außerhalb des energetischen Schutzschilds der Kathedrale. Unter dem Truppführer bebte der Boden. Staub und Putz rieselten von den Wänden der Gebäude ringsherum. Als Kleit Balgors Deckung erreichte, eigentlich nur eine aufgeschichtete Barriere aus Straßenbelag und Sand, hatte der Captain gerade seine Befehlsausgabe an die Panzerjäger beendet und forderte nun über das Sprechgerät des Funktornisters Infanterieunterstützung für einen Ausfall an. Sein Funker, ebenfalls eng an die Barriere gepresst, feuerte mit seiner Waffe auf die anrückenden Xenos. »..0201 †“ wir brauchen Unterstützung! Sofort! Zwei †“ ich wiederhole: zwei Züge zum Gegenschlag!« Das Knallen sich schnell ausdehnender Luft platzte trocken über sie hinweg, gefolgt vom markerschütternden Krachen detonierender Munition. Erde spritzte auf. Querschläger heulten an ihnen vorbei. Balgors Funker zuckte zusammen und kauerte sich, soweit es ihm möglich war, hinter dem improvisierten Schutzwall zusammen. Kleit entschied, es ihm gleich zu tun. Vor sich hörte er Grünhäute brüllen. Der Motor eines vorrückenden Panzerfahrzeugs heulte gequält. »Ein Gegenschlag?«, wollte er, an Jelard gerichtet, wissen. Der Funker, Spuren eines harten Abwehrkampfes im Gesicht, nickte. »Ja, Sergeant! Captain Balgor will versuchen, das Tor zu sprengen, um uns ein wenig Zeit zu erkaufen!« »Das Tor sprengen?!«, schrie Kleit, wurde jedoch von einer Reihe heftiger Explosionen übertönt. »Ich denke, das Tor war bereits präpariert?!« Noch bevor der Funker in der Lage war, ihm eine Antwort zu geben, fand er des Rätsels Lösung selbst. »Herr auf dem Thron!«, rief er aus. »Jetzt weiß ich auch, was da vorhin so tierisch explodiert ist.« Jelard nickte. »Ja, Sir! Leider sehr ungerichtet! Wir …« »Wer gibt die Order?«, tönte eine aufgeregte Stimme blechern aus den Lautsprechern, schnitt die Erklärung des Soldaten mitten im Satz ab. »Captain Balgor«, brüllte der dunkelhaarige Basteter neben ihm, um den tobenden Gefechtslärm zu übertönen. Kleit wandte sich um, versuchte den Standpunkt der beiden Destroyer auszumachen, denen sie ihr Leben verdankten. Ein schwaches Licht blitzte vom Hügel über ihnen herab. Einen Lidschlag später erstrahlte die Welt in unnatürlicher Helligkeit. Kleit schrie auf und drehte sich weg. Kleine Kobolde tanzten vor seinen Augen. Donner erschütterte die Welt um sie herum. »Wollen Sie mich verarschen, Mann?!«, schrie Balgor in das Handgerät des Funktornisters. »Hört sich das für Sie vielleicht an, als wenn wir hier eine große Feier zum Geburtstag des Colonels schmeißen?! Hier fetzt Leib und Hirn, Mann! Also schieben Sie Ihren Arsch hier herunter, sonst schick ich Ihnen die Grünen hoch! Ich werde den Scheißern den Weg sogar persönlich beschreiben!« Stille antwortete ihm. Offensichtlich wurde sich die Gegenseite gerade der Warnung bewusste, die der Captain ausgesprochen hatte. Balgor nutzte die Zeit, sich an die Soldaten zu wenden, die mit ihm in Deckung lagen. »Kleit!«, rief er, ließ ein wenig Freude über das Überleben des Sergeants durch seine Miene aus professionellem Zorn schimmern. »Lage?!« »Sehr unübersichtlich, Sir! Wir haben die Marines und Leitis Sile irgendwo vorne am Tor verloren, genauso wie etliche Infanterieeinheiten. Nur der Imperator weiß, wo sie gerade sind.« Balgor nickte. »Sehr bedauerlich!«, schrie er, nur um dann das Thema zu wechseln. »Ich versuche, einen Gegenschlag zu organisieren. Sie machen doch mit, oder?« Kleit lachte dank des Wissens, nun endlich etwas zu tun zu bekommen. »Ich klebe an Ihrem Arsch wie eine Zecke am Hund, Sir!« »Schön zu hören!« Balgor hielt einen Moment der Nachdenklichkeit inne. »Die arme Zecke!«, stellte er fest, bevor er wieder hinter dem Handgerät des Funktornisters verschwand. »Was?! Nein! Nein! Zwei †“ in Zahlen: ZWEI! Züge! Mit Panzerunterstützung! Ja! Und rufen Sie Colonel Ekko! Ich brauche diese beschissenen Walküren!« Kleit löste sich aus seiner Zuhörerrolle, hob sein Lasergewehr und schoss auf einen der Orks. Der Strahl erwischte das muskulöse Wesen in der Brust, brachte es ins Taumeln und dann zu Fall. Für einige Sekunden blieb der Ork liegen, rührte sich nicht und war für den Sergeant neutralisiert. Gerade, als Kleit sich neuem neuen Gegner zugewandt und diesen mit Laserstrahlen eingedeckt hatte, sah er im Winkel des Zielvisiers, dass der erste Xeno wieder aufstand. Oder war es vielleicht doch ein anderer? Wie dem auch war †“ Kleit legte auf ihn an und zog den Abzug durch. Neben sich hörte er die Stimme Captain Balgors: »Ich sage Ihnen: das wird ein Gegenschlag! Die werden staunen!« Der Sergeant löste seinen Blick vom Zielfernrohr seines Gewehrs, fand sich Auge in Auge mit dem grimmig lächelnden Captain wieder. »Nun denn, treten wir sie zu Tor hinaus!«, schlug der dunkelhaarige Basteter vor.
  15. Na, da bin ich aber froh. Ich hab schon Befürchtung gehabt. Aber gut, dass ich es noch mal nachgeguckt habe. Ich hatte nämlich auch ein paar kleine Dinger drin, die mir vorher noch nicht aufgefallen sind
  16. Salve, schön, dass das Klarheiten beseitigen konnte. Ich war jetzt schon zu der Ansicht gelangt, ich hätte alle verscheucht.
  17. Hi, Okay, ich sehe schon: Da besteht etwas größerer Erklärungsbedarf. Mal gucken, ob sich das ohne zu viel Spoilern machen lässt. Ich verstehe schon, weshalb ihr davon ausgeht, dass die Jagdpanzer eigentlich „sehr viel früher†œ hätten eingreifen müssen, allerdings gibt es einige Fakten, die hier offensichtlich in eure Rechnung nicht einfließen, aber trotz allem bedacht werden müssen. Lage und Umfeld. Ein paar hunder^t Meter freies Schussfeld? Platziert in einer Häuserreihe? Jedes Fahrzeug abzuschießen, das durchs Tor kommt? Also ich möchte da jetzt mal zynisch antworten: Das ist kein grober Fehler der Panzerbesatzung, sondern der Leserfantasie. Fakt ist: Die Jagdpanzer stehen gut zwei Kilometer weit entfernt, gut einen Kilometer höher (Kapitel 29: Über zwei Kilometer weit entfernt und gut einen Kilometer tiefer brachen die Orks mit urbrachialer Gewalt in die imperialen Linien ein.) Zudem stehen die Panzer verdeckt in einem Anwesen im zweiten Ring der Kathedrale: (Kapitel 26: Traumverloren stocherte er mit seiner Stiefelspitze in der schmalen Kettenspur eines imperialen Panzers umher, der vor einige Zeit auf das Anwesen gerollt war. Für eine Weile wurde ihm gar nicht wirklich bewusst, was er da eigentlich tat, doch dann begriff er und folgte der Spur auf das Anwesen. Seine Intuition betrog ihn nicht. Zwei Scharfschützen lagen hier bereits auf der Lauer. Nurins Jagdpanzer hatten sich übereinander zwischen den mächtigen Terrassen im zweiten Ring der Kathedralenstadt positioniert, direkt auf Sichtlinie mit dem gewaltigen Haupttor. Von hier oben und mit der maximalen Elevation, der Rohrerhöhung von elf Grad im Steigungswinkel, konnten beide Fahrzeuge sowohl das Haupttor, als auch das davor und dahinterliegende Gelände, sowie das Gebiet im Durchmesser von insgesamt zehn Grad um das Haupttor unter Beschuss nehmen. Eine beachtliche Feuerkraft, bedachte man die Zielgenauigkeit, mit der die Panzerjäger die Energien ihrer Lasergeschütze auf ihre Opfer entfesselten. Dass die Energie des Lasers bei den Gefechtsentfernungen von gut sieben Kilometern, welche die imperialen Panzerkampfwagen vom Eingang in der Außenmauer trennte, eine ganze Menge an Zielgenauigkeit einbüßten und zudem auch noch maßlos Energie verloren, störte in diesem Fall weniger. Solange die Xenos keine Superschweren Panzer oder Kreaturen wie den Squiggofanten einsetzten, würden die Destroyer blutige Ernte unter den Angreifern halten †“ oder schrottige, je nachdem, an was man nun glaubte.) (An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich hier eine Diskrepanz eingeschlichen hat, die es den Jagdpanzer eigentlich unmöglich machen sollte, das Tor überhaupt unter Beschuss zu nehmen. Die ist in meiner eigenen Version auf dem Rechner bereits ankorrigiert worden. (Würde ich die jetzt in jeder Textstelle in jedem Forum suchen, das würde sehr sehr lange dauern). Die Gefechtsentfernung beträgt natürlich, ausgehend von der von mir angenommenen maximalen Gefechtsentfernung gesehen 5 Kilometern (Kapitel 23: Die schießen nicht nur zweiundsiebzig Zoll weit, Balgor. Wir reden hier von bis zu fünf Kilometern Gefechtsentfernung) ebenjene 5 Kilometer. Kürzer kann ich es aufgrund der Kathedralengröße wirklich nicht machen. Warum ich da im letzten Kapitel „Zwei Kilometer†œ geschrieben habe, weiß ich auch nicht. Ist in diesem Moment allerdings auch von zweitrangiger Natur. Hier tut sich bereits das erste Problem: auf: Wegen der Entfernung muss die Jagdpanzerbesatzung ein sehr genaues Ziel vor Augen haben. Wer allerdings schon einmal mit einem Feldstecher versucht hat, auf fünf Kilometer ein bestimmtes Ziel anzuvisieren, erkennt, dass das gar nicht so einfach ist. Mit einem großen Lasergeschütz wie dem des Destroyers ist daher sehr genaues Zielen von Nöten, um bei einer dermaßen großen Abweichung nicht daneben zu schießen. (Das ist übrigens bereits bei gut 2 Kilometern vonnöten †“ vor allem, wenn man wie die IA keine gyrostabilisierenden Geschützwaffen besitzt.) Hinzu kommt, dass die Kathedrale besonders in den unteren Bereichen von großen Wohnblöcken dominiert wird, welche das Anschießen von einer so erhöhten Position erschweren. (Kapitel 13: Sein Blick wanderte prüfend nach links, sondierte die hoch aufragenden Gebäude. Dreistöckig, durch fein verzierte Säulen gestützt, reihten sie sich entlang der schneckenhausförmig gewundenen Straße wie die Wände eines Canyons.) Das reduziert den effektiven Feuerbereich auf ein schmales, senkrecht zur gedachten Bestreichungsrichtung der Jagdpanzer befindliches Areal, das zudem durch die recht nah der Außenmauer befindlichen Verteidigungseinrichtungen begrenzt wird. (Kapitel 28: Das Tor der äußeren Mauer lag gut fünfzig Meter vor ihnen, ein gewaltig aufragendes Werk imperialer Baukunst. In Anbetracht der Tatsache, dass die meterdicken, schmiedeeisernen Flügel des Haupttores in der Gesamtkonzeption des Bauwerks die bei weitem schwächste Stelle bildeten, war ein Großteil der Verteidigungsanlagen an diesem Punkt konzentriert worden). Diese sollen ja einen Einbruch der angreifenden Infanterie in die imperialen Linien verhindern, und würden durch einen fehlgesetzten Schuss der Destroyer ja ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. (Wenn ein tausende Grad heißer Laserstrahl von der Größe eines 15cm-Geschützes (und aufgrund der Abmessungen des Destroyer bin ich jetzt einmal davon ausgegangen) mitten in den eigenen Stellungen einschlägt †“ dann lebt da nicht mehr viel. Aus diesem Grund sollten die weit entfernt stationierten Jagdpanzer auf eine Zielanweisung der vorgelagerten Truppenverbände warten. (Kapitel 29: »Sobald um Feuerunterstützung gebeten wird, werden wir jeder Testschüsse auf die Ziele abgeben. Ich will sehen, ob wir richtig justiert haben, melden.«) Grund hierfür sind zwei Punkte: 1. Der geleitete Feuerkampf sollte es ermöglichen, die angreifenden Grünhäute mit massivem Feuer aufzuhalten und zurückzudrängen (daher übrigens auch der Witz von Ves und Redek, sie würden gar nicht gebraucht. Ich weiß nicht, inwiefern sich das von Ves Sprüchen im 17. Kapitel unterscheidet, wo er während der Besprechung mit dem Kommissar seine wenig von sich qualifizierten Kommentare von sich schleudert. (Im Übrigen hat sich Nurin nicht verändert. Er handelt noch immer so umsichtig und schnell wie zuvor) 2. Zudem ist die angegebene Front sehr viel breiter als der bisher gezeigte Ausschnitt, was auch später noch ganz deutlich zu erkennen sein wird. Mit zwei Jagdpanzern, die im Grunde die gesamte schwere Unterstützung darstellen, ist ganz klar deutlich, dass der Einsatz der Fahrzeuge vorsichtig erfolgen muss. Auch aus diesem Grund sollten Nurin und Rand darauf warten, dass ihnen durch die nah am Geschehen befindliche Infanterie Ziele zugewiesen werden. Auf diese Weise lassen sich auch auf einer breiteren Front Feindziele schnell und effektiv erkennen, bekämpfen und neutralisieren, eben ohne dass durch zu viele Fehlschüsse Munition und Sichtschutz verbraucht werden. Angenommen habe ich daher ein Zeitfenster von gut 2 Minuten, indem die Jagdpanzer ihre Ziele zugewiesen bekommen, auf diese Ziele eindrehen und sie bekämpfen konnten. Sehr knapp bemessen, für Nurin und seine Crews jedoch vollkommen ausreichend. Soweit erst einmal die Theorie. Nun ist aber während der Schlacht folgendes passiert: Auf eine(bisher unbekannte Weise) ist das Tor in einer gewaltigen Explosion verschwunden, die nicht nur die gesamte Umgebung mit einem Dunstschleier bedeckte, sondern auch dafür sorgte, dass die Orks mit urgewaltiger Macht in die imperialen Stellungen einbrechen konnten (Kapitel 29). Durch die schnell expandierende Wand aus Nebel, Rauch und aufgewirbeltem Staub wurde nun die Einbruchsstelle so gut verdeckt, dass es den Jagdpanzern nicht möglich war, die feindlichen Einheiten effektiv zu bekämpfen, bis diese bereits in die Gräben eingedrungen waren. Hier kommt auch die fehlende Kommunikation zum Tragen: Aufgrund der raschen Einbruchssituation konnte keine der vorgelagerten imperialen Einheiten genügend Zeit aufwenden, die Jagdpanzer an ihre Ziele „heranzuführen†œ, bzw. kam gar nicht mehr dazu. Auf diese Weise wurden Nurin und Rand gezwungen, auf weitere Kommandos zu warten. Als Nurin schließlich selbständig entschied, den Angriff einzuleiten (was natürlich gefährlich war, da er so seine Position verriet), waren die Orks bereits mit Beutepanza und Boy in die imperialen Linien eingebrochen. Aus diesem Grund zögerte der Jagdpanzercaptain auch recht lange, bevor er schließlich doch den Schuss abgab, der den Angriff auf Kleit und Aledan beendete. Nun erwartet mich sicherlich die Frage: Warum werden die Jagdpanzer sehr weit oben platziert? Diese Frage lässt sich ganz einfach erklären, auch wenn das in der Geschichte vielleicht untergegangen sein mag. 1. Die Jagdpanzer sind Scharfschützen, keine Nahkämpfer. Sie irgendwo an der Front zu postieren würde nicht nur ihre Fähigkeiten ungenutzt lassen, sondern auch dafür sorgen, dass sie bei einem Durchbruch recht schnell mittendrin, statt nur am Geschehen stehen. Heißt also, die Nahkampftruppen des Angriffs, die durch die Gräben gefegt sind, hätten die Jagdpanzer recht schnell anschießen/angehen und bekämpfen können. 2. Hinzukommt die recht geringe Bewegungsfreiheit der Fahrzeuge. Durch ihre starre Bugwaffe in genau eine Richtung fixiert, müssten die Jagdpanzer sich gegen jeden anrückenden Gegner drehen, was in Anbetracht der Tatsache, dass solche Fahrzeuge standardmäßig ohne Bolter/Sturmbolter, Schweres Maschinengewehr oder andere Nahverteidigungsmittel geliefert werden, eine große Problematik darstellt. 3. Sollte für den Fall, dass die Panzer es schaffen, sich dem Gefecht im Nächstbereich zu entziehen und den Rückzug durch die Kathedralenstadt anzutreten, erwartet sie hier eine neue Überraschung: Durch die vielfachen Straßensperren und die schneckenhausförmige Natur der Hauptstraßen, welche sich den Berg um die Kathedrale hinaufwinden, ist der Weg für die Panzerjäger deutlich schwer zu passieren. Einmal abgesehen davon, dass bis auf eine Ausfallstraße sämtliche Zugänge in den zweiten Ring der Kathedrale verschlossen sind, müssten die Panzerjäger selbst auf diesem Weg ihre sämtliche Konzentration aufwenden, um die Fahrzeuge durch die Hindernisse und Minenfelder zu dirigieren, die von der Infanterie ausgebracht worden sind. Für einen plötzlichen Angriff der Orks wären die Einheiten dann sehr anfällig. 4. Beide Jagdpanzer stellen die schwere Unterstützung für eine Front, die im Kern die gesamte Breite der Kathedralenmauer umfasst. Natürlich wird (derzeit noch) nicht an allen Fronten gekämpft, aber dennoch besitzen Ekko und seine Leute eben nur diese beiden Panzerfahrzeuge (denn keine der Chimären ist stark genug, um es mit ausgewachsenen Beutepanzern aufzunehmen). Damit ist es intelligenter, die Destroyer irgendwo zentralisiert hinzusetzen und sie von dort aus geschützt agieren zu lassen. Ich hoffe, das macht die Sache nun etwas klarer. Und vor diesem Hintergrund muss ich ganz ehrlich sagen: Doch, ja- ihr habt recht. Nurin hat fahrlässig gehandelt. Ich an seiner Stelle hätte tatsächlich nicht die Eigenmächtigkeit besessen, noch in das Gefecht einzugreifen. Dazu hat mich nämlich niemand autorisiert. Denn eigentlich hätte er in das Gefecht nicht eingreifen dürfen. Erst auf Befehl. Demnach hatten die Infanteristen sogar noch Glück, dass die Jagdpanzer eingegriffen haben. Alles Vale Die Sister
  18. Hi, Na, find ich super, dass du dich angesprochen fühlst. Also lass mich dir umfangreich antworten. Man kann es mir als Schreiberling nicht recht machen? Also - mal ganz ehrlich. Das klingt ja, als würd ich von Post zu Post meine Meinung ändern. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das jetzt als Scherz gemeint ist, aber ich nehms jetzt einfach mal nicht als Scherz, ganz einfach, weil ich so einen Spruch einfach blöd finde, besonders in dem Zusammenhang. Immerhin sind es die Autoren, die Zeit und Mühe investieren, euch †“ den Lesern †“ hier eine Geschichte zu präsentieren. Da ist dann doch ein wenig Mitdenken von der Leserschaft gefordert. Denn es ist nicht die Leserschaft, die es dem Autor rechtmachen muss. Es ist genau anders herum - wenn du es schon auf diese Weise betrachten willst. Also jeder, der diese Geschichte für spannend befunden hat wird sie lesen und verfolgen? Gut. Dann wird offensichtlich auch jeder, der die Geschichte für spannend befunden hat, irgendeine Meinung dazu zu haben. Wenn ich mir mal ansehe, wie viele Leute Filmrezensionen oder Bücher diskutieren, dann zeigt sich doch, dass auch die Leute in der Lage sind, sich darüber zu unterhalten und ihre Meinung kund zu tun. Hm. Bei Fangeschichten scheint das aber nicht so zu sein. Allerdings ist es für genau diese Leute, die Fan-Autoren meine ich, zumeist eben recht wichtig, dass sie von Zeit zu Zeit eine Rückmeldung erhalten, damit sie sich eben weiterentwickeln und auch wissen, wie ihre Geschichte eingeschätzt wird. Natürlich, wenn diese Rückmeldung, wie du bereits gesagt hast, lediglich aus "Wann kommt der nächste Teil" besteht, dann kann man sie sich ohne Frage kneifen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn das das einzige ist, was ein Leser zu einer Geschichte zu sagen hat, dann unterstelle ich ganz einfach mal, dass er sich gar nicht mit der Geschichte beschäftigt. Denn wer eine Geschichte liest, macht sich - das ist ein automatischer Vorgang - Gedanken dazu. Also woran liegt es, dass die Leute ihre Gedanken nicht mitteilen? Und bitte- es ist eine schwache Ausrede zu sagen: "Ich wollte die Geschichte nicht unterbrechen." Son Bla. Bis zum nächsten Kapitel vergehen ein paar Wochen. Da ist der Lesefluss dann sowieso unterbrochen. Für mich ist es immer gut, wenn mir jemand eine SINNVOLLE Rückmeldung gibt, sogar wichtig, damit ich eben einschätzen kann, wohin ich "a", die Geschichte entwickeln muss und "b", was der Leserschaft vielleicht auffällt, nicht gefällt. Eben was sie denkt. Nur mal als Beispiel: Zum letzten Kapitel kamen ... warte kurz - in vier Foren/Website, wo Stargazer online ist, 7 Reviews (das Ganze in 2 Monaten). Und insgesamt 453 Leute haben sich das Kapitel angesehen. Recht wenig, um herauszufinden, was die Leserschaft über die Entwicklung denkt (zumal eben nur 2 Rückmeldungen so sinnvoll waren, dass ich mir wirklich mal Gedanken machen konnte und sagen konnte: Hey, okay. Da muss ich noch mal nachbessern, bzw. aha, so habe ich das noch nie betrachtet). Ich könnte dir jetzt einfach mal erzählen, wie viele Leute im letzten Monaten mal in die Story geguckt haben, es waren sehr wenige. 89 aufrufe in insgesamt 4 Publisherplätzen, um genau zu sein. Da die hohen Leserzahlen nach gut drei Wochen auf nur noch diese paar abebbten, allerdings auch niemand mehr etwas zu Stargazer geschrieben oder sich mal erkundigt hat, bin ich einfach davon ausgegangen, dass sich offensichtlich niemand Gedanken um die Geschichte macht. Ich beklage mich nicht über mangelnde Leserschaft. Wie ich sehe, scheinen ja doch einige die Geschichte zu verfolgen (man sieht es ja an den Leserzahlen und den „Danke†œ.) Aber was mich nervt ist diese „Stummleserei†œ, denn was der Geschichte und mir als Autor vor allem schadet ist eine mangelnde Resonanz. Zusätzlich: Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu aggressiv, aber - wenn ich das Thema, das mich ja auch beschäftigt, anspreche und dann so einen Kommentar zurückbekomme - dann werd ich grantig. Ich meine, ich nehme niemanden in Pflicht, mir was zu schreiben, aber ich bin doch ziemlich angenervt, wenn ich etwas zum Lesen online stelle, stets sehr wenig Rückmeldungen erhalte und dann, nachdem ich das mehrmals angesprochen habe und gerne wissen möchte, wo denn das Problem liegt, mit so einem Kommentar bedacht werde. Genau das gleiche hatte ich auf fanfiction. Da kam dann: "Hast du einen Clown gefrühstückt . Wir haben uns bereits Sorgen gemacht" und "Wir dachten schon, du hast das zeitliche gesegnet." Wirklich? Aha. Habe ich so nicht wahrgenommen. Ich finds nicht witzig und lustig, sondern WIRKLICH nervig. Ich warte zwei Monate mal auf eine konstruktive Kritik, spreche das an, und werde dann mit so nem Spruch bedacht? Nein, sorry. Dafür stelle ich eine Geschichte, in die ich Zeit und Mühe investiert habe, nicht online. UND GANZ WICHTIG: Ich habe keinen Bock, darüber zu diskutieren. Also egal, wer meint seine Meinung dazu ablassen zu müssen. Verkneift es euch! Ich führe diese Diskussion jedes Mal. In jedem Forum, mit jeder Geschichte. Wenn ihr keine Lust habt, mich mit Rückmeldungen zu unterstützen, dann sagt es mir ganz einfach. Sagt mir, dass ihr nichts zu sagen habt, dann weiß ich bescheid, gebe keine neuen Kapitel aus und schreibe die Geschichte vollkommen zu Ende. Das mag vielleicht sehr lange dauern, da ich noch 12 bis 16 Kapitel geplant habe, aber dann könnt ihr Stargazer als gesamtpaket haben, die Geschichte lesen und damit ist sie dann für mich abgeschlossen. Gut, meinetwegen. Kann man auch so machen. Aber dann wird es von meiner Seite auch keine Korrekturen mehr geben, denn ich habe keine Lust, alles umzuschreiben, wenn ich die Geschichte bereits abgeschlossen habe. Ich hoffe, die Antwort ist umfangreich genug. Jetzt zu deiner Frage. Wie bereits mehrmals in der Geschichte erwähnt, sind so gut wie alle schweren Waffen, vor allem also die Panzerabwehrwaffen, durch die Truppen des General Iglianus requiriert und in die Schlacht mitgenommen worden. Das bedeutet, dass Ekko und seine Männer über lediglich zwei Jagdpanzer, ein paar Chimären und einige kleinere PA-Waffen verfügen. Diese Waffen müssen taktisch klug verteilt werden, um mit ihnen den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Offenbar haben aber weder Retexer, noch andere Soldaten an der Front derartige Panzerabwehrwaffen erhalten. Das erklärt auch die Anforderung des Captains nach Raketenwerfern. Findest du, dass die Jagdpanzer spät eingegriffen haben? Auch wenn die Schauplätze möglicherweise recht gedehnt erscheinen, findet die Schlacht im Zeitrahmen von nicht mal 10 Minuten seit dem orkischen Einbruch statt. Von daher denke ich doch, dass die Panzer recht früh eingegriffen haben. SMN
  19. *** Im engen, stickigen Kampfraum von Enforcer eins herrschte unverhohlene Freude. »Ja! Fetz†˜ weg!«, rief Terem Ves in grimmigem Vergnügen aus, als das einsetzende Bolterfeuer die durch das Haupttor tobenden Orks in einem Sturm aus Feuer und Stahl zerriss. Mirak Redek neben ihm lächelte dünn. Beide verfolgten die aufbrandende Schlacht abwechselnd durch das Periskop-Sichtgerät des Jagdpanzers, der auf der Anhöhe nahe des verlassenen Anwesens im zweiten Ring der Kathedralenstadt darauf wartete, in den Kampf eingreifen zu können. »Wenn die so weitermachen, dann brauchen wir uns nur zurücklehnen und die Show genießen!« »Ja«, stimmte Redek zu. »Bei dem Feuersturm schafft es niemand durch das Tor.« »Meine Herren«, rief Jaorah Nurin zu ihnen herunter. »Bereiten Sie sich vor.« Der Panzerkommandant stand aufgerichtet auf seinem Sitz und verfolgte die Schlacht von außerhalb des Destroyers mit Hilfe eines Feldstechers. Zwar erreichte er mit diesem nicht die gleiche Auflösung wie hier drinnen mit dem Auspex-Sichtgerät, aber ihm schien es zu reichen, damit er sich einen Überblick verschaffen konnte. »Bei der Masse an Gegnern werden wir bald einiges zu tun bekommen.« Die beiden Männer nickten stumm und kehrten an Plätze zurück. Ohne Frage schien es unmöglich, dass der Feind die Mauern oder den ihn empfangenden Feuersturm durchbrechen konnte, aber die beiden Soldaten kannten ihren Kommandanten. Jaorah Nurin war ein Panzerjäger-Veteran, ein Experte auf dem Gebiet der Feinderkennung der Feindvorhersage. Wenn er sich Sorgen machte, dann tat die Besatzung gut daran, sich an ihn zu halten. In der Sprechfunkverbindung knisterte es. »Enforcer zwo, hier Enforcer eins, melden.« »Enforcer zwo hört, melden.« »Rand, bereiten Sie sich vor«, sprach der Kommandant in sein Kehlkopfmikrofon. »Sobald um Feuerunterstützung gebeten wird, werden wir jeder Testschüsse auf die Ziele abgeben. Ich will sehen, ob wir richtig justiert haben, melden.« »Verstanden, Boss. Enforcer zwo in Bereitschaft, melden.« »Enforcer eins: Ende.« Ein gedämpftes Klicken ertönte, als Nurin sein Sprechgerät in den internen Funkkreis des Panzers zurückschaltete. »Ves, Redek?«, erkundigte er sich ohne Umschweife. Er beendete nicht einmal den Satz, sondern ließ die Besatzung erraten, was er von ihr verlangte. Redek beeilte sich, seinem Kommandanten zu antworten: »Wir sind bereit.« »Sehr gut. Ich …« Der Captain brach so abrupt ab, dass die beiden anderen Panzersoldaten in ihren Aufgaben innehielten und alarmiert zu ihrem ‚Boss†˜ aufblickten. Sie erwarteten, dass er gleich als leblose Puppe zurück in den Innenraum ihres Kampffahrzeugs rutschte und dort als tödlich getroffener Mensch seine letzten Atemzüge aushauchte †“ oder dass dies bereits geschehen war. Und tatsächlich: Jaorah Nurin fiel so unerwartet heftig ins Innere seines Destroyers zurück, dass Mirak Redek einen erschrockenen Satz machte und sich dabei den Kopf an den über seinem Platz montierten Beobachtungsarmaturen des Lasergeschützes stieß. »Herr auf dem Thron!«, rief er aus. »Was war das denn?!« »Kampfpanzer«, informierte der Captain seine Besatzung knapp, bevor er mit seiner Aufmerksamkeit im Sichtgerät des Periskops verschwand. Weitere Worte waren nicht notwendig. Ves startete den Motor, der unter dem peitschenden Knallen eines halben Dutzend Fehlzündungen ansprang. »Panzer klar für Nachjustierung!«, meldete er in den Funkkreis. »Richtschütze ebenfalls klar«, fügte Redek an. Der Schreck der letzten Sekunden schwang als unterschwellige Erschütterung in seiner Stimme mit, was den Panzerkommandanten auf dem erhöhten Sitz rechts von ihm allerdings nicht wirklich beeindruckte. »Gut.« Nurins Konzentration auf die Ziele ließ auch nicht nach, als er mit zielsicherer Hand den Mikrofonschalter kippte. »Enforcer eins an Enforcer zwo, melden.« »Enforcer zwo hier, melden.« »Planänderung! Rand, es geht jetzt los!«, informierte der Panzerkommandant die den zweiten Destroyer. »Feuerbereitschaft, melden.« »Verstanden«, ertönte die Stimme des Kommandanten von Enforcer zwei. Im Hintergrund der Verbindung war bereits das professionell schnelle Arbeiten der Besatzung zu hören, die ihren Jagdpanzer auf das Gefecht vorbereitete. »Enforcer zwo ist feuerbereit, melden.« »Vorgehen wie angeordnet. Auf meinen Befehl! Enforcer eins: Ende!« *** Über zwei Kilometer weit entfernt und gut einen Kilometer tiefer brachen die Orks mit urbrachialer Gewalt in die imperialen Linien ein. Captain Retexer hob seine Laserpistole und trieb dem ihm nächsten Ork eine Salve gebündelter Energie in den Kopf. Das gut zwei Meter große Wesen starrte den Offizier für einige Sekunden verständnislos an, so als begreife es die gegen ihn gerichtete Bosheit nicht, dann kippte es mit einem grunzenden Geräusch vorn über. Retexer nutzte den Schwung des umfallenden Körpers und seine Pistole als Hebel, um die tote Grünhaut aus dem Weg zu befördern. Es sah nicht wirklich elegant aus und der Captain konnte sich vorstellen, dass es Soldaten gab, die eine solche Bewegung besser beherrschten. Noch während er den Gegner in den Graben fallen ließ, sah er, auf der Suche nach dem nächsten Gegner, auf. Leitis Sile und die Space Marines hielten ihre Position unerschütterlich, ließen sich von dem stetigen Strom der angreifenden Grünhäute nicht beeindrucken. Die Sororita presste gerade einem Boy die Mündung ihres schweren Bolters ins Gesicht, das sich daraufhin über den Boden hinter ihm verteilte. Dann fuhr die Prioris herum und schlug mit der gepanzerten Faust ihrer Servorüstung aus, um einem weiteren Ork den Kopf zu zerschmettern. Trotz ihrer schweren Rüstung vollführte sie ihr Werk mit einer beachtlichen Anmut, die Retexer in jedem anderen Moment wohl bezaubert hätte. Gleich einer Tänzerin schlängelte sie sich zwischen den Angreifern hindurch, wich elegant den nach ihr geschwungenen Nahkampfwaffen aus und lediglich das donnernde Krachen des schweren Bolters in ihren Händen erinnerte an die tödliche Kraft, die im Kontext zu der Leichtigkeit in ihren Bewegungen stand. Die Space Marines indes vernichteten ihre Feinde mit der ungezügelten Brutalität von einzig zu diesem Zweck gezüchteten Übersoldaten. Ihnen war nicht die gleiche disziplinierte Anmut anzusehen, mit der sie regelrecht in den Feind hineinglitten. Während die Kugeln und Geschosse der Orks aufgeregt abprallt, Funken sprühten und Querschläger produzierten, kämpften sich die ehernen Hünen durch den Strom der angreifenden Grünhäute wie ein Messer, das durch Butter schnitt. Nein, das war noch zu freundlich ausgedrückt. Eher wie ein Bajonett, dass sich durch den Körper eines Infanteristen fraß. Das sollte nicht bedeuten, dass sie keine Disziplin besaßen. Bei weitem nicht. Jeder noch so ehrbare Kommissar hätte sich von ihnen wahre Hingabe und wahre Disziplin abschauen können. Aber sie erreichten nun einmal dabei nicht die Leichtigkeit, mit der Leitis Sile ihren Dienst erfüllte. Und doch. So ungeschlacht sie im Angesicht der schönen Prioris auch wirken mochten, menschliche, gezüchtete Bestien als Antwort auf die Grausamkeiten des Universums, es hätte wohl keinen Augenblick gegeben, indem Retexer froher über ihre Anwesenheit gewesen wäre. Gerade ging Sergeant Numitor einen gut zweieinhalb Meter großen Ork im Nahkampf an. Die Energiefaust des ehernen Hünen schoss in tödlicher Wut hervor, ein von bläulich-weißer Energie umstrahltes Gebilde ungebändigter Gewalt. Der grünhäutige Angreifer taumelte unter dem verzerrten Schrei ehrlicher Überraschung zurück, von der auf ihn abgegebenen energetischen Entladung überwältigt. Sein Kopf zerplatzte, versprühte Orkblut und Fleisch auf den Sergeant der Space Marines. Um ihn herum mähten die schweren Boltwaffen seines Trupps die gegen sie brandende Flut der Grünhäute nieder. Zeit, seine eigenen Männer an die Bedeutung dieses Kampfes zu erinnern. Retexer fuhr herum, wandte sich an seine Soldaten. »Nicht nachgeben!«, schrie er. »Zeigt es diesen Bestien!« Die einzige Antwort, die erhielt, war Soldat Rikken, der mit dem hässlichen, feuchten Krachen aufpilzender Geschosse zerplatzte und seine Innereien über die ihm nahen Kameraden versprühte. Retexer duckte sich gerade noch weg, bevor ihm Teile des Herzens und der Leber seines Untergebenen ins Gesicht klatschten, im nächsten Moment sah er sich bereits Auge in Auge mit einem Xeno, der Axt und Knarre erhoben, auf ihn zustürmte. »Herr auf dem Thron!« Der Captain riss die Pistole hoch, als er von links etwas heranflackern sah. Eine lange Feuerlanze griff lechzend nach dem Ork, erfasste ihn und hüllte ihn in reinigendes Feuer. Retexer musste sich zur Seite werfen, um nicht von der brennenden Fackel erfasst zu werden, die statt der Grünhaut neben dem Captain in den Graben polterte. »Kont!«, rief er wütend aus, während er sich langsam aufrichtete. »Was beim Thron sollte das?!« Der Flammenwerfersoldat, der ihm gerade das Leben gerettet hatte, hob grinsend den Daumen. Im nächsten Herzschlag explodierte er. Eine beeindruckende Feuerblume verschlang den Mann und alle an seiner Seite kämpfenden Soldaten. Grässliche Schreie nahmen überhand, als die brennenden Infanteristen versuchten, aus dem Schützengraben zu entkommen und ihre entzündeten Körper irgendwie zu löschen. Rechts von Retexer sprangen Grünhäute brüllend in einen nahen Schützengraben, machten die dort befindlichen Soldaten gnadenlos nieder. Der Captain sah wild durch die Luft fliegende Körperteile, darunter ein abgehackter Arm mit einer … »Handgranate!« Trockenes Krachen trieb den Basteter zu Boden. Splitter und Schrapnelle pfiffen durch die Luft, räumten den überrannten Graben in wenigen Augenblicken. Darüber donnerten die schweren Bolter eines auf mahlenden Gleisketten vorwärts kriechenden Panzers. »Raketenwerfer!«, schrie Retexer, indem er einem weiteren Ork mit kohärentem Licht das Hirn zersiebte. »Wir brauchen Raketenwerfer!« Leicht benommen richtete er sich auf, entschlossen den Graben wieder zu besetzen. So eine fröhlich vor sich hin glimmende Grünhaut würde ihn sicherlich nicht von der Erfüllung seiner Pflicht abhalten! In Namen von Ruhm und Ehre! Leider musste der Captain feststellen, dass der Graben nach der Explosion des Flammenwerfersoldaten lichterloh brannte und er dankte seinem Verstand dafür, sich erst nach der Abwehrstellung umgedreht zu haben, anstatt einfach hineingesprungen zu sein. Das wäre ansonsten eine wirklich sehr kurze Rückeroberung geworden. Also gut! Blieb ihm nichts anderes übrig, als eine neue Stellung zu finden. Irgendetwas packte ihn an der Schulter. Geschwind wand er sich aus dem Griff des Angreifers, tauchte unter dem Arm durch und drückte dem Mann seine Laserpistole auf die Brust, bereit, dessen Lunge mit einigen weiteren Luftlöchern zu versehen. In letzter Sekunde nahm er den Zeigefinger vom Abzug und senkte die Waffe. Captain Balgor kniete tief geduckt hinter ihm. »Sind Sie fertig?«, bellte der gutaussehende Basteter durch seinen sauber gestutzten Bart, dass Retexer kurz überlegte, die Waffe doch wieder zu heben und sein Vorhaben durchzuführen. »Wir brauchen Jagdpanzerunterstützung! Rufen Sie Nurin!« »Niemals«, erwiderte Retexer entschlossen. Unweit der Captains knatterte ein Waaaghbike über einen Schützengraben hinweg. Den beiden Offizieren blieb nicht viel mehr übrig, als zu sehen, wie die Grabenwand einbrach und ein Dutzend Männer unter sich begrub. »Seien Sie kein Idiot!«, warnte ihn Balgor. »Wenn Sie Nurin nicht rufen, dann werde ich es!« »Dann tun Sie, was Sie nicht lassen können, Feigling!«, schrie Retexer den anderen Captain an, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf die Schlacht richtete. *** Kleit sah den Ork nicht kommen. Im ersten Moment schoss er mit seinem Gewehr noch auf die feindliche Horde, im nächsten Augenblick flog er bereits durch die Luft. Sein Gewehr segelte nutzlos in die Grabenwand und blieb, den Lauf voran, im Sand stecken. Dreieindrittel Sekunden später fand auch Kleit den Kontakt zum Erdboden wieder, wobei er sich darunter sicherlich etwas anderes vorgestellt hatte. Der Aufprall erschütterte seinen Körper mit einer Wucht, die wohl vergleichbar war mit dem Sturz von einem fahrenden Schützenpanzer. Es fühlte sich an, als würden seine sämtlichen Knochen mit einem Mal von einer gewaltigen Stimmgabel in Bewegung versetzt. Glücklicherweise absorbierte die Armaplast-Rüstung einen Großteil des Stoßes, wenngleich es Kleit trotzdem vorkam, als würden ihm sämtliche Eingeweide zerquetscht. Luft presste sich gewaltsam aus seinen Lungen und ließ ihn für einige Herzschläge atem- und orientierungslos zurück. Sein Helm schlug dermaßen heftig auf die Erde, dass der Sergeant glaubte, Kieselsteine würden durch die aus mehrfach beschichteten Karbonfasern bestehende Außenhaut des Kopfschutzes und die dicke Kunstlederschicht, die seinen Schädel darin hielt, getrieben werden. »Herr auf dem Thron!«, presste der Sergeant hervor. Er versuchte, sich aufzurichten, doch seine Kurzatmigkeit verhinderte, dass er wieder auf die Beine kam. Wer hätte auch mit einem dermaßen schweren Treffer rechnen können? Zu Boden rieselnde Erde fand ihren Weg in seine Luftröhre, zwang ihm einen heftigen Hustenanfall auf. Er biss die Zähne zusammen und unternahm einen neuen Anlauf, seinen Körper in die Höhe zu wuchten, aber seine Hände und sein Rumpf fühlten sich an, als würde ihnen keinerlei Kraft mehr innewohnen. Kleit fragte sich, was sie so weich hatte werden lassen, als ihn eine kräftige, aus sehnigen Muskeln bestehende Hand packte und in die Luft hob. Plötzlich fand er sich Auge in Auge mit der grässlichen Fratze des Feindes. Stinkende Fäulnis brüllte ihm ins Gesicht. Beinahe instinktiv langte der Sergeant an seinen Gürtel und suchte nach einer Zweitwaffe, bevor ihm aufging, dass er keine Pistole bei sich trug. Natürlich. Er hatte sie gegen das Lasergewehr ausgetauscht, das er für effektiver gehalten hatte und das nun nutzlos in der Wand ihres Grabens steckte. »Merling! Terin!«, brachte er hervor. Die Hoffnung, sie könnten ihm helfen, erstarb mit dem Verklingen seiner Rufe. Bis auf ihn lebte keiner der Soldaten aus seinem Halbtrupp mehr. Die Männer waren alle während der letzten Minuten gefallen. Einer der Beweise dafür, der sich hinter dem grässlichen Haupt des Xenos erkennen ließ, war der zertrümmerte Oberkörper eines Kameraden, der wie in den Staub geschmolzen wirkte. Er ließ sich auf die Schnelle nicht identifizieren, aber es stand zu vermuten, dass es entweder Merling oder Terin waren. Der Ork wirbelte sein Opfer herum, betrachtete es näher. Eine zweite Hand griff nach Kleit, schlang sich um seinen Oberkörper und verhinderte, dass sein Opfer weiter nach einer Waffe suchen konnte. Eine wirklich blöde Situation, wie der Mensch recht schnell erkannte. Laserstrahlen blitzten um sie herum, Boltpatronen und jaulende Querschläger warfen Sand in die Luft. Hoffentlich prallte keines der umherirrenden Geschosse in ihre Richtung ab. Der Ork quetschte seinem Opfer die Kehle zu. Kleit röchelte, als ihm die Möglichkeit, Luft zu holen, genommen wurde. Unter wilden Bewegungen versuchte er, sich aus dem eisernen Griff seines Gegenübers zu befreien, jedoch ohne Erfolg. Wieder brüllte ihn der Ork an. Aasiger Atem traf den Sergeant mit vernichtender Wucht. Kleit wurde übel. Er biss sich auf die Lippe, bestrebt den Würgereiz zu unterdrücken, der seine Kehle vollkommen gesperrt hätte. In dem Moment bemerkte er, dass etwas an seinen Zähnen klebte: das Kaugummi! Er hatte es während der Schlacht nicht ausgespuckt, sondern hinter seine Zähne geklebt. Das brachte ihn auf eine Idee! In der Nähe explodierte ein Panzergeschoss, verfehlte einen anderen Graben nur um wenige Zentimeter. Sand und Erde regneten als grober Niederschlag auf sie herunter. Jetzt oder nie! Kleit nahm all seine Spucke und seine Kraft zusammen, rollte die Masse in seinem Mund mit der Zunge zusammen und spie dem Ork das Kaugummi ins Gesicht. Sofort stoppte der riesige Xeno seinen Angriff und verdrehte den Blick nach innen. Er begann, nach dem komischen, klebrigen Ding zu fummeln, das ihn angesprungen und sich zwischen seinen Augen festgesetzt hatte. Sein Opfer ließ er los. Kleit fiel ungelenk auf die Knie, schaffte es jedoch, nicht zur Seite wegzukippen. In einer fließenden Bewegung zog er sein Kampfmesser aus der Scheide an seinem Stiefel, stieß einen Schrei aus und rammte die Waffe in den ekelhaften Fuß des Xenos. Das grüne Monster brüllte auf und taumelte nach hinten. Endlich konnte sich der Sergeant die Freiheit nehmen, gierig Luft in seine nach Sauerstoff lechzenden Lungen zu saugen und sich von dem mit verbrannten Fleisch, Ozon und Qualm geschwängerten Gestank der Schlacht neu beleben zu lassen. Dann erhob er sich und taumelte zu seinem Lasergewehr, das nach wie vor nutzlos in der Grabenwand steckte. Noch war der Feind nicht besiegt. Und Orks besaßen die unangenehme Eigenschaft, bei solch kleinen Nadelstichen wie dem Angriff mit einem Messer grundsätzlich sehr böse zu werden. Gerade griff der Basteter nach seiner Waffe, als sich der Oberkörper seines langsam zur Besinnung kommenden Kontrahenten in einen feinen Sprühnebel auflöste, welcher sich schnell auf das Gefechtsfeld verflüchtigte. Klebrige Nässe benetzte Kleits Gesicht. Fassungslos verfolgte er, wie der kümmerliche Rest der Bestie einen Augenblick lang unentschlossen stehenblieb und dann einfach umfiel, so als hätte er sich zu einem langen Todesschlaf entschieden. Erleichtert atmete der Sergeant durch. Irgendetwas sprang hinter ihm in den Graben. »Sergeant!« Starke Hände zogen Kleit in die Höhe, glücklicherweise waren es keine Orks. »Sergeant!«, wiederholte die Stimme, Corporal Aledan, wie Kleit kurz darauf feststellte. »Wir dachten schon, wir hätten Sie verloren!« »Wie Sie sehen, bin ich noch am Leben.« Der Sergeant hustete, fühlte den metallenen Geschmack von Blut, das sich in seinem Mund sammelte. Ob er sich während des Kampfes auf die Zunge gebissen hatte? Er konnte nichts dergleichen spüren †“ aber war das nun ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen? Über ihren Köpfen explodierten Artilleriegranaten wie lautes, aber harmloses Feuerwerk außerhalb des energetischen Schilds, erinnerten daran, wo sie sich befanden und was um sie herum geschah. »Herr auf dem Thron!«, rief der Sergeant aus, als er realisierte, dass sie wohl die einzigen noch lebenden menschlichen Wesen waren, die diesen Abschnitt der Front hielten. Tote und Verletzte säumten das Gefechtsfeld, die Schützengräben und Ein-Mann-Löcher. Kaskaden aus kohärentem Licht strahlten durch die von Staub durchdrungene Luft, flackerten gleich grellen Blitzen der Vernichtung über den Erdboden. Schemenhafte Gestalten tanzten aufeinander zu, fielen hin, standen auf, bliesen flammende Energien von sich. Doch diese Feuergefechte tobten eine schiere Ewigkeit entfernt. Hier, wo sie Stellung bezogen hatten, herrschte eine gespenstische Stille †“ sofern man bei einem derart wütenden Inferno überhaupt von Stille sprechen konnte. Grausiges Brüllen schäumte über das Schlachtfeld, echote durch die Straßenzüge der Kathedralenstadt wie das unterschwellige Rumoren aus den tiefsten Tiefen der Hölle. Kleit benötigte einige Sekunden um sich klar zu werden, was ihnen nun bevorstand. »Helft mir hoch!«, rief er den Soldaten zu, die er hinter den Graben geduckt entdeckte. Hände zogen ihn aus der Verteidigungsstellung, die seinen vier Untergebenen zur Todesfalle geworden war. Aledan wuchtete sich hinter ihm aus der nun obsoleten Stellung. »Wir ziehen uns zurück«, ordnete der Sergeant an, adressierte die Männer, die sich um ihn herum versammelt hatten. Mit ihm waren es sechs. Hier konnten sie keinen Kampf mehr gewinnen. Graue Schemen sprangen hinter ihnen durch die aufgewühlte Luft, flimmernde Schatten in der vom Waffenfeuer aufgeheizten Luft. Erneutes Brüllen, Todesgrüße eines erbarmungslosen Feindes, erreichten ihre vom Gefechtslärm tauben Ohren. In der Nähe heulten Panzermotoren. Das metallene Klirren schwerer Gleisketten drängte zur Eile. Kurz darauf brach ein riesenhaftes Gebilde durch den Dunstvorhang, ein Leviathan von einem Rumpf. Die Soldaten spritzten auseinander. Jeder suchte, so gut es ging, Deckung. Eine Chimäre setzte mit blitzenden Maschinenwaffen über den Schützengraben hinweg und drückte die in die Deckung geschmolzenen Soldaten zurück in die relative Sicherheit der Feldbefestigung, ehe sie ihre Leichname unter den einstürzenden Grabenwänden beerdigte. Fast wollte es dem Sergeant so vorkommen, als hätte die Heilige, der dieser Planet geweiht war, die ersten Toten unter die sanfte Decke der Erde gebettet, um sie in Frieden vor der tobenden Schlacht zu halten. Der Schützenpanzer schaffte es über den Graben, nur um als mächtiger Feuerball in schillernden Farben zu zerplatzen und Trümmer sowie Flammen über in einem Umkreis von gut zwanzig Metern zu verteilen. Kleit wirbelte herum, vom betäubenden Knall der Explosion wachgerüttelt. Der orkische Kampfpanzer! Gleich einem Gift spuckenden Ungeheuer verteilte er nach wie vor seine Munition über die imperialen Linien †“ und wie es klang, schoben sich weitere Kampfgefährte mit den einströmenden Orks zwischen den zerborstenen Flügeln des Haupttors hindurch. »Zurück!«, schrie der Basteter den Überlebenden zu und gestikulierte wild. »Zurück mit euch!« Die Soldaten sprangen auf, rannten um ihr Leben, um die von Trümmern übersäte Deckung der ersten Häuser zu erreichen. Kleit und Aledan kamen nicht einmal zehn Meter weit, dann zwang sie das herankriechende Fahrzeug mit seinen flammenden Maschinenwaffen erneut zu Boden. Erde spritzte unter dumpfen Schlägen in die Höhe. Querschläger heulten über sie hinweg. »Herr auf dem Thron!«, schrie der Sergeant seinen Corporal an, als sei dieser an dem feindlichen Angriff schuld. »Was macht dieser Panzer noch hier?! Ich dachte, der sei längst abgeschossen?!« »Offensichtlich nicht«, wollte Aledan antworten, kam jedoch nicht einmal über die erste Silbe des ersten Wortes hinaus. Das schlecht zusammengeschweißte Kampfgefährt zerplatzte als grellbuntes Lichterspiel, von einem gleißenden Strahl, der scheinbar aus dem Himmel herniederfuhr, sauber durchschlagen. Unwillkürlich zuckten die Männer zusammen. Gellender Donner rollte über die Kämpfenden hinweg, echote als Lied der Vernichtung zwischen den Mauern der Kathedralenstadt hin und her. Eine plötzliche Hitze zog über ihre Nacken hinweg. »In Ordnung!«, rief Kleit und erhob sich auf die Füße. »Hat sich geklärt.«
  20. Hallo, liebe Stargazerleser! Endlich †“ nach einer ganzen Ewigkeit, gibt†™s ein neues Kapitel von mir! Ich weiß, es hat sehr lang gedauert, aber irgendwie hatte ich jetzt auch nicht den Eindruck, als würde die Leserschaft die Geschichte unbedingt vermisst haben. Von daher denke ich, dass es doch in Ordnung war, mir jetzt die Zeit gelassen zu haben. Es war aber auch notwendig. Es gab für mich viel zu tun und viel zu schreiben/zu korrigieren. Ich hoffe, es gefällt. Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen und danke Nakago, der dieses Mal wohl mehr Fluff-Kontrollen durchgeführt hat als sonst ;_D Alles Vale Die Sister 29 Die Warnung ‚Sie kommen†˜ brannte sich wie ein Lauffeuer durch die Köpfe der Soldaten, Beamten und Zivilisten, die in der Himmelskathedrale Schutz gesucht hatten. Zuerst lediglich als stille Post mündlich in die höheren Ebenen übertragen, verbreitete sich das Signal bald per Sprechfunk und andere Fernmeldemittel über alle Ebenen der Kathedralenstadt, durch Gassen und Wege selbst in die hintersten Ecken der von Menschen wiederbelebten Bezirke der Makrobaus. Aus der dunklen Vorahnung, die seit den frühen Morgenstunden wie ein bedrohlicher Schatten über dem menschlichen Bollwerk hing, kristallisierte sich nun, selbst für die engstirnigsten und stursten Verteidiger, die Gewissheit heraus, dass der Feind sie erreicht hatte. Während der Tross und die Administraten in allgemeine Panik verfielen, setzten bei den Soldaten die Mechanismen des Drills und der Erfahrung ein. Schreie und wütendes Gebrüll beherrschten die Luft, als gut zweitausendeinhundert Basteter in Bewegung kamen und aus ihren Bereitschafträumen an die ihnen zugewiesenen Stationen verlegten. Die Schützengräben und †“löcher vor der Stadtmauer wurden aufgegeben, die in ihrem Schutz füllten sich mit Infanteristen. In den rückwärtigen Auffangstellungen gingen Unterstützungs- und Entsatztrupps in Stellung. Pioniere verlegten letzte Stolperdrähte und aktivierten die Zündmechanismen ihrer Sprengladungen. Die Panzerbesatzungen enterten ihre Fahrzeuge. Sicherungstrupps sprinteten im Laufschritt an die Ausfallstraßen, um bei Bedarf den Rückzug der imperialen Kampfgruppen zu sichern. Offiziere und Unteroffiziere klärten letzten Einzelheiten der Verteidigung, schworen ihre Männer auf den kommenden Kampf ein. Und über all dem erstrahlte der Himmel im unwirklichen Blau knisternder Energieentladungen, als der Schutzschild der Himmelskathedrale sich über die gepanzerten Ränder der Stadtmauer wölbte. Gerade noch rechtzeitig. Die Orks erreichten die Himmelskathedrale mit dem wütenden Lärm einer undisziplinierten Horde von Schlächtern, denen es einzig und allein um das Massakrieren jeglichen menschlichen Lebens an diesem Ort ging. Abertausende von Orks versammelten sich vor den Toren der Stadt. Kampfpanza, unterteilt in die weniger kampfstarken Battlewagons, den Schützenpanzerwagen der Orks, und den Gunwagons, gingen in Stellung und begannen alsbald mit dem Beschuss der Stadt. Beutepanza, ehemalige Modelle der imperialen Armee, zum Großteil auf Agos Virgil von den Orks erobert, reihten sich in die Linien der feuernden Waffen ein. Ein Beobachtungsposten meldete sogar das kurzzeitige Erscheinen eines Bowelburnas, eines leichten Panzerwagens, der als orkisches Äquivalent zum Höllenhund der Imperialen Armee galt. Nach und nach kamen immer mehr Waffensysteme auf dem Feld vor der Kathedrale zum Einsatz. Kanonän und Schleudaz, antiquiert aussehende Geschütze und Mörser, die von einer Grotbesatzung betrieben wurden, eröffneten das Feuer auf die Tore der Kathedrale und versuchten, den Energieschild zu durchbrechen, mit dem die Menschen sich umgaben. Zzapwummen, energieprojizierende Haubitzen, deren Funktion niemand (vermutlich nicht einmal die Orks) kannte, beschossen die Mauer mit dem Ziel, ein Loch durch die Mischung aus Panzerstahl und solidem Stein zu schlagen. Dröhnendes Getöse brach über die Imperialen herein, als hunderte Geschosse der Xenos-Horde in Mauer und Schild schlugen, eine recht deutliche Vorstellung von dem Feuersturm lieferten, der ihnen allen bevorstand. Durchbrechen konnten die feindlichen Waffen keines von beidem. Derweil nahmen Buggys, Gargbots, Killabots, Panzabikes, Pikk-Ups und Waaaghbikes ihre Aufstellung, bereiteten sich darauf vor, den Sturm auf die menschliche Festung so schnell wie möglich zu unterstützen. Captain Balgor ging die Front ab, in der die gut achtzig Männer seines Kommandos auf den Feind warteten, ließ sich letzte Statusmeldungen geben und verschaffte sich einen Überblick über die generelle Verfassung seiner Soldaten. Seit der Rettung Colonel Ekkos mochten gut acht, neun Stunden vergangen sein, doch Schlaf gefunden hatte der Captain seitdem nicht. Tatsächlich hielten ihn einzig die Aufregung der letzten Nacht und das Wissen wach, dass er gerade jetzt nicht schlafen konnte, nicht schlafen durfte. Jelard, vom Gewicht seiner Ausrüstung gebeugt, marschierte hinter ihm her. Um sie herum donnerten die schweren Belagerungswaffen der Orks, die mit aller Macht versuchten, ein Loch in die Schutzwälle zu reißen, die ihnen den Weg in das Innere der Kathedralenstadt versperrten. Aus den Augenwinkeln sah Balgor, wie sein Funker bei jedem Donnern der großen Artilleriegeschütze vor Schreck zusammenzuckte und ab und an sogar in die Knie ging. Er konnte es ihm nicht verdenken. Das Bombardement war beeindruckend, keine Frage. Und das Getöse machte es fast unmöglich, sich anzuschreien, geschweige denn zu sprechen. Die Männer auf der Stadtmauer hatten bereits volle Deckung genommen und waren dabei, die schweren Waffen zu demontieren und weiter zurückversetzt neu in Stellung zu bringen. Beim Eintreffen der Orks hatten sie einige Salven auf den Gegner abgegeben, waren aber schon bald von der feindlichen Feuerkraft überwältigt worden. »Schlecht, dass wir keine Granatwerfer oder Mörser haben«, brüllte Jelard in Balgors Richtung, bevor ihn das Aufblitzen einer harmlos an den Schilden detonierenden Artilleriegranate in Deckung zwang. Donner brauste über der Kathedrale, ließ die Männer und das Umfeld erbeben. Staub platzte aus Rillen und von schlecht verputzten Hauswänden, während auf dem Boden Kieselsteine in wilden Kapriolen tanzten. Balgor nickte dem anderen Soldaten zu, dann ließ er sich an der vor ihm liegenden Stellung auf die Knie sinken. Zu seiner Überraschung fand er dort jemanden, den er nicht erwartet hatte; die dunkelhaarige, gut einen Meter achtzig große Gestalt von Marek Rebis, dessen grüne Augen ihn mit aufmerksamer Wachsamkeit bedachten. »Captain Balgor«, begrüßte ihn der Mann. »Rebis?«, brachte Balgor ungläubig hervor. »Ich dachte, Colonel Ekko hätte Sie und ihren Trupp zurückgezogen.« Das heftige Krachen einer neuerlichen Explosion zwang sie zur Unterbrechung ihres Gespräches. Jelard neben ihnen duckte sich weg. Einige hundert Meter entfernt zersplitterte Glas aus den Fenstern eines Gebäudes, regnete als tödlicher Schrapnellhagel auf die Straße und die dort geparkten Panzerfahrzeuge herab. Eilig schlugen die Besatzungen ihre Turmluken zu, suchten Schutz in oder unter den Rümpfen ihrer Fahrzeuge. »Jawohl, Sir«, bestätigte Rebis die Annahme des Captain. »Ich konnte den Colonel jedoch davon überzeugen, dass wir jeden Mann hier draußen brauchen.« »Verstehe«, murmelte Balgor nachdenklich. Der Trupp war lediglich acht Mann stark. Zwei der Soldaten fehlten, und Melbin wirkte auch nicht gerade, als wenn er sich in der Verfassung befand, es mit einem Ork aufnehmen zu können. Zudem waren zwei der Soldaten halbe Kinder, wobei Rahael mit seltsam gewandelter Miene im Schützengraben stand und darauf wartete, dass der Feind durch das Tor brach. Was war mit ihm geschehen? »Ja, gut«, zerrte sich der Captain aus seinen eigenen Gedanken zurück in die Realität und fixierte sein Gegenüber. »Wenn Sie meinen. Ich könnte Sie an einen meiner Trupps anschließen.« »Wir haben bereits eine gute Führung«, informierte ihn der Corporal. »Ach so«, brummte Balgor zurück, die Augenbrauen überrascht erhoben. Das hatte er nicht erwartet. Ging es Sergeant Lenhim bereits wieder so gut? »In Ordnung«, brach der Captain das Thema ab, indem er sich dem Tor zuwandte, das sie mächtige Barriere von den grünen Horden des Feindes trennte. »Wie stellt sich die Lage dar?« »Sie versuchen bereits seit gut drei Stunden, das Haupttor aufzubrechen«, meldete der imperiale Corporal mit ernstem Blick auf die Außenmauer. »Bisher ist es ihnen nicht gelungen.« »Kommt noch, kommt noch«, versicherte der Vorgesetzte. »Sobald sie mit schwerem Kaliber anrücken, können wir einpacken.« Krachender Donner unterstrich seine Worte, verhöhnte und bestätigte sie zugleich. »Ich meinte: wirklich schweres Kaliber«, verbesserte er sich. »Captain Balgor!«, ertönte der erfrischende Klang jungfräulicher Weiblichkeit hinter ihm. Der Captain fuhr herum. Leitis Sile, in die schwere Panzerung ihres Ordens gehüllt und einen Schweren Bolter mit Munitionstrommel in den gepanzerten Händen, kam auf sie zu. Offensichtlich hatte sie das Gerät aus einem der zerstörten imperialen Kampffahrzeuge geborgen oder sie über das Munitorum bezogen. Sie maß ihn mit einem kurzen Blick, während heißer Wind ihr goldenes Haar zur Seite kämmte. Balgor starrte mit offenem Mund zurück. »Meldung, Corporal«, verlangte sie, an Rebis gewandt. Der Unteroffizier versteifte sich. »Ma†™am, der Trupp ist kampfbereit. Noch ist der Feind nicht durch das Tor gebrochen; wir erwarten seinen Ansturm aber in Kürze. »Ich verstehe«, nahm sie die Meldung des Imperialen ab. Balgor fand indes endlich seine Sprache wieder. »Wer hat Sie denn zum Truppführer ernannt?«, brachte er hervor. »Colonel Ekko«, erwiderte sie, als sei es eine Selbstverständlichkeit, dass ein imperialer Colonel eine des Adeptus Sororitas zu einem Truppführer seiner eigenen Einheiten ernannte. »Ach so«, erwiderte der Captain mit derselben Selbstverständlichkeit, bevor er sich am Kopf kratzte. »Dann ist er jetzt vollkommen verrückt geworden.« »Wie bitte?«, wollte die Sororita wissen. Erst jetzt begriff Balgor, dass er seinen letzten Gedanken ausgesprochen hatte. Eilig winkte er ab. »Nicht so wichtig.« Sile neigte verstehend den Kopf. »Wie Ihr meint, Captain. Halten Sie die Stellung, Corporal.« Dann ging sie weiter, so als sei dieser Schützengraben nur eine Etappe auf ihrer Pilgerreise gewesen. Die Männer konnten nicht anders, als ihr nachzublicken. »Colonel Ekko hat ihr das Kommando gegeben?«, fragte Jelard kopfschüttelnd. »Warum tut der Colonel so etwas?« Hilflos zuckte der Captain neben ihm die Achseln. Er verstand das Universum nicht mehr. »Das ist ungefähr so, als wenn Sie ein Bolt fragen, weshalb es einen Schädel zur Explosion bringt.« Unter lautem Krachen brach eine der Verriegelungen, mit denen das Haupttor der Stadtmauer verschlossen gehalten wurde. Rundherum gingen Soldaten in Deckung, als würden Splitter der schmiedeeisernen Torriegel aus dem Panzerstahl brechen wie pfeilschnelle Schrapnelle, die unkontrolliert in die Reihen der Infanteristen spritzten. »Bereitmachen!«, schrie der Captain, erwachte mit Getöse aus seiner Verwirrung. »Das Tor hält nicht mehr lange stand!« Vielstimmig wurde sein Befehl weitergegeben, während sich der Captain mit kurzem Nicken von dem Corporal verabschiedete und, seinen Funker im Schlepptau, zurück zu seinem Kommandotrupp sprintete. Einige Meter weiter verlor Captain Retexer wieder einmal seine Selbstbeherrschung. Die Laserpistole des Offiziers zuckte wie eine verletzte Schlange umher, während der imperiale Offizier wilde Verwünschungen gegen den Feind schleuderte und die Männer ein ums andere Mal an die Bedeutung von Dienst und Ehre erinnerte. Balgor hätte ihn dafür am liebsten erschlagen. *** Das Kommandozentrum fing die allgemeine Stimmung dermaßen perfekt ein, dass sich selbst Ekko und Carrick vorkommen mussten, als würden sie direkt an der Front stehen. Woran es lag, konnte keiner von ihnen sagen, doch der nervöse Tumult, der seit Eintreffen der ersten Nachrichten über die Ankunft der Orks herrschte, hatte das ruhige, professionelle Regimentshauptquartier in einen wilden Haufen aufgeregter zweibeiniger Ameisen verwandelt. »Also, meine Herren«, rief Ekko die Captains, Maschinenseher und Munitorumsangestellten zusammen, die er ins Beinhaus bestellt hatte. Das Gespräch mit den Space Marines hatte er bereits noch in der Nacht geführt. »Machen wir das schnell.« Er verschränkte aufmerksam die Arme und deutete zu der holographischen Sphäre, die ihnen ein von statischen Überlagerungen geprägtes Bild der angreifenden Flut bot. »Hier kommen Sie«, präsentierte der Colonel die Angreifer. Die Orkhorde, die vor den Stadtmauern der Kathedrale ausharrte, war bereits auf eine solche Größe angewachsen, dass sie nur noch über die Weitbereichsaufzeichner der mobilen Scanner aufgefasst und angezeigt werden konnte. Eine gewaltige Flut aus feindlichen Kräften, die gegen die Schutzwälle der Himmelskathedrale brandete, um durch den Verteidigungsring zu brechen und alles niederzumachen, was an menschlichem Leben innerhalb dieser Mauern noch existierte. Ein Oberster des Departmento Munitorums, ein aufgedunsenes Wesen im Rang eines Konsuls, erhob seine zittrige Stimme. »Herr auf dem Thron! Sind das viele!« »Mir fällt kein Gebet ein, das einen vor dem hier bewahren könnte«, bemerkte der Techpriester, der direkt neben ihm stand, fassungslos. Ekko nickte zustimmend. »Auch ich habe mir darüber Gedanken gemacht, meditiert und unsere Schwester vom Orden des zerfledderten Leichentuchs gefragt, aber …« In das allgemeine Schnaufen der Entrüstung zuckte er die Schultern. »Keine Antwort. Also †“ hier herumsitzen und verzweifelt beten ist nicht der richtige Weg.« Der Colonel wirkte wieder wie immer, leicht zynisch, leicht sarkastisch †“ so als hätte es die letzte Nacht für ihn überhaupt nicht gegeben. Hatte es vermutlich auch nicht. Colonel Ekko war ein Meister darin, Dinge auszublenden, die für ihn nicht funktioniert hatten. Bei seinen Untergebenen indes war das nicht so einfach. »Also«, lenkte der imperiale Offizier die Aufmerksamkeit auf das Thema, das er ansprechen wollte. »Ihren Statusbericht?« Eine heftige Explosion ließ die Kommandozentrale erbeben. Das Licht flackerte. Sämtliche Administraten duckten sich ängstlich. »Was verlangen Sie?«, rief der fette Konsul aus. »Unsere Leute können nicht so schnell arbeiten!«, erinnerte er den imperialen Offizier an das offensichtliche Problem, das jeder Adept sofort erkannt hätte. »Da hören Sie die Antwort«, rief der Basteter über das Donnern eines weiteren Treffers hin. »Artillerie. Wir brauchen Artillerie, meine Herren.« Er entblößte seine Zähne in einem raubtierhaften Grinsen, das grimmige Zustimmung bei seinen Offizieren hervorrief. Lediglich Carrick blieb professionell unbewegt. »Wo liegt das Problem? Über die Versorgung brauchen wir uns wirklich keine Sorgen zu machen«, fasste er die Lage zusammen. »Wir haben Waffen und Munition im Überfluss.« Er hatte recht. Keinen von ihnen die hatte die Szene am frühen Morgen vergessen, als Ekko in zielsicherer Selbstverständlichkeit die Bestände an Faustfeuer- und Nahkampfwaffen geplündert hatte, um jedem seiner Soldaten Zweitwaffen und zusätzliche Messer mitzugeben. Die Adepten hatten zwar drohend protestiert, aber gegen bewaffnete imperiale Soldaten anzutreten, so mutig waren sie dann doch nicht gewesen. »Also!«, schrie Ekko. Die Adepten fuhren zusammen. »Wo liegt das Problem?« »Die von Ihnen während der Besprechung skizzierten Pläne für eine Raketenabschussvorrichtung sind schwierig umzusetzen und …«, versuchte der fette Konsul ausweichend zu erklären, wurde von Ekkos Handbewegung jedoch umgehend zur Seite gewischt. »Das stellt mich nicht zufrieden. Wie viele Werfer haben wir bisher?« »Zwei. Bestückt und einsatzbereit.« »Herr auf dem Thron! Zwei?« Ekko stöhnte auf. »Beim Barte des Propheten! Sie sollen ein paar Stahlschienen zusammenschweißen und eine Abschussvorrichtung daran anbringen! Was dauert da denn solange?« »Es gibt viele Schwierigkeiten, die beachtet werden müssen …«, bemühte sich der Konsul, inzwischen stark schwitzend, irgendwie aus der Lage zu kommen, in die er sich wenig glorreich manövriert hatte. »Schwierigkeiten?!« Die Faust des Colonels donnerte auf dem Plottisch. »Ich wage nicht, mir Wissen über Technologie anzumaßen, das ich nicht besitze. Aber, was beim Barte des Propheten treiben Sie da eigentlich?« »Jeder Maschinengeist bedarf wichtiger Rituale, um …« »Wichtige Rituale?!«, schrie Ekko den Mann nieder. »Ihr abnormalen Technodackel schafft es nicht, eure stinkenden Weihrauchfässchen schneller zu schwenken? Oder haben Ihre ‚Schwierigkeiten†˜ mit der Tatsache zu tun, dass ich Ihnen so dermaßen über den Arsch gefahren bin?!« Der Konsul, inzwischen puterrot geworden, setzte zu einer wenig freundlichen Antwort an, die sein Denken bereits in vollstem Maße eingenommen hatte, aber seine Lippe nie verlassen sollte. »Ich werde Ihre Unfähigkeit dem Kommissar-General melden, sollte er jemals wieder zu sich kommen«, schnitt sein gegenüber jedes weitere Wort des Fleischberges ab. »Und jetzt halten Sie die Klappe. Ich muss denken. Carrick.« Der Major versteifte sich und trat zu seinem Kommandeur. »Sir?« Ekko, die Linke verschwörerisch denkend an sein Kinn gelegt, beugte sich zu seinem Stellvertreter, während er die aufmerksam zusehenden Administraten mit warnenden Blicken bedachte. »Wir haben doch noch die Salvenraketenwerfer, die eigentlich unter die Walküren gesetzt werden.« »Ja, das stimmt, aber …?« »Und wir haben doch auch verdammt viele Schützenpanzer und Lastkraftwagen.« Ekkos Miene deutete bereits an, worauf er hinauswollte. »Einen Raketensturm?!«, sprach Carrick die Idee seines Vorgesetzten dennoch aus. »Genau«, stimmte Ekko zu. »Ich weiß, die Idee ist in erster Instanz abgelehnt worden, weil die Waffensysteme als unberechenbar gelten. Aber solange die Affen vom Departmento nicht mit den richtigen Raketenbatterien rüberkommen, müssen wir irgendetwas finden, um den Orks wenigstens etwas entgegenzusetzen.« »Halten Sie das für klug?«, wandte der Major ein. »Wir würden Ressourcen verschwenden.« Ekko bedachte ihn mit einem befremdeten Blick. »Besser, wenn wir sie verschwenden, als dass es die Orks später tun, finden Sie nicht?« »Das ist richtig«, musste sich der hochgewachsene Basteter eingestehen. »Aber was wird der Kommissar-General dazu sagen?« »Wenn er sich entscheiden sollte, mein Verhalten zu verurteilen, dann werde ich als Einziger bestraft. Das Regiment würde vermutlich sogar noch belobigt werden, weil die Leute meine Befehle wortgetreu ausgeführt haben.« »Verstehe, Sir.« »Gut«, schloss Ekko die kleine Zwischenbesprechung. »Dann ist es beschlossene Sache. Auf geht†™s, ab geht†™s! Und stellen Sie die Reserve ab. Sie soll den Techpriestern und Adepten zur Hand gehen.« »Sie meinen: sie überwachen«, korrigierte Carrick. Ekko lächelte. »Ach ja, richtig.« Weitere Worte waren nicht mehr möglich. Nur eine Sekunde später heulten die Funkgeräte der Kommandozentrale auf. Helle Panik schrie die befohlene Funkstille nieder. »Tor gibt nach! Feind im Ansturm!« Die Anwesenden, selbst Funker und Operatoren, wirbelten zu der mächtigen Darstellung der Himmelskathedrale herum, die das Zentrum des improvisierten Hauptquartiers erleuchtete. »Was?«, rief Ekko, selbst um seine taktische Ruhe und Distanz gebracht, aus. »Das ist viel zu früh!« »Und so beginnt es«, stellte Major Carrick bitter fest. Der Colonel nickte finster und verfolgte mit verschränkten Armen, wie die Grünhäute durch das Haupttor brachen. *** In dem Moment, als das mächtige Tor krachend in Fetzen flog, Splitter ins Innere des Bollwerks platzten und pfeifende Querschläger Löcher in den Boden und die umgebenden Gebäude schlugen, stieß Prioris Leitis Sile einen markerschütternden Kampfschrei aus, der sich mutig dem Angriff der Grünhäute entgegenstellte. Zwei Herzschläge später krümmte sich ihr Finger um den Abzug. Der Schwere Bolter in ihren gepanzerten Armen donnerte los. Während die imperialen Soldaten entsetzt und verwirrt verfolgten, wie die schöne, unnahbar kühle Blonde ihrem Zorn auf die Feindes des Imperators freien Lauf ließ, strömten die Space Marines herbei, stimmten mit ihren lautsprecherverzerrten Bässen in den Schrei und mit ihren Waffen in das Stakkato des Feuers ein. Die erste Angriffswelle der Orks schaffte es nicht einmal zwischen den zerrissenen Flügeln des Haupttores hindurch. Von einer überwältigenden Wand aus Feuer empfangen, zerplatzten die grünen Orkkörper regelrecht und verteilten sich als waagerechter Regen über die nachfolgenden Angreifer. Ganze zehn Sekunden dauerte es, in denen die imperialen Soldaten dem Metallsturm als Zuschauer beiwohnten, bevor sich Captain Balgor aus dem Schützengraben zu seiner vollen Größe erhob. »Feuer frei!«, bellte er, die Hände als Trichter an den Mund gelegt. »Macht Sie fertig! Für unsere Lieben! Für Bastet! …« »Für den Imperator!«, überrollte ihn eine Welle aus Schall, die es sogar fertigbrachte, den röhrenden Krach der Waffen zu übertönen. Und dann brannte die Ebene vor Licht. Eine Mauer aus Lärm, Rauch und Feuer stemmte sich gegen die einfallenden Xenos. Wie die Steine eines alten Spiels von Terra fielen die Grünhäute durch das infernalischen Feuer der Imperialen, von Lasergewehren säuberlich durchlöchert, im Sturm der Bolterpatronen zerrissen oder durch die kohärenten Strahlen der Multilaser zerstrahlt. Erde spritzte in die Höhe, vermischte sich mit den zerfetzenden Körpern und aus der Außenmauer platzendem Schutt, von der schier dämonischen Brutalität des Feuerüberfalls aus ihrer ewigen Ruhe gebracht. Eine aufgewühlte Wolke aus Sand, Staub und Partikeln hüllte das Tor ein. Sergeant Kleit ließ das Magazin aus seinem leergeschossenen Lasergewehr fallen und zog im selben Atemzug ein neues aus der Tasche an seiner Koppel hervor. Dies war bereits das zweite Magazin, das er in den letzten Minuten verbraucht hatte. Bisher schafften sie es eigentlich ganz gut, den Feind direkt am Tor zu stoppen, vor allem dank der übermächtigen Feuerkraft der Space Marines und der Prioris, die ihnen durch die schweren Waffen einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Großzügig donnerten die Chimären mit Deuterium angereicherte Boltermunition in den anstürmenden Mob, einige zerstrahlten die Gegner auch mit ihren Multilasern, doch bisher hatten sich die Schützenpanzer deutlich zurückgehalten, was ihren Anteil in der Schlacht anging. Natürlich wusste Kleit, woran das lag. Die Fahrzeugbesatzungen warteten darauf, dass ihnen lohnendere Ziele vor die Rohre kamen, leichte Kampffahrzeuge etwa. Und Kleits Erfahrung nach würde es nicht mehr lange dauern, bis die Orks die ersten Bikes und Pikk-Ups in die Schlacht warfen. Rasch schlug er das neue Magazin in die Halterung. Mit einem pfeifenden Geräusch lud sich die Waffe wieder auf. Kleit ließ seinen Blick schnell, aber dennoch routiniert umherschweifen und vergewisserte sich, dass sowohl sein Trupp, als auch die neben ihnen kämpfenden Gruppen noch in ihren Gräben lagen und feuerten. »Störung!«, rief Soldat Merling aus und tauchte in den Graben ab, um sein heiß geschossenes Lasergewehr zu überprüfen. Kleit wollte sich ihm gerade zuwenden und rufen, er solle sich beeilen, als die Welt in Lärm und Hitze versank. Donnerndes Krachen explodierte zwischen die Torflügel des Haupteingangs. Ein gleißender Feuerball trieb die beiden riesenhaften Türen aus ihren Angeln und spie sie gegen die imperialen Linien. In einer Mischung aus Überraschung und Entsetzen verfolgte Kleit, wie ein halber Infanterietrupp von einem der titanischen Trümmerteile in seinem Schützengraben erwischt und zerquetscht wurde. Ein weiteres Teil traf eine der wartenden Chimären und riss den auf ihrem Turm montierten Sturmbolter samt Panzerkommandanten ab. »Herr auf dem Thron!«, rief Soldat Terin aus, als Kleits Halbtrupp gesammelt in Deckung ging. »Was war das denn?« »Ich habe keine Ahnung!«, bellte Sur zurück. »Sergeant?!« Kleit zuckte lediglich die Achseln. Zu einer Erwiderung kam er nicht. Der Boden unter ihren Füßen erzitterte. Im ersten Augenblick glaubte Kleit, ein weiterer Treffer habe die Außenmauern der Himmelskathedrale erschüttert, doch nur wenige Sekunden später begriff der Sergeant, dass es viel schlimmer war. Um sie herum erklangen Schreie, Warnrufe vor der Gefahr, die sich durch die zertrümmerten Überreste des gepanzerten Tores schob. Kleit wuchtete sich in die Höhe, versuchte etwas durch den dichten Rauch zu erkennen, den der feindliche Angriff verursacht hatte. Schemenhaft tauchte etwas daraus hervor, eine Form, die ihm vertraut erschien. »Nein!«, brachte er hervor. Ein schwer beschädigter Leman Russ-Kampfpanzer schälte sich in der leblosen Sturheit eines metallischen Objekts aus dem staubigen Vorhang, dessen Antlitz ihnen den Blick auf das Haupttor verwehrte, und der lediglich von den glühenden Bahnen der heißen Geschosse durchbrochen wurde. Mit röhrendem Motor und nachtschwarzen Rauch speiend walzte das Kampfgefährt über Tote und Schutt hinweg, zermalmte beides gleichermaßen unter seinen rasselnden Gleisketten. Kaum hatte das Fahrzeug den einstmals stolzen Durchgang des Haupttors passiert, blitzten seine Maschinenwaffen in heller Wut auf. Ohrenbetäubendes Brüllen aus tausenden Kehlen begleitete ihn dabei. Dann strömten neue Horden Orks durch das Tor. Kleit war fassungslos. Egal, was von den Grünhäuten auf die ohnehin schon schwer angeschlagenen Tore geschossen worden war, es hatte ihnen den Weg ins Innere der Himmelskathedrale geebnet. Wenn es den Imperialen nicht gelang, den Feind in den nächsten Minuten zurückzuwerfen und ihm den Zugang zur Kathedrale zu verwehren, dann ging diese Schlacht verloren, bevor sie eigentlich wirklich begonnen hatte. »Kampfpanzer!«, schrie der Sergeant, bevor ihn das Bolterfeuer in Deckung zwang.
  21. Salve mac, Schön, dass dir die Figuren gefallen. Das mit der Qualität bei den Bildern lässt sich leider nicht vermeiden. Meine Kamera gibt leider nicht mehr her. Mag sein, dass es vielleicht am Licht liegt, allerdings habe ich die Bilder extra bei Tageslicht geschossen, damit sich mehr erkennen lässt. Ich werd mal gucken, ob ich es vielleicht noch schärfer hinbekomme. Zu den Bases: Ich bin jetzt schon mehrmals drauf hingewiesen worden, dass die von mir verwendeten Bases irgendwie nicht gut sind, weil die Leute doch viel lieber GW-Bases sehen möchten. Da sage ich aber ganz klar, dass ich der Meinung bin, die GW-Bases passen einfach überhaupt nicht zu den Elysianern. Kasrkin, Cadianer, Catachaner? Kein Problem †“ Ich finde die Bases super für die. Aber für die Elysianer? Nein, in meinen Augen nicht. Die Elys sind einfach zu „zart†œ und „filigran†œ, um mit den Bases zu wirken. Wie du in meinem alten Armeeaufbau sehen kannst, hatte ich dort bereits mit den GW-Bases gearbeitet, war aber überhaupt nicht zufrieden, vor allem von der Höhe nicht. Die Elysianischen Sprungtruppen haben generell sehr geduckte Haltungen, arbeiten niedrig am Boden, anders als zum Beispiel die Cadianerfiguren. Für mich sollen gerade die Elys die Wirkung erzielen, nahe am Boden zu arbeiten, niedrig und geduckt, um etwa gegnerischem Feuer zu entgehen. Und das kann ich mit den GW-Bases leider nicht darstellen. Aufgrund dessen habe ich mich entschieden, meine Elys mit einfachen Bases auszurüsten, die wirklich nur minimal groß sind. Alles Vale SMN
  22. Und zusätzlich: noch ein paar neue Panzerbilder: Jaorah Nurins Jagdpanzer "Schwester Demeure"
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